Lexikon H

Haager Friedenskonferenzen: 1899 und 1907 in Den Haag (’s-Gravenhage) abgehaltene internationale Konferenzen, die zum Abschluss der Haager Konventionen über die friedliche Beilegung internationaler Streitigkeiten führten und zur Haager Landkriegsordnung, einer Konvention über die Gesetze und Gebräuche des Landkrieges; 1907 erweitert durch Konventionen über die Rechte und Pflichten der Neutralen und über die Seekriegführung.

Haanpää, Pentti, 14.10.1905 bis 30.9.1955, finnischer Schriftsteller. Im Mittelpunkt seiner realistischen Novellen («Die Landstraße entlang», 1925) und Romane («Bauern und ihre Schatten», 1935, deutsch; «Der Einfall des Gouverneurs», 1949, deutsch) stehen Bauern, Waldarbeiter und Flößer Nordfinnlands. Bedeutung erreichten auch sein Roman «Der Teufelskreis» (postum 1956, deutsch), eine Schilderung der Weltwirtschaftskrise um 1930, und der Antikriegsroman «Waldkrieg» (1940).

Haar, Pilus: charakteristische Oberhautbildung der Säugetiere und des Menschen; ein Hornfaden, der frei über die Oberfläche der Haut als Haarschaft (Scapus pili) hervorragt und mit der Haarwurzel (Radix pili) in einer Hülle, dem Haarbalg (Folliculus pili) steckt und zum Teil bis in die Unterhaut reicht. Das untere Ende der Wurzel ist zur Haarzwiebel (Bulbus pili) verdickt, an die im Bereich der Haarpapille (Papilla pili) Blutgefäße, Nerven und Bindegewebe herantreten. In den Haarbalg münden Talgdrüsen (Einfettung des Haar und der Haut). Die kleinen glatten Muskeln des Haarbalges (Haarbalgmuskeln) können das Haar aufrichten («Gänsehaut»). Haarwurzeln und Haarschaft bestehen aus Rinden- und Marksubstanz, eingelagerte Pigmente sowie der Gehalt an Luftblasen sind für die Haarfarbe verantwortlich. Siehe auch Haut.

Haarbalgmilben, Demodicidae: Milbenfamilie mit wurmförmigen, kurzbeinigen, äußerlich geringelten 0,09 bis 0,4 mm langen Arten; leben in den Haarfollikeln der Säugetiere und des Menschen; verursachen bei Massenbefall Haarausfall.

Haarbeutel: zur Zeit Ludwigs XIV. zur Herrenfrisur gehörender kleiner Taftbeutel, in den das lange Haar am Hinterkopf gelegt wurde.

Haarfrosch, Trichobatrachus robustus: bis 13 cm langer Froschlurch der Regenwaldgebiete Westafrikas; das Männchen trägt zur Laichzeit an Flanken und Oberschenkeln haarähnliche, gut durchblutete Hautausstülpungen.

Haargarn: Garn aus groben Haaren (Grannen-, Stichelhaaren); meist gemischt mit anderen Fasern, zum Beispiel Wolle, versponnen; vorwiegend als Polmaterial für Haargarn Teppiche.

Haarlem: Stadt im Westen der Niederlande, Verwaltungszentrum der Provinz Nordholland, westlich von Amsterdam; 160000 Einwohner; Maschinenbau, polygraphische Industrie (Buchdruck, Letterngießerei); Verlage; Blumenzwiebelzucht, -börse, -handel (Export); Frans-Hals-Museum; Große Kirche St.-Bavo (15. Jahrhundert), Rathaus (13. Jahrhundert), Stadtwaage (16. Jahrhundert); Haarlemer Orgeltage.

Haarlemmermeer: Polder im Westen der Niederlande, in der Provinz Nordholland; 4 m u. M.; ehemals ein See, der in der Mitte des 19. Jahrhundert trockengelegt wurde; von Kanalnetz durchzogen, Entwässerung durch Pumpwerke; auf etwa 180 km2 fruchtbaren Bodens Anbau von Weizen, Zuckerrüben, Kartoffeln; Milchvieh- und Blumenzucht; wichtigster Ort Haarlemmermeer.

Haarlineal, Messerlineal. Prüfmittel mit einer schneiden förmigen Kante aus Stahl zur Verkörperung der Geraden in der mechanischen Fertigung. Die Form der zu prüfenden Linien oder Flächen wird durch Lichtspaltprüfung oder geeignete Messgeräte beziehungsweise Lehren mit dem Haarlineal verglichen. Zur Prüfung der Lageabweichung vom rechten Winkel werden Haarwinkel benutzt.

Haarmücken, Märzfliegen, Bibionidae: Mückenfamilie mit meist schwarzen, etwa 15 mm langen Arten; Larven leben in der Erde von pflanzlichen Zerfallsstoffen, einige auch an lebenden Wurzeln. Die Gartenhaarmücken (Bibio hortulans) schädigt oft Gemüsepflanzen; Vollkerfe sind langbehaart; Blütenbesucher, meist auf Dolden.

Haarsterne, Federsterne, Comatulida: Ordnung der Stachelhäuter mit 550 Arten; in der Jugend festsitzend, nach mehrmonatiger Entwicklungszeit frei beweglich; am kelchförmigen Körper sitzen mindestens 5 meist verzweigte Arme; Körper und Arme sind mit Kalkplatten bedeckt. Haarsterne leben in allen Meeren bis in 1500 m Tiefe. Viele Arten mit starker Autotomie; abgestoßene Arme werden regeneriert, sogar halbierte Tiere wachsen zu vollständigen Haarsterne aus.

Haarstrang, Peucedanum: Gattung der Doldengewächse mit mehrfach fiederteiligen Blättern und auffälligen Blütendolden auf Trockenrasen, Wiesen und Mooren.

Haarwürmer, Capillaria: Gattung der Fadenwürmer, sehr dünne, bis 5 cm lange, im Darm oder in den Lungen von Säugetieren und Vögeln lebende Schmarotzer; einige Arten sind Krankheitserreger.

Haarzunge: menschliche Zunge mit haarartig verlängerten verhornten Papillen, grünlich bis schwärzlich verfärbt. Als Ursache der Haarzunge wird eine Störung der Mundflora vermutet, tritt gelegentlich nach Chemotherapie auf.

Haas: 1. Joseph Haas, 19.3.1879-30.3.1960, Komponist; schrieb volkstümliche Opern («Tobias Wunderlich», 1937; «Die Hochzeit des Jobs», 1944), das Volksliedoratorium «Das Jahr im Lied» (1952) und weitere auf Schlichtheit und Breitenwirkung bedachte Vokal- und Instrumentalwerke.

2. Leo Haas, 15.4.1901-13.8.1983, Graphiker und Karikaturist; progressiver Pressezeichner in Wien und nach Haft in faschistischen Konzentrationslager (1939/45), in Prag; seit 1955 in Berlin; schuf entlarvende Karikaturen der politischen Reaktion sowie Graphiken zu antifaschistischer Thematik.

3. Haas, Monique, geboren 20.10.1909, französische Pianistin; konzertierte seit 1928 mit großem internationalem Erfolg, insbesondere mit zeitgenössischer französischer Musik.

Haase: 1. Helga, geboren Obschemitzki, geboren 9.6.1934, Olympiasiegerin 1960 im Eisschnelllauf über 500 m und Gewinnerin der olympische Silbermedaille über 1000 m, vorübergehend Weltrekordhalterin im Eisschnelllauf-Mehrkampf.

Hába, Alois, 21.6.1893-18.11.1973, tschechischer Komponist; entwickelte, von ähnlicher Erscheinungen der Folklore ausgehend und unter Berufung auf antike Musiksysteme, eine Musik mit Viertel- und Sechstel-Tonschritten, wofür er Instrumente konstruierte, Werke in allen Gattungen schrieb (darunter Oper «Die Mutter», 1932; 15 Streichquartette) und theoretische Begründungen veröffentlichte; lehrte 1923/51 als Professor am Prager Konservatorium.

Habanera: (nach der kubanischen Hauptstadt) spanisch-kubanischer Paartanz im mäßigen Takt; aus seinen Elementen entwickelte sich der Tango.

Habe, Hans, 12.2.1911-29.9.1977, österreichischer Schriftsteller; verfasste antifaschistische Zeitromane, wie zum Beispiel «Ob tausend fallen» (1943), eine Darstellung des Zusammenbruchs der französischen Armee; außerdem aktuelle Tatsachenromane, wie «Der Tod in Texas» (1964) unter anderem.

Habeaskorpusakte: (lateinisch habeas corpus, «Du habest den Körper») britisches Staatsgesetz von 1679, benannt nach den lateinischen Anfangsworten des mittelalterlichen Haftbefehls. Die Habeaskorpusakte festigte Bestimmungen, die seit der Magna Charta Libertatum 1215 wiederholt erlassen worden waren. Sie verbietet vor allem Verhaftungen ohne richterliche Anordnung und sollte die bürgerlich-kapitalistische Ordnung in England vor der Willkür des nach der bürgerlichen Revolution 1660 restaurierten Königshauses Stuart schützen. Die Habeaskorpusakte ist bis heute gültig, kann jedoch bei Staatsgefährdung ausgesetzt werden (zum Beispiel in Nordirland) und ist damit ein Instrument der Bourgeoisie im Klassenkampf geblieben.

Habeck, Fritz, geboren 8.9.1916, österreichischer Schriftsteller, verfasste erfolgreiche Romane, wie «Der Scholar vom linken Galgen» (1941), realistisch-kritische Gegenwartsromane, besonders «Der Ritt auf dem Tiger» (1958), sowie bühnenwirksame Dramen.

Habeneck, François Antoine, 22.1.1781-8.2.1849, französischer Violinist und Dirigent; gründete und leitete die Pariser Konservatoriums Konzerte, in denen er sich besonders für Beethovens Sinfonien einsetzte; wirkte stark auf Habeneck Berlioz und R. Wagner.

Haber, Fritz, 9.12.1868-29.1.1934, Physikochemiker; erforschte mit seinen Arbeiten zur chemischen Thermodynamik unter anderem die theoretische Grundlage der technischen Ammoniaksynthese. Er war im 1. Weltkrieg maßgeblich an der Entwicklung chemischer Kampfstoffe beteiligt.

Haberlandt, Gottlieb, 28.11.1854-30.1.1945, österreichischer Botaniker, begründete die physiologische Pflanzenanatomie, forschte über Pflanzenhormone.

Habermas, Jürgen, geboren 18.6.1929, Philosoph der BRD; Vertreter der Frankfurter Schule; beschäftigt sich mit Fragen der Ideologiekritik und strebt eine Revision des historischen Materialismus an.

Habersaath, Erich, 1893-9.11.1918, Funktionär der revolutionären Jugendbewegung, Metallarbeiter; Mitglied der USPD; gehörte der Leitung der am 26.121. Oktober 1918 in Berlin unter maßgeblichen Einfluss der Spartakusgruppe gegründet Freien sozialistischen Jugend Deutschlands an. Habersaath wurde während einer Demonstration Berliner Arbeiter vor einer Kaserne erschossen.

Habichte, Accipiter: weltweit verbreitete Greifvögel; in Wäldern Eurasiens und Nordamerikas der Hühnerhabicht (Accipiter gentilis), der Kleinsäuger und Vögel bis Hühnergröße erbeutet. Das Weibchen ist 60 cm lang und 1,2 kg schwer, das Männchen etwas kleiner, wird oft zur Beizjagd auf Niederwild abgerichtet; siehe auch Sperber.

Habichtskorb: Fangvorrichtung für Greifvögel; mit einer Taube als Lockvogel.

Habichtskraut, Hieracium: sehr artenreiche Gattung von Korbblütlern mit meist gelben Zungenblüten; einige Arten sind Gartenzierpflanzen, zum Beispiel das Orangerote Habichtskraut (Hieracium aurantiacum).

habil: (lateinisch) geschickt; fällig; handlich, passend.

Habilitation: (lateinisch, «Eignungsnachweis») Erwerb des in einigen Ländern höchsten akademischen Grades (Dr. habil.).

Habitat: charakteristischer Stand- oder Wohnort, den eine Pflanzen- oder Tierart innerhalb eines größeren Lebensraumes einnimmt.

Habituation: Gewöhnung; in der Physiologie Nachlassen und schließlich Verschwinden der Reaktion des Organismus beziehungsweise seines Nervensystems auf einen Reiz, wenn dieser viele Male in kurzen Abständen wiederholt einwirkt; bezieht sich auch auf bioelektrische Reaktionen.

habituell: fest angeeignet, zur Gewohnheit geworden.

Habitus: 1. allgemein Erscheinungsbild, äußere Gestalt (von Lebewesen unter anderem); Haltung.

2. Kristallographie: Kristall.

Habsburger: Herrschergeschlecht in Österreich; benannt nach der im Schweizer Kanton Aargau gelegenen Stammburg, hatte auch umfangreiche Besitzungen beiderseits des Oberrheins. 1273/1806 mit 2 Unterbrechungen (1308/1498 und 1742/45) im Besitz der deutschen Königs- und der römisch-deutschen Kaiserwürde. 1282 erwarben die Habsburger Österreich und die Steiermark, die den Kern ihrer Hausmacht bildeten; dazu kamen 1335 Kärnten (mit Krain) und 1363 Tirol. 1477 gewannen sie die Niederlande und die Freigrafschaft Burgund durch Heirat, 1504 Kastilien, 1516 Aragonien mit Neapel und Sizilien. 1521/22 überließ Karl V. seinem Bruder Ferdinand I. die österreichische Erblande, zu denen 1526/27 das Königreich Böhmen und der Westteil Ungarns mit Kroatien kamen. 1555/56 spalteten sich die Habsburger in eine spanische (1700 ausgestorben) und eine österreichische Linie (1740 in weiblicher Erbfolge fortgesetzt und durch Vermählung ab 1736 Linie Habsburg-Lothringen). Durch Erfolge gegen die Türken wurden die Habsburger Herren über das gesamte Ungarn, Transilvania und Slawonien (1699), des Banates (1718), bis 1739 auch der Kleinen Walachei und Nordserbiens und ab 1775 der Bukowina. Dazu kamen nach dem Spanischen Erbfolgekrieg 1714 die südliche Niederlande, Mailand und vorübergehend Neapel und Sizilien sowie durch die Teilungen Polens Galizien (1772) und Teile Kleinpolens (1795). 1804 hatten sie den Titel Kaiser von Österreich angenommen, 1806 legten sie die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder; 1918 verzichteten sie auf den Thron.

Hácha, Emil, 12.7.1872-1.6.1945, tschechischer Politiker; als sogenannt Präsident des «Protektorats Böhmen und Mähren» war er ein Exponent der mit den faschistischen deutschen Okkupanten kollaborierenden tschechischen Finanzbourgeoisie.

Hachinohe: Stadt in Japan, in der Präfektur Aomori, im Nordosten der Insel Honshu; 240000 Einwohner; Hütten-, Baustoff-, Lebensmittelindustrie, Petrolchemie; Fischereihafen.

Hachse, Haxe, Hesse: oberer Teil des Unterschenkels von Schlachttieren, besonders vom Kalb.

Hachulla, Ulrich, geboren 30.5.1943, Maler und Graphiker; 1963/68 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, dort Leiter der Werkstatt für Kupferstich und Radierung. Schildert mit wirklichkeitsnahe Zeichnerische Präzision den Menschen und seine Umwelt und gestaltet historische Themen, zahlreiche Kompositionen erfahren eine sinnbildliche Verdichtung der Aussage.

Hackbau: bei Bodenbauern Form der Bodenbearbeitung mittels Eisen-, auch Hartholz-, Knochen- oder Muschelhacke; besonders charakteristisch für die tropischen Wald- und Savannengebiete Afrikas.

Hackbiss: überwiegend vertikale, vom Temporalismuskel gesteuerte, wenig effektive Kaubewegung des Unterkiefers ohne seitliche über den Massetermuskel ermöglichte Mahlbewegung. Den Hackbiss findet man häufig bei Kieferanomalien, zum Beispiel Deckbiss, Kreuzbiss.

Hackbrett: altertümliches, dem Psalterium verwandtes Saiteninstrument. Die über einen flachen, meist trapezförmigen hölzernen Schallkörper gespannten Metallsaiten werden mit 2 Hämmerchen geschlagen. Das Hackbrett hat sich in den Alpen und in Südosteuropa (Cymbal 1) bis heute als beliebtes Volksmusikinstrument erhalten.

Hacken: lockernde und unkrautbeseitigende Bodenbearbeitung mit Handhacke oder Hackmaschine (Maschinenhacke); wichtige Pflegemaßnahmen bei den meisten Ackerfrüchten. zwischen Aussaat und Aufgang der Kulturpflanzen kann Blindhacken erfolgen; zur Erreichung sauberer Pflanzenbestände durch chemischen und anbautechnischen Maßnahmen ergänzt.

Hackenfuß: auf der Ferse (Hacke) in Spitzwinkelstellung stehender Fuß; meist angeboren, seltener als Lähmungsfolge entstehend.

Hackenmaß: Schuhherstellung Umfangsmaß, von der Ferse (Hacke) bis zum Rist gemessen.

Häckerle: Salat aus Salzheringsfilet milder Salzung.

Hackert, Philipp, 15.9.1737-28.4.1807, Maler; lebte seit 1768 in Italien; malte Landschaften mit strengem, oft schematische Bildaufbau. J. W. Goethe schrieb 1811 die Biographie von Hackert.

Hackfleisch: rohes, zerkleinertes Skelettmuskelfleisch warmblütiger Tiere, meist vom Rind oder Schwein, das roh genossen werden kann. Schieres Rinderhackfleisch (entsehnt, Fettgehalt unter 10%) heißt Schabefleisch (Geschabtes), gewürztes Schweinehackfleisch (Fettgehalt unter 40%) Hackepeter. Gehacktes ist grob entsehntes Muskelfleisch einer Tierart.

Hackfrüchte: Kulturpflanzen, die in regelmäßiger Reihenkultur oder in Quadraten angebaut, während ihrer Vegetationszeit einmal, in der Regel jedoch mehrmals als Pflegemaßnahme den Bearbeitungsgang Hacken erfordern. Man rechnet zu den Hackfrüchten alle Rübenarten, die Kartoffel, die Mehrzahl der Gemüsearten sowie den Mais. Die Hackfrüchte sind häufig gute Vorfrüchte für andere Kulturpflanzen.

Hackmaschine: 1. Landwirtschaft: Vielfachgerät.

2. Papierindustrie: Maschine zum Zerkleinern von Baumstämmen in Holzschnitzel. Hackmaschinen neuerer Konstruktion haben eine mit 8 bis 16 Messern versehene Stahlscheibe von 2 bis 4 m Durchmesser.

Hackschnitzel: durch Spezialhacker gewonnene Holzstücke aus Bäumen, Ästen, Kronen und Holzresten, die je nach Anteil von Rinde oder Grüngut in der Spanplatten- und Faserplatten sowie Papierindustrie verwendet werden; sind bei groben Verunreinigungen oder ungeeigneter Partikelgröße nur zu Brennzwecken geeignet.

Häcksel: kurzgeschnittenes Stroh, Heu oder Grünfutter; Einstreu und Viehfutter.

Häckselmaschine: stationäre Arbeitsmaschine zum Schneiden (Häckseln) von Blatt- und Halmgut (Grüngut, Heu, Stroh), um dessen Verfütterungs-, Verarbeitungs-, Förder- und Lagerungseigenschaften zu verbessern. Moderne, mobile Bauform der Häckselmaschine ist der Feldhäcksler.

Hacksilber: zerhackte Silbermünzen und zerbrochene Schmuckgegenstände des 10./11. Jahrhundert; dienten wahrscheinlich als Zahlungsmittel, waren in Nord- und Osteuropa verbreitet.

Hackwaldwirtschaft, Haubergwirtschaft: eine Verbindung zwischen Niederwaldwirtschaft und landwirtschaftliche Bodennutzung. Bei Hackwaldwirtschaft wird nach Abholzen des Niederwaldes bis zum erneuten Stockausschlag der Boden zwischen den Mutterstöcken mit der Hacke bearbeitet und 1 oder 2 Jahre für den Getreideanbau genutzt.

Hadamard, Jacques, 8.12.1865 bis 17.10.1963, französischer Mathematiker; erzielte grundlegende Resultate in der Funktionentheorie, Topologie, Zahlentheorie, Funktionalanalysis und über Differentialgleichungen.

Haderer: obere Eckzähne des Keilers; siehe auch Gewehre.

Hadern: als Rohstoff für spezielle Papiere verwendete Alttextilien (Leinen-, Hanf- und Baumwollgewebe).

Hades: das Reich des griechischen Gottes der Unterwelt, die Unterwelt selbst; siehe auch Orkus.

Hades, griechischer Gott der Unterwelt, Sohn des Kronos, Bruder von Zeus, Hera, Poseidon unter anderem; entführte Persephone als seine Frau in sein Reich.

Haditha: Stadt im Westen Iraks, am Mittellauf des Euphrats; 40000 Einwohner; Erdölverarbeitung; Knotenpunkt mehrerer Pipelines (Erdöl, -gas) von Kirkuk beziehungsweise den südlichen Feldern nach den Erdölhäfen am Persischen Golf (Al-Fao, Khor al-Amaya, Mina al-Bakr) oder nach den Mittelmeerhäfen Tripolis, Banjas und Dörtyol; bei Haditha Staudamm mit Wasserkraftwerk (570 MW) im Bau.

Hadlaub, Johannes, um 1260 um 1340, Dichter aus Zürich; bürgerliche Herkunft; verfasste volkstümliche Herbst- und Erntelieder, auch Minnelieder; Titelgestalt einer Novelle von G. Keller.

Ha Dong: Stadt (Provinzzentrum) im Osten von Vietnam, südwestlich von Hanoi; wichtiger Industriestandort mit Maschinenbau, Baustoff-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie.

Hadrian, Publius Aelius Hadrianus, 24.1.76 bis 10.7.138, römischer Kaiser seit 11.8.117; forderte den Übergang zur defensiven Außenpolitik und versuchte, die Reichsgrenzen zu sichern (Hadrianswall). Hadrian reorganisierte Verwaltung, Finanzwirtschaft und Rechtspflege und förderte Baukunst, Kunst und Philosophie.

Hadrianswall: unter Hadrian 122/28 nach Christus in Britannia gegen die Skoten erbauter Limes zwischen dem Solway Firth und der Mündung des Tyne.

Hadronen: Elementarteilchen, die der starken Wechselwirkung unterliegen; Sammelbezeichnung für Mesonen und Baryonen. Die Hadronen besitzen eine innere Struktur, die durch ihren Aufbau aus den Quarks erklärt wird.

Haeckel, Ernst, 16.2.1834-9.8.1919, Naturforscher und Philosoph; Verfechter des Darwinismus; wandte sich während seines Medizinstudiums besonders der vergleichenden Anatomie und Zoologie zu und wirkte seit 1861 als Privatdozent, ab 1862 als Professor der Zoologie in Jena. Haeckel verfasste grundlegende Arbeiten zur Abstammungslehre und Entstehung des Lebens, entwickelte die tierische Ahnenreihe des Menschen und stellte erste Stammbäume auf («biogenetisches Grundgesetz»), die er erfolgreich popularisierte. Er begründete 1908 das erste Museum für Abstammungslehre, verfasste Monographien über niedere Meerestiere (Radiolarien, Medusen, Korallen, Schwämme). Haeckel vertrat einen naturwissenschaftlichen (nicht dialektische) Materialismus und nannte seine Weltanschauung, die er besonders durch sein Werk «Welträtsel» (1899) verbreitete, monistisch.

Hafenbau: Spezialgebiet des Wasserbaues für alle zu einem Fluss- oder Seehafen gehörenden baulichen Anlagen einschließlich Straßen-, Gleis- und Rohrleitungsbau sowie Hochbau für Lagerhallen.

Hafenzeit: Zeitunterschied zwischen dem Monddurchgang durch den Meridian des betreffenden Ortes und Eintritt des folgenden Hochwassers. Sie ist für die Schifffahrt bedeutsam und wird für wichtige Häfen vorausberechnet.

Hafer, Avena: Gattung einjähriger Gräser mit rispigern Blütenstand und mehr blutigen hängenden Ährchen. Vom wilden Flughafer stammt der seit der Bronzezeit als Getreide angebaute Saathafer ab, ein wertvolles Futtermittel besonders für Pferde; entspelzte und gequetschte Körner ergeben Haferflocken. Siehe auch Getreide.

Hafermüdigkeit: Fruchtfolgekrankheit, verursacht durch starke Vermehrung der Haferzystennematoden (Heterodera avenae) infolge zu häufigen Haferanbaues; erkennbar durch nesterweises Verkümmern der Haferpflanzen und struppig ausgebildete, oft auch stark reduzierte Wurzeln, an denen sich die zitronenförmigen Zysten (0,6 bis 0,8 mm lang und 0,4 bis 0,5 mm breit) befinden; Bekämpfung durch Aussetzen des Haferanbaues für mehrere Jahre möglich.

Hafis, Häfiz, Schamsud-Din Muhammad, um 1325-1390, persischer Dichter; gilt als größter persischer Lyriker, war ein Meister des Ghasels; sein postum zusammengestellter «Diwan» enthält mehr als 500 Gedichte (meist Liebes-, Wein- und Naturlieder) und übte einen anregenden Einfluss auf andere Literaturen aus (Goethe, «Westöstlicher Diwan»).

Haff: fast gänzlich durch eine Nehrung (Landzunge) abgeschnürter Meeresteil an Ausgleichsküsten (zum Beispiel an der südlichen Ostseeküste); gewöhnlich mit einem einmündenden Fluss; wird bei völliger Abtrennung zum Strandsee (Lagune, Liman).

Hafner, Philipp, 27.9.1735-30.7.1764, österreichischer Schriftsteller; Schöpfer des für die Volkstheatertradition fruchtbaren Komödientypus des Wiener Lokalstücks.

Hafnerkeramik: (Hafner oberdeutsch für «Töpfer») Tonwaren mit farbigen Blei- oder Zinnglasuren, figural und ornamental verziert (Geschirr, Ofenkacheln); besonders während des 16. Jahrhundert entwickelte sich eine umfangreiche Produktion von hoher künstlerischen Qualität.

Hafnium, (nach Hafnia, lateinisch für Kopenhagen) Symbol Hf: metallisches chemisches Element der Kernladungszahl 72; Atommasse 178,49; Wertigkeit +4; F 2 222 °C; Kp 5 400 °C; Dichte 13,3 g/cm3. Hafnium ist silbergrau und ähnelt außerordentlich stark dem Zirkonium, in dessen Mineralen es stets in Mengen bis zu 3 % enthalten ist. Hafnium wurde 1922 von dem ungarischen Physikochemiker György Hevesy (1885-1966) und dem holländischen Physiker Dirk Coster (1889-1950) in Zirkonium Mineralen entdeckt.

Haftdolde, Caucalis: zur Familie der Doldengewächse gehörendes Ackerunkraut kalkiger Äcker mit stachligen Früchten und borstigem Stengel.

Hafte: ältere Sammelbezeichnung für verschiedene, nicht näher verwandte Insektenordnungen; hierzu Eintagsfliegen (Wasserhafte), Schnabelfliegen (Schnabelhafte), Netzflügler (Landhafte).

Haftfestigkeit: Adhäsionskraft bei Verbundstoffen, zum Beispiel zwischen Ziegel und Putz, zwischen Bewehrung und Beton bei Stahlbeton; abhängig von der Beschaffenheit (glatt, rau, feucht) des Haftgrundes und des Mörtels beziehungsweise Betons.

Haftgründe: gesetzlich geregelte Voraussetzungen für die Anordnung der Untersuchungshaft. Bei ihrem Vorliegen ist der Erlass eines Haftbefehls durch den Richter zulässig. Es muss der dringende Verdacht einer Straftat vorliegen und als Haftgründe Fluchtverdacht, Verdunklungsgefahr oder Wiederholungsgefahr gegeben sein, ein Verbrechen den Gegenstand des Verfahrens bilden oder bei einem schweren fahrlässigen Vergehen der Ausspruch einer Freiheitsstrafe von über 2 Jahren zu erwarten sein, für die Tat im Gesetz Haftstrafe oder Strafarrest angedroht und eine Strafe mit Freiheitsentzug zu erwarten sein. Die Entscheidung über die Notwendigkeit der Untersuchungshaft erfolgt unter Berücksichtigung von Art und Schwere der Beschuldigung, der Persönlichkeit des Beschuldigten oder Angeklagten, seines Gesundheitszustandes, Alters sowie seiner Familienverhältnisse. Die Untersuchungshaft muss zur Sicherung der Durchführung des Strafverfahrens unumgänglich sein.

Haftkiefer, Plectognathi, Tetraodontiformes: Fischordnung; überwiegend tropische und subtropische Meeresfische mit kleinem Maul, zum Teil mit schnabelartigen Zahnleisten, rundliche Kiemenspalten; die Haut ist oft nackt; hierzu Drücker-, Kugel-, Igel-, Koffer- und Mondfische.

Haftkleben: das Befestigen von mit plastischen Klebstoffen beschichteten Materialien (Selbstklebefolien) auf einem anderen Träger unter mäßigem Druck ohne Wärmeeinwirkung.

Haftmittel: Chemikalien, die den Pflanzenschutzmitteln zugesetzt werden, um das Haftvermögen und die Witterungsbeständigkeit der Wirkstoffe zu verbessern.

Haftorgane: Vorrichtungen vieler Tiere, die das Anheften an einen Gegenstand ermöglichen:

a) durch aktives Ansaugen mit Saugnäpfen oder -gruben, zum Beispiel bei Saugwürmern;

b) durch von Drüsen abgesonderte Klebstoffe, zum Beispiel Byssusdrüse der Miesmuschel;

c) durch Adhäsionswirkung mit Hilfe besonderer Strukturen der Körperoberfläche, zum Beispiel der Haftlappen am Klauenglied von Insekten oder der Haftlamellen der Geckos.

Haftpflichtversicherung: Gesamtheit der Versicherungsformen, bei denen Versicherungsschutz gewährt wird, wenn gegen den Versicherten durch den Geschädigten auf der Grundlage gesetzlicher Haftpflichtbestimmungen berechtigte Schadenersatzforderungen geltend gemacht werden. Der Versicherungsschutz umfasst auch die Abwehr unberechtigter Schadenersatzforderungen.

Haftpsychose: psychische Störung, die unter dem Einfluss der seelische Belastungen und der Isolierung während der Haft ausgelöst wurde. Von der Haftpsychose zu unterscheiden ist die sogenannte Haftreaktion, bei der es sich um zwecks neurotische Verhaltensweisen (Anfälle, Tobsuchtsanfälle) handelt.

Haftschale, (lateinisch Cornea, «Hornhaut»), Kontaktschale, Kontaktlinse, auf die Hornhaut des Auges aufgesetzte dünne, schalenförmige Linse zum Ausgleich von Fehlsichtigkeit.

Haftung: Verpflichtung, für Schädigung oder sonstige Benachteiligung eines anderen einzustehen, bei Schadenersatzverpflichtung auch als Haftpflicht bezeichnet. Haftung besteht im Allgemeinen für eigene Verbindlichkeiten, kann aber auch einem Dritten obliegen, zum Beispiel dem Bürgen oder der Haftpflichtversicherung.

Hag: (mittelhochdeutsch, «Einhegung») Gehölz umpflanzte Gartenflur.

Hagana: (hebräisch, «Selbstschutz») zionistische halblegale militärische Organisation in Palästina während der britischen Mandatsherrschaft. Von der britischen Kolonialmacht wurde sie wiederholt zur Unterdrückung antikolonialer Aktionen der arabischen Bevölkerung herangezogen. 1948 ging sie in der israelischen Armee auf.

Hagel: fester Niederschlag aus Eiskugeln oder -stücken (Hagelkörner) mit einem Durchmesser von 5 bis 50 mm und darüber. Hagel entsteht durch Anlagerung von unterkühlten Wassertröpfchen an Eiskristallen bei Vertikalbewegungen in hochreichenden Haufenwolken. Siehe auch Gewitter, Graupeln.

Hagelkorn, Chalazion: chronischen, umschriebene, knotenförmige Lidentzündung.

Hagemeister, Karl, 12.3.1848-6.8.1933, Maler, schuf besonders märkische Landschaftsdarstellungen im Stile der Weimarer Malerschule; seit 1873 wurde sein Werk durch den ihm freundschaftlich verbundenen C. Schuch beeinflusst, nach 1900 entstanden Bilder mit pastosem, breitgespachteltem Farbauftrag (besonders Wellen- und Wogenbilder) von impressionistische Auffassung.

Hagen, Theodor, 24.5.1842-12.2.1919, Maler; seit 1871 Professor an der Weimarer Kunstschule, 1877/81 deren Direktor. Hagen gehört neben K Buchholz zu den Hauptvertretern der Weimarer Malerschule. Seit 1885 entstanden insbesondere impressionistisch gemalte Landschaften, zwischen 1900 und 1914 die Reihe seiner bemerkenswerten Hamburger Hafenbilder.

Hagenau, Nikolaus von, auch Niklas Hagnower (-nauar), geboren um 1445, Bildhauer der Spätgotik; tätig 1493/1526 in Straßburg (Strasbourg); schuf vermutlich die Plastiken des Isenheimer Altars (1512/16; Colmar, Museum) und andere Bildwerke im Elsaß.

Hagenbeck, Carl, 10.6.1844-14.4.1913, Tierhändler, organisierte wissenschaftliche Fangexpeditionen, besonders nach Afrika; Begründer des ersten Tierparks (1907) mit Freigehegen in Hamburg-Stellingen.

Hagenow: Kreisstadt im Bezirk Schwerin; 14000 Einwohner; Zentrum des größten Agrarkreises der DDR; Lebensmittel-, Bau-, Trikotagen Industrie; Agrarflugstützpunkt; Heimatmuseum.

Hagen-Poiseuillesches Gesetz: (nach einem deutsch Ingenieur und einem französischen Arzt) Gesetz der laminaren Strömung viskoser Flüssigkeiten durch enge Rohre. Das zeitbezogene Volumen einer durchfließenden Flüssigkeit ist der Druckdifferenz zwischen den Rohrenden und der 4. Potenz des Rohrdurchmessers direkt, der Viskosität der Flüssigkeit und der Rohrlänge umgekehrt proportional; spielt zum Beispiel beim Blutkreislauf eine Rolle.

Hagen von Tronege, Hagen von Tronje, Lehnsmann des Burgunderkönigs Günther in der Nibelungen- und Walthersage; Symbol für unbedingte Gefolgschafts- und Lehnstreue; tötet Siegfried im Auftrag Brunhilds und wird von Kriemhild erschlagen; in der Edda Högni genannt.

Hagerup, Inger Johanne, 12.4.1905-6.2.1985, norwegische Lyrikerin; schrieb volksliedhafte Gedichte unter Verwendung folkloristischer und biblischer Motive. Antifaschistische Widerstandslyrik enthält die Sammlung «Weiter» (1944). Hagerup verfasste auch Hör- und Fernsehspiele («Tee mit Zitrone», 1953, deutsch).

Hagestolz: ursprünglich der jüngere Bauernsohn, der nicht den Hof, sondern nur ein kleines Nebengut, den «Hag», erbte und infolgedessen keine Familie gründen konnte; heute älterer Junggeselle.

Hagia Sophia: (griechisch, «Heilige Weisheit») Sophienkirche (jetzt Museum) in Istanbul; Kuppelbasilika; Hauptwerk der byzantinischen Baukunst, erbaut 532/37.

Hagiographie: theologischer Wissenschaftszweig, der sich mit der Erforschung und Darstellung des Lebens der Heiligen befasst.

Hagion Oros, Agion Oros («Heiliger Berg»), Athos: autonome Mönchsrepublik unter griechischer Oberhoheit, auf der östlichen Landzunge der Halbinsel Chalkidike; 336 km2, 1700 männliche Einwohner in 20 griechischen-orthodoxen Klöstern und 12 Dörfern; Hauptort Karyai (300 Einwohner); teilweise bewaldet; Oliven-, Wein-, Obstbau; Fischerei. Die Republik erhielt ihre erste Verfassung durch den byzantinischen Kaiser Tsimiskes 972. Sie umfasst neben den Klöstern und Dörfern zahlreiche Einsiedeleien, die von verschiedenen Nationalitäten mit orthodoxem Glauben zwischen dem 10. und dem 16. Jahrhundert gegründet worden sind. Die Kirchen und ihr reicher Kunstbesitz (Wandmalerei, illuminierte Handschriften) sind wichtige Zeugnisse der byzantinischen und südosteuropäischen Kunst des Mittelalters. Nach der Eroberung des Balkans durch die Türken im 15. Jahrhundert blieb der Hagion Oros eine Pflegestätte der ostkirchlichen Kultur und Kunst und eine Keimzelle der nationalen Erneuerung der Balkanstaaten.

Häher: kurzschwänzige, zum Teil buntgefiederte Rabenvögel; hierzu Eichelhäher und Tannenhäher.

Häherlinge, Garrulax: etwa drosselgroße, meist braun gefärbte Timalien; lebhafte Wald- und Buschbewohner Ost- und Südostasiens. Der weißköpfige Hauben-Häherlinge (Garrulax leucolophus) wird, öfter in zoologischen Gärten gehalten.

Hahn: 1. Rohrleitungselement zum Absperren, Steuern oder Drosseln des Durchflusses von Flüssigkeiten, Gasen oder deren Gemischen. In einer quer zur Strömungsrichtung liegenden, meist kegelförmigen Bohrung befindet sich das drehbare Küken, dessen Querloch beim Öffnen in Strömungsrichtung, beim Schließen quer dazu gestellt wird.

2. männliches Tier vieler Vogelarten.

Hahnemann, Christian Friedrich Samuel, 10.4.1755-2.7.1843, Arzt; wirkte in Leipzig, Köthen und Paris; begründete mit der Aufstellung seines Grundsatzes «Similia similibus curentur», das heißt Gleiches wird mit Gleichem behandelt, die Homöopathie.

Hahnenbalken: Querriegel beim Kehlbalkendach oberhalb des Kehlbalkens zur Versteifung des Sparrengebindes.

Hahnenfußgewächse, Ranunculaceae: Familie zweikeimblättriger Pflanzen mit zahlreichen Staubblättern und Fruchtknoten; hierzu unter anderem Nieswurz, Rittersporn, Akelei, Eisenhut, Anemone und die artenreiche Gattung Hahnenfuß (Ranunculus; zum Teil sehr giftig).

Hahnentritt: 1. Textiltechnik: spezielle Musterung (ähnlich der Trittspur eines Hahnes) von Gewebe in Leinwand- oder Köperbindung; für Oberkleidung.

2. Hahnentritt, Zuckfuß - Veterinärmedizin bei Pferden und Rindern auftretende Bewegungsstörung an einer oder beiden Hintergliedmaßen. Die erkrankte Gliedmaße wird besonders im Schritt zuckend gebeugt und schnell in die Höhe gezogen. Hahnentritt tritt als Folge von Entzündungszuständen der Hintergliedmaßen auf.

Haida: (indianisch, «Menschen») zur Na-Dene-Sprachfamilie gehörender Stamm der Nordwestküstenindianer auf den Königin-Charlotte-Inseln (Westkanada); 2000; Lachsfang, große Plankenhäuser; hervorragende Schnitzereien (unter anderem Totempfähle) und Malereien.

Haie, Selachiformes: schnellschwimmende, torpedoförmige Knorpelfische aller, meist wärmerer Meere (wenige Arten auch im Süßwasser) mit asymmetrischer Schwanzflosse, Placoidschuppen (Hautzähnchen) und unterständigem, zahlreiche scharfe Zähne tragendem Maul; Schwimmblase fehlt. Die meisten Haie sind Raubfische, einige Arten greifen auch Menschen an; besonders gefürchtet sind der bis 10 m lange, Fische und Meeressäugetiere fressende Menschenhaie (Carcharodon carcharias) und der bis 6 m lange, lebendgebärende Blauhaie (Prionace glauca). Einige Arten werden wirtschaftlich genutzt; siehe auch Dornhai, Hammerhaie, Katzenhaie.

Haifa: Stadt (Distriktzentrum) im Norden Israels, in einer Bucht am Mittelmeer; 230000 Einwohner; zweitgrößter Industriestandort des Landes mit Erdölverarbeitung (Pipeline aus Elat), chemische Industrie, Eisenmetallurgie, Kraftfahrzeugbau; Verkehrsknoten, Metro, Hafen, Flughafen; Universität, TH.

Hai He, Haiho: gemeinsamer Unterlauf des Chaobai He, Yongding He, Daqing He, Ziya He und des Großen Kanals in China (Provinz Hebei), südöstlich von Peking, die im Yan-, Taihanggebirge und auf dem Lößplateau entspringen und bei Tianjin zusammenfließen; 50 km; mündet in die Bohai-Bucht; durch umfangreiche Flussregulierungen und die Errichtung von Stauseen Beseitigung der Hochwassergefahr.

Haikal, Muhammad Hussain al-, 20.8.1888-8.12.1956, ägyptischer Schriftsteller, Publizist und Politiker; wurde durch seinen Roman «Zainab» (1914), in dem er das ägyptische Landleben um 1900 zumeist realistisch schildert, zum Wegbereiter des modernen arabischen Romans; schrieb auch Biographien Muhammads, der ersten drei Kalifen sowie politische und literaturkritischen Essays.

Haikou: Stadt in China (Provinz Guangdong), auf der Insel Hainan im Südchinesischen Meer; 140000 Einwohner; Konservenindustrie, Maschinenbau, Textilherstellung, Kunsthandwerk; See- und Fischereihafen.

Haiku: (japanisch, «humoristischer Vers», «Posse»; PI. Haikai) Formtyp japanischer Lyrik; eine Art lyrisches Epigramm aus nur 17 Silben im Rhythmus 5-7-5. Hervorgegangen aus dem mittelalterlichen Kettengedicht, fand das Haiku in Matsuo Basho seinen ersten Meister und in Masaoka Shiki (1867-1903) seinen Erneuerer. Es erfreut sich bis in die Gegenwart in Japan und zunehmend auch im Ausland großer Beliebtheit.

Hailar, Chailar: Stadt in China, im Nordosten des Autonomen Gebietes Innere Mongolei; 130000 Einwohner; Fleischverarbeitungskombinat, Leder- und Wollindustrie, Molkereien; Flughafen.

Halmon, in der griechischen Sage Sohn des Königs Kreon von Theben, suchte seine von seinem Vater lebendig eingemauerte Braut Antigone zu befreien und tötete sich, als er sie tot fand.

Haimonskinder: die 4 Söhne des Grafen Haimon (Aymont) von Dordogne, die Karl den Großen befehdeten; französisches Heldenlied, unter anderem französische und deutsche Bearbeitungen (deutsches Volksbuch, 1604); zahlreiche Neubearbeitungen im 19. Jahrhundert.

Hain: (mittelhochdeutsch, zu «Hag») lichtes Gehölz.

Hainan: Insel im Südchinesischen Meer, durch die nur 19 km breite Qiongzhou-Straße vom chinesischen Festland getrennt, zu China gehörend; 34000 km2, etwa 3 Millionen Einwohner (darunter Minderheit der Li-Miao), Haupthafen und Industriezentrum Haikou. Im Zentrum gebirgig, erreicht im Wuzhi Shan 1879 m, entlang der Küste durchgehender, unterschiedlich breiter Tieflands Gürtel. Bei tropischen Monsunklima Anbau von Kaffee, Reis, Kautschuk, Zitrusfrüchten, Kokospalmen, Zuckerrohr und Pfeffer. Die reichen Eisen- und Buntmetallerzlagerstätten (Zinn, Kupfer, Blei, Wolfram) werden zunehmend durch den Bergbau erschlossen; bedeutende Fischereiwirtschaft.

Hainbuche, Weißbuche, Carpinus betulus: Haselgewächs mit eiförmigen Blättern und doppelt gesägtem Blattrand, Blüten in Kätzchen; heimischer Waldbaum und Heckenpflanze.

Hainfelder Programm: auf dem Gründungsparteitag der Sozialdemokratischen Partei Österreichs 1889 in Hainfeld beschlossenes revolutionäres Programm, das 1901 auf dem Wiener Parteitag durch ein revisionistisches ersetzt wurde.

Hainich: Teil der bewaldeten Muschelkalkhochfläche am Südwestrand des Thüringer Beckens, südwestlich von Mühlhausen; bis 494 m; setzt sich nach Norden im Dün (bis 520 m) fort.

Hainleite: Muschelkalkhöhenzug am Nordrand des Thüringer Beckens; bis 463 m; von Süden sanft ansteigend, nach Norden Schichtstufe; Fortsetzung nach Westen im Dün, nach Osten in der Schmücke.

Hai Phong: Stadt (Provinzzentrum) und Stadtprovinz im Norden Vietnams, im Delta des Roten Flusses; 1,3 Millionen Einwohner; wichtiger Industriestandort mit Schiffswerften, Glaswerk (mit DDR-Hilfe erbaut), Zementfabrik, Fleischkombinat, Fischverarbeitung, Textilindustrie, Reis- und Ölmühlen; Hochseehafen für Hanoi, Fischereihafen, Flughafen.

Haithabu: (altnordisch, «Heidesiedlung») durch Erdwall befestigter bedeutender Handelsplatz der Wikinger aus dem 9./11. Jahrhundert, südlich der Stadt Schleswig, an der Schlei gelegen; seit 1900 archäologisch erforscht. Funde von Runensteinen und reich ausgestattetem Bootskammergrab des 10. Jahrhundert Haithabu besaß städtlichen Siedlungskern, Handwerkerviertel, war befestigt, prägte eigene Münzen und hatte ausgedehnte Handelsbeziehungen.

Haiti, (indianisch, «Bergland») Hispaniola (lateinisch, «Kleinspanien»): zweitgrößte Insel der Großen Antillen, im Karibischen Meer; 76484 km2; politisch gegliedert in Republik Haiti und Dominikanische Republik.

Haiti, Republik Haiti: Staat im Westen der Insel Haiti; verwaltungsmäßig in 9 Departements gegliedert. Die Bevölkerung besteht zu mehr als 90% aus Afroamerikanern und Mulatten, zu etwa 10% aus Kreolen. Amtssprache ist Französisch, als kreolisch Französisch. Etwa 75% Analphabeten. Währung ist der Gourde. zwischen 3 von Südosten nach Nordwesten verlaufenden Gebirgsketten (La Sette, 2680 m) mit stark beregneten Nord- (tropischer Regenwald) und niederschlagsärmeren Südhängen (Kakteen und Domsträucher) erstrecken sich 4 Hochebenen als Hauptanbaugebiete der Landwirtschaft. Die Küste ist durch Halbinseln und Buchten stark gegliedert. Tropisches Klima mit 2 Regenzeiten; Hurrikan gefährdet. Rückständiger, vom US-Kapital abhängiger kapitalistischer Agrarstaat, der zu den wirtschaftlich geringsten entwickelten Gebieten in der Karibik zählt. 80% der Exporterlöse resultieren aus der Landwirtschaft, in der zwei Drittel der Erwerbstätigen beschäftigt sind. In Großplantagen (US-Gesellschaften) Anbau der Exportgüter Kaffee (30%), Kakao, Zuckerrohr, Sisal, Bananen, Baumwolle, Tabak und Zitrusfrüchte; in Kleinstbetrieben (im Durchschnitt unter 1 ha) Produktion von Mais, Reis, Hirse, Bataten, Maniok, Kaffee unter anderem für den Binnenmarkt. In der Montanwirtschaft bisher nur Abbau von Bauxit (Export), Gold und Kupfer. Die gering entwickelte Industrie verarbeitet in Kleinbetrieben Agrarprodukte; Zuckerraffinerien, Zement- und Textilfabriken, Lebensmittel- und Lederindustrie, Erdölraffinerie auf der Basis importierten Erdöls bei Port-au-Prince; Haupthafen und internationaler Flughafen Port-au-Prince. Haupthandelspartner sind die USA, Japan, Kanada, Frankreich und die BRD. ursprünglich von Kariben, Aruak unter anderem Stämmen besiedelt; 1492 von Kolumbus entdeckt und Hispaniola benannt. Spanische Eroberer rotteten die indianische Urbevölkerung aus und führten ab 1505 Sklaven ein. Der Westen der Insel kam 1697 an Frankreich (Saint-Domingue); unter Einfluss der Franzos. Revolution erhoben sich 1790 die Mulatten und 1791 die Sklaven (bürgerlich-demokratische Revolution), womit die Unabhängigkeitsrevolution Haitis eingeleitet wurde (Aufhebung der Sklaverei und des Plantagenbesitzes). 1795 kam auch der Osten an Frankreich. Nach Zurückweisung einer britischen Intervention 1793/98 ernannte sich F. D. Toussaint L’Ouverture 1801 zum Herrscher auf Lebenszeit, wurde aber 1802 von einem französischen Expeditionskorps durch Verrat gefangengenommen. Nach Niederlage der Franzosen 1803 verkündete J. Dessalines am 1.1.1804 die Unabhängigkeit der Insel und erklärte sich am 8.10.1804 zum Kaiser (Jakob I.). Nach seiner Ermordung einsetzende Wirren führten 1807 zur Spaltung in eine Monarchie im Norden und eine Mulatten Republik im S. Deren Präsident J. P. Boyer (1818/43) beseitigte 1820 die Monarchie im Norden und eroberte 1822 die bereits 1821 proklamierte Dominikanische Republik; nach seinem Sturz trennte sich diese 1844 endgültig von Haiti; erneute Eroberungspläne unter F. Soulouque scheiterten. Seit Ende des 19. Jahrhundert dominierender US-Einfluss, 1915/34 militärische Besetzung. In der Volksbewegung gegen die US-Okkupation entstanden Keime der KP (1934 gegründet), die sich nach wiederholter brutaler Unterdrückung 1959 zur Partei der Volkseinheit und 1968 zur Vereinigten Partei der Kommunisten Haitis umorganisierte. Gegen die US-hörigen Diktaturen, insbesondere gegen die Herrschaft von F. Duvalier (1957/71) und J. C. Duvalier (seit 1971) formiert sich in tiefster Illegalität der Widerstand.

Hajdú-Bihar: Bezirk im Osten Ungarns, im Alföld, an Rumänien grenzend; 6212 km2, 560000 Einwohner; 90 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Debrecen; im Westen Nationalpark Hortobägy; Erdöl- und Erdgasforderung; wichtigster Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft (Weizen-, Mais-, Zuckerrübenanbau und Obstbau; bedeutende Viehzucht).

Hajime: Judo - Kommando des Kampfrichters, mit dem Kämpfen zu beginnen.

Hajnal, Gabor, geboren 4.10.1912, ungarischer Dichter und Nachdichter deutschsprachiger Lyrik. Bemerkenswert für Hajnals Dichtung ist sein ungebrochenes Verhältnis zur ungarischen und deutschen Lyriktradition (dt. Auswahl «Walpurgisnacht», 1978).

Häkelgalon: durchsichtiges, einer Häkelware ähnlicher, auf der Häkelgalonmaschine hergestelltes textiles Flächengebilde; für Gardinen, Spitzen, Posamenten unter anderem.

Häkelgalonmaschine: Kettenwirkmaschine mit Spezialeinrichtungen zum Herstellen von textilen Flächengebilden mit vielfältigen Musterungen und Fadenverschlingungen.

Häkelgarn: Zwirn aus Baumwolle sowie in Mischung mit Chemiefasern, mit starker Drehung; für Handarbeiten.

Häkeln: Handarbeitstechnik, wobei mittels einer Häkelnadel aus Garn Muster (Häkelspitze u. ä.) gestaltet werden.

Haken: 1. Haken Boxen: ein mit angewinkeltem Arm ausgeführter Schlag; unterschieden werden Seitwärts- und Aufwärtshaken (Uppercut).

2. Haken - Jagdwesen: a) stumpfe Eckzähne im Oberkiefer des Rotwildes, selten bei Reh- und Damwild, häufig als Schmuck verarbeitete Jagdtrophäe;

b) Eckzähne der Bache.

Hakenbeck, Harald, geboren 20. 9.1926, Maler und Graphiker; 1948/53 Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee, freischaffend in Berlin tätig. Hakenbeck sucht in Historien-, Menschen- und Landschaftsdarstellungen Charakter und Poesie in gedämpften Farben und klaren, konturbetonten Formen zu fassen.

Hakenbein, Hamatum: ein Handwurzelknochen.

Hakenblatt: Längs- oder Querverband im Holzbau; Überlappungsteile der zu verbindenden Kant- oder Rundhölzer greifen hakenförmig ineinander.

Hakengeschirr: Lastaufnahmemittel für Krane mit einsträngiger Führung des Tragmittels (Hubseil) zur drehbaren Aufhängung des Lasthakens.

Hakenkreuz: altindische Kultzeichen in Form eines Kreuzes, dessen 4 Balken rechtwinklig oder bogenförmig verlaufen (Swastika, Sonnenrad); als Hoheitszeichen vom deutschen Faschismus missbraucht.

Hakenlarve, Onkosphäre: erstes Larvenstadium der Bandwürmer, aus dem im Zwischenwirt die j" Finne entsteht; die Larven sind kugelig und mit 6 Haken versehen.

Hakensaugwürmer, Pectobothrii, Monogenea: Klasse der Plattwürmer; an oder in Fischen und Lurchen lebende winzige, flach-ovale Parasiten mit Haftscheibe und -haken am Hinterende; verursachen zum Teil Fischkrankheiten.

Hakenwerfen: Geomorphologie hakenförmiges, hangabwärts gerichtetes Umbiegen ausstreichender Schichten an Hängen, beruht auf einem durch Schwerkraft bewirkten Abgleiten von Verwitterungsmaterial.

Hakenwurm, Grubenwurm, Ancylostoma duodenale: bis 18 mm langer Fadenwurm; schmarotzt blutsaugend im Dünndarm des Menschen; seine Larven leben frei in Wasserlachen, dringen durch die Haut in den Menschen ein und verursachen die Grubenkrankheit.

Hakim, Taufik al-, geboren 9.10.1898, ägyptischer Schriftsteller und Dramatiker; setzt sich in seinen Romanen («Staatsanwalt unter Fellachen», 1937, deutsch) und Erzählungen (dt. Auswahl «Von Wundem und heller Verwunderung», 1970) kritisch mit Gegenwartsproblemen seines Landes auseinander. Durch seine teils sozialkritischen, teils symbolistische Dramen gilt er als Begründer des ägyptischen Theaters.

Hakodate: Stadt in Japan, im Süden der Insel Hokkaido, an der Tsugaru-Straße; 320000 Einwohner; Fischereizentrum; Schiff-, Maschinenbau, Erdöl-, Textilindustrie; Hafen, Eisenbahnfähre und Seikan-Tunnel nach Aomori (Honshu), Linienschifffahrt nach Nachodka (UdSSR), Flughafen.

Häkon Häkonsson, 1204-1263, norwegischer König seit 1217; festigte in harten Kämpfen die Feudalherrschaft in Norwegen; schloss Handelsverträge mit England und der Hanse, erwarb 1261 Grönland und 1262/63 Island.

Halab, Haleb, Aleppo: Stadt (Provinzzentrum) im Nordwesten Syriens, in einer Tal-Oase; 980000 Einwohner; bedeutendste Industriestadt des Landes, Kultur-, Handels- und Verkehrszentrum; Textil-, Teppich-, Zementproduktion, chemische Industrie; Eisenbahnanschluss, internationaler Flughafen; Universität, Nationalmuseum, Bibliothek; zahlreiche Moscheen (11./16. Jahrhundert).

Halali: Jagdsignal, das früher geblasen wurde, wenn sich der ermattete Hirsch den Hunden stellte. Heute kündet das Signal das Ende der Jagd.

Halas, František, 3.10.1901-27.10.1949, tschechischer Dichter; schrieb seit 1927 zeitnahe Gedichte, die einen schwer errungenen kämpferischen Humanismus widerspiegeln (dt. Auswahlbände «Kinderparadies», 1954; «Der Hahn verscheucht die Finsternis», 1970).

Halbaffen, Prosimii: Unterordnung der Herrentiere mit Insektenfresser ähnlichen oder affenartigen Vertretern; meist großäugige, nachtaktive Baumbewohner der Tropen; zum Beispiel Fingertier, Lemuren, Loris, Galagos, Spitzhörnchen.

Halbblut: Bezeichnung für Pferde aus Paarungen von Vollblut- und Warmblutpferden.

Halbdamast, Jacquard-Damast (nach J. M. Jacquard): Gewebe mit durch Jacquardmusterung hergestellten Motiven mit glatten, abgerundeten Konturen.

Halbe, Max, 4.10.1865-30.11.1944, Schriftsteller; leistete mit seinen frühen sozialkritischen Dramen «Eisgang» (1892) und «Jugend» (1893) einen bedeutenden Beitrag zum deutschen Naturalismus. Mit seinem späteren (auch erzählerischen) Schaffen näherte er sich der sogenannten Heimatkunst.

Halbedelstein: unkorrekte Bezeichnung einer großen, mit der Mode wechselnden Gruppe von Schmucksteinen, zum Beispiel Achat, Malachit.

Halbesel, Equus hemionus: im Aussehen zwischen Pferd und Esel stehender Unpaarhufer mit kurzer Stehmähne, schwarzem Aalstrich und Schwanz mit Endquaste; heute noch in den nordiranischen Gebirgsebenen der Onager, in der Mongolischen Volksrepublik der sandgelbe Dschiggetai, in der Turkmenischen und Kasachischen SSR der Kulan und in den Hochgebirgssteppen von Tibet der Kiang.

Halbfabrikat: Erzeugnis eines abgeschlossenen Produktionsprozesses, das in einem anderen Betrieb wiederum Bearbeitungsgegenstand eines neuen Produktionsprozesses wird (zum Beispiel Walzstahl, Gussstücke).

Halbflugschlag, Half-volley: Tennis ein vom Gegner kommender Ball, der unmittelbar nach dem Aufsprung vom Boden durch entsprechend Schlägerhaltung mit der Vor- oder Rückhand zurückgespielt wird.

Halbgefrorenes: lockeres, schnittfähiges in Formen oder Behältnissen tiefgefrorenes Speiseeis; fettreicher als andere Sorten Speiseeis, enthält 60% Schlagsahne (18% Fett) oder bei Kennzeichnung Pflanzenfett.

halbgeordnete Menge: mit einer Halbordnungsrelation R versehene Menge M; zum Beispiel Menge der natürlichen Zahlen mit der £-Relation oder mit der Teilbarkeitsrelation, ein Mengensystem mit der Inklusion. Ein Element x einer Teilmenge N von M heißt ein minimales beziehungsweise maximales Element von N bezüglich R, wenn kein y e N mit y < Rx beziehungsweise x < ¡¡y existiert; x e N heißt kleinstes beziehungsweise größtes Element oder Minimum beziehungsweise Maximum von N, wenn y rx für alle y e N. In der Menge N der natürlichen Zahlen > 1 sind zum Beispiel bezüglich der Teilbarkeitsrelation die Primzahlen die minimalen Elemente, während ein Minimum nicht existiert. Ist die Relation R sogar eine Ordnungsrelation in M, so nennt man die halbgeordnete Menge, Menge eine geordnete Menge.

Halbinsel: Landvorsprung an Seeufern und Meeresküsten.

Halbleinen: Gewebe, meist in Leinwandbindung, bei dem als Kette Baumwoll- oder Viskosegarn, für den Schuss dagegen Leinengarn eingesetzt wird; für Wäschestoffe.

Halbleiter: kristalliner oder amorpher Festkörper (auch organischer Stoff), dessen elektrische Leitfähigkeit über der der Isolatoren und unter der der Metalle, das heißt zwischen 10" und 104 S/m liegt. Reine Halbleiter haben ein vollbesetztes Valenzband und ein leeres Leitungsband (siehe auch Bändermodell), da die Fermi-Energie der Elektronen innerhalb der verbotenen Zone liegt. Entscheidend für die Größe der elektrischen Leitfähigkeit sind neben der Breite dieser verbotenen Zone auch Art und Konzentration der im Kristall vorhandenen "T Störstellen sowie Temperatur und äußerer Druck. Durch thermische oder optische Anregung werden Elektronen ins Leitungsband gehoben, sie lassen im Valenzband Löcher zurück. Sowohl Elektronen als auch Löcher ermöglichen den Stromfluss (Eigenleitung); die elektrische Leitfähigkeit nimmt mit steigender Temperatur zu. Störstellenleitung entsteht durch Dotierung; Donatoren geben Elektronen ins Leitungsband ab (n-Leitung), Akzeptoren nehmen Elektronen aus dem Valenzband auf (p-Leitung). Durch Rekombination von Elektronen und Löchern wird Energie frei, die zu einer Erwärmung des Halbleiters führt oder unter günstigen Umständen als elektromagnetische Strahlung (Licht) den Kristall verlässt. Die elektrischen und optischen Eigenschaften der Halbleiter führten zu ihrer Anwendung in einer Vielzahl von Bauelementen. Praktisch bedeutende Halbleiter sind Elemente der IV. Gruppe des Periodensystems (Silizium, Germanium), Verbindungen aus Elementen der ID. und V. Gruppe (zum Beispiel Galliumphosphid, -arsenid, Indiumarsenid und verschiedene Legierungen), der II. und VI. Gruppe (zum Beispiel Zinksulfid, Cadmiumtellurid) sowie Bleichalkogenide (zum Beispiel Bleisulfid, -tellurid) und Selen.

Halbleiterbauelemente: Elektronik Bauelemente mit durch die Eigenart des verwendeten Halbleitermaterials (meist Silizium in Form von dotierten Einkristallen) bestimmten Eigenschaften. Hauptanwendung finden Halbleiterbauelemente als Halbleiterdioden, Transistoren, Thyristoren und Festkörperschaltkreise.

Halbleiterdetektor: kernphysikalisches Messgerät mit hohem energetischem Auflösungsvermögen zur Spektrometrie von geladenen Teilchen, Gamma- und Röntgenstrahlung. Die ionisierende Strahlung erzeugt in einem Halbleiter-Einkristall mit pn-Übergang, an dem eine Spannung in Sperrichtung liegt, Ladungsträgerpaare. Die in der Sperrschicht erzeugte Ladungsmenge ist der Energie des Teilchens oder Quants proportional. Nachweiseffektivität, Energieauflösung und Zeitverhalten von Halbleiterdetektor sind günstiger als bei Ionisationskammern. Bei Oberflächensperrschicht- oder Oberflächen-Barrieren-Detektoren, die hauptsächlich zum Nachweis von Protonen und schweren Ionen dienen, ist die Dicke der Sperrschicht der angelegten Spannung proportional. Für die Gammaspektroskopie werden Germaniumdetektoren mit einem Volumen bis 100 cm3 verwendet, die zur Verminderung des Sperrstroms und damit zur Verbesserung der Energieauflösung mit flüssigem Stickstoff gekühlt werden. Vorläufer des Halbleiterdetektors war der Kristallzähler, ein mit Elektroden versehener, normalerweise nichtleitender Kristall, zum Beispiel Diamant.

Halbleiterdiode, Kristalldiode, Diode: nichtlineares Halbleiterbauelement mit Ventilwirkung, vorwiegend mit Silizium- oder (seltener) Germanium-Einkristallen als Grundwerkstoff (Siliziumdiode (Si-Diode), Germaniumdiode. Die Ventilwirkung erlaubt Gleichrichterwirkung (hochohmige Sperrichtung, niederohmige Flussrichtung), weshalb die Halbleiterdiode auch als Halbleiter- oder Kristallgleichrichter bezeichnet wird. Die Verwendung von Halbleiterdiode zur Hochfrequenzgleichrichtung in Rundfunkempfängern führte zu der Bezeichnung Germanium- beziehungsweise Siliziumdetektor. Zum Gleichrichten wird ein pn-Übergang benutzt, der ursprünglich mit einer Spitze auf einem Einkristall erzielt wurde (Spitzendiode). Später wurden pn-Übergänge durch Legierung oder Diffusion innerhalb des Kristalls hergestellt, während die Kontakte flächenhaft am Kristall angebracht wurden (Flächendiode). Der pn-Übergang besteht als schmale Zone innerhalb des Einkristalls, wo auf der einen Seite ein mit Akzeptoren dotiertes Gebiet mit Löcherleitung (p-Gebiet) einem mit Donatoren dotierten Gebiet (n-Gebiet) mit Elektronenleitung gegenübersteht. zwischen beiden bildet sich ein Raumladungsgebiet aus, das entsprechend der angelegten Spannung hoch- oder niederohmig wird.

Halbleiterlaser, Laserdiode: ein Laser, dessen aktives Gebiet ein in Flussrichtung betriebener pn-Übergang einer speziellen Halbleiterdiode ist. Hohe Dotierung eines geeigneten Halbleiters (zum Beispiel Galliumarsenid (GaAs) oder Galliumarsenidphosphid (GaAsP)), welcher die Wellenlänge des Laserlichts bestimmt, sowie große elektrische Stromdichte führen zu einer Besetzungsinversion in den Energiebändern, so dass das bei der strahlenden Rekombination von Elektronen und Löchern entstehende Licht selbst eine starke, induzierte Emission bewirkt. Halbleiterlaser arbeiten heute wegen der hohen thermischen Belastung entweder bei tiefen Temperaturen (= 80 K) oder im Impulsbetrieb; sie werden verwendet zur Nachrichtenübertragung (Lichtleitertechnik) und zur Entfernungsmessung.

Halbleitertechnik: Technik der Bauelemente-Herstellung auf Halbleiterbasis vom Einzelelement bis zur Mikroelektronik.

halbmast, halbstock: auf halber Höhe der Flaggenstange; zum Beispiel die Flagge zum Zeichen der Trauer halbmast hissen.

Halbmesser: veraltet für Radius.

Halbmetalle: chemische Elemente, die bezüglich ihrer Eigenschaften und damit auch im Periodensystem zwischen den Metallen und den Nichtmetallen stehen. Ihre elektrische Leitfähigkeit ist sehr gering; sie nimmt im Gegensatz zu derjenigen der Metalle beim Erwärmen oder bei Anwesenheit von Fremdatomen zu, was in Halbleiterbauelementen technisch genutzt wird. Die wichtigsten Halbmetalle sind Bor, Silizium, Germanium, Arsen, Antimon, Selen und Tellur.

Halbmond: islamisches Symbol; in Verbindung mit einem Stern Hoheitszeichen; so vielfach auf Flaggen islamischer Staaten, zum Beispiel der Türkei; als Roter Halbmond dem Roten Kreuz entsprechendes Zeichen einer Hilfsorganisation.

Halböl: aus gleichen Teilen Firnis und Benzin oder Terpentinöl bestehendes dünnflüssiges, trocknendes Öl; dient als Erstanstrich auf Holz zum Füllen der Poren.

halbpart: zur Hälfte; zu gleichen Anteilen.

Halbproletariat: historisch verändert, gesellschaftliche Schicht im Kapitalismus, die ihren Lebensunterhalt teilweise durch Lohnarbeit in den landwirtschaftlichen oder industriellen kapitalistischen Betrieben erwirbt und außerdem auf kleinen eigenen beziehungsweise gepachteten Bodenflächen mit eigenen landwirtschaftlichen Produktionsmitteln arbeitet. Das Halbproletariat tritt vor allem in der Periode des Übergangs zum staatsmonopolistischen Kapitalismus auf und bildet im Prozess der Proletarisierung der Mehrheit der Bevölkerung ein Durchgangsstadium.

Halbsäule: halbrunde Schmucksäule, die einer Wand vorgeblendet ist; siehe auch Pilaster.

Halbschmarotzer, Hemiparasiten: grüne Pflanzen, die organischen Stoffe selbst aufbauen (assimilieren), aber das dazu nötige Wasser und die darin gelösten Mineralsalze durch Saugorgane (Haustorien) der Wirtspflanze entziehen; zum Beispiel Mistel, Augentrost.

Halbschnabelhechte, Hemiramphidae: langgestreckte Oberflächenfische mit meist stark verlängertem Unterkiefer und kurzem Oberkiefer, leben vorwiegend im Meer, seltener im Süßwasser; zum Teil Aquarienfische.

Halbseitenlähmung, Hemiplegie: Lähmung einer Körperhälfte, zum Beispiel bei Schlaganfall.

Halbstrauch: Pflanze, deren obere krautige Sprossteile jährlich absterben, während untere verholzen und erhalten bleiben; zum Beispiel Lavendel.

Halbtidehafen: Seehafen mit Fluttoren, die während der Gezeiten zum Teil offenstehen, bei einem Mindestwasserstand aber geschlossen werden.

Halbton: Musik kleinstes Intervall (kleine Sekunde) des diatonischen Systems, zum Beispiel in der C-Dur-Tonleiter e-f, h-c.

Halbtöne: Reproduktionstechnik die kontinuierlich zwischen Schwarz (Dunkel, Schatten) und Weiß (Hell, Licht) eines schwarz-weißen oder farbigen Aufsichts- oder Durchsichtsbildes liegenden Ton- und Farbwerte vom hellsten Licht bis zur größten Tiefe; Bezeichnung echte Halbtöne bei geschlossenen Flächen (zum Beispiel Foto), unechte Halbtöne bei Zerlegung in Rasterpunkte.

Halbvokal, Semivokal, Halbkonsonant: Öffnungslaut mit gleichzeitigem konsonant. Beigeräusch, der nach der Art seiner Bildung zwischen Vokal und Konsonant steht, zum Beispiel i in «Nation».

Halbwertsbreite: Kenngröße für die Breite einer glockenähnlichen Kurve, zum Beispiel der Intensitätsverteilung einer Spektrallinie oder einer statistischen Verteilung. Die Halbwertsbreite ist die Abszissendifferenz derjenigen Kurvenpunkte, deren Ordinaten den halben Wert der Ordinate des Kurvenmaximums betragen.

Halbwertsdicke, Halbwertsschicht: Schichtdicke eines Stoffes, durch die 50% der Intensität einer einfallenden Strahlung absorbiert werden; Zeichen dm, SI-Einheit m.

Halbwertszeit, physikalische: die Zeit, in der sich die Anzahl instabiler Teilchen, zum Beispiel die Atome eines Radionuklids, im Mittel auf die Hälfte verringert hat; Zeichen Tm. Siehe auch Radioaktivität.

Halbwinkelsatz: Lehrsatz der Trigonometrie. Sind a, b, c die Seitenlangen eines ebenen Dreiecks, o sein Inkreisradius und gilt 2s = a + b + c, dann ist tan all = q/(s a), wenn a die Größe des Winkels ist, der der Seite mit der Länge a gegenüber liegt.

Halbzellstoff: aus Holz oder Einjahrespflanzen durch chemische Vorbehandlung und nachfolgende mechanische Zerfaserung gewonnener Faserstoff hoher Ausbeute. Der Halbzellstoff kommt in der chemischen Zusammensetzung dem Holzschliff, in den physikalischen Eigenschaften dem Zellstoff nahe.

Halbzeug: Sammelbezeichnung für technische Erzeugnisse, die für verschiedene Zwecke weiterverarbeitet werden, zum Beispiel in der Hüttentechnik vorgewalzte rohe Blöcke, Knüppel, Platinen und so weiter, aus denen Schienen, Träger unter anderem hergestellt werden, in der Metallbearbeitung Profile, Rohre, Drähte, Bleche u. ä., die zu Werkstücken weiterverarbeitet werden.

Halbzeugguss: Guss geometrisch einfacher Gusskörper (zum Beispiel Blöcke, Brammen, Knüppel), deren Gestalt vom anschließenden Formgebungsverfahren bestimmt wird (zum Beispiel Schmieden, Walzen).

Haldane, Richard Burdon, Viscount Haldane, 30.7.1856-19.8.1928, britischer Politiker; 1905/12 Kriegsminister, 1912/15 und 1924 Lordkanzler. Haldane verhandelte 1912 erfolglos über ein Bündnis mit dem imperialistischen Deutschland (H.-Mission); siehe auch Grey.

Haldane-Effekt: Steigerung der Kohlendioxidbindungsfähigkeit des Blutes mit Abnahme der an Hämoglobin (Hb) gebundenen Sauerstoffmenge (02-Sättigung des Hb). Desoxygeniertes Hb reagiert weniger sauer und bindet mehr C02 als Hb02. Dieser Effekt fordert den Abtransport von C02 aus den Geweben in die Lungen, wo mit der Oxygenierung des Hb, dessen C02-Bindungsfähigkeit abnimmt, die C02-Abgabe erleichtert wird. benannt nach dem britischen Physiologen John Scott Haldane (1860-1936).

Halde: übertägige Aufschüttung tauben Gesteins, von Abfallmaterial aus den Aufbereitungsanlagen, von Aschen und Schlacken aus den Kesselhäusern u. a. Halde sind wieder urbar zu machen und zu rekultivieren. Im Freien aufgeschüttete Kohlen und Erze bezeichnet man ebenfalls als Halde Siehe auch Kippe 1.

Haldenschüttgerät und Rückgewinnungsgerät: kontinuierlich arbeitendes Fördergerät für Schüttgutumschlag auf Lagerplätzen, das eine Kombination von Absetzer und Schaufelradbagger darstellt.

Haldun Taner, geboren 16.3.1916, türkischer Schriftsteller, verwirklicht sein gesellschaftskritischen Anliegen in Theaterstücken («Die Geschichte von Ali aus Kean», 1964) und Erzählungen, die häufig ohne festgefugte Fabel treffende psychologische Individualisierung aus origineller Perspektive schaffen.

Haleakala: erloschener Vulkan auf der Hawaii-Insel Maui (USA); 3058 m; mit 43 km Umfang und 600 bis 1000 m Tiefe größter Krater der Erde.

Haies, Stephan, 17.9.1677-4.1.1761, britischer Naturforscher; Wegbereiter der Pflanzenphysiologie; erforschte die Wasser- und Saftbewegung in den Pflanzen.

Halfterfisch, Zanclus cornutus: 25 cm langer Riff- und Felsküstenbewohner des tropischen Indischen und Stillen Ozeans mit extrem lang ausgezogener Rückenflosse und spitzer Schnauze; gelblichweiß mit breiten schwarzen Querbinden.

Haliburton, Thomas Chandler, 17.12.1796-27.8.1865, anglokanadischer Schriftsteller; bekannt durch humorvoll-ironische Skizzenfolgen über Erlebnisse des Uhrmachers Sam Slick, die seit 1835 zuerst einzeln, dann mehrfach in Buchform zusammengefasst erschienen.

Halifax: 1. Hauptstadt der Provinz Neuschottland (Kanada); 120000 Einwohner, mit Vororten 280000 Einwohner; wichtiger eisfreier atlantische See- und bedeutender Fischereihafen Kanadas; Holzindustrie, Maschinen-, Schiffbau, Erdölverarbeitung, Lebensmittelproduktion; 3 Universitäten; Flottenstützpunkt. 1749 als britische Militärsiedlung gegen französische Ansprüche gegründet Wichtige Marinebasis im 1. und 2. Weltkrieg.

2. Stadt im mittleren England (Großbritannien), in der Großstadtgrafschaft West Yorkshire, südlich von Leeds; 87000 Einwohner; Eisenmetallurgie, Werkzeugmaschinenbau, Woll-, Kammgarn- und Teppichindustrie; Textilmuseum; gotische Kirche (15. Jahrhundert).

Halifax, Edward Frederick Lindley Wood, Earl of Halifax, 16.4.1881-23.12.1959, britischer Politiker; gehörte dem profaschistischen Flügel der Konservativen Partei (Cliveden-Clique) an und verhandelte 1937 im Sinne der Appeasement-Politik über einen Ausgleich mit dem faschistischen deutschen Imperialismus; 1938/40 Außenminister.

Halit, Steinsalz: Mineral, Natriumchlorid; Kristallsystem kubisch, Härte 2, Dichte 2,1 bis 2,2 g/cm3, Aussehen wasserhell durchsichtig bis weiß, auch farbig (gelb, blau); würfelige, wasserlösliche Kristalle mit ausgezeichneter Spaltbarkeit, körnige Massen im salinaren Zechstein; weltweit verbreitet. 16. Jahrhundert), Moritzkirche (1388/16. Jahrhundert), Laurentiuskirche (1140), Händeldenkmal, gotische Ulrichskirche; Moritzburg (15./16. Jahrhundert; Museum), Burg Giebichenstein; Werke neuer Monumentalkunst (Wandbilder, Fahnenmonument). 806 karolingischen Kastell; im 11. Jahrhundert Anlage einer Siedlung in der Nähe von Salzquellen, im 12. Jahrhundert Stadtrecht; reiche Salzvorkommen bestimmten im Mittelalter die wirtschaftliche Entwicklung und Blüte der Stadt; 1280/1479 Hansemitglied; 1680 an Brandenburg-Preußen. Die Universität (1694 gegründet) wurde Ausgangspunkt für ein Zentrum des Pietismus und der Aufklärung; hier wirkten unter anderem C. Thomasius, C. Wolff und A. Francke, der 1694 seine Stiftungen begründete. Im Ergebnis der industriellen Revolution erfolgte der Aufstieg zum Industriezentrum; im März 1920 sogenannt Schlacht um Halit gegen die Kapp-Putschisten. Bezirksstadt seit 1952.

Hall-Effekt: das Entstehen einer elektrischen Spannung zwischen 2 Punkten eines Leiters, wenn quer zur Verbindungslinie der Punkte ein elektrischer Strom fließt und senkrecht zu beiden Richtungen ein Magnetfeld auf den Leiter wirkt. Der Hall-Effekt erlaubt unter anderem die Unterscheidung von n- und p-Leitung in Halbleitern; 1879 von dem US-amerikanischen Physiker Edwin Herbert Hall (1855-1938) entdeckt. Beim 1980 nachgewiesenen Quanten-Hall-Effekt in der Nähe des absoluten Nullpunkts und bei sehr hohen magnetischen Feldstärken ändert sich die Hall-Spannung sprunghaft mit der Feldstärke.

Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke: leistenförmige Hochscholle zwischen Halle und Hettstedt, die brückenartig das Grundgebirge im Raum von Halle mit dem des Harzes verbindet; besteht vorwiegend aus roten Sedimenten des Permosiles (Oberkarbon und Perm).

Hallein: Stadt im Bundesland Salzburg (Österreich), an der Salzach; 15000 Einwohner; Motoren- und Maschinenbau, vielseitige Leichtindustrie, Brauerei; Saline und Solbad (Salzbergbau seit der Bronzezeit); Fachschulen; Keltenmuseum.

Halle-Neustadt: Stadtkreis im Bezirk Halle, westlich von Halle, jenseits der Saaleaue; 92000 Einwohner; moderne sozialistische Stadt, Chemiearbeiterstadt (besonders für die Beschäftigten der Chemiekombinate Leuna und Buna); gliedert sich in das Stadtzentrum mit zentralen Versorgungs- und Bildungseinrichtungen und 8 Wohnkomplexe mit eigenen Versorgungszentren; Schnellbahnen und -Straßen nach Halle, Schkopau, Merseburg und Leuna. 1964 Grundsteinlegung, 1967 zur Stadt erklärt.

Hallenkirche: Langhauskirche, die, im Unterschied zur Basilika, Mittel- und Seitenschiff von gleicher Höhe unter einem Dach vereint. Das Licht fällt durch die hohen Seitenschifffenster. Neben der dreischiffigen Form sind auch fünf- oder zweischiffige Hallenkirche (besonders in Böhmen) möglich. Größte Bedeutung erlangte die Hallenkirche in der deutschen Spätgotik, besonders in Obersachsen um 1500.

Hallenradsport: Sammelbezeichnung für Kunstfahren, Radball und Radpolo.

Haller: 1. Albrecht von, 16.10.1708-12.12.1777, schweizerischer Anatom, Physiologe, Botaniker und Dichter, Professor in Göttingen. Haller erkannte unter Anwendung des qualitativen Experiments die Sensibilität der Nerven und die Reizbarkeit (Irritabilität) der Muskeln; wird als Begründer der modernen Experimentalphysiologie angesehen. Haller schrieb im Vorfeld von J. J. Rousseau epische Lehrgedichte (zum Beispiel «Die Alpen», 1729), später auch Romane über den Staat (zum Beispiel «Usong», 1771).

2. Hermann, 24.12.1880-23.11.1950, schweizerischer Bildhauer. Nach einem Studium der Malerei bildete sich Haller seit 1905 autodidaktisch als Bildhauer. Von A Rodin und A. Maillol beeinflusst, schuf er schönlinig-geformte weibliche Akte und bedeutende Bildnisbüsten (H. Wölfflin, M. Laurencin).

Hallesche Dichterkreise: zwischen 1740 und 1755 2 Lyrikergruppen in Halle; älterer Hallescher Dichterkreis unter S. G. Lange und I. J. Pyra, religiös-empfindsam orientiert, entwickelte einen Freundschaftskult; jüngerer Hallescher Dichterkreis, gruppiert um J. W. L. Gleim, J. N. Götz und J. P. Uz, schloss sich an F. von Hagedorns anakreontische Lyrik an.

Halley, Edmond, 8.11.1656-25.1.1742, britischer Astronom; berechnete die Bahnen zahlreicher Kometen, darunter auch die des nach ihm benannt; entdeckte die Eigenbewegung der Fixsterne.

Halleyscher Komet: aller 76 Jahre wiederkehrender Komet, dessen Umlaufbahn weit über die Neptunbahn hinausreicht. An seiner Erkundung bei der Wiederkehr des Halley’schen Komets in Sonnennähe (Frühjahr 1986) sind insgesamt 12 Raumfahrtmissionen beteiligt, wobei sich Wega 2 beziehungsweise GIOTTO dem Halley’schen Komet bis auf 3000 km beziehungsweise 500 km nähern. Die Bahn des Halley’schen Komets wurde erstmals 1682 von E. Halley berechnet.

Hall-Generator, (nach einem US-amerikanischen Physiker) Hall-Sonde: Halbleiterbauelement, das die beim Hall-Effekt auftretende Hall-Spannung bei konstant gehaltenem Längsstrom zum Messen des Induktionsflusses von Magnetfeldern ausnutzt.

Hallgrimsson, Jónas, 16.11.1807 bis 26.5.1845, isländischer Dichter; bedeutendster isländischer Lyriker des 19. Jahrhundert; war mit romantischer Naturlyrik und der Kurzgeschichte «Kräutersuche» (postum 1847) Wegbereiter der modernen isländischen Lyrik und Prosa.

Hallimasch, Armillariella mellea: Blätterpilz mit braunem, feinschuppigem Hut, hellen Blättern und beringtem Stiel; roh giftig; büschelig wachsend an Laub- und Nadelbaumstümpfen, schädlich an lebenden Stämmen; siehe auch Pilze.

Hall in Tirol, Solbad: Stadt in Österreich, am Inn, östlich von Innsbruck; 13000 Einwohner; Armaturen- und Röhrenwerke, Lebensmittelindustrie; Bergbaumuseum (früher Salzbergbau); spätgotisches Stadtbild mit Kirchen aus dem 14. und 15. Jahrhundert, Burg Hasegg (13. Jahrhundert).

Hallische Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und Kunst: Publikationsorgan der Junghegelianer, 1838/42 herausgegeben von A. Ruge und T. Echtermeyer; 2.7.1841 aus Zensurrücksichten umbenannt in Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst-, Auseinandersetzungen mit aktuellen politischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Fragen.

Hallore: Arbeiter in den Salzsiedereien in Halle (Saale), der in der Halleschen Pfännerschaft genossenschaftlich organisiert war.

Hallstatt: Gemeinde in Oberösterreich, am Hallstätter See; 1300 Einwohner; Salzbergbau (seit der Bronzezeit); Solegewinnung; Urgeschichtsmuseum; urgeschichtliches Gräberfeld.

Hallstattkultur: nach dem Gräberfeld von Hallstatt (Österreich) benannt Kultur der älteren Eisenzeit (etwa 800/450 vor Christus); war im Süden Mitteleuropas und im Norden der Balkanhalbinsel verbreitet. Die Hallstattkultur entwickelte sich aus der Urnenfelderkultur der jüngeren Bronzezeit und teilt sich in einen Ost- und einen Westhallstattkreis. Charakteristisch sind geometrische Verzierungselemente auf Metallschmuck und Gefäßen. Die Hallstattkultur zeigt Einwirkungen griechischer und etruskischer Kultur. Einfache Warenproduktion (Bronze- und Eisenmetallurgie, Töpferei, Salzgewinnung) und Tauschhandel begünstigten die Herausbildung einer sozialen Oberschicht («Fürstenburgen» und «Fürstengräber»).

Hallström, Per, 29.9.1866-18.2.1960, schwedischer Schriftsteller; kritisierte die Moral der bürgerlichen Gesellschaft; erlangte besonders Bedeutung als Novellist mit «Verirrte Vögel» (1894, deutsch), «Die vier Elemente» (1906, deutsch).

Halluzination: das Erlebnis echter Sinneseindrücke ohne realen äußeren Anlass und ohne Erregung der Sinnesorgane; der Kranke ist dabei von der Echtheit seiner Wahrnehmungen überzeugt. Am häufigsten sind akustische Trugwahrnehmungen, zum Beispiel Hören von Stimmen, bei Schizophrenie und anderen Psychosen. Wird der Trugcharakter der Halluzination erkannt, spricht man von Pseudohalluzination, zum Beispiel bei chronischer Alkoholvergiftung des Gehirns. Halluzinosen sind Krankheitszustände, bei denen Halluzination im Vordergrund stehen; meist liegt eine toxische oder traumatische Hirnschädigung zugrunde.

Hallwachs, Wilhelm, 9.7.1859-20.6.1922, Physiker; studierte ab 1888 den nach ihm benannt Effekt und arbeitete über Elektrolyte; 1921/22 Rektor der TH Dresden.

Halm: röhrenförmiger Stengel der Gräser und Schachtelhalme; durch periphere Festigungsgewebe von großer Biegefestigkeit.

Halma: (griechisch, «Sprung») Brettspiel für 2 bis 4 Personen mit je 13 oder 19 Steinen, die durch Ziehen und Springen vollständig in die gegenüberliegende Ecke (Hof) des Spielplanes zu bringen sind.

Halmahera: (indonesisch, «großes Land») Insel im Malaiischen Archipel, größte der Maluku-Inseln, zwischen Sulawesi und Irian, zu Indonesien gehörend; früher Jilolo-, 17800 km2, etwa 85000 Einwohner; Hauptorte Jailolo und Weda. Durch tiefeindringende Meeresbuchten stark gegliedert; gebirgig mit mehreren noch tätigen Vulkanen; höchste Erhebung Gamkunoro (bis 1635 m). Bei tropischen Klima überwiegend mit immergrünem tropischen Regen- und Bergwald bedeckt; Anbau von Gewürzen (Muskatnüsse, Nelken, Zimt, Pfeffer) sowie Reis, Ananas, Kokos- und Sagopalmen; in den Küstengewässern umfangreiche Perlenfischerei.

Halmfliegen, Chloropidae: Fliegenfamilie mit zahlreichen Getreideschädlingen; die Larven der Gelben Weizenhalmfliegen (Chlorops pumilionis) verursachen die Ährengicht.

Halmfrüchte: Bezeichnung für alle landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, die über einen knotigen Halm verfugen; das sind alle zu den Gräsern gehörenden Pflanzen, insbesondere die Getreidearten. Zu den Halmfrüchte zählen ebenfalls Getreidehülsenfruchtgemenge, deren Hülsenfruchtanteil geringer als 30 % ist. Die Halmfrüchte werden auch als Garezehrer bezeichnet, wenn nicht das Stroh nach der Ernte im Boden verbleibt (Strohdüngung).

Halmstadt: Stadt im Süden Schwedens, Verwaltungszentrum der Provinz Hailand, an der Mündung des Nissan ins Kattegat; 75000 Einwohner; Maschinenbau, Metall-, Messinstrumente Industrie; Hafen, Fährverbindungen nach Dänemark.

Halmwespen, Cephidae: Familie der Pflanzenwespen, deren Larven in Stengeln oder Zweigen fressen; einige Arten sind an Getreide oder Obstbäumen schädlich.

Halo: Meteorologie infolge Brechung und Spiegelung des Lichts an Eiskristallen auftretende farbige oder weiße Lichterscheinungen um Sonne oder Mond, als Ringe um die Lichtquelle oder den Zenit, aber auch kreuz- oder säulenförmig.

Halo, galaktischer: das Milchstraßensystem einhüllendes kugelförmiges System mit sehr geringer Sterndichte. Der galaktische Halo enthält die ältesten Sterne des Milchstraßensystems, die Halo Population, zu der vor allem Kugelsternhaufen und RR-Lyrae-Sterne gehören.

Halobionten, Halobien: Organismen salzhaltiger Böden oder Gewässer.

Halobios: die Gesamtheit der Organismen salzreicher Orte (Salzgewässer, -böden).

Halogene: (griechisch, «Salzbildner») Elementfamilie; bildet im Periodensystem der chemischen Elemente die VH. Hauptgruppe; umfasst Fluor, Chlor, Brom, Jod und Astat.

Halogenglühlampe: Glühlampe mit Halogenzusätzen (meist Brom) zum Füllgas. Dadurch entsteht bei den Temperaturverhältnissen in der Halogenglühlampe ein Halogenkreisprozess, der die bei Glühlampen übliche Kolbenschwärzung durch das vom Glühfaden abdampfende Wolfram und die damit verbundene Lichtstromabnahme verhindert.

Halogenide: chemische Verbindungen zwischen Halogenen und stärker elektropositiven Elementen. Metallhalogenide sind in der Regel Salze.

Halogenmetalldampflampe: eine Hochdruckentladungslampe, bei der die Lichterzeugung auf einer Quecksilberhochdruckentladung beruht, wobei durch Zugabe von bestimmten Leuchtzusätzen (Metalljodide) die Lücken des Quecksilberspektrums aufgefüllt werden. Dadurch werden eine hohe Lichtausbeute und gute Farbwiedergabeeigenschaften erzielt.

Halogenscheinwerfer: mit Halogenglühlampe bestückter Kfz-Scheinwerfer mit hoher Lichtausbeute; Hauptscheinwerfer sind mit Zweifadenlampe (H4-Scheinwerfer), Zusatzscheinwerfer (Breitstrahler, Nebelleuchte) mit Einfadenlampe (H2-Scheinwerfer) ausgerüstet.

Halokinese: Geologie alle Prozesse und Erscheinungen, die ursächlich mit Salzbewegungen in Zusammenhang stehen, zum Beispiel Salz Stockbildung.

halophil: salzliebend; halophil sind Organismen, die salzhaltige Biotope bevorzugen.

Hals, Collum: a) bei Wirbeltieren und beim Menschen zwischen Kopf und Rumpf liegender Körperteil des Stammes, durch Halswirbel gestützt;

b) verschmälerter Teil von Organen (zum Beispiel Gebärmutterhals).

Hals, Frans, zwischen 1581 und 1585-26.8.1666, holländischer Maler; seit 1591 nachweisbar in Haarlem wohnhaft; schuf vorwiegend Porträts, auch Schützenstücke und Genrebilder. In seinen Bildnissen gelangte Hals zu einer meisterhaften Synthese von Charakter und äußerer Erscheinung seiner Modelle, die verschiedenen Gesellschaftsklassen zugehörten. In einer ganz persönlichen Maltechnik, die in Pinselführung und Farbgebung später vom Impressionismus aufgenommen wurde, entstanden realistische Einzel- und die für Holland typische Gruppenporträts, die sich durch Lebendigkeit des Ausdrucks und Spontaneität der Bewegung auszeichnen. Damit wurde er zu einem der bedeutendsten Vertreter einer nationalen holländischen Malerei.

Halsbandaffäre: Skandalprozess 1785/86 um ein Diamantenhalsband, das sich die französische Königin Marie Antoinette von Kardinal Rohan (der einer Betrügerbande aufgesessen war) verschafft haben sollte; enthüllte die Missstände am französischen Hof einer breiten Öffentlichkeit und erschütterte das ohnehin bereits sinkende Ansehen der Monarchie.

Halsen: Änderung der Fahrtrichtung eines Segelbootes durch Drehen des Hecks durch den Wind, wobei das Großsegel auf der anderen Bootsseite wirksam wird.

Halsfistel: Missbildung im mittleren oder seitlichen Halsbereich bedingt durch Zurückbleiben von Resten embryonaler Gänge oder Schlundfurchen; erkenntlich an kleinen absondernden Öffnungen in der Haut.

Halsgerichtsordnungen, Peinliche Gerichtsordnungen: im ausgehenden Mittelalter Strafgesetzbücher und Strafprozessordnungen; benannt nach dem damaligen Strafgericht zur Aburteilung schwerer Verbrechen (Halsgericht).

Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde: Fachgebiet der Medizin, das sich den Erkrankungen der Ohren (Otologie), der Nase und ihrer Nebenhöhlen (Rhinologie), des Rachens und Kehlkopfes (Laryngologie) und zum Teil der Bronchien und der Speiseröhre widmet. Die Abgrenzung der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde von der inneren Medizin erfolgte nach grundlegenden neuen pathologischen anatomischen Erkenntnissen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert. Die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde benötigt besondere Untersuchungsverfahren mit Hilfe spezieller Spiegeltechniken oder durch Endoskopie. Die Audiologie (Lehre von den Erkrankungen des Gehörs) und die Phoniatrie (Lehre von den Erkrankungen der Stimme und Sprache) gewinnen eine zunehmende Bedeutung für die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

Haltebucht: parallel zur Fahrbahn angeordnete bauliche Anlage zum Fahrgastwechsel bei KOM und Obussen.

Halten: Stillstand von Fahrzeugen zum Zwecke des unverzüglichen Ein- oder Aussteigens beziehungsweise Be- oder Entladens. Die Bedingungen des Haltens regelt gesetzlich unter anderem die StVO.

Hälter: Erd- oder Betonbecken beziehungsweise Holzkäfig zur Unterbringung lebender Fische.

Halteren: 1. Halteren, Schwingkölbchen: Anatomie - rückgebildete Hinterflügel der Fliegen und Mücken mit Bewegungs- und Lagesinnesorganen; sind für die Stabilisierung des Fluges von Bedeutung.

2. Sport: Gewichtsstücke aus Metall oder Stein, die im antiken Griechenland von den Athleten während des Weitsprungs in der Hand gehalten wurden.

Haltestelle: durch Verkehrszeichen gekennzeichneter Straßenabschnitt, der für den Fahrgastwechsel bei öffentlichen Verkehrsmitteln bestimmt ist. Fahrzeugführer sind hier zu besonderer Vorsicht verpflichtet.

Haiti: höchster Berg Finnlands, im Nordwesten, an der norwegischen Grenze; 1328 m; aus Gabbro aufgebaut, abgerundete Mittelgebirgsform; Tundrenvegetation.

Haltung: Kanalstrecke oder Abwasserleitung mit gleichbleibendem Wasserspiegel zwischen Stauanlagen oder Schleusen beziehungsweise Schächten.

Haltungsschaden: als Haltungs-, Stellungs- oder Formfehler vorhandene Abweichung von der normalen Körperhaltung. Während Haltungsfehler muskulär aktiv und Stellungsfehler konservativ passiv korrigierbar sind, können knöcherne Formfehler nur operativ beeinflusst werden. Haltungsschäden entwickeln sich auf der Grundlage individueller Rückenformen bei muskulären Schwächen und können zum Haltungsverfall führen.

Haltungsturnen: gymnastische Übungen zur Kräftigung beziehungsweise Dehnung der für die aufrechte Körperhaltung verantwortlichen Muskelgruppen der Wirbelsäule, des Beckens und der Beine.

Halva, Hahva, Chalva, Haifa: aus dem Orient stammende fettreiche Schaumzuckerware von fein- bis grobfaseriger Struktur; besteht aus einer aufgeschlagenen gerösteten Masse aus Nuss-, Mandel-, Sesam- oder Sonnenblumenkernen und weiteren Stoffen, zum Beispiel Kakao, Dickzuckerfrüchte.

Halysschlange, Agkistrodon halys: bis 75 cm lange Grubenotter, rötlich- bis graubraun mit dunkelgerandeten Querflecken; einzige Grubenotter, die an der Wolgamündung europäischen Boden erreicht, im Osten bis Japan verbreitet. Siehe auch Grubenottern.

Hama: Stadt (Provinzzentrum) im Westen Syriens, am Nahr al-Asi; 200000 Einwohner; wichtiger Industriestandort mit Eisenmetallurgie, Zementproduktion, Textil- und Lebensmittelherstellung; landwirtschaftlicher Markt; Anschluss an die Hedschasbahn; in der Umgebung Baumwollanbau.

Hamadan: Stadt (Provinzzentrum) in Iran, im Hochland, südwestlich von Teheran; 160000 Einwohner; regionales Handels- und Industriezentrum mit Lederverarbeitung, Teppichweberei (Hamadan Teppiche), Nahrungsmittelproduktion; Straßenknoten, Flughafen.

Hamamatsu: Stadt in Japan, in der Präfektur Shizuoka, auf der Insel Honshu, an der Bahnlinie Tokio-Nagoya; 490000 Einwohner; chemische, Textil-, Holzindustrie, Musikinstrumentenherstellung, Flugzeug-, Motorrad-, Textilmaschinenbau.

Hamamelis, Zaubernuss: Gattung ostasiatischer und nordamerikanischer Sträucher, deren Blätter und Rinde für medizinische und kosmetische Präparate verwendet werden; auch Ziergehölze.

Hämangiom, Gefäßmal: angeborenes, gut-artiges Blutgefäßmal (Muttermal) der Haut und Schleimhaut; oft halbseitig als mehr oder weniger ausgedehnter, in Hautebene liegender weinroter Fleck (Feuermal) oder als schwammig-knotige blaurote Geschwulst (Blutschwamm). Das Auftreten mehrerer Hämangiom wird als Hämangiomatose bezeichnet. Spontane Rückbildung ist möglich.

Hamann: 1. Johann Georg, 27.8.1730-21.6.1788, Schriftsteller; vertrat eine (christlich orientierte) sinnlich-geistige Ganzheitsauffassung vom Menschen sowie plebejisch-demokratische Tendenzen; verwies auf das Volk als Kulturträger, auf Homer und Shakespeare als Vorbilder; förderte den Geniekult des Sturm und Drang; besonders wirksam war sein Werk «Aesthetica in nuce» (1761). Hamann beeinflusste J. G. Herder und J. W. Goethe; letzterer nannte ihn «Magus aus Norden».

2. Richard, 29.5.1879-9.1.1961, Kunsthistoriker, gründete die kunstgeschichtliche Fotothek Marburg, lehrte unter anderem an der Humboldt-Universität zu Berlin. Hauptwerke sind «Geschichte der Kunst» (1933, 2 Bände), «Rembrandt» (1948), «Deutsche Kunst von der Gründerzeit bis zum Expressionismus» (1959/75, zusammen mit J. Hermand, 5 Bände), «Theorie der bildenden Kunst» (1980).

Hämatologie: Lehre vom Blut und von den Erkrankungen des Blutes.

Hämatothorax: Blutansammlung im Rippenfellraum, meist nach Verletzungen; bedarf der raschen Entleerung wegen Atembehinderung und Herzverdrängung.

Hämaturie: Ausscheidung ungelöster Erythrozyten im Harn; makroskopisch sichtbar (roter Harn) im Unterschied zum nur im Mikroskop sichtbaren Harnsedimentbefund der Erythrozyturie. Akut und chronisch auftretende Harnblutungen werden bei allen Geschwülsten der Niere, des Harnleiters, der Blase, der Harnröhre und der Prostata beobachtet. Beim Rind wird das Auftreten von Blut im Harn nach Aufnahme von Adlerfarn im Futter als Stallrot bezeichnet. Siehe auch Hämoglobinurie.

Hambacher Fest: Kundgebung von etwa 30000 Anhängern der demokratischen Bewegung am 27.5.1832 auf Schloss Hambach bei Neustadt an der Weinstraße, auf der ein einheitlichen deutschen Staat und die Republik gefordert wurden. Das Hambacher Fest bildete den Höhepunkt der antifeudalen Bewegung nach 1830; es war die größte Massendemonstration vor der bürgerlich-demokratische Revolution von 1848.

Hameln: Kreisstadt in Niedersachsen, an der Weser, im Weserbergland; 59000 Einwohner; metallverarbeitende (Drahtherstellung), Elektro- und Textilindustrie; Ausgang der Oberweserschifffahrt; Stadtbild der Altstadt von Bürgerhäusern im Stil der Renaissance (unter anderem Rattenfängerhaus um 1600) geprägt, frühgotisch Münster St. Bonifatii.

Hamen: sackartiges Fanggerät der Flussfischerei; wird durch Scherbretter offengehalten.

Häm-Enzyme: Enzyme mit unterschiedlicher katalytischer Wirkung, die eine Eisen-Porphyrin Verbindung, das Häm, als spezifische prosthetische Gruppe enthalten; zum Beispiel Katalase, Peroxidase, Zytochrome, Cytochromoxidase.

Hamerling, Robert, 24.3.1830-13.7.1889, österreichischer Schriftsteller; verfasste neben lyrischen Dichtungen und Epen («Ahasver in Rom», 1865) Erzählungen, Dramen und kulturhistorische Romane.

Hamersley Range, Hamersley-Gebirge: Höhenzug im Nordwesten von Westaustralien; bis 1228 m (Mount Bruce), Gewinnung von Eisenerz (Mount Tom Price) und Asbest (Bergbauregion Pilbara).

Ham-Ham: Geduldsspiel für eine Person, bei dem 9 mit den Ziffern 1 bis 9 versehene Steine aus willkürlich gewählter Anfangsstellung in die richtige Reihenfolge zu bringen sind.

Hamhung: Stadt (Provinzzentrum) im Osten der KDVR, mit der Hafenstadt I Hyngram verwachsen; zusammen 600000 Einwohner; Industriezentrum mit Aluminiumerzeugung, Maschinenbau, chemische, Zement-, Glasindustrie; 10 Hoch- und Fachschulen, mehrere Akademie-Institute. Durch US-Aggression 1950/53 weitgehend zerstört.

Haml: Stadt in China, im Osten des Autonomen Gebietes Xinjiang Uygur; früher Komul; 50000 Einwohner; Kohleabbau, Eisenverhüttung, Maschinenbau, chemische Industrie; Verkehrsknoten (wichtige Station der Xinjiang-Bahn), Flughafen.

Hamilkar: Name mehrerer karthagische Feldherren. Der bedeutendste war Hamilkar Barkas (phönikischer «Blitz»), um 285-229 vor Christus (gefallen), Vater Hannibals; während des 1. Punischen Krieges führte er auf Sizilien einen Kleinkrieg gegen Rom; eroberte seit 237 den Südosten Spaniens (mit wichtigen Erzgruben).

Hamilton: 1. Fluss im Osten Kanadas, im Ostteil der Halbinsel Labrador, 330 km; entspringt im Osten der Kanadische Seenplatte, mündet in den Atlantischen Ozean; mehrere Wasserfälle (100 m hohe «Grand Falls»); bedeutendes Wasserkraftpotential.

2. Stadt in Kanada, in der Provinz Ontario, am Ontariosee; 310000 Einwohner, als Agglomeration 540000 Einwohner; Zentrum der kanadischen Eisenmetallurgie, des weiteren Elektroindustrie, Auto- und Landmaschinenbau, Textil-, chemische, Lebensmittel-, Papierindustrie; Universität; Hafen.

Hamilton: 1. Alexander, 11.1.1757 bis 12.7.1804, US-amerikanischer Politiker, konservativer Führer der Unabhängigkeitsbewegung; verfocht Zentralismus und Monarchie, Gegner des demokratischen Programms T. Jeffersons.

2. Sir William Rowan, 4.8.1805-2.9.1865, irischer Mathematiker, Physiker und Astronom; schuf die ausgereifte Form der klassischen Mechanik (ab 1833), lieferte auch grundlegende Beiträge zur geometrischen Optik und zur Algebra hyperkomplexer Zahlen; von 1837 bis 1845 war Hamilton Präsident der Royal Irish Academy.

Hamilton-Operator, (nach W. R. Hamilton) Energieoperator: der hermitesche Operator Ü der Gesamtenergie eines Quantensystems; er hängt im Allgemeinen von allen, ebenfalls durch Operatoren repräsentierten physikalischen Größen ab, die mit ä zusammen die Zustände des Systems vollständig charakterisieren. Die Eigenwerte beziehungsweise Eigenfunktionen des Hamilton-Operators geben die möglichen Energieniveaus beziehungsweise die (stationären) Zustände des Systems an. Siehe auch Schrödinger-Gleichung; Eigenwertproblem, lineares.

Hamiltonscher Kreis: topologischer Kreis in einem Graphen, der jeden Knoten des Graphen genau einmal enthält.

Hamiten: (nach Ham, einem Sohn Noahs) erst im 19. Jahrhundert eingeführte Bezeichnung für mehrere sprachverwandte Völkergruppen der semitisch-hamit. Sprachfamilie in Nord- und Nordostafrika, die jedoch anthropologische und kulturelle Unterschiede aufweisen, insbesondere die West-Hamiten (Berber), Ost-Hamiten (Kuschiten) und die alten Ägypter. Die Hamitentheorie vieler bürgerlicher Wissenschaftler schreibt unzulässiger Weise die herausragenden kulturellen und politischen Leistungen der Vergangenheit im subsaharischen Afrika den Hamiten zu.

Hamlet, sagenhafter dänischer Prinz, Titel- und Hauptheld in W. Shakespeares Tragödie «Hamlet» (1600, deutsch). Quelle für Shakespeare waren die «Tragischen Geschichten» des Franzosen F. Belleforest, der den Stoff von dem dänischen Chronisten Saxo Grammaticus (12. Jahrhundert) übernommen hatte.

Hammada: Bezeichnung für die Stein- oder Felswüsten der Sahara.

Hammel, Claus, geboren 4.12.1932, Dramatiker; wendet sich Problemen der sozialistischen Gegenwart und der Entwicklung des Geschichtsbewusstseins im Sozialismus zu («Um neun an der Achterbahn», 1964; «Morgen kommt der Schornsteinfeger», 1967; «Rom oder Die zweite Erschaffung der Welt», 1975; «Das gelbe Fenster - Der gelbe Stein», 1977; «Überlegungen zu Feliks D.», 1978; «Humboldt und Bolivar», 1979; «Die Preußen kommen», 1981; «Die Lokomotive im Spargelbeet», 1984).

Hammelsprung: Abstimmungsverfahren im bürgerlichen Parlament, bei dem die Abgeordneten durch das Betreten des Saales durch verschiedene Türen ihre Stimme abgeben.

Hammer:

1. Hammer, (Malleus) Anatomie: mit dem Trommelfell und dem Amboss verbundenes Gehörknöchelchen im Mittelohr.

2. Fertigungstechnik: Handwerkszeug für Arbeiten, die eine Schlagwirkung erfordern. Der Hammerkopf besteht je nach Verwendungszweck aus Stahl, NE-Metall, Gummi oder Holz; in seinem Öhr ist der Stiel verkeilt. Am gebräuchlichsten ist der Hand- (Schlosser-) Hammer, dessen Kopf eine quadratische, gewölbte Fläche (Bahn) und eine schmale, quer zum Stiel verlaufende Schlagkante (Pinne) hat. Beim Maschinenhammer wird die Schlagwirkung durch einen frei fallenden (Fallhammer) oder zusätzlich durch Luft, Dampf oder Federkraft beschleunigten Metallblock (H.bär) erzielt (Lufthammer, Dampfhammer, Federhammer).

3. Leichtathletik: Hammerwurf.

Hammerfest: Stadt im Norden Norwegens, auf der Insel Kvaloy; 7500 Einwohner; Fischerei und Fischverarbeitung; Hafen; Fremdenverkehr. Der Ort wurde nach Zerstörung im 2. Weltkrieg neu erbaut Hammerfest ist die nördlichste Stadt Europas (70°40' nördliche Breite), 72 Tage Mitternachtssonne.

Hammerhaie, Sphyrnidae: Haie mit auffällig hammerartig verbreitertem Kopf, Augen und Nasenlöcher außen auf den Kopffortsätzen; teils lebendgebärend; überwiegend Hochseebewohner (in wärmeren Meeren); bis 4 m lang der häufig vorkommende Glatte Hammerhaie (Sphyrna zygaena); die größte Art ist Sphyrna mokkaran mit bis 5,5 m Länge.

Hammerklavier, Hammerflügel: Bezeichnung für das Pianoforte des 18. und frühen 19. Jahrhundert zur Unterscheidung von den damals noch gebräuchliche älteren Tasteninstrumenten Cembalo und Clavichord sowie vom modernen Klavier und Flügel.

Hämmerli Kappe: Schießsport bei Freier KK-Büchse und Freiem Gewehr gestattete, nach Höhe und Tiefe verstellbare, hakenförmige Vorrichtung am hinteren Teil des Kolbens; ermöglicht gleichmäßiges Einziehen in die Schulter.

Hammermühle: Maschine mit rotierenden, beweglichen Hämmern zum Nachzerkleinern von Holzspänen für Holzspanplatten und zum Erzeugen von Holzmehl.

Hammerschlaglack: luft- oder ofentrocknender Effektlack, dessen Anstrich der Oberflächenstruktur handgetriebener Metallteile ähnelt.

Hammerschmidt, Andreas, 1611 oder 1612 bis 29.10.1675, Komponist und Organist; seine Kirchenkompositionen, Lieder unter anderem waren durch Druck weit verbreitet und sehr beliebt.

Hammerwurf: leichtathletische Disziplin für männliche Athleten; Weitwurf eines für Erwachsene 7,257 kg schweren, 117,5 ... 121,5 cm langen Geräts (Hammer, Wurfhammer, eine über einen Stahldraht mit einem Griff verbundene Metallkugel), das aus einem Wurfkreis von 2,135 m Durchmesser geworfen wird und in einem Wurfsektor von 45° aufschlagen muss; Regeln wie Diskuswurf. Olympisch (seit 1900), Weltmeisterschafts- (seit 1983) und Europameisterschaftsdisziplin (seit 1934).

Hammerzehe: Fehlstellung einer Zehe bei fixierter Beugung im Mittelgelenk und gleichzeitiger Überstreckung im Grundgelenk.

Hammett, Samuel Dashiell, 27.5.1894-10.1.1961, US-amerikanischer Kriminalschriftsteller, schrieb realistische, sogenannt harte Kriminalromane, wie «Der Malteser Falke» (1930, deutsch), war Drehbuchautor in Hollywood. Wegen progressiver politischer Haltung wurde Hammett in den 50er Jahren verfolgt.

Hamming-Distanz: nach einem US-amerikanischen Informationstheoretiker): kleinste Anzahl von Binärstellen, durch die ein Codewort in ein anderes des gleichen Kodes übergeführt werden kann; Maß für die Redundanz eines Kodes. Mit steigender Hamming-Distanz sinkt die Wahrscheinlichkeit, ein verfälschtes Codewort als ein anderes zu deuten, ohne einen Fehler erkennen zu können.

Hammondorgel: elektromechanisches Tasteninstrument, enthält für jeden Ton eine gleichmäßig rotierende Profilscheibe mit elektromagnetischem Tonabnehmer; zahlreiche elektronische Einrichtungen gestatten vielfältige Klangeffekte; Tonabstrahlung durch Lautsprecher, 1934 von dem US-amerikanischen Ingenieur L. Hammond in Chicago entwickelt. Siehe auch Elektronenorgel.

Hammurapi, Hammurabi, bedeutendster König und Begründer des altbabylonisch-amurritischen Reiches, regierte um 1728/1686 vor Christus; eroberte die sumerischen und akkadischen Städte, Larsa, Nordmesopotamien und Mari, reorganisierte den Verwaltungsapparat, verbesserte das Bewässerungsnetz und förderte Gewerbe und Handel. Hammurapi reformierte und kodifizierte das Straf-, Zivil- und Handelsrecht. 1901 wurde seine in akkadischer Sprache abgefasste Gesetzessammlung (Codex Hammurapi), eine der ältesten Gesetzessammlungen der Geschichte, von dem französischen Archäologen J. J. M. de Morgan (1857-1924) in Susa gefunden.

Hämoblastosen: bösartige Blutkrankheiten, zum Beispiel Leukämie, infolge Wucherung entarteter unreifer Blutzellen; Sammelbegriff für Erkrankungen aller blutbildenden Gewebearten, zum Beispiel des roten Knochenmarks und des Lymphgewebes.

Hämochromatose, Siderophilie (beide griechisch), Eisenspeicherkrankheit: seltene, erbliche Eisenstoffwechselstörung (primäre Hämochromatose) mit übersteigerter Eisenaufnahme im Darm und Eisenablagerung in zahlreichen Organen, besonders in Haut, Bauchspeicheldrüse, Leber, Herzmuskel, Hoden und Hirnanhangdrüse. Folgen sind Organschäden mit entsprechend Funktions-Verlusten. Zu einer Ablagerung von Hämosiderin in Körpergeweben (sekundäre Hämochromatose) kommt es infolge Eisenüberangebots, zum Beispiel durch starken Blutzerfall bei perniziöser Anämie, nach häufigen Bluttransfusionen, nach übermäßiger Eisenzufuhr.

Hämodynamik: Lehre von den physikalischen Grundlagen beziehungsweise Gesetzen der Strömung des Blutes im Kreislauf.

Hämoglobin, Abkürzung Hb: in den roten Blutzellen lokalisierter roter Blutfarbstoff. Hämoglobin zählt zu den Hämoproteinen und besteht aus 4 Globin Untereinheiten, die jeweils ein Molekül Häm als prosthetische Gruppe enthalten. Hämoglobin besitzt große Bedeutung für den Transport von Sauerstoff im Blut, der reversibel an das zweiwertige Eisenatom der prosthetischen Gruppe gebunden wird. Die Sauerstoffbindung im Hämoglobin wird durch Sauerstoff- und Kohlendioxidpartialdruck, Temperatur, pH-Wert unter anderem Faktoren beeinflusst. Oxydation des Hämoglobin zu Methämoglobin verhindert die Sauerstoffbindung ebenso wie die Bindung von Kohlenmonoxid an Hämoglobin, die etwa 300mal fester ist als die Bindung von Sauerstoff an Hämoglobin ; durch Sauerstoffmangel kommt es zum Tode (zum Beispiel Leuchtgasvergiftung). Der Abbau von Hämoglobin erfolgt nach Zerfall der roten Blutkörperchen in der Leber unter Bildung der Gallenfarbstoffe oder auch nach Blutaustritt aus den Gefäßen in allen anderen Körperzellen.

Hämoglobinurie: Ausscheidung des aus den roten Blutzellen herausgelösten Hämoglobins im Harn im Unterschied zur Hämaturie. Häufigste Ursache der Hämoglobinurie sind Vergiftungen (auch Pilzvergiftungen), schwere Infektionskrankheiten (zum Beispiel Sepsis, Typhus) und Komplikationen bei Bluttransfusionen.

Hämolymphe: meist farblose, dem Blut vergleichbare Körperflüssigkeit wirbelloser Tiere (zum Beispiel der Gliederfüßer, Weichtiere) mit offenem Blutgefäßsystem. Hämolymphe umspült alle Organsysteme in der Leibeshöhle direkt.

Hämolyse: mechanisch, chemisch (Toxine, Antikörper) oder durch Strahlung bewirkte Zerstörung der Hüllmembran der roten Blutzellen mit nachfolgendem Austritt des Hämoglobins.

hämolytischer Ikterus: Gelbsucht durch verstärkten Blutabbau, verbunden mit hämolytische Anämie.

Hämopathie: Blutkrankheit, zum Beispiel Anämie, Leukämie.

Hämophilie, Bluterkrankheit: Blutgerinnungsstörung; Erbkrankheit mit schwer stillbaren Blutungen nach geringfügigen Verletzungen; befällt nur das männliche Geschlecht; Frauen sind Träger der Erbanlage (Konduktoren).

Hämoproteine: Proteine, die als prosthetische Gruppe Häm enthalten; Vertreter der Hämoproteine sind Myoglobin, Hämoglobin und Zytochrome.

Hämorrhoiden: meist knotenförmige Erweiterungen der Blutgefäße im Afterkanal, die erheblichen Blutungen verursachen können.

Hämosiderin: braunrotes eisenreiches Abbauprodukt des Hämoglobins, das sich zum Beispiel nach Blutergüssen im Gewebe ablagert.

Haemosporidia: Sporentierchen mit Wirtswechsel zwischen Wirbeltieren und blutsaugenden Zweiflüglern; ohne Sporenbildung; Befruchtungsprodukte bilden bewegliche Stadien aus (Ookineten). Hierzu gehört der Erreger der Malaria (Gattung Plasmodium).

Hampshire: Grafschaft im Süden Englands (Großbritannien), am Kanal; 3772 km2, 1,5 Millionen Einwohner; 385 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Winchester; intensiver Acker- und Gartenbau; Milchwirtschaft; Industrie besonders in den großen Häfen Southampton und Portsmouth (Schiff- und Flugzeugbau, Erdölraffinerie).

Hamster, Cricetus cricetus: kurzschwänziges Nagetier Eurasiens mit Backentaschen, die als Nahrungsspeicher dienen; lebt auf Lehm- oder Lößböden; trägt in seinen unterirdischen Bau unter anderem Getreide ein; Ackerbauschädling. Das Fell wurde früher wegen der charakteristischen Zeichnung und der geringen Masse nur als Innenfutter verwendet, heute vorwiegend zu Mänteln und Jacken verarbeitet; siehe auch Goldhamster.

Hamsun, eigentlich Pedersen, Knut, 4.8.1859-19.2.1952, norwegischer Schriftsteller; schrieb unter dem Einfluss von F. Nietzsche seit 1890 individualistische Romane («Hunger», 1890, deutsch), die zunehmend antidemokratische Züge aufweisen. Lyrisch-romantisch sind die Erzählungen «Pan» (1894, deutsch) und «Victoria» (1898, deutsch). Den einfältigen, erdverbundenen Menschen preist Hamsun in dem Roman «Segen der Erde» (1917, deutsch). Hamsun kollaborierte mit dem deutschen Faschismus.

Hand, Manus: Endabschnitt der Vordergliedmaßen vierfüßiger Wirbeltiere beziehungsweise der oberen Gliedmaßen des Menschen. Die Hand besteht aus der sich dem Unterarm anschließenden Handwurzel (Carpus), der Mittelhand (Metacarpus) und den Fingern (Digiti). Die Hohlhand (Handteller) zeigt typische Furchen und Linien, der Handrücken ist leicht gewölbt. Die vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten der Hand des Menschen, hauptsächlich die Opponierbarkeit des Daumens und die damit verbundene Entwicklung der Greifhand war ein wesentliches Element für die Evolution des Menschen durch die Arbeit.

Handarbeit: Arbeit, bei der das Werkzeug (im Gegensatz zur maschinellen Produktion) unmittelbar von der menschlichen Hand geführt wird. Die Handarbeit war typisch für die vorkapitalistischen Produktionsweisen und die kapitalistische Manufaktur. Die Handarbeit herrscht heute noch im Handwerk vor, wird aber auch in der Industrie (insbesondere bei Montageprozessen, an Handfließreihen unter anderem), im Bauwesen und in der Landwirtschaft noch angewandt. Produktivität und Qualität der Handarbeit hängen wesentlich von den handwerklichen Fähigkeiten und vom Geschick der Arbeitskräfte ab.

Handball: ursprünglich als Großfeldhandball auf Rasenplätzen von 110 m x 65 m Größe mit Fußballtoren und Torräumen von 13 m Radius betriebenes Torspiel zweier Mannschaften von je 11 Spielern (1 Torwart und 10 Feldspieler); heute ausschließlich im Freien oder in Hallen gespieltes Kleinfeldspiel (Kleinfeldhandball, Hallenhandball) zwischen 2 Mannschaften von 7 Spielern (1 Torwart und 6 Feldspieler) sowie 5 ständigen Auswechselspielern. Der (für Männer) 425 bis 475 g schwere Lederhohlball von 58 bis 60 cm Umfang soll möglichst oft in das gegnerische Tor geworfen werden. Die Spielzeit beträgt 2 x 30 min. Unentschieden endende Pokal- und Entscheidungsspiele werden unter Umständen um 2x5 min verlängert. Bei Turnieren kann die Spielzeit generell verkürzt werden. Der Ball muss nach 1 Aufnahme (Festfassen des Balles) abgespielt, darf aber unbegrenzt geprellt und muss aller 3 Schritte (oder Sekunden) getippt werden. Es gibt kein Abseits; der Torraum darf von den Feldspielern nicht betreten werden. Für grobe Fouls gibt es 2-min-Herausstellungen, die 3. Zeitstrafe eines Spielers bedingt Disqualifikation. Olymp. Sportart seit 1972, Weltmeisterschaften seit 1938.

Handdruck: 1. Polygraphie: a) künstlerischer Druck, bei dessen Herstellung die Druckfarbe von der Druckform durch Reiben mittels Falzbeins oder Reibers auf den Bedruckstoff übertragen wird;

b) auf einer Handdruckpresse hergestellter Druck.

2. Handdruck, Modeldruck: Textilveredlung Textildruckverfahren mit einem von Hand geführten Model (Druckform). Siehe auch Textildruck.

Händel, Georg Friedrich, 23.2.1685-14.4.1759, Komponist; neben J. S. Bach die bedeutendste Musikerpersönlichkeit seiner Zeit; wirkte, nach Jugendjahren in seiner Geburtsstadt Halle (bis 1703), in Hamburg, Italien, seit 1710 in London. In England, dem damals ökonomisch und gesellschaftlich am weitesten entwickelten Land, fand Händel den geeigneten Boden für seine Kunst, aber auch Widerstände durch Parteienstreit und politische Intrigen. Seine Hauptkraft widmete er dort bis 1740 der italienischen Opera seria, vermochte aber seine Werke durch melodische Erfindungskraft und musikalische Charakterisierungskunst weit über die seiner Zeitgenossen zu erheben. Seit 1741 wandte sich Händel der im Wesentlichen von ihm selbst geschaffenen Gattung des Oratoriums zu, das vom progressiven englischen Bürgertum begeistert aufgenommen und als Nationalkunstwerk verstanden wurde. Die in englischer Sprache geschriebenen Werke künden im Gewand alttestamentlicher oder antiker Stoffe von den Ideen der Aufklärung, von Freiheit und Frieden und nehmen, besonders in gewaltigen Chorszenen, Partei für das unterdrückte Volk. Händel schuf über 40 Opern (unter anderem «Agrippina» (schon in Italien entstanden), «Rinaldo», «Radamisto», «Julius Cäsar», «Tamerlan», «Rodelinda», «Poros», «Ezio», «Alcina», «Ariodante», «Xerxes», «Deidamia»), 27 orator. Werke (unter anderem «Acis und Galatea», «Israel in Ägypten», «Saul», «Messias», «Susanna», «Belsazar», «Judas Maccabäus», «Jephta»), Oden und Kantaten (darunter «Friedens-Ode», «Caecilien-Ode», «Alexanderfest»), Anthems (darunter die «Chandos-Anthems» und die «Krönungs-Anthems»), Kammerkantaten, Orgelkonzerte, Concerti grossi (am bekanntesten op. 3 und op. 6), Kammer- und Klaviermusik (darunter die 8 großen Suiten). Händels Musik ist geprägt von dem historischen Optimismus der Aufklärungsepoche, dabei in ihren dramatischen, pathetischen und lyrischen-zarten Tönen von größter Differenzierungskraft; hatte starken Einfluss auf die Wiener Klassik.

Handeln auf Befehl: Grundsatz des Strafgesetzbuches, nach dem eine Militärperson für eine Handlung, die sie in Ausführung des Befehls eines Vorgesetzten begeht, strafrechtlich nicht verantwortlich ist, es sei denn, diese Handlung verstößt offensichtlich gegen Normen des Völkerrechts oder gegen Strafgesetze; gilt als Rechtfertigungsgrund.

Handeln ohne Auftrag: Tätigwerden für einen anderen Bürger, wie es dessen Interessen und mutmaßlichen Willen entspricht; früher Geschäftsführung ohne Auftrag genannt.

Handelsattache: Stellvertreter des Handelsrates einer Handelsvertretung beziehungsweise Handelspolitische Abteilung bei den Botschaften sozialistischer Länder.

Handelsbilanz, Außenhandelsbilanz: wertmäßige Gegenüberstellung des gesamten Exports und Imports eines Landes für einen bestimmten Zeitraum. Die Handelsbilanz kann auch für den Außenhandel (Export und Import) eines Landes mit jeweils einzelnen anderen Ländern oder Ländergruppen aufgestellt werden. Ein Exportüberschuss bedeutet, dass die Handelsbilanz aktiv ist. Ein Importüberschuss führt zur passiven Handelsbilanz.

Handelsflotte: im engeren Sinne Gesamtheit der in der Seeschifffahrt eingesetzten Frachtschiffe sowie kombinierten Fracht- und Fahrgastschiffe eines Staates; im weiteren Sinne schließt der Begriff auch die Fahrgastschiffe sowie größere Fischerei- und technische Fahrzeuge ein.

Handelsfondsabgabe: der Produktionsfondsabgabe vergleichbare normative Abführung eines Teils des erwirtschafteten Reineinkommens volkseigener Handelsbetriebe an den Staatshaushalt; wird als fester Prozentsatz auf den Bestand an Handelsfonds (Grund- und Umlaufmittel) erhoben.

Handelskompanien: große, staatlich geförderte Außenhandelsgesellschaften vom 17. bis 19. Jahrhundert; waren Instrumente der kapitalistischen, besonders europäischen Industriestaaten zur Unterjochung fremder Völker und für den Aufbau des Kolonialsystems. Siehe auch ostindische Kompanien.

Handelskrieg: Wirtschaftskrieg; schärfste Form des von kapitalistischen, besonders imperialistischen Staaten als Teil ihrer aggressiven Außenpolitik gegen andere Länder geführten Wirtschaftskampfes (Embargopolitik, Dumping, Zollkrieg, währungspolitische Maßnahmen unter anderem).

Handelsmünze: Münze, die dem internationalen Verkehr dient und nicht auf den Ausprägestaat beschränkt ist; sie ist ausländischen Bedürfnissen angepasst und im Inland nicht unbedingt gesetzliche Zahlungsmittel. Handelsmünzen wurden über den eigenen Bedarf hinaus geprägt und oft auch von anderen Staaten nachgeahmt. Der englische Sterling des 13./14. Jahrhundert wurde von Westeuropa übernommen; Mariatheresientaler wurden bis ins 20. Jahrhundert mit dem Münzbildern von 1780 in Wien für Länder Nordafrikas und Vorderasiens geprägt.

Handelsrecht: 1. Sammelbegriff für die Rechtsvorschriften über die Stellung, Aufgaben, Rechte und Pflichten der Handelsbetriebe.

2. Teil des bürgerlichen Zivilrechts, der die Stellung und Geschäftsbeziehungen der Kaufleute (Kaufmann) und Handelsgesellschaften in Industrie, Handel und allen anderen Wirtschaftszweigen regelt. Zum Handelsrecht gehören insbesondere das Handelsgesetzbuch, die Gesetze über Aktiengesellschaften unter anderem Handelsgesellschaften sowie das Wechselgesetz.

Handelsregister: Verzeichnis der Kaufleute und Handelsgesellschaften, in das die Firma, Vertretungsbefugnisse unter anderem vorgeschriebene Angaben aufgenommen werden. Die Richtigkeit der Eintragungen wird vermutet.

Handelsspanne: gesetzlich festgelegter Preisbestandteil zur Finanzierung der Aufwendungen für die Handelstätigkeit und zur ökonomischen Stimulierung in den Groß- und Einzelhandelsbetrieben. Zur Förderung rationeller Warenwege (Direktbezug) können Teile der Handelsspanne auch an die Produzenten weitergegeben werden.

Handelsvertreter: Handelsrecht Vertragspartner, der für den anderen Partner Waren abzusetzen hat;

a) im Namen und für Rechnung des anderen (Provisionsvertreter);

b) im eigenen Namen, aber für Rechnung des anderen (Kommissionär);

c) im eigenen Namen und für eigene Rechnung (Selbstkäufer). Selbständiger Kaufmann (praktisch oft wie ein Angestellter), der ständig für einen anderen gegen Provision Geschäfte vermittelt oder schließt (Reise-, Vermittlungs-, Versicherungsvertreter), auch Handlungsagent oder Agent genannt.

Handfeuerlöscher: tragbares Feuerlöschgerät, das spätestens 5 s nach Inbetriebnahme Löschmittel abgeben muss. Handfeuerlöscher stoßen ihren Löschmittelinhalt bei Inbetriebnahme durch gespeicherten Druck selbsttätig aus und dienen zur Bekämpfung von Entstehungsbränden. Als Feuerlöschmittel für Handfeuerlöscher werden Wasser, Löschpulver, Halone und Kohlendioxid verwendet. Die Anwendungsgebiete der Handfeuerlöscher werden durch das Feuerlöschmittel bestimmt. Handfeuerlöscher unterliegen der periodischen Überprüfung.

Handfeuerwaffe: von einem Schützen zu bedienende, tragbare Feuerwaffe, zum Beispiel Pistole, Gewehr, Karabiner, Maschinenpistole, -gewehr, Panzerbüchse.

Handgranate: von Hand geworfenes und durch Lösen einer Sicherung scharf gemachtes Geschoß. Splitterhandgranate (mit Verzögerungszünder) werden nach der Splitterwirkung unterteilt in Angriffshandgranate (25 bis 30 m) und Verteidigungshandgranate (etwa 200 m). Panzerhandgranate (mit Aufschlagzünder) besitzen Hohlladung und Stabilisierungsfallschirm; mehrere Handgranaten können zu einer geballten Ladung gekoppelt werden.

Handhaben: Fertigungstechnik Greifen und Bewegen von Werkstücken, Werkzeugen oder anderen Gegenständen am Arbeitsplatz auf beliebigen oder vorgeschriebenen Bahnen zu definierten Positionen, wobei der bewegte Gegenstand gleichzeitig lageorientiert und gegebenenfalls vorübergehend gehalten wird. Das Handhaben erfolgt in vielfältiger Weise beim Werkstück- und Werkzeugwechsel an Werkzeugmaschinen oder Fertigungseinrichtungen durch Einlegen, Entnehmen, Wenden, Stapeln oder Weitergeben von Werkstücken sowie durch Zuführen, Wechseln und Ablegen von Werkzeugen. In der Handhabetechnik werden in zunehmendem Maße Manipulatoren eingesetzt.

Handharmonika, Ziehharmonika: Musikinstrument, dessen Tonerzeugung mit durchschlagenden Metallzungen (Lamellen) erfolgt, die bei Zug und Druck des Faltenbalges durch einen Luftstrom zum Schwingen gebracht werden; wurde um 1820 in Wien erfunden, bald danach in verschiedenen Richtungen weiterentwickelt. Siehe auch Akkordeon, Bandonion, Konzertina.

Handikap: 1. allgemeine Benachteiligung.

2. Sport: a) Wettbewerb (besonders Pferderennen) mit Vorgaben gemäß Leistungsvermögen für einzelne Teilnehmer; Gewichtsausgleich;

b) Benachteiligung im Wettkampf durch missliche Umstände.

Handlochkarte: Karte aus Spezialpapier, meist im Format A4 oder A 5, auf der durch Lochen, Kerben oder Schlitzen (Sicht-, Kerb- oder Schlitzlochkarte) Informationen gespeichert werden, die durch Sichtkontrolle oder mit Hilfe von Selektier Nadeln (Sortiernadeln) ausgewertet werden können.

Handlung: relativ abgeschlossene, zeitlich und sinnhaft gegliederte Einheit menschlicher Tätigkeit, in der auf der Grundlage bewusster Zielsetzung Entscheidungen über die Erreichung des Zieles getroffen werden.

Handlungsfähigkeit, früher Geschäftsfähigkeit-. Zivilrecht Fähigkeit, durch eigenes Handeln Rechte und Pflichten zu begründen, insbesondere Verträge abzuschließen unter anderem Rechtsgeschäfte vorzunehmen; sie entsteht mit Volljährigkeit, das heißt mit Vollendung des 18. Lebensjahres. Beschränkt handlungsfähig sind Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren, handlungsunfähig Kinder unter 6 Jahren und Entmündigte. Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren sind für verursachte Schäden bei entsprechend individuellem Entwicklungsstand verantwortlich. Siehe auch Entmündigung.

Handlungsvollmacht: Vollmacht, die sich auf alle Rechtsgeschäfte erstreckt, die das Betreiben eines Handelsbetriebes in der Regel mit sich bringt.

Handpferd: im Zweigespann rechts gehendes Pferd; siehe auch Sattelpferd.

Handschar, Kandschar: früher bei den Türken und Balkanvölkern verbreitetes, bis 1 m langes gebogenes Schwert beziehungsweise Dolch.

Handschrift: 1. die jedem Schreibenden eigenen charakteristische Schriftzüge.

2. mit der Hand geschriebenes Buch oder sonstiger Text (siehe auch Autogramm, Autograph), heute auch die Originalmaschinenschrift; im engeren Sinne das handgeschriebene Buch der Spätantike und des Mittelalters.

Christiansche Krankheit: (nach 2 US-amerikanischen Ärzten und einem österreichischen Röntgenologen) Erkrankung der Bindegewebezellen der inneren Organe und des Knochensystems mit Speicherung von Cholesterol. Sie führt zu geschwulstartiger Zerstörung des Skeletts, besonders des Schädels. Kinder werden bevorzugt betroffen.

Handstandsprünge: Wasserspringen Gruppe von Sprüngen, die aus dem Handstand begonnen werden und nur beim Turmspringen erlaubt sind.

Handstück: für Sammlungen vorgesehene Gesteinsprobe; etwa 8 cm x 12 cm, vom Geologen im Gelände mit dem Geologenhammer zurechtgeschlagen.

Handverkauf: Verkauf nicht rezeptpflichtiger Arzneimittel in Apotheken.

Handwerk: Gesamtheit der zur kleinen Warenproduktion zählenden Handwerksbetriebe, deren Inhaber private Handwerksmeister des Handwerks sind. Dem Handwerk obliegt in der Hauptsache die Ausführung von Reparatur- und Werterhaltungsarbeiten, die Durchführung von Dienstleistungen und so weiter. Daneben werden je nach Handwerk auch Gebrauchswerte hergestellt, die verkauft werden.

Handwerkerpreise, Preise das Handwerk: Preise für handwerkstypische Leistungen; häufig Regelleistungspreise.

Handwühle, Bipes biporus: bis 20 cm lange Doppelschleiche mit wohlentwickelten Vordergliedmaßen, die Hintergliedmaßen fehlen; auf Niederkalifornien beschränkt.

Handwurzel, Carpus: zwischen Unterarm und Mittelhand liegender schmälster Teil der Hand. Knöcherne Grundlage bilden die gelenkig miteinander verbundenen, in 2 Reihen angeordneten 8 Handwurzelknochen. Proximale Reihe: Kahnbein (Os scaphoideum), Mondbein (Os lunatum), Dreiecksbein (Os triquetrum), Erbsenbein (Os pisiforme), distale Reihe: Trapezknochen (Os trapezium), trapezähnlichen Knochen (Os trapezoideum), Kopfbein (Os capitatum), Hakenbein (Os hamatum).

Han-Dynastie: bedeutendste Dynastie des chinesischen Altertums, 206 vor Christus/220 nach Christus, begründet durch den Bauernführer Liu Bang; unter ihr erlebte das chinesische Reich eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte.

Handzeichen: 1. mit der Hand unter ein Schriftstück gesetztes Zeichen eines Schreibunkundigen.

2. Handerhebung als Antwort auf eine zur Abstimmung gestellte Frage.

Handzeichnung: eine manuell und freischöpferisch mit Silber-, Blei- oder Graphitstift, Kohle, Rötel, Kreide, Tusche (als Feder- oder Pinselzeichnung), Faser- oder Kugelschreiber meist auf Papier ausgeführte Zeichnung. Die Handzeichnung ist Entwurf, Studie, Vorzeichnung für Gemälde, Plastik und so weiter; von selbständiger Bedeutung seit dem 15. Jahrhundert.

hanebüchen: («vom Holz der Hagebuche») derb, grob; unerhört.

Hanf, Cannabis sativa: zweihäusige Faserpflanze aus Südasien mit unscheinbaren Blüten und kleinen Schließfrüchten, die zur Ölgewinnung und als Vogelfutter verwendet werden. Die bastreichen Stengelfasern werden (geröstet und mechanisch aufbereitet) für technisches Gewebe und Seilerwaren verwendet. Anbau besonders in Russland, in China, Jugoslawien, Italien und den USA. Hanfsorten der südlichen Breiten liefern die Droge Haschisch.

Hänflinge, Carduelis: Gattung eurasischer Finkenvögel; hierzu gehören unter anderem Bluthänflinge, Stieglitz, Zeisig.

Hanföl: aus Hanfsamen gepresstes dünnflüssiges, gelbes bis braunes, trocknendes Öl; wird für Lacke, seltener für Firnis und als Speiseöl verwendet.

Hanfstrick: aus Hanffasern geflochtener Strang, meist mit Teer oder Bitumen getränkt; wird zum Abdichten von Fugen verwendet.

Hang: 1. Geomorphologie: jede geneigte Fläche des Reliefs der Erdoberfläche. Hänge werden nach der Neigung, der Wölbung (konvex, konkav, gestreckt), der Bewegungsrichtung mögliche Schwerkraftbewegungen von Lockermaterial (parallel, divergierend, konvergierend), der Exposition (nach Himmelsrichtung) und der Rauigkeit der Oberfläche gekennzeichnet.

2. Gerätturnen: ein Verhalten am Gerät, bei dem sich die Schulterachse unterhalb der Gerätachse befindet. Man unterscheidet Sturzhang, Kipphang, Winkelhang und Beugehang.

Hangbau: landwirtschaftliche Nutzung hängiger Gelände, meist in Verbindung mit Berieselung als Bewässerungsverfahren.

Hange: Vorrichtung zum Aufhängen langer Textil- und Kunstlederbahnen in Schleifenform über Stäben und Walzen, meist zum Trocknen (Trockenkanal).

Hängebahn: 1. Fördertechnik: bodenfreie Förderanlage mit einer oder mehreren Laufkatzen, die sich hängend an einer Einschienenfahrbahn entlang bewegen. Bei der Handhängebahn wird die Laufkatze mit dem Hebezeug beziehungsweise Behälter von Hand fortbewegt; bei der Elektrohängebahn transportieren elektrisch angetriebene Laufkatzen (Elektrozug) hauptsächlich Schüttgut im Greifer- oder Kübelbetrieb.

2. Verkehrstechnik: Schwebebahn.

Hängebank: Bergbau Raum am Schachtkopf, in dem bei Gestellförderung die leeren Förderwagen in die Fördergestelle geschoben (eingehängt) beziehungsweise die vollen abgezogen werden und in dem die Bergleute die Fördergestelle betreten beziehungsweise verlassen. Diese Förderhängebank liegt meist 10 bis 12 m über der Erdoberfläche in einem das Fördergerüst umgebenden Gebäude, damit das Fördergut den Verlade- oder Aufbereitungsanlagen von oben her zugeführt werden kann. Den Erdboden um das eigentliche Schachtende bezeichnet man als Rasenhängebank. Hier werden große Teile eingehängt.

Hängeboden: in Nebengelassen eingefügte Zwischendecke aus Brettern zu Abstellzwecken.

Hängematte: Liegenetz zum Aufhängen zwischen 2 Haltern; als gespannte Segeltuchbahn Schlafgelegenheit für Matrosen.

Hängende Gärten: von Nebukadnezar Hängende Gärten (gestorben 562 vor Christus) für seine Gattin Amythis terrassenförmig angelegte und mittels Wasserhebewerks bewässerte Gärten in der Königsburg Babylon; eines der sogenannt Sieben Weltwunder der Antike, das irrtümlich der Semiramis zugeschrieben wurde.

Hangendes: geologischer Körper (zum Beispiel Gesteinsschicht, Erzgang), der sich über einem betrachteten geologischen Körper befindet; bergmännisch First oder Dach. Siehe auch Liegendes.

Hängepartie: Schach aus Zeitmangel abgebrochene (unvollendete) Partie, die später fortgesetzt werden soll.

Hängewerk: Dach- oder Brückenkonstruktion aus Holz oder Stahl zur Überbauung großer Stützweiten. Eigen- und Nutzlast werden über die Aufhängung, Hängesäulen, Spannriegel und Streben zu den Auflagern übertragen. Nach Anzahl der Hängesäulen unterscheidet man einfaches, doppeltes oder dreifaches Hängewerk

Hängezeug: Bergbau Gerät des Markscheiders, das noch heute zur Orientierung schwer zugängliche Grubenbaue benutzt wird. Ein Kompass zum Bestimmen des Streichens und ein Gradbogen zum Messen des Fallens werden an einer Schnur aufgehängt, die zwischen 2 Festpunkten gespannt ist. Ist der Kompass in eine Zulege Platte eingesetzt, lassen sich die mit dem Kompass gemessenen Richtungen eintragen.

Hangkriechen: langfristige flächenhafte Umlagerung von Lockermaterial an Hängen in humiden Gebieten. Ursachen sind das Gleiten von bindigen Substraten bei Durchfeuchtung, die hangabwärts gerichtete Massenversetzung durch Gefrieren und Tauen und die Sackung von gröberem Material nach vorheriger Ausspülung der feineren Substrate. Das Hangkriechen ist lokal begrenzt und weniger wirksam als die arktische Solifluktion.

Hangzhou, Hangtschou: Stadt in China, Verwaltungszentrum der Provinz Zhejiang, am Ostchinesischen Meer, 800000 Einwohner; traditionelles Zentrum der Leichtindustrie (Seide, Papier, Teeverarbeitung), Maschinenbau, chemische und Hüttenindustrie; Endpunkt des Großen Kanals, Bahn knoten.

Hanko, Hangö (schwedisch): Stadt an der Südwestküste Finnlands, auf einer Landenge; 12000 Einwohner; Eisenverhüttung (Erze von der nahegelegenen Insel Jussarö); Hafen (im Winter durch Eisbrecher offengehalten); Seebad.

Hann, Julius von, 23.3.1839-1.10.1921, österreichischer Meteorologe; 1874/1910 Professor an den Universitäten in Graz und Wien, 1877/97 Direktor der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie; begründete die neuere Klimatologie, schrieb ein Hand- beziehungsweise Lehrbuch der Klimatologie beziehungsweise Meteorologie.

Hannibal: («Geschenk des Baal») Name mehrerer karthagischen Feldherren und Politiker. Der bedeutendste war Hannibal, der Sohn von Hamilkar Barkas, 247/46-183 vor Christus (Selbsttötung); wurde 221 Oberfeldherr in Spanien und vollendete die Unterwerfung Spaniens. Während des 2. Punischen Krieges kämpfte Hannibal in Italien und brachte den Römern schwere Niederlagen in 4 Schlachten bei; er gelangte dabei bis vor die Tore Roms (Hannibal ad portas!), ohne es einzunehmen. Hannibal wurde 202 vor Christus von den Römern bei Zama geschlagen.

Hanno, karthagischer Seefahrer; unternahm um 500 vor Christus die erste bekannt gewordene Entdeckungsfahrt entlang der Westküste Afrikas (wahrscheinlich bis zur Kamerunbucht).

Hanse, Hansa beide («Schar»): seit dem 12. Jahrhundert politische und wirtschaftliche Interessengemeinschaft norddeutscher Kaufleute und Städte. Die sogenannte Kaufmanns-Hanse beruhte auf der Seeherrschaft und dem Zwischenhandelsmonopol in der Nord- und Ostsee sowie dem Erwerb gemeinsamer Privilegien. Seit dem Ende des 13. Jahrhundert übernahmen die Heimatstädte der Kaufleute die Führung der Hanse (Städte-Hanse, 1356/58 vollendet); die führende Stadt (Vorort) wurde Lübeck. Höhepunkt ihrer Geschichte war der siegreiche Kampf gegen Dänemark (Friede zu Stralsund 1370). Als lockere, aber sehr dauerhafte Vereinigung von bald 200 niederdeutschen (Hamburg, Rostock, Stralsund, Wismar) und auch mitteldeutschen Städten (Magdeburg, Naumburg) sowie auch Danzig (Gdansk), Reval (Tallinn) und Riga übte die Hanse bis zum 15. Jahrhundert die Handelsherrschaft in Nordeuropa aus. Im 15./16. Jahrhundert wurde ihre Stellung durch die Konkurrenz englischer, holländischer und oberdeutscher Kaufleute, Festigung der fürstlichen Landeshoheit und städtliche Volksbewegungen erschüttert; 1669 letzter Hansetag.

Hanseaten: Mitglieder der Hanse; Einwohner einer Hansestadt.

Hansemann, David Justus Ludwig, 12.7.1790-4.8.1864, Bankier und Politiker; führender Vertreter der liberalen rheinischen Bourgeoisie; gehörte 1848 dem Kabinett Camphausen als Finanzminister an; 1851 gründete Hansemann in Berlin die Disconto-Gesellschaft, eine der ersten deutschen Großbanken.

Hansen: 1. Anton - Tammsaare.

2. Emil - Nolde.

3. Klaus Hansen, geboren 12.1.1934, Anglist; seit 1978 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin; veröffentlichte unter anderem «Abriss der modernen englischen Wortbildung» (1964), «Englische Phonetik» (mit R. Arnold; 1975), «Englische Lexikologie» (mit B. Hansen, A. Neubert, M. Schentke; 1982).

4. Martin Alfred Hansen, 20.8.1909-27.6.1955, dänischer Schriftsteller; setzte sich vor allem in dem Roman «Der Lügner» (1950, deutsch) unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges aus religiös-existentialistischer Sicht mit der spätbürgerlichen Gesellschaft auseinander.

Hanshin: im eigentlichen Sinn die vor dem 2. Weltkrieg entstandene Hafengemeinschaft Kobe-Osaka in Japan; im weiteren Sinne das industrielle Ballungsgebiet (20 % der Industrieproduktion Japans), das sich in der Nachkriegszeit mit Osaka und Kobe als Zentren bildete und zu dem etwa 30 Städte (19 Millionen Einwohner) gehören. In den beiden Präfekturen Osaka und Hyogo (mit Kobe) sind 25 % der Eisen- und Stahlindustrie, 22 % der Gummiproduktion, 21 % des Maschinenbaus und 15 bis 16 % der chemischen, der Textil- und Bekleidungs- sowie der elektrotechnischen Industrie Japans konzentriert.

Han Shui, Hankiang: wasserreichster und größter linker Nebenfluss des Chang Jiang in Zentralchina; 1532 km; entspringt im Qin Ling, mündet bei Wuhan; Nebenflüsse: links Dan Jiang, Tang He; rechts Nan He, Du Shui; bei Danjiangkou, am Mittellauf, Talsperre (Kraftwerk 900 MW); bis Gucheng schiffbar.

Hanslick, Eduard, 11.9.1825-6.8.1904, österreichischer Musikwissenschaftler und -kritiker. insbesondere seine Schrift «Vom Musikalisch-Schönen» (1854) löste heftigen ästhetischen Streit um den Inhalt der Musik aus, in dem Hanslicks Auffassungen bis in die Gegenwart zumeist undifferenziert berücksichtigt und oft verfälscht wurden. Als Wissenschaftler und Kritiker war Hanslick zwar provokant, aber auch überaus produktiv und anregend.

Hansoku-Make: Judo - Disqualifikation bei sehr schwerem Regelverstoß; in der Wertigkeit dem Ippon entsprechende Strafe.

Hansson, Per Albin, 28.10.1885-6.10.1946, schwedischer Politiker; hatte als Vorsitzender der Schwed. Sozialdemokratische Arbeiterpartei (1925/46) und als einer der Führer der II. Internationale maßgeblicher Anteil an der reformistischen Entwicklung der schwedischen Sozialdemokratie; seit 1932 (mit Unterbrechung 1936) war er Ministerpräsident.

Hanswurst, Hans Wurst: derb-komische Volksgestalt im spätmittelalterlichen deutschen Fastnachtsspiel; wandelte sich vom gewitzten, ewig hungrigen Bauern zum Diener (Harlekin). Der Hanswurst wurde 1737 auf Betreiben J. C. Gottscheds durch die Neuberin (in einem allegor. Spiel) von der Bühne verbannt, lebt jedoch weiter als Clown im Zirkus und Kasper im Puppentheater.

Hantei: Judo - Signal des Kampfrichters für die Außenrichter, ihr Urteil anzuzeigen.

Han Wudi, 140-87 vor Christus, bedeutendster Kaiser der chinesischen Han-Dynastie; unter seiner Herrschaft erreichte die Westliche Han-Dynastie ihre größte Machtfülle; führte Kriege gegen die Hunnen und erweiterte das Reich bis nach Korea und Yumen (heutiges Nordwestchina). Er erhob den Konfuzianismus in den Rang einer Staatsdoktrin.

haploid: nur einen einzigen Chromosomensatz besitzend; haploid sind die Geschlechtszellen der höheren Organismen; siehe auch diploid.

Happening: (englisch, «Geschehen», «Ereignis») Modeerscheinung des spätbürgerlichen Theaters seit den 60er Jahren des 20. Jahrhundert; Darbietung zusammenhangloser Vorgänge und Erscheinungen der Alltagswirklichkeit unter Verzicht auf Darstellung menschliche Konflikte in theatralische Handlung.

Happy-End: (englisch, «glückliches Ende») versöhnendes Ende in Film, Roman, Schauspiel und so weiter, für das eine unrealistische, insbesondere die sozialen Probleme verwischende Lösung von Konflikten charakteristisch ist, wobei die Wirklichkeit zugunsten eines billigen Zweckoptimismus verfälscht wird.

Haptoglobin: Protein, das beim Transport und Abbau von Hämoglobin mitwirkt.

Harappa-Kultur, Induskultur: Stadtkultur, die sich etwa Mitte 3./Mitte 2.Jahrt. vor Christus über das Industal (einschließlich des Punjab) und Gujarat erstreckte. Ihre Träger waren handeltreibende Sklavenhalter, Zentren die beiden Hauptstädte Mohenjo-Daro und Harappa. Letztere zeigen einen regelmäßigen Grundriss mit sich rechtwinklig schneidenden Straßen, aus gebrannten Ziegeln errichtete, schmucklose Gebäude, Vorratsspeicher, Bade-, Brunnen- und Kanalisationsanlagen sowie Befestigungswerke. Erhalten geblieben sind qualitätsvolle Werke der Kleinplastik sowie Terrakottafiguren, Statuetten aus Kalkstein und Bronze. Specksteinsiegel zeigen Tierfiguren und Zeichen einer noch nicht entzifferten Schrift.

Harar, Harer: 1. Provinz im Osten Äthiopiens; 259700 km2, 3,1 Millionen Einwohner; 12 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Harar.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Harar 1; 63000 Einwohner; Holzverarbeitung; Mittelpunkt eines Kaffeeanbaugebietes (Kaffeemarkt); Militärakademie, landwirtschaftliche Hochschule; mauerumwehrte Altstadt.

Harare: Hauptstadt von Simbabwe, 1470m überm Meer; früher Salisbury; 690000 Einwohner; Maschinenbau, Zement-, Farben-, vielseitige Leicht-, Lebensmittelindustrie; Handelszentrum (Tabakauktionen); Verkehrsknoten, internationaler Flughafen; Universität, Hochschulen; Museen. Um Harare Bergbau (Gold, Chrom, Asbest, Smaragde).

Harbin: Stadt im Nordosten Chinas, Verwaltungszentrum der Provinz Heilongjiang, am Songhua Jiang; 2 Millionen Einwohner; Maschinenbau (Mess- und Schneidegeräte, Pressen, Kraftwerksausrüstungen, Kugellager, Computer), Radioausrüstungen, Gummi- und Papierproduktion, Leinenverarbeitungskombinat; Verkehrsknoten, Fluss- und Flughafen.

Hardangerfjord: Fjordsystem an der Südwestküste Norwegens; 183 km lang; bis 862 m tief; von bis zu 1200 m aufsteigenden Bergen umgeben; in Küstenorten chemische, elektrometallurgische und Aluminiumindustrie, Wasserkraftwerke; Fremdenverkehr.

Hard-Copy-Drucker: (englisch hardcopy, «feste Aufzeichnung») ein an Bildschirmterminals oder andere Daten-Eingabe- oder -Ausgabegeräte, zum Beispiel Fotosetzmaschinen, angeschlossener Drucker, der mittels meist matrizenartig angeordneter, mechanisch, magnetisch, elektrostatisch oder anders wirkender punktförmiger Zeichenerzeugungselemente eine dauerhafte, ohne besondere Hilfsmittel lesbare Klarschrift von in einem Speicher befindliche Daten herstellt. Siehe auch Ink-jet-Verfahren, Spritz-Druckverfahren.

Hardel: 1. Gerhard Hardel, 13.7.1912-3.3.1984, Kinderbuchautor; schrieb unter anderem «Der Tod des Bischofs» (1968), «Das ungewöhnliche merkenswerte Leben des Hannes Kraus aus Biebenhausen» (1973) sowie historisch-biographische Erzählungen («Jenny», 1961; «Marie und ihr großer Bruder», 1964).

2. Lilo Hardel, geboren 22.6.1914, Kinder- und Jugendbuchautorin; Frau von Hardel 1; 1933/36 Exil in Frankreich, Teilnahme am antifaschistischen Widerstandskampf; schreibt humorvolle Geschichten für Kinder («Das schüchterne Lottchen», 1953; «Mariechens Apfelbäum», 1979) sowie historisch-biographische Erzählungen («Das Mädchen aus Wiederau», 1964).

Harden, eigentlich Witkowski, Maximilian, 20.10.1861-30.10.1927 (gestorben an den Folgen eines Attentats von Nationalisten), Schriftsteller; gründete die progressive politisch-satirische Wochenschrift «Die Zukunft»; wandte sich gegen die kaiserlich-imperialistische Politik sowie gegen die Aggressionspolitik gegenüber der Sowjetunion.

Hardenberg: 1. Friedrich Leopold Freiherr von Novalis.

Karl August Fürst von Hardenberg, 31.5.1750-26.11.1822, preußischer Staatsmann; führte als Staatskanzler (seit 1810) einige der vom Freiherrn vom und zum Stein eingeleiteten Reformen fort (Gewerbefreiheit 1811, Emanzipation der Juden 1812), regelte die gutsherrlich-bäuerliche Verhältnisse im Interesse der Junker.

Harden it: (englisch to harden, «härten») sehr feines, fast strukturloses Gefüge von gehärtetem Stahl, mit dem Elektronenmikroskop als sehr feiner Martensit identifiziert; Bezeichnung deshalb heute kaum mehr üblich.

Harder, Irma, geboren 24.12.1915, Schriftstellerin; schreibt Romane und Erzählungen insbesondere über Probleme der Menschen im Dorf und die sozialistische Umgestaltung («Im Haus am Wiesenweg», 1956; «Wolken überm Wiesenweg», 1960; «Die Spatzen pfeifen’s schon vom Dach», 1963; «Melodien im Wind», 1971; «Grit im Havelland», 1977, Jugenderzählung).

Hardie, James Keir, 15.8.1856-26.9.1915, britischer Arbeiterführer; Mitbegründer der Schott. Arbeiterpartei (1888), der Unabhängigen Arbeiterpartei (1893) und der Labour Party (1900); als einer der ersten Arbeiterführer 1892/95 und seit 1900 Mitglied des Unterhauses; 1914 Pazifist.

Harding, Warren Gamaliel, 2.11.1865 bis 2.8.1923, US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei); vertrat als Präsident der USA (seit 1921) innenpolitisch einen harten Kurs gegen die Arbeiterbewegung.

Hardouin-Mansart, Jules, 16.4.1646-11.5.1708, französischer Architekt; im Dienste Ludwigs XIV. in Paris; Hauptvertreter der klassizistischen Richtung innerhalb des französischen Barocks. Nach seinen Entwürfen wurde das Schloss in Versailles (ab 1678), das Grand Trianon (1687/88) und der Invalidendom (1693/1706) gebaut; Hardouin-Mansart plante die Anlage der Place Victoire und der Place Vendôme (1685).

Hardtop-Coupé: meist zweisitziger PKW (Coupé), bei dem die Coupé-Kanzel als Ganzes abgenommen werden kann.

Hardy: 1. Frank Joseph Hardy, geboren 21.3.1917, australischer Arbeiterschriftsteller; gestaltete in dem Roman «Macht ohne Ruhm» (1950, deutsch) die Korruptionsherrschaft der australischen Monopole und das Erstarken der Arbeiterbewegung; enthüllte in «Die vierbeinige Lotterie» (1958, deutsch) die sozialen Hintergründe der Wettleidenschaft und die Machenschaften der Wettbüros beim Pferderennen; rückte später von seiner progressiven Haltung ab in dem Roman «Aber der Toten sind viele» (1975).

2. Godfrey Harold Hardy, 7.2.1877-1.12.1947, britischer Mathematiker; gab grundlegende Beiträge zur Analysis (unter anderem divergente Reihen), zur Theorie der Integralgleichungen und zur analytischen Zahlentheorie.

3. Thomas Hardy, 2.6.1840-11.1.1928, englischer Schriftsteller und Dichter, von Beruf Steinmetz und Architekt; schildert in kritisch-realistischen Romanen mit oft naturalistischen Einschlag tragische Menschenschicksale, vor allem in der Heidelandschaft von Wessex, zum Beispiel in «Der Bürgermeister von Casterbridge» (1886, deutsch), «Tess von d’Urbervilles» (1891, deutsch) und «Herzen im Aufruhr» (1895, deutsch) sowie in den Erzählungen «Bosheiten des Schicksals» (1894, deutsch); schrieb ferner das poetische Blankversdrama «Die Herrscher» (1904/08). Hardy stand später der von Hardy Barbusse geführten Gruppe «Clarté» nahe.

Hardy-Weinberg-Gesetz: Gesetz über die Verteilung von Erbmerkmalen in großen Populationen, nach dem die ursprünglichen Proportionen von Allelen in allen folgenden Generationen erhalten bleiben (Konstanz der Genfrequenzen); grundlegendes Gesetz der Populationsgenetik mit sehr großer Bedeutung für die Evolution. Werden Genfrequenzen gefunden, die nicht dem Hardy-Weinberg-Gesetz entsprechen, ist Evolution erfolgt. Daher gelten alle Erscheinungen, die nach dem Hardy-Weinberg-Gesetz erwartete Genfrequenzen ändern, als Faktoren der Evolution.

Harem: (türkisch - arabisch, «Unzugängliches») die streng abgeschlossenen, nur dem Hausherrn und seinen engsten Verwandten zugängliche Frauenräume des islamischen Hauses; übertragen Gesamtheit der darin wohnenden Frauen.

Häresie: Abweichung, Abfall vom offiziellen kirchlichen Dogma, «ketzerische Lehre», Irrlehre; enthält oft klassenbedingte Kritik an Religion und Kirche sowie sozialutopische Elemente.

Harfe: Zupfinstrument; die Saiten verlaufen von einem schräg aufsteigenden Resonanzkörper zum querverlaufenden Saitenhalter, der durch die Vorderstange gestützt wird; war schon im 4. Jahrtausend vor Christus im Vorderasiatischen-nordafrikanischen Raum als Bogenharfe, im 3.Jahrt. vor Christus in Ägypten auch als Winkelharfe gebräuchlich. In Europa wurde die Harfe zuerst im 8. Jahrhundert in Irland als Rahmenharfe in gedrungener «romanischer», ab 1400 in schlanker «gotischer» Form bekannt. Um 1720 wurde die einfache Pedalharfe erfunden. Die heute übliche 47seitige Doppelpedalharfe, um 1810 von S. Érard gebaut, besitzt 7 Pedale zur Erhöhung jedes Tons der diatonischen Leiter um 1 oder2 Halbtöne.

Harishchandra, Ehrenname Bharatendu («Mond von Indien»), 1850-6.1.1885, indischer Dichter, Romancier und Kulturpolitiker; Begründer der modernen Hindi-Prosa; behandelte in Dramen («Mutter Indien», 1877) und Romanen («Volles Licht») Patriot. Themen; kämpfte gegen den britischen Kolonialismus, trat für soziale Reformen und die kritische Aneignung der westlichen Kultur ein.

Harkort, Friedrich, 22.2.1793-6.3.1880, Industrieller; war führender Vertreter der liberalen rheinischen Bourgeoisie; gründete, angeregt durch die industrielle Entwicklung Großbritanniens, mehrere Industrieunternehmen (unter anderem 1818 die Mechanischen Werkstätten in Wetter an der Ruhr) und forderte den Eisenbahn- und Schiffsverkehr; wirkte als Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses 1849/67 und des Reichstages 1867/73 unermüdlich für die Wirtschaftlichen und politischen Interessen der Bourgeoisie.

Harlekin: Abwandlung des Hanswursts im deutschsprachigen Theater unter dem Einfluss der Commedia dell’arte (Arlecchino) um 1700; Figur der Harlekinaden.

Harlekinfrosch, Pseudis paradoxa: bis 7,5 cm langer, bunter Froschlurch mit stark verlängerten Fingern und Zehen; bewohnt Gewässer des Amazonasbeckens und Trinidads.

Harlem: 1. Harlem: über 10 km langer Flussarm in New York (USA); zwischen Hudson im Nordwesten und East River im Südosten; trennt die Insel Manhattan mit dem Stadtteil Harlem vom Stadtteil Bronx.

2. New York.

Harmattan: trockener, sandführender Nordostwind aus dem Inneren der Sahara, der das ganze Jahr zur Atlantikküste weht und zum Nordostpassatbereich gehört (Passat).

Harmonie: (nach der griechischen Göttin Harmonia) Übereinstimmung, Zusammenklang, Eintracht; Ebenmaß. Als philosophische Begriff erstmalig von Pythagoras verwendet, dessen Harmonie der Sphären den Gedanken der gesetzmäßigen Ordnung des Weltalls mystifiziert ausdrückt. G. W. Leibniz prägte den Begriff der prästabilierten Harmonie für den von ihm angenommenen (von Gott vorherbestimmten) idealistischen Parallelismus von Körper und Seele. Harmonie gilt in der Geschichte der Ästhetik als wichtiges Merkmal des Schönen in Kunst und Wirklichkeit und bezeichnet, auf Kunst bezogen, die innere Stimmigkeit des Werkes sowie die Angemessenheit der Gestaltungsmittel hinsichtlich seines Inhalts und seiner Funktion.

Harmonielehre: a) Lehre von den Akkorden, ihrer Verbindung und Funktion in der Musik;

b) allgemein, ungenauer Begriff für Musiklehre, Grundlagen der Formenlehre und der musikalische Analyse. Die Wurzeln der Harmonielehre reichen bis in die Antike zurück.

Harmonikainstrumente: Musikinstrumente mit durchschlagenden (freischwingenden) Metallzungen, die durch Atem- oder Balg Luft in Schwingung versetzt werden; dazu zählen Akkordeon, Handharmonika, Konzertina, Bandonion, Mundharmonika.

Harmonische: ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz einer periodischen Schwingung. Bei der n-fachen Grundfrequenz spricht man von der n-ten Harmonischen oder der (n-l)-ten Oberwelle. Harmonische treten in der Elektronik als erwünschte (zum Beispiel bei der Impulsdarstellung oder bei der Frequenzvervielfachung) oder als störende Effekte (zum Beispiel als nichtlineare Verzerrungen) auf.

harmonischer Analysator: mechanisches p der elektrischen Geräte zur genäherten direkten Berechnung der Fourier-Koeffizienten für n = 0,1,... einer Funktion f(t) mit der Periode T und 01 = 271 /T (siehe auch Fourier-Reihe). Im mechanischen Fall handelt es sich um einen Integrator mit Zusatzgetriebe zur Verzerrung der Kurve im Verhältnis cos natt oder sin null. Verfahren mit elektrischen harmonischen Analysatoren nutzen die Orthogonalitäts- und Symmetrieeigenschaften der Winkelfunktionen, das heißt die Resonanz.

harmonischer Oszillator: schwingungsfälliges System, bei dem die rücktreibende Kraft F proportional zur Auslenkung x aus der Ruhelage ist. Zum Beispiel stellt ein zwischen 2 gleichen Federn horizontal aufgehängter Massenpunkt einen harmonischen Oszillator dar, der bei Vernachlässigung der Dämpfung sinusförmige (harmonische) Schwingungen mit der Kreisfrequenz w ausführt (m schwingende Masse, k Federsteife). Siehe auch Schwingung,

Harmonium: orgelähnliches Tasteninstrument mit durchschlagenden Metallzungen, die mittels eines Blasebalgs mit Fußbedienung durch Druck- oder Saugwind zum Klingen gebracht werden. Es hat Register in 4', 8' und 16' (Fuß 3), 1 bis 2 Manuale mit Registerteilung in der Mitte, Schaltungen für «laut» und «leise» und Kniehebel für crescendo. Das Harmonium wurde um 1840 von A. F. Debain (1809-1877) aus Vorformen entwickelt.

Harmonogramm: graphische Darstellung des zeitlichen und technologischen Ablaufs der spezialisierten, örtlich getrennten Bauproduktion mit Angaben über die Anzahl und Kapazität der zu bildenden Taktstraßen.

Harn, Urin: von der Niere gebildete Flüssigkeit mit variablem Gehalt organischer und anorganischer Substanzen. Durch die Harnbildung und -ausscheidung werden der Salz- und Wasserhaushalt des Organismus (Volumen und Osmolarität des Blutes) sowie das Säuren-Basen-Gleichgewicht (pH-Wert) des Blutes reguliert. Zusätzlich werden Endprodukte des Stoffwechsels (zum Beispiel Harnstoff, Harnsäure), Minerale und körperfremde Stoffe mit dem Harn ausgeschieden. Die Harnbildung wird durch differenzierte Kontrollsysteme gesteuert, so dass wichtige Größen des inneren Milieus konstant gehalten werden (Isotonie, Isohydrie).

Harnack: 1. Adolf von Harnack, 7.5.1851-10.6.1930, Kirchen- und Dogmenhistoriker; vertrat einen undogmatischen, liberalen Protestantismus (zum Beispiel in «Das Wesen des Christentums»); bedeutsame Forschungen zur frühchristlicher Literatur.

2. Arvid Harnack, 24.5.1901-22.12.1942 (ermordet), antifaschistischer Widerstandskämpfer; Oberregierungsrat im Reichs-Wirtschaftsministerium; arbeitete seit 1935 mit Harnack Schulze-Boysen und anderen als Kundschafter für die UdSSR.

Harnblase, Vesica urinaria: häutig-muskulöses Hohlorgan als Sammelbehälter für den von den Nieren ausgeschiedenen und durch die Harnleiter zugeleiteten Harn der meisten Wirbeltiere und des Menschen. Bei der menschlichen Harnblase werden Harnblasenscheitel, Harnblasenkörper und Harnblasengrund unterschieden. Das Fassungsvermögen beträgt 300 bis 400 ml Harn. Nach Erschlaffung des willkürlichen und des unwillkürlichen Schließmuskels erfolgt die Entleerung (Miktion) durch die Harnröhre.

Harney, George Julian, 1817-1897, britischer Journalist; seit 1836 ein Führer der Chartistenbewegung, seit 1838 ihres proletarisch-sozialistischen Flügels, 1845 Mitbegründer der Brüderlichen Demokraten; schloss 1843 Bekanntschaft mit Engels, 1847 mit Marx und trat 1847 dem Bund der Kommunisten bei; später Reformist.

Harnflut, Polyurie: Ausscheiden abnormer Harnmengen (bis zu 201 täglich); Vorkommen besonders bei Diabetes insipidus (Diabetes 1), aber auch bei jugendlichen Wassersacknieren, nach Harnvergiftungen und bei Ausschwemmung von Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme).

Harngrieß, Harnsand: kleine und kleinste aus den Harnwegen ausgeschiedene Harnsteine, die sich als sogenannt Ziegelmehlsediment bei Harnsäuresteindiathese in kaltem Harn absetzen können.

Harninfektion: durch bakterielle Entzündung bedingte Harnveränderung. Bei stärkerer Entzündung der Harnwege erfolgt Beimischung von Eiweiß, weißen und roten Blutzellen sowie Bakterien.

Harninkontinenz: Unvermögen, den Harn willkürlich zurückzuhalten; bei Schwäche des Schließmuskels, Rückenmarkerkrankung, Blasenentzündung, Tumoren der Harnblase und gynäkologisch bedingter Harnblasensenkung auftretend.

Harnisch: 1. Geologie durch Bewegungen an einer tektonischen Störung entstandene glatte, oft spiegelnde Fläche zwischen Gesteinskörpern; markiert Gleichrichtung der Gesteinskörper, häufig mit Rutschstreifen (Rillung) versehen. Militärtechnik im Altertum Brust- und Rückenschütz aus Leder oder Bronze, seit dem 14. Jahrhundert aus Stahlplatten; auch Rüstung für den ganzen Körper sowie für das Pferd (Rossharnisch).

Harnleiter, Ureter: muskulöser Schlauch, der das Nierenbecken mit der Harnblase verbindet.

harnpflichtige Substanzen: stickstoffhaltige End-produkte des Eiweißstoffwechsels (zum Beispiel Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin) und andere Substanzen (zum Beispiel Elektrolyte, Enzyme), die im Harn ausgeschieden werden.

Harnröhre, Urethra: Ausführungsgang der Harnblase beim Menschen und den Säugetieren. Beim Mann nach Einmündung der Samenleiter als Harnsamenleiter bezeichnet; er durchzieht den Penis und mündet an dessen Spitze aus. Die Harnröhre der Frau mündet in den Scheidenvorhof, sie ist nur 3 bis 5 cm lang.

Harnröhrenentzündung, Urethritis: Entzündung der Harnröhrenschleimhaut (vorwiegend beim Mann); verursacht durch verschiedene Bakterien, Trichomonaden (Geißeltierchen) und Pilze.

Harnsäure: farblose, geruch- und geschmackfreie, kristalline, wenig wasserlösliche Substanz. Harnsäure ist das Endprodukt des Eiweißstoffwechsels von Vögeln und Reptilien und ist im Guano zu 90 % enthalten. Bei Gicht lagern sich Salze der Harnsäure (Urate) in den Gelenken ab.

Harnsediment: Bodensatz des frisch gelassenen und 5 min zentrifugierten Harns; im Mikroskop betrachtet, wichtige Hinweise zum Erkennen von Nieren- und Blasenkrankheiten. Nichtorganische Bestandteile sind Salze, die kristallin im Harn ausfallen. Organ., aber im Harn des Gesunden nicht oder kaum enthaltene Bestandteile sind Epithelien, weiße und rote Blutzellen und Harnzylinder, letztere sind Ausgüsse der Harnkanälchen, die sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammensetzen, zum Beispiel aus reinem Eiweiß, Epithelien, Blutzellen, Hämoglobin.

Harnsperre: plötzliches Versiegen der Harnausscheidung durch mechanischen Verschluss (Steine, Verengung, Geschwülste) der oberen ableitenden Harnwege.

Harnstauungsniere: erhebliche Erweiterung des Nierenbecken-Kelch-Hohlraumsystems auf Grund einer Harnabflussstörung aus der Niere; führt zum Untergang des funktionstüchtigen Nierengewebes. Ursachen können Missbildungen sowie akute und chion. Verlegungen des Harnleiters und des Blasenhalses sein, zum Beispiel durch Steine, Tumoren und entzündliche Prozesse aller Art.

Harnsteine, Nierensteine: vorwiegend in den Nieren entstehende steinartige Gebilde, die bei chronischen Entzündungen oder bei Stoffwechselstörungen auftreten und aus unlöslichen Harnsalzen, wie Uraten, Oxalaten, Phosphaten, Zystin, Xanthin oder Carbonaten, bestehen. Diese Konkremente können sandkorn- bis apfelgroß sein. Je nach Sitz unterscheidet man Nierenkelch-, Nierenbecken-, Harnleiter-, Blasen- und Harnröhrensteine.

Harnsteinleiden, Urolithiasis: durch Auskristallisation von Salzen im Harn hervorgerufene Erkrankung; sie macht sich meist durch eine Nierenkolik oder eine Hämaturie bemerkbar. Siehe auch Harnsteine.

Harnstoff, Karbamid (Kurzwort für Carbon + Amid): färb- und geruchlose, kristalline, wasserlöslicher Substanz; F 132,7 °C. Harnstoff reagiert in Lösung neutral, bildet jedoch mit starken Säuren Salze. Harnstoff ist das hauptsächliche Endprodukt des Eiweißstoffwechsels bei Mensch und Säugetier; ein Erwachsener sondert täglich etwa 30 g ab. Technisch gewinnt man Harnstoff aus Ammoniak und Kohlendioxid bei 185 °C und 20 MPa und verwendet ihn als Düngemittel und Futterzusatz für Wiederkäuer sowie zur Herstellung von Leimen, Dicyandiamid, Melamin und pharmazeutischen Produkten. Harnstoff wurde 1773 durch G. F. Rouelle im Harn entdeckt und 1828 von F. Wöhler durch Umlagerung von Ammoniumcyanat künstlich dargestellt.

Harnstoffharze, Zeichen UF: durch Polykondensation zwischen Harnstoff und Formaldehyd hergestellte Kunststoffe. Als Zwischenstufen entstehen niedrigmolekulare, wasserlösliche und schmelzbare Vorkondensate, die bei weiterer Wärmeeinwirkung duroplastisch aushärten. Die Vorkondensate werden als Kleb- und Bindemittel (K-Leime) insbesondere für Holz, mit Butanol modifiziert als Lackharze und im Gemisch mit Zellulose oder Holzmehl als Pressmassen verwendet; auch Hartschaumstoffe (Piatherm) werden hergestellt.

Harnstoffharzlacke: meist Einbrennlacke, die Harnstoffharze, eventuell mit Alkydharz, enthalten; zum Beispiel für Haushaltgeräte, Fahrräder unter anderem Gebrauchsgegenstände.

Harnstoffzyklus, Ornithinzyklus, Krebs-Henseleit-Zyklus: Syntheseweg von Harnstoff aus Ammoniak, Kohlendioxid und der Aminogruppe der Asparaginsäure. Der Harnstoffzyklus findet in der Leber statt und dient der Entgiftung des Ammoniaks.

Harnsystem: Gesamtheit der den Harn bildenden und ableitenden Organe (Niere, Harnleiter, Harnblase, Harnröhre).

Harnträufeln: tropfenweiser unwillkürlicher Harnabgang. Ursächlich kommen Blasenentzündungen und Schließmuskelschwäche, eventuell mit Blasensenkung bei der Frau (Zystozele), aber auch Erkrankungen des Nervensystems in Betracht. Siehe auch Harninkontinenz.

harntreibende Mittel, Diuretika: teils durch direkte Wirkung auf die Nieren, teils durch Anregung des Kreislaufsystems wirkende Stoffe, die krankhaft bedingte Flüssigkeitsansammlungen im Organismus durch vermehrte Harnausscheidung beseitigen. Stoffe, die die Wasserausschwemmung vorwiegend über vermehrte Salzausscheidung bewirken, nennt man Saluretika.

Harnvergiftung, Urämie: stets mit akutem oder chronischem Nierenversagen verbundene Anreicherung stickstoffhaltiger Stoffwechselabbauprodukte im Blut. Die Harnvergiftung bewirkt eine Erhöhung des Reststickstoffs, des Harnstoffs und des Kreatinins im Blut sowie eine zunehmende Übersäuerung in Blut und Gewebe. Symptome der Harnvergiftung sind unter anderem quälender Durst, Erbrechen, Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit mit Krampfanfällen.

Harnverhaltung: akute oder chronischen Behinderung oder Aufhebung der Harnentleerung aus der Harnblase, zum Beispiel bei Vergrößerung der Prostata oder bei narbigen Verengungen der Harnröhre (Harnröhrenstriktur). Siehe auch Anurie.

Harnzucker: Auftreten von Zucker, meist Glukose, im Harn; siehe auch Glukosurie.

Harpokrates: (griechisch ägyptisch, «Horus, das Kind») der ägyptischen Gott Horus, Sohn der Isis, in seiner Gestalt als Kind.

Harpune: mit Widerhaken versehener Wurfspieß für den Fischfang, beim Walfang mit dem Fangboot durch eine lange Leine verbunden. Die Tötung der Wale kann mittels Granatharpune oder elektrischer Harpune erfolgen.

Harpyien: in. der griechischen Sage windschnelle räuberische weibliche Mischwesen (halb vogel-, halb menschengestaltig), die Menschen raubten und Speisen besudelten.

Harran, Charran: altorientalische Stadt am Oberlauf des Belich in Nordwestmesopotamien; wichtige Karawanenstraßenkreuzung im. Mitanni-Reich (15. Jahrhundert vor Christus); war im 8./7. Jahrhundert vor Christus eine der steuerlich privilegierten Städte des Assyrerreiches. Harran wurde 625 vor Christus von Nabopolassar erobert.

Harriman, William Averell, geboren 15.11.1891, US-amerikanischer Politiker (demokratische Partei); 1943/46 Botschafter in Moskau; leitete 1963 die Delegation der USA in Moskau zur Verhandlung über den Moskauer Vertrag, 1968 in Paris zu Gesprächen mit Vietnam; 1976 war er außenpolitischer Berater und Sonderbotschafter des Präsidenten.

Harris, Joel Chandler, 9.12.1848 bis 2.7.1908, US-amerikanischer Schriftsteller; führte mit Erzählungen, wie «Geschichten von Onkel Remus» (1880, deutsch), die Folklore der Afroamerikaner in die Literatur ein.

Harrisburg: Hauptstadt des Bundesstaates Pennsylvania (USA), am Susquehanna; 66000 Einwohner, als Metropolitan Area 450000 Einwohner; Stahl- und Eisenproduktion, Textil-, Elektroindustrie, Herstellung von Gebrauchsgütern; Flughafen; bei Harrisburg Kohlen- und Eisenerzabbau.

Harris-Verfahren: (nach einem britischen Erfinder) Verfahren zum Entfernen von Zinn, Arsen und Antimon aus Bleischmelzen durch Salzschmelzen (Natronlauge; Kochsalz) und spezielle Oxydationsmittel (Natriumnitrat, NaN03). Die genannten Elemente gehen dabei in Natriumverbindungen über.

Harrow: Stadtteil von London (nordwestlicher Außenbezirk), Teil der englischen Großstadtgrafschaft Greater London, auf einem Hügel, 60 m über der Ebene; 200000 Einwohner; Wohnvorort mit Leichtindustrie (polygraphische Fotoindustrie unter anderem); TH, bekannte Internatsschule (gegründet 1571).

Harsch: oberflächlich mehrfach aufgetaute und raukristallin wieder gefrorene Schneedecke.

Harsdörffer, Harsdörfer, Georg Philipp, 1.11.1607 bis 22.9.1658, Literaturtheoretiker, Dichter und Übersetzer; gründete 1644 mit J. Klaj (1616-1656) in Nürnberg den Dichterkreis Hirten- und Blumenorden an der Pegnitz. Sein «Poetischer Trichter, die teutsche Dicht- und Reimkunst in 6 Stunden einzugießen» (1647/53, als «Nürnberger Trichter» sprichwörtlich geworden) entwickelt eine zeitgenössische Theorie der Poetik. Mehr als durch seine Dichtungen wirkte er, auch auf die Nachwelt, mit seinen «Frauenzimmer-Gesprächsspielen» (8 Bände, 1641/49), einer Art Konversationslexikon für Frauen.

Hart, Schriftsteller, Brüder: Heinrich, 30.12.1855 bis 11.6.1906, und Julius, 9.4.1859-7.7.1930; kritischer Wegbereiter und frühe Programmatiker des deutschen Naturalismus. Beide wirkten vor allem durch gemeinsam herausgegebene einflussreiche Zeitschriften, unter anderem «Deutsche Monatsblätter» (1878/79), «Kritische Waffengänge» (1882/84).

Hartballenkrankheit, Hard pad disease: übermäßige Verhornung der Haut im Bereich der Sohlenballen und des Nasenspiegels beim Hund; tritt im Verlauf bestimmter nervaler Formen der Staupe auf. Die Hartballenkrankheit ist mit zentralnervösen Störungen verbunden.

Härtbarkeit: Fähigkeit von Stählen und Eisengusswerkstoffen, nach einer bestimmten Wanne Behandlung, dem Härten, eine gesteigerte Härte anzunehmen. Die Härtbarkeit ist wesentlich vom Gehalt an Legierungselementen, insbesondere Kohlenstoff, abhängig. Unter dem Einfluss der verringerten Abkühlungsgeschwindigkeit fällt im Allgemeinen die Härte von der Randzone zum Kern hin ab.

Hartblei: Bleilegierung mit bis zu 10 % Antimon; verwendet für Akkumulatoren Platten und chemische Anlagen.

Harte, Bret (Francis Brett), 25.8.1836 bis 5. 5.1902, US-amerikanischen Schriftsteller; seine Goldgräbergeschichten, wie «Das Glück des Brüllerlagers» (1868, deutsch) und «Die Geächteten von Poker Flat» (1870, deutsch), sind gekennzeichnet durch realistische Detailschilderung, melodramatische, sentimentale Handlung und rauen Humor.

Härte: 1. Mineralogie: physikalische Eigenschaft eines Minerals; die Ritzhärte wird bestimmt nach der zehnstufigen Härteskala von C. F. C. Mohs; 1 (Talk), 2 (Gips oder Halit), 3 (Calcit), 4 (Fluorit), 5 (Apatit), 6 (Orthoklas), 7 (Quarz), 8 (Topas), 9 (Korund), 10 (Diamant); das weichere Mineral wird vom härteren geritzt.

2. Technik: Widerstand, den ein Körper dem Eindringen eines härteren Körpers entgegensetzt; technologische Kenngröße zur Festigkeitsüberwachung der meisten metallischen und nichtmetallischen Bau- und Werkstoffe. Die statische Härtemessung erfolgt bei der Brinell Härtemessung (nach S. A. Brinell) durch eine gehärtete Stahlkugel, bei der Vickershärtemessung (nach dem britischen Konzern) durch eine vierseitige Diamantpyramide, die beide in das Prüfstück gedrückt werden. Die Brinellhärte (HB) beziehungsweise Vickershärte (HV) ist das Verhältnis der Druckkraft zur erzeugten Eindruckoberfläche. Bei der Rockwellhärtemessung (nach dem US-Amerikaner S. P. Rockwell) wird ein Diamantkegel beziehungsweise eine Stahlkugel zunächst mit einer Vorkraft in das Prüfstück gedrückt, dann die Hauptkraft aufgebracht und wieder bis zur Vorkraft entlastet. Aus der Differenz der Eindringtiefe unter Vorkraft vor und nach dem Aufbringen der Hauptkraft ergibt sich die Rockwellhärte (HR). In der dynamischen Härtemessung wird bei der Schlaghärtemessung durch einen Hammerschlag (Poldihammer) oder plötzliches Entspannen einer Feder (Baumannhammer) auf eine Kugel im Prüfstück ein auswertbarer Eindruck erzeugt. Die Rücksprunghärtemessung geschieht, indem man ein Fallhämmerchen mit Diamantspitze aus bestimmter Höhe auf das Prüfstück fallen lässt; die Höhe seines ersten Rücksprunges dient als Härtemaß. Die Mikrohärtemessung erfolgt analog der Messung der Vickershärte mit sehr kleinen Prüfkräften (0,01 bis 0,1 N). Das Mikrohärtemessgerät mit der Diamantpyramide in der Frontlinse wird als Objektiv in ein Metallmikroskop eingesetzt. Damit ist es möglich, die Härte einzelner Gefügebestandteile zu messen.

Härten: im weiteren Sinne die Verfahren und werkstoffkundliche Mechanismen, die auf Grund struktureller Änderungen zu einer Festigkeitssteigerung der Werkstoffe führen. im engeren Sinne Oberbegriff für thermische Verfahren der Wärmebehandlung härtbarer Eisenwerkstoffe (zum Beispiel Stähle mit Kohlenstoffgehalt S 0,25 %); gekennzeichnet durch Erwärmen des gesamten Volumens (Volumenhärten) oder nur randnaher Zonen eines Werkstückes (thermische Oberflächenhärten) auf Austenitisierungstemperatur (Härtetemperatur), Halten auf dieser und nachfolgendes Abschrecken, so dass überwiegend Martensit entsteht. Gesteigert werden dadurch Härte und Verschleißwiderstand, vornehmlich bei volumenerwärmten Werkzeug- und zuvor aufgekohlten Einsatzstählen sowie bei randschichtgehärteten Vergütungsstählen, außerdem Zugfestigkeit und in Verbindung mit nachfolgendem Anlassen bei höheren Temperaturen, auch die Zähigkeit (Vergüten), besonders bei Vergütungsstählen. Verfahren des thermischen Oberflächen- (oder Randschicht-) Härten sind das Induktions-, Flammen-, Tauch- und Laserstrahlhärten. In Abhängigkeit vom zu härtenden Werkstoff und damit vom einzusetzenden Abschreckmittel unterscheidet man zwischen Wasser-, Öl- und Lufthärten Während der Behandlung (besonders beim Abschrecken) entstehende Spannungen im Werkstück führen zur Härteriss- und Härteverzugsgefahr, die durch Warmbad- oder gebrochenes Härten herabgesetzt werden kann. Ungleichmäßiges Erwärmen beziehungsweise Abschrecken kann zu unterschiedliche Härteannahme (Weichfleckigkeit) führen. Härten von Glas kann durch Erzeugung druckverspannter Randschichten infolge beschleunigter Abkühlung mittels Luftdusche von über den Transformationspunkt erwärmtem Glas (zum Beispiel Einscheibensicherheitsglas) oder durch Alkaliionenaustausch an der Glasoberfläche durchgeführt werden.

Hartford: Hauptstadt des Bundesstaates Connecticut (USA); 140000 Einwohner (davon 44% Afroamerikaner), als Metropolitan Area Hartford-New Britain 730000 Einwohner; Sitz internationaler Versicherungsgesellschaften; Bau von Flugzeugmotoren, Schreibund Büromaschinen, Kernreaktoren, Glasfertigungsmaschinen.

Hartha: Stadt im Kreis Döbeln, Bezirk Leipzig; 9200 Einwohner; Herstellung von Elektromotoren, Stoßdämpfern, Spindeln, Kleiderstoffen, Hausschuhen; Volks- und Schulsternwarte.

Hartheugewächse, Hypericaceae: Familie meist tropischer und subtropischer zweikeimblättriger Pflanzen mit 50 Gattungen und über 900 Arten; heim, nur die Gattung Johanniskraut (Hypericum).

Hartlaubgewächse: Holzgewächse mit ledrigen, immergrünen Blättern (zum Beispiel Oleander, Myrte, Steineiche); siehe auch Hartlaubvegetation.

Hartlaubvegetation: Waldformation in Gebieten mit trockenen, heißen Sommern und regenreichen, milden Wintern; sie kommt im Mittelmeergebiet, Kalifornien, Südchile, in der Kapprovinz und in Südaustralien vor. Der größte Teil der Gehölze gehört zu den Hartlaubgewächsen.

Hartleben, Otto Erich, 3.6.1864-11.2.1905, Schriftsteller; griff, vor allem in seinem erfolgreichen Drama «Rosenmontag» (1900) und in dem Erzählungsband «Vom gastfreien Pastor» (1895), sozialkritischen Themen des Naturalismus ironisch-humoristisch entschärft auf.

Hartlepool: Stadt im Nordosten Englands (Großbritannien), am Nordufer der Teesbay; 94000 Einwohner; Schiff- und Schiffsmaschinenbau, Eisen- und Stahlverarbeitung, Maschinenbau; Hafen; Fischerei; Kunstfachschule; Seebad.

Hartley, David, 1705-1757, britischer Philosoph; Vertreter des mechanischen Materialismus und der Assoziationspsychologie. Nach Hartley entstehen die psychischen Prozesse aus Vibrationen im Nervensystem und im Gehirn.

Hartmann: 1. Eduard von Hartmann, 23.2.1842-5.6.1906, Philosoph; entwickelte in seinem Hauptwerk «Die Philosophie des Unbewussten» (1869) eine irrationalistische Metaphysik des Unbewussten. Auf dem Gebiet der Ethik steht er dem Pessimismus A. Schopenhauers nahe.

2. Karl Amadeus Hartmann, 2.8.1905-5.12.1963, Komponist; gilt als bedeutendster spätbürgerlicher Sinfoniker; wurde von den Faschisten totgeschwiegen; war 1945 Gründer und seitdem Leiter der Musica-viva-Konzerte in München. Sein Schaffen beeindruckt durch humanistisches Anliegen und starke Expressivität (unter anderem 8 Sinfonien, Violinkonzert, Oper «Simplicius Simplicissimus»).

3. Moritz Hartmann, 15.10.1821-13.5.1872, österreichischer Schriftsteller der Vormärzzeit; nahm an revolutionären Kämpfen 1848/49 teil; verfasste den im Titel auf J. Hus anspielenden Gedichtband «Kelch und Schwert» (1845), den realistischen Roman «Der Krieg um den Wald» (1850) und die «Reimchronik des Pfaffen Maurizius» (1849), eine Satire auf das Frankfurter Parlament.

4. Nicolai Hartmann, 20.7.1882-9.10.1950, Philosoph; stand zunächst dem Neukantianismus nahe, entwickelte später eine objektiv-idealistische «neue Ontologie».

Hartmann von Aue, um 1168-nach 1210, Dichter; schwäbische Ministeriale, wahrscheinlich im Dienste der Herren von Au (heute Eglisau bei Schaffhausen); einer der bedeutendsten Vertreter der klassischen mittelhochdeutschen Literatur. Hartmann von Aue verfasste, neben Minne- und Kreuzzugsliedern, nach französischen Vorlagen die beiden Epen «Erec» und «Iwein», in denen das Verhältnis von Minne und Aventiure im Leben des Ritters behandelt wird. In den höflichen geistlichen Versiegenden «Der arme Heinrich» und «Gregorius auf dem Steine» wird dieses Ideal christlich überhöht, der Ritter soll Gott und der Welt gefallen. Hartmann von Aues Dichtung zeichnet sich durch Klarheit der sprachlichen Gestaltung aus und war von großer Nachwirkung.

Hartmantelmasse: Bindemittel zur Herstellung einer mechanischen Schutzschicht für Dämmstoffe an Rohrleitungen, Behältern unter anderem.

Hartmetall: Werkstoff hoher Härte (etwa 1500 HV (Härte 2)) besonders für Schneiden von Hochleistungswerkzeugen zur spanenden Bearbeitung metallischer und nichtmetallischer Werkstoffe. Man unterscheidet schmelzbare Hartmetall aus Chrom-Kobalt-Legierungen (zum Beispiel Stellit) und gesinterte Hartmetall vorwiegend aus Wolfram-, Molybdän-, Titan- und beziehungsweise oder Tantalkarbiden mit Kobalt, Nickel und beziehungsweise oder Eisen als Bindemittel. Siehe auch Pulvermetallurgie.

Hartog, Jan de, geboren 22.4.1914, niederländischer Schriftsteller; schrieb unter anderem den Roman über die Hochseeschleppfahrt «Hollands Glorie» (1940, deutsch) sowie Bühnenstücke («Schiff ohne Hafen», 1942, deutsch; auch als Szenarium zu dem gleichnamigen antifaschistischen Film, 1949).

Hartplatz: Sportfläche ohne Rasen, hauptsächlich zur Ausübung von Sportspielen; besteht aus 4 Schichten (Filter-, Trag-, Zwischen-, Deckschicht).

Hartriegel, Comus: Gattung der Hartriegelgewächse; holzige Pflanzen mit Steinfrüchten; heimisch zum Beispiel die frühblühende Kornelkirsche (Comus mas) mit gelben Blüten und essbaren roten Früchten; in Hecken und an Waldrändern der Rote Hartriegel (Comus sanguinea).

Hartsalz: Kalisalz, das aus Sylvin, Halit (Steinsalz) und Kieserit besteht.

Hartspiritus: gepresster Metaldehyd; auch durch Seife oder Zelluloseazetat verfestigter Alkohol.

Hartung, Hugo, 17.8.1902-2.5.1972, Schriftsteller der BRD; wurde vor allem durch den heiteren Unterhaltungsroman «Ich denke oft an Piroschka» (1954) bekannt; verfasste den erfolgreich verfilmten zeitsatirischen Roman «Wir Wunderkinder» (1957).

Hartzink: Zink-Eisen-Legierung mit 2 bis 10% Eisen; unerwünschtes Nebenprodukt bei der Feuerverzinkung von Stahl.

Harun ar-Raschid, 763 oder 766-809, fünfter abbasidischer Kalif seit 786; unter ihm begann die volle Entwicklung des Feudalismus und der Zerfall des abbasidischen Reiches. Harun ar-Raschid war ein typischer asiatischer Despot mit einer luxuriösen Hofhaltung in Bagdad. Ungerechtfertigt ist sein Ruf als milder und gerechter Herrscher, den er als Held einiger Erzählungen aus «Tausendundeine. Nacht» erlangte. Seine diplomatischen Verbindungen mit Karl dem Großen werden nur in europäischen Quellen erwähnt.

Harunobu, Suzuki, 1725-15.6.1770, japanischer Holzschnittzeichner; leitete durch die Anwendung des Mehrfarbendruckes eine neue Entwicklung des japanischen Farbenholzschnittes im Rahmen des Ukiyo-e ein; bevorzugte als Thema Darstellungen aus dem Alltagsleben der Frau.

Haruspex: Priester im alten Rom, dem besonders die Eingeweideschau (auch Leberschau genannt) bei Opfertieren zur Weissagung oblag.

Harvey, William, 1.4.1578-3. 6.1657, englischer Anatom und Arzt; in London tätig, Professor in Oxfordas heißt wurde durch seine Entdeckung des Blutkreislaufs bekannt, die er 1628 in einem Buch publizierte. Daneben hat er auch erfolgreich auf embryologischen Gebiet gearbeitet.

Harwich: Stadt im Südosten Englands (Großbritannien), nordöstlich von London; 15000 Einwohner; Bekleidungsindustrie, Maschinenbau; sturmgeschützter Hafen (Containerverkehr), Fähren zum Kontinent; Seebad.

Haryana, Hariana: Unionsstaat im Nordwesten Indiens; 44222 km2, 12,9 Millionen Einwohner; 291 Einwohner/km2. Agrarstaat mit leistungsfähiger Landwirtschaft auf Schwemmland des Punjab (85 % des Territoriums sind Ackerland, davon 38 % bewässert und mit mehreren Ernten im Jahr); produziert bedeutende Getreideüberschüsse (Weizen, Gerste, Mais, Hülsenfrüchte, Reis), Baumwolle, Zuckerrohr, Ölsaaten; intensive Viehzucht; wachsende Leichtindustrie mit Lebensmittel-, Textil-, Glasindustrie, Landmaschinen- und Instrumentenbau.

Harych, Theo, 19.12.1903-22.2.1958, Schriftsteller; reflektierte eigene Erlebnisse aus der schweren Kindheit und in der deutschen Arbeiterbewegung («Hinter den schwarzen Wäldern», 1951; «Im Geiseltal», 1952); Roman «Im Namen des Volkes» (1958) über einen Justizmord in der Weimarer Republik.

Harze: amorphe Gemische organisch-chemischen Substanzen ohne festen Schmelzpunkt. Man unterscheidet Kunstharze (Plaste) und Naturharze. Die Naturharze, außer Schellack, sind pflanzlichen Ursprungs. Sie bilden weiche bis spröde, gelbe, rote oder braune, in reiner Form geruch- und geschmackfreie Massen, die aus Harzsäuren, -alkoholen, -estern, Phenolen unter anderem bestehen und in organischen Lösungsmitteln löslich sind. Sie verbleiben als Rückstand, wenn die ätherischen Öle aus Balsamen verdunsten oder abdestilliert werden. Rezente Harze (zum Beispiel Kolophonium, Mastix) entstammen jetzt lebenden Pflanzen, fossile Harze (zum Beispiel Bernstein) früheren Erdperioden. Die Naturharze werden vorwiegend als Lackrohstoffe verwendet.

Harzgalle: im Kambium harzführender Nadelbäume durch mechanische Einwirkung entstandene Tangentialrisse, die sich bis Nussgröße mit Harz anfüllen; beeinträchtigt die Holzverwertung.

Harzgerode: Stadt im Kreis Quedlinburg, Bezirk Halle, im Unterharz auf bewaldeter Hochfläche und im Selketal (Ortsteile Alexisbad, Mägdesprung)-, 5 400 Einwohner; Industrie- und Erholungsort (391 m über dem Meeresspiegel); Eisengießerei, Metall-, Plast-, Holz-, in Silberhütte pyrotechnischer Industrie; Lungen- und Tbk-Klinik; Schloss (16. Jahrhundert), Fachwerkhäuser.

Harzsäuren: in Naturharzen frei und verestert enthaltene Diterpensäuren, zum Beispiel die im Kolophonium vorkommende, als Lackrohstoff verwendete Abietinsäure, eine gelbe, bei etwa 170 °C schmelzende Masse. Die Salze der Harzsäuren sind die Harzseifen.

Harzschützen: während des Dreißigjährigen Krieges Dorfbewohner des Gebietes um Braunschweig und der Harzregion, die sich vor der Bedrängnis durch fremde Söldner in die Wälder und Berge des Harzes zurückgezogen und dort militärisch organisiert hatten (bekanntester Anführer war Winkel Stoffel von Lipsberge). Im Sommer und Herbst 1627 wurden die Harzschützen durch kaiserliche Truppen aufgerieben.

Harzseifen, Resinate: Salze der Harzsäuren. Alkali-Harzseifen dienen unter anderem als Zusatz zu Waschseifen; Aluminium-Harzseifen, Blei-Harzseifen, Kobalt-Harzseifen und Mangan-Harzseifen werden unter anderem in Firnissen als Trocknungsbeschleuniger (Sikkative) verwendet.

Hasa, AI-: dünnbesiedelte, wüstenhafte Küstenlandschaft mit großen Oasen (Al-Hofuf, Al-Quatil) und Provinz im Osten Saudi-Arabiens, am Persischen Golf; Verwaltungszentrum Ad-Dammam; wirtschaftlich bedeutendster Landesteil, Zentrum der Erdöl- und Erdgasförderung, Erdölverarbeitung in Ras Tanura, Harat und Ad-Dammam.

Hasardeur: Glücksspieler, leichtsinniger, unverantwortlich handelnder Mensch.

Hasardspiel: Glücksspiel; Spiel, dessen Ausgang allein oder überwiegend vom Zufall abhängt, im Gegensatz zum Geschicklichkeitsspiel.

Haschee: pikant gewürztes Gericht aus feingeschnittenem Fleisch oder Fisch.

Haschemiten, Haschimiten, arabisch Banu Haschim («Stamm der Haschemiten»): mekkanische Familie des Stammes der Koreisch, der der Prophet Muhammad angehörte und auf die sich die Herrscher des heutigen Haschemitischen Königreiches Jordanien zurückführen.

Haschisch: (arabisch, eigentlich «Heu») Harz der weiblichen Pflanzen des Indischen Hanfes (Cannabis indica); in Mexiko als Marihuana bezeichnet; weitverbreitetes gefährliches Rauschgift, das vorwiegend durch Rauchen aufgenommen wird, das heißt fuhrt in kurzer Zeit zur Sucht. Die Rauschwirkung kommt durch das Tetrahydrocannabinol, einer im Haschisch vorhandenen Terpenverbindung, zustande.

Hasdeu, Bogdan Petriceicu, 26.2.1838 bis 25.8.1907, rumänischer Schriftsteller, Philologe, Historiker und Publizist; setzte sich in historischen Monographien («Fürst Ion der Schreckliche», 1865) und Dramen («Räzvan und Vidra», 1867) für die Freiheit und Einheit seines Vaterlandes ein; erforschte die Geschichte der rumänischen Sprache und die rumänische Folklore.

Hasdrubal, Name mehrerer karthagischer Feldherrn: 1. Hasdrubal, gestorben 221 vor Christus (ermordet), Schwiegersohn des Hamilkar Barkas; setzte dessen begonnene Eroberung Spaniens fort; schloss 226 den sogenannt Ebrovertrag mit Rom.

2. Hasdrubal, gestorben 207 vor Christus (gefallen), Bruder Hannibals; seit 218 Oberbefehlshaber in Spanien; zog 208 Hannibal zu Hilfe nach Italien; wurde in der Schlacht am Metaurus (Mittelitalien) geschlagen, wodurch Hannibals Schicksal in Italien besiegelt war.

3. Hasdrubal, gestorben 146 vor Christus, Befehlshaber der karthagische Truppen im 3.Pun. Krieg; kam 146 als Gefangener der Römer nach Italien.

Hasek, Jaroslav, 30.4.1883-3.1.1923, tschechischer Satiriker; wurde weltberühmt durch die 3. Fassung der «Abenteuer des braven Soldaten Schwejk» (1921/23, deutsch), eine geniale Entlarvung der imperialistischen Kriegsmaschinerie. Bereits in den Humoresken steht oft im Mittelpunkt ein Volksheld und Schalksnarr, der eine Welt der Scheinmoral, des Militarismus und der volksfeindlichen Bürokratie überlistet. Die etwa 1200 Skizzen und Humoresken Haseks waren anfangs erfundene Geschichten, beruhten dann aber zunehmend auf eigenem Erleben. ursprünglich Anarchist, wurde Hasek geprägt durch seinen Übertritt (1915) zu den Tschechoslowakischen Legionen in Russland und seine politischen Tätigkeit in der Roten Armee.

Hasel, Leuciscus leuciscus: bis 30 cm großer, langgestreckter Karpfenfisch raschfließender Gewässer.

Haselgebirge: Gemenge aus Salz, Ton, Anhydrit unter anderem, vielfach von brekziösem Aussehen; zum Beispiel in tiefsten Partien der alpinen Trias (Salzkammergut) oder im Rotliegenden im Bereich der unteren Elbe.

Haselhuhn, Tetrastes bonasia: bis 40 cm langes, in eurasischen Wäldern mit dichtem Unterholz lebendes Raufußhuhn; siehe auch Raufußhühner.

Haselmaus, Muscardinus avellanarius: nur 8 cm langer, mitteleuropäischer Schläfer mit buschig behaartem Schwanz, der unterholzreiche Laubwälder bewohnt und Winterschlaf hält; siehe auch Nagetiere.

Haselnuss, Haselstrauch, Corylus avellana: vor der Belaubung blühender heimischer Strauch der Haselgewächse; männliche Blüten in Kätzchen, weibliche in knospenartigen Blütenständen; die Frucht ist eine stark ölhaltige Nuss.

Haselwander, Friedrich August, 18.10.1859 bis 14.3.1932, Ingenieur, konstruierte 1887 die erste elektrische Drehstrommaschine und 1901 den Dieselmotor mit Vorkammereinspritzung (Haselwandermotor).

Hasen, Leporidae: Familie der Hasenartigen mit langen Ohren, kurzem Schwanz, gespaltener Oberlippe und langen Hinterläufen. Der Feldhasen (Lepus europaeus) entwickelt Laufgeschwindigkeiten bis 80 km/h; er legt keine unterirdische Baue an, sondern scharrt flache Sassen in die Erdoberfläche; in Europa, Vorderasien und Nordafrika verbreitet. Der zirkumpolar vorkommende Schneehasen (Lepus timidus) ist weiß und hat nur im südlichen Verbreitungsgebiet ein rotbraunes Sommerfell.

Hasenclever: 1. Johann Peter Hasenclever, 18.5.1810 bis 16.12.1853, Maler; beteiligte sich zwischen 1830 und 1848 aktiv an der bürgerlich-demokratischen Bewegung und gelangte unter diesem Eindruck von der Gestaltung biedermeierlichen Genrebilder zur Darstellung sozialer Themen. Als einer der ersten deutschen Maler setzte er sich in seinem Werk mit dem kämpfenden Proletariat künstlerisch auseinander («Ein Magistrat im Jahre 1848», 1850).

2. Walter Hasenclever, 8.7.1890-21.6.1940 (Selbsttötung im französischen Internierungslager), Schriftsteller; einer der führenden linksbürgerlicher Vertreter des Expressionismus; verfasste programmatische Gedichte («Der politische Dichten), 1919), gegen Reaktion und Krieg gerichtete Dramen («Der Sohn», 1914; «Antigone», 1917), später am französischen Lustspiel orientierte Komödien («Ein besserer Herr», 1926).

Hasenhacke, Kurbe: ausschließlich bei Pferden auftretende Erkrankung, bei der es zu einer kuppelförmigen Hervorwölbung an der Hinterfläche des Sprunggelenkes kommt. Es werden weiche (Sehnenhasenhacke) und harte Hasenhacke (Knochen-Hasenhacke) unterschieden.

Hasenkaninchen: Kaninchenrasse mit hasenähnlichen Aussehen; fuchsrot, auf dem Rücken schwarze Schattierung.

Hasenklee, Trifolium arvense: Schmetterlingsblütler auf Trockenrasen und sandigen Äckern mit walzenförmigen, rötlich gefärbten und zottig behaarten Blütenständen.

Hasenmäuse, Lagidium: Nagetiere mit großen Ohren und buschigem Schwanz; leben in Gruppen an steinigen Berghängen der Anden, ernähren sich von Pflanzen.

Hasenquäke: Jagdwesen Instrument zum Nachahmen des Hasenklagelautes; dient zum Anlocken der Füchse.

Haslital: 40 km langer Talabschnitt am Oberlauf der Aare in der Schweiz, oberhalb des Brienzer Sees bis zum Grimsel; wichtigster Ort Meiringen; zahlreiche Wasserkraftwerke; Holzschnitzerei, Tuchweberei; Fremdenverkehr.

Hasmonäer: jüdisches Herrscherhaus (von 142 vor Christus bis 63 nach Christus), begründet von Simon, dem Bruder des Judas Makkabäus; benannt nach Hasmon, dem Urahn einer Priesterfamilie.

Haspe: Haken mit Dom zum Einhängen von Türflügeln und Fensterläden und mit Spitze zum Einschlagen in Holz oder Mauerwerk.

Haspel: 1. Lederherstellung: trogartiges Gefäß, in dem mittels eines Schaufelrades Flotte und Häute bewegt werden.

2. Textiltechnik: Vorrichtung zum Abwinden von Fadensträngen und Aufwinden auf Spulen.

Haspelkufe: Apparatur zum Bleichen und Färben textiler Flächengebilde; die Haspel lagert drehbar über der Kufe mit der Flotte.

Hass: starkes, affektartiges Gefühl, das eine abwehrende oder auf Vernichtung zielende Beziehung zu seinem Objekt ausdrückt. Hass als soziale Erscheinung hemmt (imperialistischer Völkerhass) oder fördert (Hass gegen Ausbeutung, Unterdrückung, Kriege) die gesellschaftliche Entwicklung.

Hassalsche Körperchen: (nach einem britischen Arzt) durch konzentrisch beziehungsweise schalenartig aneinandergelagerte Zellen des Thymus entstandene Körperchen.

Hassan 2, geboren 9.7.1929, König von Marokko seit 1961; Sohn und Thronfolger Muhammads V.; seine Herrschaft richtet sich auf die Wahrung der Privilegien der feudal-bourgeoisen Oberschicht. Diesem Ziel dient auch die seit Mitte der 70er Jahre betriebene Liberalisierungspolitik.

Hasse: 1. Johann Adolf, 25.3.1699 bis 16.12.1783, Komponist; wirkte, nach Jahren in Italien, als Hofkapellmeister in Dresden (1733/63); Hauptvertreter der Opera seria; traf in seinen späten Jahren in Italien mit Mozart zusammen.

2. Sella, 12.1.1878-27.4.1963, Malerin und Graphikerin; studierte an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin und entwickelte sich unter dem Einfluss von K, Kollwitz zu einer bedeutende realistische Darstellerin des deutschen Proletariats, besonders in ausdrucksstarken, vom expressionistischen Holzschnitt beeinflussten Graphiken; Hauptwerk «Rhythmus der Arbeit» (1912/16).

Hassebrauk, Ernst, 28.6.1905-20.8.1974, Maler und Graphiker; nach Studium in Dresden und Leipzig besonders in Dresden tätig. Hassebrauk prägte, beeinflusst vom Impressionismus, in Porträts, Landschaften und Stillleben eine zeichnerisch dynamische farbbetonte Kunst der Daseinsfreude.

Hasselt: Stadt im Nordosten Belgiens, Verwaltungszentrum der Provinz Limburg, am Albertkanal; 65000 Einwohner; Landmaschinenbau, elektrotechnische Industrie, Brennereien, Brauereien; Provinzialmuseum.

Hassi Messaoud, Hasi Masud: Ort in Algerien, in der nördlichen Sahara; Zentrum der Erdöl- und Erdgasgewinnung; Erdölleitungen nach Bejaia (Zweigleitung nach Aunaba) und Arzew, Produktenleitung nach Hassi R’mel; Erdölraffinerie; Flughafen.

Haßler, Hans Leo, 26.10.1564-8.6.1612, Komponist; wirkte meist in Nürnberg; verband in seinen kirchlichen und weltlichen Vokalwerken den älteren polyphonen mit dem neuen italienischen homophonen Madrigalstil.

hässlich: abstoßend, missgestaltet. Das Hässliche als ästhetische Wertungskategorie ist das negative Korrelat zum Begriff des Schönen (schön) und in Beziehung zu diesem bestimmbar; bringt das negative Verhältnis des Menschen zum als hässlich bewerteten Sachverhalt nach historisch und sozialen determinierten unterschiedlichen Maßstäben und Idealen des Schönen zum Ausdruck.

Hastings: Stadt im Süden Englands (Großbritannien), am Kanal; 75000 Einwohner; Elektroindustrie; Fischfang; Fischereimuseum; Seebad, Fremdenverkehr; alljährlich internationales Schachturnier; Ruine der Burg Wilhelms des Eroberers. Am 14.10.1066 siegten bei Hastings die normannischen Eroberer unter Wilhelm I. über die Angelsachsen unter Harald ü.

Hastings, Warren, 6.12.1732 bis 22.8.1818, britischer Kolonialpolitiker; 1750/73 Angestellter der Ostindische Kompanie, 1773/85 erster Generalgouverneur in Indien; wegen maßloser persönlicher Bereicherung bei der Ausplünderung Indiens 1785 angeklagt, 1795 freigesprochen.

Hata, Sahachiro, 23.3.1873-22.11.1938, japanischer Mikrobiologe; Professor in Tokio; war an der Entwicklung von Präparaten beteiligt, die Bakterien abtöten, den Organismus aber nicht beeinträchtigen sollten. Durch die 1910 gemeinsam mit P: Ehrlich gemachte Entdeckung des Syphilismittels Salvarsan wurde er zum Mitbegründer der experimentellen Chemotherapie der Spirillosen.

Hathor, ägyptischer Himmels-, Liebes- und Totengöttin, auch Herrin der Fremdländer; ursprünglich in Kuhgestalt, später meist menschengestaltig mit Kuhgehörn und Sonnenscheibe auf dem Kopf dargestellt.

Hatschepsut, ägyptische Königin, regierte etwa 1490/1468 vor Christus, Tochter Thutmosis I. Hatschepsut führte die Regentschaft für ihren unmündigen Neffen Thutmosis IH. Dieser stürzte sie nach 22 Jahren. Ihre Regierungszeit war durch eine ausgeprägte Friedenspolitik gekennzeichnet. Sie gab Besitzungen in Syrien auf und unternahm Handelsreisen nach Punt. Hatschepsut ließ ihren Totentempel in Dar al-Bahari erbauen.

Hatta, Muhammad, 12.8.1902-14.3.1980, indonesischer Politiker; Repräsentant des «rechten» Nationalismus; seit 1945 Vizepräsident, 1948 und 1949/50 auch Ministerpräsident, trat 1956 von allen staatliche Funktionen zurück; seit 1965 wurde Hatta in der Öffentlichkeit wieder aktiv.

Hattar: (schwedisch, «Hüte») schwedische Adelspartei, die besonders 1739/65 maßgeblich die schwedische Politik beeinflusste, außenpolitisch auf Frankreich orientiert; vertrat die Interessen des Adels und des Handelskapitals gegenüber den Mössor.

Hatto von Mainz, um 850-5.5.913, Erzbischof von Mainz seit 891. Hatto von Mainz war der führende Feudalherr während der Regentschaft für den ostfränkischen König Ludwig IV. und betrieb nach dessen Tod die Königserhebung Konrads (911).

Hattrick: (englisch, «Huttrick») a) dreimaliger Torerfolg eines Spielers in einem Torspiel (im engeren Sinne in einer Halbzeit), ohne dass andere Spieler dazwischen Tore erzielen;

b) in anderen Sportarten 3 aufeinanderfolgende Siege in periodisch ausgetragenen Sportveranstaltungen.

Haubitze: («tschechisch, «Steinschleuder») Geschütz für Steil- und Flachfeuer, mit dem getrennte Munition (Granate) verschossen wird; Kaliber über 100 mm.

Haudegen: (zu «Degen») alter, erprobter Krieger; Draufgänger.

Hauer: 1. Hauer, Häuer. Facharbeiter im Bergbau.

2. Hauer: Eckzähne im Unterkiefer des Keilers.

Häufeln, Anhäufeln: Bedecken von Pflanzen oder -teilen ganz oder teilweise mit lockeren Boden; fördert Bodendurchlüftung und Standfestigkeit der Pflanzen; auch Frostschutzmaßnahme.

Hauff: 1. Monika, geboren 17.4.1944, Unterhaltungssängerin; entwickelte sich mit ihrem Duo-Partner K.-D. Henkler zur profilierten Interpretin von Schlagern, Songs, Folklore und schlagerartigen Liedern.

2. Wilhelm, 29.11.1802-18.11.1827, Schriftsteller; schuf volkstümliche Kunstmärchen, die weltberühmt wurden («Das kalte Herz», «Zwerg Nase», «Kalif Storch»). Mit «Lichtenstein» (1826) machte Hauff den historischen Roman in der deutschen Literatur heimisch. Seine Novellen (besonders «Die Bettlerin vom Pont des Arts», 1826) vereinen spätromantische und realistische Darstellung. Kritische Betrachtungen, eingefügt in seine phantasiereiche, humoristisch-parodistischen Prosa, bezeugen Hauffs fortschrittliche, gegen philiströsen Untertanengeist gerichtete Gesinnung («Der Mann im Mond», 1825; «Mitteilungen aus den Memoiren des Satan», 1826/27; «Phantasien im Bremer Ratskeller», 1827).

Häufungspunkt: bezüglich einer Punktmenge M ein Punkt P mit der Eigenschaft, dass in jeder Umgebung von P noch ein von P verschiedener Punkt von M liegt. Jede unendliche und beschränkte Punktmenge besitzt mindestens einen Häufungspunkt Ein Häufungspunkt von M muss nicht zu M gehören.

Haufwerk: Baustoffgefüge, das aus Grobkörnern besteht; zum Beispiel Haufwerk Porenbeton.

Haugesund: Stadt an der Westküste Norwegens; 28000 Einwohner; Werften, Aluminiumwerk; Fischverarbeitung; Hafen; in der Nähe (Saudafjorden) Edelstahlwerk.

Haumesser, Heppe Hippe: forstlich und gärtnerisch genutztes einschneidiges Messer (auch Klappmesser) mit winklig vorgezogener Klingenspitze, das unter anderem zum Ausbuschen verwendet wird, wobei die Klingenspitze zum Heranziehen pflanzlichen Materials dient.

Haupt: Bauteil an Docks und Schleusen, das die Verschlussteile aufnimmt.

Haupt, Moritz, 27.7.1808-5.2.1874, Altphilologe und Germanist; Professor in Leipzig (amtsenthoben wegen Beteiligung an der Revolution 1848/49) und Berlin; Herausgeber lateinischer und mittelhochdeutscher Dichtungen.

Hauptachsentransformation: zu einer Kurve beziehungsweise Fläche 2. Ordnung, zum Beispiel einem Kegelschnitt, eine aus Drehung und Translation zusammengesetzte Koordinatentransformation derart, dass die Achsen des neuen Koordinatensystems den Hauptachsen der gegebenen Figur parallel sind und sein Ursprung der Mittelpunkt der gegebenen Figur oder der Scheitel ist, falls kein Mittelpunkt existiert. Nach Hauptachsentransformationen bekommt die Gleichung der Kurve beziehungsweise Fläche 2. Ordnung eine besonders einfache Gestalt, die die geometrische Klassifikation sofort ermöglicht.

Hauptanschluss: ein mit einer Rufnummer versehener Fernsprechteilnehmeranschluss, der über eine Hauptanschlussleitung unmittelbar an eine Wählvermittlungsstelle angeschlossen ist.

Hauptauftragnehmer, Abkürzung HAN: Betrieb, dem als Vertragspartner eines Generalauftragnehmers oder eines Investitionsauftraggebers im Rahmen der Durchführung eines Investitionsvorhabens entweder die gesamten Bauleistungen oder die Lieferung und Montage kompletter Teilanlagen oder komplexe Versorgungs- und Dienstleistungen verantwortlich übertragen werden.

Hauptbahn: wichtige Eisenbahnverkehrsader zwischen bedeutenden Knotenpunkten im In- und Auslandsfernverkehr. Sie ist für hohe Geschwindigkeiten und große Zuglasten ausgebaut und verfügt über bestimmte sicherungstechnische Anlagen und Einrichtungen.

Hauptbodenform: Haupteinheit der Bodenformenklassifikation (Bodenform 1), die durch Kombination von Substrattyp und Bodentyp beziehungsweise -subtyp gebildet wird (zum Beispiel Tieflehm-Fahlerde).

Hauptelemente: chemische Elemente, die in der oberen Erdkruste mit mehr als 1 % Masseanteilen vertreten sind; Sauerstoff (46,7), Silizium (30,8), Aluminium (8,38), Eisen (3,54), Kalzium (2,87), Kalium (2,82), Natrium (2,45) und Magnesium (1,39).

Hauptkettenglied: Begriff der marxistisch-leninistischen Strategie und Taktik für die in einer historischen Situation gegebene Hauptaufgabe, deren Lösung im Kampf für den weiteren gesellschaftlichen Fortschritt vorrangig ist. Die Fähigkeit, unter den jeweiligen vielfältigen Aufgaben das Hauptkettenglied zu erkennen und die Hauptkräfte auf dessen Lösung zu konzentrieren, betrachtete W. I. Lenin als ein wichtiges Merkmal der revolutionären Politik der Arbeiterklasse.

Häuptling: Völkerkunde Vorsteher und Anführer der unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppierungen (Lokalgruppen, Dorf, Stamm und so weiter) bei Völkern der Urgesellschaft oder der sich auflösenden Urgesellschaftsordnung.

Hauptmängel: Mängel bei Pferd, Rind, Schaf und Schwein, für die der Verkäufer auf Grund einer Verordnung von 1899 innerhalb einer bestimmten Frist haften musste.

Hauptmann: 1. Carl, 11.5.1858-4.2.1921, Schriftsteller; Bruder von Hauptmann 2; durchlief in seinem Werk die Entwicklungsstufen der spätbürgerlichen Literatur vom Naturalismus bis zum Expressionismus. Sein Roman «Einhart der Lächler» (1907) reflektiert die gesellschaftliche Isolierung des spätbürgerlichen Künstlers.

2. Gerhart Hauptmann, 15.11.1862-6.6.1946, Schriftsteller, Repräsentant der neueren deutschen Dramatik und Erzählkunst; erlangte mit kritisch-realistischen (vom Naturalismus beeinflussten) Dramen, die in treffenden Milieuschilderungen die sozialen Probleme der imperialistischen Gesellschaft um die Jahrhundertwende aufgreifen, weltliterarische Geltung («Vor Sonnenaufgang», 1889; «Der Biberpelz», 1893; «Fuhrmann Henschel»), 1899; «Rose Bernd», 1903; «Die Ratten», 1911); im Drama «Die Weber» (1892) brachte er zum ersten Mal in der deutschen Literatur das Proletariat als kollektiven Handlungsträger auf die Bühne. Seit Ende des 19. Jahrhundert traten in Hauptmanns Schaffen neuromantische und symbolistische Tendenzen auf («Hanneles Himmelfahrt», 1894; «Die versunkene Glocke», 1896); sein dramatisches Spätwerk krönt die antikisierende «Atriden»-Tetralogie (1941/48). Aus seinem erzählerischen Werk ragen die Novelle «Bahnwärter Thiel» (1888), der Roman «Der Narr in Christo Emanuel Quint» (1910), die Erzählung «Der Ketzer von Soana» (1918) und das autobiographische Werk «Das Abenteuer meiner Jugend» (1937) heraus.

3. Helmut Hauptmann, geboren 12.3.1928, Schriftsteller; schreibt Reportagen («Das Geheimnis von Sosa», 1950; «Das komplexe Abenteuer Schwedt», 1964; «Warum ich nach Horka ging», 1971), Erzählungen («Der Kreis der Familie», 1964, neu bearbeitet 1981; «Ivi», 1969), Essays («Standpunkt und Spielraum», 1977) unter anderem.

Hauptnenner: das kleinste gemeinsame Vielfache (k. g. V.) der Nenner mehrerer Brüche; zum Beispiel haben die Brüche %, % und % die Nenner 2,6 und 9, ihr Hauptnenner ist 18.

Hauptprojektant: spezialisierter Hauptauftragnehmer für die Durchführung der Projektierungsaufgaben der ihm zugeordneten Bereiche oder Zweige.

Hauptsätze der Thermodynamik: aus der Erfahrung gewonnene Grundlagen der Thermodynamik.

1. Hauptsatz: Führt man einem thermodynamischen System die Wärmeenergie AQ zu und verrichtet die äußere Arbeit A4 an ihm, so nimmt die innere Energie um AV zu, und es gilt AU — AQ + A4. Anders gesagt: Führt man einem System die Wärmeenergie AQ zu, so dient sie zur Erhöhung der inneren Energie AU und zur Verrichtung von äußerer Arbeit A4', und es gilt AQ = AU + A4'. Dabei ist A4 = A4'. Der 1. Hauptsatz stellt die thermodynamische Formulierung des Satzes von der Erhaltung der Energie dar. Der 2. Hauptsatz ist mit dem Entropiesatz (Entropie) identisch. Er gibt die Richtung von Energieumwandlungen an. Die Hauptsätze der Thermodynamik sind den Sätzen über die Unmöglichkeit eines Perpetuum mobile gleichwertig. Nach dem 3. Hauptsatz, dem Nernstschen Wärmetheorem, kann sich ein physikalisches System dem absoluten Nullpunkt (Temperatur) nur asymptotisch nähern, ihn aber nicht erreichen.

Hauptserie: Folge von Linien im Spektrum wasserstoffähnliche Atome (das heißt solcher mit 1 Valenzelektron), die durch Elektronenübergänge zwischen dem Energieniveau mit Hauptquantenzahl n = 1 sowie Nebenquantenzahl / = 0 und einem Niveau mit / = 1 einer höheren Schale (n = 2, 3, ...) entsteht. Man bezeichnet die zu / = 0, 1, 2, 3, ... gehörigen Niveaus mit den Buchstaben s, p, d, f, ... und schreibt für die Übergänge der Hauptserie ls np. entsprechend gehören zu den Nebenserien die Übergänge 2p ns beziehungsweise 2p nd und zur Bergmann-Serie die Übergänge 3d nf.

Hauptspindel, Arbeitsspindel: Welle in Werkzeugmaschinen mit rotierender Haupt- (Schnitt-) Bewegung, die das Werkstück (bei Dreh- und Rundschleifmaschine) oder das Werkzeug (bei Bohr-, Fräs- und Flachschleifmaschine) durch geeignete Spannmittel zentriert, und über die das Drehmoment (vom Motor über das Getriebe) auf Werkstück oder Werkzeug übertragen wird. Die Hauptspindel ist damit das wichtigste Bauelement in diesen Maschinen, da von ihrer Ausführung sowie der entsprechend Lagerung die Qualität der produzierten Werkstücke in entscheidendem Maße abhängt.

Hauptstadt: Stadt, in der auf Grund staatsrechtlicher Festlegung in der Regel die bedeutendsten zentralen gesellschaftlichen und staatlichen Organe ihren Sitz haben. Die Hauptstadt wird gewöhnlich in der Verfassung als Hauptstadt des jeweiligen Staates ausdrücklich ausgewiesen; sie ist im Allgemeinen das politische und geistig-kulturelle Zentrum, oft auch die größte Stadt des Landes.

Hauptstrahlen: Lichtstrahlen, die durch den Achsenpunkt der Eintrittspupille, der Öffnungsblende und der Austrittspupille optische Systeme gehen.

Hauptaktionen und Staatsaktionen: von J. C. Gottsched geprägte Bezeichnung für meist pomphafte, banal epigonale Repertoirestücke der deutschen Wanderbühnen um 1700. Die Dramatiker der Aufklärung waren um die Überwindung der Hauptaktionen und Staatsaktionen bemüht.

Hauptverhandlung: gerichtliche mündliche, in der Regel öffentliche Verhandlung im Strafverfahren erster oder zweiter Instanz, im Kassationsverfahren (Kassation 3) oder im Wiederaufnahmeverfahren, in der über eine Strafsache entschieden wird.

Hauptwarenmarkt: Haupthandelsplatz einer bestimmten Ware im internationalen Handel, auf dem die Hauptmasse der internationalen Handelsumsätze getätigt wird. Das auf dem Hauptwarenmarkt vorhandene Verhältnis von Angebot und Nachfrage sowie die daraus hervorgehenden Preise sind bestimmend für die Entwicklung der Weltmarktpreise.

Hauptzellen: in der Magenschleimhaut liegende Zellen, die für die Bildung des Magensaftes mit verantwortlich sind;

b) Bezeichnung für bestimmte Zellen endokriner Drüsen (Hypophyse, Schilddrüse, Beischilddrüse).

Haus: dauerhaftes, aus Hüll- und Tragkonstruktionen bestehendes Gebäude; entwickelte sich aus der Zufluchtsstätte der Vorzeit zu den gegenwärtigen vielfältigen Arten von Hochbauten. Geographische, klimatische Bedingungen, Baustoffe, Technik, Lebensbedürfnisse und herrschende Gesellschaftsordnung bestimmen Funktion, Form und Bauart. Ovale Lehmflechtwerkhütten und Steinrundbauten mit kegelförmigem Dach sind seit der jüngeren Steinzeit bekannt. Der Holzblockbau kam in der Bronzezeit auf, und in der Eisenzeit ging hieraus das einfache Fachwerkhaus hervor. In gesellschaftlich entwickelten Regionen nahmen Ziegelbauten mit flachem Dach den Vorrang ein, zum Beispiel in Vorderasien seit dem Altertum. Im 15. und 16. Jahrhundert entwickelten sich in Europa die Hausformen, die heute noch das Bild alter Städte und Dörfer bestimmen. Gegenwärtig entstehen neue Hausformen, die dem Prinzip der Flexibilität und Variabilität der Nutzung, den Gegebenheiten leichter Baustoffe und Konstruktionen sowie den modernen Technologien und der Energieökonomie entsprechen. Siehe auch Hochhaus.

Hausa, Haussa: 1. Hausa: negrides Volk in Nordnigeria (20 Millionen) und Südniger (2 Millionen); als Händler, Kaufleute und Handwerker im Sudan weit verbreitet, überwiegend Bauern, gründeten bedeutende Städte; Muslime; Begründer der Hausastaaten.

2. Hausa: afrikanische (tschador-hamitische) Sprache, ursprüngliches Verbreitungsgebiet Nordnigeria und Niger. Hausa ist dort und in angrenzenden Gebieten Westafrikas wichtiges allgemeines Verständigungsmittel (etwa 25 Millionen Sprecher). Seit langem Schriftsprache (ursprünglich unter Anwendung arabischer Schriftzeichen sogenannt Ajami-Schrift), verfügt Hausa heute über eine entwickelte Literatursprache.

Hausapotheke: Zusammenstellung von Arzneimitteln und Hilfsmitteln für die häusliche Krankenpflege, die es auch dem Laien ermöglicht, Erste Hilfe zu leisten. Da viele Arzneimittel bei längerer Lagerung verderben, muss die Hausapotheke von Zeit zu Zeit überprüft und erneuert werden.

Hausbock, Hylotrupes bajulus: schwarzer Bockkäfer mit 2 weiß! Querbinden auf den Flügeln; 8 bis 20 mm lang; Larve in verbautem Nadelholz, Großschädling in Dachbalken.

Hausbuchmeister, Meister des Hausbuches, Ende des 15. Jahrhundert tätiger Maler, Zeichner und Kupferstecher; benannt nach dem Hausbuch, einer Pergamenthandschrift unbekannter Herkunft, die sich seit dem 17. Jahrhundert auf Schloss Wolfegg (Baden-Württemberg) befindet; schuf für das Hausbuch Federzeichnungen; war bahnbrechend im Kupferstich, führte die Kaltnadelradierung ein, gestaltete in der Graphik realistisch das Alltagsleben, malte Altäre und Bildnisse («Das Gothaer Liebespaar»).

Hauschild, Fritz, 8.12.1908-13.1.1974, Pharmakologe, Professor in Leipzig; führte das Pervitin in die Therapie ein und entwickelte mehrere neuartige Arzneimittel; Hauptwerk «Grundlagen der Pharmakologie und Toxikologie» (1956).

Hausen, Huso huso: bis 9 m langer störartiger Raubfisch des Schwarzen und Kaspischen Meeres, der ein Gewicht von 1,4 t und ein Alter von 100 Jahren erreichen kann; liefert Kaviar.

Hausfriedensbruch: unberechtigtes Eindringen oder unbefugtes Verweilen in Wohnungen, Räumen oder umschlossenen Grundstücken eines Bürgers, in öffentlichen Gebäuden oder Grundstücken; gilt als "Verfehlung beziehungsweise Ordnungswidrigkeit, unter erschwerenden Umständen als Straftat.

Haushaltsausgleich: in sozialistischen Ländern Gesamtheit der Maßnahmen zur Verteilung der Einnahmen des Staatshaushaltes, mit denen die örtlichen Staatsorgane Haushaltseinnahmen erhalten, um damit ihre geplanten Ausgaben finanzieren zu können.

Haushaltsbuch: Zusammenstellung wichtiger, den einzelnen Werktätigen, Brigaden und so weiter vorgegebener überschau-, beeinfluss-, mess- und abrechenbarer sowie leistungsbezogener Kennziffern, Mittel zur Organisierung, Führung und Abrechnung des sozialistischen Wettbewerbs für innerbetrieblichen Struktureinheiten und Instrument der innerbetrieblichen wirtschaftlichen Rechnungsführung. Das Haushaltsbuch lenkt das schöpferische Handeln der Werktätigen auf Durchsetzung der umfassenden Intensivierung und Rationalisierung, auf Steigerung der Arbeitsproduktivität sowie hohe Effektivität der Produktion und fördert das Kosten-Nutzen Denken.

Haushaltsgegenstände, Hausrat: Recht Gegenstände, die der Haushaltführung dienen, insbesondere die Wohnungseinrichtung, Geschirr, Wäsche, der Fernsehapparat, oder zur individuellen Ausgestaltung des Haushalts beitragen, zum Beispiel Wandschmuck. Keine Haushaltsgegenstände sind zum Beispiel Kleidungsstücke, persönlicher Schmuck, das Wochenendhaus, im Regelfall der PKW.

Haushaltsorganisationen: staatliche Einrichtungen, die wirtschaftlich selbständig sind, eigene Pläne der zu lösenden Aufgaben aufstellen und deren Ausgaben unabhängig von den mit den jeweiligen Leistungen erzielten Einnahmen aus dem Staatshaushalt finanziert werden. Als Haushaltsorganisationen arbeiten auch die staatlichen Organe.

Haushaltporzellan und Hotelporzellan: Gruppenbezeichnung für industriell hergestelltes Geschirr; wird auf dem europäischen Kontinent aus Hartporzellan, in angelsächsischen Ländern aus Weichporzellan hergestellt. Hotelporzellan ist relativ starkwandig. Zur Dekoration von Haushaltporzellan und Hotelporzellan werden zum Beispiel Einsinkfarben verwendet, die durch die darüber liegende Glasurschicht korrosionsbeständig sind.

Haushaltversicherung: umfassende freiwillige Versicherungsform für die Bürger, die einen komplexen Sachversicherungsschutz bietet für die Gegenstände des Haushalts (zum Beispiel Wohnungseinrichtung, Bekleidung) gegen eine Vielzahl von Schadenereignissen (zum Beispiel Brand, Leitungswasserschäden. Einbruchdiebstahl) und Haftpflichtversicherungsschutz für den Versicherungsnehmer, dessen Ehegatten und die minderjährigen Kinder.

Haus-Haus-Verkehr: Beförderung von Gütern durch einen oder gemeinsam durch mehrere Verkehrsträger vom Haus beziehungsweise Lager des Absenders bis zum Haus beziehungsweise Lager des Empfängers.

Haushofer: 1. Albrecht, 7.1.1903-23.4.1945 (in Moabit erschossen), Lyriker und Dramatiker, Geograph; Sohn von Haushofer 2; bezog schon als Mitarbeiter des faschistischen Auswärtigen Amtes (bis 1941) eine kritische Position zum Faschismus («Moabiter Sonette», 1946); vieles von seinem bürgerlich-humanistischen Widerstand dokumentierenden zeitkritischen Werk ging verloren.

2. Karl, 27.8.1869-10.3.1946 (Selbsttötung), Geograph und Geopolitiker; vertrat als Repräsentant der Geopolitik in Deutschland in der «Zeitschrift für Geopolitik» reaktionäres Gedankengut, das später von den deutschen Faschisten zur Rechtfertigung ihrer Aggressionen genutzt wurde.

Hausierhandel, Hausiergewerbe: unentwickelte Form des privaten Handels, besonders in ländlichen Gebieten, bei der geeignete Waren (zum Beispiel Kleintextilien, Korbwaren, handwerklicher Produkte) oder Dienstleistungen (zum Beispiel Scherenschleifen) von Einzelpersonen unmittelbar in den Haushalten angeboten werden.

Hausmacht: Territorialbesitz eines Königsgeschlechts; diente seit dem 13. Jahrhundert deutschen Königen als territoriale Basis ihrer Machtausübung, da das Reichsgut weitgehend an den hohen Adel verlorengegangen war. Hausmachtpolitik betrieben besonders die Habsburger und Luxemburger. Seit dem 15. Jahrhundert verlor die Hausmacht ihre positive Bedeutung für die Stärkung der königlichen Zentralgewalt, da die verschiedenen Dynastien ein feudales Universalreich erstrebten.

Hausmann, Manfred, geboren 10.9.1898, Schriftsteller; wurde als Erzähler romantischer Vagabundenlebens bekannt («Lampioon küßt Mädchen und kleine Birken», 1928; «Abel mit der Mundharmonika», 1932); auch Lyriker und Nachdichter.

Hausmarke: bis ins 18. Jahrhundert von bäuerlichen, auch bürgerlichen Familien geführtes Zeichen an Haus und Hof sowie an Gegenständen des Familienbesitzes. Sie ist ähnlich den Steinmetzeichen geometrisch oder runenartig gebildet.

Hausmaus, Mus musculus: weltweit verbreiteter Allesfresser und Vorratsschädling; in zahlreichen Farbvarianten, zum Beispiel Weiße Maus, und Unterarten, zum Beispiel kurzschwänzige, hellbäuchige Ährenmaus (Mus musculus spicilegus), vorkommend. Siehe auch Mäuse.

Hausmeier, Majordomus: im merowingischen Frankenreich etwa seit der Mitte des 6. Jahrhundert Vorsteher der königlichen Hofhaltung, Leiter der königlichen Domänenverwaltung und bald auch Führer der königlichen Gefolgschaft. Seit dem 7. Jahrhundert übten die Hausmeier vielfach faktisch die Macht in den einzelnen Teilreichen aus; Ende des 7. Jahrhundert setzten sich die Karolinger als Hausmeier des Gesamtreiches durch und eigneten sich schließlich 751 die Königswürde an (Pippin der Jüngere).

Hausmücke, Culex pipiens: weltweit verbreitete und häufigste Stechmückenart; nur die Weibchen saugen vor der Eiablage Blut an Vögeln, Säugetieren und Menschen (Quaddelbildung); Überträger mehrerer Krankheiten.

Hausname: im Mittelalter für ein Haus beziehungsweise einen Hof feststehender Name, unabhängig vom Besitzer; wurde vom Beruf, der Landschaft unter anderem abgeleitet; daneben gab es Hausmarken. Im 18. Jahrhundert wurden Hausnummern eingeführt.

Hausner, Rudolf, geboren 4.12.1914, österreichischer Maler und Graphiker; seit 1968 Professor in Wien und Hamburg, Hauptvertreter der Wiener Schule des phantastischen Realismus. Seine detailreich-minutiösen Gestaltungen sind besonders durch die Einbeziehung der fiktiven mythischen Figur des Adam Ausdruck seines kritisch-analytischen Zeitempfindens.

Hausordnung: von Vermieter und Mietern gemeinsam auszuarbeitende Festlegung über ihre gegenseitigen Rechte und Pflichten, insbesondere bei der Nutzung der Gemeinschaftseinrichtungen; gilt als Bestandteil der Mietverträge.

Hausruck: bewaldeter Bergzug im österreichischen Alpenvorland, zwischen Inn und Traun-Ager; bis 800 m (Göbelsberg); Braunkohlen- und Erdölförderung; Wärmekraftwerk.

Hausschwamm, Serpula lacrymans: Ständerpilz mit weißem bis grauem, watte- und strangartigem Myzel und rostbraunen, weiß umrandeten Fruchtkörpern; zerstört das Holz feuchter Gebäude.

Hausschlachtung: eine im Haus des Besitzers von befugten Personen durchgeführte Schlachtung von landwirtschaftlichen Nutztieren. Die Schlachtprodukte werden nur im Haushalt des Besitzers verwendet. Bekämpfung erfolgt durch Trockenlegen der Mauern und Fußböden, Verbrennen des befallenen Holzes und seinen Ersatz durch imprägniertes Holz.

Hausse: a) das Steigen der Börsenkurse von Wertpapieren und Devisen als Folge zunehmender (zum Teil auch manipulierter) Nachfrage;

b) die oft mit spekulativen Preis- und Kurssteigerungen verbundene Aufschwungphase im kapitalistischen Krisenzyklus.

Haustiere: Individuen von Tierarten, die sich zum Zweck der wirtschaftlichen Nutzung oder als Luxustiere über eine längere Folge von Generationen unter der Obhut des Menschen befinden und fortpflanzen. Genutzt werden neben physische (Zug-, Tragtier) und psychische (Blinden-, Hütehund) Leistungen besonders die vom Tierkörper gelieferten Nahrungsmittel (Fleisch, Milch, Eier, Honig) und Rohstoffe (Wolle, Borsten, Häute, Federn, Felle, Seide). Aus den etwa 6000 Arten der Wildsäugetiere sind nur wenige Haustierarten entstanden, zum Beispiel Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Schwein, Hund, Katze, Esel, Ren, Kanin-chen, Dromedar. In Farmbetrieben werden darüber hinaus einige Pelztiere, wie Fuchs, Nerz und Nutria (Sumpfbiber), gehalten. Haustiere aus der Klasse der Vögel sind Huhn, Perlhuhn, Truthuhn, Taube, Pfau, Gans und Ente, aus der Klasse der Insekten Honigbiene und Seidenraupe.

Haustorien: Saugorgane parasitisch oder halbparasitisch lebender Pflanzen, die mehr oder weniger tief in das Gewebe der Wirtspflanze eindringen und ihm Nährstoffe entnehmen können. Die Haustorien höherer Pflanzen (Mistel, Seidearten, Tabakwürger) dringen bis in die Leitungsbahnen der Wirtspflanze vor.

Haustra: Ausbuchtungen der Wand des Grimmdarmes; werden durch die Anordnung und Funktion der glatten Muskulatur hervorgerufen.

Hausurne: die Form eines Hauses oder Speichers nachahmendes tönernes Grabgefäß aus ur- und frühgeschichtliche Zeit.

Hauswurz, Sempervivum: Gattung der Dickblattgewächse mit oft kugeliger Blattrosette und roten oder gelben Blüten; auf Felsen wachsend; auf Mauern und Dächern früher als «Zauberpflanze» (Dachwurz, Sempervivum tectorum).

Haut, Integument, Derma: die äußere Oberfläche des Körpers bedeckende Grenzschicht gegen die Außenwelt. Die Haut besteht aus Oberhaut, Lederhaut und Unterhaut. Die Oberhaut (Epidermis) gliedert sich in die tiefe, dauernd teilungsfähige und für den Zellnachschub verantwortliche Keimschicht (Stratum germinativum) sowie die oberflächliche Hornschicht (Stratum corneum), deren verhornte Zellen laufend abgeschilfert werden. Abkömmlinge der Oberhaut sind Drüsen, Nägel und Haare. An der Lederhaut (Corium) unterscheidet man die äußere, an die Oberhaut mit warzen- oder leistenförmigen Fortsätzen (Bindegewebepapillen) grenzende Schicht (Stratum papillare) sowie die innere, durch ein grobmaschiges Netzwerk von Bindegewebefasern ausgezeichnete Schicht (Stratum reticulare), die der Haut ihre Festigkeit verleiht. Die Unterhaut (Subcutis) schließt sich ohne scharfe Grenze der Lederhaut an und besteht vorwiegend aus Binde- und Fettgewebe. Die Hautfarbe hängt vom Gehalt an Pigmenten, Blutgefäßen und der Dicke der Oberhaut ab. Die Haut ist ein lebenswichtiges Organ mit mehreren Funktionen. Sie dient als Schutzhülle (Hornschicht), Speicherorgan (Unterhautfettgewebe), Wärmeregulator (Blutgefäße, Schweißsekretion), Ausscheidungsorgan (Talg- und Schweißdrüsen), Sinnesorgan (Nervenendigungen) und ist für die Vitaminbildung verantwortlich.

Hautatmung: Gasaustausch durch die Haut, vor allem Abgabe von Kohlendioxid; beträgt beim Menschen nur 2 % des gesamten Gasaustausches. Bei Lurchen können etwa 70 % des Kohlendioxids durch die (feuchte) Haut abgegeben werden.

Hautdrüsen: in der Haut gelegene Drüsen, die ihre Sekrete an die Körperoberfläche absondern, zum Beispiel Duft-, Schweiß-, Talgdrüsen.

Häute: Rohmaterial für Leder, zum Beispiel Rindshäute, Rosshäute, Schweinshäute, Fischhäute; Häute kleiner (Schaf, Ziege, Kaninchen unter anderem) beziehungsweise junger Tiere (Kalb, Fohlen unter anderem) werden als Felle bezeichnet.

Hautevolee: die «oberen Zehntausend»; meist spöttisch für die dünkelhafte Oberschicht der kapitalistischen Gesellschaft.

Hautflügler, Hymenoptera: Insektenordnung mit mehr als 100000 Arten, ihre Entwicklung ist eine vollkommene Verwandlung; Vollkerfe mit 2 Paar häutigen, gut entwickelten Flügeln; kleinste Arten 0,2 mm, größte bis 50 mm lang; die Larven sind Pflanzenfresser (zum Teil Gallenerzeuger) oder Parasiten in Gliederfüßern. Hierzu gehören Pflanzen- und Stechwespen.

hautgalvanische Reaktion, Abkürzung HGR, psychogalvanischer Reflex, Abkürzung PGR, elektrodermaler Reflex: bei äußeren oder inneren Reizen auftretende Veränderung des Widerstandes der Haut gegen galvanischen Strom; wird als Indikator für psychische Vorgänge verwendet.

Hautgout: typischer Geruch und Geschmack gereiften Wildfleisches; übertragen Anrüchigkeit.

Hautgrieß, Milien: hornhaltige, etwa stecknadelkopfgroße, weiße Knötchen in der Haut ohne Beziehung zu den Haarfollikeln, meist im Gesicht in Ein- oder Mehrzahl vorkommen das heißt kann durch Ausschälen mit einem Messerchen entfernt werden.

Hauthorn, Comu cutaneum: hornartige spitze Wucherung der Oberhaut; vor allem auf der Gesichtshaut älterer Menschen auftretend. Das Hauthorn muss operativ entfernt werden, da es zum Krebs entarten kann.

Hautknochen: direkt aus Bindegewebe in der Lederhaut gebildete Knochenplatten verschiedener Tiere, zum Beispiel Schuppen der Knochenfische und Eidechsen, Knochenplatten der Krokodile, Knochenpanzer der Schildkröten.

Hautkrankheiten, Dermatosen: mit verschiedenartigen Struktur- und Farbänderungen verbundene Erkrankungen des Hautorgans, für deren Entstehung und Verlauf unterschiedliche, außer- oder innerhalb des menschlichen Organismus liegende Ursachen und Bedingungen verantwortlich sind. Siehe auch Dermatologie.

Hautpanzer: durch Chitin Auflagerung, Verhornung beziehungsweise Verknöcherung in der Haut entstandene äußere Schutzhülle vieler Glieder- und Wirbeltiere (zum Beispiel Krokodil, Schildkröte).

Hautpflege: Behandlung der menschlichen Haut durch Säubern (Wasser, Seife, öl- und fetthaltige Präparate) und zum Erhalten ihrer Geschmeidigkeit (Hautcreme, Hautmilch, Hautfunktionsöl, Badezusätze). Für gesunde Haut sind sinnvolle Ernährung, Abhärtung (Bewegung im Freien, Sport), ausreichender Schlaf und gute Durchblutung (Massagen, Trockenbürsten und Wasser) erforderlich.

Hautpilze, Dermatophyten: Pilze, die Erkrankungen der Haut lind ihrer Anhangsgebilde (Nägel, Haare) hervorrufen, zum Beispiel die häufig zwischen den Zehen auftretenden Trichophyton-Arten.

hautreizende Mittel, Imtantia: Stoffe, die die Durchblutung der Haut und indirekt die der inneren Organe verbessern.

hautschädigende Kampfstoffe: seit dem 1. Weltkrieg bekannte Gruppe von Giften («Gelbkreuz»), die außer schwer heilenden Hautwunden (Blasenbildung, gefolgt von Geschwüren und nekrotischen Zerfall der Oberhaut) auch starke innere Vergiftungen (Leber, Niere, blutbildendes System) verursachen. Neben akuter Giftwirkung treten auch Spätschäden (Krebs) auf. Zu den hautschädigenden Kampfstoffen gehören Schwefel- und Stickstoff-Yperit sowie a-Lewisit; auch haben einige Augenreizstoffe zusätzlich Hautgiftwirkung. S. a. chemische Kampfstoffe.

Hautschutz: vorbeugende Maßnahmen zum Schutz der menschlichen Haut vor schädigenden äußeren Einflüssen verschiedener Art, insbesondere bei beruilischer Arbeit. Der Hautschutz ist Teil der Arbeitsschutzmaßnahmen in Berufen und Industriezweigen mit Hautgefährdung durch Unfall (zum Beispiel Verletzung, Verbrühung, Verätzung) oder langsam entstehende Berufskrankheiten (zum Beispiel Berufsekzem). Schutzmaßnahmen sind u. a. die Mechanisierung und Automatisierung hautgefährdender Arbeitsgänge, das Tragen von Schutzkleidung, insbesondere Schutzhandschuhen, die Anwendung von Hautschutzsalben und schonenden Hautreinigungsmitteln.

Hautsinn: komplexe Wahrnehmung der auf die Haut wirkenden Reize. Die wichtigste Komponente des Hautsinns ist der Tastsinn, dessen Rezeptoren auf die mechanische Wirkungen Druck, Berührung oder Vibration ansprechen. Außerdem gibt es in der Haut Rezeptoren für Wärme- und Kältewirkungen sowie für chemische Änderungen (Schmerzrezeptoren). Auf dem Hautsinn beruht ein wesentlicher Teil der Körperwahrnehmung. Siehe auch Körperschema.

Häutung: periodisch auftretende, saison- oder wachstumsabhängige Ablösung der verhornten, abgestorbenen Oberhaut, zum Beispiel bei Schlangen, Eidechsen und Insektenlarven. Siehe auch Exuvie.

Haiiy, René Just, 28.2.1742-3.6.1822, französischer Mineraloge und Kristallograph; Mitbegründer der wissenschaftlichen Kristallographie; entwickelte die Hypothese vom Gitterbau der Kristalle, die 1912 durch M. von Laue experimentell bestätigt wurde.

Havanna, spanisch La Habana: Hauptstadt von Kuba und Verwaltungszentrum der Provinz La Habana, an der Nordwestküste der Insel, an einer Bucht des Golfes von Mexiko; als Stadtprovinz Ciudad de la Habana 741 km2, 1,9 Millionen Einwohner; als Agglomeration Groß-Havanna 2,2 Millionen Einwohner; wichtigste Stadtteile sind Marianao, Guanabacoa, Regia, Santa Maria del Rosario, Vedado, Habana del Este und Santiago de las Vegas. Zentrum der sozialistischen Entwicklung in Kuba; größte Industriekonzentration des Landes mit traditionellen Zweigen, wie Tabak-, Textil-, Leder-, Papier- und Lebensmittelindustrie; nach dem Sieg der Revolution seit 1959 Strukturveränderung mit Entwicklung neuer Bereiche: Hüttenwerk «José Marti», metallverarbeitende Industrie, Maschinenbau, Schiffswerft, Erdölverarbeitung, pharmazeutische und chemische Industrie. Zur Verbesserung der Wohnverhältnisse entwickelt sich besonders die Baustoffindustrie. Wichtigster Hafen Kubas und der Karibik, Hauptbasis der jungen Fischfangflotte und der Fischverarbeitung des Landes, internationaler Flughafen «José Marti»; Universität, Hochschulen; Theater, Museen, Akademien; moderne Großstadt mit gut erhaltener Altstadt aus der spanischen Kolonialzeit. Havanna wurde als 6. der 7 ursprünglich Städte Kubas 1514 an der Südküste der Insel gegründet, am jetzigen Ort neugegründet 1519; befestigt zwischen 1539 und 1630. Seit 1540 war es Sitz der Gouverneure der Insel; Stadtrecht seit 1592; 1762/63 britische Okkupation; seit 1902 offiziell Hauptstadt

Havant and Waterloo: Stadt im Süden Englands (Großbritannien), am Kanal, nordöstlich von Portsmouth; 117000 Einwohner; Fahrzeugbau, Metall-, Elektro-, Plaste- und Spielzeugindustrie; Zentrum des Segelsports.

Havarie: 1. Betriebsstörung beziehungsweise Schaden an einer Anlage (zum Beispiel Chemieanlage, Bohranlage), einem Fahrzeug, einer Rohrleitung unter anderem.

2. Schiffsunfall durch Zusammenstoß, Grundberührung oder durch technische Betriebsstörung. Siehe auch Haverei.

Havel: rechter Nebenfluss der Elbe; 343 km, davon 228 km schiffbar; entspringt in der Mecklenburg. Seenplatte nordwestlich von Neustrelitz, umfließt das Havelland mit Havelland. Luch, verbreitert sich zu den Havelseen, mündet nordöstlich von Havelberg; Nebenflüsse von links Spree, von rechts Rhin und Dosse; ab Oranienburg (Einmündung des Oder-Havel-Kanals) wichtige Binnenwasserstraße; Abkürzungskanal ist der Havelkanal; über Elbe-Havel-Kanal Verbindung zu Elbe und Mittellandkanal.

Havelberg: Kreisstadt im Bezirk Magdeburg, an der unteren Havel; 7 800 Einwohner; Bekleidungsindustrie, Stahl- und Industriemöbelbau, Schiffsreparatur, landtechnischer Instandsetzungswerk; Prignitz-Museum, Gedenkstätte für J. Marchlewski (1917/18 in Havelberg interniert); Dom (12./15. Jahrhundert), Backsteinbauten. 948 wurde das Bistum Havelberg gegründet, 983 im Slawenaufstand zerstört; 1150 wieder Bistum, 1571 aufgehoben. Die Stadt Havelberg, 1160 erstmals genannt, war im 14. Jahrhundert Hansemitglied.

Havelkanal: 35,9 km langer Abkürzungskanal nordwestlich von Berlin, von der Havel bei Nieder Neuendorf bis zur Havel bei Paretz; für 1000-t-Schiffe befahrbar.

Havelland: historische Bezeichnung für das im Bezirk Potsdam liegende, von Havel im Westen, Süden und Osten und durch Rhin mit Ruppiner Kanal im Norden begrenzte Gebiet; Landwirtschaft, Obstbau und Forstwirtschaft.

Havelländisches Luch: Niederungsmoor im Bezirk Potsdam, östlich von Rathenow; größtenteils entwässert (wichtigster Kanal der Havelländischen Große Hauptkanal); vorwiegend als Grünland (Rinderzucht) genutzt; auf den kleinen inselartigen Erhebungen («Ländchen») Ackerbau und Forstwirtschaft.

Havelock: (nach einem britischen General) ärmelloser Herrenmantel mit hüftlangem capeartigem Umhang.

Havelock: Bergbauort im Nordwesten von Swasiland; zeitweilig Emlembe; 4 500 Einwohner; eine der größten Asbestminen der Erde; 45 km lange Seilbahn zur Bahnstation Barberton (Republik Südafrika).

Haverei: zusätzliche Kosten der Schiffsreise aus der Abwendung großer Gefahren (große Haverei), aus einem Schiffsunfall durch Zusammenstoß, Grundberührung und so weiter (besondere Haverei) oder für Lotsen u. ä. (kleine Haverei). Siehe auch Havarie 2.

Haverssche Kanäle: in der Achse der Lamellensysteme des Knochens verlaufende, Blutgefäße enthaltende Kanäle; benannt nach dem englischen Anatomen Clopton Havers (1650-1702).

Havlicek, Karel, 31.10.1821 bis 29.7.1856, tschechischer Satiriker; seine Epigramme (ab 1845), «Russlandbilder» (1845), Gogol-Übersetzungen und 3 in der politischen Verbannung in Brixen (Tirol) entstandene antiösterreichische Versatilen (unter anderem «Tiroler Elegie», postum 1861, deutsch) begründeten den kritischen Realismus in der tschechischen Literatur; Deutsch Auswahl «Die Taufe des heiligen Wladimir und andere satirische Verse» (1957).

Hawaii, Abkürzung (H. I.): Bundesstaat der USA auf den Hawaii-Inseln (früher Sandwichinseln), im nördlichen Stillen Ozean; 16759 km2, 965000 Einwohner (ein Drittel Weiße, sonst vor allem Japaner, Chinesen, Philippinos, Polynesier); 58 Einwohner/km2; Hauptstadt Honolulu. Die Hawaii-Inseln sind vulkanischen Ursprungs und erstrecken sich über 2300 km. Sie bestehen aus 7 größeren und zahlreichen kleineren, zum Teil unbewohnten Inseln. Die größten Inseln sind Hawaii (10459 km2), Maui (1888 km2), Oahu (1575 km2), Kauai (Kavai; 1432 km2) und Molokai (676 km2). Neben etwa 40 erloschenen Vulkanen (Haleakala, Mauna Kea) noch tätige (Mauna Loa, Kilauea); tropisches Klima; von Wald und Steppe bedeckt. Infolge der außerordentlich günstigen militärstrategischen Lage wurden die Hawaii-Inseln zu einem großen US-Militärstützpunkt für die Pazifikflotte ausgebaut (Pearl Harbor). Die Wirtschaft basiert hauptsächlich auf einem umfangreichen militärischer Bau- und Dienstleistungssektor. Daneben existiert eine hochmechanisierte Landwirtschaft mit der Erzeugung von Zuckerrohr, Ananas (ein Viertel der Welterzeugung) und Kaffee für den Export und dem Anbau von Reis, Bananen, Tabak und Baumwolle für die Eigenversorgung. Große wirtschaftliche Bedeutung hat der Tourismus. Außerdem sind Konserven-, Fremdenverkehrsindustrie und Hochseefischerei entwickelt Hawaii ist ein wichtiger Knoten im internationalen See- und Luftverkehr (Haupthafen und internationaler Flughafen Honolulu). 1527 von Spaniern entdeckt, 1778 von J. Cook wiederentdeckt; bis 1893 unabhängiges Königreich; seit 17.1.1893 Protektorat der USA, 1898 von ihnen annektiert. Seit 1959 50. Bundesstaat der USA.

Hawaiigitarre: Gitarre mit 6 oder 8 Stahlsaiten sowie elektrischer Tonabnehmer und Verstärker, meist ohne eigentlich Schallkörper; wird mit einem Metallstab abgegriffen, wodurch charakteristische Vibrato- und Glissando-Effekte möglich sind; Verwendung in Jazz-, Tanz- und Unterhaltungsmusik; aus der Ukulele entwickelt.

Hawara: Ort in Ägypten am Ostrand des Fajumbeckens; bei Hawara befinden sich die Pyramide und der Totentempel Amenemhets III. Herodot und Strabo bezeichnten den Totentempel als Labyrinth.

Hawke, Robert, geboren 9.12.1929, australischer Politiker, 1970/80 Präsident des Australischen Gewerkschaftsrates (englisch Abkürzung ACTU), 1973/78 und seit 1983 Vorsitzender der Labor Party; Premierminister seit 1983.

Hawkins, Hawkyns, Sir John, 1532-12.11.1595, englischer Seefahrer und Admiral; 1562 Begründer des englischen Sklavenhandels nach Amerika, 1573/93 Seeoffizier im Kaperkrieg gegen Spanien, als Konteradmiral am Sieg über die spanische Armada (1588) beteiligt.

Hawthorne, Nathaniel, 4.7.1804 bis 18.5.1864, US-amerikanischer Schriftsteller; setzte sich in psychologisch einfühlsamen Romanen und Erzählungen («Der scharlachrote Buchstabe», 1850, deutsch) mit puritanischen Gesellschafts- und Moralauffassungen auseinander. Die meisterhaften «Zweimal erzählte Geschichten» (1837, deutsch) beeinflussten E. A. Poes Theorien über die Shortstory.

Hay, John Milton, 8.10.1838-1.7.1905, US-amerikanischer Politiker; 1865/98 Diplomat in Paris, Wien, Madrid und London, seit 1898 Außenminister; einer der Begründer der außenpolitischen Expansion der US-Imperialismus. Siehe auch Hay-Doktrin, Hay Pauncefote Vertrag.

Haya de la Torre, Victor Raul, 22.2.1895-2.8.1979, peruanischer Politiker; begründete 1924/26 die einflussreiche Amerikanische Revolutionäre Volksallianz (APRA), gab aber seine ursprünglich kleinbürgerlich-radikale Position seit den 30er Jahren zugunsten einer proimperialistische-antikommunistische Haltung auf.

Haydn, Joseph, 31.3.1732-31.5.1809, österreichischer Komponist; ein Großmeister der Wiener Klassik; wirkte seit 1761 in Diensten des ungarischen Fürsten Esterházy; lebte seit 1790 freischaffend meist in Wien; 1790/92 und 1794/95 Reisen nach England das heißt schuf, mannigfaltige Traditionen der ersten Jahrhunderthälfte aufgreifend und fortführend, die klassische Form von Sinfonie, Streichquartett und Klaviersonate und erhob sie zu europäischen Gültigkeit. Wie er sich von höflicher Bindung zunehmend löste, so widerspiegelt auch sein Schaffen den Umwandlungsprozess von der noch höfisch gebundenen Musik zu bürgerlich-humanistischen Ausdruck. Vor allem im Instrumentalschaffen entwickelte Haydn die Prinzipien der «motivisch-thematische» Arbeit, prägte insbesondere den Sonatenhauptsatz aus, gestaltete aber auch die anderen Sätze neu (liedhafter, oft variierter langsamer Satz, von der österreichischen Volksmusik inspiriertes Menuett, zündend-geistvolles, zuweilen von ungarischer Folklore berührtes Finale). Haydn schuf 104 Sinfonien (darunter die späten 12 Londoner Sinfonien), 83 Streichquartette, zahlreiche Kammer- und Klaviermusik (unter anderem 52 Sonaten), Konzerte, Opern, Oratorien («Die Schöpfung», 1798; «Die Jahreszeiten», 1801), diese stark durch Aufführungen Händelscher Oratorien während seiner Londoner Aufenthalte angeregt, ferner Lieder und Kirchenmusik. Wenn Haydn in seinen Werken die «klassische Heiterkeit» wohl am stärksten ausgeprägt hat, so sind doch konflikthafte und auch «romantische» Töne bei ihm nicht zu überhören.

Hay-Doktrin: die in Noten der USA vom 6.9.1899 an die Großmächte durch Außenminister J. M. Hay verkündete Doktrin «gleicher Möglichkeiten» und der «offenen Tür» in China, die der Bemäntelung der US-Kapitalexpansion diente.

Haymarket-Provokation: anonymer Bombenanschlag auf ein von Anarchosyndikalisten am 4.5.1886 auf dem Chicagoer «Heumarkt» durchgeführtes Protestmeeting gegen die Ermordung von Arbeitern, die am 1.5.1886 für den Achtstundentag demonstriert hatten. Polizei verhaftete willkürlich 8 Arbeiter, von denen 7 zum Tode verurteilt, 4 erhängt wurden; 3 mussten 1893 freigelassen werden. Die Demonstration war Ausgangspunkt für den Ersten Mai als Kampftag der internationalen Arbeiterklasse.

Hay-Pauncefote-Vertrag: zwischen Großbritannien (Botschafter Lord J. Pauncefote) und den USA (Außenminister J. M. Hay) am 18.11.1901 geschlossenes Abkommen; revidierte den Clayton-Bulwer-Vertrag und überließ den USA das Monopol für den Bau des Panamakanals; manifestierte die gestärkten Positionen der USA und den Machtverlust Großbritanniens in Zentralamerika.

Hazienda: Bezeichnung für ein Landgut in Lateinamerika; meist ein hochspezialisierter kapitalistischer Großbetrieb; oft nur extensiv bewirtschaftet.

Head-Arrangement: (englisch, «Kopf-») Form des Arrangements, die nicht schriftlich fixiert wird, sondern nur auf Absprachen der Musiker beruht; verbreitet im Jazz.

Heard- und McDonaldinseln: zu Australien gehörende, 258 km2 große Inselgruppe im südlichen Indischen Ozean; besteht aus der stark vergletscherten vulkanischen Heard-Insel (200 km2; bis 2745 m hoch) und den kleineren McDonaldinseln; meteorologische Station.

Hearing: englische, «Anhörung», «Verhör») eine Methode von Ausschüssen bürgerlicher Parlamente, in gewöhnlich öffentlichen Sitzung Sachverständige zu umstrittenen Gesetzgebungsvorhaben anzuhören. Häufig ist das Hearing eine raffinierte Form gezielter Manipulierung der Öffentlichkeit im Sinne der herrschenden imperialistischen Kreise.

Heartfield, John, eigentlich Helmut Herzfeld, 19.6.1891—26.4.1968, Fotomonteur, Gebrauchsgraphiker, Bühnenbildner; Sohn des Schriftstellers F. Held. 1907/14 Besuch von Kunstgewerbeschulen, 1916/17 mit seinem Bruder W. Herzfelde Begründer des Malik-Verlages, seit 1918 Mitglied der KPD, 1933/50 Emigration in Prag und Großbritannien, danach in Berlin unter anderem als Bühnenbildner am Deutschen Theater und Berliner Ensemble tätig. Heartfield hob als Plakat- und Buchgestalter seit 1919 im Kampf gegen Imperialismus und Faschismus die Fotomontage in den Rang einer äußerst massenwirksamen, selbständigen Kunstgattung.

Heaviside, Oliver, 13.5.1850-3.2.1925, britischer Physiker und Elektroingenieur; stellte zusammen mit dem US-amerikanischen Physiker und Elektroingenieur Arthur Edwin Kennelly (1861-1939) die Hypothese vom Vorhandensein der E-Schicht in der Erdatmosphäre auf; verdient um die Entwicklung der Vektor- und Tensorrechnung.

Hebamme: (althochdeutsch, «die Hebende») auf Fachschulen ausgebildete, staatlich geprüfte Angehörige des mittleren medizinischen Personals, die normal verlaufende Geburten leiten darf, in zunehmendem Maße an der Intensivüberwachung der Geburt beteiligt ist und in der Schwangerenfürsorge sowie im Gesundheitsschutz von Mutter und Säugling eine verantwortungsvolle Tätigkeit ausübt.

Hebbel, Christian Friedrich, 18.3.1813 bis 13.12.1863, Schriftsteller, neben G. Büchner und C. D. Grabbe bedeutendster Dramatiker seiner Zeit. Hebbel erstrebte mittels psychologisch tief erfasster Konflikte die realistische Gestaltung von Menschheitsproblemen, blieb aber in idealistischer Geschichtsauffassung befangen («Agnes Bernauer», 1852; «Gyges und sein Ring», 1856; Trilogie «Die Nibelungen», 1861). In Ansätzen sind in die Bühnenstücke zeitgeschichtlich bedeutsame Auseinandersetzungen einbezogen, zum Beispiel Emanzipation der Frau («Judith», 1841; «Maria Magdalene», 1844); schrieb kulturhistorisch wertvolle Tagebücher (1885), Erzählungen, Balladen («Der Heideknabe») und unvergängliche Lyrik («Herbstbild»).

Hebe, griechische Göttin der «Jugendblüte», Tochter des Zeus und der Hera, Mundschenkin im Olymp, Frau des vergöttlichten Herakles.

Hebebock, hydraulischer Heber: kurzhubiges Hebezeug zum gelegentlichen Heben verschiedener, auch schwerer Lasten, insbesondere bei Reparatur-, Bau- beziehungsweise Hilfsarbeiten und Montagen. entsprechend ihrem Einsatzbereich müssen Hebeböcke tragbar sein und Handantrieb besitzen.

Hebebühne: Gerät zum senkrechten Heben von Lasten und zum Ausgleich von Höhenunterschieden bei Be- und Entladeprozessen. Der Scherenhubtisch bewegt durch eine elektrohydraulisch angetriebene Doppelschere eine großflächige (bis 10 m2) Plattform bis zu 3 m Hubhöhe. Die Verladebühne dient dem Höhenausgleich zwischen Erdboden und der Ladefläche von Fahrzeugen; sie hat klappbare Überfahrbleche. Siehe auch Hubtisch.

Hebel: Provinz im Norden Chinas, an der Küste des Bo Hai; 180000 km2, 53 Millionen Einwohner; 294 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Shijiazhuang; Teil der Nordchinesischen Ebene, im Norden und Westen von Gebirgen begrenzt; Monsunklima mit stark kontinentalem Charakter, 70 % der Niederschläge fallen im Sommer; Vereinigung aller wichtigen Flüsse im Hai He nahe Tianjin. Reiche Vorräte an Kohle (Kailuan) und Eisenerz; Eisenmetallurgie (Shijingshan, Tangshan, Tianjin, Handan), Maschinenbau, chemische und Baustoffindustrie, Baumwollverarbeitung; Anbau von Weizen und Baumwolle, ferner Reis, Hirse, Mais; an der Küste Seesalzgewinnung; dichtes Eisenbahnnetz mit Peking als Mittelpunkt, Küstenschifffahrt.

Hebel: starrer, um eine Achse drehbarer Körper (zum Beispiel Stange), auf den drehende Kräfte wirken; eine kraftumformende Einrichtung. Die Länge des vom Drehpunkt auf eine Kraftrichtung gefällten Lotes heißt Hebelarm. Der Hebel ist zweiseitig, wenn die Kräfte auf verschiedenen Seiten des Drehpunktes angreifen (zum Beispiel bei der Dezimalwaage), andernfalls einseitig (zum Beispiel beim Schubkarren). Beim Winkelhebel bilden die Hebelarme einen Winkel. Der Hebel ist im Gleichgewicht, wenn die Summe der Kraftmomente aller angreifenden Kräfte Null ist (Momentensatz), beziehungsweise die Produkte aus Betrag der Kraft und zugehörigem Hebelarm gleich sind (Hebelgesetz).

Hebel, Johann Peter, 10.5.1760-22.9.1826, Schriftsteller, Begründer der alemannischen Mundartdichtung («Alemannische Gedichte», 1803); knüpfte an die Volksdichtung des 16. Jahrhundert an. Hebels Kalendergeschichten und Anekdoten («Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes», 1811) wirken bis in die Gegenwart.

Hebephrenie: meist im Jugendalter schleichend beginnende Form der Schizophrenie mit zunehmender Wesensveränderung und geistiger Verödung.

Heber: Gerät zur Entnahme von Flüssigkeiten aus einem Gefäß; man unterscheidet Stech- und Saugheber. Beide beruhen auf der Wirkung des Luftdrucks. Der Giftheber ist ein Sicherheitssaugheber zum Arbeiten mit giftigen oder ätzenden Flüssigkeiten.

Hébert, Jacques René, genannt Père Duchesne (nach der von ihm herausgegebenen Zeitung), 15.11.1757-24.3.1794, französischer Revolutionär und hervorragender Publizist; seit dem 2.12.1792 führendes Mitglied des Pariser Gemeinderates (Kommune). Die «Hébertisten» versuchten, sich nach dem Untergang der Enragés an die Spitze der Volksbewegung zu stellen. Dabei vertraten sie neben revolutionären auch ultralinke Forderungen (extremer Terror, Entchristlichung, Ausweitung des äußeren Krieges). Im März 1794 erwogen sie eine Erhebung gegen Robespierre; ihre Hinrichtung lockerte die Verbindung zwischen Volksbewegung und Jakobinerdiktatur.

Hebezeug: Sammelbegriff für alle Vorrichtungen und Maschinen, die Lasten direkt heben (Heber) oder über ein Lastaufnahmemittel aufnehmen (Winde, Elektrozug) und darüber hinaus horizontal bewegen (Kran).

Hebra, Ferdinand von, 7.9.1816-5.8.1880, Dermatologe; Professor in Wien; gilt als Begründer der modernen Dermatologie, da er sich von der einseitig humoralen Deutung der Entstehung von Hautkrankheiten lossagte und ihren oft lokalen Charakter betonte. Er beschrieb erstmals eine Reihe neuer Krankheitsbilder.

Hebräer: Bezeichnung für die Israeliten; die Herkunft des Namens ist umstritten.

Hebräisch: dem Nordwestsemitischen zugehöriger kanaanäischer Dialekt, der von den etwa im 13. Jahrhundert vor Christus in das palästinensische Kulturland erwandernden, ursprünglich aramäisch sprechenden israelitische Sippen- und Stammesverbänden übernommen und weiterentwickelt wurde. Bedeutendstes Sprachdenkmal ist das hebräische Alte Testament. Das moderne Hebräisch (Neuhebräisch, auch Iwrith), die Umgangs- und Verkehrssprache im heutigen Staat Israel, entwickelte sich seit dem Ende des 19. Jahrhundert unter zionistischen Einfluss auf der Grundlage des Alt- und Mittelhebräisch sowie unter Verwendung wesentlicher Elemente moderner westeuropäischen und slawischen Sprachen.

hebräische Literatur: Die hebräische Literatur ist über 3000 Jahre alt; ihre Träger sind von etwa 1200 bis 600 vor Christus Israeliten und Judäer und von da an bis zur Gegenwart die Juden. Die Literatur der biblischen Zeit liegt hauptsächlich im Alten Testament vor; hinzu tritt ein kleinerer Teil außerbiblische Zeugnisse aus sehr verschiedenen Zeiten, unter anderem «Bauernkalender von Geser» (10. Jahrhundert vor Christus), «Ostraka von Samaria» (9. Jahrhundert vor Christus), die Bauinschrift des Siloah-Tunnels (8. Jahrhundert vor Christus), «Lachisch-Briefe» (6. Jahrhundert vor Christus), «Loblieder», «Sektenregel», «Damaskusschrift», «Kriegsrolle» (von I Qumran; 1. Jahrhundert vor Christus/l. Jahrhundert nach Christus). Das Alte Testament gilt als im 5. Jahrhundert vor Christus im Wesentlichen abgeschlossen, der überlieferungs- und redaktionsgeschichtliche Forschung ist jedoch der Nachweis weit älterer Traditionen gelungen. Es verfügt über einen großen Formenreichtum in Poesie und Prosa (Annalen- und Geschichtswerke, Lieder- und Gebetsammlungen, Weisheitssentenzen und Gesetzeskorpora unter anderem). In der nachbiblischen Zeit (zwischen 200 und 500 nach Christus) wird die Literatur bestimmt durch Interpretation und Erweiterung des Alten Testaments in «Mischna» und «Talmud». In Apokryphen und Pseudepigraphen sowie in den Schriften von Qumran (Essener) kommen unter anderem vom offiziellen Judentum abweichende Gruppen zu Wort. Im Mittelalter wehrten die Karäer (jüdische Sekte) durch ein reiches Schrifttum den Einfluss des Rabbinismus auf die Tradition ab. Hauptvertreter ist Jehuda Hadassi. Von 1100 an stellte die jüdisch-spanische Renaissance einen Höhepunkt im jüdischen Geistesleben des Mittelalters in Dichtung und Religionsphilosophie dar (Salomo ibn Gabirol, Jakob ibn Esra). In Frankreich sind zu gleicher Zeit die Bibelausleger Raschi und verschiedene Glieder der Familie Qimchi berühmt. Der größte jüdische Philosoph des Mittelalters ist Maimonides, der den Aristotelismus mit dem jüdischen Glauben zu verbinden versucht. Die jüdische Mystik hat seit dem ausgehenden 12. und beginnenden 13. Jahrhundert eine reiche Literatur hervorgebracht. Nicht ohne Wirkung auf die hebräische Literatur blieben Renaissance und Aufklärung. An Bibel und Tradition wurde wissenschaftlich Kritik geübt (Azaija ben. Moses de Rossi). Vom 17. Jahrhundert an entstand im osteuropäischen Judentum in eigenen Frömmigkeitstypen mystische und messianische Prägung ein ausgedehntes erbauliches Schrifttum (Chassidismus des Baal-Schem-Tow). In der Neuzeit war Moses Mendelssohn Haupt der jüdischen Aufklärung (hebräisch «Haskala»). Aus der Haskala-Literatur entwickelte sich ein neuhebräischer Romanstil, dessen Schöpfer A. Mapu war. Auf Grund eines erstarkenden nationalen Selbstbewusstseins der Juden entstand eine reiche Belletristik in der hebräischen Literatur, in der auch die soziale Frage behandelt wurde. Achad Haam setzte sich für die Wiederbelebung der hebräischen Sprache als National- und Umgangssprache (Iwrith) ein. Bedeutender Lyriker und Sprachschöpfer war C. N. Bialik. Nach Gründung des Staates Israel blühte (aber nicht nur dort) die hebräische Literatur in allen Literaturgattungen auf. Heute gibt es viele beachtete Literaten aller Genres (zum Beispiel M. Schamir, Y. Mosenson, N. Schaham, E. Kishon). Eine Sprachakademie wacht über Pflege, Förderung und Weiterentwicklung der Sprache. Hinzu treten unzählige Übersetzungen aus der Weltliteratur, hebräische Schrift: linksläufige, zu den nordsemitischen Schriften gehörende Konsonantenschrift, erstmals belegt 180 vor Christus Vokale werden seit etwa 500 nach Christus durch beigesetzte Punkte und Striche bezeichnet.

Hebriden, englisch Hebrides: Nordwestschottland vorgelagerte und zu Schottland (Großbritannien) gehörende Inselgruppe, gegliedert in Äußere Hebriden mit Hauptinsel Lewis und Innere Hebriden mit Hauptinsel Skye, insgesamt über 500 Inseln; 7285 km2, 48000 Einwohner; wichtigste Orte Stornoway (auf Lewis) und Portree (auf Skye); gebirgig (bis 1009 m), aus Gneis, Granit, Schiefer, Basalt aufgebaut; feuchtkühles, stürmisches Klima; waldlos, Heide, Moore; Rinder- und Schafzucht; Heringsfang; Tweed-Fabrikation. Im Altertum als Ebudae (Ptolemäus) oder Hebudes (Plinius) bekannt, christliche Missionierung seit 563 unter Columban förderte den Feudalisierungsprozess; nach Besetzung durch norwegische Wikinger (9. Jahrhundert) seit dem 13. Jahrhundert fest unter schottischer Herrschaft; seit 1748 unter der Gesetzgebung Großbritanniens.

Hebron, arabisch Khalil ar-Rahman: Stadt (Distriktzentrum) im sogenannten Westjordangebiet; 50000 Einwohner; Glasherstellung, Leder- und Obstverarbeitung; in der Umgebung Salzgewinnung; seit 1967 widerrechtlich von Israel besetzt.

Hebung: 1. Hebung, Lift (englisch), Paarlauf-Hebung: Eiskunstlauf im Paarlauf das Hochheben und Halten mit gestreckten Armen durch den Partner, wobei sich die Partnerin auf den Partner stützt. Hebung werden mit 1/2, 1, 2 oder mehr Umdrehungen gezeigt, zum Beispiel Axel-, Flip-, Lasso-, Lutz-, Rittberger-Hebung.

2. Metrik vom Metrum geforderte betonte Silbe im Vers im Gegensatz zur unbetonten Senkung. Eine schwächer betonte Hebung kann auch als Nebenhebung gelten.

Hecheln: Ziehen von Schwingflachs oder Hanf durch das Nadelfeld einer Hechelmaschine, so dass die Faserbündel zerteilt, geordnet und kurze Fasern als Werg, Stengelsplitter als Schabe ausgeschieden werden.

Hecht: 1. Gerätturnen: Vorschnellen des gestreckten Körpers nach Abdruck von den Händen oder Absprung mit den Füßen beziehungsweise Abdruck mit den Hüften.

Hecht, Esox lucius: Zoologie bis 1,5 m langer und 35 kg schwerer, schlanker Raubfisch der eurasischen und nordamerikanischen Binnengewässer, der seiner Beute auflauert; Speisefisch. Siehe auch Fische.

Hechtkopf, Luciocephalus pulcher: knapp 20 cm langgestreckter Barschartiger der Süßgewässer Südostasiens.

Hechtlinge: 1. Hechtlinge, Galaxiidae: bis maximal 30 cm lange schuppenlose, langgestreckte, zu den Lachsartigen gehörende Fische der südlichen Halbkugel.

Hechtlinge, Epiplatys: Eierlegende Zahnkarpfen afrikanischer Gewässer; teils farbenprächtige Aquarienfische.

Hechtwagen: langgestreckter Straßenbahnwagen (Trieb- oder Beiwagen) mit sich verjüngendem Vorder- und Hinterteil (zum ungehinderten Durchfahren enger Kurven im Gegenverkehr).

Heck: hinterster Teil eines Fahrzeugs, insbesondere eines Schiffes. Seeschiffe haben meist Kreuzerheck mit relativ steilem Hintersteven, spitz zulaufend, oft abgeschnitten. Spiegelheck mit Spiegel (Platte) haben schnelle Schiffe und Heckfänger, viele Segel- und Motorboote. Andere Segelyachten weisen Spitzgatt- oder Yachtheck auf.

Hecke: geschlossenes Vorkommen von Sträuchern; angelegt als Schutz-, Grenz- oder Schmuckpflanzung. Als Heckenpflanzen eignen sich Gehölze, wie Hainbuche, Weißdorn, Liguster, Buchsbaumund Mahonie.

Heckel, Erich, 31.7.1883-27.1.1970, Maler, Graphiker und Holzbildhauer; Mitbegründer der Künstlervereinigung «Die Brücke» und führender Vertreter des Expressionismus; übersiedelte 1911 nach Berlin und lebte seit 1944 in Hemmenhofen am Bodensee. 1937 wurde sein Werk vom Hitlerfaschismus als «entartet» diffamiert. Heckels Malerei wird bestimmt von einer flächenhaft vereinfachten Bildsprache und einer expressiv gesteigerten Farbigkeit. Sein graphisches Werk ist von Bedeutung für die Entwicklung der Graphik im 20. Jahrhundert.

Heckelphon: Baritonoboe mit birnenförmigem Schallstück («Liebesfuß»); klingt voller und eine Oktave tiefer als die Oboe; 1904 von Wilhelm Hekkel (1856-1909) gebaut.

Hecker: 1. Friedrich Franz Karl, 28.9.1811 bis 24.3.1881, Rechtsanwalt; kleinbürgerliche Demokrat; organisierte 1848 mit G. von Struve einen republikanischen Aufstand in Baden, emigrierte nach dessen Scheitern; kämpfte in den USA 1861/65 im Sezessionskrieg als Oberst aufseiten der Nordstaaten.

2. Oscar, 21.5.1864-19.9.1938, Geophysiker; 1911/19 Direktor der Hauptstation für Erdbebenforschung in Straßburg (Strasbourg), 1923/32 Direktor der damaligen «Reichsanstalt für Erdbebenforschung» in Jena; führte 1901/09 erstmals Schweremessungen auf den Ozeanen durch; gab die Arbeiten des russischen Seismologen B. B. Golizyn in deutscher Übersetzung heraus.

Heckfänger: Trawler oder Kutter, bei dem das Schleppnetz über eine Heckaufschleppe ausgesetzt und eingeholt wird.

Hecko, Frantisek, 10.6.1905-1.3.1960, slowakischer Schriftsteller; schilderte in Romanchroniken das Volksschicksal am Ende der nationalen Befreiungskämpfe («Roter Wein», 1948, deutsch) und in den Anfängen des klerikal faschistischen Staates («Heilige Finsternis», Fragment, 1958). In dem Roman «Das hölzerne Dorf» (1951, deutsch) wird die Entwicklung des gesellschaftlichen Bewusstseins der Bauern im Prozess der Kollektivierung verdeutlicht.

Heda, Willem Claesz, 1593/94-nach 1678, holländischer Maler; spezialisierte sich besonders auf Frühstücksstillleben mit wenigen, meist einfachen Gegenständen, die er sorgfältig komponierte. Heda war neben P. Claesz Hauptmeister der «graubraunen Periode» der holländischen Stilllebenmalerei.

Hedajat, Sadek, 17.2.1903-9.4.1951 (Selbsttötung), iranischer (persischer) Schriftsteller, einer der bedeutendsten Prosaiker des neuzeitlichen Iran; schrieb unter dem Einfluss von A. Tschechow, E. A. Poe und besonders F. Kafka vorwiegend Novellen über den einfachen Menschen seiner Heimat (Sammlungen «Lebendig begraben», 1930; «Die Prophetentochter», 1933, deutsch) sowie Romane («Hadschi Äghä», 1945, deutsch) und Schauspiele («Die Legende von der Schöpfung», 1946, deutsch).

Hederich, Ackerrettich, Raphanus raphanistrum: zu den Kreuzblütlern gehörendes lästiges Feldunkraut saurer Böden, mit hellgelben Blüten und perlschnurartigen Gliederschoten.

Hediger, Heini, geboren 30.11.1908, schweizerischer Zoologe und Tierpsychologe; 1954/74 Direktor des Zoologischen Gartens in Zürich; zahlreiche Veröffentlichungen, unter anderem «Wildtiere in Gefangenschaft» (1942), «Die Straßen der Tiere», «Beobachtungen zur Tierpsychologie im Zoo und im Zirkus».

Hedin, Sven, 19.2.1865-26.11.1952, schwedischer Asienforscher; bereiste 1886/91 Kaukasien, Mesopotamien, Persien (Iran) und Westturkestan; erforschte auf großen Expeditionen 1894/1935 Innerasien (besonders das Tarimbecken, Tibet und den Karakorum); entdeckte den Transhimalaja. Hedin sympathisierte mit dem imperialistischen Deutschland und dem deutschen Faschismus.

Hedonismus: (lateinisch - griechisch hedone, «Lust») in der Antike entstandene Lebensauffassung, die Genuss und Freude als höchste Lebensziele und auf diese gerichtetes Streben als Tugend versteht. Historisch wurde der Hedonismus gegen den von Religionen und Ausbeuterklassen geforderten Asketismus, aber auch zur Rechtfertigung der Lebensweise parasitärer sozialer Kräfte geltend gemacht.

Hedschas, Hijaz: Provinz im Nordwesten Saudi-Arabiens, an der Küste des Roten Meeres; 500000 km2, 2 Millionen Einwohner; 4 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Mekka-, steppen- und wüstenhaftes Hochland (bis 3000 m über dem Meeresspiegel) mit schmaler Küstenebene; Hauptwirtschaftszweig ist die Landwirtschaft, Industrie in Djidda, Mekka und Medina (Zentren des Pilgerverkehrs).

Hedschasbahn: schmalspurige, ursprünglich 1303 km lange Eisenbahnlinie von Damaskus (Syrien) nach Medina (Saudi-Arabien); heute ist nur die Strecke Damaskus-Ma’an (Jordanien) mit 459 km Länge in Betrieb; der im 1. Weltkrieg zerstörte Streckenabschnitt bis Medina ist im Wiederaufbau; 1900/08 durch die Türkei für den islamischen Pilgerverkehr erbaut; wichtige Stationen sind Dara (Syrien) und Amman (Jordanien).

Hedschasi, Muhammad, geboren 18.12.1900, iranischer (persischer) Schriftsteller; schildert in blumiger Sprache, oft pessimistisch und wirklichkeitsfremd, das. soziale Leben seiner Zeit, insbesondere Frauenschicksale, so in seinen Romanen «Homa» (1928), «Paritschehr» (1929), «Siba» (1936) und «Parwane» (1953); seine Kurzgeschichten gleichen Essays.

Hedwig Gläser: Becher aus dickem, grünlichem oder gelblichem Glas mit eingeschnittenen stilisierten Tierfiguren, die im 12. Jahrhundert in Ägypten hergestellt wurden und durch Pilger im Mittelalter nach Europa kamen. Die Legende bringt sie mit der heiligen Hedwig in Verbindung.

Heem, Jan Davidsz de, 1606-1683/84, holländischer Maler; Hauptmeister des Frucht- und Blumenstückes, seine in warmem Helldunkel gehaltenen üppigen Stillleben vereinen präzise Naturbeobachtung mit virtuoser Maltechnik.

Heer: früher in allen deutschsprachigen Staaten, heute noch in der BRD, Österreich und der Schweiz übliche Bezeichnung für Landstreitkräfte.

Heerbann: im frühen Mittelalter das Aufgebot des Königs beziehungsweise Herzogs zur Heerfahrt, auch Bezeichnung für das Heer.

Heergewäte, Heergeräte: Grundausstattung eines Kriegers (Schwert, Schild, Harnisch, Streitroß, Kleid, Bett, Tischgerät), die nach mittelalterlichem Recht und unabhängig vom allgemeinen Erbe dem nächsten ebenbürtigen männlichen Verwandten zufiel. Beim Tode eines Ministerialen kam das Heergewäte an den Lehnsherrn.

Heerschild: ursprünglich das Recht, den Heerbann aufzubieten und zu befehligen; seit dem 12. Jahrhundert Rangordnung unter den weltlichen und geistlichen Feudalherren (Lehnspyramide). Die Rechtsbücher des 13. Jahrhundert unterscheiden 7 (Sachsenspiegel) beziehungsweise 6 (Schwabenspiegel) Schilde.

Hefei, Hofei: Stadt im Osten Chinas, Verwaltungszentrum der Provinz Anhui; 500000 Einwohner; erst nach 1949 industrielle Entwicklung mit Stahl- und Eisenwerk, Maschinenbau, Aluminiumverhüttung, chemische, Elektro- und Textilindustrie; Bahnstation, Flughafen.

Hefen, (zu «heben») Hefepilze, Saccharomycetales: einzellige Pilze, die sich durch Sprossung vermehren und zum Teil Kohlenhydrate (besonders Glukose) vergären. Wildhefen kommen besonders auf Früchten, in Blütennektar und im Boden vor; Kulturhefen, zum Beispiel Weinhefen (Saccharomyces vini) und Bierhefen (Saccharomycetales cerevisiae), dienen zur Herstellung alkoholischer Getränke, letztere auch zum Backen, Futterhefen (Candida utilis) zur Eiweißproduktion. Die medizinischen Hefen (Faex medicinalis; bei Vitaminmangel, Hautkrankheiten, als Pillengrundlage) ist gereinigte, getrocknete untergärige Bierhefen mit beträchtlichen Eiweiß- und Vitamingehalt.

Heft:

1. Buchbinderei: einfachste Broschur; mehrere gefalzte und ineinandergesteckte, meist mit Papier- oder Kartonumschlag versehene, durch den Rücken geheftete Bogen.

2. Fertigungstechnik: bei Handwerkzeugen ein auf einen meist spitz ausgeschmiedeten Zapfen (Angel) geschlagener Holzgriff, zum Beispiel Feilenheft.

3. Metrologie: alte Zähleinheit für Papier; 1 Heft = 10 Bogen.

Heften:

1. Buchbinderei: das manuelle oder maschinelle Vereinigen einzelner Blätter, Falzbogen oder Lagen mittels Drahtklammem, Faden oder anderer Verbindungselemente zu einem Heft, einer Einlagenbroschur oder einem Broschüren- oder Buchblock. Siehe auch Fadensiegeln, Holländern, Klebebinden.

2. Fertigungstechnik: vorläufiges Fügen von Werkstücken zur Lagesicherung für das endgültige Fügen, zum Beispiel durch einzelne Schraub- oder punktförmige Schweißverbindungen.

Heftmaschine: Maschine zum Heften von Buch- und Broschüren-Blocks unter anderem; Unterscheidung in Drahtheftmaschine (Bildung und Verwendung von Drahtklammern; Heftmaschinen, die gleichzeitig Zusammentragen, werden Sammelhefter (Sammel-Drahtheftmaschine) genannt) und Faden(buch-)H. (Verwendung von Heftfaden).

Hegang: Stadt im Nordosten Chinas, in der Provinz Heilongjiang, am Südhang des Kleinen Chingan; 210000 Einwohner; Zentrum des Kohlebergbaus der Provinz mit Eisenbahnverbindung nach Jiamusi.

Hege, Wildhege: alle Maßnahmen zur Erhaltung und Pflege der Wildbestände.

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich, 27.8.1770 bis 14.11.1831, Philosoph; Vollender der klassischen deutschen Philosophie, bedeutendster Dialektiker vor K. Marx. Ausgestattet mit einem enzyklopädisches Wissen, suchte er die Resultate aller bisherigen Philosophie und Wissenschaften sowie der Geschichte in ihrer historischen-widersprüchliche Entwicklung in einem objektiv-idealistischen System zu fassen und die Gesellschaft als gesetzmäßigen Selbsterzeugungsprozess des Menschen durch die (idealistisch verstandene und interpretierte) Arbeit als Entäußerung und Vergegenständlichung menschliche Wesenskräfte zu erklären. Im Anschluss an I. Kant, J. G. Fichte und W. J. Schelling begründete er die idealistische dialektische Methode, die zu einer der grundlegenden Quellen der marxistischen Philosophie wurde, und analysierte wesentliche Kategorien und Gesetze der Dialektik (Widerspruch, Umschlagen von Quantität in Qualität, Negation der Negation, Zufall und Notwendigkeit, Wesen und Erscheinung, Inhalt und Form unter anderem). Der Grundwiderspruch der Hegelschen Philosophie, die von der Identität des Denkens und Seins ausgeht, ist der zwischen System und Methode. Nach Hegel ist der Weltgeist das tätige Prinzip, das sich in die Wirklichkeit «entäußert» und von dort zu sich zurückkehrt. Sein System umfasst drei Teile und ist nach dem Prinzip der Negation der Negation aufgebaut: die Logik oder das «Ansichsein» des Geistes, die Naturphilosophie als «Entäußerung» des Geistes in der Wirklichkeit (wobei die Natur als bloßes «Anderssein» des Geistes keiner Entwicklung in der Zeit, sondern nur einer Entfaltung im Raum fähig ist) und die Philosophie des Geistes als Rückkehr des Geistes durch die Geschichte der Menschheit zu sich selbst («Fürsichsein»). Trotz genialer Vermutungen und einzelner dialektische-materialistische Erkenntnisse über die Rolle der Arbeit, die Entfremdung und die Ausbeutung wird damit die Gesellschaft letztlich idealistisch als ein zum Selbstbewusstsein gelangender Entwicklungsprozess des Weltgeistes dargestellt. Hegel bekannte sich ausdrücklich zur Französischen Revolution und zu Napoleon I., in dessen Rechts- und Staatsauffassung er, wie später in der konstitutionellen Monarchie Großbritanniens, das Ideal einer politischen Verfassung für Deutschland sah. Das durch theoretische Analyse des revolutionären Übergangs von der Feudalordnung zur bürgerlichen Gesellschaft gewonnene Wissen ist in seinen Hauptwerken zusammengefasst: «Phänomenologie des Geistes» (1807), «Wissenschaft der Logik» (1812/16), «Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundriss» (3 Bände, 1817/30), «Grundlinien der Philosophie des Rechts» (1821). Nachwirkende Bedeutung erlangte auch seine Ästhetik. Die sich seit 1817 herausbildende Hegel Schule spaltete sich nach seinem Tode in eine «Linke» (Junghegelianer) und eine «Rechte» (Althegelianer). Die eigentliche Aufhebung der Hegelschen Philosophie erfolgte im dialektischen und historischen Materialismus.

Hegemonie: Vormachtstellung, Vorherrschaft, Führung; führende Rolle einer Klasse oder eines Staates im Verhältnis zu anderen Klassen oder Staaten. Die Hegemonie der Arbeiterklasse wird im breiten Bündnis mit anderen Klassen, sozialen Schichten und Gruppen und unter Führung einer marxistisch-leninistischen Partei verwirklicht.

Hegemonismus: Streben nach ökonomischer, politischer und militärischer Vorherrschaft gegenüber anderen Staaten. Der Hegemonismus, Ausdruck des aggressiven Wesens des Imperialismus, ist ein Grundzug imperialistischer Außenpolitik; er wurzelt im Streben der Monopole nach Expansion ihrer Einflusssphären.

Hegenbarth, Josef, 15.6.1884-27.7.1962, Graphiker und Maler; 1905/15 Studium an der Kunstakademie Dresden, 1946/49 dort Professor. Hegenbarth prägte in den 20er Jahren in heiteren, genrehaft aufgefassten Tiermotiven seine lebensnah-dynamische Eigenart und entwickelte sich nach 1945 mit expressiven und einfühlsamen Feder- und Tuschzeichnungen zu einem der bedeutendsten Illustratoren von Weltliteratur im 20. Jahrhundert

Hehlerei: eigennütziges Erwerben, Beschaffen oder Absetzen von Gegenständen, von denen bekannt oder anzunehmen ist, dass sie durch eine strafbare Handlung erlangt wurden; Straftat.

Heiberg: 1. Heiberg, Gunnar, 18.11.1857 bis 22.2.1929, norwegischer Dramatiker; schrieb unter Heiberg Ibsens Einfluss kritisch-realistischer Dramen («König Midas», 1890, deutsch); Sympathie für das Proletariat bekundet er in dem Drama «Das große Los» (1895, deutsch). Von tiefer humanistischer Gesinnung zeugen seine Essays über Kunst und Theater.

2. Heiberg, Johan Ludvig, 14.12.1791 bis 25.8.1860, dänischer Kritiker und Dramatiker; setzte als Vertreter der Romantik die Tradition des dänischen Singspiels nach dem Vorbild des französischen Vaudeville fort. Sein Drama «Der Elfenhügel» (1828, deutsch wurde dänischer Nationalschauspieler Heiberg beeinflusste nachhaltig die skandinavische Kunstkritik aus ästhetizistischer Sicht.

Heide: 1. baumarme, besonders von Zwergsträuchern (Heidekraut) gebildete Vegetationsformation nährstoff-, insbesondere kalkarmer Böden im atlantischen Florengebiet. Die Steppenheide ist eine gehölzarme, kraut- und grasreiche Vegetationsformation sommertrockener Standorte vorwiegend in kontinentalen Gebieten.

2. Heidekraut.

Heidegger, Martin, 26.9.1889-26.5.1976, Philosoph; Mitbegründer der spätbürgerlichen Existenzphilosophie; geht in seinem philosophischen Subjektivismus von der Entfremdung im Imperialismus aus und sieht die einzige Rettung für das bürgerliche Individuum in der «Entschlossenheit zu Vorlauf in den Tod»; später religiös-mystische Auffassungen.

Heidekraut, Heide, Calluna vulgaris: Zwergstrauch der Heidekrautgewächse mit schuppenförmigen Blättern und rot-lila Blüten, kalkmeidend; Charakterpflanze in Heiden und Flachmooren.

Heidekultur: Kultivierung der Heide zur Gewinnung von Acker- und Grünland durch Beseitigung der Ortsteinschicht und Nährstoffanreicherung, insbesondere Kalkung.

Heidelbeere, Blaubeere, Bickbeere, Vaccinium myrtillus: Zwergstrauch der Heidekrautgewächse, vorwiegend in Nadelwäldern im Flachland und Gebirge; mit kleinen rötlich-grünen Blüten und blauschwarzen, wohlschmeckenden Beeren.

Heiden: im kirchlichen Sprachgebrauch die Anhänger außerbiblische, nichtchristliche Religionen und des Atheismus; Heidentum zeigt sich zum Beispiel in Vergötzung (des Geldes unter anderem) und kultische Handlungen.

Heike Monogatari: (japanisch, «Die Geschichte der Familie Taira») vermutlich zwischen 1222 und 1240 entstandene, literarisch sehr wertvolle japanische Kriegshistorie, die von fahrenden Sängern vorgetragen wurde und von den Kämpfen zwischen den Feudalgeschlechtern der Taira und Minamoto erzählt.

Heiland: Retter; Bezeichnung für Jesus, im weiteren Sinne auch für einen Menschen, auf den man seine ganze Hoffnung setzt.

Heilbäder: Kurorte mit natürlicher Heilquellen, im engeren Sinne medizinische Bäder. Siehe auch Balneologie.

Heilberufe: früher übliche Sammelbezeichnung für alle Berufe des im Gesundheitswesen tätigen Personals; untergliedert in Heilpersonal (Ärzte, Zahnärzte, Apotheker) und Heilhilfspersonal (Schwestern, Fürsorgerinnen, Laborassistenten unter anderem). Die heutige Beschäftigtenstruktur unterscheidet aus der Sicht der Tätigkeit nach medizinischen und nichtmedizinischen Personal oder entsprechend der Qualifikation nach Fachpersonal (Hochschulkader, Fachschulkader, Meister, Facharbeiter) und Personal ohne abgeschlossene Ausbildung.

Heilbronner Programm: von dem Rentamtmann F. Weigandt konzipiertes bürgerliches Reformprogramm von 1525; entstand in Anlehnung an eine anonyme Reformschrift von 1523 (sogenannt Reformation Kaiser Friedrichs III.) und lag dem Heilbronner Bauernparlament Anfang Mai 1525 vor. Das Heilbronner Programm spiegelte gesellschaftliche Erfordernisse einer bürgerlichen Entwicklung wider (politische Zentralisation, Einheit von Maßen und Münzen, Abschaffung von Binnenzöllen), wurde aber, da es in der Zeit des Abklingens der Volksbewegung entstand und keine bäuerlichen Forderungen enthielt, nicht mehr zur Grundlage von Aktionen im Bauernkrieg.

Heilbutt, Hippoglossus hippoglossus: bis 200 kg schwerer Plattfisch des Nordatlantiks; wohlschmeckender Speisefisch.

Heileingriffe: operativ-chirurgische oder andere instrumentelle medizinische Maßnahmen zur Heilung oder Besserung von Krankheiten. Der Heileingriffe darf nur nach ärztlicher Aufklärung und nach Einwilligung des Patienten durchgeführt werden. Bei bewusstlosen Patienten wird die Einwilligung unterstellt.

Heilerde: vorwiegend in der Volksmedizin äußerlich und innerlich verwendete geschlämmte Lehm- oder Tonerde, die Eisenverbindungen und Aluminiumsilikate enthält; angewendet bei Hautleiden sowie Magen- und Darmstörungen.

Heilglöckel, Cortusa: Primelgewächs der europäischen Hochgebirge mit gelappten Blättern und rosaroten Blüten in doldenartigem Blütenstand.

Heilige Allianz: 1815 geschlossenes Bündnis der Herrscher von Russland, Preußen und Österreich, dem später nahezu alle europäischen und deutschen Fürsten beitraten; sollte die vom Wiener Kongress beschlossene reaktionäre «Neuordnung» Europas aufrechterhalten und Revolutionen verhindern; ihr politischer Führer war der österreichische Staatskanzler Metternich. Die Heilige Allianz zerfiel endgültig nach der Niederlage Russlands im Krimkrieg (1853/56).

Heilige Drei Könige: im Volksbrauchtum Bezeichnung der «Weisen aus dem Morgenlande», die laut Bibel den Stern von Bethlehem gesehen haben und zur Anbetung des Jesuskindes gekommen waren (6. Januar); oft gestaltetes Motiv in der "bildenden Kunst.

Heiligenblut: Kurort in Kärnten (Österreich), am Ostfuß des Großglockners, an der Möll; 1301 m über dem Meeresspiegel; 1300 Einwohner; Wasserkraftwerk; Wintersportzentrum; gotische Wallfahrtskirche (15. Jahrhundert); südlicher Ausgangspunkt der Großglockner-Hochalpenstraße.

Heiliger Synod, Allerheiligster Synod: seit 1721 Bezeichnung für die Leitung der russisch-orthodoxen Kirche.

Heiligsprechung, Kanonisation: authentische, feierliche Erklärung des Papstes, dass ein Verstorbener bereits zur Anschauung Gottes gelangt und deshalb verehrungswürdig ist; er wird nach der Seligsprechung in den Kanon (Heiligenverzeichnis) aufgenommen.

Heilnahrung: Kostform bei Durchfallerkrankungen der Säuglinge; besteht aus leichtverdaulichen Nahrungsstoffen, zum Beispiel Reisschleim.

Heilpraktiker: Person ohne staatliche Erlaubnis zur Ausübung des Arztberufes; nur beschränkte Erlaubnis zur Heilbehandlung. Heilpraktiker dürfen nicht auf Kosten der Sozialversicherung behandeln oder verordnen.

Heilquellen, Heilwässer: Quellwässer oder aus Quellsalzen hergestellte künstliche Mineralwässer mit nachweisbaren gesundheitsfördernden Wirkungen, die teils auf ihren chemischen Bestandteilen, zum Beispiel Kohlensäure, Kochsalz, Glaubersalz, Eisensulfat (Mineralquellen), teils auf ihren physikalischen Eigenschaften (Thermalquellen) beruhen. Heilquellen dienen zu Trink-, Bade- und Inhalationskuren.

Heilsarmee: außerkirchliche Bekehrungsorganisation mit paramilitärischer Ordnung und starkem karitativem Engagement; 1878 in London gegründet von dem ehemaligen Methodistenprediger «General» William Booth.

Heilserum: tierische, gelegentlich auch menschliches Blutserum, das größere Mengen Antikörper gegen bestimmte Krankheitserreger enthält und gewöhnlich von Rekonvaleszenten gewonnen wird. Es wird gefährdeten beziehungsweise erkrankten Menschen oder Tieren zugeführt, der Verlauf mancher Viruserkrankungen lässt sich zum Beispiel damit abschwächen. Siehe auch Serum.

Heilstätte, Tuberkuloseheilstätte: Fachkrankenhaus für Lungen- und Tuberkulosekranke. In einer Heilstätte ist im Unterschied zum allgemeinen Krankenhaus nur eine Fachdisziplin profilbestimmend.

Hell- und Pflegeanstalt: veralteter Begriff für Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie, auch Nervenklinik.

Heim, Ernst Ludwig, 22.7.1747-15.9.1834, Arzt; war ein ausgezeichneter Diagnostiker und durch seinen Witz als «der alte Heim» eine der beliebtesten und bekanntesten Persönlichkeiten im Berlin seiner Zeit. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit befasste er sich intensiv mit Botanik, in die er unter anderem auch A. von Humboldt einführte. 1777 trug man ihm die Übernahme des botanischen Lehrstuhls an der Universität Frankfurt (Oder) an.

Heimarbeit: Tätigkeit im Arbeitsrechtsverhältnis mit der Besonderheit, dass der Werktätige vereinbarungsgemäß nicht in den Räumen des Betriebes, sondern in eigenen Räumen, meist in seiner Wohnung, arbeitet. Heimarbeit soll vor allem Werktätigen übertragen werden, die aus gesundheitlichen oder familiären Gründen nicht täglich zum Betrieb gehen beziehungsweise dort verbleiben können.

Heimat: territoriale Einheit des natürlichen, sozialen und kulturellen Milieus, in dem der Mensch seine wesentliche Persönlichkeitsprägung erfährt; die Landschaft und Siedlungsform (Dorf oder Stadt), in der er lebt und individuelle und gesellschaftliche Bindungen eingeht. In der sozialistischen Gesellschaft erlangt der Heimat-Begriff eine Vertiefung durch das wissenschaftliche Geschichtsbild der Bürger, ihren sozialistischen Internationalismus und ihr Staatsbewusstsein.

Heimatliteratur: 1. allgemeine auf die heimatliche Region und Landschaft bezogene Literatur.

2. sich gegen Ende des 19. Jahrhundert in Deutschland herausbildende Literaturbewegung oft konservativer Tendenz, die in vielem die faschistische «Blut und Boden»-Literatur vorbereitete.

3. Heimatliteratur, sozialistische Heimatliteratur: Literatur, die Überliefertes im Sinne eines Heimatbewusstseins realistisch weiterführt.

Heimatmuseum: Museum, das in einem regional begrenzten Gebiet heimatkundliche Werte der materiellen und geistigen Kultur und der Natur sammelt und erforscht. Die Heimatmuseen sind hervorgegangen aus den Sammlungen der Geschichts- und Altertumsvereine des 19. Jahrhundert. Im Aufbau des Museumswesens der DDR haben sie eine neue kulturelle und erziehen Funktion zur Vermittlung wissenschaftlicher Weltanschauung und zur Entwicklung eines sozialistischen Heimatbildes.

Heimchen, Hausgrille, Gryllus domesticus: gelbbraune, 2 cm lange Grille; lebt gesellig in warmen Räumen, frisst Getreideprodukte; Männchen zirpt eintönig, laut hörbar. Siehe auch Grillen.

Heimdall, altnordischer Asen Gottheit, Himmelswächter; beim Weltuntergangskampf töten er und Loki einander.

Helmfall: in der mittelalterlichen Feudalverfassung Rückkehr eines verliehenen Gutes beim Tode des Lehnsträgers (Mann, daher auch Mannfall) an den Herrn.

Heimkehle: Gipshöhle im Südharz bei Uftrungen (Kreis Sangerhausen); 1700 m lang; urgeschichtliche Funde.

Heimskringla: (nordischer, «Weltkreis») Geschichtswerk besonders über die norwegischen Könige des 9./12. Jahrhundert; wahrscheinlich von dem Isländer Snorri Sturluson.

Heimstättengesetz, englisch Homestead Act: Gesetz der USA über kostenlose Vergabe von Boden an landlose Werktätige, am 20. 5.1862 von A Lincoln unterzeichnet; war als Schlag gegen die Sklavenhalter von grundsätzlicher Bedeutung für die kapitalistische Entwicklung der Landwirtschaft der USA.

Heimsuchung Maria, Visitatio: in der Christlichen Kunst Darstellung der Begegnung zwischen den beiden schwangeren Frauen Maria und Elisabeth, den werdenden Müttern von Jesus und Johannes dem Täufer.

Heimtextilien: Sammelbezeichnung für Textilien aller Art zur Ausstattung und Gestaltung von Innenräumen. Zu den Heimtextilien gehören Bodenbelag Stoffe, Teppichwaren, Gardinen, Deko-, Möbel- und Vorhangstoffe.

Heimwehr, Heimatwehr, Heimatschutz: Ende 1918 in Österreich entstandene reaktionäre Freiwilligenverbände, die vor allem gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung vorgingen. Seit 1927 besonders aber 1930 wurde die Heimwehr zur klerikal faschistischen Organisation, 1936 aufgelöst.

Heimwerkergerät: elektrisches Gerät für im Haushalt und Garten anfallende Reparatur- und Hobbyarbeiten. Heimwerkergerät sind entweder Einzweck- oder (häufiger) Mehrzweckgeräte, bei denen ein zum Teil drehzahlstellbares Antriebsgerät (elektrische Bohrmaschine) unterschiedliche Werkzeuge zum Bohren, Schleifen, Polieren, Sägen unter anderem antreibt.

Hein, Franz, 30.6.1892-26.3.1976, Chemiker; Professor in Leipzig (1923/42) und Jena (1942/59); betrieb Forschungen insbesondere über Komplexchemie und metallorganischen Verbindungen.

Heine: 1. Heinrich Heine, 13.12.1797-17.2.1856, Dichter, Essayist und literarischer Publizist; bedeutendster deutscher Lyriker des 19. Jahrhundert und bedeutendster deutscher literarischer Vertreter der revolutionären Demokratie. Heines literarische Entwicklung begann in Berlin, wo er Vorlesungen Hegels und den Salon der Rahel Varnhagen von Ense besuchte. Er entwickelte schöpferisch die volkstümlichen, klassischen und romantischen Traditionen der deutschen Literatur weiter. Das «Buch der Lieder» (1827) begründete seine große Popularität als Liederdichter (Vertonungen von F. Schubert, R. Schumann unter anderem). Schon hier, deutlicher in den «Reisebildern» (1826/31) bei der Darstellung gesellschaftlicher Zustände, zeigte sich als Heines Eigenart die ironisch-satirische Behandlung der Gegenstände. 1831 übersiedelte Heine unter dem Druck der politischen Reaktion nach Paris; 1835 wurden seine Schriften vom Deutschen Bundestag verboten. Heines politische Weitsicht wird deutlich in den Schriften «Französische Zustände» (1833), «Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland» (1834), «Die Romantische Schule» (1836) und «Ludwig Börne. Eine Denkschrift» (1840). In Paris näherte sich Heine dem Kommunismus (zum Beispiel Gedicht «Lebensfahrt»); er befreundete sich mit K. Marx (1844 Mitarbeit an den «Deutsch-Französischen Jahrbüchern») und schrieb unter dessen Einfluss 1844 seine bedeutendsten Werke, die «Zeitgedichte» (unter anderem «Die schlesischen Weber») und das satirische Versepos «Deutschland. Ein Wintermärchen». Ab 1845 verschlechterte sich Heines Gesundheitszustand, ab 1848 in der «Matratzengruft», wechselt Verzweiflung («Lamentationen») mit ungebrochener Willensstärke («Romanzero», 1851; «Enfant perdu», «Das Sklavenschiff» unter anderem). In seinem «politischen Testament», dem (französischen) Vorwort zu «Lutetia» (1855), erklärt Heine (trotz gewisser Vorbehalte), dass der Kommunismus notwendig kommen werde, weil er allein eine gerechte Menschenordnung schaffen könne. In Heines Werk findet die politisch-ideologische Haltung des fortgeschrittensten Teiles des deutschen Bürgertums seiner Zeit ihren künstlerisch vollendeten Ausdruck.

2. Thomas Theodor Heine, 28.2.1867-26.1.1948, Zeichner, Karikaturist und Maler, seit 1889 in München ansässig, wo er bis zu seiner Emigration 1933 nach Prag vor allem mit sozialen und politischen Karikaturen für die satirische Wochenzeitschrift «Simplicissimus» hervortrat. In ihnen setzte er sich mit Militarismus und Nationalismus des Wilhelminischen Kaiserreiches auseinander und griff schonungslos Großbourgeoisie und Spießertum an.

Heinesen, William, geboren 15.1.1900, färöischer Schriftsteller, schreibt in dänischer Sprache; veröffentlichte zunächst überwiegend philosophischer Naturlyrik, gestaltet ab Mitte der 30er Jahre gesellschaftliche Probleme aus kritisch-realistischer Sicht («Der schwarze Kessel», 1949, deutsch). In dem historischen Roman «Die gute Hoffnung» (1964, deutsch) verteidigt Heinesen die nationale Selbständigkeit seiner Heimat.

Heinicke, Samuel, 10.4.1727-30.4.1790, Pädagoge; Begründer der ersten deutschen Taubstummen-Lehranstalt 1778 in Leipzig, führte die Lautsprachmethode (im Unterschied zur Zeichensprachmethode des Franzosen C. M. de l’Epee) ein und legte den Grundstein für den modernen Gehörlosenunterricht. Hauptwerke: «Beobachtungen über Stumme und über die menschliche Sprache» (1778), «Über die Denkart der Taubstummen und die Misshandlungen, welchen sie durch unsinnige Kuren und Lehrarten ausgesetzt sind» (1780, Fragment).

Heinitz, Heynitz, Friedrich Anton Freiherr von, 14.5.1725-15.5.1802, Bergbeamter; war Organisator des neueren Berg- und Hüttenwesens in Braunschweig, in Sachsen (begründete 1765 die Bergakademie Freiberg) und danach in Preußen; sorgte durch geordnete Verwaltung und Einführung technischer Neuerungen für einen bedeutenden Aufschwung dieser Industriezweige (besonders in Preußen).

Heinkel, Ernst Heinrich, 24.1.1888-30.1.1958, Flugzeugkonstrukteur und Industrieller; entwickelte viele Typen ziviler und militärischer Land- und Seeflugzeuge sowie 1939 das erste Flugzeug (He 176) mit Raketenantrieb.

Heinrich, Helmut, geboren 5.9.1904, Mathematiker; 1954/70 Professor an der TU Dresden; wichtige Beiträge zur numerischen Mathematik; Mitglied der Leopoldina.

Heinrich, Fürsten. Deutsche Könige und römischer Kaiser:

1. Heinrich I., um 875-2.7.936, Liudolfinger, Herzog von Sachsen seit 912, deutscher König seit 919; festigte das deutsche Königtum gegenüber den Stammesherzögen; erwarb 925 Lothringen und begann 928/29 die Eroberung der Elbslawengebiete. Nach entsprechenden Vorbereitungen (Aufstellung einer Panzerreiterei und Auf- beziehungsweise Ausbau zahlreicher Burganlagen) gelang ihm 933 bei Riade an der Unstrut die erfolgreiche Abwehr der Ungarn.

2. Heinrich II., 6. 5.973-13. 7.1024, Sohn von Heinrich 9, letzter Liudolfinger, Herzog von Bayern seit 995, deutscher König seit 1002, Kaiser seit 1014; förderte die Kirchenreform im Interesse der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Klöster und festigte nach dem Rückschlag unter Otto in. erneut die königliche Zentralgewalt.

3. Heinrich III., 28.10.1017-5.10.1056, Sohn Konrads Heinrich, deutscher König seit 1039, Kaiser seit 1046; beseitigte 1046 die Kirchenspaltung (Sutri), förderte im Reich die kirchliche Reformbewegung, ohne jedoch auf die Vorrechte des Königtums gegenüber der Kirche zu verzichten.

4. Heinrich IV., 11.11.1050-7.8.1106, Sohn von Heinrich3, deutscher König seit 1056, Kaiser seit 1084; nach Erreichung der Volljährigkeit (1065) versuchte Heinrich, sich gegen die opponierenden Fürsten durchzusetzen, indem er den Landesausbau zur Schaffung eines Königsterritoriums aufnahm (Sächsischer Aufstand); kämpfte um die Wahrung und Stärkung der königlichen Herrschaftsrechte (Investitur) gegen Papst Gregor VII. (Canossa) und die deutschen Fürsten. Heinrich führte 1097/1103 eine breite Landfriedenspolitik durch, weshalb ihn die übermächtigen Fürsten, zuletzt von seinem Sohn Heinrich geführt, bekämpften und 1106 absetzten.

5. Heinrich V., 11.8.1081-23.5.1125, Sohn von Heinrich 4, letzter Salier, deutscher König seit 1106, Kaiser seit 1111; beendete durch einen Kompromiss mit dem Papst (Wormser Konkordat) 1122 den Investiturstreit.

6. Heinrich VI., 1165-28. 9.1197, Sohn Friedrichs I., deutscher König seit 1169, Kaiser seit 1191, König von Sizilien seit 1194; unter ihm Höhepunkt der staufische Macht.

7. Heinrich VII., 1274 (oder 1275)—24.8.1313, Luxemburger, deutscher König seit 1308, Kaiser seit 1312; erwarb 1310 Böhmen für die luxemburgische Hausmacht; sein Italienzug 1310/13 scheiterte und stürzte das Königtum in eine neue Krise.

Bayern: 8. Heinrich I., um 920-1.11.955, zweiter Sohn von Heinrich 1, Herzog von Bayern seit 948; beteiligte sich 939/41 am Aufstand der Herzöge von Franken und von Lothringen gegen seinen Bruder, König Otto I.; dieser belehnte ihn nach der Aussöhnung mit dem Herzogtum Bayern.

9. Heinrich II., Heinrich der Zänker, 951-28.8.995, Sohn von Heinrich 8, Herzog 955/76 und seit 985; wurde nach seiner Erhebung gegen Otto Heinrich abgesetzt; nach dessen Tod versuchte Heinrich erfolglos, die Vormundschaft über Otto III. zu erlangen. England (Henry):

10. Heinrich, um 1068-1.12.1135, König seit 1100 (normannische Dynastie); jüngster Sohn Wilhelms I.; festigte durch Beschränkung der Feudalherren und Kompromisse mit der Kirche die königliche Macht.

11. Heinrich II., 25.3.1133-6.7.1189 (gefallen), König seit 1154, Begründer der Dynastie Plantagenet; Enkel von Heinrich 10; kämpfte erneut um die Stärkung der Königsgewalt, vermochte jedoch nicht, sich die Kirche unterzuordnen (Becket); fiel bei der Bekämpfung eines Aufstands seiner Söhne.

12. Heinrich III., 1.10.1207-16.11.1272, König seit 1216 (Dynastie Plantagenet); Enkel von Heinrich 11; geriet durch Abhängigkeit vom Papst und häufige Kämpfe um seine französische Erblande in Widerspruch zu den Ständen, die ihn unter S. de Montfort 1264 besiegten und bis 1265 gefangen hielten.

13. Heinrich IV., Duke of Bolingbroke, 3.4.1367-20.3.1413, König seit 1399, nachdem er im Einvernehmen mit dem Parlament Richard Heinrich gestürzt hatte; Begründer der Dynastie Lancaster.

14. Heinrich V, August 1387-31.8.1422, König seit 1413; Sohn von Heinrich 13; kämpfte erfolgreich in der 3. Etappe des Hundert-jährigen Krieges, 1420 (Vertrag von Troyes) als Regent und Thronerbe in Frankreich proklamiert.

15. Heinrich VI., 6.12.1421-21.5.1471 (ermordet), König 1422/61 und 1470/71; Sohn von Heinrich 14; konnte die ihm 1422 zufallende Herrschaft in Frankreich infolge militärischer Niederlagen Englands im Hundertjährigen Krieg nicht antreten; im Verlauf von Volksaufständen (J. Cade, 1450) und Adelskriegen (Rosenkriege, 1455/85) wurde seine Herrschaft untergraben und Heinrich gestürzt.

16. Heinrich VII., 28.1.1457-21.4.1509, König seit 1485; beendete durch seinen Sieg über Richard III. die Rosenkriege, begründete die Dynastie Tudor und das absolutistische Königtum in England.

17. Heinrich VIII., 28.6.1491-28.1.1547, König seit 1509; Sohn von Heinrich 16; Prototyp des Renaissancefürsten in England; vollzog 1534 den Bruch mit der römisch-katholischen Kirche, ließ sich als obersten Kirchenherrn anerkennen und Kritiker seiner Politik, unter anderem T. More, hinrichten. Seine Herrschaft begünstigte objektiv die Entwicklung des Bürgertums.

Frankreich: 18. Heinrich III., 19.9.1551 bis 2.8.1589 (ermordet), 1573/74 König von Polen, französischer König seit 1574 (letzter Valois); nahm in den Auseinandersetzungen zwischen Hugenotten und Katholiken eine wechselnde Haltung ein; machte den Hugenotten zunächst Zugeständnisse (1576), verbot sodann (1585) unter dem Druck der katholischen Liga den reformierten Glauben; 1588 näherte er sich den Protestanten, um die wachsende Machtstellung des Führers der katholischen Partei, Heinrich von Guise, auszuschalten, und ließ diesen 1588 ermorden.

19. Heinrich IV., 13.12.1553-14. 5.1610 (ermordet), König von Navarra seit 1572, von Frankreich seit 1589 (erster Bourbone); Hugenottenführer, rettete sich in der Bartholomäusnacht durch seinen (ersten) Übertritt zum Katholizismus. Mit der Absicht, den Widerstand der katholischen Partei zu brechen und Paris einzunehmen («Paris ist eine Messe wert»), trat er 1593 erneut zum Katholizismus über. 1598 beendete er durch das Edikt von Nantes die Hugenottenkriege; förderte die Herausbildung des Absolutismus.

Heinrich der Löwe, um 1129-6. 8.1195, Herzog von Bayern 1156/80 und Sachsen 1142/80, Welfe; Heinrich der Löwe führte eine selbständige Expansionspolitik im ostelbischen Slawengebiet (1143 Gründung Lübecks). Der Ausbau seiner Territorialherrschaft brachte ihn in Gegensatz zu Kaiser Friedrich I., der ihm unter anderem wegen Verweigerung der Lehensverpflichtungen 1180 die Reichslehen entzog und ihn ächtete; nur seine Erbgüter Braunschweig und Lüneburg erhielt er später zurück.

Heinrich der Seefahrer, portugiesisch Henrique o Navegador, 4.3.1394—13.11.1460, portugiesischer Prinz, Organisator des Seewesens; leitete seit 1416 mit der Entsendung von See-Expeditionen längs der westafrikanischen Küste die Zeit der portugiesischen Entdeckungen und damit der maritimen und kolonialen Macht Portugals ein.

Heinrich der Teichner, um 1310-um 1375, wahrscheinlich aus Österreich stammender mittelhochdeutscher Dichter; verfasste neben Legendendichtungen mehr als 700 didaktische Spruchgedichte, die für die österreichische Sozial- und Kulturgeschichte des 14. Jahrhundert aufschlussreich sind.

Heinrich Raspe, um 1204-16.2.1247, Landgraf von Thüringen seit 1227, letzter Ludowinger; Gegenkönig Friedrichs U. seit 1246, fand aber kaum Anerkennung.

Heinrich von dem Türlin, Dichter aus Kärnten; verfasste um 1215 das höfliche Epos «Der Abenteuer Krone», dessen Held der Artusritter Gawan ist.

Heinrich von Meißen, genannt Frauenlob, um 1250-1318, Dichter bürgerlicher Herkunft; schuf Minnelieder, Leiche und Sprüche; wurde von den Meistersingern als einer der Begründer des Meistergesangs verehrt.

Heinrich von Melk, österreichischer Laienbruder ritterlicher Herkunft, lebte im 12. Jahrhundert; verfasste erste bedeutende Satiren auf die Lebensweise des Feudaladels und des Klerus.

Heinrich von Morungen, um 1150-1222, Dichter; Ritter aus dem Südharz, 1213/21 im Dienst Dieterichs IV. von Meißen; neben Walther von der Vogelweide bedeutendster deutscher Minnesänger. Er besingt in originellen Bildern und Vergleichen formvollendet die hohe Minne; Nachwirkung bis ins 15. Jahrhundert; lebte im Spielmannslied «Vom edelen Möringer» (15. Jahrhundert) fort.

Heinrich von Ofterdingen, historisch nicht nachweisbarer Minnesänger, der in der Sage vom Sängerkrieg auf der Wartburg im Sängerwettstreit Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide unterliegt; Titelheld eines unvollendeten Romans von Novalis (1802).

Heinrich von Veldeke, um 1140-um 1200, Dichter, niederrheinische Ministeriale; verfasste unter dem Einfluss der Troubadourdichtung naturnahe, volkstümliche Minnelieder im limburgische Dialekt. Mit seinem Hauptwerk «Eneide» (etwa 1170/89; Äneas Epos, nach französischen Vorbild) wurde Heinrich von Veldeke zum Begründer der hochmittelalterlichen höflicher Epik; erste deutsche Bearbeitung eines antiken Stoffes im höfischen Sinne.

Heinse, Johann Jakob Wilhelm, 16.2.1746 bis 22.6.1803, Schriftsteller; gestaltete in dem ersten deutschen Künstlerroman, «Ardinghello und die glückseligen Inseln» (1787), nach freier, universeller Entfaltung und Sinnenfreude strebende Menschen, die gegen adlige Konvention und Philistermoral eine utopische Idealdemokratie errichten; verfasste auch meisterhafte Gemäldebeschreibungen.

Heiratsklassen: Völkerkunde für einige in der Urgesellschaft lebende Völker (besonders die australischen Ureinwohner) typische Vereinigung blutsverwandtschaftlicher Verbände zur Regelung der Heirat und der verwandtschaftlichen Beziehungen.

Heise, Wolfgang, geboren 8.10.1925, Germanist; seit 1964 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Heises Arbeiten gelten vor allem der historischen Entwicklung der Weltanschauung und des philosophischen Denkens wie den Grundfragen der Ästhetik in ihrer historischen Erscheinung. Veröffentlichungen sind unter anderem «Aufbruch in die Illusion» (1964), «Bild und Begriff» (1975, zus. mit J. Kuczynski), «Realistik und Utopie» (1982).

Heisenberg, Werner Karl, 5.12.1901-1.2.1976, Physiker; begründete 1925 mit M. Born und P. Jordan die Quantenmechanik in der Matrizenform, fand 1927 das nach ihm benannte Heisenbergsche Unschärfeprinzip, postulierte 1932 gleichzeitig mit D. D. Iwanenko den Aufbau der Atomkerne aus Protonen und Neutronen; arbeitete auch über Ferromagnetismus, Kernkräfte, kosmische Strahlung, Elementarteilchen, Supraleitfähigkeit unter anderem

Heisenbergsches Unbestimmtheitsprinzip, Heisenbergsche Unbestimmtheitsrelation, Unschärferelation: Prinzip der Quantenphysik, wonach die gleichzeitige genaue Messung zugeordneter Größen, zum Beispiel Ort und Impuls eines Teilchens oder Energie und Zeit, unmöglich ist, da ihre Messung einander ausschließende Messanordnungen erfordert: die Ortsmessung setzt eine möglichst vollständige Lokalisierung des Teilchens voraus, während dem Impuls eine sich über den ganzen Raum erstreckende Welle mit der De-Broglie-Wellenlänge (Materiewelle) zugeordnet ist. Sind der Ort x um Ax und der Impuls p„ in x-Richtung um Apx unbestimmt, so gilt für das Produkt dieser Unbestimmtheiten stets Ax • Apx a h/(4n) (ft Planck-Konstante). Das Heisenbergsche Unbestimmtheitsprinzip hat zur Folge, dass Elementarteilchen und Atomen keine Bahnkurven wie in der klassischen Mechanik zugeschrieben werden können, da dies die gleichzeitige Angabe von Ort und Impuls voraussetzen würde. In der Quantentheorie sind daher nur Wahrscheinlichkeitsaussagen möglich. Siehe auch Wellenfunktion, Komplementarität.

Heiserkeit: klanglose, raue oder belegte Stimme; hervorgerufen durch krankhafte Veränderungen der Stimmlippen oder Stimmstörungen, wie akute oder chronischen Entzündungen, gute oder bösartige Geschwülste und Stimmbandlähmungen.

heiße Elektronen: energetisch hochangeregte Elektronen, die in einem Halbleiter zum Beispiel unter dem Einfluss starker elektrischer Felder auftreten können, wenn die Energieaufnahme aus dem Feld größer ist als die bei üblichen Stoßprozessen abgegebene; heiße Elektronen sind unter anderem die Voraussetzung für das Entstehen des Gunn-Effektes.

Heißen, Hissen: seemännisch Hochziehen von leichten Gegenständen, zum Beispiel Flaggen.

heißes Geld, hot money: internationales Geld- und Fluchtkapital, das auf Grund spekulativer Erwartungen aus der Devisenarbitrage und Währungskursänderungen auf den kapitalistischen Devisenmärkten zwischen kapitalistischen Staaten mit unbeschränkter Devisenkonvertibilität kurzfristig von Land zu Land transferiert wird. Heute erheblicher Krisenfaktor des kapitalistischen Währungsmechanismus, besonders hinsichtlich des Floating und der Störungen im Zahlungsbilanzausgleich.

Heißhunger: übersteigerter Antrieb zur Nahrungsaufnahme, zum Beispiel bei stark abgesunkenem Gehalt an Glukose in den Geweben und im Blut oder gestörter Glukoseverwertung trotz normalen oder sogar erhöhten Glukosegehaltes (zum Beispiel beim Diabetes).

Heißlaufen, Trockenlaufen, Warmlaufen: übermäßige Erwärmung von umlaufenden oder hin- und hergehenden Maschinenteilen; entsteht meist infolge unzureichender Schmierung und kann unter anderem zum Festfressen führen.

Heißleiter, Thermistor: elektrisches Bauelement aus gesinterten Metalloxiden, dessen Leitfähigkeit mit steigender Temperatur zunimmt; Anwendung für Mess- und Regelzwecke.

Heißluftmotor, Heißgasmotor, Stirlingmotor (nach dem schottischen Erfinder): Kolbenkraftmaschine mit äußerer Verbrennung, welche die Wärmeenergie erhitzter Luft in mechanischer Energie umwandelt; 1816 erfunden. In letzter Zeit wurde der Heißluftmotor intensiv weiterentwickelt, da gegenüber den üblichen Verbrennungsmotoren Vorteile, wie Vielstoffeignung, geringe Schadstoffemission und niedriger Geräuschpegel, vorliegen.

Heißsiegeln:

1. Plastikverarbeitung: Schweißen.

2. Textilveredlung: Kaschieren oder Verkleben textiler Flächengebilde oder Glätten einer Oberfläche mit Hilfe thermoplastischer Faserstoffe, die im Flächengebilde enthalten sind, unter Einfluss von Wärme und Druck.

Heißwasserpumpe: Umwälzpumpe zur Förderung reiner heißer Flüssigkeiten, meist als einstufige horizontale Kreiselpumpe ausgeführt; angewendet in Heizungsanlagen für Zwangumlaufkessel und als Anfahrpumpe für Naturumlaufkessel.

Heister: Bezeichnung für Holzpflanzen über 2 m Höhe.

Heizbad: Vorrichtung zum gleichmäßigen, indirekten Erwärmen von Stoffen. Je nach dem Wärmeübertrager unterscheidet man zum Beispiel Luft-, Wasser-, Metall-, Öl- und Sandbad.

Heizdampf: für Heizzwecke verwendeter Dampf; besonders wirtschaftlich ist der Abdampf von Heizkraftwerken.

Heizelemente: in Gefäße oder Behälter eingebaute, von dem zu beheizenden Medium umgebene Heizapparate (elektrische Widerstände, von Dampf oder Warmwasser durchströmte Rohrschlange beziehungsweise Rippenrohre).

Heizfläche: für Festkörper, Flüssigkeiten und Gase undurchdringliche, meist metallische Fläche zwischen einem wärmeabgebenden und einem kühleren wärmeaufnehmenden Medium. Die Heizfläche gibt die aufgenommene Wärme an den zu erwärmenden Stoff (zum Beispiel Wasser) oder Körper weiter.

Heizkörper: a) Elektrowärmegerät zum Heizen von Räumen;

b) Konstruktionselement (Heizelement) eines Elektrowärmegerätes. Unterschieden werden freistrahlende Heizkörper ohne Isolierabdeckung, ein gebettete oder abgedeckte Heizkörper (Perlenheizkörper, Glimmerheizkörper), schmiegsame Heizkordel und -kabel sowie aufgespritzte oder aufgedruckte Heizkörper.

c) Teil der Zentralheizungsanlage, der zur Wärmeabgabe an den zu beheizenden Raum bestimmt ist. Siehe auch Konvektor, Radiator.

Heizkraftwerk, Industriekraftwerk: Dampfkraftwerk, das neben Elektroenergie Heizwärme erzeugt (Wärmekraftkupplung) und in ein Heiznetz speist; bei großflächiger Wärmeversorgung auch Fernheizkraftwerk genannt.

Heizleiter: Werkstoffe mit relativ hohem elektrischen Widerstand und geringer Oxydationsneigung bei hohen Temperaturen für Heizelemente in Elektroofen. Nach erfordert. Betriebstemperatur verwendet man zum Beispiel für 950 bis 1250 °C zu Draht oder Bändern verarbeitete Eisen-Chrom-Nickel- und Eisen-Chrom-Aluminium-Legierungen sowie Legierungen auf der Basis von Nickel (Inconel), für Spezialzwecke auch Platin. Bis 1400 °C werden Stäbe aus Siliziumkarbid in keramischer Bindung (Silit) und für noch höhere Temperaturen in Laboröfen Rohre aus Kohlenstoff eingesetzt.

Heizöl: aus Erdöl, Schieferöl, Steinkohlen- oder Braunkohlenteeren gewonnener flüssiger Brennstoff. Es gibt mehrere, dem Verwendungszweck angepasste Heizöltypen, zum Beispiel ist leichtes Heizöl für Haushaltheizung ein helles, niedrigviskoses Öl, das vorwiegend aus Erdöldestillaten (Gasöl) besteht. Als schweres Heizöl, zum Beispiel Masut, setzt man meist Rückstandsöle der Erdöldestillation ein; es ist braunschwarz und hochviskos.

Heizung: 1. bei Elektronenröhren das Erwärmen der Kathode mittels elektrischer Leistung, damit Elektronen durch Glühemission austreten; man unterscheidet direkte Heizung (bei Metall-) und indirekte Heizung (bei Oxidkathoden).

2. Anlage zur Erwärmung, zum Beispiel von Räumen, um eine den Lebensbedürfnissen von Mensch, Tier und Pflanze angepasste Raumtemperatur zu erzeugen und aufrecht zu erhalten. Heute fordert man in Wohnräumen eine gleichmäßige milde Wärmeabgabe der Heizkörper bei Oberflächentemperaturen unter 100 "C, um der unhygienischen Staubverschwelung zu begegnen. Bei der Einzelheizung befindet sich die Wärmequelle in dem zu beheizenden Raum (Ofen). Bei der Sammelheizung (Zentralheizung) wird die zum Beheizen eines Hauses oder Gebäudekomplexes nötige Wärme in einer zentralen Kesselanlage erzeugt und durch Wärmeträger (Warmwasser, Dampf oder Heißluft) weitergeleitet. Die Warmwasserheizung ist eine Schwerkraftheizung mit natürlichem Umlauf (wärmeres, infolge Verringerung der Dichte leichteres Wasser steigt in den Steigrohren nach oben). Bei der Etagenheizung sind Kessel und Heizkörper meist im gleichen Stockwerk. Die Pumpenheizung überwindet den bei großer waagerechter Ausdehnung des Gebäudes erhöhten Rohrwiderstand durch Zwischenschalten von Pumpen. Bei der Dampfheizung sind infolge des hohen Wärmeinhaltes des Dampfes nur enge Rohrleitungen und wegen der gegenüber einer Warmwasserheizung hohen Wärmeübertragungszahl nur kleinere Heizkörper erforderlich. Die Luftheizung wird für die Beheizung sehr großer Räume eingesetzt. Nach Art der Wärmeerzeugung unterscheidet man Kohle-, Öl-, Gas- und elektrische Heizung

Heizwert: die freiwerdende Wärmemenge in Kilojoule (kJ) bei der vollständigen Verbrennung von 1 kg festem oder flüssigem beziehungsweise 1 ms gasförmigem Brennstoff. Die Verbrennungswärme ist um die Verdampfungswärme des beteiligten Wassers größer.

Hekabe, Hecuba, in der griechischen Sage Frau des Königs Priamos von Troja, Mutter von Hektor, Paris, Kassandra unter anderem; erlebte bei der Zerstörung Trojas den Tod aller Angehörigen, wurde die Sklavin des Odysseus und später in einen Hund verwandelt.

Hekataios von Milet, um 560-um 478 vor Christus, einer der bedeutendsten Logographen; beteiligte sich am Ion. Aufstand. Er verfasste kritische, aber stark mythologisch beeinflusste Werke und entwarf die älteste bekannte Erdkarte.

Hekatombe: bei den alten Griechen kultischen Opfer von 100 Stieren; übertragen gewaltige Menschenverluste.

Hekla: (isländisch, «Kapuze») Vulkan im Süden Islands; 1491 m; aus Lava und Lockermaterial, an einer 8 km langen tektonischen Spalte entstanden; letzter Ausbruch 1981.

Hektarertrag: auf die Flächeneinheit von 1 ha bezogener Ernteertrag in dt/ha.

Hekto: (griechisch hekaton, «hundert») Vorsatz (l00faches) einer Maßeinheit.

Hektographie Verfahren, Hekto Verfahren, Spirit-Umdruckverfahren, Umdruckverfahren: Vervielfältigungsverfahren, bei dem ein vorher im Kontakt mit einem speziellen Farbpapier beschriftetes oder mit Zeichnungen versehenes Papierblatt gleichzeitig Druckform und Farbgeber ist; mittels spiritushaltigen Lösungsmittels überträgt sich der Farbstoff unter Druck auf die Kopien.

Hektor, in der griechischen Sage Sohn des Königs Priamos von Troja und der Hekabe, Gatte der Andromache, Tapferster und Anführer der Trojaner; tötete Patroklos im Zweikampf und fiel durch die Hand des Achill. Seinen Leichnam schleifte Achill am Streitwagen zum Lager; er wurde durch einen Bittgang des Priamos ausgelöst.

Hel: (nordisch, «die Verhüllende») in der nordischen Mythologie ursprünglich das Totenreich, später Göttin des Todes, der Unterwelt; Tochter Lokis; siehe auch Niflheim.

Held: Mensch, der sich mutig außerordentlich schwer zu bewältigenden Aufgaben stellt und alle Kräfte für ihre Lösung einsetzt. Der soziale Charakter der Aufgaben bestimmt den Charakter des Heldentums. Siehe auch Heroismus, Mut.

Held: 1. Held, eigentlich Herzfeld, Franz, 30.5.1862 bis 4.2.1908, Schriftsteller; stand als radikaler Sozialist dem Naturalismus nahe. Held wurde wegen seiner gesellschaftskritischen Werke (Drama «Manometer auf 99!», 1893; Gedichte «Trotz alledem!», 1893) verfolgt und musste emigrieren.

2. Martin Held, geboren 11.11.1908, Schauspieler in der BRD und Westberlin; seit 1951 Mitglied des Schiller-Theaters, Westberlin, gestaltete er viele große Charakterrollen sowohl des klassischen wie des modernen Repertoires; wurde auch als Filmschauspieler bekannt, unter anderem in Filmen von W. Staudte («Rosen für den Staatsanwalt»),

3. Wolfgang Held, geboren 12.7.1930, Schriftsteller; schreibt Abenteuerromane («Das Licht der schwarzen Kerze», 1967), Kinder- und Jugendbücher («Das Steingesicht von Oedeleck», 1966) sowie Filmszenarien.

Heldenbuch: im 15./16. Jahrhundert entstandene Sammlung von (auch bearbeiteten) alten Heldensagen, zum Beispiel das Dresdener Heldenbuch (1472) und das Ambraser Heldenbuch (1504/16).

Heldenlied: zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert verbreitete germanische Ausgangsform für das Heldenepos (Epos), eine balladeske Dichtform aus zwei- bis fünfzeiligen Strophen mit Stabreim. Behandelt werden vorwiegend Stoffe aus der germanischen Heldensage der Zeit der Völkerwanderung. Einziges erhaltenes deutsches Heldenlied ist das Fragment des Hildebrandliedes (um 800).

Heldensage: Vorform des Heldenliedes und des Heldenepos; sie entstand bei den germanischen Stammesverbänden auf der frühen Kulturstufe des Überganges von der Urgesellschaft zum Feudalismus. Sagenkreise bildeten sich um Dietrich von Bern, Walter von Aquitanien, Siegfried, Attila, König Rother unter anderem.

Helder: Küstengebiet, das bereits von Pflanzen besiedelt, aber noch nicht eingedeicht und daher gegen Überflutung ungeschützt ist (Watt). Siehe auch Polder.

Helena: Hauptstadt des Bundesstaates Montana (USA); 24000 Einwohner; Goldbergbau; Flughafen; Kurort; Zentrum eines landwirtschaftlichen Gebietes.

Helena, Helene, in der griechischen Sage die schönste Frau des Altertums, Tochter des Zeus und der Leda, Schwester der Klytämnestra, vermählt mit König Menelaos von Sparta. Im Streit der Göttinnen um den Preis der Schönheit, den Apfel der Eris, wurde sie von Aphrodite Paris versprochen; ihre Entführung durch Paris löste den Trojanischen Krieg aus. Nach der Zerstörung Trojas wurde sie von Menelaos nach Sparta heimgeholt.

Helene-Weigel-Medaille: staatliche Auszeichnung, die in Anerkennung außergewöhnliche und vorbildliche Leistungen sozialistisch-realistischer Darstellungskunst verliehen wird; 1980 gestiftet.

Helgilieder: 3 Heldenlieder der Edda unterschiedlichen Alters (10./12. Jahrhundert), verderbt überliefert; unsicher ist, ob Dänemark als Heimat gelten darf.

Helgoland: Nordseeinsel der BRD, in der Helgoländer Bucht, 45 km von der Westküste Schleswig-Holsteins entfernt; 2,1km2, 2 200 Einwohner; gegliedert in Oberland (58 m hoher rotbrauner Buntsandsteinblock) und Unterland mit Gemeinde Helgoland (Seeheilbad, Hafen); 1,5 km östlich der Insel die Helgoländer Düne (Badestrand, Flugplatz); biologische Station; starker Fremdenverkehr. Seit 1402 gehörte Helgoland zum Herzogtum Schleswig; 1714 zu Dänemark und seit 1814 zu Großbritannien (bereits seit 1807 besetzt). 1890 erhielt Deutschland Helgoland im Tausch gegen Sansibar (H.-Sansibar-Vertrag). Im 1. Weltkrieg fand am 28.8.1914 bei Helgoland ein Seegefecht zwischen deutschen und britischen Seestreitkräften statt, dabei sanken 4 deutsche Kriegsschiffe. Nach beiden Weltkriegen wurden die Befestigungen geschleift. Helgoland wurde 1947/52 trotz zahlreicher Protestaktionen, besonders der Jugend, von der britischen Luftwaffe als Übungsziel benutzt; 1952 der BRD zurückgegeben.

Heliaden: in der griechischen Sage Töchter des Sonnengottes Helios; wurden aus Trauer um den Tod des Bruders Phaeton zu Pappeln, ihre Tränen zu Bernstein.

heliakisch: auf die Sonne bezüglich; siehe auch Aufgang.

Helland: («Heiland») volkstümliche altsächsische Evangeliendichtung, etwa 6000 stabreimende Langzeilen; verfasst um 830 von einem unbekannten Geistlichen. Der biblische Stoff wird der Vorstellungswelt der unterworfenen Sachsen angepasst: Christus wird als König dargestellt, die Jünger als seine Gefolgsleute.

Helikon: Bergstock am Golf von Korinth, in der griechischen Landschaft Böotien; bis 1748 m; galt in der Antike als Sitz der Musen; Bauxitabbau.

Heliodor, 3. oder 4. Jahrhundert, griechischer Romanschriftsteller; in seinem vielgelesenen Roman «Aithiopika» («Die äthiopischen Abenteuer») erzählt er das Schicksal der äthiopischen Königstochter Charikleia und ihres Geliebten Theagenes.

Heliogravüre, Fotogravüre, Gravüre (französisch germanisch) Heliographie (griechisch):

a) Verfahren zur fotomechanischen Herstellung einer Kupfertiefdruckform;

b) das davon auf Kupferhanddruckpressen hergestellte graphisches Blatt.

Heliopolis: (griechisch, «Sonnenstadt») altägyptische Stadt, 12 km nördlich von Kairo; war der Kultort des Sonnengottes Re und galt neben Memphis und Theben als heiligste Stadt Ägyptens; bereits in der Antike verfallen.

Helios: (griechisch, «Sonne») Bezeichnung für unbemannte, in Deutschland gebaute Sonden zur Erforschung des sonnennahen Raumes; Helios 1 wurde 1974, Helios 2 1976 von den USA gestartet.

Helios, griechischer Sonnengott, Sohn des Hyperion, daher auch Helios Hyperion genannt, Bruder von Selene und Eos; führte mit 4 feurigen Rossen den Sonnenwagen täglich über den Himmel.

Heliotechnik: Wissenschaftsgebiet, das sich mit Energieumformung aus Sonnenstrahlung beschäftigt.

Heliotherapie: Nutzung des Sonnenlichtes, insbesondere seiner Ultraviolettstrahlung, zur Behandlung von Krankheiten.

Heliotrop:

1. Heliotrop - Geodäsie: von C. F. Gauß 1820 entwickeltes Leuchtgerät mit Visiereinrichtung und Spiegeln, das bei der Winkelmessung für die Triangulation Sonnenlicht vom Zielpunkt zum Beobachtungspunkt reflektiert; wurde durch elektrischen Scheinwerfer abgelöst.

2. Heliotrop - Geologie: Mineral; Quarz.

Heliotropin: farblose, kristallisierte vanilleartig riechende Substanz. Heliotropin kommt in ätherischen Ölen vor, wird synthetisch gewonnen und in Parfümerie und Galvanotechnik verwendet.

heliozentrisch: (lateinisch griechisch) auf die Sonne allgemein oder den Sonnenmittelpunkt speziell bezogen. Das erste heliozentrische Weltbild (Sonne als Mittelpunkt des Weltalls) wurde von Aristarch gelehrt, setzte sich aber nicht durch. Erst das von N. Kopernikus aufgestellte kopernikanische Weltbild fand nach langen Auseinandersetzungen allgemeine Anerkennung. Das heutige astronomische Weltbild insgesamt ist nicht h, da die Sonne nicht im Zentrum des Milchstraßensystems steht.

Helium, (lateinisch griechisch helios, «Sonne») Symbol He: chemisches Element der Kernladungszahl 2; Edelgas; Atommasse 4,0026. Helium ist in der Luft (0,0005 Vol.-%) und manchen Erdgasen enthalten, in der Sonne zu 15 Atom-% (36 Massen-%). Es bildet sich in den Fixsternen aus Wasserstoff sowie in radioaktiven Mineralen aus Uran. Helium ist farb- und geruchlos. Die flüssige Modifikation Helium II bildet sich aus normalem Helium (H. I) unterhalb -270,97 °C; sie ist suprawärmeleitend (1000mal besser als Silber) und suprafluid (praktisch ohne Zähigkeit), überkriecht zum Beispiel spontan Gefäßwände als dünner Film. Helium wird unter anderem für Laser, Ballonfüllungen und Tiefseetaucherluft verwendet. Helium wurde 1868 von Norman Lockyer (1836-1920) spektralanalytisch auf der Sonne und 1895 von W. Ramsay sowie Per Teodor Cleve (1840-1905) auf der Erde entdeckt.

Heliumstern: Stern, der im Ergebnis seiner Entwicklung viel mehr Helium als gewöhnliche Sterne, dagegen nur wenig Wasserstoff enthält.

Helix: (griechisch, «Schnecke») Anatomie Ohrleiste, Ohrkrempe; äußerer, umgebogener Rand der Ohrmuschel.

Helixstruktur: schraubenförmige Sekundärstruktur bei Proteinen, Nukleinsäuren und Polysachariden. Eine Helixstruktur wird meist durch Nebenvalenzbindungen wie zum Beispiel Wasserstoffbrücken stabilisiert. Sonderfälle der Helixstruktur sind Doppel-, Tripel- und Superhelices, bei denen mehrere schraubig angeordnete Molekülketten umeinander gewunden sind. Die Helixstruktur ist ein Spezialfall der Chiralität.

Helizität: Projektion des Spin Vektors eines Elementarteilchens auf dessen Bewegungsrichtung. Die Helizität hängt für massive Teilchen vom Bezugssystem ab, für masselose Teilchen weist der Spin Vektor jedoch stets in beziehungsweise entgegen der Bewegungsrichtung (positive Helizität, zum Beispiel bei Antineutrinos, beziehungsweise negative Helizität, zum Beispiel bei Neutrinos); die Helizität ist daher für Teilchen mit Ruhmasse Null eine innere Eigenschaft und charakterisiert einen Schraubensinn oder eine Händigkeit.

Hell, Rudolf, geboren 19.12.1901, Ingenieur und kapitalistischer Unternehmer, Erfinder des Hell-Schreibers, der Druckform-Graviermaschinen Klischograph und Helio-Klischograph, der Scanner Colorgraph und Chromagraph, des elektronischen Seiten-Montagesystems Chromacom und der Fotosetzmaschine Digiset.

Hellas: ursprünglich eine südthessalische Landschaft, dann Name Mittelgriechenlands, später antike Bezeichnung für das gesamte Griechenland.

Hellberg, Martin, geboren 31.1.1905, Schauspieler, Theater- und Filmregisseur, Schriftsteller; Professor für Filmregie; 1949/52 Generalintendant der Staatstheater Dresden; schuf seit 1952 15 Filme, unter anderem «Das verurteilte Dorf», «Geheimakten Solvay», «Thomas Müntzer», «Der Richter von Zalamea», «Kabale und Liebe»; schrieb unter anderem «Bühne und Film» (1955), die Erinnerungen «Die bunte Lüge» (1974), «Im Wirbel der Wahrheit» (1978) und «Mit scharfer Optik» (1982).

Hellberge: Endmoränenzug in der Altmark, nordwestlich von Gardelegen, Teil des südlichen Landrückens; bis 160 m.

Helldunkel: Gestaltungsweise in Malerei und Graphik, die auf dem Spannungsverhältnis von hellbeleuchteten und schattendunklen Partien beruht.

Hellebarde: Hieb- und Stichwaffe des Mittelalters, bis in die 2.Hälfte des 16. Jahrhundert Kriegswaffe, dann Trabanten- (Leibgarden-) Waffe, am päpstlichen Hofe bis in die Gegenwart.

Hellempfindlichkeitsgrad, spektraler: auf die maximale spektrale Empfindlichkeit bezogene spektrale Empfindlichkeit des menschlichen Auges bei Leuchtdichten g 10 cd/m2 (helladaptiertes Auge), Zeichen V(2). Das Maximum liegt bei der Wellenlänge X = 555 nm (Gelbgrün). Der Bereich 380 nm % X s 780 nm, in dem der spektrale Hellempfindlichkeitsgrad ungleich Null ist, stellt den sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums dar. Siehe auch Lichtstrom.

Hellenen: die Bewohner von Hellas; Gesamtbezeichnung aller griechischen Stämme seit dem 7. Jahrhundert vor Christus; später ausgedehnt auf alle Menschen mit griechischer Sprache und Kultur.

Hellenismus: durch J. G. Droysen 1836 in seiner «Geschichte des Hellenismus» erstmalig benutzter Terminus für die historische Epoche von der Eroberung des Perserreiches durch Alexander den Großen (336 vor Christus) bis zur Niederwerfung und Einbeziehung des letzten Diadochenstaates Ägypten in das römische Reich (30 vor Christus). Während die bürgerliche Historiographie im Hellenismus in erster Linie eine kulturgeschichtliche Erscheinung sieht, die durch die Weitergabe griechischen Kulturgutes an die orientalische Völkerschaften des Alexanderreiches charakterisiert ist, begreift die marxistisch-leninistische Geschichtswissenschaft den Hellenismus als Sozialökonomische Periode. Die zu Beginn des 4. Jahrhundert vor Christus die griechische Polis erschütternde Krise war nur durch die Abschaffung der politischen Zersplitterung Griechenlands, die Eroberung neuer Märkte im Orient und die Beseitigung des Elends der Massen in den griechischen Städten (durch Beschäftigung im Exporthandwerk und Handel, Auswanderung in orientalische Länder unter anderem) zu überwinden. Die makedonische Eroberung Vorderasiens und Ägyptens erfüllte diese Aufgaben weitestgehend. Doch der Aufschwung der Sklavenhaltergesellschaft war auf die Dauer nur in den ehemals rückständigen Gebieten Griechenlands wirksam (zum Beispiel Ätolien, Arkadien). In den östlichen Gebieten breitete sich die griechische Form der Sklaverei aus, obwohl altorientalische Formen der Ausbeutung fortexistierten. Es vollzog sich eine Synthese griechischer und orientalischer Produktionsverhältnisse. Griechische Sprache und Kultur dehnten sich in den orientalischen Ländern aus, während sie ihrerseits viele orientalische Elemente aufnahmen. Athen blieb im Hellenismus die bedeutendste Heimstatt der Philosophie. Es bildeten sich von der Philosophie getrennte Spezialwissenschaften heraus (unter anderem Medizin, Astronomie, Mathematik). Weitere Wissenschaftszentren waren im Hellenismus Pergamon, Alexandria und Syrakus. Die einheitliche griechische Verkehrssprache, die in allen hellenistischen Staaten gesprochen wurde, war die Koine.

hellenistische Kunst: Bezeichnung für die griechische Kunst im Mittelmeerraum von Alexander dem Großen bis zum Beginn der römischen Kaiserzeit. Die hellenistische Kunst baut auf Stiltendenzen des 4. Jahrhundert vor Christus vornehmlich auf, ältere Stilformen frei verarbeitend. Deshalb ist ihre Eigenart nicht eindeutig gekennzeichnet; als Hauptmerkmal darf die Zerstörung der griechischen Einheit von Inhalt und Form gelten. Das äußert sich besonders in der Architektur, indem den Gebäuden dekorative Schmuckglieder und kulissenhafte Fassaden vorgeblendet werden. entsprechend stehen auch im Vordergrund der hellenistischen Stadtanlage, die auf der systematische Planung des Hippodamos von Milet beruht, mit prächtigen Säulengängen ausgestattete geradlinige Hauptstraßen, die als Achsen auf einen architektonischen Blickfang hinführen. Mit dieser Umbildung, die weniger praktischen als repräsentativen Zwecken diente, wurde der Hauptgrundsatz der auf Zweckmäßigkeit ausgerichteten griechischen Stadtarchitektur verletzt. Die hellenistische Plastik des 3. und 2. Jahrhundert vor Christus war entscheidend durch Praxiteles und Lysipp geprägt, die des 1. Jahrhundert vor Christus in archaistischen und klassizistischen Manier an Werken des 6. und 5. Jahrhundert vor Christus orientiert (neuattische Bildhauerschule). Hervorragende hellenistische Leistungen liegen in der Ausbildung der Figurengruppe und des Individualporträts. Innerhalb der hellenistischen Kunst lassen sich die lokalen Schulen von Pergamon und von Alexandria nachweisen; alle übrigen Kunstzentren scheinen in einem panhellenistischen Stil aufgegangen zu sein.

Heller: 1. Heller, Haller, eigentlich Häller: seit dem 12./13. Jahrhundert in Schwäbisch Hall geprägte Silbermünze; als Kupfermünze auch roter Heller genannt.

Heller: 1. Bert, 30.3.1912-29.4.1970, Maler- und Graphiker; 1950/53 Meisterschüler bei Heller Ehmsen, seit 1953 Professor an der Kunsthochschule Berlin. Heller gehörte mit psychologisch eindringlich und malerisch sensibel gestalteten Porträts von Persönlichkeiten der DDR (B. Brecht, W. Pieck) und mit Wandbildern zu den bedeutendsten Künstlern der DDR.

2. Joseph, geboren 1.5.1923, US-amerikanischer Schriftsteller; gestaltet in sprachlich und erzähltechnisch vielschichtigen sozialkritischen Romanen mit schwarzem Humor die Absurdität des Krieges («Der IKS-Haken», 1961, deutsch) und der US-Gesellschaft («Was geschah mit Slocum?», 1975, deutsch; «Gut wie Gold», 1979, deutsch).

Hellespont: altgriechischer Name der Dardanellen, benannt nach der hier der Sage nach ertrunkenen Helle.

Helligkeit:

1. Astronomie: Maß für die von einem Gestirn empfangene Lichtmenge. Der griechische Astronom Hipparch teilte die Sterne nach ihrer Helligkeit in 6 Klassen ein, wobei er die hellsten als Sterne der 1.,die schwächsten sichtbaren als solche der 6. Größe bezeichnete und der Helligkeitsunterschied zwischen Sternen 1. und 2. Größe und zwischen Sternen 2. und 3. Größe und so weiter gleich groß war. Dieser historischen Festlegung kommt auch die heute gebräuchliche Pogsonsche Helligkeitsskala nahe. Sie wurde 1857 von dem britischen Astronomen Norman Robert Pogson (1829-1891) eingeführt. Danach ist die Größenklasse (Sterngröße, Größe, Zeichen m (von lateinisch magnitudo)) definiert durch m = 2,5 lg (E^/E,), wobei E, die von einem Stern auf der Erde hervorgerufene Beleuchtungsstärke ist. Eyo bestimmt den Nullpunkt der Skale; dafür wurde die Helligkeit des Polarsterns zu m = 2,12 festgelegt (als Kurzzeichen 2? 12 geschrieben), später benutzte man dazu die Sterne der Polsequenz. Der Faktor 2,5 wurde so festgesetzt, dass früher bestimmte Werte der Größenklasse annähernd beibehalten werden konnten. Für die Größenklassendifferenz zweier Sterne gilt m,-m2= -2,5 lg, wobei Ei und E2 die von ihnen hervorgerufenen Beleuchtungsstärken sind. Die hellsten Sterne erhalten negative Größenklassen. Die schwächsten, mit den größten astronomischen Geräten erkennbaren Sterne haben etwa 27". Die Intensität der Sternstrahlung ist wellenlängenabhängig. Die Helligkeit hängt deshalb von der spektralen Empfindlichkeit des Strahlungsempfängers beziehungsweise etwaiger vorgeschalteter Filter ab. Die Differenz zweier Helligkeit in verschiedenen Spektral- oder Farbbereichen heißt Farbenindex. Der Farbexzeß ist die Differenz zwischen dem individuellen Farbenindex eines Sterns und dem mittleren Farbenindex der Sterne seiner Spektralklasse. Die unmittelbar gemessene (und wegen des Einflusses der Erdatmosphäre korrigierte) Helligkeit ist von der Entfernung des Sterns abhängig und sagt wenig über die von ihm ausgesandte Energiemenge aus; sie heißt scheinbare Helligkeit Die auf eine einheitliche Entfernung von 10 Parsek bezogene Helligkeit bezeichnet man als absolute Helligkeit (Zeichen M). Siehe auch Entfernungsmodul, Leuchtkraft.

2. Optik: subjektiv empfundene Wirkung des sichtbaren Lichtes; als lichttechnische Begriff nur in Form der scheinbaren Helligkeit 1 in der Astronomie angewendet.

Helling: nach dem Wasser hin geneigter Schiffbauplatz. Je nachdem, ob die Schiffe in ihrer Längsrichtung oder quer dazu ablaufen, spricht man von Längshelling (für Seeschiffe) oder Querhelling (besonders für kleine Seeschiffe und Binnenschiffe).

Hellman, Lillian, 20.6.1905-29.6.1984, US-amerikanische Dramatikerin; verfasste gesellschaftskritische und antifaschistische Dramen («Die kleinen Füchse», 1939, deutsch; «Auf der anderen Seite», 1941, deutsch) und schrieb eine Autobiographie.

Hellmann, Gustav, 3.7.1854-21.2.1939, Meteorologe; 1886/1922 Professor, seit 1922 Direktor des Preußischen Meteorologischen Instituts in Berlin; lieferte grundlegende Beiträge über Niederschlagsverhältnisse in Deutschland und zur Geschichte der Meteorologie.

Hellmesberger, Joseph, 9.4.1855-26.4.1907, österreichischer Violinist, Dirigent und Komponist; unter anderem 1890 Wiener Hofkapellmeister; schrieb Operetten, Tanzmusik, Lieder.

Hellriegel, Hermann, 21.10.1831-24.9.1895, Agrikulturchemiker; entdeckte, dass Schmetterlingsblütler durch Symbiose mit Knöllchenbakterien den freien Stickstoff der Luft binden können.

Hell-Schreiber: (nach R. Hell) Drucktelegraf, der jedes Schriftzeichen in einen Raster von 7 Zeilen und 7 Spalten zerlegt und die einzelnen Rasterelemente spaltenweise als elektrische Impulsfolge überträgt. Empfangsseitig betätigen die Stromimpulse über einen Elektromagneten das Schreibwerk, das die Zeichen spaltenweise aufzeichnet. Vorteil des Hell-Schreiber ist die hohe Störsicherheit gegen Zeichenverfälschungen.

Hellsehen: angebliche Fähigkeit, ohne bekannte Sinneswahrnehmung räumlich oder zeitlich Entferntes zu erkennen oder vorauszusehen. Siehe auch Okkultismus.

Hellsteuerung: Hervorheben eines oder mehrerer Abschnitte im Schirmbild eines Elektronenstrahloszilloskops durch größere Helligkeit; gleichwertig ist die Unterdrückung unerwünschter Abschnitte durch Dunkelsteuerung.

Hellstrahler: Elektrowärmegerät, das außer Infrarotstrahlung in erheblichen Maße sichtbares Licht abgibt. Siehe auch Infrarotstrahlungserwärmung.

Helm: (helan, «verbergen»)

1. Heraldik: neben dem Schild zweiter Hauptbestandteil eines vollständigen Wappens, häufig mit einem Helmkleinod geschmückt.

2. Militärtechnik: Kopfschutz unter anderem aus Metall, Leder, zuerst bei den Sumerern (um 3000 vor Christus) nachweisbar; Spangenhelm zur Zeit der Völkerwanderung; Topfhelm (12./13. Jahrhundert), Beckenhaube (14. Jahrhundert) und Schallern (15. Jahrhundert) als Teil der Ritterrüstung; danach leichtere Sturmhaube und Landsknechts Helm (Morion, 16. Jahrhundert, und Zischägge, 17. Jahrhundert, als Sonderformen); im 19. Jahrhundert nach antikem Vorbild Dragonerhelm, seit der preußischen Pickelhaube (1842) allgemeine Wiedereinführung des Helm in den europäischen Armeen; seit dem 1. Weltkrieg allgemein der Stahlhelm.

Helmand, Hilmend: Fluss in Afghanistan; 1100 km; entspringt im Kuh-i-Baba, durchfließt die Wüsten und Wüstensteppen Südafghanistans und endet im abflusslosen Salzsumpf Hamun-i-Sabari; bei Kajakai aufgestaut; beiderseits Bewässerungsanlagen.

Helmbohne, Dolichos lablab: windendes, einjähriges Schmetterlingsblütengewächs mit helmartigem Samennabel. In den Tropen als Futter- und Gemüsepflanze angebaut; wird auch zur Gründüngung verwendet.

Helme: linker Nebenfluss der Unstrut; 90 km; entspringt nordwestlich der Ohm Berge südlich vom Harz, durchfließt die Goldene Aue und mündet bei Artem; bei Kelbra zum Helme-Stausee (14,3 km2, Stauraum 35,6 Millionen m3; Naherholungsgebiet) aufgestaut; Trockenlegung des Helmerieds.

Helmert, Friedrich Robert, 31.7.1843-15.6.1917, Geodät; Professor in Aachen und Berlin, Direktor des Geodät. Instituts Potsdam und des Zentralbüros der internationalen Erdmessung.

Helmholtz, Hermann, 31.8.1821-8.9.1894, Physiker und Physiologe; seit 1871 Professor für Physik in Berlin und ab 1888 Präsident der physikalisch-techn. Reichsanstalt. Helmholtz begründete 1847 den Satz von der Erhaltung der Energie, entwickelte Methoden der Nervenphysiologie, erfand 1850 den Augenspiegel und begründete die Ophthalmologie, schuf eine Theorie des Sehvorgangs und arbeitete über Akustik. Er lieferte auch grundlegende Arbeiten über Hydro- und Elektrodynamik.

Helmholtz-Lagrangesche Invariante: (nach Helmholtz-Lagrangesche Invariante Helmholtz und J. L. Lagrange) Grundgleichung für die Gaußsche Abbildung an einer brechenden oder spiegelnden Rotationsfläche. Die Helmholtz-Lagrangesche Invariante I. verbindet die Brechzahlen n, n', die Schnittwinkel a, a' der Strahlen mit der optischen Achse sowie Objekt- und Bildgröße y, y' miteinander. Bei Spiegeln ist formal n' = -n zu setzen. Siehe auch Abbesche Invariante.

Helmholtzsche Wirbelsätze: (nach Helmholtzsche Wirbelsätze Helmholtz) physikalische Gesetze für Wirbel in idealen (reibungsfreien) Flüssigkeiten. insbesondere können nach den Helmholtzsche Wirbelsätze in idealen Flüssigkeiten Wirbel nicht entstehen oder verschwinden, sie werden also stets durch Reibung an den Gefäßwänden verursacht. Siehe auch Anfahrwirbel, Wirbel.

Helminthen: Würmer, die parasitisch vor allem in den Eingeweiden leben; siehe auch Helminthologie.

Helminthologie: Lehre von den schmarotzenden Würmern (Helminthen); Grenzgebiet zwischen Medizin und Zoologie.

Helmkleinod, Helmzier: seit dem 13. Jahrhundert plastischer Schmuck des Ritterhelms. In der Heraldik Bestandteil des Vollwappens, der häufig das Schildbild wiederholt. Meist gehört zu ihm die Helmdecke, ein hinten über den Helm herabhängendes Tuch.

Helmkopf, Caudiverbera caudiverbera: bis 20 cm langer Froschlurch, dessen Kopfhaut helmartig mit den Schädelknochen verwachsen ist; bewohnt größere Gewässer Chiles.

Helmold von Bosau, um 1120-nach 1177, Geschichtsschreiber; war Pfarrer in Bosau (Holstein); verfasste 1163/68 und um 1172 die «Chronica Slavorum» (Slawenchronik), die eine wichtige Quelle für die Geschichte der westslawischen Völker (besonders in Holstein, Mecklenburg und Brandenburg) sowie für die feudale Ostexpansion im 12. Jahrhundert ist.

Helmont, Johann Baptist van, 12.1.1579 bis 30.12.1644, niederländischer Arzt, Chemiker, machte besonders auf gasförmige Stoffe als Teilnehmer chemischer Reaktionen aufmerksam und führte den Begriff «Gas» ein.

Helmstedt: Kreisstadt in Niedersachsen, südöstlich von Braunschweig; 27000 Einwohner; Braunkohlen-, Salzförderung; Textilindustrie, Möbel- und Zementherstellung; Grenzübergang zur DDR; Benediktinerkloster St. Ludgeri (11. Jahrhundert), Fachwerkbauten.

Helophyten: Sumpfpflanzen, die mit ihren Wurzeln und unteren Sprossteilen im Süßwasser stehen. Bei manchen Arten finden sich in Anpassung an den sauerstoffarmen Standort Atemwurzeln, die aus dem Wasser ragen und durch feine Öffnungen (Pneumatoden) Luft aufnehmen (zum Beispiel Mangrovepflanzen).

Heloten: (griechisch, «Gefangene») die durch die Dorier unterworfene achäische Bevölkerung Lakoniens und Messeniens, welche als Staatssklaven die Landanteile der Spartiaten bestellten und diese als Waffenträger in den Krieg begleiteten. Sie unternahmen wegen der grausamen Behandlung durch die Spartiaten wiederholt mächtige Aufstände.

Helsinki, schwedisch Helsingfors: Hauptstadt Finnlands und Verwaltungszentrum der Provinz Undenmaan, auf einer Halbinsel am Finn. Meerbusen; 480000 Einwohner, mit den Satellitenstädten Espoo (Esbo, 140000 Einwohner), Vantaa (Vanda, 130000 Einwohner) und Hyvinkää (Hyvinge, 37000 Einwohner) als Groß-Helsinki 782000 Einwohner; Verwaltungs-, Kultur- und Wirtschaftszentrum Finnlands mit vielseitiger Industrie (Schiff-, Motoren-, Fahrzeugbau, chemische, Porzellan-, Textil-, Glas-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie); Hafen mit Fährlinien nach der UdSSR, Schweden, Polen, der BRD und Liniendiensten (zum Beispiel nach Rostock), internationaler Flughafen; Universität, Hochschulen, Sibelius-Akademie; Theater, Museen, Freilichtmuseum Seurasaari; Finlandia-Halle, Zoo, Olympiastadion (Olymp. Spiele 1952); moderne Gartenwohnstadt Tapiola ehemalige Festung Suomenlinna. Helsinki wurde 1550 von Gustav I. Vasa gegründet, 1642 5 km nach Süden an die heutige Stelle verlegt; seit 1812 Hauptstadt und seit 1828 Sitz der (1640 in Abo gegründet) Universität. 1975 Tagungsort der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

Helst, Bartholomäus van der, geboren 1613-1670 (begraben 16.12.), holländischer Maler; ab 1636 als Bildnismaler in Amsterdam tätig; genoss auf Grund seiner glatten, verfeinerten Maltechnik hohes Ansehen.

Helvetia: lateinischer Name der Schweiz.

Helvetier: keltischer Volksstamm, etwa vom 4./2. Jahrhundert vor Christus zwischen Rhein und Main, dann im Schweizer Mittelland ansässig; durch Cäsar (58 vor Christus) unterworfen und danach romanisiert.

Helvetische Republik: die Schweiz als zentralisierte demokratische «Tochterrepublik» Frankreichs zwischen 1798 und 1803. Ein Aufstand fast aller Kantone vertrieb 1802 die französischen Truppen und veranlasste Konsul Bonaparte 1803 («Mediationsakte») zur Wiedereinführung des Kantonalsystems und der föderativen Verfassung unter französischer Kontrolle.

Helvetius, Claude-Adrien, 31.1.1715 bis 26.12.1771, französischer Philosoph; Vertreter des mechanischen Materialismus, streitbarer Atheist und ideologischer Wegbereiter der bürgerlichen Revolution. Helvetius ging vom Sensualismus J. Lockes aus. Die sinnlichen Eigenschaften, Genuss und das wohlverstandene persönliches Interesse bilden für ihn die Grundlage aller Moral. Die Idee von der natürlichen Gleichheit der Menschen sowie Fortschrittsoptimismus und Glaube an die Allmacht der Erziehung sind die zum utopischen Sozialismus führenden Hauptmomente seiner vorwiegend gesellschaftsbezogenen Philosophie. Eine wesentliche Triebfeder der sozialen Entwicklung sah Helvetius in den (materialistisch erklärten) Bedürfnissen der Menschen (Tendenz zum historischen Materialismus). Das Denken fasste er mechanisch als Kombination von Empfindungen auf und Erziehung vor allem als Einwirkung des sozialen Milieus, worunter er jedoch nicht die materiellen gesellschaftlichen, sondern die ideellen politischen Verhältnisse verstand. Hauptwerke sind «Vom Geist» (1758, deutsch), «Vom Menschen» (1772, deutsch).

Hemerodrom: Eilbote; Postläufer im alten Griechenland.

Hemianästhesie: Verlust der Empfindungsfähigkeit auf einer Körperhälfte.

Hemimetabolie: unvollkommene Verwandlung bei Insekten (zum Beispiel Heuschrecken, Wanzen), deren Larvenstadien sich im Verlauf der Entwicklung im Aussehen allmählich (ohne Puppenstadium) dem geschlechtsreifen Tier nähern. Siehe auch Holometabolie.

Hemingway, Ernest Miller, 21.7.1899 bis 2.7.1961 (Selbsttötung), US-amerikanischer Schriftsteller; spätbürgerlicher Humanist und bedeutendster Vertreter der Lost Generation, die er in dem Roman «Fiesta» (1926, deutsch) charakterisierte. In dem antimilitaristischen Roman «In einem anderen Land» (1929, deutsch) gipfelt der Hass gegen den Krieg in einem individuellen, pessimistischen Protest. Die Erlebnisse als Journalist im Spanischen Freiheitskampf prägen den antifaschistischen Roman «Wem die Stunde schlägt» (1940, deutsch) und das Spionageabwehrdrama «Die fünfte Kolonne» (1940, deutsch). Von Hemingways künstlerische Meisterschaft zeugt besonders der Kurzroman «Der alte Mann und das Meer» (1952, deutsch). Der herbe, disziplinierte und lapidare Stil Hemingways beeinflusste nachhaltig die internationale Literaturentwicklung.

Hemiparese: leichte Form der Halbseitenlähmung infolge Schädigung der motorischen Bahnen auf der gegenseitigen Hirnhälfte.

Hemisphäre: 1. Halbkugel; die Hälfte der Erde, eines anderen Himmelskörpers oder der Himmelskugel.

2. seitlicher, gewölbter Abschnitt des Großhirns (Großhirnhemisphäre) und des Kleinhirns (Kleinhirnhemisphäre), jeweils paarig angelegt.

Hemicellulosen: Polysacharide von zellulose-ähnlichem Aufbau, jedoch geringerer Molekülgröße. Je nach Zusammensetzung aus Pentosen oder Hexosen unterscheidet man Pentosane und Hexosane. Hemicellulosen sind Bestandteile der pflanzlichen Zellwand; sie sind in Alkalien löslich und leichter abbaubar als Zellulose.

Hemlocktanne, Schierlingstanne, Tsuga: zu den Kieferngewächsen gehörende Gattung einhäusiger Nadelbäume Nordamerikas und Ostasiens, mit überhängenden Zweigen und endständigen, kleinen lärchenähnlichen Zapfen; die meist zweizeilig angeordneten flachen Nadeln haben auf der Unterseite 2 silberweiße Streifen. Die Kanadas heißt (Tsuga canadensis) wird auch im mitteleuropäischen Raum als Zier- und Forstbaum angepflanzt.

Hemmschuh, Bremsschuh, Radschuh: Rangiergerät zum Aufhalten von Eisenbahnwagen; besteht aus Stahl und wird auf die Schiene aufgelegt. Das auflaufende Rad bleibt auf dem Hemmschuh stehen; das hemmschuhfreie Rad der Achse und der Hemmschuh gleiten bis zum Stillstand des Fahrzeuges auf der Schiene.

Hemmstoffe: Stoffe, die im Gegensatz zu den reaktionsbeschleunigenden Katalysatoren die biologischen Reaktionen hemmen beziehungsweise verhindern. Bei den Pflanzen sind die Hemmstoffe vor allem an der Regulierung der Wachstums- und Entwicklungsprozesse als Gegenspieler der Phytohormone beteiligt. Die meisten in den Pflanzen vorkommenden Hemmstoffe sind Auxin Antagonisten. Ein synthetisch hergestellter Hemmstoff mit herbizider Wirkung ist Maleinsäurehydrazid.

Hemmung:

1. Hemmung, Inhibition: Physiologie

a) Zustand oder Vorgang innerhalb des Nervensystems, der eine Erregung, zum Beispiel von Nervenzellen, vermindert oder vorübergehend beseitigt, das heißt deren Erregbarkeit gegenüber Aktionspotentialen herabsetzt, zum Beispiel bei deren Übertragung an Synapsen;

b) Aufhören von Bewegungen, wenn efferent geleitete Aktionspotentiale zur Muskulatur ausfallen oder in ihrer Anzahl vermindert sind;

c) Verschwinden von ganzheitlichen Verhaltensreaktionen oder von deren Elementen, zum Beispiel Hemmung von bedingten Reflexen. Alle 3 Ausdrucksformen können gleichzeitig wirksam sein beziehungsweise einander bedingen.

2. Psychologie: lernabhängiger psychischer Prozess, durch den angeregte Handlungen, die unerwünscht sind, unterbunden werden; auch die Unterdrückung von Aktivitäten durch Angst oder Minderwertigkeitsgefühle.

3. Hemmung, Hemmung einer Frist: Recht zeitweiliges Ruhen eines Fristablaufs, insbesondere einer Verjährungsfrist, zum Beispiel durch Stundung. Die Zeit der Hemmung wird in die Frist (zum Beispiel die Verjährungsfrist) nicht eingerechnet. Siehe auch Unterbrechung.

4. Uhrentechnik: Schaltgetriebe der mechanischen Uhr, das die Energiesteuerung vom angetriebenen Räderwerk auf das Schwingsystem (Unruh mit Spirale, Pendel) Mechanischer Schwingsysteme erfordern periodische Energiezufuhr zur Ausführung ungedämpfter Schwingungen. Das Drehmoment des Ankerrades wird über einen Sperrhebel (Anker) in eine Hin- und Herbewegung zum Antrieb des Schwingsystems verwandelt. Es besteht eine Wechselwirkung: die Hemmung «hemmt» zunächst den freien Ablauf der Räder und überträgt dann, schrittweise durch das Schwingen ausgelöst, Energie auf das Schwingsystem. Die Bewegungsübertragung bewirkt das Ablaufen des Räderwerks im Rhythmus des Schwingers. Verbreitet sind die Stiftankerhemmung und die Palettenankerhemmung.

Henan, Honan: Provinz im Norden Chinas, am Huang He; 167#000 km2, 74,4 Millionen Einwohner; 446 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Zhengzhou. Der Osten gehört zur Nordchinesischen Ebene, im Westen Ausläufer des Qin Ling; subtropisches Monsunklima mit hohem Sommerniederschlag. Abbau von Steinkohle, Eisenerz, Asbest, Schwefel, Graphit; Maschinenbau, chemische, Elektro-, Textil-, Nahrungsmittelindustrie, Seidenfabrikation («Honanseide»); Anbau von Weizen (größter Produzent Chinas), Baumwolle, Reis, Mais, Tabak, Erdnüssen unter anderem; 2 Nord-Süd-Bahnen und eine Ost-West-Linie (Long-Hai-Bahn), Flughäfen in Zhengzhou und Nanyang.

Henckell, Karl, 17.4.1864-30.7.1929, Schriftsteller; sein in der Tradition des Vormärz und des Volksliedes stehendes lyrisches Frühwerk («Amselrufe», 1888; «Diorama», 1890) ist erfüllt von Sympathie mit Leben und Kampf der Arbeiterklasse in der Zeit des Sozialistengesetzes; Mitherausgeber der naturalistischen Lyrikanthologie «Moderne Dichtercharaktere» (1885).

Henderson, Arthur, 13.9.1863 bis 20.10.1935, britischer Politiker; 1911/34 Sekretär der Labour Party, 1929/31 Außenminister, 1932/33 Vorsitzender der Internat. Abrüstungskonferenz, die die Sicherheit in Europa nicht förderte, sondern die Aufrüstung des imperialistischen Deutschlands begünstigte.

Hengyang: Stadt im Südosten Chinas, im Süden der Provinz Hunan, am Xiang Jiang; früher Hengzhow, 300000 Einwohner; Produktion von Bergbauausrüstungen, Baumaterialien, Stahl und Eisen, Chemikalien, Textilien und Papier; wichtiger Verkehrsknoten, Flusshafen.

Henkel, Friedrich, geboren 26.7.1936, Bildhauer und Graphiker; 1953/58 Studium in Leipzig und an der Kunsthochschule Berlin; 1966/69 Meisterschüler an der AdK; gestaltet das Wesen von Figuren und Landschaft (als Relief) in lapidaren, vereinfachten Formen.

Henkelplüsch: auf der Rundstrickmaschine hergestelltes Gestrick mit Fadenschleifen, die auf der Abseite hervortreten; für Unterwäsche, Socken verwendet.

Henkler, Klaus-Dieter, geboren 19.1.1944, Unterhaltungssänger; gemeinsam mit M. Hauff als Interpreten-Duo von Schlagern, Songs und Folklore im In- und Ausland sehr erfolgreich.

Henle, Jakob Friedrich Gustav, 19.7.1809-13.5.1885, Anatom und Pathologe; Professor in Zürich, Heidelberg und Göttingen; Vertreter der naturwissenschaftlich begründeten Richtung in der Medizin. Henle schuf die Grundlagen für die allgemeine Anatomie; auf ihn gehen zahlreiche anatomische Entdeckungen zurück.

Henlein: 1. Konrad, 6.5.1898-10.5.1945 (Selbsttötung), Führer der deutschen Faschisten in der Tschechoslowakei; betrieb mittels der «Sudeten-deutschen Partei» die Zerschlagung der bürgerlichen CSR, in deren okkupierten Grenzgebieten er seit Oktober 1938 Gauleiter der NSDAP war.

2. Peter, um 1480-1542, Schlosser und Uhrmacher; fertigte um 1510 erstmals kleine, durch Federzug angetriebene, dosenförmige Uhren (nicht identisch mit dem Nürnberger Ei). Allg. gilt Henlein als Erfinder der Taschenuhr.

Hennastrauch, Lawsonia inermis: in Indien und Ostafrika heimischer Weiderichgewächs mit gelblichweißen bis ziegelroten Blüten; alte Kulturpflanze des Orients, deren rotgelber Farbstoff zum Färben von Wolle und Seide sowie für kosmetische Zwecke verwendet wird.

Hennegau, französisch Hainaut: belgisch-französisch historischen Gebiet zwischen oberer Schelde und Sambre; der nordöstliche Teil als belgische Provinz Hennegau 3787 km2, 1,3 Millionen Einwohner; 343 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Moni; größtenteils fruchtbares lößbedecktes Hügelland mit Zuckerrüben- und Weizenanbau, Schweine-, Rinder- und Pferdezucht; ehemals bedeutender Steinkohlenbergbau, Steinbrüche; Eisenmetallurgie, Elektro-, Glas-, Textil-, Zucker- und chemische Industrie; durch Flusstäler begünstigtes dichtes Verkehrsnetz. Das von Wallonen besiedelte Gebiet kam 1051 an die Grafen von Flandern; durch den Pyrenäenfrieden 1659 erhielt Frankreich einen Teil, der nordöstliche Teil ist seit 1830 belgische Provinz.

Hennin: in der burgundischen Frauentracht des 14./15. Jahrhundert hohe kegelförmige Kopfbedeckung mit Schleier an der Spitze.

Henry: 1. Joseph Henry, 17.12.1797-13.5.1878, US-amerikanischer Physiker; untersuchte Elektrizität und Magnetismus, baute um 1831 eine Telegrafenlinie, entdeckte 1832 die Selbstinduktion und beschäftigte sich dem Erdmagnetismus.

2. William Sydney Porter Henry, 11.9.1862-5.6.1910, US-amerikanischer Kurzgeschichtenautor; schilderte in technisch ausgefeilten, humorvollen, oft gesellschaftskritisch-satirische Geschichten den Alltag einfacher Menschen New Yorks (dt. Auswahl «Der Unschuldsengel vom Broadway», 1961).

3. Patrick Henry, 29.5.1736-6.6.1799, US-amerikanischer bürgerlicher Revolutionär, radikaler Führer der Unabhängigkeitsbewegung.

Henz, Rudolf, geboren 10.5.1897, österreichischer Schriftsteller; sein umfangreiches Werk ist durch Heimatverbundenheit und weltoffene, christlich-katholische Frömmigkeit gekennzeichnet (unter anderem Gedichte «Unter Brüdern und Bäumen», 1929; Epos «Der Turm der Welt», 1951; Roman «Fügung und Widerstand», 1963).

Heparin: blutgerinnungshemmendes Mittel mit breitem Wirkungsspektrum. Chemisch ist Heparin ein saures Mucopolysaccharide heißt ist ein körpereigener Wirkstoff, der in den Mastzellen der Leber, Lunge und des Bauchfells enthalten ist. Heparin wird von Schlachttieren gewonnen und kommt hochgereinigt zur medizinischen Anwendung. Bei Applikation auf die Haut (zum Beispiel Hepathromb) ist die Wirkung unsicher.

Hepatitis: Leberentzündung; im eigentlichen Sinn Hepatitis infectiosa (akute Virushepatitis, ansteckende Gelbsucht), sie wird durch verschiedene Viren, insbesondere Hepatitis Virus A, B oder C hervorgerufen und durch Schmierinfektion, infizierte Lebensmittel, manchmal durch Bluttransfusion oder instrumentelle ärztliche Eingriffe übertragen und ist eine weit verbreitete Infektionskrankheit mit meist gutartigem Verlauf; Übergang in eine chronischen Hepatitis ist selten. Kennzeichen sind anfangs «grippale» Erscheinungen und Oberbauchbeschwerden, später Gelbsucht mit hellem Stuhl und bierbraunem Harn; ein symptomarmer Verlauf ist häufig. Andere Hepatitis Formen sind die toxische Hepatitis durch Alkoholmissbrauch oder Arbeitsgifte, Drogenhepatitis infolge Arzneimittelüberempfindlichkeit, biliäre Hepatitis durch fortgeleitete Gallenwegentzündung, Autoimmunhepatitis durch Autoaggression; die Begleithepatitis tritt bei zahlreichen Infektionskrankheiten auf.

Hepatomegalie: Lebervergrößerung, Leberschwellung.

Hepatose: Stoffwechselstörung der Leberzellen mit unterschiedlich ausgeprägter Gewebeschädigung und beziehungsweise oder Funktionsminderung, zum Beispiel bei Vergiftungen durch Phosphor oder Tetrachlorkohlenstoff.

Hephästus, Hephaistos, griechischer Gott des Feuers, der Schmiedekunst und des Handwerks (römisch Vulcanus), mit Aphrodite vermählt. Der als Krüppel dargestellte Gott stammte aus Kleinasien; die Zyklopen waren seine Gehilfen.

Hephthaliten, weiße Hunnen: ursprünglich zum Verband der Hunnen gehöriges Reitervolk in Zentralasien; bekämpfte das Sassanidenreich; zu Beginn des 6. Jahrhundert drangen die Hephthaliten in Nordindien ein, wo sie später vernichtet beziehungsweise von anderen Völkerschaften aufgesogen wurden.

Heptan: im weiteren Sinne Bezeichnung für die 9 Alkane der Formel C,H16; im engeren Sinne n-H. (Normal Heptan), eine benzinähnliche Flüssigkeit, F -90,6 °C; Kp 98,4 °C. Die Heptan finden sich im Erdöl und sind zum Beispiel in Vergaserkraftstoffen enthalten.

Hera, oberste griechische Göttin (römisch Juno), Schwester und Gattin des Zeus; sie schützte die Frauen und die Ehe, stand Gebärenden, die Kuh war ihr heilig. Hauptkultstätten befanden sich in Argos und auf Samos. Ihre Nebenbuhlerinnen verfolgte sie grausam (Leto).

Herakleion, Iraklion: Stadt auf der griechischen Insel Kreta; 100000 Einwohner; Wirtschafts- und Kulturmittelpunkt; Nahrungsmittelverarbeitung; Hafen, internationale Flughafen; venezianische Bauten und Befestigungen; archäologisches Museum mit zahlreichen Funden, unter anderem auch aus dem 4 km südlich von Herakleion gelegenen alten Knossos.

Herakleios, 575-641, byzantinischer Kaiser seit 610; begann wichtige administrative und militärische-administrative Reformen (Themenverfassung), rekrutierte das Heer wieder stärker aus einheimischen Kräften. Er kämpfte erfolgreich gegen Perser (622/27) und Awaren (626), konnte aber den Verlust Syriens und Ägyptens an die Araber nicht verhindern.

Herakles, bedeutendster griechischer Sagenheld (römisch Herkules beziehungsweise Hercules), Sohn des Zeus und der Alkmene; musste im Dienst des Königs Eurystheus 12 schwere Arbeiten verrichten; unter anderem tötete er den nemeischen Löwen, dessen Fell er danach trug, holte die Äpfel der Hesperiden, reinigte die Ställe des Augias, tötete die Hydra und die menschenfressenden Vögel von Stymphalos, bezwang den Höllenhund Zerberus und holte ihn aus der Unterwelt herauf. Herakles starb durch ein mit dem Blut des Nessos vergiftetes Gewand und wurde danach in den Olymp entrückt, vermählte sich dort mit Hebe. Herakles wurde in der Antike als siegreicher Helfer der Menschen kultisch verehrt und von den Philosophen als Vorbild betrachtet.

Heraklit, Herakleitos von Ephesos, um 525-470 vor Christus, griechischer Philosoph; reflektiert die soziale Spannung und Entwicklung seiner Zeit in einer «Philosophie des Werdens», dargestellt in gleichnishaften, antithetische Sentenzen (deshalb «der Dunkle» genannt). Als «Vater der Dialektik» begründete Heraklit die Veränderung der Welt (panta rhei, «alles fließt») mit dem Kampf der Gegensätze («der Kampf ist der Vater aller Dinge»), ihrem Umschlag und ihrer übergreifenden Einheit («alles ist eins»). Die Naturgesetzmäßigkeit der objektiven Dialektik nennt Heraklit Logos; dessen stoffliche Seite sieht Heraklit im Feuer. In der Erkenntnis werde der Logos von der subjektiven Dialektik abgebildet.

Heraldik, Heroldskunst, Wappenkunde. historische Hilfswissenschaft; untersucht die Entwicklung der kennzeichnenden, rechtlicher und künstlerisch-schmückenden Funktion der Wappen, um diese als historische Quellen auswerten zu können. Aktuelle Bedeutung gewinnt die Heraldik bei der Schäftung von Wappen zum Beispiel für neugegründete Städte.

Herausgabeanspruch: Anspruch auf Herausgabe eines bestimmten Gegenstandes (zum Beispiel des Eigentümers hinsichtlich einer ihm gehörenden Sache) oder unberechtigt erlangter Vorteile (zum Beispiel bei versehentliche Überweisung auf ein falsches Konto). Der erstere Herausgabeanspruch wird auch als Vindikations-, der letztere als Kondiktions- oder Bereicherungsanspruch bezeichnet.

Herausgeber: Personen oder Kollektive, die Sammelwerke und Presseorgane zur Veröffentlichung vorbereiten. Dem Herausgeber stehen die Urheberrechte an der Herausgabe zu.

Heraussteilen: Volleyball Passspiel zur Vorbereitung des Angriffsschlages durch Berührung des Balles mit den letzten Gliedern der gespreizten Finger beider Hände unter gleichzeitiger Körperstreckung.

Herba: Kraut, Krautdroge; zum Beispiel wird als Herba Thymi der krautige, arzneilich verwendete Teil des Thymians bezeichnet.

Herbarium: Sammlung gepresster und getrockneter Pflanzen zu Studien- und Demonstrationszwecken.

Herbart, Johann Friedrich, 4.5.1776-14.8.1841, Philosoph, Pädagoge und Psychologe; beeinflusst durch I. Kant und G. W. Leibniz, Gegner G. W. F. Hegels; definiert seine Philosophie als «Bearbeitung der Begriffe», in denen alle Widersprüchlichkeit beseitigt werden soll, um zum «Realen», einem widerspruchsfreien unverändert. Sein vorzustoßen. Als Pädagoge suchte er ein geschlossenes System zu konstruieren, dessen Ziele er aus der idealistischen Ethik und dessen Methoden er aus der Psychologie ableitete. Ende des 19. Jahrhundert wurde Herbarts Pädagogik unter seinen Anhängern Grundlage des Formalismus im Unterricht der bürgerlichen Volksschule.

Herbert: 1. Herbert, Xavier, geboren 15.5.1901, australischer Schriftsteller; schilderte in dem Roman «Capricornia» (1938, deutsch) realistisch das harte Leben im entlegenen Nordaustralien; nahm in «Der vertauschte Traumstein» (1959, deutsch) gegen die Diskriminierung der Ureinwohner Stellung; schrieb auch Kurzgeschichten («Überlebensgroß», 1963) und Filmszenarien.

2. Herbert, Zbigniew, geboren 29.10.1924, polnischer Lyriker, Dramatiker und Essayist; debütierte 1948 mit Gedichten in Literaturzeitschriften, später folgten die Lyrikbände «Lichtsaite» (1956), «Hermes, Hund und Stern» (1957), «Studium des Objektes» (1961), «Herr Cogito» (1974) mit vielfältigen Bezügen zur kulturgeschichtlichen Tradition; schrieb auch Essays, Dramen und Hörspiele.

Herbig, Otto, 31.12.1889-13.6.1971, Maler und Graphiker; Studium in München und Berlin bei L. Corinth, 1945/55 Professor an der Hochschule für Baukunst und bildende Künste Weimar. Herbig gewann vor allem dem Pastell bei der Darstellung von Landschaft, Stillleben, Mutter- und Kindmotiven farbfreudig-ausdrucksvolle neue Gestaltungsmöglichkeiten ab.

Herbizide: chemische Unkrautbekämpfungsmittel Nach ihrem Wirkungsspektrum werden sie in nichtselektive Herbizide zur Vernichtung jeglicher Pflanzenwuchses und selektive Herbizide, die nur bestimmte Pflanzenarten vernichten und zur Unkrautbekämpfung in Kulturpflanzenbeständen eingesetzt werden können, eingeteilt. Die Herbizide wirken entweder als Ätzmittel (Kontaktherbizide), die die Pflanzen an den vom Wirkstoff getroffenen Stellen zerstören, oder als translokale Herbizide, die von der Pflanze aufgenommen und im Leitgewebe transportiert werden. Bei Einsatz von translokalen Herbizide (hierzu gehören auch die Wuchsstoffherbizide) geht die Pflanze durch Stoffwechsel- und Wachstumsstörungen zugrunde.

Herbstfurche: Pflügen des Ackers vor Eintritt des Winters. Die Herbstfurche ist eine wichtige Voraussetzung für hohe Erträge im darauffolgenden Sommer, sie wirkt gare fördernd und wasserspeichernd.

Herbst: (althochdeutsch griechisch, eigentlich «Pflückzeit», «Ernte») Jahreszeit von der Tagundnachtgleiche (23. 9.) bis zur Wintersonnenwende (21.12.). Der meteorologische Herbst umfasst die Monate September bis November.

Herbstzeitlose: giftiges Liliengewächs feuchter Wiesen; die rötlich-violetten Blüten erscheinen im Spätsommer, die Frucht reift unterirdisch und erscheint mit den Blättern im Frühjahr; enthält Kolchizin. Siehe auch Arzneipflanzen.

Herceg novi: Sommer- und Winterkurort in Montenegro, in der malerischen Bucht von Kotor terrassenförmig angelegt; 5 400 Einwohner; subtropische Vegetation.

Herculaneum, Herculanum: antike Stadt am Golf von Neapel; 79 nach Christus durch denselben Vesuvausbruch wie Pompeji verschüttet; seit dem 18. Jahrhundert ausgegraben und teilweise rekonstruiert; Kunstwerke aus Herculaneum befinden sich jetzt im Nationalmuseum Neapel.

Herd: 1. Haushalttechnik: kohle-, gas- oder elektrisch beheizte ofenähnliche Vorrichtung (aus Stahlblech) zum Kochen, mit Back- beziehungsweise Bratröhre ausgerüstet; zum Teil auch zum Heizen (Kohleherd).

2. Medizin: soviel wie Fokus.

3. Metallurgie: Herdofen.

Herdbuchzucht: Züchtung von Haustieren, die in ihrer Abstammung und Leistung im Herdbuch verzeichnet sind, unter Anleitung von Zuchtvereinigungen entsprechend dem festgelegten Zuchtziel der Rasse oder Linie hinsichtlich Körperform und Leistung. Herdbuchzuchtbetriebe produzieren alle Vater-, zum Teil auch weibliche Tiere für die übrige Tierzucht; dadurch wird der Züchter. Leistungsfortschritt ständig gewährleistet.

Herddosis: die bei der Strahlentherapie im behandelten Krankheitsherd (Zielvolumen) verabfolgte Strahlendosis.

Herdentrieb: bei vielen Tierarten vorhandener Trieb, sich zum Zweck des Nahrungserwerbs, der Fortpflanzung, der Jungenaufzucht und des Schutzes zu vergesellschaften.

Herder, Johann Gottfried, 25.8.1744-18.12.1803, Geschichts- und Religionsphilosophischer Schriftsteller, Ästhetiker; führender Theoretiker des Sturm und Drang und der deutschen Klassik. Herder setzte sich schöpferisch mit bedeutenden Denkern seiner Zeit auseinander (unter anderem A. A Shaftesbury, E. Young, C. Montesquieu, J. J. Rousseau, J. G. Hamann, G. E. Lessing, J. J. Winckelmann); seit 1770 mit Goethe befreundet, ab 1776 Generalsuperintendent in Weimar. In seinen Untersuchungen zur Sprache und Literatur wandte Herder eine historisch-genetische Betrachtungsweise an und bezog weltgeschichtlichen Zusammenhänge ein («Kritische Wälder oder Betrachtungen, die Wissenschaft und Kunst des Schönen betreffend», 1769; «Abhandlung über den Ursprung der Sprache», 1772). In der für den Sturm und Drang programmatische Schrift «Von deutscher Art und Kunst» (1773) veröffentlichte Herder die Aufsätze «Auszug aus einem Briefwechsel über Ossian und die Lieder alter Völker» und «Shakespeare»; mit ihnen regte er entscheidend die Wiederentdeckung der Volkspoesie und die deutsche Shakespeare-Rezeption an. Ergebnisse eigener Sammeltätigkeit gab Herder heraus unter dem Titel «Volkslieder nebst untermischten ändern Stücken» (1778/79; 2. Auflage 1807 unter dem Titel «Stimmen der Völker in Liedern»). Seine klassische Humanitätsauffassung legte Herder in den philosophischen Hauptwerken «Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit» (1784/91) und «Briefe zu Beförderung der Humanität» (1793/97) dar. Humanität definiert er als die höchste Bestimmung des Menschen, die erreichbar ist durch Überwindung politischer und sozialer Missstände der Feudalgesellschaft. Herder trat für das Recht der Völker auf Selbstbestimmung und Freiheit ein, erklärte den Frieden als Voraussetzung für gesellschaftlichen Fortschritt und erkannte die Notwendigkeit von Revolutionen. In «Adrastea» (1801/03) gab Herder einen Abriss der Entwicklung im 18. Jahrhundert und ihrer Resultate in Literatur, Kunst und Wissenschaft. Seine am Spinozismus orientierte Geschichtsphilosophie, in der Grundhaltung noch idealistisch, enthält materialistische-dialektische Ansätze. Bedeutend sind auch Herders Nachdichtungen (zum Beispiel «Der Cid», 1805.

Herdfrischverfahren: Verfahren zur oxydierenden Behandlung einer Schmelze im Herdofen durch Überleiten oxydierend wirkender Ofengase oder Einbringen von Eisenoxiden zur Stahlherstellung (Siemens-Martin-Verfahren).

Herdguss: das Gießen in eine im Gießereiboden befindliche Form.

Herdinfektion, Fokalinfektion: Erkrankung, die von einem chronischen Krankheitsherd (Fokus) durch dauernde oder schubweise Ausschwemmung von Bakterien, -giften oder deren Abbauprodukten verursacht wird. Als Ausgangsherde gelten oft Entzündungsvorgänge und Eiterungen in den Gaumenmandeln, im Zahn-Kiefer-Bereich, innerhalb der Nasennebenhöhlen, der Gallenblase, des Blinddarms und der Harnröhre. Typische Herdinfektion entzündlicher und entzündlich-allergischer Art sind Gelenkrheumatismus, Herz- und Nierenentzündungen unter anderem.

Herdofen: älteste und einfachste Form des Schmelzofens; Flammofen mit waagerechtem Herd (Sohle des Ofenraums) und relativ geringem Abstand zwischen diesem und dem Gewölbe (Decke des Ofenraums); das Heizgas streicht über das im Herd liegende Ofen Gut (die Beschickung) und schmilzt dieses (Siemens-Martin-Verfahren).

Herdtiefe: senkrechter Abstand eines Erdbebenherdes von der Erdoberfläche. Die größten Werte (bis etwa 700 km) wurden im zirkumpazifischen Raum festgestellt.

Herero, Ovaherero: Bantuvolk in Namibia und Südangola; früher Hirtennomaden, durch Freiheitskämpfe gegen die deutsche Kolonialherrschaft (1904/05) stark dezimiert und in ungünstigen Reservationen angesiedelt; 100000.

Herero- und Nama Aufstand: Erhebung der Herero 1904/05 und Nama 1904/07 gegen die deutsche Kolonialherrschaft im damaligen Deutsch-Südwestafrika (Namibia). Ursachen waren besonders Land- und Viehraub. Die Kolonialtruppen trieben die Herero in die Wüste, wo Zehntausende umkamen; mit Hilfe britischer Polizei wurden die Nama unterworfen.

Hering: 1. Touristik: Häring.

2. Hering, Clupea harengus: Zoologie - Schwarmfisch im Norden des Atlant, und Stillen Ozeans; ernährt sich von Plankton; wichtiger Nutzfisch. In der Ostsee lebt der Strömling, eine kleinere Rasse.

Hering, Loy, 1484 oder 1485-1554, Bildhauer der Renaissance; in Augsburg und seit 1513 in Eichstätt tätig; schuf die Steinfigur des heiligen Willibald (Eichstätt, Dom) sowie Kleinplastik in Solnhofer Kalkstein.

Heringsartige, Heringsfische, Clupeiformes: ursprünglich Ordnung der echten Knochenfische, ohne Hartstrahlen in den Flossen und meist mit offener Verbindung zwischen Schwimmblase und Darm; überwiegend Meeresfische, einige auch im Süßwasser. Hierzu gehören viele wirtschaftlich wichtige Schwarmfische, zum Beispiel Hering, Sprotte, Sardine, Sardelle.

Heringsdorf, Seebad: Gemeinde im Kreis Wolgast, Bezirk Rostock, auf Usedom; 3 800 Einwohner; Erholungsheime, Heilbad; Korbwaren-, Möbelfabrik; Maxim-Gorki-Museum, Volkssternwarte.

Heringsmöwe, Larus fuscus: bis 60 cm lange Möwe mit dunklem Rücken, aber sonst weißem Gefieder und gelben Beinen; lebt an nordeuropäischen Küsten.

Herisau: Hauptort des Halbkantons Appenzell Außerrhoden (Schweiz), südwestlich von St. Gallen; 14000 Einwohner; Maschinenbau, vielseitige Leichtindustrie (unter anderem metallverarbeitende, Gummi- und Papierindustrie), Stickerei.

Heritabilität, Erblichkeitsgrad: Anteil der erblich bedingten Variation eines Merkmals an der Gesamtvariation innerhalb eines Tierbestandes.

Herkuleskäfer, Dynastes hercules: bis 15 cm langer, in Südamerika lebender Blatthornkäfer; die Männchen tragen auffallende Kopfhörner.

Hermand, Jost, geboren 11.4.1930, US-amerikanischer Germanist und Kunstwissenschaftler deutscher Herkunft; 1963 Professor an der Universität von Wisconsin (USA), arbeitet besonders über Literatur des 19. und 20. Jahrhundert Viele Buchveröffentlichungen: «Literaturwissenschaft und Kunstwissenschaft» (1965); unter anderem Mitautor der «Deutschen Kunst und Kultur von der Gründerzeit bis zum Expressionismus».

Hermandad: («Bruderschaft») im Mittelalter Bezeichnung für Bündnisse der spanischen Städte (meist) gegen Übergriffe des Adels; seit dem 12. Jahrhundert in Léon und Kastilien, während des 14./15. Jahrhundert in ganz Spanien verbreitet. Die Santa Hermandad («Heilige Bruderschaft»), die 1476 von Isabella I. geschaffene und mit großen Vorrechten ausgestattete Vereinigung aller Hermandades von Kastilien, León und Asturien, spielte eine große Rolle im Kampf um die politische Entmachtung des Hochadels, der sich gegen eine absolutistische Zentralisation wehrte; verlor 1498 ihre Selbstverwaltungsreche an die Krone.

Hermann, Georg, eigentlich Georg Hermann Borchardt, 7.10.1871-19.11.1943 (im KZ Auschwitz ermordet), Schriftsteller; schrieb nach T. Fontanes Vorbild Gesellschaftsromane, die milieuecht besonders das Leben der Berliner jüdischen Bourgeoisie gestalten («Jettchen Geberts Geschichte», 1906/09; «Kubinke», 1910).

Hermann Billung, gestorben 27.3.973, Markgraf an der Unterelbe (gegen die Abodriten und Dänen eingesetzt) seit 936, seit 961 Herzog von Sachsen; eine Stütze Ottos.

Hermann von Reichenau, genannt Hermannus Contractus (lateinisch, «Hermann der Gelähmte»), 18.7.1013-24.9.1054, Mönch; war Lehrer an der Klosterschule von Reichenau, Mathematiker, Astronom, Dichter, Musiker und Geschichtsschreiber; verfasste eine im 1. Jahrhundert nach Christus beginnende Weltchronik, die für die Jahre ab 1040 zuverlässige Angaben enthält.

Hermann von Salza, um 1170-20.3.1239, Hochmeister des Deutschen Ritterordens seit 1210; Freund Kaiser Friedrichs H; verlegte den Orden 1211 von Palästina nach Ungarn und 1226 zum Kampf gegen die heidnischen Pruzzen ins Kulmer Land (im Weichselbogen, zwischen Torun und Chelmno).

Hermaphroditos, Hermaphrodit, in der griechischen Sage der schöne Sohn des Hermes und der Aphrodite, wurde mit der Quellnymphe Salmakis zu einem zweigeschlechtlichen Wesen vereinigt; deshalb Bezeichnung Hermaphroditos für Zwitter.

Herme: (nach Hermes) in der antiken Kunst rechteckiger, pfeilerartiger Schaft mit aufgesetztem Kopf; ursprünglich mit Phallus und Armansätzen als Kultbild des Hermes in Gärten, an Wegen, Flurgrenzen aufgestellt; später gebräuchliche Form des Porträts lebender oder bedeutender historischen Persönlichkeiten, wobei der Schaft Namensaufschrift trägt.

Hermelin, Großes Wiesel, Mustela erminea: Marder mit schwarzer Schwanzspitze, weißem Haar im Winter und rötlich-brauner Oberseite im Sommer; lebt im nördlichen Eurasien und Amerika bis in 3000 m Höhe; frisst vorwiegend Nagetiere. Das weiße Winterfell mit der schwarzen Schwanzspitze war früher bevorzugtes Material für Krönungsgewänder von Würdenträgern; heute für festliche Jacken und Capes verwendet.

Hermeneutik: alte Lehre von der Auslegung, Deutung, Erklärung von Texten, Kunstwerken unter anderem. Bei F. Nietzsche, W. Dilthey und im Existentialismus subjektivistische und irrationalistische Erkenntnislehre, die erkennbare Gesetze in Natur und Gesellschaft leugnet und rationale Erklärung durch mystisches «Verstehen» zu ersetzen sucht. In der Musik Erklärung des Sinnes, der Bedeutung und des Affektgehaltes musikalischer Motive, Themen und ganzer Kompositionen; birgt die Gefahr subjektiver Ausdeutung in sich.

Hermes, griechischer Götterbote (römisch Merkur), Gott der Straßen und Wege, der Kaufleute und Diebe, Schutzherr der Hirten und Herden; Sohn des Zeus und der Maia; als Geleiter der Seelen führte er die Toten in die Unterwelt; wurde mit Flügelschuhen, Reisehut und Heroldsstab dargestellt.

Hermes Trismegistos, (griechisch, «der dreimalgrößte Hermes») der mit dem ägyptischen Schreiber- und Weisheitsgott Thot gleichgesetzte Hermes, der so in der Spätantike zum synkretistischen Gott griechisch-ägyptischer Mysterienweisheiten wurde.

Hermetismus: (nach Hermes Trismegistos) eine dem Surrealismus und der Dekadenzdichtung nahestehende Richtung der italienischen Lyrik um 1935; Hauptvertreter dieser «dunklen» Dichtung sind G. Ungaretti, E. Montale und der frühe S. Quasimodo.

Herminonen, Erminonen: Kultverband westgermanischer Stämme, die vor allem im Gebiet der oberen und mittleren Elbe bis hin zur Oder siedelten. Zu den Herminonen gehörten unter anderem die Cherusker, Chatten, Sueben und Hermunduren.

Hermite, Charles, 24.12.1822-14.1.1901, französischer Mathematiker; arbeitete zur Algebra (Matrizenkalkül), zur Analysis (insbesondere elliptische Funktionen) und zur Zahlentheorie, bewies 1873 die Transzendenz der Zahl e.

Hermite-Interpolation: (nach C. Hermite) eine Form der Interpolation, bei der an den Knoten nicht nur Funktionswerte, sondern auch Ableitungswerte vorgeschrieben werden.

hermitescher Operator: (nach C. Hermite) linearer Operator in einem Hilbert-Raum, dessen Eigenwerte stets reell sind; in der Quantentheorie werden deshalb physikalische Größen durch hermitescher Operator dargestellt.

Hermon: (hebräisch, «Heiliger Berg») Gebirgsmassiv im Süden des Antilibanons, an der syrisch-libanesischen Grenze; bis 2814 m hoch; in den höchsten Gebirgslagen Firnfelder, am niederschlagsreichen Südwesthang Anbau von Wein, Zitrusfrüchten und Oliven.

Hermosillo: Hauptstadt des Bundesstaates Sonora im Norden Mexikos; 320000 Einwohner; landwirtschaftlicher (Ackerbau, Viehzucht) und Bergbauzentrum; Flughafen.

Hermsdorf: Stadt im Kreis Stadtroda, Bezirk Gera, in waldreicher Umgebung («Holzland»); 10 700 Einwohner; keramische, Holzindustrie, Bauelementewerk; Ingenieurschule.

Hermsdorf, Klaus, geboren 16.6.1929, Germanist; Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin; arbeitet besonders zur Literatur des 20 Jahrhundert; schrieb neben einer Vielzahl von Artikeln und Nachworten «Kafka, Weltbild und Roman» (1961, erweitert 1966) und «Thomas Manns Schelme» (1968); Mitautor von Arbeiten zur deutschen Literaturgeschichte, Mitautor und Mitherausgeber der Reihe «Kunst und Literatur im antifaschistischen Exil» (1981).

Hermunduren: germanische Stammesgruppe; seit etwa l. Jahrhundert vor Christus südlich des Harzes, in Thüringen sowie zwischen Main und oberer Donau ansässig; ein Teil der Hermunduren war um die Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert nach Christus an der Bildung des thüringischen Stammesverbandes beteiligt, ein Teil ging in den Juthungen auf.

Hermopolis, (griechisch, «Stadt des Hermes») Hermopolis, Hermupolis magna: altägyptische Stadt, am westlichen Nilufer nördlich von Teil al-Amama gelegen. Hier wurde unter anderem der ibis- oder paviangestaltige Gott des Wissens und Schreibens Thot verehrt, der von den Griechen dem Hermes gleichgesetzt wurde. Der Tempel des Thot ist teilweise ausgegraben worden.

Herning: Stadt in Dänemark, im mittleren Jütland; 56000 Einwohner; Zentrum der dänischen Textilindustrie (Trikotagen); Messe; Heidemuseum.

Hero, in der griechischen Sage Priesterin der Aphrodite in Sestos; ihr Geliebter Leander schwamm allnächtlich zu ihr durch den Hellespont. Als ein Sturm die als Wegweiser aufgestellte Lampe löschte, ertrank Leander; daraufhin tötete sich Hero.

Herodes der Große, 73-4 vor Christus, jüdischer König, herrschte 37/4 vor Christus unter römischer Oberhoheit über Palästina; er gründete eine Anzahl neuer Städte und ließ den Tempel in Jerusalem prachtvoll umbauen; er soll nach christlicher Überlieferung die Ermordung aller Knaben bis 2 Jahre in und um Bethlehem befohlen haben.

Herodot, um 484-425 vor Christus, erster griechischer Geschichtsschreiber aus Halikamassos («Vater der Geschichtsschreibung»); war Anhänger der Sklavenhalterdemokratie. Nach Orientreisen schrieb er eine Geschichte der Perserkriege, die viele geographische und ethnographische Beobachtungen sowie eine Darstellung der älteren Geschichte unter anderem Ägyptens und Babyloniens enthält.

Heroin: durch Acetylierung von Morphin herstellbares farbloses, wenig wasserlösliche, bitter schmeckendes Kristallpulver der Formel C21H2305N; Diacetylmorphin-, F 173 °C. Heroin ist eines der gefährlichsten Suchtgifte; seine medizinische Anwendung ist verboten. Ohne Gewöhnung sind 50 bis 75 mg tödlich.

Heroismus: Heldentum, Heldenmut (Held).

Herold: Diener feudaler Herren und Institutionen; erledigte Botendienste, überwachte Turniervorbereitungen, pries die Sieger. Es ist nicht belegbar, dass der Herold Wappen entworfen und Abstammungen geprüft hat (Heroldskunst).

Herondas, Herodas, um 250 vor Christus, griechischer Dichter; schrieb «Mimiamben» (Mimen in der Form des Hinkjambus, Hipponax), kleine, in naturalistische Schärfe gestaltete Szenen aus dem Alltagsleben.

Heronsball: (nach Heron von Alexandria) Gefäß, aus dem durch Einblasen von Luft oder anderen Gasen Flüssigkeit getrieben wird. Nach diesem Prinzip funktionieren zum Beispiel Spritzflasche, Siphon und Windkessel.

Heron von Alexandria, 2. Hälfte des 1. Jahrhundert, griechischer Techniker, Mathematiker und Geodät; verfasste zahlreiche Schriften über geometrische Aufgaben, mechanisch und pneumatische-hydraulische Geräte und konstruierte eine Art Theodolit; fand die Heronsche Formel für den Flächeninhalt beim Dreieck.

Herophilos, um 300 vor Christus, griechischer Arzt und Anatom; betrieb im hellenistischen Alexandria, wo im 3. Jahrhundert vor Christus die Durchführung von Sektionen möglich geworden war, eingehende anatomische Forschungen an menschlichen Leichen. Er beschäftigte sich insbesondere mit dem Gehirn und dem Nervensystem.

Heros: im antiken Griechenland halbgöttlicher oder götterähnlicher Held (Achill, Herakles), oft als Ahnherr eines Stammes, Stadtgründer, Gesetzgeber (Solon), im Kriege Gefallener (Marathonkämpfer) o. ä. verehrt. Der Heroenkult konzentrierte sich um das Grab und spielte im Volksglauben eine große Rolle.

Heroult, Paul Louis, 10.4.1863-9.5.1914, französischer Chemiker; Hauptbegründer der Aluminiumerzeugung aus Bauxit mit Hilfe elektrischen Stromes; außerdem entwickelte er Verfahren der Elektrostahlerzeugung und führte einen nach ihm benannt Lichtbogenofen ein. Siehe auch Elektroofen.

Herpes: ungenaue Sammelbezeichnung für einen mit Bläschenbildung verbundenen Hautausschlag ohne Berücksichtigung der Ursache. Herpes simplex ist eine durch Viren hervorgerufene, häufig wiederkehrende Bläschenflechte («Grieben») bei Fieber, Schreck, Ekel, Menstruation unter anderem; Sitz meist im Gesicht. Herpes Zoster ist die veraltete Bezeichnung für Zoster (Gürtelrose).

Herpetologie: Wissenschaft von den Amphibien (Lurche) und Reptilien (Kriechtiere).

Herr: (althochdeutsch, «der Hehrere» («der Ehrwürdigere»)) in der deutschen Feudalordnung zunächst jeder, der über dem Ritter stand; im engeren Sinne der Freiherr, später vor allem der Lehnsherr.

Herrenfall: im mittelalterlichen Lehnsrecht der Wechsel in der Person des Lehnsherrn; bei Wechsel eines Fürsten Thronfall genannt.

Herrenhaus: seit 1854 Name der durch königliche Verordnung im reaktionären Sinne umgestalteten, 1849 geschaffenen Ersten Kammer im preußischen Landtag; bestand bis 1918. Das Herrenhaus, dessen Mitglieder vom König ernannt wurden, war immer eine Hochburg der feudal-junkerliche Kräfte.

herrenlose Sachen: Sachen, die nicht im Eigentum stehen (zum Beispiel Fische in offenen Gewässern); soweit nicht gesetzlich besondere Aneignungsrechte (zum Beispiel Fischereirechte) bestehen, kann sich jeder herrenlose Sachen aneignen.

Herrentiere, Primaten, Primates: Ordnung der Säugetiere, die Halbaffen, Affen und Mensch umfasst.

Herrera: 1. Francisco, genannt el Viejo («der Ältere»), 1576-1656, spanischer Maler, Kupferstecher und Medailleur; schuf vorwiegend religiöse Darstellungen für Kirchen in Sevilla und Madrid sowie Genrebilder in barockem Naturalismus; erster Lehrer von Velázquez.

2. Juan de, um 1530-15.1.1597, spanischer Baumeister; schuf unter Philipp II. strenge, schmucklose Bauten; Hauptwerk: Vollendung (1567/84) des Escorial bei Madrid nach dem Tode von J. B. de Toledo.

Herriot, Edouard, 5.7.1872-26.3.1957, französischer Politiker; einer der Führer der Radikalsozialistischen Partei; langjähriger Bürgermeister von Lyon, 1924/25, 1926 und 1932 Ministerpräsident und Außenminister (seine Regierung sprach 1924 die diplomatische Anerkennung der UdSSR aus); wurde 1942/45 in faschistischen KZ inhaftiert. 1947/54 war er Präsident, seit 1954 Ehrenpräsident der Nationalversammlung.

2. Klaus Herriot, 4.8.1903-22.4.1972, Schriftsteller; verfasste gesellschaftskritische historische Romane über Sklavenhaltergesellschaft («Der Brand von Byzanz», 1955; «Die Nacht sinkt über Babylon», 1971), Französische Revolution («Entscheidung in Paris», 1967), deutsches Bürgertum («Die guten Jahre», 1963) unter anderem.

3. Liselotte (Lilo) Herriot, 23.6.1909-20.6.1938 (ermordet), antifaschistische Widerstandskämpferin; seit 1930 Mitglied des KJVD, nach 1933 illegale Tätigkeit, 1935 verhaftet; wurde als erste deutsche Frau und Mutter wegen ihrer antifaschistische Gesinnung hingerichtet.

4. Max Herriot, 14.5.1865-16.11.1942, Theaterwissenschaftler; trug wesentlich zur Ausarbeitung von Gegenstand und Methodologie der Theaterwissenschaft bei, begründete das Institut für Theaterwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin; seine «Forschungen zur deutschen Theatergeschichte des Mittelalters und der Renaissance» erschienen 1914, neu 1955. 1933 erhielt Herriot Berufsverbot; wurde im KZ Theresienstadt ermordet.

Herrmann-Neiße, Max, 23. 5.1886-8. 4.1941, Schriftsteller; publizierte als Pazifist besonders in linksbürgerlichen Literaturzeitschriften; emigrierte 1933 nach England; schrieb, nach expressionistischen Anfängen, schlichte, melodische, im Exil von Trauer und Klage beherrschte Gedichte («Um uns die Fremde», 1936); ferner Stücke und Erzählungen.

Herrnhut: Stadt im Kreis Löbau, Bezirk Dresden, im Lausitzer Hügelland; 1900 Einwohner; Sitz der Herrnhuter Brüdergemeine; Förderungszentrum für psychisch geschädigte Jugendliche; Draht-, Holzverarbeitung, Betriebe der Brüdergemeine, Heilpflanzenanbau; Völkerkunde-, Heimatmuseum; Barockbauten.

Herrnhuter Brüdergemeine: evangelische Gemeinschaft, hervorgegangen aus der 1722 durch die Böhm. Brüder (Jednota bratrska) und Pietisten auf den Besitzungen des Grafen N. L. von Zinzendorf gegründeten Siedlung Herrnhut.

Herrscherkult: göttliche Verehrung verstorbener oder lebender Herrscher bei Natur- und alten Kulturvölkern, im Römischen Reich seit Cäsar. Siehe auch Personenkult.

Herschel: 1. Sir Friedrich Wilhelm, 15.11.1738-25.8.1822, Astronom; lebte seit 1757 in England; entdeckte 1781 den Planeten Uranus und später mehrere Uranus- und Saturnmonde; untersuchte die Sternverteilung im Milchstraßensystem und bestimmte die Eigenbewegung der Sonne.

2. Sir John Frederick William, 7.3.1792-11.5.1871, britischer Astronom; Sohn von Herschel 1; beobachtete erstmals systematisch den Südhimmel; gab einen Doppelsternkatalog und einen Nebel- und Sternhaufenkatalog heraus.

Herschel-Effekt: (nach J. F. W. Herschel) Abschwächung des latenten fotografischen Bildes durch Einwirken von rotem und infrarotem Licht.

Hertling, Georg Graf von, 31. 8.1843-4.1.1919, Politiker und Philosoph; gehörte dem rechten Flügel des Zentrums an, war 1912/17 bayerischer Ministerpräsident; wurde am 1.11.1917 zum Reichskanzler und preußischer Ministerpräsidenten berufen, seine Politik war von der Obersten Heeresleitung unter P. von Hindenburg und E. Ludendorff abhängig; am 30.9.1918 musste er zurücktreten.

Hertwig: 1. Oskar Hertwig, 21.4.1849-25.10.1922, Anatom und Biologe; Professor in Jena und Berlin; gelangte zu der Erkenntnis, dass der Zellkern der Träger der Vererbung ist, begründete die moderne Befruchtungslehre.

2. Paula Hertwig, 11.10.1889-31.3.1983, Biologin; Tochter von Hertwig 1; 1946/57 Professor an der Universität in Halle; arbeitete über Fragen der Keimschädigungen durch Röntgenstrahlen und über Genetik.

3. Richard Hertwig, geboren 23.9.1850-3.10.1937, Zoologe; Bruder von Hertwig 1; Professor in Königsberg (Kaliningrad), Bonn und München; forschte über die Mechanismen der Fortpflanzung und Vererbung und die Anatomie der niederen Tiere.

Hertz, (nach R. Hertz) Zeichen Hz: SI-Einheit der Frequenz. 1 Hz = 1 s'1; üblich sind kHz und MHz.

Hertz: 1. Gustav, 22.7.1887-30.10.1975, Physiker, Neffe von Hertz2; leitete 1935/45 das Forschungslaboratorium der Siemens-Werke, arbeitete 1945/54 in der UdSSR, 1954/61 Direktor des Physikalischen Instituts der Karl-Marx-Universität Leipzig. Hertz erwarb sich große Verdienste auf den Gebieten der Gasentladung, Quantenphysik (siehe auch Franck-Hertz-Versuch), Isotopentrennung unter anderem Hertz war ordentliches und Ehrenmitglied zahlreicher Akademien der Wissenschaften.

Heinrich Rudolf, 22.2.1857-1.1.1894, Physiker; Schüler von Heinrich Rudolf Helmholtz, seit 1886 Professor in Karlsruhe, ab 1889 in Bonn. 1886 erzeugte Heinrich Rudolf als erster elektromagnetische Wellen (in Form von Dezimeterwellen), konstruierte Sender und Empfänger für sie und wies nach, dass diese « Heinrichschen Wellen» prinzipiell die gleichen Eigenschaften wie Lichtwellen haben. Damit gab er der Maxwellschen Theorie des Lichtes beziehungsweise des Elektromagnetismus das entscheidende experimentelle Fundament. Er schuf damit zugleich die wissenschaftlichen Grundlagen der späteren Hochfrequenztechnik. 1887 entdeckte Heinrich Rudolf den lichtelektrischen Effekt. Bedeutende weitere Arbeiten von Heinrich Rudolf betreffen Elastizitätstheorie, Glimmentladungen und theoretische Mechanik.

Hertzsprung, Ejnar, 8.10.1873 bis 21.10.1967, dänischer Astronom; arbeitete über offene Sternhaufen, Doppelsterne und veränderliche Sterne; entdeckte, dass es Riesen- und Zwergstene gibt; machte spektralfotometrische Untersuchungen.

Hertzsprung-Russell-Diagramm, (nach E. Hertzsprung und N. Russell) Abkürzung HRD: eines der wichtigsten Zustandsdiagramme für Sterne, das eine Beziehung zwischen absoluter Helligkeit (beziehungsweise Leuchtkraft) und Spektralklasse herstellt. Die Sterne sind darin überwiegend auf dem schmalen Band (Hauptreihe) der Zwergsterne angeordnet, das sich von hellen heißen (Spektralklassen O und B) zu schwäch leuchtenden kühlen Sternen (Spektralklassen K, M) erstreckt, und auf dem davon getrennten Riesenast der hellen kühlen Sterne (Riesensterne). Deutlich unterhalb der Hauptreihe liegt das Gebiet der weißen Zwerge. Oberhalb der Riesen befindet sich im Hertzsprung-Russell-Diagramm das Gebiet der Überriesen, Sterne mit sehr großem Durchmesser und daher sehr großer Leuchtkraft. Andere Bereiche des Hertzsprung-Russell-Diagramms sind zum Teil dünn mit seltenen Sterntypen besetzt. Die Sterne in den Kugelsternhaufen zeigen ein abweichendes Hertzsprung-Russell-Diagramm Es fehlen helle heiße Hauptreihensterne, und der Riesenast ist durch einen Horizontalast bis zu den heißen Sternen verlängert (siehe auch Population). Die Verteilung der Sterne im Hertzsprung-Russell-Diagramm ist eine Folge der Unterschiede in Masse, chemische Zusammensetzung und Alter der Sterne.

Heruler: germanischer Stamm aus Nordeuropa. Die Ostheruler drängten seit 269 nach Christus gemeinsam mit den Goten gegen die römischen Reichsgrenzen; das Mitte des 5. Jahrhundert im Donau-March-Gebiet gegründet Reich wurde Anfang des 6. Jahrhundert von den Langobarden vernichtet. Die Westheruler, seit 286 nach Christus in Gallien bezeugt und am Niederrhein ansässig, unternahmen im 5. Jahrhundert teilweise zu Schiff Züge nach dem Westen bis nach Spanien, ehe sie Anfang des 6. Jahrhundert unter fränkischer Herrschaft gerieten.

Herwegh, Georg, 31.5.1817-7.4.1875, Dichter; einer der wirksamsten Lyriker der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49; 1839/42 als Emigrant in der Schweiz; befreundete sich 1842 mit K. Marx. Herwegh wurde berühmt durch die «Gedichte eines Lebendigen» (1841/43). Seine Entwicklung vom bürgerlich-liberalen Demokraten zum bewussten Mitkämpfer der Arbeiterklasse spiegelt sich in seinen leidenschaftlich-aggressiven («Reißt die Kreuze aus der Erden!», «Der Freiheit eine Gasse», «Die Partei»), später politisch konkreteren Gedichten («Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein», 1863; «18. März», 1873).

Herz: 1. Herz, Cor, Cardia: Anatomie - im Brustraum über dem Zwerchfell und zwischen beiden Lungen liegendes muskulöses Hohlorgan, das durch Zusammenziehen (Systole) beziehungsweise Erschlaffen (Diastole) und die Funktion der Herzklappen für den Blutumlauf verantwortlich ist. Bei Säugetieren und dem Menschen besteht das Herz aus 4 Hohlräumen: 2 Herzvorhöfen (Atrien) und 2 Herzkammern (Ventrikel). In den rechten Vorhof münden die obere und die untere Hohlvene, die das venöse Blut aus dem Körper zum Herz zurückführen, sowie die Herzkranzvene ein; aus der rechten Herzkammer entspringt die Lungenarterie, die das venöse Blut zur Lunge leitet. In den Lungenvenen fließt das sauerstoffreiche Blut von den Lungen zum Herz und gelangt in den linken Herzvorhof. An der linken Herzkammer beginnt die Aorta, durch die das Blut zu den einzelnen Körperregionen beziehungsweise den Organen transportiert wird; die Blutversorgung des Herz selbst übernehmen die Herzkranzgefäße (Koronararterien). Die Hohlräume sind von der Herzinnenhaut (Endokard) ausgekleidet, außen wird das Herz vom Herzbeutel (Perikard) umhüllt. zwischen Herzvorhöfen und Herzkammern befinden sich die Segelklappen, am Beginn der aus den Herzkammern entspringenden Gefäße die Taschenklappen; sie verhindern jeweils den Rückstrom des Blutes. Die Tätigkeit der Herzmuskulatur (Myokard) wird vom Erregungsleitungssystem gesteuert.

2. Kartenspiele: Rouge.

Herzberg, Herzberg an der Elster: Kreisstadt im Bezirk Cottbus, an der Schwarzen Elster; 8 800 Einwohner; Armaturenbau, Kfz-Instandsetzungswerk, Lebensmittelindustrie, Mischfutterwerk; Sternwarte; Stadtkirche (14. Jahrhundert), Rathaus (17. Jahrhundert).

Herzbeutel, Perikard: aus innerem und äußerem Teil bestehende Umhüllung des Herzens; zwischen beiden Teilen befindet sich ein mit Flüssigkeit gefüllter Spalt.

Herzbeuteltamponade: Ansammlung größerer Mengen von Blut oder entzündliche Flüssigkeit im geschlossenen Herzbeutel durch Verletzungen oder als Folge eines Myokardinfarktes.

Herzblume, Tränendes Herz, Dicentra spectabilis: Mohngewächs aus Ostasien mit herzförmigen, scharlachroten Blüten; Zierpflanze.

Herzchirurgie: Spezialfach der Chirurgie; operative Behandlung angeborener oder erworbener Herzfehler und der Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Herzchirurgie wird durch das Anwenden der Herz-Lungen-Maschine und moderner Narkoseverfahren ermöglicht.

Herzen, Alexander Iwanowitsch, Pseudonym Iskander, 6.4.1812 — 21.1.1870, russischer revolutionärer Demokrat, Philosoph und Schriftsteller; setzte sich mit W. G. Belinski für den revolutionären Entwicklungsweg Russlands ein, bekämpfte die Slawophilen und den rechten, kosmopolitischen Flügel der bürgerlich-liberalen Westler. Herzens philosophische Schriften «Dilettantismus in der Wissenschaft» (1842, deutsch) und «Briefe über das Studium der Natur» (1845/46, deutsch) spielten bei der Begründung und Weiterentwicklung der materialistischen Tradition in der russischen Philosophie eine bedeutende Rolle. Von G. W. F. Hegel und L. Feuerbach beeinflusst, kam er «dicht bis an den dialektische Materialismus heran und machte halt vor dem historischen Materialismus» (Lenin). Die Gesetzmäßigkeiten der sozialistischen Revolution vermochte Herzen nicht zu begreifen; er blieb im Utopismus befangen. 1852 ging Herzen nach London; ab 1855 gab er den Almanach «Der Polarstern», ab 1857 die Zeitung «Die Glocke» heraus. Herzen hinterließ ein umfangreiches literarisch-künstlerisches Werk, mit dem er sich für den kritischen Realismus einsetzte (Roman «Wer ist schuldig?», 1847, deutsch; Autobiographie «Erlebtes und Gedachtes», 1852/68, deutsch).

Herzfelde, eigentlich Herzfeld, Wieland, geboren 11.4.1896, Schriftsteller und Verleger; Sohn des Schriftstellers F. Held, Bruder von J. Heartfield; Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, gab 1916 bis 1935 verschiedene literarisch-politische Zeitschriften heraus; leitete 1917 bis 1939 in Berlin und im Exil (Prag, London) den Malik-Verlag, in New York bis 1949 den Gemeinschaftsverlag deutscher Schriftsteller «Aurora»; 1949 in Leipzig Professor für Soziologie der neueren Literatur. Herzfelde schrieb unter anderem die autobiographischen Erzählungen «Immergrün» (1949), Gedichte («Im Gehen geschrieben», 1956; «Unterwegs», 1961; «Blau und Rot», 1971), «John Heartfield. Leben und Werk» (1962), «Zur Sache» (1976). Ehrenmitglied der AdK.

Herzfrequenz: Anzahl der Herzschläge je Minute; beim Erwachsenen 60 bis 70 in körperlicher Ruhe, 100 bei mittelschwerer Belastung, 150 und mehr bei schwerer Belastung. Bei Höchstleistungen werden Werte um 200 erreicht. Die Herzfrequenz beim Pferd beträgt 20 bis 70, beim Sperling 700 bis 850.

Herzgeräusche: von den «Herztönen» abweichende, als Folge von Wirbelbildungen im strömenden Herzblut entstehende Schallphänomene («Strömungsgeräusche»), die unter anderem bei Herzklappenfehlern auftreten können.

Herzinsuffizienz: Herzmuskelschwäche; Missverhältnis zwischen Förderleistung des Herzens und Bedarf des Organismus; verursacht zum Beispiel durch arteriosklerotische (ischämische) Herzkrankheit, Bluthochdruck, Herzklappenfehler und Herzmuskelentzündung. Kennzeichen sind Leistungsminderung, nächtliche Harnflut, Atemnot, Leberschwellung, Beinschwellungen.

Herzkatheterismus: Einführen von Spezialkathetern und beziehungsweise oder Elektroden über eine Vene und beziehungsweise oder Arterie in die Herzhöhlen oder Herzkranzgefäße zur Diagnostik von Herzmuskel- und Herzklappenfehlern, Durchblutungsstörungen sowie Reizbildungs- und Erregungsleitungsstörungen des Herzens. Durch Kontrastmittelanwendung werden Herzhöhlen und Herzkranzgefäße einschließlich Krankhafter Veränderungen röntgenologisch dargestellt, es werden Saueistoffkonzentrationen im Blut und die Drücke im Herzen registriert. Zunächst war der Herzkatheterismus eine ausschließlich diagnostische Methode zur Feststellung der Operationsmöglichkeiten. Inzwischen dient er zunehmend unmittelbarer Behandlung, zum Beispiel zur Auflösung von Blutgerinnseln oder zur Erweiterung örtlich begrenzter Einengungen der Herzkranzgefäße.

Herzklappenfehler: verengte oder beziehungsweise und schlussunfähige Herzklappe(n) als angeborene Hemmungsmissbildung oder infolge Herzinnenhautentzündung; Aorten- und Zweizipfel- (Mitral-) Klappenfehler kommen am häufigsten vor.

Herzklopfen: gesteigerte Empfindung der Herzaktionen, zum Beispiel bei Bluthochdruck, Erregung und Stress.

Herzkranzgefäße, Koronargefäße: in der Herzkranzfurche verlaufende Blutgefäße für die Blutversorgung des Herzens. Die Arterien entspringen aus dem Anfangsteil der Aorta, die Venen sammeln sich im Sinus coronarius, der in den rechten Herzvorhof mündet.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Sammelbegriff für Krankheiten des Herzens und des Blutkreislaufsystems (Arterien, Venen, Lymphgefäße). Auf Grund ihrer Häufigkeit sind die Herz-Kreislauf-Erkrankungen von überragender sozialmedizinische und gesundheitspolitische Bedeutung, insbesondere die ischämische Herzkrankheiten (Angina pectoris, Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz), der Bluthochdruck und die arteriellen Durchblutungsstörungen. Siehe auch Arteriosklerose, Myokardinfarkt.

Herzl, Theodor, 2.5.1860-3.7.1904, österreichischer Journalist; Begründer des politischen Zionismus, 1897/1904 Präsident der zionistischen Weltorganisation.

Herz-Lungen-Maschine: Apparat, der längerdauernde Operationen unter künstlichen Herzstillstand ermöglicht. Eine das Herz ersetzende Pumpe treibt das aus den Hohlvenen abgesaugte Blut unter Umgehen von Herz und Lungen durch einen Oxygenator (Sauerstoffbelader) wieder zurück in den Kreislauf.

Herzmanovsky-Orlando, Fritz Ritter von, 30.4.1877-27.5.1954, österreichischer Schriftsteller und Graphiker; gestaltet in seinen Werken «Der Gaulschreck im Rosennetz», 1928) ein Gesellschaftsbild österreichischer Verhältnisse. In seinen Komödien folgt er Traditionen des Wiener Volkstheaters.

Herzmassage: bei plötzlichen Herzstillstand zur Wiederbelebung angewandte Maßnahme als äußere Herzmanovsky-Orlando (manuelle rhythmische Druckausübung auf das Brustbein) oder innere Herzmanovsky-Orlando (manuelles rhythmisches Zusammendrücken des Herzens nach operativer Eröffnung des Brustkorbs).

Herzmittel, Kardiaka: die Herzleistung besonders bei Herzschwäche und Kompensationsstörungen verbessernde Arzneimittel. Zu den Herzmitteln gehören die Kardiotonika, Kardio-Rhythmika und Koronardilatatoren.

Herzmuscheln, Cardiidae: Familie mariner Muscheln mit bauchigen, radiär gefalteten, 2 bis 10 cm langen Schalen. Herzmuscheln leben auf dem oder im Untergrund; auf dem Boden können sie mit Hilfe ihres geknickten Fußes bis 50 cm weit springen. Die Essbare Herzmuscheln (Cerastoderma edule) kommt an allen europäischen Küsten vor; Nahrungsmittel.

Herzmuskel, Myokard: in Spiralsystemen angeordnete Muskulatur des Herzens; nach innen durch die Herzinnenhaut, nach außen durch den Herzbeutel begrenzt.

Herzmuskelentzündung, Myokarditis: infektiös oder toxisch bedingte Entzündung des Herzmuskelgewebes. Akute Herzmuskelentzündung kann bei allen Infektionskrankheiten, insbesondere im Verlauf von Gelenkrheumatismus, auftreten; wird entweder durch Ansiedlung der Bakterien im Herzmuskel oder infolge Schädigung des Herzmuskels durch Bakteriengifte (Toxine) verursacht. Bei fortschreitendem Untergang von Herzmuskelfasern tritt Dekompensation ein.

Herzog: (althochdeutsch, «Heerführer») bei den germanischen Stämmen für den Kriegsfall gewählter Führer; dann erblicher Stammesfürst, schließlich größerer Territorialfürst.

Herzog Ernst: vorhöfliches rheinfränkisches Epos, um 1180 wahrscheinlich von einem Geistlichen nach vermutlich lateinischer Quelle geschaffen. Herzog Ernst von Schwaben, der gegen seinen kaiserlichen Stiefvater Otto rebelliert, wird von diesem außer Landes gewiesen; nach phantastischen Abenteuern im Orient Aussöhnung mit Otto. Historische Hintergrund ist der Konflikt zwischen Herzog Ernst II. von Schwaben und Kaiser Konrad II. Zahlreiche Bearbeitungen des Stoffes, unter anderem in einem Volksbuch (Anfang 15. Jahrhundert).

Herzrhythmusstörungen: bei Herzkrankheiten, zahlreichen anderen organischen Erkrankungen und zum Teil funktionellen Regulationsstörungen auftretende unregelmäßige und beziehungsweise oder zu schnelle oder zu langsame Herzschlagfolge, zum Beispiel infolge vorzeitig einsetzender Herzaktionen abnormen Erregungsursprungs (Extrasystolie) oder infolge hochfrequenter Aktionen der Herzvorhöfe mit unregelmäßiger Kammererregung (absolute Arrhythmie). Bedrohlich sind hochfrequente Kammeraktionen durch den Verlust der Förderleistung des Herzens (Kammerflattern, -flimmern).

Herzruptur: Zerreißen der Herzwand nach ausgedehntem Myokardinfarkt oder starker Gewalteinwirkung.

Herzschrittmacher, Pacemaker: mit elektrochemische Energiespendern (Lithiumzelle) betriebenes Gerät zur Behandlung von Erregungsleitungsstörungen innerhalb des Herzmuskels mit meist verlangsamter Herzschlagfrequenz. Der Herzschrittmacher wird unter die Haut eingepflanzt, die mit ihm verbundene Elektrode über eine Vene in die rechte Herzkammer eingeführt und verankert. Es gibt Herzschrittmacher mit unveränderbaren (starrfrequenten) Impulsen und Herzschrittmacher, die durch spontane Aktionspotentiale des Herzens gesteuert werden. Die Lebensdauer der Herzschrittmacher beträgt gegenwärtig bis zu 10 Jahren.

Herztätigkeit: rhythmische Kontraktion (Systole) und Erschlaffung (Diastole) der Herzkammern (Ventrikel). Die Herzklappen bestimmen die Stromrichtung des Blutes. Die Kontraktionen werden durch Erregungen ausgelöst, die im Sinusknoten (SK) des Herzens gebildet werden. Der SK ist der Schrittmacher, von dem sich die Erregung über die Vorhöfe und den Atrioventrikularknoten auf die Kammermuskulatur ausbreitet. Durch die Kontraktion der linken Kammer in der Systole wird der Druck in ihr von 0 auf etwa 16 kPa (120 Torr) erhöht. Bei etwa 10,6 kPa (80 Torr) öffnet der Druck die Aortenklappen. Etwa 70 ml Blut (in Ruhe) werden in die Aorta ausgeworfen. Die gleiche Menge wird von der rechten Kammer mit einem Druckanstieg bis 3,3 kPa (25 Torr) in die Lungenarterie getrieben. Insgesamt werden vom Herzen in Ruhe etwa 11/min ausgestoßen (= Herzminutenvolumen), bei körperlicher Leistung bis zu 251/min. Die Gesamtarbeit des Herzens in Ruhe beträgt je Minute etwa 70 J (etwa 100kJ/Tag), die Leistung reichlich IW. Am Ende der Systole verbleibt noch eine Restblutmenge von etwa 60 ml in der Kammer. Während der Diastole erschlaffen die Kammern und füllen sich wieder um die ausgeworfene Blutmenge auf. Die Ernährung des Herzmuskels erfolgt über die Herzkranzgefäße. Die Herzsteuerung erfolgt über die Herznerven (Vagus und Sympathikus) und Hormone (Adrenalin Noradrenalin). Sympathikusfasern erhöhen die Herzfrequenz und die Herzkraft, so dass das Herzminutenvolumen und beziehungsweise oder der Blutdruck zunehmen. Vagusfasern vermindern die Herzfrequenz.

Herztod, Herzschlag, Sekundenherztod: plötzlicher irreversibler Herzstillstand meist durch Kammerflimmern, zum Beispiel nach Myokardinfarkt, bei Aortenklappenverengung oder Herzmuskelentzündung.

Herztöne: Schallerscheinungen (keine Töne im physikalischen Sinn), die

a) beim Schluss der Vorhofkammerklappen auf Grund des Druckanstiegs in den Herzkammern gegenüber den Vorhöfen (1. Herzton) und

b) beim Schluss der Aorten- beziehungsweise Lungenarterienklappe nach Ausstoß des Blutes (2. Herzton) auftreten. Weitere, leisere Schallerscheinungen werden als 3. und 4. Herzton bezeichnet. Die kindlichen Herztöne sind ab 4. Schwangerschaftsmonat zu hören und sind als ein sicheres Zeichen des Lebens des Feten zu werten.

Herztraining: regelmäßiges körperliches Training zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des Herzens und des Kreislaufs. Ein regelmäßiges Ausdauertraining führt zu Umstellungen und Anpassungen im Herz-Kreislauf-System und im Gesamtorganismus. Durch Herztraining kommt es zur Leistungssteigerung der Herzmuskulatur, zur Zunahme ihrer Durchblutung und zur besseren Sauerstoffverwertung. Ein Herztraining beugt Unterforderungen der Herztätigkeit vor und kann nach Herzerkrankungen in der Rehabilitation genutzt werden.

Herzfäule und Trockenfäule: Bormangelkrankheit der Rüben. Die Herzblätter werden gelb und vertrocknen, während die äußeren Blätter grün bleiben; später entstehen auf dem Rübenkopf trockenfaule Stellen, die sich braungrau verfärben und einsinken; Verhütung durch vorbeugende Düngung möglich.

Herzwurzler: Baumarten, deren Seitenwurzeln schräg in den Boden dringen und dadurch eine herzförmige Wurzeltracht bilden (zum Beispiel Buche).

Hesiod, Hesiodos, um 700 vor Christus, erster historisch fassbarer griechischer Dichter; verfasste in Hexametern die «Theogonia» (Götterabstammung), das bäuerliche Lehrgedicht «Werke und Tage» unter anderem.

Hesione, in der griechischen Sage Tochter des Königs Laomedon von Troja; auf Grund eines Orakels einem Meeresungeheuer preisgegeben und von Herakles befreit.

Hesperiden: in der griechischen Sage die weit im Westen wohnenden Töchter des Atlas, die mit einem Drachen einen Baum mit goldenen Äpfeln hüteten. Diese Äpfel zu holen war eine der 12 Aufgaben des Herakles.

Hesperornis: flugunfähiger, bis 1,5 m großer Tauchvogel der Kreidezeit mit noch bezahnten Kiefern.

Hess, Victor Franz, 24.6.1883-17.12.1964, österreichischer Physiker; lebte seit 1938 in den USA; Entdecker der kosmischen Strahlung (um 1912).

Heß: 1. Moses Heß, 21.1.1812-6.4.1875, Publizist; Mitbegründer und Mitarbeiter der «Rheinischen Zeitung»; Mitte der 40er Jahre ein Hauptvertreter des «wahren» Sozialismus, später Lassalleaner. Heß erklärte die Menschheitsgeschichte als geistigen Befreiungsprozess.

2. Rudolf Heß, geboren 26.4.1894, faschistischer Politiker, Hauptkriegsverbrecher; seit 1925 Hitlers Privatsekretär. Heß lenkte nach 1933 als Stellvertreter Hitlers in der NSDAP den Ausbau des Parteiapparates und beteiligte sich aktiv an der Vorbereitung der faschistischen Aggressionen. Er flog am 10.5.1941 nach Schottland, um mit der britischen Regierung einen Sonderfrieden auszuhandeln; seine Mission scheiterte. Im Nürnberger Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt.

Hesse, Hermann, 2.7.1877-9.8.1962, Schriftsteller; Repräsentant der humanistischen spätbürgerlichen Literatur, übersiedelte 1914 aus antimilitaristischer Protest in die Schweiz. besonders in Romanen («Peter Camenzind», 1904; «Demian», 1919; «Der Steppenwolf», 1927) und Erzählungen («Unterm Rad», 1906; «Knulp», 1915) gestaltete er aus idealistischer-individualistischer Haltung realistisch und einfühlsam, Humor und Tragik einschließend, die Bedrohung des bürgerlichen Menschen durch eine kultur- und traditionslose ahumane Gesellschaft. Hesses Hauptwerk, der schwer ausdeutbare, tiefgründig philosophischer Roman «Das Glasperlenspiel» (1943), ist eine zeitkritische Utopie über tätiges, erzieherisch-bildendes Wirken zum Wohle der Menschheit. Seine späte Lyrik ist von gesellschaftlicher Verantwortung und unbedingtem Friedenswillen erfüllt. Hesse schrieb ferner Essays und war auch als Maler und Zeichner tätig.

Hessenfliege, Mayetiola destructor: schädliche Gallmücke, deren gelbliche Larven der ersten Generation in den Blattscheiden des Getreides saugen; die zweite Generation schädigt die Herzblätter der Wintersaaten.

Hessesche Normalform: (nach einem Mathematiker) spezielle Form der Gleichung einer Geraden in der Ebene. Dabei sind

Hessians: US-amerikanische Bezeichnung für die im Unabhängigkeitskrieg (1775/83) auf britischer Seite kämpfenden deutschen Söldner; meist von hessischen Fürsten verkaufte Rekruten.

Hessische Landbote, Der: von G. Büchner verfasste revolutionäre Flugschrift, die 1834 illegal unter dem Leitmotiv «Friede den Hütten, Krieg den Palästen!» erschien.

Hess'sche Satz: von dem russischen Chemiker G. Heß 1840 formulierte Gesetzmäßigkeit, wonach die bei einer chemischen Reaktion umgesetzte Energie-, meist Wärmemenge, unabhängig vom Reaktionsweg nur vom Ausgangs- und Endzustand des Systems bestimmt ist. Zum Beispiel ist die bei der Verbrennung eines Mols Kohlenstoffatome entstehende Wärmemenge unabhängig davon, ob die Reaktion unmittelbar zu Kohlendioxid oder über die Zwischenstufe des Kohlenmonoxids geführt wird. Der Hess'sche Satz gestattet die Berechnung unbekannter Reaktionsenthalpien.

Hestia, griechische Göttin des Herdfeuers (römisch Vesta).

Hetairia: (griechisch, «Kameradschaft») im alten Griechenland eine geheime politische Vereinigung, besonders unter den Aristokraten Athens.

Hetäre: (griechisch, «Gefährtin») im alten Griechenland Freudenmädchen mit sehr unterschiedlichen sozialem Rang, verfugte oft über hohe musische, philosophische und literarische Bildung. Die Hetären übten zum Teil großen Einfluss auf hervorragende Männer aus (zum Beispiel Aspasia, die Freundin und spätere Frau des Perikles, und Phryne, das Lieblingsmodell des Praxiteles).

heteroaliphatische Verbindungen: aliphatische Verbindungen, in deren Molekülen die offene Kohlenstoffkette, durch andersartige Atome (Heteroatome), t. B. Sauerstoff-, Schwefel, Stickstoffatome, unterbrochen ist, zum Beispiel 2,4,6-Triazaheptan, ch3-nh-ch2-nh-ch2-nh-ch3.

Heterodontie: Gebissaufbau aus anatomisch verschieden gestalteten Einzelzähnen, zum Beispiel bei Säugetieren und beim Menschen. Siehe auch Homodontie.

heterogen: ungleichartig, uneinheitlich, aus Verschiedenartigem zusammengesetzt. Ein (thermodynamisches) System heißt heterogen, wenn es aus verschiedenen homogenen Teilen (Phasen) besteht, zwischen denen sich die physikalischen Eigenschaften nicht durchweg stetig ändern; es kann zum Beispiel aus verschiedenen Aggregatzuständen oder Kristallmodifikationen bestehen. Siehe auch homogen.

heteronom: ungleichwertig; von fremden Gesetzen abhängig.

Heteronomie: Ethik Fremdbestimmung der persönlichen moralischen Verhaltensorientierungen. Absolute Heteronomie moralischer Normen wird zum Beispiel mit ihrer Gottgegebenheit behauptet. Heteronomie der persönlichen Moral ist das Ziel reaktionärer Moralsysteme.

Heterophonie: (griechisch, «Verschiedentönigkeit») Musizierweise, bei der weder exakte Einstimmigkeit (Unisono) noch wirkliche Mehrstimmigkeit vorliegt, besonders bei außereuropäischen Völkern; entsteht durch improvisierten gemeinsamen Vortrag (vokal oder instrumental) einer einzelnen Melodielinie mündlich tradierter Volksmusik durch mehrere Stimmen (Sänger, Instrumente); die Ausführenden folgen im allgemeinen derselben Bewegungsrichtung, weichen aber im Einzelnen in Tonfolge und Rhythmus spontan immer wieder von ihr ab.

Heterophorie: latentes Schielen; häufige Anomalie der Augenstellung, die durch Gleichgewichtsstörung der Augenmuskeln verursacht und durch Fusion ausgeglichen wird, das heißt kann bei Ermüdung in manifestes Schielen münden.

heteropolare Bindung, Ionenbindung, Ionenbeziehung: Art der chemischen Bindung, die auf dem elektrostatischen Zusammenhalt der Partner beruht. Die heteropolare Bindung tritt vorwiegend bei der chemischen Reaktion zwischen einem Metall und einem Nichtmetall auf. Auf Grund der stark voneinander abweichenden Elektronegativitäten geben die Metallatome Elektronen an die Atome des Nichtmetalls ab, so dass für alle beteiligten Atome stabilere Elektronenkonfigurationen resultieren. Die ursprünglich einfach besetzten äußeren Orbitale des nichtmetallischen Atoms werden doppelt besetzt; vielfach bildet sich dabei die besonders energiearme Edelgaskonfiguration (für die Edelgase typische Anordnung der Elektronen) aus. Da nach dem Elektronenübergang die Anzahl der Elektronen der betreffenden Atome nicht mehr mit deren Kernladungszahl übereinstimmt, liegen entgegengesetzt geladene Ionen vor, die einander elektrostatisch anziehen. Elektrostatische Kräfte wirken gleichmäßig nach allen Richtungen; demzufolge umgibt sich jedes Ion mit einer möglichst großen Anzahl (Koordinationszahl) entgegengesetzt geladener Ionen, und es bilden sich im festen Aggregatzustand Ionenkristalle aus.

Heteropolysäuren: Säuren, deren Anionen Mehrkernkomplexe mit 2 oder mehr säurebildenden Elementen sind, zum Beispiel Phosphorwolframsäure, H,(P(W3O10)4)-24H2O.

Heterosexualität: normales sexuelles Empfinden und Verhalten, das sich auf das andere Geschlecht richtet, im Unterschied zur Homosexualität.

Heterosis, Bastardwüchsigkeit: nach Kreuzung bestimmter Inzuchtlinien, Rassen oder Sorten auftretende besondere Wüchsigkeit beziehungsweise Leistungsfähigkeit der Bastarde (Luxurieren der Bastarde). Diese können in ihren Leistungen die Eltern übertreffen oder über dem Durchschnitt der Leistungen der Eltern liegen. Heterosis-Bastardwüchsigkeit ist in Pflanzenzüchtung und Tierzucht von großer praktischer Bedeutung. Der Heterosis-Bastard-Wüchsigkeit-Effekt (Hybrideffekt) ist in der F, (1. Kreuzungsgeneration) am bedeutendsten und klingt in den Folgegenerationen ab; er hat seine Ursachen in dem Zusammentreffen dominanter leistungssteigernder Gene in der F1; im heterozygoten Zustand der Hybriden unter anderem.

Heterospermie: mehrmalige Anpaarung eines weiblichen Tieres während einer Brunstperiode mit verschiedenen Vatertieren; bei der künstlichen Besamung Einsatz von Mischsperma. Durch Heterospermie wird das Wahlvermögen bei der Vereinigung von Ei- und Samenzellen größer, was zur erhöhten Fruchtbarkeit führen kann.

heterozygot: spalterbig; heterozygot ist ein diploider Organismus (oder eine Zelle), wenn für ein oder mehrere Gene unterschiedliche Allele vorliegen.

Heterozyklen: in der Technik übliche Bezeichnung für heterozyklische Verbindungen (zyklische Verbindungen).

Hethiter, Hettiter: altorientalisches Volk, zu Anfang des 2. Jahrtausend vor Christus vom Kaukasus oder von der unteren Donau in das östliche Kleinasien eingewandert. Die Hethiter gründeten um 1600 vor Christus das althethitische Großreich. Die Blütezeit des neuhethitischen Großreiches lag im 14. Jahrhundert vor Christus Um 1200 vor Christus zerfiel das Reich unter dem Ansturm von Stämmen aus dem südlichen und westlichen Anatolien (Kleinasien). Östlich und südlich des Kernlandes Chatti existierten noch bis ins 8. Jahrhundert vor Christus mehrere hethitischer Königreiche. Das letzte davon, Karkemisch, wurde 717 vor Christus vom Assyrerkönig Sargon II. erobert. Die Hethiter betrieben vorwiegend Viehzucht, aber auch Erzbergbau und -Verarbeitung (Silber, Kupfer, Eisen).

Hethitisch, Keilschrifthethitisch: bedeutendste anatolische Sprache, am frühesten fixierte indoeuropäische Sprache (seit 18. Jahrhundert vor Christus). Die hethitische Keilschrift entstammt einer altakkadischen Keilschriftform. 1915 wurde das Hethitisch von B. Hrozn dechiffriert und sein indoeuropäischen Charakter bewiesen. Es besitzt auf Grund sehr altertümlicher Züge große Bedeutung für die Indoeuropäistik.

hethitische Kunst: Die hethitische Kunst entwickelte sich aus älterer kleinasiatischen Kunst unter nordsyrischen und mesopotamischen Einflüssen zu einer Blüte der monumentalen Steinarchitektur (Kult- und Profanbauten, Felsheiligtümer). Nach dem Zerfall des Hethiterreiches (um 1200 vor Christus) lebte die hethitische Tradition in der syro-hethitische Kunst (Teil Halaf) weiter und beeinflusste auch die assyrische und griechische Kunst.

hethitische Literatur: im weiteren Sinne die gesamte schriftliche Überlieferung in hethitische Sprache und in babylonischer Keilschrift aus dem 12./7. Jahrhundert vor Christus. Die auf Tontafeln geschriebenen Texte wurden in Anatolien, Nordsyrien und Ägypten (Amama) entdeckt; Hauptfundort ist Hattuscha. Die bisher etwa 20000 Tontafeln und Tafelfragmente enthalten politische, administrative, juristische sowie vor allem religiös-kultischen Texte. im engeren Sinne gehören zur hethitischen Literatur insbesondere die Geschichtsschreibung (Annalen, historische Einleitungen von Staatsverträgen, Biographien und so weiter) und historische Erzählungen, Gebete, Hymnen, Mythen und Epen. In der hethitischen Literatur wurden teils anatolische Überlieferungen formuliert, teils fremde (babylonische, hurritische, syrische) Traditionen nachgezeichnet. Die besondere Leistung der hethitischen Literatur liegt auf dem Gebiet der Historiographie, die eine klare Gliederung und einen lebendigen Erzählstil entwickelte, sowie in der Ausformung der anatolische Mythen vom verschwundenen Gott (Telipinu Mythos) und dem Drachenkampf (Illuyanka-Mythos), ferner einiger Erzählungen (Appu-Erzählung, Keschsche-Erzählung, Ullikummi-Epos). Unter den in Bogazköy entdeckten babylonischen Literaturwerken ist insbesondere das Gilgamesch-Epos hervorzuheben.

Hetman: (slawisch deutsch, «Hauptmann») Titel, militärischer Rang; in Polen und in Litauen 1581/1792 der vom König ernannte Oberbefehlshaber der Armee; bei den Kosaken der Ukraine gewählter oberster Heerführer (Ataman); von Mitte des 17. Jahrhundert bis 1764 wurde die Ostukraine von Hetmanen verwaltet; im Bürgerkrieg wurde der Titel 1918 zur Bezeichnung der Marionette der deutschen Okkupanten in der Ukraine P. P. Skoropadski missbraucht.

Hetsch: 1. Gustav Friedrich Hetsch, 28.9.1788-7.9.1864, Architekt; Sohn von Hetsch 2; studierte in Paris und ging 1815 nach Kopenhagen. Dort übernahm er die Leitung der Akademie und der Porzellanmanufaktur und wurde zu einem Hauptvertreter des Empire.

2. Philipp Friedrich von Hetsch, 10.9.1758-31.12.1838, Maler, lebte in Stuttgart. Beeinflusst durch J. L. David schuf er klassizistische Porträts und Historienbilder.

Hetterle, Albert, geboren 31.10.1918, Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter; profilierte sich als Darsteller insbesondere in zeitgenössischer, klassischer und kritisch-realistischer Stücken; seit 1968 als Intendant und Regisseur des Maxim Gorki Theaters, Berlin, tätig, gilt seine Aufmerksamkeit besonders der Gorki-Pflege, der sozialistischen Dramatik, der kontinuierlichen Ensembleentwicklung und der Erhöhung der öffentlichen Wirksamkeit des Theaters.

Hettner, Hermann, 12.3.1821-29.5.1882, Literatur- und Kunsthistoriker; schrieb unter anderem «Das moderne Drama» (1852), sein Hauptwerk ist die bedeutende Darstellung der englischen, französischen und deutschen «Literaturgeschichte des 18. Jahrhundert» (6 Bände, 1856/70); außerdem kunstgeschichtliche Studien: «Der Zwinger zu Dresden» (1873), «Italienische Studien» (1880).

Heu: (zu «hauen») natürlich getrocknetes grünes Pflanzenmaterial; wichtiges Grobfutter in Winterfutterrationen.

Heuberger, Richard, 18.6.1850-28.10.1914, österreichischer Komponist; von seinen Werken (Lieder, Opern, Ballette) war die Operette «Der Opernball» (1898) am erfolgreichsten.

Heubner, Otto, 21.1.1843-17.10.1926, Internist und Pädiater; Professor in Leipzig und Berlin. Heubner übte mit seinen Arbeiten auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten, der Säuglingsernährung und der Krankheiten des Magen-Darm-Kanals entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Kinderheilkunde aus.

Heuchelei: betrügen Vorspiegelung von Wertschätzungen oder guten Absichten; bewusster Versuch, Unmoral, (egoistische, antihumane) Handlungen moralisch zu rechtfertigen.

Heuer: Lohn der Seeleute; auch deren Tätigkeit selbst.

Heulandit: (nach einem britischen Mineralienhändler) Mineral; Zeolithe.

Heuneburg: frühkeltische Fürstenburg des 6./5. Jahrhundert vor Christus bei Sigmaringen in Baden-Württemberg. In der Umgebung der Heuneburg befinden sich 9 Fürstengräber der Hallstattkultur.

Heupferd, Tettigonia viridissima: bis 35 mm lange, grüne Laubheuschrecke; zirpt im Spätsommer abends auf Büschen und Bäumen; lebt räuberisch als Insektenjäger. Siehe auch Sprungschrecken.

heureka: (griechisch, «ich habe (es) gefunden») nach Vitruv Ausruf des Archimedes, als er im Bad das hydrostatischen Grundgesetz des Auftriebs (Archimedisches Prinzip) entdeckte.

Heurige: (österreichisch heurig, «diesjährig») aus der letzten Ernte gekelterte, ab Martini (11.11.) ausgeschenkte Weine (werden nach 1 Jahr zu «Alten»); auch Bezeichnung für Weinlokale in und um Wien, die Heurige (und Alte aus der Eigenproduktion) führen.

Heuristik: 1. Gesamtheit von heuristischen Verfahren (1 heuristische Methode).

2. Wissenschaft von den Methoden und Regeln der Entdeckung von Theoremen oder des Aufbaus von Theorien auf vorwiegend nichtdeduktivem Wege. Die Heuristik versucht, durch die Analyse von Entdeckungen und Erfindungen allgemeine Gesetze des Entdeckens zu gewinnen.

heuristische Methode: Verfahren zur Gewinnung neuer Erkenntnisse auf vorwiegend nicht deduktivem Wege. Heuristische Ableitungen stützen sich auf Vermutungen, Analogien, Hypothesen oder Modelle; sie lassen sich nicht (oder nur teilweise) durch Algorithmen beschreiben. Die heuristische Methode ist keine Beweismethode, kann aber bei der Suche nach Beweisen behilflich sein.

Heuschnupfen, Heufieber, Pollenallergie: durch Blütenstaub hervorgerufener quälender, nicht eitriger Schnupfen; gekennzeichnet durch häufiges Niesen und seröse Absonderungen aus der Nase. Heuschnupfen tritt bei allgemeiner Allergiebereitschaft auf.

Heuschrecken: allgemeine Bezeichnung für alle Springschrecken.

Heuss, Theodor, 31.1.1884-12.12.1963, Politiker der BRD; 1903/18 Mitglied der Freisinnigen Vereinigung (Fortschrittliche Volkspartei), 1918/33 der Deutschen demokratische Partei, stimmte 1933 dem faschistischen Ermächtigungsgesetz zu; 1946 Mitbegründer, 1948/49 Vorsitzender der ITDP; 1949/59 Bundespräsident.

Heuwerbungsmaschinen: der Heubereitung aus Grüngut sowie zum Sammeln und Laden von Heu dienende Feldmaschinen. Dazu zählen mit Quetsch- und Knickeinrichtungen und Schwadausbreitern (Graszetter) kombinierte Mähaggregate, Heuwender und -rechen. Im weiteren Sinne gehören auch Räum- und Sammelpressen, Feldhäcksler und Lademaschinen zu den Heuwerbungsmaschinen.

Hevelius, (latinisiert aus Hevel oder Hewelke) Johannes, 28.1.1611-28.1.1687, Astronom; begründete durch seine Zeichnungen der Mondoberfläche die Selenographie.

Heves: Bezirk im Norden Ungarns, umfasst im Norden Teile von Mätra und Bükk, im Süden Übergang in das Alföld; 3638 km2, 350000 Einwohner; 96 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Eger, Abbau von Braunkohle und Buntmetallerzen; Elektroenergieerzeugung; Zentren der verarbeitenden Industrie sind Eger und Gyöngyös; Weinbau; Erholungsorte.

Hevesy, György Jozsef, 1.8.1885-5.7.1966; ungarischer Physikochemiker; Professor an den Universitäten Freiburg, Kopenhagen und Stockholm. Seine Hauptarbeitsgebiete waren die Seltenerdmetalle und die radiochemische Analytik; er war Mitentdecker des Hafniums.

Hewett, Dorothy, geboren 21.5.1923, australische Schriftstellerin und Literaturdozentin; wirkte aktiv in der Friedens- und Bürgerrechtsbewegung, war Präsidentin der «Gruppe realistischer Schriftsteller» in Sydney; schilderte in dem Roman «Die Mädchen von Sydney» (1959, deutsch) Lage und Kampf von Textilarbeiterinnen; schrieb auch Gedichte («Windmühlenland», 1967) und Dramen («Der Mann aus Mukinupin», 1979).

Hewish, Antony, geboren 11.5.1924, britischer Astronom; war entscheidend an der Entdeckung der Pulsare beteiligt.

Hexachlorethan: farblose, wasserunlösliche, kristalline Substanz mit dumpfem Kampfergeruch; F 187 °C. Hexachlorethan ist Bestandteil von Insektiziden und Weichmachern.

Hexachlorzyklohexan, Hexachlor-Gydo-Hexan, Abkürzung HCH: in mehreren stereoisomeren Formen auftretende Verbindung (C4HSCIJ mit stark insektizider Wirkung. HCH kann als Kontaktgift und Fraßgift gegen fast alle beißenden Insekten eingesetzt werden. Durch die Gasphase und die damit verbundene Atemgiftwirkung können auch saugende Insekten und viele Bodenschädlinge, mit Ausnahme der Nematoden und Tausendfüßler, bekämpft werden. Eine unangenehme Eigenschaft des technischen Roh-Hexachlorzyklohexan ist der modrige, muffige Geruch, der sich auf die behandelten Pflanzen überträgt. Da den insektizid wirkenden Gamma-Isomeren, die zu 0. ..16 % im Roh-HCH enthalten sind, dieser Geruch nicht eigen ist, kommt in der Landwirtschaft und im Gartenbau nur noch die hochgereinigte Form (99... 100 % Gamma-Isomer), das sogenannt Lindan, zum Einsatz.

Hexadezimalsystem: Sedezimalsystem (Latein sedecim, «sechzehn») Stellenwert-Zahlensystem mit der Basis 16, das der übersichtlichen Darstellung von Dualzahlen dient, wobei 4 Dualziffern zu einer Hexadezimalziffer zusammengefasst werden. Eine zweistellige Hexadezimalzahl genügt somit für die Darstellung eines Bytes. Die 16 verschiedenen Ziffern werden durch 0,1,2,..., 9, A, B, C, D, E und F symbolisiert.

Hexaeder, Würfel: Polyeder, dessen Seitenflächen 6 deckungsgleiche Quadrate sind; das Hexaeder hat 8 Ecken und 12 Kanten. Siehe auch Körper 2, platonische Körper.

hexagonal: sechseckig; siehe auch Kristallsystem.

Hexagramm: Sechsstern; besteht aus 2 in einer Ebene übereinander liegenden kongruenten gleichseitigen Dreiecken, die gegeneinander um ihren gemeinsamen Mittelpunkt um 180° verdreht sind. Siehe auch Davidstern.

Hexameter: (griechisch, «sechsfüßiger Vers») antikes Versmaß aus 6 Daktylen beziehungsweise in den ersten 4 Positionen auch aus Spondeen (Versfuß) der Form lang, kurz, kurz lang, kurz, kurz lang ... und so weiter, der letzte Daktylus ist unvollständig (zweisilbig). Der Hexameter wurde unter anderem von Homer unter anderem epischen Dichtern verwendet und im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert mit verändertem Taktgeschlecht von F. G. Klopstock, J. Voß, J. W. Goethe unter anderem nachgebildet, wodurch sechshebige deutsche Verse mit vorherrschenden dreisilbigen Takten entstanden, denen sich in den ersten 4 Positionen auch zweisilbige Takte einordnen: Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde (Goethe, «Reineke Fuchs»), Die relativ freie Silbenzahl (zwischen 13 und 17), die freien Zäsuren und die Vorliebe für das Enjambement geben den Hexametern ihren charakteristischen Variantenreichtum.

Hexamethylendiamin: farblose, basische, blättchenförmig kristallisierende Substanz; 1,6-Diaminohexan; F 40 bis 41 °C; dient zur Herstellung von Polyurethanen und bildet mit Adipinsäure das zur Herstellung von Polyamiden wichtige AH-Salz (Adipinsäure-Hexamethylendiamin-Salz).

Hexamethylentetramin, Urotropin (griechisch + lateinisch): färb- und geruchlose, kristallisierte, wasserlösliche, stickstoffheterozyklische Substanz. Hexamethylentetramin wird in der Medizin und als formaldehydabspaltendes Mittel bei der Herstellung von Phenoplasten verwendet.

Hexan: im weiteren Sinne Bezeichnung für die 5 Alkane der Formel C6H14; im engeren Sinne n-H. (Normal-Hexan), eine farblose benzinähnlichen Flüssigkeit, F -94,3 °C; Kp 68,7 °C. Die Hexane kommen im Erdöl vor und sind zum Beispiel in Vergaserkraftstoffen enthalten.

Hexe: im Volksglauben, in Märchen und Sagen eine alte, kräuterkundige, über Zauberkräfte verfügende Frau. Der schon im germanischen Brauchtum mit ähnlichen Inhalt verbundene Begriff (althochdeutsch hagazussa, eigentlich «Zaunreiterin») erhielt durch die Theologie der mittelalterlichen Kirche eine neue Bedeutung (Frauen und Mädchen würden durch Teufelspakt zu Hexe; Zusammenfassung des neuen Inhalts durch die Inquisition im «Hexenhammer», 1487) und wurde zur Grundlage für gnadenlose, sadistische Hassfeldzüge (Hexenverfolgungen) gegen verleumdete Frauen. Der Hexenwahn wirkte lange nach und forderte selbst in Protestant. Gebieten noch im 18. Jahrhundert Todesopfer (Hexenverbrennungen).

Hexenbesen: durch Pilzbefall (Schlauchpilze) verursachte Missbildungen auf Birken, Hainbuchen und Kirschbäumen.

Hexenkraut, Circaea: Gattung der Nachtkerzengewächse; in feuchten Laubwäldern verbreitet das Große Hexenkraut (Circaea lutetiana) mit kleinen rötlichen bis weißen Blüten.

Hexenring: ringförmige Anordnung der Fruchtkörper von Pilzen infolge gleichmäßiger radialer Ausbreitung des Myzels (Pilze), besonders von Schwindlingen, Trichterlingen.

Hexenröhrling, Hexenpilz, Boletus: Röhrling mit roten Röhrenmündungen und zum Teil rotem Stiel; roh giftig; zum Beispiel der Netzstielige Hexenröhrling (Boletus luridus) und der Flockenstielige Hexenröhrling (Boletus erythropus). Siehe auch Pilze.

Hexogen: sehr brisanter Sprengstoff für technische und militärische Zwecke; Cyclotrimethylentrinitramin. Hexogen ist ein weißes, geruchloses Kristallpulver.

Hexosane: Hemicellulosen, die enzymatisch oder durch verdünnte Säuren in Hexose Moleküle zerlegt werden; hierbei ergeben Mannane Mannose, Galactane Galaktose und Glucane Glukose. Hexosane sind besonders im Nadelholz stark vertreten, zum Beispiel enthält Fichtenholz 7,5 bis 10,5 % Mannan.

Hexosen: Monosacharide mit 6 Sauerstoffatomen im Molekül; Formel C6H)206. Zu den Hexosen gehören zum Beispiel die Aldosen Glukose, Mannose und Galaktose sowie die Ketose Fruktose.

Heyden, Günter, geboren 16.2.1921, Philosoph; Direktor des Instituts für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED; arbeitet zu Fragen des historischen Materialismus und der Kritik der spätbürgerlichen Ideologie.

Heydrich, Reinhard, 7.3.1904-4.6.1942, faschistischer Politiker. Heydrich war seit 1934 Leiter der Gestapo, seit 1939 des Reichssicherheitshauptamtes; hatte 1941 die Funktion eines Reichsprotektors von Böhmen und Mähren inne. Er verstarb an den Folgen eines Attentats, worauf die Faschisten unter anderem das Dorf Lidice vernichteten.

Heyerdahl, Thor, geboren 6.10.1914, norwegischer Naturforscher und Völkerkundler; 1947 Überquerung des Pazifiks von Peru nach den Tuamotu Inseln (Raroia) auf dem Balsafloß «Kon-Tiki» (mit der Heyerdahl die inzwischen widerlegte Theorie einer Besiedlung Polynesiens durch südamerikanische Indianer stützen wollte); 1970 Überquerung des Atlantiks mit dem nach altägyptischen Vorbildern gebauten Papyrusboot «Ra-2» (Nachweis der Möglichkeit solcher Fahrten im Altertum); 1977 Fahrt mit dem Schilfboot «Tigris» von der Euphrat-Tigris-Mündung durch den Persischen Golf und Indischen Ozean (Nachweis der Möglichkeit solcher Fahrten und der Ausbreitung der altorientalischen Zivilisation über das Meer). Der Versuch mit einem Wikingerschiff 1984 scheiterte.

Heym: 1. Georg Heym, 30.10.1887-16.1.1912, Schriftsteller, schrieb als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Expressionismus ausdrucksstarke zeitkritische Gedichte, die von Schwermut und Todesahnung erfüllt sind («Der ewige Tag», 1911; «Umbra vitae», 1912); hinterließ dichterische Kurzprosa.

2. Stefan Heym, eigentlich Helmut Flieg, geboren 10.4.1913, Schriftsteller; 1933/52 im Exil, im 2. Weltkrieg Offizier in der US-amerikanischen Armee; schrieb zeitgeschichtliche Romane («Der Fall Glasenapp», 1942, deutsch 1958; «Kreuzfahrer von heute», 1948, deutsch 1950), historische Romane und Erzählungen.

Heyrovsky, Jaroslaw, 20.12.1890-27.3.1967, tschechischer Physikochemiker; Professor an der Universität Prag; begründete 1923 die Polarographie.

Heyse, Paul, 15.3.1830-2.4.1914, Schriftsteller; mit E. Geibel Haupt des Münchener Dichterkreises; strebte in seinen zahlreichen virtuos geformten Novellen und Romanen nach einem klassizistischen Schönheitsideal und ließ, bei gemäßigt liberaler, atheistischer weltlicher Grundhaltung, Eigenständigkeit und wesentliche Zeitgehalt vermissen.

H-1-Gebiet: (nach dem chemischen Zeichen für Wasserstoff und der Bezeichnungsweise für Spektren neutraler Atome) ein Bereich der interstellaren Materie, in dem der Wasserstoff überwiegend neutral ist.

H-2-Gebiet: (nach dem chemischen Zeichen für Wasserstoff und der Bezeichnungsweise für Spektren einfach ionisierter Atome) ein Bereich der interstellaren Materie, in dem der Wasserstoff überwiegend ionisiert ist; zum Beispiel ein Gasnebel.

Hiatus: (lateinisch, «Öffnung», «Kluft»)

1. Anatomie: Spalt, Öffnung, zum Beispiel im Zwerchfell als Durchtrittsstelle für die Speiseröhre (Hiatus oesophageus).

2. Phonetik: Zusammentreffen zweier Vokale im Wortinneren oder an der Wortgrenze (Aorta, bei ihnen).

Hiatushernie: häufigste Form der Zwerchfellbrüche; zeitweilige oder ständige Verlagerung von Magenanteilen in den Brustkorbraum durch die Zwerchfelllücke für die Speiseröhre (Hiatus oesophageus).

Hiba: immergrünes Zypressengewächs mit flachen Zweigen und schuppenförmigen, unterseits hellen Nadeln; aus Ostasien stammender, bei uns bis 5 m hoch wachsender kleiner Zierbaum.

Hibernation: 1. Biologie: Winterschlaf; tritt bei einigen Säugetieren (zum Beispiel Fledermäuse, Igel, Hamster) ein, wenn die Außentemperatur einen kritischen Punkt erreich. Die nahrungsarme Winterzeit wird durch diesen Zustand überbrückt. Die Körpertemperatur wird auf einen neuen Sollwert, die sogenannte Minimaltemperatur, eingeregelt. Alle Lebensfunktionen sind stark herabgesetzt. Die wichtigste Energiequelle für die Aufrechterhaltung der minimalen Lebensvorgänge ist das Körperfett.

2. Chirurgie: Hypothermie 2.

Hibiskus, Hibiscus: artenreiche, besonders in den wärmeren Ländern weitverbreitete Gattung der Malvengewächse. Die langgestreckten Früchte des Fassbaren Hibiskus (Gambo, Okra) werden in den Tropen und Subtropen in unreifem Zustand als Gemüse gegessen.

Hickorybaum, Carya: nordamerikanischer Verwandter des Walnussbaumes mit essbaren Früchten und hartem, elastischen Holz (unter anderem für Skier); in Europa angepflanzt.

Hidalgo: (altspanisch hijo de aljo, «Sohn von jemand» (der reich ist)) seit dem 12. Jahrhundert Angehöriger des niederen spanischen Adels; besonders im 16./17. Jahrhundert zahlreich durch Massenvergabe von Titeln.

Hidalgo, Miguel, 8.5.17J3-27.7.1811 (erschossen), mexikanischer Freiheitskämpfer und Volksheld; Geistlicher; 1810/11 Führer der Revolution der Indianer und Mestizen gegen das spanische Kolonialregime und die kreolische Aristokratie.

Hiddensee: schmale, meist flache, 18 km lange, sandige Ostseeinsel westlich von Rügen, im Bezirk Rostock; 18,6 km2, 1200 Einwohner; im Norden der zum Teil bewaldete Dornbusch (bis 72 m), Badestrand an der Westküste; Gemeinde Hiddensee mit den Ortsteilen Kloster/Grieben (Gerhart-Hauptmann-Gedenkstätte), Vitte, Neuendorf/Plogshagen; im Süden Vogelschutzgebiet (Gellen); Forschungsinstitute; seit 1308 von der Westküste Rügens getrennt.

Hieb: 1. Fertigungstechnik: Feilen.

2. Forstwirtschaft: Entnahme von Bäumen aus einem Bestand zur Pflege (Jungbestandspflege, Durchforstung), Ernte (Kahlhieb) beziehungsweise Verjüngung (Schirmhieb, Femelhieb, Plenterhieb).

Hiebssatz: bei der Waldbewirtschaftung für einen längeren Zeitraum (zum Beispiel 10 Jahre) nachhaltig (Nachhaltigkeit) nutzbare Holzmenge nach Höhe und Gliederung.

Hiebszug: Forstwirtschaft das Nebeneinander mehrerer Schlagreihen.

Hiebtöne: durch vorbeiströmende Luft an Drähten oder Stäben hervorgerufene Töne, zum Beispiel das Singen von Telefondrähten.

Hierakonpolis: (griechisch, «Falkenstadt») altägyptische Stadt in Oberägypten, am westlichen Nilufer südlich von Theben gelegen; heute Kom al-Ahmar; war Hauptort des Kultes um den falkengestaltigen Gott Horus. Hierakonpolis war in der 2. Hälfte des 4. Jahrtausend vor Christus Zentrum eines oberägyptischen Staates. Erhalten sind Tempel, Wandmalereien, Felsgräber des Alten und Neuen Reiches.

Hierarchie: (griechisch, «heilige Herrschaft») Priesterherrschaft; Gesamtheit der Priester; im weiteren Sinne gestufte Ordnung, Rang-, Gewalt-, Machtstufung.

Hierarchiesystem, Rechnerhierarchie: Struktur eines Mehrrechnersystems, bei dem den einzelnen, miteinander gekoppelten Rechenautomaten spezielle Aufgaben und unterschiedliche Möglichkeiten der gegenseitigen Beeinflussung zugeordnet sind. Höchste Priorität besitzt ein zentraler Steuerrechner, der das Zusammenwirken der untergeordneten Strukturen koordiniert. Auch der Anschluss von peripheren Geräten an einen Rechner ist häufig durch ein Hierarchiesystem geregelt.

Hierodulen: (griechisch, «heilige Sklaven») die einer Gottheit gehörenden Sklaven und Sklavinnen, die in der Antike den Tempeldienst versahen.

Hieroglyphen: (griechisch, «heilige Zeichen») Bilderschrift, insbesondere die altägyptische Bilderschrift; Ende des 3. Jahrtausend vor Christus bis etwa 200 nach Christus nachweisbar, umfasst etwa 600 Wort- und Silbenzeichen sowie 24 Einzelkonsonanten; meist senkrecht-linksläufig gebraucht. Daneben wurde eine vereinfachte Buchschrift (hieratische Schrift) und seit dem 7. Jahrhundert vor Christus eine Geschäftsschrift (demotische Schrift) gebraucht. Die Hieroglyphen wurden 1822 durch J. F. Champollion entziffert.

Hieron, Syrakus - Tyrannen: 1. herrschte 478/467 vor Christus; besiegte 474 bei Kyme die Flotte der Etrusker und eroberte einige Städte Großgriechenlands.

2. Hieran, herrschte um 268/215 vor Christus; schloss 264 im 1. Punischen Krieg mit Rom einen Vertrag, der die Unabhängigkeit von Syrakus sicherstellte.

Hieronymus, (griechisch, «Heiliggenannter») um 347-30. 9. 420, lateinischer Kirchenvater, bedeutender Vermittler antiken Denkens für das Mittelalter; lebte einige Zeit als Einsiedler, leitete zuletzt ein Kloster in Bethlehem. Hieronymus revidierte den lateinischen Bibeltext (Vulgata), schrieb Kommentare zur Bibel, Briefe und verfasste Übersetzungen.

Hierro, portugiesisch Ferro: westlichste der spanischen kanarischen Inseln, im Atlantik, vor der Westküste Afrikas; 278 km2, 5 500 Einwohner; wichtigster Ort Valverde; vulkanischen Ursprungs, bis 1520 m hoch, unwegsame Steilküste; Anbau von Wein, Getreide, Zitrusfrüchten, Tabak; Viehzucht. Von 1634 bis 1883 Ausgangspunkt für die Berechnung der geographischen Länge (Nullmeridian), danach Umstellung auf Greenwich (Großbritannien).

Hieven: (zu «heben») seemännisch Emporziehen, Aufwinden mit Winde oder Spill, zum Beispiel Hieven von Lasten oder Ankern. Siehe auch Lichten.

Higashiyama, Kaii, geboren 1908, Japanische Maler; schuf besonders repräsentative großformatige Wandbilder im traditionellen Stil (farbige Tusche auf Papier oder Seide).

Highball: alkoholisches Bargetränk aus Whisky, Zitrone, Sodawasser, Kristalleis; ein Long Drink.

High Fidelity: (englisch, «hohe Treue»), Kurzwort Hi-Fi: angestrebte naturgetreue Wiedergabe von Musik und Sprache durch elektroakustische Geräte und Anlagen hoher Übertragungsqualität.

High-Hat, Hi-Hat: zur «Jazz-Batterie» gehörendes Schlaginstrument; 2 auf einem Ständer angebrachte Becken werden durch einen Pedalmechanismus aneinandergeschlagen.

High-Key-Technik: (englisch + griechisch, «Hochtontechnik») fotografische Technik, durch die Bilder mit vorwiegend hellen Grautönen erzielt werden. Siehe auch Low-Key-Technik.

Highlands, Hochlande: Bergland in Schottland (Großbritannien), nördlich der Mittelschottischen Senke, durch den geologischen Graben Gien More getrennt in Northern Highlands und Grampians) höchste Erhebung Ben Nevis (1343 m); gefaltete paläozoische Gesteine, tertiäre Rumpffläche, eiszeitlich überformt, Kliffküste; hohe Niederschläge; tiefe Rinnenseen (unter anderem Loch Ness); Moore, Heide; Wasserkraftwerke; sehr dünn besiedelt; Fremdenverkehr.

Highspeed-Fotografie, Hochgeschwindigkeitsfotografie, Kurzzeitfotografie: fotografisches Aufzeichnen von Phasen sehr schneller Bewegungen in einer Serie von Aufnahmen in gleichmäßigen, sehr kurzen Zeitabständen auf demselben Negativ (auch als Einzelaufnahme), deren Belichtungszeiten wesentlich kürzer als 1/1000 s sind (bis etwa 10"9 s).

Hilbert, David, 23.1.1862-14.2.1943, Mathematiker; wirkte in Königsberg (Kaliningrad) und Göttingen; hat mit seinen fundamentalen Beiträgen zur Invariantentheorie, Zahlentheorie, mathematische Physik, mathematische Logik, Analysis, über Integralgleichungen, Grundlagen der Geometrie und zu den Grundlagen der Mathematik die weitere Entwicklung der Mathematik tief beeinflusst.

Hilbert-Raum: (nach D. Hilbert) Verallgemeinerung des euklidischen n-dimensionalen Raumes auf einen Raum unendlicher Dimension. Die Theorie linearer Abbildungen des Hilbert-Raums verallgemeinert die Theorie linearer Integralgleichungen und ist von grundlegender Bedeutung für die Quantentheorie.

Hild, August, 29.9.1894-27.11.1982, Schriftsteller; schildert in Erzählungen Erlebnisse und Probleme beim Aufbau des Sozialismus («Das Lied über dem Tab>, 1954; «Die Ehe des Assistenten», 1957).

Hildburghausen: Kreisstadt im Bezirk Suhl, an der oberen Werra; 12000 Einwohner; Schrauben-, Bekleidungs-, Holz-, Lebensmittel-, polygraphische Industrie; Museum, Theater, Renaissancerathaus, Barockbauten (ehemaliges Regierungsgebäude, Kirchen). Vor 900 fränkische Siedlung; 1324 Stadtrecht; 1680/1826 Residenzstadt des Herzogtums Sachsen Hildburghausen; 1828/74 Sitz des Bibliographischen Instituts.

Hildebrand: 1. Adolf von Hildebrand, 6.10.1847-18.1.1921, Bildhauer und Kunsttheoretiker, setzte der pathoserfüllten Plastik des Neubarocks eine klare, klassisch ausgewogene Formensprache entgegen. Sein Werk (Brunnen, Plaketten, Porträtbüsten, Grabmäler, Reliefs) beeinflusste bis weit ins 20. Jahrhundert die Entwicklung der Plastik. Mit der kunsttheoretischen Schrift «Das Problem der Form in der bildenden Kunst» (1893) hat er wesentlich zur formanalytischen Betrachtungsweise in der Kunstwissenschaft beigetragen.

2. Rudolf Hildebrand, 13.3.1824-28.10.1894, Germanist; zunächst Lehrer, seit 1869 Professor in Leipzig; Fortsetzer von Grimms «Deutschem Wörterbuch»; schrieb «Vom deutschen Sprachunterricht» (1867).

Hildebrandslied: einziges, fragmentarisch erhaltenes germanisches Heldenlied aus vorliterarischer Zeit. Der historische Stoff (Kampf zwischen Theoderich und Odoaker; 490) wurde vermutlich zuerst von den Langobarden als Heldengedicht gestaltet (Anfang 7. Jahrhundert); ein sich anschließendes bairisches Heldenlied in Stabreimen (Mitte 8. Jahrhundert) wurde zu Beginn des 9. Jahrhundert unter mechanischen Umschreibung des Lautstandes niederdeutsch eingefärbt; in der sich daraus ergebenden Mischsprache wurde das Hildebrandslied um 850 von 2 Mönchen des Klosters Fulda aufgezeichnet. Es stellt in wuchtig knapper Sprache den Zweikampf zwischen Hadubrand und seinem Vater Hildebrand dar, der, vom Sohn nicht erkannt, vergeblich versucht, den Kampf abzuwenden. Der nicht überlieferte tragische Ausgang (Tod Hadubrands) wurde aus anderen Quellen erschlossen.

Hildebrandt, Johann Lucas von, 14.11.1668 bis 16.11.1745, österreichischer Baumeister. Seine festlich beschwingten Bauten, auf deren Flächen linear bewegte Schmuckformen ein Wechselspiel von Licht und Schatten erzeugen, zählen neben denen J. B. Fischers von Erlach, A. Schlüters und B. Neumanns zu den bedeutendsten des Barocks nördlich der Alpen. Werke sind Palais Schönborn, Palais Daun-Kinsky, Unteres und Oberes Belvedere, Hof- und Staatskanzlei (sämtlich in Wien) sowie Residenz in Würzburg.

Hildegard von Bingen, 1098-17.9.1179, Dichterin, Äbtissin und Ärztin; bedeutendste deutsche Mystikerin der Frühzeit, verfasste Heiligenlegenden und Mariendichtungen.

Hildesheim: Kreisstadt in Niedersachsen; so. von Hannover; 100000 Einwohner; elektrotechnische, metallverarbeitende, Bekleidungsindustrie; Kalibergbau; Hafen (Abzweig vom Mittellandkanal); pädagogische Hochschule; Theater, Museum; wiederhergestellte historische Bauten: Dom (1046) mit Meisterwerken der Bernwardinische Kunst, St. Michael (um 1010), Rathaus (13./15.Jh); Fachwerkhäuser zum Teil erhalten. Hildesheimer, Wolfgang, geboren 9.12.1916, Schriftsteller der BRD; lebt in der Schweiz; verfasste satirische Romane und Erzählungen («Lieblose Legenden», 1952), Hörspiele und Theaterstücke mit abstrakter Tendenz gegen reaktionäre Herrschaft («Die Eroberung der Prinzessin Turandot», 1960). Das Prosabuch «tynset» (1965) reflektiert die Situation des antifaschistischen bürgerlichen Intellektuellen in der BRD; trat auch mit einem unkonventionellen «Mozart»-Buch (1977) hervor.

Hildesheimer Silberfund: silbernes Tafelgeschirr eines vornehmen Römers, das 1868 am Galgenberg bei Hildesheim als Bodenfund zutage kam. Bedeutendstes Stück des außerordentlich gut erhaltenen Hildesheimer Silberfund ist eine Schale mit der sitzenden Athena aus der Zeit des Kaisers Augustus. Da ein Teil der Gefäße und Geräte seinem Stil nach etwas später entstanden ist, kann nicht, wie früher angenommen wurde, der im Teutoburger Wald geschlagene Varus Besitzer dieses Silbers gewesen sein.

Hilfeleistung: unentgeltliche Tätigkeit für andere in deren Interesse, insbesondere Handeln zur Minderung oder Verhütung von Schäden und zur Abwehr von Gefahren in Erfüllung der allgemeinen Verhaltenspflichten. Entstehen bei der Hilfeleistung Aufwendungen oder Nachteile, so sind sie von dem zu ersetzen, der für den Gefahrenzustand verantwortlich ist oder in dessen Interesse gehandelt wurde. Stattdessen leistet auch die Staatliche Versicherung Ersatz bei Hilfeleistung zur Abwehr von Gefahren für Leben und Gesundheit, bei Unglücksfällen unter anderem. Der Hilfeleistende ist nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit schadenersatzpflichtig-

Hilfsmaterial: Material zur Durchführung und Unterstützung des Produktionsprozesses. Es geht in der Regel nicht stofflich, sondern nur wertmäßig in das herzustellende Produkt ein, zum Beispiel Schmiermittel.

Hilfstriebwerk: meist kleines Raketentriebwerk, das für spezielle Aufgaben des Flugprogramms von Raketen oder Raumflugkörpern eingesetzt wird, zum Beispiel als Korrektur-, Steuer- oder Trenntriebwerk.

Hilfsverb: Verb, das zum Ausdruck des Tempus, Modus oder der Aktionsart des Hauptverbs dient, zum Beispiel «werden» im Deutschen zur Bildung des Futurs und des Passivs. Eine Sondergruppe bilden die modalen Hilfsverb (Modalverben) «müssen», «sollen» und so weiter.

Hilfszug: Sonderzug zur Beräumung von Unfallstellen, zur Hilfeleistung und Wiederherstellung der Befahrbarkeit der Gleise. Zum Hilfszug gehören Geräte-, technischer Sonder- und Mannschaftswagen sowie Hilfslokomotiven. Der Hilfszug ist auf festgelegten größeren Bahnhöfen stationiert und stets einsatzbereit. Je nach Schwere des Unfalls wird er als «dringlicher Hilfszug» oder « Hilfszug » angefordert. «Dringlicher Hilfszug» haben Vorrang vor den anderen Zügen.

Hill: 1. Edward James (Ted) Hill, Baron Hill of Wivenhoe, 20.8.1899-14.12.1969, britischer Gewerkschaftsführer; 1948/63 Generalsekretär, 1963/65 Präsident der Gewerkschaft der Kessel- und Schiffbauer, 1948/65 Mitglied (1961 Vorsitzender) des Generalrates des Trades Union Congress. Hill trat für internationale Solidarität, Abrüstung und eine an den Interessen der Arbeiterklasse orientierte Politik der Labour Party ein.

2. Joe Hill, eigentlich Joel Hägglund, 7.10.1879-19.11.1915, US-amerikanischer Gewerkschaftsorganisator, Arbeiterdichter und -Sänger; seine revolutionären Lieder, wie «Arbeiter, zerreißt die Ketten» (1915, deutsch), waren weitverbreitet. Hill wurde fälschlich des Mordes angeklagt und hingerichtet.

Hilla, AI-: Stadt (Provinzzentrum) im zentralen Teil Iraks; 140000 Einwohner; Zement-, Textil-, chemische Industrie; Pipelineanschluss; bei Hilla die weltberühmten Ruinen von Babylon und Kish.

Hillary, Sir Edmund Percival, geboren 20.7.1919, neuseeländischer Bergsteiger; bestieg 1953 mit dem Nepalesen N. Tensing (geboren 1914) als erster den Qomolangma (Mount Everest), leitete 1957/58 eine neuseeländische Expedition im Rahmen der britischen Trans-Antarktis-Expedition und erreichte am 3.1.1958 den Südpol.

Hille, Peter, 11.9.1854-7.5.1904, Schriftsteller; literarischer Hauptvertreter der Berliner Bohème; seine von hoher Sprachkunst zeugenden Gedichte, Skizzen und Aphorismen widerspiegeln eine zwischen mystischen Denken und anarchistisch-utopischen Idealen schwankende individualistische Weltanschauung.

Hiller, Johann Adam, 25.12.1728-16.6.1804, Komponist und Musikschriftsteller; erster Dirigent der Gewandhauskonzerte (1781/84), Thomaskantor (1789/1801); schuf mit seinen Singspielen («Die Jagd») die Grundlage für eine eigenständige Entwicklung der deutschen komischen Oper und beeinflusste die Entwicklung des deutschen Liedes.

Hilus: Ein- und Austrittsstelle von Gefäßen und Nerven an Organen, zum Beispiel Lungenhilus.

Hilversum: Stadt in den mittleren Niederlanden, in der Provinz Nordholland, nördlich von Utrecht; 91000 Einwohner; elektrotechnische, pharmazeutische und Farbenindustrie; Fernseh- und Rundfunksender; Filmstudios; Trabrennbahn.

Hima, Bahima, Wahima: Sammelname für die großwüchsigen, wahrscheinlich äthiopiden Hirtennomaden in Ostafrika (Uganda, Rwanda und Burundi, Nordost-Zaire), deren Vorfahren zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert aus dem Norden kamen und in den sogenannt Himastaaten (Kitawara, Ankole, Rwanda, Burundi, Buganda, Bunyoro und Toro) als Viehzucht treibende Oberschicht die Bodenbau treibende Bantubevölkerung bis in die jüngste Vergangenheit in Abhängigkeit hielt. Siehe auch Rundi.

Himachal Pradesh: Unionsstaat im Norden Indiens; 55673 km2, 4,2 Millionen Einwohner; 75 Einwohner/km2; Hauptstadt Simla; erstreckt sich am Rand des westlichen Himalaja und umfasst zum Teil die Ketten des Kashmir-Himalaja; bedeutende Forstwirtschaft, in Tälern Anbau von Getreide, Kartoffeln und Obst, im Gebirge Viehhaltung; Fremdenverkehr und auf ihn orientiertes Handwerk (Wollschals, Textilien, Holzwaren und Kunstgewerbe); Höhenluftsanatorien.

Himalaja: (Sanskrit, «Schneewohnung») gewaltigstes und höchstes Faltengebirge der Erde, Teil des im Tertiär aufgefalteten eurasischen Gebirgssystems streicht in einem nach Nordosten offenen Bogen von etwa 2 500 km Länge von Nordwesten nach Osten und trennt das zu Zentralasien gehörende tibetische Hochland mit Binnenentwässerung von der fruchtbaren Indus-Ganges-Tiefebene; gehört politisch zu Indien, China, Nepal und Bhutan. Der Himalaja besteht aus mehreren, meist aus Graniten und Gneisen aufgebauten, annähernd parallel zueinander verlaufenden Gebirgsketten. Die höchsten Erhebungen besitzt der im Mittel 6000 m über dem Meeresspiegel aufragende Zentral-Himalaja mit dem Qomolangma (Mount Everest; 8 848 m, höchster Berg der Erde), dem Kangchenjunga (8585 m), dem Makalu (8481m), dem Dhaulagiri (8 222 m) und dem Nanga Parbat (8126 m); von Westen nach Osten gegliedert in Kashmir-, Kumaon-, Nepal-, Sikkim- und Assam-Himalaja. Etwa 37000 km2 sind vergletschert; Schneegrenze auf der Südseite bei 3500 m über dem Meeresspiegel, auf der Nordseite bei 5 500 m über dem Meeresspiegel. Der Himalaja ist Quellgebiet von Indus, Ganges und Brahmaputra. Vom Südwestmonsun stark beregnet, sind die Gebirgshänge der Südseite bis 4000 m überm Meer mit zum Teil dichtem Wald bedeckt. Der Himalaja bildet eine scharf ausgeprägte Klima-, Floren-, Faunen- und Völkerscheide zwischen Inner- und Südasien. Hauptwirtschaftszweig ist die Viehwirtschaft, zunehmend auch der Touristenverkehr. Die verkehrsmäßige Erschließung ist gering, Pässe in mehr als 4000 m über dem Meeresspiegel sind meist beschwerliche Saumpfade.

Himation: über dem Chiton getragener, meist wollener Mantel von rechteckigem Schnitt; altgriechischer Obergewand für Männer und Frauen.

Himbeere, Rubus idaeus: stachliges Rosengewächs mit gefiederten Blättern, weißen Blüten und wohlschmeckenden roten Sammelsteinfrüchten («Beeren»).

Himbeerrutenkrankheit: durch dunkelviolette Flecke am Grunde einjähriger Triebe charakterisierte pilzliche Erkrankung des Himbeerstrauches. Infolge Absterbens der Rinde im Bereich der Flecke treiben befallene Triebe im zweiten Jahr nicht aus. Zur Bekämpfung sind die Ruten tief abzuschneiden und zu verbrennen; durch Bodenbearbeitung ist für ausreichende Feuchtigkeit zu sorgen.

Himbeerspat: (nach der Farbe) Mineral; Rhodochrosit.

Himeji: Stadt in Japan (Präfektur Hyogo), im 4 der Insel Honshu, westlich von Kobe; 450000 Einwohner; Maschinenbau, Metallurgie, chemische, Leder-, Holz-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie; unweit Himeji Industriezone Harima; Hafen; größte japanische Schlossanlage aus dem 17. Jahrhundert.

Himmel, Firmament: Halbkugel, die sich scheinbar über jedem Beobachter auf der Erde wölbt. Die an 2 gegenüberliegenden Punkten auf der Erde beobachtbaren Halbkugeln können gedanklich zur gesamten Himmelskugel zusammengefügt werden, die sich scheinbar in 24 Stunden einmal um die Erde dreht. Beim genauen Betrachten erscheint der Himmel dem Beobachter nicht genau als Halbkugel, sondern als abgeflachtes Kugelsegment. In vielen Religionen Aufenthaltsort der Gottheiten) sowie der Seligen.

Himmelsglobus, Sternglobus: Kugel, auf deren Oberfläche die Sterne im Verhältnis ihrer gegenseitigen Abstände und mit ihrer scheinbaren Helligkeit dargestellt sind.

Himmelsgucker, Uranoscopidae: Bodenfische warmer und gemäßigter Meere; meist bis auf die große senkrechte Maulspalte und die auf der Kopfoberseite liegenden Augen im Sand eingegraben; bis 30 cm lang der Sterngucker (Uranoscopus scaber).

Himmelskörper: alle im Weltraum befindliche Körper; Planeten, Monde, Planetoiden, Kometen, Meteorite, die Sonne und die Sterne sowie die durch die Raumfahrt geschaffenen künstlichen Himmelskörper Leuchtende Himmelskörper werden auch als Gestirne bezeichnet.

Himmelsmechanik: Teilgebiet der Astronomie, das die Bewegung der Himmelskörper unter dem Einfluss der auf sie wirkenden Kräfte, hauptsächlich ihrer gegenseitigen Massenanziehung (Gravitation), untersucht. Die Himmelsmechanik umfasst die Theorie der Planeten-, Satelliten- und Kometenbahnen, der Bahnen von Doppel- und Mehrfachsternen sowie der Bahnen kleiner Partikeln, zum Beispiel von Mikrometeoriten und interplanetaren Staubteilchen, aber auch die von künstlichen Satelliten, Raum- und Planetensonden. Zur Himmelsmechanik gehören auch die Bahnbestimmung aus beobachteten Örtern und die Theorie der Verlagerung der astronomischen Koordinatensysteme infolge der Präzession(l) und Nutation(l). Mathematisch streng lösbar ist die Bewegung zweier Himmelskörper unter der Wirkung der Gravitation, das Zweikörperproblem, das durch die Keplerschen Gesetze beschrieben wird. Bereits das Dreikörperproblem ist nur noch in Sonderfällen geschlossen lösbar, zum Beispiel wenn sich der 3. Körper in einem der Librationspunkte der beiden anderen befindet oder wenn die Masse des 3. Körpers gegenüber denen der beiden anderen vernachlässigbar klein ist. In letzterem Falle spricht man vom eingeschränkten Dreikörperproblem oder Probleme restreint. Die genaue Bewegung der Planeten um die Sonne ist ein Vielkörperproblem, das mit den Methoden der Störungsrechnung behandelt wird. Aus den unerklärten Störungen der Uranusbewegung konnte die Existenz des Planeten Neptun geschlossen werden. Die Entwicklung der Raumfahrt führte zu einem Aufschwung der Himmelsmechanik, vor allem zum numerischen Studium komplizierter Bahnverläufe.

Himmelsrichtung, Himmelsgegend: horizontale Lageangabe auf der Erdoberfläche, ausgehend jeweils von den Schnittpunkten der Längen- und Breitenkreise, Haupthimmelsrichtungen sind Norden (N), Osten (O beziehungsweise E), Süden (S) und Westen (W). Von diesen werden die Zwischenhimmelsrichtungen abgeleitet, zum Beispiel Nordwesten (Nordwest), WSW (Westsüdwest), OzS (Ost zu Süd), SOzO (Südost zu Ost). Siehe auch Windrose.

Himmler, Heinrich, 7.10.1900-23.5.1945 (Selbsttötung), faschistischer Politiker; Hauptkriegsverbrecher; seit 1929 Reichsführer SS, 1934 Chef der Gestapo in Preußen, 1936 Chef der deutschen Polizei, verantwortlich für die Errichtung der faschistischen KZ; erhielt über den «Freundeskreis des Reichsführers SS» von Monopolherren und Bankiers Millionenbeträge zur Finanzierung des Terrorsystems; 1943 Reichsinnenminister, damit konzentrierte sich der gesamte faschistische Verwaltungs- und Terrorapparat in seinen Händen. 1944 organisierte er den Volkssturm.

Hindemith, Paul, 16.11.1895-28.12.1963, Komponist; zählt zu den bedeutendsten Musikerpersönlichkeiten des 20. Jahrhundert, beeinflusste die Musikentwicklung auch als Interpret (Viola; Dirigent), Organisator (Musikfeste Donaueschingen, Baden Baden) und Lehrer. Nach der Vertreibung aus dem faschistischen Deutschland wirkte er (auch nach 1945) überwiegend in der Schweiz und in den USA. Seine Kompositionen (Opern, Oratorien, Konzerte und Sonaten für fast alle Instrumente, Sinfonien, Lieder, Kammermusik) betonen das Handwerkliche, werden aber von Musikantentum, starken rhythmischen und kontrapunktischen Kräften sowie von volksliedorientierter Melodik getragen.

Hindenburgprogramm: im 1. Weltkrieg (September 1916) aufgestelltes deutsches Rüstungsprogramm, das besonders die Steigerung der Produktion von Waffen, Munition und Flugzeugen vorsah.

Hindernis: Pferdesport, natürlich oder künstlich hergestellte, durch eine rote (rechts) und weiße Flagge (links) gekennzeichnete Einrichtung oder Bodenunebenheit auf Übungs- und Turnierplätzen oder im Gelände, über die das Pferd hinwegspringen soll. Doppel- und Dreifach Hindernis werden Kombination genannt.

Hindernislauf: leichtathletische Disziplin für männlichen Athleten; Geschwindigkeitswettbewerb auf einer Rundbahn mit vier 91,4 cm hohen und mindestens 3,96 m breiten, feststehenden Hindernishürden sowie einem Wassergraben (3,66 m x 3,66 m) mit 91,4 cm hohem Hindernisbalken. International üblich ist der Hindernislauf über 3000 m, Olymp, (seit 1900), Weltmeisterschafts- (seit 1983) und Europameisterschaftsdisziplin (seit 1938).

Hindi: 1. Sprachwissenschaft Staatssprache Indiens; mit 162,6 Millionen Sprechern, vor allem in Nordindien, verbreitetste indoarische Sprache. Das moderne Literatur-Hindi entwickelte sich im 19. Jahrhundert, wie auch die literarische Norm des Urdu, auf der Grundlage des in und um Delhi gesprochenen Khari-Boli Dialektes. Die gemeinsame Umgangssprache des Hindi und des Urdu wird häufig Hindustani genannt. Hindi ist auch die Muttersprache von rund 4 Millionen Indem, die außerhalb von Indien, vor allem in anderen Ländern Asiens und in Afrika leben.

Hinduismus: in Indien beheimatete Weltreligion; lehrt die letztliche Identität von individueller Seele (Atman) und kosmischen geistigen Prinzip (Brahman), das unter anderem als Vishnu, Shiva und Devi Gestalt annimmt, ferner den ewigen Kreislauf allen Geschehens mit Wanderung der Seele und Wiedergeburt entsprechend den Taten früherer Existenzen (Karman). Erlösung ist Befreiung von diesem Kreislauf, letztlich erreichbar durch f Yoga. Die Gesellschaft wird in 4 Stände beziehungsweise eine Vielzahl von Berufskasten gegliedert. Die Volksreligion des Hinduismus kennt zahllose Götter, verwurzelt in lokalen vorvedischen Vorstellungen. Daneben werden Dämonen, Naturgeister und bestimmte Tiere (Kuh, Affe, Schlange) verehrt Dem meist bildlich dargestellten Gott werden Blumen, Früchte und auch Tiere (Kali) geopfert: Hauptrichtungen des Hinduismus sind Shivaismus und Vishnuismus. Der Hinduismus entstand im Assimilierungsprozess uralter vorarischer und vedischer religiöser Vorstellungen zu Beginn der Klassengesellschaft. Er hat heute rund 550 Millionen Anhänger in Indien, Nepal, Sri Lanka und Bangladesh.

Hindukusch: Hochgebirge in Afghanistan und Pakistan; grenzt im Osten an den Pamir, Karakorum und Himalaja, im Westen an den Kuh-i-Baba; 700 km lang, höchste Erhebung Tirich Mir mit 7750 m; im Osten teilweise vergletschert und durch Flüsse tief zerschnitten, im westlichen Hindukusch meist Gebirgssteppen, die Gebirgshänge im Südosten sind waldbedeckt; nomadisierende Viehzucht (Kamele, Schafe, Ziegen), Ackerbau vorwiegend in den größeren Tälern; durch Passstraßen (Khawak-, Shibar- und Salangpass) erschlossen.

Hindustan, Hindostan: Landschaft in Vorderindien, in der Gangesebene zwischen Himalaja im Norden und Dekan im Süden; gehört politisch zu Indien und Pakistan; etwa 1 Millionen km2, dicht besiedelt; vorwiegend mit mehr oder weniger fruchtbaren Schwemmlandböden; weitverzweigtes Bewässerungsnetz, intensive landwirtschaftliche Nutzung (Anbau von Reis, Getreide, Zuckerrohr und Baumwolle).

Hindustani: allmählich außer Gebrauch kommende Bezeichnung der Umgangssprache des Hindi und des Urdu, die auch in stark vereinfachter Form (auch «Basari Hindustani» oder «Basari Hindi» genannt) von Indem aller Nationalitäten in ganz Indien als Handelssprache auf unterer Ebene verwendet wird. Mahatma Gandhi fasste während des nationalen Befreiungskampfes unter der Bezeichnung Hindustani die Sprachen Hindi und Urdu zusammen, da er in ihr ein sprachliches Einigungsmittel für Indien, insbesondere für Hindus und Muslims, sah.

Hine, Lewis Wickes, 1874-1940, US-amerikanischer Fotograf; schuf erschütternde Dokumentationen des sozialen Milieus der USA, besonders aus den Bereichen des Stadtproletariats, der Einwanderer und der Farbigen. Seine Fotos bewirkten erste entscheidende Maßnahmen gegen die Kinderarbeit.

Hinken: Gehstörung infolge ungleicher Beinlängen oder schmerzhafter Gelenkveränderungen beziehungsweise Gelenkversteifungen sowie Muskelschwächen der Hüft-Bein-Region. Beim intermittierenden Hinken tritt infolge arterieller Durchblutungsstörungen der Beine nach Kurzstrecken eine schmerzhafte Einschränkung der Gehfähigkeit auf.

Hinterdrehen: Herstellen des Freiwinkels, hauptsächlich an den Schneiden von Formfräser. Dabei rotiert der mit Spannuten versehene Fräser, und der Support mit dem Drehmeißel bewegt sich bei jeder Schneide um einen geringen Betrag in radialer Richtung auf die Fräserachse zu und springt am Ende der Schneide in der Spannut ruckartig zurück.

Hinterglasmalerei: Malerei auf Glas mit lichtundurchlässigen Farben; so montiert, dass das Bild für den Betrachter hinter dem Glas liegt. Um besondere Effekte zu erzielen, bediente sich die Hinterglasmalerei auch der Hinterlegung mit Metallfolie. Darauf beruhen die Sonderformen der Spiegelmalerei, der Glasradierung und des Eglomisierens (Glas mit schwarzem Lack hintermalen). Älteste Zeugnisse der Hinterglasmalerei gehören dem Hellenismus an, Hauptblütezeit begann um 1500, später besonders in der Volkskunst verwendet.

Hinterhauptbein, Okzipitale: Schädelknochen, verbindet den Kopf gelenkig mit dem ersten Halswirbel (Atlas).

Hinterhirn, Mesencephalon: aus Kleinhirn und Brücke bestehender Teil des Gehirns.

Hinterindien: Subkontinent in Südostasien zwischen Bengal, und Südchinesischen Meer; umfasst Burma, Thailand, Laos, Vietnam, Kampuchea, Malaysia und Singapur; etwa 2,07 Millionen km2, 170 Millionen Einwohner Hinterindien ist vielseitig durch Meeresteile aufgegliedert und wird von 3 meridional streichenden, an die Himalaya-Ketten anschließenden und im Mittel 2000 bis 2 500 m hohen Gebirgssystemen durchzogen. zwischen den Hauptgebirgsketten fließen wasserreiche Ströme, die im Norden tief eingeschnittene enge Gebirgstäler geschaffen haben. Im Süden sind breite Becken und Ebenen, die von niedrigen Hügel- und Bergländern gesäumt werden, bestimmend. Die größten Flüsse sind Mekong, Salween, ferner Irrawaddy und Menam. Sie haben an ihren Mündungen große fruchtbare Deltas aufgeschüttet. An den Küsten treten weitverbreitet Mangrovendickichte auf. Es herrscht vorwiegend tropisches, vom Monsun bestimmtes Klima; die Westküste wird im Sommer durch den Südwestmonsun, die Ostküste im Winter durch den Nordostmonsun stark beregnet; nach dem Landesinneren zu nehmen die Niederschläge ab. In den südlichen Teilen immergrüner tropischer Regenwald, in den niederschlagsreichen Randgebirgen nach Norden zu Monsunwälder mit wertvollen Teakholzbeständen, im Inneren auch Trockenwälder, zum größten Teil stark gelichtet. Hinterindien ist reich an Bodenschätzen, besonders an Edel- und Buntmetallerzen, Erdöl und Steinkohle. In der Landwirtschaft Anbau von Reis (bedeutendstes Reisausfuhrgebiet der Erde), Weizen, Hirse, Mais, Zuckerrohr, Kokospalmen, Erdnüssen, Sesam, Gewürzen, Tee, Kaffee, Tabak, Baumwolle, Indigo; Gewinnung von Kautschuk (Malakka). Die Viehzucht (Schweine, Rinder, Büffel, Pferde) hat geringere Bedeutung.

Hinterlegung: schuldbefreiende Übergabe geschuldeten Geldes, geschuldeter Wertpapiere und so weiter an das Staatliche Notariat, wenn die Leistung nicht an den Gläubiger erfolgen kann.

Hintermauerung: Mauerwerk hinter der Verblendung aus Naturstein oder Klinker bei Außenwänden.

Hintersasse: im Feudalismus Bauer oder Stadtbewohner, der im «Schutz» eines Herrn «saß», das heißt eine abhängige Stellung von diesem Herrn hatte; auf dem Lande «Höriger» ohne frei verfügbares Eigentum, in der Stadt Zugezogener mit weniger Rechten.

Hinz, Werner, 18.1.1903-10.2.1985, Schauspieler; vielseitiger Charakterdarsteller, bis 1950 am Deutschen Theater, Berlin, danach in der BRD (1955/78 Schauspielhaus Hamburg); bekannt auch als Filmdarsteller (zum Beispiel in dem DEFA-Film «Der Biberpelz»).

Hiob, Job, Gestalt aus dem gleichnamigen biblischen Buch, sprichwörtlich vom Unglück verfolgt und als Inbegriff der Geduld dargestellt.

Hiobsbotschaft: Unglücksnachricht.

Hipparch: 1. Hipparch, gestorben 514 vor Christus (ermordet), Sohn des Peisistratos; zusammen mit seinem Bruder Hippias seit 527 Tyrann Athens; förderte Kunst und Wissenschaft.

2. Hipparch, Hipparchos von Nikäa, um 190-125 vor Christus, bedeutendster Astronom des griechischen Altertums; gründete die Astronomie auf Beobachtungen anstatt auf Spekulationen, führte die Trigonometrie in die Astronomie ein, fand die unterschiedliche Länge der Jahreszeiten, entdeckte die Präzession, baute die Epizykeltheorie der Planetenbewegung aus.

Hippias, Sohn des Peisistratos, zusammen mit Hipparch seit 527 vor Christus Tyrann Athens; wurde 510 vor Christus durch einen von Sparta unterstützten Volksaufstand gestürzt. Hippias floh nach Persien und kam 490 mit den persischen Truppen nach Marathon.

Hippodamos von Milet, griechischer Staatstheoretiker und Städtebaumeister des 5. Jahrhundert vor Christus; gilt als Erfinder der einheitlich geplanten regelmäßigen Stadtanlage, die aus einem System von sich rechtwinklig schneidenden Haupt- und Nebenstraßen mit zweckmäßig verteilten öffentlichen Gebäuden und Plätzen besteht:

Hippodrom: in der Antike Bahn für Wagenrennen; heute

a) zirkusähnlicher Zeltbau mit Reitgelegenheit für das Publikum;

b) in einigen Ländern Bezeichnung für Pferderennbahn.

Hippokrates von Kos, um 460-370 vor Christus, griechischer Arzt; entstammte einer alten Arztfamilie, die ihren Stammbaum auf den Heilgott Asklepios zurückführte. Hippokrates von Kos, um dessen Namen sich viele Legenden ranken, gilt allgemein als Begründer der wissenschaftlichen Medizin. Die mit seinem Namen verbundene Schriftensammlung, das «Corpus Hippocraticum«, umfasst 58 medizinische Werke, von denen aber keines mit Sicherheit als von Hippokrates von Kos verfasstes nachgewiesen werden kann. Der Eid des Hippokrates enthält bereits ethische Pflichten des Arztes.

Hippolytos, in der griechischen Sage Sohn des Theseus und einer Amazone, der sich als Jäger nur Artemis weihte; wies die ihm von seiner Stiefmutter Phädra angetragene Liebe zurück und wurde darauf von dieser bei seinem Vater verbotener Liebesanträge beschuldigt. Theseus verfluchte ihn und verursachte seinen Tod.

Hirnabszess: örtlich begrenzte Eiteransammlung im Gehirnschädel; entsteht durch Übergreifen von Entzündungen des Ohres, der Nasennebenhöhlen und der Augen sowie durch Keimabsiedlungen bei Allgemeininfektionen. Die Behandlung erfolgt durch Eiterentfernung und Antibiotika.

Hirnangiographie: röntgenologische Darstellung der Blutgefäße im Gehirn, entweder zur Untersuchung des Großhirns von den Kopfschlagadern aus (Carotisangiographie) oder zur Untersuchung des Kleinhirns von der Wirbelschlagader aus (Vertebralis-Angiographie). Siehe auch Angiographie.

Hirnatrophie: Größen- und Gewichtsabnahme der gesamten Hiramasse vor allem im Greisenalter, verbunden mit einer Senkung des intellektuellen Leistungsniveaus.

Hirnblutleiter: klappenlose, von Endothel ausgekleidete Hohlräume der bindegewebigen harten Hirnhaut; leiten das venöse Blut im Schädelinneren.

Hirnstamm, Truncus cerebri: alle Teile des Gehirns außer der Großhirnrinde.

Hirntumor, Hirngeschwulst: gut- oder bösartige Gewebeneubildung des Hirns, seiner Hüllen, der Gefäße oder der Hirnanhangdrüse. Die Raumverdrängung im Schädel führt zum Hirnhochdruck mit Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen und nervalen Ausfällen. Das operative Entfernen des Hirntumors ist möglich.

Hirohito, geboren 29.4.1901, japanischer Kaiser seit 25.12.1926; nach 1945 wurden seine Machtbefugnisse durch die neue Verfassung stark begrenzt Siehe auch Tenno.

Hiroshige, Ando Hiroshige, Utagawa Hiroshige, 1797-12.10.1858, japanischer Holzschnittzeichner und Maler der Utagawa-Schule; seine Darstellungen von Schauspielern und schönen Frauen sowie seine poesievollen Zyklen von Farbholzschnitten mit Landschaftsmotiven weisen ihn als bedeutenden Vertreter des japanischen Mehrfarbenholzschnittes aus.

Hiroshima: 1. Präfektur in Japan, im Süden der Insel Honshu, an der Japanischen Inlandsee; 8463 km2, 2,7 Millionen Einwohner; 319 Einwohner/km2; Verwaltungs- und Industriezentrum Hiroshima 2; überwiegend gebirgig; in Küstenstädten Eisen- und Stahlindustrie, Maschinen-, Fahrzeug- und Schiffbau; Austernfischerei.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Hiroshima 1, an der Japanischen Inlandsee; 1 Millionen Einwohner; bedeutendes Industrie- und Handelszentrum (Maschinen- und Schiffbau, Metallwaren- und Holzindustrie); Hafen, Flughafen; Universität; Mahnmal für die Opfer des Atombombenangriffs; Forschungsinstitut für radioaktive Krankheiten. Im 2. Weltkrieg wurde die Stadt durch den militärisch sinnlosen und Verbrecher. Atombombenabwurf der USA am 6.8.1945 zu zwei Dritteln zerstört. Von 420000 Einwohnern wurden über 80000 sofort getötet, etwa 200000 starben an den Folgen. Seitdem Symbol im Kampf der Völker um Frieden und Entspannung.

Hirsauer Bauschule: Richtung im Klosterkirchenbau der deutschen Romanik zur Zeit des Investiturstreites; ging aus von der ehemaligen Benediktinerabtei Hirsau in Württemberg (St. Peter und Paul; 1082/92), war von Cluny beeinflusst. Die flachgedeckten, kryptenlosen Säulenbasiliken sind schmucklos, haben ein dreischiffiges Presbyterium, den sogenannt Chorus major und Chorus minor, Vorkirche und Türme zu Seiten von Chorus minor und der Vorhalle. Meist sind nicht alle Merkmale ausgebildet. Ein Hauptbeispiel ist die Kirche in Paulinzella, Bezirk Gera (begonnen 1102; Ruine).

Hirsch: 1. Karl-Georg Hirsch, geboren 13.5.1938, Graphiker und Maler, 1960/65 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, dort seit 1970 Leiter der Werkstatt für Holzschnitt. Gestaltet Alltagsmotive, Historisches und Anregungen aus der Literatur sowie Illustrationen in formstreng-diffizilen Graphiken.

2. Max Hirsch, 30.12.1832-26.6.1905, bürgerlicher Sozialpolitiker; 1868 Mitbegründer der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine, durch die der Einfluss der Bourgeoisie auf die Arbeiterklasse erhalten bleiben sollte.

Hirsche, Cervidae: Familie wiederkäuender Paarhufer mit anliegendem Haarkleid, das oft jahreszeitlich wechselt; das Jugendkleid ist häufig gefleckt. Im männlichen Geschlecht sind Geweihe vorhanden (Ausnahmen: Moschustier, Wasserreh), die nach der Brunstzeit jährlich abgeworfen und neu gebildet werden. Hirsche sind vorwiegend Grasfresser. Hierzu gehören Damhirsche, Elch, Reh, Ren, Moschustier, Muntjakhirsche, Rothirsche unter anderem.

Hirscheber, Babirussa, Babyrousa babyrussa: Vertreter der Schweine mit kurzen, spitzen Ohren, langen gebogenen Eckzähnen, spärliches Fell und ohne Schwanzquaste; lebt einzeln oder in kleinen Gruppen in Sumpfwäldern auf Sulawesi und benachbarten Inseln; ernährt sich von Blättern und Früchten. Siehe auch Huftiere.

Hirschfänger: schweres Messer zum Töten («Abfangen») krankgeschossenen Schalenwildes; heute fast nur noch Prunkwaffe.

Hirschfeld, Magnus, Pseudonym Ramien, 14.5.1868 bis 14.5.1935, Sexuologe; widmete sich der Erforschung der menschlichen Sexualität und gilt als einer der Begründer der modernen Sexuologie. Hirschfeld rief 1913 die «Ärztl. Gesellschaft für Sexualwissenschaft» und 1918 das «Institut für Sexualwissenschaft» in Berlin ins Leben.

Hirschfelde: Industriegemeinde im Kreis Zittau, Bezirk Dresden, an der Neiße; 3 600 Einwohner; Kraftwerk (330 MW; Kohle vom Tagebau Turow in Polen), Elektrochemie; Flachsspinnerei.

Hirschferkel, Hyemoschus aquaticus: bis 40 cm hoher, westafrikanischer, urwaldbewohnender Wiederkäuer; Männchen mit dolchartigen oberen Eckzähnen; Körper hinten überbaut, Schwanz lang und oberseits buschig behaart.

Hirschkäfer, Lucanus cervus: bis 7 cm langer Käfer aus der Familie der Schröter; lebt in Eichenwäldern; Vollinsekten lecken den ausfließenden Saft der Eichen; Larven leben im Holzmulm alter Eichen; in Mitteleuropa geschützt.

Hirschleder, Englischleder: Gewebe in Doppelatlasbindung mit samtartig gerauter Oberfläche; für Trachten- und Sportkleidung.

Hirschvogel, Augustin, 1503-1553, Graphiker, tätig in Nürnberg und Wien; seine der Donauschule verwandten Radierungen zeigen Landschaften, Bildnisse, Wappen und Ornamentblätter mit Grotesken, Mauresken und Rollwerk.

Hirschziegenantilope, Antilope cervicapra: im männlichen Geschlecht oberseits schwarze, sonst sandfarbene Gazelle der offenen Landschaften Vorderindiens.

Hirse: Sammelbezeichnung für verschiedene Gräsergattungen, zum Beispiel Panicum; unter anderem der menschlichen Ernährung dienendes Getreide mit kleinen, rundlichen Körnern; zum Teil alte Kulturpflanzen besonders in Asien und Afrika.

Hirsutismus: vermehrte Genital-, Körper- und Gesichtsbehaarung bei Frauen; meist durch vermehrte Bildung von Stoffen ausgelöst, die männlichen Geschlechtsmerkmale fordern; zum Beispiel bei Tumoren der Nebenniere oder der Eierstöcke.

Hirt, Hermann, 19.12.1865-12. 9.1936, Sprachwissenschaftler, Professor in Gießen; beschäftigte sich besonders mit dem Gesamtaufbau des Indoeuropäischen.

Hirtennomadismus: wichtige Wirtschaftsform der Vorklassengesellschaft (insbesondere in ihrer späten Phase), vorwiegend in den Trockengebieten Afrikas und Asiens; charakteristisch sind Herdenviehzucht und ein der nomadischen Lebensweise angepasster Kulturbesitz (Zelte, Jurten) sowie eine typische Sozialorganisation (patriarchal, Großfamilien, Stammesorganisation); typische Vertreter sind die Beduinen.

Hirtentäschel, Capsella bursa-pastoris: Kreuzblütler mit weißen Blüten und dreieckigen Schötchen; häufiges Unkraut der Äcker und Gärten.

Hirudin: blutgerinnungshemmendes Protein des medizinischen Blutegels.

His, Wilhelm, 9.7.1831-1.5.1904, schweizerischer Anatom; Professor in Basel und Leipzig; gilt als einer der Begründer der modernen embryologische Forschung. Mit Hilfe von Schnittserien deckte er die Entwicklung zahlreicher Organe auf, besonders widmete er sich der Entwicklung und dem Bau des Nervensystems. Seine anatomische Nomenklatur (1895) diente als Grundlage für die Baseler «Nomina anatomica» (1907).

Hispanität, Hispanidad: von Spanien ausgehende Bewegung zur Wiedererweckung und Vertiefung eines kulturellen, sprachlichen und «rassischen» Zusammengehörigkeitsgefühls mit den spanischsprachigen Staaten und den Philippinen; diente als ideologische Grundlage der aktiven klerikal-faschistische Propaganda Franco-Spaniens in Lateinamerika, für deren Verbreitung 1941 ein besonderer «Consejo de Hispanidad-Hispanität» (Rat der Hispanidad-Hispanität) geschaffen wurde.

Hispanistik: Sammelbezeichnung für wissenschaftliche Disziplinen, die sich mit Sprache, Kultur und Literatur spanischsprachiger Länder befassen.

Histamin: biogenes Amin, das in latenter Form in den Mastzellen aller Gewebe («Gewebshormon») des menschlichen und tierischen Organismus vorkommt. Eine plötzliche Freisetzung größerer Mengen Histamin, zum Beispiel durch Insektenstiche, bei Sonnenbrand oder Allergien, kann schwere Krankheitsbilder (Hautreaktionen, Erstickung) auslösen.

Histidin, Symbol His: eine heterozyklische, essentielle Aminosäure. Histidin ist farb- und geruchlos; es kommt in nahezu allen Eiweißen vor und geht im Organismus in Histamin über.

Histiozyten, Wanderzellen: Zellen des lockeren Bindegewebes bei Wirbeltieren und beim Menschen. Durch Phagozytose (Aufnahme von Fremdkörpern, Bakterien unter anderem) sind sie an Abwehrvorgängen beteiligt.

Histochemie: chemisches Nachweisverfahren einzelner Bestandteile beziehungsweise Produkte der Zellen und Gewebe in histologischen Schnitt- oder Ausstrichpräparaten durch Farbreaktionen.

Histo-Photometrie, Mikrofotometrie: qualitative und quantitative Bestimmung von Substanzen (zum Beispiel Nukleinsäuren, Eiweiße) in gefärbten oder ungefärbten biologischen Objekten (Zellen, Gewebeschnitte) durch fotometrische Messung unterschiedlicher Lichtdurchlässigkeit (Extinktion) in Abhängigkeit von der Wellenlänge (meist monochromatisches Licht).

Histogramm: graphische Darstellung der Häufigkeitsverteilung; in der Physiologie zum Beispiel das Auftreten von reizabhängigen Nervenzellimpulsen innerhalb einzelner aufeinander folgender Zeitmarken (Post-Stimulus-Histogramm, Intervall-Histogramm). Im Histogramm können auch Häufigkeitsverteilungen anderer Art dargestellt werden (zum Beispiel Amplituden-Histogramm).

Histologie: Lehre von der Struktur und Funktion der Gewebe.

Histolyse: Auflösung des Körpergewebes; allgemeine Gewebezersetzung durch Enzyme und Bakterien nach dem Tode oder lokale Gewebezerstörung beim lebenden Organismus durch schädigende Einwirkungen.

Histone: Gruppe einfacher Proteine, die basische Aminosäuren enthalten und im Zellkern mit den Nukleinsäuren verbunden sind.

Histophysik: Nachweisverfahren von Bestandteilen beziehungsweise Produkten der Zellen und Gewebe in histologischen Schnitt- oder Ausstrichpräparaten durch physikalische Methoden.

Histophysiologie: Lehre von der Funktion pflanzlichen und tierischen Zellen sowie Gewebe.

Historie: 1. veraltet Geschichte beziehungsweise Geschichtswissenschaft.

2. Erzählung, die wesentlich tatsächliche oder fiktive historische Geschehen gestaltet. Im Mittelalter und im 16./17. Jahrhundert diente die Bezeichnung den Autoren dazu, die Glaubwürdigkeit des Berichteten zu bezeugen.

Historienmalerei: Malgattung, in der geschieht). Ereignisse dargestellt werden. Bis zum 18. Jahrhundert zählten auch mythologische, religiöse und dichterische Themen zur Historienmalerei Die Darstellung zeitgenössischen Geschehens wird als Ereignisbild bezeichnet. Historienmalerei erscheint schon in den Kulturen des Altertums. Größere Bedeutung gewann die Historienmalerei mit dem neuerwachenden Geschichtsbewusstsein in der Renaissance (Leonardo da Vinci, Michelangelo unter anderem). Die barocke Historienmalerei pflegte vor allem das Schlachtenbild. Das Prinzip der historischen Treue befolgte erst die Historienmalerei des 19. Jahrhundert, der größten Blütezeit der Historienmalerei Aus der Schar mittelmäßiger Spezialisten ragen in dieser Zeit F. de Goya, J. L. David, T. Gericault, E. Delacroix, P. von Cornelius, A. Rethel, A. von Menzel, I. J. Repin unter anderem hervor. Die vom kritischen Realismus eingeleitete Aufdeckung von Klassenkämpfen im Historienbild und das stetig wachsende Interesse an der Schilderung revolutionärer Vorgänge werden in der sozialistischen Historienmalerei bewusst fortgeführt. Sie dient der kritischen Bewältigung der Vergangenheit und der Aneignung der revolutionären und kulturellen Traditionen.

Historik: Lehre von der Methode der Geschichtswissenschaft.

Historiographie, Geschichtsschreibung: die Darstellung des im Forschungsprozess der Geschichtswissenschaft erarbeiteten Faktenmaterials und der historischen Erkenntnisse. Die Historiographie bildete sich in den frühen Klassengesellschaften mit dem erwachenden geschichtlichen Bewusstsein allmählich aus den ursprünglich Formen der Genealogie, der Annalen und Chroniken heraus. Die ersten bedeutenden Werke der Historiographie entstanden in der Zeit der antiken Sklaverei Gesellschaft in Griechenland. Seit Augustinus (354-430) setzte sich das christliche feudale Weltbild in der Historiographie durch. Seitdem hat die Historiographie viele Formen und Entwicklungsstufen durchlaufen. Bis zur Herausbildung des historischen Materialismus war der Idealismus in der Geschichtsbetrachtung vorherrschend. Die Humanisten entwickelten in der Zeit des Frühkapitalismus Ansätze bürgerlicher Geschichtsverständnisses und der historischen Quellenkritik. Ein großer Fortschritt in der Historiographie wurde erreicht, als die französischen Aufklärer als ideologischer Wegbereiter der Revolution von 1789 vom Standpunkt des zur Macht strebenden Bürgertums Vernunft und Erfahrung zur Erkenntnis historischer Erscheinungen anwandten, das theologische Weltbild widerlegten, die Notwendigkeit des gesellschaftlichen Fortschritts aufzeigten, die Rolle der Klassen in der Geschichte zu erkennen begannen. Fortschritts- und Entwicklungsbegriff wurden vertieft durch das klassische deutsche Geschichtsdenken; G. W. F. Hegel suchte in den von seinem Idealismus gezogenen Grenzen die Weltgeschichte in ihrem gesetzmäßigen Zusammenhang und in ihrer Dialektik zu erfassen. Seit dem 18. Jahrhundert wurden die historischen Forschungsmethoden, insbesondere der Quellenkritik, ständig ausgebaut. Mit Marx und Engels begann eine qualitativ neue Erkenntnisstufe des weltgeschichtlichen Prozesses. Sie entdeckten nicht nur die grundlegenden Entwicklungsgesetze der menschlichen Geschichte, sondern ihre Werke sind auch Muster der praktischen Anwendung der Geschichtstheorie und der Anleitung zum politischen Handeln. Damit entwickelte sich die Historiographie endgültig zur Wissenschaft. Lenin entwickelte den historischen Materialismus und damit die Geschichtswissenschaft entsprechend den Bedingungen der neuen Epoche weiter. Zu den wichtigsten Formen der Historiographie gehören: Monographien, Biographien und Quellenveröffentlichungen, die neue Untersuchungsergebnisse vorlegen; zusammenfassende Gesamtdarstellungen, Lehrbücher, Nachschlagewerke aller Art; populärhistorische Darstellungen.

historische Hilfswissenschaften: Wissenschaften, die sich mit einzelnen Quellengattungen (zum Beispiel Urkundenlehre und Aktenkunde, Heraldik, Sphragistik, Numismatik) beziehungsweise wiederkehrenden Elementen in unterschiede Quellengattungen (zum Beispiel Chronologie, Paläographie, Metrologie) befassen und Voraussetzungen für die quellenkritische Untersuchung schaffen.

historische Rechtsschule: wissenschaftliche Lehre in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert, die die Bindung des Rechts an das Feudalsystem und das römische Recht betonte; sie verteidigte feudale Einrichtungen gegen die Ideen der Franzos. Revolution und der klassischen deutschen Philosophie.

Historische Schule: Richtung der vulgären bürgerlichen politischen Ökonomie im 19. Jahrhundert; besonders in Deutschland verbreitet. Die Historische Schule lehnt theoretische Verallgemeinerungen ab, leugnet die Existenz objektiver ökonomischer Gesetze und damit die Gesetzmäßigkeit des Untergangs des Kapitalismus. Sie löst die politische Ökonomie in eine empirisch beschreibende Wirtschaftsgeschichte auf.

historisch-vergleichende Sprachwissenschaft: Teilbereich der Sprachwissenschaft, entstanden im 19. Jahrhundert bei der Erforschung der indoeuropäischen Sprachen. Der geschichtsbetonte und vergleichende Aspekt wurde aus anderen Wissenschaften übernommen. Begründer waren F. Bopp, J. Grimm, R. Rask.

History: (englisch «Geschichte», «Chronik») Genre der englischen Renaissance-Dramatik (neben Tragödie, Komödie und Pastorale), dessen Gegenstand Ereignisse und Personen der englischen Geschichte sind. In den Werken C. Marlowes und W. Shakespeares gelang die überzeugende Verknüpfung von geschichtlichen Prozessen und individuellem Handeln.

Histo-Spektrometrie: Messung der Durchlässigkeit eines Gewebeschnittes für verschiedene Lichtwellenlängen, die Aussagen über dessen chemische Zusammensetzung ermöglicht.

Histrione: ursprünglich etruskischer mimischer Tänzer, seit dem 3. Jahrhundert vor Christus römischer Schauspieler der Tragödie und Komödie; kam mit den römischen Heeren in die Provinzen, wirkte im Mittelalter an den Höfen der weltlichen und geistlichen Fürsten; später den Jokulatoren gleichgestellt.

Hit: (englisch, «Treffer») in der Unterhaltungsbranche außerordentlicher Verkaufserfolg, hauptsächlich aber besonders populär gewordener Schlager.

Hitchcock, Alfred, 13.8.1899-29.4.1980, britischer Filmregisseur; schuf in Großbritannien und in den USA zahlreiche spannungsbetonte, gut gebaute, vielfach hintergründige Kriminalfilme, wie «39 Stufen», «Rebecca», «Ich kämpfe um dich», «Der Fall Paradin», «Ich beichte», «Bei Anruf Mord», «Über den Dächern von Nizza», «Die Vögel», «Eine Dame verschwindet», «Frenzy», «Familiengrab».

hitzebeständige Legierungen: Legierungen, die sich bei hohen Temperaturen lange Zeit nicht oder nur unwesentlich verändern. Wichtigster Bestandteil, zum Beispiel der hitzebeständigen Stähle, ist Chrom, das durch Bildung einer dichten Oxidschicht weitere Verzunderung verhindert. Zusätze von Wolfram und Molybdän steigern die Warmfestigkeit.

Hitzebeständigkeit: Widerstandsfähigkeit gegen hohe Temperatur; hitzebeständige Stoffe halten Temperaturen bis etwa 600 °C aus, hochhitzebeständige bis etwa 1600 °C.

Hitzemauer, Hitzebarriere, Wärmebarriere: bildhafte Bezeichnung für den Bereich, in dem bei Überschallgeschwindigkeit Flugkörper durch Aufstau und Reibung der Luft so erhitzt werden, dass Sonderwerkstoffe (Titan, hitzebeständige Legierungen) erforderlich sind beziehungsweise Wärmedämmstoffe und Kühlanlagen eingebaut werden müssen.

Hitzerisse: im Spätwinter oder Frühjahr durch starke Besonnung an Laubbäumen, besonders Buche und Eiche, entstehende Risse in Rinde und Holz, die meist knapp über dem Boden beginnen und unterschiedlich lang sind, das heißt ermöglichen Infektion durch holzzerstörende Pilze; meist überwallt die Wunde bald.

Hitzeschild, Wärmeschild: schildförmiger Teil der Außenhaut von Raumflugkörpern, der gegen aerodynamische Aufheizung beim (Wieder-) Eintritt in die Atmosphäre der Erde oder eines anderen Himmelskörpers beziehungsweise vor zu intensiver Einwirkung des Triebwerk-Gasstrahls oder der Sonneneinstrahlung schützt.

Hitzewallungen: besonders in den Wechseljahren plötzlich auftretender Blutandrang zum Kopf, verbunden mit unangenehmen Wärmegefühlen.

Hitzschlag: lebensbedrohliche, akute Überhitzung des Körpers insbesondere mit Hirnschädigung infolge körperlicher Überanstrengung bei feuchter Hitze. Kennzeichen sind hohes Fieber, fehlende Schweißabsonderung, Bewusstseinstrübung und Krämpfe.

H-Milch: kurzzeitig (2 bis 8 s) auf 135 bis 150 °C (ultra-) hocherhitzte Milch, die aseptisch abgefüllt wird und auch ohne Kühlung 6 Wochen lagerfähig ist.

Hoa-Hao: militante buddhistische Sekte in Südvietnam, gegründet 1939; ihre Haltung zum Kampf um die nationale Befreiung war widersprüchlich, kämpfte bis 1954 überwiegend auf Seiten der französischen Kolonialmacht; geriet nach 1955 vorübergehend in Widerspruch zum proamerikanischen Marionettenregime; ein großer Teil der Anhänger ging später zur Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams über.

Hobart: Hauptstadt und wichtigster Hafen von Tasmanien (Australien), an der Südostküste; mit Vororten 180000 Einwohner; Buntmetallurgie (Kupfer, Zink), chemische Industrie, Maschinen- und Fahrzeugbau, Zement-, Leicht-, Nahrungsmittelindustrie; bei Hobart Wasserkraftwerke; Flughafen; Universität; Theater, Museen, botanischer Garten.

Hobbema, Meindert, 31.10.1638-7.12.1709, holländischer Maler, Schüler von J. van Ruisdael. Die bevorzugten Motive seiner eng an das Naturvorbild angelehnten Landschaftsdarstellungen sind Baumgruppen und Wassermühlen.

Hobbes, Thomas, 5.4.1588-4.12.1679, englischer Philosoph; entwickelte, an das Naturrecht anknüpfend, die erste bürgerliche Sozialtheorie. Hobbes ging von einem ursprünglichen Naturzustand aus, in dem die Menschen ausschließlich dem Naturgesetz der Selbsterhaltung folgen. Dadurch entstehe ein Krieg aller gegen alle. Um den Frieden zu garantieren, müssten alle ihre individuelle Macht auf den Staat übertragen. Idealer Repräsentant der Staatsgewalt ist für Hobbes der absolut regierende Monarch. Die Voraussetzung für seine progressive bürgerliche Gesellschaftsauffassung sah Hobbes, der als Systematiker der Philosophie F. Bacons gilt, in seiner auf der neuzeitlichen Naturwissenschaft beruhenden mechanisch-materialistischen Lehre. Nach Hobbes ist Bewegung bloße mechanische Ortsveränderung. Erkennen soll durch Rechnen und geometrische Konstruktion vollzogen werden. Er bekämpfte die theologische Theorie der Willensfreiheit und vertrat einen strengen mechanischen Determinismus. Zu den Hauptwerken zählen «Grundzüge der Philosophie» (1655, deutsch) und «Leviathan» (1651, deutsch).

Hobel: Handwerkszeug zur spanenden Bearbeitung (Glätten oder Profilieren) von Holz; besteht aus Hobelkasten mit Nase (Handgriff), Schlagknopf und Hobeleisen, einem stählernen Schneidmesser, das schräg im Hobelkasten befestigt ist, wobei die Schneide etwa 0,1mm aus dem Maul über die Sohlenebene hinausragt.

Hobelbank: Werktisch mit Holzschraubstöcken (Zangen) und einsetzbaren Bankhaken zum Einspannen von Holzwerkteilen.

Hobeln: spannendes Fertigungsverfahren, bei dem der Hobelmaschinentisch mit dem Werkstück eine geradlinige, unterbrochene hubweise (hin- und hergehende) Schnittbewegung und das einschneidige Werkzeug (Hobelmeißel) die schrittweise Vorschubbewegung bei jedem Hub ausführt; angewendet zur Herstellung langer (im Verhältnis zur Breite) Flächen oder Nuten an großen Teilen. Die Einständerhobelmaschine trägt am Ständer höhenbewegliche Seitensupports sowie den höhenverstellbaren Querträger, auf dem sich die Quersupports bewegen, und ist zum Hobeln sperriger Werkstücke geeignet. Die Zweiständerhobelmaschine hat eine begrenzte Durchlassbreite, aber steiferen Aufbau wegen der doppelten Führung des Querträgers. Bei Anbringung entsprechend Zusatzeinrichtungen am Quersupport können die Maschinen auch zum Nachformen verwendet werden. Außerdem ist auch das Anbringen von Fräs- oder Schleifeinheiten möglich, um das Umspannen der meist schweren und großen Werkstücke zu vermeiden. Für die End- oder Feinbearbeitung wird das sogenannt Breitschlicht-Hobeln angewendet, wozu ein spezieller Hobelmeißel erforderlich ist, der minimale Rauheiten der Oberfläche ermöglicht. Bei der Holzbearbeitung dient Hobeln zum Glätten oder Profilieren von Holzflächen beziehungsweise zum Erzeugen von Holzwolle; das Werkstück oder Werkzeug führt dabei eine gerade Schnittbewegung zur spanabhebenden Bearbeitung aus.

Hochafrika: der durchschnittlich über 1000 m über dem Meeresspiegel gelegene Teil Afrikas in Ost- und Südafrika, gegenüber den übrigen afrikanischen Gebieten in etwa durch die Linie Rotes Meer-Westfuß des äthiopischen Hochlandes westlicher Aufwölbung des Zentralafrikanischen Grabens-Lundaschwelle abgegrenzt. Siehe auch Niederafrika.

Hochamt: in der katholischen Kirche gesungene Messe (Eucharistiefeier); früher meist in lateinischer Sprache, heute oft in der Landessprache.

Hochausbeutezellstoff: aus Laub- und Nadelholz durch Kochen mit Natriumhydrogensulfit gewonnener Zellstoff einer Ausbeute von 65 % bis 55 % (bezogen auf die Faserrohstoffsubstanz) mit hohem Hemicellulose-Gehalt und guten Festigkeitseigenschaften.

Hochbahn: in der Hochlage zum Straßenniveau (auf Dämmen, Gewölben, Viadukten u. ä.) geführte Stadtbahn.

Hochbau: Zweig des Bauwesens, der sich mit der Herstellung von Bauwerken vorrangig über einem Gelände, vornehmlich Gebäuden, befasst.

Hochbauschgarn: voluminöses Texturgarn, das durch Erwärmen eines Gemisches schrumpfender und nichtschrumpfender Polyacrylnitrilfasern hergestellt wird, das heißt wird für Maschenwaren mit hohem Wärmerückhaltevermögen eingesetzt.

Hochbaustahl: im Stahlhochbau verwendeter, im Allgemeinen unlegierter, nach der Zugfestigkeit standardisierter Massenstahl. Die gewährleistete Zugfestigkeit wird im Wesentlichen durch den Kohlenstoffgehalt bestimmt. Schweißbarer Hochbaustahl mit über 500 MPa Zugfestigkeit wird mit 1 bis 1,5 % Mangan legiert, da der Kohlenstoffgehalt beim Schweißen maximal 0,22 % betragen darf.

Hochbehälter: turmartiges oder auf Gerüst gestelltes Bauwerk zum Speichern flüssiger oder gasförmiger Stoffe und von Schüttgut; Ausführung in Stahl (Profilstahl, Stahlbleche) beziehungsweise Stahlbeton in Monolith- oder Montagebauweise.

Hochdecker: Flugzeug (Eindecker) mit über dem Rumpf angeordneten Tragflächen.

Hochdeutsch: 1. die von der 2. Lautverschiebung erfassten deutschen Mundarten (Gegensatz Niederdeutsch).

2. Schrift-, Literatur- oder Hochsprache im Unterschied zu Mundarten und Umgangssprache.

Hochdruck:

1. Polygraphie: Druckverfahren.

2. Technik: Sammelbezeichnung für Drücke über 10 MPa.

Hochdruckchemie: Wissensgebiet von den Stoffumwandlungen bei Drücken oberhalb 10 MPa (~100at) beziehungsweise als Höchstdruckchemie oberhalb 100 MPa. In der Technik liegt zur Zeit die obere Grenze für dauernd wirkende Drücke bei etwa 500 MPa; in Speziallaboratorien können in Volumina bis zu 1 ml 10000 MPa, punktförmig 50000 MPa und in Stoßwellen mehr als 100000 MPa erzeugt werden. Hohe Drücke begünstigen Reaktionen, die unter Volumenminderung ablaufen. Ammoniak, Methanol unter anderem werden bei 20 bis 30 MPa, Hochdruckpolyäthylen bei 100 bis 200 MPa und synthetische Diamanten bei 5000 MPa hergestellt. Bei höchsten Drücken verschwinden die Unterschiede zwischen den Aggregatzuständen; zwischenmolekulare Kräfte gehen in homöopolare und schließlich in metallische Bindekräfte über; Änderungen der physikalischen Eigenschaften, wie Dichte, Härte, Elastizität, Ionisation, elektrische Leitfähigkeit, treten ein. Zum Beispiel wird Stahl unter 1200 MPa Druck schmiegsam und zähflüssig; Quecksilber schmilzt unter dem gleichen Druck erst bei Raumtemperatur; unter 4000 MPa schmilzt Eis bei 220 °C; Schwefel wird bei 40000 MPa gut elektrisch leitend. Demgemäß laufen chemische Vorgänge bei höchsten Drücken, wie zum Beispiel im Erdinneren (etwa 10s bis 106 MPa) oder in Fixsternen (109 bis 1018 MPa) anders ab als auf der Erdoberfläche. Die höchsten unter irdischen Bedingungen durch Stoßwellen oder Explosionen erzeugbaren Drücke werden unter anderem zum Verschweißen von Metallen, die anders nicht schweißbar sind, benutzt. Die höchsten Drücke zerstören die gesamte Elektronenhülle der Atome, so dass die Materie dann aus einem Gemisch von Atomkernen und einem «entarteten» Elektronengas besteht («entartete Materie»).

Hochdruckentladungslampe: Entladungslampe, bei der die Lichterzeugung durch eine Gasentladung bei einem Druck größer als 104 Pa erfolgt. Die Hochdruckentladung gestattet hohe spezifische Leistung im Entladungsgefäß. Zu den Hochdruckentladungslampen gehören Quecksilberdampf-, Natriumdampfhochdrucklampen sowie Halogenmetall Dampflampen.

Hochdruckgebiet, Hoch n. Antizyklone: Gebiet relativ hohen Luftdrucks am Boden oder in einem höheren Bezugsniveau. Charakteristisch sind schwache Winde und absteigende Luftbewegung mit Wolkenauflösung und Austrocknung; im Sommer meist mit heiterem, warmem, im Herbst und Winter meist mit kaltem Wetter und Neigung zur Nebel- und Dunstbildung verbunden.

Hochdruckkrankheit, Hypertonie, Hypertension: zeitweilige oder ständige Blutdrucksteigerung über 22 kPa beziehungsweise 160 Torr (normal im mittleren Lebensalter 16 kPa beziehungsweise 120 Torr) im großen Kreislauf (arterielle Hochdruckkrankheit) vermutlich infolge Störung der vom Zentralnervensystem gesteuerten Blutdruckregulation (primäre essentielle Hochdruckkrankheit) oder bedingt durch bestimmte Erkrankungen (sekundäre symptomatische Hochdruckkrankheit), zum Beispiel der Nieren. Folgen der Hochdruckkrankheit sind verstärkte Arteriosklerose, Organschäden, insbesondere an Gehirn, Herz und Nieren.

Hochdruckphysik: Gebiet der Physik, das sich mit den Eigenschaften der Stoffe und ihren Umwandlungen im Bereich hoher Drücke befasst. Hohe statische Drücke werden in dickwandigen Zylindern aus Stahl oder Speziallegierungen erzeugt, indem mittels hydraulischen Pressen gehärtete Kolben in die Zylinder gepresst werden. Der Druckraum ist mit Öl, Isopentan, Blei oder Indium gefüllt. Mittels besonderer Techniken erreicht man so Drücke bis maximal 10u Pa. Kurzzeitig lassen sich durch magnetische Kompression sowie durch Stoßwellen (bei Explosionen beim Aufeinandertreffen von Geschossen, auch durch intensive Laserstrahlung) dynamische Drücke bis über 1012 Pa erzeugen. Die Hochdruckphysik brachte viele neue Erkenntnisse, sie ermöglichte unter anderem die Synthese von Diamanten.

Hochdruckzylinder: bei mehrstufigen Kolbendampfmaschinen der erste Zylinder, in den der Frischdampf mit hohem Druck strömt, bei Kolbenverdichtern der Zylinder der letzten Stufe.

Hoche, Lazare, 25.6.1768-19.9.1797, französischer Revolutionsgeneral, vordem Reitknecht; Teilnehmer am Sturm auf die Bastille, wurde nach erfolgreicher Verteidigung von Dunkerque (1793) General. Er schlug im gleichen Jahr die Österreicher im Elsaß und zerschlug 1795 gelandete britische und royalistische Truppen in der Bretagne.

Hochenergiephysik: Physik der Elementarteilchen, deren Untersuchung, zum Beispiel mittels Beschleuniger, immer höhere Energien zum Vordringen in immer kleinere räumliche Dimensionen verlangt. Die Hochenergiephysik hat zu vielen wichtigen Erkenntnissen über die Struktur und Wechselwirkung der Materie geführt, deren physikalische Konsequenzen bis hin zur Kosmologie reichen; auf vielen Gebieten der Technik, wie Präzisionsgerätebau, Vakuum-, Tieftemperatur-, HF- und Rechentechnik forderte die Hochenergiephysik zu Pionierleistungen heraus.

Hochenergieumformen, Hochgeschwindigkeitsumformen: Umformen von meist Blechteilen, besonders aus schwer umformbaren Werkstoffen (zum Beispiel Titanlegierungen), durch schlagartiges Freisetzen hoher Energie, wodurch sehr große Umformgeschwindigkeiten erzielt werden. Die Energie kann durch Explosion (Explosivumformen), elektrische Entladung unter Wasser (elektrohydraulischer Effekt), elektrische Entladung über eine Spule (Magnetuniformen) oder Expansion eines verdichteten, nichtbrennbaren Gases (Expansions-, Dynapac-Verfahren) frei werden. Dabei wirkt die Druckwelle direkt über ein Magnetfeld oder indirekt über eine Flüssigkeit oder ein beschleunigtes Werkzeugelement auf das Werkstück ein.

Hochfrequenz, Abkürzung HF: elektromagnetische Schwingungen mit Frequenzen zwischen 10 kHz und 300 MHz beziehungsweise Wellenlängen zwischen 30000 m und 1 m.

Hochfrequenzentladung: im Allgemeinen elektrodenlose Gasentladung, bei der die Ionisation des Gases durch intensive elektromagnetische Schwingungen und Wellen verursacht wird.

Hochfrequenzerwärmung: Erwärmung elektrisch leitender oder nichtleitender Werkstoffe durch ein hochfrequentes magnetisches (induktive Hochfrequenzerwärmung) oder elektrisches Feld (dielektrisches Hochfrequenzerwärmung) zum Schmelzen sehr reiner Metalle, Härten, Glühen beziehungsweise Trocknen unter anderem Siehe auch dielektrische Erwärmung, Induktionserwärmung.

Hochfrequenzkoagulation: Gewebezerstörung und Blutstillung bei der Elektrochirurgie (zum Beispiel von Geschwülsten) durch hochfrequente elektrische Ströme, die im Körper in Elektrodennähe Wärme erzeugen.

Hochfrequenzspektroskopie: Untersuchung von Quantenübergängen in atomaren oder molekularen Systemen mit hochfrequenten elektromagnetischen Wellen (Wellenlänge 0,5 mm bis 150 km), bei mm- und cm-Wellen oft als Mikrowellenspektroskopie bezeichnet Sie wird angewendet, wenn die Abstände zwischen den interessierenden Energieniveaus der Atome oder Moleküle so klein sind, dass die absorbierte Strahlung nicht mehr zum optischen Bereich gehört. Zur Hochfrequenzspektroskopie zählen u. a. Atomstrahl-Resonanzmethode, Mikrowellenabsorption in Gasen, Elektronenresonanz und Kernresonanz. Die Hochfrequenzspektroskopie erreicht eine besonders hohe Messgenauigkeit. Ihr Anwendungsbereich umfasst Strukturaufklärungen und Analysen in Physik, Chemie (auch industrielle Probleme) und Biologie.

Hochfrequenztechnik, Kurzwort HF-Technik: Verfahren und Einrichtungen zur Erzeugung und Nutzung von Hochfrequenzschwingungen, zum Beispiel in der Nachrichten-, Mess-, Ortungs- und Rechentechnik.

Hochhaus: Gebäude mit mehr als 11 Geschossen und relativ geringer Grundfläche. Zur Einsparung von Bauland und Erhöhung der Wohndichte sowie Verkürzung der Erschließungswege und -leitungen oder als architektonische Dominante werden Hochhäuser mit 16 bis 110 Geschossen als Skelettbau projektiert und im Gleit- und Montagebau als Wohnhäuser, Verwaltungsgebäude, Garagen errichtet, zum Beispiel in Leipzig das Universitätsgebäude (Höhe 140 m), in New York die Hafenverwaltung (450 m). Hochhäuser erfordern besondere brandschutz-, versorgungs- und klimatechnische Maßnahmen, und Anlagen.

Hochkant Bandförderer: Spezialausführung eines Bandförderers für den Transport von Schriftstücken, Karten, Büchern unter anderem in Bürohäusern, Bibliotheken u. ä. Gebäuden. Auf einem schmalen Gurt werden die Schriftstücke stehend (hochkant) gefördert und dabei durch seitliche Führungsleisten am Umfallen gehindert.

Hochkirch: Gemeinde südöstlich von Bautzen. Bei Hochkirch im Siebenjährigen Krieg am 14.10.1758 empfindliche Niederlage der eine taktisch ungünstige Stellung einnehmenden preußischen Armee gegen die österreichischen Truppen.

Hochkreuz: Steinkreuz, oft mehrere Meter hoch, mit figürlichem oder ornamentalem Schmuck zum Totengedenken; Hochkreuz kommen in England, Schottland und Irland vom 7. bis 12. Jahrhundert, in Armenien seit dem 7. Jahrhundert vor.

Hochland der Riesenkrater, Riesenkraterhochland: Gebiet erloschener Vulkane mit riesigen Kratern (unter anderem Ngorongoro-Krater) im Norden Tansanias, westlich des Ostafrikanischen Grabens, zwischen Kilimandscharo und Victoriasee; höchster erloschener Vulkan ist der Loolmalasin (bis 3 647 m).

Hochlautung: die Aussprachenorm der Hochsprache, ohne mundartliche und umgangssprachliche Anklänge, auch Bühnenaussprache.

Hochlichtaufnahme: Polygraphie Rasternegativ mit (durch Zusatzbelichtung ohne Raster) punktfrei gehaltenen Lichtem, um Bleistift-, Kreide-, Kohle- oder Tuschezeichnungen vorlagenähnlich im Druck wiedergeben zu können.

Hochmeister: Titel des Oberhaupts vor allem des Deutschen Ritterordens.

Hochnebel: Nebelbildung im oberen Teil der atmosphärischen Bodenschicht mit nebelfreiem Raum unmittelbar über der Erdoberfläche.

Hochofen: 15 bis 50 m hoher Schachtofen zur Herstellung von Roheisen und Ferrolegierungen aus Erz, Agglomerat und beziehungsweise oder Pellets. Der Hochofen, früher mit Holzkohle betrieben, wird heute mit speziellem Koks als Reduktionsmittel und Energieträger betrieben. Er besteht aus einem Blechmantel, wird durch ein Traggerüst gestützt und ist mit feuerfesten Materialien ausgemauert. Der untere Teil des Schachtes wird mit Wasser gekühlt. Der Hochofen hat an seiner weitesten Stelle (Kohlensack) einen Innendurchmesser von 3,5 bis 12 m. Ein Hochofen, der stets kontinuierlich arbeitet, erreicht eine Leistung bis zu 4 Millionen Tonnen Roheisen je Jahr. Bei der Verhüttung wird der Möller durch einen Schrägaufzug auf die Gichtbühne befördert und durch den Gichtverschluß (Gicht 1) in den Hochofen gegeben. Koks und Erz beziehungsweise Sinter liegen im Schacht schichtweise übereinander und füllen den Hochofen ständig bis zum Gichtverschluss. Der Möller sinkt allmählich ab und durchläuft nacheinander Schacht, Kohlensack und Rast; dabei erfolgt die Reduktion des Erzes. Im Gestell sammeln sich getrennt Roheisen und Schlacke. Die erforderliche Verbrennungsluft (Wind) tritt durch Düsen (Windformen) am Umfang der Rast ständig in den Hochofen ein und streicht nach oben. Der Wind wird, um die Ofentemperatur zu erhöhen und den Koksverbrauch zu senken, in Regenerativ-Winderhitzern auf etwa 800 °C vorgewärmt. Die Schlacke wird aus dem Hochofen laufend entfernt, das flüssige Roheisen periodisch abgelassen (Abstich). Ein Hochofen ist im Normalfall mehrere Jahre ununterbrochen in Betrieb.

Hochpolymere: natürliche oder durch Polyreaktionen synthetisch hergestellte makromolekulare Substanzen, zum Beispiel Zellulose, Eiweiße, Stärke, Plaste, Elaste, Chemiefaserstoffe. Die Moleküle der Hochpolymere sind entweder linear aufgebaut (zum Beispiel Thermoplaste) oder räumlich vernetzt (zum Beispiel Duroplaste).

Hochrechnung: Methode der beschreibenden Statistik zur Schätzung unbekannter Parameter auf Grund einer Stichprobe. Interessiert zum Beispiel die Lohnsumme S eines Betriebes von N = 5000 Beschäftigten, so stellt man die Lohnsumme s zum Beispiel von n = 200 zufällig Ausgesuchten fest. Dann ist N/n = 25, und man erhält den Schätzwert S = 25 s.

Hochregallager: Bauwerk oder Teil eines Bauwerkes, in das Lagergut mit Hilfe eines oder mehrerer Regalbediengeräte in Regale mit einer Stapelhöhe von mehr als 6 m eingelagert wird.

Hochschlag, Lob: Tennis hoch geschlagener Ball, mit dem der in Netznähe befindliche Gegner überspielt werden soll und der Ball möglichst weit nach hinten ins gegnerische Feld gespielt wird.

Hochschullehrer: Angehöriger des höchsten Lehrkörpers an Universitäten und Hochschulen (Professor, Dozent).

Hochschur: technologischer Prozess der Rauchwarenveredlung zur Egalisierung unterschiedlicher Haarlängen bei Pelzfellen; zum Beispiel können bei Kanin, Nutria und Biber die hervorstehenden Grannenhaare auf die Länge der Wollhaarspitzen verkürzt werden. Siehe auch Unterwolle, Tiefschur.

Hochspannungsgleichstromübertragung, Abkürzung HGÜ: Übertragung elektrischer Energie mit Gleichstrom von mehr als 1000 kV über sehr große Entfernungen zur Verlustminderung oder über Verbindungsleitungen zwischen Drehstrom-Verbundnetzen zur Erhöhung der Versorgungszuverlässigkeit.

Hochspannungsmessung: Messung hoher Wechsel- und Gleichspannungen über Messwandler, Kugelfunkenstrecke, Spannungsteiler mit Scheitelwertmessgerät oder mit elektrostatischen Spannungsmessern (zum Beispiel Quadrantenelektrometer).

Hochspannungsprüfanlage: Einrichtung mit Hochspannungsprüftransformator (siehe auch Kaskadenschaltung) oder Stoßspannungsgenerator (siehe auch Stoßanlage) zur Prüfung von Hochspannungsgeräten und -anlagenteilen auf Durch- oder Überschlagfestigkeit.

Hochspannungsprüftechnik: Zweig der Hochspannungstechnik, der sich mit der Prüfung von Bauelementen der Energieversorgungseinrichtungen auf Vorentladungen, Durchschlag- und Überschlagfestigkeit befasst. Die Prüfspannung liefern spezielle Speiseeinrichtungen (Prüftransformator, Wechselspannungskaskade, Stoßanlage).

Hochspannungstechnik: Zweig der Elektrotechnik, der sich mit der Erzeugung von Spannungen über 1 kV und der Isolierung dieser Spannungen befasst. Die elektrische Festigkeit von Isolierungen kann durch geeignete Wahl und Formgebung der Isolierstoffe und der spannungführenden Teile (Elektroden) beeinflusst werden. Zur Hochspannungstechnik gehört auch das Prüfen elektrischer Geräte und Anlagenteile auf elektrische Festigkeit. Siehe auch Hochspannungsprüftechnik.

Hochsprung: leichtathletische Disziplin; eine möglichst große Höhe (Latte auf Sprungständern) ist nach Anlauf zu überwinden. Erfolgreichste Hochsprungtechniken sind gegenwärtig Flop (Fosbury-Flop) und Wälzsprung (Straddle). Der Absprung muss mit einem Bein erfolgen, wer die Latte dreimal hintereinander reißt (oder unterquert), scheidet aus dem Wettbewerb aus. Olympisch (seit 1896), Weltmeisterschafts- (seit 1983) und Europameisterschaftsdisziplin (seit 1934).

Hochstapler: Betrüger, der andere über seine Person täuscht, um sich materielle Vorteile zu verschaffen.

Höchstdruckentladungslampe: Entladungslampe, bei der die Lichterzeugung durch eine Gasentladung bei einem Druck von über 3 MPa erfolgt. Zu den Höchstdruckentladungslampe gehören Quecksilber- und Xenonhöchstdrucklampen.

Höchstertragskonzeption: betriebliches Leitungsinstrument in der sozialistischen Landwirtschaft, in dem komplex politisch-ideologischen, ökonomischen (betriebswirtschaftliche) und ackerbauliche Maßnahmen festgelegt werden, um durch optimale Ausnutzung der vorhandenen natürlichen Bedingungen (unter anderem Standort-, Bodenart-, Ertragspotenzen der landwirtschaftliche Kulturpflanzen) mit einem gesellschaftlich gerechtfertigten Aufwand höchste Hektarerträge zu erreichen. Zweckmäßig ist die Erarbeitung schlagbezogener Höchstertragskonzeption nach gründlicher Analyse der gegenwärtigen Produktionsbedingungen und des Produktionsniveaus für jeden Schlag, bezogen auf jede einzelne Fruchtart. Der Höchstertragskonzeption entspricht in der Tierproduktion die Höchstleistungskonzeption.

Höchstfrequenz: elektromagnetische Schwingungen mit Frequenzen zwischen 300 und 300000 MHz beziehungsweise Wellenlängen zwischen 1 m und 1 mm (Dezimeter-, Zentimeter- und Millimeterwellen).

Höchstfrequenztechnik: Verfahren und Einrichtungen zur Erzeugung und Nutzung von Höchstfrequenzschwingungen; Anwendung in der Richtfunk-, Fernseh- und Radartechnik, zur dielektrische Erwärmung und in der Mikrowellen-Spektroskopie. Ein Teilgebiet der Höchstfrequenztechnik ist die Ultrahochfrequenztechnik (UHF-Technik), die im Bereich der Dezimeterwellen angewandt wird.

Höchstpreis: Preis mit Normativcharakter, der nicht über-, jedoch unterschritten werden darf.

Hochstrecke: Gewichtheben Hochhalte der Arme über dem Kopf und Fixieren der Scheibenhantel durch Ruhigstellung des Körpers.

Hochtemperaturkeramik: hochtemperaturbeständige keramische Erzeugnisse aus Aluminiumoxid (Sintertonerde, Sinterkorund), Zirkon-, Beryllium- oder Magnesiumoxid, auch aus Karbiden, Nitriden, Boriden, Siliziden; Verwendung zum Beispiel als hochfeuerfeste Baustoffe, elektrische Isolierstoffe, Schneidstoffe zur spanenden Bearbeitung.

Hochtemperaturreaktor: Kernreaktortyp, der Hochtemperaturwärme bereitstehen, die zum Beispiel als Prozessenergie für stoffwirtschaftliche Zwecke nutzbar ist. Der Hochtemperaturreaktor wird in der Regel mit Gasen, insbesondere Helium, gekühlt.

Hochtouristik: sportliches Wandern im Hochgebirge; siehe auch Alpinistik.

Hochvakuumfett: spezielles Fett zur Dichtung beweglicher Rohrverbindungen, von Flanschen und Hähnen in Hochvakuumanlagen; besitzt extrem niedrigen Dampfdruck. Am häufigsten werden Apiezon-Fett und Silikonfett verwendet.

Hochveredlung: Verfahren zum Verbessern der Gebrauchseigenschaften von Textilien aus Zellulosefaserstoffen durch Kunstharzeinlagerung oder Faservernetzung.

Hochwälder, Fritz, geboren 28.5.1911, österreichischer Dramatiker; 1938 in die Schweiz emigriert, lebt in Zürich; schuf aus christlich-humanistischer Einstellung heraus sozialkritische, antifaschistische Werke («Das heilige Experiment», 1943; «Der Himbeerpflücker», 1965).

Hochwasser: in Binnengewässern zeitlich begrenzte Anschwellung der Wasserführung gegenüber dem gewöhnlichen (mittleren) Abfluss als Folgeerscheinung des Ablaufs meteorologischer Ereignisse (Stark- und Dauerregen, Schneeschmelze) oder des Bruchs beziehungsweise der bewussten Zerstörung von Stauwerken und Dämmen. Im Meer Hochstand des Wassers bei Flut.

Hochwasserschutz: Maßnahmen zur Verhinderung der Überschwemmungsgefahr bei starken Niederschlägen, Schneeschmelzen, Sturmfluten, Abflussstauungen (zum Beispiel bei Eisversetzungen, Lawinenfall). Hochwasserschutz kann durch Wasserbau!. Maßnahmen, wie Anlage von Wehren, Talsperren, Entlastungs- und Umflutkanälen, Rückhaltebecken, Wildbachverbauung, Eindeichung erfolgen, aber auch durch Aufforstung und Anpflanzungen sowie durch Verteidigung der Schutzbauten bei sehr hohen Wasserständen.

Hochwild: ursprünglich dem hohen Adel zur Jagd vorbehaltenes Wild, wie Rot-, Dam-, Elch-, Gams-, Muffel-, Schwarz-, Stein- und Auerwild, Bär, Wolf und Luchs, früher außerdem Wisent und Ur.

Hochzeit: ursprünglich jedes hohe Fest, heute Fest der Eheschließung (grüne Hochzeit); im Allgemeinen nach 10jähriger Ehe Rosenhochzeit, nach 25jähriger silberne Hochzeit, 50jähriger goldene Hochzeit, 60jähriger diamantene Hochzeit, 65jähriger eiserne Hochzeit, 70jähriger steinerne Hochzeit.

Hochzeitsflug: Ausschwärmen der frisch geschlüpften Geschlechtstiere sozialer Insekten zwecks Begattung (zum Beispiel Ameisen, Termiten, manche Bienen), oft mit Gründung eines neuen Staates verbunden.

Hochzeitskleid: auffällige gestaltliche und farbliche Strukturen der Körperoberfläche vieler Tiere zur Paarungszeit, zum Beispiel Hautkamm bei Kammmolchen oder roter Bauch der Stichlingsmännchen. Die Bildung des Hochzeitskleides wird durch Hormone des Hypophysenvorderlappens gesteuert.

Hocke: 1. Gerätturnen: Beinschwungbewegung beziehungsweise Stützsprung über ein Sprunggerät, wobei die geschlossenen und gebeugten (gehockten) Beine, mit den Knien zur Brust gezogen, auf beziehungsweise über ein Turngerät geschwungen werden (Auf-, Ab-, Vor-, Rückhocken).

2. Landwirtschaft: Garbe.

Höcker, Wilhelm, 29.6.1886-15.11.1955, Politiker, Angestellter. Höcker wurde 1911 Mitglied der Sozialdemokratie und war in den Jahren der Weimarer Republik Landrat und Abgeordneter des Landtags von Mecklenburg-Schwerin. Nach 1945 setzte er sich aktiv für die Einheit der Arbeiterbewegung und den antifaschistischen-demokratischen Neuaufbau ein; er war 1945/46 Präsident der Landesverwaltung von Mecklenburg-Vorpommern und 1946/51 Ministerpräsident des Landes Mecklenburg.

Hockerbestattung: Bestattungsart seit der Altsteinzeit, bei der die Toten in Seitenlage mit angezogenen Armen und Beinen beigesetzt wurden.

Hockey: meist als Feldhockey (Landhockey, Rasenhockey) gewöhnlich auf einem Rasenplatz mit Hockeyschlägern betriebenes Torspiel zweier Mannschaften von je 11 Spielern (1 Torwart und 10 Feldspieler) und 2, lediglich einmal einzuwechselnden Auswechselspielern.

Der 156 bis 163 g schwere Vollball von 22,5 bis 23,5 cm Umfang soll möglichst oft in das gegnerische Tor geschlagen werden. Die Spielzeit beträgt 2 x 35 min (Erwachsene). Der Ball darf nur mit der flachen Seite des Stockes (Schläger) gespielt werden, der Torschuss nur in dem vor dem Tor markierten Schusskreis erfolgen. Körperspiel ist nicht gestattet. Olympische Sportart seit 1908, Weltmeisterschaften seit 1971, Europameisterschaften seit 1970. Hallenhockey wird auf einem 40 m x 20 m großen, mit Bande eingefassten Spielfeld von Mannschaften mit 6 Spielern und bis zu 6 Auswechselspielern betrieben. Die Spielzeit beträgt 2 x 20 min, der Ball darf nur geschoben werden.

Hodegetria: (griechisch, «Wegführerin») in der byzantinischen Kunst Bezeichnung eines Ikonentypus der Gottesmutter in Halbfigur mit dem Kind auf dem Arm.

Hoden, Testis, Testikel, Orchis: paarige, im Hodensack (Scrotum) liegende männliche Keimdrüse; Bildungsort der Samenzellen (Spermien) und männliche Geschlechtshormone.

Hodenatrophie: Schwund des Hodengewebes, am häufigsten als Folge einer Hodenentzündung nach Virusinfektion der Ohrspeicheldrüse (Mumps) im Jünglingsalter. Weitere Ursachen können eine angeborene Fehllagerung des Hodens außerhalb des Hodensackes (siehe auch Kryptorchismus) oder Vernarbung mit Durchblutungsstörungen des Hodens nach Leistenbruchoperationen sein.

Hodenbruch: angeborener Leistenbruch, bei dem der im Samenstrang liegende Bruchsack bis zum Hoden reichen kann.

Hodenentzündung, Orchitis: bakteriell verursachte Anschwellung des Hodens mit schmerzhaftem und meist akut fieberhaftem Verlauf; nicht selten durch eine auf den Hoden übergreifende eitrige Nebenhodenentzündung bedingt.

Hodensack, Scrotum: beutelartige Hauttasche, enthält Hoden und Nebenhoden.

Hodentorsion: durch Drehung (Torquierung) des Gefäßstiels des Hodens akut einsetzende Durchblutungsstörung des Hodens. Sie kommt meistens bei Kindern und Jugendlichen vor und erfordert eine sofortige operative Behandlung.

Hodgskin, Thomas, 1787-1869, britischer Ökonom; sein Werk «Verteidigung der Arbeit gegen die Ansprüche des Kapitals» (1825, deutsch) erklärt das Kapital als Ausbeutungsverhältnis und verficht das Recht des Arbeiters auf vollen Arbeitsertrag.

Hodler, Ferdinand, 14.3.1853-20.5.1918, schweizerischer Maler und Graphiker. Anfänglich dem Impressionismus nahestehend, überwand er diesen, indem er seinen Kompositionen eine neue Festigkeit gab durch Betonung der Umrisslinie, symmetrischer Bildaufbau, parallelisierende Formen und flächenbetonte, oftmals symbolisch bestimmte Farbgebung. Sein Malstil drängte zur Gestaltung monumentaler Wandbilder («Auszug der Jenenser Studenten 1813», 1908, Friedrich-Schiller-Universität Jena), womit er der Historienmalerei neue Möglichkeiten der inhaltlichen und formalen Konzeption aufzeigte.

Hodograph der Bewegung, Polardiagramm der Geschwindigkeit: Kurve der Endpunkte aller von einem Bezugspunkt O ausgehenden Vektoren, die nach Betrag und Richtung den Geschwindigkeitsvektoren v der wirklichen, auf den Punkt O bezogenen Bahn eines Massenpunktes gleich sind. Die Beschleunigung du/dt des wirklichen Punktes ist der Geschwindigkeit des Bildpunktes auf dem Hodograph der Bewegung gleich.

Hoegh-Guldberg, Ove, 1.9.1731-7.2.1808, dänischer Politiker, Theologe und Historiker; 1774/80 Kabinettssekretär Christians VH., 1780/84 Staatsminister (leitender Ministerpräsident), verfolgte eine reaktionäre Politik im Interesse des konservativen Feudaladels (Wiedereinführung der Frondienste); machte Dänisch (anstelle des Deutschen) zur Amtssprache.

Hoek van Holland: Landspitze im Westen der Niederlande und Vorhafen von Rotterdam, in der Provinz Südholland, nördlich der Mündung des Nieuwe Waterwegs in die Nordsee; Passagierhafen mit Fähre nach Harwich (Großbritannien); Naturschutzpark mit Vogelkolonien.

Hoetger, Bernhard, 4.5.1874-18.7.1949, Bildhauer, Graphiker und Architekt. Hoetger strebte eine Verbindung von Architektur und Plastik unter Einbeziehung der Natur an.

Hof: 1. landwirtschaftliches Anwesen, Bauernwirtschaft.

2. Wohnsitz (als wechselnder Aufenthaltsort Pfalz, später Residenz), Haushaltung und auch Gefolge eines Fürsten.

Hofer: 1. Andreas, 22.11.1767-20.2.1810, Tiroler Freiheitskämpfer, Gastwirt; Führer des Aufstandes 1809 gegen Napoleon I. und die bayerische Besatzung; Siege am Bergisel bei Innsbruck am 25. und 29.5.1809. Hofer wurde durch Verrat gefangengenommen und in Mantua erschossen.

2. Carl, 11.10.1878-3.4.1955, Maler und Graphiker. Mit expressiven realistischen Gestaltungen versuchte Hofer, die Werte des bürgerlichen Humanismus zu bewahren; besonders zeigen das seine figürlichen Kompositionen (unter anderem symbolhaft-antifaschistische Bilder), die von einer romantischen, manchmal traumhaften Stimmung erfüllt sind. Vom Hitlerfaschismus verfeint, wurde er 1938 aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen. Nach 1945 beteiligte sich Hofer am Neuaufbau der Hochschule für Bildende Künste Berlin-Charlottenburg (Westberlin) und war Mitherausgeber der «bildende Kunst».

Hoff: 1. Jacobus Henricus, 30.8.1852-1.3.1911, niederländischer Chemiker, begründete 1874 die Stereochemie und hatte durch Untersuchungen über chemische Gleichgewichte und Reaktionsgeschwindigkeiten wesentlicher Anteil an der Entwicklung der physikalischen Chemie.

2. Karl Ernst Adolf von, 1.11.1771-24.5.1837, Geologe; äußerte bahnbrechende Ansichten zu einem wissenschaftlich begründeten geologischen Weltbild, wobei er bewusst das Prinzip des Aktualismus anwendete.

höffig: (zu «hoffen») bergmännisch das Vorhandensein einer Lagerstätte (bezogen auf ein bestimmtes Gebiet) versprechend.

Hoffman, Dustin, geboren 8.8.1937, US-amerikanischer Filmschauspieler; als einer der populärsten Charakterdarsteller spielte er unter anderem in den Filmen «Little Big Man», «Papillon», «Lenny», «Alle Männer des Präsidenten», «Asphalt-Cowboy», «Kramer gegen Kramen», «Tootsie»; wirkte auch in italienischen Filmen mit («Madigans Millionen», «Alfredo, Alfredo»).

Hoffmann von Fallersleben, eigentlich August Heinrich Hoffmann, 2.4.1798-19.1.1874, Dichter und Germanist; schrieb politisch-liberale («Unpolitische Lieder», 1840/41) und volkstümliche Gedichte (rund 200 Kinderlieder, zum Beispiel «Alle Vögel sind schon da»). Aus Sorge über die Zersplitterung Deutschlands verfasste er das später von Chauvinisten und Faschisten missbrauchte Lied «Deutschland, Deutschland über alles ...» (1841).

Hoffmeister, Cuno, 2.2.1892-2.1.1968, Astronom; Gründer der Sternwarte Sonneberg; entdeckte zahlreiche verändert. Sterne; arbeitete über Meteore, Kometen und Zodiakallicht.

Hoffnungslauf, Hoffnungsrunde: in bestimmten Sportarten Zwischenkampf für die in Vor- und beziehungsweise oder Zwischenläufen (-runden) unplatzierten Sportler. Durch Sieg oder Platz im Hoffnungslauf ist die Zwischenrunde beziehungsweise der Endkampf erreichbar.

höfische Dichtung: Dichtung in der Periode des Hochfeudalismus, meist von Rittern geschaffen und vor allem auf Fürstenhöfen vorgetragen. In der deutschen Kulturgeschichte bezeichnet die höfische Dichtung die Blütezeit der hochmittelalterlichen deutschen Literatur (mittelhochdeutsche Klassik, 1170/1250). Sie beruht im Wesentlichen auf der ritterlichen-adligen Standeskultur, deren Vertreter sich, ungeachtet ihrer Frömmigkeit, zu einer diesseitsorientierten Weltauffassung bekannten. In Anlehnung an provenzalischer und nordfranzösischer Vorbilder spiegelt die höfische Dichtung ethische und soziale Probleme der Feudalgesellschaft in überhöhter und idealisierter Form wider. Vorherrschende Gattungen der höfischen Dichtung sind Minnesang, Spruch- und Kreuzzugsdichtung, höfliches Epos; dramatische Formen fehlen. Mit der Veränderung der gesellschaftlichen Grundlagen begann im 13. Jahrhundert die Verflachung der höfischen Dichtung zu einer vornehmlich auf die Einhaltung formaler Regeln bedachten Epigonendichtung und wurde von der aufstrebenden bürgerlichen Literatur des Spätmittelalters adaptiert oder verdrängt.

Höflich, Lucie, 20.2.1883-9.10.1956, Schauspielerin; entwickelte sich am Deutschen Theater, Berlin, von der Darstellerin klassische Mädchenrollen zur großen Charakterdarstellerin; 1946/50 Schauspieldirektorin in Schwerin.

Hofmann: 1. Andreas Joseph Hofmann, 14.7.1752-6.9.1849, demokratischer Politiker, Hochschullehrer; wurde als führender Repräsentant der Mainzer Klubisten 1793 Präsident des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents und der revolutionären Mainzer Regierung.

2. August Wilhelm von Hofmann, 8.4.1818-5.5.1892, Chemiker; Professor in London, Bonn und Berlin, Schüler von J. von Liebig. Hofmann erforschte die Herstellung von Farbstoffen aus Anilin und seinen Derivaten und wurde zum Begründer der Teerfarbstoffindustrie.

3. Friedrich Carl Albert Hofmann, 2.11.1866-29.10.1956, Chemiker; stellte als erster synthetischer Kautschuk her (1909) und begründete die technische Kautschuksynthese (Methylkautschuk, 1916); arbeitete weiterhin über Vulkanisationsbeschleuniger, Pharmazeutika (gegen Lepra), Schädlingsbekämpfungsmittel und Chemiefaserstoffe.

4. Ludwig von Hofmann, 17.8.1861-23.8.1945, Maler, Graphiker und Kunstgewerbler. Anregungen für sein Schaffen erhielt Hofmann in Paris (P. Puvis de Chavannes), München (Hofmann von Marées), Italien und Griechenland. Vom Jugendstil beeinflusst sind seine großen Wanddekorationen (Sitzungssaal der Universität Jena, 1909; Deutsche Bücherei Leipzig, 1922).

Hofmannscher Elektrolyseapparat: (nach A. W. von Hofmann) Gerät zur Elektrolyse und Messung der dabei entstehenden Gasvolumina. Elektroden und Elektrolyt befinden sich in kommunizierenden Röhren; die Gase sammeln sich getrennt oberhalb der Flüssigkeitssäulen.

Hofmannsthal, Hugo von, 1.2.1874-15.7.1929, österreichischer Dichter, Dramatiker und Essayist. In seinem zum weltliterarischen Erbe zählenden Werk, das sich durch Ausgewogenheit, Klangfülle und sprachliche Brillanz auszeichnet, wurde der ideelle Reichtum vergangener Kulturepochen lebendig. Von bleibendem Wert sind Hofmannsthals Bewahrung des humanistischen Erbes, die Erneuerung der antiken Tragödie und der großen nationalen Kulturtraditionen (Dramen «Elektra», 1904, Opernfassung 1908; «Ödipus und die Sphinx», 1906; Mysterienspiel «Jedermann», 1911), sein Beitrag zur Kultivierung der deutschen Sprache, der die vor allem in einer konservativen Verfestigung des Geschichtsbildes sich manifestierenden regressiven Züge aufwiegt. Weitgehend unberührt von dieser Problematik sind seine melancholisch-ironische Lustspiele aus dem Wiener Milieu («Der Schwierige», 1921), die Opernlibretti für R. Strauss («Der Rosenkavalier», 1911).

Hofmann von Hofmannswaldau, Christian, 25.12.1617-18.4.1679, Dichter; höfisch gesinnter Verfasser marinistisch-galanter Gedichte voller Wortprunk und Sprachschwulst, die typisch sind für die Stilentwicklung in der Lyrik Ende des 17. Jahrhundert.

Hofmeister, Wilhelm, 18.5.1824-12.1.1877, Botaniker; verfasste wichtige pflanzenmorphologische Arbeiten; klärte den Generationswechsel der Moose und Farne auf.

Hofstadter, Robert, geboren 5.2.1915, US-amerikanischer Physiker; wies 1960 durch Streuung hochenergetische Elektronen an Nukleonen deren elektromagnetischer Struktur nach.

Hoftag: Zusammenkunft der fränkischen, später der deutschen Könige mit den großen Feudalherren zur Beratung wichtiger Reichsangelegenheiten. Jeder Reichslehensträger war verpflichtet, zum Hoftag (wie auch zur Heerfahrt) zu erscheinen.

Hoftheater: institutionalisierte Form theatralische Unterhaltung an den feudalabsolutistischen Höfen seit der Renaissance, häufig mit dem Anspruch repräsentativen Nationaltheaters (zum Beispiel Comédie Française, Wiener Burgtheater); später (in Deutschland nach 1918) in Staatstheater umgewandelt.

Höger, Karel, 17.6.1909-4.5.1977, tschechischer Schauspieler; trat als Charakterdarsteller am Nationaltheater in Prag sowie in vielen Filmen hervor («Das Werk eines Lebens», «Ein Rebell», «Bürger Brych», «Ein Sonntag im August», «Die Goldrenette»).

Höhe: 1. Astronomie: Koordinatensystem.

2. Geometrie: Abstand eines ausgezeichneten Punktes einer Figur von deren Grundlinie beziehungsweise -fläche oder auch Lot von diesem Punkt dahin; im Dreieck Abstand beziehungsweise Lot von einer Ecke zur gegenüberliegenden Seite.

Hoheit: bis 1918 Titel fürstlicher Personen. Kaiserliche Hoheit: Titel des deutschen Kronprinzen (1871/1918) und der österreichische Erzherzoge. Königliche Hoheit: Titel der deutschen Großherzöge, der Kurfürsten von Hessen und der Prinzen aus königlichen Häusern.

Hoheitsrechte: die der Staatsgewalt zustehenden Rechte, wie Gesetzgebung, Rechtsprechung, Verwaltung, Schutz des Staatsgebietes, seiner Grenzen und der Bürger. Die Hoheitsrechte sind Ausdruck und Bestandteil der staatlichen Souveränität.

Hoheitszeichen: Zeichen oder Symbole der Staatshoheit, zum Beispiel Flaggen, Grenzpfähle, Siegel, Wappen.

Höhengrenzen: oberer oder unterer, verhältnismäßig breiter Grenzsaum einer Höhenstufe auf der Erde, in dem klimatisch-geomorphologisch-biologischen Erscheinungsformen in andere übergehen. Höhengrenzen sind vor allem temperatur-, aber auch niederschlagsabhängig und als Kälte sowie als Trockengrenzen ausgeprägt. Entstehung und Höhenlage werden maßgeblich von Meereshöhe (Temperaturabnahme im Durchschnitt um 0,5 °C auf 100 m Höhenzunahme) und geographische Breite bestimmt, darüber hinaus durch Exposition und Windverhältnisse modifiziert. Einen gewissen Einfluss üben zusätzlich noch menschliche Eingriffe aus (zum Beispiel Rodung, Weidewirtschaft). Die Höhengrenzen verlagern sich äquatorwärts allgemein nach oben. In den Tropen sinken sie wieder etwas ab. Am mannigfaltigsten sind sie in den Gebirgen der feuchttropischen Klimazone ausgebildet. Wichtigste Höhengrenzen sind unter anderem die Schnee-, Baum-, Wald- und (Kulturpflanzen-) Anbaugrenze.

Hohenlohe-Schillingsfürst, Chlodwig Fürst zu, 31.3.1819-6.7.1901, Politiker; 1866/70 bayerischer Ministerpräsident und Außenminister, trat für die bismarcksche Politik der Schaffung des deutschen Nationalstaates ein; war 1874/85 Botschafter in Frankreich, 1885/94 Statthalter in Elsaß-Lothringen; 1894/1900 Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident.

Höhenmesser: Flugüberwachungsgerät in Luftfahrzeugen, das die Flughöhe mit Hilfe eines Barometers (barometrischer Höhenmesser) oder durch die Laufzeit elektromagnetischer Wellen (Funkhöhenmesser) ermittelt. Neueste Höhenmesser sind Radioisotopenhöhenmesser und Laserhöhenmesser.

Höhenmessung: Messung von Höhenunterschieden, die bei Anschluss an Normalhöhen zu absoluten Höhen führen. Man unterscheidet Höhenmessung aus Luftdruckunterschieden (barometrischer Höhenmessung), durch Messung von Höhenwinkel und Entfernung (trigonometrischer Höhenmessung), durch Nivellement mit einem Nivellier (geometrische Höhenmessung) sowie Höhenmessung nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren (hydrostatische Höhenmessung).

Hohenmölsen: Kreisstadt im Bezirk Halle; 7400 Einwohner; Agrarzentrum; um Hohenmölsen Braunkohlenbergbau und chemische Industrie (Paraffinwerk Webau nordwestlich von Hohenmölsen); gotische Stadtkirche.

Höhenmotor: Flugmotor mit Lader und spezieller Anpassung bezüglich des mit zunehmender Höhe abnehmenden atmosphärischen Luftdrucks.

Höhenrakete: ein- oder mehrstufige ballistische Forschungsrakete für wissenschaftliche Untersuchungen der Hochatmosphäre. Unterschieden werden geophysikalische und meteorologische Raketen.

Höhenrauch, Haarrauch: sehr kleine, trockene Staubteilchen, die schleierartig die Sicht herabsetzen.

Höhensatz: geometrischer Lehrsatz, wonach im rechtwinkligen Dreieck das Quadrat der Höhe auf der Hypotenuse gleich dem Produkt der Hypotenusenabschnitte ist.

Höhenschichten: in Karten verwendetes Hilfsmittel zur Veranschaulichung der Höhenverhältnisse, indem die Zwischenräume ausgewählter Höhenschichtlinien in unterschiedlichen Farbtönen (im Allgemeinen Grün-Braun-Skala für zunehmende Höhenlage) angelegt werden.

Höhenschichtlinie, Höhenlinie, Isohypse (griechisch): Verbindungslinie aller Punkte gleicher Höhenlage auf Karten und Plänen.

Höhensonne: 1. Sonnenstrahlung im Hochgebirge mit hohem Anteil an ultraviolettem Licht.

2. Höhensonne, künstliche Höhensonne: irreführende Bezeichnung für eine Quecksilberdampf-Quarzlampe (Ultraviolettstrahler), die kaltes, reines, nicht mit der Sonnenstrahlung vergleichbares ultraviolettes Licht erzeugt. Anwendung bei Hautkrankheiten, Rachitis unter anderem.

Höhensprung: Fallschirmsport Sprung, bei dem die Absprunghöhe des Sportlers beziehungsweise der Sportler registriert wird. Siehe auch Einzelsprung, Gruppensprung.

Hohenstaufen, Staufer: nach der gleichnamigen Stammburg (nö. von Göppingen) benannt deutsches Fürstengeschlecht, Gegner der Welfen; seit 1079 Herzöge von Schwaben, 1138/1254 deutsche Könige und römische Kaiser; 1268 starben die Hohenstaufen aus (Konradin).

Höhenstufen: klimatisch bedingte, in vertikaler Stufenfolge ausgebildete Vegetationszonen in Gebirgen mit charakteristischer Pflanzenzusammensetzung. In Hochgebirgen unterscheidet man folgende wichtige Höhenstufen: planare, kolline, montane, oreale, subalpine, alpine und nivale Höhenstufen.

Höhentraining: sportliches Training in Höhen über 2000 m. Der verminderte Sauerstoffpartialdruck der Atmosphäre in mittleren Höhen bewirkt einen erhöhten Trainingsreiz auf den Organismus. Ein mehrwöchiges Höhentraining führt zur Anpassung der sauerstoffaufnehmenden, -transportierenden und -verwertenden Funktionssysteme des Organismus an die veränderten Bedingungen. Das Höhentraining fördert Ausdauerleistungen im Flachland. Festgelegte Wettkämpfe in mittleren Höhen erfordern ein vorbereitendes Höhentraining.

Hohenwartetalsperre: Wasserspeicherbecken an der oberen Saale, Bezirk Gera; 7,3 km2 (27 km langer Stausee bis Eichicht (Vorsperre 5 Millionen m3)), Stauraum 182 Millionen m3; 73 m hohe Staumauer; Hochwasserschutz, Wasserregulierung der Saale, Elektroenergieerzeugung (Hohenwarte I, 45 MW; Pumpspeicherkraftwerk Hohenwarte II, 392 MW); Erholungsgebiet.

Höhenwind: Luftbewegung in der freien Atmosphäre in Höhen über 1000 m oberhalb der Bodenreibungsschicht. Siehe auch Bodenwind.

Hohenzollern: nach der gleichnamigen Stammburg (südlich von Hechingen, BRD) benannt Fürstengeschlecht; seit 1192 Burggrafen von Nürnberg, teilten sich 1227 in zwei Linien. Die fränkische Linie wurde 1415 mit Brandenburg belehnt, 1701 bekam sie die preußische Königswürde, stellte 1871/1918 die deutschen Kaiser. Die schwäbische Linie spaltete sich 1576 nochmals in die Linien Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen; sie dankten 1849 in ihren Gebieten zugunsten Preußens ab; Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen waren 1866/1947 auf dem rumänischen Thron.

Hohe Pforte, Pforte: Bezeichnung für die Regierung des nach dem 1. Weltkrieg zerfallenen Osmanischen Reiches (Türkei), besonders für das Außenministerium; ursprünglich Residenz des Sultans.

Hoher Atlas: höchster und 700 km langer Gebirgszug des Atlas, in Marokko; im Dschebel Toubkal 4165 m; überwiegend aus Kalkstein aufgebaut; zum Teil bewaldet.

Höhere Krebse, Malacostraca: höchstentwickelte Unterklasse der Krebse mit 18000 Arten; Körper garnelenartig langgestreckt, maximal aus 16 Segmenten bestehend, letztes meist mit Schwanzfächer; leben besonders im Meer, seltener im Süßwasser und auf dem Lande. Hierzu gehören unter anderem Asseln, Hüpferlinge, Floh- und Zehnfußkrebse.

höhere Nerventätigkeit: Gesamtheit der nervösen Mechanismen, die dem Umweltverhalten des Organismus zugrunde liegen. Beim Tier umfasst die höhere Nerventätigkeit die angeborenen Verhaltensformen, bestehend aus unbedingten Reflexen, und die auf ihrer Grundlage gebildeten bedingten Reflexe als Bestandteil der aktuellen umweltangepassten Verhaltensformen. Sie treten bei den entsprechend bedingten Reizen auf (Reizen mit Signalcharakter) und werden beim Tier durch die Funktion des konkreten, ersten Signalsystems gewährleistet. Der Mensch reagiert auch auf abstrakte optische und akustische Zeichen (zum Beispiel Sprache). Er besitzt zusätzlich ein zweites Signalsystem als Grundlage seiner Denktätigkeit.

Hohe Rippe: Rückenstück (9. bis 12. Brustwirbel) des Rindes.

Hoher Norden: die ausgedehnten, äußerst dünn besiedelten Nordgebiete der UdSSR, allgemein nördlich von 60° nördliche Breite (in Ostsibirien weiter nach Süden, im europäischen Teil bis nördlich des Polarkreises ausgreifend); extrem raues kontinentales Klima mit langen Polarwintem; unter der Sowjetmacht Erschließung der reichen Naturschätze (Brennstoffe, Gold, Diamanten, Erze, Holz; Wasserkraft).

Hohe Schule: klassische Reitkunst, im 17. Jahrhundert entwickelt; höchste Stufe des Dressurreitens mit bestimmten Schritten, Sprüngen und Laufformen (Pirouette, Schulschritt, Kapriole, Kruppade unter anderem).

Hoheslied: im Alten Testament eine Sammlung von altjüdisch-orientalischen Liebes- und Hochzeitsliedern; als Verfasser gilt (historisch zu Unrecht) König Salomo.

Hohhot, Huhhot, Huhehot: Stadt in China, Verwaltungszentrum des Autonomen Gebietes Innere Mongolei; früher Guisui (Kweisui); 320000 Einwohner; Wolle-, Leder- und Zuckerindustrie, Maschinenbau, Glimmer- und Asbestverarbeitung; Bahnstation, Flughafen.

Hohlblockstein: großformatiger Wandbaustein aus Leichtbeton mit fünfseitig eingeschlossenen Luftkammern.

Höhle: unterirdischer Hohlraum von sehr unterschiedlicher Entstehung, Gestalt und Größe. Man unterscheidet primäre Höhle, die bei der Gesteinsbildung entstanden sind (zum Beispiel Lavahöhle), und sekundäre Höhle, die durch das spätere Wirken exogener Kräfte geschaffen wurden. Zu diesen gehören unter anderem Einsturz-, Riff-, Brandungs-, Kluft-, Schichtfugen- und Karsthöhle Letztere übertreffen nach Zahl und Größe sowie in der Vielfalt der Formen alle anderen Höhlentypen. Durch Ausscheidung von Kalkspat an den Höhlenwänden entstehen Tropfsteinhöhle, durch gefrorenes Höhlenwasser Eishöhle. Vom Bergbau zurückgelassene Hohlräume werden künstliche Höhle genannt. Natürlich oder künstlich gebildete gewölbte Höhle bezeichnet man auch als Grotten. Höhlen haben oft ein spezifisches Klima und beeinflussen durch Höhlenwassersysteme die oberirdische Wasserführung.

Höhlenbär: während des Pleistozäns vor allem in Europa lebender, um ein Drittel größerer Verwandter des Braunbären; Zwergrassen in den Alpen und im Harz.

Höhlenfische: in Höhlengewässern lebende Fische mit oft ganz oder teilweise zurückgebildeten Augen und pigmentloser Haut, zum Beispiel Blindfische (Amblyopsidae).

Höhlenkunde, Speläologie: Wissenschaft, die Entstehung und Verbreitung der Höhlen, ihre Sedimente und Gewässer, ihr Klima, ihre Flora, Fauna und vorgeschichtliche Besiedlung erforscht.

Höhlenmalerei: an Höhlenwänden und -decken eingeritzte oder farbig gemalte urgeschichtliche Bilder, vor allem von Tieren; seit der jüngeren Altsteinzeit nachweisbar.

Höhlensalamander, Hydromantes: Gattung lungenloser Salamander; etwa 11 cm lang, bräunlich bis schwärzlich gefärbt; leben vorwiegend in Höhlen Sardiniens, der Apenninhalbinsel und Südostfrankreichs.

Hohlfuß: Fuß mit erhöhtem Längsgewölbe und hohem Spann; entwickelt sich häufig bei angeborenen Erkrankungen des Nervensystems.

Hohlgewebe: durch mustermäßiges Zusammenweben zweier Gewebelagen gebildetes Doppelgewebe.

Hohlglas: Hohlkörper aus Glas, dessen Verarbeitung durch Blasen oder Pressen erfolgt; hierzu gehören zum Beispiel Wirtschaftsglas (Becher, Vasen, Kelche, Beleuchtungsglas) und technisches Hohlglas (technisches Behälterglas, Kolben, Laborgeräte). Flaschen werden meist maschinell geblasen, zum Beispiel im Rotationsblasautomaten.

Hohlladung: Sprengladung, an deren Stirnseite sich eine kegelförmige (oft auch sphärische), mit einer Metallschicht ausgekleidete Ausnehmung (Kumulationstrichter) befindet. Die Detonation verläuft zur Stirnseite der Ladung entlang dem Trichter. Dabei entsteht ein hochenergetischer Gasstrahl mit großer Tiefenwirkung. Der Hohlladungseffekt wird in Granaten, Raketen und gelenkten Bomben zur Bekämpfung gepanzerter Ziele genutzt.

Hohlleiter, Hohlrohrleiter: Höchstfrequenztechnik starres oder flexibles metallisches Rohr mit konstantem rechteckigem, rundem oder elliptischen Querschnitt und polierter Innenoberfläche zur Übertragung elektromagnetischer Zentimeter- und Millimeterwellen. Vorteile der Hohlleiter gegenüber Kabeln sind der einfachere Aufbau und geringere Verluste. Siehe auch Freileitung.

Hohlraumkonservierung: Maßnahme zum Schutz der Kfz-Karosserie vor Rostschäden. Nach Plan werden in die Karosseriehohlkörper Löcher gebohrt, durch die mittels Spritzpistole ein penetrierendes Konservierungsmittel eingebracht wird.

Hohlraumresonator: Resonanzkreis hoher Güte für Zentimeter- und Millimeterwellen, ausgeführt als beiderseitig geschlossener Metallzylinder mit im Allgemeinen versilberter und polierter Innenoberfläche; die Energie-ein- und Energieauskopplung erfolgt über Koppellöcher, -stifte oder -schleifen.

Hohlschliff: Schliffart an messerartigen Schneidwerkzeugen (Rasiermesser, Furnierschälmesser unter anderem), bei der den Schneidkeil bildende Flächen konkav geschliffen sind, um einen besonders scharfen Schnitt bei ausreichender Stabilität des Werkzeuges zu erzielen. Die Laufflächen von Schlittschuhen erhalten durch den Hohlschliff scharfe Führungskanten; an der Stirnseite von (Papier-) Lochstempeln bewirkt der Hohlschliff einen schälenden, kraftsparenden Schnitt.

Hohlstege: Polygraphie im Handsatz verwendetes Blindmaterial größerer Abmessungen mit inneren Aussparungen, um die Masse der Druckform zu verringern.

Hohltaube, Columba oenas: 32 cm lange Taube Europas und Westasiens, die in Baumhöhlen brütet.

Hohltiere, Coelenterata: veraltete Sammelbezeichnung für Nesseltiere und Rippenquallen.

Hohlvene, Vena cava: größte Körperblutader, die das venöse Blut zum Herzen zurückführt. Beim Menschen und den meisten Wirbeltieren unterscheidet man die obere Hohlvene, die das Blut aus der oberen Körperhälfte sammelt, und die untere Hohlvene, die das Blut aus der unteren Körperhälfte aufnimmt.

Hohlziegel: aus Ton beziehungsweise Lehm hergestellte hohlräumige Mauerziegel (zur Massereduzierung) für nicht tragendes Mauerwerk. Sie werden unterteilt in Langloch- (Hohlräume verlaufen im Mauerwerk parallel zur Lagerfläche) und Hochlochziegel (Hohlräume verlaufen im Mauerwerk senkrecht zur Lagerfläche).

Hohnstein: Stadt im Kreis Sebnitz, Bezirk Dresden, im Übergangsgebiet Elbsandsteingebirge Lausitzer Granitplatte, malerisch über dem Polenztal gelegen; 1200 Einwohner; Erholungsort (350 m über dem Meeresspiegel); Burg (15./16. Jahrhundert; Jugendherberge, Gedenkstätte für die Opfer des faschistischen KZ), Stadtkirche (18. Jahrhundert), Fachwerkbauten.

Hoka: Sprachgruppe der Kalifornischen Indianer, die mehrere in Reservationen lebende Stämme umfasst; unter anderem Yuma (7 600), Pomo (2600), Karok (1400).

Hokkos, Baumhühner, Cracidae: Familie 60 bis 100 cm langer, baumbewohnender Hühner Süd- und Mittelamerikas; Männchen oft mit Schnabelhöcker, Gefieder häufig blauschwarz bis schwarz; Weibchen braunrot mit kräftigen Querzeichnungen.

Hokusai, Katsushika, 5.3.1760-13.4.1849, japanischer Holzschnittzeichner und Maler; signierte mit vielen Künstlernamen; entwickelte unter Beibehaltung traditioneller Elemente einen neuen realistischen Stil und stellt in seinen berühmt gewordenen Holzschnittserien (zum Beispiel «Die 36 Ansichten des Fuji») viele Szenen aus dem japanischen Alltagsleben dar, oft mit vitalem, volkstümlicher Humor. Sein Werk wurde schon zu Lebzeiten in Europa bekannt.

Holanda, Francisco de, 1517-19.6.1584, portugiesischer Maler und Kunstschriftsteller, 1537/41 in Italien, danach im Auftrag des portugiesischen Hofes tätig; 1548 verfasste er sein als Quellenschrift instruktives theoretisches Werk «Die Malerei».

Holbach, Paul Thiry d’, 1723 bis 21.6.1789, französischer Philosoph; verfasste als einer der bedeutendsten Repräsentanten der französischen materialistischen Aufklärung zahlreiche Arbeiten. Nach Holbach existiert die Natur von Ewigkeit her. Die Bewegung ist die «Seinsweise» der Materie. Holbach versuchte direkt aus naturphilosophischen Prämissen eine materialistische Gesellschaftstheorie zu entwickeln, was jedoch infolge seiner streng mechanischen Determinismus-Auffassung misslingen musste. Hauptwerk: «System der Natur» (1770, deutsch).

Hans Holbein: Bildnis des Charles de Solier, Sieur de Morette; 1534/35

Holbein: 1. Hans der Ältere, 1465-1524, Maler und Zeichner; tätig unter anderem in Augsburg, Ulm und Isenheim. Er verband eine realistische Darstellung mit der Tradition, seine Bilder sind klar in Komposition und Form, von schönem Kolorit und zutiefst humanistische Haltung. Hauptwerk: Sebastiansaltar (1515, München), zahlreiche Bildniszeichnungen.

2. Hans der Jüngere, 1497/98-zwischen 7.10. und 29.11.1543, Maler und Zeichner; Sohn von Holbein 1; tätig in Basel, seit 1532 in London. Neben A. Dürer und M. Grünewald der bedeutendste deutsche Künstler der Renaissance, der höchste Leistungen als Porträtist vollbrachte. Seine Gemälde und Zeichnungen von berühmten Zeitgenossen und Mitgliedern des englischen Hofes sowie das Gruppenbild seiner Familie bestechen durch die meisterhafte Charakterisierung der Physiognomie und des Wesens der Dargestellten sowie die exakte Naturwiedergabe. Unter seinen Holzschnitten ragt die Folge «Totentanz» (um 1525) hervor. Von seinen berühmten Wandmalereien sind nur die Entwürfe erhalten.

Holberg, Ludvig, 3.12.1684 bis 28.1.1754, norwegischer-dänischer Schriftsteller und Historiker; Hauptvertreter der skandinavischen Aufklärung, Begründer der neueren dänischen und norwegischen Nationalliteratur und Geschichtswissenschaft. Antifeudalistischen Tendenzen zeigen sich unter anderem in den Komödien «Jeppe vom Berge» (1722, deutsch) und «Der politische Kannegießer» (1722, deutsch). In «Peder Paars» (1719/20, deutsch) parodiert Holbein die Intoleranz des Klerus und die Bestechlichkeit der Beamten. Der utopische Reiseroman «Nicolai Klims unterirdische Reise» (1741, deutsch) zeigt Sympathien für leibeigene Bauern. Historisches Hauptwerk ist «Dänemarks und Norwegens Beschreibung» (1729). Holbein schrieb auch moralisch-philosophischer Abhandlungen.

Hölderlin, Johann Christian Friedrich, 20.3.1770-7.6.1843, Dichter; einer der bedeutendsten deutschen bürgerlich-revolutionärer Lyriker; als Theologiestudent in Tübingen mit F. W. Schelling und G. W. F. Hegel befreundet; verehrte als Hauslehrer in Frankfurt am Main Susette Gontard (Mutter seiner Zöglinge), die Diotima seiner Dichtungen; ab 1806 geistig umnachtet. Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen hatte Hölderlin tiefes Verständnis für die welthistorische Bedeutung der Französischen Revolution. Die revolutionären Ideen verband er mit einem idealisierten Bild vom antiken Griechenland zum Entwurf eines demokratischen, von Despoten Willkür freien Vaterlandes. Hölderlin, der stark unter den bedrückenden Umständen litt, besang in formal meisterhaften, sprachgewaltigen, zutiefst humanistische Oden und Hymnen den Menschen, die Heimat, das Vaterland, die Natur, das griechische Ideal, die Kunst und die Liebe (zum Beispiel «Der Mensch», «Der Neckar», «An die Deutschen»). Im lyrisch-elegischen Bekenntnisroman in Briefen «Hyperion oder Der Eremit in Griechenland» (1797/99) finden seine Klage um Deutschland und sein Verlangen nach revolutionärer Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse ihren deutlichsten Ausdruck.

Holdinggesellschaft: (englisch Holdings, «Aktienbesitz») meist in der Rechtsform einer AG oder GmbH existierende Kapitalgesellschaft (Dach-, Beteiligungs-, Kontrollgesellschaft), die Geschäftsanteile (in der Regel Aktien) an anderen Unternehmen erwirbt und verwaltet; in den meisten Fällen führt das zur monopolistischen Beherrschung und Kontrolle dieser Firmen. Die rechtliche Selbständigkeit der einzelnen Unternehmen bleibt formal bestehen; die wirtschaftliche Selbständigkeit geht in Finanzierungsfragen immer, oft auch (Dachgesellschaft) in sonstigen Konzernleitungsfunktionen, an die Holdinggesellschaft verloren.

Holguin: 1. Provinz an der Nordostküste Kubas; 8910 km2, 910000 Einwohner; 102 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Holdinggesellschaft 2; umfasst das gesamte Laterit Gebiet Kubas mit dem Bergbauzentrum Moa (bedeutender Abbau von Nickel-, Chrom- und Kobalterz), Verhüttung (mit RGW-Hilfe) in Nicaro, Punta Gorda und Las Cariocas (Kombinat im Bau). Wichtiges Zentrum des Zuckerrohranbaus, Viehzucht; Holzwirtschaft, Möbel-, Baustoffindustrie, Rumdestillation.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Holdinggesellschaft 1; 460000 Einwohner; Handels- und Industriezentrum.

Holl, Elias, 28.2.1573-6.1.1646, Baumeister; wurde auf der Grundlage italienischer Gestaltungsprinzipien zum Vollender deutscher Renaissancebaukunst und schuf mit seinem Hauptwerk, dem Augsburger Rathaus (1615/20), ein Sinnbild bürgerlicher Macht und Freiheit.

Holland: oft für das Königreich der Niederlande gebrauchter Name; im eigentlichen Sinn nur dessen westlicher Teil, das dichtbesiedelte Marschen- und Polderland; geteilt in die Provinz Nordholland (2668 km2, 2,3 Millionen Einwohner; 862 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Haarlem) und die Provinz Südholland (2 905 km2, 3,1 Millionen Einwohner; 1067 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum ’s-Gravenhage). Das Ballungsgebiet Holland (einschließlich der Provinz Utrecht) wird auch als Randstadt Holland (Ringstadt Holland) bezeichnet. Es besteht aus dem Städteflügel Nord (Haarlem-Amsterdam-Utrecht), dem Städteflügel Süd (’s-Gravenhage-Rotterdam-Dordrecht), dem «Grünen Herzen» und dem Außengebiet und ist das industrielle Zentrum der Niederlande mit Erdölraffinerien, petrolchemische Industrie und Werften (Rotterdam), Hüttenwerken (Velsen) sowie einer bedeutenden Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Die Landwirtschaft ist auf Gemüse- und Obstbau, Vieh- und Blumenzucht orientiert. Das Verkehrsnetz ist außerordentlich dicht; bedeutendster Hafen ist Rotterdam.

Holländer: (nach dem ersten Verwendungsland Holland) Mahlaggregat der Papierindustrie; ovaler, durch eine Mittelwand in 2 Kanäle (Walzen- und Rücklaufkanal) geteilter Trog aus Metall oder verkleidetem Beton. Der Walzenkanal ist mit rotierender Messerwalze und feststehendem Messergrundwerk ausgerüstet und arbeitet periodisch. Vorzerfaserung im Halbzeug Holländer, Mahlung des Faserstoffs im Ganzzeug Holländer.

Holländerkaninchen: kleine 2 bis 3,25 kg schwere Kaninchenrasse englischen Ursprungs mit typischen Plattenscheckung («Holländerscheckung») in verschiedenen Farbschlägen, vor allem schwarz-weiß. Siehe auch Kaninchen.

Holländern: Polygraphie Verfahren zum vorläufigen maschinellen Heften von Broschüren und Buchblöcken. Auf der Falzmaschine wird vor dem letzten Falzbruch mit 2 Stichen ein Faden durch die einzelnen Bogen gezogen, dessen Enden nach dem Zusammentragen am Buchrücken mit Klebstoff verstrichen werden.

Holländer Weißhauben: spezielle Hühnerrasse mit starker Schädelwölbung und langfedriger Haube. Siehe auch Geflügel.

Hollar, Wenzel, 13.7.1607-28.3.1677, böhmischer Kupferstecher und Radierer; schuf, geschult an M. Merian, kleinformatige Landschafts- und Städteansichten sowie Trachtendarstellungen.

Hölle: in vielen Religionen im Gegensatz zum Himmel Straf- und Plage-Ort in der Unterwelt.

Hollerith, Hermann, 29.2.1860 bis 17.11.1929, US-amerikanischer Ingenieur und Erfinder; verwendete 1890 erstmalig gelochte Karten zur Aufzeichnung und Auswertung statistischer Angaben; entwickelte Zähl- und Tabelliermaschinen.

Hollitscher, Walter, geboren 16.5.1911, österreichischer Philosoph; beschäftigt sich auf marxistisch-leninistische Grundlage besonders mit philosophischen Problemen der Naturwissenschaft; leistete bedeutende Beiträge zur Kritik des Freudismus, Biologismus und Positivismus.

Hölloch: verzweigtes Karsthöhlenlabyrinth in den Kalkalpen der zentralen Schweiz, östlich vom Vierwaldstätter See; 150 bis 900 m unter der Erdoberfläche; längste erforschte Höhle der Welt.

Hollywood: Stadtteil von Los Angeles, in Kalifornien (USA); 120000 Einwohner; Hauptsitz der Filmindustrie der USA, Film- und Fernsehstudios; Filmfestspiele.

Hollywood Ten, Hollywood Zehn: 10 progressive Schriftsteller und Regisseure Hollywoods (A. Bessie, Bibermann, L. Cole, E. Dmytryk, R. Lardner jr., J. Lawson, A. Maltz, S. Omitz, A Scott, D. Trombo), die 1947 vor dem Ausschuss zur Untersuchung unamerikanischer Betätigung die Aussage über ihre politischen Ansichten verweigerten und zu Freiheits- und Geldstrafen verurteilt wurden.

Holm: 1. Stiel, unter anderem für Axt, Hammer.

2. bei Flugzeugen

a) Hauptbauteil der Tragflächen und der Leitwerkflossen in Richtung der Spannweite;

b) Hauptlängsbauteil des Rumpfes.

3. Griffstange an Barren und Stufenbarren.

Holmebakk, Sigbjorn, 2.2.1922 bis 25.11.1981, norwegischer Schriftsteller; Vertreter der sozialistischen Gegenwartsliteratur; gestaltete in dem Roman «Der Winter kam» (1964, deutsch) den gemeinsamen norwegisch-sowjetischen Kampf für die Befreiung Nordnorwegens von den deutschen Faschisten. Neben volksverbundenen Novellen («Zwölf Trondheime», 1973, deutsch) erschienen Romane zu Gegenwartsthemen («Der Karriolstein», 1975).

Holmenkollen: Hügel nordwestlich von Oslo; 371m überm Meer, jährlich traditionelle Skisportveranstaltungen (Holmenkol-Rennen).

Holmium: (nach Holmia, lateinisch für Stockholm) Symbol Ho: chemisches Element der Kernladungszahl 67; Seltenerdmetall; Atommasse 164,93; Wertigkeit +3; F1470 °C; Dichte 8,78 g/cm3. Holmium Verbindungen sehen in der Regel bräunlich-gelb aus. Holmium wurde 1878 etwa gleichzeitig von dem schwedischen Chemiker Per Theodor Cleve (1840-1905) und dem schweizerischen Chemiker und Mineralogen Charles Louis Soret (1854-1904) entdeckt und erst 1940 rein dargestellt.

Holocaust: Brandopfer; Massenvernichtung von Menschen, besonders der Juden während des Hitlerfaschismus; Ausrottungsfeldzug.

Holoeder: (griechisch, «Vollflächner») allflächig entwickelter Kristall mit dem höchsten in seinem Kristallsystem möglicher Symmetriegrad. Hemieder haben durch Verminderung der Symmetrie nur die Hälfte der Flächen des Holoeder.

Holofernes, nach der Bibel assyrischer Feldhauptmann unter Nebukadnezar, von Judith getötet.

Hologamie: geschlechtliche Fortpflanzung mancher Einzeller, bei der ganze Individuen, nicht Teilprodukte (wie bei Merogamie), zu Gameten werden und miteinander verschmelzen.

Holographie: optisches Verfahren zur Speicherung und Wiedergabe von kohärenten Wellenfeldern; 1948 von D. Gabor angegeben, aber erst 1962 nach der Erfindung des Lasers von anderen entscheidend weiterentwickelt. Das am Objekt reflektierte Licht (Signalwelle) wird mit einem dazu kohärenten Lichtbündel (Referenzwelle) zur Interferenz gebracht. Im Interferenzbild, das als sogenanntes Hologramm in einer Fotoschicht aufgezeichnet wird, sind die Informationen über das Objekt, also über den Amplitudenbetrag und die Phase der Signalwelle, verschlüsselt enthalten. Wegen der notwendigen Kohärenz ist zur Beleuchtung Laserlicht erforderlich. Die Beugung einer Rekonstruktionswelle, die in Richtung der ursprünglich Referenzwelle auf das Hologramm trifft, ergibt ein reelles und ein virtuelles räumliches Bild des Objektes. Für ein einfaches Objekt kann auch ein synthetisches Hologramm berechnet und digitalisiert aufgezeichnet werden. Die Holographie wird unter anderem in der Mess- und Speichertechnik und bei der optischen Zeichen- beziehungsweise Objekterkennung angewendet.

Holographie ist auch mit nichtoptischen Wellen (Mikrowellen, Ultraschall) möglich.

holographisch: ganz, in vollem Umfang eigenhändig geschrieben, zum Beispiel Testament.

Holometabolie: vollkommene Verwandlung bei Insekten (zum Beispiel Käfer, Schmetterlinge, Fliegen), deren Larvenstadien sich vom geschlechtsreifen Tier (Imago) stark unterscheiden. Die Umwandlung zur Imago erfolgt während des Puppenstadiums. Siehe auch Hemimetabolie.

Holoubek, Gustaw, geboren 21.4.1923, polnischer Schauspieler; seit 1972 Leiter des Dramatischen Theaters in Warschau; gehört in klassischen und zeitgenössischen Bühnenrollen, aber auch in Film («Die Schlinge», «Maria und Napoleon») und Fernsehen zu den profilierten Charakterdarstellern.

Holozän: (lateinisch griechisch, «das ganz Neue») obere Abteilung des Quartärs einschließlich der Gegenwart; früher Alluvium genannt; siehe auch geologische Systeme.

Holschuld: Schuld, bei der der Schuldner die Leistung an seinem Sitz zur Abholung bereitzustellen und eventuell den Gläubiger hierüber zu informieren hat. Siehe auch Bringschuld, Schickschuld.

Holstein, Friedrich von, 24.4.1837-9.5.1909, Diplomat; seit 1861 im diplomatischen Dienst; war lange Zeit vertrauter Mitarbeiter, seit Mitte der 80er Jahre aber insgeheim Gegner Bismarcks und seiner Politik; Holstein gewann nach 1890 bedeutenden Einfluss auf die imperialistischer deutsche Außenpolitik.

Holstein-Euterseuche, Weide-Euterseuche, Pyogenes Mastitis: durch das Corynebacterium pyogenes hervorgerufene Euterentzündung bei Färsen und Kühen; in Weidegebieten seuchenhaft, bei Stalltieren sporadisch auftretend. Aus dem Euter erfolgt eine Absonderung von eitrigem, mitunter blutigem Sekret. Bei frühzeitigem Einsatz von Antibiotika ist eine erfolgreiche Behandlung möglich.

Holsteinischer Landrücken, Holsteinische Seenplatte: westlicher Teil des baltischen Landrückens in der BRD, mit der Holsteinischen Schweiz (Erholungsgebiet mit großem Plöner See, Buchenwälder, im Bungsberg 164 m über dem Meeresspiegel; Mittelpunkt Eutin); kleine Erdöl- und Erdgaslagerstätten.

Holtei, Karl von, 24.1.1798-12.2.1880, Schriftsteller und Schauspieler; war insbesondere mit Mundartlyrik («Schlesische Gedichte», 1830) erfolgreich. Seine politisch-ideologische Haltung war widerspruchsvoll.

Holthusen, Hans Egon, geboren 15.4.1913, Schriftsteller und Literaturkritiker der BRD; einflussreicher Vertreter konservativ-elitärer Tendenzen in Lyrik («Hier in der Zeit», 1949; «Labyrinthische Jahre», 1952) und Essayistik («Der unbehauste Mensch», 1951).

Hölty, Ludwig Christoph Heinrich, 21.12.1748 bis 1.9.1776, Dichter des Göttinger Hainbundes; schrieb volkstümliche Verse voll Gefühlstiefe und schlichter Herzlichkeit («Üb immer Treu und Redlichkeit ...», «Das Feuer im Walde»); Verachtung der Tyrannei drückt das Gedicht «Der befreite Sklave» aus.

Holtz-Baumert, Gerhard, geboren 25.12.1927, Schriftsteller; Vizepräsident des Schriftstellerverbandes; Förderer der Sozialist Kinder- und Jugendliteratur, schrieb «Alfons Zitterbacke» (1958), «Der kleine Trompeter und sein Freund» (1959), den Erzählungsband «Erscheinen Pflicht» (1981), «Daidalos & Ikaros» (1984), den (autobiographischen) Roman «Die pucklige Verwandtschaft» (1985). Mitglied des ZK der SED.

Holub, Emil, 7.10.1847-21.2.1902, tschechischer Afrikareisender, forschte 1872/79 und 1886/87 in Betschuanaland (Botswana) sowie im Sambesi- und Limpopo Gebiet.

Holunder, Sambucus: Gattung der Geißblattgewächse mit weißen Blüten in schirmförmiger Trugdolde, zum Beispiel der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) mit essbaren, blauschwarzen, beerenartigen Steinfrüchten (Holunderbeeren) und der Trauben- oder Rote Holunder (Sambucus racemosa), ein Bergwaldstrauch mit scharlachroten Früchten.

Holz: hauptsächlich aus Zellulose, Holzpolyosen und Lignin bestehendes Zellgewebe von Pflanzen. Die Verholzung ist charakterisiert durch Einlagerung des in der Pflanze gebildeten Lignins in die Zellwände und interzellularen Zwischenräume. Die Eigenschaften der verschiedenen Harten ergeben sich aus ihrem Aufbau und ihrer Anatomie. Der Holzstammquerschnitt (Holzschnitte) besteht aus dem in der Mitte befindliche Mark, das vom eigentlich Holz umgeben ist; an dieses schließt sich ein aus lebenden, teilungsfähigen Zellen bestehender dünner Ring, das Kambium an, und dieses wiederum wird von der inneren lebenden Rinde, dem Bast (Innenrinde), mit saftführenden Zellen sowie schließlich von der äußeren toten Rinde, der Borke, umschlossen. In den gemäßigten Klimazonen bildet sich während der Wachstumsperiode aus dem Kambium das Frühholz, das heißt neue Holzzellen, die dünnwandig und weit sind, im späteren Verlauf des Wachstums das Spätholz, das aus dickwandigen und engen Zellen besteht, durch die das Holz Festigkeit erhält. Früh- und Spätholz unterscheiden sich meist durch ihre Farbe, so dass der Jahreszuwachs als um die Stammachse liegender Kreis zu erkennen ist (Jahrring). Die Anzahl der Jahrringe entspricht dem Alter des Holzstammes. Die Zellarten unterscheiden sich gemäß ihrer Funktion nach Stütz-, Speicher- und Leitzellen sowie den unverholzten Holzstrahlen (früher Markstrahlen, von der Rinde nach innen strahlend, der Ernährung dienend). Für die physikalischen Eigenschaften des Holzes ist charakteristisch, dass sie von der Feuchte, der Rohdichte und der Richtung des Kraftangriffs abhängig sind. Die Feuchte steht in einem von der relativen Luftfeuchte und der Temperatur abhängigen hygroskopischen Gleichgewicht. Nach der Härte wird unterschieden zwischen Weichholz, unter anderem Birke, Erle, Kiefer, Pappel, und Hartholz, unter anderem Ahorn, Apfelbaum, Eiche, Rotbuche.

Holz ist sehr vielseitig verwendbar nach folgenden Hauptgruppen:

a) chemische Verwertung für Zellstoff- und Papierherstellung;

b) Verwendung unter Beibehaltung seines Gefüges als Schnittholz (zum Beispiel Bretter, Bohlen, Latten) und Furniere;

c) Verwendung unter Auflösen seines Gefüges als Späne und Fasern unter Bildung neuer Werkstoffe (zum Beispiel Holzspanplatten).

Holz, Aino, 26.4.1863-26.10.1929, Schriftsteller, einflussreicher Theoretiker und Praktiker des «konsequenten» Naturalismus sowie der bürgerlichen Literaturströmungen um die Jahrhundertwende; wandte sich gegen die epigonale Literatur, verfasste sozialkritische Gedichte («Buch der Zeit», 1886) sowie mit J. Schlaf die Novelle «Papa Hamlet» (1889) und das Drama «Familie Selicke» (1890); verwirklichte seine theoretische Prinzipien («Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze», 1891/92) in der Komödie «Sozialaristokraten» (1891) und in den Gedichten des Bandes «Phantasus» (1898/99).

Holzausformungsplatz und Verladeplatz: in wirtschaftliche Entfernung und günstiger Lage zu den Einschlagorten gelegene und mit technischen Arbeitsmitteln ausgestattete forstliche Betriebsfläche, auf der die Ausformung (Zurichten der gefällten Bäume), Aushaltung (Einstufen des Rohholzes gemäß Holzart, Abmessungen und Qualität in Holzarten und deren Kennzeichnung), Lagerung und damit teils auch die Freilufttrocknung sowie der Umschlag und Abtransport der Holzsorten erfolgt.

Holzbau: Bauweise, bei der die Tragkonstruktionen der Bauwerke (Fachwerk) oder andere Bauteile aus Holz hergestellt werden. Je nach der Technologie und den Holzverbindungen unterscheidet man den zimmermannsmäßigen und den Ingenieurholzbau.

Holzbeton: Faserbaustoff aus magnesia- oder zementgebundenen Holz- oder Rindenabfallen. Borkenbeton besteht aus zementgebundener abgestorbener Rinde und ist für nichttragende Wände geeignet. Siehe auch Holzspanplatte, Faserplatte, HWL-Platte.

Holzbildhauerei, Holzbildnerei, Holzschnitzerei: die Kunst, Bildwerke aus Holz vollplastisch oder im Relief zu gestalten. Als urwüchsige Form der Skulptur wurde die Holzbildhauerei zu allen Zeiten und in allen Kulturen geübt (Ägypten, Antike, Ostasien, Naturvölker; vom Mittelalter bis zum Barock und besonders in der Volkskunst verbreitet).

Holzblocktrommel, Woodblock: rechteckiges (chinesische Form) oder zylindrisches (amerikanischen Form) Schlaginstrument aus längsseits ausgehöhltem Hartholzblock.

Holzbohrer, Cossidae: Schmetterlingsfamilie mit 3 heimischen, bis 9 cm spannenden Arten; Nachtflieger; die Raupen bohren 2 bis 4 Jahre in Stämmen von Laubhölzern. Die bis 10 cm lange Raupe des Weidenbohrers (Cossus cossus) schädigt alte Weiden, die des Blausiebes (Zeuzera pyrina) zuweilen Apfel- und Pflaumenbäume.

Holzfäule: Zersetzung der verholzten Zellmembran durch Pilze, die über Wunden in das Holz eindringen. Bei lebenden Bäumen entsteht Stamm- oder Wurzelfäule, bei nicht sachgemäß gelagertem Holz Lagerfäule und bei verbautem Holz Hausfäule.

Holzfliegen, Xylophagidae: an den langen Fühlern erkennbare, mit den Bremsen verwandte Fliegenfamilie; Vollkerfe leben in Baumsäften, ihre Larven in lebendem, meist aber totem Holz.

holzfrei, ligninfrei: Eigenschaftsbezeichnung für Papier, das ausschließlich Zellstoff als Faserstoff enthält.

Holzgewächse: Pflanzen mit verholzenden, ausdauernden Sprossteilen (Bäume und Sträucher).

holzhaltig, ligninhaltig: Eigenschaftsbezeichnung für Papier, das verholzte Fasern enthält.

Holzkohle: durch Verkohlung von Holz im Kohlenmeiler oder in Retorten hergestellte, äußerst porenreiche Kohle. Man verwendet Holzkohle als Adsorptionsmittel, Brennstoff, Zeichenkohle und metallurgische Reduktionsmittel.

Holzmaden: Gemeinde in Württemberg, bekannt durch besonders gut erhaltene Fossilien, vor allem Ichthyosaurier und Meereskrokodile aus Schiefern des oberen Lias.

Holzmehl: aus Säge- oder Frässpänen durch Mahlen und Sieben erzeugtes Mehl; Füllstoff für Pressmassen, Steinholz, Linoleum unter anderem.

Holzmesskunde: Fachgebiet der Forstwissenschaft; beschäftigt sich mit den Verfahren der Messung und zahlenmäßigen Erfassung des Holzvolumens, der volumenbildenden Einzelfaktoren und des Zuwachses von Bäumen und Waldbeständen.

Holzöl, Tungöl: aus den Samenkernen der ostasiatischen Holzölbäume (Tungbäume) gepresstes oder extrahiertes ungenießbares, trocknendes Holzöl.

Holzbildhauerei: Holzstatue des rag. Dorfschulzen; um 2500 vor Christus M. Pacher, Maria aus dem Hochaltar von St. Wolfgang; 1481

Holzpflaster: mit Teer getränkte Holzklötze als schlagbeanspruchbarer Bodenbelag oder Straßendecke.

Holzschleifer: Maschine zur Faserstoffherstellung durch mechanische Zerfaserung von entrindetem Holz bei Zugabe von Wasser. Wichtigster Teil des Holzschleifers ist der zylindrische Schleifstein von 1,5 bis 2 m Durchmesser. Man unterscheidet Pressenschleifer mit diskontinuierlichen Holzvorschub und Stetigschleifer mit kontinuierlichen Holzvorschub.

Holzschliff, Holzfaserstoff-, durch Verschleifen von Holz mittels Holzschleifers gewonnener Faserstoff mit über 95 % Ausbeute. Beim Schleifen werden die Fasern aus dem Holzkörper herausgerissen. Bei geringer Wasserzugabe entsteht langfaseriger Heißschliff (65 bis 70 °C), bei reich! Wasserzugabe kurzfaseriger Gebleichter oder ungebleichter weißer Faserstoff (vorwiegend für holzhaltige Papiere) heißt Weißschliff, durch Dämpfen des Holzes vor dem Schleifen gewonnener langfaseriger brauner Faserstoff (für Lederpappen und Packpapier) Braunschliff. 

Holzschnitt, Xylographie: die Holzschneidekunst sowie ihr Produkt, das graphische Blatt. Der Holzschnitt zählt zu den Hochdruckverfahren. Aus einer Langholzplatte (Holzstock) werden Teile der Oberfläche, entsprechend der aufgetragenen Zeichnung, mit dem Messer herausgehoben, so dass die druckenden Linien als Stege stehenbleiben (Linienschnitt). Der fertige, mit Druckfarbe eingewalzte Holzstock wird mittels Presse, auch mit dem Hand- oder einem Lederballen, dem «Reiben» (Reiberdruck), auf das Papier gedruckt. Abarten des Holzschnitts aus seiner Frühzeit sind Metallschnitt (Stock aus Metall), Weiß- und Schrotschnitt (weiße Linien beziehungsweise Punkte stehen negativ auf schwarzem Grund). Im 16. Jahrhundert kam der Tonholzschnitt (Clair-obscur-, Helldunkelschnitt) auf: eine «Strichplatte» und eine oder mehrere «Tonplatten») werden übereinander gedrückt. Bei verschiedenfarbigen Tonplatten wird von Farbholzschnitt gesprochen (besonders vollkommen in China und Japan ausgebildet). Seit etwa 1800 wird der von T. Bewick erfundene Holzstich angewendet: der Stock besteht aus quer zur Faser geschnittenem Hirnholz und wird mit dem Stichel bearbeitet, wodurch sehr zarte Linien oder malerischen Wirkungen (Tonstich) erzielt werden können. Eine moderne Sonderform ist der Materialdruck, bei dem auf den Holzstock verschiedenartige Materialien montiert und abgedruckt werden. Wird vom nicht eingefärbten Stock durch Pressen ein reliefartiger Abzug ohne Farbe hergestellt, entsteht ein Blinddruck. Aus dem seit alters verwendeten Zeugdruck entstanden, kam der Holzschnitt um 1400 in Deutschland, den Niederlanden und in Frankreich auf, wurde durch A. Dürer und seine Zeitgenossen zu künstlerischen Blüte gebracht und erreichte religiös und politisch große Breitenwirkung (Flugblätter). Der japanische Farbholzschnitt des 18./19. Jahrhundert beeinflusste das Aufkommen des modernen Flächenholzschnitt Ausgelöst vom Expressionismus, erfuhr der Holzschnitt im 20. Jahrhundert eine weltweite Erneuerung, besonders auch durch die sozialistische Kunst.

Holzschnitte: Schnittflächen durch einen Holzstamm. Man unterscheidet Quer- (Hirn-) Schnitt (Holzschnitte senkrecht zur Stammachse beziehungsweise Holzfaser), Tangential- (Flader-, Sehnen-) Schnitt (Holzschnitte parallel zur Stammachse, tangential zum Jahrring) sowie den Sonderfall des Radial- (Spiegel-) Schnittes (Längsschnitt durch Stammachse in Holzstrahlrichtung).

Holzschutz, Holzkonservierung: Vergütung des Gebrauchswertes von Holz und Werkstoffen aus Holz vor beziehungsweise während der Verwendung durch Schutzbehandlung gegen Pilze, Insekten und Feuer. Holzschutzverfahren sind unter anderem Spritzen, Streichen und Tauchen für Deck- und Randschutz (bis 10 mm) sowie Trog-, Kesseltränkung, Saftverdrängungs-, Diffusionsverfahren für Tiefenschutz (über 10 mm). Anwendung unter anderem bei Schwellen, Masten, Bauholz, Grubenholz. Holzspanplatte: aus Holzspänen und Bindemittel (härtbarem Plastikklebstoff) unter Wärme und Druck gepresste Platte. Holzart, Form und Anordnung der Späne (senkrecht zur Plattenebene oder ein- beziehungsweise mehrschichtig flach zu ihr liegend angeordnet), Bindemittelart sowie Pressdruck bestimmen die Art und Eigenschaften der Holzschutz.

Holztafeldruck, Tafeldruck: Druckverfahren (Vorläufer des Buchdrucks), bei dem von Holztafeln gedruckt wird, in die ganze Seiten (Text und Bild) geschnitten sind.

Holztragwerk: tragende, ingenieurmäßig abgebundene Holzkonstruktion.

Holzvergütung: Verbesserung mechanischer, wasserabweisender Eigenschaften sowie Reduzierung des Fäule- beziehungsweise Insektenbefalls des Holzes, zum Beispiel durch Holzschutz, Beschichten, Aufpressen von Folien, Dämpfen, Trocknen bei höheren Temperaturen.

Holzverzuckerung: Abbau der im Holz enthaltenen Zellulose zu verschiedenen Zuckern, insbesondere Glukose, durch Kochen mit verdünnten Säuren; die Zucker werden meist zu Äthanol vergoren oder verheft.

Holzvorrat: Holzmenge (in m3) eines Baumbestandes.

Holzwarth, Hans, 20.8.1877-21.8.1953, Ingenieur; entwickelte 1905/08 die erste praktisch brauchbare Gasturbine nach dem Verpuffungs- (Gleichraum-) Verfahren.

Holzwespen, Siricidae: Familie der Pflanzenwespen; mitteleuropäische Arten bis 4 cm lang, Weibchen mit sichtbarem Legebohrer, mit dem die Eiablage in Nadel- oder Laubholz erfolgt; Larven sind Schädlinge des Nutzholzes.

Holzwolle: durch hobelartigen Vorgang erzeugte Holzfäden (-späne) von etwa 500 mm Länge, bis 4 mm Breite und bis 0,5 mm Dicke.

Holzzement, Holzkitt: Nitrozelluloselösung mit Holzmehlbeimengung zur Ausbesserung von Holzteilen. Alte Bezeichnung für Belag flacher Holzdächer aus Gemisch von Steinkohlenteerpech, Schwefel und Harzöl.

Holzzuchtplantage: plantagenartiger Waldaufbau zur maximalen Holzerzeugung. Im Unterschied zum herkömmlichen Waldbau, der sein Ziel im Wesentlichen über die Steuerung der natürlichen, örtlichen Produktionsbedingungen erreicht, sind in der Holzzuchtplantage wiederholte Bodenbearbeitung, Düngung und Schädlingsbekämpfung notwendig.

Homer: 1. der am Anfang der griechischen Literatur stehende Dichter (8. Jahrhundert vor Christus), dessen Name mit den Epen «Ilias» und «Odyssee» verbunden ist. Die «Odyssee» gilt als das jüngere Epos. Beide Epen sind in einer vorwiegend mit ionischen Elementen gebildeten Kunstsprache abgefasst Schon das Altertum wusste über Homers Person und Zeit nichts Sicheres (Homerische Frage) zu sagen; er galt als Lehrmeister und Vorbild, dem man in der Antike auch andere epische Dichtungen zuschrieb (den sogenannt Epische Kyklos, die Homerischen Hymnen unter anderem).

2. Homer, Winslow, 24.2.1836-29.9.1910, US-amerikanischer Maler, Graphiker; zeichnete nach einer Lehrzeit als Lithograph für die Wochenzeitschrift «Harper’s Weekly» und wurde seit den 60er Jahren zu einem der bekanntesten Landschafts-, Marine- und Genremaler der USA.

Homerische Epen: Homers Epen «Ilias» und «Odyssee».

Homerische Hymnen: Sammlung von 33 griechischen Götterhymnen im Stile der homer. Epik, die in der Antike Homer zugeschrieben wurden; dienten den Rhapsoden als Einleitungen zu ihren Vorträgen. Sie sind vermutlich vom 7. Jahrhundert vor Christus an entstanden, die Zeit ihrer Sammlung ist unbekannt.

Homerule: (englisch, «Selbstverwaltung») Forderung der Bourgeoisie Irlands unter anderem britische Kolonien nach nationaler Selbstverwaltung; seit 1870 wurde die Homerule zum Programm einer nationalen Massenbewegung in Irland; ihr Ziel wurde 1921 im Dominionvertrag mit der Bildung des Ir. Freistaates und Gewährung begrenzter Selbstverwaltung für Nordirland eingeschränkt erreicht.

Homespun: (englisch, «zu Hause Gesponnenes») rauhaariges, kräftiges Streichgarngewebe mit Noppen und Knötchen, meist in Leinwandbindung; für Oberkleidung verwendet.

Hometrainer, Heimtrainer: Übungsgerät für den Rad- beziehungsweise Freizeit- und Erholungssport.

Homiletik: Lehre von der Gestaltung der Predigt.

Hominidae, Hominiden: zoologisch-systematische Bezeichnung für alle rezenten und fossilen Menschenformen mit den Gattungen Ramapithecus, Australopithekus und Homo. Der systematisch übergeordnete Begriff Hominoidea umfasst auch alle rezenten und fossilen Menschenaffen.

Hommage: Huldigung, Ehrerbietung.

Homo: (lateinisch, Mensch) Gattung der Hominidae mit den Arten Homo sapiens und Homo erectus. Zur Art Homo sapiens gehören alle gegenwärtig lebenden Menschen und die Menschen der Vergangenheit, die diesem Typ entsprechen (Homo sapiens sapiens) sowie die Unterart Homo sapiens neanderthalensis (Neandertaler), die während der letzten Kaltzeit ausgestorben ist. Beide Formen haben sich aus dem Homo erectus entwickelt, dessen älteste Funde etwa 1,5 Millionen Jahre alt sind. Der Homo erectus ist aus grazilen Australopithecinen hervorgegangen, die als selbständige Art Homo habilis von den übrigen Australopithecinen systematisch unterschieden werden.

Homodontie: Gebissaufbau aus anatomisch gleich gestalteten Einzelzähnen, zum Beispiel bei Kriechtieren. Siehe auch Heterodontie.

Homo erectus: zur Gattung Homo gehörende fossile Art des frühesten Menschen, von der zahlreiche Funde aus Asien, Amerika und Europa vorliegen. Sein Rumpf- und Gliedmaßenskelett unterscheidet sich nur unwesentlich vom modernen Menschen, der Schädel ist dickwandig und durch einen kräftigen Überaugenwulst, eine flache Stirn und nach oben zueinander geneigten Seitenwänden des Hirnschädels charakterisiert. Der Hirnschädelinhalt beträgt zwischen 700 bis 1250, die Körperhöhe etwa 160 cm. Siehe auch Pithecanthropus.

Homo faber: (lateinisch, «der Mensch als Schmied») der praktisch tätige Mensch, der sich zur Naturbewältigung technische Hilfsmittel herstellt und handelnd auf die Welt einwirkt.

homogen: gleichartig, gleichmäßig zusammengesetzt, übereinstimmend. Ein physikalisches System heißt homogen, wenn alle seine Teile dieselben Zahlenwerte für physikalische Eigenschaften (wie Dichte, elektrische Leitfähigkeit oder spezifische Wärmekapazität) haben. Ändern sich diese Zahlenwerte stetig von Ort zu Ort, so ist das System inhomogen; ändern sie sich sprunghaft, dann ist es heterogen.

Homogenisieren: gleichmäßiges Verteilen ineinander unlösliche Stoffe durch Feinstzerkleinerung, zum Beispiel bei Milch, Eiscreme, Füllmassen für Süßwaren.

Homogramm: identisches Schriftbild bei unterschiedlicher Aussprache und Bedeutung, zum Beispiel August (Name) August (Monat).

Homo habilis: grazile Vormenschenform, die von den Australopithecinen systematisch abgegrenzt wird. Die bisher bekannt gewordenen Skelettreste aus Afrika sind 1 bis 2,6 Millionen Jahre alt und wurden zum Teil mit primitiven Geröllgeräten gefunden. Siehe auch Homo.

homolog: gleichliegend; übereinstimmend; entsprechend.

homologe Reihe: eine Folge organischer Verbindungen, bei der sich die benachbarten Glieder durch die Methylengruppe -CH2unterscheiden. Alle Glieder einer homologen Reihe gehören der gleichen chemischen Stoffklasse an; ihre Zusammensetzung lässt sich durch eine allgemeine Formel erfassen, zum Beispiel die homologe Reihe der Alkane. Es ergeben sich CH4 (Methan), C2H6 (Äthan), CjH8 (Propan) und so weiter. Während die chemischen Eigenschaften der Glieder der homologen Reihe sehr ähnlich sind, ändern sich die physikalischen Eigenschaften (Dichte, Schmelzpunkt und so weiter) mit steigender Kohlenstoffzahl regelmäßig, homologer Serum icterus Serumhepatitis.

Homologie: (griechisch) Begriff der vergleichenden Anatomie, der die gemeinsame Abstammung von Strukturen, zum Beispiel von Organen mit gleichen Lagebeziehungen bei verschiedenen Arten bezeichnet; zum Beispiel die Grabbeine des Maulwurfs, die Flügel der Fledermaus und die Vorderbeine des Pferdes. Siehe auch Analogie 2, Konvergenz 2.

Homologierung: offizielle Bestätigung durch eine internationale beziehungsweise nationale Motorsportorganisation, dass das Fahrzeugmodell, die Rennstrecke oder der Schutzhelm den Bestimmungen für die Teilnahme an Wettbewerben entspricht.

Homomorphismus: (lateinisch griechisch) Abbildung q> von einer Gruppe A in eine Gruppe B, bei der die Gruppenstruktur erhalten bleibt. Mit Hilfe des Homomorphismus ist es möglich, die innere Struktur einer Gruppe und Strukturähnlichkeiten verschiedener Gruppen begrifflich zu erfassen. Bei einem Isomorphismus ist jedes Element von B Bild genau eines Elementes von A. Wird eine Gruppe isomorph auf sich selbst abgebildet, so spricht man von einem Automorphismus-, zum Beispiel stellt die Abbildung, die jeder ganzen Zahl x ihr m-faches mx zuordnet, wenn m eine ganze Zahl ist, einen Homomorphismus der additiven Gruppe der ganzen Zahlen in sich dar, der für m = +1 oder -1 ein Automorphismus ist.

Homonym: mit einem anderen gleichlautendes, in Herkunft und Bedeutung jedoch von ihm verschiedenes Wort, zum Beispiel die Steuer das Steuer. Siehe auch Synonym.

homöo: ähnlich..., gleich... Homöopathie (griechisch): von dem Arzt S. Hahnemann im 18. Jahrhundert eingeführte unwissenschaftliche Behandlungsmethode, bei der dem Kranken kleinste Dosen solcher Mittel gegeben werden, die, dem Gesunden verabreicht, gerade die Erscheinungen hervorrufen, die man beim Kranken bekämpfen will (similia similibus curentur; lateinisch, «Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt»). Die Wirkstoffe werden in starken Verdünnungen, sogenannt Dezimalpotenzen, verabreicht.

homöopolare Bindung, Atombindung: Art der chemischen Bindung, die auf der bindenden Wirkung gemeinsamer Elektronenpaare beziehungsweise in wellenmechanischer Sicht der Ausbildung von Molekülorbitalen beruht. Die homöopolare Bindung tritt vorwiegend bei Reaktionen zwischen Nichtmetallen in Erscheinung. Dabei durchdringen sich die äußeren Elektronenhüllen der Partneratome derart, dass aus je 2 ursprünglich mit nur einem Elektron besetzten Atomorbitalen ein doppelt und damit voll besetztes Molekülorbital entsteht. Vereinfacht fasst man die homöopolare Bindung als Ausbildung bindender Elektronenpaare auf, die beiden beteiligten Atomen gemeinsam angehören; meist wird hierbei die stabile Edelgaskonfiguration erreicht. Da die Atomorbitale den Atomkern in bestimmten räumlichen Orientierungen umgeben, bilden sich die homöopolare Bindung in bestimmten Richtungen aus. Dies spiegelt sich im räumlichen Bau der Moleküle wider, zum Beispiel hat das Methanmolekül die Gestalt eines regulären Tetraeders, in dessen Mittelpunkt sich das Kohlenstoffatom befindet, während die Eckpunkte von den Wasserstoffatomen eingenommen werden. Bei der homöopolaren Bindung bilden sich meist typische Moleküle, auch Makromoleküle; im festen Zustand sind kleinere Moleküle zu einem Molekülgitter (Kristallgitter, dessen Gitterpunkte von Molekülen besetzt sind) zusammengetreten; die betreffenden Substanzen («flüchtige Stoffe») sind weich; sie verdampfen leicht und sind elektrisch nichtleitend. Makromolekulare Substanzen sind dagegen nicht verdampfbar und amorph. In einigen Fällen, zum Beispiel beim Diamanten, setzen sich homöopolare Bindungen ununterbrochen ohne Molekülbildung in alle Richtungen fort. Hierbei entsteht ein Atomgitter; die betreffenden Kristalle sind äußerst hart und schmelzen beziehungsweise sublimieren nur bei extrem hohen Temperaturen («diamantartige Stoffe»). Die homöopolare Bindung ist nur zwischen gleichartigen Atomen rein ausgeprägt; anderenfalls bewirkt die unterschiedliche Elektronegativität der Partner einen partiellen Ionencharakter der Bindung. Bei dieser polarisierten Atombindung beansprucht das elektronegativere (stärker nichtmetallische) Atom das bindende Elektronenpaar in stärkerem Maße, so dass Dipolmoleküle entstehen können.

Homöostase: Fähigkeit lebender Organismen beziehungsweise organischer Regelungssysteme, das innere Milieu des Organismus gegenüber Störeinflüssen konstant zu halten. Der Begriff Homöostase wurde von dem US-amerikanischen Physiologen Walter Cannon (1871-1945) geprägt.

Homöothermie: Fähigkeit, die Körperinnentemperatur trotz stark schwankender Umgebungstemperaturen konstant zu halten.

Homophonie: mehrstimmige Kompositionsweise, bei der einer Haupt- (= Melodie-) Stimme alle Neben- (= Begleit-) Stimmen innerhalb eines Tonsatzes untergeordnet sind; siehe auch Monodie, Polyphonie.

Homoseiste: Linie gleicher Bodenerschütterung bei einem Erdbeben; insbesondere unterscheidet man Isochrone und Isoseiste.

homozygot: reinerbig; homozygot ist ein diploider Organismus (oder eine Zelle), der ein in Betracht gezogenes Gen in Form identischer Allele vorliegen hat.

Homs: 1. Homs, Al-Khums: Bezirksstadt im Norden Libyens, an der Küste der Großen Syrte (Mittelmeer); 60000 Einwohner; Hafen; Mittelpunkt einer bewässerten Küstenoase; Zementwerk. In der Nähe Ruinenstätten der römischen Stadt Leptis Magna.

2. Homs, Hirns: Stadt (Provinzzentrum) im Westen Syriens, am Nahr al-Asi; 350000 Einwohner; drittgrößte Stadt und eines der wichtigsten Industriezentren des Landes; Erdölraffinerie (mit CSSR-Hilfe erbaut), chemische und Textilindustrie, Zement- und Lebensmittelproduktion; wichtiger Verkehrsknoten (Hedschasbahn), Pipelines aus Kirkuk (Irak; zur Zeit außer Betrieb) und Nordostsyrien; in der Umgebung Baumwollanbau.

Homunkulus: (lateinisch, «Menschlein») in der Vorstellung des Mittelalters künstlicher (alchimistischer) geschaffener kleiner Mensch.

Hondecoeter, Melchior de, 1636 bis 3.4.1695, holländischer Maler; tätig in s-Gravenhage und Amsterdam; wurde mit dekorativen Gemälden, die heimische oder exotische Federvieh darstellen, Hauptmeister der holländischen Geflügelmalerei des 17. Jahrhundert («Vogel-Raffael»).

Honduras, Republik Honduras: Staat in Mittelamerika, zwischen Karibisches Meer und Stillem Ozean; grenzt im Südosten an Nikaragua, im Südwesten an El Salvador und im Westen an Guatemala; verwaltungsmäßig in 18 Departements gegliedert. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sind Mestizen, etwa 6% Indios, 2% Afroamerikaner, 1% Kreolen unter anderem; etwa 60% Analphabeten. Amtssprache ist Spanisch. Währung ist die Lempira. Honduras wird von Ketten der mittelamerikanischen Kordillere durchzogen, zwischen deren Ausläufern sich fruchtbare Täler und Savannen erstrecken. An der Nordküste bei feuchtheißem Klima in den Niederungen Sumpfvegetation, im Hochland und an der Südküste trockeneres Klima mit lichtem Wald und Savannen. Schwach entwickelter, besonders vom US-Kapital abhängiger kapitalistischer Agrarstaat mit Resten vorkapitalistischer Produktionsverhältnisse. Hauptwirtschaftszweig ist die Landwirtschaft mit zwei Drittel der Erwerbstätigen und Nutzung von 16 % der Landesfläche; in den Küstengebieten Anbau der Exportkulturen (Bananen, Kaffee), für den Eigenverbrauch Produktion von Mais, Bohnen, Reis, Gemüse unter anderem 44% der Fläche sind waldbedeckt (Mahagoni, Zeder, Nussbaum). Zahlreiche Bodenschätze (Buntmetalle, Eisenerz, Kohle, Bauxit), aber nur Abbau von Blei-, Silber-, Gold- und Zinkerz durch kanadische und US-Gesellschaften. Wenige Industriebetriebe konzentrieren sich um San Pedro Sula (Getränke, Zement, Seife, Textilien unter anderem). Haupthafen ist Puerto Cortes, Hauptflughafen Tegucigalpa. Export von Bananen (etwa 40%), Kaffee, Holz, Silber; Import von Lebensmitteln, Brennstoffen, Maschinen, Konsumgütern. Haupthandelspartner sind die USA Japan, BRD, Guatemala, Venezuela. Geschichte. ursprünglich von Maya- unter anderem Stämmen besiedelt, von C. Kolumbus 1502 entdeckt; nach der spanischen Eroberung 1524/25 bis 1821 Teil der Generalkapitanie Guatemala; 15.9.1821 Unabhängigkeitserklärung.

Honduras: Tegucigalpa, die Burg des Präsidenten F. Morazán. 1822/23 zu Mexiko, 1,823/38 zu den Vereinigten Provinzen von Zentralamerika. Im 19. Jahrhundert zahlreiche Staatsstreiche; zunächst britische, danach US-Einfluss (wiederholte bewaffnete Interventionen). In den 30er Jahren des 20. Jahrhundert Aufstände der Bauern und Plantagenarbeiter gegen die Macht der United Fruit Co. und ihre einheimischen Stützen, die sich unter der Diktatur von T. Carias Andino (1933/49) festigte. Der liberale Präsident R. Villeda Morales (1957/63) versuchte, die Macht der United Fruit einzuschränken und wurde durch Militärputsch gestürzt. Präsident O. López Arellano (1965/71, 1972/75) versuchte begrenzte Reformen durchzusetzen. Durch Staatsstreich kam 1978 eine Militärjunta unter P. Paz García zur Macht, der 1980 unter Ausschluss der Linkskräfte zum provisorischen Präsidenten «gewählt» wurde und für 1981 Präsidentenwahlen ausschrieb, um die Militärherrschaft zu beenden. Nach den Wahlen vom November 1981 übernahm im Februar 1982 R. Suazo Córdova die Präsidentschaft. Gegen die trotz begrenzter Reformen anhaltende ökonomische und politische Krisensituation entwickelte sich, besonders seit dem Sieg der nikaraguanische Revolution, die Volksbewegung, die sich in der Patriot. Front von Honduras zusammengeschlossen hat, der neben der 1954 gegründet KP, der sozialistischen Partei und den Christdemokraten über 60 Organisationen angehören.

Golf von Honduras: Bucht des Karibischen Meeres, an der Ostküste Mittelamerikas, zwischen der Halbinsel Yucatán und Honduras; in Küstennähe reich an Koralleninseln und -riffen, besonders entlang der Halbinsel Yucatán; am Eingang der Meeresbucht über 3000 m tief.

Honegger, Arthur, 10.3.1892 bis 27.11.1955, schweizerischer Komponist; wirkte in Paris und gehörte der Gruppe «Les Six» an; verschmolz in seinem vielseitigen Schaffen (unter anderem Opern, Oratorien «König David», 1921, und «Johanna auf dem Scheiterhaufen», 1938 beziehungsweise 1950, 5 Sinfonien, Orchesterstücke «Pacific 231», 1923, «Rugby», 1928, Film- und Kammermusik, Lieder) unterschiedlichste Anregungen, war jedoch stets humanistisch bestimmt. Seine Schriften (unter anderem «Ich bin Komponist», 1951) beeindrucken durch kritische Auseinandersetzung mit Zeiterscheinungen der bürgerlichen Gesellschaft.

honett: anständig; höflich, nett.

Hong Gai: Stadt (Provinzzentrum) im Nordosten Vietnams, östlich von Hanoi, an der Meeresbucht Ha Long (3000 Inseln); 70000 Einwohner; Steinkohlenaufbereitung für den benachbarten Steinkohlenbergbau (90% der Landesproduktion), Nahrungsmittelindustrie; Entwicklung zum Touristenzentrum; Hafen.

Hongkong, chinesisch Xianggang: britische Kronkolonie an der südchinesischen Küste, am Ostrand des Mündungstrichters des Zhu Jiang. Außer der Insel Hongkong gehören noch 33 Inseln und die bis 1997 gepachtete Halbinsel Jiulong (südchinesisch Kaolun, englisch Kowloon) dazu; insgesamt 1045 km2, 5,2 Millionen Einwohner (98% Chinesen und 1% Europäer (vor allem Briten) unter anderem); 4976 Einwohner/km2, in Ballungsgebieten 25 400 Einwohner/km2. Verwaltungszentrum ist der Haupthafen Victoria (1 Millionen Einwohner) auf der Insel Hongkong Das Küstengebiet ist infolge Senkung von Meer und Flüssen stark zerschnitten; vorwiegend Bergland, auf der Insel Dahao bis 920 m überm Meer, meist unbewaldet; tropisches Monsunklima mit erheblichen Jahresniederschlag, im Sommer Taifungefahr. Bedeutendes internationales Handels- und Finanzzentrum mit entwickelter Industrie; nach dem 2. Weltkrieg rasche industrielle Entwicklung (46% der Arbeitskräfte in Industrie und Bergbau, in der Landwirtschaft und Fischerei nur 5%). besonders stark wurden die Leichtindustrie (Schuh- und Textilproduktion, Bekleidungs- und Spielzeugherstellung), die Produktion von Plastewaren, Elektrogeräten und Druckerzeugnissen sowie der Maschinenbau (darunter besonders Schiffbau) und die Eisenhüttenindustrie ausgebaut. Für die sich ständig entwickelnde elektronische Industrie werden Halbfertigprodukte importiert. 80 bis 90% der Industrieprodukte sind für den Export bestimmt. Die Landwirtschaft hat untergeordnete Bedeutung (nur 12000 ha Ackerland). Hauptkulturen sind Reis und Gemüse, doch müssen zur Bedarfsdeckung Reis, Geflügel, Schweine und sogar Trinkwasser aus China importiert werden. China unterhält in Hongkong unter anderem Banken, Warenhäuser, Baufirmen und Schifffahrtslinien. Bedeutender Verkehrsknoten Südostasiens; Eisenbahnlinie (36 km) vom Hafen Jiulong zur chinesischen Grenze, U-Bahn, entwickeltes Straßennetz, internationaler Flughafen Kai Tak; zunehmender Tourismus. Die Insel Hongkong wurde 1841 von Briten besetzt, 1842 im Vertrag von Nanjing zu britischen Besitz erklärt, 1843 Kronkolonie; 1860 beziehungsweise 1898 erweitert; besonders in den 20er Jahren des 20. Jahrhundert Zentrum der revolutionären chinesischen Arbeiterbewegung. Eine britische-chinesische Deklaration (1984) sieht die. Übernahme der Souveränität über Hongkong durch die Volksrepublik China für 1997 vor.

Hong Xiuquan, 1813-1864, politischen und ideologischen Führer der Taiping Bewegung in China, machte sich 1851 zum «Himmelskönig» des bäuerlichen Taiping-Staates.

Hongze Hu: Süßwassersee im Osten Chinas, in der Provinz Jiangsu; 2 500 bis 3 780 km2 in enger Abhängigkeit von der Jahreszeit; durch langgestreckte Buchten stark gegliedert, im Südwesten sehr Inselreich; vom Huai He durchflossen, zahlreiche kleinere Zuflüsse; dient als natürliche Flutbecken und Speicher für die Bewässerung; über einen Kanal mit dem Großen Kanal und dem Gelben Meer verbunden; sehr fischreich.

Honiara: Hauptstadt der Salomonen (Stiller Ozean), auf der Insel Guadalcanal; 20000 Einwohner; Hafen, internationaler Flughafen.

Honig: von Bienen aus Blüten- und Blattnektar erzeugtes süßes Stoffgemisch, das unter anderem aus 60 bis 80% Invertzucker, maximal 5 beziehungsweise 10% Saccharose und maximal 22 bis 24% Wasser sowie organische Säuren, Enzymen, Vitaminen und Aromastoffen besteht. Die Farbe variiert von hellgelb (Robinienhonig), gelb (Rapshonig), gelbgrün (Lindenhonig) bis rotbraun (Heidehonig).

Honiganzeiger, Indicatoridae: Familie bis starengroßer, kurzschnäbliger Spechtvögel Afrikas und Indonesiens mit zäher, dicker, vor Insektenstichen schützender Haut; ernähren sich von Bienenwachs und Insekten und locken durch auffälliges Verhalten Honiginteressenten unter den Säugern zu Bienennestern. Honiganzeiger sind Brutparasiten.

Honigblende: (nach der Farbe) Mineral; Sphalerit.

Honigdachs, Ratei (afrikaans), Mellivora capensis: Verwandter der Marder; nachtaktiv, mit langen Grabklauen und dicker Rückenhaut; gräbt Erdhöhlen; ernährt sich vorwiegend von Kleinsäugern, pflanzlichen Stoffen und Honig; in Afrika und Südasien verbreitet.

Honigfresser, Meliphagidae: Familie sperlingsgroßer bis hähergroßer Singvögel, deren Schnabel und Zunge in Anpassung an die Nektarnahrung ein Saugrohr bilden; Baum- und Buschbewohner der indo-australischen Region.

Honiggras, Holcus: Gattung ausdauernder Rispengräser, benannt nach den süß schmeckenden Halmen. Das Wellige Honiggras (Holcus lanatus) mit behaarten Blättern und Blattscheiden ist ein Futtergras auf Magerrasen. Das ausläuferbildende, weniger behaarte Weiche Honiggras (Holcus mollis) wächst in nährstoffarmen Laubwäldern.

Honigkuchen: Lebkuchen, dessen Zuckeranteil zu mindestens 50 % dem Honig entstammt.

Honigschleuder: Gerät zur Gewinnung des Honigs aus Bienenwaben mittels Zentrifugalkraft; gebräuchlich sind Korb-, Radial- und Radschleudern; große Honigschleuder werden elektrisch angetrieben.

Honigtau: 1. zuckerhaltige Ausscheidungen von Pflanzen bei Pilzbefall (zum Beispiel dem Erreger des Mutterkornes in der Roggenähre).

2. stark zuckerhaltige Exkremente von Pflanzensaftsaugern, besonders Blatt- und Schildläusen; werden von Ameisen gern verzehrt.

Honneurs: Ehrenbezeigungen; die Honneurs machen: die Gäste willkommen heißen.

Honolulu: Hauptstadt und Haupthafen von Hawaii (USA), auf Oahu; mit Vororten 765000 Einwohner; wichtigster See- und Luftverkehrsknoten sowie Fremdenverkehrszentrum im Stillen Ozean; Lebensmittel-, Fremdenverkehrsindustrie; Universität; Observatorium, Museen; im Osten Stadtteil Waikiki (Badestrand), 19 km westlich der Flottenstützpunkt Pearl Harbor.

Honorar: (lateinisch, «Ehrensold») Vergütung für eine freischaffende oder nebenberufliche Tätigkeit, die in der Regel schöpferischen Charakter trägt und grundsätzlich außerhalb eines Arbeitsrechtsverhältnisses erfolgt. Vorgeschrieben ist ein leistungsgerechtes Entgelt. Die Voraussetzungen und die zulässigen Beträge für die Honorare werden in der Regel in Honorarordnungen festgelegt.

Honoratioren: früher die angesehensten Bürger eines kleinen Ortes.

Honorius, Flavius, 9. 9. 384-15. 8. 423, jüngster Sohn Theodosius I., römischer Kaiser seit 393; seit 395 Alleinherrscher des Weströmischen Reiches. Honorius war außerstande, den Verfall des Reiches aufzuhalten (allgemeine Krise der antiken Produktionsweise; politische und religiöse Machtkämpfe).

Honshu, Hondo (beide japanisch, «Hauptland»): größte und bedeutendste Insel Japans; mit Nebeninseln 230 897 km2, 89 Millionen Einwohner; größte Stadt und Hauptstadt Japans ist Tokio. Honshu ist durch Buchten und Halbinseln stark gegliedert und trägt Mittelgebirgscharakter, der nur im zentralen Teil der Insel, in den über 3000 m hohen «Japan. Alpen», Hochgebirgscharakter erlangt. Im Nordosten davon liegen im Grabenbruch der Fossa Magna zahlreiche erloschene und noch tätige Vulkane, darunter der 3 776 m hohe Fuji, der höchste Berg Japans. Die wenigen Tieflandebenen liegen meist an der Küste, die größte ist die Kanto-Ebene. Honshu ist erdbebengefährdet, besonders an der Küste zum Stillen Ozean (Entstehung von Flutwellen). Das Klima ist im Norden gemäßigt, im Süden subtropisch und wird vom außertropischen Monsun beeinflusst; im Sommer ist die Insel Taifun gefährdet. Die kurzen, gefällereichen Flüsse dienen weitgehend der Energiegewinnung und Bewässerung. Die relativ waldreiche Insel wird im Süden vorwiegend von subtropischen Lorbeerwäldern bedeckt, die nach Norden zu in Laub-und Mischwälder der gemäßigten Zone übergehen.

Honshu ist das wirtschaftlich bedeutendste Gebiet Japans mit den größten Industrie- und Bevölkerungsballungen des Landes (Industriegürtel entlang der pazifischen Küste und der Japanischen Inlandsee bis zur Südspitze der Insel mit den Zentren Tokio, Yokohama, Nagoya, Osaka, Kyoto, Kobe, Hiroshima, Shimonoseki). In der Landwirtschaft Anbau von Reis, Weizen, Gerste, Sojabohnen und Obst. Vielseitige Fischereiwirtschaft; leistungsfähiges Verkehrsnetz mit Schienen- und Straßenschnellverkehr und untermeerischer Tunnelverbindungen (Straße, Eisenbahn) nach Kyushu und Hokkaido. Die größten Überseehäfen sind Kobe, Yokohama, Tokio und Osaka.

Honthorst, Gerrit van, 4.11.1590-27.4.1656, niederländischer Maler; schuf Bildnisse und Genrebilder, entwickelte als Hauptmeister der sogenannt Utrechter Caravaggisten einen Malstil, für den Hell-Dunkel-Gegensätze charakteristisch sind.

Honved-Armee: (ungarisch + französisch, «Heimwehr») revolutionäre ungarische Nationalarmee, 1848 von L. Kossuth zur Verteidigung Ungarns gegen die österreichischen Interventionstruppen organisiert; seit 1868 die ungarische Landwehr. 1919/48 Bezeichnung für das gesamte ungarische Heer.

Honwana, Luis Bernardo, geboren 1942, Mozambique, Erzähler und Filmschöpfer; gilt als Begründer der modernen mozambiqueischen Prosa in portugiesischer Sprache; verbindet sensible psychologische Typisierung mit politisch-progressiver Prägnanz, insbesondere in der Kritik am Kolonialismus («Wir haben den räudigen Hund getötet», 1964, deutsch).

Hooch, Pieter de, geboren 1629 (20.12. getauft), gestorben nach 1684, holländischer Maler; als Meister des Interieurs bevorzugte Hooch den Durchblick durch lichterfüllte Räume, in denen wenige, meist vornehme Personen in geselliger Unterhaltung oder bei häuslicher Tätigkeit gezeigt werden.

Hood: 1. Robin Hood.

2. Thomas Hood, 23.5.1799-3.5.1845, englischer Dichter, Journalist und Karikaturist; Gedichte mitsozialer Anklage, wie «Lied vom Hemd» (1843, deutsch), «Die Seufzerbrücke» (1843, deutsch) und «Das Lied des Arbeiters» (1844, deutsch), alle von F. Freiligrath übersetzt.

Hooft, Pieter Corneliszoon, 16.3.1581-21.5.1647, niederländischer Schriftsteller und Geschichtsschreiber; bedeutender Repräsentant der niederländischen Renaissancedichtung; als Amtmann auf Schloss Muiden Mittelpunkt eines Kreises von Dichtern und Musikern (Muiderkring). Hooft schrieb Gedichte, das Schäferspiel «Granida» (1605), das Lustspiel «Der wahre Narr» (1616, nach Plautus’ «Aulularia») sowie ein großes Geschichtswerk «Niederländische Geschichtsbilder» (20 Bände, 1642/56); führte das klassische Trauerspiel in die niederländische Literatur ein.

Hoogstraten, Samuel van, 2.8.1627 bis 19.10.1678, holländischer Maler und Kunstschriftsteller, Schüler Rembrandts, thematisch sehr vielfältig, entwickelte besonderes Interesse für Probleme der Perspektive und Raumdarstellung.

Hooke, Robert, 18.7.1635-3.3.1703, englischer Physiker, verbesserte viele physikalische Instrumente (Barometer, Uhren), entdeckte um 1675 das nach ihm benannt Gesetz und veröffentlichte 1665 Ergebnisse mikroskopischer Beobachtungen; als erster entdeckte er Pflanzenzellen am Kork.

Hookesches Gesetz: (nach R Hooke) Gesetz, nach dem der Zusammenhang zwischen den in einem elastischen Medium herrschenden Spannungen und den damit verbundenen Deformationen linear ist. Im einfachsten Fall homogener isotroper elastischer Körper lautet das Hookesches Gesetz für einachsige Beanspruchung a=Ee (mit Normalspannung a, Dehnung e und Elastizitätsmodul £), bei Schubbeanspruchung T = Gy (mit Schub- oder Scherspannung t, Schiebung oder Scherung y und Schub-, Scher-, Gleit- oder Torsionsmodul G); für allseitigen Zug oder Druck -AK/F = xp (mit relativer Volumenänderung AV/V, Druck p und Kompressibilität x). Die Moduln werden wie die Spannungen und der Druck in Pa = N/m2 gemessen. Das Hookesche Gesetz gilt für viele Materialien bei nicht zu großen Deformationen. Siehe auch Beanspruchungs-Dehnungs-Diagramm.

Hoorn, Philipp Graf von, 1518-5.6.1568, niederländischer Staatsmann und Admiral; während der niederländischen frühbürgerliche Revolution führender Vertreter der gemäßigten Adelsopposition gegen die spanische Fremdherrschaft; trat unter anderem für die Religionsfreiheit der Protestanten ein; auf Befehl des spanischen Statthalters Alba hingerichtet.

Hoover Damm: Talsperre am Mittellauf des Colorado, im Südwesten der USA (zwischen Arizona und Nevada); bis 1947 Boulder Dam; 221m hoch; staut den Lake Mead (658 km2, 36,7 Md. m3) auf, dient der Hochwasserregulierung, der Bewässerung, der Elektrizitätsgewinnung.

Hopfen, Humulus lupulus: bis 8 m hohe zweihäusige rechtswindende Schlingpflanze (Hanfgewächs) vorwiegend der Auwälder mit ausdauerndem Wurzelstock. Die in der Bierbrauerei verwendeten Fruchtstände der weiblichen Pflanze bilden keine Samen, haben aber stark entwickelte Duftstoffdrüsen, deren Sekret den würzig bitteren Geschmack des Bieres erzeugt und es haltbarer macht.

Hopkins, Harry Lloyd, 17.8.1890-29.1.1946, US-amerikanischer Politiker; engster Mitarbeiter von Präsident F. D. Roosevelt (1940/45), Verfechter einer engen Zusammenarbeit mit der UdSSR.

Hopkinson, John, 27.7.1849-27.8.1898, britischer Elektrotechniker; erarbeitete Grundlagen zur Konstruktion elektrischer Generatoren, erfand das Dreileitersystem und erweiterte die Anwendungsmöglichkeiten von Wechselstrom und Wechselstrommaschine.

Hopliten: nach ihrem großen Schild (Hoplon) benannt altgriechische schwerbewaffnete Fußtruppen, die sich auf eigene Kosten auszurüsten hatten und den Kern des Bürgerheeres der Polis bildeten; wurden seit dem 4. Jahrhundert vor Christus zunehmend durch Söldner ersetzt.

Hoppegartener Husten, Pferdeinfluenza: eine akut verlaufende Viruserkrankung des Atmungstraktes bei Einhufern aller Altersstufen, die erstmals auf der Rennbahn Hoppegarten beobachtet wurde; auffälligstes Symptom ist quälender Husten. Bei absoluter Ruhigstellung der Tiere ist eine Heilung möglich.

Hora: rumänischer Volkstanz im geschlossenen Kreis, mit zahlreichen regionalen Varianten; gehört zur Gruppe der balkanischen Kolo-Tänze.

Hora, Josef, 8.7.1891-21.6.1945, tschechischer Schriftsteller; war mit seinen Abhandlungen («Kultur und Klassenbewusstsein», 1922), Romanen («Das Hungerjahr», 1926) und Lyrik («Arbeitender Tag», 1920) ein Hauptvertreter der proletarischen Literatur; Höhepunkt seiner gedankentiefen Lyrik waren die antifaschistischen Gedichte («Heimat», 1938; «Jan der Geiger», 1939).

Hörapparat, Hörhilfe: elektronisches batteriebetriebenes Gerät zur Verstärkung und Anpassung von akustischen Signalen zum Ausgleich von Schwerhörigkeit.

Horatier: altrömische Patriziergeschlecht; Publius Horatius Codes soll angeblich 507 vor Christus die Verteidigung der Tiberbrücke in Rom gegen das Heer des Etruskerkönigs Porsenna geführt haben.

Horaz, Quintus Horatius Flaccus, 8.12.65-27.11.8 vor Christus, römischer Lyriker; Sohn eines Freigelassenen, von Vergil bei Maecenas eingeführt. Mit den 4 Büchern seiner Oden, auch «Carmina» (Lieder) genannt, bürgerte er das äolische Lied von Alkaios und Sappho in Rom ein. In den beiden Satirenbüchern greift er kritisch, aber taktvoll Lebensführung, soziale Probleme, menschliche Schwächen an; in seinen in Hexametern abgefassten Briefen tritt Autobiographisches hervor. Durch seine Sprachdisziplin, Kraft und Sprachkunst wurde Horaz Vorbild lyrischen Schaffens.

Hörbiger, Paul, 29.4.1894-5.3.1981, österreichischer Schauspieler; spielte anfangs an Berliner, später an Wiener Bühnen, wurde aber insbesondere durch viele Unterhaltungsfilme bekannt («Lumpacivagabundus», «Der liebe Augustin», «Schrammeln», «Hallo, Dienstmann!», «Der Alpenkönig und der Menschenfeind»), denen er durch seinen liebenswürdigen Wiener Charme ein eigenes Gepräge gab.

Hörbild: Sendeform des Rundfunks, die orts- oder objektbezogen über Ereignisse und Zusammenhänge journalistischer Aussagen trifft und durch dokumentarische Exaktheit und (vorwiegend) literarischen Stilmittel gekennzeichnet ist. Siehe auch Hörfolge.

Horde: Völkerkunde Vereinigung mehrerer, in männlicher Linie blutsverwandter Familien zu einer unter Führung älterer, erfahrener Männer stehenden Gruppe mit gemeinsamem Lagerplatz. Auch Bezeichnung für die ehemaligen Stammesbünde mongolische und turktatarische Völker (zum Beispiel Goldene Horde); übertragen wilde Schar, zügelloser Haufen.

Hordenin, Anhalin: in zahlreichen Pflanzen vorkommendes biogenes Amin. Hordenin bildet farblose, wasserlösliche Kristalle; F 118 °C. Es hat eine nikotinartige Wirkung auf den menschlichen Organismus.

Horen: griechische Göttinnen der Jahreszeiten, den Menschen wohlgesinnt; seit Hesiod Ordnung schaffende und erhaltende Mächte, Eunomia (Ordnung), Dike (Gerechtigkeit) und Eirene (Frieden) genannt.

Horen, Die (nach den Göttinnen): von F. Schiller gegründet Literaturzeitschrift der deutschen Klassik (1795/97); Mitarbeiter waren u. a. J. G. Fichte, J. W. Goethe, J. G. Herder, F. Hölderlin, A und W. von Humboldt, A. W. Schlegel und J. Voß.

Hörfolge: journalistische und künstlerische Mittel nutzende mehrteilige Sendeform des Rundfunks, die in ihrer Gestaltung Gemeinsamkeiten mit dem Feature aufweist. Siehe auch Hörbild.

Horia aus Albac, Horea, eigentlich Nicola Vasile Ursu, 1730-28.2.1785 (hingerichtet), rumänischer Bauernführer; leitete gemeinsam mit Crijan den Bauernaufstand von 1784/85 in Siebenbürgen (Transilvania).

Hörigkeit: im Feudalismus die mehr sachliche, erst in zweiter Linie persönliche Abhängigkeit (sogenannt Halbfreiheit) meist selbstwirtschaftender Bauern vom Feudalherren; die Bauern waren verpflichtet, Frondienste und Abgaben zu leisten.

Horizont: 1. Astronomie: Schnittlinie der Himmelskugel mit der Ebene (Horizontebene) durch den Standort des Beobachters, auf der die Lotrichtung senkrecht steht (scheinbarer Horizont), beziehungsweise mit der zur Horizontebene parallelen Ebene durch den Erdmittelpunkt (wahrer Horizont). Der Horizont teilt die scheinbare Himmelskugel in eine sichtbare und eine unsichtbare Hälfte.

2. Geologie: Schicht innerhalb eines Schichtenkomplexes, die sich durch bestimmte Merkmale von ihrer Umgebung abhebt.

Horizontalinstallationssystem: industriell vorgefertigtes Elektroinstallationssystem für Wohnbauten mit in Dämmschichten oder in Fuß- und Wandleistenkanälen verlegten Leitungen, angepassten Steckdosen und Drucktasten für die im Zentralverteiler angeordneten Installationsfernschalter (IF-Schalter).

Horizontalschub: waagerechte Kraft, die zum Beispiel von Gewölben oder Bogenträgern auf Mauern und Pfeiler ausgeübt wird.

Horkheimer, Max, 14.2.1895-7.7.1973, Philosoph; neben T. W. Adorno Mitbegründer der Frankfurter Schule; beschäftigte sich mit geschichtsphilosophischen Fragen und strebte eine Revision des historischen Materialismus an.

Hormone: biologisch aktive, in kleinen Mengen wirksame Substanzen, die aus bestimmten Organen und Geweben in die Blutbahn gelangen und an anderen Organen und Geweben ihre Wirkungen entfalten. Hormone verbinden so verschiedene Organe miteinander und erfüllen koordinierende und regulierende Funktionen im Gesamtorganismus. Nach ihrem Bildungsort unterscheidet man Drüsenhormone, die in spezialisierten endokrinen Drüsen gebildet werden, Neurohormone aus neurosekretorische Zellen und Gewebshormone. Chemisch sind Hormone unterschiedliche Substanzen, die sich in 4 Gruppen einteilen lassen: Proteohormone, Steroidhormone und Hormone, die sich von Amino- oder Fettsäuren ableiten. Die Wirkung der Hormone ist aufeinander abgestimmt und unterliegt einer vielfältigen Regulation. Damit kann der Organismus auf sich ändernde Umwelteinflüsse (Ernährung, Belastung unter anderem) reagieren. Abweichungen in der Regulation der Hormonbildung und -Sekretion führen zu Stoffwechselstörungen.

Hormonentzugsblutung, Abbruchblutung: uterine Blutung bei Absinken der Hormonproduktion der Eierstöcke oder bei Absetzen der medikamentös zugeführten Hormone (Östrogene, Progesteron).

Hormonpräparate: Hormone, zum Beispiel Glukokortikoide, Insulin, Thyroxin, Östrogene, Progesteron, enthaltende Arzneimittel, die aus den entsprechend Organen von Schlachttieren oder synthetisch gewonnen werden. Sie werden verwendet, um eine zu geringe körpereigene Produktion des betreffenden Hormons zu ersetzen (Substitution) oder zur unterstützenden Behandlung anderer Erkrankungen, zum Beispiel Glukokortikoide bei Überempfindlichkeitsreaktionen.

Hormus, Straße von: Meeresstraße in Vorderasien, verbindet den persischen Golf mit dem Golf von Oman; 60 bis 100 km breit; wichtiger internationaler Schifffahrtsweg. 

Horn: 1. aus Keratinen bestehende Bildungen der Epidermis der Wirbeltierhaut für besondere mechanische Beanspruchung (zum Beispiel Schnabel, Hörner, Nägel, Krallen, Hufe).

2. Hupe.

3. Horn, Waldhorn: Blasinstrument aus mehrmals im Kreis gewundenem konischem Messingrohr mit trichterförmigem Mundstück und weiter Stürze. Durch verschieden lange auswechselbare Setzstücke entstand das Inventionshorn um 1815 das mit 3 Ventilen zum Verändern der Schallrohrlänge versehene Ventilhorn, das durch die damit mögliche Voll-Chromatisierung zum wichtigen Orchesterinstrument wurde. Das vor dem üblichen ventillose Naturhorn, das nur über die Naturtöne verfugte, und das schon aus urgeschichtlicher Zeit bekannte leicht gebogene Tierhorn gestatteten nur relativ wenige Töne mit Signalcharakter (zum Beispiel zur Jagd); siehe auch Jagdhorn, Signalhorn.

Hornbackbaby: Haut junger Krokodile mit charakteristischen höckerartigen Erhebungen.

Hornblower, Jonathan Carter, 5.7.1753-14.3.1815, britischer Dampfmaschinenbauer, baute die Compoundmaschine (patentiert 1781) mit mehreren Zylindern und 1800 das Doppelsitzventil.

Hornbostel, Erich Moritz von, 25.2.1877 bis 28.11.1935, österreichischer Musikwissenschaftler, trug mit hervorragenden Arbeiten zur außereuropäischen Musik wesentlich zur Entwicklung der Musikethnologie bei; mit Beiträgen zur Akustik, Instrumentenkunde und Tonpsychologie förderte er die moderne systematische Musikwissenschaft.

Hörnchen, Sciuridae: Familie der Nagetiere mit meist dicht und weich behaarten, pflanzenfressenden Vertretern. Die Erdhörnchen (Murmeltiere, Präriehunde, Burunduk, Ziesel unter anderem) und die Baumhörnchen (Eichhörnchen, Grauhörnchen unter anderem) sind vorwiegend tagaktiv. Dämmerungs- oder nachtaktiv sind die zu Gleitflug befähigten Flughörnchen.

Horner-Schema: (nach einem britischen Mathematiker) Algorithmus für die Division eines Polynoms durch einen Linearfaktor, wobei sich ein neues Polynom ergibt. Die neuen Koeffizienten b, und der Rest R werden berechnet. Die untereinanderstehenden Terme im Horner-Schema werden also addiert, wobei man von links beginnt und den neuen Koeffizienten für die nächste Spalte jeweils mit x0 multipliziert. R liefert den Wert des Polynoms.

Hornfels, Kontakthornfels: dichtes, meist dunkles, splittrig-brechendes Gestein, durch Kontaktmetamorphose (Metamorphose 3) entstanden; Splitt- und Schottermaterial.

Hornfrösche, Ceratophrys: bis 20 cm lange, farbenprächtige Froschlurche mit kräftigem Gebiss, Hautverknöcherungen und hornförmigen Hautzipfeln über den Augen; leben in Wäldern Südamerikas.

Hornhautentzündung, Keratitis: Entzündung aller oder einzelner Hornhautschichten des Auges; die Hornhautentzündung führt zur Eintrübung der sonst durchsichtigen Hornhaut und zur Beeinträchtigung des Sehvermögens. Die häufigsten Ursachen der Hornhautentzündung sind Verätzungen oder Infektionen mit Bakterien, Viren und pathogenen Pilzen sowie Störungen der Schutzmechanismen (Tränen, Lider, Bindehaut).

Hornhautkegel, Keratokonus: kegelförmige Vortreibung der Hornhaut des Auges durch krankhafte Verdünnung des Hornhautstromas (Hornhauthauptschicht); meist in der Pubertät beginnend, erblich oder endokrin bedingt.

Hornhautübertragung, Keratoplastik: Transplantation gesunder Spenderhornhaut (teilweise oder ganz) mit dem Ziel, Hornhauttrübungen zu beseitigen und das Sehvermögen wieder herzustellen.

Hornhecht, Belone belone: bis 1 m langer Raubfisch gemäßigter Meere mit langem schnabelartigem Maul; Speisefisch (Gräten werden beim Kochen grün).

Hornisse, Vespa crabro: größte mitteleuropäische Faltenwespe; Königin bis 35 mm lang; bildet in kopfgroßen Nestern an Dachbalken oder in Baumhöhlen Staaten; Stich schmerzhaft, mehrere Stiche können gesundheitliche Schäden verursachen.

Hornissenschwärmer, Aegeria apiformis: in Gestalt und Färbung einer Hornisse ähnelnder Glasflügler, dessen Raupe im Holz von Pappel, Weide unter anderem lebt.

Hornkraut, Cerastium: artenreiche Gattung der Nelkengewächse mit weißen Blüten und Kapselfrüchten; heimisch ist zum Beispiel das Acker-Hornkraut (Cerastium arvense).

Hornmilben, Oribatei: Milben mit bis zu 1 mm langen, stark gepanzerten, runden, meist dunkelgefärbten Arten; langsam laufende Bodenbewohner; verzehren Pilzhyphen, Algen, Pollen und besonders Falllaub, wodurch sie eine wichtige Rolle bei der Humusbildung spielen.

Hornmoose, Anthocerotales: Ordnung der Lebermoose; Thallus gelappt, wenige Zentimeter groß; Kapsel ungestielt, hornförmig; auf Äckern vorkommend.

Horny, Franz Theobald, 23.2.1798-23.6.1824, Maler und Graphiker; trotz Begegnung mit den Nazarenern in Rom und Olevano lässt sich bei Horny kaum eine Beziehung zur religiös oder historisch orientierten Romantik nachweisen. Seine fein empfundenen Landschaftsdarstellungen sind für die Entwicklung des malerischen Realismus im 19. Jahrhundert von Bedeutung.

Höroldt, Herold, Johann Gregor, 6.8.1696-26.1.1775, Porzellanmaler, seit 1720 an der Meißner Porzellanmanufaktur tätig, die er bald allein bis 1765 leitete; entwickelte die Technik der farbigen Porzellanmalerei, wodurch der erste künstlerische Höhepunkt in der Manufaktur erreicht wurde.

Horometer: Sternuhr, die im Mittelalter Astronomen zur Zeitermittlung bei Nacht diente. Das Gerät bestand aus 4 konzentrischen Scheiben und einem Lineal, mit dem Sterne des Großen Bären und der Polarstern angepeilt wurden.

Horov, Pavol, 25.5.1914-29.9.1975, slowakischer Dichter; wurde durch das Grunderlebnis Krieg zu mahnendem Totengedenken in «Défilé» (1947, deutsch) inspiriert und verband es in der «Ballade vom Traum» (1960) und in anderen Lyrikbänden mit dem Heimatthema zu einem Bild vom Weg der Revolution. In «Der unterirdische Fluss» (1972) und «Assonanzen» (postum 1976) erörtert er den Sinn des Lebens.

Hörprüfung: Prüfung der Hörweite sowie des Sitzes oder des Grades einer Schwerhörigkeit. Mit Hilfe der Flüster- und Umgangssprache und einer kontinuierlichen Stimmgabelreihe werden im schallarmen Raum die für Erkennung, Behandlung und Prognose der Ohrerkrankungen erforderlichen Funktionsprüfungen vorgenommen. Die Hörprüfung erfolgt vorwiegend durch audiometrisches Verfahren, die Hörschwellen- und Lokalisationsbestimmungen gestatten. Auch das Sprachverständnis wird audiometrisch ermittelt. Siehe auch Audiometer.

horrend: übermäßig hoch oder groß.

horribel: grauenerregend, fürchterlich, schrecklich.

Horror: Schauder, Entsetzen; Abscheu.

Hörschwelle: größte Hörempfindlichkeit beziehungsweise geringste Intensität des Schalles (10~5 N/m2), die gerade zu einer Hörwahrnehmung eines 1000-Hz Testtones führt.

Hörselberge: Muschelkalkrücken östlich von Eisenach; bis 484 m (Großer Hörselberg), durch das von der Hörsel (rechter Nebenfluss der Werra) durchflossene Hörseltal vom Thüringer Wald getrennt; zahlreiche Höhlen; Sagenschauplatz.

Hörspiel: künstlerisches Genre des Rundfunks, das in Anlehnung an kammerspielartige Dramatik alle Vorzüge des auditiven Mediums ausschöpft. Die eigenständige Hörspieldramaturgie erreicht die spezifische Wirkung des Hörspiels durch die Kombination von Wortkunst und sujet bezogenen musikalischen Elementen und Geräuscheffekten.

Horst: 1. Botanik: büschelige Wuchsform vieler Gräser, die durch Austreiben unterer Achselknospen zustande kommt.

2. Geologie: ein relativ zu seinen Nachbargebieten an Verwerfungen gehobenes Krustenstück, zum Beispiel Thüringer Wald.

3. Jagdwesen: Nest der Greifvögel, Störche, Reiher, Kraniche und von Rabenarten.

Hörsturz: plötzlich auftretende, meist einseitige Innenohrschwerhörigkeit bis Taubheit bei einem scheinbar Gesunden; ursächlich kommen Durchblutungsstörungen oder entzündliche Prozesse im Innenohr-Hörnerven-Bereich in Frage.

Hortensie, (nach dem französischen weiblichen Vornamen Hortense) Hydrangea: Gattung halbstrauchiger Steinbrechgewächse; die Blüten mit großem weißem, blauem oder rosarotem Kelch bilden Trugdolden oder Rispen; Zierpflanze.

Hortensius: 1. Quintus, römischer Diktator 287 vor Christus; durch ein Gesetz (Lex Hortensia) bewirkte er, dass die Plebiszite den Gesetzen gleichgestellt wurden. Das war das Ende des sogenannten Ständekampfes in Rom.

2. Hortensius, Quintus Hortensias Hortaius, 114-50 vor Christus, römischer Redner und Jurist; 69 Konsul, Anwalt in berühmten Prozessen in Rom, anfangs teilweise gegen Cicero. Später trat er gemeinsam mit Cicero als Verteidiger auf. Hortensius war ein Vertreter des Asianismus.

Hortfund, Depotfund: Fund verschiedener ur- und frühgeschichtliche Gegenstände (Schmuck, Waffen, Werkzeuge), die gleichzeitig in den Erdboden gelangten, ohne Grabbeigaben zu sein; werden als Sippenbesitz, Votivfund unter anderem gedeutet.

Horthy, Mildös, 18.6.1868-9.2.1957, ungarischer faschistischer Politiker, 1918 letzter Befehlshaber der österreichisch-ungarischen Seekriegsflotte; als Anführer der konterrevolutionären «Nationalarmee» für den blutigen Terror nach dem Sturz der ungarischen Räterepublik 1919 verantwortlich; 1920/44 Reichsverweser Ungarns; betrieb eine Chauvinist, aggressive Politik gegen Nachbarstaaten; führte Ungarn 1941 an der Seite Hitlerdeutschlands in den Krieg gegen die UdSSR, überließ im Oktober 1944 die Macht den faschistischen Pfeilkreuzlern.

Hortobägy: Teillandschaft von Nagykun-Säg, früher ausschließlich Grassteppe (Puszta) mit extensiver Weideviehzucht (Schafe, Rinder, Pferde); seit Anfang der 50er Jahre durch Bewässerung (Kanalsystem der Theiß) zum Teil intensive landwirtschaftliche Nutzung (Weizen-, Reis-, Futterpflanzenanbau, Viehzucht, Fischteiche); Nationalpark (520 km2) mit einem Restgebiet der Puszta.

Horus, Horos, altägyptischer Himmels- und Königsgott in Gestalt eines Falken, Sohn der Isis und des Osiris.

Horvath, Ödön von, 9.12.1901-1.6.1938, österreichischer Schriftsteller; verfasste in der satirischen Tradition J. N. Nestroys sozialkritische, zum Teil antifaschistische Volksstücke, deren psychologisch-realistisch gezeichnete Helden zumeist Proletarier und deklassierte Kleinbürger sind («Geschichten aus dem Wiener Wald», 1931), Roman «Ein Kind unserer Zeit» (1938).

hörverbessernde Operation, Tympanoplastik: mikrochirurgische Maßnahmen am Trommelfell (Trommelfellersatz) und im Mittelohr (Ersatz oder Wiederaufbau der Gehörknöchelchenkette) zur Reduzierung oder Beseitigung von Schalleitungsstörungen.

Horyu-ji: japanische buddhistische Tempelanlage bei Nara, 607 gegründet; ihre Bauten sind wertvolle Zeugnisse für die Übertragung des Stils der chinesischen buddhistischen Architektur nach Japan und bergen zahlreiche bedeutende Kultplastiken aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus.

Hörzeichen: akustische Informationen für Fernsprechteilnehmer in Form von 450-Hz-Impulsfolgen. Nach Abheben des Hörers ertönt bei freiem Wähler das Wählzeichen (Amtszeichen), das aus Kurz Lang-Wechselstromimpulsen besteht. Steht beim Amt kein freier Wähler zur Verfügung beziehungsweise führt der gerufene Teilnehmer bereits ein Gespräch, wird das Besetztzeichen in Form von Kurz-Kurz-Impulsen gesendet. Nach Durchschaltung betätigt das Rufzeichen (Freizeichen) im 10-s-Rhythmus den Wecker des angerufenen Fernsprechapparates.

Hosalla, Hans Dieter, geboren 8.12.1919, Komponist; ist seit 1956 Musikdirektor beim Berliner Ensemble; schreibt Theater- und Filmmusiken.

Hosemann, Theodor, 24.9.1807-15.10.1875, Maler und Graphiker, vorwiegend Illustrator; mit seinen humorvoll-sachlichen Schilderungen des Berliner Volkslebens sowie den Darstellungen revolutionärer Ereignisse von 1848/49 ist sein Schaffen für die Berliner realistische Kunst des 19. Jahrhundert sehr bedeutsam geworden.

Hosena: Gemeinde im Kreis Senftenberg, Bezirk Cottbus; 2 500 Einwohner; Metallleichtbau.

Hosenbandorden, Georgsorden (nach dem Heiligen Georg): höchster englischer Orden, 1350 gestiftet; Ordenszeichen ist unter anderem ein dunkelblaues Samtband, mit goldener Schnalle unter dem linken Knie befestigt, mit der Devise Honni soit qui mal y pense (Ehrlos sei, der Schlechtes dabei denkt).

Hosenrolle: im Theater von einer Frau gespielte Männerrolle beziehungsweise Frauenrolle, die eine Verkleidung als Mann erfordert.

Hosianna, Hosanna beide (hebräisch, «Hilf (doch)!»): zunächst israelitischer Gebetsruf, dann auch Begrüßungsruf; auch in der christlichen Liturgie.

Hospital: veraltet für Krankenhaus.

Hospitalet: Stadt im Nordosten Spaniens, südwestlich der Stadt Barcelona; 295000 Einwohner; wichtiger Industriestandort mit Stahl-, Textil-, chemische und Glasindustrie.

Hospitalismus: 1. negative Entwicklung der Persönlichkeitsstruktur, insbesondere Mangel an Initiative und Selbstvertrauen sowie an emotional-ethischer Differenziertheit, bei Kindern in schlecht geführten Heimen.

2. Erkrankung an resistenten Keimen, die durch mangelhafte Hygiene in Gesundheitseinrichtungen heimisch sind.

Hospitation: Besuch einer Lehrveranstaltung zum Zwecke des Erfahrungserwerbs und -austauschs oder der Kontrolle der Lehrenden und Lernenden.

Hospiz: ursprünglich von Mönchen in einsamen Gegenden angelegte Raststätte; jetzt Bezeichnung für christliche Beherbergungsstätte.

Hostess: Angestellte mit Fremdsprachenkenntnissen zur Betreuung von Gästen im Fremdenverkehrswesen, auf Messen, Ausstellungen unter anderem.

Hostie: (dat. «Opfer(tier)») die seit dem frühen Mittelalter gebräuchliche Oblate an Stelle des Brotes beim Abendmahl in der katholischen und lutherischen Kirche.

Hotan, Chotan, Khotan: 1. Hotan, Hetian He: rechter Nebenfluss des Tarim, im Nordwesten Chinas; 1040 km; entspringt mit 2 Quellflüssen, die sich nördlich von Hotan 2 vereinigen, im Kunlun und durchfließt die Taklimakan; nur etwa 25 % seiner Wassermenge erreicht den Tarim.

2. Hotan, Hetian (xotien): alte Handelsstadt in China, im Autonomen Gebiet Xinjiang Uygur, im Südwesten des Tarimbeckens; über 50000 Einwohner; Zentrum der Seidenindustrie dieses Gebietes, ferner Teppichproduktion und Jadeverarbeitung; Flughafen.

Hotbox-Verfahren: (englisch) Gießerei Kernherstellungsverfahren mit erwärmten Kernkästen, in denen warmhärtender Kernformstoff verarbeitet wird.

Hotel: Beherbergungseinrichtung der Gastronomie, meist mit niveauabhängigem Verpflegungs-, Unterhaltungs- und weiterem Dienstleistungsangebot.

Hotflue: Heißlufttrockenmaschine der Textilfärberei und -druckerei.

Hotmelt-Verfahren, Heißschmelzkleben: buchbinderischen Verfahren, bei dem 2 Teile mittels thermoplastische Schmelzharze verbunden werden, hot money heißes Geld.

Hot spot: hypothetisch begrenzte Schmelzregion im Erdmantel unter der Basis der Lithosphäre, wenige 100 km im Durchmesser und wenigstens einige 10 Millionen Jahre bestehend; die Existenz der Hot spots wird aus vulkanische Tätigkeit im Hangenden gefolgert.

Hottentottenschürze: (afrikaans + deutsch) bei den Frauen der Hottentotten und Buschmänner häufig erbliche Verlängerung der kleinen Schamlippen, die in extremen Fällen bis zu 20 cm betragen kann. Hottentottensteiß Steatopygie.

Hottentottenwahlen: (afrikaans + deutsch) Bezeichnung für die Reichstagswahlen vom 25.1.1907. Sie wurden, veranlasst durch die Auflösung des Reichstages nach der Ablehnung von der Regierung beantragter Mittel für den Kolonialkrieg gegen die aufständischen Khoi (Hottentotten), Hereros und Nama in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia), von der Regierung und den bürgerlichen Parteien durch eine chauvinistische Propagandakampagne bis dahin nicht gekannten Ausmaßes vorbereitet. Der sogenannte Bülow-Block, eine aus Konservativen, Nationalliberalen und Freisinnigen bestehende Parteiengruppierung, erlangte die Reichstagsmehrheit.

Houdon, Jean Antoine, 20.3.1741-15.7.1828, französischer Bildhauer; Hauptmeister der französischen Bildniskunst im Klassizismus. Seine Büsten von Repräsentanten der Aufklärung sind auf Wiedergabe des Natürlichen und der individuellen Physiognomie gerichtet, wodurch sie sich vom Pathos barocker Porträtkunst ebenso unterscheiden wie von der idealisierenden Erstarrung des Klassizismus.

Houphouët-Boigny, Félix, geboren 18.10.1905, Politiker der Republik Elfenbeinküste; stammt aus einer Häuptlingsfamilie; Plantagenbesitzer, Arzt; 1946/58 Präsident der demokratischen Vereinigung Afrikas. Houphouët-Boigny kollaborierte seit 1950/51 mit der französischen Kolonialmacht. Seit 1960 ist er Staatspräsident und arbeitet eng mit Frankreich unter anderem imperialistischen Mächten zusammen.

Hourdis: gebrannte lange Tonhohlplatten zur Herstellung ebener Steindecken.

Houston: Stadt im Bundesstaat Texas (USA); 1,6 Millionen Einwohner, als Agglomeration 2,9 Millionen Einwohner; bedeutendste Stadt im Südwesten der USA, Zentrum der Erdölförderung und -Verarbeitung; Petrolchemie, Eisen- und Nichteisenmetallurgie, Kautschuk-, Maschinen-, Flugzeug-, Baumwoll-, Lebensmittel-, Konfektions-, Papierindustrie; Baumwollhandel; großer Hafen am 80 km langen Kanal zum Golf von Mexiko, Mittelpunkt eines verzweigten Netzes von Erdöl- und Erdgasrohrleitungen; südöstlich von Houston internationaler Flughafen, NASA-Anlagen und Kontrollzentrum für Weltraumflüge; 5 Universitäten.

Hovercraft: (englisch to hover, «schweben», + craft, «Fahrzeug») im eigentlichen Sinn Bezeichnung für britische Typen der Luftkissenfahrzeuge, im weiteren Sinne Bezeichnung für diese Fahrzeugart.

Howe, Elias, 9.7.1819-3.10.1867, US-amerikanischer Mechaniker; erfand 1845 eine Doppelsteppstichnähmaschine mit Langschiffchen als Schlingenfänger, die etwa 300 Stiche/min ausführte.

Howells, William Dean, 1.3.1837 bis 11.5.1920, US-amerikanischer Schriftsteller und Kritiker; setzte sich in zahlreichen Romanen, wie «Die große Versuchung» (1885, deutsch), mit sozialen und moralischen Fragen der kapitalistischen Gesellschaft auseinander und war Förderer und Programmatiker der kritische realistische Literatur.

Hoyerswerda, sorbisch Wojerecy: Kreisstadt im Bezirk Cottbus, an der Schwarzen Elster, 71000 Einwohner; neben der Altstadt entstand seit 1955 die Wohnstadt des 12 km entfernten Braunkohlenkombinats «Schwarze Pumpe»; Bau- und Montagekombinat Kohle und Energie; Großplattenwerk, elektronische Industrie; Alfred-Scholz-Halle, Freizeitzentrum, Planetarium; Renaissanceschloss (Heimatmuseum). Südlich von Hoyerswerda Naherholungszentrum Knappensee und Speicherbecken Lohsa (Stauraum 13,6 Millionen m3). Vermutlich im 12. Jahrhundert gegründet, 1423 Stadtrecht; Gründungsort der Domowina (1912).

Hoyle, Sir Fred, geboren 24.6.1915, britischer Astrophysiker; leistete zahlreiche theoretische Beiträge zur Sternentwicklung, zur Entstehung der chemischen Elemente, zur Planetenkosmogonie, zur relativistische Astrophysik und zur Kosmologie.

Hrabal, Bohumil, geboren 28.3.1914, tschechischer Erzähler; gilt mit seinen anekdotische Erzählungen von kleinen Leuten, wie «Tanzstunden für Erwachsene und Fortgeschrittene» (1964, deutsch), «Reise nach Sondervorschrift, Zugablauf überwacht» (1970, deutsch), als ein Nachfolger J. Haäeks; Deutsch Auswahl «Wollen Sie das goldene Prag sehen?» (1981) unter anderem.

Hrabanus Maurus, um 776-856, Gelehrter und Pädagoge; war als Abt (822/41) und Leiter der Klosterschule Fulda an der Verbreitung wissenschaftlicher Bildung beteiligt («Praeceptor Germaniae», «Lehrer Deutschlands»).

Hrdlicka, Alfred, geboren 27.2.1928, österreichischer Bildhauer, Maler und Graphiker; 1946/53 Studium an der Wiener Akademie der Bildenden Künste, seit 1968 Mitglied der Wiener Sezession. Mittelpunkt seines realistischen bildhauerischen und graphischen Schaffens ist die menschliche Figur, die als leidend, versehrt und bedroht dargestellt wird. Seine Werke sind Ausdruck scharfer Kritik an der spätbürgerlichen Gesellschaft. Korrespondierendes Mitglied der AdK der DDR.

Hron: linker Nebenfluss der Donau; 284 km; entspringt in der ÖSSR im Osten der Nizke Tatry, mündet gegenüber Esztergom (Ungarn).

Hrotsvit, Hrotsvitha, Roswitha von Gandersheim: um 935-um 980, erste namentlich bekannte deutsche Dichterin, Nonne aus sächsischen Adelsgeschlecht; schrieb Heiligenlegenden und historische Darstellungen der Ottonenzeit in lateinischen Hexametern, lateinisches Lesedramen als Gegenstücke zu den unchristlichen Dramen des Terenz; älteste dichterische Gestaltung eines Faustmotivs (Rettung des Theophilus, der sich dem Teufel verschrieben hatte). Hron wurde 1501 von K. Celtis wiederentdeckt.

Hrozny, Bedrich, 6.5.1879-12.12.1952, tschechischer Assyriologe; 1915 Professor in Wien, seit 1919 in Prag; entzifferte 1915 hethitische Keilschriften sowie Hieroglypheninschriften; erkannte den indoeuropäischen Charakter der hethitischen Sprache.

Hrubin, František, 17.9.1910-1.3.1971, tschechischer Schriftsteller; seine Gedichte (deutsch Auswahl «Romanze für ein Flügelhorn», 1978) spiegeln das Ringen um Lebensbejahung wider und verteidigen das Lebensschöne; seine poesievollen Kinderverse wurden von berühmten Malern illustriert (deutsch Auswahl «Ein Bündel Märchen», 1975).

Hrusinsky, Rudolf, geboren 17.10.1920, tschechischer Schauspieler; spielte als Charakterdarsteller und Komiker an verschiedenen Theatern in Prag, seit 1960 am Nationaltheater, sowie in zahlreichen Filmen («Der brave Soldat Schwejk», «Ein launischer Sommer», «Der Rauch des Kartoffelfeuers», «Die wunderbaren "Männer mit der Kurbel», «Schwarze Sonne»).

h-s-Diagramm, Mollier-Diagramm (nach einem Physiker und Ingenieur), Wasserdampftafel: Diagramm mit den Zustandsgrößen Enthalpie (h; früher Zeichen i, daher oft noch als i-s-Diagramm bezeichnet) und Entropie (s) als Koordinaten zum Berechnen von Zustandsänderungen von Gasen und Dämpfen, das gestattet, bei Dampfkraftanlagen den Wärmeinhalt des Dampfes in Abhängigkeit von Druck und Temperatur rationell zu ermitteln.

H-Theorem: in der kinetischen Theorie Bezeichnung für den Entropiesatz nach der historischen Bezeichnung H für eine mit der Entropie S durch die Beziehung H = S/k (fc Boltzmann-Konstante) verknüpfte Größe; die Aussage, dass H bei der Entwicklung zum Gleichgewicht hin stets abnimmt, wurde von L. Boltzmann 1872 für ein aus einatomigen Molekülen bestehendes ideales Gas aus der Boltzmann Gleichung abgeleitet. Siehe auch Entropie 2, Hauptsätze der Thermodynamik.

Huai He: Fluss im Osten Chinas; 1087 km; entspringt im Huaiyang Shan in der Provinz Henan, durchfließt die Seen Hongze Hu und Gaoyu Hu im Mittellauf und mündet in den Unterlauf des Chang Jiang. Einst direkter Zufluss zum Meer, später 700 Jahre lang gemeinsames Flussbett mit dem Huang He. Nachdem dieser seinen Lauf nach Norden zur Bohai-Bucht änderte, bahnte sich der Huai He wegen Verschlammung seinen Weg nach Süden; Nebenflüsse: links Hong He, Ying He, Xifei He, Guo He, Kuai He; rechts Guan He, Shi He, Bi He. Seit 1949 durch 27 Talsperren und 17 Flussbecken (zum Teil noch im Bau) am Huai He und seinen Nebenflüssen weitgehend reguliert.

Huaiyang Shan: Mittelgebirgszug im Osten Chinas; 500 km lang; bis 1860 m; verläuft von Nordwesten nach Südosten als Tongbo Shan und Dabie Shan und dann von Südwesten nach Nordosten als Huo Shan und Zhangbaling, dabei zunehmend in flaches Hügelland übergehend; vorwiegend aus kretazisch-alttertiärem rotem Sandstein aufgebaut; bildet die Wasserscheide zwischen Huai He und Chang Jiang; in den höheren Lagen teilweise bewaldet.

Huambo: Stadt (Distriktzentrum) im zentralen Angola, an der Benguelabahn, 1700m überm Meer; früher Nova Lisboa; 65000 Einwohner; Lebensmittelindustrie; Eisenbahnwerkstätten, Chemiebetriebe; Handelszentrum; Flughafen; landwirtschaftliche Fakultät der Universität von Luanda.

Huancavelica: Stadt (Departements Zentrum) in Peru, in der Westkordillere, 3800 m überm Meer; 29000 Einwohner; in der Umgebung Silber-, Blei- und Quecksilberbergbau.

Huancayo: Stadt (Departements Zentrum) in Peru, am Rio Mantaro, 3 260 m über dem Meeresspiegel; 130000 Einwohner; Agrarhandelszentrum; in der Nähe Kohle- und Buntmetallbergbau.

Huang Chao, chinesischer Bauernführer; besetzte 880 die Hauptstadt der Tang-Dynastie und erschütterte so die Macht der Dynastie in einem der größten Bauernaufstände (874/84) der chinesischen Geschichte.

Huangdi, Gelber Kaiser, sagenhafter chinesischer Kaiser, lebte angeblich gegen Ende des 3.Jahrt. vor Christus; nach der Überlieferung der erste von 5 sagenhaften chinesischen «Urkaisern», die als myth. Schöpfer der chinesischen Kultur noch vor der Shang-Dynastie geherrscht haben sollen.

Huang He, Hwangho: größter Strom im Norden Chinas; 4845 km; entspringt im Bayankara Shan im Gebirgssystem des Kunlun, durchfließt im schluchtenreichen Mittellauf das Lößplateau, im Unterlauf die Nordchinesische Ebene und mündet in die Bohai-Bucht; Nebenflüsse: links Datong He, Fen He; rechts Tao He, Wei He, Luo He. Der Huang He ist der Strom mit der größten Sinkstoffführung der Erde (Löß (etwa 1,4 Md. t/ Jahr, davon gelangen über 40 % in das Gelbe Meer), Gelbfärbung des Wassers, deshalb auch «Gelber Fluss» genannt). Durch Sedimentation eines Teils der Sinkstoffe fortwährende Flussbetterhöhung (im Unterlauf 800 km als Dammfluss, zum Teil 20 m über Flur), so dass ständig neue Uferdammbauten, die bei Katastrophenhochwasser in der Vergangenheit oft brachen und zu Überschwemmungen und Laufverlegungen führten, notwendig sind. Der heutige Lauf besteht seit 1852; durch zahlreiche hydrotechnische Bauten, insbesondere durch eine Staustufenkette mit 46 Dämmen, darunter denen von Liukia (1963) und Sanmen (1962) sowie durch Meliorationsmaßnahmen im Einzugsgebiet weitgehend reguliert.

Huangshi: Stadt im Osten Chinas, in der Provinz Hubei, am Chang Jiang; 200000 Einwohner; wichtiges neues Industriezentrum der Provinz mit großem Eisenerzlager (Daye) in der Umgebung, Stahl- und Eisenproduktion, Kupferverhüttung, Kohleförderung, Kautschukindustrie und Holzverarbeitung; Eisenbahn nach Wuhan; Flusshafen.

Huascaran: erloschener und stark vergletscherter Vulkan in den Anden (Peru); Doppelgipfel mit 6768 m und 6755 m; durch Erdbeben am 31. 5.1970 ausgelöste Eislawinen (26 Millionen m3 Eis) und Mur Ströme (50 Millionen m3) vernichteten die am Bergfuß gelegene Stadt Yungay (15000 Einwohner).

Huaxteken, Huasteca: indianisches Volk in den mexikanischen Staaten Veracruz und Tamaulipas; 80000; Bodenbauer, Gewerbetreibende; alte präkolumbische Kultur.

Hub: (zu «heben») Kolbenhub, Takt: Wegstrecke eines Maschinenteils zwischen 2 Endlagen, zum Beispiel bei Verbrennungsmotoren der im Zylinder vom Kolben bei einer halben Kurbeldrehung zwischen den Totpunkten zurückgelegte Weg.

Hubble, Edwin Powell, 20.11.1889-28.9.1953, US-amerikanischer Astronom; Begründer der extragalaktischen Astronomie; entdeckte den nach ihm benannt Effekt.

Hubble-Effekt: (nach E. P. Hubble) die Tatsache, dass die Rotverschiebung der Spektren extragalaktische Sternsysteme (oder Nebel) linear mit der Entfernung zunimmt Dies wird als Doppler-Effekt gedeutet, das heißt, die Sternsysteme entfernen sich voneinander und vom Milchstraßensystem (Expansion des Weltalls, Nebelflucht). Die beobachtete zentrale Stellung des Milchstraßensystems ist jedoch nur eine scheinbare. Die Fluchtgeschwindigkeit v= Hr nimmt mit der Entfernung r zu, H ist die Hubble-Konstante. Ihr Wert liegt je nach Bestimmungsmethode zwischen 50 und 100 km/(s • Mpc).

Hubbuch, Karl, 21.11.1891-26.12.1979, Maler und Graphiker der BRD. Mit seinem realistischen graphischen Werk der 20er Jahre, das entschiedene Gesellschaftskritik und Parteinahme für die Arbeiterklasse zeigt, gehört Hubbuch zur sozial orientierten Richtung der «Neuen Sachlichkeit». Ab 1925 schuf er Gemälde, die zu den besten Leistungen der bürgerlich-kritischen Kunst gehören. 1933 folgten Entlassung aus dem Lehramt, Arbeits- und Ausstellungsverbot. Nach 1945 trug Hubbuch mit seinen Werken und als Lehrer an der Kunstakademie in Karlsruhe zur Entwicklung einer demokratischen und realistischen Kunst bei.

Hubei: Provinz in China, am Mittellauf des Chang Jiang; 187 500 km!, 48 Millionen Einwohner; 256 Einwohner/kmJ; Verwaltungszentrum Wuhan. Im Westen Bergland, im Osten Anschwemmebene des Chang Jiang, die von Gebirgszügen im Norden und Süden begrenzt wird; zahlreiche Seen; Monsunklima mit starken jährlichen Niederschlägen. An Bodenschätzen besonders Kohle, Eisenerz (Daye), Gips, Phosphor. Nach 1949 schnelle Entwicklung der Metallurgie, des Maschinen- und Schiffbaus, der elektrotechnischen, Textil- und Nahrungsmittelindustrie (Wuhan, Huangshi); Anbau von Reis, Mais, Weizen, Kaoliang (Sorghum Hirse Art), Bataten, Baumwolle und Raps; ausgeprägte Fischwirtschaft, in den Wäldern Tungöl- und Lackgewinnung; Eisenbahnknoten, Flussschifffahrt.

Hubel: vorgeformter, walzenförmiger Rohling aus keramischer Masse.

Hübener, Erhard, 4.8.1881-3.6.1958, Politiker, Staatswissenschaftler. Hübener übte in den Jahren der Weimarer Republik leitende Verwaltungsfunktionen aus; er wurde 1933 zwangspensioniert. Nach 1945 trat er aktiv für den demokratischen Neuaufbau ein; 1945 Mitbegründer der LDPD, 1945/46 Präsident der Provinzialverwaltung und 1946/49 Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt.

Huber: 1. Kurt Huber, 24.10.1893-13. 7.1943 (ermordet), antifaschistischer Widerstandskämpfer, Professor an der Universität München; nahm aktiv am Widerstand der Studentengruppe «Weiße Rose» teil.

2. Wolf Huber, gegen 1485-3.6.1553, österreichischer Maler und Graphiker, tätig in Passau; neben A Altdorfer wichtigster Vertreter der Donauschule; schuf zahlreiche Zeichnungen und auch Aquarelle nach der Natur. In den Gemälden sind religiöse Darstellungen in stimmungsvolle Landschaften eingebunden.

Hubertus, 656-30. 5. 727, Bischof von Lüttich; Schutzpatron der Jagd.

Hubertusburg: ehemaliges kursächsisches Jagdschloss bei Wermsdorf, südwestlich von Oschatz. Der Friede von Hubertusburg vom 15.2.1763 beendete den Siebenjährigen Krieg. Preußen wurde im Besitz des 1740 eroberten Schlesiens bestätigt.

Hubkolbenverdichter: Verdichter mit Schubkurbelgetriebe in ein- oder mehrzylindriger Bauart, wobei die Verdichtung durch hin- und hergehende Kolben oder elastische Membranen erreicht wird. entsprechend der Bauform mit Lage der Zylinder unterscheidet man zum Beispiel liegende, stehende, Boxer-, Winkel-, Sternbauarten.

Hubkupplung: hydraulisch betriebene Vorrichtung am Traktor zum Ankoppeln schwerer Aufsattel-Arbeitsmaschinen und Aufsattel-Transportfahrzeuge.

Hubmaier, Balthasar, um 1480-10.3.1528 (verbrannt), radikal-reformatorischer Prediger, Täuferführer; förderte als Prediger in Waldshut (heute im Süden Baden-Württembergs) 1524/25 das Bündnis der Stadt mit den aufständischen Bauern; war seit Ende 1525 einer der Führer der südwestdeutschen Täuferbewegung.

Hubraum, Hubvolumen: Teil des Zylinderraumes, den der Kolben bei seiner Bewegung zwischen den beiden Totpunkten ausfüllt. Der Hubraum errechnet sich aus Kolbenhub x Kolbenquerschnitt; meist in cm3 angegeben.

Hubschrauber, Helikopter: Luftfahrzeug schwerer als Luft, dessen Auf- und Vortrieb durch einen oder mehrere Rotoren erfolgt (Drehflügelflugzeug); besondere Vorteile sind Senkrechtstart und -landung sowie Schwebeflug. Hubschrauber werden in schwer zugänglichen unerschlossenen Gebieten zur Personenbeförderung, zum Gütertransport, im Rettungsdienst, bei der Brandbekämpfung, als «fliegender Kran» unter anderem eingesetzt. In den Streitkräften werden die Hubschrauber unterteilt in Kampfhubschrauber (zur Feuerunterstützung der Truppen, Bekämpfung von Panzern unter anderem gepanzerten Zielen sowie Seezielen), Transport-Absetz-Hubschrauber, Verbindungshubschrauber, Aufklärungshubschrauber unter anderem. Hubschrauber können mit Maschinengewehren, Kanonen, gelenkten und ungelenkten Raketen, Brandbehältern und so weiter bewaffnet sein. Größere Marinen fuhren Hubschrauber auf Schiffen verschiedener Bestimmung mit.

Hubstrahler, Turboplan: Luftfahrzeug, das seinen Auftrieb im Unterschied zu Starr- und Drehflügelflugzeugen nur durch die Schubkraft eines Luftstrahltriebwerks erhält. Hubstrahler starten und landen senkrecht mit Hilfe von Gas- und Strahlrudern; sie können sich nach allen Richtungen bewegen und am Ort drehen.

Hubtisch: Hebezeug, bei dem eine Plattform mit Personen und Lasten beziehungsweise nur mit Lasten gehoben und gesenkt wird, das heißt haben meist einen elektrohydraulischen oder pneumatischen Antrieb. Sie dienen unter anderem als Arbeitstische für Montagezwecke (zum Beispiel Auto Hubtisch beziehungsweise Autohebebühne).

Hubtor: Verschluss von Schleusen oder Schützenwehren, der zum Öffnen in einer Führungsschiene senkrecht gehoben wird, wobei Kontergewichte das Anheben erleichtern. Das Hubtor ist in strömendem Wasser leicht beweglich.

Hubwagen: Fahrzeug zum Transport von Paletten, Containern, Behältern und so weiter. Beim Niederhubwagen wird die Last mit einer Gabel (Gabelhubwagen) beziehungsweise einer Plattform (Plattformhubwagen) unterfahren und mit Handhebel oder Deckel hydraulisch angehoben. Beim Hochhubwagen wird die Last von oben angeschlagen (zum Beispiel mittels Spreaders); er dient insbesondere dem Übereinandersetzen mehrerer Ladeeinheiten (bis etwa 4 m, zum Beispiel Portalhubwagen, Torlader).

Huch: 1. Friedrich Huch, 19.6.1873-12.5.1913, Schriftsteller; Vetter von Huch 2; gestaltete in konservativer, bürgerlich-humanistischer Haltung kritisch die Welt des dekadenten Bürgertums, ohne zum Wesen der sozialen Probleme vorzudringen (Roman «Pitt und Fox. Die Liebeswege der Brüder Sintrup», 1909).

2. Ricarda Huch, 18.7.1864-17.11.1947, Schriftstellerin und Kulturhistorikerin; trat 1933 aus der Preußischen Akademie der Künste aus, setzte sich nach 1945 für die demokratische Neuordnung ein. Huch zählt zu den bedeutendsten bürgerlich-humanistischen Autorinnen des 20. Jahrhundert Lyrik und Erzählwerk ruhen auf realistische Traditionen. Verbundenheit mit sozial und national Unterdrückten bezeugen der Roman «Aus der Triumphgasse» (1902) und «Die Geschichte von Garibaldi» (1906/07). besonders mit ihrer poetisch-wissenschaftlichen Darstellung «Die Romantik» (1908) trug Huch zu deren Wiederentdeckung bei; «Der große Krieg in Deutschland» (1912/14) beweist ihr Verständnis für Leben und Leiden des Volkes sowie ihre leidenschaftliche Verurteilung des Krieges. Dem deutschen Widerstand gegen die Faschisten widmete sie das Buch «Der lautlose Aufstand» (1953, von G. Weisenborn vollendet). Huch verfasste auch Dramen, Biographien, Essays unter anderem.

Huchen, Donaulachs, Salmo hucho: 80 bis 160 cm langer, bis reichlich 50 kg schwerer lachsartiger Raubfisch des Donaugebietes; wertvoller Speisefisch.

Huckepackverkehr: kombinierter Kraftwagen-Eisenbahn-Güterverkehr, wobei der Kraftwagen die An- und Abfuhr der Fracht übernimmt und im Fernverkehr als Transportbehälter auf der Eisenbahn befördert wird.

Huddersfield: Stadt im mittleren England (Großbritannien), in der Großstadtgrafschaft West Yorkshire, südwestlich von Leeds; 125000 Einwohner; Traktorenbau, Woll- und Chemieseidenindustrie, Färbereien; Polytechnikum.

Hudeida: AI-Hudeida: Bezirksstadt in der JAR, am Roten Meer; 130000 Einwohner; Baumwoll-, Fischverarbeitung, Metallwarenherstellung, Kühlhäuser; moderner Hochseehafen (mit Hilfe der UdSSR 1959/61 ausgebaut), internationaler Flughafen, Straßenverbindung ins Landesinnere.

Hudson: Fluss im Nordosten der USA (New York); 493 km; entspringt im Adirondack-Gebirge, mündet bei New York in den Atlantischen Ozean; auf 245 km bis Troy schiffbar; durch Kanäle mit dem Sankt-Lorenz-Strom und den Großen Seen verbunden.

Hudson, Henry, um 1550-1611 (verschollen), englischer Seefahrer; unternahm seit 1607 mehrere Seereisen auf der Suche nach der Nordwestlichen Durchfahrt; entdeckte dabei 1609 den Hudson und 1610 die Hudsonbucht.

Hudsonbucht, Hudsonbai: flaches Randmeer im Nordwesten des Atlantischen Ozeans, das über die Hudsonstraße und die Labradorsee mit diesem verbunden ist; 1,232 Millionen km2, bis 274 m tief; nur von Juli bis Oktober eisfrei und wegen häufiger Nebel und Stürme berüchtigt; infolge des starken Einflusses auf das Klima Nordamerikas als «Eiskeller» oder «Kältespeicher» bezeichnet; für die Schifffahrt ohne größere Bedeutung; geringer Fischfang; an den in die James-Bucht im Süden mündenden Flüssen sind seit 1973 insgesamt 7 Stauanlagen (11531km2 Fläche) im Bau, zur Elektroenergiegewinnung sind 4 Kraftwerke mit 10776 MW Leistung geplant.

Hudsonstraße: Meeresstraße zwischen der Halbinsel Labrador und der Baffininsel; 820 km lang, bis 240 km breit und 603 m tief; nur 3 bis 4 Monate im Jahr eisfrei; verbindet die Hudsonbucht mit dem Atlantischen Ozean.

Hue: Stadt (Provinzzentrum) im mittleren Teil von Vietnam; 210000 Einwohner; Textil-, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie; Universität; Hochsee- und Fischereihafen, Flughafen; ehemalige Residenzstadt mit prunkvollem Kaiserpalast im chinesischen Stil (19. Jahrhundert) und Zitadelle. Hue war bis zum 11. Jahrhundert als Indrapura Hauptstadt von Champa, im 19. Jahrhundert war es Sitz der Kaiser Vietnams, wurde 1885 von französischen Kolonialtruppen okkupiert. Anfang 1968 war Hue Schauplatz erfolgreicher Aktionen der Befreiungsstreitkräfte.

Huelsenbeck, Richard, 23.4.1892-20.4.1974, Schriftsteller; antimilitaristischer Wortführer, Theoretiker und Chronist des Dadaismus («Dada siegt!», 1920; «Mit Witz, Licht und Grütze. Auf den Spuren des Dadaismus», 1957; schrieb Gedichte, Romane, Essays unter anderem.

Huelva: Stadt im Süden Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Huelva, am Golf von Cádiz; 130000 Einwohner; Erdöl- und Schwefelverarbeitung, Fischkonservenindustrie; Hafen (Ausfuhr von Südfrüchten und Erzen); Thunfisch- und Sardinenfang; Kolumbusstatue (34 m).

Huerta: meist künstlich angelegter, durch Kanäle mit Flusswasser gespeister und in Stadtnähe gelegener Fruchtgarten, vor allem im Süden und Osten Spaniens (Murcia, Valencia); intensiver Anbau von Zitrusfrüchten, Wein, Oliven, Reis, Mais, Weizen unter anderem, oft mehrere Ernten im Jahr möglich. Siehe auch Vega.

Huf, Ungula: Hornüberzug der Zehenendglieder der Huftiere, entspricht dem Finger- beziehungsweise Fußnagel des Menschen. Die Hufe der Paarhufer (Rind, Hirsch, Ziege unter anderem) werden als Klauen bezeichnet. Der Huf besteht aus der Hornkapsel (Hornschuh) sowie den zugehörigen Weichteilen und Knochen.

Hufe: alte deutsche Flächeneinheit (Feldmaß) für Besitzanteile an der Dorfflur, etwa 7 bis 15 ha. Landhufe = Normalhufe, Königshufe = doppelte Normalhufe Hufeisennasen, Rhinolophidae: Fledermäuse mit hufeisenförmigen Nasenlappen, die bei der Echopeilung als Richtstrahler dienen. In Deutschland leben vorwiegend in Wäldern die Große Hufe (Rhinolophus ferrumequinum) und die Kleine Hufe (R. hipposideros), beide unter Naturschutz.

Hufeisenniere, 1 Verschmelzungsniere, Ren arcuatus: angeborene Nierenmissbildung in Form eines Hufeisens. Beide Nieren sind über die Körpermitte durch Verwachsung der unteren Nierenpole verbunden. Hufeisenniere neigen häufig zu Entzündungen durch Harnabflussstörungen und Nierensteinbildung.

Hufeisenwürmer, Phoronidea: artenarme Klasse der Kranzfühler; meist kolonieweise lebende, in Schlamm, Sand oder zwischen Steinen eingebohrte wurmförmige Meerestiere; das Vorderende trägt einen hufeisenförmigen Kranz von vielen Tentakeln, die der Atmung und dem Nahrungserwerb dienen.

Hufeland, Christoph Wilhelm, 12.8.1762-25.8.1836, Arzt; praktizierte in Weimar, Professor in Jena und Berlin. Sein 1796 erschienenes Hauptwerk «Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern» (seit der 3. Auflage als «Makrobiotik» bekannt) ist noch ganz im Geist der antiken Diätetik geschrieben. Hufeland gründete 1810 in Berlin die erste Poliklinik; siehe auch Hufeland-Medaille.

Hufeland-Medaille: staatliche Auszeichnung für besondere Leistungen bei der Sicherung der medizinischen und sozialen Betreuung der Bürger; 1958 gestiftet, 3 Stufen (Gold, Silber, Bronze).

Hufkrebs: chronisch verlaufende Entzündung der Huflederhaut bei Einhufern, die zu mangelhafter Hornbildung sowie Wucherung der Lederhaut führt. Die Behandlung erfolgt medikamentös oder operativ.

Huflattich, Tussüago farfara: besonders auf lehmigem Boden verbreiteter Korbblütler, dessen goldgelbe Blüten vor den Blättern erscheinen; zu Hustentee und -saft verwendet.

Hufrehe, Klauenrehe: akute, nicht infektiöse Entzündung der Huf- (Klauen-)Lederhaut; vorwiegend bei Pferd, Rind und Schwein vorkommend. Chron. Hufrehe führt zu Deformierung von Huf und Klaue (Rehehuf). Ursache sind mechanische oder chemisch-toxische Einwirkungen.

Hüftbein, Coxae: aus Darm-, Sitz- und Schambein gebildeter Beckenknochen.

Hüfte, Coxa (lateinisch) beim Menschen die Gegend des Hüftgelenkes (vielachsiges Gelenk zwischen Hüftbein und Oberschenkelknochen).

Huftiere, Ungulata: zusammenfassende Bezeichnung für Urhuftiere (Röhrenzähner), Vorhuftiere (Elefanten, Seekühe, Kletterschliefer), Paarhufer (Schweine, Flusspferde, Kamele, Wiederkäuer) und Unpaarhufer (Nashörner, Tapire, Pferde). Huftiere sind vorwiegend Landtiere; Pflanzenfresser; statt Krallen sind Klauen oder Hufe ausgebildet und die Mittelhand- und Mittelfußknochen zu einem einheitlichen, langgestreckten Knochen verwachsen.

Hüftleiden: Erkrankungen des Hüftgelenkes, die sich durch Schmerzen, Hinken oder Bewegungseinschränkungen bemerkbar machen. Die angeborene Hüftgelenkverrenkung (Luxationshüfte) ist eine Hemmungsdeformität, bei der eine Unterentwicklung der gelenkbildenden Knochenanteile (Hüftdysplasie) eine Verrenkung im ersten Lebensjahr begünstigt. Sie kann durch Spreizlagerung verhindert werden. Die Hüftdysplasie kommt familiär gehäuft vor und äußert sich beim Säugling unter anderem in einer Abspreizhemmung und Asymmetrie der Oberschenkelfalten. Bei der Perthesschen Erkrankung geht im Wachstumsalter das Knochengewebe zugrunde (aseptische Nekrose) und baut sich unter Verformung neu auf. Die Hüftgelenkentzündung (Coxitis) ist bakteriell und rheumatisch bedingt und führt zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen. Die Hüftarthrose ist ein Verschleißprozess und die häufigste Hüftgelenkerkrankung.

Hüftwurf: Handball ein Schlagwurf auf das Tor, bei dem der Ball die Hand des Spielers in oder unter Hüfthöhe verlässt.

Hufuf, AI-Hofuf: Stadt im Osten Saudi-Arabiens; 100000 Einwohner; Textil-, Lebensmittelindustrie, Zementfabrik; Eisenbahn- und Straßenverbindung nach Ad-Dammam und Ar-Rijad; internationaler Flughafen; westlich von Hufuf größtes Erdölfeld (Ghawar) des Landes.

Hügelgrab: von einem Erdhügel überdecktes ur- und frühgeschichtliches Grab; seit der Jungsteinzeit nachweisbar.

Hügelgräberkultur: Ackerbauer- und Viehzüchterkultur der mittleren Bronzezeit (1600/1300 vor Christus) mit vielen Lokalgruppen im südlichen Mitteleuropa, die nach der Körperbestattung in Hügelgräbern benannt ist. Kennzeichnend für die Hügelgräberkultur sind eine hochentwickelte Bronzemetallurgie (Waffen und Schmuck) und hochhalsige, mit Kerbschnitt verzierte Keramikkrüge und -amphoren.

Hügelland: Gebiet mit mäßigen Höhenunterschieden und ausgeglichenen Oberflächenformen, das im Allgemeinen unabhängig von der Meereshöhe, jedoch häufig als Vorland eines Gebirges anzutreffen ist.

Hugenberg, Alfred, 19.6.1865-12.3.1951, Monopolkapitalist, Politiker; Mitbegründer des Alldeutschen Verbandes, 1909/18 Generaldirektor des Krupp-Konzerns, baute seit 1916 einen Presse- und einen Filmkonzern auf, die beide antikommunistische und chauvinistische Hetze betrieben; 1919 Mitbegründer und seit 1928 Vorsitzender der DNVP. Hugenberg finanzierte und unterstützte die NSDAP im Kampf gegen die Weimarer Republik und war Mitinitiator der Harzburger Front; Januar bis Juni 1933 faschistischer Wirtschafts- und Ernährungsminister.

Hugenotten: (französisch, «Eidgenossen») die französischen Kalvinisten (Protestanten), deren Anhänger vor allem aus dem Bürgertum und dem Handwerk kamen. Die Hugenotten erkämpften nach 8 Bürgerkriegen (Hugenottenkriege, 1562/98), in denen sich zugleich die Auseinandersetzungen zwischen der Zentralgewalt und dem partikularistisch gesinnten Adel verquickten, die Anerkennung als gleichberechtigte konfessionelle Minderheit sowie politische und militärische Sonderrechte (Edikt von Nantes 1598); diese wurden durch Richelieu im Edikt von Nimes (1629) aufgehoben. Ludwig XIV. zwang die Hugenotten 1685 mit der Aufhebung des Edikts von Nantes zur Unterwerfung oder zur Emigration (unter anderem nach Preußen).

Hugenottenstil: die von den hugenottischen Baumeistern nach ihrer Vertreibung aus Frankreich (Aufhebung des Edikts von Nantes 1685) sowie von niederländischen, 1572 emigrierten Baumeistern auf Protestant. Länder verbreitete klassizistisch nüchterne Umbildung des Barockstils. Sie siedelten sich hauptsächlich in Holland, Nord- und Ostdeutschland an und bevorzugten klare, meist sparsame Baulösungen. Hauptwerke: Stadtanlagen und Teile von Friedrichswerder, Dorotheenstadt, Neu-Isenburg, Neustädte in Ansbach, Erlangen.

Huggins, Charles Brenton, geboren 22.9.1901, US-amerikanischer Chirurg kanadischer Herkunft; seit 1936 Professor in Chicago. Huggins erbrachte 1941 den Nachweis, wonach das Wachstum des Prostatakrebses durch Gabe von weiblichen Geschlechtshormonen gebremst werden kann und leitete damit die Ära der Chemotherapie des Krebses ein.

Hughes: 1. David Edward Hughes, 16. 5.1831 bis 22.1.1900, britischer Physiker; erfand den nach ihm benannten Drucktelegrafen und das Kohlemikrophon.

2. James Langston Hughes, 1.2.1902-23.5.1967, US-amerikanischer Dichter und Schriftsteller; gilt als einer der bedeutendsten afroamerikanischen Dichter, der in Gedichten, Dramen und der Buchserie «Simpel» (1950/57, 2 Teile deutsch) die Gefühls- und Gedankenwelt der Afroamerikaner und ihren Kampf gegen Rassendiskriminierung und für Menschenwürde und Gleichberechtigung mit Humor und sprachlicher Expressivität gestaltete.

Hughes-Apparat: (nach D. E. Hughes) Drucktelegraf mit ständig umlaufender Sender- und Empfängerwelle, der nach dem Synchronverfahren arbeitet; dabei wird der Gleichlauf zwischen Sender- und Empfängerantriebsmotor durch laufende Phasenkorrektur hergestellt.

Hugin und Munin: (altnordisch, «Gedanke und Erinnerung») in der nordischen Mythologie die beiden Raben Odins, die diesem Kunde zutragen.

Hugo, Victor, 26.2.1802-22. 5.1885, französischer Schriftsteller; Hauptvertreter und Theoretiker des literarischen, später auch politisch progressiven Flügels der französischen Romantik in der Überleitung zum Realismus; setzte sich insbesondere während des Zweiten Kaiserreichs aus dem britischen Exil für demokratische und soziale Freiheiten ein und fand durch seinen kämpferischen Humanismus hohe Anerkennung. Zu seinen Hauptwerken zählen neben Dramen («Hemani», 1830, deutsch; «Der König amüsiert sich», 1832, deutsch) sowie Lyrik die Romane «Notre Dame von Paris» (1831, deutsch), «Die lachende Maske» (1869, deutsch), «Die Elenden» (1862, deutsch) und «1793» (1873, deutsch).

Hugo von Trimberg, um 1230-nach 1313, Schriftsteller; verfasste neben lateinische didaktische Gebrauchsliteratur eines der meistgelesenen Bücher des Spätmittelalters, das umfangreiche Lehrgedicht «Der Renner», eine redselige Zeitkritik aus bürgerlichen christlichen Grundhaltung.

Hug Schapler, Titelgestalt eines derb-realistischen Ritterromans (um den historischen Hugo Capet), den die Gräfin Elisabeth von Nassau-Saarbrücken (1397-1456) nach französischer Vorlage schrieb; wegweisend für den deutschen Prosastil der Folgezeit.

Huhn, Kurt, 18.5.1902-16.9.1976, Schriftsteller; Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, 1938/40 in KZ-Haft; schrieb Gedichte («Kampfruf!», 1923; «Linksrum geht der Lauf der Welt», 1961), nach 1945 auch Erzählungen, Reportagen u. ä. («Flügelschlag der Epochen», 1948; «Solange das Herz schlägt», 1960). 

Hühner, Kammhühner, Gallus: Gattung der Hühnervögel. In Wäldern Indiens, Sumateras und Jawas lebt das Bankivahuhn (Gallus gallus), die Stammform des Haushuhnes. Das Haushuhn ist die wichtigste Geflügelart, die zur Eier- und Fleischproduktion gehalten wird. Haushühner waren bereits im 4. beziehungsweise 5. Jahrtausend vor Christus am Indus und in den benachbarten Gebieten bekannt. In Länder nördlich der Alpen gelangten sie in der Bronzezeit. Je nach Nutzungsrichtung werden die Rassen eingeteilt in Legerassen (leichte Rassen), Zwierassen (mittelschwere Rassen für Eier- und Fleischproduktion) und Fleischrassen (schwere Rassen). Bei Legerassen paart man einem Hahn 15 bis 18, bei mittelschweren 10 bis 12 und bei schweren Rassen 6 bis 8 Hennen an. In Großbetrieben gewinnt die künstliche Besamung der Zuchttiere zunehmend an Bedeutung. Die Eier werden meist künstlich erbrütet (Brüterei). Die Brutdauer beträgt 21 Tage, die Küken sind Nestflüchter. Hennen leichter Rassen (Leghorn) legen durchschnittlich 200 bis 250 Eier, mittelschwere Rassen 120 bis 150 und schwere Rassen (White Cornish) 80 bis 120 Eier im Jahr. Die Trockenfutteraufnahme beträgt 110 bis 150 g je Tier und Tag. Die Einzeleimasse beträgt etwa 60 g; siehe auch Geflügel, Geflügelhaltung, Ziergeflügel, Zwerghühner.

Hühnerauge, Leichdorn, Clavus: örtliche Wucherung verhornter Oberhautzellen an den Füßen als Reaktion auf chronischen Druck.

Hühnertyphus: durch Salmonella gallinanim verursachte Erkrankung der Küken und erwachsenen Hühner. Die Verbreitung erfolgt durch infizierte, aber gesund erscheinende Tiere. Bei akutem Verlauf treten Mattigkeit, Durst und verminderte Legetätigkeit auf, außerdem Darmentzündungen. Der Hühnertyphus ruft hohe Verluste hervor.

Hühnervögel, Galliformes: weltweit verbreitete Scharrvögel; meist Bodenbewohner und Nestflüchter; die überwiegend pflanzliche Nahrung wird im Kropf vorverdaut und im Magen von Magensteinen zerrieben. Hierzu gehören unter anderem Fasanen, Frankoline, Hokkos, Wachteln.

Hui, Hui-zu, europäischen Bezeichnung Dunganen: nationale Minderheit in China, besonders in Ningxia (Autonomes Gebiet der Hui) und Gansu; 5,5 Millionen; sprechen chinesische Dialekte; Muslime.

Hui Shi, um 370-um 310 vor Christus, chinesischer Philosoph; seine Lehre, die die Realität von Raum, Zeit und Bewegung leugnet, ist der der altgriechischen Eleaten ähnlich.

Huitzilopochtli, (»Kolibri des Südens»): kriegerischer Stammesgott der Azteken.

hulus annl, (lateinisch) Abkürzung ft. a.: dieses Jahres.

Holk, Hulk: aus der Kogge entwickeltes, aber größeres, zwei- oder dreimastiges Segelschiff des ausgehenden Mittelalters. Im 19. Jahrhundert Bezeichnung für ein abgetakeltes Schiff, das im Hafen liegend als Wohn- oder Lagerraum diente.

Hull, Cordell, 2.10.1871-23.7.1955, US-amerikanischer Politiker; enger Mitarbeiter von Präsident F. D. Roosevelt, 1933/44 Außenminister; im 2.Weltkrieg trat er für Zusammenarbeit mit der UdSSR ein.

Hülltrieb: Getriebe bei mindestens 2 Rädern, über die ein Zugmittel (bei Kraftschluss Flach- oder Keilriemen, Rundriemen, Seil, bei Formschluss Rollenkette, Zahnriemen oder -kette) läuft; kann Leistung zwischen Wellen mit großen Achsabständen übertragen.

Hulman, Presbytis entellus: mit bis 70 cm Körperlänge größte Art der Schlankaffen; Fell grau, Gesicht schwarz; geselliger Bodenbewohner Südasiens; frisst vorwiegend Laub unter anderem pflanzliche Stoffe.

Hulock, Hylobates hoolock: mit bis 40 cm Körperlänge größte Gibbonart mit langem dichtem Fell; baumbewohnender Hangelkletterer Assams (Indien), Burmas und Südwestchinas; vorwiegend Fruchtfresser.

Hülse: 1. Botanik: aus einem Fruchtblatt bestehende Streufrucht, die sich an Bauch- und Rückennaht (Mittelrippe des Fruchtblatts) öffnet; charakteristisch für die Schmetterlingsblütler. Siehe auch Frucht 1, Schote.

2. Maschinenbau: Hohlzylinder, eventuell kegelförmig, zum Verbinden sich drehender Teile (zum Beispiel Wellen, Bohrer, Fräser) durch Ein- oder Aufstecken, eventuell auch als Zwischenstück.

Hülsen: Buchbinderei das Aufkleben der Hülse (ein flachgedrückter Papierschlauch zur Verbindung von Buchblock und -decke) auf dem Rücken des beschnittenen Buchblocks.

Hülsenfruchtartige, Leguminosen: Ordnung zweikeimblättriger Pflanzen mit zweiklappig aufspringender, nur von einem Fruchtblatt gebildeter Hülsenfrucht; hierzu gehören unter anderem Mimosengewächse, Schmetterlingsblütler.

Hülsenfrüchte: Sammelbegriff für landwirtschaftlich genutzte Arten aus der Familie der Schmetterlingsblütler (Ordnung Leguminosen) mit einer aus einem Fruchtblatt bestehenden, meist vielsamigen Hülse (Wicke, Bohne, Lupine, Linse, Erbse), seltener einer Gliederhülse (Serradella). Ihre landwirtschaftliche Bedeutung liegt in der Erzeugung eiweißreicher Nahrungs- und Futtermittel (Grünverfütterung) und in ihrer Fähigkeit, Stickstoff aus der Luft (mittels Bakterien) aufzunehmen.

Hülsenfundament: Einzelfundament für Montagebauweise; pyramidenstumpfartig oder abgetreppt mit einer schachtförmigen Aussparung, in der die Stahlbetonstütze montiert und eingespannt wird.

Hülsmeyer, Christian, 25.12.1881-31.1.1957, Hochfrequenztechniker; erhielt 1904 das erste Patent für ein Radargerät.

Hulun-See, Hulunchi: Süßwassersee im Nordosten Chinas; 539 m über dem Meeresspiegel, etwa 2200 km2, 75 km lang, bis 25 km breit, über 6 m tief; durch den Kerulen gespeist, ein Abfluss erfolgt nur aperiodisch nach hohen Zuflüssen zum Argun.

human: (lateinisch) menschlich; menschenfreundlich. Humangenetik: Erblehre des Menschen. Sie hat die Aufgabe, den erblichen Anteil an der körperlichen und psychischen Variabilität des Menschen zu erkennen und zu analysieren. Methodisch bedient sich die Humane der Zwillings- und Familienforschung sowie der Populationsuntersuchung. Die Humanität hat unter anderem für das Verständnis zahlreicher Krankheitsursachen, die Erbprognose in der Eheberatung, den Vaterschaftsnachweis bei fraglicher oder unbekannter Vaterschaft und die Eiigkeitsdiagnose von Zwillingen eine wesentliche praktische Bedeutung erlangt.

Humanismus: Streben nach Menschlichkeit (Humanität) und menschenwürdiger Daseinsgestaltung; Gesamtheit jener Ideen und Bewegungen in der Geschichte der Menschheit, die von der Bildungs- und Entwicklungsfähigkeit des Menschen, von der Achtung seiner Würde und Persönlichkeit ausgehen und auf die allseitige Ausbildung und freie Betätigung seiner schöpferischen Kräfte sowie auf die Höherentwicklung der menschlichen Gesellschaft gerichtet sind; beruhen auf den jeweiligen konkreten historischen Bedingungen einer Gesellschaftsformation und sind wesentlich durch die Interessen und Bedürfnisse der Klassen geprägt. Gemeinsame Grundgedanken verbinden alle Formen des Humanismus miteinander. ursprünglich bezeichnet Humanismus die frühbürgerliche geistig kulturelle Bewegung in der Renaissance (14./16. Jahrhundert), die sich auf der ökonomischen Grundlage frühkapitalistische Produktionsverhältnisse entwickelte. Der frühbürgerliche Humanismus wandte sich gegen die geistige Vorherrschaft der Scholastik, gegen die Macht der Kirche sowie gegen feudale Privilegien und stellte den Menschen als lebensbejahende, diesseitsbezogene und vernunftbegabte freie Persönlichkeit in den Mittelpunkt. Er blieb im Wesentlichen auf einen Kreis von Gebildeten beschränkt; seine Vertreter (Dante Alighieri, F. Petrarca, G. Boccaccio, G. Pico della Mirandola, F. Rabelais, U. -von Hutten, J. Reuchlin, Erasmus von Rotterdam, S. Franck, T. More unter anderem) sahen im antiken Bildungsideal (philosophisch-wissenschaftlich einschließlich mathematischer und künstlerisch-ästhetischer Bildung, Gymnastik, Wettkämpfe, Redekunst, sittliche Erziehung, staatsbürgerliche Kenntnisse und öffentlicher Dienst für die Polis) die Verkörperung der freien, entfalteten Persönlichkeit und des wahren Menschentums. Sie erstrebten die Wiederbelebung, Erforschung und Pflege antiker Sprachen, Literatur, Kunst und Kultur. Im 17. und 18. Jahrhundert erfuhr der Humanismus mit der ökonomischen, politischen und kulturellen Erstarkung des Bürgertums Erneuerung in der Aufklärung, im utopischen Sozialismus und im sogenannt klassischen Humanismus (deutsche Philosophie, Literatur und Kunst). Seine Vertreter (J. Locke, B. Spinoza, G. W. Leibniz, Voltaire, D. Diderot, C. A. Helvetius, P. T. d’Holbach; G. B. de Mably, Morelly, J. Meslier; J. Winckelmann, I. Kant, J. G. Fichte, G. W. F. Hegel, L. Feuerbach, G. E. Lessing, G. Herder, J. W. Goethe, F. Schiller, W. von Humboldt unter anderem) stellten Freiheit, Recht und Würde des Menschen sowie soziale Gleichheitsforderungen in den Mittelpunkt menschlichen Strebens. Ihre Vorstellungen konnten unter halbfeudalen und kapitalistischen Verhältnissen nicht verwirklicht werden. Der konsequente, umfassende und reale Charakter des sozialistischen Humanismus ergibt sich daraus, dass er untrennbar mit der historischen Mission der Arbeiterklasse als Schöpfer der von Ausbeutung und Unterdrückung freien sozialistischen Gesellschaft verbunden ist und auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Marxismus-Leninismus beruht; er ist frei von jeglichen Zügen eines Utopismus. Die Arbeiterklasse kann ihre eigene Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung nur erreichen, indem sie die Bedingungen aller Ausbeutung und der Existenz von Klassen überhaupt aufhebt und durch den Aufbau des Sozialismus und Kommunismus jene Ökonom Gesellschaftsformation schafft, «die mit dem größten Aufschwung der Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit die allseitigste Entwicklung des Menschen sichert» (Marx). Seit der Großen sozialistischen Oktoberrevolution ist der sozialistische Humanismus nicht mehr nur Theorie, sondern zugleich geschichtliche Realität. Er verkörpert sich in den Errungenschaften und Werten der sozialistischen Gesellschaftsordnung in den sozialistischen Staaten und realisiert sich in der schöpferischen Arbeit der Werktätigen dieser Länder zur Gestaltung und zum weiteren Ausbau der entwickelten sozialistische Gesellschaft ebenso wie in der Politik der friedlichen Koexistenz der Sowjetunion und der sozialistischen Länder und der umfassenden Unterstützung des Kampfes der nach Befreiung von imperialistischer Herrschaft strebenden Völker.

humanistische Psychologie: Strömung der bürgerlichen Psychologie, die, ohne die Schranken bürgerlichen idealistischen Gesellschafts- und Lebensauffassungen überwinden zu können, der wachsenden Entfremdung und geistig-moralischen Verkrüppelung der Persönlichkeit im Imperialismus vor allem mit praktisch-therapeutischen Mitteln entgegenzuwirken sucht.

Human Relations: (englisch, «menschliche Beziehungen») Herrschaftsmethode zur Erzielung der Illusion von Klassenharmonie und höherer Leistungsbereitschaft insbesondere im Betrieb durch Förderung zwischenmenschliche Beziehungen und die Schaffung eines sogenannt guten Betriebsklimas. Die Theorie der Human Relations geht auf den US-amerikanischen Soziologen E. Mayo zurück, der Ende der 20er Jahre die leistungssteigernde Wirkung harmonischer Beziehungen in der Gruppe nachwies.

Humber: gemeinsamer Mündungstrichter der Flüsse Ouse und Trent an der Nordseeküste Englands (Großbritannien); 60 km lang, 1,5 bis 12 km breit; seit 1981 von einer Brücke mit 1410 m Spannweite überquert; Häfen Kingston-Upon-Hull, Grimsby, Immingham; Erdölraffinerien, chemische Industrie, Kraftwerke; vor dem Humber Erdgasforderung.

Humboldt: 1. Alexander Freiherr von Humboldt, 14.9.1769-6.5.1859, Naturforscher; Bruder von Humboldt 2; war von universeller Bildung und begründete die Tier- und Pflanzengeographie, Klimatologie, Hydrologie sowie die moderne Länderdarstellung. Seine große Reise nach Süd- und Mittelamerika (1799/1804) mit dem französischen Botaniker A. Bonpland war für viele spätere Forschungsreisende Vorbild, das heißt setzte sich in humanistischer Gesinnung für die Gleichberechtigung aller Rassen und für die Aufhebung der Sklaverei ein; deshalb war er immer wieder heftigen Angriffen der Reaktion ausgesetzt. In seinen Länderdarstellungen behandelte er die Beziehungen zwischen Natur und Gesellschaft, wenn er auch die in der Gesellschaft wirkenden Gesetze noch nicht erkannte. Eine zweite große Reise unternahm er 1829 auf Veranlassung des russischen Zaren in das Ural-Altai-Gebiet und an die untere Wolga. Sein Hauptwerk «Kosmos, Entwurf einer physischen Weltbeschreibung» (5 Bände, 1845/62) fasste das gesamte naturwissenschaftliche Wissen seiner Zeit zusammen. Humboldt war Wegbereiter einer modernen wissenschaftlichen Geographie.

2. Wilhelm Freiherr von Humboldt, 22.6.1767-8.4.1835, Kunst- und Sprachwissenschaftler, preußischer Politiker; organisierte als Leiter der Kultus- und Unterrichtsabteilung im preußischen Ministerium des Innern das humanistische Gymnasium und erarbeitete 1809 die Konzeption für die Begründung der Berliner Universität (seit 1949 Humboldt-Universität zu Berlin). Wegen seiner Kritik an den Karlsbader Beschlüssen wurde Humboldt 1819 aus dem Staatsdienst entlassen; er widmete sich kunsttheoretische und sprachwissenschaftliche Forschungen.

Humboldt-Medaille: staatliche Auszeichnung für hervorragende Leistungen und langjährige treue Dienste bei der Erfüllung der Aufgaben im Hoch- und Fachschulwesen; 1975 gestiftet; 3 Stufen (Gold, Silber, Bronze), Einzel- und Kollektivauszeichnung.

Humboldtstrom, Perustrom: kalte, nach Norden gerichtete Meeresströmung vor den Küsten von Chile und Peru; fischreich.

Humbug: Schwindel; Unsinn; Lüge im Gewand der Wahrheit.

Hume, David, 7.5.1711-25.8.1776, britischer Philosoph, Ökonom und Historiker. Von nachhaltiger Wirkung, unter anderem auf I. Kant, war Humes sensualistische Erkenntnistheorie, die die Empfindungen idealistisch als letzte Gegebenheiten betrachtete, über die nicht hinauszugelangen sei; Kausalbeziehungen seien in der objektiven Realität nicht nachweisbar. Agnostizismus und Skeptizismus Humes übten auf den modernen bürgerlichen Positivismus großen Einfluss aus. Bedeutend war Humes Religionskritik. Hauptwerk: «Untersuchungen über den menschlichen Verstand» (1748, deutsch).

humid: feucht, nass, wässrig, niederschlagsreich.

humides Klima: Klima, bei dem der Niederschlag (N) die Verdunstung (V) übertrifft und die herrschenden Temperaturen einen Abfluss (A) zulassen. Klimate mit ausreichenden Niederschlägen (N>V) sind vollhumid; Klimate mit Trockenmonaten (N

Huminstoffe: dunkel gefärbte, relativ stabile bodeneigene organische Stoffe. Nach ihrer chemischen Reaktionsfähigkeit und ihrem Kondensationsgrad unterscheidet man Fulvosäuren, Huminsäuren und Humine, wobei die letztgenannten am trägsten sind und den höchsten Kondensationsgrad aufweisen. Alle übrigen organischen Stoffe im Boden gehören zu den Nicht-Huminstoffe.

Hummel, Johann Erdmann, 1.9.1769-26.8.1852, Maler, bildete sich in Italien im Kreis von J. C. Reinhart und J. A. Koch. Exaktheit in der Wiedergabe der Perspektive sowie Licht- und Schattengebung kennzeichnen seine Berliner Architektur- und Landschaftsdarstellungen. Beachtliches leistete er auch als realistischer Bildnismaler.

Hummelfliegen, Bombyliidae: Fliegenfamilie, deren Vollkerfe durch die Behaarung Hummeln ähneln; saugen schwebend mit langem Rüssel Nektar.

Hummeln, Bombinae: Unterfamilie der Bienen; die plumpen, pelzig behaarten Tiere leben in Erdnestern unter Moos und Steinen; ein überwinterndes Weibchen gründet einen Staat, der nur ein Jahr besteht; die langrüsseligen Hummeln sind wichtige Blütenbestäuber, besonders bei der Kleevermehrung.

Hummer, Homaridae: Familie mariner Zehnfußkrebse. Der Gemeine Hummer (Homarus gammarus) lebt an europäischen Felsenküsten; meist bis 30 cm lang; wird mit beköderten Körben gefangen; Fleisch sehr wohlschmeckend.

Humor: auf Weisheit und Optimismus gegründet, von Freude geprägte Lebensgrundstimmung, die befähigt, widrigen Geschehnissen mit innerer Überlegenheit zu begegnen.

humorale Regulation: durch Vermittlung der Körperflüssigkeiten verwirklichte regulierende Beeinflussung der Tätigkeit aller Organe und Gewebe. Dabei werden insbesondere mit dem Blut Wirkstoffe, zum Beispiel Hormone, Produkte des Stoffwechsels mit erregenden und hemmenden Eigenschaften, an die Zielorte ihrer Wirkungen herangeführt. Eng verbunden ist die humorale Regulation mit der Tätigkeit des gesamten Nervensystems.

Humoreske: (zu «Humor»)

1. Literatur: kleinere Erzählung komischen Charakters, meist mit unterhaltsamer Zielstellung.

2. Musik: heiteres instrumentales Charakterstück in zwei- oder dreiteiliger Liedform, meist für Klavier.

Humpen: zylindrisches oder gebauchtes größeres Trinkgefäß aus Glas, Fayence oder Metall; meist mit Deckel und flachem Fuß; vom 16. bis 18. Jahrhundert gebräuchlich.

Humperdinck, Engelbert, 1.9.1854-27.9.1921, Komponist; seine volkstümliche Märchenoper «Häusel und Gretel» (1893) ist bis heute eines der beliebtesten Musiktheaterstücke; seine anderen Werke (unter anderem «Königskinder», 1908) sind vergessen.

Humus: (lateinisch, «Erde», «Boden») Gesamtheit der im Boden befindliche abgestorbene organische Substanz, die durch biologische und chemische Vorgänge einer ständigen Umwandlung unterworfen ist. Bei den biochemischen Vorgängen der Humusbildung (Humifizierung) wirken Mikroorganismen und Bodentiere in komplexer Weise. Nach dem Stoffcharakter unterscheidet man Huminstoffe und Nicht-Huminstoffe. Nährhumus(hauptsächlich Nicht-Huminstoffe) ist biologisch leicht angreifbar. Dauerhumus (Huminstoffe) verbessert durch Kopplung mit Tonteilchen (organo-mineralische Komplexe) die physikalischen und chemischen Bodeneigenschaften. Außerdem klassifiziert man die Humusauflage von Waldböden nach Humusformen in Rohhumus, Moder und Mull. Die ungünstigste Humusform ist der Rohhumus. Dem Humus kommen im Boden wichtige Funktionen zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit zu. Neben physikalisch-bodenverbessernder Wirkung ist sein Nährstofftransformations- und -speicherungsvermögen (auch für Wasser) von großer Bedeutung.

Humusakkumulation: Anreicherung der im Boden vorhandenen Humusmenge im Allgemeinen auf mehr als 1 %; charakteristischer Prozess für A-Horizonte. Ackerkrumen von Mineralböden haben im Mittel 1,5 bis 4 %, A-Horizonte von Waldböden bis 15 % Humus. Böden mit starker Humusakkumulation sind Schwarzerden, Schwarz- und Staugleye, Gleye, Anmoore und Moore.

Humusbedarf: Menge an organischer Substanz, die zur Aufrechterhaltung des naturgegebenen Humusspiegels im Boden und damit zur Reproduktion der Bodenfruchtbarkeit erforderlich ist. In Ackerböden liegt er bei etwa 15 bis 20 dt Trockenmasse je Hektar und Jahr.

Humusbilanzierung: Berechnung des Humusbedarfs der Böden unter Berücksichtigung des Gehalts an abbaufähigem und nicht abbaufähigem Humus im Boden, der Menge des jährlichen Zugangs an organischen Stoffen und von Koeffizienten für die Zersetzungsbedingungen.

Humusdünger: zusammenfassende Bezeichnung für alle Dünger, durch die organische Substanz in den Boden gebracht wird, zum Beispiel Stalldung, Kompost, Stroh, Gründünger.

Humuskohle: Kohlengestein, das aus pflanzlichen Substanzen (Torf) durch Inkohlung von Zellulose und Lignin entstanden ist; dagegen bildet sich die Bitumenkohle vorwiegend aus Harzen und Wachsen.

Humusmehrer: Kulturpflanzen, die dem Boden viel Ernterückstände, insbesondere Wurzelmasse hinterlassen (zum Beispiel Luzerne, Klee, Gräser).

Humustheorie: von A. D. Thaer aufgestellte Theorie, die besagt, dass der Humus von der Pflanze unmittelbar aufgenommen und zur Neubildung organischer Substanz verwendet werden kann; wurde durch die Mineralstofftheorie von J. von Liebig 1840 widerlegt.

Humuswirtschaft: Gesamtheit aller Maßnahmen zur Gewinnung, Pflege und Nutzung von organischen Stoffen zur Humusversorgung der Böden. Die Humuswirtschaft ist eine wesentliche Voraussetzung zum Wirken aller Intensivierungsfaktoren.

Humuszehrer: Kulturpflanzen, bei deren Anbau mehr organische Substanz im Boden abgebaut als ihm durch Ernterückstände zugeführt wird; zum Beispiel Hackfrüchte.

Hunan: Provinz im zentralen Teil von China, südlich des Mittellaufs des Chang Jiang; 210500 km2, 54 Millionen Einwohner; 257 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Changsha Ebenen entlang dem Xiang Jiang und Dongting Hu, die im Westen, Süden und Osten von Hügel- und Gebirgsland umrandet werden; wintermildes subtropisches Monsunklima; reiche Vorkommen an Antimon, Blei, Zink, Kohle, Mangan und Quecksilber; bedeutende Entwicklung der Buntmetallurgie, des Maschinenbaus (Bergbauausrüstungen, Landmaschinen und Bewässerungsaggregate), ferner elektrotechnischen, Papier- und Nahrungsmittelindustrie; Anbau von Reis, Weizen, Mais, Baumwolle, Kartoffeln, Ramie, Sojabohnen, Erdnüssen, Tee und Tabak; Tung- und Teeölherstellung; Schweine- und Geflügelzucht, Fischwirtschaft; Eisenbahnknoten, ab Hengyang Bahnlinie nach Vietnam; bedeutende Flussschifffahrt auf dem Xiang Jiang.

Hunan-Guizhou-Bahn: 1972 fertiggestellte, 632 km lange Bahnlinie in China, von Zhuzhou (Provinz Hunan) nach Guiyang (Provinz Guizhou); bildet nach der Long-Hai-Bahn die zweite wichtige Ost-West-Verbindung in China; 23 % der Strecke bestehen aus Brücken und Tunneln; dient vor allem der wirtschaftlichen Erschließung des Südwesten des Landes.

Hund: 1. Astronomie 2 Sternbilder. Großer Hund (Canis Maior) mit dem Hauptstern Sirius; Kleiner Hund (Canis Minor) mit dem Hauptstern Prokyon.

Hunde, Canidae: Raubtierfamilie mit langschnäuzigem Schädel, buschigem Schwanz, nacktem feuchtem Nasenspiegel und nicht zurückziehbaren stumpfen Krallen. Ein teilweise zurückgebildetes Gebiss haben der hochläufige, in Rudeln jagende, Hyänenhund, der in Ost- und Südasien lebende Rothunde (Cuon alpinus) und der kurzbeinige, gedrungene Waldhunde (Speothos venaticus), der im tropischen Amerika lebt. Siehe auch Löffelhund, Marderhund. Der Haushunde stammt vom Wolf ab und zählt zu den ältesten Haustieren. Als prähistorische noch rassenlose Gruppen werden der Torfhunde oder Pfahlbauspitz, der Bronzehunde, der Aschenhunde und der Langkopfhunde aufgrund von Skelettfunden angesehen. Weltweit gibt es gegenwärtig etwa 500 Rassen, die sich nach Größe, Farbe, Behaarung, Körperbau, Körpermasse, Wesen und Gebrauchswert unterscheiden. Zu den Wach-, Schutz- und Gebrauchshunde gehören unter anderem Deutscher Boxer, Dobermann, Riesenschnauzer und Rottweiler; zu den Windhunden unter anderem Afghan. Windhunde, Barsoi, Greyhound und Whippet; zu den Haushunden im engeren Sinne (vorwiegend als Heimtier, Begleit- oder Wachhunde gehalten) unter anderem Chow-Chow, Dalmatiner und Schnauzer. Groß ist die Zahl der Jagdhunde und der Terrier. Hunde werden mit 6 bis 9 Monaten geschlechtsreif, die Zuchtreife liegt je nach Rasse bei 15 bis 24 Monaten. Nach einer Tragezeit von durchschnittlich 63 Tagen (58 bis 65) werden (je nach Rasse) bis über 10 Welpen geworfen, von denen höchstens 6 zur Aufzucht belassen werden. Sie öffnen mit 9 bis 14 Lebenstagen die Augen. Die Lebensdauer der Hunde beträgt 12 bis 14 Jahre.

Hundefloh, Ctenocephalides canis: besonders auf Hunden, aber auch auf Katzen, Kaninchen und Menschen lebender Floh; bis 3 mm lang; Überträger eines Hundebandwurmes.

Hundekuchen: als Hundefutter industriell hergestelltes, vitamin- und mineralstoffreiches hartes Gebäck aus Futtermitteln tierischer und pflanzlicher Herkunft.

Hundertfüßer, Chilopoda: Unterklasse der Tausendfüßer mit 2 800 Arten; Körper langgestreckt mit 15 bis über 100 Beinpaaren, das erste zu Kieferfußen mit Giftdrüsen zum Fangen und Lähmen der Beute umgebildet. 4 Ordnungen: Erdläufer (Geophilomorpha) mit 31 bis 173 Beinpaaren, blind, jagen Würmer; Riesenläufer (Scolopendromorpha) mit 21 oder 23 Beinpaaren; Spinnenläufer (Scutigeromorpha) mit 15 sehr langen, dünnen Beinpaaren, mit denen sie Fliegen fangen, bis 4,5 cm lang; Steinläufer (Lithobiomorpha) mit 15 Beinpaaren, bis 5 cm lang, jagen kleine Bodentiere.

Hundertjähriger Kalender: für ein laufendes Jahrhundert zusammengestelltes Kalenderschema mit wissenschaftlich haltlosen astrologischen Wetterprognosen; geht zurück auf den Abt M. Knauer (1612-1664), seit 1701 in verschiedenen Varianten immer wieder gedruckt.

Hundertjähriger Krieg: zwischen Frankreich und England erbittert geführter Krieg (1337/1453, mit Unterbrechungen). Ursachen waren der Streit um die seit dem 12. Jahrhundert existierenden englischen Besitzungen in Frankreich und die Beherrschung des industriell hochentwickelten Flanderns sowie die Eroberungspläne der englischen Könige. Das zahlenmäßig schwächere, aber Großteils aus freien Bauern bestehende Heer Englands fügte den französischen Ritterarmeen eine Reihe schwerer Niederlagen zu (Crecy 1346, Maupertuis 1356, Azincourt 1415). Gegen die plündernden englischen Truppen und gegen den Druck der eigenen Feudalherren setzte sich das Volk unter anderem in einer I Reihe von Aufständen zur Wehr (Aufstand in Paris unter E. Marcel 1356/58, Bauernaufstand der Jacquerie in Nordfrankreich 1358). Die 1. Etappe des Hundertjährigen Krieg endete 1360 mit dem Frieden von Brétigny. In der 2. Etappe (1368/81) verlor England mit wenigen Ausnahmen alle zuvor eroberten Gebiete. Unter Heinrich V. nahm England seine Eroberungspolitik in Frankreich wieder auf (Beginn der 3. Etappe). Erneute schwere französische Niederlagen bewirkten einen Aufschwung der französischen Volksbewegung, die 1429 unter Führung von Jeanne d’Arc bei Orléans die Wende des Krieges erzwang. In den Jahren danach wurden die Engländer nach einem Frontwechsel des Herzogs von Burgund aus Frankreich vertrieben (1453 Kapitulation in Bordeaux) und konnten nur noch Calais behaupten. Der Ausgang des Hundertjährigen Kriegs bedeutete für Frankreich eine wichtige Etappe bei der Errichtung eines einheitlichen zentralisierten Staates; in England vertiefte die Niederlage die Krise des Feudalsystems und führte zum Ausbruch der Rosenkriege.

Hundert Tage: Regierungszeit Napoleons I. nach seiner Rückkehr von Elba (20.3.1815) bis zum endgültigen Thronverzicht (8.7.1815) nach der Niederlage bei Waterloo.

Hunderttagereform: chinesische bürgerlich-liberale Reformbewegung unter Kang Youwei, Liang Qichao und Tan Sitong vom 11.6. bis 21.9.1898; war auf die Entwicklung eines nationalen Kapitalismus und die Wiederherstellung der Unabhängigkeit im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie gerichtet. Die Isolierung vom Volk begünstigte die Unterdrückung der Hunderttagereform durch die feudale Reaktion.

Hundertwasser, Friedensreich, eigentlich Friedrich Stowasser, geboren 15.12.1928, österreichischer Maler und Graphiker; entwickelte, beeinflusst besonders von P. Klee und der österreichischen Jugendstilmalerei, einen eigenen Stil; schuf buntfarbige, ornamentale, oft spiralförmig oder labyrinthisch angelegte Bilder, ferner Fassadenbemalungen, Wohnhausmodelle unter anderem.

Hundsche Regel: empirische Regel für das Energieniveau Schema eines Atoms mit mehreren Elektronen, wonach bei gegebener Elektronenkonfiguration der Grundzustand durch den größtmöglichen Wert der Gesamtspinquantenzahl gekennzeichnet ist; 1927 von dem Physiker Friedrich Hund (geboren 1896) formuliert.

Hundsfische, Umbridae: mit den Hechten verwandte, etwa 10 cm lange Raubfische der Süßgewässer Südosteuropas und Nordamerikas.

Hundskamille, Anthemis: Gattung der Korbblütler. Die römische Kamille (Anthemis nobilis) aus Südeuropa mit weißgelben Blüten enthält krampfstillende Stoffe. Die Blüten der Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria) wurden früher zum Gelbfärben verwendet.

Hundspetersilie, Aethusa cynapium: giftiges Doldenblütengewächs mit gefiederten, unterseits glänzenden Blättern auf lehmigen Äckern und bodenfrischen kalkigen Wegrändern, Brachen oder Gebüschsäumen.

Hundsrobben, Phocidae: in allen Meeren verbreitete Robben mit zum Laufen ungeeigneten Flossenfußen («robbende» Bewegung an Land), äußere Ohren fehlen. Tropische und subtropische Meere bewohnen die Mönchsrobben (Monachinae). Siehe auch Seehund, Rüsselrobben, Südrobben.

Hundstage: hochsommerliche Hitzeperiode, die von Ende Juli bis Ende August auftreten kann (im alten Ägypten Periode nach dem Aufgang des Hundssterns (Sirius) eingeleitet).

Hundszahn, Cynodon: subtropisches Ährengras mit fingerartigen Ähren, wichtiges Weidegras wärmerer Länder; bei uns gelegentlich eingeschleppt und verwildert.

Hunedoara: Stadt in Rumänien (Bezirk Hunedoara), an der Cema; 86000 Einwohner; Zentrum der Eisenhüttenindustrie; kokschemische, Baustoff-, Nahrungsmittelindustrie; Hochschule; Schloss Huneade (Hunyadi-Dynastie; 14. Jahrhundert; mehrmals umgebaut).

Hünengrab: volkstümliche Bezeichnung für Großsteingrab; vom Volksglauben «Hünen» (Riesen) zugeschrieben.

Hungarla: lateinischer Name für Ungarn.

Hunger: negativ-emotional betontes Gemeingefühl, begleitet von Nahrungstrieb (Nahrungsmotivation); hervorgerufen unter anderem durch Absinken des Glukosegehaltes im Blut und Erregungen aus dem Magen-Darm-Kanal. Siehe auch Heißhunger.

Hungerblümchen, Erophila verna: kleines, früh blühendes Kreuzblütengewächs mit weißen Blüten, grundständiger Blattrosette, aber blattlosem Stengel; in Trockenrasen sowie auf Sandäckern und an trockenen Wegrändern vorkommend.

Hunnen: einst nomadisierendes Turkvolk auf dem Gebiet der heutigen chinesischen Provinzen Shaanxi, Shanxi und Hebei. Die Hunnen bedrohten China seit Ende des 3. Jahrhundert vor Christus; gegen sie wurde die Große Chinesische Mauer errichtet. Die Aggressivität der Hunnen wurzelte im Übergang zur Klassengesellschaft. Ihrem nomadisierenden Jäger- und Hirtendasein entsprach die Kampfweise mit leichter Reiterei. Nach Niederlagen durch die Chinesen (2./l. Jahrhundert vor Christus) unterwarf sich der südliche Teil der Hunnen 51 vor Christus China, ein anderer Teil wanderte nach Zentralasien ab. Nördliche Gruppen der Hunnen unterwarfen bis zum 4. Jahrhundert nach Christus die Nomadenstämme zwischen unterer Wolga, Kaukasus und Don, zerschlugen um 375 das Reich der Ostgoten und gaben so den Anstoß zur Völkerwanderung. Die Hunnen bildeten schließlich in Mitteleuropa ein locker gefügtes Großreich mit dem Zentrum in der Theißebene (Ungarn). Unter Attila versuchten sie, mit Hilfe unterworfener germanischer Stämme Gallien zu erobern, wurden aber 451 auf den Katalaunischen Feldern vom weströmischen Heerführer Aetius mit Unterstützung anderer germanischer Stämme geschlagen. Nach Attilas Tod (453) zerfiel das Hunnenreich rasch. Die Hunnen wurden vernichtet oder gingen in anderen Völkern auf.

Hun Sen, geboren 4.4.1951, kampucheanischer Politiker; aktiv im Kampf gegen USA sowie gegen die Clique um Pol Pot/leng Sary/Khieu Samphan; 1978 Mitglied des ZK der Nationalen Einheitsfront für die Rettung Kampucheas; seit 1979 Mitglied des ZK der Revolutionären Volkspartei Kampucheas, seit 1981 des Politbüros und Sekretär des ZK; 1979 Außenminister, 1981 Stellvertreter des Ministerpräsidenten, seit 1985 Ministerpräsident.

Hunsrück: Südwestteil des Rheinischen Schiefergebirges, in Deutschland, südlich der Mosel; raue, wellige Schieferhochfläche (400 bis 500 m über dem Meeresspiegel), von stark bewaldeten Quarzitrücken überragt; unter anderem Hochwald (Erbeskopf, 816 m) und Idarwald; vorwiegend Forstwirtschaft (Buchen, Eichen, Fichten); in Randtälern Wein- und Obstbau; dünne Besiedlung.

Hunter, John, 13.2.1728-16.10.1793, britischer Anatom und Chirurg; machte den anatomischen Gedanken auch für die Chirurgie nutzbar und gab so der britischen Chirurgie, die bis dahin als Handwerk betrieben wurde, eine wissenschaftliche Grundlage. Auf ihn gehen erste exakte Untersuchungen über die Entzündung zurück.

Hunter River: Fluss in Neusüdwales (Australien), von der ostaustralischen Kordillere zum Stillen Ozean; 458 km; am Mittellauf Steinkohlenbergbau und -industrie; im Unterlauf schiffbar.

Huntsman, Benjamin, 4.6.1704 bis 1776, britische Techniker und Stahlfabrikant; erfand 1740 den Tiegelgussstahl.

Hunyadi: 1. János, um 1407/09-11.8.1456, ungarischer Heerführer; Vater von Matthias I. Corvinus; Wojewode von Siebenbürgen (Transilvania), 1446/52 Reichsverweser Ungarns; führte den Abwehrkampf der Balkanvölker gegen die Türken (Verteidigung Belgrads 1456); Held ungarischer, serbischer und rumänischer Volkslieder.

2. Mätyäs - Mätyas I. Corvinus.

Hupe: Warn- und Signalgerät an Kfz. Die akustische Hupe (Horn, elektrische Hupe) besteht aus Elektromagnet, Membran und Unterbrecher. Die Lichthupe ermöglicht eine optische Signalgebung mittels der Hauptscheinwerfer auch bei Tage.

Hüpferlinge, Cyclopoidea: Unterordnung der Ruderfußkrebse mit zahlreichen, im Meer und Süßwasser planktonisch lebenden Arten; Futter für Aquarienfische.

Hüpfmäuse, Zapodidae: Familie der Nagetiere; den Mäusen ähnliche flinke Läufer und Kletterer, deren Hinterbeine etwas länger als die Vorderbeine sind, das heißt bauen Kugelnester auf dem Boden oder im Gebüsch.

Huppert, Hugo, 5.6.1902-25.3.1982, österreichischer Lyriker und Übersetzer; Nachdichter der Werke W. Majakowskis. Verfasste zahlreiche hymnische und satirische Gedichte («Georgischer Wanderstab», 1962), novellistischen Skizzen und Reportagen («Münzen im Brunnen», 1963), die Nachdichtung des georgischen Nationalepos «Der Recke im Tigerfell» (1955).

Hürde: 1. Leichtathletik: Hürdenlauf.

2. Pferdesport: Hindernis aus Reisig oder Strauchwerk in einem Holzrahmen.

Hürdenlauf: leichtathletische Disziplin; Geschwindigkeitswettbewerb über verschieden lange Strecken, wobei jeweils 10 in festgelegten Abständen aufgestellte, je 1,20 m breite Hürden überlaufen werden. Olympisch (seit 1896), Weltmeisterschafts- (seit 1983) und Europameisterschaftsdisziplin (seit 1934).

Hurling: in Irland verbreitetes, hockeyähnliches Torspiel zweier Mannschaften von je 16 Spielern. Spielfeld 137 x 82 m, Spielzeit 2 x 30 oder 2 x 40 min.

Huronen: (französisch, «Wuschelköpfe») Bund von 4 Indianerstämmen der Irokesensprachfamilie zwischen Huronsee und Sankt-Lorenz-Strom; ursprünglich 1600.0, wurden sie 1648/49 von den Irokesen im eigentlichen Sinn nahezu vernichtet; 1500 von ihnen leben in Reservationen in Kanada (Provinz Quebec) und den USA (Oklahoma).

Huronsee: Süßwasserbinnensee in Nordamerika, zweitgrößter der 5 Großen Seen; der größere östliche Teil gehört zu Kanada, der kleinere westliche zu den USA; 178 m über dem Meeresspiegel, 59500 km2 (einschließlich Georgian Bay), bis 228 m tief; Buchten- und Inselreich; mit dem Oberen See durch den Saint Marys River, mit dem Michigansee durch die Straße von Mackinac, mit dem Eriesee durch den Saint Clair River, Saint-Clair-See und Detroit River, mit dem Ontariosee durch den Trent- und Murray-Kanal und mit dem Sankt-Lorenz-Strom durch den Georgian-Bay-Kanal verbunden; wichtigste Häfen: in Kanada Samia; in den USA Port Huron, Port Austin und Alpena.

Hurrikan: heftiger tropischer Wirbelsturm in niederen Breiten des Atlantiks, besonders über den westindischen Gewässern und dem angrenzenden Festland; tritt häufig zwischen August und Oktober auf. In Südostasien heißen die Hurrikan Taifune.

Hus, Jan, um 1371-6.7.1415, tschechischer Reformator; kämpfte für eine tiefgreifende Reform von Kirche und Gesellschaft, beschleunigte die Entwicklung der tschechischen Volkssprache zur Literatursprache; Magister und (1409) Rektor der Prager Universität. Seit 1402 predigte er in der besonders von tschechischen Handwerksgesellen und Plebejern besuchten Bethlehemskapelle; wegen eines Konflikts mit dem Prager Erzbischof über den Ablaßhandel musste er 1412 Prag verlassen. Er ging nach Südböhmen, wo sein theoretisches Hauptwerk «de ecclesia» (Von der Kirche) entstand. 1414 vor das Konzil zu Konstanz geladen, verweigerte er den Widerruf seiner Lehre und wurde unter Bruch der Zusage für freies Geleit als Ketzer verbrannt. Seine Lehre war der Ausgangspunkt der revolutionären Hussitenbewegung (Hussiten).

Husaren: im 18. Jahrhundert in den europäischen Armeen die Angehörigen der leichten Kavallerie; trugen verzierten Schnüren Rock und Pelzmütze.

Husnik, Jakob, 29.3.1837-26.2.1916, tschechischer Zeichenlehrer; Erfinder des Lichtdrucks mit Wasserfarben.

Hussainiden: letzte Dynastie der tunesischen Beis (1705/1957), benannt nach ihrem Begründer Ali Hussain Ben Ali (1705/35); ihr letzter Vertreter, Bei al-Amin (1943/57), wurde mit der Abschaffung der Monarchie und der Proklamierung Tunesiens zur Republik (1957) abgesetzt.

Hussein: 1. Ebrahim, geboren 1943, tansanischer Schriftsteller und Hochschullehrer, neben Ngugi wichtigster Dramatiker Ostafrikas. Seine vorwiegend historischen Stücke, zum Beispiel über den Maji-Maji-Aufstand, üben großen Einfluss auf das afrikanische Geschichtsbewusstsein aus.

2. Mechti, 17.4.1909-10.3.1965, aserbaidschanischer-sowjetischer Erzähler und Dramatiker; schilderte in Erzählungen und Romanen («Ein Turm im Meer», 1947, deutsch) den revolutionären Aufbruch und das Leben der aserbaidschanischen Bauern und Ölarbeiter.

Husserl, Edmund, 8.4.1859-27.4.1938, Philosoph; Begründer der Phänomenologie; will Tatsachenwissen «einklammern», um mit Hilfe der Intuition eine Welt «reiner Bewusstseinstatsachen» zu erforschen; schwankt zwischen subjektivem und objektivem Idealismus.

Hussiten: Träger der antifeudalen, revolutionären Bewegung, die an die Reformbestrebungen von J. Hus anknüpfte und auch für eine selbständige nationale Entwicklung der Tschechen kämpfte. Sie begann am 30.7.1419 mit dem ersten Prager Fenstersturz. Innerhalb der Hussitenbewegung bildeten sich 2 wesentliche Gruppierungen heraus: die gemäßigte bürgerliche Opposition (Kalixtiner oder Utraquisten) mit Teilen des niederen Adels und Magistern der Prager Universität und der radikale Flügel (Taboriten), der die Forderungen der städtlichen Armut, der Bauern und der niederen Geistlichkeit vertrat. Das gemeinsame Programm (Vier Prager Artikel, 1420) sah unter anderem eine Kirche ohne eigenen Besitz und Bestrafung des Missbrauchs der Macht vor. 1419/21 hatte die Armut (Ideologie Chiliasmus) das Übergewicht. Danach setzte sich der linke Flügel der bürgerlichen Opposition an die Spitze der Bewegung, deren politischer und militärischer Repräsentant Jan Žižka von Trocnov wurde, der sich zugleich als genialer Feldherr und Organisator des hussitischen Heerwesens hervortat. Nach 1420 verlagerte sich der revolutionäre Schwerpunkt in das 1420 neu gegründet Tabor. Mehrere Kreuzzüge des deutschen Feudaladels nach Böhmen wurden abgewiesen; nach 1427 stießen die Hussiten in «Kriegsreisen» in die benachbarten Länder vor und spornten zum Widerstand gegen die feudale Kirche an. Sie erzwangen das Anhören einer hussitischen Gesandtschaft auf dem Konzil in Basel (1433). Durch die Abspaltung des rechten Flügels der bürgerlichen Opposition wurden die Taboriten von der katholischen Partei 1434 bei Lipany geschlagen. Ihre Ideen lebten im tschechischen Volk weiter und beeinflussten den antifeudalen Kampf der Nachbarvölker.

Hussitengesang: volkstümliches Liedgut der hussitischen revolutionären Bewegung des 15. Jahrhundert; wurde seit dem 19. Jahrhundert zum Symbol des tschechischen Nationalbewusstseins. Hauptquellen sind das Kantional von Jistebnice (um 1420), Gesangbücher der Böhm. Brüder (deutsch von M. Weiße 1531), Kantional von Samotul (1561).

Husten: der mechanischen Säuberung von Luftröhre und Bronchien dienender Schutzreflex; eingeatmete Fremdkörper sowie Bronchialschleim können mit Hilfe des Hustens nach außen befördert werden. Husten ist ein wichtiges Symptom bei Erkrankungen der Bronchien und der Lunge.

Hustenmittel: Mittel, die bei Erkrankungen der Luftwege und der Lungen, die mit Husten verbunden sind, verwendet werden. entsprechend ihrer Wirkungsweise werden sie in Hustensedativa oder Antitussiva und Sekretolytika (Expektorantien, Detergentien und Mukolytika) unterteilt.

Hustensedativa, Antitussiva (griechisch + lateinisch; beide Sing. -vum): hustenhemmende Mittel mit zentralem Angriffspunkt. Hustensedativa werden zur Linderung des trockenen Reizhustens angewendet. Gebräuchlich sind zum Beispiel Kodein und Normethadon.

Huthaus: Bergbau früher ein Gebäude neben dem Schacht zur Versammlung der Bergleute vor der Ein- und nach der Ausfahrt sowie zur Aufbewahrung von Geräten und Werkzeugen.

Hutpilze, Hymenomycetidae: Unterklasse der Ständerpilze mit meist hutförmigem Fruchtkörper und Sporenbildung an äußeren Oberflächen, wie Blättern, Röhren unter anderem; hierzu gehören Blätterpilze, Röhrlinge, Porlinge, Hausschwamm, Korallen- und Stachelpilze.

Hütt, Wolfgang, geboren 18.8.1925, Kunsthistoriker, auch Kinderbuchautor; veröffentlichte unter anderem «Wir und die Kunst» (1959), «Düsseldorfer Malerschule» (1964), «Adolph Menzel» (1981), «Heimfahrt in die Gegenwart» (Autobiographie, 1982).

Hütte: Betrieb zur Gewinnung und Raffination von Metallen. Siehe auch Metallhütte, Hochofen.

Hutten, Ulrich von, 21.4.1488-29.8. oder 1.9.1523, Dichter und Publizist, Reichsritter; führender Vertreter des deutschen Humanismus; floh mit 17 Jahren aus einer Klosterschule, studierte an mehreren deutschen Universitäten, wo er mit dem Humanismus in Berührung kam. Dessen vorwiegend gelehrte Bestrebungen verband Hutten mit politischen Zielstellungen; insbesondere wandte er sich gegen den fürstlichen Partikularismus und den reaktionären Klerus. Hutten verfasste zahlreiche lateinische Reden, Appelle, Streitschriften, Dialoge und Briefe, seit 1519 auch in deutscher Sprache. Die Herausgabe von Schriften, die der Kurie Fälschungen nachwiesen, wurde unter anderem bedeutsam für M. Luthers reformatorischer Bestrebungen. Hutten verfasste den 2. Teil der berühmten Dunkelmännerbriefe. Mit seiner Lyrik (unter anderem «Ein neu Lied Herrn Ulrichs von Hutten», 1521) wandte er sich leidenschaftlich an das ganze Volk, wodurch er zur Bildung eines frühen Nationalbewusstseins beitrug.

Hüttenbims: kalkreiche Schlacke metallurgischer Öfen, die durch Einblasen von Luft und Zugabe geringer Wassermengen schaumig gemacht wird.

Hüttenjagd: Jagd mit Lockvögeln (Uhu) auf Krähen und Greifvögel.

Hüttenkalk: Düngemittel für die Landwirtschaft, das aus Hochofenschlacke gewonnen wird.

Hüttenkoks, metallurgischer Koks: fester, dichter, grobstückiger, schwerentflammbarer, abriebfester Steinkohlenhochtemperaturkoks für den Einsatz in metallurgischen Schachtöfen.

Hutton, James, 3.6.1726-26.3.1797, britischer Arzt und Naturwissenschaftler; gilt als einer der Begründer modernen geologischen Denkens; gewann Unabhängigkeit vom biblischen Schöpfungsbericht und vertrat die Auffassung, dass die Naturgesetze durch Beobachtung zu erfassen sind; betonte besonders die Bedeutung plutonische Prozesse.

Hutung, Trift (zu «treiben») ertragsarmes Weideland, das in der Regel mit Schafherden «abgehütet» wird.

Hutzenabend, Lichtelabend: im sächsischen Erzgebirge abendliches Zusammensein der Dorfbewohner, wobei erzählt oder gesungen wird und Frauen und Mädchen Handarbeiten anfertigen (unter anderem klöppeln); heute auch für Veranstaltungen mit erzgebirgischen Folkloreprogramm.

Huxley: 1. Aldous Huxley, 26.7.1894-22.11.1963, englischer Schriftsteller, Enkel von Huxley 3. In Huxleys Romanen und Erzählungen spiegeln sich Leere und Hohlheit der bürgerlichen Gesellschaft in modernistische Formen kritisch wider («Kontrapunkt des Lebens», 1928, deutsch); die satirischen Utopien «Schöne neue Welt» (1932, deutsch), «Affe und Wesen» (1948, deutsch; Chaos nach atomarem Weltkrieg), «Insel» (1962, deutsch; Idyllik des Primitiven) weisen pessimistische und fortschrittsfeindliche Züge auf. In späten Essays wandte sich Huxley der Religion und Mystik zu («Die ewige Philosophie», 1946, deutsch; «Die Pforten der Wahrnehmung», 1954, deutsch; «Himmel und Hölle», 1956, deutsch).

2. Andrew Fielding Huxley, geboren 22.11.1917, britischer Physiologe; Professor in London; klärte den Ionenmechanismus der «Natriumpumpe» bei der Reizleitung in Nerven auf.

3. Thomas Henry Huxley, 4.5.1825-29.6.1895, britischer Biologe; propagierte den Darwinismus, zeigte unter anderem die Abstammung der Vögel von den Reptilien und wandte die Entwicklungslehre auch auf den Menschen an.

Huy, Huywald: schmaler, bewaldeter (Buchen), aus Muschelkalk und Buntsandstein aufgebauter Höhenzug im nördlichen Harzvorland, nordwestlich von Halberstadt; bis 314 m (Buchenberg).

Huygens, Christiaan, 14.4.1629-8.7.1695, niederländischer Mathematiker, Physiker und Astronom; entwickelte eine Wellentheorie des Lichtes (veröffentlicht 1690) und erklärte damit Reflexion und Brechung, erfand 1656 die Pendeluhr und 1674 die Unruhe für Taschenuhren. Huygens verbesserte das Fernrohr, entdeckte um 1655 den Saturnmond Titan, den Saturnring und den Orionnebel; Mitbegründer der Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Huygenssches Prinzip: allgemeines Prinzip für die Ausbreitung von Wellen, nach dem jeder Punkt eines Wellenfeldes eine Elementarwelle aussendet. Die Elementarwellen interferieren so miteinander, dass sich ihre Einhüllende als Wellenfront ausbreitet.

Huysmans: 1. Camille Huysmans, 26.5.1871 bis 25.2.1968, belgischer Politiker; rechter Sozialdemokrat; war 1905/22 Sekretär der II. Internationale, 1946/47 Ministerpräsident.

2. Huysmans, Joris Karl Huysmans, 5.2.1848-12.5.1907, französischer Schriftsteller holländischer Herkunft; vollzog mit seinem Hauptwerk «Gegen den Strich» (1884, deutsch) den Übergang vom naturalistischen zum symbolistisch-ästhetisierenden Roman. Die Bekehrung zum Katholizismus verstärkte die konservativen Tendenzen seines Schaffens.

Hvar: längste der Dalmatinische Inseln; 68 km lang, 300 km2; 12000 Einwohner; Hauptort Hvar (2000 Einwohner); bewaldete Bergketten (bis 626 m); Anbau von Wein, Oliven, Zitrusfrüchten, Lavendel; Bauxitabbau; Fremdenverkehr.

Hviezdoslav, Pavol, eigentlich Päle Orszagh, 2.2.1849-8.11.1921, slowakischer Schriftsteller; klassischer Nationalautor; verteidigte in Versepen («Die Frau des Hegers», 1884/86) und Dramen die sozial Unterdrückten; seine Sonette (deutsch Auswahl «Mit dem Olivenzweig kehr bei uns ein», 1983), Balladen und 3 Zyklen «Jahresringe» (1885/93) sind durch sprachliche Meisterschaft, Volksnähe und Freiheitssehnen gekennzeichnet. Im Spätschaffen («Blutige Sonette», 1914) setzt sich Hviezdoslav mit Krieg und Revolution auseinander. Er übersetzte W. Shakespeare, J. W. Goethe, F. Schiller unter anderem.

Hwange: Stadt (Provinzzentrum) im Nordwesten von Simbabwe; früher Wankie; 39000 Einwohner; Steinkohlenbergbau und -Veredlung.

Hwang Tschini, 1516-etwa 1543, koreanische Dichterin; berühmte Kisäng (vielseitige Künstlerin), deren Lebensumstände legendenumwoben sind; verfasste Liebeslyrik mit volkstümlich symbolhafter Metaphorik, besingt außerdem ihre koreanischen Heimatlandschaft.

HWL-Platte, Kurzwort für Holzwolle-Leichtbauplatte: schwer brennbare, wärme- und schalldämmende Bauplatte aus Holzbeton, wird von tierischen und pflanzlichen Schädlingen nicht befallen; häufig auch Sauerkrautplatte genannt.

Hyaden, Regengestirn: offener Sternhaufen im Sternbild Stier nahe dem Stern Aldebaran; seine Entfernung von der Sonne beträgt 44 Parsec.

Hyakinthos, Hyacinthus, in der griechischen Sage schöner Jüngling, Liebhaber des Apoll; dieser tötete ihn versehentlich beim Diskuswerfen. Aus seinem Blut ließ Apoll eine Blume aufsprießen (Hyazinthe).

Hyaluronidase: Medizin Enzym, das durch Angriff an der Kittsubstanz eine Auflockerung des Bindegewebes bewirkt; wird therapeutisch zur besseren Aufnahme größerer Flüssigkeitsmengen bei Infusionen vor allem bei Kleinstkindern verwendet.

Hyaluronsäure: Mucopolysaccharide aus Glucuronsäure und Acetylglucosamin, das als Gleitmittel in der Gelenkflüssigkeit und als Bestandteil verschiedener Körpergewebe von Bedeutung ist.

Hyänen, Hyaenidae: Raubtiere mit gedrungenem Körper, nach hinten abfallendem Rücken, meist sträubbarer Mähne und kräftigem Gebiss. Hyänen sind nachtaktiv und fressen nicht nur Aas, sondern jagen auch lebende Beute, nehmen aber auch pflanzliche Stoffe auf. Sie leben gesellig in Steppengebieten Afrikas, Vorder- und Südasiens. Nach 90 bis 110 Tagen Tragzeit werden 1 bis 4 Junge geboren. Die Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) lebt in Afrika südlich der Sahara; siehe auch Braune Hyäne, Streifenhyäne.

Hyänenhund, Lycaon pictus: hochläufiger, gefleckter Wildhund afrikanischer Steppen südlich der Sahara, jagt in Rudeln vorwiegend nach Huftieren. Siehe auch Raubtiere.

Hyazinth: (griechisch, nach der Pflanze) Mineral; siehe auch Zirkon.

Hyazinthe, (griechisch, nach Hyakinthos) Hyacinthus orientalis: Liliengewächs mit Zwiebel; aus dem östlichen Mittelmeergebiet stammend, mit stark duftenden, verschiedenfarbigen Blüten; Zierpflanze.

Hyazinthe: a Einzelblüten Hydroponik: Hydrotopf; b durchschnittene Zwiebel 1 Gefäßeinsatz, 2 Nährlösungsgefäß, 3 Kies, 4 Luft, 5 Nährlösung.

hybrid: 1. hybrid: von zweierlei Abkunft, gemischt; zwitterhaft.

2. hybrid (lateinisch griechisch, zu «Hybris»): frevelhaft, vermessen.

Hybridantrieb: Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotorantrieb eines Hybridfahrzeugs. Der Elektromotor ist direkt mit den Antriebsachsen verkuppelt, während der Verbrennungsmotor ständig mit gutem Wirkungsgrad bei Nennleistung einen Generator antreibt, der zur Speisung des Fahrmotors oder zur Ladung einer Akkumulatorenbatterie dient.

Hybridisierung: Chemie Wechselwirkung zwischen verschiedenartigen Orbitalen unter Ausbildung einheitlicher Orbitale von anderer Form. Im angeregten Kohlenstoffatom kann zum Beispiel bei der Ausbildung von Einfachbindungen das (kugelförmige) s-Orbital mit 3 (hantelförmigen) p-Orbitalen zu 4 neuartigen sp3-Orbitalen von «zigarrenähnliche» Form hybridisieren, die vom Mittelpunkt aus nach den 4 Ecken eines Tetraeders weisen. Bei unvollständiger Hybridisierung (mit nur 2 oder 1 p-Orbital; entsprechend der Kennzeichnung sp2 oder sp1) bilden sich Doppel- beziehungsweise Dreifachbindungen aus.

Hybridmotor: Verbrennungsmotor, der die Merkmale eines Ottomotors und eines Dieselmotors aufweist.

Hybridrechner: Rechenautomat, bei dem ein Digitalmit einem Analogrechner oder mit einem digitalen Differentialanalysator gekoppelt ist.

Hybridsystem: umweltfreundliche Kfz-Antriebseinheit, die neben dem Verbrennungsmotor einen Elektromotor aufweist, der wahlweise den abgasfreien Antrieb des Fahrzeugs auf (zum Beispiel Innerstadt) Teilstrecken übernehmen kann.

Hybris: in antik-griechische Auffassung frevelhafte, von den Göttern bestrafte Auflehnung gegen die Weltordnung. Als Ausdruck des Verstoßes gegen Gesetzmäßigkeiten oder Verhaltensnormen wurde die Hybris wesentlicher Gegenstand von Konflikten im antiken Drama (Aischylos, Sophokles, Euripides).

Hycomat: (Kunstwort) Werksbezeichnung für einen elektrohydraulischen Kupplungsautomaten, mit dem PKWs vom Typ «Trabant» zum Teil ausgestattet werden.

Hyderabad: 1. Hauptstadt des Unionsstaates Andhra Pradesh (Indien); als Stadtagglomeration mit Secunderabad und 14 anderen Orten 2,6 Millionen Einwohner; Textilindustrie, Maschinenbau (Waggons, Werkzeugmaschinen), elektrotechnische und chemische Industrie, Leder-, Tabak-, Papierindustrie; Flughafen; 2 Universitäten.

2. Stadt im Südosten Pakistans, am unteren Indus; 800000 Einwohner; Industriezentrum mit vielfältiger Leichtindustrie, Zementindustrie und Maschinenbau; berühmtes Kunsthandwerk; Flusshafen; Universität.

Hydra: 1. Astronomie: das Sternbild Nördliche (oder Weibliche) Wasserschlange.

2. Biologie: bekannteste Gattung der Süßwasserpolypen; Körper bis 2 cm, Tentakel bis 5 cm lang; einzeln an Wasserpflanzen, Schneckenschalen und so weiter festsitzende Nesseltiere; Kleintierfresser; Fortpflanzung hauptsächlich durch Knospung.

Hydra: in der griechischen Sage neunköpfige Wasserschlange im Sumpf von Lema (daher Lernäische Schlange), deren abgeschlagene Köpfe doppelt nachwuchsen; von Herakles getötet, indem er die Halsstümpfe ausbrannte.

Hydrant: auf Rohrleitungen zentraler beziehungsweise betrieblicher Wasserversorgungsanlagen aufgeflanschte Anschlussstelle für Schläuche zur Löschwasserentnahme. Es wird zwischen Unterflurhydrant (schließt mit der Straßendecke ab) und Überflurhydrant (ragt über die Straßendecke hinaus) beziehungsweise Wandhydrant in Gebäuden unterschieden. Anzahl, Beschilderung sowie Freihaltung und Wartung der Hydrant unterliegen gesetzliche Bestimmungen.

Hybridisierung: eines s-Orbitals und eines p-Orbitals zu einem sp-Hybrid-Orbital (I); Hybridisierung eines s-Orbitals und dreier p-Orbitale zu einem sp-Hybridorbital.

Hydratation: 1. Hydratation, Hydration:

Bautechnik: Abbinden mineralische Bindemittel unter Gelbildung. Hydratation wird unterteilt in Erstarren und Erhärten.

2. Chemie: Anlagerung von Wassermolekülen an Ionen, Moleküle oder Kolloidteilchen unter Bildung von Hydraten; ein Spezialfall der Solvatation (Anlagerung von Lösungsmittelmolekülen).

Hydratationswasser: der Teil des Adsorptionswassers (Bodenwasser), der als Hydratationshülle die Kationen umgibt und mit diesen an die Bodenkolloide angelagert ist.

Hydrate: Substanzen, in denen Wassermoleküle an andere Moleküle oder Ionen gebunden (Aquokomplexe, Kristallwasser) oder in denen andere Moleküle in die Hohlräume kristallisierten Wassers eingeschlossen sind (Gashydrate; Einschlussverbindungen).

Hydration: zu Dichtungszwecken mit Wasserglas und Natriumhydrogenkarbonat versetzter bindiger Erdstoff; zum Beispiel als Tondichtung für Schifffahrtskanäle verwendet.

Hydratzellulose-Hydratcellulose: durch chemische Umwandlung (zum Beispiel Lösung als Viskose) und Regenerierung schwach abgebaute, wasserhaltige und in ihrer Sekundärstruktur veränderte Zellulose. Hydratzellulose-Hydratcellulose ist leichter quellbar und reaktionsfähiger, zum Beispiel werden Farbstoffe leichter sorbiert. Aus Hydratzellulose-Hydratcellulose bestehen die Cellulose-Regeneratfaser-Stoffe.

Hydraulefaktoren: Kieselsäure, Eisenoxid und Tonerde in kalkhaltigen mineralischen Bindemitteln, die nach dem Brennen das Erhärten unter Wasser ermöglichen und Wasserbeständigkeit des erhärteten Mörtels beziehungsweise Betons gewährleisten.

Hydraulik: Anwendung der Hydromechanik in der Technik. Hydrostatische Antriebe finden zum Beispiel Anwendung im Werkzeugmaschinen-, Plastikverarbeitungsmaschinen-, Schiff-, Fahrzeug-, Landmaschinen-, Baumaschinen-, Traktorenbau. Vorteile sind günstige Leistungsmasse (kW/kg) der Antriebe, einfache Erzeugung geradliniger Bewegungen ff Arbeitszylinder), einfache Einstell-, Steuer- und Regelbarkeit von Kraft, Drehmoment, Geschwindigkeit und Drehzahl sowie der Bewegungsrichtung der bis zum Stillstand überlastbaren Antriebe. Bei der Servohydraulik erfolgt die Steuersignalerfassung und -Verarbeitung insbesondere durch elektronische Mittel und Leistungsverstärkung, zum Beispiel durch ein Servoventil; Anwendung unter anderem für Lage- und Geschwindigkeitsregelung in Werkzeugmaschinen und Industrierobotern. In der Wechselstrom- und Impulsstromhydraulik erhält die Hauptbewegung des hydrostatischen Motors durch einen hydraulischen Frequenzgenerator (10 Hz bis etwa 10 kHz) pulsierenden oder vibrierenden Charakter, Anwendung zum Beispiel in Schmiedepressen (Materialverdichtung) und Flugzeugfahrwerken (Verhinderung von Verklemmungen beim Ausfahren).

Hydraulis-Wasserorgel: älteste Form der Orgel, bei der durch Wasserdruckanwendung ein System zur komprimierten Luftzufuhr für die Pfeifen geschaffen war, wurde im 3. Jahrhundert vor Christus von dem Mechaniker Ktesibios von Alexandria konstruiert.

hydraulische Förderer: Strömungsförderer zur Förderung einer Aufschlämmung von Sand, Feinkohle, Erzkonzentrat, Asche unter anderem, auch von Beton und Mörtel, durch Rohre mittels Pumpen. Beim Pumpverfahren wird das Fördergemisch von einer verschleiß- und verstopfungsgeschützten Pumpe in die Förderleitung gedrückt. Für abrasive Güter und große Förderentfernungen beziehungsweise -Höhen ist das Einschleussverfahren vorteilhafter, bei dem Schleusen das Gut in die bereits unter Druck stehende Leitung eintragen.

hydraulischer Modul: Masseverhältnis der basischen (Kalk) zu den sauren (Kieselsäure, Eisenoxid, Tonerde) Klinkeranteilen im Zement. Der hydraulische Modul gilt als Bewertungsmaßstab und beträgt bei gutem Portlandzement etwa 2.

hydraulischer Motor: Motor, der die Energie eines ihn durchströmenden hydraulischen Druckmittels in eine Kraft oder ein Moment und eine Bewegung umsetzt. Je nachdem, ob er die statische Druckenergie oder die kinetische Energie des Druckmittels nutzt, spricht man von hydrostatischer (zum Beispiel Axialkolben-, Drehflügelmotor) oder hydrodynamischer Motor (zum Beispiel Wasserturbine).

Hydrazin: eine farblose, giftige, wasserlösliche, schwach ammoniakähnlich riechende Flüssigkeit von basischen Charakter, Kp 113,5 °C. Dimethylhydrazin, ist ein Raketentreibstoff.

Hydria: altgriechischer Wasserkrug aus Ton oder Metall mit einem Vertikal- und 2 Horizontalhenkeln.

Hydride: chemische Verbindungen zwischen Wasserstoff und einem anderen Element. Das salzartige Kalziumhydride, CaH2, enthält das Hydridion H“; es entwickelt mit Wasser etwa 1 Liter Wasserstoff je Gramm («fester Wasserstoff»). Metallhydride sind zum Beispiel Titan- und Zirkoniumhydride; Nichtmetallhydride, zum Beispiel Ammoniak oder Schwefelwasserstoff, sind gasförmig oder verdampfen leicht.

Hydrierung: Anlagerung von Wasserstoff an chemischen Verbindungen. In der Technik erfolgt die Hydrierung meist katalytisch bei hohen Drücken und hohen Temperaturen. Die katalytische Hochdruckhydrierung von Braunkohlenteer oder Erdöl, ursprünglich im Gemisch mit Kohle (Bergius-Verfahren, «Kohleverflüssigung») bei 20 bis 30 MPa und 400 bis 500 °C liefert neben gasförmigen Alkanen vorwiegend flüssige Kohlenwasserstoffe. Auch bei der Gewinnung von leichten Kohlenwasserstoffen aus schweren Ölen (Spaltverfahren) und bei der Entschwefelung von Benzin und Gasöl (Raffination) spielt die Hydrierung eine wichtige Rolle. Siehe auch Fetthärtung.

Hydro: Wasser enthaltend, sich auf Flüssigkeiten beziehend, Wasser.

Hydrobiologie: Lehre vom Leben im Wasser, Teilgebiet der Biologie. Die Hydrobiologie untersucht die Organismen des Wassers und ihre Wechselbeziehungen zu den besonderen Umweltbedingungen in Binnengewässern und im Meer. Fischereibiologie und technische Hydrobiologie sind Teilgebiete der angewandten Hydrobiologie.

Hydrochinon: zweiwertiges Phenol der Formel I, bildet färb- und geruchlose, heißwasserlösliche Kristallnadeln; F 172 °C; es wird als fotografischer Entwickler und Oxydationsinhibitor verwendet. Siehe auch Phenole.

Hydrodynamik: Lehre von der strömenden Bewegung inkompressibler Medien, insbesondere von Flüssigkeiten sowie von Gasen bei kleinen Geschwindigkeiten; Teilgebiet der Hydromechanik. Wichtigste Anwendungen beziehen sich auf Tragflügel, Propeller, Turbinen, Flugkörper, auf Strömungen in Rohren und Flüssen sowie auf die Lagerschmierung. Zur theoretischen Behandlung dient für reibungsfreie (ideale) Flüssigkeiten die Eulersche Gleichung der Hydrodynamik, für zähe Flüssigkeiten die allgemeinere Navier-Stokes-Gleichung. Zur Beschreibung der Verhältnisse an der Grenze zu festen Körpern benutzt man die Prandtlschen Grenzschichtgleichungen. Experimente zur Hydrodynamik werden häufig als Modellversuche in Wasserkanälen und Windkanälen durchgeführt. Siehe auch Aerodynamik, Gasdynamik, Hydraulik.

hydrodynamisches Paradoxon: die Erscheinung, dass beim Ausströmen von Flüssigkeit oder Gas aus einem Rohr gegen eine vor dem Rohr befindliche Platte diese entgegen der Vermutung stark angezogen wird. Nach der Bernoullischen Gleichung ist das verständlich, da in dem Raum zwischen Rohr und Platte wegen der hohen Strömungsgeschwindigkeit ein Unterdrück herrscht.

hydrodynamische Vliesbildung: Verfahren zur Herstellung von Nass-Vliesstoff ähnlich der Papierherstellung, wobei 6 bis 30 mm lange Chemiefasern verwendet werden, die von Wasser aufgelöst, transportiert und auf einem Sieb zum Vlies abgelegt werden. Hergestellt werden nach diesem Prinzip leichte Vliese (ab 10 g/m2) mit hoher Produktivität (bis 1000 m2/min).

Hydroformverfahren: Sonderverfahren des Tiefziehens zur Herstellung komplizierter, zum Beispiel parabolischer oder kegeliger Hohlkörper mittels Flüssigkeitsdruckes. Dabei wirkt die Flüssigkeit nicht als Stempel und drückt das Ziehgut in die Matrize hinein, sondern zieht das Ziehgut durch den Flüssigkeitsdruck über einen Stempel aus Holz oder Metall.

Hydrogensalze: heteropolare Verbindungen mit Anionen, die neben dem Säurerest Wasserstoff enthalten, zum Beispiel Natriumhydrogenkarbonat (NaHC03), Natriummonohydrogenphosphat (Na2HP04), und Natriumdihydrogenphosphat (NaH2P04). Hydrogensalze können durch unvollständige Neutralisation mehrbasiger Säuren hergestellt werden.

Hydrogeochemie: Zweig der Geochemie, der die Zusammensetzung des Wassers und dessen Einfluss auf die Migration und Verteilung der chemischen Elemente in der Hydrosphäre erforscht. Praktisch unter anderem als hydrogeochemische Prospektion angewandt.

Hydrogeologie: Wissenschaft vom Wasserhaushalt der Gesteine und Gesteinsverbände, der Möglichkeit der Wassergewinnung und der geologischen Grundlagen für Wasserbauwerke.

Hydroisohypsen, Grundwasserhöhenlinien: Linien gleicher Höhe der Grandwasseroberfläche im Baugrund. Je dichter die Hydroisohypsen liegen, desto größer ist das Gefälle. Die Fließrichtung verläuft rechtwinklig zu den Hydroisohypsen.

Hydrol: Rückstand bei der Verarbeitung von Mais zu Dextrose; Bestandteil von Mischfuttermitteln.

Hydrolasen: Klasse von Enzymen, die Ester, Glykoside, Peptide, Proteine, Amide oder Säureanhydride durch Wassereinbau (Hydrolyse) spalten. Zu den Hydrolasen gehören zum Beispiel Amylasen, Lipasen, Proteasen, Desoxyribonukleasen.

Hydrolenkung: Lenkhilfe, besonders an schweren Nutzfahrzeugen, durch die das manuelle Lenken mittels eines vom Motor gespeisten hydraulischen Systems unterstützt wird.

Hydrologie: interdisziplinäre Wissenschaft vom Wasser und seinen Erscheinungsformen, Zusammenhängen und Wechselwirkungen mit umgebenden Medien über, auf und unter der Erdoberfläche; umfasst Hydrographie, Hydrometrie sowie als Hydrologie des Festlandes (Gewässerkunde) die Teilgebiete Potamologie, Limnologie und Geohydrologie. Ozeanologie und Glaziologie haben sich als eigenständige Wissenschaftsgebiete aus der Hydrologie entwickelt.

Hydrolysate: Verwitterungsprodukte von Gesteinen, die als feinste Teilchen meist durch Wasser transportiert und wieder abgelagert werden; zum Beispiel Tonminerale.

Hydrolyse: Zerlegung einer chemischen Verbindung durch Reaktion mit Wasser. Unter Hydrolyse im engeren Sinne wird die Spaltung von Salzen schwacher Säuren oder Basen in wässriger Lösung verstanden, wobei die saure oder alkalische Reaktion der Lösung durch den stärker dissoziierten Reaktionspartner bestimmt wird. Zum Beispiel reagiert die Lösung von Ammoniumchlorid, infolge Hydrolyse sauer, da Salzsäure, stärker dissoziiert ist. Hydrolyse im weiteren Sinne bezeichnet die Spaltung von Estern (Verseifung) oder den Abbau von Polysachariden zu Monosachariden.

hydrolytische Klasse: Kennzeichnung der Wasserbeständigkeit von Glas. Die Prüfung erfolgt an in Wasser erhitztem Glasgrieß, wobei der in Lösung gegangene Alkalianteil bestimmt wird. Die Gläser werden nach steigender Wasserlöslichkeit in die hydrolytische Klasse I bis V untergliedert.

Hydromechanik: Lehre vom Gleichgewicht (Hydrostatik) und der Bewegung (Hydrodynamik) von Flüssigkeiten; Teilgebiet der Mechanik.

Hydrometallurgie, Nassmetallurgie: metallurgisches Verfahren zur Gewinnung von (besonders Nichteisen-) Metallen, bei denen Verbindungen der zu gewinnenden Metalle aus dem Erz in wässrige Lösung übergeführt werden. Aus der erzeugten Metallsalzlösung wird durch chemische oder physikalische Methoden das Metall oder Metallsalz ausgefällt.

Hydrometeore: Gesamtheit flüssiger oder fester Wasserpartikel, die in der Atmosphäre schweben (Wolken, Nebel) oder fallen (Niederschlag) oder sich an Gegenständen ablagern (Nebelfrost, Reif, Tau).

Hydrometeorologie: Teilgebiet der angewandten Meteorologie, das sich mit den Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre und Hydrosphäre befasst und vornehmlich die Auswirkungen meteorologischer Größen und Vorgänge auf den Wasserkreislauf und den Wasserhaushalt untersucht.

Hydrometrie: Teilgebiet der Hydrologie, das sich mit Methoden, Techniken und Geräten zur Erfassung und Bestimmung der hydrologischen Größen wie Wasserstand, -temperatur, befasst.

Hydromorphie: in der Bodenkunde durch Nässe gestaltete Bodenbedingungen. Man unterscheidet im Rahmen der Bodensystematik hydromorphe und anhydromorphe Böden; zu den hydromorphen zählen Gleye, Staugleye, Anmoorgleye und Moore, zu den anhydromorphen alle Böden ohne hervortretende Grundwasser- und Staunässemerkmale, zum Beispiel Braunerden, Schwarzerden.

Hydronalium: korrosions- und seewasserbeständige Aluminiumknetlegierung mit Zusatz von 3 bis 7 % Magnesium.

Hydronephrose: a Schnittfläche einer normalen Niere, b dasselbe bei Hydronephrose mit Erweiterung von Nierenbecken und Nierenkelchen sowie verengtem Harnleiter

Hydronephrose-Wassersackniere: sackartige Erweiterung des Nierenbeckenkelchsystems mit Gewebeatrophie als Folge einer über längere Zeit bestehenden Abflussbehinderung aus der Niere. Der gesteigerte Harndruck kann zum Schwund des funktionstüchtigen Nierengewebes fuhren. Harnstauungsursachen können unter anderem Nierensteine, Nierenbeckenmissbildungen oder Verengungen des Harnleiters sein.

Hydroniumion: Ion der chemischen Formel H30+. Wasserstoffionen (H+) liegen in wässriger Lösung stets hydratisiert vor, indem sie ein Molekül Wasser fest binden und gemäß der Formel H,04+ weitere 3 Wassermoleküle lockerer anlagern. Hydroniumione sind in reinem Wasser nur sehr wenig vorhanden; sie entstehen zum Beispiel durch chemische Reaktion von Säuren mit Wasser in je nach Stärke der Säure abgestuftem Maß und verursachen die saure Reaktion entsprechend Lösungen.

hydrophil: wasserfreundlich, wasseraufnehmend, wasseranziehend; im Wasser lebend.

hydrophob: wasserfeindlich, wasserabweisend, von Wasser nicht benetzbar.

hydrophobe Bindung: Wechselwirkung unpolarer Moleküle und Molekülgruppen in polaren Lösungsmitteln, die durch eine Zunahme der Entropie im Lösungsmittel begünstigt wird.

Hydrophobie: Wasserscheu; wichtiges Symptom bei Tollwut.

Hydrophobierung: Appretur, durch die Textilien wasserabweisend werden.

Hydrophon: technische Einrichtung zur Aufnahme von Schallwellen bei seismische Messungen im Meer und in Binnengewässern; auch zur Ortung von Fischschwärmen verwendet. Bei seeseismische Messungen sind die Empfänger in schwimmfähige Seekabelbäume eingebettet und werden vom Messschiff geschleppt. Siehe auch Geophon.

Hydrophthalmus, Buphthalmus: angeborenes Glaukom (grüner Star) mit Vergrößerung des Augapfel Durchmessers als Reaktion der dünnen kindlichen Augapfel Hüllen auf eine Drucksteigerung.

Hydroponik, Hydrokultur: erdeloser Pflanzenbau, bei dem die Pflanzen in nährstoffhaltigem Wasser (Nährlösung) wachsen. Dabei können die Wurzeln in einem nährstofffreien, aber regelmäßig mit Nährlösung durchtränktem Substrat Halt finden (zum Beispiel Kies, Mineralwolle) oder unmittelbar in die stehende (Tankkultur) beziehungsweise fließende (Nährstoff-Film-Technik) Nährlösung eintauchen. Hydroponik wird auch zur Produktion von vitaminreichem Grünfutter für die Jungviehaufzucht in den Wintermonaten und zur Produktion und Haltung von Zimmerpflanzen genutzt (Hydrotopf).

Hydrops: Wassersucht; krankhafte Flüssigkeits- und Wasseransammlung in Gewebe und Körperhöhlen; siehe auch Ödem.

Hydrosphäre: Wasserhülle der Erde; 0,25 % der Erdmasse; umfasst die Gesamtheit der Ozeane, die Gewässer des Festlandes einschließlich des Grundwassers und der festen Ablagerungen wie Schnee und Eis. Die Wasservorkommen der Erde umfassen 1,386 Md. km3, davon entfallen 96,5 % auf die Ozeane, 1,7 % auf die Wasservorräte des Festlandes und 1, 8 % auf Polareis und Gletscher.

Hydrostatik: Lehre vom Gleichgewicht ruhender Flüssigkeiten unter der Einwirkung äußerer Kräfte (Schwer-, Zentrifugalkraft), Teilgebiet der Hydromechanik; wichtig für die Bestimmung des Gleichgewichts schwimmender oder schwebender Körper. Siehe auch Auftrieb, Druck, Metazentrum.

hydrostatischer Druck: Druck in ruhenden Flüssigkeiten oder Gasen; die durch ihn bewirkte Kraft wirkt stets senkrecht auf die Gefäßwand und die Oberfläche. Der durch die Schwerkraft verursachte, der Tiefe proportionale hydrostatische Druck (Schweredruck) ist Ursache für den statischen Auftrieb eingetauchter Körper.

hydrostatisches Paradoxon: die überraschende Erscheinung, dass der von einer Flüssigkeit ausgeübte Bodendruck nur von der Höhe der Flüssigkeitssäule, aber nicht von ihrer Menge abhängt.

hydrostatische Waage: Gerät zur Bestimmung der Dichte eines festen Körpers; der Körper wird mit der hydrostatische Waage in Luft und in einer Flüssigkeit bekannter Dichte gewogen und hieraus sein Auftrieb in der Flüssigkeit bestimmt. Daraus ergibt sich nach dem Archimedischen Prinzip sein Volumen und aus diesem und der Masse des Körpers seine Dichte.

Hydrotherapie, Hydriatrie, Wasserheilkunde: auf Wasseranwendungen beruhendes Behandlungsverfahren (zum Beispiel Waschungen, Bäder, Abklatschungen, Güsse, Dämpfe), das über kräftige mechanische, thermische und chemische Hautreize anregend auf Kreislauf- und Nervensystem, Stoffwechselvorgänge, Wärmeregulation unter anderem wirkt.

hydrothermal: Mineralogie Bezeichnung für heiße, wässrige Lösungen unterhalb etwa 400 °C, die besonders Metallverbindungen enthalten und aus denen sich hydrothermale Minerale und Erze ausscheiden.

Hydroxide: Stoffe mit Hydroxidionen OH", zum Beispiel Natriumhydroxide oder Tetramethylammonium-Hydroxide. Die Hydroxide haben im Allgemeinen basischen Charakter. Die Alkali-, die meisten Erdalkali- und auch organische Hydroxide ergeben mit Wasser alkalisch reagierende Lösungen; die übrigen Hydroxide sind in der Regel unlöslich.

Hydroxidion: Ion der Formel OH"; kommt in wässriger Lösung stets hydratisiert vor und bewirkt dort die alkalische Reaktion entsprechend Lösungen.

Hydroxylamin: eine färb- und geruchlose, hygroskopische, kristalline, bei raschem Erhitzen explodierende Substanz von basischen Charakter; bildet mit Aldehyden und Ketonen Oxime.

Hydroxylgruppe, Hydroxygruppe: die Atomgruppe -OH; elektrisch negativ als basische Hydroxidion, neutral als funktionelle Gruppe der Alkohole und Phenole.

Hydroxyprolin, Symbol Hyp. - Eine stickstoffheterozyklische Aminosäure bildet färb- und geruchlose, tafelförmige Kristalle. Hydroxycitronellal: eine farblose, nach Maiglöckchen riechende Flüssigkeit, die aus Citronellol hergestellt und in der Parfümerie verwendet wird.

Hydrozele, Wasserbruch: schmerzlose Flüssigkeitsansammlung in den Hodenhüllen mit Vergrößerung des Hodensackes.

Hydrozinkit, Zinkblüte-. Mineral, wasserhaltiges Zinkkarbonat; derbe, schalige Aggregate; Oxydationsbildung auf Zinklagerstätten.

Hydrozoen, Hydrozoa: Klasse der Nesseltiere mit Generationswechsel zwischen festsitzendem Polypen und freischwimmender Qualle; vorwiegend im Meer lebend.

Hydrozyklon: Apparat des nassen Stromklassierens (Klassieren), der im allgemeinen aus einem feststehenden, vorwiegend zylindrisch-konischer Behälter (Durchmesser 15 bis 1400 mm) besteht, dem die Suspension unter Druck tangential zugeführt und im Inneren zu Umlaufströmungen gezwungen wird. Aufgrund der Fliehkraft werden gröbere Körner in den abwärts gerichteten Außenwirbel abgedrängt und verlassen den Hydrozyklon durch die Unterlaufdüse. Dagegen verbleiben die feineren Teilchen vorwiegend im aufwärts gerichteten Innenwirbel und werden durch die Überlaufdüse ausgetragen. Der Hydrozyklon ist in vielen Industriezweigen (zum Beispiel Mineralaufbereitung, chemische und keramische Industrie) seit etwa 30 Jahren (erstes Patent um 1900) für die Klassierung zwischen 3 und etwa 250 ftm, für das Eindicken von Suspensionen und für das Wasserklären unentbehrlich geworden.

Hydrus: (lateinisch griechisch) das Sternbild südliche (Männliche, Kleine) Wasserschlange.

Hygieia, (griechisch, «Gesundheit») Hygia (lateinisch), griechische Göttin der Gesundheit, Tochter des Heilgottes Äskulap.

Hygiene: (griechisch, «Gesundheitslehre») medizinische Disziplin, die durch Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen Organismus und Umwelt Normen und Maßnahmen erarbeitet, deren Durchsetzung die Verhütung von Krankheiten sichert und optimale Bedingungen für das Leben und das Wohlbefinden des Menschen schafft. In der heutigen Praxis und Wissenschaft der Hygieia sind besonders 4 Zweige erkennbar: Mikrobiologie und Seuchenschutz, allgemeine und Kommunalhygiene, Arbeitshygiene, Sozialhygiene.

Hygieneaktiv: gesellschaftliche Form der aktiven Mitwirkung interessierter Bürger und Helfer des Deutschen Roten Kreuzes der DDR bei der hygienischen Gestaltung der Arbeits- und Lebensbedingungen in Städten, Gemeinden und Betrieben. Die Hygieneaktive unterstützen die Tätigkeit der Staatlichen Hygieneinspektion.

hygro: die Feuchtigkeit betreffend, Feuchtigkeit enthaltend oder aufnehmend.

Hygrograph, Feuchtigkeitsschreiber: Messgerät zur selbsttätigen Aufzeichnung der relativen Luftfeuchte nach unterschiedlichen Messverfahren.

Hygrom: entzündliche, flüssigkeitshaltige Anschwellung von Schleimbeuteln oder Sehnenscheiden.

Hygrometer: (griechisch, «Feuchtigkeitsmesser») Instrument zur Bestimmung der Luftfeuchte. Im Absorptionshygrometer wird die Feuchte aus der Massezunahme einer hygroskopischer Substanz ermittelt, über die eine abgemessene Luftmenge geleitet wird. Im Haarhygrometer wird die Eigenschaft eines entfetteten Haares ausgenutzt, sich bei Aufnahme von Flüssigkeit auszudehnen. Beim Psychrometer wird ein Luftstrom an einem trockenen und einem feucht gehaltenen Thermometer vorbeigeleitet; die Temperaturdifferenz ist ein Maß für die Luftfeuchte.

hygrophil: feuchtigkeitsliebend; hygrophile Tiere bevorzugen feuchte und nasse Biotope.

Hygrophyten: Pflanzen feuchter Standorte; häufig in den tropischen Regenwäldern, zum Beispiel Aronstabgewächse.

hygroskopisch: Wasserdampf aus der Luft aufnehmend und dabei feucht werdend; feste Substanzen zerfließen hierbei, Gase bilden Nebel.

Hyksos: (ägyptisch, «Herrscher der Fremdländer») vermutlich aus Semiten und Churri bestehende asiatischen Nomadenstämme; stellten die letzten Ausläufer einer Wanderbewegung in Vorderasien dar und herrschten um 1730 bis um 1562 vor Christus in Ägypten. Ihre befestigte Hauptstadt war Auaris (das spätere Tanis) im östlichen Nildelta.

Hylozoismus: Auffassung besonders der frühgriechischer Denker, dass der Stoff (die stofflichen, korpuskularen Materie) nicht tot, sondern mit Leben, Seele, Geist erfüllt sei. Elemente des Hylozoismus finden sich auch später bei materialistisch-pantheistischen Denkern wie G. Bruno, D. Diderot, J. W. Goethe unter anderem

Hymen: 1. Jungfernhäutchen.

2. Hymen, Hymenaios, Hymenaeus: Hochzeitslied, nach altem Volksbrauch während des Hochzeitsfestes gesungen; meist in Hexametern abgefasst.

Hymen, Hymenaios, Hymenaeus, griechischer Gott der Hochzeit, wird als schöner Jüngling dargestellt.

Hymir, in der altnordischen Göttersage starker Riese.

Hymne-Hymnus: feierliche, der strenger gegliederten Ode verwandte Gedichtform, in der stilistisch meist über den Gestus des Anrufens oder des Ansprechens nationalgeschichtliche Ereignisse und Persönlichkeiten, ideell-moralische Werte oder Ideale gepriesen werden. ursprünglich antikes Preislied auf Götter und Helden. Aufschwung und Blütezeit der Hymne-Hymnus in der klassischen deutschen Literatur des 18. Jahrhundert, unter anderem bei F. G. Klopstock, J. W. Goethe, F. Schiller, insbesondere F. Hölderlin; in der sozialistischen Dichtung erneuerte unter anderem J. R. Becher die Hymne-Hymnus

Hungnam: Stadt im Osten der KDVR, Doppelstadt mit Hungnam-, zusammen 600000 Einwohner; Schwermaschinenbau, Baustoff-, chemische Industrie, Werft; Hochseehafen; in der Umgebung Bergbau auf Steinkohle und Eisenerz. Hyogo: Präfektur in Japan, im Südwesten der Insel Honshu, zwischen Japanischer Inlandsee und Japanischen Meer; 8 372 km2, 5,1 Millionen Einwohner; 609 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Kobe; Konzentration der Bevölkerung in zahlreichen Küstenstädten; vielfältige Wirtschaftsstruktur, besonders Metallurgie, chemische, Nahrungsmittel-, elektrotechnische Industrie und Maschinenbau. Der Hafen von Kobe zählt zu den größten Seehäfen der Erde. Siehe auch Hanshin.

Hyperämie: Blutfülle in Körperteilen oder Organen durch vermehrten Zufluss mit beschleunigtem Blutstrom (aktive Hyperämie, arterielle Hyperämie), durch behinderten Abfluss mit Blutstauung (passive Hyperämie, venöse Hyperämie) oder durch Erweiterung der kleinsten Blutgefäße der Endstrombahn mit verlangsamtem Blutstrom (prästatische Hyperämie, terminale Hyperämie).

Hyperbel: 1. Kegelschnitt; ebene, aus 2 Ästen bestehende Kurve, für deren Punkte P die Differenz der Abstände rh r2 von 2 Brennpunkten F, F2 gleich der Konstanten 2a ist Dies ist die Länge der Hauptachse zwischen den Scheiteln Su S2. Ist 2e der Abstand von Fu Ft, so legt die aus b1 = e1 a1 bestimmte Streckenlänge b die Asymptoten der Hyperbel fest, denen die Hyperbeläste beliebig nahe kommen, ohne mit ihnen gemeinsame Punkte zu haben.

2. übertreibende («eine Ewigkeit warten») oder untertreibende («um einen Augenblick Gehör bitten») Umschreibung; auch Wortbildung (todmüde).

Hyperbelfunktionen: jede durch eine der folgenden Funktionsgleichungen definierte Funktion (wobei e die Exponentialfunktion ist).

Hyperboloid: Fläche, die von allen Ebenen eines bestimmten Büschels in Hyperbeln geschnitten wird und deren Schnittfiguren mit weiteren Ebenen stets Kegelschnitte sind. Es gibt ein- und zweischalige Hyperboloid; Rotationshyperboloid entstehen durch Rotation einer Hyperbel um eine ihrer Symmetrieachsen.

Hyperboreer: in der Antike sagenhaftes Volk, das im äußersten Norden in immerwährender Glückseligkeit lebte.

Hyperdaktylie, Polydaktylie (beide griechisch): Vorhandensein überzähliger Finger oder Zehen.

Hyperemesis: sehr starkes Erbrechen. Bei Hyperemesis gravidarum übermäßiges, schwangerschaftsbedingtes Erbrechen unter anderem mit Gewichts-, Wasser- und Elektrolytverlust sowie Temperaturanstieg; bei schwerem Verlauf Leber-, Nieren-, Kreislauf- und Hirnstörungen; tritt meist nur im 1. Drittel der Schwangerschaft auf.

hypergene Prozesse: alle geochemischen Prozesse an der Erdoberfläche, zum Beispiel Verwitterung, Boden- und Sedimentbildung. Siehe auch hypogene Prozesse.

Hyperglykämie: Erhöhung des Glukosespiegels im Blut über den Normbereich von 4,5 bis 5,5 mmol/1 (Blutzucker); oft Zeichen einer gestörten Kohlenhydratverwertung. Die Senkung unter den Normbereich wird als Hypoglykämie bezeichnet.

Hyperhidrosis: allgemeine oder auf bestimmte Bezirke begrenzte vermehrte Schweißabsonderung infolge normaler (Hitze) oder krankhafter Einflüsse (Angst).

Hyperion, in der griechischen Sage Titan, Vater von Helios, Selene und Eos; auch Beiname des Helios. Titel des bekenntnishaften Briefromans von F. Hölderlin.

Hyperkeratose, Keratose: angeborene oder erworbene, begrenzte oder flächenhafte übermäßige Verhornung der Haut infolge vermehrter Hornbildung oder verminderter Abschilferung. Die Haut wird dadurch spröde und rissig (zum Beispiel an Ferse oder Handteller).

Hyperkinese: abnorm gesteigerte Bewegungstätigkeit, Bewegungsunruhe, insbesondere durch Organ. Erkrankungen des Nervensystems, zum Beispiel bei Veitstanz oder aber bei Psychosen.

Hyperladung: ladungsartige Quantenzahl (Zeichen Y) der Elementarteilchen, die bei starken Wechselwirkungen erhalten bleibt, zum Beispiel haben Nukleonen 7=1 und Pionen Y = 0. Die Hyperladung ist mit Baryonenzahl A und Strangeness S gemäß 7 = ^ + 5 verknüpft. Siehe auch unitäre Symmetrie.

Hyperlipidämie, Hyperlipoproteinämie: erhöhter Gehalt des Blutes an Fettstoffen (Lipide, Lipoproteine), zum Beispiel Triglyzeride, Cholesterol. Hyperlipidämie sind weit verbreitete angeborene, primäre oder erworbene sekundäre Störungen des Fettstoffwechsels, zum Beispiel infolge Zuckerharnruhr, Schilddrüsenunterfunktion, Alkoholmissbrauchs; häufig verbunden mit Übergewicht, Gicht, Diabetes, Bluthochdruck oder Fettleber («Wohlstandssyndrom») infolge Fehlernährung, vor allem Überernährung. Hyperlipidämie bewirken eine maßgebliche Förderung der arteriosklerotisch bedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Hyperm: (Kunstwort) Handelsbezeichnung für magnetische Bleche bestimmter Eisen-Silizium- beziehungsweise Eisen-Nickel-Legierungen.

Hypermenorrhoe: zu starke Regelblutung von normaler Dauer, kann organisch oder hormonell bedingt sein.

Hyperonen: Gruppe von Elementarteilchen aus der Familie der Baryonen, die im Unterschied zu den Nukleonen Strangeness S0 haben. Die Hyperonen sind schwerer als die Nukleonen und wurden zuerst in der kosmischen Strahlung entdeckt; sie entstehen immer zusammen mit Kaonen oder Anti-Hyperonen. Zu den Hyperonen gehören das Lambda-Hyperonen, die Sigma-Hyperonen. die Xi-Hyperonen, das Omega-Hyperonen, deren Antiteilchen und angeregte Zustände (Hyperonen Resonanzen). Siehe auch Elementarteilchen.

Hyperparathyreoidismus: auf Überfunktion der Nebenschilddrüsen beruhende Hormonstörung infolge Hyperplasie oder Tumors (primärer Hyperparathyreoidismus) oder reaktiv bei bestimmten Erkrankungen mit Störungen des Vitamin-D- und Kalzium Phosphat-Stoßwechsels (sekundärer Hyperparathyreoidismus).

Hyperpigmentierung: vermehrte fleckförmige oder diffuse Melanineinlagerung in der Haut infolge verstärkter Sonneneinwirkung, hormoneller, entzündlicher oder exogener (Wärme, Druck, Röntgenstrahlen) Ursachen oder als rassisches Merkmal.

Hyperplasie: Größenzunahme eines Gewebes oder Organs infolge Zellvermehrung. Die glanduläre Hyperplasie, ein übermäßiges, drüsiges Wachstum der Gebärmutterschleimhaut, führt zu verstärkten und verlängerten Blutungen; besonders in den Entwicklungs- und Wechseljahren auftretend.

Hyperpolarisation: Erhöhung der Differenz des elektrischen Potentials der Außenmembran von Nervenzellen über den Ruhewert (Ruhemembranpotential) hinaus beziehungsweise erschwerte Bereitschaft der Membran zur Depolarisation. Die Hyperpolarisation ist verbunden mit einer Senkung der Erregbarkeit der Zelle.

Hyperschall: Schallwellen mit Frequenzen oberhalb etwa 105 Hz.

Hypersensibilisieren, Übersensibilisieren: Erhöhen der Empfindlichkeit fotografischer Materialien durch spezielle Behandlung vor der Aufnahme (zum Beispiel Einwirkung von Quecksilberdämpfen, Baden in Ammoniaklösungen).

Hyperthermie: Wärmetherapie durch Erzeugung hochfrequenter elektrischer Ströme, die im Körper in Wärme umgewandelt werden. Die Anwendung erfolgt in Form einer Ganzkörperbehandlung, zum Beispiel bei rheumatischen Erkrankungen.

hypertonisch: höheren osmotischen Druck aufweisend als eine Vergleichslösung, zum Beispiel Blutplasma; allgemein ist eine Lösung gegenüber einer anderen hypertonisch, wenn sie auf Grund höherer Teilchenkonzentration einen höheren osmotischen Druck entwickelt. Siehe auch hypotonisch.

Hypertrichose, Polytrichie: übermäßige Entwicklung der normalen Körperbehaarung beim Menschen.

Hypertrophie: Größenzunahme eines Gewebes oder Organs durch Zellvergrößerung.

Hyperventilation: übermäßig vertiefte und zum Teil beschleunigte Atmung bei Sauerstoffmangel oder auch willkürlich. Es kommt zur Senkung des Partialdruckes von Kohlendioxid im Blut.

Hyphen: Pilzfäden; verzweigte schlauchartige Fäden, die organischen Nährsubstrate durchwachsen und den Vegetationskörper der höheren Pilze und Flechten bilden.

Hypnos, in der griechischen Sage Gott des Schlafes, Sohn der Nyx (Nacht), Bruder des Thanatos (Tod); als geflügelter Jüngling dargestellt.

Hypnose: schlafähnlicher Zustand, der vom Hypnotiseur durch gleichmäßige Sinnesreize künstlich hervorgerufen wird. Nach I. P. Pawlow handelt es sich hierbei um eine große Teile des Gehirns erfassende Schutzhemmung, so dass eine starke Einengung des Bewusstseins erfolgt. In der Hypnose bleibt der Hypnotisierte nur für die Worte des Hypnotiseurs aufnahmefähig (Rapport), während er für die übrigen Umweltreize unempfänglich ist. In der Psychotherapie benutzt man die Hypnose, um beruhigende und therapeutisch bedeutsame Formeln nachhaltig einzuprägen. Verwandt mit der Hypnose und aus dieser hervorgegangen ist das autogene Training.

hypo: unten, weniger als das Übliche.

Hypochondrie: ständige, angsthafte Beobachtung eigener Körpervorgänge und Empfindungen, die in ihrer Bedeutung für die Gesundheit falsch gedeutet und überbewertet werden. Hypochondrie ist meist das Zeichen neurotischer Reaktionen oder Entwicklungen; seltener ist Hypochondrie Symptom einer Depression oder schizophrenen Psychose.

Hypochondrium: seitlich der Rippenbögen liegender Oberbauchbereich; siehe auch Epigastrium.

Hypodontie: Fehlen von Zähnen, das angeboren oder erworben (nach Verletzung der entsprechenden Zahnkeime) sein kann.

hypogene Prozesse: alle geochemischen Prozesse in der Erdtiefe, zum Beispiel die Bildung magmatischer und metamorpher Gesteine. Siehe auch hypergene Prozesse.

Hypokaliämie: Verminderung des Kaliumgehaltes des Blutes. Hypokaliämie kommt bei Verlusten von Magen- und Darmsekreten (Erbrechen, Durchfall) und bei Nebennierenkrankheiten vor. Muskelschwäche und Herzstörungen können auftreten.

Hypokausten: antike Warmluftheizung unter dem Fußboden von Innenräumen, die angeblich von Sergius Orata im 1. Jahrhundert vor Christus erfunden wurde. Während des Mittelalters wurden die Hypokausten als Bodenheizung beibehalten.

Hypokinese-Hypomotilität: Mangel an Willkür- und Reaktivbewegungen sowie physiologische Mitbewegungen, ohne Lähmungen zum Beispiel bei Parkinsonismus und Psychosen (Katatonie, Depression).

Hypolimnion: Tiefenwasser im thermisch geschichteten See; siehe auch Epilimnion.

Hypomenorrhoe: zu schwache Regelblutung.

Hypophosphite, hypophosphorige Säure Phosphorsauerstoffsäuren.

Hypophyse, Hirnanhangdrüse: durch den Hypophysenstiel (Infundibulum) mit dem Zwischenhirn verbundene, in der Sattelgrube (Türkensattel) des Keilbeins liegende endokrine Drüse; beim Menschen etwa 0,6 g schwer. Die Hypophyse besteht aus Drüsenteil (Adenohypophyse) mit Trichter-, Vorder- und Zwischenlappen und Hirnteil (Neurohypophyse) mit Hinterlappen und Hypophysenstiel. Sie ist eine übergeordnete Hormondrüse, die eng mit dem Nervensystem verknüpft ist und steuernd auf andere endokrine Drüsen und Organe (zum Beispiel Schilddrüse, Nebenniere) wirkt.

Hypophysen Präparate: Hormone der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) enthaltende Präparate. Der Hypophysenvorderlappen liefert das Kortikotropin (ACTH), Thyreotropin, Somatotropin und die Gonadotropine; der Hypophysenhinterlappen das Oxytocin und Vasopressin. ACTH und Thyreotropin werden vor allem zur Diagnostik, die anderen Hypophysen Präparate zur Therapie verwendet.

Hypoplasie: (griechisch) Unterentwicklung eines Organs.

Hyposmie: (griechisch) vermindertes Riechvermögen.

Hypospadie: angeborene Missbildung, bei der die Harnröhre beim Mann an der Unterseite des Gliedes, bei der Frau direkt in die Scheide mündet. Siehe auch Epispadie.

Hyposthenurie: verminderte Konzentrationsleistung der Nieren mit Bildung eines dünnen (wasserklaren) Harns. Siehe auch Isosthenurie.

Hypotaxe: Unterordnung eines Satzgliedes unter ein anderes beziehungsweise eines Nebensatzes unter den Hauptsatz.

Hypothek: (griechisch, «Unterpfand») durch schriftlichen, beglaubigten und staatlich genehmigten Vertrag vereinbarte und im Grundbuch eingetragene Belastung eines Grundstückes oder eines in selbständigem Eigentum stehenden Gebäudes zur Sicherung einer Geldforderung. Bei Nichterfüllung kann der Hypothekengläubiger die Vollstreckung in das Grundstück (in der Regel durch gerichtlichen Verkauf) beantragen. Ein Brief über die Hypothek (Briefhypothek) wird entgegen dem früheren Rechtsstand nicht mehr ausgestellt. Die Hypothek besteht nur in der Höhe der gesicherten Forderung und erlischt mit ihr. Mit der Abtretung der gesicherten Forderung geht die Hypothek auf den neuen Gläubiger über.

Hypothermie: 1. bei Warmblütern (homöotherme Organismen) unter 36,5 °C herabgesetzte Körpertemperatur durch Blutverlust, Infektions- und Hirnerkrankungen (Geschwülste), als Kollapstemperatur vor dem Tod sowie bei Erfrierungen. Bei zu tiefer Senkung der Körpertemperatur kommt es zu Herz- und Atemstillstand sowie Tod durch Sauerstoffmangel.

2. Hypothermie, Hibernation: künstliche Unterkühlung (sogenannt künstlicher Winterschlaf); ein medizinisches Verfahren, bei dem Stoffwechsel und Sauerstoffverbrauch des Organismus durch Senken der Körpertemperatur herabgesetzt werden. Die Hypothermie ermöglicht Operationen und unterstützt die Behandlung mancher psychischer Erkrankungen sowie schwerer Unfälle und lebensbedrohliche Infektionen.

Hypothese: (griechisch, «Unterstellung») Entwicklungsform und methodisches Prinzip wissenschaftlicher Erkenntnis. Die Hypothese ist im Gegensatz zur willkürlichen Spekulation eine zwar noch nicht bewiesene, aber möglich, durch bereits vorliegende Tatsachen oder Theorien begründete Annahme oder Vermutung, deren erkenntnistheoretische Funktion darin besteht, schon bekannte Sachverhalte zu erklären beziehungsweise wissenschaftliche Voraussagen zu ermöglichen.

hypothetische Aussage: traditionelle Logik bedingte Aussage, bei der die Gültigkeit einer Konklusion nur unter Voraussetzung der Gültigkeit gewisser Prämissen behauptet wird; oft in Form eines Wenn-so-Satzes.

Hypotonie: zeitweilige oder ständige Erniedrigung des arteriellen Blutdrucks, zum Beispiel bei zusammenbrechendem Kreislauf (beginnender Schock), bei Nebennierenrindeninsuffizienz, in der Rekonvaleszenz, bei funktionellen Kreislaufstörungen oder als konstitutionelle Hypotonie ohne Krankheitswert

hypotonisch: einen verringerten osmotischen Druck aufweisend; siehe auch hypertonisch.

Hypotrophie: Unterernährung.

Hypoventilation: verminderte Atmung, zum Beispiel bei Störung oder Unreife des Atemzentrums im verlängerten Mark; dabei stellt sich der Kohlendioxidgehalt des Blutes auf einen höheren Wert ein; leichte Hypoventilation besteht auch im Schlaf.

Hypoxie: Sauerstoffmangel im Blut und in den Körpergeweben.

Hyppolite, Jean, 8.1.1907-27.10.1968, französischer Philosoph; forschte über G. W. F. Hegel, insbesondere über das Verhältnis von Hegel und Marx.

hypsographische Kurve, hypsometrische Kurve graphischer Darstellung des prozentualen Anteils der Höhen- und Tiefenstufen der Erde; stellt summarisch die Gliederung der Erdkruste als Ergebnis der Plattentektonik dar.

Hypsometer: (griechisch, «Höhenmesser») Hypsothermometer: Siedethermometer zum Bestimmen der Höhenlage eines Ortes aus dem Siedepunkt des Wassers, der vom Luftdruck und damit von der Höhe abhängt; von G. D. Fahrenheit erfunden.

Hyry, Antti, geboren 20.10.1931, finnischer Schriftsteller; in seinen zum Teil autobiographischen Romanen «Daheim» (1960, deutsch) und «Die Volksschule» (1965) überwiegt die Darstellung der Kindheit. In späteren Werken, zum Beispiel in den Romanen «Vater und Sohn» (1971, deutsch) und «Die Brücke bewegt sich» (1975), bezieht er auch gesellschaftliche Probleme Finnlands ein.

Hysterektomie: operative Entfernung der Gebärmutter.

Hysterese: (griechisch, «Zurückbleiben») Abhängigkeit eines physikalischen Zustandes von zeitlich früheren Zuständen. Bei magnetischer Hysterese ferromagnetische Stoffe ist die Magnetisierung M (beziehungsweise die magnetische Polarisation) nicht eindeutig durch die magnetische Feldstärke H eines äußeren Feldes bestimmt. Lässt man dieses erst wachsen, dann wieder abnehmen, so gehören zum gleichen Wert H verschiedene Werte von M, die auf dem unteren beziehungsweise oberen Ast der Hysterese schleife liegen. Bei erstmaligem Einbringen eines Stoffes in ein magnetisches Feld wächst M längs der Neukurve bis zur Sättigungsmagnetisierung, bei weiterer Erhöhung von H nimmt M nicht mehr zu. Nach Abschalten des Feldes bleibt eine remanente Magnetisierung (Remanenz) zurück, die erst durch ein Gegenfeld von der Größe der Koerzitivfeldstärke Ht (ungenau auch Koerzitivkraft genannt) verschwindet. Diese ist bei magnetisch weichen Stoffen klein, bei magnetisch harten groß. Dielektrische Hysterese tritt bei Ferroelektrika zwischen elektrischer Polarisation und elektrischer Feldstärke auf. Im Gegensatz zur magnetischen Hysterese gibt es dabei keine echte Koerzitivfeldstärke. Bei elastischer Hysterese (elastische Nachwirkung) werden bei ansteigender und bei abnehmender Beanspruchung eines Festkörpers durch äußere Kräfte im Beanspruchungs-Dehnungs-Diagramm getrennte Kurven durchlaufen. Für einen Zyklus wird eine geschlossene Kurve durchlaufen (Hystereseschleife). Die umschlossene Fläche ist die auf das Volumen bezogene Arbeit, die nicht zurückgewonnen, sondern in Wärme umgewandelt wird. Beim Kriechen stellt sich der einen äußeren Beanspruchung entsprechend Dehnungszustand erst nach längerer Zeit ein.

Hysteresemotor: kleiner Wechsel- oder Drehstromsynchronmotor, der asynchron anlaufen kann. Das Ständerdrehfeld wirkt auf einen Läufer aus einem Werkstoff mit ausgeprägter Hysterese ein; Einsatz als Stellmotor.

Hystereseverluste: bei elektrischen Maschinen und Geräten durch Wechselmagnetisierung in den Eisenteilen entstehende Umwandlung elektrischer Energie in Wärmeverluste. Hystereseverluste werden durch geeignete Eisenlegierungen gering gehalten.

Hysterie: abnorme, besonders bei belastenden Eindrücken entstehende psychische Reaktionsformen von meist theatralischem-demonstrativem Gebaren, deren Begleiterscheinungen physische Störungen vortäuschen, ohne dass entsprechend organischer Veränderungen vorliegen.

Hysterographie: röntgenologische Darstellung der Gebärmutter mit Hilfe von Kontrastmitteln; dient zur Beurteilung von Gebärmuttergröße und -form.

Hysterosalpingographie: röntgenologische Darstellung der Gebärmutter und der Eileiter mit Hilfe von Kontrastmitteln; dient zur Beurteilung der Gebärmuttergröße und -form und der Durchgängigkeit der Eileiter.

Hysterotomie: operative Eröffnung der Gebärmutter durch Schnitt von der Scheide oder der Bauchdecke aus. Siehe auch Schnittentbindung.