Lexikon K

Ka: (ägyptisch, «Stier») altägyptischer religiöser Begriff, bezeichnete die körperliche und geistige Kraft des Menschen, ursprünglich vielleicht nur die männlichen Zeugungskraft.

Kaaba: (arabisch, «Würfel») Hauptheiligtum des Islam im Hof der großen Moschee zu Mekka, enthält in einem viereckigen Gebäude den «schwarzen Stein», der von den Arabern bereits vor Muhammad als heilig verehrt wurde. Die Wallfahrt im «Wallfahrtsmonat» nach Mekka und das siebenmalige Umschreiten der Kaaba gehören zu den religiösen Pflichten der Muslime.

Kabaka: Bezeichnung für den Herrscher (König) von Buganda, einem frühfeudalen afrikanischen Staat, der auch in der Republik Uganda Sonderstatus (bis 1966) hatte.

Kabale: (französisch hebräisch) heimtückischer Anschlag; Intrige.

Kabarett: (französisch) 1. a) Vortragsbühne, auf der als wesentlichste Formen Chansons, Couplets, Songs, Sketche und das künstlerische Wort, meist mit politisch-satirische Aussage, dargeboten werden; erstes Kabarett 1881 in Paris. Die bedeutendsten Kabarett in der DDR sind «Die Distel» in Berlin, «Die Pfeffermühle» und die «academixer» in Leipzig und «Die Herkuleskeule» in Dresden;

b) Bühne, die neben den Vortragsgenres auch Tanz, Artistik u. ä. bietet (Tanzkabarett, Nachtkabarett).

2. Fächerschüssel für Speisen, meist drehbar.

Kabbala: (hebräisch, «Überlieferung») mittelalterliche jüdische Mystik, die in ihrer volkstümlichen Ausprägung stark mit Magie, Buchstaben- und Zahlensymbolik verbunden ist; vom Chassidismus neu interpretiert; beeinflusste besonders Paracelsus und J. Böhme.

Kabbelsee, Kabelsee, Kabbelung: durcheinanderlaufende Meereswellen, die beim Zusammentreffen von unterschiedlich gerichteten Meeresströmungen entstehen.

Kabel: mit Isolierung und Schutzhüllen (Bewehrung (Armierung) gegen physikalische und beziehungsweise oder chemische und mechanische Einflüsse) versehene ein- oder mehradrige elektrische Leitung zum Verlegen) (Kabellegen) in Erde, Luft oder Wasser (Erdkabel, Seekabel, Flusskabel, selbsttragende Kabel für Freileitungen). Nach Verwendung unterscheidet man

a) die herkömmlich als Starkstromkabel bezeichneten Kabel zur Energieübertragung (Leistungskabel) oder Übermittlung von Stromimpulsen für Steuerzwecke (Steuerkabel) und

b) Kabel zur Signalübertragung (herkömmlich Schwachstromkabel). Kabel zur Energieübertragung. Die Einteilung erfolgt nach Spannungshöhe in Niederkabel, Mittelkabel, Hochkabel und Höchstspannungskabel; nach Leiterzahl in Einleiterkabel und Mehrleiterkabel (meist Dreileiterkabel); nach Isolation in Gummikabel, Plastikkabel, papierisolierte Massekabel, Ölkabel und Gaskabel (Druckgaskabel, SF6-Kabel); nach Ausführung in Gürtelkabel, Dreimantelkabel und Rohrkabel. Bei größeren Querschnitten werden die runden oder sektorförmigen Leiter aus Aluminium oder (seltener) Kupfer in Teilleiter unterteilt und verseilt. In supraleitenden Kabel (Kryokabel) können sehr hohe Leistungen verlustarm übertragen werden. Für die Leiterisolierung werden mit Öl oder Bitumen getränkte Papiere und Faserstoffe, Gummi, Plast oder Gase verwendet. Das Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit an den Kenden verhindert der Kabelendverschluss, ein mit Vergussmasse gefülltes Stahlgehäuse oder ein Gießharzelement, das bei Kabelverbindungsstellen als Muffe ausgeführt wird und die Leiterverbindungen mit umschließt. Die Leiterenden werden direkt an Anlagen- oder Geräteanschlussstellen geklemmt, gequetscht, gelötet oder geschweißt beziehungsweise mittels eines Kabelschuhs, einer Anschlussarmatur, befestigt. Kabel zur Signalübertragung. Der konstruktive Aufbau von Kabel als Leiteranordnung zur Übertragung elektrische Signale in der Informationstechnik hängt vom Anwendungsfall und Frequenzbereich ab. Im NF- und unteren HF-Bereich dienen zur Übertragung von Telefonie-, Telegrafie-, Ton-, Daten-, Steuer- und Messwertsignalen Kabel mit einem symmetrische Leiteraufbau aus einer Vielzahl plastisolierter Kupferadern, die paarweise eine Leitung bilden (Fernmeldekabel, Trägerfrequenzkabel, Rundfunkleitungskabel, BMSR-Kabel). Dagegen finden im oberen HF-Bereich zur Übertragung von Fernseh-, breitbandigen Multiplex-u. a. Hochfrequenzsignalen Kabel mit einem konzentrischen Leiteraufbau (Koaxialkabel) Anwendung (Trägerfrequenzkabel, Hochfrequenzkabel, Antennenzuleitungskabel); siehe auch Hohlleiter, Lichtleiterkabel, Bandleitung.

Kabelfernsehen, CATV (Abkürzung für cable television, englisch): kabelgebundenes Fernsehversorgungssystem für einen großen, mit Fernsehempfängern ausgestatteten Teilnehmerkreis. Voraussetzung für das Kabelfernsehen ist ein breitbandiges Kabelnetz zwischen den Fernsehstudios und den Wohngebäuden eines Territoriums, wobei mehrere Fernsehprogramme übertragen und in Gemeinschaftsempfangsanlagen in die Frequenzbereiche der Fernsehempfänger umgesetzt werden.

Kabeljau, Gadus morhua: bis 150 cm langer, dorschartiger Raubfisch des Nordatlantiks, der Nord- und Ostsee; die Ostseeform wird als Dorsch bezeichnet; wichtiger Nutzfisch. Siehe auch Fische.

Kabunda: 1. Kabrnda, Cabinda: zu Angola gehörende Exklave, nördlich der Mündung des Zaire, in Äquatorialafrika; 7187 km2, 90000 Einwohner; 13 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum und Hafen Kabunda (25000 Einwohner); flachwellige Küstenabdachung unter feuchttropischen Klima; tropischer Regenwald und Savanne; wichtigstes angolanischen Erdölfördergebiet (US-Konzerne); Edelholzgewinnung; Kaffeeanbau.

2. Stadt im südlichen Zentralteil von Zaire; 60000 Einwohner; Handelszentrum; Baumwollverarbeitung; Flughafen.

Kabinett: (französisch) 1. kleines Zimmer, Nebenraum.

2. Lehr- und Beratungszentrum (zum Beispiel technisches Kabinett).

3. kleiner Nebenraum in Schlössern u. ä. Bauten für intime Zwecke oder zur Aufbewahrung von kleinen Kunstgegenständen; Aufbewahrungs- und Ausstellungsort für Sammlungen von geringer räumlicher Ausdehnung (Kupferstich-, Münzkabinett unter anderem).

4. (seit dem Absolutismus) enger Vertrauten Kreis eines Fürsten.

5. Regierung in bürgerlichen Staaten als Gesamtheit der Minister unter Leitung des Ministerpräsidenten oder Kanzlers; meist in Verbindung mit dem Namen des Regierungschefs.

Kabinettkäfer, Museumskäfer, Anthrenus: Speckkäfergattung mit 2 bis 3 mm langen Arten; Käfer meist Blütenbesucher; Larven zerfressen Felle, Teppiche und Naturaliensammlungen und sind nicht selten Lebensmittelschädlinge. Siehe auch Speckkäfer.

Kabinettsorder-Kabinettsbefehl: in der absoluten Monarchie die vom Fürsten unmittelbar (ohne Gegenzeichnung) ergangene Verfügung beziehungsweise schriftliche Anordnung, die Gesetzeskraft besaß.

Kabinettstück: Musterstück, kleines Kunstwerk; Glanznummer.

Kabir, um 1440-um 1518, indischer Bhakti-Dichter, schrieb in Hindi; lehrte eine Synthese von Hinduismus und Islam; trat für die Gleichheit aller Menschen ein, kämpfte gegen Orthodoxie, Dogmatismus und Asketismus. Sein mündlich überliefertes Schaffen umfasst etwa 80 Werke; Gedichte von ihm sind im «Adi Granth» enthalten.

Kabiren, in der griechischen Religion niedere Gottheiten, besonders auf der Insel Samothrake im Mysterienkult verehrt; Fruchtbarkeitsgötter und Beschützer der Seeleute.

Kabotage: (französisch) Cabotage: See- oder Binnenschiffsverkehr zwischen Häfen eines Staatsgebietes, der aus volkswirtschaftlichen Gründen meist der eigenen Flagge Vorbehalten bleibt.

Kabuki: klassisches volkstümliches Theater Japans; entstanden Anfang des 17. Jahrhundert, Blütezeit 2. Hälfte des 18. Jahrhundert; unter Nutzung von Elementen des No, der Kyogen und des klassischen Puppenspiels entwickelte sich das Kabuki zu einer besonders Schaueffekte (Bühnenmaschinerie, farbige Kostüme und symbolische Masken) betonenden volkstümlichen Theaterform (siehe auch Blumenweg); im 19. Jahrhundert setzte Veräußerlichung ein.

Kabul: 1. Kabul: rechter Nebenfluss des Indus; 500 km; entspringt im Kuh-i-Baba in Afghanistan und mündet bei Attock in Pakistan; Nebenflüsse: links Kunar, rechts Logar; zahlreiche Bewässerungsanlagen; Elektroenergiegewinnung.

2. Hauptstadt von Afghanistan, im Osten des Landes, am K1, 1800 m über dem Meeresspiegel; 1 Millionen Einwohner; Verwaltungs-, Verkehrs-, Handels- und Kulturzentrum; Reparaturwerke, Textil-, Lebensmittel- (Brotkombinat), Pharmazeut. Industrie, Metallverarbeitung, Lederwarenherstellung, Schmucksteinbearbeitung, Polygraphie, Wasserkraftwerk; Straßenknoten, internationaler Flughafen; bedeutender Basar; Akademie, Universität, Polytechnikum.. Schon zur Zeit Alexanders des Großen bekannt, 1504 durch Babur erobert, nach 1526 Hauptstadt der Provinz Kabul des Mogulreichs, 1738 vom persischen König Nadir Shah erobert; während des 1. und 2. britischen-afghan. Krieges (1839/42 beziehungsweise 1878/80) von britischen Truppen besetzt, dabei 1842 fast vollständig zerstört, 1880/1900 Ausbau der Stadt unter Abdur Rahman, seit den 40er Jahren beschleunigtes Wachstum durch einsetzende Industrialisierung.

Kabwe: Stadt (Provinzzentrum) im mittleren Sambia, 1180 m über dem Meeresspiegel; früher Broken Hill; 145000 Einwohner; Bergbau- und Buntmetallurgie Zentrum (Blei, Zink, Cadmium, Vanadium); Lebensmittel-, Textilindustrie; Flughafen; Theater. In der Nähe kleinere Wasserkraftwerke.

Kabylei: Teil des Küstenatlas im Norden Algeriens, von den Kabylen bewohnt; stark zergliedertes Gebirgsland; im Westen Große Kabylei mit dem Dschebel Dschugdschur (bis 2308 m), im Osten Kleine Kabylei mit dem Babor Massiv (bis 2004 m); zum Teil bewaldet (Kork-, Steineichen); reiche Bodenschätze; intensiver Bewässerungsanbau (Weizen, Oliven, Feigen, Wein); dicht besiedelt.

Kabyien: (arabisch, «Stämme») die Berberbevölkerung der Kabylei (Algerien); rund 2 Millionen; Gebirgsbodenbauer in festungsartigen Dörfern; Muslime; spielten im Unabhängigkeitskampf Algeriens eine bedeutende Rolle.

Kachel: Keramikplatte aus gebranntem Ton mit glasierter Vorderseite (Blatt) und mit einem Rumpf auf der Rückseite zur Ofenverkleidung. Schamotte- (Meißner) Kachel bestehen aus schamottehaltiger Grundmasse mit Behautmasse und durchsichtiger farbiger Glasur. Schmelz- (Berliner) Kachel werden aus kalkhaltigem Ton mit deckender Zinnglasur hergestellt.

Kachexie: (griechisch) Auszehrung, hochgradiger Kräfteverfall; besonders bei bösartigen Erkrankungen.

Kadare, Ismail, geboren 27.1.1936, albanischer Schriftsteller und Lyriker; wurde vor allem durch seine Romane «Der General der toten Armee» (1964, deutsch), «Die Festung» (1970) und «Chronik in Stein» (1971) zum meistübersetzten albanischen Schriftsteller.

Kadaver: Körper eines verendeten Tieres, der der Tierkörperverwertungsanstalt zuzuführen und unschädlich zu beseitigen ist. Er darf nicht zur menschlichen Ernährung verwendet werden.

Kadenz: (italienisch, «Gefälle»)

1. Metrik: Ausgang einer Verszeile, der den Klang des Verses wesentlich bestimmt und deshalb auch oft durch den Reim ausgezeichnet wird. Weibliche Kadenz (der Vers endet mit einer Senkung): Wir wähnten lange recht zu leben (G. Keller); männliche Kadenz (der Vers endet mit einer Hebung): Am Himmel wächst der Sonne Glut (C. F. Meyer); klingende Kadenz (der Vers endet mit einer länger ausgehaltenen Haupthebung, der eine Nebenhebung folgt): In einem kühlen Grunde (J. von Eichendorff). Diese Kadenzform lebt heute hauptsächlich nur noch im gesungenen Liedvers und kann im Sprechvers zur weiblichen Kadenz verkürzt werden; stumpfe Kadenz (der Vers endet stumpf, das heißt mit einer deutlichen Pause): Da geht ein Mühlenrad (J. von Eichendorff). Verse mit klingender und stumpfer Kadenz bilden oft Langzeilen.

2. Musik: harmonische Schlussbildung und Gliederung innerhalb des Dur-Moll-Systems, die als Akkordfolge die grundlegenden harmonischen Verbindungen in Bezug auf die Tonika enthält; vor dem Schluss von Konzertsätzen der virtuos dargebotene und fantasieartig erweiterte unbegleitete Vortrag über Themen des Satzes durch den Instrumentalsolisten, ursprünglich improvisiert, später meist notiert.

Kaderleiter: für die Kaderarbeit des Betriebes und die Leitung der dafür bestehenden Abteilung (Kader- oder Personalabteilung) verantwortlicher Mitarbeiter.

Kaderreserve: sorgfältig ausgewählte und gründlich vorbereitete Kader, die bei Bedarf sofort in eine leitende Funktion (entsprechend der Kadernomen Natur) eingesetzt werden können. Angehörige der Kaderreserve sind politisch und fachlich qualifiziert, verfügen über Leitungserfahrungen und entsprechen den charakterlichen und moralischen Anforderungen an eine sozialistische Leiterpersönlichkeit.

Kadesch: alte syrische Stadt und Festung am oberen Orontes (Nahr al-Asi); wurde 1468/1467 vor Christus durch den ägyptischen König Thutmosis III. erobert. Bei Kadesch befand sich der Schauplatz einer bedeutenden Schlacht (1286 vor Christus) zwischen Ägyptern und Hethitern um die Beherrschung Nordsyriens, die unentschieden endete.

Kadetten, russisches Kurzwort für Konstitutionelle Demokraten: Partei der russischen liberalen Bourgeoisie, der Großgrundbesitzer und zum Teil auch der Intelligenz; gegründet Oktober 1905. Die Kadetten erstrebten eine konstitutionelle Monarchie und begrenzte Reformen; als Regierungspartei (März/August 1917) setzten sie den imperialistischen Krieg fort. Nach der Oktoberrevolution standen sie mit an der Spitze der Konterrevolution. Fakt. Führer war P. N. Miljukow.

Kadi: islamische Richter, der nach islamischen Gesetz (Scharia) theoretisch alle straf- und zivilrechtliche Streitsachen zu entscheiden hatte, in der Praxis aber schon frühzeitig als «geistlicher» Richter nur in mit der Religion im Zusammenhang stehenden Rechtsfragen Entscheidungen fällte.

Kadulja: Stadt in Irak; in ihrer Nähe fand 637 eine dreitägige Schlacht zwischen einem persisches Heer unter Rustam und einem arabischen Heer unter Saad ibn Abi Waqqas statt. Mit ihrem Sieg begründeten die Araber ihre Vorherrschaft in Vorderasien.

Kadmieren, Verkadmen beide (zu «Cadmium»): fast ausschließlich elektrochemisches Beschichten von Metalloberflächen mit Cadmium zum Korrosionsschutz, der durch Chromatieren noch erhöht werden kann; angewendet zum Beispiel zur Herstellung rostbeständiger Schrauben.

Cadmium, (lateinisch griechisch) Cadmium, Symbol Cd: chemisches Element der Kernladungszahl 48; Atommasse 112,41; Wertigkeit +2; F 320,9 °C; Kp 765 °C; Dichte 8,65 g/cm3; kommt in der Natur nur chemisch gebunden und meist als Begleiter des Zinks vor. Cadmium ist ein silberglänzendes, weiches Metall, das sich gut hämmern, walzen und ziehen lässt. In verdünnten Säuren löst es sich leicht; seine Dämpfe und lösliche Salze sind giftig. Die Aufnahme lösliche Cadmiumverbindungen kann zu Magen-Darm- und Kreislaufstörungen sowie zu Leber- und Nierenschäden führen. Durch Einatmung von Cadmiumdämpfen sind Lungenödem und Verlust des Geruchvermögens möglich. Technisch gewinnt man Cadmium aus Flugstäuben der Zinkverhüttung und reinigt es elektrolytisch. Man verwendet es zum Kadmieren, für Speziallegierungen, für Nickel-Cadmium-Akkumulatoren und zur Kettenreaktionsbremsung in Kernreaktoren. Siehe auch Cadmiumverbindungen. Cadmium wurde 1817/18 etwa gleichzeitig von dem Apotheker und Industriellen Carl Hermann (1765-1846) und dem Göttinger Professor Friedrich Stromeyer (1776-1835) entdeckt.

Cadmiumgelb: aus Cadmiumsulfid, CdS, bestehendes, lichtechtes Pigment für Künstlermal-, Schilder- und Druckfarben.

Cadmiumrot: aus Cadmiumselenid, CdSe, bestehendes, lichtechtes Pigment für Künstlermal-, Keramik- und Emailfarben. Cadmiumrot wird meist in Mischungen mit Cadmiumgelb verwendet. Je nach Mischungsverhältnis wechselt der Farbton von Bordeauxrot bis Orange (Cadmiumorange).

Cadmiumverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem, fast stets zweiwertigem Cadmium. Die Cadmiumverbindungen sind farblos, sofern sie kein färbendes Anion enthalten. Alle löslichen Cadmiumverbindungen sind giftig. Weiß und wasserlöslich sind zum Beispiel Cadmiumchlorid, -sulfat (CdS04 mit wechselnden Mengen Kristallwasser, zum Beispiel 3CdS04 • 8H20) und -nitrat. Unlöslich sind das weiße Cadmiumkarbonat, das braune Cadmiumoxid und das gelbe Cadmiumsulfid. Cadmiumhaltige Pigmente sind Cadmiumgelb, -orange und -rot.

Kadoma: Stadt im zentralen Teil Simbabwes, südwestlich von Salisbury, 1160 m über dem Meeresspiegel; früher Gatooma; 45000 Einwohner; Textilindustrie (besonders Baumwollverarbeitung), Maschinenbau, Holzindustrie. Im Umland Goldgewinnung.

Kaduna: 1. Bundesstaat im zentralen Teil Nigerias; 70245 km2, 6,3 Millionen Einwohner; 90 Einwohner/ km2; Hauptstadt Kaduna.

2. Hauptstadt von Kaduna 1, im zentralen Teil Nigerias, am Nigerzufluss Kaduna (580 km); 205000 Einwohner; Textil- und Konfektions-, Schuh-, Lebensmittel-, Düngemittelindustrie, Kfz-Montage; bei Kaduna größte Erdölraffinerie Westafrikas (Pipeline von den Warnfeldern); Handelszentrum; Eisenbahnknoten, Flughafen; Hochschule, Akademien.

Kaendler, Kandier, Johann Joachim, 15.6. 1706-18.5.1775, Bildhauer und Porzellanmodelleur; seit 1730 Hofbildhauer Augusts des Starken, seit 1740 Leiter der Meißner Porzellanmanufaktur, wo er zum Schöpfer unzähliger, graziös beschwingter Porzellanplastiken wurde. Siehe auch Rokoko.

Käfer, Coleoptera: artenreichste Insektenordnung mit über 300000 Arten, davon etwa 7000 in Mitteleuropa; 0,3 bis 160 mm lang; Körper stark chitinisiert; Hinterflügel weich und gefaltet, darüber harte Flügeldecken (Elytren), die beim Flug seitlich gehoben werden und die Hinterflügel freigeben; nicht alle Arten sind flugfähig; vorwiegend Pflanzenfresser mit kauenden Mundwerkzeugen. Die Entwicklung ist eine vollständige Verwandlung mit mehreren Larvenstadien. Käfer sind in allen Zonen der Erde, in allen Lebensräumen anzutreffen; einzelne Arten haben sich dem Wasserleben angepasst. Pflanzenfresser sind häufig Schädlinge der Land- und Forstwirtschaft; räuberisch lebende Arten sind meist nützlich.

Käfermilben, Parasitidae: über 1 mm lange braune Milben mit einheitlichen oder zweiteiligem Rückenschild; Körper walzen- bis birnenförmig, Mundwerkzeuge meist scherenartig; überwiegend Fleischfresser, leben auf Insekten und Tausendfüßern, in den Lungen von Schlangen und Affen, in den Nasenhöhlen verschiedener Vogel- und Robbenarten. Die bei uns häufige Hühnermilbe (Dermanyssus gallinae) saugt an Hausgeflügel, Stubenvögeln und vorübergehend auch am Menschen.

Käferschnecken, Polyplacophora, Loricata, Placophora: Klasse mariner Weichtiere mit etwa 1000 Arten; bis 33 cm lang; Körper länglich abgeflacht mit 8 gegeneinander bewegliche Platten auf dem Rücken, die insgesamt von einem stachligen oder schuppigen Gürtel umgeben werden; leben auf felsigem Grund in der Brandungszone.

Kaffee: Aufgussgetränk aus gerösteten, gemahlenen, überbrühten Kaffeebohnen (Kaffeebaum), das infolge seines Koffeingehaltes (0,9 bis 2 %) die Herzfrequenz erhöht und auf das Zentralnervensystem anregend wirkt. Kaffee zählt zu den Genussmitteln und wird auf verschiedene Weise zubereitet: als klarer Extrakt (Klargetränk), über Papierfilter filtriert (Filterkaffee), als Aufgussgetränk (Mokka), als Espresso-Kaffee mittels Dampfdrucks in Kaffeemaschinen zubereitet und als Instantkaffee durch Auflösen von Kaffee Extraktpulver. Koffeinarmer Kaffee enthält 0,2 %, koffeinfreier Kaffee 0,08 % Koffein.

Kaffeebaum, Coffea: Gattung der Rötegewächse; niedrige Bäume oder Sträucher, Blätter ledrig, Blüten weiß, Steinfrüchte rot mit meist 2 Samen (Kaffeebohnen); im tropischen Ostafrika heimisch; Kaffeehauptproduzenten sind Brasilien, Kolumbien, Mittelamerika, Indonesien und Westafrika. Nach dem Pflücken der roten Steinfrüchte werden die Samen entweder durch Trocknen oder durch Quetschen und Vergären des Fruchtfleisches gewonnen. Der entstehende Rohkaffee, auch als Pergamino bezeichnet, wird in den Verbraucherländern geröstet.

Kaffeemaschine: meist elektrisch betriebenes Gerät zur Herstellung von Kaffeegetränk, in dem Wasser erhitzt und über eine Steigleitung heiß oder in Dampfform (Espressozubereitung) durch den auf einem Filterboden befindliche gemahlenen Röstkaffee gedrückt wird. Damit wird eine bessere Extraktion und Erhaltung der Aroma- und Geschmacksstoffe als beim konventionellen Aufbrühen des Kaffees erzielt.

Kaffern: (portugiesisch arabisch, «Ungläubige») abwertende Bezeichnung aus der Kolonialzeit für die Bantuvölker Südostafrikas (Zulu, Xhosa, Swasi unter anderem).

Kaffka, Margit, 10.6.1880-2.12.1918, ungarische Schriftstellerin; setzte sich in ihren Romanen («Farben und Jahre», 1912, deutsch; «Stationen», 1917) mit den sozialen Problemen der Frauen ihrer Zeit auseinander.

Käfighaltung: Unterbringung von Tieren in Drahtkäfigen, wobei Kot und Harn durchfallen und über Kratzerketten mechanisch beseitigt werden. Auch die Fütterung ist über Futterketten voll mechanisiert, das Tränken erfolgt durch Nippeltränken (Tränkvorrichtung, die das Tier mittels eines Nippels öffnen kann). Durch mehrstöckigen Aufbau ist größtmögliche Raumausnutzung erreichbar. Die Käfighaltung wird bei Hühnern und Jungschweinen angewandt. Siehe auch Geflügelhaltung.

Kafka, Franz, 3.7.1883-3.6.1924, deutschsprachiger Schriftsteller aus Prag. In den parabolisch-vieldeutigen Erzählungen «Das Urteil» (1913), «Die Verwandlung» (1916), «In der Strafkolonie» (1919) unter anderem sowie den Romanfragmenten «Der Prozess» (1925), «Das Schloss» (1926), «Amerika» (1927) spiegelt sich im Wesentlichen die allgemeine Krise des Kapitalismus als Entfremdung und Existenzangst wider. Präzise Sprache, klare realistische Alltagsbeschreibung und gleichzeitig Paradox-Traumhaftes bestimmen die suggestive Wirkung von Kafkas poetischer Gleichnis- und Bilderwelt, in der er voll Mitleid mit den unterdrückten Menschen deren Handlungen vor einem grotesk unwirklichen Hintergrund zeigt, dessen soziale Bedingungen jedoch nicht transparent werden. Diese Ausweglosigkeit seiner an unveränderliche Verhältnisse gefesselten Menschen wurde für imperialistische Ideologien (Nihilismus, Existentialismus) missbraucht.

Kaftan: (polnisch - arabisch - persisch) langer, vom offener, weitärmeliger Männerüberrock.

Kafue: 1. linker Nebenfluss des Sambesi, in Sambia; 965 km; entspringt in Zaire, durchbricht vor der Mündung eine enge Schlucht mit Staudamm und Kraftwerk (480 MW); zum Teil schiffbar; am Mittellauf Kafue-Nationalpark (1,4 Millionen ha), im Unterlauf Überschwemmungsebenen.

2. Stadt in Sambia, südlich von Lusaka, am Kafue 1; 30000 Einwohner; Wasserkraftwerk (480 MW); Stahlwerk, Stickstoffdünger-, Textilfabrik.

Kagawa: Präfektur in Japan, im Norden der Insel Shikoku, an der Japanischen Inlandsee; 1880 km2, 1 Millionen Einwohner; 532 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Takamatsu; chemische, Nahrungsmittelindustrie, Fahrzeugbau; Reisanbau, Obstbau, Geflügelzucht.

Kagel, Mauricio, geboren 24.12.1931, argentinischer Komponist; beeinflusst, in Köln lebend (Professor an der Musikhochschule), die westeuropäische Musikentwicklung mit provokatorisch-experimentellen, gegen den spätbürgerlichen Musikbetrieb gerichteten Kompositionen, Schriften, Filmen («Ludwig van», «Halleluja»), Anti-Opern («Staatstheater», 1971) unter anderem

Kagera: Hauptzufluss des Victoriasees und Quellfluss des Nils; als Nilquelle wird die Quelle des Rukarara, der in den Nyawaronga (ein Nebenfluss des Kagera) mündet, angesehen; 792 km (von der Nilquelle bis zum Victoriasee); bildet im Ober- und Mittellauf (weithin versumpftes Tal) die Grenze zwischen Rwanda und Tansania, anschließend zwischen Tansania und Uganda; im Unterlauf schiffbar. Gemeinsames Projekt von Tansania, Burundi und Rwanda für die wirtschaftliche Entwicklung des Kagerabeckens (unter anderem Bau von Wasserkraftwerken, Be- und Entwässerungsanlagen).

Kagoshima: 1. Präfektur in Japan, im Süden der Insel Kyushu; 9163 km2, 1,8 Millionen Einwohner; 196 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Kagoshima 2; industriell wenig entwickelt (überwiegend Nahrungsmittelindustrie); auf dem Gebiet von Kagoshima Raketenversuchsgelände; Anbau von Reis, Obst; Perlenzucht und Fischerei.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Kagoshima 1; 460000 Einwohner; Industriezentrum (Schiffbau, Textil-, Lebensmittel- und Porzellanindustrie); bedeutender Fischereihafen und Hafen für die Verbindung zu den Riukiu-Inseln.

Kahane, Doris, 22.10.1920-7.10.1976, Malerin und Graphikerin; 1936/45 Emigration in Frankreich, 1951/55 Studium in Berlin bei A. Mohr. Gestaltete das Bild des Zeitgenossen in malerischer-sensibler Auffassung und von hoher Verallgemeinerungsfähigkeit, schuf expressive, dekorativ-farbige Graphik.

Kahhor, Kachchar (Abdulla, 10.3.1907-25.5.1968, usbekisch-sowjetischer Schriftsteller; trat seit 1924 mit Feuilletons und Erzählungen hervor, trug maßgeblich zur Entwicklung der usbekischen Kurzgeschichte bei; behandelte in dem Roman «Die Lichter von Koschtschinar» (1952) und der Erzählung «Sekretär Saida» (1958, deutsch) Probleme bei der Umgestaltung der Landwirtschaft. Kahhor gilt als einer der Begründer der modernen usbekischen Prosa.

Kahlfraß: völlige Entlaubung beziehungsweise Entnadelung von Bäumen durch Insektenfraß. Bei Nadelbäumen führt Kahlfraß meist zum Absterben, Laubbäume begrünen sich im Allgemeinen wieder. Ursache für Kahlfraß ist die Massenvermehrung von Schadinsekten; kann durch geeignete Prognoseverfahren erkannt und rechtzeitig bekämpft werden.

Kahlfrost, Barfrost: auf schneefreien Flächen auftretender Frost, durch den landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturen stark gefährdet sind.

Kahlhieb: Hiebsart, bei der alle Bäume einer Fläche gleichzeitig gefällt werden. Eine künstliche Verjüngung schließt sich kurzfristig an.

Kahlo, Frida, 7.7.1910-13.7.1954, mexikanische Malerin; Frau von D. Rivera; schuf besonders Frauenporträts, Selbstbildnisse und Stillleben; in einer eigenständigen metaphorische Bildsprache, die Formen der traditionellen mexikanischen Volkskunst und der präkolumbianischen Kunst verarbeitet, verschmelzen Elemente des Traumhaften mit einem lebendigen Realismus; nahm auch als Lehrerin Einfluss auf die Entwicklung der realistischen mexikanischen Malerei.

Kahlwild: bei Hirscharten weibliche Tiere und Jungtiere beiderlei Geschlechts, ohne Geweih.

Kahn: a) kleines, ungedecktes, durch Rudern oder Staken vorwärtsbewegtes Boot;

b) durch Schleppen und Schieben fortbewegtes oder mit der Strömung treibendes Wasserfahrzeug insbesondere zum Befördern von Schüttgutlasten (Lastkahn).

Kahnbein, Schiffbein, Naviculare: kahnförmig gestalteter Fuß- beziehungsweise Handwurzelknochen.

Kahnschnabel, Cochlearius cochlearius: Südosten cm langer Reiher süd- und mittelamerikanische Sümpfe mit breitem Schnabel und kurzen Beinen; ernährt sich von Fischen und Kleinsäugern.

Kai: durch Mauer (Kaimauer), Stahlspundwand unter anderem befestigtes und als Schiffsanlegestelle ausgestattetes Ufer für den Güterumschlag zwischen Schiff und Land. Siehe auch Pier.

Kaibara Ekiken, 1630-1714, japanischer Philosoph, Arzt und Biologe; ursprünglich Anhänger des Neokonfuzianismus, den er später ablehnte. Kaibara Ekiken kritisierte die idealistische Vorstellung vom präexistierenden «grenzenlosen» ideellen Ri, das er als Ausdruck der Eigenschaften der (unerschaffenen) materiellen Substanz Ki betrachtete. Er trat ein für eine humane, aufgeklärte und gerechte Regierung und hielt die Bauern für den wichtigsten Stand.

Kaifeng: Stadt in China, im Osten der Provinz Henan, in der Nähe des unteren Huang He; 320000 Einwohner; Landmaschinenbau, Stickstoffdüngerwerk, Metallverarbeitung, Seidenindustrie.

Kaluan: Steinkohleabbaugebiet in China, im Osten der Provinz Hebei, nordöstlich von Tangshan zwischen den Städten Kaiping und Luan Xian; seit 1879 Kohleförderung, die heute über 25 Millionen t pro Jahr erreicht.

Kaimane: 5 Arten umfassende südamerikanische Gruppe der Alligatoren; bis 2 m lang der Brillenkaimane (Caiman crocodilus) mit schmaler gestreckter Schnauze, zum Teil verknöcherten oberen Augenlidern und brillenstegartiger Querleiste zwischen den Augen.

Kain, Franz, geboren 10.1.1922, österreichischer Schriftsteller und Publizist; in der Zeit des Faschismus inhaftiert, Strafbataillon; verfasste Gedichte, den Roman «Der Föhn bricht ein» (1962) und Erzählungen, zum Beispiel «Die Lawine» (1959), «Der Weg zum Ödensee» (1974).

Kainit: Mineral, wasserhaltiges Kalium-Magnesium-Sulfat; Kristallsystem monoklin, Härte 2,5 bis 3, Dichte 2,1 g/cm3, Farbe gelblich oder grau-weiß, mitunter rot; wichtiges Kalisalz, weltweit verbreitet.

Kain und Abel, (hebräisch) in der Bibel Söhne Adams. Kain erschlug aus Neid seinen Bruder Abel und erhielt ein Stirnmal, das Kainszeichen.

Kainz, Josef, 2.1.1858-20. 9.1910, Schauspieler; spielte zunächst Liebhaber- und jugendliche Heldenrollen, später Charakterrollen (Meiningen, Deutsches Theater Berlin, Burgtheater Wien), deren Gestaltung durch die geistige Durchdringung und meisterhafte Sprechkunst zu mitreißenden Erlebnissen wurde.

Kairo, arabisch Al-Kahira, Al-Qahira («die Siegreiche»): Hauptstadt Ägyptens, beiderseits des Nils, am Beginn seiner Deltaverzweigung, größte Stadt Afrikas; 6,8 Millionen, mit Vororten 14 Millionen Einwohner; wichtigstes ägyptisches Industrie-, Verkehrs-, Handelsmesse), Wissenschafts- und Kulturzentrum; Metallurgie, Maschinenbau, Kunststoff-, vielseitige Leicht- (besonders Textil-), Lebensmittelindustrie; Erdölraffinerie (Erdölleitung von Suez); Kunsthandwerk; erste U-Bahn Afrikas (im Bau), internationaler Großflughafen; 4 Universitäten (davon eine in Giseh); Oper, Museen (besonders Ägyptisches Museum), Planetarium, botanischer Garten, Zoo; in der Altstadt Moscheen (über 300), Mausoleen und Stadttore aus dem 9. bis 16. Jahrhundert sowie Zitadelle (12. Jahrhundert); Fremdenverkehr. Byzantinische Festung; um 640 arabisches Militärlager (Fustat); 969 Neugründung durch die Fatimiden; 1517/1914 Sitz türkischer Statthalter, ab 1805 der ägyptischen Khediven; seit 1921 Hauptstadt; 1918/52 Zentrum der ägyptischen Befreiungsbewegung; 1945/79 Sitz der Arabischen Liga.

Kairos, (griechisch, «der rechte, günstige Zeitpunkt») Gott des günstigen Augenblicks, mit Flügeln und einer Waage dargestellt.

Kaiser: (lateinisch, zu «Cäsar») höchste monarchische Würde; zunächst höchster Herrschertitel (Cäsar) im römischen Reich; nach der Reichsteilung 395 nach Christus bestand ein weströmischer Kaisertum bis 476, ein oströmisch-byzantinische bis 1453. Das weltlich und kirchlich fundierte Kaisertum Karls des Großen (800) war seit Otto I. (962) den deutschen Königen Vorbehalten, die vom Papst zum römischen Kaiser gekrönt wurden. Die auf den letzten vom Papst gekrönten Kaiser (Karl V., 1530) folgenden Kaiser trugen den Titel «Erwählter römischer Kaiser». Mit der Entwicklung feudaler Territorialstaaten zerbrach die politische Einheit des Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation; der Kaisertitel verschmolz mit dem deutschen Königstitel; das Kaisertum erlosch mit der Reichsauflösung 1806 (Franz n.). 1804/1918 bestand ein österreichisches Kaisertum; mit der Konstituierung des Deutschen Reiches 1871 entstand ein preußisches-deutsches Kaisertum (Deutscher Kaiser). Im slawischen Bereich entspricht dem Kaiser der Zar.

Kaiser: 1. Georg, 25.11.1878-4.6.1945, Schriftsteller; emigrierte 1938 in die Schweiz. Kaiser gestaltete als einer der bedeutendsten expressionistischer Dramatiker von individualistischer Position kritisch Wesensmerkmale der imperialistischen Gesellschaft. Zu den wichtigsten seiner zahlreichen, formal exakt konstruierten bühnenwirksamen Stücke zählen «Die Bürger von Calais» (1914), «Von morgens bis mitternachts» (1916), «Die Koralle» (1917), «Gas» (1918/20), «Der Soldat Tanaka» (1940), «Die Spieldose» (1943). Im letzten Lebensjahrzehnt schrieb Kaiser auch Gedichte, Romane («Villa Aurea», 1940) und pointierte Erzählungen.

2. Walter Gorrish.

3. Wolf, geboren 26.10.1916, Schauspieler; erwies sich beim Berliner Ensemble (Macheath in Brechts «Dreigroschenoper») und an der Volksbühne Berlin sowie bei Film und Fernsehen («Thomas Müntzer», Meister Falk in «Die Geduld der Kühnen» und «Die Zeichen der Ersten», «Happy End») als vielseitiger, oft mit hintergründigem Humor und Charme agierender Darsteller.

Kaiserchronik: erstes großes deutsches Geschichtswerk in Reimpaarversen, wahrscheinlich von mehreren Geistlichen zwischen 1135 und 1150 in Regensburg verfasst; Chronik der Kaiserabfolge von Cäsar bis 1147; wertvoll wegen der eingefügten Sagen und Legenden; Nachwirkung auf die Chronikschreibung bis ins 17. Jahrhundert.

Kaiserfische, Pomacanthus: bis 60 cm lange Borstenzähner tropischer Meere; seitlich abgeflachte, bunte Bewohner der Korallenriffe; Jungfische völlig abweichend gefärbt.

Kaisergebirge: östlicher Gebirgsstock der Nordtiroler Kalkalpen in Österreich, östlich von Kufstein; durch das Kaisertal geteilt in den nördlichen Zahmen oder Hinteren Kaiser (Pyramidenspitze, 1997 m; mit verkarstetem Kalkplateau) und den südlichen, 24 km langen, steilen höheren Wilden oder Vorderen Kaiser (Ellmauer Halt, 2344 m); beide durch das Stripsenjoch (1577 m) miteinander verbunden; Alpinistik.

Kaiserkrone, Fritillaria imperialis: giftiges Liliengewächs aus Mittelasien mit gelbbraunen bis roten, unter einem Blätterschopf herabhängenden Blüten; Gartenzierpflanze mit Schuppenzwiebel.

Kaisermantel, Argynnis paphia: mitteleuropäischer Fleckenfalter mit braun-schwarz gefleckten Flügeln; fliegt an Waldrändern und auf Wiesen; Raupe frisst an Veilchen.

Kaiserpolitik, Italienpolitik: Bezeichnung für die von den deutschen Königen geführte feudale deutsche Expansion nach Italien vom 10. bis 13. Jahrhundert; war verbunden mit der Kaiserkrönung in Rom durch den Papst. Die nationalstaatlichen Entwicklung Deutschlands wie Italiens wurde durch die Kaiserpolitik gehemmt, weil sie die Herausbildung eines eigenen Königtums in Italien verhinderte und in Deutschland die entscheidende Stärkung der partikularen Feudalgewalten und damit die Schwächung der Zentralgewalt nach sich zog.

Kaisersage: die mit christlich-mythologischen Gedankengut vom Weltenende verbundene Sage von der Wiederkehr eines mächtigen Kaisers; knüpfte an in den Wirren des Interregnums entstandene Hoffnungen an, der Staufer Friedrich n. sei nicht gestorben. Die Kaisersage wurde seit Anfang des 16. Jahrhundert immer mehr auf Friedrich I. Barbarossa bezogen und ausgeschmückt (Kyffhäusersage). Sie zeugt von der Sehnsucht breiter Volksmassen nach friedlichen Zuständen unter einem starken Kaisertum und nach Befreiung von fürstlicher Bedrückung.

Kajak: (eskimoisch) 1. Kajak, Abkürzung K: Sport, Sammelbezeichnung für alle mit Doppelpaddel bewegten Kanutypen. Im Wettkampfsport gibt die Abkürzung K in Verbindung mit einer römischen Zahl die Bootsklasse an: KI = Einer-Kajak, KII = Zweier-Kajak, KIV = Vierer-Kajak. Für Kanuslalom und Wildwasserrennen sind die Kajak breit und kurz und ohne Steuer, für Kanurennsport schmal und mit Steuerflosse. Das Deck ist bis auf die Sitzluke geschlossen und zusätzlich durch eine Spritzdecke verschließbar.

2. Volkskunde: einsitziges, zur Meerestierjagd benutztes Fangboot der Eskimo aus Holz oder Walrippen und Seehundfell; siehe auch Umiak.

Kajüte: Wohnraum auf großen Segelbooten und Motorbooten sowie auf kleinen Schiffen.

Kakadus, Cacatuinae: australische und indonesische Papageien mit meist aufrichtbarer Federhaube; Frucht- und Pflanzenfresser, 1 bis 3 Eier werden in Baumhöhlen oder Felslöchern abgelegt. Zu den 17 Arten gehört der 34 cm lange Gelbwangenkakadus (Cacatua sulphurea); bis 40 cm lang ist der Inkakakadus (C. leadbeateri); größte Art ist der schwarze, 77 cm lange Arakakadus (Probosciger aterrimus).

Kakao: aus den Samen des Kakaobaumes gewonnenes nährstoffreiches Erzeugnis, das nach Abpressen der Kakaobutter von der Kakaomasse und nachfolgendem Vermahlen als Kakaopulver Grundlage des anregenden Kakaogetränkes ist.

Kakaobaum, Theobroma cacao: tropische Pflanze mit glänzend grünen Blättern und am Stamm hervorbrechenden rötlichen oder weißen Blüten. Die gurkenähnlichen Früchte enthalten viele mandelförmige Samen (Kakaobohnen), die zu Kakao weiterverarbeitet werden. Anbau besonders in Westafrika, Ostbrasilien und Mittelamerika; ursprünglich Heimat ist das tropischen Amerika. Genussmittelpflanze; die Samen enthalten das Alkaloid Theobromin.

Kakaobutter, Oleum Cacao: schwach gelbes, bei der Entölung gerösteter Kakaobohnen gewonnenes Fett; F 30 bis 34 °C. Man verwendet Kakaobutter für Schokolade und kosmetische Produkte.

Kake: Judo - Schlussphase eines Wurfes, in der der Uke mit größter Dynamik zu Fall gebracht wird.

Kakemono: (japanisch, «Hängeding») im Gegensatz zum Emakimono ein zum Aufhängen bestimmtes hochformatiges Rollbild auf Seide oder auf Seide in Papier gefasst.

Kakerlaken: volkstümliche Bezeichnung für in Gebäuden schädlich auftretende Schabenarten.

Kakinada: Stadt an der Ostküste des Unionsstaates Andhra Pradesh (Indien), im Deltagebiet der Godavari; 220000 Einwohner; Leichtindustrie (Lebensmittel, Textilien).

Kakophonie: (griechisch kakos, «hässlich», + phone, «Stimme») der Missklang in der Musik oder Rede.

Kakteen: artenreiche, mit wenigen Ausnahmen in Amerika in Wüsten und Halbwüsten beheimatete Familie kugel-, säulen- oder scheibenförmiger Stammsukkulenten, oft mit Rippen und Warzen; Blätter in der Regel zu Domen umgewandelt; die sitzenden Blüten werden von Schmetterlingen und Kolibris bestäubt; hierzu gehören Königin der Nacht, Gliederkaktus, Bischofsmütze unter anderem

Kala-Azar, Schwarze Krankheit: durch Geißeltierchen der Art Leishmania donovani hervorgerufene und von Sandmücken übertragene, unbehandelt oft tödlich verlaufende Infektionskrankheit in wannen Ländern; Kennzeichen sind Fieberschübe, Milzvergrößerung, Hautverfärbung, Anämie und Auszehrung.

Kalabis, Viktor, geboren 27.2.1923, tschechischer Komponist; schrieb insbesondere Instrumentalwerke, darunter mehrere Sinfonien, Solokonzerte und Streichquartette, in denen er (nach einer frühen folkloristischen Phase) traditionelle mit zeitgenössischen Gestaltungsmitteln eigenwillig mischt.

Kalabreser: (nach Kalabrien) weicher Filzhut mit hohem Kopf und breiter Krempe.

Kalabrien, Calabria: Halbinsel im Südwesten Unteritaliens, zwischen Tyrrhen, und Ionische Meer; als Region 15080 km2, 2,1 Millionen Einwohner; 139 Einwohner/km2; kleine albanische Minderheit; Verwaltungszentrum Catanzaro; umfasst 3 Provinzen; Gebirgs- und Hügelland, im Monte Pollino bis 2 271 m; im Süden erreichen die Granit- und Gneis Massive des Silagebirges 1929 m, des Aspromonte 1956 m; Höhen zum Teil bewaldet oder von Bergwiesen bedeckt; häufig Erdbeben; im Sommer trocken; wirtschaftlich rückständig (Bevölkerungsabwanderung); Sozialgefüge durch Großgrundbesitz bestimmt; in Küsten- und Flussebenen Anbau von Weizen, Zitrusfrüchten, Oliven, Wein, Lein; Textil-, Schuh-, chemische, keramische, Holzindustrie, Schwefelabbau; Wasserkraftwerke; Fischerei.

Kalach, heute Nimrud: im nördlichen Syrien gelegene alte Stadt, die unter Salmanassar I. um 1270 vor Christus als Residenz gegründet wurde. besonders unter Assurnasirpal II. im 9. Jahrhundert vor Christus wurde Kalach baulich gefördert (Tempel- und Palastbauten) und zum Kultzentrum ausgebaut. Kalach wurde 612 vor Christus von den Medern zerstört.

Kalahari: von unverfestigten Sedimenten, besonders Dünensanden, erfüllte Beckenlandschaft mit mehreren Teilbecken im Inneren Südafrikas, größtenteils in Botswana, kleinere Teile in Namibia, Republik Südafrika und Angola; etwa 1 Millionen km2; von 900 m im Südwesten auf 1300 m über dem Meeresspiegel im Nordosten ansteigend; trockenes tropisches Klima; überwiegend Trockensavanne; von außen einströmende Flüsse enden in Salzseen und -sümpfen (Okavango-, Makan-Becken); zahlreiche Bodenschätze (besonders Gold, Kupfer); Rückzugsgebiet der Buschmänner.

Kalamität: 1. allgemein Schwierigkeit, Missstand; große Verlegenheit.

2. Pflanzenschutz: das massenhafte Auftreten eines Schaderregers, das schwere wirtschaftliche Schäden zur Folge hat.

Kalamiten: (griechisch - kalamos, «Rohr») baumförmige Schachtelhalmgewächse im Carbon und Perm; Sprossteile häufig als «Steinkern» oder kohlig erhalten.

Kalandadze, Ana, geboren 15.12.1924, georgisch-sowjetische Lyrikerin. Ihre Gedichte, für die Monologform und starke Expressivität kennzeichnend sind, besingen die Gefühlswelt und den inneren Reichtum des Menschen, beschäftigen sich aber auch mit der Vergangenheit Georgiens («Was ich bin? Eine Schalmei!», 1945; «Ich bin die Totensonne»).

Kalander: (französisch - griechisch) Textil-, Papier-, Plastiktechnik Maschine zum Glätten und Prägen mit bis zu 17 paarweise einander zugeordneten, zum Teil beheizbaren Walzen. Je nach dem zu erzielenden Effekt unterscheidet man Roll- oder Mattkalander (Mattglanz), Friktionskalander (Hochglanz), Chasing-Kalander (besonderer Glanz), Präge- oder Gaufrierkalander (Musterprägung). Das Kalandrieren von Plasten erfolgt mit Material, welches in Knetern plastiziert und erwärmt wurde. Durch den hohen Druck im Walzenspalt erfolgt die Formung als fortlaufendes Band einheitliche Dicke und Beschaffenheit, eventuell mit gleichzeitiger Oberflächenstrukturierung durch Prägung.

Kalauer: auf Wortspiel (französisch calembour) und Doppelsinn beruhender abgedroschener Wortwitz.

Kalb: junges Rind; sein Fell wird naturbraun, gescheckt und schwarzgefärbt zu Pelzkonfektion verarbeitet

Kalben: 1. Geburtsvorgang beim Rind.

2. Abbruch großer Eiskörper von im Meer endenden Gletschern oder Inlandeismassen; Eisbergbildung.

Kälberdiphtheroid: durch Nekrose Bakterien verursachte Entzündung im Bereich der Maulhöhle des Kalbes. Bei Ferkeln kommt ein ähnliches Krankheitsbild vor. Das Kälberdiphtheroid neigt zur Metastasen Bildung in anderen Organen.

Kälberruhr: durch Kolibakterien hervorgerufene Darminfektion bei Kälbern in den ersten Lebenstagen. Die Erkrankung ist durch schwere Durchfälle, Temperaturerhöhung und Verdickung der Gelenke gekennzeichnet und kann innerhalb weniger Stunden zum Tod führen; Bekämpfung durch Antibiotika und Verbesserung der Haltungshygiene.

Kalchas, in der griechischen Sage Vogelschauer und Seher, weissagte den Griechen im Trojanischen Krieg.

Kalckreuth, Leopold Graf von, 15.5.1855 - 1.12.1928, Maler und Graphiker; schuf anfangs naturalistisch aufgefasste Szenen aus dem Volksleben, später vor allem dem Impressionismus verpflichtete Landschaften mit und ohne figürliche Staffage, Darstellungen des Hamburger Hafens sowie hervorragende Bildnisse.

Kaldaunen, Kutteln: zu den Innereien zählende Magenteile des Rindes, aus denen mit Essig beziehungsweise Weißwein und Gewürzen ein (meist Suppen-) Gericht zubereitet wird, zum Beispiel Flecke.

Kaldera, Caldera: zentraler Kessel eines Großvulkans, der durch Einbruch entstanden ist und in dessen Mitte ein jüngerer Vulkankegel aufragt.

Kaldo-Verfahren: (Kurzwort für Kalling-Domnarvet-Verfahren, nach einem schwedischen Erfinder und dem Standort des Entwicklungsbetriebes) ein Sauerstoffaufblasverfahren, bei dem der Sauerstoff durch die offene Stirnwand einer nahezu waagerecht liegenden Drehtrommel auf das flüssige Roheisen geblasen wird.

Kalebasse, Kalabasse: im engeren Sinne Gefäß aus der Frucht des Flaschenkürbisses; im weiteren Sinne jedes Gefäß, das aus einem Kürbis hergestellt wird.

kaledonische Gebirgsbildung: durch umfangreiche Krustenbewegungen gekennzeichnete Gebirgsbildung, etwa vom Ordovizium bis zum frühen Devon; führte zur Bildung des Kaledonischen Gebirges (Kaledoniden), das sich von Norwegen über Nordengland, Schottland, Irland, Grönland bis nach Neufundland und den nördlichen Appalachen erstreckte.

Kaleidoskop: (griechisch, «Schönbildseher») Anordnung von Winkelspiegeln in einem Rohr, in der durch Mehrfachreflexionen symmetrischen Bildfiguren (zum Beispiel von farbigen, beweglichen Glasstücken) erzeugt werden.

Kalender: (lateinisch Calendae, «erster Tag jedes Monats») 1. Verzeichnis der nach Wochen und Monaten geordneten Tage eines Jahres, eventuell mit Angaben über tägliche Auf- und Untergänge von Sonne und Mond, der Mondphasen, von Gedenktagen unter anderem

2. Zeiteinteilung nach astronomischen Gesichtspunkten, in der als natürliche Zeitabschnitte Tag, Monat und I Jahr verwendet werden. Unsere Zeiteinteilung geht auf die Römer zurück, die bis zur Zeit Cäsars nach dem Montfahr rechneten, das 12 synodische Monate zu je 29,530 6 Tagen umfasst (siehe auch Mond). Da man im Kalenderwesen nur mit ganzen Tagen rechnet, ließ man Monate mit abwechselnd 29 und 30 Tagen aufeinanderfolgen und erhielt ein Jahr mit 354 Tagen. Zum Ausgleich führte man Schaltjahre mit 355 Tagen ein. Dieses Mondjahr war unabhängig vom Sonnenlauf, der Jahresbeginn bewegte sich durch alle Jahreszeiten. Damit das Mondjahr mit dem Sonnenlauf übereinstimmt, führte man Schaltmonate ein (gebundenes Mondjahr, Lunisolarjahr). Das Sonnenjahr sieht vom Verlauf der Mondphasen ganz ab; seit 46 v. Chr. galt Cäsars Julian. Kalender, der mit einem Jahr von 365,25 Tagen rechnet; nach 3 Gemeinjahren mit 365 Tagen folgte ein Schaltjahr mit 366 Tagen. Da das tropische (Sonnen-) Jahr aber 365,2422 Tage hat, ergab sich bereits 1582 eine Fehlzeit gegenüber dem Sonnenstand von 10 Tagen. Unter Papst Gregor XIII. wurde deshalb der Gregorianische Kalender eingeführt, bei dem sich erst nach 3 200 Jahren ein Fehler von 1 Tag ergibt. Die 10 Tage vom 5. bis 14. Oktober 1582 wurden überschlagen und der Julian. Kalender dahingehend abgeändert, dass bei vollen Jahrhunderten der Schalttag ausfällt, mit Ausnahme der Jahre, die durch 400 teilbar sind. Die Protestantischen Staaten Deutschlands führten 1700 den Gregorianischen Kalender ein. Großbritannien (wo bis 1751 der 25.3. als Jahresanfang galt) führte den Gregorianischen Kalender 1752, Schweden 1753, die UdSSR 1918, die Türkei 1927 ein. Datierungen nach dem Julian. Kalender nennt man auch «nach altem Stü», solche nach dem Gregorianischen Kalender «nach neuem Stil». Den einfachsten Kalender hat 1582 der Philologe Joseph Justus Scaliger (1540-1609) vorgeschlagen, indem er jeden Tag vom 1. 1. 4713 vor Christus, 13 h MEZ, an fortschreitend durchnummerierte. Dieses Julian. Datum (benannt nach Gaius Iulius Caesar) wird vor allem in der Astronomie benutzt.

Kalenderuhr: Uhr, die neben der Tageszeit kalendarische Angaben erkennen lässt (Monatstag, Wochentag, Monatsname, Jahreszeit unter anderem).

Kalesche: dem Landauer ähnlich, aber leichter gebauter viersitziger Wagen mit zurückklappbarem Verdeck.

Kalevala: finnisches Nationalepos. Das von E. Lönnrot aus finnisch-karelischen Volksliedern, Sagen und Zaubersprüchen zu 50 künstlerisch geformten Runen (Gesängen) zusammengefügte Kalevala zählt zu den großen Epen der Weltliteratur.

Kalf, Willem, 1622-31.7.1693, holländischer Maler; schuf Kücheninterieurs mit wohlgeordnetem Hausrat, später besonders streng gebaute Frühstücksstillleben, die in der Verwendung des Helldunkel und der Farben den Einfluss Rembrandts zeigen; ferner intime Genredarstellungen.

Kalfaktor: (lateinisch) Gehilfe; Gefangener, der Hilfsdienste verrichtet; Zwischenträger.

Kalfatern: wasserdichtes Verschließen der Fugen (Nähte und Stöße) zum Beispiel im Holzdeck von Schiffen und Booten mit kaltverarbeitbarer Plastik Vergussmasse, früher mit Werg und Pech, Harz unter anderem

Kalgoorlie: Stadt im Wüstengebiet von Westaustralien, Siedlungszentrum in einem Gebiet mit ausgedehnten Edelmetall- und Metallerzvorkommen; 20000 Einwohner; Goldbergwerke, Nickelraffinerie; Flughafen; 560 km lange Wasserleitung von der Darling Range bei Perth.

Kali: im weiteren Sinne Bezeichnung für Kaliumsalze, die als Düngemittel verwendet werden, im engeren Sinne für Kaliumoxid («Reinkali») zur Kennzeichnung des Kaliumgehaltes von Düngemitteln.

Kali (Sanskrit, «die Schwarze»), Göttin des Hinduismus mit vorvedischen Wurzeln; ihr werden noch heute Tiere geopfert; dargestellt auf der Leiche ihres Gatten Shiva tanzend, dessen Shakti (Energie) sie ist (Shaktismus).

Kaliber: (französisch arabisch griechisch)

1. Fertigungstechnik: beim Walzen von Profilen die Aussparung zwischen den Walzen des Walzgerüstes, die dem Walzgut seine Querschnittsform gibt. Man unterscheidet offene Kaliber, bei denen die Querschnittsfläche durch gleiche Aussparungen in beiden Walzen gebildet wird (Kreisquerschnitt), und geschlossene Kaliber, bei denen sie durch Aussparung in der einen und darin eingreifenden umlaufenden Bund der anderen Walze entsteht (Rechteckquerschnitt).

2. Militärtechnik: a) Innendurchmesser (meist in mm) des Rohres oder Laufes einer Feuerwaffe (bei gezogenem Rohr zwischen 2 gegenüberliegenden Feldern gemessen), auch Durchmesser eines Geschosses (Wurfgranate, Kugel, Granate; gemessen am größten Querschnitt); die Länge des Rohres wird oft als Vielfaches seines Kaliber angegeben;

b) Masse einer Fliegerbombe in kg.

Kalibrieren: (französisch arabisch griechisch)

1. Fertigungstechnik: geringfügiges Umformen von Werkstücken zum Erzielen des Fertigmaßes und guter Oberflächenqualität; erfolgt als letzter Umformarbeitsgang. In der Sinterformteilherstellung Nachpressen genannt.

2. Kalibrieren, Einmessen - Metrologie: Zuordnen von Werten der Messgröße zu den Anzeigen eines Messmittels; zum Beispiel Ermittlung des Fehlers der Anzeige eines elektrischen Strommessers für bestimmte Zeigereinstellungen. Beim Eichen werden die technischen Parameter (insbesondere Fehlergrenzen) amtlich geprüft und ihre Einhaltung beurkundet.

Kalidasa, vermutlich 1.Hälfte des 5. Jahrhundert, indischer Klassiker der Sanskritdichtung. Seine epischen, lyrischen und dramatischen Werke gehören wegen ihres tiefen humanistischen Gehalts und ihrer sprachlichen Schönheit zu den kostbarsten Schätzen der Weltliteratur. Am bekanntesten wurden die Schauspiele «Shakuntala» und «Vikrama und Urvashi», ferner die beiden Epen «Die Geburt des Kriegsgottes» und «Raghus Stamm» sowie das lyrische Gedicht «Der Wolkenbote» (alle deutsch).

Kalif: (arabisch, «Nachfolger», «Stellvertreter»), Chalif der als rechtmäßiger Nachfolger Muhammads geltende weltlich-geistlicher Herrscher des islamischen Reiches. Das Kalifat (Amt des K) ist nur für die ersten 4, die «rechtgeleiteten» Kalif, Abu Bakr, Omar ibn al-Chattab, Osman ibn Affan und Ali ibn Abi Talib in Medina (632/61) unbestritten. Die von 661 bis 750 in Damaskus als Kalifen regierenden Omaijaden dehnten das Reich nach Westen bis nach Spanien aus, wo ein Nachkomme nach ihrem Sturz durch die Abbasiden das Emirat (später Kalifat) von Córdoba gründete (756/1031). Die Abbasiden residierten von 750 bis 1258 in Bagdad, seit dem 11. Jahrhundert mussten sie die weltlich-politische Macht an einen Sultan abgeben, während ihnen noch die überwiegend geistliche Würde eines obersten Imam blieb. Nach der Eroberung Bagdads (1258) durch die Mongolen bestand seit 1261 in Kairo unter den Mamluken Sultanen ein Scheinkalifat, das 1517 dem osmanischen Sultan in Istanbul zufiel. 1924 wurde das praktisch erloschene Kalifat in der Türkischen Republik beseitigt.

Kalifornien: 1. Teil des Südwesten Nordamerikas; umfasst Kalifornien 2 (Oberkalifornien oder Kalifornien im engeren Sinne) und die zu Mexiko gehörende, 144000 km2 große Halbinsel Niederkalifornien.

2. Kalifornien, California, Abkürzung Cal., Calif: Bundesstaat im Westen der USA am Stillen Ozean; 411049 km2, 23,7 Millionen Einwohner (davon 6% Afroamerikaner, 1 % Japaner, Chicanos); 58 Einwohner/ km2; Hauptstadt Sacramento. Das kalifornische Längstal wird im Westen vom Küstengebirge, im Norden vom Südteil des Kaskadengebirges und im Osten von der Sierra Nevada eingeschlossen. Im Südosten hat Kalifornien mit dem Mohavebecken und dem Tal des Todes Anteil am Coloradoplateau. An der Küste winterfeuchtes Etesien-, im Zentralteil trockenes Kontinentalklima; nur das ozeanische Kalifornien ist bewaldet, im Süden Wüstenvegetation. Wirtschaftlich am weitesten entwickelter Staat im Westen der USA mit bedeutender Industrie-Agrar-Produktion und Fischerei; führende Zweige sind auch der Bergbau und die Forstwirtschaft. Kalifornien besitzt eine vielfältige Industriestruktur, wichtige Zweige sind die Lebensmittel-, Flugzeug-, Raumfahrt-, Film-, Fahrzeug-, Eisen- und Stahl-, Zementindustrie, der Elektromaschinenbau und die Erdölverarbeitung; Hauptstandorte sind Los Angeles, San Francisco, San Diego. Umfangreiche Erdöl-, Erdgas-, Quecksilber-, Baumaterial-, Eisenerzforderung; Fremdenverkehr. In der Landwirtschaft ist die Fleisch- und Milchrinderhaltung führend; Produktion von Weintrauben, Baumwolle, Futtergräsern, Tomaten, Getreide, Kartoffeln, Obst und Gemüse. Verkehrsmäßig gut erschlossen, gut ausgebautes Straßensystem, Haupthäfen Los Angeles und San Francisco.

Kalifornien, Golf von. Mar Bermejo (spanisch, «Purpurmeer»): Meeresbucht zwischen der Halbinsel Niederkalifornien und dem mexikanischen Festland; Fortsetzung des kalifornischen Längstales; 1200 km lang, bis 250 km breit, im Süden bis 3218 m tief; reich an Schwämmen, Korallen und Thunfischen; gelegentlich aufsteigendes Phytoplankton erzeugt purpurrote Färbung des Wassers.

Kalifornische Indianer: mehrere sprachlich sehr unterschiedliche Indianergruppen (Penuti, Hoka, zum Teil Algonkin und Na-Dene) Kaliforniens; Erntevölker (Eicheln, Wildsamen), Fischer und Jäger (Kleinwild); einst 100000, wurden sie Mitte des 19. Jahrhundert stark dezimiert; heute etwa 15000 in Reservationen.

Kalifornium: (nach Kalifornien) Californium, Symbol Cf: künstliches, radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 98; längste Halbwertzeit 898 Jahre; Wertigkeit +3. Kalifornium ist ein unedles Metall. Das Isotop Cf252 unterliegt zum Teil einer Spontanspaltung und dient als Neutronenquelle. Kalifornium wurde 1950 von G. T. Seaborg und Mitarbeitern entdeckt.

Kalilauge: wässrige Lösung von Kaliumhydroxid, KOH. Kalilauge reagiert sehr stark alkalisch und wirkt daher stark ätzend auf Haut und besonders Augen. Kalilauge wird durch Alkalichloridelektrolyse gewonnen und ist Ausgangsstoff für andere Kaliumverbindungen. In Nickel-Cadmium-Akkumulatoren dient sie als Elektrolyt.

Kahla wa-Dimna, Kalila und Dimna: Titel der arabischen Übersetzung der nordwestlichen Rezension des Panchatantra; enthält in Tierfabeln gekleidete Lebensregeln; wurde zur Grundlage griechischer, lateinischer und (1480) deutscher Übersetzungen des Panchatantra.

Kalimantan, Borneo: größte Insel des Malaiischen Archipels und nach Grönland und Neuguinea drittgrößte Insel der Erde; 746 951 km2, davon 72 % zu Indonesien und 28 % zu Malaysia (Sabah, Sarawak) und Brunei gehörig; 9,2 Millionen Einwohner Kalimantan wird im Inneren von hohen Gebirgsketten durchzogen, die bis 4101 m (Kinabalu) aufragen. Im Küstenbereich vielfach ausgedehntes, teilweise stark versumpftes Tiefland. Von hier aus reichen breite Talbecken oft weit ins Innere der Insel. Die Flüsse sind reich an Wasserfällen und meist nur in den Unterlaufen schiffbar. Bei tropischen Klima mit geringen jährlichen Temperaturschwankungen und hohen Niederschlagsmengen ist der größte Teil mit immergrünem tropischen Regen- und Bergwald bedeckt; in sumpfigen Niederungen Bambuswälder, in den Deltas der Flüsse und entlang der Flachküsten ausgedehnte Mangrovendickichte. Anbau vor allem von Reis, Mais, Kokospalmen, Kaffee, Tabak, Bananen und Gewürzen; in den Wäldern Kautschuk- und Edelholzgewinnung. Der sich ständig ausdehnende Bergbau fördert vor allem Erdöl, Erdgas, Diamanten, Gold-, Silber-, Mangan-, Eisen- und Zinnerz sowie Bauxit und Steinkohle. In den Küstengewässern Perlmuschelfischerei.

Kalinnikow, Wassili Sergejewitsch, 13.1.1866 bis 11.1.1901, russischer Komponist; schrieb 2 Sinfonien, 2 sinfonische Dichtungen, Kammermusik und Lieder, leistete einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der russischen Sinfonik.

Kalinowski, Konstantin Semjonowitsch, 2. 2.1838 bis 22. 3.1864 (hingerichtet), belorussischer revolutionärer Demokrat; Mitbegründer einer illegalen revolutionären Organisation; einer der Führer der Bauernerhebung 1863/64 in Litauen und Belorussland.

Kalisalze: Salzgesteine, bestehend aus unterschiedlichen Gemengen der Minerale Carnallit (16,9% Kaliumoxid), 63,1% Kaliumoxid, Kainit, Kieserit, Polyhalit unter anderem mit Halit. Kalisalze entstanden durch Meerwasserverdunstung in abgeschlossenen Becken (Lagunen), vor allem im Zechstein, aber auch im Tertiär. Als jüngste Ausscheidungen treten über dem Halit die leichtlösliche Kalium-Magnesium Verbindungen auf.

Kalisch: soviel wie Kalisz. Der Vertrag von Kalisch vom 27.2.1813, zu dessen Abschluss der preußische König von der nationalen Bewegung gezwungen wurde, stellte ein Waffenbündnis mit Russland dar; Russland stellte 150000 Soldaten und Preußen 80000 zum Kampf für die Beseitigung der napoleonischen Fremdherrschaft in Europa.

Kalisz: 1. Wojewodschaft im zentralen Teil Polens; 6512 km2, 675000 Einwohner; 104 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Kalisz umfasst Niederungen der von der Prosna (linker Warthe Zufluss) durchflossenen Nizina Wielkopolska, im Südwesten Moränenhügel; 23% der Fläche bewaldet. Industrie-Agrar-Gebiet; Textil- (Samt, Seide, Bekleidung), Möbelindustrie, Maschinen- (besonders automatische Anlagen), Musikinstrumentenbau, besonders in Kalisz 2, Ostrow Wielkopolski und Jarocin. Landwirtschaft mit Ackerbau (Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben, Gemüse) und Viehzucht (besonders Schweinemast); Obstbau.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Kalisz 1, an der Prosna, älteste Stadt Polens; 100000 Einwohner; Industriezentrum mit Textil-, chemische, Lebensmittelindustrie, Maschinen-, Fahrzeug-, Klavierbau; Theater, Museum; Altstadt mit überwiegend gotischen Kirchen und zahlreichen neoklassizistischen Gebäuden.

Kalium, Symbol K: chemisches Element der Kernladungszahl 19; Alkalimetall; Atommasse 39,0983; Wertigkeit+1; F63,5°C; Kp 760°C; Dichte 0,86 g/cm3; das natürliche Isotop K 40 (Anteil 0,01%) ist radioaktiv. Kalium kommt in der Natur nur chemisch gebunden vor, wichtige Minerale sind Sylvin; für höhere Organismen sind Kaliumverbindungen lebensnotwendig. Kalium ist ein wachsweiches, an frischen Schnittflächen silber-glänzendes Leichtmetall. Es ist außerordentlich reaktionsfähig; an der Luft überzieht es sich sofort mit einer weißen Hydroxid- und Carbonatschicht; mit Wasser setzt es sich stürmisch zu Kalilauge um, wobei sich der entstehende Wasserstoff entzündet und mit violetter Flamme brennt. Man gewinnt Kalium durch Reduktion von Kaliumfluorid mittels Kalziumkarbid oberhalb 1000°C; die technische Bedeutung ist gering. Kaliummetall wurde erstmals 1807 von H. Davy durch Schmelzelektrolyse von Kaliumhydroxid dargestellt.

Kalium-Argon-Datierung: Datierungsmethode zur Altersbestimmung von Fossilien auf der Basis des Zerfalls des radioaktiven Isotops Kalium 40 zu Argon 40 und Kalzium 40.

Kaliumverbindungen: Stoffe, in denen Kalium, meist als K+-Ion, chemisch gebunden ist. Fast alle Kaliumverbindungen sind wasserlöslich und färben die Flamme schwach blauviolett. Die nachstehend beschriebenen Kaliumverbindungen sind, sofern nicht anders angegeben, farblos.

- Kaliumbromid, KBr, F 742 °C, findet Verwendung in Pharmazie und Fotografie sowie zur Erzeugung von Silberbromid. Kaliumchlorid, KCl, F770°C, kommt als Sylvin sowie im Carnallit und Kainit in Kalisalzlagerstätten vor und dient als Düngemittel.

- Kaliumfluorid, KF, F 857°C, ist giftig und wird zur Holzkonservierung eingesetzt. Kaliumhydroxid, Ätzkali, KOH, eine feste weiße Substanz (F360°C), zerfließt an der Luft allmählich durch Aufnahme von Wasser und Kohlendioxid, wobei sich Kaliumkarbonat bildet. In Wasser löst es sich unter Erwärmung zu Kalilauge. Kaliumjodid, KI, F 682 °C, ist sehr leicht wasserlöslich (bei 20 °C 145 g in 100 g Wasser) und wird medizinisch verwendet. Kaliumkarbonat, wird nach der früheren Gewinnung durch Auslaugen von Holzasche in eisernen «Pötten» auch Pottasche genannt. Es ist ein zerfließliches Pulver, dessen wässrige Lösung alkalisch reagiert, und wird vorwiegend durch Einleiten von Kohlendioxid in Kalilauge gewonnen, kommt aber auch in Salzseen vor. Verwendet wird es unter anderem zur Herstellung von Kaliglas und als Backtriebmittel. Kaliumnitrat, Kalisalpeter («Salpeter» im engeren Sinn), wird durch Einwirkung von Salpetersäure auf Kaliumhydroxid oder -karbonat oder (unter der Bezeichnung Konversionssalpeter) durch Umsetzung zwischen Natriumnitrat und Kaliumchlorid gewonnen. Oberhalb 800 °C zerfällt es in Kaliumnitrat und Sauerstoff. Es wird für Mischdünger, Schwarzpulver, Kaliglas und Feuerwerkskörper verwendet. Kaliumnitrit, KN02, ist sehr leicht wasserlöslich und giftig. Kaliumoxid, ist ein stark hautätzendes Pulver, das sich mit Wasser heftig zu Kaliumhydroxid umsetzt.

- Kaliumsulfat, K2S04, F 1074°C, wird durch Umsetzung von Magnesiumsulfat mit Kaliumchlorid gewonnen und vor allem als Düngemittel eingesetzt. Mit anderen Sulfaten kann es Doppelsalze (zum Beispiel Alaune) bilden. Kaliumsulfid, K2S, riecht infolge Reaktion mit dem Wasserdampf der Luft nach Schwefelwasserstoff. Das Kaliumpolysulfid, K2S (x = 2 bis 6), eine braungelbe Substanz, wird als «Schwefelleber» zum dekorativen Braun- und Schwarzfärben von Kupfer, Messing und Silber verwendet. Kaliumchromat und -dichromat siehe unter Chromverbindungen, Kaliumpermanganat unter Manganverbindungen. Siehe auch Blutlaugensalze.

Kalk: Sammelbezeichnung für Kalziumkarbonat (Kalkstein, Kalzit) und die daraus herstellbaren Verbindungen Kalziumoxid (Branntkalk) und Kalziumhydroxid (Löschkalk). Aus Kalziumhydroxid besteht auch der bei der Äthin Herstellung aus Kalziumkarbid als Nebenprodukt anfallende Bunakalk. Baukalk ist ein aus Kalkstein, Dolomit oder Kalksteinmergel unterhalb der Sintergrenze gebranntes Bindemittel. Kalkmörtel sind meist porös, von geringer Druckfestigkeit und erhärten an der Luft.

Kalkflagellaten, Coccolithales: mit Hilfe von 2 Geißeln bewegliche braune Meeres- und Süßwasseralgen, deren Zellkörper mit zahlreichen Kalkplättchen (Coccolithen) besetzt ist; bilden marine Kalksedimente (Schreibkreide).

Kalkhydrat, Löschkalk: aus 50 bis 99% Kalziumhydroxid bestehendes anorganisches Bindemittel, das als Baustoff aus Branntkalk durch dosiertes Anfeuchten (Löschen) entsteht.

Kalkmilch: Suspension von Kalziumhydroxid in Wasser.

Kalksandstein: aus 1 Teil Kalk und bis zu 15 Teilen Quarzsand in Ziegelformat gepresster und im Autoklaven gehärteter Mauerstein aus Silikatbeton.

Kalkstein: organisch oder anorganisch entstandenes Sedimentgestein aus Kalziumkarbonat; wichtiger Rohstoff für die Zement- und Düngemittelindustrie.

Kalkstickstoff: Gemisch aus Kalziumzyanamid, CaCN2, und Kohlenstoff; entsteht durch Bindung von Stickstoff an Kalziumkarbid bei etwa 1000°C. Kalkstickstoff ist ein graues, hautätzendes Pulver und wird als Dünger sowie insbesondere zur Herstellung von Dicyandiamid und Melamin verwendet. Kalkstickstoff wirkt haut- und schleimhautreizend und kann nach Aufnahme größerer Mengen oder kurze Zeit nach zusätzlichen Alkoholeinnahme zu Herz- und Kreislaufstörungen, in schweren Fällen zur Bewusstlosigkeit und zum Tod führen.

Kalktuff, Travertin: in Flüssen gebildete Ablagerung aus hochporösem Calcit; entsteht auch in der Nähe von Quellenaustritten karbonathaltiger Wässer sowie gelegentlich in Bächen und Seen.

Kalkül: Logik/Mathematik System von formalen Regeln zur Erzeugung oder zum Umformen von Objekten, zum Beispiel Termen, Formeln, Ausdrücken; die Auswahl der Regeln hängt im Allgemeinen vom Gegenstandsbereich ab, dessen Beschreibung durch den Kalkül erreicht werden soll. In Kalkül werden inhaltliche Überlegungen durch formale Umformungen ersetzt, dadurch kontrolliert ausführbar und mechanisierbar, zum Beispiel beim Differentialkalkül, beim Integralkalkül, bei den verschiedenen Kalkül der mathematischen Logik. Die Anwendbarkeit und Angemessenheit von Kalkül muss durch inhaltliche Überlegungen gerechtfertigt werden. Kalküle sind eine wichtige Vorbedingung für die Anwendung programmgesteuerter Rechenmaschinen. Siehe auch Algorithmus.

Kalkulation: Ermittlung der Kosten und Preise für ein Erzeugnis beziehungsweise eine Leistung. Sie dient der Kostenkontrolle, Preisbildung und -kontrolle, Planung sowie Leistungsangeboten an Kunden. Bei den Kalkulationsarten unterscheidet man hinsichtlich des Zeitpunktes der Kalkulationsaufstellung zwischen Vorkalkulation (Ermittlung voraussichtlich entstehender Kosten vor Beginn des Produktionsprozesses) und Nachkalkulation (Ermittlung tatsächlich entstandener Kosten nach Fertigstellung der Leistung), hinsichtlich der einbezogenen Kostengrößen zwischen Plan- und Ist Kalkulation. Als Kalkulationsverfahren werden Divisionskalkulation und Zuschlagskalkulation angewandt.

Kalligraphie: (griechisch) Schönschrift, Schönschreibkunst.

Kallimachos: 1. um 400 vor Christus, griechischer Bildhauer; tätig in Athen und Korinth; galt in der Antike als Erfinder des korinthische Kapitells. Sein Hauptwerk, die Hera von Platää, ist, wie auch seine übrigen Plastiken, nicht erhalten, und in Kopien erhaltene Werke sind für Kallimachos nicht exakt nachweisbar.

2. um 310-um 240 vor Christus, hellenistischer Gelehrter und Dichter; Haupt der alexandrinischen Dichterschule (mit seiner Gelehrtenpoesie für einen kleinen Kreis gebildeter Kenner); legte die Grundlage für die spätere Literaturwissenschaft, übte starken Einfluss auf die römische Dichtung aus. Sein Hauptwerk, die «Aitia» (Ursprungssagen von Benennungen, Gebräuchen und Festen), ist nur in Bruchstücken überliefert.

Kallmorgen, Friedrich, 15.11.1856—2.6.1924, Maler und Graphiker. Von einer an der holländischen Kunst des 17. Jahrhundert orientierten Genremalerei gelangte Kallmorgen über Freilichtmalerei und Naturalismus zum Impressionismus, der besonders die tages- und jahreszeitlich fein empfundenen Landschaften bestimmt. Kallmorgen widmete sich der Industriedarstellung und setzte sich als einer der ersten künstlerisch mit der Gestaltung des Hamburger Hafens auseinander.

Kallose: wasserunlösliche Polysacharid; wird in den Siebröhren der Pflanzen gebildet und dient gegen Ende der Vegetationsperiode zur Verstopfung der Siebplatten.

Kallus: 1. Botanik: Gewebewucherung; nach Verletzung bei Pflanzen auftretende Zellwucherung; dient dem Wundverschluss, bei Holzgewächsen zur Überwallung von Aststümpfen oder Stammwunden.

2. Kallus, Knochenschwiele - Medizin: Knochenkeimgewebe, das nach einem Knochenbruch den Bruchspalt überbrückt und sich durch Kalkeinlagerungen in Knochen umwandelt.

Kalmar: Stadt im Südosten Schwedens, Verwaltungszentrum der Provinz K, am Kalmarsund, gegenüber der Insel Öland; 53000 Einwohner; Fahrzeug- und Maschinenbau, Zündhölzer- und Lebensmittelindustrie, Mühlen; Fischerei; Hafen, Fähre und 6070 m lange Brücke über den Kalmarsund nach Öland; Schloss (12./16. Jahrhundert). Kalmar wurde im 11. Jahrhundert als Seefestung gegen die bis 1658 zu Dänemark gehörenden südschwedischen Provinzen angelegt. 1397 wurde in Kalmar die Kalmarer Union verkündet.

Kalmarer Union: Vereinigung Dänemarks, Norwegens (mit Island) und Schwedens (mit Finnland) bei Vorherrschaft des dänischen Feudaladels; 1397 in Kalmar verkündet; bestand formal bis 1523 mit Schweden, mit Norwegen bis 1814.

Kalmarkrieg: Krieg zwischen Dänemark und Schweden 1611/13, durch den sich Dänemark das norwegischen Lappengebiet sichern konnte; eines der Hauptobjekte des Krieges waren Stadt und Festung Kalmar.

Kalmenzone, Kalmen, Doldrums: Gebiet der Windstillen und veränderliche Winde (Mallungen) am Äquator.

Kalmuck: (nach den Kalmyken) dickes, beidseitig gerautes Baumwollgewebe; zum Beziehen von Bügelbrettern, Tischen unter anderem; siehe auch Molton.

Kalmus: (griechisch, «Rohr») Acorus calamus: ostasiatisches Aronstabgewächs mit schwertförmigen Blättern und unscheinbaren Blüten an einem Kolben. Seit dem 16. Jahrhundert auch in Europa eingebürgert; Uferpflanze. Der aromatische Wurzelstock enthält ätherische Öle.

Kalmusöl: gelbes ätherisches Öl, das aus Kalmuswurzeln durch Wasserdampfdestillation gewonnen und in der Parfümerie, Pharmazie sowie für Aromen verwendet wird.

Kalo: (deutsch griechisch) Vergütung (meist Preisnachlass) für Masseverluste durch Ausschütten, Eintrocknen unter anderem beim Transport bestimmter Waren.

Kalokagathie: (griechisch kalos, «schön», + agathos, «gut») humanistische staatsbürgerliche Erziehungsideal der antiken griechischen Gesellschaft. Die moderne Ästhetik versteht unter Kalokagathie häufig das ethische antike Ideal der Einheit von körperlicher Schönheit und sittliche Vorbildlichkeit, das im Menschenbild der klassisch-griechischen Plastik am eindringlichsten verkörpert ist.

Kalorik: soviel wie Wärmelehre, insbesondere das Gebiet, das sich mit Wärmeaustausch befasst.

Kalorimetrie: Messung von Wärmemengen, insbesondere die von Umwandlungs-, Rektions-, Verbrennungswärmen und Wärmekapazitäten. Hierzu dienen besondere Geräte, die Kalorimeter, von denen es eine größere Anzahl von Typen gibt, die dem jeweiligen Zweck angepasst sind. Beim Flüssigkeits- oder Mischkalorimeter wird die bei den untersuchten Umwandlungen und Reaktionen entstehende beziehungsweise verbrauchte Energie einer bekannten Menge Flüssigkeit, die sich meist in einem Vakuummantelgefäß befindet, zugeführt oder entnommen und aus der Temperaturänderung dieser Flüssigkeitsmenge und ihrer spezifischen Wärmekapazität die gesuchte Umwandlungswärme bestimmt. Beim elektrischen Vakuum-Kalorimeter von W. Nernst werden spezifische Wärmekapazitäten fester Körper durch eine genau messbare elektrische Beheizung bestimmt. Die Berthelotsche Bombe (nach M. Berthelot), ein mit einer elektrischen Zündung zur Einleitung von Reaktionen der eingebrachten Substanz versehenes, starkwandiges Metallgefäß, das sich in einem Flüssigkeitskalorimeter befindet, dient zur Messung chemischer Reaktions-, zum Beispiel Verbrennungswärmen.

Kalotte: 1. Anatomie: Schädeldach.

2. Geometrie: von einem Kreis begrenzter Teil der Oberfläche einer Kugel.

3. Mode: Kopfbedeckung in Form eines randlosen Käppchens, meist reich bestickt.

Kälte: Mangel an Wärmeenergie, bezogen auf eine willkürlich gewählte Umgebung oder Normaltemperatur; zum Beispiel werden Temperaturen unter dem Eispunkt als Kältegrade bezeichnet. Kälteerzeugung bedeutet Entzug von Wärmeenergie.

Kälteanlage: mit einer Kältemaschine ausgerüstete Einrichtung, zum Beispiel Kälteanlage zum Abkühlen von Wasser (Kaltwassersatz), zum Einfrieren von Lebensmitteln (Gefrieranlage) oder zum Abkühlen auf tiefe Temperaturen von -40 bis -70°C (Tiefkühlanlage). Bei kompakt gebauten Kälteanlage oder kompletten Kältemaschinenkreisläufen ohne Zusatzeinrichtungen ist auch die Bezeichnung Kältesatz gebräuchlich.

kalte Ente: erfrischendes Mischgetränk aus Schaumwein oder Selters und Weiß-, seltener Rotwein, mit Zitrone.

Kälteerzeugung: Entzug von Wärme aus der Umgebung mit Hilfe von Vorgängen, die Energie verbrauchen; erfolgt unter anderem durch

a) Verdampfen von Flüssigkeiten mit hoher Verdampfungswärme, die als Kältemittel oder Kälteträger dienen, zum Beispiel Ammoniak;

b) Ausnutzung des Joule-Thomson-Effektes bei Gasen;

c) adiabatische Ausdehnung von Gasen unter Arbeitsleistung;

d) Absaugen adsorbierter Gase, die an Aktivkohle adsorbiert sind;

e) thermoelektrische Kühlung;

f) Abkühlung beim Auflösen von bestimmten Salzen.

Kältemaschine: Anlage, die mit Hilfe physikalischer, seltener chemischer Vorgänge 2 ungleiche Temperaturniveaus erzeugt. Sie nimmt bei niedriger Temperatur Wärme, die einem sich dadurch abkühlenden Körper entzogen wird, auf und gibt sie bei höherer Temperatur an die Umgebung (Kühlwasser, Umgebungsluft) ab. Verwendet wird die Kältemaschine zum Beispiel in Kühlanlagen, zur Tieftemperaturforschung und zur Luft-

Verflüssigung: Man unterscheidet Kompression-, Dampfstrahl-, Absorptions-, Adsorptions-K und Kaltgasmaschine.

Kältemischung: meist aus Salz und Eis (oder Wasser) hergestellte Mischung, bei der durch Salzauflösung eine Temperatursenkung erfolgt. Das kalte Gemisch dient als Kältequelle, ist aber nach einmaligem Gebrauch als Kältemischung wertlos und unterscheidet sich dadurch grundsätzlich vom Kältemittel.

Kältemittel: Arbeitsmittel, bei Absorptionskältemaschinen in Verbindung mit dem Lösungsmittel auch Arbeitsstoffpaar genannt, das ständig im Kreislauf eine Kältemaschine durchläuft; meist eine leicht siedende Flüssigkeit. Kältemittel sind zum Beispiel Ammoniak, Kohlendioxid, Difluordichlormethan, Difluor Monochlormethan (letztere auch unter der Bezeichnung Freon beziehungsweise Frigen bekannt).

Kaltentkeimung: vorwiegend in der Mikrobiologie und Medizin, aber auch bei Obstsäften angewendetes schonendes Verfahren zum Keimfreimachen von Flüssigkeiten. Dazu werden diese bei Über- oder Unterdrück durch Filtermembranen mit Porendurchmessern unter 1,7/tm geleitet.

Kältepole: Gebiete der Erdoberfläche mit den niedrigsten Lufttemperaturen; Nordhalbkugel: in Ostsibirien (Werchojansk bis unter -67°C, Oimjakon bis unter -70°C), Südhalbkugel: in Antarktika (Station Sowjetskaja bis unter -87°C, Station Wostok bis unter -91°C).

kaltes Licht: nicht durch Wärmestrahlung, wie in einer Glühlampe, sondern durch Lumineszenz erzeugtes Licht, zum Beispiel bei Leuchtstofflampen, Leuchtziffern, -dioden oder auch Leuchtkäfern. Siehe auch Chemilumineszenz.

Kältetechnik: Technik der Erzeugung und Anwendung von Temperaturen unterhalb der Umgebungstemperatur (etwa 20°C). Das niedrige Temperaturniveau wird mittels Kältemaschine erzeugt. Die bei diesem Niveau je Zeiteinheit abgeführte thermische Energie (zum Beispiel zum Abkühlen eines Raumes) heißt Kälteleistung. Die Anwendung der Kältetechnik erstreckt sich bis in die Nähe des absoluten Nullpunktes. Siehe auch Kryotechnik.

Kälteträger: Stoff oder Stoffgemisch für den Transport der Kälte vom Ort der Erzeugung zum Ort des Verbrauchers. Sein Gefrierpunkt muss niedriger als die Arbeitstemperatur sein. Kälteträger sind zum Beispiel Wasser, wässrige Salzlösung (Kühlsole, zum Beispiel Magnesiumchloridlösung), alkoholische Lösung oder Luft; Anwendung im Kühlhaus oder bei der Fernkälteversorgung.

Kältezittern: gesteigerte Aktivität der Muskulatur zur Erhöhung der Wärmebildung, so dass trotz kalter Umgebung, verbunden mit Wärmeentzug, die Innentemperatur (Körperkerntemperatur) des Organismus nicht absinkt.

Kaltfront: Trennfläche zwischen Warm- und vordringender Kaltluft, meist an der Rückseite von Tiefdruckgebieten; durch Temperaturrückgang, Windänderung, Schauer, Böen gekennzeichnet; nach Durchgang der Kaltfront oft Aufklaren und Luftdruckanstieg.

Kalthämmern: örtlich begrenztes Umformen (Recken) von Metallen bei Raumtemperatur durch eine Vielzahl von Schlägen, zum Beispiel mit Hämmermaschinen. Kalthämmern dient unter anderem zum Anspitzen von Nadeln, Feilen und Profilen.

Kalthauspflanzen: Zierpflanzen unterschied), botanische Zugehörigkeit und Herkunft, denen während der Vegetationsruhe Temperaturen zwischen +3 und + 8°C genügen und die auch während der Vegetationsperiode ein nur mittleres Temperaturniveau benötigen (+10 bis +18°C), zum Beispiel Oleander.

Kaltkathodenröhre: gasgefüllte Röhre mit ungeheizter Kathode, aus der durch Ionenbeschuss Elektronen ausgelöst werden; Anwendung als Schalt-, Relais- und Zählrohre.

Kaltleiter: elektrisches Bauelement aus Bariumtitanat Keramik, dessen Leitfähigkeit mit steigender Temperatur abnimmt; Anwendung für Regelzwecke.

Kaltlichtspiegel: konkaver Beleuchtungsspiegel, der statt einer Metallschicht ein System dünner Schichten trägt, die die infrarote Wärmestrahlung hindurchlassen, aber das sichtbare Licht reflektieren; wirkt wie ein f Interferenzfilter.

Kaltschew, Kamen, geboren 13.8. 1914, bulgarischer Schriftsteller, gestaltet bevorzugt ethische Konflikte beim Aufbau des Sozialismus («Zwei in der neuen Stadt», 1964; «Sofioter Erzählungen», 1967) und Stoffe aus dem antifaschistischen Kampf («Die Generalprobe», 1976).

Kaltstart: Inbetriebsetzen (Anlassen) eines Verbrennungsmotors bei Außentemperaturen unter -10°C, wobei die Schwierigkeit darin besteht, dass das kalte und somit zähe Schmieröl den Reibungswiderstand erhöht und der Kraftstoff sich nach Aufbereitung im Vergaser beim Ottomotor an den kalten Wänden der Ansaugkanäle als Kondensat niederschlägt.

Kaltstauchen: Verfahren des Massivumformens zum örtlichen Anhäufen von Werkstoff in einer oder mehreren Stufen mittels Stempels und Matrize bei Raumtemperatur. Kaltstauchen dient zur Herstellung von Zwischenformen für umformende Weiterverarbeitung oder von Massenteilen, wie Bolzen, Niete, Schrauben, Muttern.

Kaludderschießen: dem Eisstockschießen verwandte Sportart; auf einem auf der Eisschießbahn hergerichteten Gestell sind von 1 bis 9 nummerierte Blechplatten angebracht, mit dem Griff des unter dem Gestell hindurchgleitenden Eisstocks ist eine möglichst hohe Nummer auszulösen.

Kalvarienberg: (dat. calvaria, «Schädel») katholische Bezeichnung für den Kreuzigungsort Christi (im Protestantismus ist die Bezeichnung Golgatha üblich); auch Wallfahrtsstätte.

Kalydonische Jagd: in der griechischen Sage die Jagd auf den Eber, den Artemis zur Bestrafung des Oineus in die Gegend von Kalydon (Ätolien) geschickt hatte.

Kalypso, in der griechischen Sage Nymphe auf der Insel Ogygia, nahm den schiffbrüchigen Odysseus auf und hielt ihn 7 Jahre zurück.

Kalzinieren: durch Erhitzen bewirktes Abspalten von Wasser oder Kohlendioxid aus chemischen Verbindungen.

Kalzium: («Kalk(stein)») Calcium, Symbol Ca: chemisches Element der Kernladungszahl 20; Atommasse 40,08; Wertigkeit +2; Dichte 1,55 g/cm3. Kalzium ist das fünfthäufigste Element der Erdkruste und findet sich nur chemisch gebunden, vor allem als Carbonat, Sulfat und Silikat. Für höhere Organismen sind Kalzium Verbindungen lebensnotwendig. Kalzium ist ein weiches, zähes, silberweiß glänzendes Leichtmetall, das an der Luft unter Bildung einer Carbonatschicht rasch weiß anläuft und mit Wasser unter Wasserstoffentwicklung reagiert. Es kann technisch durch Elektrolyse einer Chlorid Schmelze gewonnen werden und dient unter anderem als Reduktionsmittel zur Darstellung von Titan, Uran, Zirkonium u. a. Metallen sowie als Legierungszusatz zu Blei. Kalziummetall wurde erstmals 1808 von H. Davy durch Schmelzelektrolyse gewonnen.

Kalziumverbindungen: Stoffe, in denen Kalzium, meist als Ca2+-Ion, chemisch gebunden ist. Die Kalziumverbindungen sind teils leicht wasserlöslich (zum Beispiel Bromid, Chlorid, Jodid, Nitrat, Azetat), teils schwer löslich (Carbonat, Sulfat, Phosphat, Silikat, Fluorid). Sie färben beim Verdampfen die Flamme orangerot. Die nachstehend beschriebenen Kalziumverbindungen sind farblos. Kalziumchlorid, F112°C, ist sehr hygroskopisch (Verwendung als Trockenmittel) und löst sich in Wasser unter starker Erwärmung. Aus der Lösung kristallisiert CaCl2 • 6H20. Dieses löst sich in Wasser unter Abkühlung und gibt mit Eis oder Schnee eine Kältemischung (bis -54,9°C). Die gesättigte Lösung ist zwischen -50 und +170°C als Kühl- oder Heizflüssigkeit verwendbar. Kalziumfluorid, CaF2, F1403°C, als Mineral Fluorit (Flussspat), ist der wichtigste Ausgangsstoff für Fluorverbindungen. Kalziumhydroxid, Löschkalk, gelöschter Kalk, in der Technik Kalkhydrat, Ca(OH)2, entsteht aus Kalziumoxid durch Umsetzung mit Wasser («Kalklöschen») unter erheblicher Wärmeentwicklung. Kalziumhydroxid wirkt stark ätzend auf Haut und Augen. Es ist wenig wasserlöslich; die als Kalkwasser bezeichnete wässrige Lösung reagiert stark alkalisch. Die Aufschlämmung heißt Kalkmilch; sie wird als weißer Anstrichstoff verwendet Kalziumhydroxid ist ein wichtiger Bindebaustoff; es ergibt mit Sand und Wasser Kalkmörtel, der durch Auskristallisieren des Kalziumhydroxids fest wird und allmählich durch Aufnahme von Kohlendioxid unter Bildung von Kalziumkarbonat erhärtet. Kalziumkarbid («Karbid» im engeren Sinne), ist eine farblose, kristalline Substanz. Das technische Produkt ist durch Kohlenstoff grau bis schwarz gefärbt; es wird aus Kalk und Koks im Lichtbogenöfen bei etwa 2300°C erzeugt. Mit Wasser (auch schon an feuchter Luft) setzt es sich zu Äthin (Azetylen) und Kalziumhydroxid (Karbidschlamm, Karbidkalkhydrat) um, mit Stickstoff (bei 1100 °C) zu Kalziumzyanamid, CaCN2, und Kohlenstoff, das Gemisch («Kalkstickstoff») ist ein Düngemittel für saure Böden. Kalziumkarbonat, CaC03, baut als Kalkstein und als Bestandteil des Dolomits, Gebirgszüge auf; siehe auch Kalktuff. Relativ rein liegt es als Marmor und Kreide vor, sehr rein als durchsichtiger Calcit (Kalkspat). Es ist der wesentliche Bestandteil von Menschen- und Wirbeltierknochen, von Muschel- und Schneckenschalen sowie Korallenstöcken. Kalziumkarbonat zerfällt oberhalb 760 °C in Kalziumoxid und Kohlendioxid («Kalkbrennen» bei etwa 1100°Q. Kalziumkarbonat ist schwer wasserlöslich (1 mg in 100 g Wasser bei 20°C), wird aber von kohlendioxidhaltigem Wasser allmählich zu leichter löslichen Kalziumhydrogenkarbonat, Ca(HC03)2, umgesetzt, das einen Teil der Wasserhärte verursacht. Beim Sieden oder Verdunsten harten Wassers entweicht Kohlendioxid, und Kalziumkarbonat scheidet sich ab (Wasser-, Kesselstein; in Kalkhöhlen Tropfstein). Kalziumnitrat, Kalksalpeter, Ca(N03)2, ist ein Stickstoffdüngemittel, das aus Kalziumkarbonat und Salpetersäure gewonnen wird. Als «Mauersalpeter», der früher zur Erzeugung von Schießpulver verwendet wurde, bildet es sich unter dem Einfluss von Nitratbakterien aus dem Kalk von Mauerwänden und Ammoniak, das aus der Zersetzung organischer Stoffe stammt, zum Beispiel in Viehställen. Kalziumoxid, Ätzkalk, Branntkalk, gebrannter Kalk, wird durch Kalkbrennen aus Kalziumkarbonat hergestellt. Es setzt sich mit Wasser unter starker Erwärmung rasch zu Kalziumhydroxid, mit Kohlendioxid langsam zu Kalziumkarbonat um. Es wirkt stark ätzend auf Haut und Augen und dient zur Bereitung von Kalkmörtel sowie zur technischen Herstellung von Kalziumkarbid und Kalkstickstoff. Kalziumsulfat kommt in der Natur als Anhydrit, CaS04, oder Gips (Selenit), CaS04 • 2H20 (dieser besonders rein als undurchsichtiger Alabaster oder durchsichtiges Marienglas) vor. Aus Kalziumsulfat werden technisch Schwefelsäure und Ammoniumsulfat (Düngemittel) hergestellt. Durch Erhitzen von Gips auf 150°C bildet sich gebrannter Gips, CaS04 • l/2 H20, ein weißes Pulver, das unter Wasseraufnahme durch Rückbildung von CaS04 • 2H20 rasch erhärtet und daher im Bauwesen sowie für Gipsabdrücke und Gipsverbände verwendet wird. Anhydrit wird im Bauwesen eingesetzt.

Kamacit: (griechisch) Balkaneisen: meteoritisches Eisen mit einem Nickelgehalt von 2 bis 7%.

Kamakura: Stadt in Japan (Präfektur Kanagawa), auf der Insel Honshu, an der Sagamibucht; 170000 Einwohner; Seebad und Fremdenverkehrszentrum; buddhistischer Wallfahrtsort mit zahlreichen Tempeln und Shinto Schreinen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert, Buddha Statue aus Bronze (1252).

Kamaresvasen: minoische Gefäßgattung des 19./17. Jahrhundert vor Christus, nach ihrem ersten Fundort, den Kamares Grotten auf Kreta, benannt. Die Kamaresvasen zeigen auf dunklen Grund aufgetragene stilisierte farbige Pflanzenornamente und sind hinsichtlich der technischen Ausführung und künstlerischen Gestaltung von höchster Qualität.

Kamarilla: (spanisch, «Kämmerchen») einflussreiche reaktionäre Hof- oder Günstlingspartei, die einen gegen die verantwortliche Regierung gerichteten Einfluss auf den Herrscher nimmt; allgemein geheime Clique.

Kamasutra: im 4./6. Jahrhundert in Indien verfasstes Lehrbuch der Liebe; eine antiorthodoxe, lebensbejahende Rechtfertigung städtlichen Luxuslebens.

Kambium: peripherer Gewebemantel aus teilungsfähigen Zellen in Spross und Wurzel der Samenpflanzen und der ausgestorbenen Bärlappbäume, der nach innen sekundäres Holz, nach außen sekundäre Rinde erzeugt und dadurch Dickenwachstum bewirkt.

Kambrium: (nach Cambria, lateinisch für Wales) ältestes System des Paläozoikums; mit Hilfe von Trilobiten in Oberkambrium, Mittelkambrium und Unterkambrium gegliedert; nur marine Lebewesen; mit Ausnahme der Wirbeltiere sind bereits alle Stämme der Tierwelt vorhanden, die Pflanzenwelt wird von Algen bestimmt; siehe auch geologische Systeme.

Kambyses II., gestorben 522 vor Christus, König der Perser und Meder seit 529 vor Christus; nach der erfolgreichen Überwindung von Thronwirren unterwarf er 525 Ägypten.

Kamele, Schwielensohler, Tylopoda: Unterordnung der Paarhufer mit nur einer Familie, den Camelidae. Kamele sind Wiederkäuer, haben eine gespaltene Oberlippe und breitflächige, federnde Sohlenballen. Die Groß- oder Altweltkamele (Camelus), zu denen das Dromedar und das Trampeltier gehören, haben große Fetthöcker auf dem Rücken im Gegensatz zu den höckerlosen Lamas (Alpaka 2, Guanako, Vikunja).

Kamelhaar: Haar von Kamelen; wird, meist mit Schafwolle gemischt, zu Oberkleidungsstoffen, Decken unter anderem verarbeitet.

Kamelhalsfliegen, Raphidioptera: Insektenordnung mit 12 mitteleuropäischen Arten von 1 bis 2 cm Länge; durch ein halsartig verlängertes Brustsegment von anderen Netzflüglern unterschieden; Vollkerfe und Larven leben räuberisch von anderen Insekten. Siehe auch Netzflügler.

Kamelie, (nach dem mährischen Jesuitenpater Camel (Camellus, Camelli)) Kameltie, Camellia japonica: meist rot blühende, zu den Teegewächsen gehörende strauchige Gewächshaus- und Zimmerpflanze aus Japan.

Kamenez-Podolski: Stadt im Gebiet Chmelnizki (Ukraine); 90000 Einwohner; Lebensmittelindustrie, Maschinenbau, Leicht-, Baustoffindustrie; 2 Hochschulen; Museum; Altstadt mit gotische Kirche, Peter-Pauls-Dom (16. Jahrhundert; Museum); bei Kamenez-Podolski mittelalterliche Türkenfestung.

Kamera: fotografischer Aufnahmeapparat. Hauptteile sind lichtdichtes Gehäuse, Objektiv, Verschluss, Suchereinrichtung; zum Teil auch Entfernungs- und Belichtungsmesseinrichtungen. Die Einteilung erfolgt nach

a) Negativformat in Kleinstbildkamera, Halbformatkamera, Kleinbildkamera, Mittelformatkamera und Großformatkamera;

b) Konstruktionsprinzipien in Boxkamera, eine einfache Kamera mit Fixfokuseinstellung des Objektivs; Balgenkamera, bei der die lichtdichte Verbindung von Objektiv und Aufnahmematerial durch einen Balgen erfolgt; Tubus-Kamera, bei der die lichtdichte Verbindung von Objektiv und Kamerakörper durch einen (versenkbaren) Tubus erfolgt; j1 Spiegelreflexkamera, bei der das von einem Objektiv über einen Spiegel entworfene Bild auf einer Mattscheibe betrachtet wird; Großformatkamera, eine Mattscheiben-K mit lichtdichter Verbindung von Objektivträger und Aufnahmematerial durch einen Balgen bei extremen Verstellmöglichkeiten von Objektiv beziehungsweise Mattscheibe zwecks spezieller Effekte oder Fehlerkorrektur; Stereokamera, bei der mittels zweier, im Augenabstand voneinander entfernter und in den Funktionen gekuppelter Objektive 2 größtenteils inhaltsgleiche Halbbilder hergestellt werden.

Kamerakran, Atelierkran: gummibereiftes (schienenloses oder schienengebundenes) beziehungsweise mit Raupenfahrwerk ausgestattetes Fahrzeug mit kranartiger Vorrichtung und Kamerakanzel für die Bildaufnahmekamera und gegebenenfalls den Regisseur, den Kameramann und deren Assistenten.

Kameralistik, Kameralismus, Kameralwissenschaft: Finanz-, Steuer-, Wirtschafts- und Verwaltungslehre des Feudalabsolutismus in Deutschland (17. und 18. Jahrhundert). Die ökonomischen Ansichten der Kameralistik waren vor allem auf die parasitären Geldbedürfnisse der Territorialfürsten zugeschnitten, wobei nicht die Entwicklung von Handel und Gewerbe, sondern die Vervollkommnung des Steuerwesens und des dafür erforderlichen staatlichen Verwaltungsapparates (der Kammern) als wichtigste Aufgabe angesehen wurde.

kameralistische Buchführung, Haushaltsbuchführung-. Form der einfachen Buchführung in staatlichen Organen und Einrichtungen zum Nachweis der Haushaltseinnahmen und -ausgaben und Vergleich mit den Plangrößen.

Kamerazugpult, Bildgeberkontrollpult: Fernsehen mit einem Kameratechniker besetztes Bedienpult einer Fernsehkamera, die mit dem Kamerazugpult durch ein vieladriges Kabel verbunden ist; das Kamerazugpult dient zur Bildkontrolle, Fernbedienung und Stromversorgung der Kamera.

Kamerlingh Onnes, Heike, 21.9. 1853-21.2. 1926, niederländischer Physiker; gründete 1894 in Leiden ein Laboratorium für tiefe Temperaturen, stellte 1908 als erster flüssiges Helium her, erzielte eine Temperatur von 1 K und entdeckte 1911 die Supraleitfähigkeit.

Kamerun, Republik Kamerun: Staat in Äquatorialafrika, zwischen dem Golf von Guinea und dem Tschadsee; grenzt im Nordwesten an Nigeria, im Nordosten an Tschad, im Osten an die ZAR, im Südosten und Süden an die Volksrepublik Kongo, im Süden an Gabun und Äquatorial-Guinea und im Westen an den Golf von Guinea; verwaltungsmäßig in 7 Provinzen gegliedert; Währung ist der CFA-Franc. Bevölkerung. Sie setzt sich aus über 200 Stämmen zusammen; im Süden wohnen überwiegend Bantuvölker (Tikar, Bamileke, Douala), im Waldgebiet Pygmäen, im Norden vorwiegend Hausa, Fulbe und Schoa-Araber. Etwa 20% der Bewohner leben in Städten. Am dichtesten ist der Südwesten besiedelt (bis 300 Einwohner/km2). Amtssprachen sind Französisch und Englisch. Natur. Kamerun umfasst einen versumpften Schwemmlandstreifen an der mangrovenbestandenen Küste, den Anstieg zum Hochland von Kamerun (Niederguineaschwelle) mit dem Hochland von Adamaoua (bis 2740 m) sowie im Südosten die Abdachung zum Zaire-, im Nordosten zum Tschadbecken. Im innersten Winkel des Golfes von Guinea erhebt sich das Kamerungebirge mit dem noch tätigen Vulkan Großer Kamerunberg (4070 m). Das Klima ist tropisch mit doppelter Regenzeit im Süden und einfacher Regenzeit im Norden. Im Süden Regenwald (Kameruner Waldland), nach Norden zu laubabwerfender Wald, Trocken- und Domsavanne. Reichhaltige Bodenschätze (Erdöl, -gas, Bauxit, Zinn-, Eisen-, Kupfer-, Uranerz, Kassiterit). Wirtschaft. Kamerun ist ein Agrarland mit einer relativ ausgebauten Verarbeitungsindustrie auf betont kapitalistischen Entwicklungsweg. Unterentwickelt sind besonders die nördliche Landesteile, wo feudalistische Besitzverhältnisse noch vorherrschend sind. Ausländische, besonders französische Monopole beherrschen weite Teile der Wirtschaft. Vorherrschend ist die Landwirtschaft, in der über 70% der Erwerbstätigen beschäftigt sind. Hauptbedeutung hat der Anbau von Exportkulturen (Kaffee, Kakao, Baumwolle, Bananen, Kautschuk, Erdnüsse). Für den Eigenbedarf (weitgehende Selbstversorgung mit Lebensmitteln) werden in rückständigen bäuerlichen Wirtschaften (Naturalwirtschaft) besonders Maniok, Hirse-, Mais, Reis, Weizen, Bananen und Zuckerrohr geerntet. Umfangreich ist die Edelholzgewinnung (etwa 60% der Landesfläche sind Wald- und Buschland, jedoch verkehrsbedingt nur zum Teil zugänglich). Beträchtliche Einnahmen erzielt Kamerun aus der Erdölförderung, die für den Ausbau der Infrastruktur verwendet werden. Außerdem Abbau von Bauxit (Adamaoua), in geringem Umfang von Gold und Kassiterit. Die verarbeitende Industrie (zu 75% im Raum Douala, Yaoundé und Edéa) basiert auf der Veredlung land- und forstwirtschaftliche Produkte. Durch Zustrom ausländischen Kapitals hat sie sich beträchtlich ausgeweitet. Neben Betrieben der Lebensmittel-, Baumwollverarbeitungs- und Holzverarbeitungsindustrie entstanden Werke der Zement-, Chemie- und Metallindustrie sowie ein Aluminiumwerk in Edéa (Elektroenergie vom nahegelegenen Wasserkraftwerk (125 MW) am Sanaga) und eine Erdölraffinerie westlich von Douala bei Victoria. Die noch mangelhafte Verkehrserschließung wird durch die weitgehend fertiggestellte Trans-Kamerun-Bahn (Douala Ngaoundere, 934 km (80% der gesamten Eisenbahnstrecken Kameruns)) und den Bau der Straße Ngaoundere-Garoua verbessert. Wichtigste Seehäfen sind Douala (Haupthafen), Kribi und Victoria Tiko; internationaler Flughafen bei Yaounde, Douala und Ngaoundere; Ausfuhr von Agrarprodukten (70% des Ausfuhrwertes), Aluminium, Holz und Erdöl, Einfuhr von Industrieausrüstungen, Transportmitteln, industriellen Konsumgütern und Lebensmitteln; Haupthandelspartner sind Frankreich und andere EG-Staaten, die UdSSR, Gabun, Japan und die USA. Geschichte. Kamerun ist seit dem Neolithikum besiedelt; im Mittelalter gehörten Teile Nord-Ks zu Bomu und Bagirmi, im 19. Jahrhundert entstanden in Zentralkamerun der Staat Adamaoua und in Südkamerun die Staaten von Bell und Akwa. 1884 errichtete das deutsche Kaiserreich in Kamerun seine Kolonialherrschaft und unterwarf die Aufstände der Völker Ks (1904/05, 1911, 1914). 1914/15 wurde Kamerun britisches französisches Kondominium und 1922 in ein britisches und ein französisches Mandatsgebiet (ab 1946 Treuhandgebiete der UN) geteilt. Nach dem 2. Weltkrieg nahm die nationale Befreiungsbewegung unter Führung der 1948 gegründeten Union der Völker Kameruns einen bedeutenden Aufschwung, die von ihr organisierten Volkserhebungen wurden jedoch in der 2. Hälfte der 50er Jahre blutig niedergeschlagen und ihre Führer (1958 R. Um Nyob6 und 1960 F. R. Moumie) ermordet. Am 1.1. 1960 erreichte Französisch-Kamerun als Republik Kamerun die staatliche Selbständigkeit. Im Ergebnis einer Volksbefragung schloss sich Britisch-Nord-Kamerun im Juni 1961 Nigeria an, während sich Britisch-Süd-Kamerun am 1.10. 1961 mit der Republik Kamerun zur Bundesrepublik Kamerun vereinigte. Die Innenpolitik des Staatspräsidenten A. Ahidjo (1960/82) und der 1960 gegründeten Kameruner Nationalunion (1985 in demokratischer Vereinigung des Kameruns. Volkes umbenannt) ist mit dem Konzept des «geplanten Liberalismus» auf die kapitalistische Entwicklung Kameruns gerichtet. In den 70er Jahren verstärkten sich bestimmte antiimperialistische Züge in der Außenpolitik. 1972 wurden die beiden Bundesstaaten zur Vereinigten Republik Kamerun zusammengeschlossen. Seit November 1982 ist Paul Biya Präsident Kameruns. 1984 wurde eine neue Verfassung angenommen und die Staatsbezeichnung in Republik Kamerun geändert.

Kamerungebirge: vulkanischer und höchster Gebirgsstock Westafrikas, in Kamerun, im innersten Winkel des Golfes von Guinea; bis 4070 m (Hauptgipfel Fako des Großen Kamerunberges); in jüngerer Zeit mehrere große Lavaausbrüche aus Nebenkratern; stark beregnet (bis 11000 mm/Jahr); Plantagen; bis 1800 m tropisches Regenwald.

Kames: Hügel und Hügelgruppen im Grundmoränengebiet, die aus geschichteten Sanden und Kiesen bestehen und durch Schmelzwasserflüsse im Toteisbereich des Inlandeises aufgeschüttet wurden.

Kamil, Mustafa, 14. 8. 1874-10. 2. 1908, ägyptischer Publizist und Politiker; 1907 Begründer der al-Hizb al-Watani (Vaterlandspartei); Führer der bürgerlichen ägyptischen Unabhängigkeitsbewegung zu Beginn des 20. Jahrhundert, die die nationale Unabhängigkeit Ägyptens durch die Stärkung des Nationalbewusstseins im Volke und die Ausnutzung imperialistischer Widersprüche sowie mit Unterstützung des Osmanischen Reiches zu verwirklichen suchte.

Kamille, Matricaria: Gattung der Korbblütler mit gelben Röhrenblüten, meist auch mit weißen Zungenblüten am Blütenrand. Die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) mit kegelförmigem, hohlem Blütenboden und typischer Geruch ist eine Heilpflanze (Kamillentee).

Kamillenöl: blaues, kamillenartig riechendes ätherisches Öl, das aus Kamillenblüten durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird; dient insbesondere wegen des Gehalts an Azulen als Antiseptikum.

Kamin: 1. Bautechnik: gegen das Zimmer offene Feuerstelle in der Wand, häufig durch Rahmung (Kaminmantel) und vorragendes Kamingesims künstlerisch gestaltet; siehe auch Schornstein.

2. Bergsteigen: Felsspalt, der die gleichzeitige Ausnutzung beider Begrenzungswände beim Klettern gestattet; siehe auch Kluft 1.

Kamina: Stadt in Zaire, in Shaba, an der Nordabdachung der Lundaschwelle, 1115m überm Meer; 60000 Einwohner; landwirtschaftliches Handelszentrum; Verkehrsknoten, Flughafen.

Kaminski, Heinrich, 4. 7.1886-21. 6. 1946, Komponist; legte 1933 seine Ämter (unter anderem an der Akademie der Künste) nieder und wurde von den Faschisten verfeint; sein Schaffen orientierte sich an polyphonen Praktiken und war von christlich-humanistischen Ideen bestimmt.

Kamisarden: (französisch lateinisch camisia, «Hemd») hugenottische Bauern, Teilnehmer eines großen antifeudalen Bauernaufstandes 1702/04 in den Cevennen unter Führung von J. Cavalier und Roland. Die Bewegung der Kamisarden war unter anderem eine Folge der Hugenottenverfolgungen und steigender feudaler Ausbeutung.

Kamischli, AI-: Stadt im Nordosten Syriens; 48000 Einwohner; zentraler Ort in einem Neulandgebiet mit produktiver Landwirtschaft (Anbau von Reis, Weizen, Gerste); Lebensmittelproduktion, Wasserkraftwerk; Eisenbahnanschluss, Flughafen; in der Nähe Erdölförderung.

Kamm: 1. Bezeichnung für die längs gereihten höchsten Teile eines Gebirges; der Kamm kann sowohl aus schmalen, felsigen Graten (besonders in Hochgebirgen) als auch aus Hochflächen mit gerundeten Reliefformen (besonders in Mittelgebirgen) bestehen.

2. Fleischstück vom oberen Hals (Nacken) des Rindes, Kalbes, Schweines und Schafes.

3. charakteristische Hautfalte auf der Kopfhaut domestizierter Hühner; stellt ein Rassemerkmal dar.

Kämmmaschine, Kammstuhl: Textiltechnik Maschine zum Auskämmen kurzer Fasern aus Wolle, Baumwolle oder Flachs.

Kämmen: Arbeitsgang der Spinnerei, bei dem aus Faserbändern kurze Fasern ausgekämmt werden.

Kammer: 1. den fürstlichen Haushalt leitende Behörde; verwaltete vor allem den fürstlichen Grundbesitz (Kammerguter) und später die staatlichen Finanzen (Hofkammer, Finanzkammer, Rentkammer).

2. Bezeichnung einer Volksvertretung (Volkskammer) oder ihrer Teile (Erste und Zweite Kammer).

3. Bezeichnung der Abteilungen des Kreisgerichts (Straf- oder Zivilkammer sowie Kammer für Arbeitsrechtssachen).

4. Vertretung bestimmter Berufszweige (Handels-, Handwerkskammer und so weiter) zur Wahrnehmung ihrer Interessen.

Kammergut: ursprünglich das Gut eines Landesherrn; siehe auch Domäne.

Kammermusik: ursprünglich die in der «Kammer», dem Musizierraum des absolutistischen Fürsten, und nicht in der Kirche, im Opernhaus und beim Militär («Feldmusik») erklingende, solistisch besetzte weltliche Vokal- und Instrumentalmusik (Kammersonate, -kantate unter anderem); heute Musikwerke in kleiner Besetzung (vom Duo bis zum Nonett) und entsprechend intimem Musizierstil. Kammermusik stellt durch ihre diffizile kompositorische Verarbeitung gleichberechtigter Stimmen hohe Ansprüche an Hörer und Interpreten. Hauptform der Kammermusik ist seit dem 19. Jahrhundert das Streichquartett.

Kammeroper: a) kleines, kammermusikalisch besetztes und vorwiegend solistisch musizierendes Opernensemble;

b) von diesem Ensemble auszuführende kleine Oper.

Kammerorchester: kleines, vorwiegend solistisch besetztes und Kammermusik darbietendes Orchester.

Kammersänger, Kammersängerin: Ehrentitel für besonders verdienstvolle Gesangssolisten eines Opernensembles.

Kammersonate-Sonata da camera: mehrsätzige zyklische Instrumentalform kleiner solistischer Besetzung, die sich im 17. Jahrhundert aus der instrumentalen Kanzone entwickelte und vorwiegend bei Hofe gepflegt wurde; trug im 18. Jahrhundert zur Herausbildung der klassischen Sonate bei.

Kammerspiele: 1. intime Theater nach dem Vorbild der 1906 von M. Reinhardt gegründeten Kammerspiele des Deutschen Theaters, Berlin.

2. Stücke, die sich durch Konzentration auf psychologische Vorgänge beziehungsweise auf den Dialog zur Aufführung in intimen Theatern besonders eignen.

Kammerton: Stimmton (auch Normalton) a1, nach dem die Instrumente eingestimmt werden; 1939 in London auf 440 Hz festgesetzt; liegt in der Musikpraxis oft etwas höher.

Kammervirtuos: Ehrentitel für besonders verdienstvolle Instrumentalsolisten.

Kammgarn: Garn aus Wolle und beziehungsweise oder Chemiefasern, aus dem kurze Fasern (Kämmlinge) ausgekämmt wurden; für hochwertige Oberkleidung.

Kammkeramik: die mit Kammeindrücken, Einschnitten oder Grübchen verzierte Keramik verschiedener Kulturgruppen während der späten Jungstein- und der Bronzezeit in Nordosteuropa und Sibirien (auch Nordeurasische Kultur genannt). Die Träger der Kammkeramik betrieben Jagd und Fischfang.

Kammmolch, Triturus cristatus: bis 16 cm langer, schwarzbrauner Molch mit orangeschwarz geflecktem Bauch; Männchen zur Fortpflanzungszeit mit spitzzackigem Rückenkamm; lebt an und in Gewässern Europas bis Westasiens. Siehe auch Molche.

Kammmuscheln, Pectinidae: Familie der Meeresmuscheln mit fächerförmigen Schalen; Kammmuscheln können sich durch Auf- und Zuklappen ihrer Schalen auch schwimmend fortbewegen; am Mantelrand vielfach Linsenaugen vorhanden. In europäischen Meeren die essbare Pilgermuschel (Pecten maximus), deren bis handgroße Schalen als Trinkgefäße und Ragout Formen benutzt werden.

Kammzug: gekämmtes, gefachtes und gestrecktes Faserband aus Wolle, so auch als Halbfabrikat gehandelt, zum Verspinnen zu Kammgarn.

Kammzugdruck, Vigoureux Druck (nach dem französischen Erfinder): Bedrucken von Kammzug mit Reliefdruckwalzen.

Kamose, letzter König der 17. Dynastie in Ägypten, regierte Mitte des 16. Jahrhundert vor Christus; er eröffnete den Kampf gegen die Hyksos, die das Pharaonenreich von 1730 bis 1562 vor Christus (14./17. Dynastie) beherrschten.

Kamow, Nikolai Iljitsch, 19.9.1902-24.11.1973, sowjetischer Hubschrauberkonstrukteur; entwickelte kleine und mittlere Hubschrauber mit koaxialen Rotoren sowie den mit 2 Propellerturbinen ausgerüsteten Kombinationsflugschrauber (Drehflügelflugzeug) Ka 22 «Wintokryl», der maximal 366 km/h im Horizontalflug erreicht. Der Mehrzweckhubschrauber Ka26 wird insbesondere im Agrar- und Industrieflug eingesetzt.

Kamp, (niederdeutsch Kämpe) Forstgarten: im Wald zur Anzucht von Forstpflanzen dienende eingezäunte Fläche.

Kampagne: (französisch italienisch) 1. früher Feldzug.

2. größere, zeitlich begrenzte Aktion (zum Beispiel Wahlkampagne)-, jahreszeitlich bedingte Stoßarbeit, besonders in der Landwirtschaft (Arbeitskampagne) und in Saisonbetrieben (zum Beispiel Zuckerkampagne).

Kampala: Hauptstadt von Uganda, an der Ugandabahn, 10 km nördlich vom Victoriasee; 460000 Einwohner; Lebensmittel-, Textil-, Schuh-, Holzindustrie, Fahrradherstellung; Straßenknoten, Vorhafen Port Bell\ Universität, Polytechnikum; Theater, Museum; Moscheen, altes Fort (1890).

Kampanien, Campania: historische Landschaft an der Westküste Unteritaliens; als Region Kampanien 13595 km2, 5,4 Millionen Einwohner; 397 Einwohner/km2 (am dichtesten besiedelte Region Italiens); Verwaltungszentrum Neapel-, umfasst 5 Provinzen; überwiegend Berg- und Hügelland, Ebenen am Volturno und am Golf von Neapel; tätiger und erloschener Vulkanismus (Vesuv, Phlegräische Felder); mildes Klima; Gebiet ernster sozialer Probleme, besonders in Neapel (Arbeitslosigkeit, Wohnungselend, unzulängliche sanitäre Bedingungen); trotz einiger moderner Industrien im Entwicklungsniveau zurückgeblieben; Industrie am Golf von Neapel und am Golf von Salerno konzentriert: Metallurgie, Petrolchemie, Kfz-, Schiff-, Flugzeug- und Maschinenbau, elektronische, Glas-, keramische und Nahrungsmittelindustrie; Küstenebene mit intensiven Kulturen von Gemüse (Tomaten, Blumenkohl), Wein, Pfirsichen, Zitrusfrüchten; im Hügelland Weizenanbau, Kastanien und Nussbäume; Fischerei (Thunfisch); starker Fremdenverkehr, zahlreiche antike Sehenswürdigkeiten (Pompeji). 1980 schweres Erdbeben mit Zerstörungen ganzer Ortschaften, in den Regionen Kampanien und Basilicata 3000 Tote, unzureichende Hilfsmaßnahmen der verantwortlichen Behörden.

Kampanile, Campanile: freistehender Glockenturm italienischer Kirchen, von der frühchristlichen Zeit bis zur Renaissance gebräuchlich; berühmt sind die Kampanile der Dome zu Pisa («Schiefer Turm»), Florenz und Venedig.

Kämpchen, Heinrich, 23.5. 1847-6.3. 1912, Schriftsteller, Bergmann; gestaltete in ausdrucksstarken Gedichten das kampf- und leiderfüllte Leben der Bergarbeiter und die Schönheiten der nordrheinischen Industrielandschaft («Aus Schacht und Hütte», 1899).

Kämpen: Stadt im Osten der Niederlande, in der Provinz Overijssel, an der IJssel; 30000 Einwohner; Emaille-, Beton- und Zigarrenindustrie; Stadtkern von Wassergraben umgeben, 3 Stadttore; gotische Nikolaikirche (14. Jahrhundert, fünfschiffige Basilika), Liebfrauenkirche (14. Jahrhundert), ehemalige Minoritenkirche (15. Jahrhundert), Rathaus (16. Jahrhundert).

Kämpen, Campen, Jacob van, 2. 2. 1595—13. 9. 1657, holländischer Architekt und Maler, stand stilistisch dem klassizistisch geprägten Barock nahe, Studium der Werke Andrea Palladios und Vincenzo Scamozzis. Hauptwerk: Amsterdamer Rathaus (ab 1648).

Kampeschebaum, (nach dem mexikanischen Staat Campeche) Haematoxylum campechianum: zur Familie der Johannisbrotgewächse gehörender, in den Tropen Amerikas beheimateter Baum, dessen Holz, das Blau-, Blut- oder Campecheholz, sich an der Luft braunviolett bis schwarz färbt; liefert das blaue Hämatoxylin zur Färbung mikroskopische Präparate (früher Textilfarbe).

Kämpevise: (dänisch, «Heldenweise») Ballade mit Stoff aus der Heldensage; gehört zur I Folkevise.

Kämpfen: ein farbloser, kristalliner, kampferartig riechender, bizyklischer Terpenkohlenwasserstoff der Formel C10H16; F 50°C. Kämpfen kommt in ätherischen Ölen vor und wird aus Pinen hergestellt. Es dient vor allem zur Synthese von Kampfer, Isobornylacetat und Insektiziden.

Kämpfendes Frankreich, France Combattante: das in der Londoner Exilregierung de Gaulles vertretene Frankreich (bis 1942 Freies Frankreich, Francs Libre genannt), das sich 1940 der Kapitulation nicht anschloss, sondern den Krieg gegen das faschistische Deutschland auf Seiten Großbritanniens und später der Alliierten fortsetzte. Die Résistance mit der KP als führender Kraft erklärte sich zu geregelter Zusammenarbeit und zu gemeinsamen Aktionen gegen die deutschen Okkupanten bereit; sie entsandte Vertreter in die Leitung (Französisches Nationales Befreiungskomitee).

Kampfer: eine farblose, kristalline, allmählich verdampfende, charakteristisch riechende Masse; F179 °C. Kampfer ist ein bizyklische Terpenketon, CI0HI6O, das aus KampferÖ1 oder synthetisch aus Pinen gewonnen und zur Zelluloidherstellung verwendet wird.

Kämpfer: 1. Bautechnik: a) stark beanspruchter Ansatz eines Bogens oder Gewölbes;

b) feststehendes Querholz zwischen unterem und oberem Fensterflügel. Siehe auch Fenster.

2. Kämpfer: ursprünglich für Hahnenkämpfe gezüchtete Hühner mit langen Beinen und starker Brustmuskulatur. Von ihnen abstammende Rassen sind Grundlage der Masthuhn Zucht. Siehe auch White Cornish.

Kampferbaum, Cinnamomum camphora: Lorbeergewächs Japans und Südchinas; das Holz enthält Kampferöl.

Kampferöl: nach Kampfer riechendes, aus Holz und Wurzeln von Kampferbäumen durch Wasserdampfdestillation gewonnenes ätherisches Öl, das reichlich Kampfer enthält und zu dessen Gewinnung dient.

Kampffisch, Betta splendens: farbenprächtiger, meist blauvioletter Labyrinthfisch südostasiatische Süßgewässer, betreibt Brutpflege; Männchen sehr angriffslustig, besonders in Thailand zu Wettspielen benutzt; beliebter Aquarienfisch in verschiedenen Zuchtformen, zum Beispiel Schleierkampffisch Siehe auch Aquarienfische.

Kampfflugzeug: bemanntes Luftangriffsmittel, das infolge seiner Konstruktion und Ausrüstung mit Waffen und Waffenleiteinrichtungen in der Lage ist, Luft-, Erd- oder Seeziele zu bekämpfen. Man unterscheidet Jagdflugzeuge, Jagdbombenflugzeuge, Bombenflugzeuge, Raketenträger unter anderem. Die Kampfflugzeuge sind abhängig von ihrer Bestimmung mit Maschinengewehren, -kanonen, gelenkten und ungelenkten Raketen, Bomben, Brandmittelbehältern, Torpedos oder Minen ausgerüstet.

Kampfgericht: Sport Gremium aller für Organisation und Durchführung eines Wettkampfs maßgebliche Funktionäre; siehe auch Schiedsgericht 2.

Kampfkraft: physisches und moralisch-psychisches Leistungsvermögen von Streitkräften. Die Kampfkraft der Streitkräfte ist einer der wichtigsten Bestandteile des militärischen Potentials eines Staates beziehungsweise einer Militärkoalition. Zu den Hauptelementen der Kampfkraft zählen personelle Stärke, Moralischer Ausbildungsstand, gegebenenfalls auch die Kampferfahrungen der Truppen und Stäbe, die Qualität und Quantität ihrer Waffen und anderer technischer Kampfmittel, materielle und personelle Reserven, Struktur der Streitkräfte, die Führungsfähigkeiten der Kommandeurskader. Siehe auch Gefechtsbereitschaft.

Kampfläufer, Philomachus pugnax: Schnepfenvogel des nördlichen Eurasiens; die bis 30 cm langen Männchen Tagen zur Brutzeit ein variabel gefärbtes Gefieder und fuhren Scheinkämpfe aus; die Weibchen sind bräunlich gefärbt und kleiner. Siehe auch Schnepfenvögel.

Kampflied: politisch-kämpferischer Gesang der revolutionären Arbeiterbewegung seit etwa 1920.

Kampfmittel: alle Mittel, die der Bekämpfung und Vernichtung des Gegners dienen, wie technische Kampfmittel beziehungsweise Kampftechnik (Raketen, Flugzeuge, Panzer, Geschütze, Flammenwerfer und so weiter einschließlich Munition), Kernwaffen, chemisches Kampfmittel (ehem. Kampfstoffe, Brandstoffe, Nebelstoffe unter anderem sowie die dazugehörigen technische Mittel), biologische Kampfmittel. Die Anwendung bestimmter Kampfmittel (zum Beispiel Giftgase, bakteriologische Kampfmittel) ist völkerrechtlich verboten. Siehe auch Massenvernichtungsmittel.

Kampfschiff: zu den Seestreitkräften eines Staates gehörendes und für Gefechtsaufgaben vorgesehenes Schiff, das unter dem Kommando eines von der Regierung beauftragten Offiziers steht und dessen Besatzung der militärischen Disziplin unterliegt. Kampfschiff sind entsprechend ihrer Bestimmung mit Raketen, Torpedos, Artillerie, U-Jagd-Waffen, Minen, Minenabwehrmitteln und so weiter sowie mit elektronischen und anderen technischen Mitteln ausgerüstet. Einige Schiffsklassen verfügen über Flugzeuge und Hubschrauber. Als Antrieb dienen Dieselmotoren, Gasturbinen, kombinierte Antriebs- oder Kernkraftantriebsanlagen. Kampfschiffe müssen über eine hohe Seetüchtigkeit, Manövrierfähigkeit und Stabilität sowie über ein gutes Fahrverhalten verfügen. Kampfschiffe durch die Staats- (Kriegs-) Flagge gekennzeichnet, besitzen völkerrechtlich Immunität.

Kampfschwimmer, Froschmann-. Angehöriger einer Spezialeinheit im Bestand der Seestreitkräfte; unter anderem zur Unterwasseraufklärung, Beseitigung von Unterwassersperren und -hindernissen eingesetzt.

Kampfsport: Sammelbezeichnung für Zweikampfsportarten (Boxen, Fechten, Judo, Ringen, Sambo unter anderem), zum Teil auch für Wehrsport.

Kampfstoffkonversion: technische Umwandlung von chemischen Kampfstoffen beziehungsweise deren Vor- und Zwischenprodukten in zivil nutzbare Chemikalien, zum Beispiel Pestizide, Plasthilfsstoffe, Düngemittel. Die Möglichkeit der K, spielt für Abrüstungsverhandlungen (Verbot chemischer Waffen) eine wichtige Rolle.

Kampf ums Dasein: von C. Darwin benutzter Ausdruck für den statistischen Sachverhalt, dass die für eine gegebene Umwelt geeigneteren Individuen einer Art einen höheren Anteil an Nachkommen der Folgegeneration haben als weniger geeignete; im Kampf ums Dasein vollzieht sich die natürliche Selektion.

Kampuchea: Staat in Südostasien; grenzt im Westen an Thailand, im Norden an Thailand und Laos, im Osten und Süden an Vietnam und im Südwesten an den Golf von Thailand; verwaltungsmäßig in 18 Provinzen und die 2 zentralgeleiteten Städte Phnom Penh und Kompong Som gegliedert. Währung ist der Riel.

Bevölkerung: Die Mehrheit der Einwohner bilden die Khmer. Daneben gehören heute noch 0,2 Millionen Menschen zu nationalen Minderheiten und kleineren Völkerschaften (Chinesen, Vietnamesen, Cham, Thai), die während der Terrorherrschaft 1975 bis 1978 bei gleichzeitiger starker Dezimierung der Gesamtbevölkerung nahezu ausgerottet wurden. Die Städte wurden restlos entvölkert, teilweise zerstört und erst ab 1979 wieder allmählich besiedelt. Amtssprache ist Khmer, als Mittlersprache ist Französisch gebräuchlich.

Natur: Den größten Teil der Landesfläche nehmen die Mekong Niederung und ein weiträumiges Tieflandbecken mit dem im Westen befindliche See Tonle Sap ein. Im Norden schließt das Dangrek Gebirge gegen das Khorat Plateau (Grenze Thailands) ab, im Südwesten erhebt sich das Kardamom Gebirge (1813 m), östlich des Mekong steigen die Hügelländer zu den Gebirgsketten des Truong Son an. Es herrscht tropisches Monsunklima mit einer sommerlichen Regenzeit. Nahezu 70% der Landesfläche sind waldbedeckt. Die Bodenschätze sind bisher ungenügend erkundet; bekannt sind Eisen-, Mangan-, Kupfer-, Golderz, Phosphate, Salze und Edelsteine.

Literatur: Bereits in der Sprachperiode des Mittelkhmer (14. bis Ende 18. Jahrhundert) bildeten sich 2 literarische Strömungen heraus, die höfliche Literatur und die Volksliteratur. Das klassische Werk der Khmer Literatur, das höfliche Versepos «Reamker» (Khmer Variante des indischen Ramayana) stammt aus dieser Periode. Als ideologischer Repräsentant des Mahayana-Buddhismus löst sich dieses Werk vom indischen hinduistischen Vorbild und bezeugt den Glauben an die Abhängigkeit aller Wesen, auch der Könige, von ihrem Karma. Der demokratische Gehalt der Volksliteratur (Märchen, Legenden, Schelmengeschichten, Sprichwörter) zeigt sich in der Polemik gegen herrschende Despotie und die Willkür der Feudalbeamten. Ideologisch von der Volksreligion, dem Hinayana-Buddhismus, geprägt, überliefert die Volksliteratur auch den uralten Glauben an die Belebtheit der Natur durch Naturgottheiten und respektiert ihn. Historisch gültige Aussagen patriotischer Kräfte über die Epoche des Verfalls der Zentralgewalt (seit dem 14. Jahrhundert) finden sich in dem Schelmenroman «A Chej». Seit Anfang des 19. Jahrhundert wird Gedankengut der französischen Aufklärung in der epischen Literatur schöpferisch verarbeitet. Der Versroman «Kakej» von dem König Ang Duong (1796-1859) erzielt mit der (höfisch verbrämten) Forderung nach dem Recht auf freie Partnerwahl einen Durchbruch in der Thematik der Epik. In der Zeit des französischen Protektorates (1863/1954) stellten die Schriftsteller der Despotie im doppelten Sinne ihr Ideal von der freien Entfaltung der Persönlichkeit entgegen. Repräsentanten aus der Zeit der Unabhängigkeitsbewegung sind unter anderem der Fabeldichter (1895-1921) und der Romancier, der bedeutendste moderne Khmer-Schriftsteller. Nach Erringung der Unabhängigkeit werden in der Literatur die Gebrechen der feudalkapitalistischen Verhältnisse angeprangert. Der im Jahre 1961 erschienene Roman «Eine neue Sonne scheint auf die alte Erde» von Suon Sorin (geboren 1930) zeichnet Probleme aus dem Leben der sich entwickelnden Arbeiterklasse. Dieses Werk bildet den Übergang von der bürgerlich-demokratischen zu einer sozialistischen Literatur der Khmer.

Musik: Schrift- und Bildquellen belegen seit dem 6./7. Jahrhundert Gesang, Instrumentalmusik und Tanz. In der Feudalzeit bildete sich -sozial bedingt eine musikkulturelle Schichtung heraus. Für die Musikkultur des Feudaladels war im 19./20. Jahrhundert zum Beispiel das höfliche Pinpeat-Ensemble (Xylophone, Metallophone, wie zum Beispiel das Gongspiel, Membranophone als Trommelarten, Oboe) zu zeremonieller Musik, Tänzen, Tanzspielen auf Stoffe des indischen Ramayana-Epos, Schattenpuppenspielen typisch. Einfachere Ensembles gab es auch auf dem Lande. Das höfliche Ballett hatte Mitte des 19. Jahrhundert 500 Tänzerinnen und Tänzer. Ballettkünstler waren zugleich Akteure; die musikalische Begleitung erfolgte durch Frauenchor und Pinpeat-Ensembleische zwischen kampucheanische, thailändische und laotische aristokratische Musik existierten Identitäten. Für den Buddhismus spielen liturgische Gesänge eine Rolle. Die Volksmusik besteht aus Arbeits-, Liebes-, Scherzliedern, magischen Gesängen, Instrumentalmusik, Tänzen; Höhepunkte bilden das Neujahrsfest, der Hochzeitsritus und der Faustkampf. Das politische Lied gewinnt gegenwärtig an Bedeutung. 1975/78 zerstörte musikkulturelle Traditionen werden seit Gründung der Volksrepublik erneuert. So ist der klassische Tanz der Apsara (nymphenartige Wesen) Sinnbild kampucheanischer Traditionen.

Kamtschija: Fluss im Osten Bulgariens; 245 km; entspringt mit 2 Quellflüssen in der östlichen Stara Planina, mündet südlich von Warna ins Schwarze Meer (schiffbarer Mündungsabschnitt); an der Mündung neuer Kurortkomplex Kamtschija

Kanaan: seit etwa 1500 vor Christus in Keilschrifttexten (Tontafeln von Ugarit) und ägyptischer Inschriften überlieferter Name für ein Gebiet im südsyrisch-palästinensischen Raum; in der Bibel für das den Israeliten verheißene Land.

kanaanäische Sprachen: dem Nordwestsemitischen zuzurechnende Idiome, die sich in Palästina und Syrien im Altertum zu Dialekten und Sprachen ausgebildet haben; dazu gehören Ugaritisch, Phönikisch, Punisch, Hebräisch und Moabitisch.

Kanada: Staat im Nordteil Nordamerikas; grenzt im Norden an den Arktischen und im Osten an den Atlantischen Ozean, im Süden an die USA, im Westen an den Stillen Ozean und im Nordwesten an den US-Bundesstaat Alaska. Kanada ist administrativ in 10 Provinzen und 2 Territorien gegliedert. Währung ist der Kanadische Dollar.

Bevölkerung: Kanada war bis 1600 ausschließlich von Eskimo und Indianern besiedelt, die aber durch die Einwanderer aus Europa vernichtet oder in unwirtliches Gebiet verdrängt wurden. Etwa 45 % der heutigen Bewohner sind britischer (Anglokanadier), 29% französischer (Frankokanadier), 6% deutscher, 3% italienischer, 3% ukrainischer, 2% niederländischer Herkunft; alle anderen Nationalitäten unter 2%. Die Zahl der Indianer verringerte sich auf 1,3 %, die der Eskimo auf 0,1 %. Amtssprachen sind Englisch und Französisch. Am dichtesten ist der Süden und Südosten Kanadas besiedelt mit etwa 60% der Bevölkerung, der Norden ist nahezu menschenleer: Mehr als 75 % der Eskimo leben in den Nordwestterritorien, die übrigen im Norden der Provinz Quebec und Neufundland. Die jährliche Wachstumsrate der Bevölkerung beträgt 1,1%. Etwa 76% der Einwohner leben in Städten. 57% der Einwohner stehen im erwerbsfähigen Alter, 26% im Kindes- und 17% im Rentenalter.

Natur: Oberfläche. Den Westen Kanadas durchzieht das von Norden nach Süden streichende Kordilleren System mit dem Saint-Elias-Gebirge (Mt. Logan, 6050 m), der Küstenkette und dem Kanadischen Felsengebirge (Mt. Robson, 3954 m); es nimmt etwa 17% des Gesamtterritoriums ein. Östlich des Felsengebirges breitet sich die riesige Prärietafel bis in den Westen Manitobas und nach Norden bis zur Mackenzie Mündung aus und senkt sich dabei stufenförmig von etwa 1000 m am Fuße des Felsengebirges bis auf 300 m ab. Nahezu die Hälfte der Landesfläche bedeckt der glazial überformte, durchschnittlich 300 bis 600 m, im Nordosten bis 1676 m hohe Kanadische Schild, der die Hudsonbucht und das südlich davon gelegene Hudsonplateau umschließt. Das kleine Gebiet südlich des Sankt-Lorenz-Stroms und die kanadische Inseln im Nordwesten des Atlantischen Ozeans sind Ausläufer des Appalachen Systems. Nach Südwesten schließt sich das Tiefland des Sankt-Lorenz-Stroms und der Großen Seen an. Klima. Es wird durch die nördliche Lage des Landes und seine Offenheit nach Norden bestimmt. Die parallel zur Westküste ziehenden Kordilleren beschränken den Einfluss des wannen Kuroshio auf einen schmalen Küstensaum, während die kalte Baffin- und die Labradorströmung den Osten stärker beeinflussen, so dass Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse in den einzelnen Teilgebieten sehr unterschiedlich sind. Im Landesinnern herrscht im Süden niederschlagsarmes Kontinentalklima mit kalten Wintern und wannen Sommern, im Südosten werden durch den Einfluss des Atlantischen Ozeans gemäßigtere Wintertemperaturen und größere Niederschlagshöhen gemessen, der Westen an der Küste des Stillen Ozeans hat warm-gemäßigtes, niederschlagsreiches Meeresklima, der Norden subpolares Klima mit relativ hohen Julitemperaturen und Dauerfrostboden. Gewässer. Kanada besitzt zahlreiche große Flüsse (Mackenzie, Yukon, Nelson, Sankt-Lorenz-Strom unter anderem), von denen sich nur wenige zur Schifffahrt eignen, die aber über große Wasserkraftreserven verfügen. Von den Großen Seen hat Kanada Anteil am Oberen, Huron-, Erie- und Ontariosee, von Bedeutung sind ferner Großer Bären-, Großer Sklaven-, Winnipegsee unter anderem Pflanzenwelt.29% der Fläche gehören zur Vegetationszone des borealen Nadelwaldes, der sich von Britisch-Kolumbien im Westen nach Labrador im Osten zieht; nach Norden schließt sich das Gebiet der Tundren (Barren Grounds) an; der Südteil der Provinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba hat am Prärie- und Steppengebiet, Südost-Kanada an der Mischwaldzone Nordamerikas Anteil; insgesamt sind 50% der Gesamtfläche bewaldet (davon 75% nutzbar). Bodenschätze. Bekannt sind Vorkommen an Stein- und Braunkohle, Erdöl, Erdgas, Ölsanden, Asbest, Eisen-, Nickel-, Kupfer-, Blei-, Zink-, Uran-, Wolfram-, Molybdän-, Antimon-, Kobalterz, Wismut, Selen unter anderem; zunehmende Erforschung.

Landwirtschaft: Sie ist hoch mechanisiert und produziert zu einem erheblichen Teil für den Export, obwohl der Agrarsektor (einschließlich der Lebensmittelindustrie) nur einen Anteil von etwa 11% am Exporterlös hat. In diesem Wirtschaftszweig, in dem nur noch 6% der Erwerbsfähigen beschäftigt sind, schreitet der Konzentrationsprozess ständig voran, so dass die Anzahl der Farmen kontinuierlich zurückgeht. Infolge riesiger Waldflächen und ausgedehnter Gebiete mit ewigem Frostboden werden nur etwa 8 % der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt, wovon etwa die Hälfte Ackerland ist. Hauptzweige sind der Getreideanbau, die Fleisch- und Milchviehhaltung, des Weiteren der Obstbau und Gemüseanbau (Neuschottland, Neubraunschweig, im Süden von Quebec und in Britisch-Kolumbien) sowie die Geflügelzucht. Ackerbau. Schwerpunkt des Getreideanbaus sind die Prärieprovinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba. Wichtigste Anbaukulturen sind Weizen, der mit 5 % am Ausfuhrwert beteiligt ist, sowie Hafer und Gerste. In den wärmeren Gebieten des Südens, vor allem in der Provinz Ontario, wird Mais angebaut. Der Anbau von Kartoffeln (Prinz-Eduard-Insel und Neubraunschweig) sowie von Zuckerrüben spielt eine untergeordnete Rolle.

Etwa 60% aller Geldeinnahmen erzielt die Landwirtschaft aus der Viehzucht-, in den Provinzen Ontario und Quebec Milchvieh-, in Alberta Fleisch- und Wollviehzucht. Forstwirtschaft. Etwa 50% des Gesamtterritoriums sind waldbedeckt. Schwerpunkte der Holzgewinnung sind die Provinzen Quebec und Ontario (für Zellulose) sowie Britisch-Kolumbien (für Schnittholz); ein Großteil der Wälder bleibt infolge ihrer Verkehrsabgelegenheit ungenutzt. Intensive Pelztierzucht, im hohen Norden Pelztierfang. Fischerei. Kanada ist auf Grund ertragreicher Fischgründe sowohl an der Ost- (Neufundland, Neuschottland) als auch an der Westküste (Britisch-Kolumbien führend) ein bedeutender Fischexporteur. Verkehr. Relativ dichtes Eisenbahn-, Straßen-, Luftverkehrs- und Pipelinenetz (1300 km lange Trans-Alaska-Pipeline), das aber vorwiegend von Norden nach Süden ausgerichtet ist, während die Ost-West-Verbindung weitaus schwächer entwickelt ist; im Norden Luftverkehr vorherrschend. Große Bedeutung hat die Binnenschifffahrt, besonders auf den Großen Seen und dem Sankt-Lorenz-Strom. Haupthäfen sind Vancouver, Montreal, Thunder Bay, Pointe Noir. -

Geschichte: Kanada wurde vor der Kolonisation von Eskimo und zahlreichen indianischen Stämmen (Algonkin, Irokesen unter anderem) bewohnt. 5 Stämme der Irokesen bildeten um 1570 den Irokesenbund. Nach der Entdeckung, seit Ende des 15. Jahrhundert, wurde K von J Cartier (1534/36) und S. Champlain (1603) erforscht und seit 1604 von Frankreich kolonisiert (Neufrankreich), überwiegend zur Kontrolle des Pelzhandels im Sankt-Lorenz-Stromgebiet. 1663 wurde Kanada französische Kronkolonie und nach absolutistischen Grundsätzen verwaltet. Britisches Vordringen zwang Frankreich im Frieden von Utrecht (1713), britische Rechte an der Hudsonbucht und auf Neuschottland, anzuerkennen; im Siebenjährigen Krieg (1756/63) wurde nach der Einnahme von Louisbourg auf der Kap-Breton-Insel (1758) sowie der Kapitulation von Quebec (1759) und Montreal (1760) Kanada von Großbritannien erobert, legalisiert im Frieden von Paris 1763. Kanada wurde britische Kolonie. Der Quebec Act von 1774 hielt die französischen Siedler (Frankokanadier) in Unter-K durch Zugeständnisse davon ab, sich der Unabhängigkeitsbewegung der 13 amerikanischen Kolonien Großbritanniens anzuschließen, und sicherte die Privilegien der Oberschichten sowie der katholischen Kirche. Durch Zuwanderung von britischen «Loyalisten» aus den USA nach Ober-Kanada wurde ein britischer Bevölkerungsanteil (Anglokanadier) begründet; damit entstand ein nationaler und verwaltungsmäßiger Dualismus, da sowohl Ober als auch Unter-Kanada Gouverneur und Vertretungskörperschaft erhielten. Amerikanischer Versuche zur Eroberung Kanadas 1775 und 1812/14 blieben erfolglos. Die bürgerliche Unabhängigkeitsbewegung erreichte 1836 die Aufhebung der dualistischen Verfassung und setzte mit Aufständen von 1837 (W. L. Mackenzie, L. J. Papineau) antifeudale Reformen durch. Die koloniale Selbstverwaltung von 1840 (Unionsakte) gestattete ein gemeinsames Parlament; 1850 gelangte die kanadische Bourgeoisie an die Regierung, und es entstanden die Fortschrittliche Konservative Partei (1854) und die Liberale Partei (1873). Annexionsbestrebungen der USA zwangen Großbritannien 1867, Kanada im British North America Act den Dominion Status (unter Anschluss von Neuschottland und Neubraunschweig) zu gewähren. Bodenspekulation, Verdrängung und Ausrottung der Indianer führten 1869 zum Aufstand unter L. Riel, der niedergeschlagen wurde. Die Angliederung der Gebiete der Hudson’s Bay Company (1869) eröffnete die Erschließung des Westens und vergrößerte Kanada um die späteren Provinzen Manitoba, Alberta und Saskatchewan. 1871 wurde Britisch-Kolumbien, 1873 die Prinz-Eduard-Insel, Neufundland aber erst 1949 angeschlossen. Hohe Schutzzölle gegen die USA förderten die wirtschaftliche Entwicklung. Seit Mitte des 19. Jahrhundert wuchs die Gewerkschaftsbewegung; erste marxistische Zirkel entstanden zurzeit der I. Internationale. 1905 wurde die sozialistische Arbeiterpartei Kanadas, 1911 die sozialistische Partei Kanadas gegründet; beide standen unter opportunistischen Führung. 1883 schlossen sich die Gewerkschaften zum Fach- und Arbeiterkongress zusammen, 1900/11 organisierten sich sechs größere Farmerverbände, und Anfang des 20. Jahrhundert entstand in Quebec die bürgerlich-antiimperialistische Bewegung der Frankokanadier unter H. Bourassa gegen die imperialistische Politik Großbritanniens. Unter dem Einfluss der Oktoberrevolution wurde 1921 die KP Kanadas gebildet, 1922 die Kanadische Arbeiterpartei, die sich 1924 in KP umbenannte (bis 1940 als KP, 1943/59 als Fortschrittliche Arbeiterpartei, seit 1959 erneut als KP tätig). 1931 wurde Kanada durch das Westminster Statut Mitglied des British Commonwealth of Nations. Kanada unterstützte im 2. Weltkrieg (1939/45) Großbritannien; 1942 nahm es Beziehungen zur UdSSR auf. Es geriet zunehmend unter den Einfluss der USA, der sich nach dem Krieg weiter verstärkte (Militärabkommen 1947, 1949 Gründungsmitglied der NATO). Gegen den beherrschenden Einfluss des US-Kapitals in der kanadischen Wirtschaft entfaltete sich eine demokratisch-nationale Bewegung. 1963 stürzte die konservative Regierung J. Diefenbaker (seit 1957), und die Liberalen unter L. Pearson (1963/68) und P. Trudeau (1968/79 und 1980/84) übernahmen die Regierung. Obwohl außenpolitisch weiterhin auf die NATO orientiert, beteiligte sich Kanada in den 70er Jahren an der von den sozialistischen Staaten eingeleiteten Entspannungspolitik (1971 Abkommen über gegenseitigen Austausch zwischen Kanada und der UdSSR), begann eine selbständigere Politik gegenüber den Entwicklungsländern und machte erhebliche Fortschritte in seiner industriellen Entwicklung. Die hohe Abhängigkeit vom US-Monopolkapital sowie die schwere sozialpolitische Lage der Werktätigen wirken sich, wie die Regierungsübernahmen durch die Konservativen (1979/80 Ministerpräsident J. Clark und seit 1984 B. Mulroney) zeigen, in zunehmender politischer Labilität aus; außenpolitisch wächst die Orientierung auf die USA.

Kanadabalsam: farbloser Balsam aus der Rinde kanadischer Balsamtannen; erstarrt allmählich zu einer gelben, klaren Masse und dient zum Kitten optischer Gläser.

Canadier, (nach dem Herkunftsland Kanada (Canada)) Kanadier, Abkürzung C: Sammelbezeichnung für alle mit Stechpaddel bewegten Kanutypen. Im Wettkampfsport gibt die Abkürzung C in Verbindung mit einer römischen Zahl die Bootsklasse an: CI = Einer-Canadier, C II = Zweier-Canadier, C IV oder C X = Mannschafts-Canadier. Im Kanurennsport erfolgt der Antrieb bei CI ausschließlich auf einer Seite, Im CII und Mannschafts-Canadier wechselseitig; im Kanuslalom und Wildwasserrennen wird entsprechend den Wettkampferfordernissen die Seite gewechselt.

Kanadisch-arktischer Archipel: Inselgruppe im Arktischen Ozean vor der Nordküste Nordamerikas; zu Kanada gehörend; die größten Inseln sind Baffin-, Ellesmere- und Victoriainsel; etwa 1,3 Millionen km2; von etwa 6000 Einwohner (überwiegend Eskimo) besiedelt; stark gegliederte Küsten (besonders Fjordbildungen), im östlichen und nordöstlichen Teil bis zu 2900m hoch; zum Teil mit Inlandeis bedeckt.

Kanadischer Schild, Laurentisches Massiv (nach dem Sankt-Lorenz-Strom): altkristalline Rumpffläche, die den Kern des nordamerikanischen Kontinents darstellt; im Präkambrium gefaltet, bis zum Tertiär eingeebnet und im Pleistozän vom Inlandeis überformt; nimmt etwa die Hälfte der Fläche Kanadas ein; bis zu 1995 m hoch; der Norden des Kanadischen Schilds gehört zur Tundra Zone, an die sich in südlicher Richtung die Zone der Waldtundra und die Nadelwaldzone anschließen; reiche Bodenschätze, insbesondere Nickel-, Uran-, Kupfer-, Blei-, Zink-, Eisenerz sowie Gold und Platin.

Kanagawa: Präfektur in Japan, im mittleren Teil der Insel Honshu, an der Tokio Bucht; 2397 km2, 6,7 Millionen Einwohner; 2795 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Yokohama-, zum Keihin-Industriezentrum gehörendes hochentwickeltes Gebiet mit chemischen, Automobil-, elektrotechnische Nahrungsmittelindustrie und Maschinenbau. Auf die in Kanagawa ansässigen Betriebe entfallen unter anderem 18% der Produktion des japanischen Fahrzeugbaus und 15% der Erzeugung der elektro-technische Industrie; landwirtschaftliche Kleinstbetriebe; Gemüseanbau, Blumenzucht, Geflügel-, Schweinehaltung.

Kanaken: (polynesische, «Menschen») eigentlich die Ureinwohner Hawaiis, später herabsetzende europäischen Bezeichnung für alle ozeanischen Ureinwohner; heute nennen sich zahlreiche Ureinwohner Neukaledoniens aus Protest gegen Diskriminierung bewusst Kanaken

Kanal: (italienisch - griechisch - semitisch, «Röhre»)

1. Filmtechnik: in sich geschlossenes Aufzeichnungs-, Übertragungs- und Wiedergabesystem für die zum Bild synchronen Schallereignisse aller Art. Es werden die Einkanaltechnik und Mehrkanalraumtonverfahren unterschieden.

2. Informationstechnik: ein durch Bandbreite und Störabstand gekennzeichneter Teil eines Frequenzbandes zur Übertragung eines Programms oder Signals (zum Beispiel Fernseh-, Fernsprech-, Messwert Kanal).

3. Kybernetik: soviel wie Informationskanal.

4. Rechentechnik: Funktionseinheit von Rechenautomaten, die relativ unabhängig von der Zentraleinheit Eingabe-/Ausgabeoperationen steuert. Man unterscheidet Selektorkanäle für schnelle periphere Geräte, die vom Beginn der Übertragung bis zu deren Ende mit dem peripheren Gerät physisch verbunden bleiben; Byte-Multiplexkanäle, die quasi gleichzeitig mehrere langsame periphere Geräte reihum bedienen können und jeweils für die Übertragung eines Bytes physisch verbunden sind; Block Multiplexkanäle, die die Eigenschaften der vorher genannten vereinen.

5. Wasserbau: künstlich angelegter Wasserlauf zur Verbindung von Flüssen, Seen, Meeren als Wasserstraße (meist ohne natürliches Gefälle) oder zum Be- beziehungsweise Entwässern sowie Zuführen von Wasserkraft; kleine Kanal an Mühlen heißen Gerinne. Verkehrswasserstraßen haben meist trapezförmigen Querschnitt oder sind zwischen Dämmen geführt, deren Böschungen in der Wasserlinie durch Steinpflaster, -Schüttungen, Beton oder Schilf befestigt sind. Die Kanalsohle ist evtl. mit Ton- oder Lehmdichtung gegen Versickern geschützt. Höhenunterschiede des stehenden Wassers müssen durch Schleusen oder Schiffshebewerke überwunden werden und sind dadurch in Haltungen unterteilt (zum Beispiel Mittellandkanal, Panamakanal). Beim Seekanal im offenen Durchstich wirken Ebbe und Flut (zum Beispiel Suezkanal).

Kanal, Ärmelkanal: Meeresarm zwischen Frankreich und Großbritannien, in der Straße von Calais (Straße von Dover) an der schmälsten Stelle 33 km breit, bis 172 m tief; starke Gezeiten (bis 12 m Tidenhub); durch Landsenkung im Pleistozän entstanden; buchtenreiche Küsten (zum Teil Steilküsten), Inseln (Isle of Wight, Kinseln) und Häfen (Dover, Portsmouth, Plymouth, Southampton an der britischen Küste, Le Havre, Calais, Cherbourg, Boulogne-sur-Mer an der französischen Küste); Gezeitenkraftwerk an der Rance Mündung (Bretagne); zahlreiche Badeorte; sehr starker Schiffsverkehr, Fährverbindungen; Tunnelprojekt (Folkestone/Calais).

Kanalbildner: Stahlrohre oder Gummischläuche, die in großformatige Tragkonstruktionen aus Spannbeton zur Herstellung der Hohlräume für das Einziehen der Bewehrungsbündel oder -stähle eingelegt werden. Sie verbleiben im Beton oder werden gezogen.

Kanalinseln, Normannische Inseln, englisch Channel Islands: britische Inselgruppe, bis etwa 20 km vor der nordfranzösischen Küste; 2 autonome Herrschaftsgebiete (Jersey, Guernsey) direkt unter der britischen Krone, nicht zum Vereinigten Königreich gehörend; 195 km2, 126000 Einwohner; 646 Einwohner/km2; Amtssprachen sind Französisch und Englisch; Hauptinseln Jersey, Guernsey, Alderney und Sark\ Hauptorte und -häfen Saint Helier und Saint Peter Port, aus paläozoischen, variszisch gefalteten Gesteinen, bis 148 m hoch; mildes Seeklima; fruchtbare Böden; exportintensiver Acker- und Gartenbau (Frühgemüse und -kartoffeln, Obst, Tomaten, Blumen), Viehzucht mit Milchwirtschaft; Granitbrüche; Fischerei; zahlreiche Banken (günstige Steuergesetzgebung); internationale Flughäfen; starker Fremdenverkehr.

Kanalisation: Anlagen zur Schmutz- und Regenwasserabführung aus Bebauungsgebieten durch unterirdische Leitungen (vorwiegend Steinzeug- oder Betonrohre mit Kreis-, Ei-, Hauben- oder Maulprofil); gemeinsame Ableitung beim Mischsystem, gesonderte Ableitung des Regenwassers, der Schmutzwässer und der Fäkalien beim Trennsystem.

Kanalisierung: Flussbauliche Maßnahme zur Herstellung der für die Schifffahrt erforderliche Wassertiefe in Flüssen durch Begradigung, Ausbaggerung und Stauanlagen.

Kanalkapazität: in einer ungestörten Nachrichtenverbindung (Kanal) die zeitbezogen maximal übertragbare Nachrichtenmenge; infolge stets vorhandener Störungen in der Praxis nicht erreichbar. Zeichen C„ C oder K, Sl-fremde Einheit bit/s.

Kanalwähler, Tuner: Baugruppe im Fernsehempfänger, die der Sender- (Kanal-) Abstimmung dient. Moderne Kanalwählereinheiten enthalten mehrere umschaltbare Kanalwähler, die innerhalb eines Bandes elektronisch abstimmbar sind.

Kananga: Stadt (Regionszentrum) im Westen von Zaire, am Lulua; früher Luluabourg, 710000 Einwohner; Textil-, Lebensmittel-, pharmazeutische Industrie; Handelszentrum; Straßenknoten, internationaler Flughafen; Militärakademie, Volkskunstmuseum.

Kanarienvogel, Serinus canaria: Zuchtform eines die kanarischen Inseln bewohnenden Girlitzes, der 1478 nach Spanien eingeführt und seit dem 16. Jahrhundert gezüchtet wurde. Aus der grünlichen Wildform wurden viele Farb-, Form- und Gesangsschläge (zum Beispiel Harzer Roller) gezüchtet.

Kanarische Inseln, Kanaren: spanische Inselgruppe im Atlantik, 115 km vor der nordwestafrikanischen Küste; 7 größere (Tenerife (Teneriffa), Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzante, Gomera, Hierro (Ferro), La Palma) und 6 kleinere Inseln; als Region 2 Provinzen umfassend; 7273 km2,1,5 Millionen spanische Einwohner (die Urbevölkerung der Guanchen ist ausgestorben); 206 Einwohner/ km2; als Regionszentrum wechseln Las Palmas und Santa Cruz de Tenerife-, vulkanischen Ursprungs, bis 3707 m (Pico de Teide auf Tenerife); subtropisches Seeklima, klimatische Höhenstufen mit ausgeprägten Luv- und Leeseiten im Gebirge. In der Landwirtschaft herrscht Großgrundbesitz vor (Vergabe von Pachtland), der Anbau ist zum Teil von künstlicher Bewässerung abhängig; Hauptprodukte für den Eigenbedarf sind Mais, Weizen, Gerste, Erbsen, Zwiebeln, Gemüse, für den Export Bananen, Tomaten, Zitrusfrüchte, Tabak, Frühkartoffeln; Ziegenhaltung; Industrie von geringer Bedeutung (Erdölraffinerie, Mineraldüngerfabrik), Kunstgewerbe (Keramik, Stickerei); Fischfang und Fischkonservenherstellung, Meeressalinen; wichtigste Häfen Las Palmas und Santa Cruz (Stützpunkte im Interkontinentalverkehr), internationale Flughäfen auf allen Hauptinseln; starker Fremdenverkehr (Badestrände), Heilkuren für Lungenkranke; prähistorische Funde.

Kanazawa: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Ishikawa, im Nordwesten der Insel Honshu; 400000 Einwohner; Maschinen-, Porzellan-, Seiden- und Bekleidungsindustrie; Universität.

Kanchanaburi: Stadt (Provinzzentrum) im Westen von Thailand, am Mae Klong; 30000 Einwohner; Eisenmetallurgie; in der Umgebung Edelsteingewinnung und Vorkommen von mineralische Bodenschätzen; Bahnverbindung nach Bangkok.

Kanchipuram: Stadt im Unionsstaat Tamil Nadu (Indien); 150000 Einwohner; Textilindustrie, Metallverarbeitung, Fahrzeugbau.

Kandahar: Stadt (Provinzzentrum) im Süden Afghanistans, in einer Flussoase am Nordrand der Wüste Registan; 190000 Einwohner; regionales Handels- und Wirtschaftszentrum; Woll- und Obstverarbeitung, traditionelles Handwerk (besonders Keramik- und Zinnwaren); internationaler Flughafen.

Kandelaber: (französisch) Kerzen- oder Lampenträger; künstlerisch geformt seit der Antike; heute große, säulenartige, meist mehrarmige Leuchte.

Candelillawachs: graue bis braune Masse, die durch Auskochen der Blätter eines mexikanischen Wolfsmilchgewächses gewonnen wird: F 67 bis 70°C. Candelillawachs ist in der Kälte geruchlos, härter als Bienenwachs und wird als Ersatz für Candelillawachs besonders für Schuhkrem und Bohnermassen verwendet.

Kandidat: 1. Bewerber, Anwärter, Prüfling.

2. Kandidat, (Abkürzung für candidatus, lateinisch): vor der Abschlussprüfung stehender Student.

Kandidatur: Anwartschaft; Bewerbung um ein Abgeordnetenmandat, eine staatliche oder gesellschaftliche Funktion, die Mitgliedschaft in einer Partei oder Organisation.

Kandieren: Tränken und Überziehen mit übersättigter Zuckerlösung, zum Beispiel bei Früchten.

Kandinsky, Wassili Wassiljewitsch, 16.12. 1866-13.12. 1944, russischer Maler, Graphiker und Kunsttheoretiker; Mitbegründer der abstrakten Kunst (erstes sogenannt ungegenständliches Aquarell 1910) und einer ihrer Theoretiker. Mitbegründer des «Blauen Reiters» (1911) und Lehrer am Staatlichen Bauhaus (1922), wo er, beeinflusst vom Konstruktivismus, unter anderem elementare Kontrast- und Gestaltungsprobleme untersuchte («Punkt und Linie zur Fläche», 9. Bauhausbuch).

Kandis: etwa 7 bis 30 mm große Saccharose Kristalle aus sehr reiner Zuckerlösung, zum Teil mit Zuckercouleur gefärbt.

Kandla: Stadt im Unionsstaat Gujarat (Indien), nördlich des Golfs von Kutch; 40000 Einwohner; Hafen, 1955 erbaut für den 1947 zu Pakistan gekommenen Hafen Karachi.

Kandschur: (tibetisch, «das übersetzte Wort (Buddhas)») Sammlung mit den kanon. Texten des Lamaismus, in mehreren Fassungen bekannt, meist 108 Bände. Die Einzelwerke wurden im 8./14. Jahrhundert nach indischen Vorlagen ins Tibetische übersetzt und daraus später ins Mongolische und Mandschurische. Erläuterungen dazu sowie Schriften wissenschaftlichen Charakters sind in dem etwa doppelt so umfangreichen Tandschur enthalten.

Kandy, Maha Nuwara: Stadt (Distriktzentrum) im Inneren von Sri Lanka; 100000 Einwohner; Zentrum eines Teeanbaugebiets; alte singhalesische Königsstadt und buddhistischer Wallfahrtsort; Universität.

Kane, Cheikh Hamidou, geboren 1928, senegalesischer Romancier; sein Roman «Zweideutiges Abenteuer» (1952; 1961 veröffentlicht) entwirft das Bild der islamischen-traditionellen Gesellschaft Westafrikas, die ihre Integrität gegenüber dem Kolonialismus weitgehend bewahren konnte. Sein pathetisch-feierlicher Stil gilt als vorbildlich für die Négritude.

Kanem: historischer afrikanischer Staat im Tschadseegebiet; entstand im 8./9. Jahrhundert, erreichte im 13. Jahrhundert seine größte Ausdehnung und wurde zu Beginn des 19. Jahrhundert von Wadai (im 16. Jahrhundert entstandenes Reich im Gebiet der heutigen Republik Tschad) erobert; 1901/05 wurde Kanem von französischen Kolonialtruppen unterworfen.

Kanesch, Nescha: altassyrischer Ort in Kleinasien (heute Kültepe). Hier wurden über 10000 Keilschrifturkunden aus dem 2. Jahrtausend vor Christus gefunden, die Kenntnisse über den Handelsverkehr zwischen dem von den Hethitern bewohnten Land und assyrischen Handelskolonien vermitteln.

Kangchenjunga: Gebirgsmassiv mit 5 Gipfeln im Zentralhimalaja, an der Grenze zwischen Nepal und Indien (Sikkim); etwa 12,5 km lang, 7 km breit; Hauptgipfel 8585 m (dritthöchster Berg der Erde); stark vergletschert mit über 31 m langem Talgletscher. Der Kangchenjunga wurde am 25-/26. 5. 1955 von einer britisch-neuseeländischer Gruppe (G. Band, J. Brown, M. Hardie, T. Streather) erstmalig bezwungen.

Kanghwa-do-Vertrag: (nach einer Insel an der koreanische Westküste) erster ungleicher Vertrag, den Japan Korea 1876 aufzwingen konnte; beendete den Abschluss des Landes durch Öffnung von 3 Häfen für Japan und ermöglichte dessen Eindringen in Korea; damit begann die Entwicklung Koreas zur Halbkolonie. Dem Kanghwa-do-Vertrag folgten weitere ungleiche Verträge mit anderen kapitalistischen Staaten.

Kang Kjong-ä, 20.4.1906-Juli 1943, koreanische Schriftstellerin; lebte 1929/39 in China; stand der Koreanischen Assoziation Proletarischer Schriftsteller nahe; verfasste Erzählungen und Romane, zum Beispiel «Morgengrauen über Intschon» (1934, deutsch).

Kängurus, Macropodidae: Beuteltiere mit schwachen, verkürzten Vorderbeinen und langen, sprungkräftigen Hinterbeinen; der meist behaarte Schwanz dient als Stütze; der Beutel ist groß und nach vom geöffnet. Kängurus sind Pflanzenfresser, sie bewohnen Steppen- und Buschgebiete Australiens und benachbarter Inseln. Das Rote und das Graue Riesenkänguru (Macropus rufus und Macropus giganteus) sind maximal bis 2,70 m lang, 70 kg schwer und können bis zu 10 m weit springen. Nach 30- bis 40tägiger Tragezeit wird ein nacktes Jungtier geboren, das in den Beutel der Mutter klettert, wo es sich an einer Zitze festsaugt und in 4 bis 8 Monaten heranwächst.

Kangxi, 1654-1723, chinesischer Kaiser (1662/1722) der mandschurischen Qing-Dynastie; forderte Handwerk und Handel, gliederte dem chinesischen Reich 1683 Taiwan und 1720 Tibet an, bereitete durch expansive Politik in Zentralasien die Einverleibung Östturkestans und der Dsungarei vor,

Kang Youwei, 19.3.1858-31.3.1927, chinesischer Philosoph; Führer der bürgerlich-liberalen Reformbewegung (Hunderttagereform); erstrebte die Umwandlung des feudalen Kaiserreiches in eine konstitutionelle Monarchie; trat später als Führer der monarchistischen Partei gegen die revolutionäre Bewegung unter Sun Zhongshan auf. Kang Youwei entwickelte eine Utopie von der die ganze Welt umfassenden «Großen Gleichheit», die durch die weltweite Orientierung auf frühkonfuzianische Ideale (Konfuzianismus) erreicht werden sollte.

Kanikola Fieber, Stuttgarter Hundeseuche: durch Leptospiren hervorgerufene und durch Hunde übertragbare gutartige Infektionskrankheit. Beim Menschen besteht Meldepflicht.

Kanin: Fell des Hauskaninchens, das sich wegen seiner Farbvarianten naturell oder gefärbt als Imitation auf edle Pelztierfelle verwenden lässt, wie Otter, Zobel, Bisam; Winterfelle mit dichter Unterwolle können gefärbt und geschoren zu Seal, Nutria und Biber veredelt werden. Etwa 50% des Fellaufkommens der Pelzindustrie Mitteleuropas sind Kaninfelle.

Kaninchen, Oryctolagus cuniculus: weitverbreitete, kolonieweise lebende hasenähnliche Nagetierart, die unterirdische Baue anlegt und trockene Böden bevorzugt; bei Gefahr wird durch Klopfen mit den Hinterfüßen gewarnt; bei Massenvermehrung durch Benagen von Bäumen u. ä. schädlich. Das Hauskaninchen stammt vom europäischen Wild- Kaninchen ab, das im Altertum domestiziert wurde. Weltweit rechnet man gegenwärtig mit 120 bis 150 Rassen und Schlägen, die sich nach Größe, Masse, Farbe, Zeichnung, Fellstruktur, anatomischen Merkmalen und Leistung unterscheiden. Die in der DDR anerkannten etwa 60 Rassen in zahlreichen Farbschlägen werden in große Rassen (über 5 kg, zum Beispiel Riesen, Widder), mittelgroße Rassen (3,25 bis 5 kg, zum Beispiel Großsilber, Großchinchilla, Blaue und Weiße Wiener, Rote und Weiße Neuseeländer), kleine Rassen (2 bis 3,25 kg, zum Beispiel Kleinchinchilla, Kleinsilber, Engl. Schecke, Holländerkaninchen, Lohkaninchen und Russenkaninchen) und Zwergrassen (0,7 bis 1,4 kg, Zwergkaninchen in allen Farben, in Weiß bisher als Hermelin bezeichnet), in Langhaarrassen (Angorakaninchen) und Kurzhaarrassen (Rex-Kaninchen) gegliedert. Sie dienen vor allem der Fleisch- und Fellproduktion, Angorakaninchen der Wollproduktion. Die Häsinnen sind je nach Größe mit 6 bis 9 Monaten zuchtreif, Rammler einen Monat später. Nach einer Tragezeit von 28 bis 30 Tagen werden durchschnittlich je nach Rasse 3 bis 12 nackte, blinde Junge geboren.

Kankan: Stadt im Osten der Republik Guinea, am Nigerzufluss Milo; 100000 Einwohner; Lebensmittelindustrie, Holzverarbeitung; Handelszentrum; Verkehrsknoten, Flughafen.

Cannabinol: (griechisch, «Hanf»): im Haschisch enthaltenes Suchtgift; bildet farblose Blättchen; F 76 bis 77 °C; weist alle Wirkungen der Rauschdroge auf.

Kanne: a) alte deutsche Volumeneinheit zwischen 0,8 und 2,61;

b) alte Masseeinheit für Butter in Sachsen (1 Kanne = 1 kg).

Kannegießer: ursprünglich Zinngießer; politischer Schwätzer, Stammtischpolitiker (nach der Komödie des norwegisch-dänischen Schriftstellers L. Holberg).

Kannelierung: senkrechte Rillung eines Säulenschaftes, die diesem größere Leichtigkeit der Erscheinung gibt.

Kännelkohle, Cannelkohle, Kennelkohle (englisch cannel, eigentlich candle, «Kerze»): gasreiche, mattglänzende, muschelig brechende, sporenführende Bitumenkohle; angezündete kleine Stücke brennen wie eine Kerze weiter. Siehe auch Steinkohle.

Kannenpflanze, Nepenthes: artenreiche Gattung der Kannenpflanzengewächse; Kletterpflanzen im lichten tropischen Regenwald vorwiegend des indisch-malaiischen Gebietes; die kannenförmig gestalteten Blätter dienen als Fallen für Kleintiere. Siehe auch Insektivoren.

Kannibalismus: 1. Kannibalismus, Anthropophagie (griechisch, «Menschenfresserei»): Sitte, Menschenfleisch auf rituelle Weise zu essen, um sich die als magisch angesehenen Kräfte des Toten, zumeist des Feindes, anzueignen. Kannibalismus war bis zum 18. Jahrhundert bei einigen Stämmen Australiens, Melanesiens, Südamerikas und Innerafrikas verbreitet, bei einigen Papuagruppen noch im 20. Jahrhundert 2. das gegenseitige An- oder Auffressen bei Tieren der gleichen Art. Kannibalismus kommt am häufigsten bei Hühnern und Schweinen vor. Als Ursache werden hohe Belegungsdichten der Käfige und Bewegungsarmut angegeben.

Kano: einer der 7 «echten» Hausastaaten im Norden des heutigen Nigeria, vermutlich im 11. Jahrhundert gegründet; behauptete sich in heftigen Kämpfen gegen Katsina als wichtiges Zentrum von Handwerk und Transsaharahandel; zeitweilig von Bomu abhängig.

Kano: Hauptstadt des Bundesstaates Kano (4328S km2; 8,8 Millionen Einwohner; 203 Einwohner/km2), im Norden Nigerias; 400000 Einwohner; Lebensmittel- (besonders Erdnussverarbeitung), Textil-, Leder- und Schuh-, Metallverarbeitungs-, chemische, Zementindustrie; Kunsthandwerk; Handels- und Kulturzentrum der Hausa; Verkehrsknoten, internationaler Flughafen; Universität, Kunsthandwerksmuseum; Emir Palast, Moscheen, 17,7 km lange Mauer um den Stadtkern.

Kanoldt, Alexander, 29. 9. 1881-24.1. 1939, Maler und Graphiker; entwickelte sich unter dem Einfluss des Kubismus zu einem Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit. Kanoldt malte insbesondere Architekturlandschaften und Stillleben in einer verfestigten, die stereometrischen Grundformen betonenden Formensprache.

Kanon: 1. allgemein Regel, Richtschnur; Vorschrift.

2. bildende Kunst: Regel, Richtmaß für die (idealen) Größenverhältnisse der einzelnen Teile des menschlichen Körpers; in der Baukunst die der einzelnen Bauglieder untereinander und zum Ganzen. Ein Kanon des menschlichen Körpers wurde unter anderem von Polyklet (an der Gestalt des Doryphoros), Leonardo da Vinci und A. Dürer, ein Kanon des Bauwerks von Vitruv, L. B. Alberti und A. Palladio aufgestellt.

3. Musik: im mehrstimmigen Satz strengste Form der Imitation, wobei die nacheinander einsetzenden Stimmen die Melodie der ersten Stimme getreu wiedergeben.

4. Theologie: a) die kirchlich anerkannten und als verbindlich erklärten Schriften der Bibel (kanonische Bücher);

b) der feststehende Teil der katholischen Messe;

c) Bezeichnung kirchliche Regeln (kanonische Recht).

Kanone: für das Schießen auf Erd- (Überwasser-) Ziele oder Luftziele bestimmtes Geschütz mit langem Rohr (Kaliber 40 bis 80 mm), großer Anfangsgeschwindigkeit der Granate (über 700 m/s), hoher Feuergeschwindigkeit und großer Schussweite. Kanone befinden sich in der Bewaffnung der Artillerie der Landstreitkräfte (motorisierte Schützen-, Panzer- und Artillerietruppen, Truppenluftabwehr sowie Luftlandetruppen), der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung als Bord- oder Fliegerabwehrkanone, der Seestreitkräfte als Schiffs- oder Küstenartillerie. Kanone werden gezogen, sind selbstbeweglich oder selbstfahrend beziehungsweise auf beweglichen Basen (Panzer, Flugzeuge oder Schiffe) stationiert.

Kanonenboot: bewaffnetes Kampfboot (bis 2500ts) für Kampfhandlungen auf schiffbaren Flüssen, Binnenseen und küstennahen Seegebieten; verlor durch die Entwicklung der Raketenwaffen an Bedeutung.

Kanonenstiefel: Schaftstiefel des 17. Jahrhundert mit meist überfallender Stulpe.

kanonisch: 1. allgemein dem Kanon entsprechend; anerkannt, mustergültig.

2. Physik: nach einer festen Regel gebildet, bestangepasst (kanonische Mechanik, kanonisch konjugierte Größen, kanonischer Impuls),

kanonisches Recht: innerkirchliches Recht der katholischen Kirche.

Kanopen: (lateinisch - griechisch, nach dem Ort Kanopus) altägyptische Urnen mit Menschen- oder Tierkopfdeckeln, zum Beisetzen der Eingeweide mumifizierter Menschen und Tiere verwendet.

Kanopus, Canopus: hellster Stern im Sternbild Kiel (des Schiffes) und zweithellster Stern des gesamten Himmels (nach Sirius); Helligkeit -0“8.

Kanopus: altägyptischer Ort, beim heutigen Abukir, wo 238 vor Christus Ptolemaios III. Euergetes eine Reform des Kalenders verfügte (Einführung des Sonnenjahres mit Schaltjahr).

Kano-Schule: eine der bedeutendsten japanischen Malerschulen, gegründet von Kano Masanobu (1454-1550); sie beherrschte vom 15. bis zum 18. Jahrhundert wesentlich das offizielle Kunstleben Japans; ihr Stil ist eine Mischung aus chinesischen und japanischen Elementen und zeichnet sich durch eine kräftige, dekorative Farbgebung und Linienführung aus.

Känozoikum, Erdneuzeit: jüngste Gruppe des Phanerozoikums mit den Systemen Tertiär und Quartär; Zeit der explosiven Entfaltung der Säugetiere und Herausbildung des gegenwärtigen Erdbildes; siehe auch geologische Systeme.

Kansas, Abkürzung Kans.: Bundesstaat im zentralen Teil der USA; 213098 km2, 2,4 Millionen Einwohner (5,6% Afroamerikaner); 11 Einwohner/km2; Hauptstadt 7opeka. Kansas wird im Westen von den Great Plains und im Osten von der Prärieebene eingenommen; gemäßigtes Kontinentalklima mit von Osten nach Westen zunehmender Trockenheit. Die verarbeitende Industrie, nach ihrem Ausbau während und nach dem 2. Weltkrieg wichtigster Wirtschaftszweig von K, basiert vor allem auf den Rohstoffen aus der Landwirtschaft und dem Bergbau; Erdgas-, Erdölförderung, Rückgang des Steinkohlenabbaus trotz beachtlicher Vorräte. In den Kraftwerken von Kansas werden 25,1 Md. kWh erzeugt, installierte Kapazität 8 300 MW; Erdölraffinierung, Produktion von Fleischkonserven, Weizenmehl und militärischen Ausrüstungen (Flugzeuge). In der Landwirtschaft Rinder-, Schweinezucht, Weizen- und Hirseanbau. Der Verkehr verlagert sich von der Eisenbahn auf die Straße.

Kansas City: Wirtschaftsraum aus 2 am Missouri liegenden und durch den Fluss Kansas getrennten Städten in den Bundesstaaten Kansas und Missouri (USA); zusammen 450000 Einwohner, als Metropolitan Area 1,3 Millionen Einwohner; Lebensmittel- (Fleischwaren), Flugzeug-, Munitions-, petrolchemische, Maschinen- (Autos), Stahl-, Holz-, Farben-, polygraphische und Konfektionsindustrie, Erdölraffinerie, Schmuckwarenherstellung, Diamantschleiferei; bedeutendes Vieh- und wichtigstes Getreidehandelszentrum der USA; Verkehrsknoten, internationaler Flughafen.

Kansas-Nebraska-Bill: Gesetz der USA vom 30. 5. 1854, das die Entscheidung über die Zulassung der Sklaverei in den Gebieten Kansas und Nebraska diesen Bundesstaaten überließ und damit im Widerspruch zum Missouri Kompromiss stand; führte mit zum Bürgerkrieg von 1861/65.

Kant: Immanuel, 22.4.1724-12.2.1804, Philosoph; Begründer der klassischen deutschen Philosophie. Umfangreiche naturwissenschaftliche Studien führten Kant zur Naturphilosophie, in der er auf der Grundlage des Entwicklungsgedankens und materialistische Ansätze eine dialektische Theorie von der Entwicklung des Weltalls ausarbeitete. Sich von der Philosophie der Aufklärung abwendend, polemisierte er gegen Rationalismus und Empirismus (Skeptizismus). «Der Grundzug der Kschen Philosophie ist eine Aussöhnung von Materialismus und Idealismus...» (Lenin). Kant unterscheidet 3 Stufen der Erkenntnis: Sinnlichkeit, Verstand und Vernunft. Seine Theorie von den Kategorien und vom dialektischen Charakter der Vernunft (Antinomien Lehre) war für die Entwicklung der dialektischen Denkweise durch J. G. Fichte, W. J. Schelling und G. W. F. Hegel von großer Bedeutung. Kant widerlegte die herkömmlichen Gottesbeweise, versuchte jedoch gleichzeitig, der Religion eine praktische Bedeutung zu geben, indem er sie in der Moral aufhob. In seiner abstrakt-humanistischen Ethik (Lehre von der moralischen Entscheidungsfreiheit und von der Würde des Menschen) suchte Kant das gesellschaftliche Gesamtinteresse der Menschheit zur Geltung zu bringen (kategorischer Imperativ). Den Frieden fasste Kant als eine nach und nach zu lösende Aufgabe der gesamten Menschheit auf. Unter dem Einfluss der Aufklärung, namentlich J. G. Herders, entstanden einige philosophiehistorische Schriften, die das Geschichtsdenken Schellings und besonders Hegels stark beeinflussten. Kant, Seiner politischen Gesinnung nach Republikaner, begrüßte die Französische Revolution. Hauptwerke sind «Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels» (1755), «Kritik der reinen Vernunft» (1781), «Kritik der praktischen Vernunft» (1788), «Kritik der Urteilskraft» (1790), «Zum ewigen Frieden» (1795), «Die Metaphysik der Sitten» (1797).

Kantabrien: Region mit innerer Autonomie im Norden Spaniens, die Provinz Santander umfassend; im Ostteil des Kantabrischen Gebirges mit Anteil an der Atlantikküste (Golf von Biscaya) 5289 km2, 500000 Einwohner; 95 Einwohner/km2; Regionszentrum Santander, Abbau von Eisen-, Blei- und Zinkerzen; Schiffbau, metallverarbeitende, chemische, Lebensmittelindustrie; Weizen-, Mais- und Roggenanbau; Rinder- und Schafzucht.

Kantabrisches Gebirge: Gebirge im Norden Spaniens, bildet den Nordrand der Meseta; mit der Kalkberggruppe der Picos de Europe (2 648 m); meist paläozoische Gesteine, variszisch gefaltet, eiszeitlich überformt; Steilabfall zum Golf von Biscaya mit Kliffküsten; Klima- und Wasserscheide; im Norden Wälder und Weiden, im Süden spärliche Vegetation; reich an Steinkohle, Eisen-, Kupfer- und Zinkerzen; in den Tälern Schwerindustrie und verhältnismäßig dichte Besiedlung.

Kantate: (italienisch, «Gesangsstück») instrumental begleitetes, lyrisch-dramatisches Vokalwerk mit Rezitativen, Arien und Chören; im 17. Jahrhundert aus dem Madrigal hervorgegangen, Höhepunkt in den Choral-, Solo- und weltliche Kantate von J. S. Bach. In der Gegenwart erhielt die Kantate (Solo-, Chor-, auch A-cappella-Kantate) neue Bedeutung im sozialistischen Musikschaffen (P. Dessau, H. Eisler, E. H. Meyer, D. D. Schostakowitsch unter anderem).

Kante: Geometrie Strecke, auch Halbgerade oder Gerade, in der 2 Seitenflächen eines Körpers zusammenstoßen. Siehe auch Graph.

Kantele: finnisches Nationalinstrument, Volksmusikinstrument für die Spiel- und Tanzmusik. Die Kantele ist eine flache, Griffbrett lose Zither mit dreieckigem Resonanzkörper und ursprünglich 5 bis 13, später bis zu 30 Saiten (heute meist aus Stahl); wird, auf dem Schoß oder Tisch liegend, mit den Fingern gespielt.

Cantharidin: giftiger, stark hautreizender Wirkstoff der Spanischen Fliege; bildet farblose Kristalle.

Kantharos: Trinkbecher mit 2 hochgezogenen Schlaufenhenkeln und abgesetztem Fuß; vornehmlich im Dionysoskult verwendet.

Kantholz: Schnittholz mit rechteckigem Querschnitt, dessen Dicke und Breite über 100 mm bis 300 mm beträgt.

Kanto Ebene: von tertiären und quartären Sedimenten bedeckte grundwasserreiche Tieflands Ebene auf der Insel Honshu (Japan), an der Küste zum Stillen Ozean; mit 14734 km2 größtes Tieflands Gebiet Japans, in dem sich die Bevölkerungs- und Industrieballung Tokio-Yokohama ausbreitet.

Kanton: 1. Gliedstaat der schweizerischen Eidgenossenschaft (Schweiz).

2. Kantonsystem.

Kantonsystem: Art der Rekrutenaushebung, 1733 in Preußen eingeführt. Um die kostspielige Werbung im Ausland zu umgehen, erhielt jedes Regiment zur Rekrutierung einen Bezirk (Kanton) zugewiesen.

Kantor: (lateinisch, «Sänger») Leiter eines Kirchenchores (Kantorei) und der Kirchenmusik; im 16./18. Jahrhundert besonders der für den Kirchengesang verantwortliche Schullehrer.

Kantschil, Tragulus: mit dem Hirschferkel verwandte, kaninchengroße, dämmerungs- und nachtaktive südasiatische Wiederkäuer, die Trockenland, Felsgelände und Urwälder bewohnen.

Kanu: 1. Völkerkunde: im engeren Sinne leichtes, durch einseitiges Paddel angetriebenes Reise- und Transportboot der nordamerikanischen Indianer; meist aus mit Birkenrinde überzogenem Holzrahmen; im weiteren Sinne alle durch Paddel bewegte Boote, die ähnlich geformt sind wie Kanu im engeren Sinne (zum Beispiel Kajak).

2. Wasserfahrsport: Sammelbezeichnung für Kajaks und Kanadier.

Kanurennsport: auf stehenden Gewässern mit Kanus ausgetragene Geschwindigkeitswettbewerbe über 500, 1000 beziehungsweise 10000 m. Rennen über 500 und 1000 m werden auf geraden, abgegrenzten Bahnen, 10000-m-Rennen meist mit mehreren Wenden gefahren. Olymp. Sportart seit 1936, Weltmeisterschaften seit 1938, Europameisterschaften seit 1933.

Kanuri: negrides Volk in Bomu (Nordostnigeria und Südostniger), das mit den Tibbu eine eigene Sprachgruppe bildet; 4 Millionen; Bodenbauer und Viehzüchter; Muslime.

Kanuslalom: auf sehr stark fließenden, mit Hindernissen und Wertungsstellen ausgestatteten Gewässern ausgetragene Wettbewerbe im KI, CI, CII (für Männer) und KI (für Frauen) jeweils als Einzel- und Mannschaftswettkampf. Die bis zu 800 m lange Strecke hat 25 bis 30 Wertungsstellen (1,20 m bis 1,50 m breites, aus 2 farbig markierten Stäben rot-weiß, grün-weiß bestehende Tore) mit vorgeschriebener Anfahrt Richtung. Zur Fahrzeit werden 5 oder 50 Strafpunkte (-Sekunden) für jeden Fehler (zum Beispiel Torstangenberührung) addiert. Der bessere von 2 Läufen gilt. Kentern bedeutet Ausscheiden aus dem entsprechenden Lauf. Olympische Sportart 1972, Weltmeisterschaften seit 1949, Europameisterschaften einmalig 1947. Siehe auch Wildwasserrennen.

Kanzlei: Geschäftsstelle, Büro. ursprünglich mit Schranken (lateinisch cancelli) abgegrenzter Raum, in dem Äußerungen der Regierung, der Verwaltungs- und Rechtstätigkeit einer Behörde als Urkunden, Erlasse, Verordnungen ausgefertigt wurden; dann auch Bezeichnung der Behörde selbst. Seit dem späten Mittelalter in einigen deutschen Territorien Name der obersten Regierungsbehörde (Hofrat).

Kanzleischrift: nicht mehr verwendete Schriftgattung (Abart der Fraktur), die besonders im 17. und 18. Jahrhundert bei Behörden als Schreibschrift verbreitet war.

Kanzler: im frühen Mittelalter zunächst der öffentliche Schreiber, dann der Vorsteher von Kanzleien weltliche und geistliche Fürstentümer. Den Titel Erzkanzler trugen vom 10. Jahrhundert bis 1806 die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier. Im Deutschen Reich (seit 1871) Titel für den höchsten Reichsbeamten und Regierungschef. In mehreren Staaten ist Kanzler heute der Titel des Regierungschefs.

Kanzone: (italienisch, «Lied») 1. Literatur aus 5 bis 10 Strophen gleicher Struktur bestehende lyrische Form provenzalischer Herkunft; die Kanzone gliedert sich in Aufgesang, Stollen und Abgesang; im 13./14. Jahrhundert von F. Petrarca, Dante Alighieri, später T. Tasso und G. Leopardi gepflegt, im 19. Jahrhundert in der deutschen Literatur wiederbelebt.

2. Musik: a) im 12./13. Jahrhundert bedeutendste Liedform der Troubadours;

b) im 15./16. Jahrhundert polyphone Liedform, auf Instrumente übertragen eine Vorform der Sonate;

c) im 16./17. Jahrhundert heiteres Lied in homophonem Satz;

d) im 18./19. Jahrhundert lyrisches-kantables Stück.

Kanzonette: 1. Literatur: eine besonders volkstümliche Kanzone, meist Liebesgedicht in scherzhafter Art und mit ländlicher Szenerie.

2. Musik: kurzes, oft tanzliedartiges Vokalstück im 16./17. Jahrhundert.

Kaolack: Stadt (Regionszentrum) im Westen Senegals, am hier schiffbaren Saloum; 120000 Einwohner; Handelszentrum (Erdnüsse); Lebensmittelindustrie (besonders Erdnussverarbeitung); Vorhafen Foundiougne (Erdnussausfuhr).

Kaolin: weiches, bindiges, sich fettig anfühlendes, meist weißes Tongestein; besteht hauptsächlich aus Kaolinit unter anderem Tonmineralen sowie Resten von Quarz, Feldspat und Glimmer. Kaolin ist ein Verwitterungsprodukt feldspatreicher Gesteine (Granit, Rhyolith) und dient als Rohstoff für die keramische Industrie.

Kap: (niederländisch - französisch - lateinisch caput, «Kopf», «Spitze») ins Meer vorspringende Landspitze.

Kapazitanz, kapazitiver Leitwert: Produkt aus Kapazität C und Kreisfrequenz a> = 2 n f im elektrischen Wechselstromkreis bei der Frequenz; Zeichen Bc, Einheit Siemens (S).

Kapazitätsausnutzung: Ausschöpfung der in der Produktionskapazität zum Ausdruck kommenden Produktionsmöglichkeiten. Es wird zwischen der möglichen, der geplanten und der tatsächlichen Kapazitätsausnutzung unterschieden. Die mögliche Kapazitätsausnutzung gibt das höchstmögliche Leistungsvermögen im Planzeitraum an. Die geplante Kapazitätsausnutzung berücksichtigt die im kommenden Planzeitraum voraussichtlich eintretenden konkreten Bedingungen (Stillstände). Die tatsächliche Kapazitätsausnutzung entspricht der im abgelaufenen Planzeitraum tatsächlich erreichten Produktionsleistung.

Kapazitätsdiode, Varaktor, Varicap: in Sperrichtung betriebene Halbleiterdiode (Siliziumdiode), bei der der Kapazitätswert von der anliegenden Gleichspannung abhängt; Vergrößerung der Sperrspannung vergrößert die Sperrschichtweite (Verkleinerung der Kapazität).

Kapazitätsmessgerät: elektrisches oder elektronisches Gerät zur Messung der Kapazität von Kondensatoren und meist auch ihres Verlustwinkels,

Kap-Breton-Insel: Insel vor der Nordostküste Nordamerikas, zu Kanada (Neuschottland) gehörend; 10162 km2, etwa 140000 Einwohner; Hauptort und -hafen Sidney im Süden Tiefland, im Norden flachwellig.

Kap Delgado: niedriges Vorgebirge im Norden von Mozambique, an der Küste des Indischen Ozeans, nahe der Grenze zu Tansania.

Kap der Guten Hoffnung: Landvorsprung südlich von Kapstadt, in der Republik Südafrika, bei 34° 21' südliche Breite und 18°30' östliche Länge; 620 m hoch; 1488 von B. Diaz entdeckt.

Kapelle: 1. Kapelle, königliche Hofkapelle: die Gesamtheit der am Königshof lebenden Geistlichkeit (lateinisch capellani); stand unter Leitung des Erzkaplans und war personell eng mit der königlichen Kanzlei verbunden. Die Angehörigen der Kapelle standen im Königsdienst, aus ihren Reihen kamen (verstärkt seit dem 10. Jahrhundert) die wichtigsten Bischöfe und Äbte.

2. Kapelle: in der Baukunst ursprünglich Andachtsraum in Schlössern, Pfalzen, Palästen. Später auch Bezeichnung für selbständige, kleinere christliche Kultbauten (Grab-, Tauf-, Wallfahrts- oder Friedhofskapelle) wie auch für kleine, abgetrennte Andachtsräume und Altamischen innerhalb einer Kirche. Radial um den Chor einer Kirche angeordnete Kapellen ergeben einen Kapellenkranz.

3. Kapelle: instrumentales Ensemble meist spezieller Art (Tanz-, Jazz-, Blas-, Militärkapelle), auch Bezeichnung für große, repräsentative Sinfonieorchester als Staatskapelle.

Heinz Kapelle, 17. 9. 1913-1. 7.1941 (ermordet), antifaschistischer Widerstandskämpfer; 1931 Mitglied des KJVD; 1934/36 und seit 1939 in Haft; war Leiter einer aus jungen Kommunisten, Sozialdemokraten und Christen bestehenden Widerstandsorganisation in Berlin.

Kapellmeister: Leiter eines Instrumentalensembles; bei großen Orchestern und Opernhäusern der einem Chefdirigenten beziehungsweise GMD nachgeordnete 2. oder 3. Dirigent.

Kapern: früher das Aufbringen feindlicher oder neutraler Handelsschiffe.

Kapernstrauch, Capparis spinosa: etwa 1 m hoher Strauch des Mittelmeergebietes aus der Familie der Kapernstrauchgewächse, dessen Blütenknospen die als Küchengewürz verwendeten Kapern liefern. Sie werden in Salzwasser (Salzkapern), Essigwasser (Essigkapern) oder in Olivenöl (Öl Kapern) eingelegt. Wichtige Anbaugebiete sind unter anderem Algerien, Spanien und Italien.

Kap Hafun, Ras Hafun: Landvorsprung im Norden Somalias, auf einer felsigen Halbinsel im Indischen Ozean; östlichster Punkt Afrikas bei 51°23' östliche Länge und 10°27' nördliche Breite.

Kap Hoorn: südlichstes Kap Südamerikas; liegt 56° südliche Breite, 67° 15' westlicher Länge auf der Insel Hoorn des Feuerlandarchipels; bis 150 m hoch; nebel- und sturmreich. 1616 von dem niederländischen Seefahrer W. C. Schouten nach seiner Vaterstadt benannt.

Kapillaren, Haargefäße: Anatomie feinste Blutgefäße, die in der Lunge dem Gasaustausch (äußere Atmung), in allen anderen Organen dem Gas- und Stoffaustausch (innere Atmung) dienen.

Kapillarität: die Erscheinung, dass in einem engen Röhrchen (Kapillare), das in eine Flüssigkeit eintaucht, der Flüssigkeitsspiegel entweder über dem außerhalb der Kapillare liegt (Kapillaraszension) oder darunter (Kapillardepression). Je nach dem Verhältnis der Adhäsionskräfte F, zwischen den Flüssigkeitsmolekülen und denen der Wandung und der Kohäsionskräfte Ft der Flüssigkeitsmoleküle untereinander weist die Resultierende F, an der Stelle, wo die freie Flüssigkeitsoberfläche in die Grenzfläche übergeht, auf die Gefäßwand (zum Beispiel Glas in Wasser) oder ins Innere der Flüssigkeit (zum Beispiel Glas in Quecksilber); siehe auch Benetzung.

Kapillarwasser: auf Grund von Kapillarkräften im Boden festgehaltenes Wasser.

Kapital: hauptsächlich; (außerordentlich) groß, besonders stark; vorzüglich, prächtig.

Kapital: 1. politische Ökonomie grundlegendes Produktions- und Ausbeutungsverhältnis im Kapitalismus, das auf der Ausbeutung der Klasse der Lohnarbeiter (Proletarier) durch die Klasse der Kapitalisten (Bourgeoisie) beruht. Kapital erscheint als Wert, der seinem Eigentümer durch die Ausbeutung der Lohnarbeit Mehrwert bringt. Das Kapital verleiht als grundlegendes Produktionsverhältnis allen anderen gesellschaftlichen Beziehungen ihren spezifisch kapitalistischen Charakter. So sind Geld, Produktionsmittel und andere Waren erst dann Kapital, wenn sie in den Händen von kapitalistischen Eigentümern durch den Kauf der Ware Arbeitskraft und der Produktionsmittel der Erzeugung und Aneignung von Mehrwert dienen. Die gesellschaftliche Voraussetzung dafür ist die Konzentration der Produktionsmittel in den Händen weniger Privateigentümer auf der einen und die Trennung der Masse der Produzenten von den Produktionsmitteln sowie die Verwandlung ihrer Arbeitskraft in eine Ware auf der anderen Seite. Diese kapitalistischen Produktionsverhältnisse entstanden im Prozess der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals. Ihr Ergebnis ist die Teilung der Gesellschaft in die Klasse der Kapitalisten, der Eigentümer der Produktionsmittel, und in die Klasse der Lohnarbeiter, die keine Produktionsmittel besitzen und daraus resultierend gezwungen sind, ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten zu verkaufen. Nach seiner Anwendungssphäre werden unterschieden:

a) industrielles Kapital ist in der Sphäre der materiellen Produktion, vor allem in Industrie (Industriekapital), Landwirtschaft, Verkehrswesen fungierendes, unmittelbar Mehrwert erzeugendes Kapital. Es ist die Hauptform des Kapitals, das in 3 Formen existiert, dem produktiven Kapital (Kapital in Form von Produktionsmitteln und Arbeitskräften, das im kapitalistischen Produktionsprozess zur Produktion von Mehrwert eingesetzt ist), dem Geldkapital (Kapital in Geldform) und dem Warenkapital (Kapital in Warenform; Erzeugnisse, die durch den Verkauf in Geld verwandelt werden, wobei der in ihm enthaltene Mehrwert realisiert wird),

b) Kaufmannskapital (Handelskapital) ist ein verselbständigter Teil des industriellen Kapitals, der als Warenhandlungs- und Geldhandlungskapital auftritt und verschiedene Kapitalfunktionen in der Zirkulationssphäre vermittelt. Das Warenhandlungskapital übernimmt mit seinem Geldkapital das Warenkapital des Produzenten (Kauf) und vermittelt es wieder in Geldkapital (Verkauf), wobei für Fabrikant und Händler höchstmöglichen Profit zu realisieren ist. Geldhandlungskapital übernimmt die technischen Operationen des Geldverkehrs der Kapitalisten (zum Beispiel Zahlung der Verbindlichkeiten und Kassierung der Forderungen). Im Laufe der kapitalistischen Entwicklung übernahmen die Banken die Durchführung dieser Operationen. Zum modernen Bankkapital wird das Geldhandlungskapital, wenn es zum Handel mit Leihkapital (Kredit) übergeht und Kapital gegen Zinsen leiht (zum Beispiel Einlagen auf den Konten der Bank) und verleiht,

c) Zinstragendes Kapital tritt in der Form des Leihkapital und des fiktiven Kapitals auf. Leihkapital ist zeitweilig freies Geldkapital, das sein Eigentümer nicht selbst zur Produktion oder Realisierung von Mehrwert anlegt, sondern gegen Zinsen verleiht. Fiktives Kapital existiert lediglich in Form von Wertpapieren aller Art (Obligationen, Aktien) und bedeutet einen Anspruch auf einen Teil des produzierten Mehrwerts, der hier in Form des Zinses beziehungsweise der Dividende auftritt. In seiner vorkapitalistischen Form tritt das zinstragende Kapital als Wucherkapital auf, das als Geld (auch in Form von Gebrauchsgegenständen oder Produktionsmitteln) verliehen wird und den Schuldner erpresst, hohe Wucherzinsen zu zahlen, die oft seinen Ruin bedeuten; gehört mit dem Handelskapital zu den historisch ersten Formen des Kapital. Vom Standpunkt des Verwertungsprozesses (der Mehrwertbildung) besteht das Kapital aus 2 Teilen: konstantes Kapital ist der in Gestalt von Produktionsmitteln fungierende Kapitalteil, dessen Wert sich im kapitalistischen Produktionsprozess nicht ändert, sondern im Maße des Verbrauchs beziehungsweise Verschleißes der Produktionsmittel auf das neugeschaffene Produkt übertragen wird; variables Kapital ist der in Gestalt der Arbeitskraft im Produktionsprozess fungierende Kapitalteil. Da die Arbeitskraft nicht nur ihren Wert reproduziert, sondern zusätzlich Mehrwert schafft, vergrößert dieser Kapitalteil den vorgeschossenen Kapitalwert. Mit dieser Unterscheidung führte Marx den wissenschaftlichen Nachweis, dass allein die Arbeitskraft der Lohnarbeiter den Mehrwert schafft. Vom Standpunkt des Kapitalumschlags unterscheidet man fixes Kapital: der Teil des konstanten Kapital (Maschinen, Gebäude), das zwar als Ganzes an der Produktion teilnimmt, dessen Wertübertragung auf das neue Produkt jedoch nicht auf einmal, sondern nur gemäß dem allmählichen Verschleiß erfolgt; zirkulierendes Kapital: die Bestandteile des vorgeschossenen Kapital, deren Wert während einer Produktionsperiode vollständig ersetzt wird. Hierzu gehören die Roh- und Hilfsstoffe (zirkulierendes konstantes Kapital) sowie das gesamte variable Kapital. Das quantitative Verhältnis des konstanten und variablen Kapitals ist die Wertzusammensetzung des Kapitals. Die organische Zusammensetzung des Kapitals ist «die Wertzusammensetzung des Kapitals, insofern sie durch seine technische Zusammensetzung bestimmt wird und deren Änderung widerspiegelt» (Marx). Infolge des technischen Fortschritts wächst die organische Zusammensetzung des Kapitals ständig, das heißt, das konstante Kapital nimmt gegenüber dem variablen zu. Mit der Entwicklung des Kapitalismus entstehen aus dem Privatkapital Formen des Gesellschaftskapital (Aktiengesellschaften, GmbH), die den Übergang zum monopolistischen Stadium des Kapitalismus, dem Imperialismus, einleiten, in dem das Monopol (Monopolkapital) die dominierende und bestimmende Form des Kapitalverhältnisses ist. Siehe auch Finanzkapital, Gesetz der Konzentration und Zentralisation des Kapitals, Kapitalkreislauf.

2. Kaptal: Polygraphie, Kopf und Fuß des Buchblockrückens bei Einbänden.

Das Kapital: Titel des dreibändigen Hauptwerkes von K. Marx (Band 1, 1867, Band 2 und 3 von F. Engels 1885/94 herausgegeben); Hauptwerk des Marxismus-Leninismus; erste wissenschaftliche Analyse der Entwicklungsgesetze des Kapitalismus, seines Aufstiegs und seines historischen Niedergangs, seiner Widersprüche und der Unvermeidlichkeit seiner revolutionären Beseitigung durch die Werktätigen unter Führung des Proletariats und seiner revolutionären Partei; enthüllt das ökonomische Bewegungsgesetz der kapitalistischen Gesellschaft.

Kapitalanlage: Verwendung beziehungsweise Verleih von Geld zum Kauf von Produktionsmitteln und Arbeitskräften, um durch Ausbeutung der Lohnarbeiter Mehrwert zu produzieren und sich anzueignen.

Kapitalaufstockung: Erhöhung des Grundkapitals einer Kapitalgesellschaft; erfolgt entweder durch Ausgabe zusätzlicher Aktien oder durch Umwandlung stiller Reserven und Rücklagen in Grundkapital. Häufig erhalten die bisherigen Aktionäre bei Kapitalaufstockung ein Aktienbezugsrecht (Vorkaufsrecht zu Vorzugskursen).

Kapitalbeteiligung: Anteil am Grundkapital eines kapitalistischen Unternehmens (zum Beispiel einer Aktiengesellschaft). Mit Hilfe der Kapitalbeteiligung kann die Verfügung über Fremdkapital weit über das eigene Eigentum am Unternehmenskapital ausgedehnt werden; je nach der Zahl der Aktionäre und der Verteilung der Kapitalanteile auf sie reichen oft erheblich weniger als 50% Kapitalbeteiligung aus, um bestimmenden Einfluss auf eine Gesellschaft zu nehmen.

Kapitälchen: Antiqua-Großbuchstaben in der Höhe der Mittellängen der Kleinbuchstaben.

Kapitelentwertung: Wertminderung beim produktiven, Geld- oder Warenkapital. Die Kapitelentwertung beim produktiven und Warenkapital vollzieht sich vor allem in Krisen oder durch moralischen Verschleiß infolge technischen Fortschritts. Die Kapitelentwertung beim Geldkapital erfolgt durch Inflation und tritt als verminderte Kaufkraft dieses Geldkapitals in Erscheinung.

Kapitalexport: Übertragung von relativ überschüssigem Kapital ins Ausland zur Erzielung von Monopolprofiten, zur ökonomischen Beherrschung fremder Länder oder auch aus politisch-militärischen Gründen; ein ökonomisches Hauptmerkmal des Imperialismus. Der Kapitalexport erfolgt entweder in Gestalt von produktivem Kapital (Bau neuer oder Aufkauf bestehender Unternehmen vornehmlich durch internationale Monopole) oder in Form von Anleihen beziehungsweise Krediten monopolistischer Großbanken, imperialistische Regierungen oder internationaler staatsmonopolistischer Finanzinstitutionen (zum Beispiel Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Internationaler Währungsfonds).

Kapitalflucht: eine besondere, meist illegale Form des Kapitalexports aus einem Land, in dem die Sicherheit des Kapitals beziehungsweise hohe Profite durch den Ausbruch einer Wirtschaftskrise, durch hohe Geldentwertung, auf Grund steuerliche Maßnahmen, durch revolutionäre Bewegungen oder aus anderen Gründen bedroht sind.

Kapitalgesellschaft: für den Kapitalismus typische Form der rechtsfähigen Handelsgesellschaft, für deren Verbindlichkeiten nur das Gesellschaftsvermögen haftet; von besonderer Bedeutung für die ungehemmte Konzentration und Zentralisation des Kapitals. Kapitalgesellschaft sind zum Beispiel Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Siehe auch Personalgesellschaft.

Kapitalisierung: Bildung von fiktivem Kapital, indem eine regelmäßige Einkommensquelle auf der Grundlage des geltenden langfristigen Zinsfußes als gedachte Kapitalgröße errechnet und in Form von Wertpapieren (Aktien, Obligationen) auf dieser Grundlage gehandelt wird. Die Größe dieses fiktiven Kapitals (F) hängt von der Größe des als Profit, Rente, Dividende o. ä. erzielten regelmäßigen Einkommens (E) und dem langfristigen Zinsfuß (Z1) ab: F = E Die Kapitalisierung verschleiert die Ausbeutung der Lohnarbeiter durch die Kapitalisten, die die Quelle allen Mehrwerts ist.

Kapitalismus: ökonomische Gesellschaftsformation, die auf dem kapitalistischen Eigentum an Produktionsmitteln und auf der Ausbeutung der Lohnarbeiter durch die Kapitalisten beruht; historisch letzte Ausbeutergesellschaft. Das ökonomische Bewegungsgesetz des Kapitalismus ist das Mehrwertgesetz (ökonomisches Grundgesetz des Kapitalismus). Der Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der kapitalistischen Aneignung ihrer Ergebnisse bildet den Grundwiderspruch des Kapitalismus Der daraus hervorgehende Konkurrenzkampf und die Anarchie der Produktion haben periodische Wirtschaftskrisen, Kriege und erbitterte Klassenkämpfe zur Folge. Die Entwicklung des Kapitalismus bedeutet einerseits wachsende Konzentration ökonomischer und politischer Macht in den Händen weniger Kapitalisten (Gesetz der Konzentration und Zentralisation des Kapitals) und andererseits zunehmende soziale Existenzunsicherheit der arbeitenden Menschen. Der Klassenkampf zwischen den beiden Grundklassen des Kapitalismus, der Bourgeoisie (die Eigentümer der Produktionsmittel und die ökonomisch und politisch herrschende Klasse ist) und dem Proletariat (Arbeiterklasse, Klasse der kapitalistischen Lohnarbeiter) erwächst gesetzmäßig aus dem Kapitalverhältnis und ist ein charakteristischen Grundzug der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Der Kapitalismus entstand mit der Entfaltung der einfachen Warenproduktion, der Entwicklung der Naturwissenschaften (insbesondere der Technik), des Welthandels und des Handelskapitals im Schoße des Feudalismus. Erste Ansätze fanden sich in Westeuropa bereits im 14./15. Jahrhundert Von entscheidender Bedeutung für die Geburt des Kapitalismus war die ursprüngliche Akkumulation des Kapitals. Der Kapitalismus hat verschiedene Entwicklungsstufen durchlaufen. Der Frühkapitalismus war gekennzeichnet durch die auf handwerkliche Technik beruhende kapitalistische Manufaktur. Es war jenes Stadium, in dem sich der Kapitalismus gegenüber der niedergehenden feudalen Produktionsweise auf allen Gebieten der Wirtschaft durchzusetzen begann. Die industrielle Revolution, die im letzten Drittel des 18. Jahrhundert begann, schuf mit der Herausbildung der Maschinerie die Grundlagen für den Übergang zum Kapitalismus der freien Konkurrenz. Es entstand das kapitalistische Fabriksystem; Arbeitsproduktivität und kapitalistische Vergesellschaftung der Arbeit entwickelten sich rasch. Die Entwicklung des Kapitalismus im 19. Jahrhundert war von einer außerordentlichen Verschärfung der kapitalistischen Ausbeutung und des Klassenkampfes zwischen Bourgeoisie und Proletariat begleitet. Die wachsende Konzentration und Zentralisation der Produktion, des Kapitals und der Arbeitskräfte in Großbetrieben führte Ende des 19. Jahrhundert gesetzmäßig zur Ablösung des Kapitalismus der freien Konkurrenz durch den Imperialismus. Er ist das letzte und höchste Stadium des Kapitalismus Seinem historischen Platz nach ist er monopolistischer, faulender oder parasitärer und sterbender Kapitalismus Als Entwicklungsphase des Imperialismus bildete sich in den entwickelten kapitalistischen Ländern in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhundert endgültig der staatsmonopolistische Kapitalismus heraus. Der Kapitalismus «hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle gespielt» (Marx/Engels); er hat zu einem gewaltigen Aufschwung der Produktivkräfte geführt, die Produktion in hohem Grade vergesellschaftet, die Mehrarbeit zur Massengewohnheit gemacht und nicht zuletzt das Proletariat hervorgebracht. Im Imperialismus schlägt diese Rolle des Kapitalismus um in Parasitismus. Die kapitalistischen Produktionsverhältnisse werden zur Fessel für die Entwicklung der Produktivkräfte, zum Hindernis für den gesellschaftlichen Fortschritt und zunehmend zur Gefahr für die physische Existenz der menschlichen Gesellschaft und müssen daher beseitigt werden. Der Kapitalismus wird gesetzmäßig vom Sozialismus abgelöst (historische Mission der Arbeiterklasse). Das ist ein komplizierter und langwieriger historischer Prozess, der mit der Großen sozialistischen Oktoberrevolution 1917 in Russland eingeleitet wurde und sich in mannigfaltigen revolutionären Formen vollzieht. Siehe auch allgemeine Krise des Kapitalismus.

Kapitalist, Bourgeois (französisch germanisch): Eigentümer von Kapital, Angehöriger der herrschenden Grundklasse der kapitalistischen Gesellschaft, der Bourgeoisie, beutet die bei ihm beschäftigten Lohnarbeiter aus, das heißt er eignet sich deren Mehrarbeit als Mehrwert unentgeltlich an. entsprechend ihrem Platz im gesellschaftlichen Reproduktionsprozess wird zwischen industriellen, Handels- und Bankkapitalist unterschieden. Mit dem Imperialismus verwandelt sich ein großer Teil der Kapitalist in Aktionäre und Finanzkapitalist, die keine produktive Funktion mehr ausüben. Die Kapitalisten haben sich damit in eine für die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Produktion überflüssige, parasitäre Klasse verwandelt.

kapitalistisches Eigentum: höchste Form des Privateigentums an den Produktionsmitteln und ökonomische Grundlage für die Ausbeutungsverhältnisse und die Mehrwertproduktion im Kapitalismus. Es ist dadurch charakterisiert, dass sich die Produktionsmittel in den Händen weniger Kapitalisten befinden und die Arbeiter gezwungen sind, ihre Arbeitskraft als Ware an die Besitzer der Produktionsmittel zu verkaufen. Im Kapitalismus der freien Konkurrenz existiert das kapitalistische Eigentum als privatkapitalistische Eigentum. Mit dem Übergang zum Imperialismus entwickelte es sich zum monopolkapitalistischen Eigentum, das die Grundlage für die Herrschaft der Monopole bildet.

Kapitalkreislauf: der Bewegungsprozess des industriellen Kapitals, den es zum Zwecke seiner Verwertung, das heißt zur Produktion und Aneignung von Mehrwert durchmacht. Der Kapitalkreislauf durchläuft nach- und nebeneinander 3 Formen: Geldkapital (G), das zum Kauf von Produktionsmitteln und Arbeitskräften dient und sich bei diesem Kauf in produktives Kapital verwandelt, das heißt eine Form annimmt, in der der Produktionsprozess (...P...) einschließlich der Mehrwertbildung durch Ausbeutung der Arbeitskraft (Ak) abläuft. Dabei entsteht das Warenkapital (WO, in dem der Mehrwert bereits enthalten ist. Der Kapitalkreislauf ist erst in dem Moment geschlossen, in dem durch Verkauf der Waren der in ihnen enthaltene Wert wiederum als Geldkapital, aber um den produzierten Mehrwert vergrößert (GO, realisiert wird. Der Kapitalkreislauf zeigt die erweiterte Reproduktion des Kapitals an.

Kapitalmarkt: im Kapitalismus Sphäre des Handels mit längerfristigem Leihkapital. Gehandelt werden auf dem Kapitalmarkt außerdem Wertpapiere wie Aktien, Obligationen, Staatsschuldscheine, Pfandbriefe sowie Darlehen, Hypotheken und so weiter

Kapitalminimum: kleinste Kapitalmenge, die angewendet werden muss, um im Konkurrenzkampf bestehen zu können. Das Kapitalminimum wächst mit der Entwicklung der Produktivkräfte. Das steigende Kapitalminimum beschleunigt die Ruinierung der kleinen Kapitale und ihre Zentralisation besonders in Aktiengesellschaften, wodurch die Herrschaft der Monopole über die kleinen Kapitale erweitert wird. Das steigende Kapitalminimum kann heute selbst von den Monopolen oft nur durch staatliche Unterstützung sowie durch Zusammenschluss zu internationalen Supermonopolen aufgebracht werden.

Kapitalrentner: Besitzer von Wertpapieren (zum Beispiel Aktien) und Leihkapitalisten, die im Wesentlichen von den Erträgen ihres verliehenen oder in Wertpapieren angelegten Kapitals leben, die sich von der Leitung der kapitalistischen Unternehmen zurückgezogen und diese Managern übertragen haben; eine typische Erscheinung des Imperialismus.

Kapitalschrift, Capitalis: nur aus gleichhohen Großbuchstaben bestehende lateinische Schrift.

Kapitalschutzabkommen, Investitionsschutzabkommen: von den Kapitalexporteuren angestrebte rechtliche Sicherung ihrer Investitionen und Beteiligungen im Ausland, insbesondere gegen Nationalisierungen, für ungehinderten Profittransfer in Form völkerrechtlich bindender Staatsverträge.

Kapitalverflechtung: Form der Monopolbildung durch Zusammenschluss mehrerer kapitalistischer Unternehmen oder gegenseitige Kapitalbeteiligung; wichtigste Form der Zentralisation von Kapital, die die Vergesellschaftung der Produktion auf kapitalistischen Grundlage vorantreibt. Kapitalverflechtung erfolgt am häufigsten durch Austausch oder Ankauf von Aktien sowie durch Gründung gemeinsamer Tochtergesellschaften. Es gibt 2 Grundformen:

a) die Horizontalverflechtung (Zusammenschluss technologisch beziehungsweise Erzeugnis mäßig gleichartiger Betriebe) und

b) die Vertikalverflechtung (Zusammenschluss von Betrieben mit technologisch aufeinander folgenden Produktionsstufen). Die Kapitalverflechtung ist meist mit gegenseitiger personeller Verflechtung und häufig auch mit einem Zusammenwirken im Ausbeutungsprozess sowie mit Preisvereinbarungen und anderen Absprachen verbunden.

Kapitalvernichtung: besonders krasse Form der Kapitalentwertung, zum Beispiel Brachlegen von produktivem Kapital (Maschinen, Anlagen), Unverkäuflichkeit von Warenbeständen, Vernichtung von unabsetzbaren Lebensmitteln. Die Kapitalvernichtung nimmt besonders in Kriegen (physische Kapitalvernichtung) und Wirtschaftskrisen große Ausmaße an, die zu einer wesentlichen Verschlechterung der Lage der Werktätigen führen.

Kapitalvorschuss: die zum Betreiben eines kapitalistischen Unternehmens erfordert., vom Kapitalisten zur Errichtung von Gebäuden und Anlagen, zum Kauf von Maschinen und Rohstoffen sowie zur Zahlung von Löhnen zunächst vorzuschießende Geldsumme, die nach Verkauf der produzierten Waren um den Mehrwert vergrößert zu ihm zurückfließt. Die Größe des Kapitalvorschuss ist von den technischen Bedingungen des betreffenden Produktionszweiges abhängig und steigt mit der technischen Entwicklung.

Kapitalwanderung: Verlagerung von Kapital von einer Anlagesphäre in eine andere mit günstigeren Profitmöglichkeiten. Die Konkurrenz um die günstigste Anlagesphäre lässt das Kapital ständig in die Volkswirtschaftsbereiche mit den höchsten Profiterwartungen fließen. Über die Kapitalwanderung setzt sich in der kapitalistischen Wirtschaft der Strukturwandel mit großen Volkswirtschaft!. Verlusten durch. Auch die Versuche, mittels staatsmonopolistischer Regulierung die Kapitalwanderung zu steuern, können Strukturkrisen nicht verhindern.

Kapitän: 1. Führer eines Seeschiffes.

2. Sport: Mannschafts-, Spielführer; hat besondere Aufgaben und Rechte.

Kapitanie: (portugiesisch spanisch, «Statthalterschaft») 1. im portugiesischen Kolonialsystem zunächst erblichen Feudalbesitz, danach administrativ-territoriale Einheit.

2. Kapitanie, Generalkapitanie: im spanischen Kolonialsystem Gebiet, das gesonderter Militärverwaltung unterstand (zum Beispiel Generalkapitanie Chile).

Kapitel: allgemein Abschnitt eines Buches.

2. a) Abschnitt aus der Klosterregel;

b) in Klöstern Versammlungsraum (Kapitelsaal) für die tägliche Verlesung eines Kapitel (2 a);

c) Versammlung des Klosters oder Ordensverbandes (General-, Lokalkapitel).

Kapitell, Kapital: Kopfstück einer Säule, eines Pfeilers oder Pilasters, das zwischen Stütze und Last vermittelt und zu einem Hauptträger wandlungsreichster Bauornamentik wurde. Die ägyptische Baukunst kennt das Pflanzen-Kapitell, in der griechischen Kunst werden entsprechend den 3 Säulenordnungen das dorische, ionische und korinthische Kapitellen unterschieden. In der römischen Kunst entsteht das Kompositkapitell aus der Verbindung des ionischen mit dem korinthischen Kapitell. Die byzantinische Baukunst entwickelte das sogenannt Kämpfer-Kapitell, das Trapez-Kapitell, das Falten-Kapitell und das Korb-Kapitell Nach dem romanischen Würfelkapitell geht die Spätromanik wieder zu weniger massigen (Kelchblock-Kapitell) und reicher verzierten Kapitellformen über (Figuren-Kapitell). Schlanker sind die Kapitell des Übergangsstils und der Frühgotik (Kelch-Kapitell, Knollen- oder Knospen-Kapitell). In der Gotik herrscht fast ausschließlich das Blatt-Kapitell mit realistischen oder stilisierten Pflanzenformen. Die Renaissance hat die antiken Kapitellformen wieder aufgenommen.

Kapitolinische Spiele: (zu «Kapitol») antike römische athletische und musische Festspiele, im Jahre 86 nach Christus von Kaiser Domitian begründet.

Kapitolinische Wölfin: von einem etruskischen Erzgießer geschaffene spätarchaische Bronzefigur einer stehenden Wölfin, die sich im Konservatoren Palast auf dem Kapitol in Rom befindet; stellt die Ziehmutter der mythischen Stadtgründer Romulus und Remus dar, welche aber wahrscheinlich ursprünglich nicht mit dargestellt waren, sondern dem heraldischen Tier erst in der Renaissance beigefügt wurden.

Kapitulant: jemand, der bei Schwierigkeiten schnell den Kampf aufgibt, zurückweicht.

Kapitularien: in lateinischer Sprache erlassene Gesetze und Verordnungen der fränkischen Herrscher (seit 779), benannt nach ihrer Einteilung in «Kapitel». Kapitularien wurden für alle Bereiche des öffentlichen Lebens herausgegeben; sie sind wichtige historische Quellen für die Beurteilung der Sozial-, Wirtschafts-, Verwaltungs- und Militärgeschichte des fränkischen Großreichs.

Kapitulation: Einstellung der Kampfhandlungen durch die besiegten Streitkräfte eines Staates oder durch Teile von ihnen zu Bedingungen, die der Sieger einseitig festsetzt (bedingungslose Kapitulation) oder die zwischen den Befehlshabern der entsprechenden militärischen Formationen beider Staaten vereinbart werden. Die Kapitulation erfolgt durch Unterzeichnung einer Kapitulationsurkunde\ es folgt die Entwaffnung und Gefangennahme der kapitulierenden Truppen.

Kapitulationen: ursprünglich europäischen Staaten vom türkischen Sultan gewährte Handelsvergünstigungen; dann von europäischen Staaten und den USA Ländern des Ostens aufgezwungenes Regime weitgehender Beschränkungen ihrer Souveränitätsrechte (zum Beispiel Inanspruchnahme von Sonderrechten wie Ausschaltung der Gerichtsbarkeit des Aufenthaltsstaates, Unterhaltung von Militärstützpunkten, Ausbeutung der Naturreichtümer). Die Sowjetmacht annullierte alle vom Zarismus aufgezwungenen Kapitulationen, während zum Beispiel die USA und Großbritannien noch bis 1943 an Kapitulationen gegenüber China festhielten. Kapitulationen sind nach geltendem Völkerrecht rechtswidrig.

Kaplan: ursprünglich Geistlicher an einer Kapelle; jetzt Hilfsgeistlicher, besonders in der katholischen Kirche.

Kaplan: 1. Kaplan, Anatoli Lwowitsch (eigentlich Tankhum Lewikowitsch), 28.12. 1902-3. 7. 1980, sowjetischer Graphiker und Maler; Hauptthema seines Schaffens ist die jüdische Folklore, die er in malerisch aufgefassten Lithographien, Pastellen, Gouachen sowie Zeichnungen und Keramiken, sozial und psychologisch fein charakterisierend, in großen Folgen und Illustrationen, besonders zu Scholem Alejchem, gestaltet; zuletzt auch Radierungen und Kleinplastiken.

2. Kaplan, Viktor, 27.11. 1876-23.8. 1934, österreichischer Maschinenbauingenieur; seit 1913 Professor in Brünn (Brno); erfand 1912 die nach ihm benannte Wasserturbine.

Kaplanturbine: (nach V. Kaplan) Wasserpropellerturbine mit 5 bis 8 während des Laufes verstellbaren flügelförmigen Laufradschaufeln bei axialer Wasserzuführung; besonders geeignet für große Wassermengen bei geringer Fallhöhe (etwa 3 bis 75 m).

Kaplicky, Vaclav, geboren 28.8.1895, tschechischer Epiker; gestaltete in vielen historischen Romanen, wie «Die Republik der Taboriten» (1969), «Zu Recht befunden» (1971, deutsch), «Das große Theatrum» (1977), Motive aus der tschechischen Geschichte des 16. bis 19. Jahrhundert.

Kapodistrias, Ioannis-Antonios, 11.2.1776 bis 9.10.1831, griechischer Staatsmann; 1800/22 in russischen militärischen und diplomatischen Diensten; unterstützte danach von der Schweiz aus den nationalen Befreiungskampf der Griechen 1821/29; am 11.4. 1827 zum Präsidenten des griechischen Freistaates ernannt; 1831 von den sogenannt Liberalen ermordet.

Kapok, Bombaywolle: Naturfaser aus der Fruchtwand tropische Wollbäume, besonders des Kapokbaumes (Ceiba pentandra); spezifisch sehr leichte Faser mit großem luftgefülltem Lumen (Hohlraum); für Polster und Schwimmwesten.

Kaposvar: Stadt im Süden Ungarns, Verwaltungszentrum des Bezirkes Somogy, am Kapos; 73000 Einwohner; vielseitige Verarbeitungsindustrie; Hochschule, Theater, Museum, Thermalbad.

Kapotte: 1. kleiner, hochsitzender Frauenhut des 19. Jahrhundert, zum Teil mit Bändern unter dem Kinn gebunden.

2. ältere Bezeichnung für langen Herrenmantel mit Kapuze.

Kapowa-Höhle, Kapowaja-Höhle: im Südural gelegene Fundstätte von Höhlenmalereien (Bilder von Mammut und Nashorn) aus der jüngeren Altsteinzeit; 1959 von A. W. Rjumin entdeckt, ab 1960 von Otto N. Bader wissenschaftlich ausgewertet.

Kappe: 1. Baukunst: Gewölbefläche, die sich aus der Durchdringung von Tonnengewölben ergibt oder die zwischen gotischer Rippen gespannt ist. Stichkappe sind die in ein Tonnengewölbe einschneidenden Kappen über einem Rund- oder Spitzbogenfenster.

2. Schuhherstellung: Versteifungsteil für die Schuhspitze (Vorderkappe) und die Fersenpartie (Hinterkappe) zur Formerhaltung.

Kappel: Gemeinde in der Schweiz (Kanton Zürich); 600 Einwohner; gotische Klosterkirche der ehemaligen Zisterzienserabtei (14. Jahrhundert). Bei Kappel fanden 1529 und 1531 die entscheidenden Auseinandersetzungen in den beiden Kappeler Kriegen zwischen den katholischen und evangelischen Kantonen statt. Im zweiten Kappeler Krieg unterlag Zürich am 11.10. 1531 (Tod Zwinglis).

Kapp-Putsch: konterrevolutionärer Staatsstreich (13./17.3.1920). Der Kapp-Putsch, inszeniert von W. Kapp, Reichswehrgeneral W. Freiherr von Lüttwitz, General E. Ludendorff, W. Pabst unter anderem, zielte auf die Beseitigung der in der Novemberrevolution errungenen politischen und sozialen Rechte der Werktätigen durch Errichtung einer Militärdiktatur im Interesse von Monopolkapital und Junkertum ab. Die Reichsregierung leistete keinen Widerstand und floh nach Dresden, von dort nach Stuttgart. Durch einen Generalstreik (13./18. 3., 12 Millionen Teilnehmer) und bewaffnete Kämpfe (Rote Ruhrarmee) konnte die einheitlich handelnde Arbeiterklasse den Kapp-Putsch niederwerfen. Die KPD forderte die Sicherung dieses Sieges durch die Bildung einer Arbeiterregierung, Bestrafung der Putschisten, Bewaffnung des Proletariats; die rechten SPD- und Gewerkschaftsführer spalteten jedoch die Kampffront (Bielefelder Abkommen) und brachen den Generalstreik ab. Der Sieg über den Kapp-Putsch bewies die gewaltige Kraft der Aktionseinheit der Arbeiterklasse.

Kapprovinz: Provinz der Republik Südafrika, an der Südspitze Afrikas; 721001 km2, 6,7 Millionen Einwohner; 9 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Kapstadt. umfasst eine wellige, von Inselbergen überragte und großenteils vom Oranje entwässerte Hochfläche (Veld), die von der schmalen Küstenebene durch die Große Randstufe (bis 2 504 m) mit Oberer, Großer und Kleiner Karru getrennt ist. Im Inneren trockenes (Grasland), am Gebirgsabfall zur Küste wechselfeuchtes subtropisches Klima (mediterrane Vegetation). Vielseitige Verarbeitungsindustrie, zu 90% in und um Kapstadt, Port Elizabeth, Uitenhage und East London konzentriert; Bergbau (Diamanten, Platin, Mangan, Asbest). Im Küstenbereich Anbau von Weizen, Mais, Obst, Wein, Südfrüchten, im Innern extensive Viehzucht (Schafe, Rinder), am Oranje bei Bewässerung umfangreicher Weinbau.

Kappsturz: einem Deichbruch häufig vorausgehendes Abrutschen der Deichkrone (Kappe) bei Hochwasser.

Kapr, Albert, geboren 20.8.1918, Buchkünstler; seit 1951 Professor für Schrift und Buchgestaltung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, deren langjähriger Rektor er war; hervorgetreten als Buch- und Schriftgestalter und als Fachschriftsteller; maßgeblich an der Herausbildung der sozialistischen Buchkultur in der DDR beteiligt.

Kaprice: 1. allgemeine Laune, Grille, wunderlicher Einfall.

2. Musik: soviel wie Capriccio.

Caprinsäure: eine Fettsäure der Formel C9H19COOH. Caprinsäure bildet farblose, weiche, wasserunlösliche Kristalle; F31,5°C; Kp 266 bis 268 °C. Die Salze und Ester heißen Caprinate.

Kapriole: 1. allgemein Luftsprung; verrückter Einfall.

2. Pferdesport: Figur der Hohen Schule; senkrechter Hochsprung des Pferdes aus dem Stand, wobei die Hinterbeine in der Luft nach hinten ausschlagen.

kapriziös: (französisch italienisch) eigenwillig; launenhaft.

Kaprolaktam, Caprolactam: eine weiße, kristalline, wasserlösliche Substanz von schwachem Geruch; F 70 °C; Kp 139°C. Kaprolaktam wird in der Technik mehrstufig aus Benzol oder Phenol gewonnen und zur Herstellung von Polyamid Faserstoffen und -plasten verwendet.

Kapronsäure, Capronsäure: eine niedere Fettsäure. Kapronsäure ist eine ölige, unangenehm schweißartig riechende, wenig wasserlösliche Flüssigkeit; Kp 205,3 °C; die Salze und Ester heißen Kapronate.

Kapruner Tal: österreichisches Hochalpental an der Nordseite der Glocknergruppe, rechtes Seitental der Salzach mit ausgeprägten Talstufen (Wasserfälle); Nutzung der Wasserkräfte der Kapruner Ache durch das Tauernkraftwerk Glockner-Kaprun (2 Kraftwerke); Stauseen auf dem Moserboden (2036 m über dem Meeresspiegel) und dem Wasserfallboden (1672 m über dem Meeresspiegel); Zufuhr von Gletscherwasser der Pasterze und der Möll durch 11,6 km langen Tunnel; am Talausgang Dorf Kaprun unterirdische Hochgebirgsbahn durch 3,3 km langen Tunnel zum Gletscherplateau unterhalb des Kitzsteinhorns.

Caprylsäure, eine niedere Fettsäure der Formel C7H15COOH. Caprylsäure ist farblos, wasserunlöslich und riecht unangenehm; F 16,7°C; Kp 239,7°C; die Salze und Ester heißen Caprylate. Kester dienen als Weichmacher.

Kapsaizin, Capsaicin: der Wirkstoff der Paprika. Kapsaizin bildet farb- und geruchlose, wenig wasserlösliche, brennend scharf schmeckende Kristalle der Formel C18H2703N; F64 bis 65°C; Anwendung für hautreizende Pharmaka.

Kapsel: 1. Kapsel, Capsula - Anatomie: bindegewebige Umhüllung von Organen oder Gelenken.

2. Pharmazie: Umhüllung aus Stärke, Gelatine oder anderen verdaulichen Stoffen für feste oder flüssige Arzneimittel; sie erleichtert das Einnehmen schlecht schmeckender und ermöglicht das Einnehmen magensaftempfindliche Substanzen. Bei Zerbeißkapseln wird der Wirkstoff durch die Mundschleimhaut aufgenommen.

Kapstadt, afrikaans Kaapstad, englisch Cape Town: Stadt, Verwaltungszentrum der Kapprovinz und Parlamentssitz der Republik Südafrika, an der Tafelbai (Atlantischen Ozean), am Fuß des Tafelbergs (1090 m); 990000, mit Vororten 1,1 Millionen Einwohner; Industriezentrum mit vielseitiger Schwer- und Leichtindustrie; wichtigster südafrikanischer Hochseehafen, internationaler Flughafen; Universität; Theater, Philharmonie, Museen, Observatorium, botanischer Garten, Zoo; Fort (1666). Am Stadtrand Gettos der unterdrückten nichtweißen Bevölkerung (Apartheid).

Kaptation: (lateinisch) Erschleichung.

Kaption: (lateinisch) verfängliche Frage.

Kaptivität: (lateinisch) Gefangenschaft, Haft, Zwang.

kaputt: (französisch) entzwei, zerbrochen; zugrunde gerichtet, bankrott; müde, erschöpft.

Kapuze: den Kopf umhüllende Bedeckung, an das Kleidungsstück direkt angeschnitten oder angenäht (Anorak, Kutte, Mantel).

Kapuziner: (italienisch, nach ihrer Tracht (Kutte mit Kapuze)) Abzweigung des katholischen Franziskanerordens; 1525 gegründet, beteiligte sich an der Gegenreformation; lateinischer Name: Ordo Fratrum Minorum Capucinorum, Abkürzung O.F.M. Cap.

Kapuzineraffen, Cebus: Gattung südamerikanischer Rollschwanzaffen mit voll behaartem Schwanz, der als Greif- und Stützorgan verwendet wird, sowie kapuzenartigem Haarschopf; in den mittelamerikanischen Wäldern lebt der Weißschulteraffe (Cebus capucinus).

Kapuzinerkresse, (nach ihrer kapuzenartigen Blüte) Tropaeolum: südamerikanische Gattung meist kletternder Kräuter der Kapuzinerkressen Gewächse mit schildförmigen Blättern und gespornten gelben bis roten Blüten; Zierpflanze.

Kap Verde, Kap Vert (französisch, beide «Grünes Vorgebirge»): Halbinsel in Senegal, an der Westküste Afrikas, mit dem Westkap; unmittelbar daneben westlichster Punkt Afrikas bei 17°34' westlicher Länge (Pointe des Almadies)-, auf der Südwestspitze liegt Dakar.

Kapverden, Republik der Kapverden. Staat auf den Kapverdischen Inseln im Atlantischen Ozean, etwa 600 km vor der Küste Westafrikas. Von der Bevölkerung sind 74% Mulatten, 23% Schwarzafrikaner, 3% Europäer. Amtssprache ist Portugiesisch. Währung ist der Escudo. Natur. Die Kapverdische Inseln bestehen aus 2 Inselgruppen mit 10 größeren (Santiago, Santo Antao, Boa Vista (620 km2), Fogo, Sao Nicolau, Maio (269 km2), Sao Vicente, Sal, Brava (64 km2), Santa Lucia (35 km2)) sowie 5 kleineren Inseln und sind vulkanische Entstehung. Auf der Insel Fogo der tätige Vulkan Pico de Fogo (2 829 m). Es herrscht tropisches, niederschlagsarmes Wechselklima. Durch Entwaldung in kolonialer Zeit sind die Inseln weithin kahlische Wirtschaft. Die Kapverden sind durch lange portugiesische Kolonialherrschaft ein äußerst rückständiges Agrarland ohne nennenswerte Industrie. Etwa 80% der erwerbstätigen Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Nur 10% der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind erschließbar, nur 2000 ha können bewässert werden. Trockenheit und Bodenerosion verursachten starke Schäden. Etwa 95 % der benötigten Lebensmittel müssen importiert werden. Im Mittelpunkt der Entwicklung einer nationalen Wirtschaft stehen die Landwirtschaft (Bau von Brunnen, Deichen, Bekämpfung der Bodenerosion durch Aufforstung), der Aufbau einer eigenen industriellen Basis, die Erweiterung des Fischfangs und der Ausbau des Transportwesens. Im Zuge einer Bodenreform wurden die großen Plantagen nationalisiert sowie Staatsfarmen und Genossenschaften gegründet. Größte wirtschaftliche Bedeutung haben der Anbau von Mais, Hirse, Bananen und Maniok, die Küstenfischerei, Meersalzgewinnung, Fischverarbeitung und die Dienstleistungen im Transatlantikverkehr (Hochseehafen Mindelo, internationaler Flughafen auf der Insel Sal). Ausfuhr von Fisch, -Produkten und Salz. Haupthandelspartner sind Portugal und Angola. Staatliches. Die Kapverden bilden eine Republik, deren Staatsoberhaupt ein gewählter Präsident ist. Gesetzgebendes Organ ist die Nationale Volksversammlung. Die Regierung steht unter der Leitung des Ministerpräsidenten. Staatsoberhaupt, Regierungsmitglieder und alle Abgeordneten gehören der einzigen, die Regierungsgewalt ausübenden Partei an. Parteien und Massenorganisationen. Einzige politische Partei ist die am 20.1.1981 gegründete Afrikanische Unabhängigkeitspartei der Kapverden (portugiesisch Abkürzung PAICV). Sie ist aus der afrikanischen Unabhängigkeitspartei Guineas und der Kapverden (portugiesisch Abkürzung PAIGC) hervorgegangen, die seit ihrer Gründung 1956 den Kampf der Völker von Guinea- bissau und der Kapverden für Unabhängigkeit und sozialen Fortschritt geführt hatte. Massenorganisationen der Werktätigen, der Jugend und der Frauen sind im Aufbau. Einheitliche Gewerkschaftszentrale ist der Nationale Verband der Werktätigen der Kapverden Gewerkschaftszentrale (portugiesisch Abkürzung UNTC-CS) gegründet 1978; er gehört dem WGB und der OATUU an. Geschichte. Bis zum Eindringen der Europäer unbewohnt, wurden die Kapverdischen Inseln 1466 von den Portugiesen entdeckt, 1495 zu einer portugiesischen Kolonie erklärt und seit 1862 mit portugiesischen Sträflingen und Sklaven aus Senegal und Guinea besiedelt. 1951 wurden die Kapverden in eine sogenannte portugiesische Übersee Provinz umgewandelt. Seit 1956 stand die Afrikanische Unabhängigkeitspartei Guineas und der Kapverden (portugiesisch Abkürzung PAIGC) an der Spitze der nationalen Befreiungsbewegung. Ihr Kampf und der Sturz des faschistischen Regimes in Portugal führten am 20.12.1974 zu einem Abkommen zwischen der portugiesischen Regierung und der PAIGC über die Gewährung der Unabhängigkeit. Nach der Einsetzung einer Übergangsregierung am 26.12.1974 und Wahlen zur Konstituierenden Versammlung am 30.6.1975, in denen sich 92,2% der Wähler für die PAIGC entschieden, wurden am 5.7.1975 die Unabhängigkeit und die Republik der Kapverden proklamiert. Der 3. Parteitag der PAIGC im November 1977 sprach sich für eine sozialistisch orientierte Entwicklung der Kapverden und die schrittweise Vereinigung mit Guinea- bissau aus. Nach den Ereignissen in Guinea- bissau vom November 1980 konstituierte sich der kapverdische Teil der PAIGC am 20.1.1981 zu einer selbständigen Partei, der afrikanischen Unabhängigkeitspartei der Kapverden (portugiesisch Abkürzung PAICV).

Kap-York-Halbinsel: überwiegend von Gras und Eukalyptusbüschen bewachsene Halbinsel im Nordosten Australiens (Queensland), an der Torresstraße, zwischen Carpentariagolf und Korallensee; ihre Nordspitze ist Kap York, der nördlichste Punkt Australiens (10°41' südliche Breite); Bauxitlager (Weipa).

Kar, Botn (norwegisch; Botner): sesselartige Hohlform mit steilen Seiten- und Rückwänden an Talenden und Hängen in ehemals oder rezent vergletscherten Gebirgen; der Karboden ist vielfach durch Exaration übertieft und wird häufig von einem Karsee erfüllt, der talwärts durch die flache Karschwelle abgeriegelt wird.

Karabük: Stadt im Norden der Türkei, im Westteil des Pontischen Gebirges; 85000 Einwohner; Eisen- und Stahlwerk, daneben chemische Industrie, Kokerei, Röhrenwerk, Wärmekraftwerk.

Karachi, Karatschi-, größte Stadt (Provinzzentrum) Pakistans, am Arabischen Meer; 5,1 Millionen Einwohner; vielfältige Industrie mit Eisenhütten, Stahlwalzwerk, Werften, Erdölraffinerien, Petrolchemie, Zement-, Textil- und Lebensmittel-, elektrotechnische Industrie, Maschinenbau, Wärme- und Kernkraftwerk; 555 km lange Erdgasleitung aus Sui; internationaler Flughafen, Seehafen; Universität, Museen, botanischer Garten.

Karakorum: (turksprachig, «schwarzes Gestein») 1. Karakorum: schwer zugängliche Faltengebirge in Asien, das im Westen in den Hindukusch, im Osten in den Transhimalaja und das tibetischen Hochland übergeht; etwa 800 km lang; zweithöchstes Gebirge der Erde mit 4 Gipfeln von über 8000 m Höhe, darunter der K 2 mit 8611 m. Vorwiegend aus kristallinem Gestein aufgebaut; schroff geformte Gebirgsmassive, auf 15145 km2 von Firn und Gletschereis bedeckt; stark mit Schutt beladene Talgletscher bis 2900 m über dem Meeresspiegel (Siachen-Gletscher (75 km), Hispar (60 km) und Baltoro (57 km)); Hauptwasserscheide zwischen dem Binnenentwässerungsgebiet des Tarimbeckens und dem Oberlauf des Indus und Quellgebiet von zahlreichen Nebenflüssen des Indus; wenig erschlossen und gering besiedelt.

2. Karakorum, mongolisch Char Chorin: Hauptstadt des mongolischen Weltreichs im 13. Jahrhundert; wurde 1220 von Dschingis-Chan gegründet und von seinem Nachfolger Ögedei 1235 zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum ausgebaut. 1380 wurde Karakorum durch chinesische Truppen zerstört; unweit von Karakorum wurde Erdene Dsuu erbaut.

Karat: (französisch arabisch griechisch) 1. Karat, Zeichen k: Masseeinheit für Edelsteine (früher metrischer Karat); 1 k = 0,2 g, befristet gültig (Termin wird nach Vorliegen internationaler Beschlüsse festgelegt).

2. Maß für den Feingehalt von Gold in Legierungen: 24 Karat = 1000%o, 1K. = 41,67 %o reines Gold.

Karate: (japanisch, «leere Hand») japanisches (ursprünglich chinesisches) Zweikampfsystem, bei dem mit Extremitäten Schläge beziehungsweise Stöße gegen empfindliche Körperstellen des Gegners geführt und kurz vor dem Ziel gestoppt werden; Punktwertung.

Karausche, Carassius carassius: bis 45 cm langer, hochrückiger Karpfenfisch langsam fließender und stehender Gewässer Eurasiens.

Karavelle: meist dreimastiges Segelschiff des 15. Jahrhundert in Kraweelbauweise, im südwesteuropäischen Raum, ursprünglich mit Latein-, später mit Rahsegeln.

Karawane: durch unbewohnte Gebiete (Wüsten) reisende Gruppe von Kaufleuten, Forschem oder Pilgern, besonders in Asien und Afrika.

Karawanken: Gruppe der südlichen Kalkalpen an der österreichisch-jugoslawische Grenze, zwischen Drau und Save; mit dem 2238 m hohen Hochstuhl (slowenisch Stol) Hochtäler in 900 bis 1000 m Höhe; niederschlagsreich; Buchenwälder; Streusiedlungen; Waldwirtschaft, Schafzucht; Mineralquellen; Fremdenverkehr; von der Karawankenbahn Klagenfurt-Ljubljana im 8016 m langen Karawankentunnel unterfahren; Passstraßen, Straßentunnel (7670 m) im Bau.

Karawanserei: Rast- und Übernachtungsstation für Karawanen mit Räumlichkeiten für Menschen und Tiere.

Karawelow, Ljuben, um 1834-2.2.1879, bulgarischer Schriftsteller, Publizist; schulte sich an den russischen revolutionären Demokraten; führender Vertreter der bulgarischen nationalen Befreiungsbewegung gegen die osmanische Fremdherrschaft; begründete mit seinen Erzählungen (Hauptwerk «Bulgaren der alten Zeit», 1872, deutsch) die bulgarische realistische Prosa.

Carbachol: Carbaminsäureester des Cholins; chemisch ist es eine quartäre Aminoverbindung. Carbachol wirkt erregend an der glatten Muskulatur und wird deshalb vorwiegend bei Darm- und Blasenatonien verwendet.

Karbala, Kerbela: Stadt (Provinzzentrum) in Irak, südwestlich von Bagdad; 110000 Einwohner; zentrale Wallfahrtsstätte der Schiiten mit dem Hauptheiligtum, der Grabmoschee des Hussain ibn Ali, der am 10. 10. 680 im Kampf gegen den Kalifen Jazid I. den Tod gefunden hatte. Dieses Ereignis wird jährlich als schiitischer Trauertag begangen.

Karbamidsäure, (Kurzwort für Carbon + Amid + Säure) Carbamidsäure, früher Karbaminsäure: das frei nicht beständige Monoamid der Kohlensäure; Formel H2N-CO-OH. Die Salze (Carbamate) und Ester (Urethane) der Karbamidsäure sind beständig.

Karbatsche: aus Riemen geflochtene Peitsche.

Karbazol, Carbazol: eine trizyklische Verbindung mit einem fünfgliedrigen heterozyklischer Ring der Formel 6H4 NH 6H4. K, ist eine farblose, kristalline, beim Erhitzen sublimierende Substanz; sie kommt im Steinkohlenteer vor und dient zur Herstellung von Pflanzenschutzmitteln, Plasten und Farbstoffen.

Karbide, Carbide: chemische Verbindungen zwischen Kohlenstoff und einem Metall oder Halbmetall. Die Karbide sind feste Stoffe von salz-, metall- oder diamantartigen Eigenschaften, zum Beispiel Kalziumkarbide (Kalziumverbindungen) und Siliziumkarbide (Siliziumverbindungen).

Karbidkalkhydrat, Nassbinder. nichthydraulische Bindemittel, das bei der Ethin-Herstellung aus Kalziumkarbid als Schlamm anfällt.

Carboanhydrase: in roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Nierenepithelzellen und den Belegzellen der Magenschleimhaut vorkommendes zinkhaltiges Enzym, das die Bildung von Kohlensäure aus Kohlendioxid und Wasser katalysiert. Carboanhydrase ist für den Kohlendioxidtransport im Blut, für die Rückresorption von Hydrogenkarbonat aus dem Harn und für die Bildung der Magensalzsäure von Bedeutung.

Carboanhydrasehemmer: die Kammerwasserproduktion des Auges herabsetzende Arzneimittel.

Karbolineum, Carbolineum: aus Anthracenöl gewonnenes braunes, teerig riechendes Öl. Karbolineum wird zur Bekämpfung von Obstbaumschädlingen und als fäulnishemmendes Holzschutzmittel verwendet.

Karbolsäure, Carbolsäure: älterer Name für Phenol.

Carbon: (lateinisch carbo, «Kohle»)

1. Carbon, Geologie: System des Paläozoikums, früher auch Steinkohlenformation genannt; mit Hilfe von Pflanzen oder Ammoniten in die Abteilungen Dinant (Unteres Carbon) und Siles (Oberes Carbon) gegliedert; Dinant erscheint entweder in kalkiger Fazies (Kohlenkalk) oder in schiefrig-sandiger Fazies (Kulm); reiche Entfaltung der Pflanzenwelt (Bärlappe, Schachtelhalme, Farne, erste Nadelhölzer), besonders im Siles ausgedehnte Moorvegetation (Steinkohlenwälder; Kohle); Weiterentwicklung der Wirbeltiere von Lurchen zu Kriechtieren; Höhepunkt der variszischen Gebirgsbildung. Das Kohleflöz führende Obere Carbon wird produktives Carbon genannt; siehe auch geologische Systeme.

2. Mineralogie: Carbonado.

Carbonate, Carbonats: Salze und Ester der Kohlensäure. Die salzartigen Carbonate spalten beim Erhitzen oder bei Einwirkung von Säuren Kohlendioxid ab. Wichtige Carbonate sind zum Beispiel Kalkstein (CaC03), Soda (Na2C03), Pottasche (K2C03) und Hirschhornsalz (NH4HC03).

Carbondruck: Flächendruck mit einer Spezialdruckfarbe auf die Rückseite von Formularen u. ä., um unter Druckeinwirkung eine Durchschrift ohne Kohlepapier zu ermöglichen.

Carbonisieren: 1. Lebensmitteltechnik: Zusetzen von Kohlendioxid zu Getränken; bei Sättigung unter Überdruck (zum Beispiel bei Schaumwein, Limonade) spricht man auch von Imprägnieren.

2. Textiltechnik: Behandeln von Wolle oder Wollgewebe mit Schwefel-, Salzsäure oder Aluminiumchlorid und anschließendem Erhitzen zum Zerstören pflanzlicher Anteile (Entkletten).

Carbonsäuren, Karbonsäuren: chemische Verbindungen mit 1 (Monocarbonsäuren), 2 (Dicarbonsäuren), 3 (Tricarbonsäuren) oder mehr Karboxylgruppen -COOH im Molekül, zum Beispiel Essigsäure, CH3-COOH, oder Phthalsäure, C6H4(C00H)2. Die Carbonsäuren sind meist schwache Säuren; sie bilden mit Basen und Metallen Salze (Carboxylate), mit Alkoholen Ester. Ist die OH-Gruppe der Karboxylgruppe durch andere Atome oder Gruppen ersetzt, so liegen zum Beispiel Carbonsäureester, R-CO-OR1, Carbonsäureamide, R-CO-NH2, Carbonsäurechloride, R-CO-Cl, oder Carbonsäureanhydride, R-CO-O-CO-R, vor, letztere entstehen formal durch Wasserabspaltung aus 2 Molekülen Carbonsäure. Derivate der Carbonsäuren sind auch die Nitrile, R-C=N. In anderen Abkömmlingen der Carbonsäuren ist der Kohlenwasserstoffrest substituiert. Halogencarbonsäuren vom Typ der Chloressigsäure, enthalten Halogen; Aminocarbonsäuren (Aminosäuren), zum Beispiel Aminoessigsäure, CH2(NH2)-COOH, die Aminogruppe; Hydroxycarbonsäuren, zum Beispiel Milchsäure, die Hydroxylgruppe; Ketocarbonsäuren (Ketosäuren), zum Beispiel Brenztraubensäure, CH3-CO-COOH, die Ketogruppe.

Carbonyle: chemische Verbindungen zwischen Metallen und Kohlenmonoxid. Das farblose, flüssige, sehr giftige Nickeltetracarbonyl, Ni(CO)4, siedet bei 43 °C und wird zur Herstellung von reinem Nickel verwendet. Eisenpentacarbonyl, Fe(CO)s, ist eine gelbe, giftige, in organischen Lösungsmitteln löslicher Flüssigkeit; Kp 102 °C.

Carbonylgruppe, Carbonylgruppe: die Atomgruppierung Z=C=0 in Aldehyden und Ketonen (Carbonylverbindungen). Die in Ketonen enthaltene Carbonylgruppe wird auch als Ketogruppe bezeichnet, während für die in Carbonsäuren enthaltene gleiche Gruppierung gebräuchlicher ist.

Carbonylverfahren: Verfahren zur Gewinnung von Eisen und Nickel hoher Reinheit durch Zerlegung entsprechender Carbonyle.

Karbothermie: metallurgische Verfahrenstechnik, bei der Kohlenstoff als Reduktionsmittel bei hohen Temperaturen benutzt wird (zum Beispiel bei der Roheisengewinnung im Hochofen).

Karboxylgruppe, Carboxylgruppe: die in allen Carbonsäuren enthaltene Atomgruppe meist -COOH geschrieben.

Carboxymethylcellulose, Carboxymethylcellulose: Zellulosederivat, in dem ein Teil der OH-Gruppen durch -0-CH2-C00HGruppen ersetzt sind. Carboxymethylcellulose ist eine weiße, faserige, wasserlösliche Masse; die ebenso aussehende Natriumverbindung wird aus Alkalizellulose und Natriumchlorazetat hergestellt und als Tapetenkleister (Zellkleister, fälschlich «Zell-Leim»), als emulgierender und schmutztragender Waschmittelzusatz sowie als Appreturmittel verwendet.

Karbunkel: Verschmelzung mehrerer benachbarter Furunkel zu einem großen Infektionsherd.

Kardamom, Elettaria: schilfartiges Ingwergewächs aus Südasien; Samen und Früchte enthalten ätherisches Öl; verwendet als feinaromatisches Gewürz in der Likör- und Aromaindustrie.

Kardamomgebirge: (nach der Kardamomfrucht) Horstgebirge an der Südspitze Vorderindiens, Teil der Gebirgsstöcke im Süden Indiens mit Steilabfall nach 0sten und Westen; etwa 200 km lang, 120 km breit und bis 1922 m hoch; vorwiegend aus kristallinen Schiefern aufgebaut; bei tropischen Monsunklima Anbau von Kautschuk, Tee und Kardamom,

kardanische Aufhängung: (nach G. Cardano) Vorrichtung, bei der ein Körper im Schnittpunkt der Drehachse zweier, ineinander bewegliche Ringe allseitig drehbar aufgehängt wird; wird zum Beispiel bei Kompassen auf Schiffen verwendet, um die Einwirkung von Schiffsbewegungen zu vermeiden.

kardanische Formel: (nach G. Cardano) Lösungsformel für die kubische Gleichung x3 + px + q = 0. Die drei Lösungen x2, x, dieser Gleichung haben die Form fc= 1,2,3, wobei e eine dritte Einheitswurzel ist, das heißt e3 = 1. Siehe auch Cardano.

Kardanwelle, (nach G. Cardano) Gelenkwelle: Maschinenelement mit allseitig beweglichen Gelenken (Kardan-, Kreuz-, Gleichganggelenk) an einem oder beiden Enden der Welle zum Übertragen von Drehmomenten bei bestimmten Ablenkungswinkeln.

Kardätsche: Bürste mit Handriemen zum Putzen von Rindern und Pferden.

Karde: 1. Karde, Dipsacus: Botanik - Gattung distelartiger Pflanzen der Kardengewächse; die großen getrockneten Blütenköpfe der Weberkarde (D. sativus) wurden früher zum Aufrauen von Wollgeweben verwendet; an Weg- und Waldrändern wächst die Wilde Karde (D. sylvestris).

2. Textiltechnik: Krempel.

Kardeel: seemännisch aus 3 oder 4 Litzen gedrehter Bestandteil eines gedrehten Seils, das wiederum aus 3 oder 4 Kardeelen besteht.

Cardenolide: herzwirksame pflanzliche Glykoside von großer therapeutischer Bedeutung. Cardenolide sind Steroidderivate, die einen ungesättigten fünfgliedrigen Lactonring und verschiedene Zucker enthalten. Zu den Cardenolide gehören die Digitalis-, Strophanthus- und Convallaria Glykoside.

Kardieren, Krempeln: Spinnereivorbereitung Auflösen von Faserflocken und Parallelisieren der Fasern; Ausscheiden kurzer Fasern, Bilden eines Faserflors und dessen Zusammenfassen zum Karden- beziehungsweise Krempelband.

Kardinal: 1. höchster Rang der katholischen Geistlichen nach dem Papst, von ihm als Ratgeber und Helfer ernannt. Das Kardinalskollegium (etwa 100 Personen) nimmt die Papstwahl (Konklave) vor.

2. Kaltgetränk aus Weißwein, Zucker und bitteren Pomeranzenschalen.

Kardinale, Richmondeninae: meist Hauben tragende amerikanische Finkenvögel mit kräftigem Schnabel; namengebend war der 21 cm lange Rote Kardinal (Richmondena cardinalis).

Kardinalelemente: ausgezeichnete Punkte der optischen Achse bei der Gaußschen Abbildung. Die wesentlichen Kardinalelemente sind die Brennpunkte F, F‘, die Knotenpunkte N, N' und die Hauptpunkte H, H'. wird in den unendlich fernen Achsenpunkt abgebildet; F' ist das Bild des unendlich fernen Achsenpunktes. Für die Knotenpunkte ist das Winkelverhältnis y' = a'/a = 1 (er, a Schnittwinkel der Strahlen mit der optischen Achse). Für die Hauptpunkte ist der Abbildungsmaßstab gleich 1. Die Hauptebenen sind die zur Achse senkrechten Ebenen, die die Hauptpunkte enthalten. Siehe auch ausgezeichnete Strahlen.

Kardinalfisch: aus Südostchina stammender, bis 4 cm langer, geselliger und anspruchsloser Aquarienfisch.

Kardinalzahl: 1. Kardinalzahl, Mächtigkeit - Mengenlehre: Verallgemeinerung des Begriffes «Elementanzahl» auf beliebige, also auch unendliche Mengen. Mengen haben genau dann dieselbe Kardinalzahl, wenn sie gleichmächtig sind.

1. Morphologie: Grundzahlwort; siehe auch Ordinalzahl.

Kardiologie: (griechisch) Lehre vom Herzen und von seinen Erkrankungen; Teilgebiet der inneren Medizin.

Kardiotokographie: Geburtshilfe Methode zur gleichzeitigen Registrierung der kindlichen Herztätigkeit und der mütterlichen Wehen vor und während der Geburt durch ein spezielles Gerät mit elektronischen Bauteilen (Kardiotokograph).

Karditis, Pankarditis beide (griechisch) Herzentzündung: häufig rheumatisch, seltener bakteriell oder virusbedingte Entzündung aller Schichten der Herzwand; es werden Endokarditis (Herzinnenhautentzündung), Myokarditis (Herzmuskelentzündung) und Perikarditis (Herzbeutelentzündung) unterschieden.

Karditsa: Stadt im mittleren Griechenland, Verwaltungszentrum des Distrikts Karditsa, im Westen der agrarisch genutzten Ebene von Thessalien; 26000 Einwohner; Markt für Tabak, Getreide, Baumwolle, tierische Wolle, Häute und Käse.

Kardoš, Dezider, geboren 23. 12. 1914, slowakischer Komponist; Professor an der Musikakademie Bratislava; schrieb Werke in fast allen Gattungen, zunächst in enger Verbindung zur slowakischen Folklore, später in freier, ausdrucksintensiver Gestaltung; übte vielfältige Funktionen im Rundfunk und im Komponistenverband aus.

Karen: mongolides Volk der tibetischen-burmanischen Sprachgruppe im südlichen burmesisch-thailändische Grenzgebiet; etwa 3 Millionen; Bodenbauer (Trockenreis); Buddhisten.

Karenstaat: Gliedstaat der nationalen Minderheit der Karen, im Osten von Burma, am Unterlauf des Salween, grenzt im Osten an Thailand; 28726 km2, 1,6 Millionen Einwohner; 37 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Pa-an. Gebirgig (bis 2000 m); Antimon-, Wolfram- und Bleivorkommen; kleine Wasserkraftwerke, Zucker- und Holzverarbeitung; Anbaukulturen sind Reis, Mais, Zuckerrohr, Tabak und Gewürze; Rinder- und Ziegenhaltung, Teakholzgewinnung. Vom Ausland her werden separatistische Bestrebungen gesteuert.

Karenzzeit: 1. allgemeine Wartezeit.

2. Pflanzenschutz: die für die verschiedenen Pflanzenschutzmittel einzuhaltende Wartezeit zwischen der letzten Behandlung und der Verwendung der Ernteprodukte zur Ernährung von Mensch und Nutztier, um Vergiftungen zu vermeiden.

3. Recht: Zeitraum, in dem

a) bestimmte Rechte nicht ausgeübt werden dürfen beziehungsweise eine Pflichterfüllung unterbleiben darf (Schonzeit),

b) bestimmte Rechte oder Pflichten noch nicht entstehen (Wartezeit), zum Beispiel besteht zu Beginn bestimmter Versicherungen noch kein Anspruch auf Leistungen.

karessieren: (französisch deutsch) liebkosen; schmeicheln, um den Bart gehen.

Karfreitag: (althochdeutsch kara, «Wehklage») kirchlicher und gesetzlicher Feiertag Freitag vor Ostern; erinnert an die Kreuzigung Jesu.

Karfunkel: (dat.) Schmuckstein, umgangssprachlich roter Granat.

Kargo: (spanisch) Fracht, Ladung, besonders eines Schiffes; auch Verzeichnis der Ladung.

Kariba Damm: Staudamm (seit 1959) in der Karibaenge des Sambesi, auf der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe; 128 m hoch, 615 m lang und 13 m breit; 5230 km2 großer Stausee (Stauraum 166 Md. m5); Kraftwerk etwa 800 MW (Kariba-Nord zu Sambia, Kariba-Süd zu Simbabwe).

Kariben, Karaiben: mehr als 200 Stämme umfassende indianische Völkergruppe und Sprachfamilie im nördlichen Südamerika (180000), im südlichen Mittelamerika (15000) und auf den Antillen (in der frühen Kolonialzeit ausgerottet); als hervorragende Bootsfahrer (riesige Einbäume) und als kriegerische Stämme unterwarfen sie vor allem die Aruak; Bodenbauer des tropischen Waldlandes.

Karibik: mittelamerikanische Region, umfasst die Inseln im Karibischen Meer (Karibische Inseln (im weiteren Sinne die Bahamas, Antillen, Turks- und Caicos-, Cayman Inseln sowie Trinidad und Tobago)); politisch in 13 unabhängige Inselstaaten (Kuba als größter Staat) sowie 10 abhängige Gebiete gegliedert; insgesamt 234814 km2, etwa 30 Millionen Einwohner; für die USA von wirtschaftlicher und militärstrategischer Bedeutung; Zentrum des US-Massentourismus.

Karibisches Gebirge: Teil der nördlichen Anden, im Norden Venezuelas; zieht sich östlich der Cordillera de Mérida als Küstenkordillere am Karibischen Meer entlang; bis zu 2765 m; aus kristallinen Gesteinen, Kalken und Sandsteinen aufgebaut, durch zahlreiche tiefe Einbrüche in einzelne Gebirgsmassive aufgegliedert; im nördlichen Küstenvorland und in der Schelfregion des Karibischen Meeres bedeutende Erdölvorkommen.

Karibisches Meer: Südteil des Amerikanischen Mittelmeeres; vom Golf von Mexiko durch die Halbinsel Yucatán und die Insel Kuba, vom Atlantischen Ozean durch die Antillen abgegrenzt; mit dem Stillen Ozean durch den Panamakanal, mit dem Golf von Mexiko durch die Yucatan-Straße verbunden; 2,75 Millionen km2, im Caymangraben bis 7680 m tief; Salzgehalt zwischen 34 und 37 %o; buchtenreich, durch untermeerischen Schwellen in Becken gegliedert; verheerende Wirbelstürme (Hurrikane, Juni-November); benannt nach den bei der Entdeckung auf den Antillen lebenden Kariben.

Karies: (lateinisch, «Fäulnis»)

1. Karies, Knochenfraß: herdförmiger knochenzerstörender Prozess unterschiedlicher Ursache.

2. Karies, Zahnfäule: Substanzverlust an Zahnhartgeweben durch chronischen zersetzenden Prozess. Die Entstehung der Karies steht im Zusammenhang mit der Mikroflora der Mundhöhle und deren Stoffwechselprodukten, der Ernährung (insbesondere dem Kohlenhydratanteil) und der Mundpflege. Die Kariesanfälligkeit schwankt in einzelnen Lebensabschnitten und ist abhängig vom Mineralisationszustand der Zahnhartgewebe, wobei Fluorapatit (gebildet durch kariesprophylaktische Maßnahmen) größere Resistenz aufweist. Die momentane Disposition kann durch Kariestest ermittelt werden. Die Karies ist seuchenartig verbreitet. Grundlage für Morbiditätsuntersuchungen bilden verschiedene Kariesindizes. Ausgangspunkt der Karies ist bakterieller Zahnbelag, unter dessen demineralisierendem Einfluss sich die Karies zunächst als weißer Fleck zeigt. Fortschreitend erweicht die Zahnhartsubstanz. Bestehen nur leichte Schmerzen bei Temperaturschwankungen, so ist nach Beseitigung der kariösen Schmelz- und Dentinteile meist die Erhaltung des Zahnmarks und der Wiederaufbau des Zahnes durch eine Füllung möglich. Wurde die Pulpa durch Eindringen großer Mengen Mikroorganismen stark geschädigt, so entsteht eine Entzündung des Zahnmarks (Pulpitis). Bei weiterer Nichtbehandlung kommt es nach Zerfall des Zahnmarks zu einer akuten oder chronischen entzündliche Veränderung der Wurzelhaut des betroffenen Zahnes, die nur in günstigen Fällen noch Möglichkeiten für die Zahnerhaltung bietet.

Karikatur: künstlerische (vorwiegend graphische) Darstellung menschlicher Charaktere, Eigenschaften und Handlungen im Zerrbild der Übertreibung des Typischen mit dem Anliegen, das Dargestellte der Lächerlichkeit preiszugeben. Häufig wird der Gegenstand der Karikatur als Ausdruck überlebter gesellschaftlicher Kräfte verstanden und erweitert sich in der politischen Karikatur zu direkter Kritik an reaktionären gesellschaftlichen Zuständen, Ereignissen und Persönlichkeiten. Als Randerscheinung der bildenden Kunst hat es die Karikatur seit dem Neuen Reich Ägyptens zu allen Zeiten gegeben. Im Mittelalter ist sie gegenüber der Groteske schwer abzugrenzen. Spätmittelalterliche Schandbilder verfolgen bereits das Ziel, den Gegner moralisch zu diskreditieren. Die Anfänge der Karikatur im engeren Sinn sind eng verknüpft mit dem Aufkommen und der Ausbreitung von Buchdruck und Graphik im 15./16. Jahrhundert. Die Karikatur ist in der frühbürgerlichen Revolution ein wichtiges Instrument im ideologischen Kampf gegen Papsttum und Feudalismus. Leonardo da Vinci und A. Dürer haben physiognomische Studien mit starkem karikaturistischen Akzent gezeichnet, die im frühen 17. Jahrhundert durch die Brüder Carracci und G. L. Bemini weitergeführt und auf bestimmte Personen bezogen wurden. P. Bruegel der Ältere und J. Callot benutzten Kupferstich und Radierung zur kritischen Anprangerung von Missständen. Wegbereiter der modernen Karikatur im 18. Jahrhundert waren die Engländer W. Hogarth und J. Gillray. Stärkste Ausdruckskraft besitzen die F. de Goyas. Einen Höhepunkt erreichte die Karikatur in Frankreich mit H. Daumier, P. Gavami und G. Dore, in Deutschland mit W. Busch. Um 1830/50 entstanden in ganz Europa satirische Zeitschriften, die der Karikatur eine breite Wirkung ermöglichten. Berühmte Karikaturisten des 19 /20. Jahrhundert waren T. Steinlen, A. Oberländer, T. T. Heine, O. Gulbransson, H. Zille, G. Grosz. In den sozialistischen Ländern ist die Karikatur heute eine scharfe Waffe im Kampf gegen die Überreste überholter Denk- und Verhaltensweisen der alten Gesellschaft und gegen die reaktionären, militaristischen Kräfte der kapitalistischen Länder.

Karim, Mustai, eigentlich Mustafa Karimow, geboren 20.10.1919, baschkirisch-sowjetischer Schriftsteller; schreibt seit 1935 Gedichte, Schauspiele und Kinderbücher; in seinen von der baschkirischen Volksdichtung beeinflussten Werken stehen Themen aus dem Krieg und der Gegenwart sowie philosophischen Reflexionen über den Sinn des Lebens im Vordergrund (Gedichtsammlung «Das geflügelte Pferd», 1971).

Karinthy: 1. Ferenc, geboren 2.6.1921, ungarischer Erzähler, Dramatiker und Publizist; Sohn von Karinthy 2; befasst sich in Romanen, Erzählungen und Reportagen insbesondere mit Gegenwartsproblemen; sein bekanntester Roman «Frühling in Budapest)) (1953, deutsch) schildert die Belagerung und Befreiung Budapests 1945.

2. Frigyes, 24. 6. 1887-29. 8. 1938, ungarischer Dichter, Erzähler, Kritiker und Übersetzer; wurde mit seinen Satiren, literarische Parodien und Humoresken einer der populärsten Autoren der ungarischen Literatur (dt. Auswahl von Humoresken «Ich weiß nicht, aber meine Frau ist mir verdächtig», 1972, von utopischen Kurzromanen «Die neuen Reisen des Lemuel Gulliver», 1983).

Karisimbi: höchster der Virunga-Vulkane am Nordende des Kivusees, in Rwanda; 4507 m; erloschen.

Karkemisch: altorientalischer Stadtstaat am oberen Euphrat; war seit dem 3. Jahrtausend vor Christus eine bedeutende Handelsstadt und Festung in Nordsyrien; befand sich seit Mitte des 2. Jahrtausend vor Christus unter mitannischer, ägyptischer und hethitischer Oberherrschaft. 717 vor Christus wurde Karkemisch von den Assyrern erobert. Gut erhalten sind Reste von hethitischen und assyrischen Befestigungen (Stadtmauer, Zitadelle unter anderem).

Karl, Fürsten. Deutsche Könige und römische Kaiser: 1. Karl IV., 14.5.1316-29.11.1378, Luxemburger, deutscher König seit 1346, König von Böhmen seit 1347, Kaiser seit 1355; förderte vor allem sein Erbland Böhmen (Ausbau Prags, 1348 Gründung der Universität) und vergrößerte seine Hausmacht (unter anderem um die Niederlausitz und Brandenburg). Mit der Goldenen Bulle (1356) stärkte er die faktisch souveräne landesherrliche Stellung der Kurfürsten.

2. Karl V, 24.2.1500-21.9.1558, Kaiser 1519/56, Herrscher der Niederlande und Burgunds seit 1506, Spaniens (als Karl I.) sowie Neapel-Siziliens seit 1516; seinen jüngeren Bruder Ferdinand beauftragte er 1521 mit der Statthalterschaft im deutschen Reich und der Herrschaft in den habsburgischen Erblanden; war entschiedener Gegner der lutherischen Reformation, da er die Unterstützung der Papstkirche für sein Weltreich (unter seiner Herrschaft wurden unter anderem Mexiko und Peru erobert) brauchte. Karl dankte bald nach Abschluss des Augsburger Religionsfriedens (1555) ab.

3. Karl VI., 1.10.1685-20.10.1740, seit 1711 Kaiser und als Karl III. auch König von Ungarn; musste im Ergebnis des Spanischen Erbfolgekrieges auf die Wiedererrichtung des habsburgischen Gesamtreiches verzichten. Karl war um die diplomatische Anerkennung einer möglichen weiblichen Erbfolge in der Habsburgermonarchie bemüht (Pragmatische Sanktion).

4. Karl VII., 6.8.1697-20.1.1745, Kurfürst (Karl Albrecht) von Bayern seit 1726, König von Böhmen seit 1741, Kaiser seit 1742; einziger nichthabsburgischer Kaiser zwischen 1438 und 1806; unterlag im österreichischen Erbfolgekrieg. England und Schottland (Charles):

5. Karl, 19.11. 1600-30.1.1649, König seit 1625 (Dynastie Stuart); seine feudalabsolutistische Willkürherrschaft löste 1640 die bürgerliche Revolution aus, in deren Verlauf Karl gefangengenommen (1647) und hingerichtet wurde.

6. Karl II., 29.5.1630-6.2.1685, König seit 1660; Sohn von Karl 5; die Großbourgeoisie restaurierte zur Stabilisierung ihrer Errungenschaften seine Herrschaft. Karl erkannte in der Konvention von Breda die neuen Besitzverhältnisse an, versuchte aber, die feudalabsolutistische Herrschaft wiederherzustellen (1670 Geheimvertrag von Dover mit Ludwig XTV. von Frankreich). Die bürgerliche Opposition erzwang gegen diese Bestrebungen den Erlass der Test- (1673) und der Habeaskorpusakte (1679).

Frankenreich: 7. Karl I., Karl der Große, 2.4.742-28.1.814, König der Franken seit 768, 800 in Rom zum Kaiser gekrönt; er führte das Frankenreich zu höchster Macht, dehnte seine Grenzen aus (unter anderem 773/74 Eroberung des Langobarden Reiches in Oberitalien, 778 des Herzogtums Bayern, 772/804 der sächsischen Gebiete) und versuchte, das Großreich, das sozialökonomisch keine Einheit bildete, zentral zu leiten (Kapitularien, Königsboten, Grafen). Damit förderte Karl die Durchsetzung des Feudalismus in West- und Mitteleuropa. Mit der Einbeziehung aller germanischen Stämme östlich des Rheins in das fränkische Großreich schuf er die Voraussetzung für die spätere Herausbildung eines deutschen Staates.

8. Karl II., Karl der Kahle, 13.6.823-6.10.877, König seit 840, Kaiser seit 875; erhielt 843 (Vertrag zu Verdun) das westfränkische Reich; musste 877 den Söhnen der westfränkischen Vasallen die Erblichkeit ihrer Lehen zusichern.

9. Karl III., Karl der Dicke, 839-13.1.888, König 876/87, Kaiser 881/87; vereinigte 885 nochmals das fränkische Großreich; wurde 887 durch Arnulf von Kärnten und die mächtigsten ostfränkischen Feudalherren abgesetzt.

Frankreich (Charles): 10. Karl VII., 22.2.1403-22.7.1461, König seit 1422; zunächst nur südlich der Loire anerkannt, Jeanne d’Arc erzwang 1429 seine Krönung in Reims. Karl beendete 1453 erfolgreich den Hundertjährigen Krieg und festigte durch die Einführung eines kleinen stehenden Heeres und die regelmäßige Erhebung der Taille die Zentralgewalt.

11. Karl X., 9.10.1757-6.11.1836, König 1824/30; Bruder Ludwigs XVI. und Ludwigs XVIII.; seit 1789 als Graf von Artois Führer der konterrevolutionären Adelsemigration; seine ultraroyalistische Positionen führten nach seinem Regierungsantritt den Bruch mit der liberalen Bourgeoisie und dem napoleonischen Neu Adel herbei; durch die Julirevolution gestürzt.

Neapel und Sizilien: 12. Karl I., Karl von Anjou, 1226-7.1.1285, König seit 1265; Sohn Ludwigs VIII. von Frankreich; auf Seiten der Päpste im Kampf gegen die Staufer; 1282 durch einen Volksaufstand in Sizilien gestürzt (Sizilianische Vesper), herrschte er nur noch in Neapel.

Österreich: 13. Karl I., 17.8.1887-1.4. 1922, letzter österreichischer Kaiser und König von Ungarn 1916/18; musste 1918 auf den Thron verzichten und versuchte vergeblich, durch einen Putsch in Ungarn 1921 die Macht zurückzugewinnen.

Spanien (Carlos): 14. Karl I., 24.2.1500-21.9. 1558, König 1516/56; begründete die Linie der spanischen Habsburger, unter seiner Regierung Eroberung und Kolonisierung von Süd- und Mittelamerika; seit 1519 als Karl V. (Karl) deutscher Kaiser.

15. Karl II., 6.11.1661-1.11.1700, König seit 1665 (bis 1675 Regentschaft seiner Mutter Anna von Österreich); während seiner Regierung erreichte der Verfall der spanischen Macht den Tiefpunkt; die durch seinen Tod ausgelösten Konflikte um die Thronbesetzung gaben den Anlass zum Spanischen Erbfolgekrieg. 16. Karl III., 20.1. 1716-14.12. 1788, König von Neapel und Sizilien 1738/59, von Spanien seit 1759; Vertreter des aufgeklärten Absolutismus, führte zahlreiche Reformen durch (Finanzen, Handel, Armee, Förderung der Manufakturen und der Landwirtschaft, Reorganisation der Kolonialverwaltung), 1767 Vertreibung der Jesuiten. 17. Karl V. Carlos 2.

Karl Albert, 2.10.1798-28.7.1849, König von Sardinien-Piemont 1831/49; die am 4.3.1848 von ihm verkündete Verfassung («Albertinische Statut») blieb bis 1946 gültig; dankte 1849 nach Niederlagen in 2 Kriegen gegen Österreich ab und ging nach Portugal.

Karl August, 3.9.1757-14.6.1828, seit 1775 Herzog, seit 1815 Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach; Vertreter des aufgeklärten Absolutismus; berief J. W. Goethe nach Weimar und trug dazu bei, dass diese Stadt im 18./19. Jahrhundert zu einem Zentrum des deutschen Geisteslebens wurde.

Karl der Kühne, 10.11.1433-5.1.1477 (gefallen), Herzog von Burgund seit 1467; einer der mächtigsten Fürsten seiner Zeit, plante die Errichtung eines großburgundischen Königreiches von den Alpen bis zur Nordsee, erlitt aber mehrere Niederlagen durch die mit Frankreich und Lothringen verbündeten Eidgenossen.

Karlfeldt, Erik Axel, 20.7.1864-8.4.1931, schwedischer Dichter; schrieb neuromantische, von der Volksdichtung beeinflusste Natur- und Liebeslyrik («Fridolins Lieder», 1898, deutsch).

Karli, Karla - Ort mit Felsenkloster, östlich von Bombay. Die zugehörige dreischiffige buddhistische Chaitya Halle ist die größte Kultstätte Indiens. Sie entstand Ende des 1. Jahrhundert vor Christus/Anfang des 2. Jahrhundert nach Christus, hat schmale Seitenschiffe und im halbrunden östlichen Teil als Kultmittelpunkt einen Monolith.

Karlisten, Carlistas: Anhänger des spanischen Thronprätendenten Carlos Maria Isidro de Borbón und seiner Nachkommen. Als ultraklerikale und reaktionäre Bewegung entfesselten die Karlisten 2 große Bürgerkriege (Karlistenkriege 1833/40 und 1873/76), erlitten aber eine Niederlage; danach Rückgang ihres Einflusses (gegenwärtig noch in Navarra als Traditionalisten aktiv).

Karl Leopold, 26.11.1678-28.11.1747, Herzog von Mecklenburg-Schwerin seit 1713; wollte den Einfluss der Stände zurückdrängen und seine Macht ausbauen; unterlag den Ständen in langwierigen Auseinandersetzungen, floh 1735 außer Landes.

Karl Ludwig Johann, 5.9.1771-30.4.1847, österreichischer Erzherzog; gehörte zum Kreis der Reformer um den Grafen von Stadion; 1809 Sieger bei Aspern gegen Napoleon I., unterlag aber bei Wagram.

Karl Martell, («Hammer») um 688-22.10.741, bedeutender karolingischer Hausmeier im Frankenreich (717/41); unter ihm führten die Merowingerkönige nur noch ein Schattendasein. Karl Martell schlug 732 zwischen Tours und Poitiers die Araber und förderte die Herausbildung des Lehnswesens, wodurch er sich ein schlagkräftiges Heer schuf.

Karlowitz: soviel wie Sremski Karlovci. Im Frieden von Karlowitz am 26.1.1699 verlor die Türkei den Peloponnes und das dalmatinische Hinterland an Venedig, Ungarn mit Siebenbürgen (aber ohne das Banat) an Österreich; Beginn einer habsburgischen Großmachtentwicklung auf der Balkanhalbinsel.

Karlowo, Karlovo: Stadt im mittleren Bulgarien (Bezirk Plowdiw), am Südhang der Stara Planina; 27000 Einwohner; Keltereien, Rosenöldestillation, Obstverarbeitung, Traktorenbau, Textilkombinat (Seide, Baumwolle); wegen geschützter Beckenlage im Umland intensiver Wein-, Rosen- und Obstbau; Geburtsort von W. Lewski (Museum, Denkmal).

Karlsbad: soviel wie Karlovy Vary. Die Karlsbader Beschlüsse, vom Deutschen Bund 1819 auf Betreiben Österreichs und Preußens beschlossene Ausnahmegesetze, dienten zur Unterdrückung der bürgerlichen und nationalen, besonders aber der akademische Opposition und eröffneten die Demagogenverfolgung. Die zunächst befristeten Gesetze wurden 1824 auf unbestimmte Zeit verlängert, 1831/34 verschärft und erst 1848 unter dem Druck der Revolution aufgehoben.

Karlsbader Salz: Glaubersalz (Natriumsulfat) enthaltendes, durch Eindampfen von Karlsbader Mineralwasser gewonnenes oder künstlich zusammengesetztes Salzgemisch; wird als Abführ- und als galletreibendes Mittel (Cholagogum) verwendet.

Karlskrona: Stadt im Süden Schwedens, Verwaltungszentrum der Provinz Blekinge, auf mehreren Inseln erbaut; 60000 Einwohner; Hauptmilitärhafen Schwedens; Werft, elektrotechnische und Lebensmittelindustrie.

Karlsruhe: Kreisstadt in Baden-Württemberg, Verwaltungszentrum des Regierungsbezirkes Karlsruhe, in der Oberrheinischen Tiefebene; 270000 Einwohner; Maschinen-, chemische, elektrotechnische, Lebensmittel- und Schmuckwarenindustrie; Erdölraffinerien (Erdölleitungen von Triest und Marseille); Hafen am Rhein; Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichtshof; Universität, Akademien, Hochschulen, Kernforschungszentrum, Landesbibliothek; Theater, Museen. Die durch den Markgrafen von Baden-Durlach 1715/17 planmäßig angelegte Stadt wurde seit 1800 von F. Weinbrenner im strengen Klassizismus erweitert. Seine monumentalen Bauten und Platzgestaltungen bestimmten wesentlich das Gesicht der Stadt (Katholische Stadtkirche, Markgräfliche Palais, Rathaus). - bis 1918 Residenzstadt; 1918/52 Landeshauptstadt von Baden. Am 17.8.1956 erfolgte in Karlsruhe vor dem Bundesverfassungsgericht das widerrechtliche Verbot der KPD.

Karlsschule: von Herzog Karl Eugen von Württemberg 1770 auf Schloss Solitude bei Stuttgart gegründete höhere Militärschule; 1775/94 in Stuttgart. 1773/80 war F. Schiller auf Befehl des Herzogs Zögling der Karlsschule; schrieb hier das gegen feudalabsolutistische Despotie gerichtete Drama «Die Räuber».

Karlsson, Villy, geboren 23. 10. 1919, dänischer Schriftsteller und Journalist; gestaltete in den Romanen «Angstzeiten» (1976, deutsch) und «Die Unbekannten» (1980) die Geschichte der dänischen Arbeiterbewegung von den 30er Jahren bis zum Kriegsende. Karlsson fuhrt dänische sozialistische Literaturtraditionen im Sinne M. Andersen Nexos fort.

Karlstad: Stadt im mittleren Schweden, Verwaltungszentrum der Provinz Värmland, auf Inseln in der Mündung der Klarälv in den Vänersee; 75000 Einwohner; Zellulose-, Papier- (Skoghall) und Genussmittelindustrie, Maschinenbau, Munitionsfabrik; Hafen. Karlstad erhielt 1584 Stadtrecht. Die Konvention von Karlstad beendete 1905 die Personalunion zwischen Norwegen und Schweden.

Karlstadt: 1. Karlstadt, eigentlich Andreas Bodenstein, um 1480-24.12.1541, radikal-bürgerlicher Reformator; 1518/21 auf der Seite Luthers, führte 1521/22 in Wittenberg radikale Veränderungen im Kirchenwesen ein; von Luther nach dessen Rückkehr von der Wartburg 1522 aus Kursachsen verdrängt, fand er 1532 Aufnahme bei Zwingli (Schweiz).

Karlstejn: Burg südwestlich von Prag; 1348/57 auf Veranlassung Karls IV. als Aufbewahrungsort des böhmischen Kronschatzes errichtet; bedeutende Gesamtanlage und zum Teil hervorragend erhaltene Innenausstattung aus dem 14. Jahrhundert (zum Beispiel Kreuzkapelle, ausgeschmückt von Theoderich von Prag); Nationale Gedenkstätte der Kultur in der CSSR.

Karman, Karma: in indischen Religionen mit der Vorstellung von der Seelenwanderung verbundene Tatvergeltung. Nach ihr ist die Wiedergeburt jedes Lebewesens durch dessen Taten in früheren Existenzen bestimmt. Erlösung durch Aufhebung des Karmans ist auf verschiedenen Wegen möglich (Yoga, Buddhismus, Jainismus).

Kärmän, Theodor von, 11.5.1881 bis 7.5.1963, US-amerikanischer Luftfahrtwissenschaftler ungarischer Herkunft; Professor in Göttingen, Aachen und Pasadena (Kalifornien). Seine aero-, hydro- und thermodynamischen Forschungen förderten besonders die Luftfahrt-, Raumfahrt- und Raketenforschung.

Karmaten: schiitische-ismailit. Volksbewegung und Sekte im 9./12. Jahrhundert; besaß bis 1050 großen Einfluss in Syrien und Mesopotamien und errichtete an der Westküste des Persischen Golfes ein Staatswesen, das bis ins 11. Jahrhundert erhalten blieb. 930 raubten sie aus dem Heiligtum der Kaaba in Mekka den «schwarzen Stein», den sie erst 951 Zurückgaben.

Karmel: (hebräisch, «Baumgarten») horstartiger Gebirgszug des Berglandes von Samaria in Israel; im Kap Karmel bei Haifa bis zur Mittelmeerküste reichend; 40 km lang, bis 528 m hoch; vorwiegend aus Kalkstein aufgebaut und stark verkarstet; höhlen- und quellenreich; nur in den höchsten Teilen bewaldet. Stammsitz des Bettelordens der Karmeliter.

Karmeliter: beschaulicher Bettelorden, 1247 hervorgegangen aus der christlichen Einsiedlergenossenschaft am Berge Karmel; später Aufspaltung in beschuhte und unbeschuhte Karmeliter, erstere sind in der Seelsorge tätig; lateinischer Name: Ordo fratrum Beatae Mariae Virgin is de Monte Carmelo.

Karmen, Roman Lasarewitsch, 29. 11.1906-28. 4. 1978, sowjetischer Kameramann und Dokumentarfilmregisseur; schuf an den Brennpunkten des Zeitgeschehens und während des Großen Vaterländischen Krieges unter anderem die Filme «Der Große Vaterländische Krieg», «Towarisch Berlin», die Trilogie «Flammender Kontinent», «Chile Zeit des Kampfes, Zeit der Unruhe», «Camerados Genossen» und die Dokumentarfilmserie «Die entscheidende Front».

Karmin: (französisch persisch Sanskrit) aus getrockneten Schildlausweibchen der Gattung Coccus cacti gewonnener tiefroter, sehr lichtechter Farbstoff; dient als Künstlermalfarbe sowie zum Färben von Lebensmitteln und kosmetischen Erzeugnissen.

Karminativa, blähungstreibende Mittel: Mittel gegen Blähungen und Luftverhaltung im Darmgebiet; beste Wirkung besitzen hochpolymere Silikonverbindungen, daneben Kümmel, Fenchel.

Karmir-Blur: Hügel bei Jerewan mit den Ruinen der urartäischen Provinzhauptstadt Teschebaini (7./6. Jahrhundert vor Christus); am Stadtbild fortgeschrittene soziale Differenzierung erkennbar; reiche Funde einer hohen Metallkunst. Siehe auch Irebuni.

Karn: (nach den Kam. Alpen) Stufe der alpinen Trias, vorwiegend aus klastischen Gesteinen, aber auch Kohlen bestehend; entspricht dem Mittleren Keuper.

Karnak: oberägyptisches Dorf, nördlich von Luksor, mit umfangreichen, zur altägyptischen Hauptstadt Theben gehörenden Tempelanlagen des Reichsgottes Amun, errichtet von etwa 2000 vor Christus bis zur Ptolemäerzeit.

Karnataka: Unionsstaat im Süden Indiens; früher Maisur (Mysore); 191773 km2, 37,1 Millionen Einwohner; 193 Einwohner/ km2; Hauptstadt Bangalore-, vorwiegend Hochland von Dekan; Anbau von Baumwolle, Reis, Erdnüssen, Ölsaaten, auch von Tabak, Zuckerrohr; verbreitet sind Seidenraupenzucht und Viehhaltung; in den Nilgiri-Bergen in Plantagen Anbau von Kaffee, Tee, Pfeffer und anderen Gewürzen; Bergbau auf Gold, Eisen-, Mangan- und Silbererz; Textil-, Zementindustrie und Metallurgie in Bhadravati, Maschinen- und Flugzeugbau in Bangalore, elektrotechnische, chemische Industrie.

Karnaubawachs, Carnaubawachs: hellgelbes bis graues Ausscheidungsprodukt der brasilianischen Wachspalme; F 82 bis 86°C; löslich zum Beispiel in Benzin und Benzol. Karnaubawachs ist ein hochwertiger Ausgangsstoff zur Herstellung von Bohnermassen, Schuhkrem, Möbelpolituren und Kohlepapier.

Karner: Bauwerk zur Aufbewahrung der Totengebeine, besonders im 12./13. Jahrhundert. Es gibt Karner als Anbauten von Kirchen, als verschlossene Räume oder Nischen am Kircheneingang in einer Vorhalle oder unter dem Chor und als frei stehende zweigeschossige Kapelle auf quadratischem, rundem oder polygonalem Grundriss mit Apsis und Türmchen (Mödling, Tulln, Bad Doberan).

Karneval: Bezeichnung für die letzten Tage vor der vorösterliche Fastenzeit; seit dem 17. Jahrhundert, mit Fasching und Fastnacht bedeutungsgleich, im Deutschen eingebürgert und besonders für die nach 1820 von Mainz und Köln ausgehende bürgerliche städtliche Neuformung des Karneval (Rheinischer Karneval) gebraucht.

Karnische Alpen: Gruppe der südlichen Kalkalpen an der österreichisch-italienischen Grenze; eine 100 km lange, 15 km breite Kette aus Schiefer (Almen), Sandstein, Grauwacke, in den höchsten Teilen aus Kalk; auf der Nordseite Kare; in der Hohen Warte (Monte Coglians) 2780 m; niederschlagsreich (bis 3000 mm/Jahr).

Kärnten: österreichisches Bundesland, im Süden an Italien und Jugoslawien grenzend; 9533 km2, 540000 Einwohner (kleine slowenische Minderheit); 57 Einwohner/km2; Hauptstadt Klagenfurt, gliedert sich in Oberkärnten mit dem Drautal bis Villach (Teil der Hohen Tauern, Gurktaler, Gailtaler, Kam. Alpen) und in Unterkärnten mit dem unteren Drautal (Klagenfurter Becken, Karawanken, Lavanttaler Alpen); mehr als die Hälfte der Landesfläche liegt über 1000 m hoch; Bergbau auf Eisenerz (Hüttenberg), Blei-, Zinkerze (Bleiberg Kreuth), Braunkohle, Magnesit; Stahl-, Textil-, Leder-, Zement-, Holz-, Papier-, Metallindustrie; Wärme- und Wasserkraftwerke; Alm- und Waldwirtschaft; geringer Ackerbau; Fremdenverkehr. Kärnten war ein Teil der römischen Provinz Noricum; im 6./7. Jahrhundert wurde es von Slowenen besiedelt. Das Herzogtum Kärnten wurde 743 Bayern, 788 den Franken tributpflichtig und erlosch um 800. Seit dem 8. Jahrhundert von Norden her durch bayerische und fränkische Bauern germanisiert; 976 Herzogtum, 1286 an Tirol, 1335 an die Habsburger. 1809/13 teilweise zu den «Illyrische Provinzen» Napoleons I. gehörend, 1849 österreichisches Kronland. Nach dem 1. Weltkrieg beanspruchte Jugoslawien Südkärnten, das aber bis auf 2 kleine Grenzstreifen bei Österreich verblieb.

Karo: 1. (auf der Spitze stehendes) Viereck.

2. vierte Farbe der französischen Spielkarte; deutsche Karte Schellen.

Karolinen: Inselgruppe (3700 km lange Inselkette mit 963 Inseln) in Mikronesien (Stiller Ozean), Teil des UN-Treuhandgebietes Pazifische Inseln unter US-amerikanischer Verwaltung, von den USA widerrechtlich in die Bundesstaaten von Mikronesien (Ostteil der Karolinen) und Palauinseln (sogenannt Republik Belau mit der Hauptstadt Koror, Westteil der Karolinen) geteilt; 1194 km2, 86000 Einwohner; zum Teil vulkanische Inseln (Ponape (Hauptinsel), Truk, Yap), zum Teil Atolle; tropisches Seeklima. Wirtschaftliche Bedeutung hat vor allem die Nutzung der Kokospalme; ferner Zuckerrohranbau, Fischfang und Bauxitbergbau. 1527 entdeckt, bis 1899 spanisch, dann deutsche Kolonie, 1922 japanischer Völkerbundsmandat, seit 1947 Teil des UN-Treuhandgebiets Pazifische Inseln der USA.

Karolinger: nach seinem bedeutendsten Vertreter, Karl dem Großen, benanntes fränkisches Herrschergeschlecht (auch Pippiniden genannt). Grundlage seiner Macht war reicher Grundbesitz zwischen Maas und Mosel ursprünglich Hausmeier der Merowinger in Austrasien (so zuerst Pippin der Ältere, gestorben 640), setzten sich die Karolinger gegen die Hausmeier der übrigen fränkischen Teilreiche durch (Schlacht bei Tertiy 687) und erlangten schließlich mit Pippin der Jüngere 751 die Königswürde. Die Karolinger starben in Italien 875 und in Deutschland 911 aus; in Frankreich wurden sie 987 durch die Kapetinger verdrängt,

karolingische Kunst: Kunst des Karolingerreiches (vor 800 bis Ende 10. Jahrhundert); übernahm spätantike, frühchristliche und byzantinische Formen (sogenannt Karolingische Renaissance). Es entstanden Pfalzen (Aachen), Klöster (Plan von St. Gallen), Basiliken mit Querhaus (Klosterkirche in Fulda), mit Dreizellensanktuarium (Einhardsbasilika in Steinbach im Odenwald), mit Westwerk (Klosterkirchen in Centula und Corvey), Zentralbauten (Pfalzkapelle und Münster in Aachen); sehr qualitätsvolle Buchmalereien (Schatzkammer-Evangeliar in Wien; Ada-Handschrift in Trier; Utrecht-Psalter); Elfenbeinschnitzereien (Buchdeckel, Kästchen) und Goldschmiedearbeiten (Altarverkleidung in S. Ambrogio in Mailand; Tassilo-Kelch im Stift Kremsmünster).

karolingische Minuskel: im Karolingerreich gegen 800 aus den frühmittelalterlichen Schriften entstandene Einheitsschrift, die als Buchschrift bis ins 12. Jahrhundert verwendet wurde. Sie war im 15. Jahrhundert den Humanisten Vorbild der heutigen lateinischen Schrift.

Karolus, August, 16.3.1893-1.8.1972, Physiker; benutzte den Kerr-Effekt zur Bildübertragung und zum Fernsehen und entwickelte die nach ihm benannte Karolus-Zelle (so viel wie Kerr-Zelle; Kerr-Effekt).

Karoß: bei Khoisan- und Bantuvölkern Südafrikas Umhängemantel aus genähtem Schaf-, Schakal-, Wildkatzen- oder Antilopenfell, zum Teil auch zum Tragen von Kindern oder gesammelten Früchten benutzt.

Karosserie: (französisch - italienisch) Aufbau auf dem Kraftwagenfahrgestell zur Aufnahme und zum Schutz von Personen und Gütern.

Karotiden, (griechisch; Sing. Karotis) Halsschlagadern, Kopfschlagadern, Arteriae carotidae (lateinisch griechisch): aus dem Aortenbogen entspringende paarige Arterien, verlaufen zum Hals und Kopf und versorgen diese mit Blut.

Karotinoide, Carotinoide: gelbe bis rotviolette Natur-, insbesondere Pflanzenfarbstoffe, zum Beispiel Karotin (in Mohrrüben), Lycopin (in Tomaten), Xanthophyll (Lutein; in Laubblättern, Eidotter, gelben Blüten, Pollen). Das orangerote Karotin ist ein Gemisch dreier isomerer Verbindungen der Formel C4oH56; ß-Karotin geht im menschlichen Körper in Vitamin A über.

Karpaten: Faltengebirgszug in Mittel- und Südosteuropa, der das Pannonische Becken umschließt und von der Donau bei Bratislava bis zum Donaudurchbruch (Eisernes Tor) im Banat reicht. Politisch gehören die Karpaten zur CSSR, zu Polen, zur UdSSR und zu Rumänien; sie sind 1300 km lang und bis zu 200 km breit. Höchste Erhebung ist der Gerlachovsky stit in der Hohen Tatra (2655 m). Die Karpaten gliedern sich in Westkarpaten (mit Hoher und Niederer Tatra, Slowakisches Erzgebirge, westlicher Teil der Beskiden unter anderem), Waldkarpaten (mit östlichen Teil der Beskiden, im Gowerla 2061 m), Ostkarpaten (im Pietrosu 2 303 m) und Südkarpaten (unter anderem mit Fägäras Gebirge, im Moldoveanu 2 543 m). Sie entstanden durch Faltung im ausgehenden Mesozoikum und Alttertiär und bilden, abgesehen von den hauptsächlich aus kristallinem Gestein bestehenden Südkarpaten, eine orographische Einheit, die durch eine breite äußere Flysch- und Sandsteinzone gekennzeichnet ist. Die Karpaten weisen überwiegend Mittelgebirgsformen auf und bestehen nur stellenweise aus Hochgebirgsketten. Das Klima ist durch die Längserstreckung regional differenziert und hat teilweise kontinentale Züge. In den Karpaten liegen die Quellgebiete von Wisla, Dnestr, Theiß, Prut unter anderem. In tieferen Lagen herrscht Laub-, in höheren Nadelwald vor. Neben Rot- und Schwarzwild sowie Gemsen (besonders in der Hohen Tatra) gibt es noch vereinzelt Bären, Wölfe und Luchse. Die Bewohner sind Tschechen, Slowaken, Polen (Goralen), Ukrainer (Ruthenen), Ungarn (Szekler) und Rumänen. Sie betreiben Viehzucht (Milchvieh, Schafe), Holzwirtschaft und in Tälern und Becken Ackerbau. Die Bodenschätze am Außenrand (Erdöl Gas, Salze) und am Innenrand (Eisen-, Kupfererz, Braunkohle) begünstigten die Entstehung von Industriestandorten. Für den Verkehr werden die Karpaten durch Pässe und Durchbruchtäler erschlossen. Starker Tourismus herrscht besonders in der Tatra (Zakopane, Tatranska Lomnica unter anderem) und in den Südkarpaten (Brasov, Sinaia unter anderem).

Karpfen, Cyprinus carpio: bis 1 m langer, hochrückiger Süßwasserfisch stehender und langsam fließender Gewässer Eurasiens; als Nutzfisch heute fast weltweit verbreitet. Die Wildform ist vollständig beschuppt, die schnellwüchsigeren Zuchtformen zum Teil ohne (Lederkarpfen) oder mit sehr wenig Schuppen (Spiegelkarpfen).

Karpfenartige, Cypriniformes: seit der Oberkreide bekannte, umfangreichste Ordnung der Knochenfische (etwa 4000 Arten); charakteristisch ist eine Verbindung zwischen Schwimmblase und Innenohr; hierzu gehören unter anderem Salmlerartige, Zitteraale, Karpfenfische.

Karpfenfische, Cyprinidae: Familie der Karpfenartigen; Friedfische mit zahnlosen Kiefern, aber bezahnten Schlundknochen. Karpfenfische bewohnen die Süßgewässer Eurasiens, Nordamerikas und Afrikas. Nutzfische sind Karpfen, Plötze, Schleie unter anderem; teils Aquarienfische, wie Barben, Goldfische, Schmerlen.

Karpfenlaus, Argulus foliaceus: 5 bis 6 mm langer Kleinkrebs mit stechend-saugenden Mundwerkzeugen und Klammerorganen; Blutsauger, schmarotzt auf der Haut von Karpfen und anderen Fischen.

Kärpflinge: Sammelbezeichnung für verschiedene kleine, meist bunte, eierlegende und lebendgebärende Zahnkarpfen. Siehe auch Aquarienfische.

Karacke: ursprünglich ein-, später dreimastiges Handelssegelschiff des 15./16. Jahrhundert im Mittelmeerraum; im 17. Jahrhundert auch in den Niederlanden (als Kraek) bekannt. Die Tragfähigkeit betrug bis zu 400 Lasten; der Schiffskörper wurde in Kraweelbauweise hergestellt.

Karren, Schratten: schmale, meist parallel angeordnete Rippen und Rinnen auf Felsflächen, besonders auf Kalk und Gips; durch Lösung und Abspülung entstanden. Bei großflächigem Auftreten spricht man von Karrenfeldern, die besonders in Karstgebieten verbreitet sind.

Karrer, Paul, 21.4. 1889-18.6. 1971, schweizerischer Chemiker, Professor in Zürich; arbeitete über Vitamine, Karotinoide, Alkaloide und verfasste ein Lehrbuch der organischen Chemie.

Karrierismus: Skrupel- und prinzipienloses, egoistische Strebertum; Karriere machen um jeden Preis.

Kariolpost: früher leichtes, meist einspänniges Fuhrwerk mit Kasten zur Beförderung von Postsendungen auf Landstraßen.

Karru: (Khoisansprachen, «hart», «steinig(e Fläche)») Plateaustufen im Abstieg der Großen Randstufe zur Kapküste in der Republik Südafrika; oberste Stufe Obere Karru (1500 bis 1000m über dem Meeresspiegel), darunter Große Karru (800 bis 600 m über dem Meeresspiegel) und Kleine Karru (300 bis 500 m über dem Meeresspiegel); spärliche Vegetation (Halbsträucher, Gras).

Karst: 1. Karst (nach dem Gebirge): Geomorphologie - Bezeichnung für ein vorrangig aus löslichen Gesteinen (Kalk, Dolomit, Gips) aufgebautes Gebiet, in dem sich durch Lösungsprozesse des Sieker-, Grund- und Oberflächenwassers ein charakteristischer Formenschatz an und unter der Erdoberfläche entwickelt hat. Der Untergrund ist meist reich an Karsthöhlen, die oft zu ausgedehnten Höhlensystemen zusammengeschlossen sind. Sie werden von Karstflüssen durchzogen, die über Ponore (Schlucklöcher) Oberflächenwasser zugeführt bekommen und in Karstquellen wieder zutage treten. An der Oberfläche sind Poljen, Dolinen, Uvalas (aus mehreren Dolinen entstandene Senken) und Karren (Karrenfelder) ausgebildet. Unter tropischen Klimabedingungen entstehen außerdem steilwandige türm- oder kegelartig geformte Kalkklötze (Turm- und Kegelkarst), zwischen denen sich im Niveau der durch Lösung verstärkten fluvialen Seitenerosion ausgedehnte Karstebenen herausgebildet haben.

2. Volkskunde: zweizinkige Hacke, die einst die schwere Handarbeit des Bauern und Winzers kennzeichnete (daher Khans).

Kartala, Karthala, Cartala: tätiger Vulkan auf der Komoreninsel Grande Comore; 2560 m; Kraterdurchmesser 4 km; letzter großer Ausbruch 1977.

Kartätsche: 1. Bauwesen: gehobeltes Brett mit langem, aufgesetztem Handgriff zum Aufziehen und Verteilen des Putzmörtels.

2. Militärtechnik: bis zum 1. Weltkrieg gebräuchliches dünnwandiges, mit Bleikugeln gefülltes Artilleriegeschoß; vom Schrapnell verdrängt.

Kartause: allgemeine Bezeichnung für die Klosterbauten der Kartäuser; benannt nach dem Gründungsort La Chartreuse (Tal bei Grenoble).

Kartäuser: streng beschaulicher Mönchsorden, verbindet Einsiedler- und Klosterleben; 1084 von Bruno von Köln im Tal La Chartreuse gegründet; lateinischer Name: Ordo Carthusianorum, Abkürzung O. Cart.

Karte: 1. Kartographie: verkleinerte, mathematisch bestimmte und durch Schrift erläuterte graphische Abbildung (Bild-Zeichenmodell) von Teilen oder der gesamten Erdoberfläche beziehungsweise eines anderen Himmelskörpers in der Ebene (zweidimensional). Sie zeigt die Verteilung, den Zustand und die Zusammenhänge der verschiedenen natürlichen und gesellschaftlichen (sozialökonomische) Erscheinungen, einschließlich ihrer Veränderungen in der Zeit, die entsprechend dem Zweck der Karte (Erkenntnisgewinnung, Kommunikation, Prognose und so weiter) ausgewählt und charakterisiert werden können. Karte werden nach verschiedenen Merkmalen klassifiziert, hauptsächlich nach Zweckbestimmung (zentrale staatliche, volkswirtschaftliche, Wissenschaftliche und kulturelle Aufgaben), Gegenstand beziehungsweise Thematik (topographische und allgemeingeographische sowie thematische Karte, die wiederum in physisch-geographische, sozialökonomische und technische Thema-K unterteilt sind), Raum (Himmels-, Erd-, Erdteil-, Länderkarte unter anderem), Maßstab (groß-, mittel-, kleinmaßstäbig) und Gebrauchsform (Wand-, Hand-, Atlaskarte unter anderem). Topographische Karte umfassen die Maßstäbe 1:10000 bis 1:1000000 und werden nach einheitlichen, auf die verschiedenen Maßstäbe abgestimmten Anforderungen und Zeichenvorschriften hergestellt. Allgemeingeographische Karte in den Maßstäben 1:1000000 und kleiner werden als chorographische Karte bezeichnet und unterliegt einer starken Generalisierung (Verallgemeinerung). Thematische Karte bilden mittels spezifischen Methoden auf einer vereinfachten topographischen Grundlage, die auf den Kartengegenstand orientiert ist, bestimmte Themen aus dem natürlichen oder sozialökonomischen Bereich ab.

2. Textiltechnik: mit Löchern markiertes Band oder Papierblatt zur Steuerung der Jacquardmaschine oder sonstiger Mustereinrichtungen an Web-, Wirk- und Strickmaschinen.

Kartell: eine Grundform des kapitalistischen Monopols; Zusammenschluss rechtlich selbständig bleibender Firmen eines Produktionszweiges zwecks monopolistischen Beherrschung des Marktes und Realisierung von Maximalprofiten. Kartellformen sind Konditionskartell mit Vereinbarungen über Verkaufs-, Liefer- und Zahlungsbedingungen; Preiskartell mit Vereinbarungen über Grad und Zeitpunkt von Preiserhöhungen; Absatzkartell mit Absprachen über die Abgrenzung der Absatzgebiete; Kontingentierungskartell mit Vereinbarungen über die Höhe der Gesamtproduktion des Kartell und den Anteil der einzelnen zum Kartell gehörenden Unternehmen. Krisenkartell sind Kartell mit der Aufgabe, Folgen einer Wirtschaftskrise zu Lasten der Werktätigen oder von Konkurrenten zu mildern; Rationalisierungskartell dienen dem Austausch beziehungsweise der gemeinsamen Anwendung wissenschaftlich-technischer Forschungsergebnisse im Kartell mit dem Ziel ihrer Nutzung im Interesse hoher Profite für alle Beteiligten. Mit der Internationalisierung des Wirtschaftslebens hat das internationale Kartell, das zunächst als Rohstoffkartell entstanden war, immer größere Bedeutung erlangt. In ihm wird eine gemeinsame Strategie der Machtexpansion vereinbart, wobei deren Realisierung meist mit heftigen Konkurrenzkämpfen der am Kartell beteiligten Unternehmen verbunden ist.

Kartenaufnahme: Geländeaufnahme zur Herstellung großmaßstäbige topographische oder thematische Karten, vielfach unter Einbeziehung der Erd- und Luftbildmessung.

Kartennetzentwürfe: Abbildungen des Gradnetzes der Erdkugel beziehungsweise des Erdellipsoids oder eines Teiles davon in die Kartenebene. Da sich eine Kugeloberfläche als Bezugsfläche nicht ohne Verzerrungen in eine ebene Abbildung überführen lässt, sind bei der Auswahl der Kartennetzentwürfe die unterschiedlichen Verzerrungsverhältnisse eine wichtige Bestimmungsgröße. Kartennetzentwürfe sind winkeltreu oder konform, wenn ein Winkel der Bezugsfläche bei der Abbildung unverzerrt wiedergegeben wird (die Flächen werden hierbei stärker verzerrt), flächentreu, wenn beliebige Flächen der Bezugsfläche in einem konstanten Verkleinerungsverhältnis abgebildet werden, womit starke Verzerrungen der Winkel verbunden sind, oder längentreu, wenn einzelne Kreisbogenstücke der Bezugsfläche (Meridiane, Breitenkreise) im konstanten Verkleinerungsverhältnis wiedergegeben werden. Vermittelnde Kartennetzentwürfe sind weder Winkel noch flächentreu. Bei ihnen werden alle Verzerrungen im abgebildeten Gebiet so gering wie möglich gehalten. Die Abbildung des Erdkörpers kann durch Projektion unmittelbar auf eine Ebene erfolgen (azimutale Entwürfe) oder mittelbar über einen abwickelbaren Kegel- oder Zylindermantel (Kegel- oder Zylinderentwürfe). Die Abbildungsflächen können die Bezugsfläche des Erdkörpers berühren oder schneiden (Berührungskegel beziehungsweise -zylinder und Schnittkegel beziehungsweise -zylinder). Nach der Lage der Achse der Abbildungsfläche zur Erdachse sind zu unterscheiden: normale oder polständige Kartennetzentwürfe (Achse der Abbildungsfläche fällt mit der Erdachse zusammen), die bei azimutalen Entwürfen wichtig für die Abbildung der Polgebiete sind; transversale, äquatorständige oder querachsige Kartennetzentwürfe (Achse der Abbildungsfläche liegt in der Äquatorebene); allgemeine beziehungsweise zwischenständige Kartennetzentwürfe (beliebige Lage der Achse der Abbildungsfläche). Aus der Lage des Projektions-Zentrums ergibt sich eine weitere Untergliederung in gnomonischen oder Zentralprojektion (Zentrum im Erdmittelpunkt), stereographische Projektion (Zentrum im Gegenpol) und orthographische oder Parallelprojektion (Zentrum im Unendlichen). Diese Projektionen werden hauptsächlich bei azimutalen Kartennetzentwürfen angewandt. Bei echten Kartennetzentwürfe, die aus rein perspektiv. Projektionen hervorgegangen sind, werden die Meridiane als Geraden, die Breitenkreise als konzentrische Kreise beziehungsweise bei Zylinderentwürfen als zueinander parallele Geraden abgebildet. Bei den unechten Kartennetzentwürfe, die aus nichtperspektiv. Entwürfen hervorgegangen sind und vielfach flächen-, aber nicht winkeltreu sind, werden die Meridiane als Kurven abgebildet.

- Wichtige Kartennetzentwürfe sind H. C. Albers flächentreuer Schnittkegelentwurf mit 2 längentreuen Breitenkreisen, der modifiziert häufig in der Atlaskartographie angewandt wird, R. Bonnes unechter Kegelentwurf, J. H. Lamberts flächentreuer Azimutalentwurf, G. Mercators winkeltreuer Zylinderentwurf (Mercator Entwurf), bei dem Loxodrome geradlinig abgebildet werden und der deshalb große Bedeutung für die Navigation besitzt, der Gauß-Krüger Entwurf (winkeltreuer transversaler Zylinderentwurf) und O. Winkels vermittelnder Entwurf für die Darstellung der gesamten Erdoberfläche (ausgenommen für Abbildungen, die Winkeltreue erfordern).

Kartenprojektion: Abbildung des Gradnetzes der Erde durch Projektion in die Ebene beziehungsweise auf eine andere, in die Ebene abwickelbare Fläche (Kegel- oder Zylindermantel). Siehe auch Kartennetzentwürfe.

Kartenschlagmaschine: Weberei Hilfsmaschine zum mustermäßigen Einschlagen von Löchern in Papp- oder Papierkarten. Siehe auch Karte 2.

Kartenschriften: Sammelbegriff für die für Visiten- und Geschäftskarten verwendeten Schriftarten.

Kartenspiele: Spiele mit Karten verschiedenen Wertes und verschiedener Zusammenstellung nach unterschiedlichen Spielregeln (Skat, Romme, Tarock unter anderem); sie sind chinesischen Ursprungs; seit 1400 in Europa verbreitet.

kartenverwandte Darstellungen: Kartographie Darstellungsformen, die eine konkrete Vorstellung der Realität vermitteln und in spezifischen Fällen effektiver sind als Karten. Sie umfassen Abbildungen auf verschiedene Abbildungsebenen, vereinfachte und kombinierte Konstruktionen (Blockdiagramme), Stereo-Geländebilder, topographische Modelle oder Reliefs, Globen und Globussegmente. Kartenverwandte Darstellungen dienen als Anschauungs- und Forschungsmittel.

kartesianischer Taucher: hohle Glasfigur mit Öffnung; sinkt im Wasser, wenn durch äußeren Druck Wasser eindringt (Auftriebsverringerung) und steigt bei nachlassendem Druck; fälschlich zu Descartes (Cartesius) in Beziehung gesetzt.

kartesisches Blatt: (nach Descartes) algebraische Kurve 3. Ordnung mit der Gleichung x3 + y 3 axy = 0 (a 4= 0) in geeigneten kartesische Koordinaten.

Karthago: (phönikische Kart-Chadascht, «neue Stadt») phönikische Handelsniederlassung auf einer Halbinsel nordöstlich von Tunis, im 9./8. Jahrhundert vor Christus von Tyros aus gegründet; besaß eine Burg (Byrsa), große Hafenanlagen, einen Tempel und Befestigungsanlagen. Karthago entwickelte sich zur mächtigsten See- und Handelsmacht im westlichen Mittelmeerraum und dehnte seine Herrschaft auf aller phönikischen Niederlassungen an den Küsten Nordafrikas, Siziliens, Südspaniens und Sardiniens aus. Im Kampf um die Hegemonie geriet Karthago in militärischen Auseinandersetzungen mit den Griechen und Römern. Rom besiegte Karthago in den 3 Punischen Kriegen (264/241; 218/201; 149/146 vor Christus). Nach seiner völligen Zerstörung, 146 vor Christus, wurde Karthago unter Cäsar (44 vor Christus) und Augustus (29 vor Christus) als Colonia Julia Carthago neu gegründet und entwickelte sich in der römischen Kaiserzeit erneut zu einer Weltstadt (neue Bauwerke unter anderem). 439 nach Christus wurde es durch die Wandalen, 533 durch den oströmischen Feldherrn Belisar und 698 durch die Araber erobert und endgültig zerstört. Ruinen im Nordosten von Tunis (Vorstadt Carthago) gelegen.

Kartiergerät: Instrument zum manuellen, mechanisches oder elektrisches Aufträgen von gemessenen oder berechneten Koordinaten von Punkten, Strecken unter anderem in Pläne und Karten. Einfache Kartiergeräte sind Anlege-, Transversalmaßstab, Winkelmesser, Kurvenlineal; besonders genaue Kartiergeräte sind Koordinatographen und fotogrammetrische Auswertegeräte, bei denen das Zeichnen programmgesteuert erfolgt.

Kartierung: Anfertigung von Plänen und großmaßstäbigen Karten mittels Kartier- beziehungsweise Auswertegeräten auf der Grundlage von Vermessungsarbeiten im Gelände und durch die Auswertung von Luftbildern.

Karting, Carting (englisch cart, «Karren», «Wagen») K-Wagen-Rennen: Motorsport Wettbewerb, der auf einem bis zu 440 m langen, kurvenreichen Rundkurs mit flacher Beton- oder Asphaltoberfläche mit Kleinwagen (K-Wagen) ausgetragen wird. entsprechend der Ausschreibung ergibt sich die Platzierung aus der höchsten oder niedrigsten Punktzahl nach mehreren Läufen. Europa- und Weltmeisterschaften in verschiedenen Klassen.

Kartoffel, Solanum tuberosum: krautiges Nachtschattengewächs mit unpaarig gefiederten Blättern, weißen oder violetten Blüten und grüner Beerenfrucht, die das giftige Solanin enthält. An den unterirdischen Sprossen bilden sich stärkereiche Knollen. Die Kartoffel ist eine alte Kulturpflanze Südamerikas; sie wurde etwa 1550 nach Europa gebracht; seit der 1. Hälfte des 18. Jahrhundert feldmäßiger Anbau; dient zu Speise- und Futterzwecken sowie der Stärke- (Kartoffelmehl) und Spirituserzeugung. Siehe auch Kulturpflanzen.

Kartoffelälchen, Kartoffelnematode, Heterodera rostochiensis: etwa 1 mm langer, an Wurzeln von Kartoffeln und anderen Nachtschattengewächsen schmarotzender Fadenwurm; Erreger der Kartoffelmüdigkeit.

Kartoffelaufbereitungsanlage: Komplex von bau- und maschinentechnische Anlagen und Einrichtungen zur Aufbereitung, Lagerung und Vermarktung (sogenannt ALV-Anlagen) von Speise- und Pflanzkartoffeln. Je nach Gebrauchswert und Einsatzart des Erntegutes werden in rationeller Folge Umschlag und Annahme, Förder- und Trennvorgänge (Fremdbesatzabscheidung, Sortieren), Wägen und Abpacken in Maschinenketten mit der Ein- oder Auslagerung beziehungsweise Direktvermarktung verbunden.

Kartoffelbovist, Scleroderma aurantium: zu den Bauchpilzen gehörender Ständerpilz mit äußerlich einer Kartoffel ähnliche weißlichem bis grünlichgelbem, oft warzigem Fruchtkörper, dessen innere, anfangs weißliche, dann schiefergraue bis schwarze Sporenmasse widerlich stechend riecht. In Wäldern, an sandigen Wegrändern und auf Grasplätzen vorkommend; giftig.

Kartoffelerntemaschinen: traktorbetriebene, ein- bis dreireihige Maschinen, die den Kartoffeldamm mit Rodescharen unterfahren, aufnehmen und zu Siebelementen führen, auf denen die Abtrennung von Erde und Fremdbeimengungen (Steine, Kluten, Pflanzenreste) vom Erntegut erfolgt.

Kartoffelkäfer, Leptinotarsa decemlineata: 10 bis 12 mm langer, gelber Blattkäfer mit 10 schwarzen Streifen auf den Flügeldecken; Larve glänzendrot mit schwarzen Flecken. Nach dem 1. Weltkrieg von Nordamerika nach Europa eingeschleppter Kartoffelschädling. Der Schaden entsteht durch Blattfraß der Larven und Käfer.

Kartoffelkrebs: durch den Pilz Synchytrium endobioticum verursachte Krankheit der Kartoffel, bei der blumenkohlartige, anfangs weiße, später braune Wucherungen von den Augen her auf immer größere Teile der Knollen übergreifen. Die Dauersporen des Pilzes können bis zu 12 Jahren im Boden lebensfähig bleiben. Die Züchtung krebsresistenter Sorten ist neben weitgestellter Fruchtfolge die beste Methode zur Bekämpfung des Kartoffelkrebses; siehe auch Flagellatenpilze.

Kartoffelkrieg: Bezeichnung für die Unruhen und Aktionen der hungernden Bevölkerung Berlins im April 1847; Ausdruck der revolutionären Situation.

Kartoffellegemaschine: traktorbetriebene mehrreihige Arbeitsmaschine zum Kartoffelpflanzen; zieht die Legefurche, legt die Kartoffeln einzeln ein und verrichtet im selben Arbeitsgang das Zudecken mit Erde.

Kartoffelmotte, Phthorimaea operculella: 15 bis 17 mm spannende, graubraune Palpenmotte mit gelben Längsstreifen auf den Vorderflügeln; Raupe schädigt zuweilen im Freien, vorwiegend jedoch in Lagerräumen an Kartoffeln, Tomaten, Tabak unter anderem

Kartoffelsortiermaschine: von Hand oder Motor betriebene, stetig arbeitende Maschine zum Sortieren von Kartoffeln nach der Knollengröße beziehungsweise dem Gebrauchswert als Speise-, Pflanz- oder Futterkartoffeln.

Kartographie: (griechisch) Wissenschaft von der Darstellung und Erforschung der raumbezogenen Erscheinungen aus Natur und Gesellschaft, einschließlich ihrer Veränderungen in der Zeit mittels anschaulich-symbolischer Modelle (kartographische Darstellungen), die bestimmte Seiten der Realität wiedergeben. Die Kartographie untergliedert sich in praktischer (Tätigkeit der Kartenherstellung) und theoretischer Kartographie. Letztere setzt sich vor allem aus der Theorie der Kartengestaltung und der Theorie der Kartennutzung zusammen. Zur theoretischen Kartographie rechnet man ferner die Geschichte der Kartographie, die kartographische Terminologie und die kartographische Ausbildung. Vom Gegenstand der Kartographie her wird sie in die topographische Kartographie und die thematische Kartographie gegliedert. Vorrangige Aufgabe der topographischen Kartographie ist die Herstellung und Laufendhaltung topographische Karten für die Befriedigung der Bedürfnisse der Volkswirtschaft und der Landesverteidigung. Die Gestaltung beziehungsweise der Entwurf von Karten und kartenverwandten Darstellungen spezieller Themen sind das Aufgabengebiet der thematischen Kartographie Gegenwärtig bietet die elektronische Datenverarbeitung neue Möglichkeiten zur Automatisierung kartographischer Prozesse (rechnergestützte Kartenherstellung und Kartennutzung). Wesentlicher Einfluss auf die Entwicklung der Kartographie hat die Fernerkundung genommen (Auswertung aerokosmische Daten für die Neuherstellung und Laufendhaltung von Karten, Erarbeitung von Karten anderer Himmelskörper).

Geschichtliches: Einfachste kartographische Zeichnungen (auf Holz, Leder unter anderem) sind offenbar bereits in der Urgesellschaft bekannt gewesen. Die ältesten erhaltenen kartographischen Darstellungen stammen von den Völkern des Alten Orients und Chinas. Einen Höhepunkt erlebte die Kartographie im antiken Griechenland, wo die ersten Kartennetzentwürfe entstanden und auch das Gradnetz der Erde eingeführt wurde. Bekannt wurden vor allem die Arbeiten des Claudius Ptolemäus (90-160). Im Mittelalter war über lange Zeit die Klosterkarte das bedeutendste kartographische Produkt. Unter den frühkapitalistischen Verhältnissen in der Renaissance entstanden für die Bedürfnisse der Seefahrt erste Seenavigationskarten (Portolane), die sich durch relativ genaue Küstendarstellungen auszeichneten. Die Erfindung des Buchdrucks ermöglichte die Befriedigung der Massennachfrage nach Karten. Entscheidende Fortschritte für die Entwicklung der Kartographie wurden durch die großen geographischen Entdeckungen des 15. und 16. Jahrhundert erzielt. Kartographische Manufakturen entstanden in den reichen Handelsstädten Italiens, Deutschlands und der Niederlande. Der bekannteste Kartograph war G. Mercator. Im Russland des 16. und 17. Jahrhundert erfolgte die Erarbeitung von Karten auf staatliche Initiative. Mit der weiteren Entwicklung des Kapitalismus in Europa erlebte die Kartographie einen beachtlichen Aufschwung. Kartographische Arbeiten gehörten zur Tätigkeit der Akademien der Wissenschaften in Paris, Petersburg und Berlin. Im 18. Jahrhundert begann in Europa die systematische Herstellung topographischer Landeskartenwerke und Seenavigationskarten. Im 19. Jahrhundert leistete die Militärkartographie einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Kartographie und die thematische Kartographie gewann an Bedeutung. Mit der Großen sozialistischen Oktoberrevolution entstand die sowjetische Kartographie, die den führenden Platz in Theorie und Praxis eingenommen hat. Heute sind die Produkte der Kartographie für Leitung und Planung der Volkswirtschaft, Landesverteidigung, Bildung und Erziehung, Tourismus, Forschung und andere Zwecke unentbehrlich.

kartographische Darstellungsformen: Gesamtheit der Ausdrucksformen zur adäquaten und räumlich ähnlichen Abbildung von georäumlichen Strukturen und (in begrenztem Maße) von georäumlichen Prozessen durch graphische Mittel.

Karto Lithographie: (griechisch) Polygraphie Verfahren zur Vervielfältigung kartographisch hergestellter Vorlagen mittels lithographische oder fotolithographische Techniken; heute vielfach mittels F.-O.-S.-Verfahren.

Kartometrie, (griechisch) Kartenmesskunde: die Ermittlung von Koordinaten, Entfernungen, Längen, Flächen, Winkeln, Richtungen, Höhen, Hangneigungen und so weiter mit Hilfe von allgemeingeographischen beziehungsweise thematische Karten sowie die Untersuchung der Methoden und der Genauigkeit von Messungen mittels Karten.

Karton: (französisch griechisch)

1. bildende Kunst: Entwurfszeichnung für Wandgemälde und Gobelins auf starkem Papier in der Größe des beabsichtigten Gemäldes; seit der italienischen Renaissance gebräuchlich. ursprünglich nur bei bedeutenden Künstlern als Kunstwerk geschätzt, gewöhnlich aber als bloßes Hilfsmittel betrachtet, gewinnt der Karton bei den Klassizisten und Nazarenern selbständige Bedeutung (zum Beispiel A. J. Carstens).

2. Papierherstellung: leichte Pappe (Steifpapier, Feinpappe) mit einem Massebelag von 200 bis 500 g/m2. Kartonsorten bis 250 g/m2 werden hauptsächlich in einer Lage gearbeitet (Naturkarton), Karton mit größerer Masse in feuchtem Zustand zusammengegautscht (Duplexkarton zweifach, Triplexkarton dreifach) oder in besonderen Klebemaschinen aus mehreren fertigen Lagen in trockenem Zustand geklebt. Kartonsorten sind zum Beispiel Schachtelkarton, Becherkarton, Postkartenkarton, Spielkartenkarton, Chromoersatzkarton.

Kartusche:

1. bildende Kunst: Renaissance- und Barockzierform besonders in der Baukunst, bestehend aus einer planen oder gewölbten, rechteckigen oder ovalen, schildartigen Fläche, die von Rollwerkornamentik gerahmt ist.

2. Militärtechnik: Hülse mit Treibladung und Schlagzündschraube für Granaten bei getrennter Munition.

Karun: längster und einziger schiffbarer Fluss Irans; 850 km; entspringt im Zagrosgebirge und mündet in den Schatt al-Arab; am Mittel- und Unterlauf Flussoasen.

Karvakrol, Carvacrol: ein farbloses, allmählich dunkler werdendes, flüssiges Phenol der Formel C10H13OH. Karvakrol kommt in einigen ätherischen Ölen vor und wird als Desinfektionsmittel und Antiseptikum verwendet.

Karvon, Carvon: ein gelbliches, nach Kümmel riechendes, flüssiges, monozyklisches Terpenketon der Formel C10H14O; Kp 230°C. Es kommt unter anderem im Kümmel- und Dillöl vor und dient zur Aromatisierung von Nahrungs- und Genussmitteln.

Karwoche, (althochdeutsch kara «Wehklage», «Trauer») Stille Woche: im Kirchenjahr Woche zwischen Palmsonntag (Palmarum) und Ostern zur Erinnerung an Jesu Leiden und Sterben.

Karyatide: weibliche Statue als Gebälkträgerin; wie der Atlant Anthropomorphisierung der Säule. Berühmt sind die Karyatiden an der Korenhalle des Erechtheions auf der Akropolis in Athen (5. Jahrhundert vor Christus).

Karyobionten, Karyota: ein- bis vielzellige Organismen, deren Zellen mit Organellen (Zellkern, Plastiden, Mitochondrien, Vakuole) ausgestattet und durch zytoplasmatische Membranen die in physiologischen Reaktionsräume gegliedert sind; hierzu gehören Flagellaten, Lagerpflanzen, Sprosspflanzen und Tiere. Siehe auch Akaryobionten.

Karyogamie: Vereinigung von 2 haploiden Zellkernen zum diploiden Zygotenkern (Kernverschmelzung).

Karyogramm: Darstellung der Chromosomen bestimmter Körperzellen (Blut, Haut) zur Diagnose des Kerngeschlechts vor der Geburt und chromosomaler Abweichungen, zum Beispiel bei Langdon Downscher Erkrankung und Turner-Syndrom. Der gesunde Mensch hat 46 Chromosomen. Abweichungen (45 oder 47 Chromosomen) beruhen meist auf Mutationen. Häufig finden sich dabei Störungen in der körperlichen und geistigen Entwicklung.

Karyopse: trockene, einsamige Schließfrucht der Gräser mit stark entwickeltem Nährgewebe; Samenschale und Fruchtstand sind miteinander verwachsen.

Karyotakis, Kostas, 1896-19.7.1928 (Selbsttötung), griechischer Schriftsteller, Jurist; Repräsentant einer in Verzweiflung und Ausweglosigkeit sich äußernden Ideologie des Niedergangs, deren dekadente poetische Äußerungen als Karyotismos weiterwirkten.

Karyotyp: der auf der Grundlage der Chromosomenzahl und -morphologie definierte Chromosomenbestand eines Individuums oder einer Gruppe verwandter Individuen. Siehe auch Karyogramm.

Karzer: (dat., «Gefängnis») früher Arrestraum besonders in Schulen und Hochschulen; Staatsgefängnis im antiken Rom.

Karzinoid: krebsähnliche, relativ gutartige, hormonbildende Geschwulst, besonders im Dünndarm oder in den Bronchien, mit Neigung zur Metastasierung und charakteristischen Karzinoid-Syndrom (anfallartiger Blutandrang mit Hautröte beziehungsweise «Flush» und Herzklappenfehler).

Kasan: Hauptstadt der Tatar, am Kuibyschewer Stausee (Wolga); 1 Millionen Einwohner; eines der wichtigsten Industrie-, Verkehrs- und Kulturzentren im Wolgagebiet; Maschinenbau, Metallverarbeitung (Sanitärtechnik, Feinmechanik), chemische (Filme, Haushaltchemie, Pharmazeutika, Polyäthylen), polygraphische, Pelz-, Textil- (unter anderem Leinenkombinat), Leder-, Lebensmittelindustrie; Hafen, Flughafen, Verkehrsknoten; Universität (1804 gegründet), 10 Hochschulen; Philharmonie, Theater, Museen, Zoo; Kreml (16./18. Jahrhundert), Petropawlowsker Kathedrale (18. Jahrhundert; heute Planetarium), klassizistischen Universitätskomplex. Mitte des 13. Jahrhundert gegründet, Ende 14. Jahrhundert an die jetzige Stelle verlegt; seit um 1450 Hauptstadt des tatarischen Chanats Kasan; 1552 von Iwan IV. erobert, zum Teil zerstört; seit 1708 Gouvernements Hauptstadt; seit dem 19. Jahrhundert ein Zentrum der revolutionären Bewegung, hier begann W. I. Lenin zu wirken. 1917 Sieg der Sowjetmacht; seit 1920 Hauptstadt der Tatarischen ASSR.

Kazanlak: Stadt im mittleren Bulgarien (Bezirk Stara Sagora), an der Südabdachung der Stara Planina, nahe dem Dimitroff Stausee (an der Tundsha); 60000 Einwohner; Textil- (unter anderem Teppichweberei), Lebensmittelindustrie, Werkzeugmaschinenbau, Leder-, Möbelfabrik, Musikinstrumentenbau; Zentrum der Rosenölproduktion (Anbau von Rossen im Tundscha Becken (Tal der Rosen) bei Kazanlak; Forschungsinstitut); Museum.

Kasatschok: ausgelassener Kosakentanz im 2/4-Takt, der paarweise getanzt wird; nach 1965 weitverbreiteter Modetanz.

Kasbah, Kasba: Altstadtviertel (im Gegensatz zu den seit der Kolonialzeit modern gestalteten Stadtteilen) in nordafrikanischen und zum Teil vorderasiatischen Ländern; in der Kolonialzeit Stadtviertel der Muslime (im Gegensatz zum Europäer Viertel).

Kasbek: erloschener Vulkan im Kaukasus; 5033 m; zum Teil vergletschert; Touristen- und Wintersportgebiet.

Kasch: (zu «kaschieren») Filmtechnik in beliebiger Form gehaltene Teilabdeckung des Bildfeides in Kamera oder Projektor. Bestimmte Breitbildverfahren werden durch Abdeckung des oberen und unteren Teiles des Normalbildfeldes erzielt; in der Filmtricktechnik werden Kasch zum Beispiel für Überblendungen benutzt.

Kaschemme, Spelunke: Gaststätte übelsten Stils beziehungsweise Rufs (Verbrecherkneipe).

Kaschieren, «verdecken», «verbergen»:

1. Kaschieren, Laminieren (französisch): Buchbinderei - das Zusammenkleben gleichen oder verschiedenartigen Materials (Papier, Pappe, textile Flächengebilde, Plast- und Metallfolien) eventuell unter Druck und erhöhter Temperatur.

2. Textiltechnik: Verkleben von textilen Flächengebilden mit geeigneten Klebmitteln.

3. Theater, Film, Fernsehen: das Herstellen von Requisiten und Dekorationsteilen aus Kaschiermasse (Sägespäne, Korkmehl, Gips, Leim unter anderem), auch aus aufgeschäumten Weich- und Hartplasten.

Kaschiri: leicht berauschendes Getränk der Indianer des tropischen Waldgebietes in Südamerika.

Kaschmir: (nach Kashmir) feines, weiches Wollgewebe in Köperbindung mit speziellem Motiv (spitzes Blatt mit zurückgebogener Spitze, Streublumen) für Kleider, Schals, Tücher.

Kaschubaum, Anacardium occidentale: aus Brasilien stammendes, heute in den gesamten Tropen verbreitetes Sumachgewächs mit aromatisch duftenden, gelb rosa Blüten. Die birnenförmig angeschwollenen fleischigen Fruchtstiele werden als Kaschuapfel bezeichnet und gegessen; aus der Fruchtwand und den Samen wird Öl gewonnen.

Kaschubisch: aus dem pomoranischen Zweig der slawischen Sprachen hervorgegangene Dialektgruppe der polnischen Sprache; weist zahlreiche aus dem Deutschen entlehnte Wörter auf. Kaschubisch wird im Gebiet westlich des Unterlaufs der Wisla sowie südlich und westlich von Gdansk gesprochen.

Käse: aus Milch, Sahne oder entrahmter Milch, auch Buttermilch oder Molke durch Labenzym und beziehungsweise oder Säuerung (bei Molke durch Erhitzen) abgeschiedenes, aus Milcheiweißstoffen, -fett unter anderem bestehendes Gemisch, das gesalzen, gepresst, gewürzt und geformt, frisch oder gereift zum Verzehr bestimmt ist. Geschmack, Aussehen, Konsistenz und Form hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab, wie Milchart (Kuh-, Schaf-, Ziegenmilch), Art der Dicklegung (Lab-, Sauermilchkäse), Temperaturführung, Reifung, angewendete Bakterien- und Pilzkulturen, Zusatzbehandlung (zum Beispiel Räuchern, Schmelzen). Zur Herstellung wird die gereinigte, im Allgemeinen pasteurisierte und auf den jeweiligen Fettgehalt eingestellte Milch unter Zusatz von Spezialkulturen, -präparaten und Hilfsstoffen dickgelegt. Der anfallende Bruch wird von der Molke abgetrennt, je nach Käse-Typ unterschiedlich geformt und behandelt und in klimatisierten Kellern gereift. Gereifte Süßmilchkäse sind zum Beispiel Hartkäse (Emmentaler, Tiefländer), Schnittkäse (Edamer, Gouda, Tollenser), Weichkäse (Camembert, Brie, Neufchateler). Zum Reifen bestimmte Sauermilchkäse sind Gelbkäse, Edelschimmelkäse Nichtgereifte Käse sind Speisequark, Frischkäsezubereitungen unter anderem. Der Fettgehalt in der Trockenmasse (i. T.) reicht von 10% (Magerkäse) bis 70% (Vollrahmkäse).

Käsefliege, Piophila casei: kleine schwarze Fliege mit bräunlichen Augen und Beinen, die ihre Eier an Käse, Fleisch oder Fisch ablegt; ihre Larven (Käsemaden) können springen; Entwicklung 3 bis 4 Wochen, daher mehrere Generationen im Jahr.

Kaseine, Caseine: Milcheiweiße, die aus biologisch hochwertigen phosphorylierten Aminosäuren bestehen. Durch Enzyme (Rennin) oder durch Säuerung werden Kaseine feinflockig ausgefällt (Milchgerinnung).

Kaseinmalerei, Käsekalkmalerei-, seit dem Mittelalter übliche Technik der Wandmalerei mit kaseingebundenen Farben.

Käsemaden: Larven der Käsefliege.

Kasematte: 1. in Festungen durch hohen Erdbelag besonders geschütztes Gewölbe aus dicken Mauern.

2. auf Kriegsschiffen gepanzerter Geschützraum unter Deck.

Käseschmiere, Fruchtschmiere, Vernix caseosa: dem Kind bei der Geburt am ganzen Körper anhaftende Schutzschicht aus Talg, Epithelien und Wollhaaren.

Kashi, Kaschgar. Stadt im Nordwesten Chinas, im Westen des Autonomen Gebietes Xinjiang Uygur; 230000 Einwohner; Landmaschinenbau, Baumwollverarbeitung und Teppichproduktion, chemische, Zement- und Leichtindustrie; Handelszentrum des Tarimbeckens; Flughafen; östlich von Kashi Erdöllagerstätte.

Kashmir, Kaschmir: Hochgebirgslandschaft in Asien mit Anteil an Gebirgsketten des Vorderen und Zentralhimalaja (Nanga Parbat, 8126 m) und des Karakorum (K 2, 8 611 m) sowie dem etwa 1500 bis 1900 m über dem Meeresspiegel gelegenen Tal von Kashmir und Gebieten der Himalaya Fußzone; etwa 220000 km2; politisch geteilt zwischen Pakistan und Indien (Jammu und Kashmir). Hauptwirtschaftszweig ist die Viehwirtschaft; in den Tälern und Becken Anbau von Reis, Mais, Weizen.

Kaskade: stufenförmiger, oftmals künstlich angelegter Wasserfall; Bezeichnung auch für eine Folge von Staustufen, zum Beispiel Wolga-Kama-Kaskade.

Kaskadengebirge: Hochgebirge im Westen der USA (Kalifornien, Oregon, Washington) und im Südwesten Kanadas (Britisch-Kolumbien), Teil der nordamerikanischen Kordilleren; 1100 km lang, höchste Erhebung Mount Rainier mit 4392 m; aus Graniten, gefalteten Sediment- und metamorphen Gesteinen mit darüber sich erhebenden Vulkankegeln aufgebaut; die höchsten Gebirgsteile sind vergletschert; vom Columbia in treppenförmig angeordneten Wasserfällen (Kaskaden) durchbrochen; niederschlagsreiche Westflanke dicht bewaldet; in den Tälern Obstbau.

Kaskadenregelung: Kybernetik Spezialfall einer Regelung mit Hilfsregelgröße und -regier, bei der Störungen in einem Hilfsregelkreis weitgehend ausgeregelt und nur stark geschwächt an den Ausgang der Regelstrecke gelangen, wo sie der Hauptregler leichter ausregelt.

Kaskadenschaltung: a) die Zusammenschaltung von Stromrichterventilen und Kondensatoren in Greinacher-Schaltung (Gleichrichterschaltung mit Spannungsverdopplung) zu vielstufigen Hochspannungsprüfanlagen zur Erzeugung hoher Gleichspannungen bis 2 Millionen V für die Prüfung von Hochspannungsarmaturen und früher für die Beschleunigung von Elementarteilchen (Cockcroft-Walton Kreis);

b) die Hintereinanderschaltung gleichartiger Transformatoren zur Wechselspannungsprüfanlage (Kaskade)-,

c) die Hintereinanderschaltung von 2 elektrisch und mechanisch gekuppelten elektrischen Maschinen zur verlustarmen Drehzahlsteuerung.

Kaskadenschauer: durch hochenergetische Teilchen, zum Beispiel aus der kosmischen Strahlung, in Materie ausgelöste, fortschreitende Serie aufeinanderfolgender Erzeugungsprozesse von Teilchen.

Kaskadeur: Artist, der Falltricks auf ebener Erde oder von Erhöhungen zum Boden (Kaskaden, Sturzsprünge) zeigt. Siehe auch Stuntman.

Kaskoversicherung: Gesamtheit der Versicherungsformen zum finanziellen Ausgleich von Verlusten, Zerstörungen oder Beschädigungen an Transportmitteln.

Kasperle, Kasper, Kasperl-, ursprünglich komische, dem Hanswurst verwandte Gestalt, Ende des 18. Jahrhundert in Wien von dem Schauspieler J. Laroche verkörpert; wurde später zur Hauptfigur des deutschsprachigen Puppentheaters (Kasperletheater).

Kaspisches Meer, Kaspisee: größter abflussloser See der Erde, 85% der Küsten gehören zur UdSSR, 15% zu Iran; Seefläche durch Verdunstung und Bewässerungsanlagen an Zuflüssen von 422000 km im Jahr 1930 auf gegenwärtig 371000 km2 zurückgegangen; im Norden seicht (4 bis 8 m), im Süden Tiefseebecken (bis 1025 m); Wasserspiegel 28,5 m unter Weltmeerniveau; durchschnittlicher Salzgehalt 12,7 bis 13,2%, in der Bucht Kara-Bogas-Gol stark angereichert; größte Halbinsel ist Apscheron; bedeutender Seeverkehr (Güterumschlag vor allem von Erdöl); seit 1962 Eisenbahnfähre von Baku nach Krasnowodsk; Fischfang (besonders Stör); Förderung submariner Erdöl- (zum Beispiel Neftjanyje Kamni, Chasan) und Erdgaslager.

Kaspi-Tiefland, Kaspi-Senke, Kaspi-Niederung: 100 bis 300 km breiter Tieflandstreifen entlang der Nordküste des Kaspische Meeres, im Südosten des europäischen Teils Russlands; großenteils unter dem Meeresspiegel liegend (bis 28 m unter dem Meeresspiegel); von isolierten Bergkuppen überragt (bis 149 m über dem Meeresspiegel), zahlreiche abflusslose Senken mit vielen Salzseen (Elton-, Baskuntschak-See) und -sümpfen; Halbwüstenvegetation; von Ural, Wolga, Emba, Terek und Kuma durchflossen; Erdölgewinnung (Emba-Revier).

Kasprowicz, Jan, 12.12.1860-1.8.1926, polnischer Dichter, Dramatiker, Übersetzer; mit der sozialistischen Bewegung verbunden, schrieb er realistische Gedichte über die Not der Bauern, später gewannen symbolistische Tendenzen Raum («Der Strauch der wilden Rose», 1898); die Affirmation der Welt verdeutlicht der Zyklus «Buch der Armen».

Kassak, Lajos, 21.3.1887-22.7.1967, ungarischer Dichter, Romancier, Maler und Essayist; erster bedeutender Vertreter der ungarischen avantgardistischen Dichtung. In der Prosa führten ihn seine Erfahrungen und Erlebnisse im Proletariat zu einer realistischen Darstellungsweise. Sein Hauptwerk ist der autobiographische Romanzyklus «Das Leben eines Menschen» (1928/39; Auszug deutsch «Als Vagabund unterwegs»).

Kassandra, in der griechischen Sage Tochter des Königs Priamos von Troja und der Hekabe; erhielt von Apoll die Gabe, die Zukunft vorauszusehen, ohne jedoch Glauben zu finden; warnte vergebens vor dem Untergang Trojas; wurde mit Agamemnon von Klytaimestra ermordet.

Kassation: 1. Archivwesen: Aussonderung und Vernichtung von Registraturgut, sofern dessen aktuelle Bedeutung erloschen und die Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist.

2. Musik: locker gereihte mehrsätzige Instrumentalkomposition unterhaltender Art, durch Suite und Sonate beeinflusst, in Form und Besetzung nicht festgelegt, entstanden im 18. Jahrhundert; bevorzugt wie Serenade und Notturno eine zum Vortrag im Freien geeignete Besetzung, zum Beispiel Bläser.

3. Recht: Aufhebung einer gerichtlichen Entscheidung durch ein höheres Gericht. In der DDR Rechtsbehelf, mit dem innerhalb eines Jahres (im Strafprozess zugunsten eines Verurteilten auch nach Ablauf dieser Frist) rechtskräftige gerichtliche Entscheidungen aufgehoben oder geändert werden können, wenn sie der sozialistischen Gesetzlichkeit oder den Grundsätzen der sozialistischen Gerechtigkeit nicht entsprechen. Der Antrag zur Kassation kann nur vom Präsidenten des Obersten Gerichts, dem Generalstaatsanwalt, dem Direktor des Bezirksgerichts oder dem Bezirksstaatsanwalt gestellt werden.

Kassationsgericht: das für die Kassation rechtskräftiger Entscheidungen zuständige Gericht.

Kasse gegen Dokumente, Dokumente gegen Zahlung, documents against payment, Dokumenteninkasso: Zahlungsart im Außenhandel, bei der die Warendokumente (Frachtbriefe, Konnossemente) dem Käufer nur gegen Bezahlung der Warenrechnung von einer Bank (auch vom Spediteur) ausgehändigt werden. Im Zahlungsverkehr zwischen Partnern in sozialistischen Ländern wird diese Zahlungsart neben dem die Regel bildenden Sofortbezahlungsverfahren als Inkasso mit Vorakzept angewendet. Die Zahlung wird erst dann eingeleitet, wenn ihr der Käufer nach Eintreffen der Dokumente im Käuferland ausdrücklich zugestimmt hat; wird durch Bankenvereinbarungen geregelt.

Kasseler, Kaßler (nach dem Berliner Fleischermeister Cassl): gepökeltes, kurzgeräuchertes Fleischstück vom Schwein, zum Beispiel Kasseler-Kotelett (Kasseler Rippenspeer), Kassler-Kamm.

Kasserolle: flaches, topfartiges Gefäß mit Henkel oder Stielgriff zum Braten und Schmoren.

Kassette: 1. allgemein verschließbares Behältnis zur Aufbewahrung von Wertgegenständen.

2. Architektur: vertieftes Feld einer (Kassetten-) Decke oder Bogenlaibung, rechteckig, quadratisch, rautenförmig, rund oder polygonal, zum Teil bemalt, reliefiert und durch besondere Rahmungen profiliert.

3. Kassette, Kompaktkassette, Magnetbandkassette: Elektroakustik international standardisierter Tonträger zur Anwendung in speziellen Magnetbandgeräten (Kassettenrecordern). Das Magnetband wird innerhalb der Kassette gespult und geführt und ist gegen Verschmutzung und Berührung gut geschützt.

4. Fototechnik: lichtdichter Behälter aus Metall, Holz oder Kunststoff zur Aufnahme von Platten oder Filmen. Platten- und Kleinstbild-Kassette werden auch als Doppelkassette (mit 2 Platten beziehungsweise Auf- und Abwickelspule), Rollfilmkassette als Wechselkassette (jederzeit möglicher Filmwechsel in der Kamera) hergestellt.

Kassettenkopf: Militärtechnik Gefechtskopf zur Aufnahme mehrerer Einzelsprengköpfe (Submunition, Tochterköpfe und so weiter).

Kassiber: heimliche schriftliche Mitteilung von Untersuchungshäftlingen beziehungsweise Strafgefangenen an andere Personen innerhalb oder außerhalb der Haft- oder Strafanstalt.

Kasside: ein aus bedeutsamem Anlass entstandenes tendenziöses episch-lyrisches Gedicht in der arabischen, türk, und persischer Literatur; von den Arabern um 600 ausgebildet. Die Kasside kann über 100 Verse gleicher Reimwendung haben und beinhaltet Themen aus dem Beduinenleben. In der deutschen Literatur des 19. Jahrhundert gibt es Nachdichtungen der arabischen Kasside durch F. Rückert und A. von Platen.

Kassie, Sennesstrauch (arabisch + deutsch), Cassia: artenreiche Gattung zu den Johannisbrotgewächsen gehörender Kräuter mit Hülsenfrüchten; die saponinhaltigen Blätter zweier afrikanischer Arten werden als Abführmittel verwendet.

Cassiodor, Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus, um 490-um 583, spätrömischer Staatsmann, Senator und Schriftsteller; als Kanzleichef Theoderich war er um die Verständigung zwischen Goten und Römern bemüht. Nach seiner Abdankung vom Staatsdienst widmete er sich im von ihm gegründeten Kloster Vivarium der Wissenschaft. Cassiodor verfasste eine Gotengeschichte («Historia Gothorum»), «Variae» (Sammlung königlicher Urkunden, Briefe, Erlasse), «Institutiones» und eine Chronik (reichend bis 519 nach Christus).

Kassiopeia, in der griechischen Sage Frau des Äthiopier Königs Kepheus; für ihre Prahlerei, schöner als die Nymphen zu sein, büßte ihre Tochter Andromeda; wurde später als Sternbild an den Himmel versetzt.

Kassiten, Kaschschu: altorientalische Gebirgsstämme des Hochlandes von Iran östlich des Tigris; beherrschten Babylonien von etwa 1530 bis um 1160 vor Christus Den Höhepunkt ihrer Macht erreichten sie unter König Agum II. um 1450 vor Christus

Kassiterit, Zinnstein: Mineral, Zinndioxid; Kristallsystem tetragonal, Härte 7, Dichte 6,8 bis 7,1 g/cm3; schwarze, braune, selten auch farblose Kristalle, diamantglänzend, oft verzwillingt; wichtigstes Zinnerz; Vorkommen pneumatolytisch in sauren Magmatiten (zum Beispiel Erzgebirge (Altenberg, Ehrenfriedersdorf)), auch hydrothermal (Bolivien) und sedimentär in Seifen (Malaysia). Siehe auch Minerale.

Kasseler Braun: (nach der Stadt Kassel) in Braunkohlenlagern vorkommendes, vorwiegend aus Huminsäure bestehendes braunes Pigment von geringem Deckvermögen; für Lasur- und Leimfarben.

Kast, Peter, eigentlich Carl Preißner, 1.8.1894—23.5.1959, Schriftsteller; 1932 Redakteur der «Roten Fahne»; 1933/45 Exil in Prag, Moskau, Paris und der Schweiz; nahm am Spanischen Freiheitskampf teil; schrieb antifaschistische-Erzählungen («Der Birnbaum», 1939; «Irgendwo an der Grenze», 1948; «Zwanzig Gewehre», 1958) und Jugendbücher («Der Millionenschatz am Müggelsee», 1951; «Das Geschenk», 1954).

Kastagnetten: Klapper aus 2 durch eine Schnur verbundenen kleinen Holzschalen, die mit den Fingern gegeneinander geschnellt werden; Rhythmusinstrument besonders beim spanischen und italienischen Volkstanz. Im Orchester sind Kastagnetten mit Griff gebräuchlich.

Kastalia: (griechisch) die in der Antike als den Musen heilig geltende Quelle am Parnaß bei Delphi.

Kastanie: 1. Kastanie, Eßkastanie, Castanea sativa: Buchengewächs des Mittelmeergebietes; die stachelige Frucht enthält essbare stärkereiche Samen (Maronen); ist nicht zu verwechseln mit der häufigeren Rosskastanie.

2. hornige, haarfreie Schwiele an den Beinen mancher Säugetiere, zum Beispiel beim Pferd.

Kaste, Stand: sozial, religiös beziehungsweise in ihrer Lebensweise nach außen streng abgeschlossene endogame und erbliche Berufs- und Gesellschaftsgruppe; besonders kennzeichnend für den Hinduismus in Vorderindien; in der Republik Indien offiziell abgeschafft.

kasteien: züchtigen; sich kasteien: sich Schmerz zufügen, Entbehrungen auferlegen; auch religiöse Bußübung, besonders im Kirchenleben des Mittelalters.

Kastell: im alten Rom befestigtes Truppenlager.

Kastellan: ursprünglich Burgvogt; heute Verwalter von Universitätsgebäuden, historische Schlossbauten u. ä.

Kastenspeiser: Baumwollspinnerei Maschine zur Bildung einer Faserflockenschicht.

Kastilien: Kernland Spaniens; heute die Regionen Kastilien-La Mancha und Kastilien-León. Kastilien erhielt seinen Namen nach den zahlreichen zur Verteidigung gegen die Mauren errichteten Grenzburgen (Castillos). Die Grafschaft Altkastilien (heute Kastilien León) gewann durch die Reconquista sowie die Angliederung Asturiens und Galiciens ständig an Bedeutung und wurde 1035 zum Königreich erhoben. Nach der endgültigen Vereinigung mit León (1230) wurde Kastilien mächtigster Staat auf der Pyrenäenhalbinsel. Im Zuge der Reconquista erfolgte die schrittweise Angliederung Neukastiliens (heute Kastilien-La Mancha). Die Personalunion Kastiliens mit Aragonien 1479 war ein wesentlicher Schritt zur staatlichen Einheit Spaniens.

Kastilien-La Mancha, Neukastilien: Region im mittleren Spanien, 5 Provinzen umfassend; 79226 km2, 1,65 Millionen Einwohner; 21 Einwohner/km2; wichtigster Ort Toledo; nimmt den südlichen Teil der Meseta (500 bis 800 m hoch) ein, im Norden vom Kastilischen Scheidegebirge (bis 2500 m) und im Süden von der Sierra Morena begrenzt; sommerheißes und winterkaltes trockenes Klima; die Flüsse Tajo und Guadiana entwässern zum Atlantik, der Júcar zum Mittelmeer; Staubecken, Wasserkraftwerke; bei künstlicher Bewässerung ertragreicher Anbau von Zitrusfrüchten, Wein, Oliven; sonst extensiver Getreideanbau (Roggen, Weizen); Großgrundbesitz vorherrschend, weite Flächen unproduktiv; Siedlungen weit verstreut; Abbau von Buntmetall- und Quecksilbererzen in der Sierra Morena, Industrie um Madrid konzentriert. Siehe auch Kastilien.

Kastilien-León, Altkastilien: Region im nordwestlichen und mittleren Spanien, 11 Provinzen umfassend; 94147 km2, 2,6 Millionen Einwohner; 28 Einwohner/km2; wichtigster Ort Valladolid, zukünftiges Verwaltungszentrum Tordesillas. Im Norden Anteil an der Küste des Golfs von Biscaya und am Kantabrischen Gebirge (bis 2648 m), die Mitte nimmt der Nordteil der Meseta ein (600 bis 1000 m hoch), im Süden Anteil am Kastilischen Scheidegebirge; wegen des trockenen sommerheißen und winterkalten Klimas Flüsse mit sehr unregelmäßiger Wasserführung, besonders am Hauptfluss Duero Staubecken (Bewässerung, Energieerzeugung); extensive Landwirtschaft vorherrschend: Anbau von Weizen, Zuckerrüben, Roggen, Hopfen, Flachs; auf bewässerten Flächen besonders Weinbau; Schaf-, Ziegen- und Maultierhaltung; Abbau von Steinkohle, Eisen- und Buntmetallerzen; Industrie in Valladolid, León, Burgos und Santander (Hafen). Siehe auch Kastilien.

Kastilisches Scheidegebirge: Gebirge im mittleren Spanien, bestehend aus der Sierra de Gata im Westen, der Sierra de Gredos und der Sierra de Guadarrama im Osten; bis 2592 m hoch (Almanzor); aus paläozoischen Gesteinen und Granit aufgebaut; zum Teil eiszeitlich überformt; Tunnels und tiefe Pässe; Stauseen.

Kastler, Alfred, 3.5. 1902-7.1. 1984, französischer Physiker; entwickelte Verfahren der Hochfrequenzspektroskopie und 1950 das optische Pumpen.

Kästner: 1. Erich Kästner, 23.2.1899-29.7.1974, Schriftsteller, lebte nach 1945 in der BRD; wurde vor 1933 durch zeitkritische Gedichte («Herz auf Taille», 1928; «Ein Mann gibt Auskunft», 1930), den Roman «Fabian. Die Geschichte eines Moralisten» (1931) und Kinderbücher («Emil und die Detektive», 1928) bekannt; von den faschistischen Behörden wegen antimilitaristische Haltung gemaßregelt; trat nach 1945 gegen Remilitarisierung und Atomrüstung auf.

2. Johannes (Hannes) Kästner, geboren 27.10.1929, Organist; 1951/85 Thomasorganist; auf Konzertreisen international erfolgreich; seit 1976 Professor an der Leipziger Musikhochschule.

Kastor, (nach der griechischen Sagengestalt) Castor. zweithellster Stern im Sternbild Zwillinge; Helligkeit 1”56. Kastor bildet mit dem 5° entfernten Pollux ein auffälliges Paar.

Kastraten: (lateinisch, «Verschnittene») Sänger, die, besonders im 17./19. Jahrhundert in Italien, vor Eintritt der Geschlechtsreife entmannt wurden, um die Mutation zu verhindern und die Sopran- oder Altstimme zu erhalten. Diese Prozedur, die ursprünglich vor allem deshalb vorgenommen wurde, weil den Frauen das künstlerische Mitwirken in der Kirche verboten war, ermöglichte im Mannesalter außerordentliche Tonstärke und Virtuosität. Das Timbre der Kastratenstimme war in der Kirchenmusik und besonders in der Oper beliebt; bis zu C. W. Gluck und einigen Opern W. A. Mozarts («Titus») wurden Kastraten eingesetzt. Berühmte Kastraten waren Senesino, Caffarelli und Farinelli, die in der

1. Hälfte des 18. Jahrhundert an den großen europäischen Opernzentren sangen, auch zum Teil als Gesangslehrer tätig waren. Die Unnatur des Kastratenwesens wurde von der Aufklärung verurteilt. Krollen der Opern G. F. Handels und seiner Zeitgenossen werden heute entweder von Frauen oder von falsettierenden Männern (Countertenors) oder auch, oktavversetzt, mit der natürlichen Männerstimme gesungen.

Kastration: Entfernung, Zerstörung oder Inaktivierung der Keimdrüsen (Hoden, Eierstöcke) durch Operation, Röntgenstrahlen oder ständige Zufuhr von Geschlechtshormonen. Bei Kastration im Kindesalter bleibt infolge Hormonausfalls die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale aus, die kindliche hohe Stimme bleibt erhalten (Kastratenstimme). Bei Haustieren dient die Kastration zur Verbesserung der Mastleistung und Fleischqualität, zur Beseitigung des Geschlechtsgeruches bei Schlachttieren (Schwein) oder zur Verhinderung des Weglaufens während der Brunst (Hund, Katze). Siehe auch Borg, Hammel, Ochse, Wallach.

Kasuare, Casuariidae: bis 80 kg schwere straußenähnlicher Laufvögel mit helmartiger Knochenauftreibung auf dem meist bunten, nackten Kopf; Gefieder schwärzlich, manche Arten mit Hautlappen am Hals; Waldbewohner Nordaustraliens und Neuguineas.

Kasuarine, Casuarina: australischer ostindischer Baum der Kasuarinengewächse mit schachtelhalmähnlichen Zweigen, schuppenförmigen Blättern und unscheinbaren eingeschlechtigen Blüten. Das Holz ist sehr widerstandsfähig und hart («Eisenholz»); es wird unter anderem in der Möbelindustrie sowie zur Herstellung von Eisenbahnschwellen und Pfosten verwendet.

Kasuistik: (zu «Kasus»)

1. Medizin: analytische Beschreibung und Auswertung von Krankheitsfällen.

2. Recht: Methode der Rechtsetzung durch Regelung von Einzelfällen oder Methode der Rechtsfindung auf Grund von Einzelfällen gleicher oder ähnlicher Art.

Kasus: 1. allgemein veraltet für Fall, Angelegenheit; Vorkommnis.

2. Grammatik: Flexionsfall der Substantive, Adjektive und Pronomen.

Katabolismus: zusammenfassende Bezeichnung für die Abbauprozesse im Zellstoffwechsel, die der Bereitstellung von Energie in Form energiereicher Substanzen (ATP) dienen.

Katachrese: (griechisch, «Missbrauch») 1. Ersatzbezeichnung, zum Beispiel «Fuß» für Unterteil eines Gerätes.

2. unpassender Gebrauch eines Epithetons, zum Beispiel «laute Tränen».

Katafalk: (französisch deutsch) für ein feierliches Leichenbegängnis errichtetes, meist prunkvolles Gerüst, auf dem der Sarg steht oder das dessen Stelle vertritt.

Kataklysmus: Überschwemmung, Sintflut; katastrophenartige Umwälzung, Zusammenbruch.

Katakombe: unterirdische Begräbnisstätte, besonders in spätantiker Zeit (3./4. Jahrhundert), von der heidnischen, jüdischen und besonders der christlichen Bevölkerung angelegt und von letzterer oft für den Märtyrerkult genutzt. In weitverzweigten, oft mehrgeschossigen Gängen und Hallen waren die Grabnischen (Arkosolien) eingetieft, zum Teil mit Stukkaturen und Wandmalereien geschmückt, die zu den wichtigen Zeugnissen der frühchristlichen Kunst gehören. Die bedeutendsten und umfangreichsten Katakomben befinden sich in Rom und Neapel.

Katai: Maßeinheit der Enzymaktivität; 1 kat (Katal) ist die Enzymaktivität, die 1 Mol Substrat je Sekunde umsetzt.

Katalanen, Katalonier: romanisches Volk in Nordostspanien (Regionen Katalonien, Valencia und auf den Balearen, ungefähr 6,3 Millionen) und in Südfrankreich (Landschaft Roussillon, 300000); die Katalanen erlangten 1981 in Spanien kulturelle Autonomie.

Katalase: ein Enzym aus der Gruppe der Häm Enzyme, das Wasserstoffperoxid zu Wasser und Sauerstoff spaltet. Die Katalase schützt die Zelle vor dem bei einigen Stoffwechselreaktionen anfallenden hochgiftigen Wasserstoffperoxid.

Katalaunische Felder: Ebene in der Champagne zwischen Chalons-sur-Marne (Catalaunum) und Troyes, nahe dem heute nicht mehr vorhandenen Ort Maurica (daher auch Bezeichnung «auf dem maurikanischen Felde»); hier wurden 451 die Hunnen, die unter Attila zusammen mit einigen unterworfenen germanischen Stämmen in Gallien eingefallen waren, von römischen Truppen unter Aetius und germanischen Stämmen besiegt und zum Rückzug gezwungen.

Katalepsie: (griechisch) abnorm langes Verharren in gegebener Körperhaltung; bei Schizophrenie, auf Organ. Grundlage bei Parkinsonismus. Katalepsie ist durch Hypnose künstlich hervorrufbar.

Katalog: 1. allgemein Verzeichnis (von Büchern, Bildern, Waren unter anderem); Führer (durch eine Sammlung, Ausstellung).

2. Bibliothekswesen: Sachkatalog, Schlagwortkatalog, Systematischer Katalog.

Katalonien: Region mit innerer Autonomie im Nordosten Spaniens, 5 Provinzen umfassend; 31930 km2, 6 Millionen Einwohner (hauptsächlich Katalanen); 188 Einwohner/ km2; Regionszentrum Barcelona-, Anteil an den Ostpyrenäen, dem Ebrobecken, der Küstenregion am Mittelmeer und dem Katalonischen Küstengebirge (bis 1712 m hoch); quartäre vulkanische Erscheinungen; im Küstengebiet Mittelmeerklima, im Inneren kontinental, sehr trocken; Förderung von Kali- und Steinsalz, Braunkohle, Eisenerz; Industriekonzentration um Barcelona; Textilindustrie als Hauptzweig, ferner Eisenmetallurgie, Leder-, Papier- und chemische Industrie; Erdöl- und Schwefelverarbeitung, Maschinen- und Kfz-Bau; Kraftwerke am Ebro und an den Pyrenäenflüssen; bei künstlicher Bewässerung intensive Landwirtschaft (besonders im Ebrotal), Anbau von Weizen, Reis, Mais, Zuckerrüben, Tabak, Gemüse, Wein und Oliven; Korkeichen; nordöstlich von Barcelona Seebäder der Costa Brava (spanisch «wilde Küste»). Von Iberern besiedelt, wurde Katalonien nach 206 vor Christus römisch, seit 415 nach Christus westgotisch (Gotalanien), 712 von den Mauren erobert; nach 801 gehörte Katalonien größtenteils zur Spanischen Mark Karls des Großen; im 9./11. Jahrhundert entstanden mehrere Grafschaften; 1137 (endgültig 1164) dynastische Vereinigung Kataloniens mit Aragonien. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Katalonien zu einem wichtigen Zentrum der spanischen Industrie und der Arbeiterbewegung (vorwiegend anarchistisch). Im Spanischen Freiheitskampf 1936/39 Bollwerk der Republikaner; ein Zentrum des Widerstandes gegen die Franco-Diktatur, seit Ende 1975 Streiks und Demonstrationen für eine Demokratisierung Spaniens, die Wiedererlangung der Autonomie (erstmalig 1934) Kataloniens, politische Rechte und Freiheiten. Nach einer Volksabstimmung 1979 erhielt Katalonien erneut die Autonomie.

Katalyse: Veränderung (meist Beschleunigung) der Geschwindigkeit einer chemischen Reaktion durch Zusatz eines Stoffes (Katalysator), der bei der Reaktion nicht verbraucht wird. Durch Katalyse wird zum Beispiel eine schnellere Einstellung der chemischen Gleichgewichte erzielt, indem die Aktivierungsenergie herabgesetzt wird; an der Lage eines chemischen Gleichgewichts vermag jedoch ein Katalysator nichts zu ändern. Bei der homogenen Katalyse befinden sich Katalysator und Reaktionssystem in gleichem, bei der heterogenen Katalyse in verschiedenem Aggregatzustand. Hierbei ist der eigentliche Katalysator meist auf einem oberflächenreichen Trägermaterial fixiert, welches in vielen Fällen auch eine Erhöhung der katalytischen Aktivität bewirkt. Der überwiegende Teil der in Natur und Technik ablaufenden chemischen Reaktionen wird durch Katalyse ermöglicht. Biokatalysatoren sind die Enzyme (Fermente).

Katalytofen: mit Katalytbenzin betriebener transportabler Heizungsofen, der die Verbrennung ohne offene Flamme und nahezu explosionssicher ermöglicht.

Katamaran: 1. drei- oder zweiteiliges Baumstammfloß, vorwiegend an den Küsten Indiens und Sri Lankas gebräuchlich.

2. Wasserfahrzeug mit 2 Rümpfen; schnelle Sportsegelboote, auch Motorboote sowie Binnenfrachtschiffe und -fahrgastschiffe, werden teilweise als Katamaran ausgeführt.

Katamnese: Beschreibung eines Krankheitsfalles nach Abschluss der Behandlung; Beobachtung des weiteren Verlaufes.

Katapult, Flugzeugschleuder. Vorrichtung, die den Flugzeugstart von Schiffen (besonders Flugzeugträgern) ermöglicht; Hauptteil ist eine Schiene, auf der ein Schlitten mit dem Flugzeug durch Druckluft, Dampfdruck oder hydraulisch beschleunigt wird.

Katar, Staat Katar. Emirat in Vorderasien, am Persischen Golf; grenzt im Süden an Saudi-Arabien und die VAE. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Arabern, daneben auch Einwohner afrikanischer Abstammung (ehemalige Sklaven); über 50% der Bewohner sind ausländische Arbeitskräfte (Iraner, Pakistani). Amtssprache ist Arabisch. Währung ist der K-Riyal. Katar nimmt die flache wüstenhafte Halbinsel Katar an der Ostküste der Arabischen Halbinsel ein; trockenheißes Klima. Die wirtschaftliche Entwicklung erfolgt auf kapitalistischer Grundlage und basiert auf der staatlich kontrollierten Erdöl- und Erdgasförderung (Qatar General Petroleum Corporation, QGPC). Vom bedeutendsten Erdölfeld Dukhan wird das Erdöl durch zwei 80 km lange Pipelines zum Exporthafen und zur Raffinerie Al-Musaid (Jahreskapazität 1800001) bei Umra Said an der Ostküste transportiert. Vor der Nordostküste Katars bei Ras Laffan wurde eine der bedeutendsten Erdgaslagerstätten der Welt erkundet. Die Einnahmen aus dem Erdöl- und zunehmend auch aus dem Erdgasexport werden verstärkt für eine Erweiterung der industriellen Basis, besonders der Petrolchemie, der Zement- und Stahlindustrie, sowie beim Ausbau der Infrastruktur und beim Wohnungsbau eingesetzt. Wichtige Industrieanlagen sind: Zementfabrik in Ilmm Bab, Stahlwerk und Düngemittelfabrik bei Umm Said, Gasverflüssigungsanlage, Wärmekraftwerk, Meerwasserentsalzungsanlage, kleine Handwerksbetriebe zur Herstellung von Teppichen unter anderem. Die Landwirtschaft auf der Basis feudaler Überreste spielt nur eine untergeordnete Rolle, auf bewässerten Flächen (3 200 ha) werden Mais, Gemüse und Datteln angebaut; Viehzucht. Im Küstengebiet Fischfang; die traditionelle Perlenfischerei hat an Bedeutung verloren. Gut ausgebautes Straßennetz, internationaler Flughafen Doha, Häfen in Doha und Umm Said. Außenhandelsüberschuss; eingeführt werden Baumaterialien, Maschinen und Nahrungsmittel (zu 80%) vor allem aus Großbritannien, Japan, den USA, Frankreich und der BRD. Im 7. Jahrhundert gehörte Katar zum arabischen Kalifat, im 10./11. Jahrhundert besetzten es die Karmaten, im 18. Jahrhundert wurde es vorübergehend Teil des Sultanats Oman. Um 1760 setzten sich im Gebiet von Katar die Anaiza-Beduinenstämme fest und schufen unter Führung der Ath-Thani-Familie ein Stammesscheichtum. 1803 wurde Katar Teil des Wahhabiten Reiches; 1871 von türkischen, zu Beginn des 1. Weltkrieges von britischen Truppen besetzt. Von 1916 bis 1971 war Katar britisches Protektorat. Nach dem 2. Weltkrieg begannen britische und US-amerikanische Gesellschaften mit der Förderung von Erdöl in Katar. In den 50er und 60er Jahren zunehmender Widerstand gegen die proimperialistische Politik des Scheichs. 1956 Niederschlagung eines Volksaufstandes durch britische Truppen. 1968/71 beteiligte sich Katar an den Verhandlungen über die Bildung der Vereinigten Arabischen Emirate (Abkürzung VAE); in dieser Zeit Verkündung einer ersten provisorischen Verfassung (April 1970), Bildung eines Kabinetts (Juni 1970), Schaffung moderner Militäreinheiten und Aufbau eines Bildungs- und Sozialwesens. Am 1. 9. 1970 Proklamierung der staatlichen Unabhängigkeit durch Kronprinz Khalifa ibn Ahmad Ath-Thani. Ein im gleichen Jahr vereinbarter Freundschaftsvertrag mit Großbritannien sichert dem britischen Imperialismus einflussreiche Positionen in Katar 1972 wurde Kronprinz Khalifa Emir und damit Staatsoberhaupt. Katar unterhält enge Beziehungen zu Saudi Arabien und imperialistischen Staaten.

Katarakt: 1. Hydrologie: Stromschnelle.

2. Katarakt, grauer Star. Medizin Augenkrankheit; Trübung der Augenlinse; bedingt Beeinträchtigung des Sehvermögens. Katarakt ist nur durch operative Entfernung der Augenlinse zu behandeln. Ursachen sind altersbedingte Stoffwechselstörung der Linse, Verletzungen, Stoffwechselerkrankungen, hormonelle Erkrankungen; nicht selten auch angeboren.

Katarchaikum, Erdurzeit: erstes Äon der Erdgeschichte; das zweite Äon der Erdgeschichte wird Archaikum genannt; siehe auch geologische Systeme.

Katarrh: (griechisch) Schleimhautentzündung mit wässrigen, stark schleimigen und beziehungsweise oder zellhaltigen Absonderungen. Siehe auch Bronchitis.

Kataster: Verzeichnis, insbesondere ein staatliches Verzeichnis vermessener Grundstücke. Siehe auch Liegenschaftsdokumentation.

Katasterbücher: verbindliche staatliche kartographische und registrative Dokumentation aller auf dem Staatsgebiet befindlichen Grundstücke; Teil der Liegenschaftsdokumentation. Die Katasterbücher sind zugleich mit ihrer systematische Aufstellung und Kennzeichnung der Grundstücke nach einheitlichen Grundsätzen, ihrer Beschreibung nach Lage, Flächeninhalt, Grenzverlauf, Nutzungsart unter anderem rechtserhebliche Merkmale Grundlage der Aufstellung des Wirtschaftskatasters.

Katastrophe: (griechisch, «Wendung») 1. allgemein folgenschweres, verhängnisvolles Ereignis; Zusammenbruch, Untergang.

2. Literatur: in der klassischen (aristotelischen) Dramentheorie die tragische Lösung des Grundkonflikts in der Tragödie.

Katastropheneinsatz: Verpflichtung arbeitsfähiger Bürger zur Arbeitsleistung bei der Bekämpfung von Katastrophen (Naturereignissen und anderen Schadens- und Unglücksfällen großen und in der Regel überörtlichen Ausmaßes). Der Katastropheneinsatz wird vom Vorsitzenden des zuständigen örtlichen Rates angeordnet. Werktätige sind bei einem Katastropheneinsatz von der Arbeit freizustellen; sie erhalten für die Dauer des Einsatzes Ausgleich in Höhe des Durchschnittslohnes.

Katastrophenpolitik: von reaktionärsten Kräften des deutschen Monopolkapitals (H. Stinnes unter anderem) 1920/23 betriebene abenteuerlich-militaristische, Katastrophen (Sanktionen der Entente) einkalkulierende Taktik zur Sabotage der im Versailler Vertrag festgelegten Reparationen; zielte darauf ab, unter der deutschen Bevölkerung Chauvinismus zu schüren und die Gegensätze zwischen den imperialistischen Siegermächten auszunutzen.

Katatonie: Verlaufsform der Schizophrenie; vorwiegend mit hochgradigen Bewegungsstörungen und Erregungszuständen.

Katatypie: fotografisches Verfahren zur Herstellung von Kopiervorlagen für den Büchemachdruck mittels Wasserstoffperoxids, das auf fotografische Schichten ähnlich wie Licht wirkt. Siehe auch anastatischer Druck.

Kate: kleines, ärmliches bäuerliches Haus; Unterkunft von Landarbeitern und landarmen Bauern (Kätner) auf den Gütern der Großgrundbesitzer und Junker; bis zur Durchführung der demokratischen Bodenreform 1945 besonders verbreitet in Ostelbien.

Katechine, Catechine: vom Flavon abgeleitete, besonders in Eichen- und Fichtenholz vorkommende phenolische Gerbstoffe. Die Katechine sind farblose, kristalline Substanzen. Sie gehen leicht in Gerbstoffrot über, das die rote Herbstfärbung des Laubes verursacht.

Katechismus: (griechisch, «Unterricht») kurzer Leitfaden des christlichen Glaubens zur religiösen Unterweisung.

Katecholamine, Brenzkatechinamine: Aminogruppen enthaltende Brenzkatechinaminderivate, die im Organismus gebildet werden. Die Katecholamine sind die wichtigsten Überträgerstoffe im vegetativen und auch im zentralen Nervensystem (zum Beispiel Adrenalin, Noradrenalin, Serotonin und Dopamin).

Katechu: durch Eindicken erstarrter brauner Extrakt aus dem Kernholz der indischen Catechu Akazie; wurde in Gerberei, Färberei und Medizin verwendet.

Kategorie: 1. grundlegender, allgemeinster Begriff in Philosophie und Einzelwissenschaften; widerspiegelt die wesentlichen Eigenschaften und Zusammenhänge des jeweiligen Gegenstandsbereichs einer Wissenschaft und ist in deren Rahmen nicht auf noch allgemeinere Begriffe zurückführbar (zum Beispiel Materie-Begriff).

2. Motorsport: Einteilung von Wettbewerbsfahrzeugen nach hauptsächlichen Kriterien, zum Beispiel Kategorie I Produktionsfahrzeuge, Kategorie II ausschließlich zur Teilnahme an Wettbewerben gefertigte Fahrzeuge. Siehe auch Gruppe 4, Klasse 5.

kategorische Aussage: traditionelle Logik an keine Bedingung geknüpfte, einfach behauptende Aussage, zum Beispiel «Eisen ist ein Metall».

kategorischer Imperativ: durch I. Kant geprägte abstrakte moralische Forderung, die unbedingt und immer gelten soll («Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.») Der kategorische Imperativ spiegelt die Illusionen des bürgerlichen politischen Liberalismus Ende des 18. Jahrhundert von einer humanistischen Gestaltung der kapitalistischen Verhältnisse wider. Die marxistische Ethik hat den Versuch, ein zeitlos geltendes, absolutes Sittengesetz zu schaffen, als theoretisch abwegig und praktisch sinnlos nachgewiesen. Siehe auch Moral, Moralprinzip.

Katfisch, Seewolf, Anarhichas lupus: bis 1,25 m langer Fisch nördlicher Meere mit kräftigen Kiefern und Zähnen; frisst Muscheln, Seeigel unter anderem; Speisefisch. Siehe auch Fische.

Katgut: aus Schafdarm hergestelltes Chirurg. Nahtmaterial, das vom Gewebe resorbiert wird.

Kathakali: klassische indische Tanzdarbietung mit schwieriger Technik, im 17. Jahrhundert in Kerala entstanden. In der Kathakali verschmelzen Poesie, Gesang, Instrumentalbegleitung und tänzerisch-pantomimische Darstellung zu künstlerischen Einheit. Die in ihr verwendete differenzierte Mimik und Gestik, die großen Masken und weiten Kostüme sowie die Farbgestaltung haben symbolische Bedeutung. Die Gestaltung der auf mythologischen Themen beruhenden Szenarien für die Kathakali stellt eine eigenständige literarische Gattung (Attakatha) dar.

Katharer: (griechisch katharos, «rein») Anhänger einer christlichen asketischen Lehre mit antifeudalen Zügen, die sich seit dem 10. Jahrhundert von der Balkanhalbinsel über Süd-, West- und Mitteleuropa, besonders Frankreich (Albigenser), ausbreitete; im 13./14. Jahrhundert durch Albigenserkriege und Inquisition ausgerottet.

Katharina von Aragonien, 15.12.1485-7.1.1536, spanische Prinzessin, 1509 erste Gemahlin Heinrichs VIII. von England, Mutter Marias I.; seit 1526 Scheidungsbemühungen des Königs, 1533 Trennung der Ehe durch das Parlament; Katharina von Aragonien erkannte den Beschluss nicht an und wurde gefangengesetzt.

Katharobien: Organismen, die nur den reinen, nicht verschmutzten Quellbereich von Fließgewässern bewohnen. Siehe auch Saprobien.

Katharsis: (griechisch, «Reinigung») nach Aristoteles läuternde Wirkung der Tragödie durch Erregung von Furcht und Mitleid; von G. E. Lessing im aufklärerischen Sinne aufgegriffen; später (zum Beispiel in B. Brechts episches Theater) prinzipiell in Frage gestellt, nimmt die Katharsis in neueren Theater- und Dramentheorien wieder eine wichtige Stellung ein.

Kathedersozialismus: ursprünglich ironisch gemeinte Bezeichnung für eine besonders von deutschen Professoren (Kathedersozialisten) im Rahmen der jüngeren Historischen Schule vertretene und um die Arbeiterbewegung vom revolutionären Weg abzubringen, auf Sozialreformen orientierende bürgerlich-liberale soziologische und politisch-ökonomische Richtung gegen Ende des 19. Jahrhundert; eine ideologische Wurzel des Revisionismus. Hauptvertreter waren L. Brentano, G. Schmoller, A. Wagner, W. Sombart.

Kathedrale: Bezeichnung für die Bischofskirche, besonders in Frankreich, England und Spanien üblich; in Deutschland als Dom oder Münster bezeichnet, wobei hier die Bindung an einen Bischofssitz nicht gegeben zu sein braucht. Der Idealtypus der Kathedrale wurde in der gotischen Architektur des 12. und 13. Jahrhundert in Frankreich (Saint-Denis, Chartres, Paris, Reims) entwickelt und beeinflusste die Baukunst ganz Westeuropas.

Cathepsine: vorwiegend in den Lysosomen lokalisierte Enzyme, die am intrazellulären Eiweißabbau beteiligt sind.

Katheter: röhrenförmiger Gummi- oder Kunststoffschlauch mit gerader oder gebogener Spitze und verschiedener Stärke; dient zur Injektion, zum Absaugen und Ablassen von Körperflüssigkeiten (zum Beispiel Harnblasen-K), als Träger von Messsonden unter anderem

Kathetometer: Gerät zur Messung von vertikalen Längen; dazu wird ein Visierfernrohr längs einer senkrechten, mit einer Skale versehenen Schiene verschoben; die Messunsicherheit liegt im Allgemeinen bei etwa 10 /im.

Kathiawar: Halbinsel im Nordwesten Vorderindiens, am Arabischen Meer, zwischen dem Golf von Kutch und dem Golf von Cambay; 50720 km2; an der Küste überwiegend Tiefland, im Inneren aus Basalt aufgebautes Bergland bis 1117 m über dem Meeresspiegel; bei tropischen Monsunklima stark gelichtete Feucht- und Trockenwälder; weitverbreiteter Bewässerungsfeldbau.

Katholik: (griechisch) durch Taufe oder Konversion zur römisch-katholischen Kirche gehörendes Gemeindeglied.

Katholikon: (griechisch) Hauptkirche des griechischen-orthodoxen Klosters, meist in der Mitte des Klosterkomplexes gelegen.

Katholizismus: (dat. griechisch katholikos, «allgemein», «umfassend»)

a) ursprünglich Bezeichnung der Gesamtkirche im Unterschied zu lokalen Sonderlehren. Die heutige konfessionskundliche Bedeutung als «römisch-katholisch» erhielt der Katholizismus erst nach der Reformation;

b) Sammelname für die römisch-katholische und die griechische-katholische (orthodoxe) Kirche im Gegensatz zum Protestantismus;

c) Gesamtheit aller sich auf den katholischen Glauben beziehenden Anschauungen und Aktionen.

Kationensorption, Sorptionsvermögen: Vermögen der Bodenkolloide, Nährelemente in Form von Kationen zu binden. Siehe auch Austauschkapazität.

Katipunan: (Kurzwort, «Bund höchster und ehrenwertester Söhne des Landes») philippinischer radikal-demokratischer Geheimbund gegen die spanischen Kolonialherrschaft; 1892 von A. Bonifacio unter anderem gegründet; stand an der Spitze der Unabhängigkeitsrevolution von 1896/98.

Katjuscha: (nach dem russischen Vornamen) Bezeichnung für den legendären Geschoßwerfer der Roten Armee im 2. Weltkrieg.

Katmandu: Hauptstadt von Nepal, im fruchtbaren Kathmandu-Tal, 1450 m überm Meer; 170000 Einwohner, als Agglomeration mit Patan und Bhadgaon 500000 Einwohner; entwickeltes Handwerk und Leichtindustrie (Textilien, Lederwaren, Keramik); internationaler Flughafen; Universität. 723 gegründet, seit Beginn der Gurkha-Herrschaft (1769) politisches Zentrum des Landes.

Kathode: negative Elektrode, aus der Elektronen austreten, ausgelöst durch Aufprall von Ionen (kalte Kathode in Glimmentladungen), durch Licht- und Röntgenstrahlung (Photokathode in Fotozellen), durch hohe Temperatur (Glühkathode) oder hohe elektrische Felder (Feldemissionskathode in Bogenentladungen und Vakuumröhren). Die Kathode saugt positive Ionen auf. Siehe auch Elektrode.

Kathodenfall: Potentialanstieg in Gasentladungen vor der Kathode, verbunden mit positiver Raumladung und hoher elektrischer Feldstärke, die etwa 5 bis 50 V in Bogenentladungen, mehr als 100 V (bis viele kV) in Glimmentladungen beträgt. Im Kathodenfall werden Ionen und Elektronen so beschleunigt, dass sie neue Ladungsträger freisetzen können. Der Kathodenfall ist zur Aufrechterhaltung einer selbständigen Entladung notwendig. Siehe auch Anodenfall, Glimmentladung.

Kathodenzerstäubung, Sputtern (englisch to sputter, «sprühen»): Abtrennung von Atomen und Atomkomplexen aus der Oberfläche einer Kathode durch den Aufprall energiereicher Ionen oder Atome bei Glimmentladungen. Das zerstäubte Metall schlägt sich im Entladegefäß als dünne gleichmäßige Schicht nieder. Die Kathodenzerstäubung ist technisch wichtig unter anderem für die Herstellung von dünnen Schichten.

Katorga: alte russische Bezeichnung für die mit schwerster körperlicher Arbeit verbundene Deportation in entlegene Landesteile; wurde im 19. Jahrhundert von der zaristischen Regierung zur Unterdrückung der revolutionären Bewegung angewandt.

Katowice: 1. Wojewodschaft im Süden Polens; 6650 km2, 3,81 Millionen Einwohner; 573 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Katowice 2; vorwiegend Hügelland (300 bis 400 m über dem Meeresspiegel) und Hochflächen, im Süden Becken von Oswiecim mit dem Tal der oberen Wisla. Kerngebiet der Wirtschaftsregion GOP mit einem Drittel der polnische Industrieproduktion; Zentrum der Eisen- und Nichteisenmetallurgie und des Steinkohlenbergbaus; bedeutende Elektroenergieerzeugung (Wärmegroßkraftwerk), chemische Industrie, entwickelter Maschinenbau sowie vielseitige Leicht- und Lebensmittelindustrie. Intensiv betriebene Agrarproduktion als Vorstadtwirtschaft am Rande des Industriegebietes mit Rinder- und Schweinehaltung und Gemüsebau.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Katowice 1, wichtigste Stadt des GOP; 365000 Einwohner; Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturzentrum; Steinkohlenforderung, Eisen-, Zink- und Kupferhütten, Maschinen-, Stahlbau, elektrotechnische, chemische, polygraphische, optische, Porzellan- und Lebensmittelindustrie; in der Nähe Huta Katowice; Verkehrsknoten, Flughafen; Universität, 4 Hochschulen, Forschungsinstitute (Bergbau, Hüttenwesen); Theater, Philharmonie, Museen; Sport- und Kongresshalle, Jugendpalast; Kathedrale. Bei Katowice Kultur- und Erholungspark (600 ha).

Katsch, Gerhardt, 14.5.1887-7.3.1961, Internist; Professor in Greifswald; befasste sich insbesondere mit dem exkretorischen Anteil der Bauchspeicheldrüse; gründete in Garz auf Rügen die weltberühmt gewordene Anstalt zur Erforschung und Behandlung des Diabetes mellitus sowie das Schwesterninstitut in Karlsburg.

Katsina: einer der 7 «echten» Hausastaaten im Norden des heutigen Nigeria, etwa im 11. Jahrhundert gegründet; hatte eine feudalähnliche Sozialstruktur, jedoch mit starken Sklaverei Elementen, wurde islamisiert; war zu Beginn des 16. Jahrhundert dem Songhaireich tributpflichtig; im 17. Jahrhundert wurde Katsina nach der Zerstörung des Songhaireiches als einer der Endpunkte des Karawanenhandels Handelszentrum und zugleich durch Islamschulen religiöser Mittelpunkt; harte Kämpfe mit Kano um die Herrschaft über den Transsaharahandel.

Katsina: Stadt im Norden Nigerias, im Bundesstaat Kaduna, nahe der Grenze zu Niger; 110000 Einwohner; Handelszentrum; Walzwerk; Landwirtschaftsschule; Emirs Palast, große Moscheen; 12 km lange Stadtmauer.

Kattarasenke: wüstenhafte Depression im Nordwesten Ägyptens, in der Libyschen Wüste, westlich vom Nildelta; bis 133 m unter dem Meeresspiegel (tiefste Senke Afrikas), etwa 18000 km2; Salzsümpfe, wenig Oasen. Kanalprojekt (82 km; Wasserkraftwerke) zur Verbindung der Kattarasenke mit dem Mittelmeer.

Kattegat, Kattegatt: flache Meerenge zwischen Jütland, Fünen, Seeland, Schweden und dem Skagerrak, durch Öresund, Großen und Kleinen Belt mit Ostsee verbunden; 25000 km2, mittlere Tiefe 40 m, Salzgehalt um 20 %o; kaum Gezeiten, Untiefen, gefährliche Stürme.

Kattun, Cotton (englisch französisch arabisch): feinfädiges, bedrucktes Gewebe aus Baumwoll- oder Chemiefasergarn in Leinwand Bindung; für Wäschestoffe.

Katz, Daniel, geboren 25.11.1938, finnischer Schriftsteller; wurde international bekannt durch seine Romane «Als Großvater auf Skiern nach Finnland kam» (1969, deutsch) und «Der Tod des Orvar Klein» (1976, deutsch), in denen er die Judenverfolgung durch den deutschen Faschismus und im 19. Jahrhundert entlarvt.

Katzbach: soviel wie Kaczawa; rechter Nebenfluss der Oder in Polen. In der Schlacht an der Katzbach am 26. 8. 1813 besiegten die vereinigten russischen und preußischen Truppen unter dem Oberbefehl G. L. von Blüchers eine französische Armee und befreiten Schlesien von der napoleonischen Fremdherrschaft.

Katzen, Felidae: Raubtiere mit hochspezialisiertem Gebiss, sprungkräftigen Hinterbeinen und einziehbaren Krallen (Ausnahme: Gepard), sehr gutem Gehör, Tast- (Tasthaare am Kopf) und Sehvermögen. Die Großkatzen (Löwe, Tiger, Leopard, Jaguar, Irbis) werden von den Kleinkatzen, die wegen besonderer Ausbildung ihres Zungenbeins schnurren können, unterschieden. Die europäischen Wildkatzen (Felis silvestris) ist vom Aussterben bedroht und steht in der DDR unter Naturschutz. Die Hauskatze stammt von der Wildkatze, insbesondere der in Ägypten und Nubien verbreiteten Falbkatzen ab. Sie wurde im 3. oder 2. Jahrtausend vor Christus in Ägypten und Kleinasien domestiziert. Die Rassenmannigfaltigkeit ist bei der Hauskatzen: viel geringer als zum Beispiel beim Hund. Die Hauskatzen unterscheiden sich in Zeichnung (Streifen, Flecken, Marmorierung), Färbung und Beschaffenheit des Haarkleides, in Körperform und Größe. Man unterscheidet zwischen «gewöhnlicher» Hauskatzen und Rassekatzen Letztere werden in 4 Langhaar- und 9 Kurzhaarrassen eingeteilt, die meist in mehreren Spielarten oder Farbschlägen Vorkommen. Zu den Langhaarrassen sind Perserkatze, Colourpoint (Khmer), Birmakatzen und Türk-Katzen, zu den Kurzhaarrassen europäischen Kurzhaarkatzen, Orientalische Kurzhaarkatzen einschließlich Siamkatzen, Abessinierkatzen, Burmakatzen, Koratkatzen, Russischblaue und Rex Katzen zu zählen. Rassekatzen erlangen die Zuchtreife mit 10 bis 12 Monaten. Nach einer Tragezeit von 63 bis 65 Tagen (Siam-K 67 bis 68) werden meist 3 bis 6 Junge geboren. Sie sind blind und taub und öffnen die Augen im Alter von 8 bis 10 Tagen.

Katzenbär, Kleiner Panda, Ailurus fulgens: vorwiegend Bambusschößlinge fressender Kleinbär Südasiens; lebt in Bergwäldern und Bambusdickichten der Hochgebirge. Siehe auch Pandas.

Katzengold: Mineral, volkstümliche Bezeichnung für verwitterten, metallisch glänzenden Biotit (Glimmer).

Katzenhaie, Scyliorhinidae: Familie der Haie mit etwa 50 Arten überwiegend in Küstengewässern; etwa 1 m lange Bodenbewohner, die meist Krebse, Weichtiere u. ä. fressen; legen die Eier in hornigen Kapseln ab.

Katzenmusik, Charivari: brauchtümliche Lärmveranstaltung, Travestie eines Ständchens als scherzhafte Ehrung oder als Schandmusik dargebracht.

Katzenpfötchen, Antennaria dioica: Korbblütengewächs mit weißen oder rosafarbenen rundlichen Blütenständen und weißfilzigen Blättern in bodensauren Trockenrasen, Heiden oder Kiefernwäldern.

kaudal: Anatomie - schwanzwärts, in oder in Richtung der unteren Körperhälfte liegend.

Kaue: Wasch- und Umkleideraum der Bergleute. Bei der Schwarz-Weiß-Kaue sind die Räume für die Aufbewahrung der Straßen- und Arbeitskleidung durch einen Waschraum getrennt.

Kauf: Rechtsgeschäft über Veräußerung von Sachen oder anderen Vermögenswerten gegen Geld. Die Ware ist in einwandfreier Beschaffenheit zu übergeben und zu übereignen. Das Eigentum geht im Allgemeinen mit Zahlung des Kaufpreises vom Verkäufer auf den Käufer über. Bei Mängeln stehen dem Käufer Ansprüche aus der Garantie zu. Im Übrigen gelten unterschiedliche Regeln für den Kauf im Einzelhandel, zwischen Bürgern, insbesondere für den Kauf von wertgeminderten oder gebrauchten Waren, ferner für den Kauf im internationalen Handel.

Kaufalter, Micropterigidae: urtümliche Schmetterlingsfamilie mit weniger als 1 cm spannenden Arten ohne Säugrüssel, die Pollen kauen; Raupen leben an Moosen und Flechten. Siehe auch Schmetterlinge.

Kauffmann, Angelika, 30.10. 1741-5.11. 1807, schweizerische Malerin; vorwiegend in Italien und London tätig. Sie schuf mit großem Erfolg klassizistische Historienbilder mit sentimentalem Einschlag, während ihre gefälligen Bildnisse noch dem Rokoko verhaftet sind.

Kaufhalle: moderne Großraumverkaufsstelle mit einem komplexen Angebot an Nahrungs- und Genussmitteln, Obst und Gemüse sowie begrenzten Sortimenten von Industriewaren der täglichen Nachfrage.

Kaufhaus: leistungsstarker Betriebstyp des Einzelhandels, in dem breite Industriewarensortimente in Warenfamilien beziehungsweise geschlossenen Bedarfskomplexen angeboten werden (Bekleidungskaufhaus, Möbelkaufhaus, Kaufhaus für moderne Hauswirtschaft, auch kombiniert als Einrichtungshaus unter anderem)

Kaufkraft der Bevölkerung: Summe der für Konsumgüter und Dienstleistungen ausgabefähigen (Netto-) Geldeinnahmen der Bevölkerung. Während im Sozialismus die Kaufkraft der Bevölkerung kontinuierlich steigt, wird sie im Kapitalismus durch Lohnabbau und inflationäre Preissteigerungen zugunsten der Profite der Kapitalisten zeitweilig oder dauerhaft vermindert.

Kaufkraft des Geldes: Verhältnis der Geldeinheit zu den Einzelhandels- und Dienstleistungspreisen. Die Kaufkraft des Geldes wird auch als relativer Wert des Geldes bezeichnet und berechnet sich als reziproker Wert des Lebenshaltungskostenindex.

Kaufmann: im bürgerlichen Handelsrecht Bezeichnung für private Gewerbetreibende und bestimmte Betriebe. Handelsrechtlich sind Einzelkaufleute und Handelsgesellschaften gleichgestellt.

Kaufmann: 1. Hans, geboren 31.3.1926, Germanist; 1962/68 Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, danach am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der AdW; arbeitet unter anderem über Heine («Heinrich Heine. Geistige Entwicklung und künstlerisches Werk», 1967) und deutsche Literatur des 20. Jahrhundert; Hauptautor von «Krisen und Wandlungen der deutschen Literatur von Wedekind bis Feuchtwanger» (1966) und von der «Geschichte der deutschen Literatur», Band 9 (1974), Band 10 (1973); verfasste zahlreiche Aufsätze und Essays.

2. Walter, geboren 19.1.1924, Schriftsteller; 1939 Emigration nach Australien, 1955 Rückkehr in die DDR; schildert in Romanen und Erzählungen Erlebnisse unter dem Faschismus und in der australischen Emigration (unter anderem «Stimmen im Sturm», 1953; «Wohin der Mensch gehört», 1957; «Kreuzwege», 1961); schrieb Reportagen über Fidschi, Japan, Israel, Irland, die USA (unter anderem «Hoffnung unter Glas», 1966; «Irische Reise», 1978; «Drei Reisen ins Gelobte Land», 1980).

Kaufmannsgilde: Organisation der Kaufmannschaft im Feudalismus, seit dem 9./10. Jahrhundert in Europa bekannt. In Gilden, später Hansen genannt, schlossen sich Händler zur gegenseitigen Hilfe während des Transports der Waren sowie in Kriegszeiten zusammen. Mit der Entstehung der Stadt wurde die Kaufmannsgilde zur Berufsorganisation; ihre Hauptaufgabe war der Kampf gegen die Konkurrenz außenstehender Kaufleute, die Regelung kaufmännischer Angelegenheiten und gemeinsamer Schutz gegen Übergriffe des Feudaladels. Das sich in der Kaufmannsgilde entwickelnde Kaufmannsrecht ging später zum Teil in das Stadtrecht ein.

Kaugummi: mit Zucker beziehungsweise Zuckeraustausch-, Aroma- und Geschmacksstoffen präparierte, zum Auskauen bestimmte, wasserunlösliche Masse aus einer Mischung natürliche (Kautschuk, Chiclegummi unter anderem) oder synthetische thermoplastische Stoffe mit Harzen, Wachsen unter anderem

Kaukamm: Bezeichnung für eine Axt im Bergbau mit einer als Nagelzieher geeigneten Kerbe am Blatt (Körper).

Kaukasien: zwischen Schwarzem, Asowschem und Kaspische Meer, vom Kuma-Manytsch-Tiefland im Norden bis zur türkisch-iranischen Grenze im Süden; 450000 km2; umfasst Kaukasus, Nordkaukasien und Transkaukasien; reiche Bodenschätze, besonders Erdöl, -gas und Erze; Tourismus.

kaukasische Sprachen: größere Anzahl autochthoner Sprachen, besonders im Gebiet des Kaukasus, eingeteilt in

a) südkaukasische Sprachen mit Georgisch, Sanisch, Svanisch;

b) westkaukasische Sprachen mit Abchasisch, Adygeisch, Kabardinisch, Ubychisch;

c) ostkaukasische Sprachen mit den nachischen Sprachen (Inguschisch, Tschetschenisch), dagestanischen Sprachen (didoische Sprachen, lesginische Sprachen); Lakisch, Darginisch unter anderem. Die südkaukasischen Sprachen stellen sicher eine eigene Sprachfamilie dar; ihre Beziehungen zu den anderen kaukasischen Sprachen sowie die Verhältnisse innerhalb derselben sind noch nicht geklärt.

Kaukasus: Faltengebirgssystem, zwischen dem Schwarzen, Asowschen und Kasp. Meer; 1500 km lang, bis 180 km breit; gliedert sich in mehrere, meist scharfgratige, im zentralen Teil vergletscherte Ketten (insgesamt 1780 km2 vergletschert); besonders im Osten von tiefen Tälern zerschnittene Plateaus. Höchster Gipfel ist der Elbrus (5642 m), zu den höchsten Bergen zählen weiterhin Dychtau (5203 m), Schchara (5068 m) und Kasbek (5033 m). Die wasser- und energiereichen Flüsse Kuban, Terek, Sulak, Inguri, Rioni, Samur, Alasani, zum Teil mit Wasserkraftwerken, haben in das bis in die Gegenwart ansteigende Gebirgsmassiv tiefe, gefällereiche Täler eingeschnitten. Die großen Höhenunterschiede auf engem Raum bedingen klar ausgeprägte Höhenstufen (auf die Steppen am Gebirgsfuß folgen Laub-, Nadelwaldstufe, darüber üppige Mattenregion, in die Fels- und Schneeregion übergehend); reiche Bodenschätze, besonders Steinkohle (Tqwartscheli, Tkibuli), Blei-Zink- und Silber-Blei- (im Einzugsgebiet des Ardon), Mangan- (bei Tschiatura), Arsenerze (im zentralen Kaukasus) sowie Erdöllager (Gebirgsvorland); Mineral- und Schwefelquellen; von der Georgischen Heerstraße und der neuen Kaukasus Passstraße (Kardshin (südlich Terek)-Tbilissi) gequert. Eines der bedeutendsten sowjetischen Erholungs-, Kur-, Touristen- und Alpinistik Gebiete; mehrere Nationalparks (Sotschi, Dombai, Teberda). Bei Selentschuk weltgrößtes Spiegelteleskop.

Kaul, Friedrich Karl, 21.2. 1906-16. 4. 1981, Jurist und Schriftsteller; war Prozessverteidiger der KPD im Verbotsprozess vor dem Bundesverfassungsgericht; seit 1965 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin; Vizepräsident der Vereinigung der Juristen der DDR. Autor von Romanen, Kriminalstücken, Tatsachenberichten und von Pitaval Fernsehspielreihen.

Kaulbach, Wilhelm von, 15. 10. 1805-7. 4. 1874, Maler und Illustrator; gelangte von einer realistischen Naturauffassung zu einer theatralischen-monumentalen, dem bürgerlichen Geschichtsbild entsprechenden Historienmalerei. Von größerer Bedeutung sind jedoch seine geistvollen Illustrationen, unter anderem zu Goethes «Reineke Fuchs» (1840/46).

Kaulbarsch, Acerina cernua: bis 25 cm langer Barsch im Süß- und Brackwasser Eurasiens.

Kaumuskulatur: der Bewegung des Unterkiefers zur Zerkleinerung der Nahrung dienende Muskelgruppe; besteht aus Schläfen-, Kau sowie innerem und äußerem Flügelmuskel.

Kaunitz, Wenzel Anton Fürst von, 2.2. 1711-27.6. 1794, österreichischer Staatsmann; leitete seit 1753 die österreichische Hof- und Staatskanzlei (Außenministerium); entschiedener Gegner Preußens, Anhänger des aufgeklärten Absolutismus.

Kaurischnecken: vielfach Bezeichnung für die im Meer lebenden Porzellanschnecken; im engeren Sinne die beiden Arten Monetaria moneta und Monetaria annulus, deren meist nur 2 cm lange Schalen als Kaurigeld in Teilen Asiens und Afrikas allgemeines Zahlungsmittel (vorwiegend vom 13. bis 19. Jahrhundert) waren und auch als Schmuck verwendet werden.

kausal: ursächlich; dem Kausalzusammenhang entsprechend, im Verhältnis von Ursache und Wirkung zueinander stehend.

Kausalgie: heftige, brennende Schmerzen nach Verletzungen peripherer Nerven (vor allem Schussverletzungen), besonders an Händen und Füßen; die Schmerzempfindungen sind häufig verbunden mit vasomotorischen und trophischen Störungen in den entsprechenden Hautgebieten.

Kausalität: (lateinisch, «Ursächlichkeit») objektiver Zusammenhang zwischen Ereignissen oder Prozessen, bei dem Prozesse, die Ursache sind, andere Prozesse, die Wirkungen, hervorbringen. Die Ursache geht der Wirkung zeitlich voran. Jedes Ereignis, jeder Prozess hat eine Ursache und übt eine Wirkung aus. Allein die Materie, die materielle Welt, hat keine Ursache. Die Kausalität ist nur eine der vielfältigen Formen objektiver Zusammenhänge, nur ein Aspekt der universellen Wechselwirkung. Ein Kausalzusammenhang ist ein objektives Gesetz, wenn er zugleich allgemein und wesentlich ist. Die Erkenntnis von Kausalzusammenhängen ist nur Teilerkenntnis objektiver Zusammenhänge; sie ist jedoch notwendige Voraussetzung für erfolgreiches praktisches Handeln, insofern sie es ermöglicht, erwünschte Prozesse in Gang zu setzen und unerwünschte zu verhindern. Zugleich ist das tatsächliche Erreichen des beabsichtigten Resultats Bestätigung der richtigen Widerspiegelung eines Kausalzusammenhangs.

Kausalsatz, Begründungssatz: Satz mit der Angabe des Grundes (für einen im übergeordneten Satz dargestellten Sachverhalt); Nebensatz als Antwort auf die Frage «warum?», eingeleitet durch «da», «weil»; zum Beispiel Er wird siegen, «weil er im Recht ist».

Kausalzusammenhang: 1. Philosophie: Kausalität.

2. Recht: objektiver, in Form eines Ursache-Wirkung-Verhältnisses bestehender Zusammenhang zwischen dem Verhalten beziehungsweise den Handlungen eines Menschen und schädlichen Folgen; eine der Voraussetzungen strafrechtliche Verantwortlichkeit bei bestimmten Delikten und materieller Verantwortlichkeit bei Schadensfällen insbesondere auf der Grundlage des Arbeits- und des Zivilrechts.

Kaustik: (griechisch) Einhüllende des bildseitigen Strahlensaumes bei der Abbildung eines Punktes durch ein optisches System.

Kautabak: dem Kaugenuss dienendes Erzeugnis in Stangen- oder Tafelform aus besonders schweren, stark gesoßten Tabaksorten. Ein Stück Kautabak bezeichnet man als Priem.

Kautel: Vorkehrung; Vorsicht; Sicherung gegen rechtliche Nachteile (zum Beispiel aus einem Vertrag).

Kautilya, um 300 vor Christus, altindischer Politiker und Schriftsteller, Kanzler des Maurya-Königs Chandragupta. Ihm wird das berühmteste Arthashastra (Lehrbuch der Regierangs- und Verwaltungskunst), «Das altindische Buch vom Welt- und Staatsleben» (deutsch), zugeschrieben.

Kaution, Sicherheitsleistung. Hinterlegung von Geld und jede andere Leistung als Sicherung, dass eine bestimmte Pflicht erfüllt wird. Bei einer Pflichtverletzung verfällt die Kaution, bei Pflichterfüllung wird das sicherheitshalber Geleistete zurückgegeben.

Käutner, Helmut, 25.3.1908-20. 4.1980, Filmregisseur, Schauspieler und Schriftsteller der BRD; Mitbegründer des Kabaretts «Die vier Nachrichter» (1931/35) in München; schuf als Regisseur besonders heitere Filme, aber auch zahlreiche dramatische Werke («Kleider machen Leute», «Romanze in Moll», «Große Freiheit Nr. 7», «Unter den Brücken», «Die letzte Brücke», «Der Hauptmann von Köpenick», «Die Zürcher Verlobung», «Der Rest ist Schweigen», «Das Haus in Montevideo», «Die Feuerzangenbowle»).

Kautschuk: 1. Kautschuk: Sammelname für natürliche und synthetische makromolekulare Stoffe, die durch Koagulation entsprechender Latices gewonnen und zu Gummi verarbeitet werden. S. a. Naturkautschuk, Synthesekautschuk.

2. Kautschuk, Kautschukakt Kontorsionist.

Kautschukparagraph: gesetzliche Bestimmung, die durch ihre allgemeine Fassung der Auslegung weitesten Spielraum lässt.

Kautsky: 1. Karl, 16.10.1854-17.10.1938, Sozialdemokratischer Theoretiker und Publizist; seit 1875 Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs, kam Anfang der 80er Jahre in Zürich mit deutschen Sozialdemokraten in Verbindung; Kautsky lernte 1881 Kautsky Marx und F. Engels kennen; er wurde Marxist, leitete die 1883 gegründete «Neue Zeit» (bis 1917), entwickelte sie zur führenden marxistischen Zeitschrift der internationalen Arbeiterbewegung und wurde ein hervorragender Propagandist und Theoretiker des Marxismus; er war Mitverfasser des Erfurter Programms und Autor wichtiger Schriften zu Fragen der Geschichte, Ökonomie und Politik. Nach der Revolution in Russland 1905/07 verließ Kautsky allmählich marxistische Positionen und entwickelte sich zum Hauptvertreter des Zentrismus; seit 1917 war er Mitglied der USPD, seit 1922 wieder der SPD. Er wurde ein wütender Gegner der Bolschewiki und der Sowjetunion.

2. Minna, 11.6.1837-20.12.1912, österreichische Schriftstellerin; Mutter von Kautsky 1, unter dessen Einfluss sie als erste die Kämpfe der organisierten Arbeiterklasse literarisch gestaltete («Die Alten und die Neuen», 1882; «Helene», 1894).

Käuzchen: volkstümliche Bezeichnung für Steinkauz und Waldkauz.

Kavaja: Stadt in Albanien, südöstlich von Durresi, unweit der Küste, in der Muakia Ebene; 20000 Einwohner; keramische, Eisenwaren-, Papier-, Glasindustrie; Moschee (mit Portikus).

Kavala, Kavalla: Stadt im Nordosten Griechenlands, Verwaltungszentrum des Distrikts Kavala in Ostmakedonien; 56000 Einwohner; Tabak- und Textilindustrie; Hauptausfuhrhafen für den Tabak Makedoniens; Altstadt mit byzantinischer Burg und dreistöckigen römischen Aquädukt.

Kavalier: ursprünglich Reiter, Ritter, Angehöriger des Adels; heute Mann von zuvorkommendem Verhalten, besonders gegenüber Frauen.

Kavaliere: zur Zeit der englischen bürgerlichen Revolution volkstümliche Bezeichnung für die von Feudaladel und hoher Geistlichkeit gestützten Königsanhänger. Nach Wiederherstellung der Monarchie ging aus ihnen die Partei der Tories hervor.

Kavalierperspektive: darstellende Geometrie ein Spezialfall der schrägen Parallelprojektion; Breiten und Höhen eines Körpers werden unverzerrt, Tiefen unter 45°, meist auf die Hälfte verkürzt, wiedergegeben. Siehe auch Axonometrie.

Kavallerie: Reiterei; früher eine Hauptwaffengattung der Landstreitkräfte, deren taktische Einheit die Eskadron (Schwadron) zu 100 bis 150 Pferden war; verlor im 20. Jahrhundert mit der Entwicklung moderner Waffen und Kampftechnik ihre Bedeutung.

Kavafis, Konstantinos, 17.4.1863-29.4.1933, griechischer Dichter; lebte als Regierungsangestellter und Kaufmann in Alexandria (Ägypten). Seine Gedichte in eigentümlicher Sprache mit älteren, seltenen Formen des Griechischen konfrontieren in kafkaesker Art eine Welt der historischen Rückerinnerungen mit dem eigenen ausweglosen Zustand. Kavafis, der sein griechisches Vaterland 1932 zum ersten Mal besuchte, gelangte erst in den letzten Jahrzehnten zu nationaler und internationaler Wirkung.

Kavatine: kurzer liedhafter Gesangs- oder Instrumentalsatz.

Cavation: Fechten kreisförmiges beziehungsweise durch gleichzeitiges Strecken des eigenen Armes spiralähnliches Umgehen der gegnerischen Glocke mit der eigenen Klingenspitze.

Kaverne: (dat., «Höhle») Hohlraumbildung durch Gewebeeinschmelzung, typisch besonders bei Lungentuberkulose.

Kaviar: gesalzener Rogen von Störarten; roter Kaviar von Lachs (Keta-Kaviar). Ersatzprodukte werden aus dem Rogen verschiedener Seefische (Seehase, Dorsch unter anderem) hergestellt.

Kavir, Kewir, Dascht-i-Kewir: Wüste mit Binnenentwässerung in Vorderasien, im Hochland von Iran, südöstlich von Teheran; etwa 400 km lang und 200 km breit; überwiegend unfruchtbare Salztonböden, die sich nach Starkregen beziehungsweise bei Überschwemmungen durch die in den Randgebirgen entspringenden Flüsse in unpassierbare Sümpfe verwandeln; unbewohnt.

Kavität: Hohlraum; in der Stomatologie sowohl die durch Karies entstandene als auch die zur Aufnahme einer Füllung präparierte Höhlung eines Zahnes.

Kavitation: Entstehung und Zusammenfallen von Dampfblasen in schnellbewegter Flüssigkeit; die Stöße der Flüssigkeitsteilchen verursachen Zerstörungen, zum Beispiel an Schiffsschrauben oder Turbinenschaufeln.

Kawabata, Yasunari, 14.6.1899-16.4.1972 (Selbsttötung), japanischer Erzähler; ästhetischer Auffassungen und Sujet Wahl werden von einer «wehmütigen» Liebe zum traditionellen Japan bestimmt, stets wiederkehrendes Leitmotiv sind in seinen feinsinnig und in einer hohen Sprachkultur gestalteten Werken Einsamkeit und Heimatlosigkeit. Hauptwerke sind die Erzählung «Die Tänzerin von Izu» (1926), die Romane «Schneeland» (1947), «Tausend Kraniche» (1952) und «Kyoto» (1962, alle deutsch).

Kawakami, Hajime, 20.10.1879-31.10.1946, japanischer Philosoph; seit 1932 Mitglied der illegalen Kommunistischen Partei. Kawakami, Wegbereiter der marxistischen Wirtschaftswissenschaft in Japan, übersetzte Werke von Kawakami Marx und W. I. Lenin und verfasste zahlreiche theoretische Werke; er trat für die Einheit von Wissenschaft und politische Tätigkeit ein.

Kawalec, Julian, geboren 11.10.1916, polnischer Schriftsteller; einer der bekanntesten Vertreter der polnische Dorfliteratur; gestaltet in seinen Erzählungen und Romanen («Der Erde verschrieben», 1962; «Der tanzende Habicht», 1964, deutsch; «Die graue Aureole», 1976, deutsch; «Du wirst den Fluss durchschwimmen», 1973, deutsch) konfliktreiche soziale Prozesse beim Übergang zur Industriegesellschaft.

Kawasaki: Stadt in Japan (Präfektur Kanagawa), im Süden der Insel Honshu, an der Tokio Bucht zwischen Tokio und Yokohama; 1 Millionen Einwohner; Zentrum der Schwerindustrie (unter anderem Stahlindustrie, Maschinen- und Schiffbau, elektrotechnische und elektronische, chemische Industrie, Erdölverarbeitung); Hafen.

Kawerin, eigentlich Silber, Weniamin Alexandrowitsch, geboren 19.4.1902, russisch-sowjetischer Schriftsteller; schrieb anfangs grotesk-phantastische Prosa («Chronik der Stadt Leipzig im Jahr 18..», 1922). Mit den Romanen «Meister unbekannt» (1931, deutsch) und «Erfüllung der Wünsche» (1934/36) wandte er sich dem sowjetischen Leben zu. Der Roman «Zwei Kapitäne» (1938/44, deutsch) gehört zu den populärsten Jugendbüchern in der UdSSR. In der Romantrilogie «Ein offenes Buch» (1949/56, daraus deutsch «Glückliche Jahre» und «Doktor Tatjana Wlassenkowa») und dem Roman «Zweistündiger Spaziergang» (1978) gestaltete Kawerin die Arbeitswelt von Biologen. In dem Briefroman «Vor dem Spiegel» (1971, deutsch) schildert er das Schicksal einer emigrierten russischen Malerin. Von Begegnungen mit Künstlern und Wissenschaftlern Anfang des 20. Jahrhundert erzählt die dreiteilige Autobiographie «Erleuchtete Fenster» (1970/75).

Kayah Staat: Gliedstaat im Osten von Burma, am mittleren Salween, grenzt im Osten an Thailand; 11670 km2, 170000 Einwohner; 15 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum, Vorkommen von Bunt- und Edelmetallen; schwach entwickelte Wirtschaft, Anbau von Reis, Mais und Zuckerrohr, Gewinnung tropischer Edelhölzer.

Kayes: Stadt (Regionszentrum) im Westen von Mali, am Senegal; 45000 Einwohner; wichtiger Flusshafen (bei Hochwasser auch von Seeschiffen erreichbar), Handelszentrum, Verkehrsknoten, Flughafen; Gerberei, Fleischverarbeitung; Landwirtschaftsinstitut.

Kayseri: Stadt (Provinzzentrum) im zentralen Teil der Türkei, im Anatol. Hochland; 280000 Einwohner; Wirtschafts- und Handelszentrum der mittleren Türkei; Textilindustrie (Baumwollverarbeitung, Teppichweberei), Flugzeugbau, Lebensmittelherstellung; Flughafen, Verkehrsknoten.

Kazan, Elia, geboren 7.9.1909, US-amerikanischer Theater- und Filmregisseur türkischer Herkunft; steht in der Tradition der amerikanischen Stanislawski Rezeption (Mitarbeit im Actors Studio 1947/63), hat große Verdienste um die Durchsetzung amerikanischer Dramatiker wie A. Miller und T. Williams.

Kazantzakis, Nikos, 18.2.1883-26.10.1957, griechischer Schriftsteller; nach dem Studium der Rechtswissenschaft und Philosophie publizistisch und (als Sozialist) eine Zeitlang auch als Politiker (1945/46 Minister) tätig, verfasste Kazantzakis zur Weltliteratur gehörende, tief humanistische Romane, in denen er die einfachen Menschen vornehmlich seiner kretischer Heimat in ihrer Ursprünglichkeit und Leidenschaft zeigt, zum Beispiel «Alexis Sorbas» (1946), «Freiheit oder Tod» (1953), «Griechische Passion» (1954), «Rechenschaft vor El Greco» (1961, alle deutsch).

Kazike: zur Zeit der Entdeckung Amerikas indianisches Wort für Dorf- oder Stammeshäuptling auf Haiti; von den spanischen Konquistadoren als Bezeichnung für Indianerhäuptlinge Mittel- und Südamerikas gebraucht; später auch Bezeichnung für Honoratioren eines administrativen Bereichs und für Großgrundbesitzer in Lateinamerika.

Kazimierz, Kasimir, Könige von Polen: 1. Kazimierz III. Wielki, 30.4.1310-5.11.1370, König seit 1333; stärkte die Zentralgewalt, forderte Wirtschaft, Handel, Wissenschaft und Kunst, ließ 1346/47 die erste polnische Gesetzessammlung (die Statuty) anfertigen; 1364 gründete er die Universität Krakow.

2. Kazimierz IV. Jagiellonczyk, 30.11.1427-7.6.1492, Großfürst von Litauen seit 1440, König von Polen seit 1447; unterdrückte die Opposition der Magnaten und unterstützte die Schlachta, um die Zentralgewalt zu stärken; im 2. Thorner Frieden 1466 erwarb er vom Deutschen Ritterorden unter anderem Pommerellen, das Kulmer Land (zwischen Chelmno und Tonin) und Ermland.

Keaton, Buster, 4.10.1895-1.2.1966, US-amerikanischer Filmschauspieler, -regisseur und -Produzent; war neben C. Chaplin der führende Komiker der Stummfilmzeit; zu seinen bekanntesten Filmen gehören «Das Blaßgesicht», «Tagträume», «Der General», «Wasser hat keine Balken».

Keats, John, 31.10.1795-23.2.1821, englischer Dichter; Vertreter der revolutionären Romantik; schrieb der «Schönheit und Wahrheit» gewidmete Oden, wie «Auf eine griechische Vase» (1819, deutsch), «An den Herbst» (1819, deutsch), «Ode auf die Melancholie» (1819, deutsch), «Ode an eine Nachtigall» (1819, deutsch), die Verserzählungen «Endymion» (1818, Auszüge deutsch), «Isabella» (1820), «Lamia» (1820) und das meisterhafte Poem-Fragment «Der Fall Hyperions. Ein Traum» (1820, deutsch).

Kebnekaise: («Kesselspitze») Bergmassiv im Nordwesten Lapplands (Schweden), mit dem höchsten Berg Schwedens (2111 m); Hochgebirgscharakter, vergletschert; Naturschutzgebiet.

Kecskemet: Stadt in Ungarn, Verwaltungszentrum des Bezirkes Bacs-Kiskun; 100000 Einwohner; Obst-, Gemüse- und Fleischverarbeitung (Konserven), Spirituosenherstellung, Maschinenbau; Hochschulen; Theater, Museen; in der Umgebung Obst- (Aprikosen) und Weinbau; in der Nähe Nationalpark.

Kediri: Stadt in Indonesien, im Osten von Jawa; 180000 Einwohner; Zentrum eines Plantagengebietes mit Anbau von Kautschuk, Zuckerrohr und Kaffee; Verkehrsknoten.

Kedrov, Bonifati Michailowitsch, 10.12. 1903 bis 10. 9. 1985, sowjetischer Philosoph; Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Naturwissenschaft und Technik bei der Akademie der Wissenschaften der UdSSR; verfasste Arbeiten über materialistischer Dialektik, besonders im Werk Lenins, über philosophische Fragen der Biologie und Chemie sowie über wissenschaftstheoretische Probleme, insbesondere über die Klassifikation der Wissenschaften. Mitglied der Akademie der Wissenschaften.

Keewatin: östlicher Distrikt der Nordwestterritorien von Kanada; 591000 km2, kaum besiedelt, insgesamt 1800 Einwohner, davon etwa 1000 Eskimo; arktisches Klima; Tundra Vegetation, zahlreiche Seen; das Gebiet ist bisher wenig erforscht; Gold- und Nickelerzvorkommen; Fischfang, Rentierzucht.

Kefir: Sauermilcherzeugnis aus mit Kefirpilzen (Gemisch spezifische Bakterien und Hefen) versetzter Frischmilch. Wegen des durch Hefen verursachten Gärprozesses enthält Kefir 0,2 bis 0,8% Alkohol.

Kegel: 1. Kegel, Konus - Geometrie: Körper, der begrenzt wird von einer ebenen Grundfläche G und einer Mantelfläche, die aus allen Strecken besteht, die einen Randpunkt von G mit der Spitze S des Kegel, einem Punkt außerhalb der Ebene von G, verbinden. Ist der Fußpunkt des Lots von S auf G Mittelpunkt von G, so heißt der Kegel gerade, sonst schief; beim Kreiskegel ist G eine Kreisfläche. Siehe auch Doppelkegel, Körper.

2. Maschinenbau: Maschinenelement oder Gerät in Form eines geraden Kreiskegelstumpfes zur sicheren, selbstzentrierenden Einspannung von Werkzeugen (zum Beispiel Bohrfutter, Spiralbohrer), zur Verbindung von Welle und Nabe (zum Beispiel Schwungräder, Seilscheiben) oder zur Herstellung dichtender Bauelemente (zum Beispiel Hähne, Ventile).

3. Kegel, Schriftkegel: Polygraphie die in typographischen Punkten angegebene Ausdehnung einer Drucktype in der Richtung der Höhe des Schriftbildes. Der Kegel bestimmt die Größe der gedruckten Schrift (und zusammen mit dem Durchschuss den Zeilenabstand), ist aber meist nicht mit dem Schriftgrad identisch, sondern größer.

4. Rechtsgeschichte: Kind und Kegel.

5. Sportspiele: Kegelsport.

Kegel: Max, 6.1.1850-10. 8.1902, Schriftsteller, einer der bedeutendsten sozialistischen Lyriker des 19. Jahrhundert; Mitarbeiter der Zeitschrift «Der wahre Jakob»; sein bekanntestes Gedicht ist der «Sozialistenmarsch» («Auf, Sozialisten, schließt die Reihen»).

Kegelprobe: physikalische Prüfmethode zur Ermittlung der Zustandsform feinkörniger, bindiger Lockergesteine, besonders geeignet für weiche Tone. Ein Metallkegel wird auf die Oberfläche einer Erdstoffprobe gesetzt und der Eindringwiderstand gemessen. Mit dieser indirekten Prüfung kann die Schubfestigkeit eingeschätzt werden.

Kegelrad: scheibenförmiges Maschinenelement mit kegelförmiger Mantelfläche; bei Kegelzahnrädern mit einer Verzahnung, bei Kegelreibrädern mit einer gehärteten oder mit Reibbelag versehenen Lauffläche.

Kegelrobbe, Halichoerus grypus: bis 3 m lange Hundsrobbe mit kegelförmigem Kopf und dunkler, hellgefleckter Oberseite; lebt im Nordatlantik und den Nebenmeeren, einschließlich der Ostsee.

Kegelschnecken, Conidae: Familie der Meeresschnecken mit stumpfkegeligen, 3 bis 12 cm hohen Gehäusen; können ihre Beutetiere (meist andere Meeresschnecken) durch Gift lähmen oder töten. Das Gift wird über umgebildete spitze Radula Zähne wie mit einer Kanüle in die Beute injiziert, kann auch beim Menschen zu Lähmungen oder zum Tod fuhren.

Kegelschnitt: Schnittkurve des Mantels eines geraden Kreisdoppelkegels D mit einer Ebene. Enthalten Ebenen E, P, H die Kegelspitze nicht, so ist der Kegelschnitt Ellipse, falls E jede Mantellinie von D schneidet, Parabel, falls P zu einer Mantellinie parallel ist, Hyperbel, falls H zu 2 Mantellinien parallel ist. Für Ebenen durch die Kegelspitze erhält man als Kegelschnitt einen Punkt, eine Gerade oder ein Paar sich schneidender Geraden.

Kegelsport, Kegeln: zu den Ziel- und Treibspielen zählendes, ausschließlich in Hallen betriebenes Sportspiel, bei dem in 4 verschiedenen Disziplinen die größtmögliche Anzahl von Zielfiguren (Kegel) mittels einer Kugel umzuwerfen sind (Einzel, zum Teil Paarkampf und Mannschaft). Die Disziplinen werden durch die unterschiedliche Bahnen (Asphalt-, Bohle-, Bowling- und Scherenbahn) bestimmt; unterschiedlich sind auch die Zahl (gewöhnlich 9, bei Bowling 10), Größe und Masse (Abweichungen bei Bowling) der Kegel sowie der Kugeln und die Spielregeln. Gewöhnlich werden 200 Würfe je Starter gespielt, beim Bowling erfolgt eine kompliziertere Berechnung. Weltmeisterschaften seit 1953, Europameisterschaften seit 1964.

Kegelstumpf: Restkörper, der von einem Kegel K übrigbleibt, wenn durch eine zur Grundfläche parallele Ebene E die Spitze und ein Teil von K abgeschnitten werden. Die Schnittfläche von E und K ist die Deckfläche des Kegelstumpfs. Siehe auch Körper 2.

Kehldeckel, Epiglottis: von Schleimhaut überzogene Knorpelplatte des Kehlkopfs; verschließt dessen Eingang beim Schlucken.

Kehle:

1. Anatomie: (Jugulum) vorderer Halsteil der Säugetiere und des Menschen im Bereich von Kehlkopf und Luftröhre.

2. Bautechnik: Schnittkante oder konkav gerundeter Verbindungsstreifen zwischen 2 winklig aufeinandertreffenden Flächen. Siehe auch Voute.

3. Fischzucht: Reuse.

Kehlen: (Konkavrund-) Profilieren von Holz; siehe auch Lisene.

Kehlkopf, Larynx (griechisch; PI. Laryngen): der Luftröhre vorgelagertes Organ zur Stimmbildung bei Säugetieren und beim Menschen. Das Knorpelgerüst besteht aus Kehldeckel-, Schild-, Ring- und 2 Gießbeckenknorpeln. Im Inneren des Kehlkopfs wölbt sich die Schleimhaut in Form der Taschenfallen (oben) und Stimmfalten (unten) vor. Grundlage der die Stimmritze begrenzenden Stimmfalten sind je ein Stimmband und ein Stirnmuskel.

Kehlkopfkrankheiten: akute und chronischen Kehlkopfentzündungen, gut- und bösartige Kehlkopftumoren und Stimmbandlähmungen; ist die Stimmbandebene in die Erkrankungen mit einbezogen, besteht Heiserkeit, sonst uncharakteristische Schmerzen, Schluckstörungen oder Luftnot.

Kehraus, Kehrab, Ruutsmieter: letzter Tanz eines Festes; die Form ist in den einzelnen Landschaften sehr verschieden (Kettentanz, auch Suite aus verschiedenen Volkstänzen). Siehe auch Großvatertanz.

Kehre: 1. Gerätturnen: Beinschwungbewegung beziehungsweise Stützsprung über ein Sprunggerät mit geschlossenen und gestreckten Beinen bei gebeugten Hüftgelenken und -Drehung um die Körperlängsachse in die Bewegungsrichtung.

2. Straßenbau: eine stark verbreiterte enge Krümme, die die Richtung der Straße bis zu 180° verändert; besonders an Berghängen zur Höhengewinnung.

Kehrreim, Refrain: eine oder mehrere Zeilen, die am Ende der Strophen eines Gedichts oder Liedes wiederkehren («Reim» bedeutete im älteren Deutsch auch Zeile, Reihe).

Keihin: im engeren Sinne die 1941 gegründete Hafengemeinschaft zwischen Tokio, Chiba, Kawasaki und Yokohama; im weiteren Sinne das bedeutendste industrielle Ballungsgebiet Japans um Tokio und Yokohama (33 Millionen Einwohner, 33% der Industrieproduktion Japans). Der Anteil der in den 3 Präfekturen Tokio, Kanagawa (mit Yokohama und Kawasaki) und Chiba ansässigen Betriebe an der Produktion Japans beträgt bei der Druckereiindustrie etwa 55%, bei der feinmechanischen-optischen Industrie 40%, bei der elektrotechnische Industrie etwa 33% und beim Fahrzeugbau etwa 25%. Die 4 zur Hafengemeinschaft Keihin gehörenden Häfen vereinigen etwa 60% des gesamten japanischen Hafenumschlags.

Keikoku: Judo - Verwarnung bei schwerem, wiederholtem mittlerem oder (nach bereits ausgesprochenem Chui) leichtem Verstoß; entspricht in der Wertigkeit dem Wazaari.

Keil: 1. starrer Körper mit 2 ebenen Flächen, die einen spitzen Winkel bilden, eine kraftumformende Einrichtung; dient zum Spalten anderer Körper aus weicherem Material durch Eindrücken oder -schlagen.

2. Maschinenelement: a) zur Befestigung von Naben auf Wellen, ausgeführt als Treib-, Nasen-, Hohl- oder Scheibenkeil. Beim Eintreiben des Keil in die Nut der Nabe ergibt sich die exzentrische Lage der Nabe, die zur Unwucht führt,

b) zum Verspannen von Teilen durch Kraftschluss, insbesondere bei Kreuzköpfen von Schubkurbeltrieben.

3. Werkzeug, mit dem der Spiralbohrer aus der Zwischenhülse entfernt wird.

Keilbein: 1. Keilbein, Sphenoidale: Schädelbasisknochen.

2, Keilbein, Cuneiforme: Bezeichnung für 3 Fußwurzelknochen.

Keilblattgewächse, Sphenophyllaceae: ausgestorbene Schachtelhalmgewächse (Oberdevon bis Perm); Pflanzen krautartig, dünnsprossig, Blättchen in Wirteln stehend.

Keilrahmen: in der Malerei der Holzrahmen, den die Malleinwand als Gerüst erfordert. Die Seiten sind durch flache Keile verfalzt, wodurch die Leinwand gespannt werden kann.

Keilriemen: Maschinenelement aus Gummi mit zahlreichen eingebetteten Kordfäden zur Erhöhung der Zugfestigkeit; meist endlos hergestellt für Hülltrieb zur Leistungsübertragung von einer auf einer Welle befestigten Keilriemenscheibe zu einer zweiten bei großem Achsabstand.

Keilschrift: Gruppe altorientalischer Schriften mit keilförmigen Schriftzeichen; im 4. Jahrtausend vor Christus von den nichtsemitischen Sumerern in Mesopotamien aus einer Bilderschrift entwickelt, seit 2800 von den Akkadern als Wort- und Silbenschrift ihrer semitischen Sprache angepasst (babylonisch-assyrische Keilschrift)-, wurde von anderen Völkern angenommen (kleinasiatische Keilschrift, syrische Keilschrift unter anderem); seit dem 8. Jahrhundert vor Christus durch die aramäische Buchstabenschrift abgelöst. Die Keilschrift wurde 1802 durch G. F. Grotefend entziffert.

Keilspaltstruktur: großräumige, durch tiefreichende Brüche begrenzte, keilförmige tektonische Einheit, die beim Aufreißen einer kontinentalen Scholle längs einer Schwächezone und durch zusätzliche Rotation der Schollenteile entsteht. Siehe auch Dreispaltenstruktur.

Keimbett: feuchtes Filterpapier, Quarzsand oder anderes Material zur Keimprüfung bei Saatgut.

Keimbezirke: frühzeitig in ihrer Entwicklungsrichtung determinierte Regionen der Blastula oder auch schon des Eies. Bei Wirbeltieren sind Keimbezirke im Blastulastadium (mit Ausnahme der Urmundlippe) häufig noch austauschbar. 

Keimblätter:

1. Keimblätter, Kotyledonen - Botanik: die zuerst gebildeten Blätter einer Pflanze (des Keimlings), einfach gestaltet und von kurzer Lebensdauer; sie dienen entweder unterirdisch als Reservestoffbehälter oder oberirdisch und laubblatt-ähnlich als erste Assimilationsorgane.

2. Embryologie: während der Embryonalentwicklung durch Gastrulation entstehende Zellschichten, die das Ausgangsmaterial für Gewebe und Organe bereitstellen. Das äußere Keimblätter (Ektoderm) bildet Oberhaut und -derivate, Vorder- und Enddarm, Sinnes- und Nervenzellen, Nebennierenmark; das innere Keimblätter (Entoderm) das Epithel des Mitteldarmes und seiner Anhangsdrüsen sowie Schwimmblase, Lunge, Schilddrüse und Epithelkörperchen. Differenzierungen des nur bei den Bilateria (bilateral-symmetrischer Tieren) vorkommenden mittleren Keimblattes (Mesoderm) sind: Innenskelett, Muskulatur, Bindegewebe, Blut- und Lymphgefäße, Urogenitalorgane.

Keimdrüsen, Geschlechtsdrüsen, Gonaden: Organe zur Bildung von Samen- beziehungsweise Eizellen und Geschlechtshormonen; siehe auch Eierstock, Hoden.

Keimdrüsenhormone, Geschlechtshormone, Sexualhormone: in männlichen und weiblichen Keimdrüsen (Hoden beziehungsweise Eierstöcke) gebildete Steroidhormone, die den männlichen beziehungsweise weiblichen Charakter des Organismus prägen, indem sie Entwicklung und Funktion der Geschlechtsorgane sowie die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale bewirken. Männliche Keimdrüsenhormone sind die Androgene, weiblichen Keimdrüsenhormone sind Östrogene und Gestagene.

Keimesentwicklung, Embryogenese, Embryogenie (griechisch), Embryonalentwicklung: Gesamtheit der Veränderungen, die ein Organismus von der befruchteten Eizelle bis zum Verlassen der Eihüllen beziehungsweise bis zur Geburt durchläuft. Die wichtigsten Phasen der Keimesentwicklung sind Furchung, Keimblatt-, Organanlagen- und Organbildung. Siehe auch Ontogenese.

Keimfutter: Futtergetreide, das zur Erhöhung des Vitamingehaltes zum Keimen gebracht wurde.

Keimprüfung, Keimprobe: Feststellen der Keimfähigkeit (wie viel Samen keimen), Keimschnelligkeit (wie viel Samen in einer kurzen, befristeten Zeit keimen), Triebkraft (wie viel Keimlinge eine 3 cm hohe Sand- oder Ziegelgrusschicht durchwachsen). Siehe auch Keimbett, Saatgut

Keimreife: Stadium, in dem der Samen unter Keimbedingungen zur Keimung kommt.

Keimruhe: Stadium der Samen von der Ernte bis zur Keimreife, in dem sie noch nicht keimfähig sind. Die Keimruhe wirkt arterhaltend, da in diesem Stadium die Samen bis zum Eintritt günstiger Keimbedingungen erhalten bleiben.

Keimstimmung, Keimbereitschaft: Zustand des Saat- und Pflanzgutes zwischen Keimruhe und Keimung; kann zum Beispiel durch Vorquellen mit Wasser oder bestimmte Temperaturreize gefördert werden. Siehe auch Vorkeimen.

Keimträger: Person, die Erreger in sich beherbergt, ohne diese durch Ausscheidung weiter verbreiten zu können. Keimausscheider ist eine Person, die je nach dem Krankheitsstadium beziehungsweise auch ohne vorausgegangene klinische Erscheinungen Erreger von Infektionskrankheiten zeitweilig ausscheidet. Dauerausscheider ist eine Person, die Erreger nach deren Feststellung über einen festgelegten Zeitabschnitt ausscheidet. Ausscheider unterliegen der Registrierung und Kontrolle durch die zuständige Gesundheitsverwaltung.

Keimung: Entwicklungsbeginn pflanzlicher Individuen, im engeren Sinne des im Samen eingeschlossenen Embryos; erfolgt nach Reife und Ruhezeit, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind (Wasser, Sauerstoff, Temperatur).

Keiser, Reinhard, 12.1.1674-12.9.1739, Komponist, Kapellmeister, Konzertunternehmer; führender Vertreter der frühdeutschen Oper, schrieb für die Hamburger Oper am Gänsemarkt viele Opern, Festspiele, Serenaden mit ausdrucksstarker Melodik, ferner Passionen, Oratorien, weltliche Kantaten; Einfluss auf G. F. Händel und J. S. Bach.

Keita, Modibo, 4.6.1915-16.3.1977, mal. Politiker; Mitbegründer und seit 1956 Führer der sudanesischen Union. 1960/68 Staatspräsident.

Keitel, Wilhelm, 22.9.1882-16.10.1946 (hingerichtet), Generalfeldmarschall; 1938/45 Chef des Oberkommandos der faschistischen Wehrmacht; als einer der wichtigste militärische Mitarbeiter A. Hitlers und wegen seiner führenden Teilnahme an den Verbrechen des Faschismus im Nürnberger Prozess zum Tode verurteilt.

Kekkonen, Urho Kaleva, geboren 3.9.1900, finnischer Politiker; 1936/56 Abgeordneter der Agrarunion (heute Zentrumspartei) im Reichstag, 1948/50 Reichstagspräsident; 1950/56 mehrmals Ministerpräsident, 1956/81 Staatspräsident; hatte entscheidenden Anteil an der Durchsetzung gutnachbarlische Beziehungen zur UdSSR («Paasikivi-Kekkonen-Linie»); war Initiator des Planes einer kernwaffenfreien Zone in Nordeuropa (1963) und Gastgeber der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, um deren Zustandekommen er sich sehr verdient gemacht hat.

Kekrops, in der griechischen Sage der älteste König von Attika; galt als der aus dem Erdboden geborene Ahnherr (Autochthon) Attikas und wurde schlangenfüßig dargestellt.

Kekule von Stradonitz, Friedrich August, 7. 9. 1829-13. 7. 1896, Chemiker; hatte wesentlichen Anteil an der Begründung der Strukturtheorie der klassischen organischen Chemie; er fand unter anderem die Ringformel des Benzols.

Kelbra,(Kyffhäuser): Stadt im Kreis Sangerhausen, Bezirk Halle, in der Goldenen Aue, an der Helme; 3600 Einwohner; Metall-, Perlmuttverarbeitung; Tierproduktion; Erholungsort (160 bis 200 m über dem Meeresspiegel); Rückhaltebecken (600 ha, Stauraum 35,6 Millionen m3) der Helme.

Kelch: 1. Botanik: der äußere, meist grüne Blattkreis einer Blüte mit doppelter Blütenhülle.

2. Kunsthandwerk: Becher für den Altarwein, Hauptstück der kirchlichen Gefäße. Der Kelch besteht aus Schale (Kuppa), Schaft mit Knauf (Nodus) und Fuß.

Kelchwürmer, Kamptozoa: artenarmer Tierstamm; festsitzende, bis 6 mm lange Meerestiere; auf einem Haftstiel sitzt ein kelchförmiger Rumpf, der von einem die Mund- und die Afteröffnung einschließenden Tentakelkranz umgeben ist; leben einzeln oder in durch Knospung entstehenden Kolonien auf Algen, Weichtierschalen und so weiter

Kelek: in Mesopotamien verbreitetes floßartiges Fellboot, bestehend aus einem Holzgerüst beziehungsweise -gestell, das von aufgeblasenen Ziegenbälgen getragen wird.

Kelle: Maurerwerkzeug zum Aufträgen des Mörtels beim Mauern und Putzen; man unterscheidet Mauerkelle, Putzkelle, Ziehkelle (zum Glätten von Estrich) und Fugenkelle (zum Einbringen und Glätten des Fugenmörtels bei Ziegelrohbauten und Plattenverkleidungen).

Keller: 1. Friedrich Gottlob Keller, 27.6.1816-8.9.1895, Weber; gilt als Erfinder der Holzschliffherstellung (1843). Holzschliff wurde aber schon 1765 von dem Pfarrer J. C. Schäffer (1718-1790) hergestellt.

2. Gottfried Keller, 19.7.1819-15.7.1890, deutschsprachiger schweizerischer Schriftsteller. In der Nachfolge der klassischen deutschen Philosophie (L. Feuerbach) und Dichtung (J. W. Goethe) war Keller zunächst um die Darstellung des Ideals der harmonisch entwickelten Persönlichkeit bemüht (Bildungsroman «Der grüne Heinrich», 1854/55, 2. Fassung 1879/80; l. Teil der Novellen «Die Leute von Seldwyla», 1855/56). Im 2. Teil der «Leute von Seldwyla» (1874) akzentuierte Keller die sich abzeichnende Gefährdung menschlicher Beziehungen und stellte teils in märchen- und parabelhaften, teils in geschichtlichen und erfundenen Stoffen die erhoffte Vermenschlichung der gesellschaftlichen Beziehungen dar («Sieben Legenden», 1872; «Züricher Novellen», 2 Bände; 1878; «Das Sinngedicht», 1881). Mit fortschreitender Desillusionierung hinsichtlich der bürgerlich-kapitalistischen Entwicklung ging Keller zum kritischen Realismus über (Gesellschaftsroman «Martin Salander», 1886). Keller verfasste auch volksverbundene politische und Naturlyrik («An das Vaterland», «Abendlied»).

3. Keller, Helen Adams, 27.6.18801.6.1968, US-amerikanische Schriftstellerin, Pädagogin und Sozialreformerin; war taub und blind; schrieb autobiographische Bücher («Mitten im Lebensstrom», 1929, deutsch; «Helen Kellers Tagebuch», 1938, deutsch).

4. Inge Keller, geboren 15.12.1923, Schauspielerin, seit 1950 am Deutschen Theater, Berlin; wurde durch bedeutende Rollengestaltungen besonders in klassischen und kritisch-realistischen Stücken bekannt; spielte auch in Film und Fernsehen («Gewissen in Aufruhr», «Die Brüder Lautensack»).

5. Ott-Heinrich Keller, geboren 22.6.1906, Mathematiker, 1952/71 Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; wichtige Arbeiten zur algebraischen Geometrie, auch zur Zahlentheorie; Mitglied der Leopoldina und der SAW.

Kellerabzug: Flaschenweinabfüllung beim Erzeuger mit Angabe des betreffenden Weinkellers auf Weinetiketten und -listen.

Kellergläschen: kleines Becherglas zum Prüfen (Durchleuchten und Verkosten) des Weines im Weinkeller.

Kellermann: 1. Bernhard, 4.3.1879-17.10.1951, Schriftsteller, unternahm langjährige Reisen durch Europa, Amerika, Asien; 1933 von den Faschisten boykottiert; nach 1945 unter anderem Mitbegründer des Kulturbundes, 1950 der AdK. Kellermann, der mit neuromantischen Romanen («Yester und Li», 1904) begann, wurde weltberühmt mit dem technisch-utopischen Roman «Der Tunnel» (1913), einer kritisch-realistischen Schilderung des amerikanischen Kapitalismus; weitere Hauptwerke sind der antimilitaristische Roman «Der neunte November» (1920) und der antifaschistische Roman «Totentanz» (1948); schrieb auch Reisebücher.

2. Kellermann, François Christophe, Herzog von Valmy, 28. 5. 1735-23. 9. 1820, französischer General, Marschall von Frankreich; zwang mit seinen Truppen nach der Kanonade von Valmy (1792) die Preußen zum Rückzug; 1800 Senatspräsident, während der napoleonischen Zeit Kommandeur der Reserve.

Kellerschnecke, Limax flavus: bis 10 cm lange Egelschnecke wärmerer Länder. Nach Mittel- und Nordeuropa verschleppt, lebt sie hier fast nur in Kellern und Speichern. Die Kellerschnecke ist Vorratsschädling an eingelagerten Kartoffeln, Gemüse und Wurzeln.

Kellerung: Datenverarbeitung Zwischenspeicherung von Daten in den Kellerspeicher (Stack) nach dem sogenannt LIFO-Prinzip (last in first out). Die aktuelle Adresse des Kellerspeichers wird in einem speziellen Register, dem Stackpointer, geführt. Der Stackpointer adressiert im Allgemeinen die letzte belegte Zelle des Kellerspeichers. Nach Ablegen einer Information erfolgt Rücksetzung, vor dem Lesen Erhöhung des Stackpointers (oder auch umgekehrt). Die Verwendung von Kellerspeichern ist bei Compilern CT Programmiersprache) und bei Mikrorechnern zur Realisierung der Unterprogrammtechnik (siehe auch Programm) gebräuchlich.

Kellgren, Johan Henrik, 1.12.1751-20.4.1795, schwedischer Dichter; Mitbegründer der Schwed. Akademie; seine Lyrik («Feinde des Lichts», 1792) bildet den Höhepunkt der schwedischen Aufklärungsdichtung; vertrat unter dem Einfluss Voltaires und der Französischen Revolution radikale Auffassungen.

Kellner, Oskar, 13.5.1851-22.9.1911, Agrikulturchemiker; bekannt durch Versuche und Forschungen auf dem Gebiet der Tierphysiologie und Fütterungslehre; führte den Stärkewert als Maßeinheit für den Nährwert der Futtermittel ein, ermöglichte damit die Futterberechnung auf energetische Grundlage.

Kellogg, Frank Billings, 22.12.1856-21.12. 1937, US-amerikanischer Politiker; Unterzeichnete 1928 als Außenminister (1925/29) den Briand-Kellogg-Pakt, der den Krieg als Mittel zur Lösung von Streitfragen verurteilte. Der wachsende internationale Einfluss der UdSSR bewirkte, dass das imperialistische Jus ad bellum («Recht auf Krieg») durchbrochen wurde.

Kelmendi, AH, 1900-11.2.1939, albanischer Arbeiterführer; nahm als Mitarbeiter der Komintern in den 30er Jahren maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung kommunistischer Gruppen in Albanien (Korfa) und die Entwicklung der albanischen Arbeiterbewegung.

Keloid: (griechisch) Bindegewebewucherung im Bereich von Narben oder unverletzter Haut.

Kelp: an den europäischen und amerikanischen Küsten gesammelte oder mit speziellen Schiffen geerntete Braunalgenmasse, aus der unter anderem Jod und Soda hergestellt werden.

Kelten: indoeuropäische Völkergruppe; um 500 vor Christus besonders in Süd- und Mitteldeutschland und in Nordostfrankreich sesshaft. Die Kelten waren Träger der sich seit dem 5. Jahrhundert vor Christus im mittleren Europa verbreitenden La-Tene-Kultur, die im 2. Jahrhundert vor Christus ihren Höhepunkt erreichte. Seit Beginn der Eisenzeit schritt bei den Kelten die Spezialisierung der handwerklichen Tätigkeit rasch voran. Der relativ hohe Stand der Produktivkräfte begünstigte die Herausbildung von individuellem Eigentum an Produktionsmitteln und damit auch die allmähliche Herausbildung einer erblichen Gentil Aristokratie, deren Mitglieder teilweise schon in Burgen saßen. Vom 5. bis 3. Jahrhundert vor Christus führte die keltische Gentil Aristokratie große Eroberungszüge an (Vordringen in Frankreich, Spanien, auf den britischen Inseln, vereinzelt auch in Italien (387 vor Christus vor Rom), auf dem Balkan und bis Kleinasien), wodurch die Herausbildung von Ausbeutungsverhältnissen in Form der patriarchalischen Sklaverei bei ihnen gefördert wurde. Bis zum Beginn unserer Zeit gingen die Kelten im römischen Reich auf. Reste (auch sprachliche) haben sich in der Bretagne, auf der Insel Man, in Wales, Schottland und Irland erhalten.

Kelter: Vorrichtung zum Abpressen der Maische von Weintrauben, wobei man Horizontalkelter, das heißt Korbpressen verwendet, bei denen der hydraulisch angetriebene Stempel von oben (Oberdruckpressen) oder unten (Unterdruckpressen) auf das Gut gedrückt wird. Zunehmend werden kontinuierlich arbeitende Pressentsafter eingesetzt.

Kelterborn, Rudolf, geboren 3.9.1931, schweizerischer Komponist; Professor an der Musikhochschule Zürich, Chefredakteur (seit 1969) der «Schweizerischen Musikzeitung»; schrieb der Zwölftontechnik verpflichtete Orchester- und Vokalmusik sowie 2 Opern.

keltische Sprachen: Zweig der indoeuropäischen Sprachfamilie; untergliedert in Festlandskeltisch (im 5. Jahrhundert ausgestorben) und Inselkeltisch, das 2 Sprachgruppen umfasst;

a) Gälisch: Irisch, Schottisch, Manx (nahezu ausgestorben);

b) Britisch: Kymrisch oder Walisisch, Komisch (Anfang 19. Jahrhundert ausgestorben), Bretonisch.

Kelvin, (nach Kelvin of Laigs) Zeichen K: Maßeinheit der Temperatur, SI-Basiseinheit. Das Kelvin ist der 273,16te Teil der (thermodynamischen) Temperatur des Tripelpunktes von Wasser.

Kemafil: (Kunstwort) Handelsname für einen Kernmantelfaden, bei dem der Fadenmantel aus Fadenverschlingungen in Form einer aus Nähmaschinenstichen bestehenden Stichreihe besteht; für technisches Schnüre, Dichtungs- und Isolationsmaterial.

Kemal Tahir, 1910-21.4.1973, türkischer Schriftsteller; stellte in für die türkische Literatur neuartigen Romanen die nicht überwundenen feudalen Verhältnisse im Dorf, gespiegelt in der Gedankenwelt der Bauern, dar und behandelte Probleme der bürgerlich-demokratischen Entwicklung seines Landes («Ein Körnchen in der Steppe», 1967).

Kemenate: (althochdeutsch - lateinisch, zu caminus, «Ofen») ursprünglich heizbarer Raum, besonders auf Burgen; später Frauengemach; scherzhaft kleines behagliches Wohnzimmer.

Kemi: Stadt im Nordwesten Finnlands, an der Mündung des Kemijoki in den Bottnischen Meerbusen; 27000 Einwohner; Holz-, Zellulose-, Papier-, Fertighaus-, Möbel- und chemische Industrie; Wasserkraftwerke; Hafen (vor allem für Holzprodukte); in der Nähe Chromerzbergbau.

Kemijoki: Fluss im Norden Finnlands (Lappland), 552 km, entspringt oberhalb des Nördlichen Polarkreises nahe der sowjetischen Grenze, durchfließt den Kemijäm und mündet bei Kemi in den Bottnischen Meerbusen; Stauseen mit Wasserkraftwerken; Flößerei.

Kempe: 1. Mirdza Kempe, 9.2.1907-12.4.1974, lettisch-sowjetische Lyrikerin; wurde durch die gefühlstiefe Liebeslyrik der Sammlung «Liebe» (1957) populär; ihre letzten Gedichtbände («Licht im Stein», 1967) tendieren stärker zur philosophische Reflexion über den Menschen und seinen Platz in unserer Epoche.

2. Rudolf Kempe, 14.6.1910-12.5.1976, Dirigent; wirkte unter anderem in Dresden, München, London, Zürich; war seit 1974 Chefdirigent beim Sinfonieorchester der BBC.

3. Volker Kempe, geboren 1.7.1939, Physiker und Nachrichtentechniker, seit 1977 Direktor des Zentralinstituts für Kybernetik und Informationsprozesse der AdW. Arbeitsgebiete: Theorie stochastischer Systeme, kosmische Gerätesysteme, Bildverarbeitung, Regelungssysteme.

Kempen, französisch Campine: Landschaft im Norden Belgiens, umfasst den Nordteil der Provinzen Antwerpen und Limburg; wichtigster Ort Turnhout, sandiges, bis 100 m hohes Geestland, Heide, Kiefernwälder, zum Teil melioriertes Wiesen- und Ackerland; bedeutende Steinkohlelagerstätten; Buntmetallurgie, Glas-, Textil- und chemische Industrie.

Kempff, Wilhelm, geboren 25.11.1895, Pianist; international erfolgreicher Solist; wirkte auch als Organist und Komponist.

Kempten: kreisfreie Stadt in Bayern, in Schwaben, im Allgäu, an der Iller, 57000 Einwohner; Zentrum der Allgäuer Milchwirtschaft; Maschinenbau, Papierindustrie; Theater, Allgäuer Heimatmuseum; Altstadt mit St.-Mang-Kirche und Rathaus (beide 15. Jahrhundert), Neustadt mit Residenz.

Kena, Kina, Qena: Stadt (Gouvernoratszentrum) in Oberägypten, am Nil; 80000 Einwohner; Textil-, Phosphordüngemittelindustrie; Töpferei; Handelszentrum; Straßenknoten.

Kendari: Stadt (Gebietszentrum) in Indonesien, im Südosten von Sulawesi; 30000 Einwohner; Hochseehafen, Flughafen; in der Umgebung Bergbau auf Eisenerz.

Kenia: erloschener Vulkan in der Republik Kenia, zweithöchster Berg Afrikas, 5200 m hoch; vergletschert; mehrere Vegetationsgürtel (von der Parksavanne über Nebelwald zu alpinen Matten); Hänge über 3300 m gehören zum Kenia-Nationalpark.

Kenia, (nach dem Berg) Republik Kenia: Staat in Ostafrika, am Indischen Ozean; grenzt im Norden an Sudan und Äthiopien, im Osten an Somalia, im Südosten an den Indischen Ozean, im Südwesten an Tansania und im Westen an Uganda; verwaltungsmäßig in 7 Provinzen und einen Hauptstadt-Distrikt gegliedert. Währung ist der Kenia Schilling.

Bevölkerung: Von den vielen afrikanischen Völkern (mehr als 80 ethnischen Gruppen) sind zahlenmäßig Kikuyu (18% der Gesamtbevölkerung), Luo (13%), Luhya (13%), Kamba (9%), Galla (8%) und Massai (6%) am bedeutendsten. 1,3% der Bewohner sind Inder, Europäer und Araber. Kenia gehört zu den Ländern mit dem höchsten Bevölkerungswachstum der Welt Am dichtesten sind die Hochländer im Südwesten (bis 180 Einwohner/km2), am schwächsten der Nordwesten und Osten besiedelt. Etwa 15% der Bewohner leben in Städten. Amtssprachen sind Swahili und Englisch.

Natur: Hinter einer 800 km langen Mangrovenküste steigt das Land über eine im Süden schmale Küstenebene zu einem Hochland mit aufgesetzten Vulkanen (K., 5200 m; Mount Elgon, 4321 m; zum Teil noch tätig), vulkanische Decken und Inselbergen an, das den größten Teil der Landesfläche einnimmt und im Westen vom in Nord-Süd-Richtung sich hinziehenden Ostafrikanischen Graben mit Turkana- und Magadisee unterbrochen wird. Im Gebiet westlich dieser Grabenzone fällt das Hochland zum Victoriasee ab. An der Küste herrscht ein feuchtheißes tropisches Klima, im Hochland ist es angenehm kühl mit größeren täglichen Temperaturschwankungen. Der größte Teil des Landes hat jedoch trockenes tropisches Klima (2 Regenzeiten). Vorherrschend sind baumreiche Savannen, oberhalb 2000 m Nebelwald, im trockenen Norden Domsavanne und Halbwüste (Sahel), an der Küste tropisches Regenwald. Die ehemals reiche Großtierwelt wird durch mehrere Nationalparks und Reservate vor der völligen Vernichtung bewahrt. Kenia besitzt nur geringe natürliche Rohstoffe.

Kennbuchstabe: bei Eintragung der Gesundheitspflegemittel in das Verzeichnis vom Ministerium für Gesundheitswesen erteilter Buchstabe, der die Art der Abgabeeinrichtung festlegt. Es bedeuten zum Beispiel D: Abgabe in Drogerien, R: Abgabe in Drogerien, Reformgeschäften und Diätlebensmittelgeschäften.

Kennedy, John Fitzgerald, 29.5.1917-22.11.1963 (ermordet), US-amerikanischer Politiker (demokratische Partei); seit 1961 (erster katholischer) Präsident der USA; Kennedy bemühte sich in seinem letzten Lebensjahr, die Politik der USA dem neuen Kräfteverhältnis in der Welt anzupassen (Moskauer Vertrag, 1963); seine Ermordung diente den großen Rüstungsmonopolen und den Ultrakonservativen in den USA.

Kenning: in der Skaldendichtung mehrgliedrige, oft schwer deutbare Umschreibung (zum Beispiel «Wundenzweig» für Schwert).

Kennlichter, Kennleuchten: Lichter an Flugzeugen, die deren Lage und Flugrichtung anzeigen: an den Enden der Tragflügel backbordseitig rot, steuerbordseitig grün, am oberen Ende des Seitenleitwerkes weiß.

Kennlinie, Charakteristik (lateinisch griechisch): graphische Darstellung der Abhängigkeit zweier Kenngrößen eines Bauelements, einer Baugruppe oder eines Gerätes; zum Beispiel Strom-Spannungskennlinie (Transistor, Elektronenröhre), Ausgangs-Eingangssignalkennlinie (Verstärker), Drehzahlkennlinie (Elektromotor). Die Darstellung der Abhängigkeit von einer dritten Kenngröße führt zu einer Kennlinienschar (Kennlinienfeld). Die statische Kennlinie eines Übertragungsgliedes zeigt die Abhängigkeit des Ausgangs- vom Eingangssignal im stationären Zustand (Ruhezustand nach Abklingen der Ausgleichsvorgänge).

Kennlinienlinearisierung: schaltungstechnische oder rechnerische Korrektur der nichtlinearen Kennlinie eines Messfühlers. Kennlinienlinearisierung ist erforderlich in der digitalen Messtechnik und für die Weiterverarbeitung von Messwerten; bei Anzeige des Messwerts mittels Zeigerinstruments (analoge Messverfahren) erfolgt die Kennlinienlinearisierung über eine nichtlineare Skale.

Kenntnisse: planmäßig, systematisch oder auch empirisch erworbenes Wissen über Entwicklung, Gesetzmäßigkeiten, Zusammenhänge und Tatbestände in Natur und Gesellschaft; Arbeitskenntnisse umfassen das beim Werktätigen vorhandene und speziell für den Arbeitsprozess entsprechend der Arbeitsaufgabe ständig aktiv verfügbare Wissen. Kenntnisse sind wesentliches Element der Qualifikation.

Kennung: auf Postsendungen angebrachtes Merkmal für mechanische oder automatische Briefverteilung.

Kennzeichnungspflicht: Rechtspflicht zur Kennzeichnung der Herkunft industrieller Erzeugnisse; siehe auch Warenzeichenrecht.

Kennziffer: 1. Kennziffer, Indexziffer, Messziffer, mathematische Statistik: Maßzahl zur Beschreibung einer statistischen Masse, zum Beispiel arithmetisches Mittel.

2. Pharmazie: Kennzeichnung jedes Arzneimittels und Gesundheitspflegemittels, die aus jeweils 3 Zahlengruppen besteht. Die erste Zahlengruppe kennzeichnet den Bezirk, in dem der Hersteller seinen Sitz hat; die zweite Zahlengruppe entspricht der Nummer des Herstellers beziehungsweise der laufenden Nummer der Eintragung in das Arzneimittelregister und die dritte Zahlengruppe ist entweder die laufende Nummer des Arzneimittels des Herstellers beziehungsweise enthält die letzten beiden Ziffern des Jahres der Eintragung.

3. Wirtschaft: statistische Darstellungsmittel, um die Quantität gesellschaftlicher Massenerscheinungen in Einheit mit ihrer Qualität widerzuspiegeln. Kennziffer charakterisieren einen technischen ökonomischen oder sozialen Zustand oder Prozess zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitraum. Die Kennziffer ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Planung, Leitung und Kontrolle in der sozialistischen Gesellschaft.

Kent: Grafschaft im Südosten Englands (Großbritannien), zwischen der Themsemündung und dem Kanal; 3732 km2, 1,4 Millionen Einwohner; 388 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Maidstone; Marsch- und Hügelland, Kreidesteilküste; geringe Steinkohlenvorkommen; Schiff- und Maschinenbau, Papier- und chemische Industrie; Erdölraffinerien; Anbau von Gemüse, Obst («Garten Englands»), Gerste, Hafer, Hopfen; Schafzucht; Häfen; Seebäder.

Kent: 1. Rockwell, 21.6.1882-13.3.1971, US-amerikanischer Maler, Graphiker, Illustrator, Schriftsteller; fasziniert von der rauen Natur und den Menschen, besonders im Norden der USA, versuchte er, realistische Landschaftsdarstellungen mit Phantasiegebilden zu verschmelzen. Gleichzeitig widerspiegelt Kents Schaffen sein kämpferisches Engagement gegen soziales und politisches Unrecht.

2. William Kent, 1684 (getauft 27.5.)-12.4.1748, englischer Maler, Architekt und Gartenkünstler; schuf zusammen mit Lord Burlington 1727 die palladianische Villa in Chiswick inmitten eines Landschaftsgartens, mit dem er zum Schöpfer des sogenannt Engl. Gartens wurde (weitere Parkanlagen in Kew und Kensington).

Kentern: (niederdeutsch, zu «Kante») Umkippen, Umschlagen, besonders von Booten und Schiffen.

Kenterrolle, Eskimorolle: Kanuslalom, Wildwasserrennen Aufrichten eines gekenterten Bootes mittels speziellen Paddelzugs; nach einer Kenterrolle darf der Lauf fortgesetzt werden.

Kentucky, Abkürzung Ky.: Bundesstaat im südlichen Zentralteil der USA, zwischen Mississippi im Westen, Ohio im Norden sowie Cumberland Plateau und Alleghenygebirge im 0; 104660 km2, 3,6 Millionen Einwohner; 34 Einwohner/km2; Hauptstadt Frankfort. Überwiegend zertaltes Appalachen Plateau, im Norden und Nordwesten Ebenen; warmgemäßigtes Klima. Bergbau auf Steinkohle, Erdöl, Erdgas, Asphalt, führend ist die Steinkohlenproduktion mit einer Förderung von 120 Millionen t; Elektrizitätsproduktion 57,1 Md. kWh, installierte Leistung 13600 MW. Die höchste Energiemenge verbraucht das Kernindustriezentrum Paducah am Ohio; Stahlwerke in Ashland und Newport; außerdem wenig entwickelter Maschinenbau, bedeutende holzverarbeitende, chemische, tabakverarbeitende und Lebensmittelindustrie. Hauptindustriezentrum ist Louisville. In der Landwirtschaft führt der Tabakanbau, gefolgt von der Rinderzucht; gut entwickeltes Straßensystem. Siedlungsbeginn um 1775, seit 1792 15. Bundesstaat der USA.

Kentumsprachen: Untergruppe indoeuropäischer Sprachen, in denen die palatalen und velaren Gutturale zusammenfielen, während die Labiovelare unterschieden wurden. Zu den Kentumsprachen gehören Germanisch, Keltisch, Italisch (mit Latein), Griechisch, Tocharisch unter anderem, also nicht nur westliche indoeuropäische Sprachen, wie man ursprünglich glaubte.

Kephaline: zu den Phosphatiden gehörende Fettbegleitstoffe mit Kolamin oder Serin als Amino Alkoholische besonders reich an Kephaline sind Gehirn und Nervengewebe. Die Kephaline ähneln hinsichtlich Gewinnung, Eigenschaften und Verwendung dem Lezithin.

Cephalisation, Kopfbildung: Verlagerung und Konzentration von Sinnesorganen beziehungsweise des Zentralnervensystems im Verlauf der stammesgeschichtlichen Höherentwicklung an das vordere Körperende.

Kepheus, sagenhafter König der Äthiopier, Gatte der Kassiopeia, Vater der Andromeda.

Kephisodot, griechischer Bildhauer: 1. Kephisodot der Ältere, während der 1. Hälfte des 4. Jahrhundert vor Christus in Attika tätig, Vater des Praxiteles; Hauptwerk: Eirene mit dem Plutosknaben (Kopie, Glyptothek in München). -

2. Kephisodot der Jüngere, Sohn und Schüler des Praxiteles; arbeitete im letzten Viertel des 4. Jahrhundert und 1. Viertel des 3. Jahrhundert vor Christus; die künstlerische Eigenart seiner Werke bleibt, da sichere Zuschreibungen fehlen, unbekannt.

Kepler, Johannes, 27.12.1571-15.11.1630, Astronom, Physiker und Mathematiker; erwarb an der Stiftsschule in Tübingen die Magisterwürde, wurde 1594 Mathematiklehrer in Graz, 1600 Mitarbeiter von T. Brahe in Prag und 1601 an dessen Stelle Kaiserlicher Mathematiker, 1612 Mathematiklehrer in Linz. Kepler fand die nach ihm benannt Gesetze (1609 die beiden ersten, 1618 das 3.) und trug so entscheidend zur Anerkennung der heliozentrischen Planetentheorie bei, wobei er im Gegensatz zu Kopernikus (und Galilei) erkannte, dass die Planetenbahnen keine Kreise, sondern Ellipsen sind. Er machte sich auch verdient um die Entwicklung der Optik, konstruierte das astronomische Fernrohr und arbeitete den physikalischen Grundbegriff Kraft heraus; die Planetenbewegung erkannte er als Folge einer von der Sonne ausgehenden Kraft. Er trug zur Theorie der Kegelschnitte und zur Entwicklung der Infinitesimalrechnung bei. Bedeutendste Werke sind «Astronomia nova» (Neue Astronomie), «Dioptrice» (Dioptrik), «Harmonices mundi» (Weltharmonien), «Tabulae Rudolphinae» (Rudolfinische Tafeln).

Keplersche Gesetze: die von J. Kepler gefundenen 3 Gesetze der Planetenbewegung. 1. Keplersches Gesetz: die Planeten bewegen sich auf Ellipsen, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht.

2. Keplersches Gesetze: die Planeten bewegen sich so, dass die Verbindungsgerade Sonne-Planet in gleichen Zeiten gleiche Flächen überstreicht (siehe auch Flächensatz). Die Planeten bewegen sich also in Sonnennähe schneller als in Sonnenferne.

3. Keplersches Gesetze: die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich zueinander wie die dritten Potenzen der großen Halbachsen ihrer Bahnellipsen. Die ersten beiden Keplerschen Gesetze sind strenge Lösungen des Zweikörperproblems, das 3. Keplersche Gesetz ist nur eine Näherungslösung, da bei ihm die Planetenmassen, die gegen die Sonnenmasse allerdings sehr klein sind, vernachlässigt werden.

Kerala: Unionsstaat im Süden Indiens; 38864 km2, 25,4 Millionen Einwohner; 654 Einwohner/km2; Hauptstadt Trivandrum. Kerala ist der am dichtesten besiedelte Staat in Indien und umfasst einen flachen und lagunenreichen Teil der Malabarküste sowie die Gebirgszüge der Ghats im Hinterland mit reichen Wasserkraftreserven und Vorkommen von Graphit und Glimmer. An der Küste in Sanden Vorkommen an Monazit, Ilmenit, Zirkon und Rutil; Kultivierung von Kokospalmen, Reisanbau; im Meer und in den Lagunen reiche Fischgründe. In den Bergen (Nilgiri) in Plantagen Anbau von Kautschuk, Kaffee, Tee; verbreitet Gewürzanbau (Pfeffer, Ingwer, Kardamom unter anderem), Anbau von Kaschu- und Betelnüssen, Bananen. Die Industrie verarbeitet Agrarprodukte, des weiteren Keramik-, Textil-, Dünger-, Zement-, Glas-, Aluminium-, Papierindustrie, Ziegeleien, Erdölraffinerie und Werft (Cochin). Kerala ging 1956 aus dem Zusammenschluss der Fürstentümer Travancore und Cochin und des Distrikts Malabar hervor; 1957/59 erste kommunistische Regierung unter E. M. S. Namboodiripad, durch Zentralregierung abgesetzt; 1969/79 Koalitionsregierungen linker und demokratischer Parteien (bis 1977 unter Führung des kommunistischen Chefministers Achutha Menon), deren sozialökonomischen Reformen beispielgebend für ganz Indien waren (1970 radikale Landreform).

Keramik: (griechisch, «Töpferkunst») Sammelbezeichnung für durch Sintern hergestellte, anorganische nichtmetallische Erzeugnisse. Die Fertigung erfolgt durch Mischen feinkörniger Rohstoffe, Formen zu Gegenständen bei Raumtemperatur und anschließendes Brennen. Hierbei bildet sich ein dauerhafter Werkstoff, der vorwiegend aus feinen Kristallen besteht, zwischen denen sich häufig Poren und vielfach glasartige Bindesubstanz befinden. ursprünglich gehörten zur Keramik nur vorwiegend aus Ton hergestellte Formkörper (Tonwaren) mit porösem beziehungsweise dichtem Scherben, die als Baustoffe oder Geschirr Verwendung fanden. Gegenwärtig zählen zur Keramik neben Silikat. Werkstoffen auch solche aus anderen Oxiden, Oxidgemischen, Karbiden, Nitriden, Boriden und Siliziden für fast alle Zweige der Technik. Die Erzeugnisse werden nach der Verwendung eingeteilt in Baukeramik: Ziegel, Abflussrohre, Fliesen, Kacheln; Geschirrkeramik: Haushaltgeschirr und Ziergegenstände vorwiegend aus Porzellan und Steingut; Sanitärkeramik: Wasch- und Abortbecken aus Hartsteingut oder Vitreous China; feuerfeste Materialien: Schamotte-, Silika-, Magnesitsteine unter anderem für Feuerungen und Öfen aller Art; technischer Keramik: Isolierteile für die Elektrotechnik aus Porzellan und Steatit, Kondensatoren aus Titandioxid und Titanaten, Magnete aus Ferriten, temperatur- beziehungsweise spannungsabhängige Halbleiterwiderstände (Sammelbezeichnung: Elektrokeramik), Behälter und Apparate für die chemische Industrie aus Porzellan oder Steinzeug, keramische Filter, Hochtemperatur- und verschleißfeste Keramik aus Aluminium-, Beryllium-, Magnesium- oder Zirkonoxid, weiterhin Cermets unter anderem Gebräuchlich ist auch die Einteilung in Feinkeramik mit scheinbar homogener und Grobkeramik mit deutlich inhomogener Scherbenstruktur. Zur Schneidkeramik zählen keramische Schneidplatten aus Sinterkorund beziehungsweise Korund für hohe Schnittgeschwindigkeiten und Temperaturen bis 1000°C. Die Herstellung von Tonwaren gehört zu den ältesten Produktionstechniken der menschlichen Gesellschaft. In Mesopotamien und Ägypten begann die Herstellung gebrannter, mit Ornamenten bemalter Gefäße in der jüngeren Steinzeit um 5000 vor Christus, in Mitteleuropa um 4000 vor Christus; um die Mitte des 4. Jahrhundert vor Christus kam, wahrscheinlich im Vorderen Orient, die Töpferscheibe auf. In Mitteleuropa erreichte die Töpferkunst seit 2000 vor Christus beachtliche Höhe, ebenso in Russland und China. In der gesamten ostasiatischen Kunst steht die Keramik an hervorragender Stelle. In der babylonischen Kunst wurde zuerst in großem Umfang der Ziegel verwendet und die Glasur ausgebildet. Die griechischen bemalten Vasen und Terrakotten wurden durch Handel im gesamten Mittelmeergebiet verbreitet. In Europa erreichte die Keramik erst in der Renaissance wieder ein hohes Niveau. Die Fayence wurde eingeführt, später Steinzeug. Seit 1900 wurden erfolgreiche Versuche zur Wiedererweckung der künstlerischen Keramik unternommen.

keramische Farben, Keramikfarben: Farbmittel für keramische Gegenstände. Unterglasurfarben bestehen aus Farbkörpern vom Spinell Typ, zum Beispiel Kobaltaluminat, oder färbenden Oxiden, die sehr fein mit Kaolin, Feldspat u. ä., das heißt den Flussmitteln, vermahlen werden. Zum Aufmischen der keramischen Farben werden Malmittel zugesetzt.

Keramisieren: (griechisch) a) Überziehen eines Gegenstandes, zum Beispiel einer metallischen Gelenkprothese, mit einer keramischen Oberflächenschicht; kann unter anderem mit Hilfe der Plasma-Spray-Technik erfolgen;

b) Überführen eines Glases durch gesteuerte Kristallisation in eine Vitrokeramik.

Keratine: (griechisch) wasserunlösliche und durch viele eiweißspaltende Enzyme nicht angreifbare Gerüsteiweiße der Haut; Hauptbestandteile von Haaren, Wolle, Federn, Hufen, Krallen und Hörnern.

Kerbel: (lateinisch griechisch) Anthriscus: Gattung weißblütiger Doldengewächse mit mehrfach fiederteiligen Blättern. Als Gewürzpflanze ist der im Mittelmeergebiet und in Vorderasien beheimatete und in vielen anderen Gegenden, darunter in Mitteleuropa, angebaute Gartenkerbel (Anthriscus cerefolium) bekannt. Der Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris) ist eine in Eurasien verbreitete Wiesenpflanze.

Kerbholz: altes Zählgerät; Holzstab, in den Marken für Schulden, Arbeitsleistungen unter anderem eingekerbt wurden; nach Längsspaltung des Kerbholz konnten sich die Partner gegenseitig kontrollieren. Formen des Kerbholzes blieben bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch.

Kerbnagel: Maschinenelement mit beliebiger Kopfform und zylindrischer Schaft, der 3 auf dem Umfang gleichmäßig verteilte achsparallele Kerben aufweist; dient zur Befestigung von Abdeckblechen und Schildern.

Kerbwirkung: Einfluss von Kerben (Nuten, Bohrungen, Gewinde unter anderem) auf den Verlauf mechanischer Spannungen in Bau- und Maschinenteilen. Durch Kerben wird der homogene Spannungsverlauf gestört, so dass im Kerbgrund eine höhere Spannung (Spannungsspitze) auftritt als der berechneten Nennspannung entspricht; deren Verhältnis dient als Formzahl a zur Kennzeichnung der Kerbwirkung

Kerckringsche Falten, (nach einem Arzt) Plicae circulares: ringförmig verlaufende, in die Dünndarmlichtung vorspringende Schleimhautfalten; vergrößern die resorbierende Oberfläche.

Kerma: (Kurzwort für kinetic energy released in material, Englisch) Dosisgröße für indirekt ionisierende Strahlung; Quotient aus der kinetischen Energie aller geladenen Teilchen, die von solcher Strahlung in einem Volumenelement freigesetzt werden, und der Masse des durchstrahlten Volumenelementes; Zeichen K; SI-Einheit J/kg, darf auch Gray (Gy) genannt werden.

Kermadecinseln: zu Neuseeland gehörende vulkanische Inselgruppe im Stillen Ozean, nördlich der Nordinsel Neuseelands; 33,5 km2; unbesiedelt; bis 525 m hoch; noch tätige Vulkane; subtropische Vegetation; auf der Insel Raoul meteorologische Station. Östlich der Kermadecinseln der 1300 km lange Kermadecgraben mit dem Horizontief (10047 m).

Kermesbeere, Phytolacca americana: zur Familie der Kermesbeerengewächse gehörende mannshohe, ausdauernde krautige Pflanze aus Nordamerika mit violett schwarzen Beeren, deren dunkelroter Saft zum Färben von Zuckerwaren und von farbschwachem Rotwein verwendet wird.

Kern: 1. Elektrotechnik: magnetischer Kreis.

2. Gießereitechnik: Teil einer Form, das in die Gießform eingelegt wird, um Innenkonturen im Gussstück zu formen (Innenkern) oder bestimmte Außenkonturen aus technologischen Gründen zu bilden (Außenkern). Gussformen, die nur aus Kern zusammengesetzt sind, sind Kernblockformen. Kern bestehen aus Kernformstoff, für Kokillenguss und Druckguss aus Metall.

3. Kern, Atomkern-. Physik: zentraler Teil des Atoms, Durchmesser von der Größenordnung 10"14 m, das heißt etwa 0,01% des Atomdurchmessers, Masse 99,95% des Atoms. Ein Kern besteht aus N Neutronen und Z Protonen, die zusammen Nukleonen genannt werden. Deren Anzahl A = Z + N heißt Massenzahl. Die Kernladungszahl Z ist gleich der Ordnungszahl oder Atomnummer, die die Stellung der Elemente im Periodensystem bestimmt. Die Dichte der Kernmaterie ist außerordentlich groß, sie beträgt = 2 • 10“ g/cm3 und ist für alle Kern annähernd konstant. Die positive Kernladung verursacht um den Kern einen Potentialwall, die Coulomb-Barriere. Die Kernkraft, die die Bindung der Nukleonen im Kern bewirkt, hat eine Reichweite von nur = 10-15 m, außerhalb des Kern ist sie nicht mehr nachweisbar. Sie ist eine Folge der starken Wechselwirkung der Nukleonen. Eine exakte Theorie der Kernkraft gibt es bisher nicht. Die Masse des Kern ist kleiner (um etwa 1%) als die Summe der Massen seiner Nukleonen. Dieser Massendefekt ist der Bindungsenergie äquivalent. Er beträgt für 1 g Helium ~ 680 Gigajoule (Heizwert von 171 Erdöl). Das Wechselspiel der Kernkräfte und der Coulomb-Kräfte sowie das Verhältnis von Anzahl der Neutronen zu der der Protonen bestimmen die Stabilität der Kern Etwa 300 der bekannten 1600 Kern sind stabil, die restlichen sind instabil oder radioaktiv. Leichte stabile Kerne besitzen etwa gleich viele Protonen und Neutronen, schwere stabile Kern haben einen Neutronenüberschi(ß, mit dem die Wirkung der abstoßenden Coulomb-Kraft kompensiert wird.

Kernäquivalent: dem Zellkern funktionell vergleichbare Struktur, die in unscharf begrenzten Bereichen das genetische Material (DNS) enthält. Das Kernäquivalent der Bakterienzellen (Nukleoid) und Blaualgen (Chromidial Apparat) weist weder eine Kernmembran noch ein Kernkörperchen auf.

Kernbauweise: Verbundbauweise mit mehrschichtigen Platten von hoher Festigkeit, die als Trennwände, leichte Außenwandbauelemente oder Unterdecken verwendet werden. Der zellenartige Stützkern besteht aus trapezförmig gewellten Aluminiumfolien oder kunstharzversteiflen Papierstreifen. Auf den Kern werden beiderseits Aluminium-, Glas-, Asbestbeton- oder Hartfaserplatten aufgeklebt.

Kernbeißer, Coccothraustes coccothraustes: Finkenvogel mit kegelförmigem Schnabel; frisst Sämereien und harte Kerne; nistet in Bäumen; 12 Tage wird das aus 5 Eiern bestehende Gelege vom Weibchen bebrütet; von Europa über Mittelasien bis Japan sowie in Nordafrika verbreitet.

Kernbohrung: drehende Tiefbohrung, bei der mittels einer mit Diamantzähnen besetzten Bohrkrone aus einem Gesteinsverband ein zur Untersuchung bestimmter zylindrischer Kern ausgebohrt, in einem Kernrohr gefangen und zutage befördert wird.

Kernbrennstoff: im Kernreaktor verwendetes Material, in dem die Kernspaltung stattfindet und die Kernenergie freigesetzt wird; enthält ein Gemisch von Spaltstoff und Brutstoff (Brutreaktor). Als Kernbrennstoff sind Uran, Thorium und Plutonium geeignet. Sie werden als Metall, Legierung oder chemische Verbindung (zum Beispiel Keramik) in den Brennelementen eingesetzt. Gegenwärtig wird meist Urandioxid als Kernbrennstoff genutzt, in dem Uran 235 höher konzentriert ist als im Uran aus natürliche Vorkommen (angereichertes Uran).

Kernbrennstoffzyklus: Kreislauf des Kernbrennstoffs durch die Anlagen der Kernbrennstoffwirtschaft und den Kernreaktor, einschließlich der notwendigen Lager und Transporte. Vorerst ist hauptsächlich der Uran-Plutonium-Zyklus mit angereichertem Uran von praktischer Bedeutung. Seine wichtigsten Teilschritte sind: Natururangewinnung, Anreicherung (das heißt Erhöhen des Anteils von Uran 235), Fertigung der Brennelemente, ihr Einsatz im Reaktor, Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente, Behandlung und Endlagerung des radioaktiven Abfalls. Die letzten 3 Schritte bilden die Entsorgung. Abgetrenntes Resturan und Plutonium können wieder in den Kernbrennstoffzyklus zurückgeführt werden (geschlossener Kernbrennstoffzyklus). Gegenwärtig werden die abgebrannten Brennelemente vorwiegend noch nicht wiederaufbereitet, sondern zwischengelagert (offener Kernbrennstoffzyklus). Der Einsatz von Brutreaktoren erfordert, dass der Kernbrennstoffzyklus geschlossen wird.

Kernen: Gewinnung von Gesteinsproben (Bohrkernen) aus Tiefbohrungen. Als geophysikalischen Kernen wird auch die Bohrlochmessung bezeichnet.

Kernenergetik: Teilbereich der Energiewirtschaft, der die Erzeugung von Elektroenergie und Wärme auf der Basis von Kernenergie einschließlich der Kernbrennstoffwirtschaft umfasst.

Kernenergie, Atomenergie: Energie, die bei Kernumwandlungen als Differenz der Bindungsenergien (beziehungsweise Massendefekte) auftritt. Bei exothermen Kernumwandlungen nimmt die kinetische Energie auf Kosten der Ruhenergie zu, bei endothermen Umwandlungen ist es umgekehrt. Diese kinetische Energie ist bei Kernspaltung und Kernfusion technisch nutzbar. Die umgesetzte Kernenergie, bezogen auf die eingesetzte Masse des Brennstoffs, ist etwa 106mal größer als die Energie bei (ehem.) Reaktionen in der Elektronenhülle des Atoms.

Kernenergieantrieb, Atomantrieb: Antriebsart, die die Energie nutzt, die in Kernreaktoren freigesetzt wird; mit Kernenergieantrieb arbeiten zum Beispiel Eisbrecher und Kriegsschiffe (U-Boote, Flugzeugträger).

Kerner, Justinus (eigentlich Christian), 18.9.1786-21.2.1862, Schriftsteller; gehörte zum sogenannt Schwäbischer Dichterkreis. Kerners. volkstümliche Gedichte und Balladen haben zum Teil irrationalistische und idyllisierende Züge; eine seiner besten Prosaarbeiten ist «Das Bilderbuch aus meiner Knabenzeit» (1849).

Kernfotoeffekt: Kernreaktion, bei der ein Gammaquant von einem Atomkern absorbiert und ein Nukleon herausgeschlagen wird; analoge Erscheinung zum Fotoeffekt bei Atomen.

Kernfusion, Kernverschmelzung: Vereinigung leichter Atomkerne zu einem schwereren Kern, eine exotherme Kernreaktion, bei der Bindungsenergie frei wird. Damit eine Kernfusion zustande kommt, müssen die reagierenden Kerne ihre elektrostatische Abstoßung, das heißt ihre Coulomb-Barriere überwinden. Die dazu notwendige Energie kann den Kernen in Beschleunigern oder durch hohe Temperatur übertragen werden. Die Kernfusion ist Energiequelle der Sonne unter anderem Fixsterne und findet dort bei Temperaturen von 107 bis 10 Kernfusion statt (siehe auch Proton-Proton-Reaktion, Bethe-Weizsäcker-Zyklus). Auch die Entstehung schwererer Kerne erfolgt durch Kernfusion. In der Wasserstoffbombe läuft die Kernfusion unkontrolliert ab. Die gesteuerte Kernfusion gilt als nahezu unerschöpfliche Energiequelle der Zukunft. Als Brennstoff dienen schweres Wasser aus den Ozeanen und Tritium, das aus Lithium gewonnen werden kann. In Plasma- oder Fusionsreaktoren wird schwerer Wasserstoff (Deuterium) und Tritium erhitzt, bis deren Kerne zu Heliumkernen verschmelzen (thermonukleare Reaktion). Dazu ist eine Plasmadichte entsprechend dem Lawson-Kriterium erforderlich. Der innere Druck des Plasmas muss von außen durch starke Magnetfelder kompensiert werden (Magnetfeldhalterung), zum Beispiel in Tokamaks. Die Kernfusion kann auch durch Laser-, Elektronen- oder Ionenstrahlen, die gleichzeitig aus möglichst vielen Richtungen auf ein Brennstoffkügelchen (kryogene Deuterium-Tritium-Kugeln) treffen, gezündet werden. Der Brennstoff wird etwa l000fach komprimiert. Die Trägheitskräfte halten dabei das Plasma während der Reaktionszeit zusammen (Trägheitshalterung).

Kerngeschlechtsbestimmung: spezifischer mikroskopischer Nachweis von zu X- oder Y-Chromosomen gehörenden Zellkernstrukturen; ermöglicht eine Aussage, ob die betreffende Zelle von einem genetisch männlich oder weiblich determinierten Organismus stammt

Kernheizkraftwerk: Anlage, in der aus Kernenergie Elektroenergie und Heizwärme erzeugt wird.

Kernheizwerk: Kernenergieanlage, die Wärme für Heizzwecke bereitstellt (mittlere thermische Blockleistung g500 MW).

Kernkasten: Urformwerkzeug aus Holz oder Metall zur Herstellung von Kernen (Kern) für die Gießerei. Der Hohlraum des Kernkastens entspricht den Abmessungen des Kernes.

Kernkraftwerk, Atomkraftwerk: Kraftwerk, in dem die Kernenergie ausgenutzt wird. Im Unterschied zum konventionellen Wärmekraftwerk dient ein Kernreaktor als Wärmequelle. Die dort freigesetzte Wärme wird direkt (zum Beispiel bei Kernkraftwerk mit Siedewasserreaktor) oder über Dampferzeuger den Turbogeneratoren zur Umwandlung in Elektroenergie zugeleitet. Gestaltung und Auslegung des Kernkraftwerks werden nicht unwesentlich vom eingesetzten Reaktortyp beeinflusst. Das Kernkraftwerk mit Druckwasserreaktor besitzt zum Beispiel 3 Kreisläufe. Der 1. oder Kühlkreislauf dient dem Wärmetransport von der Spaltzone des Reaktors zum Dampferzeuger. Er ist in mehrere parallele Schleifen mit je einer Hauptumwälzpumpe und je einen Dampferzeuger unterteilt und muss wegen Radioaktivität abgeschirmt werden. Der 2. oder Arbeitskreislauf schließt sich über den Sekundärteil der Dampferzeuger an und ist nicht radioaktiv. Er führt überhitzten Sattdampf (Druck 3 ... 6 MPa, Temperatur 250 ... 300°C) zum Turbogenerator. Der 3. Kreislauf kühlt den Kondensator und wandelt den Dampf wieder in Wasser um. Das Kernkraftwerk mit natriumgekühltem schnellem Brutreaktor verfügt über einen zusätzlichen Kreislauf. Er trennt den radioaktiven Kühlkreislauf mit Natrium von dem Dampf enthaltenden Arbeitskreislauf und enthält als Wärmeüberträger ebenfalls Natrium. Wegen der hohen Kühlmitteltemperaturen kann im Arbeitskreislauf Heißdampf gleicher Parameter erzeugt werden wie in modernen Steinkohlekraftwerken. Ein umfangreiches technisches System. Einrichtungen und Organisator: Maßnahmen gewährleistet auch bei Störfällen eine sichere und umweltfreundliche Beherrschung der Kernkraftwerke (siehe auch Sicherheitseinschluss). Bei Einsatz der Brutreaktoren können Kernkraftwerke die Elektroenergieversorgung der nächsten Jahrhunderte sichern. Das erste Kernkraftwerk ging 1954 in Obninsk bei Moskau mit einer Leistung von 5 MW in Betrieb.

Kernmantelfaden: durch Umspinnen, Umflechten oder Umschlingen eines annähernd parallel zur Fadenlängsachse verlaufenden Fadenkernes gebildeter, von einem Mantel aus Fasern oder Fäden ganz oder teilweise umhüllter Kombifaden.

Kernmodell: vereinfachende Vorstellung vom Aufbau eines Atomkerns und von den Eigenschaften der Nukleonen im Kern. Kernmodell haben ein begrenztes Anwendungsgebiet, zum Beispiel eine Gruppe von Kernen oder Kernzuständen. Man unterscheidet als Grenzfälle Kollektivmodelle, bei denen viele oder alle Nukleonen eines Kerns eine kollektive Bewegung ausführen, und Einzelteilchenmodelle, bei denen die Bewegung einzelner Nukleonen betrachtet wird. Das wichtigste Kollektivmodell ist das Tröpfchenmodell, in dem der Kern als Flüssigkeitstropfen angesehen wird. Es wird gestützt durch die annähernd konstante Dichte und Bindungsenergie je Nukleon für alle Kerne und erklärt Deformation, Rotation und Oberflächenschwingungen mancher Kerne. Das wichtigste Einzelteilchenmodell ist das Schalenmodell, in dem die Nukleonen Energiezustände besetzen, die sich zu «Schalen» gruppieren, ähnlich wie die Elektronen im Atom. Es erklärt unter anderem die große Bindungsenergie und relative Häufigkeit von Kernen mit vollbesetzten Schalen. Diese heißen magische Kerne, die entsprechenden Protonen- oder Neutronenzahlen magische Zahlen. Ein einzelnes Nukleon auf der energetisch höchsten Schale bestimmt wichtige Eigenschaften des ganzen Kerns.

Kernmomente: physikalische Größen zur Beschreibung der magnetischen beziehungsweise elektrischen Eigenschaften der Atomkerne. Bei der Wechselwirkung der Kernladungsverteilung mit einem magnetischen Feld beobachtet man Dipol-, Quadrupol- und Oktupolmomente, mit einem elektrischen Feld allgemein Multipolmomente der Ordnung (geradzahlig).

Kernobstgewächse, Maloideae: Unterfamilie der Rosengewächse, bei der sich durch Umwachsung der Fruchtblätter durch Gewebe der Blütenachse eine fleischige Sammelfrucht («Apfelfrucht») bildet; zum Beispiel Apfel, Birne, Quitte, Eberesche, Wollmispel, Feuerdorn.

Kernphasenwechsel: an die geschlechtlichen Fortpflanzung gebundener, gesetzmäßig verlaufender Wechsel zweier Phasen mit einfacher (haploider) und doppelter (diploider) Chromosomenzahl der Zellkerne.

Kernphysik: Teilgebiet der Physik, in dem der Aufbau der Atomkerne, die Eigenschaften ihrer Anregungszustände, die Gesetze ihrer Umwandlung bei Kernreaktionen und beim radioaktiven Zerfall ff Radioaktivität) sowie die Wechselwirkung der Nukleonen untersucht werden. In der experimentellen Kernphysik werden die Eigenschaften der Atomkerne (Massen, Radien, magnetische Momente, Drehimpulse, Zerfallseigenschaften) bestimmt. Eine große Rolle spielt die Untersuchung der Kernstruktur mit Geschoßteilchen aus Beschleunigern (Elektronen, Protonen, Deuteronen, a-Teilchen und so weiter) oder aus Kernreaktoren (Neutronen). Dabei erhält man Aussagen sowohl über die Kernkräfte als auch über die ganze Vielfalt der angeregten Kernzustände. Die theoretische Kernphysik beschäftigt sich mit der Entwicklung und mathematischer Beschreibung von Kernmodellen und Mechanismen von Kernreaktionen. Damit können messbare Größen berechnet werden, zum Beispiel Reaktionsquerschnitte oder Übergangswahrscheinlichkeiten, die mit experimentellen Werten verglichen werden können. Zentren der Kernphysik sind unter anderem CERN in Genf.

Kern-Plasma-Relation: relativ konstantes Verhältnis des Kernvolumens zum Volumen des Zellplasmas. Erfolgt das Zellwachstum über ein bestimmtes Maß hinaus, führt dies zur Lebensunfähigkeit der Zelle.

Kernreaktion: Reaktion eines Atomkerns mit einem ihn treffenden Geschoßteilchen, einem anderen Kern oder einem Strahlungsquant, in deren Ergebnis der Ausgangskern in den Endkern übergeht. Dabei werden ein Strahlungsquant, ein oder auch mehrere Teilchen frei. Es gibt endotherme und exotherme Kernreaktion. In der Natur werden Kernreaktionen durch die kosmische Strahlung verursacht, in den Sternen finden Kernfusionen statt. Die technisch wichtigste Kernreaktion ist die Kernspaltung. Unter Laborbedingungen werden Kernreaktionen untersucht, indem energiereiche, in Beschleunigern erzeugte Kernteilchen oder in Kernreaktoren entstehende Neutronen auf die Kerne einer Probe (Targetkerne) geschossen werden. Man unterscheidet als Grenzfälle direkte Kernreaktion, bei denen nur wenige Nukleonen beteiligt sind und die sehr schnell ablaufen und Compoundkern-Reaktionen, bei denen das Geschoßteilchen und der Targetkern einen hochangeregten Compound- oder Zwischenkern bilden.

Kernreaktor, Atomreaktor, Reaktor: Anlage, in der eine gesteuerte Kettenreaktion der Kernspaltung ablaufen kann. Grundbestandteile eines Kernreaktors sind der Kernbrennstoff (meist in Form von Brennelementen), das Kühlmittel, der Moderator (bei sogenannt thermischen Kernreaktor), die Regelstäbe und der Reaktorbehälter. Die I Brennelemente, das diese zur Wärmeabfuhr umströmende Kühlmittel und der Moderator bilden die Spaltzone. Zur Leistungsregelung des Kernreaktors dienen in die Spaltzone eintauchende, neutronenabsorbierende Regelstäbe. Je nach Energie der die Kernspaltung hervorrufenden Neutronen wird zwischen thermischen und schnellen Kernreaktor unterschieden. In ersteren werden die bei der Kernspaltung freigesetzten Neutronen hoher Energie durch den Moderator auf niedrigere (thermische) Energien abgebremst; in letzteren fehlt ein Moderator. In den errichteten Forschungs- und Versuchsreaktoren spiegelt sich die Vielzahl der möglichen Kernreaktortypen wider, die sich vor allem durch Kühlmittel und Moderator unterscheiden. Als in Kernkraftwerken eingesetzte Leistungsreaktoren haben sich bisher vor allem der Druckwasserreaktor und der Siedewasserreaktor durchgesetzt. Der erste Kernreaktor ging Ende 1942 unter Leitung von E. Fermi in Chicago (USA) mit einer Wärmeleistung < 1 W in Betrieb.

Kernresonanz, paramagnetische Kernresonanz, Kernspinresonanz, Kerninduktion, englische Abkürzung NMR: eine Methode der Hochfrequenzspektroskopie, die in der Resonanzabsorption von elektromagnetischer Energie durch die Atomkerne von Festkörpern, Flüssigkeiten und Gasen besteht, auf die ein starkes konstantes und senkrecht dazu ein hochfrequentes Magnetfeld einwirken. Grundlage der Kernresonanz ist das mit dem Spin vieler Atomkerne verknüpfte magnetischer Moment, welches im konstanten äußeren Magnetfeld verschiedene Einsteilmöglichkeiten besitzt (siehe auch Richtungsquantisierung), die durch unterschiede Energien Em charakterisiert sind. Die magnetische Quantenzahl m kann dabei die Werte -I, -/+ 1, ..., +/ annehmen (Kernspinquantenzahl). Durch das hochfrequente Magnetfeld können Übergänge zwischen solchen benachbarten Energieniveaus induziert werden, wenn seine Frequenz v der Resonanzbedingung genügt (Planck-Konstante) beziehungsweise die Feldfrequenz gleich der Frequenz der Larmor-Präzession der Kernspins ist. Da die Größe der Energieaufspaltung für eine bestimmte Kernart außer von der Stärke des konstanten Magnetfeldes auch von der mikroskopischen Umgebung der Kerne abhängt, wird die Kernresonanz zu Strukturuntersuchungen von Substanzen sowie, besonders wegen ihrer Temperaturabhängigkeit, zu Analysen chemischer Prozesse verwendet. Siehe auch Elektronenresonanz, Kernspintomographie.

Kernspaltung: Kernreaktion bei schweren Atom-kernen, bei denen die elektrostatische Abstoßung der Protonen die anziehenden Kernkräfte kompensiert. Man unterscheidet spontane und induzierte Kernspaltung, letztere zum Beispiel durch Neutroneneinfang ausgelöst. Nach Eingang des Neutrons wird der Kern stark deformiert und zerfällt unter Energiefreisetzung in 2, selten 3 Bruchstücke, wobei außerdem 2 bis 3 Neutronen emittiert werden, die weitere Kernspaltung verursachen können (siehe auch Kettenreaktion). Der Energiegewinn erklärt sich daraus, dass die Bindungsenergie je Nukleon für mittelschwere Kerne etwa 1 MeV größer ist als für Uran. Die Kernspaltung wurde 1938 von 0. Hahn und F. Straßmann am Uran 235 entdeckt (Uranspaltung). Der Urankern zerfällt dabei zum Beispiel in einen Barium- und einen Kryptonkern; viele andere Spaltprodukte können entstehen, wobei sich ihre beiden Kernladungszahlen jeweils zu der des Ausgangskerns (92) ergänzen. Von der im Mittel je U-235-Spaltung entstehenden Energie von 200 MeV entfallen 168 MeV auf die kinetische Energie der Spaltprodukte; der Rest verteilt sich auf die Energie der Neutronen, der y-Quanten, der y- und ß-Strahlung der Spaltprodukte und der Neutrinos. Bei vollständiger Kernspaltung von 1 kg Uran 235 entstehen =2107 kWh; das ist etwa die Energiemenge, die bei der Verbrennung von 100001 Rohbraunkohle frei wird. Kernspaltung wird technisch in Kernreaktoren und bei Kernspaltungswaffen genutzt.

Kernspintomographie: Erzeugung von Körperquerschnittsbildern ähnlich denen bei der Computertomographie durch Ausnutzung der Kernresonanz. Die Bilder geben die Verteilung von Wasserstoffkernen im Körper wieder.

Kernsprünge: radiale Spalten in Gesteinsblöcken, die meist das Ergebnis der Insolationsverwitterung sind.

Kernspuremulsion: feinkörnige Fotoemulsion hohen Bromsilbergehaltes, in der Bahnspuren ionisierender Teilchen nach dem Entwickeln im Mikroskop sichtbar werden. Mit Kernspuremulsion untersucht man zum Beispiel die Reaktionen hochenergetische Teilchen.

Kernstück, Croupon (französisch - germanisch): Rückenstück einer gegerbten Tierhaut.

Kernumwandlung: Übergang eines Atomkerns durch eine Kernreaktion oder durch radioaktiven Zerfall in einen anderen Atomkern, meist mit anderer Massen- oder Ordnungszahl.

Kernwaffen, nukleare Waffen, Atomwaffen: Massenvernichtungsmittel, deren vernichtende, zerstörende oder schädigende Wirkung auf der Ausnutzung der bei Kernumwandlungen freiwerdenden Energie beruht. Bei Kernspaltungswaffen wird die Detonationsenergie durch die Aufspaltung schwerer, energiereicher Kerne in leichte, energieärmere Kerne im Prozess einer ungesteuerten Kettenreaktion freigesetzt. Bei Kernsynthesewaffen erfolgt die Energiefreisetzung als thermonukleare Reaktion durch Verschmelzung leichter, energiereicher Kerne zu schweren, energieärmeren. Ausgehend vom Ablauf und der Art der Energiefreisetzung unterscheidet man Einphasenkernwaffen (Energiefreisetzung erfolgt nur durch Kernspaltung oder -synthese) und Mehrphasenkernwaffen (Energiefreisetzung erfolgt durch beide Reaktionsarten). Kernwaffen sind Raketen, Bomben, Granaten, Torpedos oder Minen mit Kernladung. Ausgehend von der militärischen Zweckbestimmung werden die Kernwaffen in strategische, operative und taktische Kernwaffen unterteilt. Ihre weitere Klassifizierung kann nach der Detonationsstärke, der verwendeten Kernladung und bestimmten konstruktiven Details erfolgen. Die wichtigste Kenngröße für eine Kernwaffe ist die Detonationsstärke, das heißt ihre im Ergebnis der Detonation freigesetzte Energie. Bei einer Kerndetonation treten 4 Vernichtungsfaktoren auf: Die Druckwelle entsteht infolge des plötzlichen starken Temperatur- und Druckanstieges in der Zone der Kernumwandlungen und ruft großflächige Zerstörungen hervor. Die Lichtstrahlung (elektromagnetische Strahlung) vom Feuerball führt zu Bränden an Bauten unter anderem sowie zu Verbrennungen und Blendungen (Erblindung) der Menschen. Die Sofortkernstrahlung (kurzzeitig wirkende Kernstrahlung, dabei besonders gefährlich Gamma- und Neutronenstrahlung) verursacht bei Menschen unter anderem Lebewesen Strahlenschädigungen und führt zur Strahlenkrankheit. Die Restkernstrahlung (Gamma-, Beta- und Alphastrahlung) aktiviert den Detonationsraum und für längere Zeit das Gelände in der Abzugsrichtung der Detonationswolke.

Kernwuchs: aus Samen entstandene Forstpflanze, im Unterschied zu Stecklings-Aufwuchs, Stockausschlag und Wurzelbrut.

Kerr, eigentlich Kempner, Alfred, 25.12. 1867-12.10. 1948, Publizist; vor 1933 einflussreicher Theaterkritiker Berlins; setzte sich besonders für G. Hauptmann und H. Ibsen ein; «Die Welt im Drama» (1904/17) ist eine fünfbändige Sammlung seiner Rezensionen, «Mit Schleuder und Harfe» enthält Rezensionen von 1918 bis 1933. Kerr emigrierte 1933 vor dem Faschismus zuerst nach Frankreich, später nach London.

Kerr-Effekt: nach dem britischen Physiker John Kerr (1824-1907) benannter elektrooptischer Effekt, bei dem ein Stoff im elektrischen Feld Doppelbrechung zeigt. Eine Lichtwelle, die sich senkrecht zum Feld ausbreitet, wird dabei in 2 senkrecht zueinander linear polarisierte Wellen aufgespalten; zwischen beiden Wellen entsteht eine Phasendifferenz, so dass im Allgemeinen elliptisch polarisiertes Licht entsteht. Einen starken Kerr-Effekt zeigt Nitrobenzol. Ein damit gefüllter Plattenkondensator zwischen gekreuzten Polarisatoren heißt Kerr-Zelle. Die Intensität einer Lichtwelle, die die Kerr-Zelle durchlaufen hat, ist von der Stärke des angelegten Feldes abhängig. Kerr-Zellen wurden zum Beispiel bei der Erzeugung der Tonspur beim Tonfilm angewendet und dienen als sehr schnelle elektrooptischer Schalter.

Kerrie, (nach einem britischen Pflanzensammler) Goldröschen, Kenia japonica: in Japan beheimatetes Rosengewächs mit goldgelben, häufig gefüllten Blüten und lang zugespitzten Blättern; Zierstrauch.

Kerschensteiner, Georg, 29.7.1854-15.1.1932, Pädagoge; vertrat Arbeitsschule und «staatsbürgerliche Erziehung» im Interesse des Imperialismus sowie eine reaktionäre Begabungstheorie, nach der Arbeiterkinder nur manuell begabt und für geistige Tätigkeit ungeeignet seien. Kerschensteiner förderte das Berufsschulwesen und die Schulorganisation.

Kersting, Georg Friedrich, 31.10.1785-1.7.1847, Maler; seit 1808 in Dresden ansässig und dort befreundet mit C. D. Friedrich, J. C. C. Cahl, C. G. Carus, G. von Kügelgen; gelangte nach frührealistischen romantischen Anfängen zu einer biedermeierlichen, malerischen-kultivierten Darstellungsweise (besonders bürgerlichen Interieurs).

Kerze: 1. meist zylindrische Beleuchtungsmittel aus Talg, Bienenwachs, Stearin oder Paraffin mit Docht.

2. Zündkerze.

Kerzenstint, Thaleichthys pacificus: Lachsfisch des Pazifiks; getrocknet nutzten ihn die Indianer der nordamerikanischen Westküste auf Grund seines starken Ölgehaltes als Fackel.

Kescher: an einem Stab mit Metallbügel befestigter Netzsack zum Fang von Fischen und anderen Wassertieren.

Keschsche-Erzählung: aus dem 2. Jahrtausend vor Christus in hethitische, babylonische und hurritische Sprache fragmentarisch überlieferte epische Erzählung vom Jäger Keschsche, der nach seiner Heirat das Opfern vernachlässigt und dem daher das Jagdglück versagt bleibt.

Kessel: Jagdwesen a) Lager des Schwarzwildes;

b) erweiterter Raum im Kaninchen-, Dachs- und Fuchsbau;

c) bei der Treibjagd (Kesseltreiben) von Treibern und Jägern umstellter Raum.

Kessel, Joseph, 10. 2. 1898-5. 7. 1979, französischer Schriftsteller; sein Romanschaffen ist zum großen Teil durch Reise- und Naturerlebnisse geprägt; verfasste 1942 (zusammen mit M. Druon) das «Partisanenlied» und unter anderem 1946 die Resistance Geschichte «Die Armee der Schatten».

Kesselstein: fester, beim Verdampfen von hartem Wasser entstehender Niederschlag (Kalzium- und Magnesiumverbindungen) in Kochgefässen, Dampferzeugern u. ä.; verschlechtert die Wärmeübertragung.

Keten: (Selbstbezeichnung, «Menschen») sprachlich isolierte altsibirische Restbevölkerung am mittleren und unteren Jenissej in Westsibirien; nur noch 1100; Fischer und spezialisierte Pelztierjäger und -Züchter, teilweise Rentierzüchter; heute sesshaft.

Ketene: chemische Verbindungen, zum Beispiel Phenylketen, C6H5-CH = C=0. Das einfachste Keten ist Keten im engeren Sinne, CH2=CO, ein farbloses, sehr giftiges, stechend riechendes, brennbares Gas. Alle Ketene sind sehr reaktionsfähig und dimerisieren leicht.

Ketone: chemische Verbindungen mit der Ketogruppe (Carbonylgruppe); allgemeine Formel R-CO-R. Sind R und R' identisch, liegen einfache Ketone, anderenfalls gemischte Ketone vor. Das einfachste Keton ist Azeton, CH3-CO-CH3.

Ketonkörper: zusammenfassende Bezeichnung für Azeton, Acetessigsäure und 3-Hydroxybuttersäure. Die Ketonkörper werden bei Hunger oder Diabetes mellitus verstärkt in der Leber gebildet. Sie verursachen eine Säuerung des Blutes (Azidose) und sind für das Zentralnervensystem giftig. Ketonkörper werden hauptsächlich in der Muskulatur abgebaut.

Ketosäuren: Substanzen, die Keto- und Karboxylgruppen enthalten, zum Beispiel Brenztraubensäure.

Ketosen: Monosacharide, deren Kettenstruktur eine Ketogruppe enthält. Am wichtigsten sind Ketopentosen, zum Beispiel Ribulose, und Ketohexosen (6 O-Atome), zum Beispiel Fruktose und Sorbose.

Ketschua, Quechua: große indianische Völkergruppe und Sprachfamilie im zentralen Andengebiet Südamerikas; etwa 13,2 Millionen; Bodenbauer und Viehzüchter; ein Ketschua sprachiger Stammesbund gründete im Tal von Cuzco das Inkareich. Ketschua ist seit dieser Zeit Verkehrssprache von Südekuador bis Nordwestargentinien.

Kette: 1. Militärwesen - Einheit von 3 bis 5 Flugzeugen.

2. Kette: Technik - allgemein Maschinenelement aus zahlreichen gleichartigen, beweglich miteinander verbundenen Gliedern zur Übertragung von Zugkräften bei Hülltrieben, Befestigungen und Betätigungszügen sowie für Transportvorgänge (zum Beispiel Kettenförderer). Die Raupenkette ist ein endloses Band bei Raupenfahrwerken an Kranen und Braunkohlenförderbrücken.

3. Kette: Textiltechnik - Gesamtheit der Längsfäden (Kettfäden) in einem Gewebe, Gewirke oder Nähgewirke.

Kettelmaschine, Kettelnähmaschine-, eine Nähmaschine, mit der beim Konfektionieren von Strümpfen und so weiter 2 Gestrickränder durch eine elastische Naht verbunden werden.

Kettenbruch: eine Folge ineinander geschachtelter Brüche. Die Zahlen zu z2, ..., zk heißen Teilzähler, die Zahlen Bi, n2, ..., nt Teilnenner, die Brüche —, —, ...B, B2 Teilbrüche (Partialbrüche). Der Kettenbruch heißt endlich, wenn ein letzter Teilbruch — existiert, anderenfalls unendlich. Einen endlichen Kettenbruch berechnet man, indem man vom letzten Teilbruch ausgeht.

Kettenförderer: im engeren Sinne Stetigförderer, deren formschlüssig angetriebenes, in einer Ebene oder räumlich umlaufendes Zugorgan aus einem oder mehreren Kettensträngen besteht (Gehängeförderer). im weiteren Sinne auch Stetigförderer, die Schüttgut durch an Ketten befestigte Mitnehmer auf einer festen Zug) oder von einem Elektro- oder Druckluftmotor (Motor-Kettenförderer) angetrieben wird, die das Tragorgan (kalibrierte Rundgliederketten) zum Heben der Last bewegt. Nach Art des Getriebes unterscheidet man Schrauben- und Stirnradflaschenzug.

Keuchhusten, Pertussis: mehrere Wochen dauernde akute Infektionskrankheit mit heftigen Hustenanfällen; vorwiegend bei Kleinkindern, lebensbedrohlich bei Säuglingen. Einer tiefen Einatmung folgen kurze Hustenstöße mit vorgestreckter Zunge und Blauwerden (Zyanose); endet oft mit Erbrechen oder Herauswürgen von zähem Schleim. Die Inkubationszeit beträgt 8 bis 21 Tage; die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Vorbeugend wirkt Schutzimpfung (Dreifachimpfung); die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Komplikationen, zum Beispiel Lungenentzündung oder Gehirnerkrankung, sind selten.

Keulung, Stamping out: Tötung von Tieren eines Seuchenobjektes ohne Blutentzug und deren unschädliche Beseitigung zum Zweck der Tilgung einer Tierseuche.

Keuper: oberste Abteilung der germanischen Trias.

Key, Ellen, 11.12.1849-25.4.1926, schwedische Lehrerin, Frauenrechtlerin und Schriftstellerin; vertrat eine extreme Individualpädagogik, forderte spontanes Wachsenlassen des Kindes (Pädologie) und Verzicht auf systematischer Wissensvermittlung.

Keyboards: («Klaviaturen») die in der Beat- beziehungsweise Rockmusik verwendeten elektronische und herkömmliche Tasteninstrumente.

Key-Inseln, Florida Keys: Inselkette an der Südküste der Halbinsel Florida (USA); 240 km lang; besteht aus 150 Inseln, die aus Korallenriffen oder pliozänen Kalken aufgebaut sind; durch die Autostraße Miami-Key West über Brücken zu einem großen Teil miteinander verbunden; Tourismus.

Keynes, John Maynard, 5.6.1883-21.4.1946, britischer bürgerlicher Ökonom; bringt in seinen nach der Weltwirtschaftskrise entwickelten apologetischen Theorien der staatsmonopolistisch regulierten Wirtschaft (Keynesianismus) die auf Sicherung des Monopolprofits (durch Reallohnsenkung, Inflation, Kapitalkonzentration und so weiter) gerichteten Interessen des Finanzkapitals in der allgemeinen Krise des Kapitalismus zum Ausdruck. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die von Keynes begründeten Theorien zum Neokeynesianismus weiterentwickelt.

Keyserling, Eduard Graf von, 15.5.1855-29.9.1918, Schriftsteller; schrieb aus bürgerlich-humanistischen Sicht psychologisch genau analysierende Romane («Abendliche Häuser», 1913) und Novellen («Schwüle Tage», 1906) über Schicksale der verfallenden baltischen Adelsgesellschaft.

Key West: Stadt im Bundesstaat Florida (USA), auf der gleichnamigen südlichsten Insel der Key-Inseln an der Floridastraße; 34000 Einwohner; Schwammfischerei sowie Krabben- und Austernfang, Salzgewinnung, Zigarrenindustrie; Hafen, Flughafen; Seebad, Winterkurort; Marinebasis.

Khabur, AI-: linker Nebenfluss des Euphrat, im Osten Syriens; 405 km; entspringt im Süden der Türkei; Wasserkraftwerk, Bewässerungsanlagen für Baumwollanbau.

Chaiber-Pass: wichtigster Pass an der afghanisch-pakistan. Grenze; 1072 m hoch; Autostraße von Peshawar (Pakistan) nach Kabul (Afghanistan); auf Pakistan. Seite Bahnlinie bis zur Grenze.

Khajuraho, Khadschuraho frühere Hauptstadt der Chandella-Dynastie, etwa 200 km westlich von Allahabad in Mittelindien gelegen. Die noch etwa 30 erhaltenen hinduistischen und buddhistischen Tempel wurden zwischen 950 und 1050 erbaut. Sie zeigen trotz unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit eine einheitliche architektonische Gestaltung. Ihre reiche bauplastische Ausstattung ist vor allem durch die freimütigen Darstellungen erotischen Charakters berühmt.

Khaki: lehmfarbener, kräftiger Baumwollstoff; ursprünglich für (Tropen-) Uniformen.

Kharoshthi: wohl aus dem Aramäischen abgeleitete linksläufige Schrift, die in Nordwestindien vom 3. Jahrhundert vor Christus bis etwa 4. Jahrhundert u. Z. im Gebrauch war.

Khartum, Khartoum, Al-Khartum, Chartum: Hauptstadt der Republik Sudan, am Zusammenfluss von Blauem und Weißem Nil (bedeutende Brücken); 560000 Einwohner, als Groß-Khartum mit den unmittelbar benachbarten Städten Omdurman und Khartum North 1,6 Millionen Einwohner; wichtigstes sudanesische Wirtschafts- (vielseitige Leicht(besonders Textil-) und Lebensmittelindustrie, Metallverarbeitung, chemische Industrie, Werft) sowie Finanz-, Handels- und Verkehrszentrum; internationaler Flughafen; Universität; Museen, Zoo; Palast, Moscheen.

khartwelische Sprachen, südkaukasische Sprachen: Gruppe der kaukasischen Sprachen mit dem Georgischen als einziger Schriftsprache, ferner dem Sanischen oder dem Lasischen und dem Swanischen oder Swanetischen. Die khartwelischen Sprachen weisen wahrscheinlich bestimmte Beziehungen zu den anderen, vor allem westkaukasische Sprachen und eventuell alte Zusammenhänge zu den nostratischen Sprachen auf.

Khashm al-Girba, Khaschm al Djerba: Ort im Osten der Republik Sudan, nahe dem Fluss Atbara; Staudamm mit Kraftwerk und 125 km langem Stausee (120 km2, Stauraum 1,3 Md. m3) zur Bewässerung von 200000 ha (Baumwolle, Zuckerrohr); Flughafen.

Khasi Gebirge: Bergland im Nordosten Indiens (Assam); bis 1934 m; aus kristallinen Gesteinen aufgebaute Bergrücken und Verebnungen mit hohem Bewaldungsgrad. Die im Süden steil zum Brahmaputra Tiefland abfallenden, west-östlich streichende Khasigebirge erhalten extrem hohe Niederschläge durch den Südwestmonsun. In Cherrapunji beträgt der mittlere Jahresniederschlag rund 11000 mm.

Khatmia-Sekte: sunnitisch-islamische Sekte in Sudan; ihr Haupteinflussgebiet sind die Nordprovinzen des Landes; gewann, gestützt auf die britische Kolonialmacht, seit Ende des 1. Weltkrieges unter Ali al Mirghani politischen Einfluss in Sudan.

Khawak-Pass, Chawak-Pass: Pass im Hindukusch; 3548 m hoch; verbindet den Norden und Süden Afghanistans; alter Handelsweg vom Amudarja im Norden zum Indus im Süden; wurde bereits von Alexander dem Großen benutzt.

Kampucheaner: Volk aus der Gruppe der austroasiatischen Mon-Khmer-Völker in Kampuchea und angrenzenden Gebieten Thailands und Südvietnams; 7 Millionen; Buddhisten; vorwiegend Reisbauern. Hauptleistungen der von den Kampucheaner geschaffenen Kunst sind die Bauten von Angkor. Zunächst stark von der indischen Kunst beeinflusst (5./7. Jahrhundert), erreichte die Kampucheaner Kunst ihre klassische Stufe im Stil von Angkor Wat (11./12. Jahrhundert), worauf ein rascher Verfall einsetzte.

Khoi, Khoi-Khoi («Menschen») Selbstbezeichnung der von Europäern abwertend Hottentotten genannten nichtnegriden Urbevölkerung im südwestlichen Afrika; sprachlich und anthropologisch gehören sie mit den I Buschmännern zu den Khoisan-Völkern. Im 18. Jahrhundert in Kapland ausgerottet beziehungsweise über den Oranje Fluss vertrieben. Heute lebt eine der 4 Gruppen, die Nama, in Namibia; Großviehzüchter; 80000.

Khoisan Völker: Völker in Südwest- und Ostafrika (besonders die Khoi und Buschmänner oder San), die sich anthropologisch deutlich von den eigentlichen Negriden abheben (braungelbe Haut, im Alter auffällig faltig; pfefferkornähnliche Haarbüschel; Kleinwüchsigkeit der Buschmänner); bilden auch eine eigenständige Sprachfamilie, zu der außerdem die Bergdama gerechnet werden; etwa 200000.

Khouribga, Khuribga: Stadt (Provinzzentrum) im Westen Marokkos; 75000 Einwohner; Zentrum der Phosphatgewinnung und -Verarbeitung.

Khulna: Stadt in Bangladesh, im westlichen Gangesdelta; 620000 Einwohner; Leichtindustrie; südlich davon der Fluss- und Seehafen Chalna Umschlagplatz zwischen Schiffs- und Schienenverkehr.

Khuttar: (Hindustani) indischer Dolch mit kurzer Klinge, als Stoßwaffe gebraucht.

Kianto, Ilmari, 7.5.1874-27.4.1970, finnischer Schriftsteller; erlangte Bedeutung durch seine kritischen realistischen Romane «Der rote Strich» (1909, deutsch) und (Joseph vom Lumpenstrand» (1924), in denen er den Kampf der Kätner gegen soziale Missstände in der finnischen Ödmark schildert.

Kibbuz: (hebräisch, «Sammlung»; PI. Kibbuzim) Typ einer kapitalistischen landwirtschaftlichen Genossenschaft in Israel; der Boden ist Eigentum des Staates, wird den Siedlern in Erbpacht gegeben und von ihnen gemeinsam bearbeitet. Der Kibbuz wird zugleich zur Erziehung seiner Mitglieder im Geiste des reaktionären Zionismus und zur Verwirklichung der zionistischen Expansionspolitik genutzt.

Kibla: Richtung nach Mekka, in die sich die Muslime beim Gebet wenden.

Kick: Sportspiele Tritt, Stoß; zum Beispiel Dropkick, Penaltykick.

Kickstarter: Fußhebel zum Ingangsetzen des Kraftradmotors.

Kid: Fell junger nordchinesischer Zickel mit offener Locke.

Kidnapping: Menschenraub, meist mit dem Ziel der Erpressung von Lösegeldern oder der politischen Nötigung; siehe auch Kindesentführung, Menschenhandel.

Kiebitz: 1. Kiebitz (nach seinem Lockruf), Vanellus vanellus: etwa 32 cm langer Regenpfeifervogel mit aufrichtbarer Federhaube; 4 olivgrünliche, braungefleckte Eier werden vom Weibchen allein im Bodennest bebrütet; die Jungen sind Nestflüchter; lebt auf Feldern und feuchten Wiesen Eurasiens; Zugvogel.

2. Kiebitz (Rotwelsch): scherzhafte Bezeichnung für den Zuschauer bei Karten- und Brettspielen.

Kiefer: 1. Kiefer (indogermanisch): Anatomie der Nahrungszerkleinerung dienende Hartgebilde im vorderen Verdauungskanal der meisten Tiere. Beim Menschen ist der Oberkiefer unbeweglich, der Unterkiefer durch die Kiefergelenke mit den Schläfenbeinen verbunden. Die Kiefer tragen die Zähne, sind ursprünglich paarig angelegt, verschmelzen aber noch vor der Geburt. Siehe auch Zwischenkieferknochen.

2. Kiefer (mittelhochdeutsch, «Kienfohre»), Pinus: Botanik Gattung immergrüner, einhäusiger Nadelhölzer (Kieferngewächse) fast ausschließlich der nördlichen Erdhalbkugel. Die langen, von einer Scheide umgebenen Nadeln sitzen zu zweit bis zu fünft, selten einzeln, an Kurztrieben; die Samenreife erfolgt im 2. oder 3. Jahr; das Holz ist meist harzreich. Die Waldkiefer oder Föhre (P. sylvestris) mit rotgelber Rinde am oberen Stammteil und zu zweit an den Kurztrieben sitzenden Nadeln und gestielten Zapfen ist sehr anpassungsfähig an Klima und Boden und bildet in Europa und Nordasien ausgedehnte Wälder; wichtigste Wirtschaftsholzart des Flachlandes, auch im Hügelland und in unteren Gebirgslagen vertreten. Auf trockenen Böden bei uns angepflanzt die Schwarzkiefer (P. nigra) aus Südosteuropa mit schwarzgrauer Rinde, längeren Nadeln und ungestielten Zapfen. In höheren Lagen (zum Beispiel Alpen) bis zur Baumgrenze aufsteigend die Bergkiefer (Pinus mugo), die in aufrechten oder strauchig niederliegenden Wuchsformen (Latsche) mit knieförmig aufsteigenden Zweigen (Krummholz) vorkommt; in Hochmooren die Moorkiefer, eine meist verkrüppelt wachsende Form der Berg-K Ein seltener Baum der Hochgebirge (Alpen, Karpaten) mit essbaren Samen (Zirbelnüsse) und wertvollem Holz ist die Zirbelkiefer oder Arve (Pinus cembra); nahe verwandt ist die fälschlich als Zeder bezeichnete sibirische Zirbelkiefer (Pinus sibirica). Die nordamerikanische Sumpfkiefer (P. palustris) liefert das echte Pitchpineholz. Ebenfalls in Nordamerika beheimatet, oft auch in Europa angepflanzt, ist die Weymouthskiefer oder Strobe (Pinus strobus) mit langen, weichen Nadeln und glatter graugrüner Rinde. Durch ihre schirmförmige Krone gibt die Pinie (Pinus pinea) den Mittelmeerländern ein charakteristisches Bild; ihre Nadeln sind bis 20 cm lang, die Samen (Piniennüsse) essbar. Die Grannenkiefer (Pinus aristata) aus den Hochgebirgen Kaliforniens wird bis zu 4900 Jahre alt; sie ist damit der älteste Organismus der Erde.

Kieferanomalien: Form- und Größenabweichungen im Kieferbereich mit Biss-, Gebiss- und Kiefer Unregelmäßigkeiten. Kieferanomalien werden meist durch das Zusammenwirken innerer (Vererbung, Keimschädigung, Sekretionsstörung) und äußerer (Kaufunktion, schlechte Angewohnheiten, vorzeitiger Zahnverlust unter anderem) Einflüsse verursacht. Behandlungsbedürftigkeit und Behandlungsmöglichkeit (kieferorthopädisch oder stomato chirurgisch) sind abhängig von der Art und vom Schweregrad morphologischer und funktioneller Störungen. Die häufigsten Kieferanomalien sind: Schmalkiefer. Verengung des Kiefers, dabei Frontzähne häufig vorstehend (Prognathie); Kreuzbiss (ein- oder beidseitig): die unteren Zähne umfassen die oberen und hemmen das Oberkieferwachstum; frühzeitige Behandlung ist erforderlich; Vorbiss, Mesialbiss (Progenie): Vorbeißen der unteren Frontzähne, meist im Profil schon deutlich durch Kinnbetonung erkennbar; die kieferorthopädische Behandlung muss die gesamte Wachstumsperiode umfassen, eventuell schließt sich eine kieferchirurgische Korrektur an; Deckbiss-, die oberen Zähne sind nach innen geneigt, überdecken teilweise oder völlig die unteren Frontzähne und beißen mitunter auf den unteren äußeren Zahnfleischsaum; offener Biss-. Kieferschluss nur im Seitenzahngebiet; ursächlich 2 Formen:

a) rachitisch bedingt, infolge Deformierung des gesamten Gesichtsschädels sehr schwer korrigierbar;

b) durch Lutschen bedingt, günstige Behandlungsaussichten; im Milchgebiss heilt der offene Biss bei Abgewöhnen des Lutschens von selbst aus, im bleibenden Gebiss nur mit Hilfe kieferorthopädische Apparate; Diastema-, Lückenbildung zwischen mittleren Schneidezähnen durch Größenmissverhältnis von Zähnen und Kiefer; ein unechtes Diastema schließt sich nach Durchbruch der Eckzähne, das echte Diastema kann nur mit Hilfe kieferorthopädische (evtl. kombiniert mit Chirurg.) Maßnahmen beseitigt werden; Kopfbiss: senkrechtes Aufeinandertreffen der oberen und unteren Zähne, wobei die Höcker zusammenbeißen; ein besonderes Kennzeichen des Kopfbisses ist die starke Abnutzung (Abrasion); Rückbiss (Distalbiss): zu weites Zurückliegen des Unterkiefers gegenüber dem Oberkiefer. Normale Gebissverhältnisse können durch Tragen besonderer kieferorthopädische Apparate geschaffen werden; siehe auch Kieferorthopädie.

Kiefergelenk: vor dem Ohr liegende bewegliche Verbindung zwischen Unterkiefer und Schläfenbein.

Kieferhöhle, Sinus maxillaris: zu den Nasennebenhöhlen gehörender, mit Schleimhaut ausgekleideter Hohlraum im Oberkiefer.

Kieferklemme: beim Menschen Behinderung der Mundöffnung durch Gelenkveränderungen und entzündliche Vorgänge im Bereich der Kaumuskulatur und umgebender Weichteile (zum Beispiel erschwerter Weisheitszahndurchbruch). Mundöffnungsbehinderung durch Kaumuskelkrampf (oft erstes Symptom des Wundstarrkrampfes) wird Trismus genannt.

Kieferlose, Agnatha: im Wasser lebende ursprüngliche Wirbeltiere ohne Gesichtsschädel mit paarigen Gliedmaßen und Schuppen; die Chorda dorsalis bleibt lebenslang erhalten. Kieferlose besitzen ein rundes Saugmaul mit Raspelzähnen; rezent nur noch Inger und Neunaugen.

Kieferngewächse, Pinaceae: Familie der Nacktsamer; baum-, seltener strauchartige Nadelhölzer mit spiralig angeordneten, meist immergrünen Nadelblättern (an Langtrieben zum Beispiel bei Fichte und Tanne, an Kurztrieben zum Beispiel bei Zeder und Lärche) und eingeschlechtigen Zapfenblüten; die Samenzapfen bestehen aus großen verholzenden Samen- und kleinen Deckschuppen. Die Kieferngewächse umfassen 9 Gattungen mit über 200 Arten, zum Beispiel die Gattungen Tanne, Douglasie, Hemlocktanne, Fichte, Lärche, Zeder und Kiefer.

Kiefernprachtkäfer, Chalcophora mariana: mit 25 bis 30 mm Länge größte mitteleuropäische Art der Prachtkäfer; kupferfarben; Vollinsekt in Kiefernwäldern tagsüber auf Blüten (Pollenfresser); Larve im abgestorbenen Holz.

Kiefernschütte: verbreitete, durch einen Pilz verursachte Erkrankung jüngerer Kiefern; der Parasit befällt die Nadeln in den Sommermonaten; im darauffolgenden Frühjahr fallen diese massenweise ab. Kräftige Pflanzen bei guten Wachstumsbedingungen sind weniger anfällig. Bekämpfung durch Fungizide möglich.

Kiefernschwärmer, Sphinx pinastri: bis 8 cm spannender mitteleuropäischer Schwärmer; die buntgestreifte Raupe ist zuweilen an Kiefern schädlich. Siehe auch Schwärmer.

Kiefernspanner, Bupalus piniarius: am Tage fliegender, braungelber Spanner, dessen grünweiß gestreifte Raupe an Kiefern und Fichten schädigt. Siehe auch Spanner.

Kiefernspinner, Dendrolimus pini: Schädling aus der Schmetterlingsfamilie der Glucken; Falter variabel gefärbt, 5 bis 7 cm spannend; Raupe frisst Kiefern-, selten Fichtennadeln.

Kieferntriebsterben: Auswirkung einer durch Pilze verursachten Infektionskrankheit der Kiefernarten. Das Myzel durchwuchert die Rinde und bewirkt das Absterben der jüngsten, zuweilen auch älteren Triebe.

Kieferorthopädie, früher Orthodontie (griechisch): Teilgebiet der Stomatologie, das sich mit der Verhütung und Beseitigung von Gebiss- und Kieferanomalien befasst. Neben prophylaktische Maßnahmen (Aufklärung, Abgewöhnen von Lutschen unter anderem entwicklungsstörenden Angewohnheiten, muskuläres Training, Tragen von Mundvorhofplatten) erfolgt die Behandlung im Wesentlichen durch Einschleifen, Zahnentfernung und mit kieferorthopädischen Geräten. Diese Hilfsmittel können abnehmbar oder auch festsitzend gestaltet sein. Während ein Teil der kieferorthopädischen Geräte (zum Beispiel Dehnplatte) mechanisch auf die Zähne einwirkt, um Stellungsänderungen zu bewirken, versucht die Funktionskieferorthopädie Zahnstellungs- und Bissfehler durch Ausschalten von Störfaktoren der Lippen, Wangen und der Zunge mit Hilfe besonderer kieferorthopädischen Apparate (zum Beispiel Funktionsregler) und durch Schaffung physiologischer Reize über die Aktivierung der Muskeltätigkeit (zum Beispiel Aktivator) zu erreichen. Ziel der kieferorthopädischen Behandlung ist ein funktionelles und ästhetisches Optimum. Kinder, bei denen der Verdacht auf Entstehung von Kieferanomalien besteht, sollten frühzeitig (unter anderem im Rahmen kinderstomatologische Betreuung) einer kieferorthopädischen Beratung zugeführt werden. Die günstigste Behandlungsphase ist die Periode des Gebisswechsels.

Kiefersperre: Behinderung des Zahnreihenschlusses, zum Beispiel bei Kieferbrüchen, Verrenkungen oder akuten Gelenkentzündungen.

Kiefertiere, Gnathostomata: alle Wirbeltiere, die im Gegensatz zu den Kieferlosen einen Gesichtsschädel besitzen; die Chorda dorsalis bleibt nur rudimentär erhalten. Die Kiefertiere umfassen Knorpel- und Knochenfische, Lurche, Kriechtiere, Vögel und Säugetiere.

Kielbrustvögel, Carinates: frühere systematische Bezeichnung für Vögel mit Brustbeinkamm, an dem die Flugmuskulatur ansetzt; umfasste alle Vögel mit Ausnahme der Laufvögel.

Kieler Matrosenaufstand: revolutionäre Erhebung in der deutschen Hochseeflotte am 3.11.1918 gegen die sinnlose Fortsetzung des Krieges. Matrosen der in Kiel liegenden Schiffe verweigerten den Befehl zum Auslaufen der Flotte und verbündeten sich mit den Werftarbeitern zu einer machtvollen bewaffneten Demonstration. Am Abend des 4.11. 1918 befand sich Kiel völlig in der Hand der revolutionären Matrosen und Arbeiter. Trotz der Eindämmungsversuche rechter SPD-Führer (G. Noske), breitete sich die von der Erhebung ausgehende Volksbewegung gegen Imperialismus und Krieg schnell über ganz Deutschland aus und leitete die Novemberrevolution 1918/19 ein.

Kielfüßer, Kielschnecken, Atlantoidea, Heteropoda: Gruppe der Meeresschnecken mit rückgebildetem Gehäuse; der Fuß ist zu einer längsgerichteten kielartigen Flosse umgebildet, die als Schwimmruder dient. Die vielfach glasartigen Tiere leben als Räuber in der Hochsee, manche Arten sind durch phosphoreszierendes Licht am Meeresleuchten beteiligt.

Kielland, Alexander Lange, 18.2. 1849-6.4. 1906, norwegischer Schriftsteller; gehört mit H. Ibsen, B. Björnson und J. Lie zu den Klassikern des kritischen Realismus in Norwegen. In meisterhaften Romanen gestaltete Kielland das Entstehen des norwegischen Industriekapitalismus («Garman & Worse», 1880, deutsch; «Käptn Worse», 1882, deutsch) und den moralischen Verfall der bürgerlichen Gesellschaft. Sympathie für die Volksmassen zeigt sich in der Novelle «Ballstimmung» (1880, deutsch) und dem Roman «Arbeiten) (1881, deutsch). Enttäuschung über das Versagen des liberalen Bürgertums prägt den Roman «Jacob» (1891, deutsch).

Kiellegung: Baubeginn eines Schiffes auf der Helling beziehungsweise im Baudock; ursprünglich Auflegen des Balkenkiels oder der Flachkielplatte auf den Kielstapeln; heute meist Auflegen der ersten Bodensektion des Schiffes.

Kielwasser: durch die Fahrt des Schiffes in Bewegung gebrachte Wasserzone hinter dem Heck eines Schiffes.

Kiemen, Bronchien: Atmungsorgane im Wasser lebender Tiere; dünnwandige, stark durchblutete Ausstülpungen der Körperwand oder der Darmschleimhaut zum Gasaustausch zwischen Wasser und Blut.

Kiemendarm, Schlunddarm, vorderer Teil des Darmrohres; bei Weich-, Chorda- und Wasserwirbeltieren von I Kiemenspalten durchbrochen (verantwortlich für Atmung und als Filterapparat bei der Ernährung), bei Landwirbeltieren und dem Menschen während der Embryonalzeit durch Kiementaschen und Kiemenfurchen ausgezeichnet.

Kiemenfäule: durch Algenpilze hervorgerufene Kiemenerkrankungen bei Süßwasserfischen.

Kiemenfußkrebse, Kiemenfüßer, Anostraca: Unterklasse der Krebse mit 175 langgestreckten, weichhäutigen, 2 bis 10 cm langen Arten in Süß- und Salzwassertümpeln; Fortbewegung mit 17 oder 19 Blattbeinpaaren, die zugleich als Filterapparat fungieren und der Nahrungsaufnahme dienen; pflanzen sich durch hartschalige Eier fort, die lange trocken oder sogar im gefrorenen Boden überdauern können. Siehe auch Salzkrebschen.

Kiemennekrose: durch Ammoniakgehalt des Wassers bei hohem pH-Wert auftretende verlustreiche Fischkrankheit.

Kiemenschwanzkrebse, Fischläuse, Branchiura: Unterklasse der Krebse mit 75 eiförmigen, stark abgeflachten und bis 3 cm großen Arten; Körper mit zweiästigen Schwimmbeinen, einem Paar Saugnäpfen und Klammerorganen; leben in Süß- und Salzgewässern; saugen Blut bei Fischen und Lurchen. Siehe auch Karpfenlaus.

Kiemenspalten, Schlundspalten - Zwischenräume zwischen den Kiemenbögen von Fischen und Amphibienlarven; bei Embryonen höherer Wirbeltiere sind Kiementaschen und Kiemenfurchen angelegt.

Kien: durch Verletzung oder Insektenfraß harzdurchtränktes Kiefernholzstück.

Kies: 1. Bodenkunde: mineralische Skeletteilchen mit einem Durchmesser von 2 bis 20 mm.

2. Geologie: unverfestigte, natürliche Anhäufung kleiner bis etwa walnussgroßer, durch Wassertransport gerundeter Gesteinsfragmente.

Kieselalgen, Diatomeen, Bacillariophyceae: mikroskopisch kleine, einzellige Algen, teilweise mit gleitender Eigenbewegung; durch Fucoxanthin und Diatoxanthin braungelb gefärbt; sie haben 2 übereinander greifende Schalen aus feinporiger Kieselsäure; meist Süßwasser- und Meeresbewohner.

Kieselflagellaten, Silicoflagellatae: Algengruppe der Goldalgen, nur im Meer lebende Flagellaten mit innerem Kieselskelett.

Kieselglas: aus Bergkristall bei 1800°C geschmolzener und wie Glas verarbeiteter Werkstoff; unempfindlich gegen schroffen Temperaturwechsel, durchlässig für UV-Strahlen.

Kieselgur: (zur «gären») Diatomeenerde: grauweiße Süßwasserablagerung von aus Opalsubstanz bestehenden Schalen der Kieselalgen; chemisch fast reines Siliziumdioxid; unter anderem Rohstoff für Wärmeschutzmaterial.

Kieselsäuren: hypothetische, nicht isolierbare Säuren, von denen sich formal die Silikate ableiten. Aus Siliciumtetrachlorid und Wasser entsteht lösliche Ortho-Kieselsäuren, die sofort unter Wasserabspaltung über die Stufe der Di-Kieselsäuren, zu höhermolekularen, räumlich vernetzten Kieselsäuren polykondensiert. Durch Umsetzung zwischen Wasserglas und Säuren bilden sich ähnliche Produkte von gelartiger Beschaffenheit. Hochmolekulare Kieselsäuren (Kieselgel, Silikagel) dient als Adsorptionsmittel, zum Beispiel zum Trocknen von Gasen oder in Fleckentfernungspasten. Bei fortgesetztem Einatmen kieselsäurehaltigen Feinstaubs im Bergbau, in der keramischen Industrie, in Steinbrüchen, beim Sandstrahlen unter anderem kann Silikose entstehen.

Kieselschiefer: dichtes, dunkles, meist schwärzliches, auch grünes oder rotes Gestein aus Quarz, Chalzedon und organisches Pigment; Rohstoff für Feuerfestprodukte und Schotter.

Kietze: in Form von Straßendörfern angelegte Dienstsiedlungen slawischer Bewohner am Fuße von Burgen deutscher Feudalherren, die im Laufe der feudalen Ostexpansion seit dem letzten Drittel des 12. Jahrhundert besonders im Gebiet zwischen Havel und Oder entstanden.

Kiewer Rus: frühfeudaler Staat der Ostslawen seit dem 9. Jahrhundert, Zentrum die Stadt Kiew; umfasste das Gebiet von der Taman-Halbinsel im Süden bis zum Quellgebiet der Dwina im Norden, vom Oberlauf der Wisla im Westen bis zum Oberlauf der Wolga im Osten. 988 wurde das Christentum (griechisch-orthodoxer Glaube) Staatsreligion; Blütezeit des Staates im 10./11. Jahrhundert, enge Beziehungen bestanden zum Byzantinischen Reich, zu Mittel- und Westeuropa; Mitte des 12. Jahrhundert Zerfall in mehrere selbständige Fürstentümer.

Kiez, Kietz: ursprünglicher von Fischern bewohnter abgesonderter Ortsteil (Fischerkiez), heute auch allgemein für Wohn- (Stadt-) Viertel.

Kikinda: Stadt in der Vojvodina, im Banat, südöstlich von Senta; 40000 Einwohner; Ziegelei, Textil-, Metall-, Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten.

Kikwit: Stadt im Westen von Zaire, am bis hierher schiffbaren Kwangozufluss Kwilu; 175000 Einwohner; Verkehrsknoten, Handelszentrum; Pflanzenölherstellung.

Kilikien: antike Bezeichnung der Küstenlandschaft im Südosten Kleinasiens; Hauptstadt Tarsos. Früh von Griechen kolonisiert, wurde Kilikien seit dem 9. Jahrhundert vor Christus von den Assyrern beherrscht und gehörte später zum Perser- beziehungsweise Seleukidenreich; seit 103 vor Christus befand es sich in der Gewalt von Rom, war seit 74 vor Christus römische Provinz. Die Piraten Kilikiens waren in der Antike berüchtigt und gefürchtet.

Kilimandscharo: (Suaheli, «Berg des bösen Geistes») Vulkanstock im Nordosten Tanganjikas (Tansania), höchster Berg Afrikas, mit 3 Gipfeln: Kibo (5 895 m; vergletschert; Krater gut erhalten), Mawenzi (5149 m; Krater stark verwittert) und Shira (3 945 m; Krater bis auf einzelne Felsen abgetragen); ausgeprägte tropische Klima- und Vegetationsstufen; Ost- und Südhang bis 2000 m über dem Meeresspiegel dicht besiedelt (intensiver Ackerbau); 1889 von H. Meyer und L. Purtscheller erstmals erstiegen.

Killens, John Oliver, geboren 14.1.1916, US-amerikanischer Schriftsteller, gestaltet in Romanen realistisch das Leben der Afroamerikaner und ihren Kampf um Freiheit und Gleichberechtigung («Stadt am Kreuzweg», 1954, deutsch; «Und dann hörten wir den Donnere, 1963, deutsch); machte sich auch in Essays zum militanten Fürsprecher der Bürgerrechtsbewegung.

Kilogramm, Zeichen kg: Masse des internationalen Kilogrammprototyps (Platin-Iridium-Masseetalon); 1 kg = 1000 g.

Kilopond, (griechisch + lateinisch) Zeichen kp: veraltende Maßeinheit der Kraft (amtlich ungültig); 1 kp = 9,806 65 N (Newton).

Kilt: (englisch - altnordisch) bis zu den Knien reichender buntkarierter, wollener Faltenrock der traditionellen schottischen Männertracht.

Kimberley: Stadt im Nordosten der Kapprovinz (Republik Südafrika), auf einer Hochebene (1223 m über dem Meeresspiegel); 110000 Einwohner; Bergbauzentrum (Diamanten, Asbest, Eisen-, Manganerz); Mineraldünger, Möbel-, Textil-, Zementindustrie; Verkehrsknoten, Flughafen; Theater, Museen. Ehemaliges Diamantenbergwerk Big Hole (400 m tief, Durchmesser 456 m; zum Teil wassergefüllt; Touristenzentrum).

Kimbern: germanischer Stamm Jütlands, zog mit den Teutonen südwärts, besiegte die Römer 113 vor Christus bei Noreia (Neumarkt in Österreich) und 105 bei Arausio (Orange in Frankreich), wurde von den Keltiberern in Spanien zurückgeworfen, bedrohte Italien, wurde nach Trennung von den Teutonen von Marius 101 vor Christus bei Vercellae (Vercelli bei Mailand) entscheidend geschlagen.

Kimm: 1. seemännische Bezeichnung für den natürlichen Horizont (Meereshorizont).

2. runder, bei der Knickspantbauweise auch eckiger Übergang vom Schiffsboden in die -seitenwände.

Kimmerier, Kimmerer, im Altertum indoeuropäisches Viehzüchter- und Reitervolk, das sich Ende des 2. Jahrtausend vor Christus an der Nordküste des Schwarzen Meeres niederließ (Zentrum war das heutige Kertsch). Die Kimmerier wurden im 8. Jahrhundert vor Christus von den nomadisierenden Skythen verdrängt und bedrängten ihrerseits Assyrien.

Kimon, um 510-449 vor Christus, athenischer aristokratischer Politiker und Feldherr; Sohn des Miltiades, Gegner des Perikles; kämpfte erfolgreich in den Perserkriegen.

Kimono: langes, vom übereinandergeschlagenen Gewand mit weiten angeschnittenen oder gerade eingesetzten Ärmeln; altüberliefertes Kleidungsstück der Japaner.

Kim Tschiha, geboren 4. 2. 1941, koreanischer Dichter; Mitunterzeichner eines Aufrufes südkoreanischer Intellektueller zur Wiederherstellung der Demokratie; politisch verfolgt; verfasst politisch-satirische Lyrik und Dramen («Stimme des Volkes», «Manifest des Gewissens», 1975).

Kinasen: Enzyme, die den endständigen Phosphatrest des ATP auf ein Substrat übertragen, zum Beispiel Hexokinase.

Kindbettfieber, Puerperalfieber, Wochenbettfieber, Puerperalsepsis: nach der Geburt meist von der infizierten Gebärmutterhöhle ausgehende, hochfieberhafte, September Allgemeinerkrankung; früher häufige Todesursache bei Wöchnerinnen, inzwischen außerordentlich selten; siehe auch Semmelweis.

Kinderchirurgie: Spezialfach der Chirurgie, das sich mit der Behandlung Chirurg. Krankheiten bei Kindern befasst. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind besonders angeborene Missbildungen chirurgisch zu versorgen.

Kinderheilkunde, Pädiatrie: Wissenschaft von der Entwicklung des Kindes und Jugendlichen sowie der Erkennung und Behandlung der in diesem Lebensabschnitt auftretenden Krankheiten, einschließlich aller vorbeugenden Maßnahmen, wie gesunde Ernährung, Rachitisprophylaxe und Schutzimpfungen. Das erste Kinderkrankenhaus in Europa wurde 1802 in Paris errichtet, das erste deutsche 1830 an der Charité in Berlin.

Kinderkrankheiten: vorwiegend im Säuglings-, Kleinkind- und Schulalter auftretende Infektionskrankheiten, wie Diphtherie, Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln, Ringelröteln, Dreitagefieber-Exanthem, Scharlach und Windpocken. Das Überstehen dieser Krankheiten verleiht meistens dauerhaften Schutz gegen eine zweite Erkrankung gleicher Ursache (Immunität 1).

Kinderkrippe: Einrichtung zur Betreuung und Erziehung gesunder Kinder ab der 20. Lebenswoche bis zum vollendeten 3. Lebensjahr. Es gibt Tages- und Wochenkrippen, bei Bedarf territorial auch Saisonkrippen (zum Beispiel während der Ernte).

Kinderlähmung, Heine-Medinsche Krankheit (nach einem deutsch und einem schwedischen Arzt), Poliomyelitis acuta anterior (griechisch + lateinisch): durch 3 Virusstämme hervorgerufene Infektionskrankheit, die vorwiegend im Spätsommer auftrat und vor allem Kinder, aber auch Jugendliche und Erwachsene befiel. Eintrittspforte ist der Magen-Darm-Kanal. Die Viren können im Stuhl und in der Rückenmarkflüssigkeit nachgewiesen werden. Nach einem katarrhalischen Stadium mit Fieber kommt es zu Berührungsempfindlichkeit und Nackensteife (Gehirnhautentzündung) und schließlich zu Lähmungen, vor allem der Beine, seltener des gesamten Körpers. Der Kinderlähmung kann durch Schluckimpfung sicher vorgebeugt werden.

Kindermann, Heinz, geboren 8.10.1894, österreichischer Theaterwissenschaftler; Begründer des Wiener Instituts für Theaterwissenschaft; verdient um die internationale Durchsetzung der Theaterwissenschaft als Universitätsdisziplin. Sein Hauptwerk ist die «Theatergeschichte Europas» (10 Bände, 1957/74).

Kinderstomatologie: Teilgebiet der Stomatologie. Die Kinderstomatologie umfasst die stomatologische Betreuung der Kinder und Jugendlichen (Jugendzahnpflege) im Alter von 3 bis 18 Jahren mit dem Ziel der Verhütung, Erkennung und Eindämmung von Karies, Erkrankungen des Zahnbettes und Kieferanomalien durch planmäßige Reihenuntersuchungen, Behandlung, Überwachung und Nachuntersuchung sowie Erziehung zur Gebisspflege.

Kinderliteratur und Jugendliteratur: alle Genres der Epik, Dramatik und Lyrik umfassende sowie populärwissenschaftlicher Literatur, die sich vorrangig an die kindliche und jugendliche Leser, Hörer und Zuschauer wendet. Einen wichtigen Platz innerhalb der Kinderliteratur und Jugendliteratur nehmen überlieferte Formen wie Volks- und Kunstmärchen, Sagen und Fabeln, auch Bilderbücher ein. Erst seit dem 18. Jahrhundert gibt es eine spezifische Literatur dieser Art. Mit fortschreitender Entwicklung werden Werke, die für Erwachsene geschrieben wurden, Bestandteil der Kinderliteratur und Jugendliteratur (D. Defoe, J. Swift).

Kindesentführung: Straftat, die begeht, wer einen Minderjährigen unter 16 Jahren dem Erziehungsberechtigten entführt oder rechtswidrig vorenthält.

Kindia: Stadt im Westen der Republik Guinea; 80000 Einwohner; Lebensmittelindustrie, Holzverarbeitung; in der Nähe Bauxiterz-Förderung; Handelszentrum; landwirtschaftliche Forschungsinstitut.

Kindsbewegungen: fühlbare, zum Teil sichtbare Bewegungen des Kindes im Mutterleib, die von Erstgebärenden etwa am Ende der 20., von Mehrgebärenden schon am Ende der 18. Schwangerschaftswoche bemerkt werden, aber viel früher auftreten.

Kindslage: Geburtshilfe Beziehungen der Längsachse des Kindes zur Längsachse der Gebärmutter und zum Geburtskanal. Die normale Kindslage unter der Geburt ist die Längslage (99%), wobei Schädellage (96%) und Beckenendlage (3%) unterschieden werden. Bei Beckenendlage ist meist ärztliche Hilfe erforderlich; die Querlage (1 %) ist spontan nicht gebärfähig und bedarf ärztliche Hilfe.

Kindspech, Mekonium: in den ersten Lebenstagen entleerter, schwarzgrüner, zähklebriger, geruchloser und aus eingedickten Darmsäften, Galle und verschlucktem Fruchtwasser bestehender Stuhl, der etwa vom 4. Lebenstag an durch den Milchstuhl ersetzt wird.

Kinematik, Phoronomie: Lehre von der Bewegung physikalischer Systeme, die von den einwirkenden Kräften absieht und lediglich den Zusammenhang zwischen den Bahnkurven der Körper beziehungsweise der Massenpunkte des Systems und deren Geschwindigkeiten und Beschleunigungen betrachtet.

Kinematograph: von A. und L. Lumière seit 1895 hergestellter Apparat zur fotografischen Aufzeichnung, Kopierung und Wiedergabe bewegter Bilder.

Kinematographie: alle Verfahren zur Herstellung und Wiedergabe von Phasenbildfolgen, die bei hinreichend schnellem Bildwechsel den Eindruck kontinuierlich ablaufender Bewegungen hervorrufen. In diesem Sinne ist die Filmtechnik nur ein Teilgebiet der Kinematographie, nämlich die Anwendung kine- und tontechnischer Mittel bei der Filmproduktion.

Kinetechnik, früher Kinotechnik: alle Mittel und Verfahren zur Aufnahme oder Aufzeichnung, Bearbeitung, Wiedergabe und beziehungsweise oder Auswertung von Phasenbildfolgen. Siehe auch Filmtechnik.

Kinetin: synthetisch hergestellte, nicht in der Natur vorkommende Substanz, die Zellteilungen in der Pflanze induzieren kann.

kinetische Theorie, physikalische Kinetik: Theorie, die Nichtgleichgewichtserscheinungen beschreibt, wobei die makroskopischen Eigenschaften der Materie auf die Wechselwirkung der Atome und Moleküle zurückgeführt werden. Die kinetische Theorie ist somit ein Teilgebiet der Statistischen Physik und wird deshalb auch Statistik irreversibler Prozesse genannt. Die kinetische Gastheorie ist die Anwendung der kinetischen Theorie auf verdünnte Gase. Deren Moleküle werden als massebehaftete, punktförmige Kugeln aufgefasst, die untereinander und auf die Gefäßwände elastische Stöße ausüben. Der Druck in einem Gefäß des Volumens V, in dem sich Z Moleküle der Masse m mit der mittleren Geschwindigkeit c bewegen. Die kinetische Energie der Moleküle des idealen Gases ist also proportional. Außerdem lässt sich c (zum Beispiel bei 0°C für Wasserstoff 1839 m/s, Sauerstoff 461m/s) sowie die mittlere freie Weglänge berechnen. Die moderne kinetische Theorie geht vom Begriff der Verteilungsfunktion aus. Diese bestimmt sich aus kinetischer Gleichungen, zum Beispiel der Boltzmann-Gleichung, und wird außer in der Gastheorie vor allem in der Festkörper- (besonders Halbleiter-), Neutronentransport-, Plasma- und Flüssigkeitstheorie angewendet.

Kinetoplast: Zellbiologie in der Nähe der Geißelbasis sichtbares Organteil vieler Trypanosomen, das unter bestimmten Umständen zur Ernährung notwendig ist.

Kinetosen: durch andauernde Bewegungen, zum Beispiel Schlingern des Schiffes, bei Mensch und Tier auftretende Störungen (Bewegungskrankheiten, wie Auto-, Eisenbahn-, Luft- und Seekrankheit) in den Funktionen des vegetativen Nervensystems, verbunden mit Schweißausbruch, Schwindelgefühl, Übelkeit, Erbrechen. Die Kinetosen beruhen auf Übererregung von Teilen des Gleichgewichtsorgans im Labyrinth des Felsenbeins.

King, Martin Luther, 15.1.1929-4.4.1968 (ermordet), US-amerikanischer baptistischer Geistlicher; führte seit 1954 den gewaltlosen Widerstand der Afroamerikaner gegen die Rassenpolitik; wurde im Bemühen um den Zusammenschluss aller Volkskräfte für Bürgerrechte und gegen den Vietnamkrieg zum antiimperialistischen Führer.

Kingmanriff: Insel der Linieninseln unter US-Herrschaft im Stillen Ozean, etwa 1500 km südlich von Honolulu; vegetationslos; US-Marinestützpunkt.

King Counsel: Kronanwalt; in Großbritannien Ehrentitel für besonders angesehene Anwälte; in Abkürzung (K. C.) dem Familiennamen nachgesetzt.

Kingston: Hauptstadt von Jamaika, an der Südküste der Insel; 120000 Einwohner, mit Vorstädten 660000 Einwohner; Nahrungsmittel-, chemische, Holzindustrie, Stahlwerk, Erdölraffinerie; wichtigster Handels- und Hafenplatz, internationaler Flughafen; britischen und US-amerikanischen Flottenstützpunkt.

Kingston-upon-Hull: Stadt im Osten Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Humberside, an der Mündung des Hull in den Humber, 35 km von der Nordsee entfernt; 270000 Einwohner; Schiffbau und -reparatur, Maschinenbau, Nichteisenmetallurgie, chemische und Lebensmittelindustrie; Handels- und Fischereihafen, Fähren zum Kontinent; Universität, Handels- und Seemannsschulen; Museen.

Kingstown: Hauptstadt von Saint Vincent; 24000 Einwohner; Rumherstellung; Touristenzentrum; internationaler Flughafen.

Kinine: eine Gruppe von Phytohormonen, die die Zellteilung fördern und eine allgemeine Stimulierung des pflanzlichen Stoffwechsels bewirken.

Kinizsi, Pál, gestorben 24.11. 1494, ungarischer legendärer Heerführer aus dem Bauernstand; errang zahlreiche Siege über die Türken, wurde von Matyas I. Corvinus in den Adelsstand erhoben; unterstützte nach dessen Tod Wladyslaw II. gegen die Ansprüche Maximilians I. von Habsburg auf den ungarischen Thron.

Kinkel, Johann Gottfried, 11.8.1815-13.11.1882, kleinbürgerlicher Demokrat, Kunst- und Kulturhistoriker, Lyriker; beteiligte sich während der Reichsverfassungskampagne 1849 an einem Aufstand in Siegburg (Rheinland) sowie an der badischen pfälzischen Erhebung; zu lebenslängliche Haft verurteilt, konnte er mit Hilfe von C. Schurz 1850 aus der Festung Spandau fliehen und nach Großbritannien emigrieren. Seit 1866 war Kinkel Professor für Archäologie und Kunstgeschichte in Zürich.

Kinkhörner: (zu kinken, «rauschen») Bezeichnung für alle großen Meeresschneckengehäuse, die als Tonsammler wirken und alle in der Umgebung entstehenden Geräusche verstärken.

Kinoshita: geboren 2.8.1914, japanischer Dramatiker, führte das Märchenspiel in die japanische Dramatik ein, unter anderem mit «Der Abendkranich» (1949, deutsch); das Schauspiel «Zwischen Gott und Mensch» (1970) behandelt den Kriegsverbrecherprozess in Tokio.

2. Naoe, 8.9.1869-5.11.1937, japanischer Schriftsteller, bis 1906 aktiv in der sozialistischen Bewegung tätig; schuf mit den Romanen «Feuersäule» (1904) und «Bekenntnisse eines Ehemannes» (1906) erste bedeutende Ansätze einer sozialistischen Epik in Japan.

Kinshasa: Hauptstadt der Republik Zaire, am linken Ufer des unteren Zaire, gegenüber Brazzaville (Kongo); früher Leopoldville; 2,7 Millionen Einwohner; wichtiges Industriezentrum mit Lebensmittel-, vielseitiger Leicht-, Zement-, Reifenindustrie, Stahlbau und Werft; Handels- und Finanzzentrum; Umschlaghafen (Endpunkt der Zaireschifffahrt, Eisenbahnlinie nach Matadi), Flussfahre nach Brazzaville, bei Kinshasa internationaler Flughafen; 2 Universitäten, Hochschulen, Institute; Museen, botanischer Garten, Zoo.

Kyogasee: stark, gegliederter See in Uganda, vom Victorianil durchflossen; 2590 km2, 3 bis 5 m tief, 130 km lang; stark verschilft (Papyrus); Fischfang.

Kiosk: 1. leichte, ortsveränderliche Verkaufseinrichtung des Einzelhandels zum Angebot einfacher Sortimente ohne Anforderungen an Auswahl und Bestandshaltung.

2. zeltartiges Gartengebäude des Orients. Nach orientalischem Vorbild wurden Kiosk in englischen Gärten des 18./19. Jahrhundert errichtet.

Kiowa: sprachlich isolierter Indianerstamm der südlichen Prärie; Büffeljäger, Mitte 19. Jahrhundert erbitterter Widerstand gegen, die US-amerikanische Armee, 1868 in die Reservation von Oklahoma deportiert, dort heute 4300.

Kipling, Joseph Rudyard, 30.12. 1865-18.1. 1936, englischer Schriftsteller und Dichter; von seinem langjährigen Aufenthalt in Indien zeugen die Erzählungen «Schlichte Geschichten aus Indien» (1887, deutsch), meisterhafte Tier- und Menschengeschichten in «Das Dschungelbuch» (1898, deutsch) und «Das neue Dschungelbuch» (1899, deutsch), der Roman «Kim» (1901, deutsch); britischer Kolonialchauvinismus prägte die «Soldatengeschichten» (1888, deutsch) und die «Balladen aus dem Biwak» (1892, deutsch). K, war beeinflusst von der liberalen bürgerlichen englischen Philosophie (J. S. Mill, H. Spencer, F. H. Bradley).

Kippe: 1. Bergbau: Aufschüttung des Abraums innerhalb leergeforderter Teile eines Tagebaues (Innen- oder Tiefkippe) oder außerhalb des Tagebaugeländes (Außen- oder Hochkippe). Siehe auch Halde.

2. Gerätturnen: Beuge- und Streckbewegung der Hüftgelenke (Kippstoß) mit anschließendem Abbremsen des Beinschwunges.

Kipper: 1. Schienen- oder Straßenfahrzeug mit kippbarem Schüttgutladeraum. Kipper sind entweder herkömmliche LKW mit meist hydraulisch kippbarer Mulde oder große Spezialfahrzeuge. Siehe auch Dumper.

2. Einrichtung zum Schrägstellen von Schüttguttransportfahrzeugen, um diese durch Schwerkraft zu entleeren. Der Waggonkipper ist eine Stahlbühne mit einem Gleisstück, die über Kopf (Stirnkipper) oder seitlich (Seitenkipper) gekippt wird und den Waggon in einem Arbeitsgang entleert.

Kipphebel: Hebel an Ventilsteuerungen bei Kolbenkraftmaschinen, der die Bewegung der Nockenwelle oder des Exzenters über die Stoß- beziehungsweise Exzenterstange auf die Ventile umlenkt.

Kipplager: schneiden- oder punktförmiges Balkenauflager mit geringem Widerstand bei Drehbewegungen.

Kippmoment: größtes Drehmoment, das ein Synchron- oder Asynchronmotor aufbringen kann. Beim Überschreiten des Kippmoments «kippt» der Motor ab und bleibt unter Kurzschluss stehen.

Kippregel: aus Visierlineal und kippbarem Fernrohr mit Höhenkreis bestehendes Gerät; wird bei der Tachymetrie in Verbindung mit dem Messtisch benutzt.

Kippschwingungen, Relaxationsschwingungen: Elektronik - elektrische Schwingungen, die auf periodisch sich wiederholenden Ausgleichsvorgängen in elektronischen Schaltungen beruhen und im zeitlichen Verlauf einen Sprung oder Knick aufweisen. Anwendung in Oszillographen, beim Fernsehen, in der Impuls- und Messtechnik.

Kiprenski, Orest Adamowitsch, 24.3. 1782-17.10. 1836, russischer Maler und Zeichner, seine Bildnisse, in denen er vornehmlich Vertreter der fortschrittlichen russischen Adelsintelligenz (Porträts der Freiwilligen des Vaterländischen Krieges von 1812/13) darstellt, sind charakterisiert durch eine intime, romantisch gehobene, jedoch unsentimentale Auffassung, eine lebendige Malweise und warme, kraftvolle Farben.

Kirche: (griechisch kyriakon, «dem Herrn gehörend») 1. Bauwerk, in dem sich die Christen zu Gottesdienst und anderen Veranstaltungen versammeln.

2. die konfessionelle «Institution», zum Beispiel römisch-katholische Kirche, evangelisch-lutherische Kirche.

Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage: Religionsgemeinschaft, 1830 in Nordamerika von Joseph Smith (1805-1844) gegründet. Neben der Bibel stützen sich die Anhänger auf das «Buch Mormon» (deshalb Mormonen genannt); bis 1890 war die Vielehe gestattet; unter Brigham Young (U801—1877) gründeten sie den Staat Utah am Großen Salzsee mit der Hauptstadt Salt Lake City (heute Sitz der Mutterkirche); starke Missionstätigkeit führte zu weltweiter Verbreitung. Kirchenaustritt: Austritt aus einer Religionsgemeinschaft; erfolgt in der DDR durch Erklärung vor dem Staatlichen Notariat.

Kirchenbann, Bann, Exkommunikation: in der katholischen Kirche eine Kirchenstrafe, durch die ein Getaufter wegen schwerer äußerer Vergehen von der Gemeinschaft der Gläubigen und damit von ihren Rechten (besonders Sakramentsempfang und Begräbnis) ausgeschlossen wird. Durch Reue und Buße besteht die Möglichkeit der Kaufhebung.

Kirchenburg: festungsartig erweiterte Wehrkirche, besonders in der Steiermark, Niederösterreich und Siebenbürgen (Transilvania), in denen das Christentum gewaltsam eingeführt wurde und deshalb ständig von Angriffen bedroht war. Kirchenburg gibt es aber auch im übrigen Europa, zum Beispiel in Frankreich (Églises forteresses).

Kirchenjahr: alljährliche Reihenfolge der kirchlichen Feste und Zeiten, beginnend mit dem 1. Advent und endend mit dem Totensonntag. In der katholischen und orthodoxen Kirche ist das Kirchenjahr reicher gegliedert als in den protestantischen Kirchen.

Kirchenmusik, Musica sacra: im weiteren Sinne allgemeine, ungenaue Bezeichnung für alle Musik, die für den Kirchenraum komponiert ist; im engeren Sinne liturgisch gebundene Musik in den christlichen Kirchen, abgegrenzt gegenüber nicht liturgisch gebundener Musik im Kirchenraum. Kirchenmusik beeinflusste die europäische Musikkultur auf vielfache Weise, war bis ins 9. Jahrhundert einstimmig, entwickelte sich vom Gregorianischen Choral her zu komplizierter Mehrstimmigkeit (Motette, Messe); seit dem 16. Jahrhundert bildete sich eine eigenständige protestantische Kirchenmusik aus. Neben Palestrinas vokalem A-cappella-Stil entstanden die instrumental begleiteten, virtuos-konzertanten Passionen, Oratorien und Kantaten mit einem künstlerischen Höhepunkt bei J. S. Bach. Neben Säkularisierungserscheinungen seit dem 18./19. Jahrhundert gibt es bis zur Gegenwart anhaltende Reformbestrebungen.

Kirchenrecht: 1. staatliche Regelung der Stellung der Religionsgemeinschaften (Staatskirchenrecht).

2. innerkirchliche, von den Religionsgemeinschaften selbst gesetztes Recht.

Kirchenslawisch: in einigen slawischen und auch nichtslawischen Ländern weiterlebendes modifiziertes Altbulgarisch (Altslawisch), das im Allgemeinen nur als Kirchensprache dient. Das Russisch-Kirchenslawisch hat an der Entwicklung der russischen Literatursprache beträchtlichen Anteil.

Kirchenstaat: weltliches Herrschaftsgebiet der Päpste in Mittelitalien bis 1870, heute nur die Vatikanstadt

Kirchentage: kirchliche Großveranstaltungen, auf denen aktuelle Fragen erörtert werden und von denen Impulse für die Gemeindearbeit ausgehen.

Kirchentonarten, Kirchentöne, Modi: Tonarten der europäischen Musik bis zum 16. und teilweise 17. Jahrhundert. Man unterscheidet 8 Kirchentonarten: 4 authentische Kirchentonarten (Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch) auf den Grundtönen (Finalis) d, e, f, g und davon abgeleitet 4 plagale Kirchentonarten Hypodorisch, -phrygisch, -lydisch, -mixolydisch) auf dem jeweils eine Quarte tiefer liegenden Ton A, H, c, d. Im 15./16. Jahrhundert kamen noch 4 Kirchentonarten hinzu auf a beziehungsweise e und c beziehungsweise G (Äolisch beziehungsweise Hypoäolisch und Ionisch beziehungsweise Hypoionisch), die grundlegend wurden für das spätestens im 18. Jahrhundert herrschende Moll und Dur. Charakteristisch für die einzelnen Leitern ist die jeweilige Lage der Halbtonschritte zwischen Ganztonschritten. Die Kirchentonarten können transponiert, das heißt von jedem Ton aus aufgebaut werden. Ihre Bezeichnungen sind den altgriechischen Tonarten entlehnt, aber vertauscht worden.

Kircher, Athanasius, 2.5.1602-27.11.1680, Universalgelehrter, Jesuitenpater, Professor in Würzburg und Rom; beschrieb die Laterna magica, stellte die wichtigsten Meeresströmungen kartographisch dar, untersuchte als erster Blut mit dem Mikroskop und leistete Vorarbeiten zu einer koptischen Grammatik.

Kirche von England, Church of England: englische Staatskirche mit dem König beziehungsweise der Königin als Oberhaupt; entstanden durch die Trennung Heinrichs VIII. von Rom, 1534 vom Parlament gebilligt. Kirchenordnung und Liturgie sind katholisch geprägt, die Theologie enthält lutherische und kalvinistische Elemente. Primas ist der Erzbischof von Canterbury. Siehe auch anglikanische Kirchen.

Kirchhoff, Gustav Robert, 12.3.1824-17.10.1887, Physiker; Professor in Breslau, Heidelberg und Berlin. Kirchhoff formulierte 1845 die Regeln der Stromverzweigung, fand 1859 das nach ihm benannt Strahlungsgesetz und entwickelte 1859/60 mit R. Bunsen die Spektralanalyse, womit beide die Elemente Zäsium und Rubidium entdeckten.

Kirchhoffsche Regeln: (nach G. R. Kirchhoff) Gesetze für elektrische Stromkreise. 1. Kirchhoffsche Regeln, Knotenregel: Die Summe der in einen Verzweigungspunkt (Knoten) hineinfließenden Ströme ist gleich der Summe der aus ihm herausfließenden;

2. Kirchhoffsche Regeln, Maschenregel: Die Summe aller an den Widerständen einer Masche (das heißt eines geschlossenen Teils eines Stromkreises) erzeugten Spannungsabfälle ist gleich der Summe aller Urspannungen der Spannungsquellen, wenn man die Masche in einem festgelegten Umlaufsinn umfährt. Aus den Kirchhoffschen Regeln folgt: Bei Reihenschaltung von Widerständen ist der Gesamtwiderstand gleich der Summe der Einzelwiderstände; bei Parallelschaltung ist der reziproke Gesamtwiderstand gleich der Summe der reziproken Werte der Einzelwiderstände, wobei sich die jeweiligen Stromstärken umgekehrt wie die zugehörigen Widerstände verhalten.

Kirchner: 1. Ernst Ludwig, 6.5.1880-15.6.1938, Maler, Graphiker und Bildhauer, 1905 Mitbegründer der Brücke, 1933 Ausschluss aus der Preußischen Akademie der Künste und von den Nazis diffamiert. Kirchner gehört zu den bedeutendsten Vertretern des Expressionismus und hat besonders durch sein umfangreiches graphisches Werk die Kunst des 20. Jahrhundert bereichert. Thematisch widmete er sich der Darstellung von Landschaften und Akten sowie der Gestaltung von Szenen des modernen Großstadtlebens.

2. Johann Gottlob, 15.6.1706-18.5.1775, Porzellanmodelleur, 1727/29 und 1731/33 an der Porzellanmanufaktur in Meißen tätig, wo er durch seine Tierplastiken zum bedeutendsten Porzellanmodelleur seiner Zeit wurde.

Kirk, Hans, 11.1.1898-16.6.1962, dänischer Schriftsteller und Publizist; schrieb, der sozialistischen Literaturtradition verpflichtet, volksverbundene Romane («Die Fischer», 1928, deutsch); schildert in «Die Tagelöhnen) (1936) und «Die neuen Zeiten» (1939) das Entstehen eines klassenbewussten Landproletariats. Er schrieb ferner historische und satirisch-kritische Romane zu Zeitproblemen.

Kirke, Circe, in der griechischen Sage die zauberkundige Tochter des Helios; verwandelte die Gefährten des Odysseus in Schweine, wurde von Odysseus gezwungen, den Zauber zu lösen; ihr Sohn von Odysseus ist Telegonos.

Kirkpatrick, Ralph, 10.6.1911-13.4.1984, US-amerikanischer Cembalist; international geschätzter Interpret barocker und zeitgenössischer Werke; schrieb eine Abhandlung über D. Scarlatti (1953).

Kirkuk: Stadt (Provinzzentrum) im Nordosten Iraks, im Vorland des Zagros-Gebirges; 220000 Einwohner; Zentrum der irakischen Erdölförderung; Raffinerien, Metallverarbeitung, Zementfabrik; Erdölleitungen nach Dörtyol (Türkei), nach Bagdad und den irakischen Häfen am Persischen Golf, nach Tripolis (Libanon) und Banjas (Syrien) zur Zeit gesperrt.

Kirri: (afrikanisch) Keule mit rundem Kopf; Waffe der Khoi und anderer südafrikanischer Völker.

Kirschbrand, Kirschwasser: wertvoller Obstbrand aus verschiedenen Süßkirschenarten; wird zum Teil zur Verfeinerung von Likören, zum Beispiel für Cherry Brandy, verwendet.

Kirsche, Cerasus: aus Vorderasien stammende Kulturobstbäume der Familie Rosengewächse, Unterfamilie Steinobstgewächse (Prunoideae), mit weißen Blüten und Steinfrüchten (K. n) heimisches Wildobst ist die Vogelkirsche.

Kirschfruchtfliege, Rhagoletis cerasi: schädliche Bohrfliegenart Mitteleuropas; Larven entwickeln sich einzeln im Fruchtfleisch von Kirschen.

Kirsten: 1. Ralf, geboren 30.5.1930, Filmregisseur; schuf die Filme «Steinzeitballade», «Auf der Sonnenseite», «Beschreibung eines Sommers», «Netzwerk», «Der verlorene Engel», «Eine Pyramide für mich», «Ich zwing dich zu leben», «Lachtauben weinen nicht».

2. Wulf, geboren 21.6.1934, Schriftsteller und Herausgeber; schreibt vorwiegend Landschaftsgedichte («Satzanfang», 1970; «Der Bleibaum», 1977); veröffentlichte auch Prosaarbeiten («Die Schlacht bei Kesselsdorf», «Kleewunsch ein Kleinstadtbild», beide 1985).

Kiruna: Stadt im Norden Schwedens, nördlich des Polarkreises am See Luossajärvi; 31000 Einwohner; Stadtgebiet räumlich sehr ausgedehnt (19447 km2); Abbau von Magneteisenerzen des nordschwedischen Erzfeldes (Vorräte auf etwa 2,7 Md. t geschätzt, bei einem Eisengehalt von über 60%) in Kiirunavaara und Luossavaara, früher im Tagebau, seit 1962 im Tiefbau; Bahntransport des Erzes nach dem eisfreien norwegischen Hafen Narvik.

Kisalföld, Oberungarische Tiefebene: Niederungsgebiet zwischen ungarischen Mittelgebirge, Alpenausläufern und Donau; 7000 km2, 120 bis 180 m über dem Meeresspiegel; intensive Landwirtschaft; Zentrum der verarbeitenden Industrie ist Györ.

Kisangani: Stadt (Regionszentrum) in der Republik Zaire, beiderseits des bis hierher schiffbaren Zaire, unterhalb der Boyomafälle; früher Stanleyville; 340000 Einwohner; Lebensmittel-, chemische, Pharmazeut., Konfektions-, Holz-, Zementindustrie; Handelszentrum, Straßenknoten, Umschlaghafen (Eisenbahnlinie nach Ubundu), internationaler Flughafen; Universität, Pasteur Institut; Museum.

Kisch: einer der ältesten semitischen Stadtstaaten Babyloniens, am Euphrat, dessen Anfänge bis ins 2. Jahrtausend vor Christus zurückreichen; war zu Beginn des 3. Jahrtausend vor Christus bereits eine blühende Stadt.

Kisch, Egon Erwin, 29.4.1885-31.3.1948, deutschsprachiger tschechischer Schriftsteller und Journalist; beteiligte sich in Wien an der Novemberrevolution 1918; übersiedelte 1921 nach Berlin; Mitbegründer des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller; zahlreiche Reisen (Europa, Nordafrika, USA, China); ab 1933 antifaschistische Tätigkeit (1937/38 Teilnahme am Spanischen Freiheitskampf); ging 1939 nach New York, 1940 nach Mexiko, kehrte 1946 nach Prag zurück. Kisch bediente sich der von ihm meisterhaft beherrschten Reportage als eines parteilichen künstlerischen Kampfmittels; in den 20er Jahren ging er von der sozialkritischen Anklage des Kapitalismus zur Parteinahme für das revolutionäre Proletariat über («Die Abenteuer in Prag», 1920; «Der rasende Reporter», 1925; «Hetzjagd durch die Zeit», 1926; «Zaren, Popen, Bolschewiken», 1927; «Paradies Amerika», 1930; «Asien gründlich verändert», 1932; «Abenteuer in fünf Kontinenten», 1936; «Landung in Australien», 1937; «Marktplatz der Sensationen», 1942; «Entdeckungen in Mexiko», 1945).

Kisfaludy, Károly, 5.2.1788-21.11.1830, ungarischer Schriftsteller, Dichter und Literaturtheoretiker der ersten Generation der ungarischen Romantik; war Begründer des literarischen Almanachs «Aurora», der zum Forum der fortschrittliche ungarische Schriftsteller wurde. Als Dramatiker wurde Kisfaludy durch die Tragödie «Die Tataren in Ungarn» (1811, deutsch) populär.

Kishon, Ephraim, geboren 23.8.1924, israelischer Schriftsteller; wurde durch seine Humoresken und satirischen Skizzen bekannt, in denen er kleinere Missstände des Landes oder allgemeinen menschlichen Schwächen lächerlich macht, meisterhaft groteske Situationen erfindet, zum Beispiel «Drehn Sie sich um, Frau Lot!» (Satiren, 1962, deutsch), «Der Fuchs im Hühnerstall» (Roman, 1955, deutsch).

Kisim, Leonid Denissowitsch, geboren 5.8.1941, sowjetischer Kosmonaut; Kommandant des Raumflugunternehmens Sojus T-3/Salut 6; stellte als Kommandant des Raumflugunternehmens Sojus T-10/Salut 7 gemeinsam mit O. J. Atkow und W. A. Solowjow einen Raumflugrekord auf (8. 2./2. 10. 1984, 237 Tage). Siehe auch Salut 2, Sojus.

Kisköre: Gemeinde in Ungarn, im Südosten des Bezirkes Heves, am rechten Ufer der Theiß (Tisza); 4200 Einwohner; Staustufe Tisza II mit Wasserkraftwerk und Stausee (127 km2) für Bewässerung und Brauchwassergewinnung; in der Nähe Erholungsgebiet.

Kiskunság: Landschaft zwischen Donau und Theiß, im Westen des Alfold (Ungarn); vorwiegend aus befestigtem Flugsand, Flussablagerungen und Löß bestehend; bis 170 m hoch; südlich von Kecskemét Nationalpark (30000 ha); im Süden Erdgas- und Erdölförderung; Landwirtschaft: Getreide-, Obst-, Wein-, Gemüse- und Paprikaanbau.

Kismet: (türkisch - arabisch, «Anteil») nach islamischen Glauben das dem Menschen von Allah «zugeteilte» und unabwendbare Schicksal.

Kiss, August, 11.10.1802-24.3.1865, Bildhauer; seit 1825 Schüler von C. D. Rauch; schuf zahlreiche Reiterdenkmäler, die von meisterhafter Beherrschung des Tierkörpers zeugen und dramatisch komponiert sind.

Kissinger, Henry, geboren 27.5.1923, US-amerikanischer Politiker; seit 1951 Berater von Regierungsstellen und Präsidenten; 1973/77 Außenminister.

Kisumu: Stadt (Provinzzentrum) im Südwesten Kenias, am Victoriasee, 1170 m über dem Meeresspiegel; 155000 Einwohner; Baumwoll-, Lebensmittelindustrie; Handelszentrum; Straßenknoten, Flughafen.

Kitakyushu: 1. Industrieregion in Japan, auf der Insel Kyushu, an der Straße von Shimonoseki, mit Kitakyushu 2 als Zentrum (4,5 Millionen Einwohner, 3% der Industrieproduktion Japans); wird zusammen mit dem nahen Kohlenrevier als das «japanische Ruhrgebiet» bezeichnet. Traditionelles Zentrum der Schwer- (besonders Eisen- und Stahl-) und metallverarbeitenden Industrie (Maschinen- und Fahrzeugbau, elektrotechnischer Industrie) sowie der chemischen Industrie.

2. Stadt in Japan (Präfektur Fukuoka), im Norden der Insel Kyushu; durch Zusammenlegung der Städte Moji (Modschi), Kokura, Yahata (Yawata), Tobata und Wakamatsu 1963 entstanden; 1,1 Millionen Einwohner; untermeerischer Tunnel (Eisenbahn, Straße) und Hängebrücke nach Shimonoseki (Honshu), Hafen, Flughafen; Universität.

Kitan: (danach russisch Kitai, «China») tungusischer Stamm, der 937/1123 als Liao-Dynastie Nordchina beherrschte. Teile der Kitan gründeten im westlichen Zentralasien Kara Kitai (auch Westlich Liao), das 1218 von den Mongolen unter Dschingis-Chan erobert wurde.

Kitasato, Shibasaburo, 20.12.1856-13.6.1931, japanischer Bakteriologe; Schüler von R. Koch, Prof. in Berlin und Tokio. Kitasato begründete gemeinsam mit E. von Behring die Serumtherapie; entdeckte den Pestbazillus (1914).

Kitchener: Stadt in Kanada, im Süden der Provinz Ontario; 140000 Einwohner; Fahrzeugbau, Textil-, Lebensmittelindustrie, Radio- und Fernsehgerätebau; Hochschule, Kunstakademie.

Kinartum, 24.6.1850-5.6.1916, britischer Kolonialpolitiker; unterwarf 1896/98 den Sudan und verhinderte französischer Kolonialerwerbungen im Niltal (Faschodakrise); 1900/02 Oberbefehlshaber im Burenkrieg, 1902/09 in Indien; seit 1914 Kriegsminister; auf der Reise zu Verhandlungen mit Russland ertrank er bei der Versenkung des Panzerkreuzers Hampshire.

Kitfuchs, Vulpes velox: bis 45 cm langer, großohriger Fuchs, Färbung blasser als beim Rotfuchs; nachtaktiver Bewohner Südwestkanadas sowie der westlichen USA bis Nordmexiko.

Kithara: altgriechisches sieben- bis zwölfseitiges Zupfinstrument mit großem, meist kastenförmigem Resonanzkörper, wurde mit Plektron gespielt; siehe auch Leier 2.

Kitimat: Stadt in Kanada, in der Provinz Britisch-Kolumbien, am Stillen Ozean; 10000 Einwohner; zweitgrößtes Zentrum der kanadischen Aluminiumherstellung (Wasserkraftwerk Kemano südöstlich von Kitimat in der Küstenkette des Felsengebirges (707 MW) und Bauxiteinfuhr).

Kitsch: (zu kitschen, «zusammenscharren») Kunstersatz, dessen Kennzeichen falsches Pathos, Illusionen, Konfliktlosigkeit, Mangel an Wahrhaftigkeit des Ausdrucks sowie der Appell an sentimentale Stimmungen sind. Entstanden mit der massenweisen industriellen Warenproduktion des Kapitalismus, fand der Kitsch um die Jahrhundertwende große Verbreitung, wobei er auf einem echten Bedürfnis nach Harmonie, Schönheit und so weiter basierte. Durch Erzeugung sozialer Illusionen dient er so neben der Befriedigung von Profitinteressen der Manipulation der Volksmassen. Der Kitsch ist eine zählebige Erscheinung und wird erst im Sozialismus allmählich überwunden.

Kitt: knetbare Masse zum Kleben (Klebkitt), zum Füllen von Löchern und anderen Unebenheiten (Füllkitt) oder zum Abdichten (Abdichtkitt). Die sehr verschiedenartig zusammengesetzten Kitte unterscheiden sich (unscharf abgegrenzt) von den Klebstoffen durch das (fast) völlige Fehlen flüchtiger Organ. Lösungsmittel sowie durch den meist hohen Anteil an Füllstoffen. Glaserkitt ist ein Gemisch aus trockener Schlämmkreide und Leinöl oder -firnis; der Kitt bewirkt, dass die Glasscheibe elastisch, luft- und wasserdicht im Falz lagert.

Kitwe: Stadt-im Kupfergürtel Sambias; 345000 Einwohner; Zentrum des Kupferbergbaus und der -Verhüttung; Eisengießerei, Holz-, chemische, Lebensmittelindustrie; Flughafen.

Kitz: (Koseform von Geiß) Jungtier im 1. Lebensjahr bei Reh- und Gamswild.

Kitzbühel: Kurort im Nordosten Tirols (Österreich) an der Kitzbüheler Ache, in den Kitzbüheler Alpen (Kreuzjoch, 2559 m); 8000 Einwohner; Wintersportplatz, Moorbad; mittelalterliche Altstadt (14. bis 17. Jahrhundert), Schlösser.

Kivi, eigentlich Stenvall, Aleksis, 10. 10.1834-31.12.1872, finnischer Schriftsteller. Kivis Schaffen ist durch einen tief in der Volkssprache wurzelnden Realismus gekennzeichnet Mit «Kullervo» (1864) begründete er die finnischsprachige Tragödie, mit «Die Heideschuster» (1864, deutsch) die Komödie und schrieb mit dem humorvollen Bauernroman «Die sieben Brüden) (1870, deutsch) den ersten finnischen Roman, der zur Weltliteratur zählt.

Kiwusee: See im Zentralafrikanischen Graben, Westteil einschließlich der Idjwi-Insel (250 km2) zu Zaire, Ostteil zu Rwanda; 1460 m über dem Meeresspiegel, 2650 km2, bis 350 m tief; durch vulkanische Ablagerungen entstandener See mit stark gegliederter Küste; entwässert durch den Rusizi zum Tanganjikasee; fischarm; Schiffsverkehr; in tieferen Schichten Methangasvorkommen.

Kiwi: eiförmige, behaarte, rotbraune Frucht der asiatischen Obstpflanze Actinidia sinensis; das Fruchtfleisch ist grün, saftig und reich an Vitamin C.

Kiwis, (Maori) Apterygidae: 50 bis 80 cm lange flugunfähige Laufvögel Neuseelands mit haarartigem Gefieder und 12 bis 16 cm langem leicht gebogenem Schnabel; nachtaktiv, halten sich Kiwis tagsüber in selbstgegrabenen Erdhöhlen verborgen; das einzige, etwa 450 g schwere Ei, aus dem ein vollbefiederter Jungvogel schlüpft, wird in etwa 80 Tagen vom Männchen bebrütet.

Kjökkenmöddinger: (dänisch, «Küchenabfälle») bis zu 1 km lange und fast 2 m hohe Abfallhaufen bei Siedlungsplätzen der späten Mittel- und frühen Jungsteinzeit; enthalten Muschelschalen, aber auch Asche, Tierknochen, Fischgeräte, Feuersteingeräte der Träger der Ertebölle Kultur; vor allem an der dänischen Ostseeküste verbreitet KJS Kinder- und Jugendsportschule.

KK-Schnellfeuerpistole: Schießsport Faustfeuerwaffe (Selbstladepistole); Kaliber 5,6 mm, Länge 300 mm, Höhe S150 mm, Schaftbreite 50 mm (5% Toleranz in einer Dimension sind statthaft), Masse 1260 g. Im Wettkampf werden 60 Schuss in Serien zu je 5 Schuss (je 4 Serien in jeweils 8, 6 und 1 s) auf 5 Silhouetten Scheiben über eine Entfernung von 25 m abgegeben.

KK-Standardgewehr, KK-Gewehr. Schießsport Handfeuerwaffe; Kaliber 5,6 mm, s 5 kg Masse, Abzugswiderstand 4,9 N. Das KK-Standardgewehr muss nach festgelegten Maßen serienmäßig produziert sein, Veränderungen sind nicht statthaft, es wird beim Schießen auf die Laufende Scheibe und beim Dreistellungskampf über 60 Schuss (3 x 20) in 2 1/2 h über 50 m eingesetzt.

Klabautermann: (niederdeutsch, zu «kalfatern») nach altem Seemannsglauben Schiffskobold, der sich zeigt, wenn dem Schiff Gefahr droht.

Klabund, eigentlich Alfred Henschke, 4.11.1890 bis 14.8.1928, Schriftsteller; verfasste in bohemehaft antibürgerliche Haltung vom Bänkelsang beeinflusste sozialkritische Gedichte («Die Harfenjule», 1927), durch Vermischung erzählen und lyrische Elemente und kontrastreiche Handlungsführung charakterisierte Kurzromane («Bracke», 1918), Erzählungen und Skizzen sowie Nachdichtungen besonders aus dem Chinesischen (Schauspiel «Der Kreidekreis», 1925).

Kladde: (niederdeutsch, «Schmutz») Heft für erste Niederschriften; Geschäftsbuch für tägliche Notizen.

Kladogenese: Aufspaltung von Arten in der Phylogenese, im Stammbaum als Verzweigung dargestellt; mitunter als bloße Vervielfältigung in einen Gegensatz zur Anagenese gestellt.

Klaffmoose, Andreaeales: felsbewohnende Moose; die nichtgestielten Kapseln öffnen sich mit 4 bis 6 Längsrissen. Bei Trockenheit biegen sich die Klappen der Kapseln nach außen, bei Feuchtigkeit schließen sie sich.

Klaffmuscheln: Meeresmuscheln, deren weißliche Schalen beim Zusammenlegen immer etwas auseinanderklaffen. Die 12 cm langen Schalen der Sandklaffmuscheln (Mya arenaria) sind an der Ostseeküste zu finden.

Klafter: 1. alte Längeneinheit zwischen 1,7 und 3 m (6 oder 10 Fuß).

2. alte Volumeneinheit (Raummaß) für Schichtholz, meist zwischen 2 und 4 m3.

Klage: gerichtliche Geltendmachung eines Rechtsanspruchs durch schriftliche oder zu Protokoll erklärte Stellung eines bestimmten Antrags (Klageantrag) unter Angabe der Gründe des Anspruchs (Klagegrund) und der ihn beweisenden Tatsachen. Die Klage kann auf eine vom Verklagten zu erbringende Leistung (Leistungsklage), auf die Feststellung (Feststellungsklage) oder Änderung (Gestaltungsklage) eines Rechtsverhältnisses, auf die Unterlassung rechtsverletzender Handlungen (Unterlassungsklage) oder die Aufhebung der Entscheidung eines gesellschaftlichen Gerichts (Einspruch) beziehungsweise eines Verwaltungsorgans (soweit gesetzlich vorgesehen) gerichtet sein.

Klagemauer: Teil der westlichen Mauer des Jerusalemer Tempelareals, Gebetsstätte der Juden (Erinnerung an die Tempelzerstörung im Jahre 70).

Klagenfurt: Hauptstadt des Bundeslandes Kärnten (Österreich), an der Glan, nördlich der Karawanken, im seenreichen, fruchtbaren Ker Becken; 86000 Einwohner; Leder-, Schuh-, metallverarbeitende, chemische, Textil-, Holzindustrie; internationaler Flughafen; Holzmesse; Hochschulen, Konservatorium; Landesmuseum, botanischer Garten; Dom (16. Jahrhundert), Landhaus (16. Jahrhundert).

Klagenfurter Becken: inneralpines Becken in Österreich (Kärnten), zwischen den Karawanken im Süden und den Gurktaler Alpen im Norden; junges, 75 km langes, 20 bis 30 km breites Senkungsfeld, 450 m über dem Meeresspiegel; kontinentales Klima mit nebelreichen Wintern; Seen.

Klaipeda: Stadt in der Litauischen SSR, an der Ostsee; 190000 Einwohner; Fischverarbeitung, Werft, Textilindustrie, Zellulose-Papier-Kombinat; Hochsee- (Ölumschlag; Kanal vom Neman) und Trajekthafen nach Mukran (Rügen); Fischfangbasis; Theater, Meeresmuseum.

Klamm: (oberdeutsch, «Eingeklemmtes») tiefes, schmales Tal mit steilen Hängen, zum Teil Wänden, dessen Talsohle völlig von einem Fluss eingenommen wird.

Klammeraffen, Ateles: Gattung der Rollschwanzaffen mit dünnen, sehr langen Gliedmaßen und langem, muskulösem Schwanz, an dessen Spitze sich unterseits ein nackter Greiffleck befindet. In den Urwäldern des nördlichen Südamerika lebt der Schwarze Klammeraffen (A paniscus).

Klampe: 1. allgemein Klammer, Haken, Steg.

2. Schiffbau: a) Vorrichtung an Bord zum Festmachen (Belegklampe) oder Führen (Lipp-, Rollenklampe) von Tauwerk;

b) auf Deck stehende Stütze für Beiboote (Bootsklampe)

c) griffartige Vorrichtung in der Bordwand oder an der Kaimauer (Vertäuklampe).

Klampfe: volkstümliche Bezeichnung für Gitarre.

Klang: 1. Akustik: Gehörsempfindung einer periodischen Schwingung, die sich als Summe von Sinusschwingungen auffassen lässt. Die Grundschwingung entspricht dem Grundton eines Instruments oder gesungenen Vokals, die Oberschwingungen mit ganzzahligem Vielfachen der Frequenz der Grundschwingung entsprechen den Obertönen. Diese bilden zusammen mit dem Grundton das Klangspektrum. Art, Zahl und Intensität der Obertöne bestimmen die Klangfarbe, Geräusche haben im Gegensatz zum diskreten Klangspektrum ein kontinuierliches Frequenzspektrum.

2. Musik: das Zusammenklingen mehrerer Töne (zum Beispiel Dreiklang) mit und ohne harmonische Funktion.

Klangfarbe: neben Tonhöhe und -stärke physikalisch messbare Eigenschaft des Klanges, die abhängig ist von den Eigenschaften der Schallquelle, der Resonanz, der Ausgleichsvorgänge und der Formanten. Klänge mit wenigen Partialtönen wirken weich (Flöten), mit überwiegend hohen intensiv (Trompeten).

Klangfarbenregelung: Elektroakustik Beeinflussung der Klangfarbe bei Fernseh- und Rundfunk-empfängern oder elektroakustischen Übertragungs- und Speichergeräten. Zur Klangfarbenregelung kann man die Verstärkung der hohen beziehungsweise tiefen Tonfrequenzen vergrößern oder verkleinern.

Klangholz: fehlerfreies Fichten-, Tannen- und Ahornholz mit gleichmäßiger Jahrringfolge für den Musikinstrumentenbau. Das Hauptvorkommen für Klangholz in Europa ist in den rumänischen Karpaten.

Klapka, György, 7.4.1820-17.5.1892, ungarischer Freiheitskämpfer; Mitorganisator der Honved Armee und 1848/49 ihr Befehlshaber, verteidigte 1849 die Festung Komarom gegen kaiserliche Truppen; stellte 1859 und 1866 ungarische Legionen gegen Österreich auf, schloss sich nach dem Ausgleich von 1867 F. Deäk an.

Klappe: Rohrleitungselement zum Absperren, Drosseln oder Steuern des Durchflusses von Gasen, Flüssigkeiten oder deren Gemischen bei geringem Drücken. Die Betätigung kann mechanisch (Drosselklappe) oder selbsttätig (Rückschlagklappe) durch das Strömungsmedium erfolgen, wobei ein schwenkbares Verschlussstück aus Metall, Plast oder Gummi den Strömungsquerschnitt verschließt.

Klapperschlangen, Crotalus: amerikanische Grubenottern, die bei Erregung mit Hornringen am Schwanzende ein rasselndes Geräusch erzeugen; bei jeder Häutung entsteht ein neues Segment der Klapper. Das hochwirksame Gift der Klapperschlangen enthält vorwiegend zytotoxische und hämotoxische, aber auch neurotoxische Komponenten, besonders bei der einzigen südamerikanischen Art, der Schauerklapperschlange (Crotalus durissus). Im südlichen Nordamerika leben die etwa 2 m lange Texasklapperschlange (Crotalus atrox) und die mehr als 2,5 m lange Diamantklapperschlange (Crotalus adamanteus).

Klappertopf, Rhinanthus: Braunwurzgewächs mit aufgeblasenem Kelch und zweilippiger gelber Blütenkrone in Trockenrasen und Wiesen; als Halbschmarotzer auf anderen Pflanzen parasitierend.

Klappmütze, Cystophora cristata: bis 3,80 m lange, nordpolare Rüsselrobbe mit aufblasbaren Schleimhautblindsäcken in der Nase, die bei Erregung zu einer mützenartigen Kopfvergrößerung führen. Neugeborene Klappmütze sind weiß, sie stoßen das weiße Fell wenige Stunden nach der Geburt ab und sind dann bläulich grau («Blaumänner»), ab 5. Jahr dunkel mit unregelmäßigen Flecken.

Klaproth, Martin Heinrich, 1.12.1743-1.1.1817, Chemiker; entwickelte Methoden für Mineralanalysen und entdeckte die Elemente Zirkonium, Uran sowie (gemeinsam mit J. J. Berzelius) Titan und Zer.

Klarälven: Fluss im Südwesten Schwedens; 350 km; Abfluss des norwegischen Femundsees, mündet bei Karlstad in den Vänersee; Wasserkraftwerke, Flößerei.

Kläranlage: Gesamtheit der technischen Einrichtungen zur Reinigung von häuslichen, gewerblichen oder industriellen Abwässern. Städt. Kläranlage bestehen in der Regel aus Grobrechen zum Entfernen der Sperrstoffe (evtl. mit einem Rechengutzerkleinerer), Sandfang, geeigneten Absetzbecken oder -brunnen zur mechanischen Reinigung (Klärung), den Anlagenteilen zur biologischen Abwasserreinigung, den offenen oder geschlossenen Anlagen zur Ausfaulung des abgetrennten Klärschlamms und den Schlammtrockenbeeten.

Klare: 1. Hermann Klare, geboren 12.5.1909, Chemiker; 1951/53 Werkleiter im Kunstfaserwerk Schwarza; 1953/62 stellvertretender Direktor und bis 1968 Direktor des Instituts für Faserstoffforschung der AdW, Teltow; 1963/68 Vizepräsident, 1968/79 Präsident, 1979/84 Vizepräsident der AdW; Hauptarbeitsgebiete sind Chemie und Technologie der Chemiefaserstoffe, insbesondere Polyamid- und Viskosefaserstoffe.

2. Johannes Klare, geboren 23.3.1930; seit 1969 Professor für romanische Sprachwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin; hat sich neben zahlreichen Publikationen insbesondere durch die systematische Förderung des Fremdsprachenunterrichts in der DDR verdient gemacht.

Klarer: (niederdeutsch, zu «klar») wasserheller, dem Wodka ähnlicher Trinkbranntwein ohne Geschmackszusätze mit einem Volumenanteil an Alkohol von 32 % oder 40%.

Klarierung: behördliche und kommerzielle Abfertigung von Seeschiffen beim Einlaufen im und Auslaufen aus dem Hafen; erfolgt durch den Schiffsmakler im Auftrag der Reederei.

Klarinette: Holzblasinstrument mit zylindrische Schallröhre und einfachem Rohrblatt; Klang in der Tiefe dunkel und weich, in der Höhe hell und schmetternd; um 1700 aus dem Chalumeau (Volksmusikinstrument mit Grifflöchern), an das J. C. Denner in Nürnberg 2 Klappen anbrachte, entstanden. Ende des 18. Jahrhundert kamen weitere Verbesserungen hinzu; die Klarinette war nun als Orchesterinstrument allgemein gebräuchlich. Im 19. Jahrhundert wurde sie mit verschiedenen Klappenmechanismen (nach Boehm, Bärmann, Oehler unter anderem) versehen und zum Vorzugsinstrument der Romantik (C. M. von Weber, L. Spohr). Eine Oktave tiefer klingt die Bassklarinette. Das Bassetthorn ist eine Altklarinette.

Klarschrift: stilisierte Schrift, die sowohl vom Menschen als auch von Klarschriftlesern gelesen werden kann.

Klarschriftleser: ein peripheres Gerät von Rechenautomaten, das Klarschrift, zum Beispiel von einem Beleg (Belegleser), direkt in den internen Kode des Rechenautomaten umsetzt. Das Lesen geschieht nach optische oder magnetische (Magnetschriftleser) Prinzipien. Vereinfachte Formen sind die Markierungsleser. Klarschriftleser vermeiden aufwendige Datenerfassung auf Lochbändern u. ä.

Klarsichtscheibe, Heizscheibe: (Verbundglas-) Heckscheibe an Kfz (meist PKW) mit dazwischen liegenden Heizdrähten, die über Schalter von der Fahrzeugbatterie gespeist werden. Die Klarsichtscheibe verhindert das Beschlagen und Vereisen und garantiert freie Sicht.

Klasse: 1. allgemein Gruppe mit gemeinsamen Merkmalen; Abteilung.

2. Klasse, Classis: Biologie - systematische Kategorie im Pflanzen- und Tierreich, in der meist mehrere Ordnungen mit gemeinsamen Merkmalen zusammengefasst werden (zum Beispiel die Klasse der Insekten mit den Ordnungen Käfer, Schmetterlinge unter anderem).

3. Elektrotechnik: Fehlerklasse.

4. Logik: Gesamtheit der unter einen Begriff fallenden Objekte, zum Beispiel die Klasse aller Dreiecke; teilweise synonym mit Menge gebraucht. Die Beziehungen zwischen den Klasse untersuchen Klassenlogik und Mengenlehre.

5. Motorsport: Einteilung von Wettbewerbsfahrzeugen, die einer Gruppe angehören, auf der Grundlage des Motorhubvolumens (zum Beispiel s 1600 cm3) oder anderer Unterscheidungskriterien (zum Beispiel Formel 1, 2 oder 3).

6. Pädagogik: Schülerkollektiv eines Jahrgangs, das in gemeinsamer unterrichtlicher Tätigkeit gebildet und erzogen wird.

Klassement: (französisch) Sport Teil- beziehungsweise Endergebnis, Reihenfolge, Platzierung der Wettkampfteilnehmer.

Klassen: Grundbegriff der materialistischen Geschichtsauffassung; «...große Menschengruppen, die sich voneinander unterscheiden nach ihrem Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion, nach ihrem (größtenteils in Gesetzen fixierten und formulierten) Verhältnis zu den Produktionsmitteln, nach ihrer Rolle in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und folglich nach der Art der Erlangung und Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen. Klassen sind Gruppen von Menschen, von denen die eine sich die Arbeit der andern aneignen kann infolge der Verschiedenheit ihres Platzes in einem bestimmten System der gesellschaftlichen Wirtschaft» (Lenin). Grundlegend für die Unterscheidung von Klassen ist das Verhältnis zu den Produktionsmitteln, ihm sind alle anderen Merkmale untergeordnet. Grundklassen (Hauptklassen) einer Gesellschaftsformation gehen unmittelbar aus den herrschenden Eigentumsformen hervor; Nebenklassen beruhen auf Eigentumsformen, die Überreste vergangener oder Keime künftiger Gesellschaftsformationen sind; den Klassen untergeordnet sind soziale Schichten. Die Klassen entstanden historisch mit der Herausbildung des Privateigentums an den Produktionsmitteln. In den Ausbeutergesellschaften stehen ausbeutende und ausgebeutete Klassen in einem antagonistischen Verhältnis zueinander; erstere eignen sich die Arbeit der letzteren an. Mit der sozialistischen Revolution und dem Aufbau des Sozialismus und Kommunismus beginnt der historischen Prozess der Aufhebung der Klassen Der Sozialismus ist durch die Aufhebung des Klassenantagonismus bestimmt; seine grundsätzlich neue Klassenstruktur wird von der führenden Arbeiterklasse und ihrem Bündnis mit den Genossenschaftsbauern, der Intelligenz und anderen Werktätigen geprägt; zwischen ihnen bestehen Beziehungen der kameradschaftlichen Zusammenarbeit und der gegenseitigen Hilfe. Die Politik der marxistisch-leninistischen Partei ist auf die Annäherung der Klassen und Schichten auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Weltanschauung und der Ideale der Arbeiterklasse gerichtet.

Klassenbewusstsein: Widerspiegelung der materiellen Existenzbedingungen einer Klasse, ihrer Stellung in einer historisch bestimmten Gesellschaft, ihrer Beziehungen zu anderen Klassen und Schichten, der grundlegenden Interessen sowie der historischen Rolle in der gesellschaftlichen Entwicklung im Bewusstsein dieser Klasse. Im Klassenbewusstsein als dem bewusst gewordenen Klasseninteresse, das eine aktivierende Rolle im gesellschaftlichen Leben spielt, vereinigen sich politische, philosophische, künstlerische unter anderem Anschauungen, wobei die politische Anschauungen im Mittelpunkt stehen. Im Unterschied zu den Ausbeuterklassen, die nur an einer beschränkten Widerspiegelung der gesellschaftlichen Wirklichkeit interessiert sind, besitzt die Arbeiterklasse ein wissenschaftlich begründetes Klassenbewusstsein Es beruht auf der von Marx, Engels und Lenin ausgearbeiteten wissenschaftlicher Weltanschauung. Seine Aneignung erfordert die Kenntnis des Marxismus Leninismus und schließt ein, dass die Arbeiter die Gemeinsamkeit ihrer Interessen begreifen und den Kampf um die Eroberung der politischen Macht führen. Das Klassenbewusstsein der Arbeiterklasse, das von den proletarischen Klassenorganisationen, insbesondere von der revolutionären Partei, in die Massen hineingetragen werden muss, setzt sich nur im Kampf gegen die bürgerliche Ideologie durch. Im Sozialismus entwickelt sich das proletarische Klassenbewusstsein zunehmend zum sozialistischen Bewusstsein aller Werktätigen.

Klassenbuch: in der Schule der DDR vom Klassenleiter und den in der Klasse unterrichtenden Fachlehrern geführtes amtliches Dokument, das Angaben über die Personalien der Schüler, über Inhalt, Anzahl und Zeitpunkt der erteilten Unterrichtsstunden sowie über die Ergebnisse von Leistungskontrollen unter anderem enthält.

Klasseneinteilung: 1. Mathematik: Zerlegung einer Menge M in elementefremde Teilmengen, das heißt jedes Element von M kommt in einer und nur einer dieser Teilmengen vor, zum Beispiel die Zerlegung der Menge der ganzen Zahlen in gerade und ungerade Zahlen. Jede Klasseneinteilung ist mit einer Äquivalenzrelation verknüpft.

2. Sport: in den einzelnen Sportverbänden unterschiedliche Einteilung der Mannschaften nach Leistungsstärke.

Klassengesellschaft: ökonomische Gesellschaftsformation, die auf der Grundlage unterschiedlicher Eigentumsformen an Produktionsmitteln Klassen aufweist. In der Sklavenhaltergesellschaft, dem Feudalismus und dem Kapitalismus stellen die Klassenunterschiede antagonistische Gegensätze dar, die in der Ausbeutung und Unterdrückung einer Klasse durch eine andere bestehen. Im Sozialismus, der ersten Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation, wird der Klassenantagonismus aufgehoben. Unter der Führung der Arbeiterklasse wirken die Klassen zusammen an der Schaffung der klassenlosen kommunistischen Gesellschaft. Siehe auch asiatische Produktionsweise.

Klasseninteresse: objektives, durch die sozialökonomische Lage bestimmtes Verhältnis einer Klasse zur Gesamtheit ihrer Existenz- und Entwicklungsbedingungen. Das grundlegende Klasseninteresse der Arbeiterklasse, das ihr durch die Erfahrungen des Klassenkampfes und die Tätigkeit der marxistisch-leninistischen Partei bewusst wird, ist die Beseitigung der Ausbeutung und der Unterdrückung und die Schaffung der kommunistischen Gesellschaft. Es steht im unversöhnl. Gegensatz zum Klasseninteresse der Bourgeoisie und stimmt mit den Grundinteressen aller Werktätigen überein.

Klassenjustiz: Rechtsprechung in bürgerlichen Staaten entsprechend dem Willen der Bourgeoisie (oft sogar unter Missachtung der eigenen Gesetze) insbesondere in politischen Strafprozessen, zum Beispiel Verbotsprozess gegen die KPD (BRD 1956).

Klassenkampf: objektive Gesetzmäßigkeit und entscheidende Triebkraft des gesellschaftlichen Fortschritts in der Ausbeutergesellschaft. Der Klassenkampf ergibt sich notwendig aus der gegensätzlichen Stellung der Klassen in einem bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion und den daraus resultierenden gegensätzlichen Klasseninteressen. Er wird auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens geführt. Der Klassenkampf wurde von bürgerlichen Historikern entdeckt. Das Neue in der marxistischen Theorie von den Klassen und vom Klassenkampf besteht im Nachweis, dass Klassen eine historische Erscheinung und nur an bestimmte Entwicklungsphasen der Produktion gebunden sind, dass der Klassenkampf notwendig zur Diktatur des Proletariats führt und diese selbst den Übergang zur Aufhebung aller Klassen bildet. Der Klassenkampf entwickelt sich in vielfältigen Formen. Der Marxismus-Leninismus unterscheidet 3 untrennbar miteinander verbundene Grundformen des proletarischen Klassenkampfs, den ökonomischen, den politischen und den ideologischen. Der politische Klassenkampf ist die entscheidende Form; er wird geführt zur Verteidigung und Erweiterung der demokratischen Rechte, zur Verteidigung des Friedens, zum Sturz der Bourgeoisie und zur Errichtung der Herrschaft der Arbeiterklasse. Zur erfolgreichen Führung des Klassenkampf benötigt die Arbeiterklasse eine marxistisch-leninistische Partei, die eine wissenschaftlich begründete Strategie und Taktik des proletarischen Klassenkampf erarbeitet und diesem entsprechend der jeweiligen historischen Situation und den historischen Aufgaben eine klare Orientierung gibt. Die Diktatur des Proletariats ist die Fortsetzung des Klassenkampfs in neuen Formen; erst mit der Beseitigung der antagonistischen Klassen verschwindet der Klassenkampf. In der Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus entfaltet sich der internationale Klassenkampf besonders als Auseinandersetzung zwischen den beiden antagonistischen sozialen Systemen, zwischen den revolutionären Hauptströmen und dem Imperialismus. Von besonderer Bedeutung ist die Durchsetzung der friedlichen Koexistenz von Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung als Form des internationalen Klassenkampfs.

Klassenleiter: in den allgemeinbildenden Schulen der DDR vom Direktor eingesetzter Lehrer, der entscheidende Verantwortung für die kommunistische Erziehung der Schüler einer Klasse trägt. Hauptaufgaben des Klassenleiter sind die Planung und Führung der Persönlichkeitsentwicklung aller Schüler seiner Klasse im Rahmen der Entwicklung des Klassenkollektivs, die Befähigung der gewählten Organe und Pionierorganisation zur selbständigen, verantwortungsbewussten Gestaltung des Gruppenlebens und die Koordinierung der Einflussnahme aller am Erziehungsprozess beteiligten Kräfte (Fachlehrer, Horterzieher, Eltern, Gruppenpionierleiter, Gruppenleitung, Trainer, Arbeitsgemeinschaftsleiter u. a.).

Klassenstruktur: System der Wechselbeziehungen der Klassen und sozialen Schichten einer historisch konkreten Gesellschaftsformation. Die Klassenstruktur ist abhängig von der ökonomischen Struktur, sie wird durch die Produktionsverhältnisse bestimmt. Die Klassenstruktur weist Grundklassen (die von der jeweiligen Produktionsweise hervorgebracht werden), Nebenklassen (Überreste früherer beziehungsweise Keimformen neuer Produktionsweisen) sowie soziale Schichten auf. Charakteristisch für die Klassenstruktur der kapitalistischen Gesellschaft ist die Existenz und das antagonistische Verhältnis von Bourgeoisie und Proletariat sowie das Vorhandensein weiterer Klassen und sozialer Schichten. Die sozialistische Gesellschaft weist eine qualitativ neue Klassenstruktur auf, die sich in der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus herausbildet. Dazu gehören die Arbeiterklasse, die Klasse der Genossenschaftsbauern, die soziale Schicht der Intelligenz sowie weitere Gruppen sozialistischer Werktätiger. Auf der Grundlage des gesellschaftlichen Eigentums an Produktionsmitteln, der führenden Rolle der Arbeiterklasse und der Gemeinsamkeit der Grundinteressen aller Klassen und Schichten erfolgt die allmähliche Annäherung der Klassen und Schichten und ihre schließliche Aufhebung beim Übergang zum Kommunismus. Die Klassenstruktur ist Kern einer umfassenden, differenzierten Sozialstruktur. Die wissenschaftliche Analyse der Klassenstruktur ermöglicht die Aufdeckung der Rolle und der Entwicklungstendenzen der einzelnen Klassen und Schichten; sie ist eine wichtige Grundlage für die Führung des Klassenkampfes und die Leitung der sozialistischen Gesellschaft.

Klassenunterricht: hauptsächliche Organisationsform des Unterrichts, bei der Schüler eines Schulalters in Klassen zusammengefasst unterrichtet werden; im sozialistischen Schulwesen ist der Klassenunterricht auf Schuljahresbasis Prinzip.

Klassenzeichen: im Rahmen der Bodenschätzung zusammenfassender Ausdruck für das Kartierungsergebnis; bei Ackerböden setzt es sich aus den Symbolen für die Bodenart, Zustandsstufe, geologische Entstehungsart, Bodenzahl und Ackerzahl zusammen.

Klassieren: Verfahrenstechnik Grundprozess, der zum Sortieren von Körnern in Korngrößenbereiche dient. Als Trennmerkmal werden entweder die geometrischen Abmessungen (zum Beispiel Durchmesser) der Körner oder deren Sinkgeschwindigkeit in Medien (zum Beispiel Wasser, Luft) benutzt. Im ersten Fall spricht man vom Siebklassieren, im letzteren je nach Medium vom nassen Stromklassieren beziehungsweise Sichten. Entsprechende Klassierer werden in Erzaufbereitungsbetrieben in Mahlkreisläufen, zum Abtrennen von Schlämmen aus Rohsanden und so weiter eingesetzt.

Klassifikator: technische Einrichtung zur automatischen Klassifikation, das heißt zur Einordnung einer Menge von Dingen (Situationen) in Klassen auf Grund bestimmter Merkmale, wobei diesen Klassen bestimmte Aussagen (Bedeutungen) zugeordnet werden können; Anwendungen zum Beispiel für die Diagnose in der Medizin und bei komplexen technologischen unter anderen Prozessen.

Klassik: Blütezeit einer Literatur oder Kultur im Sinne der Vollkommenheit und Mustergültigkeit (Klassizität); ursprünglich im Sinne J. J. Winckelmanns die (idealisierte) Antike als Vorbild der bürgerlichen Kunst und Literatur; deutsche Literatur. In der Musik ist Klassik vorrangig ein Epochenbegriff, mit dem man früher fast ausschließlich die Wiener Klassik bezeichnete, der aber sowohl geographisch als auch zeitlich bedeutend erweitert werden muss. In diesem weiteren Sinne kann als Epoche der Aufklärung und Klassik die Zeit seit J. S. Bachs und G. F. Handels Meisterschaft (etwa 1710) bis zum Höhepunkt der Beethovenschen Wirksamkeit (1814) gelten. Zugleich weist der Begriff auf den humanistischen-realistischen Gehalt und auf die kompositorische Qualität jener Musik hin, er kann darüber hinaus aber auch Komponisten oder Gruppen von Komponisten aus anderen Epochen bezeichnen, die durch die Meisterschaft ihrer Werke vorbildhaft geblieben sind, so etwa J. Brahms oder H. Eisler (als erster Klassiker der sozialistischen deutschen Musik).

Klassik, französische: an die Antikenrezeption der Renaissance anknüpfende literarische Hauptströmung des 17. Jahrhundert Sie war, philosophisch dem Rationalismus, ästhetisch dem Aristotelismus verpflichtet, an der Durchsetzung von gesellschaftlichen Verhaltensnormen orientiert, wie sie sich aus der für den entwickelten Absolutismus charakteristischen Interessenübereinstimmung von Adel und reichem Bürgertum (La Cour et la ville) ergaben. Die ästhetische Fixierung der französischen Klassik erfolgte durch N. Boileau-Despreaux.

Klassiker: im engeren Sinne die hervorragenden, repräsentativen Vertreter einer solchen Epoche der Kunst und Literatur, in der sich die gesellschaftlichen Ideale einer historischen Etappe deutlich ausprägen (zum Beispiel der deutschen Klassik); im weiteren Sinne werden als Klassiker diejenigen Künstler bezeichnet, die Werke schufen, die zum kulturellen Erbe in internationalem Maßstab geworden sind und als beständige Anregung in folgende Epochen hinein wirken; ferner Hauptvertreter klassischer Perioden einer Wissenschaft (zum Beispiel Klassiker Marx, F. Engels und W. I. Lenin als Klassiker des Marxismus-Leninismus).

klassische bürgerliche politische Ökonomie, klassische Schule: wissenschaftlicher Höhepunkt der antifeudalen bürgerlichen politische Ökonomie in Westeuropa von der Mitte des 17. bis zum Anfang des 19. Jahrhundert; Hauptvertreter waren W. Petty, F. Quesnay, A. R. Turgot, A Smith und D. Ricardo. Ihr historischer Verdienst besteht darin, die Analyse der kapitalistischen Produktion zum Hauptgegenstand der ökonomischen Forschung gemacht und die Abhängigkeit der Verteitungs- und Einkommensverhältnisse von den Produktionsverhältnissen erkannt zu haben. Ihre größte Leistung ist die Begründung der Arbeitswerttheorie, die Erkenntnis des Mehrwerts als Aneignung unbezahlter Arbeit sowie des Klassengegensatzes von Lohnarbeit und Kapital; eine der Quellen des Marxismus, Ausgangspunkt für die revolutionäre Umwälzung der politischen Ökonomie durch Marx. Grundmangel ist die unhistorische Behandlung der ökonomischen Probleme; diente ideologisch der Durchsetzung und Festigung des Kapitalismus in seiner Aufstiegsperiode, klassische deutsche Philosophie: an die Aufklärung und die Ideen der Franzos. Revolution anknüpfende, von der Mitte des 18. bis weit in das 19. Jahrhundert reichende progressive philosophische Strömung, die die bürgerliche Revolution in Deutschland vorbereiten half und zu einer Quelle des Marxismus wurde. Über den Empirismus und metaphysischen Materialismus hinausgehend, die insbesondere den Erkenntnisinhalt untersucht hatten, bereitete die klassische bürgerliche politische Ökonomie durch die Analyse der Erkenntnis (Denken und Sinnlichkeit) einerseits wesentlich das materialistischen dialektischen Verständnis der Prozesse in Natur, Gesellschaft und Denken vor (I. Kant, J. G. Fichte, F. W. J. Schelling, G. F. W. Hegel, L. Feuerbach), andererseits führte die Verabsolutierung dieser Formen, besonders des Denkens, notwendig zum erkenntnistheoretischen und praktischen Idealismus der klassischen bürgerlichen politischen Ökonomie. Auf ihren Leistungen kritisch aufbauend, schufen Marx und Engels den dialektischen und historischen Materialismus, der eine Revolution im philosophischen Denken darstellt.

klassische Philologie, Altphilologie: Wissenschaft, die die Entwicklung der griechischen und römischen Kultur in der Zeit der Antike auf der Grundlage ihrer Sprachen und Literaturen erforscht. Mit der alten Geschichte, der Archäologie und einigen sogenannt Hilfswissenschaften (Papyrologie, Epigraphik, Numismatik, Paläographie) zusammen stellt sie die griechische-römische Altertumswissenschaft dar. Die klassische Philologie verwertet in ihren besten Leistungen ein humanistisches Erbe von Weltbedeutung, das in der sozialistischen Gesellschaft auf breitester Grundlage erschlossen wird.

Klassische Rennen: 1. Pferderennsport: Galopprennen.

2. Radsport: traditionelle Straßenrennen mit hohen Leistungsanforderungen.

Klassischer Ringkampf Ringen, klassischer Tanz: in Akademien und Ballettschulen gelehrte Tanztechnik für den Bühnentanz; entwickelt von der Académie royale de danse in Paris unter Leitung von Pierre Beauchamp (1636-1705); Weiterentwicklung des Lehrsystems durch Carlo Blasis (1795-1878), Enrico Cecchetti (1850-1928), Agrippina Jakowlewna Waganowa (1879-1951) unter anderem Tanzpädagogen. Alle Bewegungsformen sind nach einem hochstilisierten Kodex genau festgelegt. Früher bezeichnete man mit klassischen Tanz nur die im Exercice gelehrten Schulschritte, Haltungen und Gesten, seit Beginn des 20. Jahrhundert auch die in dieser Technik gestalteten Ballette (klassisches Ballett).

Klassizismus: antikisierende Stilrichtung, die sich meist entschieden an die klassische griechische und römische Kunst und Literatur anlehnt. Ansätze dazu gab es in fast allen späteren Stilepochen, besonders in der Renaissance, wo der Klassizismus programmatische Bedeutung erlangte. Das aufstrebende Bürgertum entwickelte nach antikem Vorbild eine neue enge Beziehung zur Wirklichkeit und zum Menschen. Eine Leistung des Klassizismus bestand auch in der Förderung des nationalen Gedankens und der nationalen Literatursprachen. Die Kunstwissenschaft verwendet die Bezeichnung K für

a) eine Mitte des 16. Jahrhundert in Oberitalien einsetzende Strömung der europäischen Architektur, hauptsächlich in der Fassadengestaltung, die nach ihrem Urheber A. Palladio auch Palladianische Klassizismus genannt wird. Allg. Merkmale sind klar und streng gegliederte Fassaden und sparsam eingesetzte Bauplastik. Der Palladianische Klassizismus ist im 17. Jahrhundert vorwiegend in England, Frankreich und Holland wirksam und wird von der ökonomisch erstarkten bürgerlichen Schicht in der Periode des Absolutismus getragen,

b) eine Stilstufe der europäischen Kunst in all ihren Erscheinungsformen von etwa 1770 bis 1830, mitunter auch Neu- oder Neoklassizismus genannt. Modifiziert nach der gesellschaftlichen Situation in den einzelnen Ländern, wurde der Klassizismus wirksam als Ausdrucksträger der bürgerlich-revolutionären Bewegungen seiner Zeit in der Reaktion gegen die den Barock tragenden kirchlichen und weltliche Kräfte des Absolutismus. Das allgemeine Verlangen nach Beruhigung und Klärung der Formen, wie sie das Vorbild der Antike bot, wurde gefördert durch archäologische Funde in Italien (Pompeji), dem eigentlichen Ursprungsland des Klassizismus Über Anregungen aus Frankreich, wo die politische Verhältnisse seine Bestrebungen unterstützten, über die Niederlande und teilweise auch Großbritannien kam er nach Deutschland; hier wirkten J. J. Winckelmann und G. E. Lessing als seine theoretischen Wegbereiter. Eine qualitätvolle Variante des Klassizismus in eigenständiger Umformung entstand auch auf russischen Boden. Die Architektur des Klassizismus übernahm zwar die charakteristischen Elemente der antiken Baukunst (Säulen, Dreiecksgiebel, Halbkreisbögen und Tonnenwölbung), verarbeitete sie aber zu einer neuen organisch gefügten Einheit, fern bloßer Nachahmung. Jedes Bauwerk ist im Ganzen wie in seinen Teilen ein in sich ruhender Körper; die Dekoration ist maßvoll und streng symmetrisch. Neben Kirchen und Schlösser treten durch die neuen Bedürfnisse des Bürgertums als neue Bauaufgaben Theater, Verwaltungsbauten, Schulen und Museen; Veränderungen ergeben sich im Städte- (Stadtprojekte, -Planungen) und Ingenieurbau (Verwendung neuer Materialien, typisierende Elemente). Die bedeutendsten Baumeister sind in Deutschland F. Schinkel, in Frankreich J. G. Soufflot, in Großbritannien die Brüder R. und J. Adam und in Russland G. Quarenghi. Im Mittelpunkt der antike Themen bevorzugenden Malerei und Plastik steht die menschliche Gestalt. Der Prototyp der Plastik wurde von A. Canova und B. Thorvaldsen geschaffen, die zu ihrer Zeit europäische Geltung besaßen. Wichtigstes Kompositionselement der klassizistischen Malerei ist die Linie. Die Gemälde zeigen kühle Farbgebung bei trockener Malweise; ihre Komposition ist klar und streng, oft relief- oder friesartig. Unter dem Einfluss der Ideen Winckelmanns bekannte sich A. R. Mengs mit dem Deckengemälde «Der Parnaß» (Rom, Villa Albani; 1761) als einer der ersten zur klassizistischen Doktrin. Das Programm zur klassizistischen Malerei gab der Franzose J. L. David in seinem Gemälde «Schwur der Horatier», 1784. Es ist ein Zeugnis der Parteinahme eines Künstlers für den revolutionären Kampf des französischen Bürgertums.

klassizistische Antiqua: Schriftgattung, die bedeutende Breitenunterschiede zwischen Grund- und Verbindungsstrichen aufweist; die Verdickungen bei Rundungen liegen sich horizontal gegenüber, klastisch (griechisch klastos, «zerbrochen») heißen Sedimente (zum Beispiel Grauwacke), die aus Bruchstücken anderer Gesteine oder Minerale entstanden sind.

Klauben: (althochdeutsch) Aussortieren mineralhaltiger Stücke aus dem Rohfördergut von Hand; älteste und einfachste Form der Anreicherung, zum Teil heute noch angewendet, um die sich daran anschließende Aufbereitung zu entlasten.

Klaue: 1. Klaue, Kerze: Bautechnik - dreieckförmiger Ausschnitt am Ende (Kopf) oder auf der Seite eines Kantholzes zur Auflagerung oder Verbindung zweier in unterschiedlicher Richtung liegender Hölzer.

2. Klaue, Steinklaue: Bergbau - brechstangenähnliches Werkzeug zum Versetzen oder Heben von Hausteinen.

3. Rauchwarenkunde: Fellteil vom Kniegelenk bis zur Pfote des Pelztieres.

4. Zoologie: Huf.

Klauenerkrankungen: durch Stoffwechselstörungen, Infektionen, Verletzungen oder durch fehlerhafte Haltung beziehungsweise mangelhafte Klauenpflege bedingte Veränderungen an den Klauen. Klauenerkrankungen rufen Lahmheit der Tiere hervor. Man unterscheidet Erkrankungen der Klauenlederhaut (Hufrehe, Klauensohlengeschwür), Formveränderungen der Klaue (zum Beispiel Zwangsklaue) sowie Trennungen im Klauenhorn.

Klauenöl, Klauenfett: aus Fuß- und Schienbeinknochen von Rindern und Schafen sowie Pferdehufen extrahiertes oder mit Wasserdampf ausgetriebenes gelbbraunes fettes Öl. Klauenöl wird als Uhren-, Leder- und Rostschutz Öl genutzt; Rinderklauenöl findet in der Dermatologie Verwendung.

Klauenpflege: regelmäßige Kontrolle des Klauenhornwachstums und Reinigung sowie Korrektur der Klauen durch Beschneiden.

Klauenpolanordnung: spezielle Anordnung des magnetischen Kreises elektrischer Maschinen, wobei der magnetische Fluss einer Ringspule von einem Blech mit schmalen Zungen, den Klauenpolen, geführt wird.

Klauer, Martin Gottlieb, 29.8.1742-4.4.1801, Bildhauer; seine Büsten von J. W. Goethe und dessen Kreis in Weimar sind historisch bedeutsam durch ihre realistische Darstellungstreue.

Klausel: Recht einschränkende Bedingung, Vorbehalt, vereinbarte Vertragsbestimmung.

Klausenpaß: Pass in der mittleren Schweiz (Kanton Uri); 1948 m; über ihn führt die Klausenstrasse, die die Kantone Glarus und Uri verbindet.

Klausur: 1. Teil eines Klosters, der von Außenstehenden (außer Priestern und Ärzten) nicht betreten werden darf.

2. beaufsichtigte schriftliche Prüfungsarbeit (im geschlossenen Raum); geschlossene Arbeitsberatung.

Klavier: (französisch clavier, «Tastatur», lateinisch clavis, «Schlüssel») ursprünglich Bezeichnung für alle Tasteninstrumente, auch die Orgel, seit dem 19. Jahrhundert für Tasteninstrumente mit Hammermechanik (Pianoforte), bei denen die Tonerzeugung durch belederte, später befilzte Hämmer, die durch einen Tastenmechanismus die Saiten anschlagen, erfolgt. Das Hammerklavier wurde kurz vor 1700 von B. Cristofori in Florenz erfunden, in Deutschland von G. und J. H. Silbermann, danach von englischen und französischen Klavierbauern weiterentwickelt. An die englische Mechanik mit ihren kraftvollen Anschlagmöglichkeiten knüpft der Klavierbau des 19. und 20. Jahrhundert an, wobei noch die Repetitionsmechanik von S. Erard (Paris 1821), durch die eine Wiederholung des Tones in kürzester Zeit und dadurch das virtuose Klavierspiel des 19./20. Jahrhundert möglich wurden, sowie Eisengussrahmen und kreuzsaitiger Bezug wichtig sind. Unabhängig davon entwickelte J. A. Stein um 1770 die deutsche Mechanik (Prell-, später Wiener Mechanik), deren leichter, singender Anschlag sich besonders für Haydn und Mozart eignet. An Bauformen gab es im 18. /19. Jahrhundert den Flügel, das Tafelklavier, mit aufrechtstehendem Gehäuse den Pyramiden-, den Giraffen- und den Lyraflügel sowie das Pian(in)o (heute Klavier im engeren Sinne). Das Klavier erlangte erst im letzten Drittel des 18. Jahrhundert größere Bedeutung, wurde dann aber bald zum wichtigsten Konzert- und Hausmusikinstrument.

Klavierauszug: Zusammenfassung einer (Opern-, Orchester- oder anderen) Partitur in ein auf dem Klavier spielbares Notensystem.

Klebe, Giselher, geboren 28.6.1925, Komponist; lehrt an der Musikakademie Detmold; schrieb Werke aller Gattungen und war besonders mit Opern (unter anderem «Die Räuber», «Jakubowsky und der Oberst», «Das Mädchen von Domremy») erfolgreich.

Klebebinden: fadenloses Buchbindeverfahren; die am Rücken abgeschnittenen oder abgefrästen und aufgerauten beziehungsweise im Falz geschlitzten Bogen(teile) oder Einzelblätter werden mittels Plastikklebstoffs zum Buchblock verbunden.

Klebeheften: das Vereinigen einzelner Bogenteile eines 8-, 12-, 16- oder 32seitigen Buchbinderbogens mittels einer im Falz des Bogens während des Durchlaufs durch den Falzapparat einer Rollendruckmaschine oder durch die Falzmaschine von einer Leimvorrichtung aufgebrachten schmalen Leimlinie.

Kleber: 1. Chemie: Klebstoffe.

2. Landwirtschaft: Gemenge von Eiweißen (Proteine) im Mehlkörper des Getreidekorns (zum Beispiel Gliadin und Glutenin im Weizen- und Roggen-, Hordein im Gersten-, Zein im Mais-, Oryzenin im Reiskorn). Klebermenge, -Zusammensetzung und -eigenschaften wechseln je nach Getreideart, Sorte, Anbaubedingungen und Klima.

Kleber, Jean Baptiste, 9.3.1753-14.6.1800 (ermordet), französischer Revolutionsgeneral; beteiligt an der Niederwerfung des Vendee Aufstandes (1793) sowie am entscheidenden Sieg über die Österreicher in der Schlacht bei Fleurus (1794) und an der Ägyptenexpedition Napoleon Bonapartes (1798/99). Kleber wurde 1799 Oberbefehlshaber der französischen Armee in Ägypten.

Kleblacke: streich- oder spritzfähige Lösungen von Klebgrundstoffen (Zellulosenitrate, Polyvinyl acetat, Kautschuk unter anderem) in leicht verdampfenden Organ. Lösungsmitteln.

Klebnoppen-Textilien: textile Flächengebilde mit polschlingenartig gelegtem und aufgeklebtem Faden; für Auslegeware, Teppiche.

Klebstoffe, Kleber: Substanzen oder Substanzgemische, die Festkörper durch Adhäsion (Haftung ihrer Moleküle an den zu verklebenden Flächen) und Kohäsion (Zusammenhalt zwischen den Klebstoffmolekülen) dauerhaft miteinander verbinden. Die Klebstoffe bestehen aus Klebgrundstoffen, die gequollen (Kleister, Klebpasten), gelöst (Leime in Wasser, Kleb-lacke in organischen Lösungsmitteln), suspendiert oder emulgiert (Dispersionsklebstoffe) sowie auch geschmolzen (Schmelzklebstoffe) zur Anwendung kommen und mit Füllstoffen, Streckmitteln, Weichmachern und Netzmitteln versehen sein können. Klebkitte sind sehr füllstoffreich und dienen zum Verbinden größerer Fugen. Klebfolien, zum Beispiel Klebbänder, sind ein- und zweiseitig mit Klebstoffe versehen oder bestehen durchweg aus dem Klebstoffe Das Verfestigen der Klebstoffe erfolgt entweder physikalisch durch Verdunsten des Lösungs- beziehungsweise Dispergiermittels beziehungsweise durch Erstarren der Schmelze, oder es erfolgt chemisch durch Reaktion zweier Komponenten (Reaktionsklebstoffe) oder mit Bestandteilen der Luft (Sauerstoff, Wasserdampf). Siehe auch Kontaktklebstoff.

Klebvliesstoff: textiles Flächengebilde aus Faserschichten oder Krempelvliesen, das meist auf hoch-produktiven Kontinueanlagen durch Imprägnieren, Besprühen oder Aufdrucken klebender Bindemittel bei Einwirkung von Wärme und beziehungsweise oder Druck verfestigt wird; für Einlagestoff, technische Zwecke unter anderem blühender krautiger Schmetterlingsblütler mit dreizähligen Blättern und dichten kugeligen Blütenköpfen; wertvolle Futterpflanzen sind zum Beispiel der Rot-Klebvliesstoff (T. pratense) mit roten Blüten, der Weiß-Klebvliesstoff (T. repens) mit kriechenden Ausläufern und weißen Blüten, der Schweden-Klebvliesstoff (T. hybridum) mit rötlich-weißen Blüten und der Inkarnat-Klebvliesstoff (T. incarnatum) mit blutroten Blüten in länglichen Köpfen.

Klee, Paul, 18.12.1879-29.6.1940, schweizerischer Maler und Graphiker; 1898/1901 Studium an der Münchner Akademie der bildenden Künste, 1911 Verbindung zum Blauen Reiter, 1921/31 Lehrtätigkeit am Staatlichen Bauhaus und bis 1933 an der Düsseldorfer Akademie; 1933 durch den Hitlerfaschismus als «entartet» verfeint. Klee entwickelte in einer ihm eigenen Bild- und Formensprache, die warme, zart leuchtende Farben vor zurückhaltendem Grund und einen dünnlinigen Strich bevorzugt, seine phantastisch-skurrilen Traumvorstellungen als Reflexion auf die widerspruchsvolle spätbürgerliche Gesellschaft.

Kleefarn, Marsilea quadrifolia: auf Sumpfboden wachsender Farn mit langgestielten, vierblättrigem Klee ähnliche Blättern.

Kleekrankheit: besonders bei Pferden auftretende Erkrankung, die nach ausschließlich Verfütterung von Schwedenklee auftritt. Die Kleekrankheit ist durch Anschwellungen des Kopfes gekennzeichnet. Ursache soll ein Farbstoff im Klee sein, der zu einer Fotosensibilität führt.

Kleiber, (zu «kleben») Sittidae: etwa sperlingsgroße Singvögel Eurasiens und Nordamerikas; klettern nach Art der Spechte auch kopfunter gewandt an Bäumen und Felsen, haben aber keinen Stützschwanz; meist wird der Eingang der Bruthöhle mit Lehm verengt.

Kleiber: 1. Carlos Kleiber, geboren 3.7.1930, argentinischer Dirigent; Sohn von Kleiber 2; wirkte in La Plata, München, Wien, Düsseldorf, Zürich; seit 1966 GMD in Stuttgart; auch bei Gastdirigaten sehr erfolgreich.

2. Erich Kleiber, 5.8.1890-27.1.1956, österreichischer Dirigent; war unter anderem 1923/35 GMD an der Berliner Staatsoper; lebte seit 1935 in der Emigration und wirkte unter anderem 1937/49 in Buenos Aires.

3. Günther Kleiber, geboren 16.9.1931, Politiker, Elektriker, Diplomingenieur; Mitglied der SED seit 1950, nach dem Studium leitende Funktionen im Partei- und Staatsapparat; Mitglied des ZK der SED seit 1967, 1967/84 Kandidat, seit 1984 Mitglied des Politbüros des ZK der SED; 1966 Stellvertreter des Ministers für Elektrotechnik und Elektronik, 1966/71 Staatssekretär im Ministerrat, 1973/86 Minister für Allgemeinen Maschinen-, Landmaschinen- und Fahrzeugbau; seit 1971 Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der DDR; seit 1986 Ständiger Vertreter der DDR im RGW; Abgeordneter der Volkskammer seit 1967.

Kleideraffe, Pygathrix nemaeus: bis 75 cm großer, sehr bunter Schlankaffe ohne Haarschopf, mit weißem Backenbart; Bewohner tropischer Regenwälder von Laos, Vietnam und der Insel Hainan.

Kleidermotte, Tineola bisselliella: weltweit verbreitete, etwa 1 cm spannende Mottenart; Raupe frisst unter anderem Wolle, Pelze, Federn. Siehe auch Motten.

Kleiderordnung: Verordnung, die, von weltlicher und geistlicher Obrigkeit erlassen, einzelnen Ständen Stoffwahl, Farben, Schnitt der Kleidung samt deren Schmuck vorschrieb, zum Beispiel den niederen Ständen repräsentative Formen verbot, die jedoch den herrschenden Gesellschaftsschichten gestattet waren. Die schon im Altertum, besonders aber im 14., 16. und 17. Jahrhundert verhängten Kleiderordnungen trugen zur Betonung der Klassenunterschiede bei. Mit der Franzos. Revolution verschwand die Kleiderordnung Für bestimmte Berufsgruppen (zum Beispiel Polizei, Post, Eisenbahn) besteht eine Kleiderordnung Siehe auch Uniform.

Kleidervögel, Drepanididae: auf den Hawaii-Inseln lebende vielgestaltige Familie zum Teil ausgerotteter bunter, bis 15 cm langer Singvögel, deren Entstehung ähnlich verlief wie die der Darwinfinken. Ihr Gefieder wurde zu Federmänteln der polynesischen Könige verarbeitet.

Kleie: (zu «kleben») Nebenprodukt der Müllerei; besteht aus Schalenteilen, äußeren Schichten der Körner und Keimlingen; zu den Konzentraten gehörendes Futtermittel.

Kleiekotzer: Kleie Austrittsöffnung an alten Getreidemühlen, oft maskenartig gestaltet.

Klein: 1. Dieter Klein, geboren 15.10.1931, Wirtschaftswissenschaftler; Professor für politische Ökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Klein trat besonders hervor durch Arbeiten über die Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus, der allgemeinen Krise des Kapitalismus, über den Kampf zwischen den beiden Weltsystemen und in der Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Futurologie.

2. Eduard Klein, geboren 25.7.1923, Schriftsteller; 1939/53 Emigration in Chile; verfasste gesellschaftskritische Abenteuerromane («Die Straße nach San Carlos», 1965; «Die Smaragdmine», 1979) sowie Gegenwartsromane («Alchimisten», 1967; «Nächstes Jahr in Jerusalem», 1976; «Die Last der Berge», 1982).

3. Felix Klein, 25.4.1849-22.6.1925, Mathematiker; begründete mit dem Erlanger Programm die neuere Geometrie, gab ein ebenes Modell der nichteuklidische Geometrie an, lieferte bedeutende Arbeiten zur Funktionentheorie und zur Theorie, des Kreisels; arbeitete erfolgreich als Wissenschaftsorganisator und zu pädagogischen Problemen.

Kleinasien, Anatolien (griechisch, «Morgenland»): Halbinsel im Westen Asiens, zwischen Schwarzem, Ägäischem und Mittelmeer; gehört politisch zur Türkei; etwa 500000 km2. Den Kern bildet das von teilweise über 3000 m aufragenden Randgebirgen (Taurus, Pont. Gebirge) umgebene 800 bis 1000 m hohe Inneranatolisches Hochland, das in einzelne Becken (teilweise mit Binnenentwässerung) und Gebirgsmassive und -horste gegliedert ist; erdbebenreich.

Kleinau, Willy A., 12.11.1907-18.10.1957 (Autounfall), Schauspieler; gehörte seit 1949 als Mitglied des Deutschen Theaters, Berlin, zu den herausragenden Charakterdarstellern (Jegor Bulytschow, Othello, König Lear); spielte auch in vielen Filmen («Der Rat der Götter», «Die Unbesiegbaren»).

Kleinbahn, Lokalbahn: normal- oder schmalspurige Eisenbahn des öffentlichen Eisenbahnverkehrs mit vereinfachten Betriebsverhältnissen. Schmalspurige Kleinbahn haben meist technische Einrichtungen (Rollfahrzeuge) für den Transport normalspuriger Güterwagen.

Kleinbären, Procyonidae: Raubtiere von marder- bis bärenähnlicher Gestalt; Sohlen- oder Halbsohlengänger; gute Kletterer; vorwiegend nachtaktive Allesfresser. Ursprünglichster Vertreter ist das Katzenfrett (Bassariscus astutus) Mittel- und Nordamerikas; siehe auch Waschbären, Nasenbären.

Kleinbildkamera: fotografischer Aufnahmeapparat (meist mit starrem Gehäuse) mit den Aufnahmeformaten 24 mm x 24 mm bis 24 mm x 36 mm (Kleinbild), bei dem als Aufnahmematerial der beiderseitig perforierte 35 mm breite Kleinbildfilm (in Kassette) verwendet wird. Siehe auch Kamera, Spiegelreflexkamera.

kleinbürgerlicher Sozialismus: soziale Strömung, die ökonomischen Widersprüche, soziale Gegensätze, Ausbeutung und Entrechtung der Werktätigen im Kapitalismus aus der Sicht der vom Großkapital bedrohten Kleinproduktion kritisiert (S. Sismondi), die Lösung der sozialen Frage von der Verallgemeinerung des Kleineigentums erwartet (J. P. Proudhon), genossenschaftliche Umwandlung mit Staatshilfe (L. Blanc) oder Geld- und Kreditreformen erstrebt sowie auf abstrakte Moralnormen pocht und den Klassenkampf wie die Notwendigkeit einer selbständigen proletarischen Klassenorganisation ablehnt.

Kleinbürgertum: mit dem Kapitalismus entstandene kleine Warenproduzenten, die Eigentümer von Produktionsmitteln sind (Bauern, Handwerker, Gewerbetreibende, Einzelhändler), jedoch nicht von der Ausbeutung anderer leben. Im Kapitalismus nimmt das Kleinbürgertum eine Zwischenstellung zwischen Proletariat und Bourgeoisie ein (Mittelstand, Mittelschichten) und gerät in immer stärkere Abhängigkeit vom Monopolkapital. Das Kleinbürgertum, auf Grund seiner ökonomischen Lage außerordentlich differenziert und zu politischen Labilität neigend, kann sich nur im engen Bündnis mit der Arbeiterklasse befreien. Im Verlauf der sozialistischen Umgestaltung wird das Kleinbürgertum als ein Bündnispartner der Arbeiterklasse in vielfältiger Weise (zum Beispiel durch Genossenschaften) in den sozialistischen Aufbau einbezogen. Seine Angehörigen entwickeln sich zu sozialistischen Werktätigen, die einen wert-vollen Beitrag bei der weiteren Gestaltung der neuen Gesellschaft leisten.

Kleindarsteller: bei Bühne, Film und Fernsehen Darsteller kleiner, oft textloser Handlungsaufgaben. Die Bezeichnung Kleindarsteller ersetzt allmählich die Bezeichnung Statist oder Komparse.

Kleindeutsche: in der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 geprägte Bezeichnung für die Vertreter der Klassenkräfte, die, im Unterschied zu den sogenannt Großdeutschen, die Herstellung des bürgerlichen deutschen Nationalstaates unter Führung Preußens bei Ausschluss Österreichs erstrebten.

Kleine Entente: unter französischer Vorherrschaft 1920/21 zwischen der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Rumänien gebildeter imperialistischer Block; mit dem rumänisch-polnisches Bündnis 1921 wurde auch Polen de facto einbezogen. Die Kleine Entente war gegen die UdSSR und die revolutionäre Bewegung in Mittel- und Südosteuropa gerichtet, zielte auf die Erhaltung des Versailler Systems im Donauraum ab und bekämpfte die ungarischen Pläne zur Revision des Vertrages von Trianon sowie die Restaurationsabsichten der Habsburger. 1937/38 zerfiel sie unter dem Druck des deutschen und italienischen Faschismus.

Kleineidam, Horst, geboren 23.6.1932, Dramatiker; begann als schreibender Arbeiter («Der Millionenschmidt», 1962; «Von Riesen und Menschen», 1967; «Hinter dem Regenbogen», 1975, Stück über den Bauernkrieg); schrieb humorvolle Einakter über den sozialistischen Alltag («Barfuß nach Langenhanshagen», 1968).

kleine Rechte: Urheberrecht Bezeichnung für die Rechte an nichtdramatischen Werken der Musik. Siehe auch Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte auf dem Gebiete der Musik.

Kleiner Norden: Großlandschaft in Chile, zwischen den Flüssen Huasco und Aconcagua, umfasst Teile der Hoch- und Küstenkordillere; bei semiaridem, im nördlichen Teil auch an dem Klima subtropischer Zwergstrauchformationen mit Kakteen, am Westabfall der Hauptkordillere auch Wald; in den Tal-Oasen intensiver Bewässerungsfeldbau (Apfelsinen, Zitronen, Feigen); Abbau von Eisen-, Mangan-, Kupfererzen.

Kleinert, Rolf, 24.11.1911-21.1.1975, Dirigent; war unter anderem 1951/73 Dirigent (1959 GMD) des Berliner Rundfunk-Sinfonieorchesters und als Gastdirigent auch im Ausland erfolgreich.

Kleine Spiele, Bewegungsspiele: vielseitige Bewegungsformen, meist mit Wettkampfcharakter, jedoch ohne amtliche Wettkampfbestimmungen. Spielregeln und -verlauf können den jeweiligen Verhältnissen oder pädagogische Absichten entsprechend vereinbart werden. Kleine Spiele werden in Lauf-, Ball-, Kraft- und Gewandtheits-, in Geschicklichkeits- sowie Singspiele gegliedert und sind vorzüglich für den Freizeit- und Erholungssport geeignet; werden aber auch im Training angewendet.

Kleingarten: in der Regel 200 bis 500 m2 großes Gartengrundstück. Kleingärten sind häufig zu einer Kleingartenanlage (Kleingartensparte) zusammengefasst; oft an Stadträndern als «Staatlich anerkanntes Naherholungsgebiet» ausgewiesen.

kleingärtnerische Bodennutzung: der Erholung dienende Form der Nutzung von Bodenflächen durch Bürger gegen Entgelt auf der Grundlage eines schriftlichen, in der Regel unbefristeten Vertrages. Sie kann im Rahmen einer Kleingartenanlage erfolgen. Die kleingärtnerische Bodennutzung gewinnt an volkswirtschaftlicher Bedeutung durch die Produktion von Gemüse, Obst und anderen Erzeugnissen für den Eigenbedarf der Bodennutzer und für die übrige Bevölkerung. Insoweit ist die kleingärtnerische Bodennutzung Bestandteil der staatlichen Pläne der Kreise und Gemeinden.

Klein-Gordon-Gleichung: (nach einem schwedischen und einem deutsch Physiker) relativistische Verallgemeinerung der Schrödinger-Gleichung für kräftefreie Teilchen mit Ruhmasse m0 =t= 0 ohne Spin.

Kleinhirn, Cerebellum: in der hinteren Schädelgrube liegender Teil des Gehirns. Das Kleinhirn besteht aus einem mittleren Teil, dem Wurm (Vermis), und den beiden seitlichen Hemisphären; es koordiniert die Bewegungen beziehungsweise Bewegungsabläufe der Skelettmuskulatur und erhält den Muskeltonus sowie das Gleichgewicht.

Kleinkaliber, Abkürzung KK: kleinkalibrige Patronenmunition von 5,6 mm.

Kleinkraftrad: Sammelbegriff für Mofa (einfachstes Kleinkraftrad, mit Tretkurbel gestartet, einsitzig), Moped (ein- oder zweisitzig, mit Tretkurbel gestartet), Mokick (ein- oder zweisitzig, mit Fußrasten und Kickstarter) und Kleinroller (Motorroller). Zum Führen eines Kleinkraftrad ist in der DDR der Führerschein der Klasse M erforderlich; siehe auch Kraftrad, Simson.

Kleinkunst: veralteter Sammelbegriff für Conference, Vortrag, Tanz, Artistik u. ä. in Tanzkabaretts und so weiter

Kleinlederwaren, Täschnerwaren: aus Leder, Kunstleder und Textilien gefertigte Brieftaschen, Geldbörsen, Etuis unter anderem

Kleinmeister: Gruppe deutscher Kupferstecher des 16. Jahrhundert; sie schufen Stiche kleinen Formats mit volkstümlichen genrehaften Zügen. Neben Sittenschilderungen findet sich vielfach reformatorische Thematik. Ihre Ornamentstiche vermitteln als Vorlageblätter für das Kunsthandwerk Formen der italienischen Renaissance. Zu den Hauptvertretern zählen A. Altdorfer, H. Aldegrever, die Nürnberger Brüder Sebald und Georg Pencz, in Augsburg die Familie Hopfer.

Kleinod: (althochdeutsch) Teil der Ritterrüstung (Helmkleinod); feine, zierliche Sache, wertvolles Geschenk, Schmuckstück.

Kleinoffsetdruck: auf kleinformatigen Druckmaschinen (Papierformat bis etwa 50 cm x 70 cm) ausgeführter Offsetdruck zur Herstellung von Druckprodukten in kleineren Auflagen (10000 Exemplare).

Kleinpferde: Pferde mit einer bestimmten Widerristhöhe. Der konstitutionsharte, fruchtbare, genügsame und gutmütige Haflinger aus Tirol ist in der DDR vorherrschend. Weitere Kleinpferde sind unter anderem das Norwegische Fjordpferd und das kleinste unter den Kleinpferden, das Shetlandpony mit einer Widerristhöhe von nur 85 bis 110 cm.

Kleinsignalverstärker: elektronische, vorwiegend transistorisierte Schaltung zur verzerrungsfreien Verstärkung kleiner Analogsignale. Die Aussteuerung erfolgt im Transistorkennlinienfeld nur in unmittelbarer Umgebung des Arbeitspunktes.

Kleinsportanlage: Sportanlage auf begrenzten Freiflächen (zum Beispiel in Wohngebieten) mit verschiedenen, zur Mehrzwecknutzung angelegten Sportflächen (oft mit verringerten Abmessungen) und Geräten.

Kleinstbildkamera: fotografischer Aufnahmeapparat mit einem Aufnahmeformat kleiner als 18 mm x 24 mm (Kleinstbild), heute meist 13 mm x 17 mm, bei dem als Aufnahmematerial 16 mm breiter Schmalfilm verwendet wird. Siehe auch Kamera, Taschenkamera.

kleinstes gemeinsames Vielfaches: die kleinste Zahl, die ein Vielfaches von jeder der gegebenen Zahlen ist, von 3, 4 und 6 zum Beispiel sind 12, 24, 36, ... gemeinsame Vielfache, 12 ist das kleinste gemeinsame Vielfaches.

Kleintransporter: Kraftwagen für Nutzmasse.

Kleinuhr: Uhr, die zum Tragen am Körper bestimmt ist (Taschen- oder Armbanduhr) und deren Schwingsystem in allen Lagen zuverlässig arbeiten muss. Der Antrieb erfolgt über eine Zugfeder oder eine elektrische Zelle in Knopfformat.

Kleinvieh: zusammenfassende Bezeichnung für kleinere Nutztiere, wie Geflügel, Kaninchen, Bienen, Seidenraupen, Edelpelztiere und Ziegen. Mit der Kleintierzucht befassen sich neben Spezialbetrieben in der DDR insbesondere Mitglieder des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter.

Kleist: 1. Ewald Christian von Kleist, 7.3.1715-24.8.1759, Dichter; stand J. W. L. Gleim nahe, überwand aber dessen Verspieltheit; schrieb Naturidyllen («Der Frühling», 1749) sowie Oden und Fabeln im Geiste der Aufklärung.

2. Heinrich von Kleist, 18.10.1777-21.11.1811 (Selbsttötung), Schriftsteller; entstammte einer preußischen Offiziersfamilie. Auf der Suche nach festem «Lebensplan» und im Ringen um seine Kunstwerke durchlitt Kleist viele Krisen und blieb weitgehend isoliert. Zentrales Thema seiner Werke ist Identitätssuche des Individuums in einer instabil gewordenen Welt. Kleist gilt als Begründer der deutschen Novellistik («Das Erdbeben in Chili», 1807; «Michael Kohlhaas», 1810) und neben J. P. Hebel als Wiederentdecker der künstlerischen Anekdote. Seine bedeutendsten Dramen sind die Komödie «Amphitryon»(1807), das Lustspiel «Der zerbrochene Krug» (1808) und das künstlerisch reifste Stück «Prinz Friedrich von Homburg» (1809/11).

Kleister: (zu «kleben») Klebstoff in Form einer wässrigen Aufquellung, der Papier nicht durchdringt und daher unter anderem zum Buchbinden und Tapezieren Anwendung findet. Klebgrundstoffe für Kleister sind zum Beispiel Stärke und Zellulosederivate (Zellkleister).

Kleisthenes, gestorben um 506 vor Christus, athenischer Staatsmann; als Führer der Demokraten wurde er 508 zum Archonten gewählt. Mit Hilfe seiner Reformen beseitigte Kleisthenes die Überreste der Gentilordnung und die Vorherrschaft der Aristokratie in Athen.

Klemmschaltung, Klammerschaltung: Schaltungsanordnung zum potentialmäßigen Fixieren eines periodischen Signals, das keine Gleichkomponente enthält. Klemmschaltung verwendet man zum Beispiel in der Fernsehtechnik zum Konstanthalten des Schwarzwertes im Bildsignal.

Klemmwerkzeug: Werkzeug für die spanende Bearbeitung (Dreh-, Hobel-, Fräs-, Bohr-, Senk-, Räumwerkzeug), das meist mit Hartmetallwendeschneidplatten ausgerüstet ist. Die Befestigung erfolgt durch Klemmen.

Klemperer: 1. Otto Klemperer, 15.5.1885-6.7.1973, Dirigent; wirkte nach der Emigration seit 1933 in den USA seit 1945 wieder in Europa, besonders als Operndirigent.

2. Victor Klemperer, 9.10.1881-11.2.1960, Germanist und Romanist; Hochschullehrer in Dresden, Halle und Berlin; zahlreiche Veröffentlichungen insbesondere zur französischen Literatur. In seinem Werk «LTI, Notizbuch eines Philologen» (1947) setzte er sich an Hand sprachlicher Erscheinungen mit der Ideologie und Praxis des Faschismus auseinander.

Klengen: (zu «klingen») Wärmebehandlung von Nadelholzzapfen und zapfenartigen Früchten in einer Darre zum Öffnen der Zapfen und damit zur Gewinnung der Samen als Saatgut.

Klenze, Leo von, 29.2.1784-27.1.1864, Architekt. In seinen seit 1816 in München geschaffenen Bauten (Glyptothek, Alte Pinakothek, Königsbau unter anderem) mischen sich klassizistische Stilelemente mit byzantinischen und solchen der italienischen Renaissance. Weiter tätig in Athen und Petersburg; Bau der Walhalla (1830/47) bei Regensburg.

Kleomenes III., gestorben 219 vor Christus (Selbsttötung), König von Sparta 235/222; beseitigte 227 die Herrschaft der Aristokratie in Sparta; nahm für den Kampf gegen Makedonien und den Achäischen Bund etwa 2000 Heloten in das Heer auf, wurde jedoch 222 bei Sellasia geschlagen und floh nach Ägypten.

Kleon: 1. gestorben 422 vor Christus (gefallen), athenischer Politiker; Stratege im Peloponnes. Krieg, der sich als radikaler Demokrat für eine offensive Kriegführung gegen Sparta einsetzte.

2. Eunus.

Kleopatra, in der griechischen Sage Tochter des Boreas (Gott des Nordwindes) und der Oreithyia.

Kleopatra VII., 69-30 vor Christus (Selbsttötung), letzte ägyptische Königin (seit 51) aus dem Geschlecht der Ptolemäer; Geliebte Cäsars und des Antonius. Letzterer heiratete sie 37 und erklärte sie 34 zur «Königin der Könige». Beide planten die Errichtung eines neuen Großreiches. Nach der verlorenen Schlacht bei Aktium wählte sie den Freitod durch Schlangenbiss (soll gemäß dem altägyptischen Glauben die Unsterblichkeit garantieren). Dramen von W. Shakespeare und G. B. Shaw.

Klephten: (griechisch, «Partisanen») arme griechische Bauern, die der türkischen Herrschaft bewaffneten Widerstand leisteten; sie formierten sich 1768/74 und während des nationalen Befreiungskampfes 1821/29 zu Partisanengruppen, denen sich später auch die Armatolen anschlossen, die ursprünglich in türkischen Diensten standen; in Makedonien operierten die Klephten bis 1908.

Kleften Lieder: neugriechische balladeske Volksdichtungen über Leben und Kämpfe der Kleften; die ältesten stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die Kleften Lieder gewannen große Bedeutung für die Festigung des Nationalbewusstseins und die Herausbildung einer volksverbundenen Dichtung. Der Philhellenismus machte sie in zahlreichen Sammlungen (unter anderem von C. Fauriel, J. F. Kind, A. Passow) auch im Ausland bekannt, J. W. Goethe hat einige nachgestaltet.

Kleptomanie, (griechisch) Stehltrieb: triebhafter Drang zum Stehlen ohne Notlage, unter anderem bei Psychopathen und Neurotikern.

Kleptophobie: (griechisch) krankhafte Angst, bestohlen zu werden oder selbst zu stehlen.

Klerikalfaschismus: Erscheinungsform des Faschismus, in den kirchlichen Organe und Organisationen zu Bestandteilen des terroristischen und aggressiven faschistischen Herrschaftsmechanismus gemacht werden. Der Klerikalfaschismus missbraucht die religiösen Gefühle der Gläubigen für extrem reaktionäre politische Ziele.

Klerikalismus: (lateinisch griechisch) reaktionäre politisch-ideologische Bestrebungen im Feudalismus und Kapitalismus mit dem Ziel, die Oberherrschaft des Klerus über das politische und kulturelle Leben der Gesellschaft zu errichten. Der heutige Klerikalismus missbraucht die Gläubigen für imperialistische Ziele; er ist gekennzeichnet durch Antikommunismus und Demokratiefeindlichkeit. In der Gegenwart entwickelt er sich in enger ökonomischer und ideologischer Verflechtung führender reaktionärer Kirchenkreise mit dem imperialistischen Staat.

Kleruchie: Kolonie athenischer Bürger, der Kleruchen, auf erobertem Land und während des 1. Att. Seebundes auf dem Boden von Stadtstaaten der Bundesgenossen. Die Vergabe von Kleruchien war der Sicherstellung der militärischen und ökonomischen Vorherrschaft Athens im Seebund dienlich und milderte zugleich die sozialen Widersprüche in Athen.

Klerus: (lateinisch - griechisch) in der katholischen und orthodoxen Kirche der besondere Stand der Geistlichen gegenüber den Laien.

Klette, (zu «kleben») Arctium: Korbblütlergattung mit großen Blättern und purpurfarbenen Blütenköpfen, die widerhakig gekrümmte Hüllblätter tragen; besonders an Wegrändern und auf Schuttplätzen.

Klettenlabkraut, Klebkraut, Galium aparine: klimmendes, wegen seiner vielen zurückgekrümmten Stacheln «klebrig» erscheinendes 1 Labkraut feuchter Wegränder und Hecken; häufiges, schwer bekämpfbares Ackerunkraut lehmiger Äcker.

Kletterbeutler, Phalangeridae: nachtaktive, baumbewohnende Beuteltiere mit einem meist nach vorn geöffneten Beutel; vorwiegend Pflanzenfresser; leben in Australien und auf den vorgelagerten Inseln. Einen buschigen, unterseits unbehaarten Greifschwanz hat der Fuchskusu (Trichosurus vulpecula), einen Greifschwanz mit quergerippter Greifschwiele der Tüpfel- oder Fleckenkuskus (Phalanger maculatus).

Kletterfisch, Anabas testudineus: bis 30 cm langer Labyrinthfisch südostasiatische Süßgewässer; legt gelegentlich längere Strecken an Land zurück; Trockenzeiten werden im Schlamm überdauert.

Kletterpflanzen, Lianen: Pflanzen, die sich an einer Stütze festhalten; mit Stacheln, Dornen oder Seitensprossen (Spreizklimmer, zum Beispiel Brombeerstrauch), mit sprossbürtigen Haftwurzeln (Wurzelkletterer, zum Beispiel Efeu), durch Windungen des Stengels (Schling- oder Windepflanzen, zum Beispiel Hopfen) oder mit Ranken (Rankenpflanzen, zum Beispiel Erbse).

Karl Klietsch, 31.3.1841-16.11.1926, tschechischer Maler; vervollkommnete 1878/79 die Heliogravüre, erfand 1890 den Rakeltiefdruck.

Klient: 1. im altrömischen Recht Einzelperson, meist minderberechtigter Plebejer, die bei einem mächtigen Patrizier Schutz suchte und diesem dafür zu Treue und Gehorsam verpflichtet war.

2. Auftraggeber, Kunde; besonders der von einem Rechtsanwalt, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer in einer Rechts- beziehungsweise Steuersache Beratene oder Vertretene.

Klientel: im alten Rom der gesellschaftlich und wirtschaftlich abhängige Anhang reicher und mächtiger patrizischer Patrone.

Kliewe, Heinz, geboren 15.1.1918, Geograph; seit 1960 Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und 1969 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; arbeitet auf dem Gebiet der physischen Geographie, insbesondere über Fragen der spätglazialen und holozänen Reliefentwicklung im Küstengebiet der DDR; Mitglied der Leopoldina.

Kliff: («Klippe») durch Brandungserosion und Hangabtragung gebildete Steilküste; siehe auch Abrasion.

Klima: Gesamtheit der Witterung beziehungsweise mittlerer Atmosphärenzustand und zugehörige charakteristische Veränderlichkeiten an einem Ort während eines langjährigen Zeitraumes, ausgedrückt durch die Klimaelemente (besonders Strahlung, Lufttemperatur, Luftdruck, Wind, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Bewölkung) und bestimmt durch Klimafaktoren (Solarstrahlung, Höhenlage, Land-Meer-Verteilung, geographische Breite, Luft- und Meeresströmungen, Bodenbeschaffenheit und -bedeckung, Exposition). Siehe auch Klimaänderung, Klimazonen.

Klimaänderung: deutlicher Wechsel des Klimas im Laufe der Erdgeschichte; wird mittels Fossilien, geologische Klimazeugen, Pollenanalyse, Isotopenverhältnissen und radioaktiver Bestimmungsmethoden nachgewiesen.

Klimaanlage: Anlage, die in einem Raum einen gewünschten Luftzustand, bestimmt durch Lufttemperatur und -feuchte, erzeugt beziehungsweise automatisch in vorgeschriebenen Grenzen hält; für Lager- und Betriebsräume, Kinos, Theater, Schiffsräume unter anderem

Klimaelement: Grundbestandteil des Klimas, der durch Beobachtung und Messung als meteorologische Größe in der Atmosphäre erfassbar ist. Die wichtigsten Klimaelemente sind Sonnen- und Himmelsstrahlung, Sonnenscheindauer, Bewölkung, Temperatur, Wasserdampfgehalt, Niederschlag und Luftdruck.

Klimagerät: elektrisches stationäres oder mobiles Gerät zur kombinierten Heizung, Kühlung und Luftbefeuchtung von Räumen, das Kühlgeräte, Heizkörper, Luftbefeuchter und Regeleinrichtungen enthält. Zu den Klimageräten zählen auch Einzweckgeräte (Zimmerspringbrunnen, Luftbefeuchter, Klimaleuchte unter anderem).

Klimaklassifikation: Gliederung und Beschreibung der Klimate der Erde nach Klimazonen auf Grund der Mittelwerte und charakteristische Abweichungen im Jahresgang von Klimaelementen oder durch die bestimmenden Klimafaktoren (physisch-geographische Bedingungen). Seit der Begründung der modernen Klimatologie durch A. von Humboldt sind sehr viele Klimaklassifikation entworfen und praktiziert worden, die sich vor allem durch ihre Aussagegüte für verschiedene Anwendungsgebiete unterscheiden.

Klimaperioden: periodisch kurzfristige oder längere Abweichungen vom allgemeinen Klimacharakter eines Gebietes; während der Eiszeit der Wechsel von Kalt- und Warmzeiten; kurzfristige Klimaperioden sind gegenwärtig an der Ausdehnung von Gletschern erkennbar.

Klimaresistenz: die Fähigkeit der Pflanze, schädigende Witterungseinflüsse zu überstehen. Zum Komplex der Klimaresistenz gehören Dürreresistenz und 1 Frostresistenz.

Klimaschutz: Gesamtheit aller Maßnahmen zur Verhütung funktionsbeeinträchtigender und gebrauchswertvermindernder Umwelteinflüsse auf technische Erzeugnisse (Maschinen, Geräte, Anlagen unter anderem) in den verschiedenen Klimazonen der Erde (extreme Temperaturen, hohe Luftfeuchte, Niederschläge, Flugsand, Insekten unter anderem); umfasst besonders konstruktive und technologischen Maßnahmen, Einsatz klimabeständiger Werkstoffe, Oberflächenschutz. Klimaschutz ist Teil der Gütesicherung und meist in Standards vorgeschrieben.

Klimaschwankung: statistisch bedeutsame Unbeständigkeit des Klimas eines Gebietes, mit Perioden von wenigen Jahren bis zu Jahrtausenden. Klimaschwankung gehören zu den Gesetzmäßigkeiten des Klimas und werden durch Veränderungen der Klimafaktoren (zum Beispiel Transparenz der Atmosphäre) verursacht.

Klimatechnik: Gesamtheit von Prozessen, die das Ziel haben, einen gewünschten Luftzustand einzuhalten oder einzustellen. Die wichtigsten Zustandsgrößen (Klimakomponenten) sind dabei Temperatur, Feuchte, Staub- und Schadstoffgehalt. Die Klimatechnik findet Anwendung in Produktionsprozessen und bei der Lagerung bestimmter Produkte sowie zur Klimatisierung von Aufenthaltsräumen.

Klimatherapie: Anwendung heilungs- und gesundheitsfördernder Eigenschaften des Klimas (Luftreinheit, günstige Luftfeuchte, -temperatur, -bewegung, Licht- und Wärmestrahlung) zur kurmäßigen Behandlung chronischen Erkrankungen und zur aktiven Erholung in Klima- beziehungsweise Luftkurorten.

Klimatologie, Klimakunde Wissenschaftszweig der Meteorologie, in dem die klimabildenden Prozesse (besonders Wärmehaushalt, atmosphärische Zirkulation), ihre gesetzmäßigen Zusammenhänge mit den räumlichen und zeitliche Variationen des Klimas und dessen natürliche zeitliche Struktur (Witterungsklimatologie) meist mittels statistische Methoden erforscht sowie die Einwirkungen des Klimas auf die Lebewesen (besonders Menschen) untersucht werden (Bioklimatologie).

klimatologisches Kraftwerk: Anlage zur Energieumwandlung aus natürlichen Energiequellen in Elektroenergie; unterschieden werden Wind- oder Höhenwindkraftwerk, Erdwärme- (Vulkan-, geothermisches) Kraftwerk und Meereswärmekraftwerk sowie im weiteren Sinne Sonnenstrahl- (Solar-) und Gezeitenkraftwerk.

Klimax: (griechisch, «Leiter», «Treppe»)

1. Biologie: vom Klima abhängiges relativ stabiles Endstadium der Vegetationsentwicklung in einem Gebiet.

2. Medizin: Wechseljahre.

3. Stilistik: Aufzählung in steigender Linie (Cäsar: «Veni, vidi, vici»).

Klimazeugen: Dokumente zur Rekonstruktion des Klimas und seiner Veränderungen in der Erdgeschichte, wichtigste Hilfsmittel der Paläoklimatologie. Als organische Klimazeugen sprechen fossile Korallenriffe, Palmen und Pflanzenblätter mit Träufelspitzen für warme, Mammut, Wollhaarnashorn und Ren für kalte Klimate. Als anorganische Klimazeugen lassen zum Beispiel Moränenablagerungen und Gletscherschliffe auf glaziales, Salzablagerungen und Pfannenkalke auf arides Klima schließen. Die Sicherheit organischer Klimazeugen nimmt mit zunehmendem geologischem Alter ab, da sich die klimatischen Ansprüche der Organismen im Laufe der Erdgeschichte ändern können.

Klimazonen: Gebiete mit gleichartigem Klima; nach dem Einfallswinkel der Sonnenstrahlen unterschieden in sogenannt mathematischen oder solaren Klimazonen, das sind Tropenzonen zwischen den Wendekreisen, gemäßigte Zonen zwischen Wende- und Polarkreisen und Polarzonen jenseits der Polarkreise. Durch den Einfluss der Erdoberfläche werden diese umgewandelt in die physischen oder wirklichen Klimazonen, die wegen der Komplexität des Klimas und der Verschiedenartigkeit der geographischen Bedingungen nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt werden können. Gebräuchlich ist unter anderem die Klimaklassifikation von H. Flohn nach dem planetar. Windsystem: innere Tropenzone (schwülwarm, immerfeucht); äußere Tropenzone oder Randtropen (Sommerregen, größere Temperaturschwankungen); subtropische Trockenzone (meist trocken, Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht); subtropische Winterregenzone (heiße, fast niederschlagsfreie Sommer; milde, niederschlagsreiche Winter, kaum Frost); feuchtgemäßigte Zone (Jahreszeitenklima mit Frostperiode, ganzjährig Niederschläge); boreale und sub-polare Zone (lange Winter mit Schneedecke, kurze Sommer; niederschlagsarm); polare Zone (ganzjährig Frost, Schnee, Eis, niederschlagsarm). In meerfernen, kontinentalen Gebieten bildet sich in den Klimazonen das Landklima (in der gemäßigten Zone mit heißen Sommern, kalten Wintern, niederschlagsarm), in meernahen Gebieten das Seeklima aus (mit kühlen Sommern, milden Wintern und reichlichen Niederschlägen). Für die Bautechnik sind Klimazonen noch weiter differenziert, da sie die Bemessung der erfordert. Wärmedämmung der Gebäudeumhüllung bedingen.

Klimt, Gustav, 14.7.1862-6.2.1918, österreichischer Maler und Graphiker; 1897 Mitbegründer der Wiener Sezession und ein Hauptvertreter des Sezessionsstils. Bildnisse und flächig-dekorative, vom Jugendstil geprägte Gemälde symbolistisch-traumhaften Inhalts bestimmen sein Schaffen.

Klinefelter-Syndrom: Form des männlichen Hypogonadismus (Unterentwicklung der Keimdrüsen). Das Klinefelter-Syndrom beruht auf einer Mutation des Chromosomensatzes der Ei- oder Samenzelle, so dass bei der Befruchtung männliche Individuen mit 47 Chromosomen entstehen (Geschlechtschromosomen XXY; normal: XY, XX). Die Hoden bleiben klein und werden nicht funktionsfähig. benannt nach dem US-amerikanischen Arzt Harry Klinefelter (geboren 1912).

Klingenberg: Gemeinde im Kreis Freital, Bezirk Dresden, im Osterzgebirge; 1000 Einwohner; südlich Trinkwassertalsperre an der Wilden Weißeritz (1,1 km2; Stauraum 16,4 Millionen m3).

Klingenlage: Fechten bestimmte Stellung des Armes und der Waffe, wodurch zum Beispiel bei der Einladung ein Teil der gültigen Trefffläche gedeckt und ein anderer als Blöße freigegeben, bei der Bindung gleichzeitig die gegnerische Klinge mit der eigenen beiseite gedrückt wird. Klingenlagen werden übereinstimmend als Prim-, Sekond-, Terz-, Quart-, Quint-, Sixt-, Septim- und Oktav-Positionen bezeichnet.

Klinger: 1. Friedrich Maximilian Klinger, 17.2.1752-25.2.1831, Schriftsteller; sein im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg spielendes Drama «Sturm und Drang» (ursprünglich «Wirrwarr», 1776) gab der literarischen Strömung den Namen. In einem Romanzyklus von 9 Bänden (darunter «Fausts Leben, Taten und Höllenfahrt», 1791) übte Klinger Kritik an der feudalistischen wie an der aufkommenden kapitalistischen Gesellschaftsordnung.

2. Max Klinger, 18.2.1857-4.7.1920, Bildhauer, Maler und Graphiker. Klingers Kunst ist mit ihrem Zwiespalt von Idealismus und Naturalismus eine zeittypische Reaktion auf die gesellschaftlichen Grundwidersprüche am Ende des 19. Jahrhundert Während seine frühen graphischen Zyklen für die Entwicklung des kritischen Realismus sehr bedeutsam wurden, ist seine Malerei vom Symbolismus bestimmt. In gedanklich oft überladenen Kompositionen sucht er thematisch Christentum und antike Mythologie zu vereinen, die in seinem bildhauerischen Werk eine besondere Rolle spielt. Klinger hat auch verschiedene kunsttheoretische Schriften verfasst.

Klinik: (griechisch) für die unmittelbare medizinische Betreuung zuständiger, fachgebietsorientierter (Chirurgie, Innere Medizin unter anderem) Bestandteil eines Krankenhauses.

klinische Psychologie: im Gesundheitswesen durch Fachpsychologen der Medizin vertretene angewandte Psychologie; erarbeitet pathopsychologische Spezialkenntnisse, die sie zur Vorbeugung, Erkennung und Behandlung psychischer Störungen anwendet. Aufgabengebiete sind Psychodiagnostik, psychologische Beratung, Psychotherapie, Rehabilitation, Psychoprophylaxe.

Klinke: (zu «klingen») 1. Fernsprechtechnik: Buchsenteil einer Steckverbindung in handbedienten Vermittlungsanlagen.

2. Maschinenbau: Bauteil, das in das Zahnrad oder die Zahnstange eingreift und eine Bewegung des verzahnten Teils in einer Richtung verhindert.

Klinker: 1. dichtgebrannter Ziegel mit dunkler, bläulich-roter Färbung und Steinzeug artigem Scherben; nach der Verwendung unterscheidet man Klinker für Hoch-, Tief- und Wasserbau sowie säurefeste Klinker

2. im Sinterprozess entstandenes, stückiges Zwischenprodukt der Zementherstellung, das die entscheidenden Stoffkomponenten für die Erhärtung enthält.

Klinkowski, Maximilian, 24.5.1904-22.6.1971, Phytopathologe; Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; beschäftigte sich mit Viruskrankheiten bei Pflanzen. Mitglied der AdL, der SAW und der Leopoldina.

Klio, (griechisch, «die Rühmende») Muse der Geschichtsschreibung.

Klipp, Clip: Federklemme; in der Damenmode als Schmuckspange verwendet.

Klippe: a) bis nahe an die Wasseroberfläche oder darüber hinausragender einzelner Felsen in Meeren und Seen, besonders an Steilküsten;

b) Felsen des anstehenden Gesteins, der an Hangabschnitten höherer Abtragungsintensität über das vom Hangschutt bedeckte Hangprofil aufragt.

Klippel-Feil-Syndrom: angeborener Kurzhals auf Grund von Entwicklungsstörungen der Halswirbelsäule mit Bildung von Halb-, Block- und Keilwirbeln. Die Bewegungsfähigkeit der Halswirbelsäule ist eingeschränkt. Das Klippel-Feil-Syndrom tritt gehäuft mit anderen Missbildungen auf. benannt nach den französischen Ärzten Maurice Klippel (1858-1942) und André Feil (geboren 1912).

Klipper: großer Handelssegler (1860/70), der wegen seiner schlanken Form hohe Geschwindigkeiten (15 bis 20 km) erreichte. Berühmt wurden die vollgetakelten dreimastigen Klipper als Weizen-, Wolle-, Opium- und vor allem Teetransporter.

Klippfisch: (zu «Klippe») gesalzener, getrockneter Magerfisch, besonders Kabeljau, Schellfisch, Seelachs.

Klippschliefer, (zu «Klippe») Procavia: zu den Schliefern gehörende, hasengroße, primitive Säugetiere mit stummelförmigem Schwanz und elastischen Polstern an den Sohlen; gesellige, tagaktive Pflanzenfresser, die felsigsteinige Steppen Afrikas bewohnen.

Klippspringer, (zu «Klippe») Oreotragus oreotragus: gedrungene, knapp rehgroße Antilope mit steil stehenden, parallelen Hörnern im männlichen Geschlecht; tritt nur mit den Spitzen der senkrecht gestellten Klauen auf; Gebirgsbewohner Süd- und Ostafrikas.

Klischee: Polygraphie früher gebrauchte Bezeichnung für Hochdruckformen wie Ätzung, Druckstock oder Duplikat Druckform (Stereo, Galvano). abwertend Nachbildung ohne Eigenwert, Abklatsch.

Klister: (germanisch) weichflüssiges Skiwachs für nassen und grobkörnigen Schnee.

Klitgaard, Mogens, 23.8.1906-23.12.1945, dänischer Schriftsteller; gestaltete in realistischen Romanen die Situation des Kleinbürgertums in den 30er Jahren; wandte sich in historisch verschlüsselten Romanen gegen die faschistische Okkupation («Die roten Federn», 1940, deutsch).

Klivie, (nach einer englischen Herzogin) Clivia: als Zimmerpflanze kultiviertes südafrikanisches Amaryllisgewächs (Zwiebelpflanze) mit zweizeilig angeordneten dunkelgrünen Blättern und mennigroten Trichterblüten.

Kljasma: linker Nebenfluss der Oka; 686 km; entspringt den Smolensk-Moskauer Höhen, mündet bei Dserschinsk; ab Kowrow schiffbar; vom Moskaukanal gekreuzt; am Oberlauf Kljasma-Stausee (Erholungsgebiet mit Völkerkundepark).

Kljutschewski, Wassili Ossipowitsch, 28.1.1841-25.5.1911, russischer bürgerlicher Historiker; seit 1882 Universitätsprofessor in Moskau; räumte der Erforschung sozialökonomischer Fragen und der Kulturgeschichte großen Raum ein; stand nach der Revolution 1905/07 den Kadetten nahe. Hauptwerk «Geschichte Russlands» (5 Bände, 1904/10, deutsch).

Kloake: Anatomie gemeinsamer Endabschnitt für Darm-, Harn- und Geschlechtsorgane bei vielen Tieren; beim Menschen während der Embryonalzeit angelegt.

Kloakentiere, Monotremata: primitivste Säugetiergruppe; Darm-, Harn- und Geschlechtswege münden in eine Kloake; die Weibchen legen dotterreiche Eier. Siehe auch Ameisenigel, Schnabeltiere.

Kloben: Spanner mit 2 geriffelten Backen zum Festhalten kleiner Werkstücke, besonders beim Feilen (Handkloben oder Stielfeilkloben, Reifkloben).

Klodzko: Stadt in Polen (Wojewodschaft Walbrzych), an der Nysa Klodzka, in einem Bergkessel der Sudety; 30000 Einwohner; Lebensmittel-, Textil-, Holz-, Papierindustrie, Elektromaschinenbau; historischer Stadtkern mit Patrizierhäusern (16./18. Jahrhundert), Steinbrücke (1390), Rathaus (16./18. Jahrhundert) und Festung (1680/1702).

Klon: durch ungeschlechtliche Fortpflanzung entstandene Nachkommenschaft eines Individuums, unter anderem bei Kartoffeln, Reben und Obstgewächsen von Bedeutung (Verklonung).

Klondike: Landschaft im Nordwesten Kanadas, im Yukon-Territorium; vom gleichnamigen Fluss durchflossen; bedeutende Goldgewinnung um die Jahrhundertwende («Goldrausch»); nach 1906 Erschöpfung der Lagerstätten, nur noch geringe Goldforderung; Abwanderung der Bevölkerung.

Kloos, Willem, 6.5.1859-31.3.1938, niederländischer Schriftsteller; führender Vertreter der Tachtigers; schrieb formvollendete Lyrik, besonders Sonette («Gedichte», 3 Bände, 1894/1913) sowie Literaturkritik und Essays («Die Unzuständigkeit der holländischen Literaturkritik», 1886).

Klootschießen: fries. Weitwurfspiel auf Rasen oder Eis mit 500 g schwerer Kugel, die mit Anlauf an ein Ziel oder in einer festgelegten Zahl von Gängen möglichst weit zu werfen ist.

Klopfer, Eugen, 10.3.1886-3.3.1950, Schauspieler und Theaterleiter; war, vor allem an Berliner Bühnen wirkend, ein das Komödiantische betonen der vitaler Charakterdarsteller.

Klopffestigkeit: Eigenschaft eines Vergaserkraftstoffes, den klopffreien Betrieb des Ottomotors zu gewährleisten. Unter Klopfen versteht man eine ungeregelte Verbrennung derart, dass Druck und Temperatur über das zulässige Maß hinaus ansteigen, die Motorleistung abfällt und ein klingelndes oder hämmerndes Geräusch auftritt. Ein Maß für die Klopffestigkeit ist die Oktanzahl (OZ). Diese gibt an, wie viel Vol.-% Isooctan (OZ 100) in einem Gemisch mit n-Heptan (OZ 0) enthalten sind, das in standardisierten Prüfmotoren das gleiche Klopfverhalten zeigt wie der zu untersuchende Kraftstoff. In der Praxis sind die Research- und die Motor-Prüfmethode am wichtigsten. Wegen der milderen Bedingungen ist die Research-Oktanzahl (ROZ) meist um einige Einheiten größer als die Motor-Oktanzahl (MOZ). Bei guten Kraftstoffen soll die Differenz zwischen ROZ und MOZ möglichst gering sein. Aromaten, Isoalkane und Alkohole verleihen dem Kraftstoff eine hohe Klopffestigkeit. Durch Zugabe von Antiklopfmitteln, zum Beispiel Tetraäthylblei, kann die Klopffestigkeit verbessert werden.

Klopfkäfer, Anobiidae: Käferfamilie mit 2 bis 6 mm langen Arten; Käfer und Larven (Holzwürmer) bohren in verarbeiteten Hölzern Gänge, wobei sie regelmäßig mit dem Kopf an deren Wandung stoßen (Totenuhr); schädlich an alten Schnitzereien, Möbeln unter anderem. Vor allem an Backwaren schädigt der Brotkäfer (Sitodrepa paniceum).

Klöppeln: Herstellen von Klöppelspitzen durch fortschreitendes mustergemäßes Umeinander Drehen, Verkreuzen oder Verflechten von auf Kegel (Klöppel) aufgewundenen Fäden, von Hand auf dem Klöppelkissen (-sack) nach dem Klöppelbrief (Muster) über Stecknadeln mit Glaskopf oder mittels einer Klöppelmaschine; für Spitzen und Decken. Das Klöppeln wurde im Erzgebirge (Annaberg) um 1561 aus Brabant durch Barbara Uthmann eingeführt und um 160Q nach dem Niedergang des Silberbergbaus wichtigster Broterwerb.

Klops: Hackbraten oder Klößchen aus Fleisch oder Fisch.

Klopstock, Friedrich Gottlieb, 2.7.1724-14.3.1803, Dichter; hervorragender Vertreter der deutschen Aufklärung, als Lyriker ein Wegbereiter der deutschen Klassik. Unter den Zeitgenossen wurde Klopstock durch sein Epos «Der Messias» (1748/73) berühmt; die Dichter des Göttinger Hains verehrten ihn schwärmerisch. Klopstock gab seiner bürgerliche Gesinnung und seinem antifeudalen Freiheitsstreben hymnisch-enthusiast. Ausdruck; Hauptmotive seiner Dichtung sind Natur, Freundschaft, Liebe, Tod und Vaterland. Bleibende Bedeutung erlangte er durch sprachlich meisterhafte Oden («Der Zürchersee», 1750; «Die Frühlingsfeier», 1759; «Mein Vaterland», 1768), in denen er auch sein Bekenntnis zu den Ideen der Franzos. Revolution dokumentiert («Les États Généraux», 1788, Die Generalstände; «Sie und nicht wir», 1790).

Kloß, Knödel: gegarte Speise aus roher oder gekochter Kartoffel-, Mehl-, Grieß- oder Semmelteigmasse mit Zutaten.

Kloster: (lateinisch claustrum, «verschlossener Raum») gemeinschaftliche Wohn-, Gebets- und Arbeitsstätte für Mönche beziehungsweise Nonnen, meist isoliert von der Außenwelt. Die christlichen Klöster entstanden im 4. Jahrhundert Mittelpunkt der typischen Klosteranlage ist die Klosterkirche. Die Kernanlage (Klausur) setzt sich zusammen aus dem einen Binnenhof umschließenden vierseitigen Kreuzgang, um den sich an der Ostseite der Kapitelsaal (Versammlungsraum), darüber das Dormitorium (Schlafsaal), an der Nordseite das Refektorium (Speisesaal) und an der Westseite die Wirtschaftsgebäude gruppieren. Die baugeschichtliche Entwicklung des Klosters verlief, den unterschiedlichen Auffassungen der Orden entsprechend, nicht einheitlich. Klöster gibt es vor allem in der römisch-katholischen, den orthodoxen, anglikanischen Kirchen. Auch außerchristliche Religionen, zum Beispiel der Buddhismus, kennen Klöster.

Kloster: Ortsteil der Gemeinde Hiddensee (1100 Einwohner), Kreis Rügen, Bezirk Rostock, auf der Insel Hiddensee; Seebad; Biologische Station der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; Gerhart-Hauptmann-Gedenkstätte, Heimatmuseum.

Klosterboten: im Mittelalter Botendienst der Bistümer, Abteien und Klöster zur Sicherung des Nachrichtenaustausches zwischen den kirchlichen Sitzen sowie zwischen ihnen und dem Vatikan in Rom. Als Klosterboten fungierten Mönche und Pilger, die für ihre Dienste kein Entgelt, jedoch Verpflegung, Obdach und Zehrgeld auf den einzelnen Stationen ihrer Reise erhielten.

Klosterlausnitz, Bad: Gemeinde im Kreis Stadtroda, Bezirk Gera, in waldreicher Umgebung (Thüringer Holzland); 3200 Einwohner; Luftkurort (320 m über dem Meeresspiegel; mildes Klima), Moorbad; Kurpark; Klosterkirche.

Klosterneuburg: Stadt in Niederösterreich, an der Donau, nordwestlich von Wien; 23000 Einwohner; Gießerei, Maschinenbau, Gerberei, Möbelindustrie; Weinbau; Weinmuseum. Augustiner-Chorherrenstift (12. Jahrhundert, zum Teil barockisiert; mit Verduner Altar, 1181 von Nikolaus von Verdun).

Klosterschule: öffentliche Bildungsanstalt im Mittelalter, in der der Ordensnachwuchs, die Mönche («innere Schule») sowie Weltgeistliche und Laien («äußere Schule») ausgebildet wurden; berühmte Klosterschule unter anderem in St. Gallen, Reichenau, Fulda.

Klothoide: ebene Kurve, deren Krümmung proportional ihrer Bogenlänge ist, die von einem auf der Kurve liegenden Anfangspunkt aus gemessen wird; zum Beispiel im Straßenbau als Übergangsbogen zwischen einer Geraden und einem Kreisbogen verwendet.

Klotz, Geigenbauerfamilie; wirkt seit dem 17. Jahrhundert in Mittenwald (Oberbayern); Matthias Klotz (1653-1743) gilt als Begründer des bedeutenden Mittenwalder Geigenbaus.

Klötze, Klötze (Altmark): Kreisstadt im Bezirk Magdeburg, in der südlichen Altmark, nordwestlich der Hellberge (160 m), an der Punitz; 6000 Einwohner; Zentrum eines Agrarkreises mit Lebensmittel-, Holz-, elektronische Industrie und Landwirtschaft.

Klotzen: (zu «Kloß») Tränken von Textilien in breitem Zustand auf dem Foulard mit Farbstoff- oder Appretur Lösungen.

Kluft: 1. Bergsteigen: Felsspalt, der die gleichzeitige Benutzung beider Begrenzungswände beim Klettern nicht mehr gestattet. Siehe auch Kamin.

2. Geologie: das Gestein durchsetzende, meist glatte Fuge; nach der Entstehung unterscheidet man Abkühlungs-, Zug- und Scherkluft. Das Auseinanderweichen von Klüften führt zu Spalten.

Kluftwasser: unterirdisches Wasser, das sich in Spalten, Höhlen, Klüften und sonstigen unterirdischen Gerinnen befindet und dort zirkuliert.

Kluge: 1. Alexander Kluge, geboren 14.2.1932, Schriftsteller der BRD; verfasste fiktiv-dokumentarischen Prosaarbeiten, in denen am Beispiel zugespitzter Einzelfälle geschichtliche Erfahrungen demonstriert werden («Lebensläufe», 1962; «Lernprozesse mit tödlichem Ausgang», 1973); war auch als Autor und Regisseur von Kurz- und Spielfilmen erfolgreich («Brutalität in Stein», 1960; «Die Patriotin», 1979).

2. Friedrich Kluge, 21.6.1856-21.5.1926, Germanist; Professor in Jena und Freiburg; begründete die historische deutsche Wortforschung; «Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache» (1881).

Kluge und Törichte Jungfrauen: biblische Parabel als Sinnbild des Jüngsten Gerichts, nach der 5 Jungfrauen die Ankunft des Bräutigams mit brennenden Lampen erwarten, während 5 andere kein Öl in den Lampen haben. Das Thema wird seit frühchristlicher Zeit in der bildenden Kunst dargestellt, besonders im Mittelalter als Teil der Darstellung des Jüngsten Gerichts, in der Portalplastik sowie in der Wand- und Glasmalerei.

Klumpfuß, Pes equinovarus: Deformität, bei der der Fuß nach innen gekippt und gedreht und das Gewölbe verstärkt ist. Die Ferse steht hoch, und es wird nur der äußere Fußrand belastet; überwiegend als angeborene Störung, seltener durch Verletzung oder Lähmung auftretend.

Klumphand: Stellungsanomalie des Handgelenks, die überwiegend durch einen angeborenen Defekt eines Unterarmknochens (Speiche) entsteht.

Kluppe: Handwerkszeug zum Außengewindeschneiden (Gewindeschneidkluppe) mit nachstellbaren und entsprechend der Gewindesteigung auswechselbaren Strehlerbacken.

Klüse: in der Schiffsaußenhaut oder im Deck Stahlwulstring um eine Öffnung zu deren Verstärkung sowie zur Führung von Trossen und Ketten (zum Beispiel Ankerklüse).

Kluttig, Christian, geboren 17.8.1943, Dirigent; war 1970/79 1. Kapellmeister an der Karl-Marx-Städter Oper; seit 1979 musikalischer Oberleiter am Landestheater Halle und Chefdirigent (GMD) des Händelfestspiel-Orchesters.

Klüver: dreieckiges Vorsegel (Hochsegel) von Segelschiffen und -booten; bei großen Schiffen auch erster Klüver (Außenklüver). und zweiter Klüver (Binnenklüver).

Klytaimnestra (griechisch), Kfytämestra, Klytämnestra (beide lateinisch), in der griechischen Sage Frau des Agamemnon; tötete mit ihrem Liebhaber Ägisth ihren aus dem Trojanischen Krieg heimkehrenden Mann, wurde deshalb von ihrem Sohn Orest erschlagen.

Klytschew, Issat, geboren 10.10.1923, turkmenisch-sowjetischer Maler; lebt in Aschchabad. Klytschew widmet sein Schaffen der Darstellung des neuen Lebens des turkmenischen Volkes und bedient sich dabei einer energischen, temperamentvollen Malweise und einer kraftvoll-dekorativen Farbigkeit.

km/h: Zeichen für Kilometer je Stunde; Maßeinheit der Geschwindigkeit; 1 km/h = 0,2778 m/s.

Knab, Armin, 19.2.1881-23.6.1951, Komponist; wirkte insbesondere als Vokalkomponist mit Liedern und Chorwerken, die in der bürgerlichen Chorbewegung zeitweise überaus beliebt waren.

Knabenkraut, Orchis: heimische Orchideengattung (u. N.) mit dreilappiger, gespornter Lippe und meist rötlichen, in einer Traube vereinigten Blüten; mit ungeteilten sackförmigen Knollen überdauernde Stauden.

Knäckebrot: 4 bis 6 mm starkes, knuspriges, aromatisches Flachbrot aus Roggen- oder Weizenvollkornschrot, Höchstwassergehalt 7%. Knäckebrot ist leicht verdaulich und besitzt hohen Sättigungswert.

Knagge: kurzes, tragendes konsolartiges Holzstück oder Blech zur Vergrößerung des Auflagers der zu belastenden Stütze oder zur Lagesicherung zwischen Stütze und Träger.

Knallgas: Gemisch aus Wasserstoff und Sauerstoff (beziehungsweise Luft), das bei Zündung heftig explodiert. Die stärkste Reaktion ergibt sich bei den Volumenverhältnissen 2:1 (Wasserstoff: Sauerstoff) beziehungsweise 2:5 (Wasserstoff: Luft). Chlorknallgas, ein Wasserstoff-Chlor-Gemisch, explodiert bereits bei Einstrahlung von Sonnenlicht, am stärksten beim Volumenverhältnis 1:1.

Knallgold: eine graugelbe, pulvrige chemische Verbindung wechselnder Zusammensetzung mit Gold-Stickstoff-Bindung, die durch Schlag oder Erhitzen heftig explodiert.

Knallquecksilber: das Quecksilbersalz der Knallsäure; Quecksilber(II)-fulminat, Hg(ONC)2. Knallquecksilber ist ein kristalliner, sehr giftiger Initialsprengstoff, der durch Schlag, Stoß, Reibung oder Erwärmung heftig verpufft.

Knallsäure: unbeständige Säure der Formel HONC; ihre Salze (Fulminate) sind sehr explosiv, zum Beispiel Knallquecksilber.

Knallsilber: schwarze, auch in feuchtem Zustand sehr explosible, hauptsächlich aus Silbernitrid, Ag3N, bestehende Masse, die sich bei längerem Stehen aus ammoniakalischer Silbersalzlösung abscheidet.

Knappe: (Nebenform von «Knabe») 1. Bergmann.

2. Knappe, Schildknappe, Edelknabe: Jüngling (Sohn eines Ritters), der höflichen Sitten lernt (bis zur Schwertleite und zum Ritterschlag).

Knappensee: Tagebausee bei Groß Särchen südöstlich von Hoyerswerda (Bezirk Cottbus), im Volksmund «Lausitzer Ostsee» genannt; Erholungsgebiet mit 8 km langem Sandstrand, Angel-, Wassersport.

Knappertsbusch, Hans, 12.3.1888-25.10.1965, Dirigent; als Leiter der Münchener Staatsoper (1922/33) von den Faschisten mit Dirigierverbot belegt, wirkte er 1936/45 in Wien, danach als international geschätzter Gastdirigent.

Knappschaft: im 13. Jahrhundert entstandener freiwilliger zunftmäßiger Zusammenschluss der Bergleute (Knappen) zur gegenseitigen Unterstützung (Fürsorge für Erkrankte, Verunglückte, Invaliden, Alte, Witwen und Waisen) und Interessenvertretung; wurde im 20. Jahrhundert in die Sozialversicherung eingebaut.

Knäuelgras, Knaulgras, Dactylis glomerata: grau-grünes Süßgras mit geknäulter Rispe; wichtiges Futtergras; verträgt hohe Düngergaben.

Knaus: 1. Hermann Hubert Knaus, 19.10.1892-22.8.1970, Gynäkologe; Professor in Graz, Prag und Wien. Knaus bereicherte die Frauenheilkunde durch grundlegende neue Einsichten über Konzeption, Schwangerschaft und Geburt. Unabhängig von dem Japaner Knaus Ogino gelangte er zu der Erkenntnis, dass der Eisprung nicht zu einem beliebigen Zeitpunkt, sondern innerhalb einer ziemlich genau feststellbaren Frist erfolgt.

2. Ludwig Knaus, 5.10.1829-7.12.1910, Maler. Knaus ist nicht nur der Schöpfer von zum Teil sentimentalen, anekdotenhaften Genreszenen, sondern auch von vielen hervorragenden Bildnissen. Mit dem Bild «Sozialdemokratischer Agitator» schuf er eine der ersten sich dieser Thematik widmenden Darstellungen.

Knebel, Konrad, geboren 24.2.1932, Maler und Graphiker; 1951/57 Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee; schildert in klaren Kompositionen und mit farbig nuanciertem Stimmungsreichtum Stadt- und Industrielandschaften.

Knecht: (althochdeutsch) Landarbeiter in den Junker- und Großbauernwirtschaften des 19. Jahrhundert in langfristigem Arbeitsverhältnis bei minimaler geldlichen Entlohnung sowie freier Kost und Unterbringung.

Knecht Ruprecht: Weihnachtsmanngestalt, die seit dem 17. Jahrhundert im Volksbrauch unter den Begleitern von Christkind und Nikolaus erscheint, teils als Schreckgestalt, teils als Gabenspender.

Kneipe: ursprünglich Student., heute umgangssprachliche (eigentlich abwertende) Bezeichnung für Schenke (und Trinkgelage).

Kneippkur: (nach S. Kneipp) Kur mit meist kalten Wasseranwendungen (Hydrotherapie), kombiniert mit anderen Reizwirkungen wie Luft, Sonnenstrahlung, Bewegung, Diät; die Kneippkur dient unter anderem der Abhärtung und Anregung der Kreislauftätigkeit.

Knesset: (neuhebräisch, «Versammlung») Bezeichnung des Parlaments in Israel.

Kneter: Maschine zum Mischen und Homogenisieren von Plasten und Elasten mit Färb- und Füllstoffen sowie Verarbeitungshilfsmitteln. Im Kneter erfolgt, meistens unter Erwärmung, eine besonders intensive Mischung der Komponenten durch gegenläufige Drehung horizontal gelagerter Knetarme beziehungsweise Walzen.

Knetlegierungen: Legierungen, die bei Verarbeitungstemperatur ausreichende Dehnbarkeit aufweisen und durch spanloses Umformen (Walzen, Schmieden, Pressen, Ziehen) zu Halbzeugen oder Fertigteilen verarbeitet werden können.

Knick: meist flurumgrenzende Gehölzpflanzung auf Erdwällen; charakteristisch für Norddeutschland.

Knickebein: alkoholisches Mischgetränk aus Eierlikör und Eigelb unter Zusatz von anderen Likören oder Weinbrand; oft als flüssige Füllung von Pralinenerzeugnissen.

Knickerbocker, Knickerbockers: weite Hose, die unterhalb des Knies durch einen Bund mit Schnallen- oder Knopfverschluss gehalten wird.

Knickfuß, Pes valgus: Abknickung des Rückfußes gegenüber der Beinachse nach außen; Teilkomponente des Senk- beziehungsweise Plattfußes.

Knickung: Formveränderung schlanker Bauteile, die zentrisch auf Druck belastet sind. Knickung tritt in Abhängigkeit von Stablänge und Einspannung sowie von Trägheitsmoment und Elastizitätsmodul bei Überbelastung ein.

Knidos: antike dorische Hafenstadt an der Südwestküste Kleinasiens, von Phönikern gegründet; wurde Hauptstadt der sogenannt dorische Hexapolis («Sechsstädtebund»). 394 vor Christus unterlagen bei Knidos die Spartaner der persischen Flotte unter dem Athener Konon. Knidos war Hauptsitz des Aphrodite Kultes. Erhalten sind Reste der Stadtmauer, Tempel und ein Theater.

Knief, Johann, 20.4.1880-6.4.1919, revolutionärer Arbeiterführer, Lehrer, seit 1906 Sozialdemokrat; hatte später enge Verbindungen zu den deutschen Linken, wurde Führer der Bremer Linksradikalen und gab ab 1916 die Zeitschrift «Arbeiterpolitik» heraus; Februar/November 1918 eingekerkert, nahm er danach aktiv am revolutionären Kampf in Bremen teil. Knief war seit Gründung Mitglied der KPD und Januar/Februar 1919 Volksbeauftragter der Bremer Räteregierung.

Kniegelenk, Articulatio genus, Knie: bewegliche Verbindung zwischen Oberschenkelknochen, Schienbein und Kniescheibe.

Kniegelenkentzündung, Gonitis: mit Schwellung und Ergussbildung verbundene Erkrankung des Kniegelenkes, die bakteriell, rheumatisch oder durch gelenknahe Knochenentzündungen entstehen kann.

Kniekehle: Grube in der hinteren Knieregion; enthält außer Fettgewebe die zwischen Ober- und Unterschenkel verlaufenden Blut- und Lymphgefäße sowie Nerven.

Knigge, Adolph Freiherr, 16.10.1752-6.5.1796, Schriftsteller; übte als Vertreter der Aufklärung in Romanen, Satiren («Des seligen Herrn Etatsrats Samuel Conrad von Schafskopf hinterlassene Papiere», 1792, anonym), philosophische und politische Schriften Kritik am Despotismus und verteidigte die Franzos. Revolution. Berühmt wurde sein Buch «Über den Umgang mit Menschen» (1788), ein bedeutender Beitrag zum Emanzipationskampf des Bürgertums. In humoristischen Werken ist das zeitgenössische bürgerliche Leben kritisch dargestellt (Roman «Die Reise nach Braunschweig», 1792).

Knight: in Großbritannien niederster, nichterblicher Adelsstand; siehe auch Gentry.

Knipper, Lew Konstantinowitsch, 3.12.1898-30.7.1974, sowjetischer Komponist; schrieb zahlreiche Opern («Nordwind», 1930), Ballette, Sinfonien unter anderem; machte sich darin um die sowjetische Gegenwartsthematik verdient.

Knipperdolling, Bernhard, gestorben 22.1.1536 (hingerichtet), Täuferführer in Münster 1534/35.

Knittel, John, 24.3.1891-26.4.1970, schweizerischer Schriftsteller deutscher Sprache; gestaltete in effektvollen Romanen an afroarabischen Stoffen Probleme des Kolonialismus («Abd-el-Kader», 1930; «El Hakim», 1936; «Terra Magna», 1948), heroisierte in anderen individualistischen Protest gegen rückständige Schweizer

Knittelvers, Knüttelvers (beide zu «Knoten»): variantenreicher volkstümlicher Vers mit 4 Hebungen und freier Verteilung der Senkungssilben, männlichen oder weiblichen Kadenz und freiem Auftakt, meist paarweise gereimt. Der von H. Sachs gepflegte strenge Knittelvers legte die Zahl der Silben auf 8 oder 9 fest, während der freie Knittelvers keine solche Begrenzung kennt. Im 17. Jahrhundert wurde der Knittelvers als «holprig und knotig» abgewertet und erhielt daher auch seinen Namen, doch brachte ihn unter anderem Goethe (zum Beispiel in der Faustdichtung) wieder zu Ehren.

Knobelsdorff, Georg Wenzeslaus von, 17.2.1699-16.9.1753, Architekt und Maler; als Baumeister Friedrichs II. in seinen Bauplänen zum Teil von diesem beeinflusst, ist Knobelsdorff einer der wichtigsten Vertreter des sogenannt Friderizianischen Rokokos. In der äußeren sowie inneren Gestaltung enthält sein Werk Elemente, die bereits auf den Klassizismus hinweisen (Umbau des Schlosses Rheinsberg; Opernhaus, Berlin; Schloss Sanssouci, Potsdam).

Knob Lake: See in Kanada, in der Provinz Quebec, auf der Halbinsel Labrador; an seinen Ufern große Eisenerzlagerstätten (seit 1954 Abbau, Förderung im Tagebau, Abbauzentrum Schefferville; Bahnlinie nach dem Erzexporthafen Septiles).

Knoblauch, Allium sativum: Lauchart aus Zentralasien, mit längliche-eiförmigen Nebenzwiebeln («Zehen»), die als Gewürz und als Gesundheitspflegemittel verwendet werden; enthält schwefelhaltiges, scharfes Öl.

Knoblauch, Karl von, 1756-1794, Philosoph; Vertreter der deutschen Aufklärung; stützte sich vor allem auf den mechanischen Materialismus und auf B. Spinoza, dessen Pantheismus er zum Materialismus und streitbaren Atheismus fortführte; war entschiedener Gegner des Feudalismus und Anhänger der Franzos. Revolution.

Knoblauchkröte, Pelobates fuscus: bis 8 cm langer Krötenfrosch Eurasiens, der bei Gefahr ein nach Knoblauch riechendes Sekret ausscheidet; vergräbt sich tagsüber.

Knobloch, Heinz, geboren 3.3.1926, Schriftsteller; schreibt vor allem Feuilletons («Herztöne und Zimmermannssplitten>, 1962; «Täglich geöffnet», 1970; «Der Berliner zweifelt immer», 1977) sowie satirische Kurzgeschichten, Erzählungen und Romane («Man sieht sich um», 1973; «Herr Moses in Berlin», 1983); ferner «Vom Wesen des Feuilletons»(1962).

Knöchel, Malleolus (lateinisch): verdicktes distales Ende des Waden- und Schienbeins.

Knöchelbruch: häufigster Bruch des Unterschenkels; beim einfachen Knöchelbruch tritt nur die Verletzung eines Knöchels auf, beim doppelten Knöchelbruch kommt es zu einer Sprengung der Knöchelgabel des Sprunggelenkes. Der Knöchelbruch entsteht meist durch indirekte Gewalteinwirkung beim Umknicken des Fußes, wobei durch Zug der Sprunggelenkbänder Abrissbrüche des inneren oder äußeren Knöchels auftreten.

Knochen, Ossa: Hartgebilde des Körpers, die Weichteilen Stütze, Halt und Schutz geben. Knochen bestehen aus fester Knochensubstanz (Kompakta), die die mit Knochenmark ausgefüllte Markhöhle umgibt, sowie schwammähnliche Knochenbälkchen (Spongiosa) und werden von der Knochenhaut (Periost), die Blutgefäße und Nerven heranführt, umhüllt. Einteilung erfolgt in Röhrenknochen, kurze Knochen, platte Knochen, lufthaltige (pneumatisierte) Knochen und Sesambeine. Chemisch sind Knochen aus organischen, die Biegeelastizität bedingenden (Knochenleim) und anorganischen, die Stabilität bewirkenden (Knochenasche) Substanzen zusammengesetzt. Histologisch besteht Knochengewebe aus Knochenzellen (Osteozyten) und Knochengrundsubstanz mit eingelagerten kollagenen Fasern.

Knochenbruch, Fraktur: Zusammenhangstrennung eines Knochens, meist durch äußere Gewalteinwirkung. Bei offenen oder komplizierten Brüchen sind gleichzeitig Weichteile und Haut durchtrennt; es besteht die Gefahr einer Infektion. Sichere Zeichen des Knochenbruchs sind abnorme Beweglichkeit, Knochenreiben, Formabweichung durch Verschieben (Dislokation) der Bruchstücke (Fragmente). Die Behandlung erfolgt nach Hin, und Röntgenuntersuchung durch Einrichten (Reposition) und Ruhigstellen im Gips-, Schienen- oder Streckverband oder durch Operation (zum Beispiel Nagelung oder Verplattung). Die Heilung erfolgt durch Bildung von Kallus (Schwiele, festes Bindegewebe), das den Bruchspalt überbrückt und später verknöchert. Siehe auch Erste Hilfe.

Knochenbrüchigkeit: durch Veränderungen der Knochenstruktur bedingter Verlust der Knochenfestigkeit mit Neigung zu spontanen Deformierungen und Brüchen; kommt vor im Alter und bei Knochenerkrankungen infolge Störungen des Vitamin-D- und Kalk-Phosphat-Stoffwechsels; zum Beispiel Knochenerweichung (Osteomalazie), Verlust von Knochengrundsubstanz (Osteoporose), Knochenabbau mit Bildung von Zysten und Fasermark (Fibroosteoklasie) bei Hyperparathyreoidismus und Recklinghausenscher Krankheit) und infolge von Knochentumoren und -zysten. Siehe auch Plasmozytom.

Knochenhautentzündung, Periostitis: schmerzhafter Reizzustand der gefäß- und nervenreichen Knochenhaut; kann durch lokale Verletzung oder bei fortgeleiteten Entzündungen aus der Umgebung (Weichteile, Knochen) entstehen.

Knochenhechte, Lepisosteiformes: seit der Oberkreide bekannte ursprünglich Ordnung der Knochenfische mit nur 8 rezenten Arten; Körper langgestreckt mit extrem verlängerter Schnauze; lauem in flachen, verkrauteten Gewässern Nord- und Mittelamerikas ihrer Beute auf; größte Art ist der bis 3 m lange Alligatorhecht (Lepisosteus tristoechus); zum Teil Nutzfische.

Knochenmark: die Markhöhle der Knochen ausfüllendes retikuläres Bindegewebe, das als rotes Knochenmark die Hauptbildungsstätte der roten und weißen Blutzellen und der Blutplättchen darstellt. Es wandelt sich, vorwiegend in Röhrenknochen, abhängig vom Lebensalter in gelbes Knochenmark (Fettmark) um.

Knochenmarkentzündung, Osteomyelitis: eitrige Entzündung des Knochenmarks mit Ausbildung abgestorbener Knochenteile (Sequester) und Fistelbildungen. Knochenmarkentzündung kann durch Infektion auf dem Blutweg (hämatogen) oder nach Verletzungen entstehen. Die Behandlung erfolgt durch Ruhigstellen, Antibiotika und Operation.

Knochenporzellan: in Großbritannien hergestelltes, 20 bis 30% Knochenasche, jedoch keinen Quarz enthaltendes Porzellan. Das Brennen erfolgt zunächst ohne Glasur und ist schwierig durchzuführen, da sich die Stücke leicht verziehen. Knochenporzellan ist sehr transparent.

Knochentumor: jede in knöchernem Gewebe vorkommende Geschwulst.

Knoxville: Stadt im Bundesstaat Tennessee (USA); 180000 Einwohner (davon 14% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 480000 Einwohner; Zinkmetallurgie, Stahlwerk, chemische, Holz-, Textil-, Tabak-, Lebensmittelindustrie; Flughafen, Binnenhafen am Tennessee; Universität, Sitz der TVA (Tennessee Valley Authority).

Knud I., Knud der Große, um 995-12.11.1035, dänischer König seit 1014 (formal anerkannt 1018), von England seit 1016; eroberte 1028 Norwegen, 1031 Schottland, besiegte slawische Stämme in Pommern, wurde 1025 mit der Mark Schleswig belehnt.

Knudsen: 1. Christian Holtermann, 15.7.1845-21.4.1929, norwegischer Politiker; gehörte 1887 zu den Gründern der Norwegischer Arbeiterpartei und war 1889, 1900/02 sowie 1912/18 ihr Vorsitzender.

2. Erik, geboren 27.3.1922, dänischer Lyriker und Dramatiker; schreibt satirische Revue-Komödien und dokumentarische Stücke («Wer hat den Ball?», 1977) sowie politische Gegenwartslyrik.

Knudsen-Effekt: (nach einem dänischer Physiker) Erscheinung, dass ein stark verdünntes Gas in 2 verbundenen Gefäßen verschiedener Temperatur aus dem kälteren in das wärmere Gefäß strömt, wenn der Durchmesser des Verbindungsrohres klein gegenüber der mittleren freien Weglänge der Gasmoleküle ist

Knüpftrikot: regelmäßig durchbrochenes Rundgewirke; für Unterwäsche.

Knüppel: 1. Luftfahrt: nach allen Seiten frei beweglicher Steuerhebel in kleinen Flugzeugen, mit dem die Höhen- und Querruder betätigt werden.

2. Metallurgie: Halbzeug für Walzwerke mit meist quadratischem Querschnitt, das durch Walzen, Pressen, Schmieden und andere Umformverfahren weiterverarbeitet wird.

Knurrhähne, Triglidae: in gemäßigten und tropischen Meeren lebende Fischfamilie mit großem gepanzertem Kopf, vorgezogenem breitem Maul und zum Teil zu Stelzen umgebildeten Brustflossen, die der Fortbewegung auf dem Grund dienen. Knurrhähne geben Töne von sich; fressen vorwiegend Krebse; teils Speisefische.

Knuschewizki, Swjatoslaw Nikolajewitsch, 6.1.1908-19.2.1963, sowjetischer Violoncellist; Professor am Moskauer Konservatorium; konzertierte seit 1940 mit D. Oistrach und L. Oborin in einem Klaviertrio und fand auf Konzertreisen auch internationale Anerkennung.

Knutzen, Matthias, geboren 1. Hälfte des 17. Jahrhundert, seit 1675 verschollen, revolutionärer Demokrat; verbreitete radikale Flugschriften mit atheistischen Gedankengut und verfocht den Gedanken der Gleichheit aller Menschen, ko .... Ko ... kon ..., Kon ...K.o. Knockout.

Koagulation: Ausflockung eines Stoffes aus kolloider Lösung; Umwandlung eines Sols in ein Gel. Koagulation kann als Folge mechanischen Einwirkungen (Schütteln, Ultraschall) oder eines Zusatzes von Elektrolyten eintreten. Lyophobe Kolloide koagulieren durch Neutralisation der Oberflächenladung der Teilchen bei Elektrolytzusatz, lyophile Kolloide erfordern Wasserentzug durch größere Elektrolytmengen (Säuren, Laugen).

Koala, Beutelbär, Phascolarctos cinereus: schwanzloser, wollig behaarter, nachtaktiver Kletterbeutler Australiens, der Eukalyptusblätter frisst.

Koalition: Bündnis, Verbindung, Vereinigung, Zusammenschluss. Koalition sind zwischen Staaten, Parteien und so weiter möglich und werden gewöhnlich zu bestimmten, vertraglich festgelegten Zwecken gebildet. Koalitionen werden zum Beispiel zwischen Parteien in kapitalistischen Staaten zur Bildung einer gemeinsamen Regierung (Koalitionsregierung) vereinbart, wenn keine Partei eine absolute Mehrheit von Parlamentssitzen auf sich vereinigt.

Koalition des Realismus und der Vernunft: angesichts der Möglichkeit einer die Existenz der Menschheit bedrohenden atomaren Katastrophe notwendig gewordene weltweite Vereinigung zur Durchsetzung der friedlichen Koexistenz von Staaten unterschiedlicher sozialer Ordnung und der internationalen Entspannung. Die Koalition des Realismus und der Vernunft, für die es keine Alternative gibt, ist das breiteste Bündnis von Staaten, Regierungen, Parteien, Organisationen und Bewegungen, das die übereinstimmenden Lebensinteressen der Menschheit, aller Klassen und Schichten, politischer Richtungen und weltanschauliche Bekenntnisse gegen die ultrareaktionären, aggressivsten Kreise des Imperialismus verkörpert. Sie ist das erklärte Ziel der Politik der DDR und der anderen sozialistischen Länder im Kampf um den Frieden.

Koalitionsfreiheit, Vereinigungsfreiheit: das Recht der Bürger, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Lebensbedingungen Vereinigungen (Koalitionen) zu bilden. In der DDR wird die Koalitionsfreiheit als sozialistisches Grundrecht der Bürger verwirklicht und gesichert. Die Bürger der DDR haben das Recht auf Vereinigung, «um durch gemeinsames Handeln in politischen Parteien, gesellschaftliche Organisationen, Vereinigungen und Kollektiven ihre Interessen in Übereinstimmung mit den Grundsätzen und Zielen der Verfassung zu verwirklichen» (Verfassung der DDR Artikel 29). Insgesamt gibt es ein breites Spektrum gesellschaftlicher Organisationen und Vereinigungen, in denen die Bürger der DDR die Möglichkeit haben, entsprechend ihren Interessen gemeinschaftlich zu wirken, bei der Lösung der gesellschaftlichen Aufgaben aktiv mitzuhelfen, ihre spezifischen Interessen und Neigungen zu entwickeln und zu pflegen, sich weiterzubilden und ihre Freizeit anregend zu gestalten.

Koalitionskriege: Bezeichnung für die 6 Kriege, die die von Großbritannien geführten Feudalstaaten Europas (besonders Österreich, Russland und Preußen) gegen die Franzos. Revolution und das napoleonischen Kaiserreich unternahmen. Diese Koalitionskriege (1793/97, 1799/1802,1805,1806/07,1809,1813/15), in denen sich der Kampf um die Vormacht über Europa (zwischen Frankreich und Großbritannien) mit der Abwehr der gegen den bürgerlichen Fortschritt gerichteten Bestrebungen der europäischen Adelsreaktion vermischte, trugen von Seiten Frankreichs bis zum Frieden von Tilsit (1807) überwiegend den Charakter gerechter Verteidigungskriege, danach nahmen sie eindeutig räuberische Züge an.

koätan: (dat.) gleichzeitig; gleichaltrig.

Koaxialkabel, Kurzwort Koaxkabel: Kabel mit konzentrischem Leiteraufbau, das aus axial geführtem Innenleiter (Kupferdraht), rohrförmigem Außenleiter (Kupferband, -geflecht oder -wellrohr), dazwischenliegendem Dielektrikum sowie äußerer Plastikhülle besteht. Siehe auch Kabel.

Koazervat: Anhäufung kolloidal gelöster Eiweißmoleküle in einer hochverdünnten Lösung, deren Inneres durch eine Grenzschicht von der umgebenden Flüssigkeit getrennt ist; nach A-1Oparin bedeutsam für die Entstehung des Lebens auf der Erde im Urozean.

Cobalt, Symbol Co, Kobalt (dat. Cobaltum deutsch Kobold): chemisches Element der Kernladungszahl 27; Atommasse 58,93; Wertigkeit +2, seltener + 3; F1490°C; Kp etwa 2900°C; Dichte 8,90 g/cm3. Kobalt kommt in der Natur nur chemisch gebunden und mit Nickel vergesellschaftet vor. Es ist für höhere Organismen lebensnotwendig, zum Beispiel als Vitamin B12 (Kobalamin). Wichtige Minerale sind Smaltin (Speiskobalt, CoAs2), Kobaltin (Glanzkobalt), Linnéit (Cobalt Kies), Erythrin (Cobalt Blüte). Kobalt ist ein dem Nickel ähnliches silberglänzendes, sehr hartes und zähes, schwach ferromagnetisches, unterhalb 300 °C luftbeständiges Metall, das auch gegenüber Wasser und Säuren relativ widerstandsfähig ist. Man gewinnt es technisch als Nebenprodukt bei der Verhüttung von Nickelerzen und verwendet es als Legierungsmittel für Hart- und Schneidmetalle sowie Magnetstähle. Kobaltmetall wurde erstmals 1735 von dem schwedischen Chemiker Georg Brandt (1694-1768) hergestellt.

Kobalt 60 n, Cobalt 60: radioaktives Kobaltisotop mit 5,3 Jahren Halbwertszeit. Kobalt sendet neben Betateilchen harte Gammaquanten aus. Es wird in Medizin und Technik als Strahlungsquelle genutzt.

Kobaltbestrahlungsgerät, Telekobalteinheit, Kobaltkanone: Gerät zur Strahlentherapie von bösartigen Geschwülsten (und zur Strahlungssterilisierung zum Beispiel von medizinischen Instrumenten). Ein schwenkbarer Strahlerkopf umschließt die Kobalt-60-Strahlenquelle strahlungssicher, wobei ein Verschluss- und Blendensystem den Strahlenaustritt und die Begrenzung des Nutzstrahlenkegels regelt.

Kobaltblau, Cobaltblau: aus Kobaltaluminat oder -Stannat bestehendes, sehr temperaturbeständiges Pigment für die Porzellanmalerei; in China seit der Yuan-Dynastie (1271-1368) für Unterglasurmalerei gebraucht. Kobaltblau wurde aus Indonesien eingeführt, im 16. Jahrhundert vom persischen (mohammedanischen Blau) und später vom einheimischen Material abgelöst. In Europa wurde die Kobaltblaumalerei auf Fayence und Majolika übertragen. Einzelne Motive der europäischen Malerei in Kobaltblau, wie das Meißner Zwiebelmuster, gehen auf ostasiatische Anregungen zurück.

Kobaltgrün, Cobaltgrün, Türkisgrün: feste Lösung von Kobalt(II)-oxid in Zinkoxid. Kobaltgrün wird als Pigment für Öl-, Aquarell- und Porzellanfarben verwendet.

Kobaltkanone, Kobaltbestrahlungsgerät, Kobaltverbindungen, Cobaltverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Kobalt. Das Metall ist in der Regel +2-wertig, in stark komplexer Bindung auch +3-wertig. Kobalt(II)-chlorid, sieht blau, mit Kristallwasser himbeerrot aus. Mit Kobalt(H)-chloridlösung beschriebenes Papier zeigt zum Beispiel bei heißem Plätten durch Wasserabgabe blaue Schriftzüge, die beim Abkühlen unter Wasseraufnahme wieder verschwinden (Geheimtinte). Kobaltvitriol ist rotes, wasserhaltiges Kobalt(II)-sulfat. Das violette Kobaltkarbonat, und das schwarze Tricobalt-Tetroxid, werden zum Färben von Porzellan verwendet, wobei sich blaues Kobaltsilikat bildet. Eine Kobaltkanone ist auch Vitamin B12 (Kobalamin).

Koban-Kultur: nach dem Gräberfeld bei Koban benannt spätbronze- bis früheisenzeitliche Kulturgruppe des mittleren Kaukasus (1100 bis 500 vor Christus), deren Träger Ackerbauern und Viehzüchter waren.

Kobayashi: 1. Ken-Ichiro, geboren 9. 4.1940, japanischer Dirigent; lebt in Budapest und ist unter anderem ständiger Gastdirigent der Budapester Philharmonie, ferner Chefdirigent des Tokioter Sinfonieorchesters; seit 1975 führten ihn Gastspielreisen und Gastdirigate in zahlreiche europäischen Städte, wiederholt auch in die DDR.

2. Takiji, 13.10.1903-20. 2.1933 (von der Polizei zu Tode gefoltert), japanischer Schriftsteller; wurde mit «Der 15. März 1928» (1928, deutsch), «Krabbenfischer» (1929, deutsch), «Ein Leben für die Partei» (1932) und anderen Werken zum bedeutendsten Vertreter der proletarisch-revolutionären Literatur Japans.

Kobe: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Hyogo, an der Japanischen Inlandsee; 1,4 Millionen Einwohner; bedeutendes Industriezentrum im Hanshin Ballungsgebiet mit Eisen- und Stahlindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau (Schiffbau), elektrotechnische, chemische, Gummi- und Nahrungsmittelindustrie; großer Hafen, U-Bahn; Universitäten.

Kobel: Nest baumbewohnender Kleinsäuger, zum Beispiel von Eichhörnchen und Baummarder.

Kobell: 1. Ferdinand, 7.6.1740-1.2.1799, Maler und Radierer; schuf zunächst stimmungsvolle Landschaften nach holländischen Vorbildern und gelangte später zu einer unmittelbaren realistischen Naturdarstellung.

2. Wilhelm, 6.4.1766-15.7.1855(7), Maler und Graphiker, Sohn von Kobell 1; gehörte zu den Wegbereitern des frühen Realismus und erlangte besonders Anerkennung mit seinen stimmungsvollen Landschaftsdarstellungen sowie den präzis gemalten Pferde- und Schlachtenbildern, die im Spätwerk Züge des Biedermeier tragen.

Koberger, Anton, um 1440-3.10.1513, Buchdrucker und Buchhändler in Nürnberg; erweiterte seine Offizin zu einem manufakturellen Großbetrieb, organisierte den Buchvertrieb bis ins Ausland (Paris, Venedig, Krakow).

Köbis, Albin, 18.12.1892-5.9.1917, ein Führer der revolutionären Matrosen in der deutschen Hochseeflotte, Oberheizer; wurde nach der Matrosenerhebung vom 2.8.1917 zusammen mit M. Reichpietsch verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Kobold: im Märchen und Volksglauben zwergenhafter, oft auch Schabernack treibender Hausgeist.

Koboldmakis, Gespenstaffen, Tarsius: Nacht aktive, bis 18 cm große dünnbeinige und langschwänzige Halbaffen Südostasiens mit großen Augen und häutigen Ohren; Insekten- und Fleischfresser.

Kobras, Hutschlangen, Naja: im tropischen Asien und Afrika lebende Giftnattern, die in Erregung den Vorderteil ihres Körpers aufrichten und die Nackenhaut seitlich auseinanderspreizen; ihr Gift wirkt vorwiegend neurotoxisch. Die in Asien verbreitete bis 2 m lange Brillenschlange (Naja naja) zeigt auf dem Nackenschild eine brillenähnliche Zeichnung; die afrikanischen Speikobras (Naja nigricollis) speit in Abwehr ihr Gift einem Angreifer mehrere Meter weit entgegen; bis 4,5 m lang wird die vorwiegend schlangenfressende Königskobras (Ophiophagus hannah) Asiens, die größte rezente Giftschlange. Siehe auch Kriechtiere.

Koch: 1. Hans Koch, geboren 17.5.1927, Ästhetiker und Kulturtheoretiker, Direktor des Instituts für Marxistisch-Leninistischen Kultur- und Kunstwissenschaften der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED; zahlreiche Arbeiten zu aktuellen kulturpolitischen und -theoretische Fragen, unter anderem «Franz Mehrings Beitrag zur marxistischen Literaturtheorie» (1959), «Marxismus und Ästhetik» (1961), «Unsere Literaturgesellschaft» (1965). Leiter der Kollektivarbeiten «Zur Theorie des sozialistischen Realismus» (1974) und «Zur Theorie der sozialistischen Kultur» (1982).

2. Joseph Anton Koch, 27.7.1768-12.1.1839, österreichischer Maler und Radierer; floh 1791 als Anhänger der Französischen Revolution aus der Karlsschule in Stuttgart; seit 1795 in Rom. Dort wurde Koch einer der bedeutendsten Künstler in der deutsch-römischen Malergruppe, die eine Erneuerung der Landschaftsmalerei zu Beginn des 19. Jahrhundert anstrebte (heroische Landschaft). besonders in seinen Darstellungen des Hochgebirges verbinden sich Gedanken und Formen des Klassizismus mit solchen der Romantik.

3. Jurij Koch, geboren 15.9.1936, sorbischer Schriftsteller; Prosaarbeiten («Zwischen sieben Brücken», 1968; «Rosamaria», 1975, deutsch; «Der einsame Nepomuk», 1979, deutsch; in Deutsch «Landung der Träume», 1982, und Novelle «Der Kirschbaum», 1984), Theaterstücke («Landvermesser», 1980, deutsch), Filmszenarien.

4. Margarete Koch, geboren 9.6.1930, Textilfacharbeiterin; war als Maschinenfahrer und Qualitätskontrolleur im Chemiefaserkombinat «Wilhelm Pieck» Schwarza Initiatorin (1975) der Arbeit nach persönlichen Qualitätsprogrammen, geleitet von dem Grundsatz «Wer gute Qualität kaufen will, muss selbst gute Qualität produzieren».

5. Robert Koch, 11.12.1843-27.5.1910, Bakteriologe; bewies als Kreisphysikus in Wöllstein (Wolsztyn bei Poznan) erstmalig das Entstehen einer Infektionskrankheit (Milzbrand) durch lebende Mikroorganismen, die er in Reinkultur züchtete. Koch zeigte unter anderem, dass die Krankheitserreger spezifisch sind, das heißt, dass sie sich nicht ineinander verwandeln können und nur bestimmte Krankheitserscheinungen hervorrufen. 1880 wurde er an das Reichsgesundheitsamt in Berlin berufen, 1885 Professor der Hygiene, 1891 Direktor des neugegründeten Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin. Koch wurde mit zahlreichen Schülern zum Begründer der Methodik der modernen Bakteriologie. Er entwickelte viele Arbeitsmethoden, zum Beispiel in der Färbe- und Experimentaltechnik, und führte künstliche Nährböden ein. Der Höhepunkt seines Schaffens war die Entdeckung des Erregers der Tuberkulose (1882); unter anderem entwickelte er auch das Tuberkulin. 1884 entdeckte er den Erreger der Cholera; auf Expeditionen in Afrika und Indien erforschte er unter anderem die Schlafkrankheit, Malaria, Rinder- und Beulenpest

Kochanowski, Jan, 1530-22.8.1584, polnischer Lyriker; bedeutendster Vertreter der polnischen Renaissancedichtung, schrieb in lateinischer und polnischer Sprache; wurde mit seiner formvollendeten Lyrik («Treny», 1580, Auswahl deutsch) zum Schöpfer der polnischen dichterischen Sprache. «Die Abweisung der griechischen Gesandten» (1565/66, deutsch) ist das erste bedeutende polnische Renaissancedrama. Seine glänzende Übertragung des «Psalters Davids» (1579) in Versen fand weite Verbreitung.

Köchelverzeichnis, Abkürzung KV: chronologisch-thematische Verzeichnis der Werke W. A. Mozarts; benannt nach dem Musikforscher Ludwig von Köchel (1800-1877).

Kocher: Druckgefäß zum Erhitzen eines Gemischs fester Stoffe und einer Flüssigkeit bei erhöhtem Druck. Kocher werden zum Beispiel in der Zellstoffindustrie zum chemischen Aufschluss von Holz (Herauslösen des die Zellstoffasern verbindenden Lignins) angewendet. Unterscheidung der Kocher hierbei in rotierende Kugelkocher für Hadernaufbereitung und Strohstoffherstellung, rotierende Sturzkocher zur Sulfat Zellstoff Herstellung, stehende Kocher zur Sulfitzellstoff Herstellung.

Kocher, Emil Theodor, 25.8.1841-27.7.1917, schweizerischer Chirurg; Professor in Bem. Kocher, der die Chirurgie in allen ihren Zweigen beherrschte und durch Neuerungen bereicherte, schuf die große Berner Chirurgenschule. Er beschäftigte sich insbesondere mit der operativen Behandlung des Kropfes.

Köcher: (germanisch) längliche Behälter, besonders für Pfeile.

Köcherfliegen, Trichoptera: Ordnung falterähnliche Insekten mit 2 Paar behaarten Flügeln; mitteleuropäische Arten bis 3 cm lang; Vollkerfe saugen Pflanzensäfte. Die Larven leben im Wasser in selbstgebauten Röhren (Köcher), in denen auch die Verpuppung erfolgt.

Köcherwurm, Pectinaria koreni: bis 5 cm langer Vielborster; lebt frei am Sand- oder Schlammboden des Meeres; trägt eine beiderseits offene Wohnröhre mit sich umher, ernährt sich von Mikroorganismen und Faulstoffen, die er mit vielen Tentakeln aufsammelt.

Kochi: 1. Präfektur in Japan, im Süden der Insel Shikoku; 7107 km2, 820000 Einwohner; 115 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Kochi 2; industriell wenig entwickeltes Gebiet (vorwiegend Fahrzeug-, Maschinenbau, Holz- und Möbelindustrie, daneben Seiden- und Papierindustrie); Gemüse-, Reisanbau.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Kochi 1; 300000 Einwohner; Papierindustrie; Hafen.

Kocic, Petar, 29.6.1877-27.8.1916, serbischer Schriftsteller und Politiker; kämpfte gegen die nationale und soziale Unterdrückung durch Österreich-Ungarn; schrieb realistische Erzählungen sowie das politisch-satirische Drama «Der Dachs vor Gericht» (1904).

Kode, Code: 1. allgemein Schlüssel zum Entziffern einer Geheimschrift; System zum Verschlüsseln oder Verkürzen eines Textes (Telegramm-Kode).

2. Informationsverarbeitung: eine im Allgemeinen eindeutig umkehrbare Zuordnungsvorschrift zwischen den Alphabeten eines Informationssenders und -empfängers, allgemeiner zwischen den Elementen zweier Mengen; siehe auch Binärverschlüsselung, Hamming-Distanz, Kodierung, Strichkode.

Kodein, Codein: ein im Opium neben Morphin enthaltenes Alkaloid der Formel C18H2i03N. Kodein wird durch Methylierung von Morphin hergestellt. Es bildet ein weißes, giftiges, bitter schmeckendes Kristallpulver; F156 bis 157°C. Kodein wird auf Grund seiner stark dämpfenden Wirkung auf das Hustenzentrum besonders bei trockenem Reizhusten angewandt.

Koder, Coder: elektronische Schaltung, die eine Verschlüsselung (Kodierung) von Signalen zur Optimierung der Informationsübertragung oder -Verarbeitung vornimmt.

Köder: Fischnahrung, die beim Fang zum Anlocken verwendet wird (zum Teil auf Angelhaken gesteckt).

Kodierung: Aufprägung einer Information auf ein (digitales) Signal beziehungsweise Umwandlung von Kodeworten eines Quellzeichenvorrats in Kodeworte eines Zielzeichenvorrats (siehe auch Binärverschlüsselung). Mit Dekodierung bezeichnet man die Rückumwandlung der Kodeworte beziehungsweise die Entnahme einer Information von einem (digitalen) Signal.

Kodifikation: zusammenfassendes Gesetzeswerk, komplexe rechtliche Regelung eng verbundener gesellschaftlicher Verhältnisse, zum Beispiel AGB, Landeskulturgesetz.

Kodiri, Abdulla, April 1894-26.8.1939, usbekisch-sowjetischer Schriftsteller; veröffentlichte seit 1915 Feuilletons, humoristische Kurzgeschichten und satirische Erzählungen; in den historischen Romanen «Die Liebenden von Taschkent» (1925, deutsch) und «Der Skorpion aus der Gebetsnische» (1929) schildert er die schwere Lage der Frau im vorrevolutionären Usbekistan.

Koeffizient: Zahl, die Faktor einer Variablen ist. In der Gleichung 3x + 2 = 0 zum Beispiel ist 3 Koeffizient der Variablen x.

Koeffizienten Methode: Verfahren, bei dem mit Hilfe von Umrechnungskoeffizienten unterschiedlicher Größen vergleichbar gemacht werden. Die Koeffizienten Methode wird zum Beispiel bei der Ermittlung der Kapazität und Kapazitätsausnutzung in Betrieben angewandt, die mehrere unterschiedliche Erzeugnisse ähnliche technologische Struktur herstellen, bei denen aber der Arbeitszeitaufwand in den einzelnen Produktionsabschnitten unterschiedlich ist.

Koeffizienten Potentiometer: Rechenelement. Koelreuter, Joseph Gottlieb, 27.4.1733-12.11.1806, Botaniker; erkannte die Bedeutung der Insekten für die Blütenbestäubung, unternahm wissenschaftliche Kreuzungsversuche bei Pflanzen.

Koenig: 1. Alma Johanna Koenig, 18.8.1889-1942 (ins KZ Minsk verschleppt, seitdem verschollen), österreichische Dichterin; verfasste feinfühlige Gedichte («Liebesgedichte», 1930) und stimmungsvolle Romane und Erzählungen mit historischen-exotischen Stoffen («Der heilige Palast», 1922).

2. Friedrich Koenig, 17.4.1774-17.1.1833, Buchdrucker; erfand 1811 die Zylinderdruckmaschine für den Hochdruck (Schnellpresse).

Koenzym, Coenzym: Bezeichnung für die prosthetische Gruppe von Enzymen, die zusammen mit einem Proteinanteil (Apoenzym) das wirksame Enzym (Holoenzym) bildet. Koenzym werden von der Zelle aus Vitaminen gebildet, zum Beispiel Pyridinnukleotid-Coenzym, Koepe-Förderung, Fördermaschine.

Koeppen, Wolfgang, geboren 23.6.1906, Schriftsteller der BRD; übte als Romancier frühzeitig scharfe Kritik an Remilitarisierung und Neofaschismus («Tauben im Gras», 1951; «Das Treibhaus», 1953; «Der Tod in Rom», 1954); verfasste auch Reisebücher sowie die autobiographische Erzählung «Jugend» (1976).

Koergismus: alle Formen des Zusammenwirkens von Arzneimitteln im Organismus (Kombination und Sukzession). Hinsichtlich der Wirkungsintensität kann sich der Koerglsmus äußern als Potenzierung (überadditive Wirkungsverstärkung), Synergismus (reine Summation der Wirkung) oder Antagonismus (Wirkungsabschwächung).

Koerzimeter: Gerät zum Messen der Koerzitivkraft einer ferromagnetischen Substanz.

Koexistenz: gleichzeitiges Vorhandensein, Nebeneinanderbestehen unterschiedlicher Dinge und Erscheinungen; siehe auch friedliche Koexistenz.

Köfer, Herbert, geboren 17.2.1921, Schauspieler; war 1952 Mitgestalter der ersten Fernsehsendung der DDR und wurde durch viele Lustspiele («Der Lumpenmann», «Lügen haben lange Beine»), auch Werke der dramatischen Kunst («Krupp und Krause», «Wolf unter Wölfen») zu einem der populären Schauspieler des Fernsehens; spielte auch in Filmen der DEFA («Nackt unter Wölfen»).

Koffein, Coffein: der Hauptwirkstoff von Kaffee (geröstet bis 2,5 % Gehalt), Tee (getrocknet bis 5%), Mate (bis 1,5%) und Kolanüssen (bis 3, 5%). Koffein wird auch synthetisch gewonnen; es kristallisiert in Form farb- und geruchloser, bitter schmeckender, heißwasserlösliche Nadeln der Formel C8Hio02N4, die beim Erhitzen sublimieren; F 235 °C. In mäßigen Mengen wirkt Koffein mild erregend und leistungsverbessernd. Es verstärkt die Wirkung vieler schmerzlindernder Mittel und wird deshalb schmerzstillenden Mischpräparaten zugesetzt.

Kofferfische, Ostraciontidae: 15 bis 50 cm lange Korallenfische, deren Körper von einem eckigen Hautknochenpanzer mit Aussparungen für Augen, Maul, Flossen und After umgeben ist; Bauchflossen zurückgebildet.

Köflach: Industriestadt in der Steiermark (Österreich), westlich von Graz; 12000 Einwohner; Glashütten, Maschinenbau, Textil-, Schuh-, Porzellanindustrie; Gestüt (Lipizzaner); Pfarrkirche aus dem 17. Jahrhundert; in der Umgebung Braunkohlenbergbau.

Kofu: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Yamanashi, im mittleren Teil der Insel Honshu, westlich von Tokio; 200000 Einwohner; Seiden- und Glasindustrie, Edelsteinverarbeitung.

Kogalniceanu, Mihail, 6.9.1817-1.7.1891, rumänischer Politiker und Historiker, gehörte zu den Wortführern der Revolution 1848 in der Moldova; war 1860/61 Ministerpräsident der Moldova und 1863/65 Rumäniens; setzte gemeinsam mit I. Cuza bürgerliche Reformen durch und trug zur Stärkung des rumänischen Nationalbewusstseins bei.

Kogan, Leonid Borissowitsch, 14.11.1924-17.12.1982, sowjetischer Violinist; gilt nach D. Oistrach als bedeutendster sowjetischer Geiger; Professor am Moskauer Konservatorium.

Kogge, fachsprachlich Koggen (beide niederdeutsch, zu «Kugel»): im 12. Jahrhundert entstandenes einmastiges klinkerbeplanktes Handelsschiff, zum Teil mit kastellartigen Aufbauten, im Krieg auch bewaffnet; vermutlich erster Schiffstyp mit Heckruder mittschiffs (Tragfähigkeit 100 bis 2001).

Kognak, Cognac: edler französischer Weinbrand, benannt nach der Stadt Cognac, nach traditionellen Verfahren aus Weinen der Charente hergestellt. Die dort angebauten Rebsorten ergeben besonders gute Weindestillate. Das Mindestalter von Kognak beträgt 1 Jahr (3 Sterne). Altersbezeichnungen sind unter anderem Supérieure (3 Jahre), Réserve (4 Jahre), Extra und Napoléon (je 5 Jahre).

Kognaten: im weiteren Sinne Verwandte gemeinsamer Abstammung; im engeren Sinne Blutsverwandte mütterlicher Linie; siehe auch Agnaten.

Koguryo: koreanischer Feudalstaat (37 vor Christus/668 nach Christus) in Nord- und Mittelkorea sowie Nordostchina, Hauptstadt Pjöngjang (seit 427); 668 mit Unterstützung der chinesischen Tang-Dynastie von Silla erobert, 675 zum Teil mit Silla vereinigt.

kohärent: 1. allgemein zusammenhängend.

2. Metrologie: Maßeinheit.

3. Optik: Kohärenz.

Kohärenz: Eigenschaft von Licht- oder anderen Wellen, die dann kohärent heißen, in unterschied! Raum- und Zeitpunkten feste Phasen- und Amplitudenbeziehungen zu haben. Die Kohärenz ist eine Voraussetzung für die Interferenz. Zeitl. Kohärenz liegt vor, wenn die Lichtwellen quasimonochromatisch sind und die Differenz der optischen Weglängen die sogenannte Kohärenzlänge nicht überschreitet. Räumliche Kohärenz liegt vor, wenn ein räumlicher Intervall der Lichtquelle kohärentes Licht ausstrahlt. Hohe Kohärenz zeigt die Strahlung von stabilisierten Lasern.

Kohäsion: Zusammenhalt der Moleküle eines Stoffes durch die zwischenmolekularen Kräfte. Die Kohäsion äußert sich bei Festkörpern in der Zerreißfestigkeit, bei Flüssigkeiten in der Oberflächenspannung und bei realen Gasen in der größeren Kompressibilität gegenüber idealen Gasen. Siehe auch Adhäsion 2.

Kohlbition: Zurückhaltung, Mäßigung.

Kohle: 1. Kunst: Zeichenmaterial aus gebrannten Linden-, Weiden- oder Buchsbaumstäben. Die Kohle ermöglicht die Wiedergabe einer reichen Tonskala vom kräftigen Schwarz bis zum zarten Grau. Die fertige Kohlezeichnung wird wegen ihrer geringen Haltbarkeit fixiert.

2. Petrographie: brennbares Zersetzungsprodukt Organ. Substanzen mit mattem oder glänzendem Bruch, von brauner bis schwarzer Farbe und weicher bis steinharter Beschaffenheit; enthält im Allgemeinen höchstens 50% nichtbrennbare Bestandteile (sogenannt Asche). Kohle entstand vorwiegend im Carbon und Tertiär. In Sumpfwäldern und Mooren bildete sich aus absterbenden Pflanzenresten (im Carbon vorherrschend Sporenpflanzen, im Tertiär besonders Laub- und Nadelhölzer) bei absinkendem Untergrund unter Luftabschluss zunächst Torf. Unter dem Druck darüber lagernder Sedimente und dem Einfluss tektonischer Bewegungen sowie gesteigerter Temperatur erfolgte ständig eine weitere Zunahme des Kohlenstoffgehalts (bei Torf 50 bis 60%, Braunkohle 55 bis 75%, Steinkohle 70 bis 90%, Anthrazit über 90%) bei gleichzeitiger Abnahme des Wasserstoff- und Sauerstoffgehalts. Entscheidend für die jeweils erreichte Inkohlungsstufe waren in erster Linie die Druck- und Temperaturverhältnisse, nicht das Alter. So trägt zum Beispiel die im Moskauer Becken im Carbon, das heißt im eigentlichen Steinkohlenzeitalter entstandene Kohle heute noch Braunkohlencharakter, während die im Tertiär, das heißt im Braunkohlenzeitalter, entstandene Pechkohle Oberbayerns durch tektonischen Druck Steinkohlencharakter annahm. Wesentlichste Kohlebildner sind ehemalige Flachmoore. Braunkohle wird meist im Tagebau, Steinkohle im Untertagebau gefordert. Seit Mitte des 19. Jahrhundert ist mit der beginnenden Industrialisierung die Kohle zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor geworden, eine Stellung, die auch dadurch nicht beeinträchtigt wird, dass Erdöl und -gas sowie in zunehmendem Maße Kernenergie als Primärenergieträger eingesetzt werden.

Kohlechemie, Karbochemie, Carbochemie: Gesamtheit der chemisch-technologische Prozesse, bei denen Kohle als Rohstoff zur Herstellung von Kohlenstoffverbindungen dient. Durch Kohleveredlung, zum Beispiel Verschwelung oder Verkokung, werden wertvolle Kohleinhaltsstoffe, wie Benzol und andere Aromaten, Paraffine, Phenole, Stickstoff- und Schwefelverbindungen, gewonnen. Diese Produkte sind Ausgangsstoffe zum Beispiel für die Herstellung von Polymeren, Farbstoffen, Pharmazeutika und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Bei der «Kohleverflüssigung» erfolgt die Synthese von Kohlenwasserstoffen durch Hydrierung des in der Kohle enthaltenen Kohlenstoffs. Durch Vergasung von Kohle oder Koks werden Generator- oder Wassergas erzeugt, die als Energie- beziehungsweise Synthesegas (für Kohlenwasserstoffe, Alkohole und Ammoniak) sowie zur Herstellung von Wasserstoff genutzt werden. Nachdem die Kohlechemie zugunsten der Petrolchemie zeitweilig in den Hintergrund getreten war, gewinnen nunmehr karbochemisches Verfahren wieder stärker an Bedeutung.

Kohlenanzünder, Feueranzünder, mit Harzen, Wachsen, Naphthalin, Teeren und Teerölen getränkte Sägespäne; Anheizmittel für Hausbrandöfen.

Kohlendioxid: ein farbloses, nicht brennbares Gas von schwach säuerlichem Geruch und Geschmack; Formel C02. Es kommt zu 0,03 Vol.-% in der Luft vor und findet sich auch in Mineralquellen (Sauerbrunnen, Sprudel) und Vulkangasen. Es ist schwerer als Luft und sammelt sich daher am Boden von Gärkellern, Brunnen und dergleichen an (Erstickungsgefahr!). Flüssiges Kohlendioxid kommt in Stahlflaschen unter einem Druck von etwa 5,5 MPa in den Handel; beim Ausfließen aus der geneigten Flasche bildet sich durch teilweise Verdampfung unter starker Abkühlung Kohlendioxidschnee («Kohlensäureschnee»; siehe auch Trockeneis), der bei -78°C sublimiert. Wasser löst Kohlendioxid, wobei sich ein Teil zu Kohlensäure umsetzt. Erhöhte Kohlendioxidkonzentration in der Atemluft führt zu Atemnot und zum Ansteigen des Blutdrucks, ein Gehalt von 10% zu Benommenheit, mehr als 20% zu tiefer Narkose und Tod durch Lähmung des Atemzentrums im Gehirn. Das Kohlendioxid der Luft wird laufend durch die grünen Pflanzen in organischer Substanz umgewandelt, jedoch ständig durch Atmung, Verwesung, Verbrennung unter anderem wieder ergänzt. Kohlendioxid entsteht bei der Verbrennung von Kohlenstoff und dessen Verbindungen, beim Kalkbrennen, bei der Konvertierung von Wassergas und bei der alkoholischen Gärung; man verwendet es in Feuerlöschern, als Schutzgas, in Getränken sowie zur technischen Herstellung von Harnstoff, Salizylsäure und anderen Produkten.

Kohlendioxidassimilation: nur in grünen Pflanzen ablaufender, an das Vorhandensein von Chlorophyll gebundener Vorgang, bei dem aus Kohlendioxid und Wasser energetisch hochwertiges Material aufgebaut wird. Als Energiequelle dient dabei das Sonnenlicht.

Kohlendisulfid, Schwefelkohlenstoff: farblose, giftige, wasserunlösliche, sehr feuergefährliche, mit blauer Flamme zu Wasserdampf und Schwefeldioxid verbrennende Flüssigkeit von Rettich artigem Geruch; Formel CS2; Kp 46,2 °C; Anwendung zur Herstellung von Viskose, Xanthogenaten und Tetrachlormethan. Auf Grund seiner starken Lipoidlöslichkeit führt die Einatmung von Kohlendisulfid vor allem zu Schädigungen des zentralen und peripheren Nervensystems.

Kohlenhobel: im Steinkohlenbergbau verwendetes, schälendes Gewinnungsgerät; mit Hobelmessern versehener Stahlkörper, der an den Kohlenstoß gedrückt und durch Seile oder Ketten an diesem entlanggezogen wird. Dadurch werden Kohlenstreifen vom Stoß abgeschält und in das Strebfördermittel verladen.

Kohlenhydrate: unscharf abgegrenzte Gruppe organisch-chemischen Verbindungen, die sich (mit Ausnahme der Desoxyzucker) gemäß der Formel C„(H20)„ formal aus Kohlenstoff und Wasser zusammensetzen. Zu den Kohlenhydraten gehören alle Stärke-, Zellulose- und nahezu alle Zuckerarten; den Kohlenhydrate verwandt sind die Pektine und Zuckeralkohole. Die einfachsten Kohlenhydrate sind die Monosacharide; aus 2 bis 10 Monosaccharid Molekülen sind die Oligosaccharide aufgebaut. Während die Mono- und Oligosaccharide meist wasserlösliche, süß (seltener bitter) schmeckende, kristalline Substanzen darstellen, sind die aus vielen (bis zu mehreren Tausend) Monosaccharid Molekülen aufgebauten Polysacharide Stärke, Glykogen und Zellulose färb-, geruch- und geschmacklos, amorph und allenfalls kolloidal löslich. Alle Oligo- und Polysacharide lassen sich durch Enzyme oder durch Erhitzen mit verdünnten Säuren unter Wasseraufnahme in Monosacharide spalten. Kohlenhydrate entstehen in Pflanzen durch Assimilationsprozesse und bilden mit Fetten und Eiweißen die Grundnahrungsmittel für Mensch und Tier.

Kohlenhydrateinheit, Abkürzung KHE: Vergleichs- und Berechnungsgröße der Kohlenhydratmenge für die Diabetikerkost; 1 KHE = 10 g Kohlenhydrate. Die KHE hat die frühere Broteinheit (Abkürzung BE, 1 BE = 12 g Kohlenhydrate) abgelöst. Alle Diabetikerlebensmittel, die mehr als 3 g verdauliche Kohlenhydrate je 100 g beziehungsweise 100 ml oder je Verkaufseinheit enthalten, sind bezüglich der KHE deklarationspflichtig.

Kohlenkalk: Flöz freie marine Fazies des Dinant (Unteres Carbon); fossilreicher Kalkstein.

Kohlenmonoxid: farb- und geruchloses, giftiges, mit blauer Flamme brennendes, wenig wasserlösliche Gas; Formel CO; Kp -191,5 °C. Kohlenmonoxid ist ebenso schwer wie Luft; es entsteht bei unvollständiger Verbrennung von Kohle (schlecht ziehende Öfen), Treibstoffen (Auspuffgase) u. ä. Kohlenmonoxid ist Bestandteil von Stadt-, Kokerei-, Wasser-, Generator- und Gichtgas sowie von Synthesegas zur Herstellung von Methanol, Blausäure, Phosgen unter anderem Gesundheitsgefährdende Konzentrationen des Kohlenmonoxid können unter anderem in Feuerungs- und Gaserzeugungsanlagen, in der chemischen Industrie und an verkehrsreichen Straßen auftreten und stellen die häufigste berufliche Gasvergiftung dar. Die Giftigkeit beruht vorwiegend auf einer Blockierung des roten Blutfarbstoffs durch Bildung von Kohlenmonoxid Hämoglobin durch ein gegenüber Sauerstoff bis zu 300fach höheres Bindungsvermögen. Bei der akuten Kohlenmonoxid Vergiftung können Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Schwindel, Erregungs- und Verwirrtheitszustände, Erbrechen und Müdigkeit bis zur Bewusstlosigkeit und zum Tod auftreten. Bei der chronischen Kohlenmonoxid Vergiftung sind nervöse Störungen und psychische Veränderungen möglich.

Kohlenoxidsulfid: farb- und geruchloses, giftiges, brennbares, in Wasser nur wenig lösliches Gas; Formel COS; Kp -50,2°C; entsteht als Nebenprodukt bei der Herstellung von Synthesegas durch Öldruckvergasung.

Kohlenpetrographie: Wissenschaft, die sich mit der makro- und mikroskopischen Untersuchung der Kohlen hinsichtlich ihres Gefüges und ihrer Zusammensetzung befasst, um dadurch die technologischen Verwendungsmöglichkeiten einzuschätzen sowie die Genese zu klären.

Kohlensäure: aus Kohlendioxid und Wasser entstehende, nur in verdünnter wässriger Lösung beständige schwache Säure; Formel H2C03; die Salze und Ester heißen Carbonate.

Kohlensäureester: chemische Verbindungen der Formel OC(OR)2, zum Beispiel Kohlensäurediethylester (Diethylcarbonat), eine farblose Flüssigkeit; Kp 126°C. Kohlensäureester werden aus Phosgen und Alkoholen hergestellt. Makromolekulare Kohlensäureester sind die Polykarbonate.

Kohlenstaub: durch mechanische Zerkleinerung von Förderkohle in Kohlenstaubmühlen (Ventilator-, Schläger-, Rohrmühlen) künstlich hergestellter staubförmiger Brennstoff. Die Kohlenstaubfeuerung ist zur wichtigsten Feuerungsart bei Dampferzeugern geworden.

Kohlenstaubexplosion: plötzliche Verbrennung von Kohlenstaub, wenn dieser in hoher Konzentration in der Luft enthalten ist. Im Bergbau erfolgt die Zündung meist durch eine Grubengasexplosion, bei Sprengarbeiten, durch schadhafte elektrische Einrichtungen, Umgang mit offener Flamme unter anderem. Auch beim Trocknen der Kohle in Brikettfabriken und beim Bunkern besteht die Gefahr der Kohlenstaubexplosion. Durch geeignete Maßnahmen lässt sich das Entstehen beziehungsweise die Ansammlung von Staub wesentlich verringern.

Kohlenstaubmotor, Rupa-Motor (nach Rudolf Pawlikowski): nach dem Dieselverfahren arbeitender Verbrennungsmotor mit Kohlenstaub als Kraftstoff, der in die hochverdichtete Luft des Zylinderraumes eingeblasen wird. besonders der hohe Verschleiß infolge der Aschebildung hat bislang die Entwicklung betriebsbrauchbarer Motoren beeinträchtigt.

Kohlenstoff, Carboneum (-um; dat. carbo, «Kohle»), Symbol C: chemisches Element der Kernladungszahl 6; Atommasse 12,01115; Wertigkeiten +4, seltener +2; Modifikationen sind Diamant und Graphit; der sogenannt amorphe Kohlenstoff (Ruß, Retortengraphit, Koks, Aktivkohle) besteht aus fernkristallinem Graphit mit unterschiedlichen Beimengungen; Diamant geht bei 1500°C in Graphit über, der oberhalb 3700°C sublimiert. Kohlenstoff ist chemisch gebunden in allen Organismen enthalten und kommt in natürlichen Carbonaten, Kohlendioxid, Kohle, Erdöl, Erdgas und Erdwachs vor. Kohlenstoff ist in allen Formen geruch- und geschmackfrei und nur in manchen Metallschmelzen löslich. Er verbrennt zu Kohlendioxid, bei Sauerstoffmangel zu Kohlenmonoxid. Siehe auch organische Chemie. Kohlenstoff wurde von A. L. Lavoisier um 1780 als Element erkannt, ebenso seine zentrale Rolle in den organisch-chemischen Verbindungen.

Kohlenstoff 14: radioaktives Kohlenstoffisotop mit 5760 Jahren Halbwertszeit. Kohlenstoff 14, ein weicher Betastrahler, entsteht durch Neutronenbeschuss von Stickstoff; er wird in der organischen und Biochemie zur Aufklärung von Reaktionsabläufen eingesetzt. Siehe auch Altersbestimmung.

Kohlenstoffstein: hochfeuerfester Stein aus Kohlenstoff für Schacht- und Schmelzöfen; nur in reduzierender Brennatmosphäre (Brennen 1) verwendbar.

Kohlenstoffsuboxid: giftiges, unangenehm scharf riechendes Gas der Formel C302, Struktur 0=C=C=C=0; Kp 7°C; verbrennt mit blauer, rußender Flamme.

Kohlenwasserstoffe: chemische Verbindungen zwischen Kohlenstoff und Wasserstoff, zum Beispiel Alkane, Alkene, Alkine, Zykloalkane und Arene. Gesättigte Kohlenwasserstoffe lassen sich vorwiegend durch Substitution, ungesättigte Kohlenwasserstoffe vorwiegend durch Addition in andere Verbindungen (Derivate) überführen. Kohlenwasserstoffe finden sich in Erdgas, Erdöl und in Pflanzen (Terpen-Kohlenwasserstoffe).

Kohlenwasserstoffprospektion: Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten; siehe auch Erdölgeophysik, Bodenluftmessung, Bohrlochmessung.

Köhler, Seelachs, Pollachius virens: zu den Dorschartigen gehörender, über 1 m langer Raubfisch der nordostatlantischen Küsten und der Nordsee. Siehe auch Dorschartige.

Köhler: 1. Erich Köhler, geboren 28.12.1928, Schriftsteller; schreibt über ethisch-ästhetische Probleme in Bereichen der sozialistischen Arbeit («Schatzsucher», 1964; «Der Krott oder Das Ding unterm Hut», 1976; «Hinter den Bergen», 1976; «Hartmut und Joana», 1980); ferner Kinderbücher («Der Schlangenkönig», 1975; «Die Denkmaschine», 1979), Schauspiele («Der Geist von Cranitz», 1972; «Das Zauberpferdchen», 1973), phantastische Erzählungen («Reise um die Erde in acht Tagen», 1978; «Kiplag Geschichten», 1980) und Essays.

2. Johannes Ernst Köhler, geboren 24.6.1910, Organist; wirkt seit 1934 in Weimar (seit 1950 Professor an der Musikhochschule); als Solist und Orgelimprovisator international bekannt.

3. Siegfried Köhler, 2.3.1927-15.7.1984, Komponist und Musikwissenschaftler, 1968/80 Rektor (Professor) der Dresdner Musikhochschule; 1982/84 Präsident des VKM, seit 1984 Intendant der Dresdner Staatsoper; schuf zahlreiche Instrumental- (4 Sinfonien, Solokonzerte, Streichquartette unter anderem Kammermusik) und vielfältige Vokalwerke; Herausgebertätigkeit.

4. Thomas Köhler, geboren 25.6.1940, zweifacher Olympiasieger im Rennschlittensport 1964 im Einsitzer und 1968 im Doppelsitzer, olympische Silbermedaille im Einsitzer 1968, dreifacher Weltmeister im Einsitzer 1962 und 1967 sowie im Doppelsitzer 1967; seit1980 Vizepräsident des DTSB der DDR.

Köhlerei: handwerkliche Gewinnung von Holzkohle durch Verkohlung von Holz im Kohlenmeiler. Aus Knüppelholz wird ein Kegel (Meiler) mit einem Mittelschacht zum Abzug der Verbrennungsgase aufgeschichtet; von außen wird der Meiler mit Erde und Grasstücken bis auf wenige Luftzuführungslöcher abgedeckt und dann entzündet. Ein Brand dauert etwa 8 Tage; dabei gehen wertvolle Zersetzungsprodukte des Holzes verloren.

Köhlersche Beleuchtung: beim Mikroskop Anordnung zur gleichmäßigen Beleuchtung eines einstellbaren Objektfeldes mit variabler numerischer Apertur. Die Lichtquelle wird mittels eines sammelnden optischen Systems (Kollektor) in die als Öffnungsblende wirkende Irisblende abgebildet, die in der objektseitigen Brennebene des Kondensors steht. Dieser erzeugt dadurch parallele Lichtbündel, mit denen das Objekt beleuchtet wird. Eine weitere, dicht hinter dem Kollektor stehende Irisblende (Leuchtfeldblende) wird vom Kondensor in die Objektebene abgebildet. Die Köhlersche Beleuchtung wurde 1893 von dem Optiker August Köhler (1866-1948) angegeben.

Köhlersche Krankheit: im Wachstumsalter auftretende Erkrankung des Kahnbeins des Fußes oder von Mittelfußköpfchen infolge Zerstörung des Knochengewebes bei Überlastungen oder geminderter Belastbarkeit des Knochens (aseptische Nekrose). Der Wiederaufbau des Knochens erfolgt meist mit Verformungen. benannt nach dem Radiologen Alban Köhler (1874-1947).

Kohleule, Mamestra brassicae: etwa 4 cm spannender, graubrauner Eulenfalter; die schwarze oder grüne Raupe der 2. Generation (Herzwurm) frisst in Kohlköpfen.

Kohleveredlung: wertsteigernde Verarbeitung von Kohle durch physikalische und chemische Verfahren. Zur Kohleveredlung zählen insbesondere Entgasungs- (Verschwelung, Verkokung) und Vergasungsprozesse, ferner Hydrierung und Extraktion. insbesondere bei Braunkohle ist vorheriges Trocknen und zum Teil Brikettieren erforderlich. Die Kohleentgasung erfolgt durch Erhitzen unter Luftausschluss; hierbei entstehen flüchtige Zersetzungsprodukte, aus denen sich Teer niederschlägt, und als Rückstand verbleibt Koks. Je nach Endtemperatur unterscheidet man Tief- (Verschwelung; bis 600 °C), Mittel- (bis 800 °C) und Hochtemperaturentgasung (Verkokung; ab 900 °C). Während bei Braunkohle die Verschwelung dominiert, wird Steinkohle überwiegend verkokt. Die flüssigen Produkte werden destillativ voneinander getrennt; bei der Braunkohlenschwelung fallen hierbei Schwelteer, Leichtöl, Benzin, Schwelgas und Schwelwasser an. Der Schwelteer ist Ausgangsstoff zur Gewinnung von niederen und höheren Aliphaten sowie von Phenolen; neben dem Schwelkoks ist er der wichtigste Kostenträger der Verschwelung (siehe auch Schwelerei). Die höhere Temperatur bei der Verkokung führt einerseits zur thermischen Spaltung der flüchtigen Substanzen, hauptsächlich zu Wasserstoff, Methan und Kohlenmonoxid, andererseits zur Neubildung von Aromaten (siehe auch Kokerei). Die wichtigsten Produkte der Braunkohlenverkokung sind BHT-Koks und Kokereigas, das als Ferngas genutzt wird. Die Steinkohlenverkokung liefert neben Hüttenkoks insbes. Steinkohlenteer, der neben Phenolen und Pyridinbasen insbesondere Benzol, Toluol, Xylol, Naphthalin, Anthrazen und andere Arene enthält und durch Destillation in Leicht-, Mittel-, Schwer- und Anthracenöl zerlegt wird. Als Rückstand verbleibt Teerpech, während die Öle durch chemische und physikalische Verfahren weiterverarbeitet werden. Hauptprodukt der Braunkohlenextraktion ist Montanwachs. Die Weiterentwicklung der Kohleveredlung ist ein Schwerpunkt der ökonomischen Strategie der DDR.

Kohlgallenrüssler, Ceutorhynchus pleurostigma: 3 mm langer, schwarzer Rüsselkäfer; erzeugt am Wurzelhals von Kohlpflanzen erbsengroße Gallen, in denen seine Larven fressen; weit verbreiteter Gemüseschädling.

Kohlhaase, Wolfgang, geboren 13.3.1931, Schriftsteller; schreibt Szenarien für Film und Fernsehen («Berlin Ecke Schönhauser», 1957; «Der Fall Gleiwitz», 1961; «Ich war neunzehn», 1967; «Mama, ich lebe», 1977); ferner Bühnenstücke («Fisch zu viert», 1970) sowie Erzählungen («Silvester mit Balzac und andere Erzählungen», 1977).

Kohlhernie: («Eingeweidebruch») durch den Pilz Plasmodiophora brassicae an Kohl und anderen Kreuzblütlern hervorgerufene kropfartige Wurzelverdickungen («Knotensucht», «Kropfkrankheit»), Die befallenen Pflanzen bleiben im Wachstum zurück und zeigen im Wurzelbereich Anschwellungen bis zu Faustgroße. Die Sporen bleiben im Boden bis zu 6 Jahre lebensfähig. Bekämpfung durch Fruchtwechsel, Kalkung und Bodendesinfektion.

Kohlmeise, Parus major: bis 15 cm lange und 20 g schwere Meise, die in parkartigem Gelände Eurasiens lebt; zieht im Jahr 2 Bruten von je 8 bis 12 Jungen groß; Hauptnahrung sind Insekten. S. a» Singvögel.

Kohlrabi, Brassica oleracea var. gongylodes: Gemüsekohl mit hellgrüner oder blauvioletter Sprossknolle; seit dem 16. Jahrhundert in Europa kultiviert.

Kohlrübe, Steckrübe, Wruke, Brassica napus subsp. rapifera: schnellwachsende frostharte Futter- (z.T. auch Speise-) Pflanze der Gattung Kohl mit dickfleischiger, heller Wurzel.

Kohlweißling, Pieris brassicae: Tagfalter aus der Familie der Weißlinge mit 2 bis 3 Generationen im Jahr; die gelbgrüne Raupe (Kohlraupe) ist oft an Kohlpflanzen schädlich, vorwiegend jedoch an anderen Kreuzblütlern.

Kohortation: (lateinisch) Ermahnung, Mahnung.

Kohorte: («Gefolge», «Schlachthaufen») taktische Einheit des altrömischen Fußvolks, umfasste etwa 500 bis 600 Mann; bestand aus 3 Manipeln beziehungsweise 6 Zenturien. 10 Kohorten bildeten eine Legion.

Kokzidien, Coccidia: vorwiegend in Epithelgeweben von Ringelwürmern, Weich-, Glieder- und Wirbeltieren schmarotzende Sporentierchen; Vermehrung durch Schizogonie; befallen häufig das Verdauungs-, aber auch das Blutgefäßsystem (Haemosporidia); Erreger von Kokzidiosen (Gattung Eimeria).

Kokzidiose: durch Kokzidien (Parasiten) hervorgerufene Infektionskrankheit, die vor allem junge Tiere befällt. Je nach Sitz der Parasiten treten verschiedene Krankheitserscheinungen auf (Darm-, Leber-, Nierenkokzidiose). Häufigste Symptome sind Durchfälle und starke Abmagerung.

Kokzidiostatika: in der Tierzucht verwendete Arzneimittel mit hemmender Wirkung auf Kokzidien. Sie werden vorbeugend verschiedenen Geflügelmischfutter-Sortimenten zugesetzt.

Kola: Halbinsel im Norden zwischen Weißem Meer und Barentssee, im Gebiet Murmansk; etwa 100000 km2; eiszeitlich geprägte Oberfläche im Bereich des Baltischen Schildes; im Norden die hohe und steile Murmanküste, durch Golfstrom ganzjährig eisfrei, im Westen Bergmassive Chibinen (1191m) und Lowoserskije Tundry (1120 m); Tundra, im Süden Waldtundra und Taiga; versumpfte Ebenen und zahlreiche Seen (Umbra See); kurze energiereiche Flüsse (Wasserkraftwerke unter anderem an Niwa, Kowda, Tuloma (unterirdisch)); bedeutende Bodenschätze (besonders Apatit, Nephelin, Syenit, Nickel); Bergbau (Zentren in Kirowsk und Montschegorsk); Phosphordüngerproduktion; Fischfang und -Verarbeitung, Ren Pelztierzucht; in der Bucht Kislaya Guba Gezeiten-, nördlich von Kandalakscha bei Poljarnyje Sori Kernkraftwerk (1760 MW); Haupthafen Murmansk. Bei Petschenga wissenschaftliche Tiefbohrung (z. Z. bis 12000 m).

Kolabaum, (afrikanisch + deutsch) Cola: Baum des tropischen Westafrika; seine Früchte enthalten Samen, deren koffeinhaltige Keimlinge roh genossen oder zu Anregungs- beziehungsweise anregenden Genussmitteln verarbeitet werden (zum Beispiel Kola Schokolade, -getränke).

Kolamin, (Kunstwort, zu «Amin») Colamin, Ethanolamin-. eine farblose, zähflüssige, hygroskopische Flüssigkeit von schwach fischigem Geruch; Formel CH2(NH2)-CH2OH; Kp 171 °C. Kolamin kommt als Baugruppe in den Kephalinen vor.

Kolar: Stadt im Unionsstaat Karnataka (Indien); 66000 Einwohner; Zentrum des indischen Goldbergbaus; Textil- und Lebensmittelindustrie.

Kolarova, Jaromira, geboren 24.8.1919, tschechische Schriftstellerin. In Erzählungen und Romanen wie «Nur von Familienangelegenheiten» (1963), «Mein Junge und ich» (1974, deutsch) und «Das Mädchen mit der Muschel» (1975, deutsch) gelang ihr die eindrucksstarke Verbindung proletarische Lebenserfahrungen mit den ethischen Problemen unserer Zeit.

Kolarow, Wassil, 28.7.1877-23.1.1950, bulgarischer Arbeiterführer und Politiker, seit 1897 Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, seit 1903 einer der Führer der Engsozialisten, seit 1919 Sekretär des ZK der KP; 1921/43 war Kolarow Mitglied des Exekutiv-komitees der Komintern, 1922/24 ihr Generalsekretär; nach der Niederlage des antifaschistischen Septemberaufstandes Emigration in die UdSSR (1923/45); 1942 Mitbegründer der Vaterländischen Front, 1945/47 Präsident der Volksversammlung, 1947/48 Stellvertretender Ministerpräsident und Außenminister, seit 1949 Ministerpräsident.

Kolas, Jakub, eigentlich Konstantin Michailowitsch Mizkewitsch, 3.11.1882-13.8.1956, belorussisch-sowjetischer Schriftsteller; einer der Begründer der modernen belorussischen Literatur; schilderte in Gedichten und Fabeln nach der russischen Revolution von 1905/07 das schwere Los der werktätigen Bauern; später gestaltete er in Poemen, Erzählungen und Schauspielen das neue Leben unter der Sowjetmacht. Autobiographische Züge trägt die Romantrilogie «Am Scheideweg» (1921/54).

Kolb, Annette, 2.2.1870-3.12.1967, Schriftstellerin; wirkte für deutsch-französische Verständigung und trat gegen Krieg Und Faschismus auf; emigrierte 1933; verfasste Romane über aristokratische Gesellschaftskreise («Die Schaukel», 1934), Musikerbiographien («Mozart», 1929), Novellen und autobiographische Schriften («Memento», 1960).

Kolbe, Georg, 15.4.1877-20.11.1947, Bildhauer und Graphiker, schuf neben eindrucksvollen Bildnissen vor allem anmutig bewegte Frauenakte. Dem Vorbild der Antike folgend, suchte er stets nach dem höchsten Maß an klassischer Harmonie und Ausgewogenheit. Obwohl seine Plastiken der 30er Jahre (kraftvolle männliche Gestalten) einem humanistischen Menschenbild verpflichtet sind, wurde er vom Faschismus missbraucht

Kolben: 1. Chemie: Laborgefäß aus Glas oder Plast von unterschiedlicher Größe und Form zum Erhitzen, Destillieren, Titrieren oder Abmessen von Flüssigkeiten. Im Gegensatz zu Kolben mit flachem Boden eignen sich kugelförmige Rundkolben für Arbeiten im Vakuum. Der konische Erlenmeyerkolben wird vielfach als Titrationsgefäß, der runde Standkolben als Spritzflasche verwendet; siehe auch Messkolben.

2. Maschinenbau: in einem Zylinder hin- und herbewegtes Maschinenteil zum Übertragen der Druckenergie gasförmiger und flüssiger Arbeitsmittel; besitzt in Nuten liegende Kolbenringe zur Abdichtung. Relativ lange Kolben werden als Tauchkolben oder Plunger bezeichnet. Die Übertragung der Kolbenbewegung erfolgt mittels der mit dem Kolben fest verbundenen Kolbenstange auf den Kreuzkopf oder mittels Kolbenbolzens auf die Pleuelstange. Zur Verringerung der bewegten Masse werden die Kolben schnelllaufender Verbrennungsmotoren aus Aluminiumlegierungen hergestellt.

Kolbenheyer, Erwin Guido, 30.12.1878-12.4.1962, österreichischer Schriftsteller; vertrat eine biologistisch-metaphysische Position und trug maßgeblich zum faschistischen Mythos des «völk. Aufbruchs» bei; schrieb «Paracelsus»-Romantrilogie (1917/26).

Kolbenmaschine: Maschine mit hin- und hergehendem Kolben in einem Zylinder oder mit einem rotierenden Kolben; dient als Kraft- oder Arbeitsmaschine, deren Wirkungsweise (im Unterschied zur I Strömungsmaschine) der statische Druck auf den Kolben zugrunde liegt. Die Hubkolbenmaschine (kurz Kolbenmaschine genannt) sind am häufigsten vertreten; der (Hub-) Kolben macht eine geradlinige, hin- und hergehende Bewegung (Kolbenhub). Rotationskolbenmaschine gibt es in 2 Ausführungen: Bei den Kreiskolbenmaschine steht das Gehäuse still, und der Läufer (Kreiskolben) rotiert; bei der Drehkolbenmaschine rotieren Gehäuse und Läufer (Drehkolben) gleichsinnig, aber mit unterschiedlicher Drehzahl.

Kolbenring: geschlitzter selbstspannender Gussring zur Abdichtung des Spaltes zwischen Kolben und Zylinderwand bei Kolbenmaschinen; ölabstreifringe mit U-förmigem Querschnitt verteilen das Schmieröl gleichmäßig über die Zylinderwand.

Kolbenwasserkäfer: bis 45 mm langer europäischer Wasserkäfer; glänzend schwarz; lebt von Wasserpflanzen, Larven fressen Wasserschnecken.

Kolchis: am Unterlauf des Rioni und an der Schwarzmeerküste; bis 150 m über dem Meeresspiegel; ehemals stark versumpft (Malaria), unter der Sowjetmacht weitgehend entwässert und zu einem Anbaugebiet subtropischer Kulturen (Zitrusfrüchte, Tee) entwickelt. In der griechischen Sage und Literatur Landschaft am Ostufer des Schwarzen Meeres mit dem Fluss Phasis; Heimatland der «Kolcherin» Medea; von Kolchis holten die Argonauten das Goldene Vlies.

Kolchizin, Colchicin: das sehr giftige Hauptalkaloid der Herbstzeitlose. Kolchizin kristallisiert in Form gelblicher, bitter schmeckender Nadeln; F155 bis 157°C. Durch Hemmung der Zellteilung ermöglicht Kolchizin die Züchtung von Pflanzenrassen mit Riesenwuchs.

Kölcsey, Ferenc, 8.8.1790-24.8.1838, ungarischer Dichter und Publizist; bedeutender Politiker der Reformzeit; sein Gedicht «Hymnus» (1823) wurde später zur ungarischen Nationalhymne.

Koldewey, Carl, 26.10.1837-18.5.1908, Polarforscher, führte 1868 die erste deutsche Nordpolar-expedition nach Spitzbergen und 1869/70 die zweite nach Ostgrönland.

Kolibakterien, Escherichia coli: Gattung der Enterobacteriaceae; gramnegative, bewegliche, sporenlose Stäbchen. Die Kolibakterien gehören zur normalen Darmflora (Darmbakterien); es kommen auch pathogene Vertreter (Krankheitserreger) vor, die zum Beispiel Enteritis, Eiterungen unter anderem auslösen. Kolibakterien sind ein Indikator für Fäkalverunreinigungen von Trinkwasser (Colititer) und Nahrungsmitteln.

Kolibri Fisch, Aplocheilichthys myersi: farben-prächtiger eierlegender Zahnkarpfen Zentralafrikas, der mit etwa 2,2 cm Körperlänge eines der kleinsten Wirbeltiere ist; Aquarienfisch.

Kolibris, Trochilidae: Familie meist farbenprächtiger Vögel Amerikas mit nur zum Sitzen geeigneten Füßen und zum Teil an die Nektarentnahme aus Blütenröhren (gleichzeitig Blütenbestäubung) angepassten Schnäbeln (zum Beispiel Schwertschnabel, Ensifera ensifera). Kolibris können mit den Flügeln sehr schnell schlagen (etwa 100 Schläge pro Sekunde) und hubschrauberartig sowohl vor wie rückwärts, auf- und abwärts fliegen und auch an einer Stelle verharren. Kleinste Vogelart ist der nur knapp 6 cm (einschließlich 1,5 cm Schnabel) lange und weniger als 2 g schwere Hummelkolibris (Calypte helenae) aus Kuba. Etwa 9 cm misst der Moskitokolibris (Chrysolampis mosquitus) und nur 7,5 cm die Prachtelfe (Lophomis magnifica) Brasiliens.

Kolieren, Seihen: Filtrieren durch Gewebe, zum Beispiel Leinen, zur (meist unvollständigen) Abtrennung grober Feststoffteilchen aus Suspensionen. Das meist trübe Filtrat heißt Kolat.

Kolik: krampfartige, anfallsweise, heftige Leibschmerzen infolge plötzlicher Druckerhöhung in einem Hohlorgan mit rascher Wand-dehnung, zum Beispiel bei Gallen- und Nierensteinen.

Kolinsky: Bezeichnung des Rauchwarenhandels für chinesische und japanische Wieselfelle; ihrer gelblichbraunen Farbe wegen auch als «Feuermarder» bezeichnet.

Kolk: wannenförmige Hohlform im Flussbett; kann auch im Festgestein durch die strudelnde Tätigkeit des fließenden Wassers entstehen, oft Strudeltopf oder Strudelloch genannt, besonders häufig in gefällestarken Talabschnitten.

Kolkrabe, Corvus corax: bis 60 cm langer und 1,2 kg schwerer, schwarzer Rabenvögel, der sein Nest in unzugänglichen Felsen oder auf hohen Bäumen baut; das Gelege umfasst 5 bis 6 Eier; auf der nördlichen Halbkugel verbreitet. Siehe auch Rabenvögel.

Kollaboration: ein in Frankreich während der faschistischen Besetzung im 2. Weltkrieg entstandener und auch von anderen Ländern aufgenommener Begriff für nationalen Verrat durch Zusammenarbeit mit der feindlichen (faschistischen) Besatzungsmacht.

Kollagen: unlösliches fibrilläres Protein, das als Bestandteil von Haut, Knorpel, Zähnen, Sehnen und Gefäßwänden bis zu 30% des Gesamtproteins im tierischen Organismus ausmacht. Kollagen besteht aus verschiedenen Polypeptidketten, die zu Tripelhelizes und Kollagenfibrillen zusammengelagert sind.

kollagene Fasern: Faserart des Bindegewebes; beim Kochen wird ihr Kollagen zu flüssiger Gelatine (Leim).

Kollagenosen, Kollagenkrankheiten: umstrittener Sammelbegriff für Erkrankungen, die bei histologischen Untersuchungen generalisierte krankhafte Veränderungen des Bindegewebes zeigen. Die Ursachen sind unklar.

Kollaps: («Zusammenbruch») anfallartige Körperschwäche mit flüchtiger Ohnmacht durch Versagen des peripheren Kreislaufs, Absinken des Blutdrucks und Mangeldurchblutung des Gehirns.

Kollar, Jan, 29.7.1793-24.1.1852, slowakischer Dichter und Gelehrter, propagierte in Epigrammen, Gedichten (besonders Sonettzyklus «Die Tochter der Släva», 1824/32, Auswahl deutsch) und Abhandlungen die humanistische Mission und kulturelle Einheit des Slawentums.

Kollateralkreislauf, Umgehungskreislauf: zum Teil mehrfach miteinander verbundene Blutgefäßstrecken zur Sicherung der Versorgung des betroffenen Organs bei eventueller Blockierung eines Blutgefäßes.

kollationieren: 1. allgemein abstimmen, vergleichen; die Übereinstimmung prüfen.

2. Buchbinderei: zusammengetragene Bogen und Blätter vor dem Heften auf Vollständigkeit und richtige Reihenfolge hin überprüfen.

Kölleda: Stadt im Kreis Sömmerda, Bezirk Erfurt, südwestlich der Schmücke; 6900 Einwohner; VEB RFT Funkwerk, agrochemischen Zentrum, Arzneipflanzenanbau; gotische Wippertikirche, frühgotische Klosterkirche, barockes Rathaus.

Kollegialgericht: Gericht, bei dem die Rechtsprechung nicht von einem Einzelrichter, sondern von mehreren Personen mit gleichem Stimmrecht ausgeübt wird; in der DDR sind alle gesellschaftlicher und staatliche Gerichte Kollegialgerichte.

Kollegialprinzip: Methode der Leitungstätigkeit, bei der eine Gruppe von Personen (das Kollegium) ein bestimmtes Organ, einen gesellschaftlichen Bereich, die Durchführung einer Aufgabe leitet oder den Einzelleiter bei seiner Leitungstätigkeit berät. Unter sozialistischen Bedingungen ist entsprechend dem Prinzip des demokratischen Zentralismus das Kollegialprinzip organisch mit dem Prinzip der Einzelleitung und der persönlichen Verantwortung des Einzelleiters verknüpft.

Kollegien: in der römischen Kaiserzeit kooperative, seit dem 3. Jahrhundert nach Christus vom Staat erzwungene und kontrollierte Gemeinschaften von Gewerbetreibenden gleicher Berufsgruppen.

Kollegium: a) organisierte Gemeinschaft von Personen mit gleicher Tätigkeit (zum Beispiel Kollegium der Rechtsanwälte);

b) auf dem Kollegialprinzip beruhendes beratendes (zum Beispiel Kollegium eines Ministeriums) oder beschließendes Organ;

c) Ausschuss.

Kollekte: Einsammlung freiwilliger Gaben bei kirchlichen Veranstaltungen, aber auch kurzes Gebet im Gottesdienst.

Kollektion: von Produktion und Großhandel zu Angebotszwecken vorgenommene Zusammenstellung (Auswahl) gleicher oder ähnlicher Waren in verschiedenen Preisen und Qualitäten.

Kollektiv: auf gemeinsamen Interessen, beruflichen oder gesellschaftlichen Aufgaben beruhende Gemeinschaft mit unmittelbaren, die gemeinsamen Interessen fördernden Beziehungen zwischen ihren Mitgliedern. Das sozialistische Kollektiv zeichnet sich aus durch bewussten und freiwilligen Zusammenschluss zur Organisation der ökonomischen, politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Tätigkeit, durch Übereinstimmung der grundlegenden Interessen und Überzeugungen seiner Mitglieder mit denen der sozialistischen Gesellschaft, durch bewusstes Streben nach hohen Leistungen, durch Beziehungen der gegenseitigen Achtung und Unterstützung sowie die allseitige Entwicklung jedes einzelnen Mitgliedes.

Kollektiv der sozialistischen Arbeit: staatliche Auszeichnung (Ehrentitel) für von hohem sozialistischen Bewusstsein getragene beständige beispielhafte Arbeitsleistungen des Kollektivs und jedes Kollektivmitgliedes im sozialistischen Wettbewerb zur allseitigen Erfüllung und gezielten Überbietung der Planaufgaben und für die Verwirklichung der politisch-ideologischen, moralischen und geistig-kulturellen Ansprüche der sozialistischen Lebensweise, wie sie sich aus der weiteren Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft ergeben. Kollektiv der sozialistischen Arbeit trat 1962. an die Stelle der 1959 beziehungsweise 1960 gestifteten Ehrentitel «Brigade der sozialistischen Arbeit» und «Gemeinschaft der sozialistischen Arbeit».

Kollektivdosis: Summe aller Äquivalentdosen einer strahlenbelasteten Personengruppe. Die Kollektivdosis ist proportional dem Strahlenrisiko, kollektive Leitung: sozialistisches Leitungsprinzip für bestimmte Staats- und Wirtschaftsorgane (Staatsrat, Ministerrat der DDR, Räte der Bezirke und Kreise, Vorstände von Genossenschaften und so weiter), Parteien, Massenorganisationen unter anderem, bei denen die Leitung von mehreren gewählten Personen gemeinsam ausgeübt wird, ohne dass die Verantwortung des einzelnen für einen unmittelbaren Aufgabenbereich aufgehoben ist.

Kollektiverziehung: charakteristische Form der kommunistischen Erziehung zur Herausbildung und Festigung der Persönlichkeitseigenschaften, die für vielseitige, gehaltvolle zwischenmenschliche Beziehungen in der sozialistischen Gesellschaft erforderlich sind. Ziel der Kollektiverziehung ist die Entwicklung der Bereitschaft und Fähigkeit des Menschen, die Normen des sozialistischen Gemeinschaftslebens zu achten und durch aktive Teilnahme an kollektiver Tätigkeit die eigene Persönlichkeit und das Kollektiv zu bereichern.

kollektive Sicherheit: zwischen Staaten vereinbartes System von Maßnahmen zur gemeinsamen Gewährleistung des Friedens und zum gegenseitigen Beistand gegenüber jedem Aggressor. Das jahrzehntelange konsequente und beharrliches Eintreten der UdSSR und der anderen Staaten der sozialistischen Staatengemeinschaft für kollektive Sicherheit führte zu ersten wichtigen Schritten der Entspannung und Zusammenarbeit, die es gegen den erbitterten Widerstand aggressiver imperialistische Kreise zu festigen und weiterzuentwickeln gilt.

Kollektivität: a) durchgemeinsame Aufgaben oder Ziele bedingte Gemeinschaftlichkeit, Zusammengehörigkeit kleinerer Gruppen von Menschen (zum Beispiel Arbeits-, Wohn-, Gewerkschafts-, politische, Sportgruppen);

b) Orientierung auf die Erfordernisse eines Kollektivs, Einsatz für Kollektivziele; Einordnung in, gefühlsmäßige Bindung an ein Kollektiv; gegenseitige Unterstützung;

c) auf die Entwicklung des Kollektivs gerichtetes Moralprinzip. Kollektivität der Leitung: Ausdruck der Notwendigkeit der kollektiven Beratung zur Entscheidungsvorbereitung in einem Leitungsgremium. Kollektivität Gut sowohl bei Einzel als auch bei kollektiver Leitung. Kollektivmodell Kernmodell.

Kollektivum: Sammelname, trotz Singularform eine Vielheit betreffend, zum Beispiel «Gebirge»; siehe auch Appellativum.

Kollektivvertreter: Beauftragter eines Kollektivs aus dem Arbeits- und Lebensbereich des Beschuldigten oder Angeklagten, der unmittelbar am Strafverfahren mitwirkt, die Auffassung des Kollektivs zur Tat und zur Täterpersönlichkeit in der Hauptverhandlung vorträgt und vor dem Kollektiv über die Ergebnisse des Strafverfahrens berichtet. Die Mitwirkung des Kollektivvertreters trägt zur Aufklärung der Tat, ihrer Ursachen und Bedingungen und der Persönlichkeit des Täters, aber auch zu dessen Erziehung und Selbsterziehung sowie zur Verhütung weiterer Straftaten bei.

Kollenchym: Festigungsgewebe in jungen Pflanzenteilen aus lebenden dehnungsfähigen Zellen, deren Wände teilweise verstärkt sind, entweder in den Ecken (Ecken- oder Kantenkollenchym) oder nur an den tangentialen Wänden (Plattenkollenchym); siehe auch Sklerenchym.

Koller: (französisch collier, «Halsband») Element der europäischen Bekleidung;

a) in der Ritterzeit lederner Brustharnisch;

b) Schulterkragen der Frauentracht des 15. und 16. Jahrhundert;

c) ärmelloses Schoßwams der Landsknechte;

d) neuzeitlich Schulterpasse.

Kollergang: Anlage zur Zerfaserung von Altpapier und Zellstoff durch 2 in einem runden Trog auf einem Bodenstein umlaufende Läufersteine. Der Kollergang ist durch moderne Stofflöser weitgehend verdrängt worden.

kollidieren: sich (zeitlich) überschneiden; Zusammenstößen; gegeneinander wirken.

Kollier: kostbarer Halsschmuck aus Metall, Perlen, Edelsteinen u. ä.

Kölliker, Albert von, 6.7.1817-2.11.1905, Anatom; Mitbegründer der auf der Zellenlehre aufbauenden Histologie (Gewebelehre); erkannte 1844 die Zellnatur des Eies.

Kollimator: sammelndes optisches System mit einem Objekt (Loch- oder Spaltblende, Strichmarke oder -kreuz) in der objektseitigen Brennebene, das ins Unendliche abgebildet wird. Autokollimation liegt vor, wenn der Kollimator zugleich als Objektiv eines (Autokollimations-) Fernrohres benutzt wird, mit dem das an einem Vorgesetzten Planspiegel reflektierte Licht beobachtet wird. Damit sind Richtungsmessungen möglich.

kollinear: Bezeichnung für die Eigenschaft mehrerer Punkte, auf derselben Geraden zu liegen.

Kollineation: Geometrie eineindeutige Abbildung einer Punktmenge oder eines Raumes, die kollineare Punkte wieder in kollineare Punkte überführt.

Kollision: 1. allgemein Zusammenstoß, schadenverursachende Berührung; Streit Zwiespalt.

2. Geologie: nach mobilistische Vorstellung das Zusammentreffen zweier gegeneinander bewegter Platten (Großschollen). Durch Kollision entstehen nach mobilistische Deutung die Gebirge.

Kollisionsnorm: einzelstaatliche oder gemeinsame Regelung mehrerer Staaten über die Anwendung des Rechts eines bestimmten Staates auf Rechtsverhältnisse im Bereich mehrerer Staaten. Das internationale Privatrecht besteht aus Kollisionsnormen, das internationale Wirtschaftsrecht enthält allenfalls einzelne Kollisionsnormen.

Kollo: 1. René, geboren 20.11.1937, Sänger (dramatischer Tenor) der BRD; Enkel von Kollo 2; debütierte 1965 in Braunschweig und ist sehr erfolgreich bei Gastspielen in den europäischen Musikzentren, besonders als Wagnersänger.

2. Kollo, eigentlich Kollodziepski, Walter, 28.1.1878-30.9.1940, Operettenkomponist; ein Hauptvertreter der Berliner Revue-Operette (unter anderem «Der Juxbaron», «Marietta»).

Kollodiumwolle, Kolloxylin (griechisch + lateinisch) weiße, faserige, sehr feuergefährliche, durch Nitrieren von Zellstoff oder Baumwolle hergestellte Substanz. Kollodiumwolle besteht hauptsächlich aus Cellulosedinitrat und dient zur Herstellung von Explosivstoffen (gelatinöse Sprengstoffe, rauchschwache Pulver), Lacken (Nitratzelluloselacke), Zelluloid und Kollodium, einer ätherischen-äthanol. Lösung von Kollodiumwolle, die beim Verdunsten einen farblosen Film (zum Beispiel für Flaschenverschlüsse) hinterlässt.

Kolloid: disperses System; feine Zerteilung eines Stoffes in einem Dispersionsmittel, wobei die Teilchen (zumindest in einer Dimension) eine Ausdehnung zwischen IO"7 und 10“5 cm aufweisen; im weiteren Sinne werden bisweilen auch die dispergierten Kolloidteilchen als Kolloid bezeichnet. Ihr kolloider (kolloiddisperser) Zerteilungsgrad nimmt eine Mittelstellung zwischen molekulardispersem und grobdispersem Zustand ein. Das Teilgebiet der physikalischen Chemie, welches sich mit den theoretischen Grundlagen, den besonderen Eigenschaften und den Nutzungsmöglichkeiten des kolloiden Zustandes befasst, heißt Kolloid Chemie. Kolloidteilchen können Anhäufungen kleinerer Moleküle beziehungsweise Atome sein oder aus einzelnen Makromolekülen bestehen (zum Beispiel bei Eiweißen, Polysachariden oder Plasten). Bei einer kolloiden Lösung (Sol) ist ein fester, flüssiger oder gasförmiger Stoff in einer Flüssigkeit kolloidal zerteilt, bei einem Aerosol ist das Dispersionsmittel ein Gas. Ein Kolloid lässt sich durch Zerteilung eines grobdispersen Stoffes (zum Beispiel mittels Kolloidmühlen oder Ultraschall) oder durch Verdichtung eines molekulardispersen Stoffes (Herabsetzung der Löslichkeit) herstellen. Kolloide Lösungen sind in der Aufsicht trüb, in der Durchsicht fast klar, sie zeigen den Tyndall-Effekt (bei Durchleuchtung ist der Lichtweg seitlich sichtbar) und auffallende Farberscheinungen (zum Beispiel tief purpurfarbene oder grüne Goldsole). Ihre Beständigkeit beruht entweder auf Abstoßung gleichsinnig geladener Kolloidteilchen (hydrophobe beziehungsweise lyophobe Kolloid) oder auf deren Umhüllung mit Lösungsmittelmolekülen (hydrophile beziehungsweise lyophile Kolloid). Kolloidteilchen sind nur im Ultra- und Elektronenmikroskop sichtbar und nur durch Ultrafilter oder Elektrophorese abtrennbar (siehe auch Dialyse); ihre Sedimentation ist nur mittels Ultrazentrifuge möglich. Durch Zusätze, insbesondere von Elektrolyten, können Kolloidteilchen zum Ausflocken gebracht werden (Koagulation), wobei ein gallertartiges Gel entstehen kann. Siehe auch Gel, Koagulation.

kolloidosmotischer Druck: der von kolloidal gelösten Teilchen, meist organischer Natur, entwickelte osmotischer Druck; die im Blutplasma enthaltenen Eiweißkörper üben einen kolloidosmotischen Druck von 2,8 kPa aus, der für die Wasserverteilung zwischen Blut und Gewebe wichtig ist; bei herabgesetztem kolloidosmotischen Druck entstehen Ödeme. Der durch Eiweiße bedingte Anteil eines kolloidosmotischen Druck wird onkotischer Druck genannt.

Kollokationsmethode: Berechnung einer Näherungslösung (mit zunächst unbekannten Parametern) für eine Differentialgleichung durch Ansatz und Bestimmung der Parameter derart, dass die Näherungslösung die Gleichung an vorher gewählten Punkten erfüllt.

Kolmogorow, Andrej Nikolajewitsch, geboren 25.4.1903, sowjetischer Mathematiker, gab grundlegende Beiträge zur Funktionalanalysis, Topologie, konstruktiven Mathematik und zur Wahrscheinlichkeitsrechnung, die er 1933 axiomatisierte.

Axiomensystem: von A. N. Kolmogorow 1933 formuliertes System von Axiomen, das die Grundlage der modernen Wahrscheinlichkeitsrechnung bildet. In Bezug auf eine Ereignisalgebra S gelten folgende 3 Axiome; Jedem zufälligen Ereignis A aus S wird eine reelle Zahl P(A), die Wahrscheinlichkeit von A, zugeordnet, für die gilt: 0 s P(A) g 1. Das sichere Ereignis E aus S besitzt die Wahrscheinlichkeit 1, das heißt P(E) = 1. Schließen sich die Ereignisse A und B aus S gegenseitig aus, so ist die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten von A oder von B gleich der Summe der Wahrscheinlichkeit für das Eintreten von A und der Wahrscheinlichkeit für das Eintreten von B\ P(A u B) = P(A) + P(B).

Köln: kreisfreie Stadt in Nordrhein-Westfalen, Verwaltungszentrum des Regierungsbezirkes Köln am Rhein, in der Kölner Bucht; 1 Millionen Einwohner; Industrie- und Handelsmetropole mit bedeutendem Maschinen- und Fahrzeugbau, ferner mit elektrotechnischen (Kabel), petrolchemische, chemische (Dünger, Fasern), Lebensmittel- (Schokolade), polygraphische, Bekleidungs- und anderer Industrie; Parfümherstellung; Erdölraffinerien (Leitungen von Rotterdam und Wilhelmshaven), Kraftwerke; westlich von Köln Braunkohlenabbau; Sitz von Konzernen (unter anderem Ford), Banken und Versicherungen; Verkehrsknoten, mehrere Rheinhäfen, Flughafen Köln-Bonn (Porz); Universität, Hochschulen (Pädagogik, Musik, Sport); Regierungsbehörden; Theater, Museen, Zoo; Rundfunk- und Fernsehsender, Karneval. Historische Bauten: Dom St. Peter (vollkommenster deutscher gotischer Kirchenbau, Fertigstellung im 19. Jahrhundert, reiche Ausstattung); romanische Kirchen St. Aposteln, St. Gereon, St. Maria im Kapitol, Groß St. Martin, St Pantaleon; Altes Rathaus (14. Jahrhundert), Gürzenich (15. Jahrhundert; Festhalle), Reste mittelalterlicher Stadtbefestigung mit Toren. Hauptsitz der germanischen Ubier, die 38 vor Christus von den Römern links des Rheins angesiedelt wurden (Oppidum Ubiorum); 50 nach Christus erhielt Köln römisches Stadtrecht (Colonia Claudia Ara Agrippinensium). 785 Erzbistum Köln gegründet; 1074 Bürgeraufstand gegen den Erzbischof; in der Schlacht bei Worringen 1288 errangen die Bürger Kölns den Sieg über die erzbischöfliche Stadtherrschaft, danach Freie Reichsstadt (1475 formelle Anerkennung); die Hansestadt Köln war die größte deutsche Stadt im Mittelalter. Im Kölnischen Krieg 1583/90 wurde die Einführung der Reformation verhindert; 1798/1815 französisch, 1815 zu Preußen; im Vormärz Zentrum der rheinischen Bourgeoisie, seit 1848/49 wichtiges Zentrum der deutschen Arbeiterbewegung (Neue Rheinische Zeitung; 1852 Köln Kommunistenprozess). 1919 Neugründung der Universität (1388/1798).

Kölner Kommunistenprozess: Prozess gegen 12 Mitglieder des Bundes der Kommunisten in Köln 1852. Mit gefälschtem Beweismaterial und Aussagen von Spitzeln sollte dem Bund die Vorbereitung eines politischen Putsches nachgewiesen werden. Es wurden hohe Festungsstrafen verhängt und im Gefolge des Prozesses die Repressalien gegen die bürgerliche Opposition verschärft. Kölner Kommunistenprozess Marx prangerte in «Enthüllungen über den Kommunistenprozess zu Köln» die Hintergründe des Kölner Kommunistenprozess sowie die Methoden der preußischen Regierung und Polizei an.

Kölnischer Krieg: die durch den Übertritt des Kölner Erzbischofs Gebhard Truchsess von Waldburg zum Protestantismus ausgelöste Aktion katholischer Fürsten, die mit Hilfe bayerischer Truppen zu seiner Absetzung führte (1583).

Kölnischwasser, Eau de Cologne: erfrischendes Duftwasser aus einer Lösung ätherischer Öle der Zitrus-Gruppe; zuerst hergestellt in Köln von dem Italiener Giovanni Maria Farina (etwa 1686-1760).

Kolo: (serbokroatisch, «Rad») Kreistanz mit stark improvisierten Bewegungen; in allen Balkanländern (Jugoslawien, Bulgarien) weit verbreitet; in Griechenland Choro genannt; siehe auch Hora.

Kolobom: (griechisch) angeborene oder operative Spaltbildung, meist an der Regenbogenhaut des Auges.

Kolobrzeg: Stadt in Polen (Wojewodschaft Koszalin), an der Ostsee; 40000 Einwohner; elektronische Industrie, Fischverarbeitung; Hafen; Seebad und Kurort (Sol-, Moorbad); gotische Stiftskirche; Denkmal der «Vermählung Polens mit dem Meer» (1963).

Kolomenskoje: Stadtteil Moskaus; gegründet 1339 vom Großfürsten Iwan Kalita, vom 15. bis 17. Jahrhundert Residenz der Moskauer Großfürsten. Aus dieser Zeit stammen der Palastkomplex (1667/71, 1681 umgebaut; Torgebäude mit Uhrturm, Türme, Wohnbauten erhalten; heute Museum für angewandte Kunst). Die Wosnessenije-Kirche (1532) ist der erste Bau der Rüs mit ausgeprägtem Zeltdach. Im Park befindet sich ein Freilichtmuseum für russische Holzbaukunst.

Kolomna: Stadt im Gebiet Moskau, an der Mündung der Moskwa in die Oka; 150000 Einwohner; Diesellok-, Werkzeug-, Textilmaschinenbau, Möbel-, Baustoffindustrie; Hafen; pädagogische Hochschule; Festungsklöster, Kremltürme und -mauern (16. Jahrhundert).

Kolonat: im 1. Jahrhundert vor Christus im römischen Reich neben der Sklaverei entstandene Form der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft in der Landwirtschaft, in der Pachtbauern (Kolonen 1) gegen Natural- und Geldabgaben sowie Arbeitsleistungen Parzellen auf den Latifundien bearbeiteten.

Kolonen: («Landwirte», «Pachtbauern») 1. im alten Rom ursprünglich freie Kleinbauern; seit dem 1. Jahrhundert vor Christus Pachtbauern, die von Großgrundbesitzern gegen Natural- und Geldabgaben sowie Arbeitsleistungen ein Stück Land pachteten. Im Gefolge der allgemeinen Krise der antiken Produktionsweise verschlechterte sich ihre Lage immer mehr. Sie wurden in der Spätantike wirtschaftlich und sozial Abhängige (seit dem 4. Jahrhundert waren sie an die Scholle gefesselt).

2. Siedler in römischen Kolonien.

3. in der lateinischen Literatur oft als Bauer im Allgemeinen Sinne verwendet.

Kolonialismus: auf politische Unterdrückung und ökonomischer Ausbeutung anderer Völker gerichtete imperialistische Politik. Mit dem Übergang des Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium erfolgte auf dem Wege grausamer Eroberungskriege die Aufteilung der Welt unter den imperialistischen Mächten und die Errichtung eines Systems der Kolonialherrschaft. Der Kolonialismus führte zur schonungslosen Ausbeutung der unterdrückten Völker, die in sozialer, ökonomischer und geistig-kultureller Rückständigkeit gehalten wurden. Die Große sozialistischer Oktoberrevolution leitete die Krise des Kolonialismus ein. Der antikoloniale Kampf der unterdrückten Völker führte zum Zusammenbruch des imperialistischen Kolonialsystems und zum Entstehen selbständiger Nationalstaaten. Siehe auch Neokolonialismus.

Kolonialstil: Bezeichnung für die aus Europa seit dem 16. Jahrhundert besonders in die ehemaligen britischen und spanischen Kolonien verpflanzten Stilformen (Barock, Klassizismus, Eklektizismus), in denen die Kolonialherren private und öffentliche Repräsentationsbauten errichten ließen. Teilweise drangen Elemente der nationalen Folklore in den Kolonialstil ein.

Kolonie: 1. Biologie: Vergesellschaftung von Einzellebewesen einer Art durch Knospung (zum Beispiel Korallenstock), Arbeitsteilung (zum Beispiel Bienenvolk) oder Lebensweise (Brutkolonie von Vögeln; hier auch Kolonie verschiedener Arten). Siehe auch Tierstock, Tierstaat.

2. Geschichte: Ansiedlung a) von Bürgern eines Staates in eroberten Gebieten;

b) von Fremden in einem anderen Land (einer Stadt). Die ersten Kolonie entstanden im 8-/6. Jahrhundert vor Christus als Handels- und Ackerbaukolonie. Sie wurden vor allem von griechischen Städten gegründet, ihre Bürger waren häufig freie Bauern, die wegen Landhungers oder politische Verfolgungen ihre Heimat verlassen mussten. Griechische Kolonie waren unter anderem Neapolis (Neapel), Tarent, Syrakus, Trapezunt, Chersones (Sewastopol). Rom gründete Kolonie als Militärsiedlungen, um seinen Einfluss in den kolonisierten beziehungsweise eroberten Gebieten zu festigen. In ihrer wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Stellung (teilweise unabhängig oder gleichberechtigt mit den Metropolen) unterscheiden sich die antiken Kolonien grundlegend von der neuzeitlichen Kolonie.

3. Politik: von kapitalistischen oder imperialistischen Staaten zur Unterwerfung angeeignetes und ausgebeutetes Gebiet, das politisch und wirtschaftlich abhängig ist. Kolonie dieser Art entstanden mit der Herausbildung des Kapitalismus. Die Eroberung fremder Gebiete und deren rigorose Ausplünderung (unter anderem Sklavenhandel) gehörte zu den Wesensmerkmalen der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals und der kapitalistischen Entwicklung überhaupt. Der jahrhundertelange Kampf der herrschenden Klassen europäischen Staaten, später auch der USA und Japans, um Kolonie, um die Aufteilung der Welt, brachte den Völkern Asiens, Afrikas, Amerikas und Australiens Not und Elend, warf sie in ihrer historischen Entwicklung zurück und führte zu scharfen internationalen Konflikten. In diesem Kampf trug Großbritannien über seine Rivalen (Spanien, Portugal, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Deutschland und Italien) den Sieg davon und sicherte sich die meisten und wertvollsten Kolonie Die aus den Kolonie geschöpften Gewinne förderten die kapitalistische Entwicklung der führenden Kolonialmächte und bildeten eine der Quellen zur Korrumpierung breiter Teile der Arbeiterklasse (Opportunismus). Am Ende des 19. Jahrhundert war die Aufteilung der Welt unter den Kolonialmächten abgeschlossen. Die grausame Unterdrückung und Ausbeutung rief gesetzmäßig einen immer stärker anwachsenden Widerstand der Kolonialvölker hervor, der trotz großen Opfermuts bis 1917 ohne durchgreifenden Erfolg blieb. Die Oktoberrevolution gab der nationalen Befreiungsbewegung dieser Völker einen mächtigen Auftrieb und eröffnete die Krise des imperialistischen Kolonialsystems, die ein wichtiges Merkmal der allgemeinen Krise des Kapitalismus ist. Nach dem 2. Weltkrieg, in dem Kolonie für die imperialistische Kriegspolitik unter anderem als Stützpunkte missbraucht worden waren, begann eine neue Etappe des nationalen Befreiungskampfes, der zum Zerfall (1945/60) und schließlich Zusammenbruch des imperialistischen Kolonialsystems führte. Zahlreiche Völker ehemaliger Kolonie errangen im Ergebnis der nationalen Befreiungsbewegung mit solidarischer Unterstützung des sozialistischen Weltsystems ihre staatlichen Selbständigkeit. Der Anteil von Kolonie und Halbkolonie an der Festlandsfläche beziehungsweise der Bevölkerung der Erde betrug 1917 67% des Territoriums beziehungsweise 53% der Bevölkerung, 1945 waren es 32% beziehungsweise 56%, und 1977 noch 2,5% beziehungsweise 1%. Halbkolonie sind Länder, die formal selbständig sind, in denen jedoch imperialistische Mächte durch aufgezwungene, knechtende Verträge einen beherrschenden Einfluss auf das wirtschaftliche und politische Leben ausüben.

Kolonisation: meist gewaltsame oder betrügerische Aneignung fremder Länder oder Gebiete und deren Verwandlung in Kolonien.

2. Kolonisation, innere Kolonisation: im Kapitalismus Siedlungsmaßnahmen im eigenen Land, um der Entvölkerung landwirtschaftlich wichtiger Gebiete entgegenzuwirken.

Kolonnade: Säulengang mit geradem Gebälkabschluss; als selbständiges Bauwerk oder als Teil eines solchen beliebtes architektonisches Gliederungselement ursprünglich der Antike, später in Renaissance, Barock und Klassizismus.

Kolonne: 1. allgemein geordnete Schar; Arbeitsgruppe; Reihe, Zug.

2. Verfahrenstechnik: Destillieren.

Kolophon: (griechisch, «Gipfel», «Spitze», «Schluss») in alten Büchern, vor allem Wiegendrucken, die Schlussschrift mit Angabe des Titels, Name des Druckers, Druckort, Erscheinungsdatum.

Kolophonium: (nach der antiken kleinasiatischen Stadt Kolophon) hellgelbes bis schwarzes, geruchloses, in Wasser unlösliches Harz. Es erweicht bei 70 °C und ist bei etwa 130°C flüssig. Kolophonium wird bei der Destillation von Terpentin als Rückstand erhalten und unter anderem für Lacke, als Geigenharz und Löthilfsmittel verwendet.

Koloratur: virtuose gesangliche Verzierung einer Gesangsmelodie durch Läufe, Triller unter anderem

Kolorieren: das Ausmalen von Zeichnungen und Graphiken mit Farben.

Kolorimetrie: 1. Astronomie: Bestimmung der Farbe eines Gestirns; heute meist die Bestimmung des Farbindexes (Helligkeit).

2. Chemie: Verfahren zur Konzentrationsbestimmung gelöster farbiger Stoffe durch visuellen oder lichtoptischen Vergleich mit der Farbtiefe von Lösungen bekannten Gehaltes. Die Lichtabsorption in Probe- und Vergleichslösung ist bei gleichen Schichtdicken ein Maß für die gesuchte Stoffmenge beziehungsweise -konzentration.

Kolorimetrie: links Prinzipschema, rechts Eintauchkolorimeter.

Kolorismus: das Überwiegen der farbigen Erscheinung in der Malerei gegenüber der Zeichnung (besonders in impressionistischen Phasen der Kunstentwicklung).

Kolorit: 1. Kunst: in der Malerei die Farbgebung, die künstlerische Wirkung der Farben.

2. Textiltechnik: gleichartig angelegte Muster in verschiedenen Farben bei Textilien.

Koloß: riesiges Gebilde; überlebensgroßes Standbild; Ungetüm.

kolossal: übergroß, gewaltig; im höchsten Grade.

Kolossalordnung: Durchführung von tragenden Architekturteilen (Säulen, Pilastern) über 2 oder mehr Geschosse eines Bauwerkes. Sie ist charakteristisch für die Baukunst des Barocks und entspricht deren Neigung zu Übersteigerung und plastische Durchdringung der Architektur. Die Kolossalordnung wurde zuerst von Michelangelo am Bau der Peterskirche in Rom angewandt.

Kolosseum: unter Kaiser Vespasian in Rom erbautes sogenannte flavische Amphitheater, durch seinen Sohn Titus 80 nach Christus eingeweiht; besaß einen elliptischen Grundriss, der auf etruskische Vorbilder zurückging; bot in 4 Geschossen rund 50000 Besuchern Platz.

Kolostrum: Erstmilch, vor und in den ersten Tagen nach der Geburt abgesonderte Milch, bei Säugetieren Biestmilch genannt; unterscheidet sich von der normalen Folgemilch durch hohen Eiweißgehalt und Gehalt an Antikörpern, zum Beispiel in Form von Globulinen.

Kölpinsee: See der Mecklenburgische Seenplatte nordöstlich von Malchow, Bezirk Neubrandenburg; 20,7 km2, bis 31 m tief; Verbindung zu Schweriner See und Müritz.

Kolportage: privater Hausier-, Wanderhandel, besonders mit oft minderwertigen Büchern (Kolportageromane) Verbreiten von Billigem, Minderwertigem und Unwahrem; Ausstreuen von Gerüchten.

Kolumbien, (nach Christoph Kolumbus) Republik Kolumbien: Staat im Nordwesten Südamerikas; im Norden von Panama und vom Karibischen Meer, im Osten von Venezuela und Brasilien, im Süden von Peru, im Südwesten von Ekuador und im Westen vom Stillen Ozean begrenzt. Kolumbien wird in 23 Departements, 4 Intendanturen und 5 Kommissariate gegliedert. Die Bevölkerung besteht zu 57% aus Mestizen, zu 20% aus Kreolen, zu 14% aus Mulatten, zu 4% aus Afroamerikanern, zu 3% aus Zambos und zu 2 % aus Indianern. Amtssprache ist Spanisch. Währung ist der Kolumbianische Peso.

Natur: Kolumbien gliedert sich in 3 Großlandschaften: in die weiten Tiefebenen (Llanos) der Quellflüsse des Orinoco und Amazonas im Osten und Süden, in die 3 zum Teil über 5000 m hohen Gebirgszüge der Anden im Westen mit den fruchtbaren Stromtälern des Magdalena und Cauca und in das Tiefland an der Pazifikküste, das sich bis zum Karibischen Meer erstreckt. Den Abschluss nach Norden bildet das Massiv der Sierra Nevada de Santa Marta (bis 5 800 m). Kolumbien befindet sich in der innertropischen Klimazone mit je nach Höhenlage abgewandelten Klimastufen. Im feuchtheißen Nordwesten und an den Küsten des immergrünen tropischen Regenwalds, in höheren Lagen Savannen und Trockenwälder; die Graslandschaften der Llanos gehen nach Süden in den tropischen Urwald des Amazonasgebietes über. Wichtigster Strom ist der Magdalena.

Geschichte: In präkolumbischer Zeit entwickelten sich in Kolumbien mehrere bedeutende indianische Kulturen (San Augustin, Tierradentro, Chibcha, Tairona, Quimbaya unter anderem). 1499 gelangten spanische Eroberer an die Nordküste Kolumbiens, wo die indianische Urbevölkerung rasch vernichtet wurde (Sklavenjagd). 1508 gründete A. de Ojeda an der Atrato-Mündung die erste spanische Niederlassung auf dem amerikanischen Festland. 1536/38 eroberten G. J. de Quesada, S. de Benalcázar und N. Federmann das Gebiet der Chibcha; 1538 wurde Bogotá gegründet. Seit 1543 war Kolumbien Zentrum der Generalkapitanie, seit 1739 (vorübergehend schon 1717) des Vizekönigreichs Neugranada. 1810 begann der Unabhängigkeitskrieg, der 1819/22 unter Führung von S. Bolívar y Palacios in der Bildung der Republik Großkolumbien (Kolumbien, Venezuela, Ekuador) gipfelte. Die innenpolitische Entwicklung stand im Zeichen des Kampfes zwischen bürgerlichen Liberalen und Konservativen. Eine bürgerlich-liberale Revolution (1849/53) hatte die Vertreibung der Jesuiten, die Aufhebung des Kircheneigentums und der Sklaverei zur Folge. Liberale und Konservative verbanden sich 1854 gegen die weiterdrängende Volksbewegung und schlugen sie militärisch nieder. Verstärkt entwickelte sich neben der stagnierenden Goldproduktion der Kaffeeanbau. 1903 inszenierten die USA die Loslösung der Provinz Panama, nachdem Kolumbien die Ratifizierung des Vertrages mit den USA über den Verzicht auf das für den Panamakanal vorgesehene Gebiet verzögert hatte. Die Herrschaft der Konservativen 1904/30 ermöglichte den USA, den vorherrschenden britischen Einfluss zurückzudrängen. Die 1930/45 regierenden Liberalen verwirklichten (mit Unterstützung der Volksbewegung, unter anderem der 1930 gegründeten KP) eine gemäßigte Reformpolitik (Präsident A. López, 1934/38, 1942/45). Im 2. Weltkrieg stand Kolumbien auf Seiten der Alliierten (1943 Kriegserklärung an Hitlerdeutschland). Unter dem konservativ-terroristischen Regime des Präsidenten M. Ospina Pérez (1946/50) wurde der Führer der Linksliberalen J. E. Gaitán ermordet, was den Volksaufstand von Bogotá im April 1948 auslöste. Aus der Verschärfung der Auseinandersetzung zwischen Liberalen und Konservativen erwuchs eine bürgerkriegsartige Lage («Violencia»), die annähernd 200000 Todesopfer forderte. Auf den konservativprofaschistischen Präsidenten L. Gómez folgte 1953/57 die Diktatur des Generals G. Rojas Pinilla. Gegen die anwachsende Volksbewegung (Mai 1957 Sturz der Diktatur) einigten sich Konservative und Liberale auf «Machtteilung» und Burgfrieden («Nationale Front»), wonach jede der beiden Parteien bis 1974 im Wechsel den Präsidenten stellte. Nach Auslaufen der Vereinbarung übten die Liberalen A. López Michelsen (1974/78) und J. C. Turbay Ayala (1978/82) die Präsidentschaft mit Ausnahmezustand und undemokratischen Notverordnungen aus. 1981 wurden die diplomatischen Beziehungen zu Kuba unterbrochen. Seit 1982 ist der Konservative B. Betancur Cuartas Präsident, dessen bürgerlichen Reformprogramm vorsieht, den Guerilla-Kampf durch Amnestie und politischen Dialog zu beenden und eine unabhängigere Außenpolitik zu betreiben, doch stoßen diese Bemühungen auf wachsenden Widerstand reaktionärer Kräfte. Schnelle Verschlechterung der sozialen Lage der Werktätigen (Absinken des Reallohnes, wachsende Arbeitslosigkeit und Inflation) verstärkt den Volkskampf. Die KP tritt für ein breites Bündnis aller demokratischen Kräfte zur Verteidigung der politischen und sozialen Rechte der Werktätigen ein. Die fortschrittlichen Gewerkschaften streben nach Gewerkschaftseinheit.

Kolumbus, Christoph, Cristoforo Colombo (italienisch), Cristóbal Colón, 1451-20.5.1506, italienischer Seefahrer, Entdecker Amerikas; versuchte zunächst mit portugiesischer, seit 1484 mit spanischer Hilfe in westlicher Richtung nach Indien zu gelangen; entdeckte am 12.10. 1492 die Bahamainseln Guanahani (San Salvador), dann die Nordküste Kubas und Haitis, auf 2 weiteren Fahrten 1493/96 die Kleinen Antillen, Puerto Rico, Jamaika und die Südküste Kubas, 1498/1500 Trinidad und die Nordküste Südamerikas, auf der 4. Reise 1502/04 die Küste Mittelamerikas. Kolumbus glaubte bis zu seinem Tode, die Ostküste Indiens erreicht zu haben (daher die Namen «Indianer» und «Westindien»),

Kolumne: der auf die richtige Seitenhöhe umbrochene Schriftsatz, die Seite einer Druckform; siehe auch justieren.

Kolumnentitel: in Büchern, Broschüren und Zeitschriften am Kopf oder am Fuß der Seite stehende Seitenzahl und -inhaltsangabe oder anderes (lebender Kolumnentitel) beziehungsweise ausschließlich Seitenzahl (toter Kolumnentitel).

Koluren: 2 Längenkreise des Ekliptikal-Systems; der Solstitial-Koluren geht durch die beiden Solstitial- oder Sonnenwendpunkte, der Äquinoktial-Koluren durch die beiden Äquinoktialpunkte (Frühlings- und Herbstpunkt).

Kolwezi: Stadt in Zaire (Provinz Shaba), an der Benguelabahn, 1443 m über dem Meeresspiegel; 100000 Einwohner; Aufbereitung und Verhüttung der in der Umgebung geförderten Kupfer-, Kobalt-, Blei- und Zinkerze; in der Nähe Wasserkraftwerke am Lualaba; Flughafen.

Kolzow, eigentlich Friedland, Michail Jefimowitsch, 12.6.1898-4.4.1942, russisch-sowjetischer Journalist und Schriftsteller; war 1922/38 Mitarbeiter der «Prawda». Den Stoff für seine satirischen Feuilletons, zum Beispiel die von Kolzow Tucholskys Geschichten vom Herrn Wendriner angeregte Serie «Iwan Wadimowitsch, ein Mann von Format» (1933, zum Teil deutsch), bot ihm der sowjetische Alltag. Er schrieb über die Klassenauseinandersetzungen in Deutschland und schilderte seine Erlebnisse im Spanischen Freiheitskampf («Die rote Schlacht», 1938, deutsch).

Köm, Koem beide (niederdeutsch, «Kümmel») wasserheller Trinkbranntwein mit Kümmelaromazusatz; Volumenanteil an Alkohol 40%.

Koma: 1. Astronomie: Komet.

2. Koma (griechisch koma, «Schlaf»): Medizin - Bewusstlosigkeit, die durch Sinnesreize nicht zu unterbrechen ist; siehe auch Benommenheit.

3. Koma (griechisch kome, «Haar»): Optik - geometrischer Abbildungsfehler, der bei der optischen Abbildung außerhalb der optischen Achse liegender Objektpunkte mit weit geöffneten Bündeln auftritt. Im Bildraum liegt eine unsymmetrische Einschnürung des Strahlenbündels vor, durch die in der Gaußschen Bildebene statt eines Punktes eine schweifförmige Zerstreuungsfigur entsteht.

Kombattant: Kämpfer, bewaffneter Angehöriger der regulären oder irregulären Streitkräfte auf dem Kriegsschauplatz. Kombattant, darunter Partisanen oder Angehörige anderer organisierter Widerstandsbewegungen, müssen als solche äußerlich kenntlich sein (Uniform, Armbinde unter anderem). Sie stehen unter dem Schutz völkerrechtlichen Regeln der Kriegführung.

Komponenten, von denen mindestens eine ein Faden ist. Das Vereinigen zum Komponenten erfolgt durch Zusammendrehen, Umwinden, Kleben, Umspinnen, Umflechten.

Kombination: 1. allgemein Herstellung von Beziehungen; Verbindung; Verknüpfung von Gedanken; Zusammenstellung von Dingen.

2. Bekleidung: a) kombinierfähige Einzelteile aus der Konfektions- und Trikotagen Industrie für alle Verbrauchergruppen;

b) Arbeits- oder Sportanzug aus einem Stück (Overall);

c) Hemdhose.

3. Kristallographie: gleichzeitiges Vorkommen von 2 oder mehr einfachen Kristallformen an einem Kristall.

4. Mathematik: Kombinatorik.

5. Sport: a) in Sportspielen Zusammenwirken einzelner Spieler;

b) Verbindung verschiedener Übungselemente;

c) Mehrkampf;

d) aus Mitgliedern mehrerer anderer Mannschaften gebildete Mannschaft;

e) im Pferdesport Mehrfachhindernis (siehe auch Hindernis).

Kombinationsdruck: Polygraphie Anwendung von 2 oder mehr Druckverfahren, um ein Druckprodukt höchster Qualität durch Ausnutzung der Vorzüge verschiedener Druckverfahren herzustellen (zum Beispiel Illustrationsdruck im Licht- oder Tiefdruck, Textdruck im Hochdruck). Kombinationsdruckmaschine Druckmaschine. Kombinationseignung, Kreuzungseignung: Pflanzenzucht die erbanlagenbedingte Fähigkeit eines Klons, einer Inzuchtlinie, Rasse oder Sorte bei Kreuzung mit beliebigen anderen (allgemeinen Kombinationsdruck) oder nur bestimmten Idiotypen (spezielle Kombinationsdruck) Nachkommen mit überdurchschnittliche Leistung (Heterosis) zu erzeugen.

Kombinationspistole, Sportpistole, Standardpistole: Faustfeuerwaffe (Selbstladepistole) mit einem Kaliber von 5,6 mm, begrenzten Maßen, 1400 g Masse und einem Abzugswiderstand von 9,8 N. Im Wettbewerb werden 60 Schuss auf eine Entfernung von 25 m abgegeben: 30 Schuss in 6 Serien auf Zehnerringscheiben, 30 Schuss Schnellfeuer auf 1 Silhouetten Scheibe.

Kombinationsprinzip: Prinzip, nach dem durch Addition oder Subtraktion der Wellenzahlen zweier Spektrallinien eines Atoms im Allgemeinen die Wellenzahl einer weiteren Linie entsteht; 1908 von dem schweizerischen Physiker Walther Ritz (1878-1909) formuliert.

Kombinationstöne: Töne, die bei simultanen Zwei- und Mehrklängen durch Verzerrung zusätzlich auftreten können.

Kombinationszüchtung, Kreuzungszüchtung: Pflanzenzucht Zuchtmethode, bei der wirtschaftlich wichtige und erstrebenswerte Eigenschaften und Merkmale zweier Rassen, Sorten, Arten u. ä. in einem Individuum vereinigt werden.

Kombinator: Gerät zur Lockerung und Krümelung des Bodens; Kombination von Grubber und Krümelwalze.

Kombinatorik: Zweig der Mathematik, in dem die Gesetzmäßigkeiten untersucht werden, die beim Zusammenstellen gewisser gegebener Objekte, der Elemente, in bestimmten Anordnungen auftreten. Einige Beispiele: Jede Zusammenstellung von n Elementen in einer bestimmten Reihenfolge wird als Permutation bezeichnet. Von n Elementen gibt es n\ = 1 • 2 • ... • n Permutationen. Werden von n Elementen k (1 & k s n) ausgewählt und beliebig angeordnet, so entsteht eine Kombination der Klasse (Ordnung) k aus n Elementen. Es gibt Kombinationen von k aus n Elementen. Werden von n Elementen k ausgewählt und in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet, so entsteht eine Variation der Klasse (Ordnung) k aus n Elementen. Es gibt Variationen von k aus n Elementen.

Kombinatsbetrieb: ökonomisch und juristisch selbständige Wirtschaftseinheit, die in ein Kombinat eingegliedert ist. Sie verfügt über eigene Fonds und hat eigene Rechtssubjektivität, bestimmte Rechte und Pflichten. Der Kombinatsbetrieb erhält seine Aufgaben vom Generaldirektor des Kombinates als Planvorgaben und ist für deren Erfüllung voll verantwortlich. Der Kombinatsbetrieb wird vom Direktor nach dem Prinzip der Einzelleitung geleitet und arbeitet nach dem Prinzip der wirtschaftlichen Rechnungsführung.

Kombinatsverordnung: Verordnung vom 8.11.1979 über die volkseigenen Kombinate, Kombinatsbetriebe und VEB, die die Stellung, Leitung und Aufgaben dieser Wirtschaftseinheiten in der Volkswirtschaft sowie ihre Gründung und Reorganisation regelt.

Kombine: 1. Kombine, Schrämlader. Bergbau - kombinierte Gewinnungs- und Lademaschine im Kohlen-, Salz- und Schieferbergbau. Sie führt die Arbeitsgänge Lösen, Zerkleinern und Verladen des Gesteins gleichzeitig aus. Zunehmend wird mit Walzenkombine gearbeitet.

2. Landwirtschaft: Bezeichnung im Sinne von Maschinenkombination für Mähdrescher, Kartoffelrodelader, Rübenrodelader unter anderem

kombinierte Kindereinrichtung, Kinderkombination: Einrichtung, in der Kinderkrippe und Kindergarten räumlich verbunden sind; ermöglichen, bei Wahrung der jeweiligen spezifischen Funktion, durch Zusammenarbeit des pädagogischen und medizinischen Personals eine effektivere Erziehung und Betreuung der Kinder.

Kombiwagen: Kraftwagen mit PKW-Fahrgestell und Hecktür zum Befördern von Personen und (nach Umlegen der Rücksitze) kleinen Lasten.

Kombüse: Schiffsküche einschließlich Vorrats- und Zubereitungsräumen.

Komensky, Jan Amos, latinisiert Comenius, 28.3.1592-15.11.1670, tschechischer Theologe, Pädagoge und Schriftsteller; versuchte als erster, im Interesse des frühen Bürgertums ein wissenschaftlich begründetes System einer demokratischen und humanistischen Pädagogik auszuarbeiten. Komensky forderte, in einem einheitlichen, vierstufigen, altersgemäß gestaffelten Schulsystem «alle alles» zu lehren. Er entwickelte das Klassenunterrichtssystem, entsprechende Lehrbücher (Orbis pictus) und entwarf den utopischen Plan einer Harmonisierung der Gesellschaft durch Bildung und Erziehung. Hauptwerke: «Die große Didaktik» (1638), «Allgemeine Beratung zur Verbesserung der menschlichen Dinge» (1670). Seine Gedanken «Über tschechische Poesie» (1620) begleiten zeitkritische Schriften («Briefe an den Himmel», 1619, zum Teil Deutsch; «Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens», 1623, deutsch), in denen Arme und Reiche der Feudalgesellschaft gegenübergestellt werden.

Komet, Schwerstern, Haarstern: als nebliger Fleck in Erscheinung tretender Himmelskörper, der sich auf einer elliptischen, oft stark exzentrischen Bahn um die Sonne bewegt. Der nur kilometergroße Kometenkern ist von einer leuchtenden Gashülle, der Koma, umgeben. Der Kern besteht aus gefrorenen Gasen und Staubteilchen, die bei Annäherung des Kometen an die Sonne verdampfen beziehungsweise freigesetzt werden; es bildet sich der Kometenschweif aus, der mehrere Millionen km Länge erreichen kann, immer von der Sonne weg zeigt und vom Sonnenwind stark beeinflusst wird.

Komiker: Darsteller in Theater, Film, Varieté und Zirkus, dessen Kunst Heiterkeit auslöst, indem er Widersprüche oder Schwächen der Menschen oder des gesellschaftlichen Lebens durch Zuspitzung oder Gegenüberstellung enthüllt. Publikumsnahe lustige Personen (Clown, Harlekin, Gracioso, Hanswurst unter anderem) haben in allen volkstümlichen Theaterkulturen gesellschaftskritischer Wirkungen erzielt.

komisch: (lateinisch griechisch, «scherzhaft») belustigend, zum Lachen reizend, lächerlich wirkend, sonderbar.

Das Komische als ästhetische Kategorie bezeichnet allgemein das Entdecken und Sichtbarmachen von objektiven Situationen und Widersprüchen, die zum Lachen reizen. Es tritt in der Kunst besonders in Epochen großer gesellschaftlichen Veränderungen auf und drückt Selbstgefühl und die historische Gewissheit aus, die zum Untergang verurteilten gesellschaftlichen Kräfte als überwindbar zu zeigen. Darin besteht die soziale Funktion des Komischen. Polare Erscheinungen der subjektiven Bewertung eines komischen Widerspruchs sind Satire und Humor; Gestaltungsmittel sind unter anderem Ironie, Karikatur, Witz. Siehe auch tragisch.

Komitas, eigentlich Sogomon Sogomonjan, 8.10.1869-22.10.1935, armenischer Musikwissenschaftler und Komponist; sammelte zahlreiche armenische Volkslieder und Volkstänze und wurde zum Begründer der armen, klassischen mehrstimmigen Musik.

Komitee: Personenkreis, der im Namen einer Personenmehrheit handelt. Die Mitglieder des Komitee werden meist durch Wahl oder Delegierung bestimmt. Im sozialistischen Staat tragen auch manche staatlichen Organe die Bezeichnung Komitee

Komitee der Achtzehn: demokratischer Machtorgan in Brüssel während der niederländischen frühbürgerlichen Revolution; gegründet 1577; es vertrat in der Stadtverwaltung die Interessen der ärmeren Volksschichten. Ähnliche Komitees entstanden auch in anderen Städten.

Komitien: im alten Rom Volksversammlungen mit Beschlussfähigkeit für Gesetzgebung und Beamtenwahl; wurden seit 14 nach Christus nicht mehr einberufen.

Kommandant: a) Vorgesetzter aller Militärangehörigen in einem festgelegten Bereich (Standort, Truppenübungsplatz, auch einer zeitweilig militärischen Einrichtung, wie einer Marschstraße);

b) Vorgesetzter einer Flugzeug-, Panzer-, Schiffs- oder Raumschiffbesatzung.

Kommandantendienst: militärisches Organ, dem die Sicherstellung der Verlegung, Konzentrierung und Entfaltung von Truppen und Stäben, deren Unterbringung sowie die Aufrechterhaltung der allgemeinen Ordnung im jeweiligen Aufenthaltsraum obliegt. Siehe auch Dienste 2, Marsch.

Kommandeur: unmittelbarer militärischer Vorgesetzter eines Verbandes, Truppenteils oder einer Einheit; verfügt als Einzelleiter über ungeteilte Befehlsgewalt und ist für die ihm unterstellte Truppe voll verantwortlich.

Kommandeurinseln: sowjetische Inselgruppe im Beringmeer, 200 km östlich von Kamtschatka; 1848 km2; bergig (bis 751m hoch); überwiegend Gebirgstundra; von Eskimos dünn besiedelt; Schutzgebiet für Seerobben und -löwen; Vogelkolonien. 1741 von V. Bering entdeckt.

Kommanditgesellschaft, Abkürzung KG: nicht rechtsfähiges Unternehmen mit Gesellschaftern unter gemeinschaftlicher Firma. Für Verbindlichkeiten der KG haften die Gesellschafter als Gesamtschuldner, teils nur mit ihrer Einlage (Kommanditisten), teils mit ihrem gesamten Vermögen (Komplementäre,). Die Geschäftsführung und Vertretung obliegt den Komplementären.

Kommanditgesellschaft auf Aktien, Abkürzung KGaA: rechtsfähiges Unternehmen mit Gesellschaftern, die durch Aktien beteiligt sind, und mindestens einem weiteren Gesellschafter, der die Geschäfte der KGaA führt, sie vertritt und für ihre Verbindlichkeiten mit seinem ganzen Vermögen haftet.

Kommando: 1. Datenverarbeitung: Instruktion

2. Militärwesen a) Befehl;

b) Ausübung von Befehlsgewalt durch einen militärischen Vorgesetzten;

c) Zusammenfassung von Militärpersonen für besonders Aufgaben, zum Beispiel Berge-, Feuerlösch- oder Instandsetzungskommando imperialistischer Staaten bilden Kommando für subversive Kommando unternehmen.

Kommandobefehl: am 18.10.1942 vom faschistischen deutschen Oberkommando erlassener kriegsrechtswidriger Befehl, alle Angehörigen sogenannt alliierter Kommandos, die im faschistischen Hinterland eingesetzt wurden, zu erschießen. Auf Grund des Kommandobefehls wurden zahlreiche Kriegsverbrechen verübt.

Kommandobrücke: Raum oder Bereich, von dem aus das Schiff geführt wird und der dementsprechend mit Leitgeräten und -anlagen für die Schiffsführung (einschließlich Schiffssicherheit) ausgerüstet ist. Wesentliches Kriterium für die Lage der Kommandobrücke ist gute Sicht für alle auszuführenden Manöver.

Kommandogerät: Feuerleiteinrichtung der Flak-artillerie, die nach den Angaben der Geschützrichtstation elektronisch oder elektromechanisch die Richt- und Zünderwerte errechnet und die Geschütze über Kabelverbindungen steuert.

Kommaschildlaus, Lepidosaphes ulmi: Deckelschildlaus, deren Weibchen unter einem 3,5 mm großen kommaförmigen Schild an Baumstämmen saugen; schädigt vor allem Obstbäume und Beerensträucher.

Kommensalismus: (lateinisch, «Tischgemeinschaft») auch als Mitessertum bezeichnete Gesellung von Organismen, von denen eine Art (Kommensale) die Nahrung der anderen Art (Wirt) mit nutzt, ohne diesen zu schädigen.

kommensurabel: (lateinisch, «zusammen messbar») mit gemeinsamem Maß messbar, vergleichbar. Zum Beispiel heißen zwei Zahlen kommensurabel, wenn sie ganzzahlige Vielfache einer dritten Zahl sind. Zwei beliebige rationale Brüche sind kommensurabel Inkommensurabel oder nicht kommensurabel sind eine rationale und eine irrationale Zahl; zum Beispiel sind die Längen der Seite und der Diagonale eines Quadrates inkommensurabel, da ihr Quotient J2, also irrational ist.

Komment: Gesamtheit der Lebensregeln und Umgangsformen in bürgerlichen Studentenverbindungen; Brauch; Vorschrift.

Kommentar: 1. Journalistik: Genre, das der Erklärung beziehungsweise Erläuterung von aktuellen Tatsachen oder Vorgängen im gesellschaftlichen, insbesondere politischen Leben dient; wichtiges Mittel der Argumentation in Presse, Rundfunk und Fernsehen.

2. Recht: Erläuterung aller oder einzelner Vorschriften in Gesetzen, Verordnungen und so weiter; auch Bezeichnung für ein Buch, das solche Erläuterungen enthält.

Kommentator: Verfasser (bei Rundfunk und Fernsehen oft gleichzeitig auch Sprecher) von Kommentaren.

Kommers: aus besonderem Anlass veranstaltetes Trinkgelage bürgerlicher Studenten.

Kommis: früher Handlungsgehilfe, kaufmännischer Angestellter.

Kommissar: mit besonderen staatlichen Aufgaben und Befugnissen Betrauter; einstweiliger Vertreter eines Amtsinhabers; Dienstbezeichnung.

Kommission: 1. Handelsrecht: Verpflichtung des Kommissionärs (Kommissionsvertrag), ein Geschäft im eigenen Namen für einen anderen auf dessen Rechnung zu besorgen. Auch das Kommissionsgeschäft selbst und dessen Gegenstand (zum Beispiel die Kommissionsware) werden Kommission genannt.

2. Staatsrecht: gesellschaftliches, staatliche oder betriebliche Leitungs- oder Beratungsorgan, das sich aus mehreren Mitgliedern zusammensetzt und seine Entscheidungen (Beschlüsse, Empfehlungen und so weiter) mit Stimmenmehrheit fasst. Die Tätigkeit von Kommission ermöglicht vielfältig vorbereitete, sachkundig fundierte Maßnahmen und Entscheidungen. Verbreitetste Form der Kommissionstätigkeit sind die mehr als 60000 ständigen und zeitweiligen Kommissionen der örtlichen Volksvertretungen. Sie sind Organe der Volksvertretungen auf einem bestimmten Sachgebiet und die wichtigste kollektive Tätigkeitsform der Abgeordneten zwischen den Tagungen. Gemeinsam mit fachkundigen und interessierten Bürgern (als berufene Mitglieder der Kommissionen oder als Mitglieder von Aktivs der Ken) wirken sie mit bei der Erfüllung der Aufgaben der Volksvertretungen, bereiten Beschlussentwürfe vor und kontrollieren die Verwirklichung von Beschlüssen. Sie arbeiten dabei eng mit dem Rat und seinen Fachorganen zusammen.

Kommissionshandel: seit 1956 gesetzlich geregelte Form der Einbeziehung privater Einzelhändler und Gastwirte in die planmäßige Versorgung durch Abschluss eines Kommissionsvertrages mit einem sozialistischen Handelsbetrieb, in dessen Auftrag die gegen eine vereinbarte Kaution überlassene Ware bei Gewährung einer Provision verkauft wird.

Kommissionsvertrag: Vertrag, nach dem der Auftragnehmer (Kommissionär) Waren, im kapitalistischen Ausland auch Wertpapiere, im eigenen Namen für Rechnung (zugunsten und zu Lasten) des Auftraggebers (Kommittenten) gegen Entgelt (Provision) ein- oder verkauft. Im Wirtschaftsverkehr verbindet der Kommissionsvertrag die ökonomische Leistungsfähigkeit des Kommittenten mit der Fachkunde und den Betriebsmitteln des Kommissionärs. Bürger können Gegenstände von Kommissionsgeschäften des Einzelhandels verkaufen lassen. Siehe auch Kommissionshandel.

Kommissuren System: Nervenfasersystem, das identische Gebiete beider Hemisphären des Gehirns der Wirbeltiere und des Menschen beziehungsweise die segmentalen Ganglien des Strickleiternervensystems der Gliedertiere verbindet.

kommod: (französisch) bequem, gemächlich.

kommunal: von örtlicher Bedeutung; einer Stadt oder Gemeinde gehörend oder sie betreffend.

Kommunalbewegung: vom 11. bis zum 13. Jahrhundert andauernder Kampf des wirtschaftlich erstarkenden Städtebürgertums gegen die feudalen Stadtherren um die Bildung einer Bürgergemeinde mit weitgehenden Freiheiten (Kommune). Organisiert in Schwurvereinigungen, erlangten die Bürger nach wechselvollem Ringen in vielen größeren und mittleren Städten Autonomie in Fragen der Wirtschaft, Steuern, Verteidigung, Rechtsprechung und Verwaltung. Die Kommunalbewegung fand mit dem Aufkommen der Ratsverfassung und der Ausbildung der Stadtgemeinde unter Führung reicher Kaufleute und Grundbesitzer ihren vorläufigen Abschluss.

kommunale Selbstverwaltung: Organisationsgrundsatz bürgerlicher Staaten, der den Gemeinden und Kreisen (Kommunen) das Recht zugesteht, auf ihrem Aufgabengebiet bestimmte begrenzte Angelegenheiten in eigener Verantwortung zu entscheiden. Dabei ist die kommunale Selbstverwaltung auf vielfältige Weise an die bürokratische Reglementierung der zentralen Staatsgewalt gebunden. Unter imperialistische Bedingungen und mit dem Erstarken der revolutionären Arbeiterbewegung und ihres Einflusses auf die örtlichen Parlamente versucht der Staat die kommunale Selbstverwaltung in zunehmendem Maße zu zerstören, um die Kommunen bedingungslos zu Bestandteilen seines Herrschaftsapparates zu machen.

Kommunalhygiene: medizinische Disziplin, deren Gegenstand Verhütung und Bekämpfung der Krankheiten ist, die ihre Ursache oder zumeist Teilursache in der natürlichen und in der vom Menschen veränderten Umwelt haben.

Kommunalwirtschaft: den Räten der Städte und Kreise unterstehende Betriebe und Einrichtungen, die spezifische materielle, soziale und sanitäre Bedürfnisse einer Stadt beziehungsweise eines Kreises befriedigen (zum Beispiel Wohnungsverwaltungen, Wäschereien, Textilreinigungsbetriebe, Nahverkehrsbetriebe, Versorgungsbetriebe für Gas und Wasser, Müllabfuhr, Reparatur- und Dienstleistungsbetriebe). Die Kommunalwirtschaft trägt im Sozialismus eine ständig wachsende Verantwortung für die Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus der Bevölkerung.

Kommunarde: Teilnehmer an der Pariser Kommune 1871.

Kommune: 1. Gemeinde im bürgerlichen Staat.

2. im Mittelalter Bürgergemeinde mit weitgehenden Freiheiten.

3. in Frankreich und Italien die im Kampf der Stadtbürger gegen die Feudalherren entstandene selbständige Stadtgemeinde des Mittelalters; vielfach Keimzelle frühkapitalistische Entwicklung.

4. Kommune, Commune: Pariser Gemeinderat während der Franzos. Revolution, an dessen Spitze der Bürgermeister stand; hervorgegangen aus dem Ständigen Ausschuss der Wahlmänner für die Konstituante; befand sich anfangs in den Händen der Großbourgeoisie, später der Girondisten und wurde schließlich Hochburg der Jakobiner. Die neugebildete revolutionäre Kommune vom 10.8.1792 mit sansculottischer Mehrheit war führend am Sturz der Monarchie beteiligt und bis zur Einberufung des Konvents (20.9.1792) Kern des Widerstandes gegen die Intervention europäischen Mächte. Unter der Jakobinerdiktatur entwickelte sich die Kommune zur politischen Plattform linker Kräfte. Nach dem Sturz und der Hinrichtung J. R. H6berts wurden mit der Errichtung der Robespierristische Kommune die linksradikalen Elemente entfernt. Nach dem 9. Thermidor (27. 7.) 1794 wurde die Kommune, die sich hinter Robespierre gestellt hatte, aufgelöst, die meisten ihrer Mitglieder wurden hingerichtet.

5. Pariser Kommune.

6. Wohn- und Versorgungsgemeinschaft; besonders von Jugendlichen der 60er Jahre versucht.

Kommunikation: 1. allgemein Verbindung, zwischenmenschlicher Verkehr; Verständigung, besonders mit Hilfe von Sprache, Zeichen.

2. Kommunikationsforschung: Informationsaustausch mittels Signalen zwischen dynamischen Systemen (Informationstheorie), zwischen biologischen Systemen (Verhaltenswissenschaft) und im zwischenmenschlichen Verkehr (Semiotik, Sprachwissenschaft). besonders wichtig für das gesellschaftliche Leben ist der Austausch von Informationen (Nachrichten) zwischen Menschen mittels Zeichen. Der sendende Kommunikationspartner codiert seinen beabsichtigten Mitteilungsinhalt in eine dem empfangenden Kommunikationspartner verständliche, meist sprachliche Zeichenfolge, die vom empfangenden Kommunikationspartner analysiert und verstanden werden muss. Erforderlich ist dafür ein gemeinsamer Zeichenvorrat bei Sender und Empfänger. Universelles Zeichensystem ist die Sprache (verbale Kommunikation). Von großer Bedeutung für die mündliche Kommunikation (gesprochene Sprache) ist die sogenannte nichtverbale Kommunikation (Stimmklang, Pausen, Mimik, Gestik, Körperhaltung unter anderem). Der Elementarvorgang der (unilateralen) Kommunikation kann schematisch als Kommunikationskette dargestellt werden.

Kommunikationstechnologien: Verfahren der Informationsübertragung. Herkömmliche Kommunikationstechnologien sind zum Beispiel Fernschreiben, Fernsprechen, Rundfunk und Fernsehen. In Zukunft gewinnen rechnergestützte Kommunikationstechnologien an Bedeutung, bei denen die zu übertragenden Informationen zwischengespeichert werden können. Dazu gehören zum Beispiel Bürofernschreiben, Fernkopieren, rechnergestützte Informationsübertragung, Videotext, rechnergestützte Informationsfondsabfrage im Direktzugriff, Bildschirmtext.

Kommunion: (dat., «Gemeinschaft») das heilige Abendmahl als Mahl der Gemeinschaft mit dem gegenwärtig geglaubten Christus und der Gemeinde der Gläubigen. Sie ist möglich in «beiderlei Gestalt» (Hostie und Wein) oder nur als Hostie (besonders in der katholischen Kirche).

Kommunique: abschließende, für die Öffentlichkeit bestimmte, zusammenfassende Darstellung über Verhandlungen und deren Ergebnisse oder andere bedeutsame Ereignisse; Denkschrift, Mitteilung.

Kommunismus: 1. Inbegriff der revolutionären, marxistisch-leninistischen Arbeiterbewegung.

2. die den Kapitalismus gesetzmäßig ablösende kommunistischen Gesellschaftsformation, die durch die Arbeiterklasse im Bündnis mit den anderen werktätigen Klassen und Schichten unter Führung der marxistisch-leninistischen Partei planmäßig gestaltet wird und deren Entwicklungsphasen Sozialismus und Kommunismus sind. Beider gemeinsame Grundlagen und Wesenszüge sind: gesellschaftliches Eigentum an den Produktionsmitteln; Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und sozialer und nationaler Unterdrückung; Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe zwischen allen Mitgliedern der Gesellschaft; Freundschaft unter den Völkern; planmäßige Entwicklung der Produktion im Maßstab der gesamten Gesellschaft zum Zweck der immer besseren Befriedigung der ständig wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Werktätigen auf der Grundlage eines hohen Entwicklungstempos der Produktivkräfte, des wissenschaftlichen technischen Fortschritts, der Erhöhung der Effektivität und des Wachstums der Arbeitsproduktivität durch umfassende Intensivierung der Produktion; Veränderung des Charakters der Arbeit, die aus einem Mittel des Lebensunterhalts immer mehr zum ersten Lebensbedürfnis wird; allseitige Entwicklung der Fähigkeiten und Talente der Menschen und Ausbildung eines neuen Typs der Persönlichkeit; bewusste und planmäßige Leitung der gesellschaftlichen Prozesse und der Gesamtentwicklung der Gesellschaft unter aktiver Einbeziehung der Werktätigen; Herrschaft der marxistisch-leninistischen Weltanschauung. Die Gesamtheit dieser Merkmale stellt das einheitliche Wesen der kommunistischen Gesellschaftsformation dar. Gleichzeitig bestehen zwischen Sozialismus und Kommunismus Unterschiede, die sie als aufeinanderfolgende Entwicklungsphasen dieser einheitlichen Gesellschaftsformation kennzeichnen.

3. höhere Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation, die auf der Grundlage des Sozialismus durch dessen Vervollkommnung schrittweise und allmählich entsteht. Der Kommunismus ist die klassenlose Gesellschaftsordnung, in der die Produktionsmittel einheitliches Volkseigentum sind und die sozial völlig gleichgestellten Mitglieder der Gesellschaft ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten allseitig entwickeln und zum Wohle der Gesellschaft einsetzen. Auf der Grundlage der ständig fortschreitenden Wissenschaft und Technik werden die Produktivkräfte planmäßig entwickelt und mit höchster Effektivität zum Wohle der Menschen genutzt. Der Kommunismus ist eine hochorganisierte Gesellschaft allseitig gebildeter Menschen mit hohem gesellschaftlichen Bewusstsein, deren Mitglieder die gesellschaftlichen Angelegenheiten bewusst regeln, die Produktivkräfte, die Produktionsverhältnisse und das geistig-kulturelle Leben planmäßig entwickeln und in zunehmendem Maße zu Beherrschern der Natur und ihrer eigenen gesellschaftlichen Verhältnisse werden. Im Kommunismus ist die Arbeit zum Wohle der Gesellschaft erstes Lebensbedürfnis, jeder Werktätige wendet seine Fähigkeiten mit dem größten Nutzen für das Volk an; es herrscht das Prinzip «Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen». Voraussetzung ist eine sehr hohe Arbeitsproduktivität, die auf der schöpferischen Arbeit der Werktätigen und der effektiven Nutzung der materiell-technischen Basis des Kommunismus fußt. Der Kommunismus ist die Gesellschaft der schöpferischen Arbeit, des kultur- und sinnvollen Lebens für alle, der allseitigen Entwicklung der Persönlichkeit, die Gesellschaft der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Der Aufbau des Kommunismus erfordert die Lösung von 3 untrennbar miteinander verbundenen Aufgaben: die Schaffung der materiell-technischen Basis des Kommunismus; die Herausbildung kommunistischer Produktionsverhältnisse und des kommunistischen Charakters der Arbeit; die Erziehung des kommunistischen Menschen. Die Lösung dieser Aufgaben hat die Schaffung einer qualitativ sehr hohen Entwicklungsstufe der Produktivkräfte zur unabdingbaren Voraussetzung. Sie erfolgt im Prozess der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, deren Rolle im Leben der Gesellschaft gesetzmäßig wächst. Der schrittweise und allmähliche Übergang zum Kommunismus ist ein bewusst gestalteter gesetzmäßiger Prozess, der nicht willkürlich vollzogen, künstlich vorangetrieben oder verzögert werden kann. Die Voraussetzungen für den allmählichen Übergang zum Kommunismus werden im gesamten Prozess des Werdens und der Entwicklung des Sozialismus geschaffen. Elemente des Kommunismus entstehen schon sehr früh in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens; der allmähliche Übergang zum Kommunismus kann jedoch erst auf einer hohen Stufe der Entwicklung des Sozialismus in Angriff genommen werden. Der Kommunismus ist die lichte Zukunft der Menschheit, die Welt des Friedens, in der alle Völker der Erde ihre Fähigkeiten und Talente voll entfalten können.

Kommunistisches Korrespondenz-Komitee: Komitee zum Meinungsaustausch über Fragen der proletarischen Theorie und Politik, 1846 von Marx und Engels in Brüssel gegründet; forderte den ideologischen und organisatorischen Zusammenschluss fortschrittlicher Arbeiter in zahlreichen Ländern und bereitete die Bildung der revolutionären proletarischen Partei vor. Dank dem Wirken des Kommunistisches Korrespondenz-Komitee gelang es, die Grundgedanken des wissenschaftlichen Kommunismus in den Bund der Gerechten zu tragen und ihnen zum Siege zu verhelfen; das war die Voraussetzung für die Gründung des Bundes der Kommunisten 1847.

kommunizierende Röhren: oben offene, unten verbundene Röhren. Eine ruhende Flüssigkeit steht in allen kommunizierenden Röhren infolge gleichen Drucks gleich hoch; darauf beruht zum Beispiel die Wasserleitung.

kommutativ: vertauschbar; eine mathematische Verknüpfung zweier Elemente, zum Beispiel von Zahlen, heißt kommutativ, wenn das Ergebnis nicht von der Reihenfolge der Elemente abhängt, zum Beispiel ist 3 + 5 das gleiche wie 5 + 3, allgemein a + b = b + a.

Kommutator: 1. Kommutator, Stromwender, Kollektor, Polwender: Elektrotechnik

a) mechanischer Schalter zum Umkehren der Stromrichtung in Stromkreisen;

b) im engeren Sinne zylindrischer Konstruktionsteil in Stromwendermaschinen (zum Beispiel Gleichstrommaschine). Der Kommutator ist aus voneinander isolierten und mit der Ankerwicklung verbundenen Kupferlamellen zusammengesetzt und bewirkt mit den auf seiner Oberfläche schleifenden Bürsten eine periodischen Umschaltung (Kommutierung) und damit eine Frequenzwandlung (zum Beispiel Gleich in Wechselstrom) des zu- oder abgeführten elektrischen Stroms.

2. Quantentheorie: Vertauschungsregel.

Komnenen: byzantinische Dynastie des Militäradels aus Kleinasien (1057/59 und 1081/1185); unter ihr fand der byzantinische Feudalismus seine höchste Entfaltung. Seit dem 4. Kreuzzug herrschten die sogenannten Großkomnenen im von ihnen gegründeten Reich von Trapezunt (1204/1461).

Komödiant: ursprünglich wandernder Berufsschauspieler; seit Ende des 18. Jahrhundert abwertend für Schauspieler gebräuchlich, der mit übertriebenen Mitteln auf billige Effekte zielt (daher übertragen Heuchler, Wichtigtuer); heute ein im besten Sinne ausdrucksstarker Darsteller.

Komödie, Lustspiel: neben der Tragödie Hauptgenre der Gattung Drama; zusammenfassende Bezeichnung für alle Arten dramatische Werke, die menschlichen Beziehungen und soziale Verhältnisse auf komischer Weise (komisch) darstellen, entweder heiter-humorvoll oder satirisch-komisch. Die Komödie hat bei ihrer Entstehung und Entwicklung vorliterarische mim. und volkstheatralische Elemente aufgenommen (zum Beispiel Schwank, Clownerie, Farce). Im 17. Jahrhundert bildete sich ein an Aristoteles angelehntes klassizistisches Dogma, das die sogenannte niedere Personage auf die Komödie beschränkte, während die Tragödie den Gestalten der herrschenden Schichten Vorbehalten blieb. W. Shakespeare und Lope de Vega, später Molière und C. Goldoni durchbrachen die feudalhierarchischen Schranken. In der deutschsprachigen Literaturtradition gehören G. E. Lessing, H. von Kleist. J. Nestroy, G. Hauptmann, C. Sternheim, B. Brecht, F. Dürrenmatt, P. Hacks und R Strahl zu den bedeutendsten Komödiendichtem.

Komodowaran, Varanus komodoensis: mit bis zu 3 m Länge größte rezente Echse; lebt auf einigen kleinen Sundainseln; jagt Wildschweine und kleinere Hirsche; vom Aussterben bedroht.

Komoe: Fluss in Westafrika; 750 km; entspringt im Südwesten von Burkina, durchfließt die Republik Elfenbeinküste, mündet in den Golf von Guinea; am Oberlauf in Burkina Wasserfälle, im Unterlauf schiffbar.

Komoren, Islamische Bundesrepublik Komoren: Staat auf gleichnamiger Inselgruppe im Indischen Ozean, vor der Küste Ostafrikas, nordwestlich von Madagaskar. Die Bevölkerung ist sehr vielseitig zusammengesetzt (44% Araber, 39% Bantu, 7% Inder, 6% Madagassen, 3% Indonesier, 1% Chinesen und Europäer). Amtssprache ist Französisch. Währung ist der CFA-Franc. Die Inselgruppe ist vulkanischen Ursprungs und umfasst neben den 4 Hauptinseln Grande Comore (tätiger Vulkan Kartala, 2 560 m), Anjouan, Mohili und Mayotte zahlreiche kleine Inseln; vorherrschend ist tropisches, maritimes Monsunklima mit hohen Niederschlagsmengen an den Luvseiten der Berge. Die ursprünglich dichte Waldvegetation wurde durch Rodungen weithin in Savanne verwandelt. Komoren ist durch lange französische Kolonialherrschaft ein unterentwickeltes Agrarland. Etwa 90 % der Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft. Die besten Böden (51% der Fläche landwirtschaftlich genutzt) gehören französischen und inländischen Plantagenbesitzern. Für den Export werden Gewürznelken, Ylang Ylang (Herstellung von ätherischen Ölen), Zitronellal, Vanille und Kopra, ferner Zimt, Kaffee, Kakao und Bananen erzeugt. Für den Eigenbedarf Anbau von Reis, Maniok und Bataten. Die wenigen Industriebetriebe verarbeiten landwirtschaftliche Produkte. Größte Verkehrsbedeutung haben die Inselschifffahrt und der -flugverkehr. Wichtigster internationaler Flughafen auf Grande Comore bei Moroni. Einfuhr von Lebensmitteln, industriellen Konsumgütern und Erdölprodukten. Wichtigste Außenhandelspartner sind Frankreich und andere EG-Länder, die USA, ostafrikanische Staaten und Madagaskar. Seit Beginn des 15. Jahrhundert siedelten sich Araber an, die die afrikanische Bevölkerung unterwarfen. zwischen 1843 und 1878 nahm Frankreich die Komoren in Besitz, 1886 wurde die gesamte Inselgruppe französisches Protektorat. 1912/46 mit Madagaskar administrativ vereinigt, danach eine selbständige Verwaltungseinheit, erhielten die Komoren 1961 den Status eines «Überseeterritoriums» mit innerer Autonomie. 1963 wurde als erste politische Organisation die Nationale Befreiungsbewegung der Komoren (französisch Abkürzung MOLINACO) gegründet, die konsequent für die politische und ökonomische Unabhängigkeit kämpfte. Am 6.7.1975 proklamierte der Präsident des Regierungsrates gegen den Willen Frankreichs die staatliche Selbständigkeit der Komoren. Die Insel Mayotte wurde entgegen den nationalen Interessen der Komoren widerrechtlich vom Staat getrennt und ist von Frankreich besetzt. Ein Staatsstreich brachte am 3.8.1975 antiimperialistisch orientierte Politiker unter Führung von Ali Soilih an die Macht. Ausländischer Söldner stürzten im Mai 1978 Soilih und verhalfen proimperialistisch orientierten Politikern unter Führung von Präsident Ahmed Abdallah Abderemane zur Macht.

Komotini: Stadt im Nordosten Griechenlands, Verwaltungszentrum des Distrikts Rhodope in Thrakien; 32000 Einwohner; Tabak-, Baumwoll- und Nahrungsmittelindustrie.

Kompaktbau: wenig oder gar nicht gegliederter Flach- oder Geschoßbau mit relativ großer Gebäudetiefe und geringer Außenoberfläche.

kompakt: dicht, fest gefügt; gedrungen.

Komparation: Grammatik Steigerung des Adjektivs; im Deutschen 3 Stufen (Positiv, Komparativ, Superlativ).

Komparativsatz, Vergleichssatz: Modalbestimmung in Form eines Gliedsatzes, bestimmt die Aussage des Hauptsatzes durch einen Vergleich näher, zum Beispiel Ich spreche lauter, «als du es kannst».

Komparator: 1. Astronomie: Gerät, mit dem 2 fotografischen Aufnahmen des gleichen Himmelsausschnittes verglichen werden können, zum Beispiel um Kometen oder Veränderliche aufzufinden.

2. Datenverarbeitung: Rechenelement.

3. Metrologie: Messmittel zum Vergleich von physikalischen Größen gleicher Art. Der Vergleich kann durch aufeinanderfolgende Messungen mit dem Komparator, bei 2 Größen auch durch eine einzige Messung mittels Differenz- oder Nullabgleich-Messmethode erfolgen. Beispiele für Komparator sind Strichmaßkomparator (Transversalkomparator, Longitudinalkomparator) zum Vergleich von Maßstäben mit Längennormalen unter Benutzung optische und fotoelektrische Hilfsmittel, Interferenzkomparator für genaue Längenvergleiche unter Verwendung von Interferenzerscheinungen, elektrischer Komparator zum Vergleich elektrischer Größen; siehe auch Stereokomparator.

Komparatorprinzip, Abbesches Prinzip: von E. Abbe 1893 aufgestellter Grundsatz der Längenmesstechnik, nach dem durch fluchtende Anordnung von Messgegenstand und Maßverkörperung Kippfehler 1. Ordnung vermieden werden (das sind Fehler, die proportional zur 1. Potenz des Kipp-winkels zwischen Messgegenstand und Maßverkörperung sind).

Kompass: 1. Gerät zum Bestimmen der Himmelsrichtung. Beim Magnetkompass stellt das erdmagnetische Feld eine auf einer feinen Spitze gelagerte und drehbare Magnetnadel in die magnetische Nord Süd-Richtung ein, die von der geographischen Nord-Süd Richtung um die Missweisung (Deklination) abweicht; der Marschkompass hat eine Visiereinrichtung, der Elektronenkompass beruht auf der Ablenkung eines Elektronenstrahls durch das erdmagnetische Feld. Beim Kreiselkompass bewirkt die Erdrotation die Einstellung des Kreiseldrehimpulses nach geographisch Nord; dieser für die heutige Schifffahrt unentbehrliche Kompass wird von magnetischen Störungen, zum Beispiel durch Eisenteile, nicht beeinflusst.

2. soviel wie Schiffskompass (Sternbild).

Kompasspflanzen, Meridianpflanzen: Pflanzen, deren Blattflächen durch Drehung des Blattstiels vertikal aufgerichtet und außerdem in Nord-Süd-Richtung gestellt sind, wodurch übermäßige Sonneneinstrahlung während der Mittagszeit vermieden wird und das schwächere Morgen- und Abendlicht besser genutzt werden kann; zum Beispiel Stachel- oder Kompasslattich.

Kompatibilität: 1. allgemein Vereinbarkeit, Verträglichkeit; Zulässigkeit gleichzeitiger Bekleidung mehrerer Ämter durch eine Person.

2. Fernsehen: Verträglichkeit der Bildübertragungsverfahren, wodurch die unbunte Wiedergabe von Farbfernsehprogrammen mit Schwarzweißempfängern sowie von Schwarzweißsendungen mit Farbfernsehgeräten ermöglicht wird.

3. Hörrundfunk: Verträglichkeit von monophonen und stereophonen Tonübertragungsverfahren.

Kompendium: 1. Buchwesen: Abriss, kurzgefasstes Lehrbuch, Handbuch.

2. Filmtechnik: ausziehbarer Balg, der als Vorsatz an Bildaufnahmekameras zur Abschirmung von störendem Lichteinfall in das Objektiv dient und Filter, Kaschs und andere Objektivvorsätze aufnehmen kann.

Kompensation: 1. allgemein Ausgleichung; Vergütung; Verrechnung.

2. Kompensation, Kompensationsmethode: Elektronik ein Messverfahren, bei dem die von der Messgröße ausgehende Wirkung durch eine gleichgroße, mittels einer Hilfsenergiequelle erzeugte, entgegengesetzt gerichtete Wirkung vollständig kompensiert wird, so dass die Messung nahezu rückwirkungsfrei erfolgt. Die Gleichheit beider Größen wird mittels eines (Null-) Indikators festgestellt. Die Kompensation wird insbesondere zum Messen elektrischer Spannungen, aber auch zum Messen elektrischer Ströme, von Kräften, Drehmomenten und Wegen angewendet. Der Vorteil der Kompensation ist die Nichtbelastung des Messobjektes und die Möglichkeit der genauen Messung der entgegenwirkenden (K.s-) Größe.

3. Psychologie: Ausgleich erlebter psychischer Mängel (Minderwertigkeitsgefühle) durch intensives Anstreben und Erreichen von Erfolg und Anerkennung auf anderen Gebieten.

Kompensationsgeschäft, Tauschgeschäft, Verrechnungsgeschäft: unmittelbarer zwischenstaatlicher Austausch Ware gegen Ware. Kompensationsgeschäft werden meist bei Lieferung von Ausrüstungen (besonders für komplette Produktionsstätten) auf Kreditbasis zwischen kapitalistischen und sozialistischen Ländern abgeschlossen, wobei die Bezahlung des Ausrüstungsimports vollständig oder zu einem Teil durch den Export solcher Erzeugnisse erfolgt, die mit diesen Ausrüstungen im Importland hergestellt werden.

Kompensator: 1. Geodäsie: Vorrichtung zum Justieren, zum Beispiel beim Nivellier zur automatischen horizontalen Ausrichtung der Zielachse unter Nutzung der Schwerkraft.

2. Wärmetechnik: Ausgleichvorrichtung,

Kompilation: Sammlung, Zusammentragung; ein zum größten Teil aus anderen Büchern zusammengetragenes Werk.

komplanar: Bezeichnung für die Eigenschaft mehrerer Punkte beziehungsweise Geraden, in derselben Ebene zu liegen.

Komplanation: («Einebnung») Bestimmung des Flächeninhalts einer gekrümmten Fläche. Die Komplanation kann mit Hilfe der Integralrechnung durchgeführt werden; zum Beispiel ist der Flächeninhalt 0 einer Fläche, die durch Drehung eines über dem Intervall a g x g b gelegenen Stückes der ebenen Kurve y = fix) um die x-Achse entsteht, durch das Integral gegeben.

Komplement: 1. allgemein Ergänzung, Ergänzungsstück.

2. Mengenlehre: Menge N aller derjenigen Elemente aus einer gegebenen Grundmenge M, die nicht zur Menge N gehören.

Komplementarität: von N. Bohr 1927 in die Quantentheorie eingeführter Begriff zur Charakterisierung sich in einem Experiment gegenseitig ausschließender, das heißt komplementärer physikalischer Größen, wie Ort und Impuls, oder Erscheinungsformen, wie Welle und Teilchen. Siehe auch Heisenbergsches Unbestimmtheitsprinzip.

Komplementärschaltung: Schaltungsanordnung mit 2 Transistoren, die sich im Leitfähigkeitstyp der einzelnen Halbleitergebiete unterscheiden, sonst aber gleiche elektrische Eigenschaften aufweisen. Hauptanwendung zurzeit in komplementären NF-Endstufen mit 2 Bipolar Komplementärtransistoren.

Komplementwinkel: 2 Winkel, deren Summe ein rechter Winkel ist.

Komplet: Rock oder Kleid mit langer Jacke oder Mantel aus dem gleichen Stoff oder aus aufeinander abgestimmtem Material.

komplex: zusammengesetzt; umfassend; trotz Vielfalt ganzheitlich.

Komplex: 1. allgemein geschlossenes Ganzes, das aus vielfältig miteinander verflochtenen Teilen besteht.

2. Chemie: Komplexchemie.

3. Geologie: Äon.

4. Psychologie: gefühlsgeladene Vorstellung oder überbewertete Idee, die, oft unbewusst, Haltung und Verhalten des Menschen ungünstig beeinflusst und an psychischen Störungen beteiligt sein kann.

Komplexauge, Facettenauge, Netzauge: aus unterschiede Anzahl einzelner Elemente (Augen-, Sehkeil oder Ommatidium) zusammengesetztes Auge vieler Gliederfüßer.

Komplexbrigade: Kollektiv von Arbeitern unterschiedlicher Berufe zur kooperativen Verrichtung in sich abgeschlossener Arbeitskomplexe (zum Beispiel Bau eines Hauses).

Komplexchemie: Teilgebiet der Chemie, das sich mit chemischen Komplexverbindungen befasst, das heißt solchen Verbindungen, in denen Atome, Atomgruppen, Moleküle oder Ionen zu einem Komplex vereinigt sind (Verbindungen höherer Ordnung). Ein solcher besteht aus mindestens einem Zentralatom oder -ion, um das sich in regelmäßiger räumlicher Lagerung weitere Atome, Ionen oder Moleküle als Liganden gruppieren. Die Kräfte zwischen Zentralteilchen und Liganden können vorwiegend elektrostatischen (Ionen, Dipolmoleküle) oder homöopolarer Natur und dabei verschieden stark sein, so dass die Beständigkeit der Komplexe sehr unterschiedlich ist. Die elektrische Ladung eines Komplexes setzt sich additiv aus den Ladungen seiner Bestandteile zusammen; man unterscheidet Neutralkomplexe (Komplexmoleküle), negativ geladene Komplexanionen und positiv geladene Komplexkationen, wobei die Komplexionen Bestandteile von Komplexsalzen sind. Die Anzahl der Liganden, sofern diese einzählig sind (nur 1 Koordinationsstelle besetzen), heißt Koordinationszahl. Mehrzählige Liganden sind an mehreren Stellen mit dem Zentralatom verknüpft (zum Beispiel in Chelaten). Die häufigsten Koordinationszahlen sind 6, 4 und 2. In Komplexen mit mehreren Zentralatomen (Mehrkernkomplexe) gehört mindestens ein mehrzähliger Ligand gleichzeitig 2 oder mehreren Zentralatomen an, zum Beispiel ein Sauerstoffatom im Dichromation.

Komplexometrie: maßanalytisches Verfahren zur Bestimmung von Kalzium-, Magnesium-, Kobalt-, Kupfer-, Zink- und anderen Ionen unter Verwendung von Chelatbildnern (Komplexon) und speziellen Metallindikatoren. Letztere bilden mit den Metallionen Komplexverbindungen, die beim Titrieren mit dem Chelatbildner unter Bildung eines stabileren Komplexes reagieren, wodurch der Metallindikator "wieder freigesetzt wird. Die damit verbundene Farbänderung zeigt den Äquivalenzpunkt an.

Komplexon, Chelaplex: in der Komplexometrie verwendete Aminopolycarbonsäuren, die mit vielen Metallionen stabile, wasserlösliche Chelatkomplexe bilden. Das wichtigste Komplexon ist Ethylendiamintetraessigsäure-dinatrium.

Komplott: Verschwörung; Verabredung zur Begehung bestimmter Straftaten.

Komposition: 1. allgemein Zusammensetzung, -Stellung; Gestaltung.

2. bildende Kunst: eine Hauptform zur Verwirklichung der Bildidee und zur künstlerischen Darstellung des Gegenstandes; der formale Aufbau eines Kunstwerks. Die kompositionelle Anordnung von Figuren und Dingen in der Fläche beziehungsweise im Raum beruht zumeist auf geometrische Ordnungsprinzipien, wie Symmetrie, Dreieck, Kreis, Oval, Diagonale, goldener Schnitt, einfache Reihung, Isokephalie unter anderem Daneben sind auch Farbgebung, Beleuchtung, Bildrhythmik, Verkettung von Figuren durch Blicke und Gebärden u. ä. Mittel der Bildkomposition Häufig werden auch Werke der abstrakten Kunst, in Angleichung an musikalischen Vorbilder, als Komposition bezeichnet.

3. Musik: a) originales, meist schriftlich fixiertes Werk als Ergebnis konzeptionellen Schaffens;

b) Lehrgebiet im Musikstudium.

Kompositionslehre: theoretisches und methodisches System, das der Ausbildung kompositionstechnischen Fähigkeiten und Fertigkeiten dient; hierzu gehören neben dem Fach Komposition Tonsatzlehre (zum Beispiel Kontrapunkt und Harmonielehre), Formenlehre, Instrumentationslehre unter anderem

Kompositum, Zusammensetzung: aus zwei oder mehreren selbständigen Wörtern zusammengesetztes Wort; am häufigsten ist das Determinativkompositum («Friedensbewegung») mit Bestimmungswort («Frieden») und Grundwort («Bewegung»), im Kopulativkompositum gibt es keine Unterordnung («Dichterfürst»). Siehe auch Dekompositum.

Kompost: (compositus, «zusammengesetzt») aus überwiegend pflanzlichen sowie tierischen Rückstands- und Abfallstoffen durch gelenkte Rotteprozesse (Kompostierung) hergestellter organischer Düngestoff, der zur Bodenverbesserung (Feldbaukompost) sowie nach längerer Rottezeit für Pflanzenanzuchten (Komposterde) verwendet wird.

Kompostierung: durch künstliche Maßnahmen beschleunigter biologisch-chemischer Vorgang zur Aufbereitung von Substanzen vorwiegend organischer Art zu Humus. Geeignet zur Kompostierung sind Müll, Klärschlamm sowie als Zusatz Gülle.

Kompradorenbourgeoisie: Teil der einheimischen Bourgeoisie (meist im Handel oder in dem aus dem Wucherkapital hervorgegangenen Bankwesen tätig) in Kolonien und abhängigen Ländern, der eng mit dem ausländischen Kapital verbunden ist und im Kampf um koloniale und nationale Befreiung im Wesentlichen eine proimperialistische Position bezieht; steht oft im Bündnis mit feudalen und anderen reaktionären Kräften.

Kompresse: a) Verbandsmaterial aus mehreren Mulllagen zur Wundabdeckung;

b) mehrfach gefaltetes Leinentuch, das als kalter oder heißer feuchter Umschlag zur Behandlung von Entzündungen, Blutergüssen, Schmerzzuständen, Hauterkrankungen unter anderem dient.

Kompressibilität: Maß für Zusammendrückbarkeit, Quotient aus relativer Volumenabnahme und der sie erzeugenden Druckerhöhung, Zeichen x, SI-Einheit l/Pa. Man unterscheidet isotherme Kompressibilität (bei konstanter Temperatur) und adiabatische Kompressibilität (wenn Wärmeaustausch mit der Umgebung unmöglich ist). Das Reziproke der Kompressibilität heißt Kompressionsmodul, Zeichen K, SI-Einheit Pa.

Kompression: Verdichtung durch Druck, insbesondere von Gasen. Elastische Kompression ist die durch allseitig gleiche Druckkräfte bewirkte Verformung eines Festkörpers, im Gegensatz zur Stauchung, wobei der Körper in einer bestimmten Richtung einseitig verformt wird.

Kompromiss: Übereinkunft durch beiderseitige Zugeständnisse. Der Kompromiss nimmt im Kampf zur Durchsetzung der Grundinteressen der Arbeiterklasse, insbesondere im Kampf um die Sicherung des Friedens, einen wichtigen Platz ein. Zu unterscheiden sind Kompromisse, die durch das objektive Kräfteverhältnis bedingt sind und bei denen die Grundinteressen der Arbeiterklasse und des Sozialismus gewahrt werden, und verräterischen, opportunistischen Kompromiss mit prinzipiellen Zugeständnissen.

Komtur: 1. Inhaber, Leiter, Verwalter einer Komturei (Gebiet der geistlichen Ritterorden).

2. Träger der höheren Stufe bestimmter Orden.

Konchylien: Sammelbezeichnung für die Schalen von Weichtieren, früher auch für Weichtiere.

Kondensation: 1. allgemein Verdichtung, Verflüssigung.

2. Chemie: Reaktion, bei der sich 2 Moleküle unter Abspaltung von Wasser oder anderen kleinen Molekülen vereinigen, zum Beispiel die Veresterung.

3. Physik: Übergang eines Stoffes aus dem gasförmigen in den flüssigen Zustand bei einer bestimmten, vom Druck abhängigen Kondensationstemperatur (Kondensationspunkt). Diese ist gleich der Temperatur, bei der der Stoff bei gleichem Druck verdampft. Kondensation erfolgt nur, wenn Kondensationskerne anwesend sind, sonst wird der Dampf unterkühlt. Siehe auch Sieden.

Kondensationskerne: Staub-, Rußpartikeln, Salzkristalle oder Ionen in der Atmosphäre, an denen sich bei der Kondensation aus dem vorhandenen Wasserdampf Wassertröpfchen ansetzen. Siehe auch Aerosol.

Kondensationsniveau: Höhenbereich, in dem in der aufsteigenden Luft der gasförmige, unsichtbare Wasserdampf zu sichtbaren Wolkentröpfchen kondensiert.

Kondensator: 1. Elektrotechnik: Bauelement, das aus 2 durch ein Dielektrikum getrennten leitenden Flächen besteht. Der Kondensator speichert beim Anlegen einer Spannung elektrischer Ladungen (Kenngröße: Kapazität). Nach der Flächengestaltung unterscheidet man Platten-, Wickel-, Schicht- und Zylinderkondensator, nach dem Dielektrikum Luft-, Papier-, Keramik-, Kunstfolien- und Elektrolytkondensator und nach der Gestaltung des Dielektrikums beim Keramikkondensator. Rohr-, Scheiben- und Durchführungskondensator Anwendung erfolgt als Ladungskondensator, kapazitiver Wechselstromwiderstand, Sperrelement gegenüber Gleichstrom sowie als Filter-, Motor-, Kompensation- und Störschutzkondensator; siehe auch Drehkondensator, Trimmer.

2. Maschinenbau: der Dampfkraftmaschine nachgeschalteter Apparat, in dem der Dampf zur Erhöhung des Wirkungsgrades bei einer möglichst niedrigen Temperatur und bei geringem Luftdruck als Kondenswasser niedergeschlagen wird.

Kondensatorkammer: kleine, meist zylinderförmige Ionisationskammer zur Dosismessung von ionisierender Strahlung. Das Wandmaterial besitzt die gleiche effektive Ordnungszahl wie Luft. Die innere Elektrode wird auf eine vorgegebene Spannung aufgeladen. Die verschlossene Kondensatorkammer wird von Personen bei Arbeiten mit ionisierender Strahlung getragen. Die Abnahme der elektrischen Ladung der Kondensatorkammer ist der empfangenen Strahlungsdosis proportional.

Kondensatorlampe, Elektrolumineszenz Lichtquelle: plattenförmige, auf dem Elektrolumineszenz-Effekt beruhende elektrische Lichtquelle. Die Lichterzeugung der Kondensatorlampe beruht auf der Strahlungsemission von Leuchtstoffen im elektrischen Feld eines speziellen Kondensators, wobei eine Elektrode des Kondensators lichtdurchlässig ist; Verwendung für Anzeigezwecke.

Kondensatormotor: kleiner asynchroner Einphasenwechselstrommotor, dessen Drehfeld mit Hilfswicklung und Kondensator erzeugt wird. Anwendung für Kleinantriebe, zum Beispiel für Waschmaschinen.

Kondenser, Abscheider. Spinnereimaschine zum Absondern der Fasern aus der Förderluft und gleichzeitigem Entstauben und Verdichten der Fasern.

kondensieren: 1. allgemein verdichten, verflüssigen.

2. unter schonenden Bedingungen im Vakuum bei Temperaturen bis zu 100°C eindampfen (konzentrieren), zum Beispiel zwischen 50 und 60 °C bei der Herstellung von kondensierter Milch.

kondensierte Phosphate: Salze, deren nieder- oder hochmolekulare Anionen linear oder zyklisch miteinander verbundene Baugruppen enthalten. Zyklo-Phosphate (Metaphosphate), zum Beispiel Natriumtrimetaphosphat, enthalten niedermolekulare Ringe, während Polyphosphate nieder- oder hochmolekulare Ketten bilden und Ultraphosphate räumlich vernetzt sind. Zu den Polyphosphaten gehören wichtige Enthärtungs- und Waschhilfsmittel, zum Beispiel Penta-Natriumtripolyphosphat, und Grahamsches Salz (fälschlich Natriumhexametaphosphat). Alle kondensierten Phosphate bilden sich durch Wasserabspaltung aus Hydrogenphosphaten oder deren Gemischen.

Kondensor: optisches System zur Abbildung einer Lichtquelle in die Eintrittspupille (Öffnungsblende) des Objektivs. Durch den Kondensor ist eine gleichmäßige Ausleuchtung des Bildes mit höherer Beleuchtungsstärke möglich, zum Beispiel bei der Köhlerschen Beleuchtung. Siehe auch Projektor 1.

Kondensstreifen, Kondensationsstreifen, Kondensfahne: streifenartige Wolke, die sich in der Bahn eines Luftfahrzeugs bildet, wenn die Luft in der Flughöhe genügend kalt und feucht ist. Ursache ist die Übersättigung der Luft durch den Wassergehalt der Abgase.

Kondenswasser, Kondensat: in Dampfleitungen oder im Kondensator durch Abkühlung des Dampfes niedergeschlagenes Wasser.

Kondition: 1. allgemein Bedingung; Zustand.

2. Sport: physischer und psychischer Trainingszustand eines Sportlers; siehe auch Form 4.

3. Tierzucht: augenblicklicher Körperzustand eines Tieres, der durch Fütterung und Haltung beeinflussbar ist; es werden Zucht-, Mast-, Hunger-, Arbeits-, Renn- und Ausstellungskondition unterschieden.

Kondition, numerische Stabilität, numerische.

Konditionalis: Modus des Verbs zum Ausdruck der Bedingtheit.

Konditionalsatz, Bedingungssatz: Konditionalbestimmung in Form eines Nebensatzes mit der Angabe der Bedingung für das Geschehen des Hauptsatzes, antwortet auf die Frage «unter welcher Bedingung?», eingeleitet durch «wenn», «falls»; zum Beispiel «Falls es unsere Zeit erlaubt», kommen wir.

Konditionieren: 1. Sportmedizin Verbessern der körperlichen Leistungsfähigkeit durch allgemeines oder spezielles sportliches Training. Ziel des Konditionieren im Leistungssport ist die Entwicklung der konditionellen Fähigkeiten Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit. Auch koordinative und technische Fertigkeiten sowie psychischen Eigenschaften werden in das Konditionieren einbezogen. Im Volkssport ist es ein Mittel zur Erhöhung der körperlichen und psychischen Leistungsfähigkeit und dient der Stabilisierung der Gesundheit 2. Textiltechnik das Bestimmen des Feuchtegehaltes beziehungsweise der Handelsmasse von Faserstoffen und Fäden.

Konditionierung: Papierherstellung - Angleichvorgang des Papiers durch Nachbehandlung in Luft bestimmter Feuchte (Klimatisierung), um die bei der Trocknung im Papier entstandenen Spannungen zu lösen und eine flache Lage sowie bessere Formatbeständigkeit zu erzielen.

Kondominium, Kondominat: gemeinschaftliche Herrschaft mehrerer Staaten über ein Territorium.

Kondor, (spanisch - indianisch) Vultur gryphus: in den Anden lebender Neuweitgeier; 1,20 m lang und bis 10 kg schwer, Flügelspannweite 3 m; nährt sich von Aas; ausdauernder Segelflieger.

Kondratjew, Wiktor Nikolajewitsch, 19.1.1902 bis 22.2.1979, sowjetischer Chemiker; arbeitete insbesondere über Reaktionsmechanismen sowie über Nachweis und quantitative Bestimmung freier Atome und Radikale.

Kondratjuk, Juri Wassiljewitsch, 21.6.1897 bis 1942, sowjetischer Pionier der Raketen- und Raumfahrttechnik; veröffentlichte seit 1929 zahlreiche Arbeiten über die Erforschung des Weltraums sowie zu Problemen der Raketentheorie und des Raketenbaus.

Konduite: früher Betragen, Führung, Lebensart.

Konduktanz, Wirkleitwert: Realteil der Admittanz im elektrischen Wechselstromkreis, Kehrwert der Resistanz; Zeichen G.

Kondukteur: Begleiter; Aufseher, Führer; Schaffner.

Konduktion: Physiologie Leitung von Wärme durch Gewebeschichten entlang einem Temperaturgefälle; spielt bei der Abgabe von Wärme aus dem Körperinneren über die Haut an die Umgebung beziehungsweise Wärmeaufnahme in umgekehrter Richtung bei heißer Umgebung eine Rolle. Siehe auch Konvektion 2.

Konduktometrie, konduktometrische Titration: maßanalytisches Verfahren, bei dem während des Titrierens die elektrische Leitfähigkeit der Analysenlösung gemessen wird. Bei der Titration ändert sich die Leitfähigkeit entsprechend der Anzahl freier Ionen und ihrer Beweglichkeit. Am Äquivalenzpunkt zeigt die Leitfähigkeitskurve ein Minimum oder einen scharfen Knick.

Konduktor: 1. Bautechnik: Montagehilfsgerät zum Ausrichten und zur Sicherung von Stahlbetonstützen sowie zur Aufnahme von Windkräften während der Montage.

2. Physik: veraltet für elektrische Leiter.

Konduktorin: in der Humangenetik eine erscheinungsbildlich normale, gesunde Frau, die auf einem ihrer X-Chromosomen ein verändertes Gen besitzt, das bei Weitergabe an einen Sohn zu einem entsprechend veränderten Merkmal (Krankheit) führt.

Kondylom: Wucherung in Gebieten anliegender Hautflächen (Afterkerbe, Geschlechtsteile):

a) spitzes Kondylom, Feigwarze: schmalbasig aufsitzende hahnenkamm- oder blumenkohlartige Wucherung; Erreger ist das Warzenvirus, das nur im feuchten Milieu derartige Hauterscheinungen bewirkt;

b) breites Kondylom, nässende Papel: hochinfektiöses, auf der Unterlage breit aufsitzendes Hautknötchen im 2. Stadium der Syphilis; hervorgerufen durch den Syphiliserreger Treponema pallidum.

Kondylus: verdicktes Ende langer Röhrenknochen mit Gelenkfläche.

Konenkow, Sergej Timofejewitsch, 10.7.1874-9.10.1971, russisch-sowjetischer Bildhauer; lebte 1924/45 in den USA. Konenkow schuf Holzplastiken aus Stubbenholz zu Motiven altrussischer Volkssagen, Denkmäler im Rahmen des Leninschen Plans der Monumental-Propaganda und dekorative Arbeiten, besonders aber psychologisch einfühlsame Porträts.

Konew, Iwan Stepanowitsch, 28.12.1897-21.5.1973, Marschall der Sowjetunion; seit 1918 Mitglied der KPR(B) und Angehöriger der Roten Armee; nahm am Bürgerkrieg teil; 1943/45 Oberbefehlshaber mehrerer Fronten, 1945 Oberbefehlshaber der sowjetischen Besatzungstruppen in Österreich; 1946/50 Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte und Stellvertretender Verteidigungsminister der UdSSR; seit 1952 Mitglied des ZK der KPdSU; 1955/61 war Konew Oberkommandierender der Vereinten Streitkräfte der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages, 1961/62 Oberkommandierender der GSSD.

Konfekt: kleinstückige feine Zucker-, Back- oder gefüllte beziehungsweise überzogene Kakao- oder Schokoladenware.

Konfektion: Verarbeitung von flächenförmigen Textilien zu textilen Bekleidungs-, Haushalt-, Raum- und technischen Erzeugnissen unter den Bedingungen einer industriellen, überwiegend serienmäßigen Produktion.

Konferenz: Zusammenkunft eines größeren Kreises von Beratenden, Tagung; Unterredung, Verhandlung.

Konferenzschaltung: Schaltung zwischen mehreren Teilnehmern in Fernschreib- oder Fernsprechzentralen beziehungsweise bei Rundfunk- oder Fernsehübertragungen, durch die jeder jedem senden und jeden empfangen kann.

Konferenz: Zusammenkunft eines größeren Kreises von Beratenden, Tagung; Unterredung, Verhandlung.

Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, Abkürzung KSZE, Europäische Sicherheitskonferenz: auf Initiative der Staaten des Warschauer Vertrages durchgeführte Konferenz von 33 europäischen Staaten sowie der USA und Kanadas; bedeutendste multilaterale Aktion zur Festigung des Friedens und der Sicherheit sowie zur Verwirklichung der Prinzipien der friedlichen Koexistenz zwischen Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung in Europa. Die

1. Phase der KSZE fand vom 3. bis 7.7.1973 auf Außenministerebene in Helsinki statt und bestätigte die Arbeitsgrundlagen der KSZE. Während der

2. Phase vom 18.9.1973 bis 21.7.1975 in Genf wurde die Schlussakte der KSZE ausgearbeitet, die während der 3. Phase, am 1.8.1975, in Helsinki von den höchsten Repräsentanten aller 35 Teilnehmerstaaten unterzeichnet wurde. Mit der Schlussakte von Helsinki wurden die territorialen und politischen Realitäten in Europa völkerrechtlich fixiert und die Politik der Entspannung bekräftigt. Die 10 Prinzipien der Schlussakte sind ihr Kernstück und ein Kodex der praktischen Anwendung der Prinzipien der friedlichen Koexistenz in der Zusammenarbeit zwischen sozialistischen und kapitalistischen Staaten in Europa. In Übereinstimmung mit den Festlegungen der Schlussakte fanden ein erstes Folgetreffen der KSZE in Belgrad (1977/78) und ein zweites Folgetreffen in Madrid (1980/83) statt.

Konfession: (lateinisch) religiöses Glaubensbekenntnis, zum Beispiel Augsburger Konfession

Konfessionalisierung des Schulwesens: Einflussnahme der Kirchen und Glaubensbekenntnisse auf das Schulwesen in bürgerlichen Ländern; äußert sich im Einrichten von Bekenntnisschulen und Durchdringen aller Unterrichtsfächer mit religiös-konfessionellem Inhalt. Folgen der Konfessionalisierung des Schulwesens sind Unwissenschaftlichkeit des Unterrichts und Zersplitterung des Schulwesens.

Konfident: (dat.) Vertrauter; Busenfreund; Polizeispitzel.

Konfidenzintervall, Vertrauensintervall: mathematische Statistik Intervall, das einen zu schätzenden Parameter mit vorgegebener Wahrscheinlichkeit (Konfidenzniveau) überdeckt. Die Endpunkte des Konfidenzintervall heißen Konfidenz- oder Vertrauensgrenzen. Siehe auch Schätzung von Parametern.

Konfiguration: 1. allgemein Gestaltung; Anordnung, auffällige Gruppierung (zum Beispiel von Gestirnen).

2. Chemie: räumliche Anordnung der Atome in einem Molekül oder Komplexion. Substanzen mit gleicher Konstitution (Struktur), jedoch verschiedener Konfiguration heißen Stereoisomere. Siehe auch optische Isomerie.

Konfirmation: (dat., «Bestärkung», «Bestätigung») in den evangelischen Kirchen feierliche Aufnahme in die Gemeinde als vollberechtigtes Mitglied. Siehe auch Firmung.

Konfiskation: Einziehung, Beschlagnahme, Verfallserklärung; entschädigungslose Vermögenseinziehung zugunsten des Staates (staatliche Eigentumsbeschlagnahme).

Konfiskat Mehl: aus Abfällen der Schlachthöfe und Geflügelschlachtanstalten hergestelltes Eiweiß-futtermittel.

Konfitüre: (französisch) Ein-Frucht-Marmelade mit noch erkennbaren Fruchtstücken.

Konflikt: 1. allgemein Streit, Zwiespalt, Zusammenstoß.

2. Philosophie: durch gegensätzliche, einander ausschließende Zielsetzungen oder Verhaltensweisen charakterisierte Form eines dialektischen Widerspruchs zwischen gesellschaftlichen Gruppen oder beziehungsweise und Individuen. In der Ausbeutergesellschaft sind Konflikte auf Grund des Bestehens objektiver antagonistischer Klasseninteressen unvermeidlich. In der sozialistischen Gesellschaft bestehen objektive Bedingungen für eine erfolgreiche Politik der Lösung von Entwicklungswidersprüchen ohne gesellschaftlichen Konflikt

3. Psychologie: psychischer Zustand, der in entgegengesetzten Interessen, Motiven oder Handlungstendenzen einen Widerspruch reflektiert und eine Verhaltensentscheidung fordert. Der Konflikt kann als unangenehme, belastende emotionale Spannung erlebt werden, die auch Entscheidungsunfähigkeit bewirken kann; chronischen Konflikt können zu psychischen Fehlentwicklungen (Neurosen) führen. Dem Anlass nach werden äußere und innere Konflikt unterschieden.

Konfliktkommission: in Betrieben, staatlichen Organen und Einrichtungen sowie in gesellschaftlichen Organisationen gewähltes gesellschaftliches Gericht. Die Konfliktkommission entscheidet auf Antrag über Streitfälle aus dem Arbeitsrecht einschließlich Neuerer-Recht, einfache zivilrechtliche und andere Rechtsstreitigkeiten sowie bei Verletzung der Schulpflicht; auf Grund von Übergabeentscheidungen der staatlichen Rechtspflegeorgane befindet sie auch über geringfügige Strafsachen, besonders bei Vergehen, Verfehlungen und Ordnungswidrigkeiten. Gegen Entscheidungen der Konfliktkommission kann beim Kreisgericht innerhalb von 2 Wochen nach Erhalt des Beschlusses Einspruch eingelegt werden; das Kreisgericht ist auch für die Vollstreckung der Beschlüsse der Konfliktkommission zuständig.

Konfliktreaktion: Psychiatrie krankhafte Erlebnisreaktion auf eine akute oder chronischen Belastungssituation, zum Beispiel in der erotischen, familiären oder beruflichen Sphäre, auf der Grundlage einer neurotischen Fehlhaltung oder anderer psychopathologische Störungen.

Konflux, Konfluenz: Zufluss; Zusammenfluss (von Wasserläufen).

Konföderationsartikel: erste Verfassung der USA vom 15.11.1777, konservativ-dezentralistischen Charakters; seit 1.3.1781 rechtskräftig, mit Annahme der Verfassung vom 17.9.1787 außer Kraft gesetzt. Die Konföderationsartikel entsprachen nicht dem für die kapitalistische Entwicklung erforderlicher staatlicher Zentralisierungsgrad.

konform: (dat.) übereinstimmend, gleichartig, entsprechend.

Konformation: jede räumliche Molekülgestalt, die bei der Drehung von Molekülteilen um eine Einfachbindung durchlaufen wird; zum Beispiel können beim Äthanmolekül die Wasserstoffatome hintereinander liegen (ekliptische Konformation) sowie auch alle möglichen Zwischenstellungen einnehmen. Bestimmte Konformation werden bevorzugt, zum Beispiel die gestaffelte Konformation beim Äthanmolekül.

konforme Abbildung: Abbildung eines Gebietes G auf ein Gebiet G, die im Kleinen eineindeutig und in jedem Punkt von G winkeltreu ist. Dabei bedeutet winkeltreu, dass je 2 in einem Punkt P von G endende Kurvenstücke auf Kurven abgebildet werden, die sich im Bildpunkt von P unter dem gleichen Winkel wie die Urbildkurven schneiden. Eine durch die komplexe Funktion w = /(z) vermittelte Abbildung ist in einer kleinen Umgebung von z0 konform, falls /(z) in z0 regulär (Funktionentheorie) und f(z0) 0 ist.

Konformismus: unkritisch-naive oder bewusste Anpassung an herrschende Meinungen oder Zustände ohne Rücksicht auf ihre historische, sachliche oder moralische Berechtigung.

Konfrontation: Gegenüberstellung, besonders von Personen zur Klärung von Widersprüchen bei Verhören oder zur Identifizierung.

Konfrontationspolitik, Politik der Konfrontation: von den aggressivsten imperialistischen Kreisen gegenüber allen den Frieden verteidigenden Ländern, insbesondere gegenüber den sozialistischen Ländern und Ländern mit sozialistischer Orientierung verfolgte Politik der militärischen Bedrohung, ökonomische Erpressung, des politischen Drucks und der ideologischen Diversion. Die Konfrontationspolitik stellt eine langfristige Strategie dar, die auf die Erlangung der militärischen Überlegenheit zielt. Siehe auch friedliche Koexistenz, Kräfteverhältnis.

konfus: verworren; unzusammenhängend; wirr (im Kopf), zerstreut.

Konfuzianismus: chinesische ethisch-politische Lehre mit philosophischen und religiösen Elementen, die von Kongzi (Konfutse, Konfuzius; 551-479 vor Christus) begründet wurde. Mit dem Konfuzianismus begann in China das systematische Denken. Er entstand während des Zerfalls der asiatischen Produktionsweise als Weltanschauung der niederen Aristokratie. Kongzi wollte einerseits die typische Formen der patriarchalisch-hierarchischen Unterordnung erhalten, andererseits propagierte er die utopische Idee, dass sich Stellung und Funktion des Menschen in der Gesellschaft allein von seinen moralischen Qualitäten ableiten sollen. Die zentralen ethischen Werte des Kongzi waren das der eigenen Funktion in der Gesellschaft gemäße Verhalten (ren), die patriarchalische Unterordnung (xiao) und die Einhaltung der Pflicht (yi). Die Ideen des Kongzi wurden später im «Lunyu» (Gespräche) niedergeschrieben und von Mengzi (Mencius; 4. Jahrhundert vor Christus) weiterentwickelt. Die Moral wurde zur Moral der Natur erklärt. Xunzi (3. Jahrhundert vor Christus) verband den Konfuzianismus mit materialistischer Aussagen über die Natur und wollte ihn den neuen gesellschaftlichen Verhältnissen (beginnender Übergang zum Feudalismus) anpassen. Dabei wurde der Konfuzianismus dem Legismus angenähert. Nach der Gründung des einheitlichen Zentralstaates nahm der Konfuzianismus legistische Elemente auf (2. Jahrhundert vor Christus) und setzte sich als herrschende Lehre durch. Im 3. Jahrhundert verlor er diese Position. Vor dem Hintergrund der Stärkung der zentralen Staatsgewalt bildete sich zwischen 8. und 12. Jahrhundert in Auseinandersetzung mit Daoismus und Buddhismus der Neokonfuzianismus heraus, dessen Herrschaft bis Ende des 19. Jahrhundert unumstritten war; er betonte vor allem die Rolle des Kaisers als Personifizierung des kultischen Mittelpunktes der Welt. Der Konfuzianismus diente bis zum Ende der Qing-Dynastie (1911) der ethischen Verbrämung von Ausbeutung und Unterdrückung sowie (mit der Vorstellung vom Staat als Fortsetzung der Familie und der Orientierung der Gegenwart an der Vergangenheit) der Sicherung der bestehenden Machtverhältnisse. In Verbindung mit dem Ahnenkult erhob der Konfuzianismus die Unterordnung der Kinder unter die Eltern zum Muster allgemeinen sozialen Verhaltens. Seit Anfang des 20. Jahrhundert verlor der Konfuzianismus allmählich seine vorherrschende Rolle.

kongenial: geistesverwandt; geistig oder künstlerisch ebenbürtig.

Konglomerat: 1. allgemein Gemenge, Gemisch.

2. Geologie: grobkörniges, klastisches Sediment, das aus gerundeten Gesteinsfragmenten (>2 mm), die durch ein Bindemittel (sogenannt Zement) aus Quarz oder Tonmineralen, Carbonaten, Eisenhydroxiden unter anderem miteinander verkittet sind, besteht. Siehe auch Brekzie.

3. Wirtschaft: Form des Monopols, die sich im Verlauf der Zentralisation von Kapital im Imperialismus herausbildet. Im Konglomerat werden Betriebe verschiedener, zum Teil sehr unterschiedliche Wirtschaftszweige (der Industrie, des Handels, des Bankwesens, des Dienstleistungssektors unter anderem) zusammengefasst, die in der Regel keinen technologischen Zusammenhang untereinander haben. Motiv der Bildung von Konglomerat ist die Möglichkeit der Erzielung hoher Profite sowie eine gewisse Absicherung gegen die Auswirkungen von Strukturkrisen in einzelnen Zweigen. Diese Erscheinungsform monopolisé Kapitalzentralisation ist Ausdruck der zunehmenden Labilität und Fäulnis des Imperialismus. Siehe auch Diversifikation.

Konglutination: Reaktion blockierender Antikörper mit in geeigneten Eiweißlösungen aufgeschwemmten Blutzellen. Die Konglutination beruht auf dem Vorhandensein des Eiweißkörpers Konglutinin.

Kongo, Bakongo: Bantuvolk am Unterlauf des Zaire (Zaire, Volksrepublik Kongo, Nordangola); 5 Millionen; Bodenbauer; ihre Sprache, das Kongo, ist weit über das Siedlungsgebiet hinaus eine bedeutende Verkehrssprache.

Kongo: Zaire (Fluss).

Kongo: eine der frühen Staatsgründungen im subsaharischen (Zentral-) Afrika; sozialökonomisch weit entwickelt, trug feudale Merkmale (Abgaben, Lehen, Adel); wurde von Nimi a Lukeni im 13. Jahrhundert gegründet. Kongo hatte Kontakt zu den Portugiesen, als D. Cäo 1482 die Kongo- (Zaire-) Mündung entdeckte; ab 1489 anfänglich gleichberechtigte Beziehungen zu Portugal, jedoch bald Eindringen von portugiesischen Missionaren und Sklavenhändlern: Die Christianisierung (zum Beispiel auch Umbenennung der Hauptstadt Mbanza Kongo in San Salvador, Taufe des Königs) traf auf den Widerstand der Bevölkerung. Unter Alfonso I. (1507/43) erreichte Kongo größte Ausdehnung und engste Beziehungen zu Portugal. Ende des 16. Jahrhundert gab es Versuche, sich von Portugal zu lösen; Scheitern neuer Staatsgründung unter Antonio I. (1644/82); im 18./19. Jahrhundert Zerfall des Reiches.

Kongo, Volksrepublik Kongo: Staat in Äquatorialafrika, zwischen dem Atlantischen Ozean und Fluss Zaire; grenzt im Nordwesten an Gabun und Kamerun, im Norden an die Zentralafrikanische Republik, im Osten und Süden an Zaire, im Süden an Angola (Kabinda) und im Westen an den Atlantischen Ozean; verwaltungsmäßig in 9 Regionen gegliedert. Währung ist der CFA-Franc.

Bevölkerung: Die 3 wichtigsten ethnischen Hauptgruppen sind Kongo (48 %), Teke (22 %) und Mbochi (13 %); im Norden leben Pygmäen. Etwa 66% der Bewohner sind im Südwesten konzentriert, 55% wohnen in Städten. Amtssprache ist Französisch, Nationalsprachen sind Lingala und Kituba.

Natur: Kongo umfasst einen schmalen, zum Teil mangrovenumsäumten Küstenstreifen, an den sich landeinwärts die vielfach gegliederte Niederguineaschwelle mit Rumpfschollen, Gebirgsländern, Hochplateaus und Ausräumungsebenen anschließt, die bis 1040 m ansteigt und den mittleren Landesteil bedeckt. Nordöstlich davon erstrecken sich Teile des versumpften und Flussreichen Zairebeckens. Im Norden und Zent Tal-Teil in Äquatornähe herrscht ein immer feuchtes tropisches Regenklima, das nach Südwesten trockener wird (2 Regen- und Trockenzeiten) und in Küstennähe infolge der kalten Benguela Strömung relativ niedrige Temperaturen aufweist. Hauptflüsse sind Zaire, Ubangi und Sangha. Vorherrschend ist tropischer Regenwald (auf über 50% der Landesfläche), in der Südhälfte herrscht Feuchtsavanne vor. Das Land ist reich an Bodenschätzen (Erdöl, -gas, Gold-, Eisen-, Buntmetallerze, Diamanten, Kalisalze), die jedoch noch, abgesehen vom Erdöl, unzureichend erforscht sind und wenig genutzt werden.

Kongo-Akte: von der imperialistischen Berliner Kongokonferenz (15.11.1884/26.2.1885, beriet über Aufteilung Zentralafrikas) verabschiedetes Dokument, das den Besitz des belgischen Königs Leopold II. im Kongobecken («Freistaat Kongo») international anerkannte; legte fest, dass alle Kolonialgebiete im zentralen Afrika dem zollfreien Handel zu öffnen seien, und bestimmte, nicht in die angeblich bei den Afrikanern bestehende Sklaverei eingreifen zu wollen, wohl aber in den Sklavenhandel.

Kongorot: ein Azofarbstoff mit 2 Azogruppen. Kongorot war der erste auf Zellulose ohne Vorbeize aufziehende Farbstoff. Heute wird Kongorot als chemischer Indikator verwendet, der in sauren Lösungen blaue, in alkalischer Lösungen rote Färbung aufweist; der Farbumschlag erfolgt bei pH 3,0 bis 5,2.

Kongregation: (dat., «Vereinigung») 1. in den alten Mönchsorden Zusammenschluss mehrerer Klöster unter einem Oberhaupt, zum Beispiel Benediktinerkongregation Beuron.

2. neuzeitliche religiöse Genossenschaft mit einfachen Gelübden, zum Beispiel Lazaristen.

3. religiöser Verband zur Erfüllung bestimmter kirchlicher Aufgaben, zum Beispiel Marian. Kongregation

4. Kongregation, Kurienkongregation, früher Kardinalskongregation: Behörde der römischen Kurie, die für die gesamte Kirche zuständig ist, zum Beispiel die heilige Kongregation für die Glaubenslehre (früher Heiliges Offizium).

Kongress: 1. große und bedeutsame politische, gesellschaftliche, berufliche oder fachliche Tagung, Beratung, Zusammenkunft.

2. gesetzgebende Körperschaft (zum Beispiel in den USA).

kongruent: 1. allgemein übereinstimmend, sich deckend, gleich.

2. Geometrie: für 2 Figuren die Eigenschaft, sich durch eine Bewegung ineinander überführen zu lassen, Zeichen =. Zum Beispiel sind 2 Dreiecke bereits kongruent, falls paarweise kongruent sind

a) 2 Seiten und der von ihnen gebildete Innenwinkel oder

b) eine Seite und die beiden ihr anliegenden Innenwinkel.

Kongruenz: 1. Grammatik: Übereinstimmung zusammengehöriger Satzglieder oder Gliedteile in Person, Numerus, Genus und Kasus; zum Beispiel die Kinder lernen.

2. Zahlentheorie: Beziehung a = b (mod m) zwischen zwei ganzen Zahlen a, b, gesprochen a kongruent b modulo m, die besagt, dass a b durch eine Modul genannt ganze Zahl m teilbar ist. Im Falle 0 £ b < m sagt man auch, dass a modulo m den Rest b lässt. Eine Kongruenz hat viele Eigenschaften, die denen der gewöhnlichen Gleichungen analog sind, zum Beispiel kann man Kongruenz nach demselben Modul addieren, subtrahieren und multiplizieren, das heißt aus a = b (mod m) und c = d (mod m) folgen a + c = b + d (mod m) sowie a c = b d (mod m) und ac = bd (mod m).

Kong Shangren, 1648-1718, chinesischer Dramatiker; Verfasser des gegen Fremdherrschaft gerichteten Dramas «Der Pfirsichblütenfächer» (1699), das an Hand einer Liebesgeschichte die politische Kämpfe der untergehenden Ming-Dynastie schildert.

König: 1. höchste monarchische Würde nach dem Kaiser. Ein Stammeskönigtum gab es bereits bei den Westgermanen. Das deutsche Königtum im Mittelalter blieb rechtlich ein Wahlkönigtum (oft formelle Wahl bei tatsächlicher Erbfolge), während das französische und englische bereits im 12. Jahrhundert zur Erbfolge übergingen. Die Wahl der deutschen König erfolgte in Frankfurt am Main (durch die weltlichen und geistlichen Reichsfürsten, seit 1257 nur noch durch die Kurfürsten), die Königskrönung bis 1531 in Aachen, seitdem ebenfalls in Frankfurt. Die Königswürde für Böhmen und Polen konnte auch durch den Kaiser verliehen werden. Das Königtum stellte im Absolutismus die feudale Zentralgewalt dar. Mit dem Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus wurde es immer mehr parlamentarisch eingeschränkt und durch Verfassungen begrenzt; es hat heute in Europa nur noch repräsentative Bedeutung (zum Beispiel Großbritannien, Niederlande, Norwegen, Schweden).

2. Blatt der französischen und deutschen Spielkarte.

3. Hauptfigur im Schach; Zugmöglichkeit 1 Schritt nach jeder Richtung (ausgenommen Rochade).

König: 1. Gottlob König, 18.7.1779-22.10.1849, Forstwissenschaftler; Begründer einer Forstlehranstalt (1830/1915) in Eisenach.

2. Leo von König, 28.2.1871-21.4.1944, Maler; gelangte als Bildnismaler nach naturalistischen Anfängen bald zu einer impressionistisch lockeren, farbig zurückhaltenden Darstellungsweise. Seine psychologisch fein empfundenen Porträts (E. Barlach, 1938; König Kollwitz, 1941) begründen seine Bedeutung als hervorragender Bildnismaler.

Königin: 1. a) Herrscherin in einem Königreich, in dem auch weibliche Erbfolge gilt;

b) Gemahlin eines Königs.

Königin der Nacht, Selenicereus grandiflorus: Kaktus mit schlangenförmigem, kletterndem Stamm und großen weißgelben Blüten, die nur eine Nacht (von den späten Abendstunden bis kurz nach Mitternacht) blühen.

Königin-Maud-Land: Gebiet in Antarktika zwischen 20° westliche und 45° östliche Länge sowie zwischen 70° und 80° nördliche Breite; durchschnittlich über 2000 m über dem Meeresspiegel gelegenes Inlandeisplateau, zur Küste hin Gebirgsland; von Norwegen beansprucht.

König Rother: mittelhochdeutsches vorhöfliches Spielmannsepos in kurzen Reimpaaren, um 1150/60 von einem rheinischen Dichter, wahrscheinlich einem Geistlichen, für den bayerischen Adel verfasst; Motive der langobardischen Heldensage werden derb-unterhaltsam zu einer halborientalischen Brautwerbungs- und Entführungsgeschichte erweitert.

Königsblau: kobaltblaue Scharffeuerfarbe für Porzellan.

Königsboten: im frühen Frankenreich mit der Wahrung königliche Rechte in den Provinzen beauftragte Sendboten; Karl der Große bediente sich der Königsboten als ständiges Kontrollorgan über die gräfliche Amtsführung. Mit der wachsenden Macht der Feudalherren im 9. Jahrhundert verlor diese Funktion ihre Wirksamkeit.

Königsdorf, Helga, geboren 13.7.1938, Schriftstellerin, Mathematikerin; gestaltet in Erzählungen Probleme des sozialistischen Alltags («Meine ungehörigen Träume», 1978; «Der Lauf der Dinge», 1982).

Königsee: Stadt im Kreis Rudolstadt, Bezirk Gera, im Tal der Rinne, am Nordostrand des Thüringer Waldes; 57.00 Einwohner; Werkzeug-, feinmechanische, Porzellanindustrie; Tierproduktion (Rinder); Erholungsort (377 m über dem Meeresspiegel).

Königsfarn, Osmunda regalis: Farn mit 1,5 m großen, doppeltgefiederten Wedeln, oberste Abschnitte fertil; in Wäldern und Mooren des Flachlands vorkommend.

Königsgeier, Sarcoramphus papa: 90 cm langer und bis 1,60 m spannender Neuweitgeier südamerikanischer Wälder; sein auf Urwaldbäumen errichteter Horst enthält nur 1 rotbraun geflecktes Ei.

Königsgelb: künstlich hergestelltes, zitronengelbes, aus Arsen(III)-sulfid, AsjS3, bestehendes Pigment für Malfarben.

Königsgesetz, Lex Regia: 1665 erlassenes Gesetz, das die absolute Herrschaft des dänischen Königs Frederik III. (1648/70) legalisierte.

Königskerze, Wollkraut, Verbascum: Gattung der Braunwurzgewächse, oft filzig behaart und mit vorwiegend gelben Blüten in langem, kerzenähnlicher Blütenstand; an Wegrändern und in Trockenrasen; Arzneipflanze.

Königslaubfrosch, Hyla regilla: bis 5 cm langer Laubfrosch mit variabler Zeichnung, charakteristisch ist ein dunkler Streifen zwischen Schnauzenspitze und Auge; bewohnt feuchte Lebensräume mit üppiger Vegetation im westlichen Nordamerika.

Königsnovellen: altägyptische Form der Geschichtsschreibung vor allem im 15./11. Jahrhundert vor Christus, in der historisch bedeutsame Taten (Tempelbau, Stiftungen, Expeditionen, Feldzüge) des Pharaos als des Vollstreckers eines göttlichen Willens literarisch ausgestaltet wurden.

Königssee: schmaler See in den Berchtesgadener Alpen in Bayern; 602 m über dem Meeresspiegel, 5,2 km2, bis 188 m tief, rund 8 km lang, bis 1,5 km breit; Naturschutzgebiet; auf einem Schwemmkegel am Westufer die Kirche St. Bartholomä.

Königstein, Königstein (Sächsische Schweiz)-. Stadt im Kreis Pirna, Bezirk Dresden, im Elbsandsteingebirge, links der Elbe; 3 700 Einwohner; Fahrzeugsitz-, Papier-, Plast-, Metallwarenherstellung; Erholungsort (129 m über dem Meeresspiegel), überragt von der Festung Königstein (152 m tiefer Brunnen, Museum (u. a. Waffensammlung)) auf dem 360 m hohen Königstein 1241 erste urkundliche Erwähnung der Burg; 1379 Stadtrecht; ab 1589 Ausbau der Burg zur stärksten sächsischen Festung (auch Staatsgefängnis). Im sogenannt Alten Zeughaus war 1874 A. Bebel inhaftiert (seit 1956 Gedenkstätte).

Königswasser: Gemisch aus Salzsäure und Salpetersäure im Verhältnis 3:1 bis 2:1; löst Gold, Platin und andere Edelmetalle, nicht hingegen zum Beispiel Iridium und Rhodium.

Königswinter: Stadt in Nordrhein-Westfalen, am Rhein; 33000 Einwohner; Elektroindustrie; oberhalb von Königswinter Drachenfels und Petersberg (Siebengebirge).

Coniin: das sehr giftige Hauptalkaloid des gefleckten Schierlings. Koniin ist ein farbloses, unangenehm riechendes Öl der Formel C8H17N; F -2,5°C; Kp 168°C. Auf Coniin-Vergiftung beruhte die im alten Griechenland übliche Hinrichtung durch den «Schierlingsbecher».

Konimeter: (griechisch, «Staubmesser») Messgerät für numerische Staubmessung nichttoxische Stäube (außer Salzstaub), mit dem man die Anzahl der Staubteilchen je cm3 Luft annähernd feststellen kann. Das Konimeter wird besonders im Bergbau benutzt.

Konin: 1. Wojewodschaft in Zentralpolen; 5139 km2, 445000 Einwohner; 87 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Konin 2 im Norden Hügelland des seenreichen Moränengebietes Pojezierze Wielkopolskie, im Süden Niederungen im Bereich des von Warta und Ner durchflossenen Warschau-Berliner Urstromtals. Bis 1950 Agrargebiet mit Ackerbau (Roggen, Kartoffeln, Weizen, Zuckerrüben), Viehzucht (besonders Schweine- und Geflügelhaltung), seit 1953 Ausbau des Braunkohlenbergbaus, der Elektroenergieerzeugung und Aluminiumproduktion; Salzbergbau; Lebensmittel-, Textilindustrie.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Konin 1, inmitten eines Seengebietes, an der Warta; 70000 Einwohner; Zentrum des mittelpolnische Braunkohlenbeckens mit Wärmekraftwerken Pqtnöw (1200 MW) und Goslawice (600 MW) und einer Aluminiumhütte bei Matiniee in der Nähe von Konin; Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten; Museum, gotische Kirche.

konisch: kegelförmig.

Köniz: Stadt in der Schweiz, im Schweizer Mittelland, am Ausgang des Ktales, zur Agglomeration Bern gehörend; 32000 Einwohner; Textil-, Möbelindustrie, Maschinenbau; ehemaliges Deutschordensschloss.

Konjektur: Philologie Textverbesserung; durch Vermutung erschlossene Lesart eines entstellten oder unvollständigen Textes.

konjugal: (dat.) ehelich.

Konjugation: 1. Biologie: Form der geschlechtlichen Fortpflanzung bei Wimpertierchen. Während der vorübergehenden Vereinigung zweier Partner erfolgt über die bestehende Plasmabrücke ein Kernaustausch mit nachfolgender Wechselbefruchtung. Die Partner lösen sich dann wieder voneinander.

2. Genetik: bei Bakterien der Plasmid vermittelte Transfer genetischen Materials von einer Spenderzelle in eine Empfängerzelle bei Zellkontakt; er führt in dieser zur Vermehrung des genetischen Materials oder zu dessen Rekombination.

3. Grammatik: Flexion des Verbs.

konjugiert: Mathematik Bezeichnung für unterschiedliche Relationen, die in der Regel symmetrisch und irreflexiv sind. Zum Beispiel heißen zwei komplexe Zahlen konjugiert komplex, wenn sie gleichen Realteil und einander entgegengesetzten Imaginärteil haben, wie 4 + 2i und 4 2i. Zwei Durchmesser einer Ellipse oder Hyperbel heißen konjugiert, wenn der eine die dem anderen parallelen Sehnen halbiert.

Konjunktion: 1. Astronomie: Konstellation.

2. Grammatik: Wort, das Satzglieder oder Sätze verbindet. Man unterscheidet koordinierende Konjunktion (zum Beispiel «und») und subordinierende Konjunktion (zum Beispiel «weil»).

3. Logik: zweistellige extensionale Aussagenverbindung, die nur dann wahr ist, wenn beide verknüpften Aussagen Au A2 wahr sind; umgangssprachlich durch «A1 und A2» auszudrücken. Oft auch das Ergebnis dieser Aussagenverbindung. In der Rechentechnik wird die Konjunktion durch ein UND-Glied realisiert.

Konjunktionalsatz, Bindewortsatz: Nebensatz, der durch eine Konjunktion eingeleitet wird.

Konjunktiv, Möglichkeitsform: Modus des Verbs, allgemein zum Ausdruck eines geringen Sicherheitsgrades der Aussage, zum Beispiel des Erwünschten, Nichtwirklichen: «Käme» er doch bald.

Konjunktur: (guter) Geschäftsgang; (günstige) Geschäftslage; Aufschwungphase im kapitalistischen Krisenzyklus, die durch Ausdehnung der Produktion gekennzeichnet ist.

Konjunkturforschung: Teil der Marktforschung zur Analyse der Wirtschaftsentwicklung in kapitalistischen Ländern. Die Konjunkturforschung erfasst in erster Linie Entwicklungstrends der Nachfrage und des Angebots einzelner Waren, der Preise wie auch der allgemeinen Marktbedingungen.

Conjuration: (dat.) Verschwörung.

konkav: nach innen gewölbt, hohl; siehe auch Linse.

Konklave: Raum, der im Vatikan für die Papstwahl hergerichtet wird und von der Außenwelt abgeschlossen ist; auch Bezeichnung der Wahl.

konkludent: (lateinisch) zu einer bestimmten Schlussfolgerung führend; schlüssig.

Konklusion, Conclusio: Schlusssatz eines logischen Schlusses, der mittels diesem aus gegebenen Prämissen erhalten wird; auch die 2. der verknüpften Aussagen bei einer Implikation.

Konkordanz: 1. allgemeine Übereinstimmung.

2. Genetik: die Übereinstimmung in Bezug auf ein Merkmal, zum Beispiel eine Krankheit bei Zwillingen. Siehe auch Diskordanz 1.

3. Geologie: übereinstimmende Raumlage von aneinandergrenzenden Gesteinskörpern oder Schichtflächen; siehe auch Diskordanz 2.

4. Polygraphie: typografisches Maßsystem.

Konkordat: Vereinbarung des Papstes mit einem Staat zur umfassenden Regelung der gegenseitigen Beziehungen. Siehe auch Lateranverträge.

Konkoure: Fluss in der Republik Guinea; etwa 250 km; entspringt im Fouta Djalon, mündet in den Atlantik; ab Fria schiffbar; bei Souapiti Staudamm (Stauseeinhalt 11 Md. m3, Kraftwerk 750 MW) im Bau.

Konkrement: («das Zusammengewachsene») steinartiges Gebilde infolge kristalliner Ausfällungen, besonders in Hohlorganen (zum Beispiel Gallenblase).

konkret: (dat., «zusammengewachsen») durch einen Zusammenhang bestimmt, in einem Zusammenhang stehend; anschaulich, sinnlich wahrnehmbar. Das Konkrete ist «die Zusammenfassung vieler Bestimmungen», die «Einheit des Mannigfaltigen» (Marx). Siehe auch abstrakt.

Konkretion: Geologie Konzentration mineralische Substanz in Form von Knollen, Kugeln oder Platten in Sedimenten (zum Beispiel Feuersteine, Lößkindel, Toneisensteine).

Konkretum: Substantiv, das sinnlich wahrnehmbare Gegenstände bezeichnet, zum Beispiel «Tisch». Siehe auch Abstraktum.

Konkubinat: früher gebräuchliche Bezeichnung für eheähnliches Zusammenleben von Mann und Frau ohne Eheschließung.

Konkurrenz: 1. allgemein Wettstreit, Kampf.

2. Biologie: Wettbewerb zwischen Organismen um wichtige ökologische Faktoren wie Wasser, Nahrung, Raum unter anderem Wettbewerb zwischen Individuen einer Art wird als intraspezifische Konkurrenz, solcher zwischen 2 Arten als interspezifische Konkurrenz bezeichnet; hierbei kann eine Art in einen anderen Lebensraum verdrängt oder veranlasst werden, auf eine andere Nahrungsquelle auszuweichen.

3. Wirtschaft: Kampf zwischen privaten Warenproduzenten um die besten Produktions- und Absatzbedingungen; auf dieser Grundlage setzen sich die ökonomischen Gesetze der privaten Warenproduktion durch. Im Kapitalismus umfassend wirksam, führt die Konkurrenz mit ihrem Ziel der Realisierung von Höchstprofiten zum Ruin der ökonomisch schwächeren Betriebe (insbesondere der einfachen Warenproduzenten, kleinen und mittleren Kapitalisten) und nach Ablösung der freien Konkurrenz (durch Monopole nicht beschränkte Konkurrenz der Kapitale) durch die monopolistische Konkurrenz (Konkurrenz innerhalb der Monopole, zwischen verschiedenen Monopolen und zwischen Monopolen und Außenseitern) zur Konzentration und Zentralisation von Monopolkapital. Im staatsmonopolistischen Kapitalismus ist die monopolistische Konkurrenz auch darauf gerichtet, größtmöglichen Einfluss auf die wirtschaftsregulierenden Staatsorgane zu erlangen, da der monopolistische Konkurrenzkampf um die Sicherung von Rohstoffquellen, Absatzmärkten und Anlagesphären für das Kapital zunehmend das Zusammenwirken mit dem imperialistischen Staat erfordert.

Konkurrenztrieb: Langtrieb an Gehölzen, der aus einer Seitenknospe unterhalb des Leittriebes entsteht und diesen im Wachstum übertreffen kann (Gabelbildung).

Konkurs, (lateinisch, «Zusammenlauf (der Gläubiger)») Falliment (italienisch, «Zusammenbruch»): bürgerliches Recht Zwangsvollstreckung zugunsten aller Gläubiger eines überschuldeten oder zahlungsunfähigen Schuldners (Gemeinschuldner) durch Verwertung seines gesamten pfändbaren Vermögens (Konkursmasse), die einem gerichtlich ernannten Konkursverwalter obliegt. In bürgerlichen Staaten ist der Konkurs eine Erscheinung des Konkurrenzkampfes und der Kapitalkonzentration. S. a. Gesamtvollstreckung.

konnatal, kongenital: angeboren, zum Beispiel Schäden oder Krankheiten des Kindes, die während der Entwicklung im Mutterleib oder unter der Geburt entstanden beziehungsweise erworben wurden; dabei spielen endogene (genetische) und exogene (Umgebungseinflüsse) Ursachen eine Rolle.

Konnektiv: Längsverbindung zwischen Ganglien bei Weichtieren oder Ganglien des Strickleiternervensystems bei Gliedertieren.

Konnektor: Sinnbild bei graphischen Ablaufdarstellungen. Konnektor dienen zur Kennzeichnung von Verzweigungen und Unterbrechungen von Verbindungslinien.

Konnex: (lateinisch) Zusammenhang.

Konnivenz: Nachsicht, Duldung; Begünstigung.

Konnossement, Seefrachtbrief: Wertpapier über Frachtgut, das laut Frachtvertrag über See transportiert wird. Das Konnossement wird allgemein oder nach dem Stand der Vertragsdurchführung als Übernahmekonnossement (bescheinigt, dass der Verfrachter die Güter zum Transport übernommen hat), Land-Verlade-Konnossement (bescheinigt, dass das Frachtgut in ein vom Verfrachter bereitgestelltes Transportgefäß eingeladen wurde) oder An-Bord-Konnossement (bescheinigt, dass die Fracht an Bord genommen wurde) ausgestellt.

Konnubium: Ehe, Ehegemeinschaft.

Konopnicka, Maria, 23.5.1842-8.10.1910, polnische Lyrikerin und Erzählerin; drückte in ihrer volksverbundenen Lyrik («Der freie Tagelöhner», 1881), in ihren realistischen Novellen und Erzählungen («Menschen und Dinge», 1898) ihren Protest gegen das von der herrschenden Klasse verübte soziale Unrecht aus. Ihre Kinderbücher fanden weite Verbreitung.

Konorah, Berol-Konorah, eigentlich Buldermann, Max, 21.1.1868-25.3.1930; ursprünglich Mnemotechniker und Magier; seit 1904 erster hauptamtliche Präsident der Internationalen Artistenloge; vereinbarte mit A. Lunatscharski in Moskau ab 1923 Gastspiele deutscher Artisten in der Sowjetunion und begründete damit die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Artisten beider Länder.

Konowalow, Dmitri Petrowitsch, 22.3.1856-6.1.1929, sowjetischer Chemiker, arbeitete unter anderem über den Dampfdruck von Lösungen sowie über Reaktionskinetik und Katalyse. Als Präsident des Amtes für Maß und Gewicht war er an der Einführung des metrischen Systems in der UdSSR wesentlich beteiligt.

Konquistador: (spanisch, «Eroberer») Bezeichnung für den Führer und Teilnehmer an den Entdeckungs- und Eroberungszügen des 16. Jahrhundert in Amerika (zum Beispiel H. Cortés, F. Pizarro). Die Konquistadoren gingen auf der Suche nach Gold, Ruhm und Macht rücksichtslos und grausam gegen die einheimische Bevölkerung vor und vernichteten die altamerikanischen Staaten und Kulturen (unter anderem Azteken, Maya und Inka).

Konrad, Fürsten: 1. Konrad, gestorben 23.12.918, Konradiner, Herzog von Franken seit 906, ostfränkisch-deutscher König seit 911; seine angestrebte Festigung des Reiches scheiterte am Widerstand der Stammesherzöge.

2. Konrad II., um 990-4.6.1039, Salier, deutscher König seit 1024, Kaiser seit 1027; erwarb 1033 das Königreich Burgund.

3. Konrad III., um 1093/94-15.2.1152, deutscher König seit 1138, erster Staufer; betrieb eine konsequente Territorialpolitik (Schaffung von Gebieten geschlossener Herrschaft) und wies der königlichen Zentralgewalt damit neue Wege.

4. Konrad IV., 25.4.1228-21.5.1254, römisch-deutscher König seit 1237; bekämpfte als Nachfolger seines Vaters Friedrich II. in Deutschland die Gegenkönige Heinrich Raspe und Wilhelm von Holland; seit 1251 auch König von Sizilien, starb er im Kampf um die staufische Reichsteile in Unteritalien.

Konradin, 25.3.1252-29.10.1268, Sohn Konrads IV., seit 1254 Herzog von Schwaben, letzter Staufer; Konradin zog 15jährig nach Italien, um gegen Karl von Anjou sein italienisches Erbe zu erkämpfen; nach militärischer Niederlage auf dessen Befehl enthauptet.

Konradiner: Adelsgeschlecht, hatte Ende des 9. Jahrhundert großen Grundbesitz und Lehen beiderseits des Rheins mit dem Schwerpunkt in Rheinfranken; Graf Konrad setzte sich 906 endgültig gegen die mainfränkische Babenberger durch und wurde Herzog von Franken sowie 911 ostfränkisch-deutscher König. Mit der Niederlage seines Bruders Eberhard im Aufstand gegen König Otto I. 939 erlosch die Herrschaft der Konradiner in Franken.

Konrad von Einbeck, um 1360 um 1428, Baumeister und Bildhauer; seit 1382 als «Meister der Steinmetzen» an der Moritzkirche in Halle (Saale) tätig; schuf für diese Kirche Plastiken, die (im Gegensatz zum Weichen Stil der Zeit) derb-drastische Formen sowie bemerkenswert realistische Züge aufweisen: «Heiliger Moritz» (1411), «Schmerzensmann» (1416), Konsolbüste mit Selbstbildnis.

Konrad von Hochstaden, gestorben 18.9.1261, Erzbischof von Köln seit 1238; unterstützte die gegen Friedrich II. gerichtete päpstliche Politik und betrieb die Wahl von Gegenkönigen (unter anderem Heinrich Raspe); 1248 veranlasste er den Neubau des Kölner Doms.

Konrad von Soest, um 1370 nach 1422, Maler; von der burgundisch-höfliche Kunst beeinflusster Hauptmeister der westfälischen Malerei des Weichen Stils, wirkte nachhaltig auf die Kölner Malerei; Hauptwerke: Wildunger Altar (1403), Nikolaustafel (Soest), Marienaltar (um 1420, Dortmund).

Konrad von Würzburg, um 1225-1287, Dichter; bürgerlicher Herkunft, lebte lange Zeit in Basel; verfasste zahlreiche Legenden (unter anderem «Silvesterlegende»), Allegorien (unter anderem «Die goldene Schmiede»), kurze Verserzählungen (zum Beispiel «Herzmaere», «Der Welt Lohn»), Leiche, Sprüche und Minnelieder mit deutlich frühbürgerlichen Moralauffassungen; daneben stehen Ritterromane im Stil höflicher Epen (unter anderem «Trojanerkrieg», rund 40000 Verse). Konrad von Würzburg, bedeutendster Epigone der höflichen Dichtung, gilt als Repräsentant der Übergangsperiode; wurde auch von den Meistersingern verehrt.

Konsekutivsatz, Folgesatz: Konsekutivbestimmung in Form eines Nebensatzes zur Bestimmung der Wirkung oder Folge eines im Hauptsatz enthaltenen Vorgangs, eingeleitet durch «(so)dass», zum Beispiel Sie arbeiteten so gut zusammen, «dass der Plan erfüllt wurde».

Konsens: Einwilligung, Zustimmung; Übereinstimmung mehrseitiger Erklärungen.

konsequent: folgerichtig; beharrlich; zielstrebig, Grundsätzen treu.

Konservatismus: 1. Konservatismus, Konservativismus: allgemein starres Festhalten am Althergebrachten, besonders an überlebten gesellschaftlichen Vorstellungen.

2. Politik: als Reaktion feudalistischer und großbürgerlicher Klassenkräfte auf die Franzos. Revolution entstandene politisch-ideologische Strömung zur Erhaltung überlebter Gesellschafts- und Lebensformen und der damit verbundenen überholten Klassenvorrechte; gegenwärtig einflussreiche reaktionäre politisch-ideologische Strömung im staatsmonopolistischen Kapitalismus, die für den perfekten Ausbau des imperialistischen Herrschaftsmechanismus eintritt und besonders den repressiven Charakter des imperialistischen Staates verstärken will. Der Konservatismus vertritt oft einen militanten Antikommunismus.

konservativ: 1. allgemein am Hergebrachten hängend, das Bestehende erhaltend; den Fortschritt hemmend.

2. Physik: Kraft, physikalisches System.

Konservatorium: ursprünglich italienisches Waisenhaus, in dem Gesang und Instrumentalspiel unterrichtet wurden (16./18. Jahrhundert); später allgemeine Musik(hoch)schule.

Konserven: im weiteren Sinne durch Konservieren gegen mikrobiellen Verderb haltbar gemachte Lebensmittel; im engeren Sinne in luftdichten Behältnissen verpackte, hitzesterilisierte Lebensmittel (Voll- oder Steril-Konserven) mit «unbegrenzter» Haltbarkeit (mindestens 1 Jahr). Gefrier-Konserven sind durch Einfrieren (-30°C) und ununterbrochene Gefrierlagerung (-18°C) mindestens 6 Monate haltbar, Trocken-Konserven werden durch Trocknen, Roh-Konserven durch Milch- oder Essigsäuregärung, Einlegen in Genusssäuren, Zucker (kandierte Früchte), Alkohol oder durch Zusatz chemischer Konservierungsmittel konserviert. Siehe auch Präserve.

Konservieren: 1. Fertigungstechnik: Korrosionsschutz.

2. Lebensmitteltechnik: Sammelbegriff für physikalische und (bio-)chemische Verfahren zur Haltbarkeitsverlängerung der Lebensmittel(komponenten) durch Unterbindung beziehungsweise Verzögerung von mikrobiellem Verderb und anderen unerwünschten enzymatische und nichtenzymatische stoffliche Veränderungen. Man unterscheidet physikalische Verfahren, zum Beispiel Konservieren durch Kälte (Gefrierkonservierung), Hitze (unter anderem Einkochen) bei Temperaturen von 100°C und darüber (Sterilisieren) oder unter 100°C (Pasteurisieren), Ultrahocherhitzung auf etwa 150°C (Uperisation), Konzentrieren (Eindicken), Trocknen, und (bio-)chemischen Verfahren), zum Beispiel Säuern (enzymatisch oder mit Genusssäure, zum Beispiel mit Essig), Einzuckern, Einsalzen, Pökeln (mit nitrit- und beziehungsweise oder nitrathaltigem Pökelsalz), Zusatz von Konservierungsmitteln. Oft werden kombinierte Verfahren angewendet.

3. Lederherstellung, Rauchwarenzurichtung: Haltbarmachen von Tierhäuten und Fellen durch Wasserentzug. Das Konservieren kann durch Trocknen, Salzen oder Pickeln erfolgen.

Konsignation: vertragliche Übergabe eines Warenlagers zur Aufbewahrung oder zum kommissionsweisen Warenverkauf, insbesondere im Überseehandel. Die Konsignation ist ein Rechtsverhältnis zwischen Auftraggeber (Konsignant) und Auftragnehmer (Konsignatär), bei dem die auf Lager gelieferte Ware bis zum Eigentumserwerb durch den Dritten Eigentum des Konsignanten bleibt.

Konsilium: Beratung, Rat. In der Medizin gemeinsame Beratung mehrerer Ärzte zur Klärung eines komplizierten Krankheitsbildes.

konsistent: (lateinisch) zusammenhängend; dauerhaft; fest, zäh.

Konsistenz: im weiteren Sinne Beschaffenheit halbfester Massen hinsichtlich mechanischer Verformbarkeit, Steifigkeit, Fließfähigkeit und ähnlicher mechanischer Eigenschaften, zum Beispiel teigige, ölige, salbenartige Konsistenz; im engeren Sinne bedeutet Konsistenz eine spezielle Art der Viskosität von zum Beispiel Schmierölen und -fetten, Plastiklösungen und -schmelzen, tonigen Aufschlämmungen u. ä., die durch Konsistometer gemessen werden kann.

Konsistenzindex: Maßzahl für die Steife bindiger Lockergesteine; sie ist abhängig von dem Wasserbedarf für den Übergang vom flüssigen zum plastischen beziehungsweise vom plastischen zum halbfesten Zustand.

Konskription: im 19. Jahrhundert (bis 1871) in einigen Staaten Form der Militärdienstpflicht, die Befreiung durch Loskauf oder Stellvertretung zuließ.

Konsole: 1. bildende Kunst: aus der Wandfläche vorspringendes Bauglied aus Stein, Holz und anderem Material; dient als Auflage für Bauteile oder zur Aufnahme von Figuren; der Kragstein (Tragstein) ist eine monolithische Konsole; besonders im Mittelalter reich verziert.

2. Datenverarbeitung: Steuerpult.

Konsolidierung: 1. Sicherung, Festigung (einer bestehenden Einrichtung).

2. Konsolidierung, Konsolidation: in kapitalistischen Ländern auf dem Gebiet der Finanzwirtschaft die Zusammenfassung von mehreren, zu verschiedenen Bedingungen aufgenommenen Anleihen zu einer einheitlichen; Umwandlung kurzfristiger Kreditverbindlichkeiten in langfristige Anleihen oder Kapitalbeteiligungen.

Konsonant, Mitlaut, Sprachlaut; bei der Bildung des Konsonant wird die Luft durch Enge oder Verschluss der Sprechwerkzeuge am Ausströmen gehindert, zum Beispiel b, d, g; p, t, k.

Konsonanz: Zusammenklang aus 2 oder mehr Tönen zu einem harmonisch geschlossenen und ruhigen Klang; s. a. Dissonanz.

Konsorten: abwertend Parteigänger, Beteiligte, Mittäter; Mitangeklagte; üble Burschen.

Konsortium: 1. allgemein Vereinigung kapitalistische Gesellschaften zur Wahrung zeitweilig gemeinsamer Interessen oder zur Abwicklung einer Handels- oder Finanzoperation. Emissionskonsortium (Gründungskonsortium) fungieren bei der Gründung einer Aktiengesellschaft; Konsortium zur Abwicklung einer größeren Auslandsanleihe (Anleihekonsortium) stehen meist unter Führung von Monopolbanken.

2. Außenwirtschaft: rechtliche Form des gemeinsamen Auftretens von Unternehmen aus verschiedenen Wirtschaftsgebieten in Drittländern, besonders bei Industriekooperation und Rohstofferschließung:

3. Bauwirtschaft: in der DDR in den 60er Jahren Form der einheitlichen Leitung von Investitionsvorhaben. An seine Stelle sind General- und Hauptauftragnehmer getreten.

Konspekt: Übersicht, Verzeichnis; Entwurf; (schriftlich gegliederte) Inhaltsangabe.

Konspiration: (dat., «Verschwörung») geheimes Zusammenwirken zu kriminellen Zwecken; aber auch Bezeichnung für geheime Regeln und Formen des revolutionären Kampfes und der Abwehr konterrevolutionärer Machenschaften.

Konstabler: (englisch französisch) Schutzmann, Polizist in Großbritannien und den USA; früher Geschützmeister, Büchsenmeister.

Konstanten: Legierung aus 57% Kupfer, 41% Nickel, 1% Eisen und.1% Mangan mit äußerst geringer Temperaturabhängigkeit des elektrischen Widerstandes; verwendet für Messwiderstände, Thermoelemente u. ä.

Konstante: 1. allgemein Festwert, Größe von gleichbleibendem Wert.

2. Logik, Mathematik Symbol, das innerhalb eines bestimmten Zusammenhangs eine feste Bedeutung hat, zum Beispiel einen bestimmten Gegenstand oder eine bestimmte Beziehung bezeichnet.

3. Physik: unverändert, physikalische Größe (zum Beispiel die Vakuumlichtgeschwindigkeit) oder dimensionsloser Zahlenwert (zum Beispiel die Feinstrukturkonstante). Siehe auch Materialkonstante, physikalische Konstanten.

Konstantin: (dat., «der Beständige») römischer Kaiser: 1. Konstantin, Konstantin der Große, Flavius Valerius Constantinus, um 280-22.5.337, Kaiser seit 25.7.306 (seit 324 Alleinherrscher); erhob seine Söhne Crispus, Konstantin II., Constantius II. und Constans zu Cäsaren. Mit Hilfe von Reformen vollendete er die autokratische und bürokratische Organisation des Diokletian. Er sicherte die Grenzen des Reiches, besonders durch seinen Sieg über die Goten 332. Im sogenannt Mailänder Edikt (313) anerkannte er das Christentum als gleichberechtigte Religion. Durch die Politik Konstantins vermochte die herrschende Aristokratie das Reich bis zur Mitte des 4. Jahrhundert in einer Phase relativer Stabilisierung zu halten. Konstantin begründete 330 Konstantinopel als neue Hauptstadt

2. Konstantin II., Flavius Claudius Constantinus, Februar 317-340, Kaiser seit 9.9.337; Sohn von Konstantin l; er versuchte, seinen jüngeren Bruder Constans seinem Willen untertänig zu machen und Italien zu erobern, dabei fiel er bei Aquileia. Byzantinischer Kaiser: 3. Konstantin VII. Porphyrogennetos (griechisch, «der im Porphyr Saal Geborene»), 905-9.11. 959, Kaiser seit 913; suchte im Interesse des Staates die Kleingrundbesitzer gegen die «Mächtigen» zu schützen. Er ließ antike und byzantinischen historischen Werke sammeln und unter praktisch-politischen Gesichtspunkten exzerpieren, so dass die Werke zum Teil erhalten blieben.

Konstantinische Schenkung: die auf einer gefälschten Urkunde beruhende angebliche Übertragung der Herrschaft über das Weströmische Reich durch Kaiser Konstantin I. auf den Papst. Die Urkunde wurde 750/70 angefertigt; später diente sie den Päpsten als Waffe in ihrem Herrschaftsanspruch gegenüber dem Kaisertum. 1440 wies der Humanist Lorenzo Valla die Konstantinische Schenkung als Fälschung nach.

Konstantinow, Aleko, 13.1.1863-23.5.1897 (ermordet), bulgarischer Schriftsteller, Feuilletonist und Publizist; gestaltete in seinem Hauptwerk, dem Skizzenzyklus «Bai Ganju, der Rosenölhändler» (1895, deutsch), satirisch-humoristisch einen bourgeoisen Emporkömmling; schrieb ferner die Reisebeschreibung «Nach Chicago und zurück» (1894).

Konstantinowka: Stadt im Gebiet Donezk (Ukraine), im Donezbecken; 115000 Einwohner; Eisen- und Buntmetallurgie (Blei-, Zinkhütte), chemische (Mineraldünger), Glas-, Nahrungsmittelindustrie, Herstellung feuerfester Steine für die Hüttenindustrie; Eisenbahnknoten.

Konstantinsbogen: dreitoriger Triumphbogen, 312/15 für Kaiser Konstantin I. vom Senat in Rom errichtet. Reliefs des reichen Skulpturenschmucks sind teilweise von älteren Denkmälern übernommen und in der Spätantike überarbeitet worden.

Konstanz: das nahezu unveränderte Fortbestehen mancher Lebewesen, sogenannt lebende Fossilien, über große Zeiträume hinweg (zum Beispiel Nautilus, ein Kopffüßer, oder Limulus, ein Pfeilschwanzkrebs).

Konstanz: Kreisfreie Stadt in Baden-Württemberg, am Bodensee, an der Schweizer Grenze; 68000 Einwohner; Textil-, chemische, elektrotechnische Industrie; Hafen (Autofähre nach Meersburg); Universität; Theater, Museen; Münster (11. Jahrhundert, Krypta um 900), zahlreiche Kirchen vom 15. bis 17. Jahrhundert (St. Stephan, Augustiner- und Jesuitenkirche), Altes Rathaus (15. Jahrhundert), Renaissancerathaus (16. Jahrhundert). Um 300 römisches Kastell Constantia-, um 590 Bischofssitz; um 900 erhielt die entstandene Kaufmannssiedlung das Markt- und Münzrecht; 1192 Reichsstadt; 1414/18 Konzil von Konstanz (Festnahme und Hinrichtung von J. Hus); 1526/1803 Residenz der Bischöfe von Konstanz. Am 12.4.1848 proklamierte F. Hecker in Konstanz die deutsche Republik.

Konstanz der Flächenwinkel, Gesetz von der Winkelkonstanz: kristallographisches Gesetz, nach dem bei verschiedenen Individuen gleicher Kristallart analoge Flächen bei gleicher Temperatur und gleichem Druck miteinander gleiche Winkel bilden; von N. Steno entdeckt.

Konstellation: 1. allgemein das Zusammentreffen von Umständen; Lage (der Dinge).

2. Astronomie: Stellung von Himmelskörpern zueinander, vor allem von Mond und Planeten zur Sonne; in der Astrologie oft als Aspekt bezeichnet. Für spezielle, von der Erde aus gemessene Winkelabstände der Himmelskörper von der Sonne haben die Konstellation besondere Namen. Bei einem Winkelabstand längs der Ekliptik von 180° spricht man von Opposition (Gegenschein), bei 120° von Trigonalschein, bei 90° von Quadratur (Geviertschein), bei 60° von Sextilschein und bei 0° von Konjunktion (Gleichschein). Bei den Planeten innerhalb der Erdbahn sind Opposition, Trigonalschein und Quadratur nicht möglich, dafür gibt es aber eine obere und eine untere Konjunktion, je nachdem, ob die Sonne zwischen Planet und Erde oder der Planet zwischen Erde und Sonne steht. Den Begriff Konjunktion verwendet man auch für dichte Vorübergänge äußerer Planeten aneinander, zum Beispiel Jupiter-Saturn-Konjunktionen.

konstituieren: bilden, gründen (zum Beispiel staatliche Einrichtungen); festsetzen; sich konstituieren: zur Gründung oder Beschlussfassung zusammentreten.

Konstitution:

1. Anthropologie: die durch das Zusammenwirken von Erbanlagen und Umwelteinflüssen bedingten, relativ dauerhaften individuellen Besonderheiten des Körperbaus, der Funktionen und der Leistungsfähigkeit eines Organismus. Das gehäufte Vorkommen bestimmter körperlicher und psychischer Merkmalskombinationen ermöglicht es, bestimmte Konstitutionstypen zu unterscheiden, die für die Humanbiologie, Medizin, Psychologie unter anderem von Bedeutung sind.

2. Chemie: Art und Reihenfolge der Verknüpfung der Atome in einem Molekül oder Komplexion ohne Berücksichtigung ihrer räumlichen Lage.

3. Recht: Staatsverfassung, Staatsgrundgesetz. Im Mittelalter Bezeichnung für Verordnungen des Landesherrn (zum Beispiel die kursächsische Konstitutionen von 1572).

Konstitutionalismus: System der Bindung der Regierung an eine Verfassungsurkunde mit bürgerlich-demokratischen Rechten und Freiheiten, besonders die konstitutionelle Monarchie.

Konstitutionstyp, Körperbautyp: körperliche und psychische Merkmalskombination, die die Konstitution eines Individuums charakterisiert, aber in ihren Grundzügen bei einer Vielzahl von Individuen vorkommt. Seit dem Altertum sind zahlreiche Konstitutionstypensysteme entwickelt worden, denen vor allem Korrelationen zwischen morphologischen, metrischen, physiologischen, funktionellen, psychischen und pathologischen Merkmalen zugrunde liegen. In der Humanbiologie sind außer den Konstitutionstyp der Geschlechter die Konstitutionstyp der verschiedenen Altersstufen von Bedeutung. Während der nachgeburtlichen Entwicklung des Menschen können zum Beispiel folgende Hauptphasen mit jeweils charakteristischen Konstitutionstyp unterschieden werden: Kleinkind-, frühes Schulkind-, Reifungs-, Leistungs-, Rückbildungs- und Greisenalter.

konstitutive Enzyme: in der Zelle ständig vorhandene Enzyme. Siehe auch adaptative Enzyme.

konstruieren: (lateinisch) entwerfen, schematisch darstellen, genau berechnen und zusammenbauen; etwas künstlich herstellen (zum Beispiel einen Schuldbeweis).

Konstruktion: 1. Mathematik - endliche Folge zulässiger Schritte zur Bestimmung von Figuren; wichtig ist die genaue Angabe der auszuführenden Schritte, deren eindeutige Ausführbarkeit und die Festlegung der zulässigen Konstruktionsmittel. Die Theorie der geometrischen Konstruktion untersucht die Leistungsfähigkeit verschiedener Konstruktionsmittel vor allem mit Hilfsmitteln der Algebra. Klassische Konstruktionsmittel sind Zirkel und Lineal. Siehe auch Quadratur des Kreises, Dreiteilung des Winkels.

2. Technik: a) schöpferischer Prozess zur Festlegung der Merkmale eines technischen Mittels hinsichtlich Funktion (Entwurf) und Gestaltung (zum Beispiel einer Maschine, Anlage, eines Bauwerkes);

b) umgangssprach). Bezeichnung für Konstruktionsdokumentation.

Konstruktionsdokumentation: Zeichnungssatz mit Stücklisten für die Fertigung, Montage und Justierung sowie Beschreibungen über den Aufbau des technischen Mittels und Anweisungen zur Montage, Justierung, Inbetriebsetzung, Wartung, Instandhaltung und zum Transport.

Konstruktionswissenschaft: Wissenschaft, die sich mit der Beschaffenheit und den Eigenschaften technischer Mittel sowie der Untersuchung und rationellen Gestaltung des Konstruktionsprozesses befasst; dazu gehört die Analyse der gedanklichen, manuellen und maschinellen Operationen, der Aufbau von Informationsspeichern, die Konstruktionsgrafik u. ä.

konstruktiv: (lateinisch) (in rechter Weise) zusammensetzend, ordnend, aufbauend; folgerichtig entwickelnd.

konstruktive Mathematik: methodologische Richtung, die als wichtigen Gegenstand der Mathematik lediglich das Studium von konstruktiv beschreibbaren Eigenschaften und Beziehungen für algorithmisch bildbare Objekte erklärt, wobei in den Beweisen auch nur bestimmte konstruktive Schlussweisen zugelassen werden; den über den Rahmen der konstruktiven Mathematik hinausgehenden Begriffen und Sätzen der klassischen Mathematik wird nur heuristische Bedeutung zuerkannt.

Konstruktivismus: Stilrichtung in Malerei, Plastik und. Architektur, die um 1913 als künstlerische Reaktion auf die spätkapitalistische Entwicklung entstand. Mit der Betonung des Konstruktiv-Geometrischen, wobei er besonders auf Architektur und Industrieformgestaltung erneuernd wirkte, verbindet sich jedoch die Entkonkretisierung des Inhaltes. Eine bedeutende Rolle spielte der Konstruktivismus in der jungen sowjetischen Kunst, aber auch in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA.

Konsul: 1. seit 449 vor Christus Titel der 2 höchsten Beamten der Stadtrepublik Rom; wurden auf ein Jahr gewählt; das Amt des Konsul war bis 367 vor Christus allein den Patriziern Vorbehalten. Die Konsuln hatten die oberste zivile und militärische Gewalt, beriefen die Sitzungen des Senats und der Komitien ein, vollstreckten deren Beschlüsse und führten die römischen Heere im Krieg. Seit Kaiser Augustus sank dieses Amt zum Ehrenamt herab.

2. 1799/1802 Titel der 3 höchsten französischen Staatsbeamten: 1799 (provisorisch) Napoleon Bonaparte, Sieyès, Roger-Ducos; 1800/02 Napoleon Bonaparte (Erster Konsul), Cambacérès, Lebrun; 1802/04 Titel Napoleon Bonapartes (auf Lebenszeit). Siehe auch Konsulat 2.

3. offizieller staatlicher Vertreter, der in einem Konsulat oder in einer anderen Auslandsvertretung seines Staates mit Zustimmung des Empfangsstaates konsularischer Funktionen (Wahrung der Interessen des Entsendestaates und seiner Bürger gegenüber dem Empfangsstaat und so weiter) ausübt. Der Konsul kann zum Beispiel Reisedokumente ausstellen, Visa erteilen und notarielle Handlungen vornehmen. Siehe auch Ränge im Auswärtigen Dienst, Wahlkonsul.

Konsulargerichtsbarkeit: Souveränität und Gleichberechtigung der Staaten widersprechendes, früher von Konsuln imperialistischer Staaten in abhängigen Ländern ausgeübtes Sonderrecht, über Bürger ihres Entsendestaates und sogenannt Schutzbefohlene (Protégés) die alleinige Gerichtsbarkeit auszuüben.

Konsularpatent: vom Entsendestaat ausgestelltes Dokument über Ernennung und Rang des Leiters eines Konsulats, den Konsularbezirk und den Sitz des Konsulats. Es bestätigt die Vollmachten des Konsuls.

Konsularrecht: Gesamtheit der Normen des Völkerrechts und des jeweiligen innerstaatlichen Rechts zur Regelung der konsularischen Beziehungen zwischen Staaten.

Konsularverträge: zweiseitige völkerrechtliche Verträge über Form und Bedingungen der Errichtung von Konsulaten auf den Territorien der Vertragspartner, über die Zulassung, die Privilegien und Immunitäten der Konsuln und ihrer Mitarbeiter, über die Konsularfunktionen und so weiter

Konsulat: 1. konsularische Auslandsvertretung eines Staates. Konsulat der DDR sind Generalkonsulat, Konsulat, Vizekonsulat und Konsularabteilungen in Auslandsvertretungen.

2. Regierungsform in Frankreich zwischen dem Staatsstreich Napoleon Bonapartes vom 18. Brumaire (9.11.) 1799 und seiner Ausrufung zum Kaiser am 18.5.1804. Im Konsulat war alle Macht in den Händen des Ersten Konsuls (Napoleon Bonaparte) konzentriert, der eine zunächst noch parlamentarisch verbrämte persönliche Diktatur im Interesse der Großbourgeoisie aufbaute. Die 3 Konsuln, die formal an der Spitze der Republik standen, wurden für eine zehnjährige Amtsausübung gewählt; seit 1802 regierte Napoleon Bonaparte als «Konsul auf Lebenszeit» allein.

Konsultation: 1. wissenschaftliche (besonders ärztliche) Beratung.

2. Studienberatung und -kontrolle der Studenten durch Lehrkräfte.

3. Beratung zwischen Regierungen beziehungsweise Regierungsvertretern vor politischen Entscheidungen zum Kennenlernen der jeweiligen Auffassungen, Abstimmen der Standpunkte oder Koordinieren des Auftretens.

konsultieren: (dat.) jemanden um Rat befragen.

Konsum: 1. individueller, gesellschaftlicher oder auch produktiver Verbrauch.

2. Konsum: Verkaufseinrichtung einer Konsumgenossenschaft

Konsumentenkredit: dem individuellen Verbraucher in der Form des Teilzahlungskredits (Rückzahlung in mehreren Raten, auch Ratenkauf genannt) zur Anschaffung langlebiger und hochwertiger Konsumgüter gewährter Kredit, der die Kaufkraft der Bevölkerung zeitweilig erhöht. Im Sozialismus ist der Konsumentenkredit Bestandteil sozialpolitischen Maßnahmen, dient zum Beispiel der Förderung kinderreicher Familien und junger Ehepaare (Ehekredit) und wird zu vergünstigten Bedingungen (zum Teil zinslos und mit Krediterlass unter besonderen Umständen) ausgereicht. Die Kredite für den individuellen Wohnungsbau und persönliche Sonderkredite zählen gleichfalls zum Konsumentenkredit Im Kapitalismus ist der Konsumentenkredit einschließlich des Bausparkredits eine Form der Ausbeutung der Werktätigen (hohe Risiken und Zinslasten) und als Kaufkraftvorschuss eine Inflationsquelle.

Konsumgesellschaft: Begriff der bürgerlichen Soziologie, der den individuellen Verbrauch von Konsumgütern zum Kriterium der gesellschaftlichen Verhältnisse erhebt. Mit dem Begriff Konsumgesellschaft ist die Vorstellung von einer angeblichen Möglichkeit der Überwindung des Klassenantagonismus innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft verbunden; die bestimmende Rolle der Arbeit und der Produktionsweise wird geleugnet. Siehe auch Massengesellschaft.

Konsumgüter: Erzeugnisse, die in der individuellen und gesellschaftlichen Konsumtion verwendet werden. Konsumgüter können Gebrauchsgüter (zum Beispiel Haushaltwaren, Möbel, Bekleidung) oder Verbrauchsgüter (Lebensmittel, Arzneimittel, Kosmetika unter anderem) sein. Die ökonomische Strategie der SED ist darauf gerichtet, den Anteil hochwertiger Konsumgüter mit internationalem Neuheitsgrad, höherem Gebrauchswert und Bedienungskomfort an der gesamten Konsumgüterproduktion im Interesse stetig besserer Bedürfnisbefriedigung der Bevölkerung weiter zu erhöhen.

Konsumgüterelektronik, Heimelektronik: Bereich der Elektronik, der mit den Mitteln der Informationselektronik und der Leistungselektronik Bevölkerungsbedürfnisse befriedigt. Typ. Beispiele sind elektroakustische und Fernsehgeräte, Antriebssteuerungen für Haushaltgeräte, Wechselsprechanlagen, Modellsteuerungen, Heimcomputer, elektronische Uhren, Taschenrechner.

Konsumtion: Nutzung und Verbrauch materieller Güter und Leistungen; Phase des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses, die in Wechselwirkung sowohl zur Produktion als auch zur Distribution und zur Zirkulation steht und die Kontinuität der Produktion sichert. Produktive Konsumtion ist Verbrauch von Produktionsmitteln und menschliche Arbeitskraft zur Schaffung materieller Güter, individuelle Konsumtion der Verbrauch von Konsumtionsmitteln zur Befriedigung individueller Bedürfnisse des Menschen und zur Reproduktion des individuellen Arbeitsvermögens, gesellschaftliche Konsumtion der Verbrauch eines Teils des Nationaleinkommens für die Sicherung allgemeiner Reproduktionsbedingungen der Gesellschaft, deren Inhalt und Umfang durch die jeweils herrschenden Produktionsverhältnisse bestimmt wird.

Konsumtionsfonds: Teil des im Inland verwendeten Nationaleinkommens, der für den nichtproduktiven individuellen und gesellschaftlichen Verbrauch bestimmt ist. Er umfasst alle für die nichtproduktive Konsumtion im produktiven Bereich hergestellten Erzeugnisse und erbrachten Leistungen.

Konsumtionsmittel: materielle Ergebnisse eines Produktionsprozesses, die ohne weitere Be- oder Verarbeitung in die individuelle oder gesellschaftliche Konsumtion eingehen.

Kontakt: 1. allgemein Berührung; (innere) Verbindung, Fühlungnahme.

2. Kontakt, elektrischer Kontakt: Elektrotechnik - Berührung spannungführender Teile zum Herstellen einer elektrisch leitenden lösbaren beziehungsweise bewegliche Verbindung; auch die Verbindungselemente selbst. Kontakte werden durch Klemmen oder Verschraubungen, als Schleifkontakt (Gleitkontakt) oder als Kontakt in elektrischen Schaltgeräten verwirklicht. Bei Schaltvorgängen wird das Schließen beziehungsweise Öffnen des Stromkreises durch die Bewegung von Kontakt (Kontaktstücken) bewirkt.

3. Verfahrenstechnik: technischer Feststoffkatalysator.

Kontaktekzem: entzündliche Reaktion der Haut (Rötung bis Bläschenbildung) nach Berührung mit einem unverträglichen Stoff (zum Beispiel Chrom, Formalin, Terpentin).

Kontaktgifte: 1. Fremdstoffe, die die Wirksamkeit eines Katalysators herabsetzen oder gänzlich aufheben. Ein Kontaktgift bewirkt eine Blockierung der katalytisch aktiven Oberflächenbereiche des Katalysators, zum Beispiel durch Ablagerung, Adsorption oder auch durch Eingehen einer chemischen Reaktion.

2. Kontaktgifte, Berührungsgifte: chemische Verbindungen, insbesondere Insektizide und Akarizide, die bei Berührung eines Organismus ihre Wirkung entfalten, zum Beispiel chlorierte Kohlenwasserstoffe.

Kontakthof: Geologie kontaktmetamorpher Bereich unterschiede Breite um magmatische Körper.

Kontaktierung: Anbringen elektrische Kontakte an ein elektrischen oder elektronischen Bauelement. Bei Halbleitern erfordert die Kontaktierung eine besondere Behandlung der Oberfläche und ausgewähltes, unter Umständen in mehreren Schichten aufgebrachtes Kontaktmaterial, um die Bildung von Sperrschichten zu vermeiden und sogenannt ohmsche Kontakte zu erhalten, deren Übergangswiderstand unabhängig von Stromrichtung und -große ist.

Kontaktinsektizide: auf Insekten bei bloßer Berührung schädlich wirkende chemische Stoffe, zum Beispiel Parathion, Trichlorphon.

Kontaktklebstoff: Klebstoff, der nach dem Verdunsten des überwiegenden Lösungsmittelanteils durch kurzzeitiges Aneinanderpressen der beiden mit dem Kontaktklebstoff versehenen Flächen sofort eine Klebverbindung von hoher Festigkeit ergibt.

Kontaktlagerstätte: im Kontaktbereich magmatischer Instrusivkörper gebildete Lagerstätte.

Kontaktofen: chemisch-technischer Reaktor, in dem ein fester und meist auch fest angeordneter Katalysator («Kontakt») in Form von Granulaten, Presskörpern, Metallnetzen unter anderem die Durchführung von Reaktionen zwischen Gasen ermöglicht oder beschleunigt. Kontaktofen finden zum Beispiel bei der Synthese von Salpetersäure, Schwefelsäure und Ammoniak Anwendung.

Kontaktring: kooperativ organisierte Handelsgemeinschaft zwischen branchengleichen sozialistischen Großhandelsbetrieben und Einzelhandelsverkaufsstellen aller Eigentumsformen zur Erhöhung der Stabilität des Angebots speziell bei technischen Konsumgütern und zur Verbesserung der Kundendienste und -betreuung.

Kontaktverfahren: technisches Verfahren zur Herstellung von Schwefelsäure. Hierbei wird Schwefeldioxid, gewonnen durch Schwefelverbrennung, durch Abrösten sulfidischer Erze (zum Beispiel Pyrit) oder nach dem Gipsschwefelsäureverfahren, bei etwa 450 °C an einem hauptsächlich aus Vanadiumpentoxid, V205, bestehenden Katalysator («Kontakt») durch sauerstoffangereicherte Luft nahezu vollständig in Schwefeltrioxid umgewandelt. Dieses wird von Oleum aufgenommen und durch Verdünnen mit Wasser zu Schwefelsäure umgesetzt. Nach dem Kontaktverfahren werden etwa 80% der Weltproduktion an Schwefelsäure hergestellt.

Kontaktwerkstoffe: Werkstoffe für elektrische Kontakte; die hauptsächlich gegen Einwirkung des Öffnungsfunkens beständig sein müssen; verwendet werden Silber, Gold, Platinmetalle und ihre Legierungen sowie Kupferlegierungen, Nickel, Molybdän und Wolfram.

Kontamination: 1. Kontamination, Zusammenziehung: Morphologie - Wortkreuzung, zum Beispiel «anormal» aus «anomal» (zu «Anomalie») und «abnorm».

2. Strahlenschutz radioaktive Verunreinigung, das heißt eine unerwünschte Verteilung von Radionukliden auf Arbeitsmitteln, in Abluft und Abwasser sowie auf äußeren und inneren Körperoberflächen, zum Beispiel Händen beziehungsweise Lunge. Die Kontamination wird verhütet oder auf zulässige Werte begrenzt durch dichte Umschließung offener Strahlungsquellen, zum Beispiel in Handschuhboxen oder Zellen, durch strenge Schleusungs- und Kontrollmaßnahmen sowie durch Abluftfilterung und Abwasserbearbeitung.

Kontemplation: Betrachtung, Beschaulichkeit ohne praktisches Handeln; Wesenszug der meisten Strömungen der nichtmarxistischen Philosophie; in Religion und Mystik geistiges Versenken in Gott.

kontemplativ: (dat.) beschaulich, bloß betrachtend, untätig.

kontemporär: (französisch) gleichzeitig, zeitgenössisch.

Kontenance: (französisch) veraltet (gute) Haltung; Fassung, Selbstbeherrschung.

Kontenrahmen: Nomenklatur der innerhalb der Volkswirtschaft beziehungsweise eines bestimmten Wirtschaftsbereiches oder -zweiges zu führenden Konten. Der Kontenrahmen enthält die verbindliche Mindestgliederung der Konten für alle kontenführungspflichtigen Betriebe und Einrichtungen einschließlich der anzuwendenden Kontenbezeichnungen und -nummern. Er sichert als Ordnungsmittel von Rechnungsführung und Statistik einen einheitlichen wertmäßigen Nachweis gleicher ökonomischer Prozesse und Erscheinungen in allen Bereichen der Volkswirtschaft.

Konter: (französisch) Sport wirkungsvoller, schneller Gegenangriff aus betonter Defensivhaltung.

Konterbande: 1. Gegenstände des Kriegsbedarfs, hinsichtlich derer ein kriegführender Staat das Recht hat, ihre Zuführung an den Gegner zu verhindern.

2. Schmuggelware, die unter Umgehung der Zollorgane aus-, ein- oder durchgeführt wird.

Konterdruck: Polygraphie das Bedrucken hochtransparenter, glänzender Plastikfolien, um den Ausstattungseffekt, zum Beispiel von Verpackungen, zu steigern. Das Druckbild liegt auf der Innenseite des Folieneinschlags (Schutz gegen Abrieb).

Konterfei: (französisch, «nachgemacht») scherzhaft und früher Bildnis, Abbild, Fotografie.

Kontern: Polygraphie Herstellen einer gegenüber der Vorlage seitenverkehrten Reproduktion auf optischen Wege, der von der üblichen Technologie abweicht (zum Beispiel Weglassen des Umkehrspiegels in der Reproduktionskamera).

Konterrevolution: erbitterter Klassenkampf historisch überlebter, reaktionärer Klassen gegen revolutionäre Erhebungen progressiver Klassen und revolutionäre Umgestaltungen der Gesellschaft. Die Konterrevolution ist durch Grausamkeit, Terror und Mord gekennzeichnet; sie zwingt die fortschrittlichen revolutionären Kräfte, die Errungenschaften der Revolution und deren weitere Entwicklung unter Gewaltanwendung, die bis zum bewaffneten Kampf gehen kann, zu schützen. Die sozialistischen Staaten verteidigen die revolutionären Errungenschaften der Völker und wenden sich entschieden gegen alle Versuche des Imperialismus, sich in innere Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen und konterrevolutionäre Kräfte zu mobilisieren.

Kontertanz, Kontratanz, Country-dance, Contre (französisch): ursprünglich englischer Volkstanz von 2 oder 4 Paaren in Reihen, Quadrat oder Kreis, sehr ähnlich den deutschen Bunten, mit zahlreichen Raumfiguren, verschiedenen Taktarten, vielen Bezeichnungen. Nach der Französischen Revolution verbreitete sich der Kontertanz als bürgerlicher Gesellschaftstanz in vielen europäischen Ländern. Kontertanz ist Sammelname für verschiedene miteinander verwandte Mehrpaartänze wie Anglaise, Écossaise, Française, Quadrille.

Kontext: Sprachwissenschaft - sprachliche Umgebung oder außersprachliche Gesamtzusammenhang, in dem eine sprachliche Einheit (Wort, Satz) steht.

Kontinent: 1. Kontinent, Erdteil: Geographie - im Gegensatz zum offenen Meer eine Festlandsmasse einschließlich der ihr vorgelagerten beziehungsweise zugerechneten Inseln, die durch Natur und Kultur weitgehend einheitlich geprägt ist. Bestimmte Teile eines Kontinent werden gegebenenfalls als Subkontinent ausgewiesen (zum Beispiel Vorderindien). Die heutigen Kontinent (Asien, Europa, Afrika, Nord-, Südamerika, Australien mit Ozeanien, Antarktika) sind das Ergebnis der erdgeschichtlichen Entwicklung. Verteilung und Ausmaße der Kontinent wechselten im Laufe der Erdgeschichte mehrfach. So erklärt sich auch eine bestimmte Übereinstimmung in der Naturausstattung, zum Beispiel der Pflanzen- und Tierwelt.

2. Geologie: Erdkrustenteil, der durch das Vorkommen von Granitschale gekennzeichnet ist; der geologische Begriff des Kontinents ist nicht mit dem Festlandsbegriff identisch, zu dem auch die Gebiete der Schelfmeere gerechnet werden.

kontinental: (dat.) festländisch, das Festland betreffend.

Kontinentalhang: der Steilabfall eines Kontinents zum ozeanischen Raum, vor allem durch die rapide Verminderung der Mächtigkeit der Granitschale gekennzeichnet.

Kontinentalkongress: in Philadelphia tagende Konferenz aller 13 nordamerikanischen Kolonien Großbritanniens zur Beratung von Maßnahmen gegen die Willkür der britischen Kolonialmacht. Der 1. Kontinentalkongress 1774 beschloss eine «Erklärung der Rechte»; der 2. Kontinentalkongress 1775/76 bildete eine Armee, nahm die Unabhängigkeitserklärung an und konstituierte sich zum revolutionären Parlament.

Kontinentalsperre: Sperrung des kontinentaleuropäischen Marktes für den Handel Großbritanniens; von Napoleon I. am 21.11.1806 von Berlin aus verfügt, nachdem seine Bestrebungen gescheitert waren, den Konkurrenten militärisch zu schlagen (1805 Verlust der Flotte in der Seeschlacht bei Trafalgar). Nach ihrem Wesen war die Kontinentalsperre ein Wirtschaftskrieg der französischen gegen die ökonomische und zur See überlegene britische Bourgeoisie. Sie scheiterte an der wirtschaftlichen Überlegenheit Großbritanniens (unter anderem Ausweichmöglichkeiten durch Überseehandel) und am Widerstand der europäischen Bourgeoisie, die vom britischen Markt und den britischen Waren abgeschnitten wurde; vor allem belastete sie das französisch-russische Verhältnis. Der Ausfall britischer Waren hatte die Entwicklung beziehungsweise den Aufschwung bestimmter Zweige der nationalen Industrien unter anderem in Frankreich, Belgien und in deutschen Staaten erzwungen.

Kontinentaldrift, Kontinentalverschiebung: von A. Wegener 1912 begründete und neuerdings durch geophysikalischen Untersuchungen wahrscheinlich gemachte Theorie (Drifttheorie), nach der die Lithosphäre in etwa 20 Platten gegliedert ist, die aus kontinentale und ozeanische Kruste bestehen können und sich von Riftzonen aus um jährlich bis zu 8 cm in horizontaler Richtung verschieben. Aus dem Ausbau der Drifttheorie und der Strukturerkennung der Ozeane entwickelten sich die Theorie beziehungsweise Hypothesen der mobilistisch-interpretierenden Tektoniker (Ozeanbodenweitung, Plattentektonik, Neue Globaltektonik, Dreispaltentektonik).

Kontingent: Anteil, Beitrag; festgesetzte zugeteilte Menge (zum Beispiel Brennstoffkontingent).

kontingentieren: (dat.) Kontingente festsetzen; (vorsorglich) einteilen, zuteilen.

Kontingentträger, Fondsträger: Staats- und Wirtschaftsorgane (zum Beispiel Wirtschaftsrat des Bezirkes), die auf Grund gesetzlichen Bestimmungen die Anleitung, Kontrolle und Koordinierung der eigenverantwortlichen Planung der Materialfonds der ihnen nachgeordneten Bedarfsträger durchführen. Kontingentträger schlüsseln die Bilanzanteile zum Bezug volkswirtschaftlich wichtiger Rohstoffe, Materialien, Erzeugnisse und von Energie als maximale Bezugsgröße entsprechend dem durch Normen begründeten Bedarf auf die Betriebe und Einrichtungen auf.

kontinuierlich: stetig, ununterbrochen aufeinanderfolgend. In der chemischen Verfahrenstechnik strebt man in der Regel eine kontinuierliche Arbeitsweise an, wobei ein stetiger Produktstrom eine ebenso stetige Be- oder Verarbeitung erfährt (Fließbetrieb). Ihr Vorteil besteht in der gleichmäßigeren Qualität der Endprodukte, in der Möglichkeit zur Automatisierung sowie in optimaler Energieausnutzung (zum Beispiel Wärmerückgewinnung). Eine diskontinuierlich (unterbrochen, absatzweise) durchgeführte Prozessführung wird auch als Chargenbetrieb bezeichnet.

Kontinuität der Planung: Gesamtheit der Maßnahmen und Methoden der sozialistischen Wirtschaftsführung, die gewährleisten, dass der volkswirtschaftliche Reproduktionsprozess ununterbrochen planmäßig und mit hoher Effektivität verläuft. Die Kontinuität der Planung verlangt in allen Verantwortungsbereichen eine systematische analytische und konzeptionelle Tätigkeit zur wissenschaftlichen Begründung der Pläne.

Kontinuität des Produktionsprozesses: ununterbrochene stetige Bearbeitung der Arbeitsgegenstände, ununterbrochener produktionswirksamer Einsatz der Arbeitskräfte sowie ununterbrochener Einsatz und vollständige Auslastung der Arbeitsmittel im Produktionsprozess (kontinuierliche Produktion). Der höchste Grad der Kontinuität des Produktionsprozesses wird durch den Übergang zur Fließfertigung erreicht. Hohe Kontinuität des Produktionsprozesses ist für eine rationelle Organisation des Produktionsprozesses und für die umfassende Intensivierung der gesellschaftlichen Produktion unerlässlich.

Kontinuitätsgleichung: mathematische Formulierung eines Erhaltungssatzes für eine physikalische Größe, nach der die zeitliche Abnahme der Größe in einem Volumen gleich dem (negativen) Strom dieser Größe durch die Oberfläche dieses Volumens ist. In differentieller Form lautet die Kontinuitätsgleichung dp/dt + div j = 0, wobei p die Dichte der betrachteten Größe (zum Beispiel Masse, Ladung, Energie), der Vektor der Stromdichte und div seine Divergenz beziehungsweise Quelldichte ist insbesondere strömt nach der Kontinuitätsgleichung durch verschiedene Querschnitte eines beliebig geformten Rohres in derselben Zeit stets die gleiche Menge einer inkompressiblen Flüssigkeit.

Kontinuum: («das lückenlos Zusammenhängende»)

1. Mathematik: Menge R der reellen Zahlen als Menge aller Punkte einer Zahlengeraden. Das Kontinuum-Problem ist die Frage, ob es unendliche Teilmengen von R gibt, die weder mit R noch mit der Menge der natürlichen Zahlen gleichmächtig sind. Die Kontinuum-Hypothese verneint diese Frage.

2. Physik: eine den Raum lückenlos und stetig erfüllende, das heißt kontinuierliche Materieverteilung, wobei man bei einem stofflichen Kontinuum von der atomaren Struktur absieht.

Konto, Buchführungskonto: bei einfacher Buchführung einseitig, bei doppelter Buchführung zweiseitig geführte chronologische Rechnung über ökonomische Vorgänge. Beim zweiseitigen Konto werden auf der linken (Soll-, Debet-, Lastschrift-) Seite die Lastschriften (belasten), auf der rechten (Haben-, Kredit-, Gutschrift-) Seite die Gutschriften (erkennen) eingetragen. Die Differenz zwischen beiden Seiten des Kontos ist der Saldo, der die Grundlage für die Schlussabrechnung (Bilanz und Ergebnisrechnung) bildet. Siehe auch Bankkonto, Debitorenkonto, Kreditorenkonto.

Kontokorrent, Kontokorrentrechnung: analytischer Nachweis in der betrieblichen Rechnungsführung und Statistik über Forderungen (Debitorenkontokorrent) und Verbindlichkeiten (Kreditorenkontokorrent) des Betriebes.

Kontor: 1. Hauptniederlassung der Hansekaufleute im Ausland, seit etwa 1450 so genannt (unter anderem Petershof in Nowgorod, Stalhof in London, Deutsche Brücke in Bergen). Die Kontor waren die Träger der hansischen Handelsprivilegien.

2. Abteilung eines Außenhandelsbetriebes, die für den Export und beziehungsweise oder Import einer bestimmten Ware(ngruppe) verantwortlich ist.

Kontorsionist: Artist, bei dessen Darbietung der Körper übernormal nach hinten (Kautschuk) oder nach vom (Klischnigg) gebogen wird; früher im Volksmund als «Schlangenmensch» bezeichnet.

Kontovertrag: Vertrag, nach dem ein Geldinstitut (Auftragnehmer) für den Kontoinhaber (Auftraggeber) gegebenenfalls gegen Entgelt ein Konto führt, dem es Einzahlungen für den Inhaber gutschreibt und zu dessen Lasten es Zahlungsaufträge des Inhabers ausführt. In Höhe des Kontos hat der Inhaber gegen das Institut eine Geldforderung, bei einer Kontoüberziehung ist er ihm ausgleichspflichtig.

Kontrabass, Violone: größtes und tiefstes Streichinstrument, dessen Korpus heute meist dem der Violen (spitzzulaufende Schultern) ähnelt, mit 4 oder 5 Saiten; entstand im 16. Jahrhundert als Kontrabass zur Viola da gamba (Viola) und Violine mit Merkmalen beider Typen; grundierendes Bassinstrument im Orchester, als Zupfbass auch in Jazz- und Unterhaltungsmusik gebräuchlich.

Kontradiktion: 1. allgemein Widerspruch, Gegensatz, Gegenteil.

2. Logik: Ausdruck, der auf Grund seiner logischen Struktur stets falsch ist, zum Beispiel Aussage der Form «A und nicht-/4».

kontradiktorisch: 1. allgemein widersprechend, gegensätzlich.

2. Logik: Bezeichnung für 2 Aussagen beziehungsweise Eigenschaften beziehungsweise Begriffe, von denen eine(r) genau dann wahr ist beziehungsweise zutrifft, wenn die (der) andere nicht wahr ist beziehungsweise nicht zutrifft; zum Beispiel sind die Eigenschaften «weiß» und «nicht-weiß» kontradiktorisch.

Kontrafaktur: Umdichtung eines weltlichen Liedes, häufig eines Volksliedes in einen geistlichen Text, wobei die Melodie beibehalten wird; üblich vor allem vom 14. bis 16. Jahrhundert Verlorene Volkslieder können aus ihren Kontrafaktur andeutungsweise erschlossen werden.

Kontrahent: Vertragschließender, Vertragspartei; Gegner (im Zweikampf).

Kontrahierungszwang, Abschlusszwang: nach bürgerlichen Recht die Pflicht von Unternehmen, welche Waren oder Leistungen öffentlich anbieten (zum Beispiel Verkehrsbetriebe), entsprechende Verträge mit jedem Interessenten abzuschließen.

Kontraindikation: Medizin Gegenanzeige, die zur Unterlassung bestimmter Behandlungsmethoden zwingt.

kontraktil: fähig zur Zusammenziehung (Kontraktion).

Kontraktion: 1. Physik: Verkleinerung der räumlichen Abmessungen eines Körpers, zum Beispiel des Querschnitts bei elastischer Dehnung (Querkontraktion).

2. Physiologie: Zusammenziehung, Verkürzung von Muskeln beziehungsweise deren zellulären Bausteinen (Muskelfasern, Fibrillen und deren Kontraktionseinheiten, den Sarkomeren). Die Kontraktion ist ein aktiver, energieverbrauchender Vorgang. Unmittelbare Energiequelle sind Organ. Phosphatverbindungen, zum Beispiel Adenosintriphosphat. Ausgelöst wird die Kontraktion durch I Aktionspotentiale, die aus Kanälchen und Vesikeln (Bläschen) der Fibrillen Membran Kalziumionen freisetzen. Diese sind für die Auslösung von Wechselwirkungen zwischen verschiedenen fadenartigen, ineinander kammartig verschachtelten Eiweißmolekülen verantwortlich. Nach dieser elektromechanischen Ankoppelung gleiten diese Moleküle in jedem Sarkomer ineinander und verkürzen dieses. Man unterscheidet am Gesamtmuskel isometrische Kontraktion (Muskellänge unverändert, Spannung erhöht), isotonische Kontraktion (Muskel verkürzt, Spannung unverändert) und die am häufigsten vorkommenden Zwischenformen (auxotonische Kontraktion).

3. Sprachwissenschaft: Zusammenziehung mehrerer benachbarter Laute zu einem Laut (gedehnter Vokal oder Diphthong), zum Beispiel mittelhochdeutsch getregede zu neuhochdeutsch Getreide.

Kontraktionshypothese, Schrumpfungshypothese: Geologie von dem französischen Geologen Elie de Beaumont (1798-1874) entwickelte Theorie, wonach Bewegungen der Erdkruste durch Schrumpfungsvorgänge im Zusammenhang mit der Erdabkühlung erklärt werden. Im Unterschied dazu steht die Expansionshypothese.

Kontraktur: weichteilbedingte Fehlstellung eines Gelenkes mit Funktionseinschränkungen durch Schrumpfung der Gelenkkapsel, -bänder, Sehnen und Muskeln. Die Kontraktur entsteht durch Entzündung, Reizzustände bei Verschleißerkrankungen, bei Durchblutungsstörungen (ischämische Kontraktur), durch Unfall sowie durch unsachgemäße Lagerung und Ruhigstellung von Gelenken.

Kontraposition: (dat., «Entgegenstellung») Logik Übergang von einer Implikation «wenn A, so B» zur Implikation «wenn nicht-ß, so nichts»; die beiden Implikationen haben stets denselben Wahrheitswert.

Kontrapost: klassisches bildnerischen Kompositionsprinzip, das den harmonischen Spannungsausgleich zwischen Bewegung und Ruhestellung erstrebt, angewendet vor allem in der Plastik durch die ausgleichende Gegenwirkung von belastetem «Standbein» (Ruhe) und lockerem «Spielbein» der stehenden menschlichen Figur. Den Kontrapost erreichten zuerst die griechischen Bildhauer des 5. Jahrhundert vor Christus, die dadurch die starre Tektonik der archaischen Plastik überwanden.

Kontrapunkt: (dat. punctus contra punctum, «Note gegen Note») Kompositionsweise der Polyphonie, die den Einzelstimmen melodische Selbständigkeit gibt und sie gleichzeitig mit allen anderen Stimmen harmonisch verbindet. Dabei werden meist einer vorhandenen Stimme (Cantus firmus) die Noten der anderen nach festen Regeln «entgegengesetzt».

konträr: 1. allgemein entgegengesetzt.

2. Logik: Bezeichnung für 2 Aussagen oder Begriffe, die nicht beide gleichzeitig zutreffen; zum Beispiel die Eigenschaften «weiß» und «schwarz».

Kontrast: 1. allgemein starker Gegensatz; auffallender Unterschied; das Abstechende.

2. Optik: Maß für den räumlichen oder zeitlichen Unterschied zwischen 2 optischen Signalen. Hell-Dunkel-Kontrast ist zwischen Flächen unterschiedlicher Leuchtdichte (beziehungsweise Beleuchtungsstärke) oder zwischen dem Maximum und dem Minimum eines räumlich oder zeitlich schwankenden Lichtsignals vorhandenen zwischen 2 Flächen unterschiedlicher Farbe besteht der subjektiv wahrnehmbare Farbkontrast.

Kontrasteinlauf, Irrigoskopie: Röntgenuntersuchung des Dickdarms. Das Kontrastmittel (Bariumsulfat) wird als Einlauf verabreicht.

Kontrastmittel, Röntgenkontrastmittel: Stoffe, die auf Grund ihrer Atommasse und ihrer Dichte Röntgenstrahlen im Vergleich zum umgebenden Substrat stärker (positive Kontrastmittel, barium- oder jodhaltige Substanzen) oder geringer (negative Kontrastmittel, zum Beispiel Luft) schwächen. Sie werden über den Verdauungskanal oder durch Injektion in den Körper eingebracht und erlauben eine Abbildung sonst nicht darstellbarer Strukturen und Hohlräume.

Kontravention: Zuwiderhandlung gegen gesetzliche Gebote oder Verbote; Verletzung vertraglich übernommener Pflichten; Zuwiderhandlung.

Kontribution: vom Sieger der Bevölkerung eines im Kriege besetzten Gebietes auferlegte außerordentliche Geldleistung an die Besatzungsmacht; heute völkerrechtlich unzulässig. Siehe auch Reparation.

Kontrolle: (französisch, eigentlich «Gegenrolle», «Gegenrechnung») 1. allgemein Überwachung, Prüfung, Probe, Gegenprobe.

2. Kontrolle, staatliche und gesellschaftliche Kontrolle: eine aus der Einheit der sozialistischen Machtausübung und Staatsgewalt und der darauf begründeten Einheit von Beschlussfassung, Durchführung und Kontrolle resultierende Leitungsmethode des sozialistischen Staates beziehungsweise der sozialistischen Gesellschaft zur Sicherung der termin- und sachgerechten Durchführung beschlossener Aufgaben und der Einhaltung der sozialistischen Gesetzlichkeit. Die Kontrolle wird durch jedes Staatsorgan gegenüber unterstellten Organen oder durch spezielle Kontrollorgane, die außerhalb des Systems der kontrollierten Organe bestehen (zum Beispiel Finanz Kontrolle) durchgeführt. Mit der zunehmenden Entfaltung der sozialistischen Demokratie gibt es eine immer engere Wechselwirkung zwischen der staatlichen und gesellschaftlichen Kontrolle (zum Beispiel Arbeiter- und-Bauern-Inspektion, Arbeiterkontrolleure der Gewerkschaften, FDJ-Kontrollposten).

3. Kontrolle, soziale Kontrolle: durch soziale Gruppen ausgeübte Kontrolle des individuellen Verhaltens; führt zu Verhaltensweisen, die die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse festigen. In der bürgerlichen Soziologie wird die soziale Kontrolle überbewertet. Die marxistisch-leninistische Soziologie betont individuelle Bewusstheit und Aktivität in Wechselbeziehung mit Kollektiven.

Kontrollmaß: für die Prüfung der fertigen Erzeugnisse notwendiges Maß, das vom Konstrukteur festgelegt und bei der Qualitätskontrolle in Prüfprotokollen registriert wird. Nichteinhaltung hat Nacharbeit oder Ausschusserklärung für das Erzeugnis zur Folge.

Kontrollmaßnahmen, staatliche: Strafrecht vom Gericht zur Verhütung erneuter Straffälligkeit unter bestimmten Voraussetzungen angeordnete und durch die Volkspolizei im Einzelnen festzulegende und zu verwirklichende Maßnahmen (zum Beispiel Aufenthaltsbeschränkung, Beschränkung beziehungsweise Entzug von Erlaubnissen und so weiter). Die Dauer der Kontrollmaßnahmen beträgt höchstens 5 Jahre.

Kontrollturm, Dispatcherturm, internationale Bezeichnung Tower: Turm auf Flughäfen, von dem aus Kontrolle und Führung (durch Funksprechverkehr) der Rollbewegungen, Starts und Landungen der Luftfahrzeuge erfolgen.

Kontrolluhr: Uhr, die der Ablaufkontrolle produktiver und technische Vorgänge dient oder Zeitwerte zur Nutzeffektbestimmung der Arbeit gibt. Unterschieden werden Kontrolluhr zur Zeitdauerüberprüfung einzelner Arbeitsgänge, Kontrolluhr zur Arbeitszeitkontrolle (Stempeluhr)I, tragbare Kontrolluhr zur Überwachung des einem Wächter vorgeschriebenen Rundgangs (Wächterkontrolluhr), Kontrollnebenuhr in der Zentrale elektrische Uhrenanlagen.

Kontroverse: Meinungsverschiedenheit; Streit; wissenschaftliche Auseinandersetzung.

Kontumaz: Nichterscheinen vor Gericht; Versäumung einer gerichtlichen Verhandlung.

Kontumazialverfahren: Verfahren in Abwesenheit des Angeklagten; nach manchen Zivilprozessordnungen auch Versäumnisverfahren gegen nichterschienene Prozesspartei.

Kontur: Umrisslinie eines Gegenstands oder einer Figur.

Kontusion: Quetschung; Verletzung durch stumpfe Gewalteinwirkung.

Konus: 1. Geometrie: Kegel.

2. Konus: Maschinenbau - schwach kegelstumpfförmiger Zapfen, Schaft oder Stift an einem Werkzeug, Werkzeugspanner u. ä.

Konvaleszenz: (dat., «Heilung», «Genesung») das Gültig werden eines unvollständigen oder mit rechtlichen Mängeln behafteten Rechtsgeschäfts durch Mängelbehebung.

Konvektion:

1. Meteorologie: a) zellulare Vertikalbewegung in nur schwach stabil geschichteter Luft, meist durch Erwärmung vom Erdboden aus (Thermik);

b) Vertikaltransport von Eigenschaften (zum Beispiel Temperatur) und Stoffen (zum Beispiel Staub).

2. Physiologie: Transport von im Körperinneren gebildeter Wärme mit dem Blutstrom an die Haut; von dieser wird die Wärme an die Umgebung abgegeben und wiederum durch Konvektion mit bewegter Luft oder strömendem Wasser weggeführt. Siehe auch Konduktion.

3. Wärmelehre: Strömungsbewegung in Flüssigkeiten oder Gasen, die durch Temperatur- und damit verbundene Dichte- und Druckunterschiede verursacht wird, zum Beispiel das Aufsteigen erwärmter Luft. Mit der Konvektion ist ein Transport von Wärmeenergie verbunden.

Konvektionsstrom: elektrischer Strom, der durch die mechanische Bewegung geladener makroskopischer Teilchen (Staub, Flüssigkeitströpfchen) hervorgerufen wird, ohne dass ein elektrisches Feld erforderlich ist.

Konvektor: in Blechgehäuse eingebauter niedriger Heizkörper aus Rippenrohren, der seine Wärme an die von unten an ihm vorbeiströmende, kühlere Luft abgibt.

Konvent: 1. Zusammenkunft von Geistlichen (Pfarrkonvent), Mönchen oder auch Studenten.

2. Konvent, Nationalkonvent: französische Nationalversammlung (1792/95) zur Zeit der Französische Revolution, vereinigte Legislative und Exekutive. Der Konvent proklamierte unter dem Druck der Volksbewegung Frankreich zur Republik (22.9.1792) und beschloss die Hinrichtung Ludwigs XVI. (21.1.1793); nach dem Sturz der Girondisten (2.6.1793) wurde der Konvent mit seinem Wohlfahrtsausschuss das höchste Organ der revolutionär-demokratischen Jakobinerdiktatur; er verabschiedete unter anderem eine Reihe von Dekreten zur Sicherung der Revolution (Ackergesetze, Volksaufgebot, Einführung des physischen, politischen und ökonomischen Terrors). Nach dem Sturz der Jakobiner 1794 wurde der Konvent bis zu seiner Auflösung am 26.10.1795 Instrument in den Händen des Teils der Großbourgeoisie, der die Revolution zu seinen Bedingungen beendete.

Konventikel: (geheime, verbotene) Zusammenkunft in engem Kreise; heimliche Vereinigung.

Konvention: (französisch) 1. allgemein Herkommen, Brauch; Übereinkunft.

2. Völkerrecht: Bezeichnung für einen völkerrechtlichen Vertrag zwischen mehreren (selten auch zwischen) Staaten (sogenannt multilateraler Vertrag).

Konventionalismus: von H. Poincaré begründete subjektiv-idealistische philosophische Lehre, die bei der Bildung und im Gebrauch wissenschaftliche Begriffe, Definitionen und Axiome das Moment der Konvention, das heißt der zweckmäßigen Vereinbarung, verabsolutiert und den Abbildcharakter der Begriffe leugnet. Siehe auch Abbild, Abbildtheorie.

Konventionen: Festlegungen über die Gültigkeit von Treffern im Florett- und Säbelfechten; zum Beispiel muss jeder korrekte Angriff durch Parade oder Körperparade unwirksam gemacht werden, ehe eine Riposte folgen darf.

Konventionsmünze: auf der Grundlage zwischenstaatliche Verträge herausgegebene Münze, zum Beispiel die in Österreich, Bayern und anderen deutschen Staaten nach der Konvention von 1753 geprägte Konventionsmünze zu 2 Gulden = 1 Taler.

Konvergenz: 1. allgemein gegenseitige Annäherung; Zusammenstreben; Übereinstimmung.

2. Evolution: unter ähnlichen Umweltbedingungen, stammesgeschichtlich aber unabhängig voneinander entstandene weitgehende Ähnlichkeit bestimmter Organismengruppen, zum Beispiel Ähnlichkeit der Körperform von Fischen und wasserlebenden Säugetieren (Delphine, Wale); siehe auch Analogie2, Homologie.

3. Meteorologie: Zusammenströmen von Luft aus verschiedenen Richtungen (Strömungskonvergenz) oder Massenzufuhr an Luft für ein bestimmtes Gebiet (Massenkonvergenz).

Konvergenztheorie: bürgerliche reaktionäre Theorie, die den gesetzmäßigen revolutionären Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus leugnet und eine gegenseitige Annäherung (Konvergenz) von Sozialismus und Kapitalismus behauptet; der wissenschaftlich-technische Fortschritt führe zur Verringerung ihrer Unterschiede. Die Konvergenztheorie gibt vor, objektiv und wissenschaftlich zu sein und behauptet, Vorzüge und Schwächen des Sozialismus und des Kapitalismus aufzuzeigen. Sie ist Bestandteil des Antikommunismus und dient der Rechtfertigung und Beschönigung des Kapitalismus; steht in engem Zusammenhang mit der Theorie von der Industriegesellschaft.

Konversationslexikon: seit Beginn des 19. Jahrhundert allgemeinverständliche selektive, alle Wissensgebiete erfassende Enzyklopädie in alphabetisch geordneten Einzelartikeln; heute allgemeines Lexikon oder allgemeine Enzyklopädie.

Konversationsstück:

1. bildende Kunst: eine ältere Bezeichnung für ein Werk der Malerei oder Graphik, das zum Thema ein Gespräch oder geselliges Beisammensein hat.

2. Literatur: Form des Dramas, das seit dem 19. Jahrhundert besonders vom bürgerlichen Geschäftstheater (Boulevard Theater) gepflegt wird; zumeist in adligen und bourgeoisen Gesellschaftskreisen spielend (oft Gesellschaftsstück genannt), bedient es sich des pointierten, meist witzigen Dialogs als wichtigem Wirkungselement (Erfolgsautoren des Konversationsstück sind zum Beispiel E. Scribe, O. Wilde).

Konversion: 1. allgemein Umwandlung, Umkehrung.

2. Reaktorphysik: Neutroneneinfang in Brutstoff (Uran 238, Thorium 232) mit seiner nachfolgenden Umwandlung in Spaltstoff (Plutonium 239, Uran 233). Wird in einem Kernreaktor mehr Spaltstoff erzeugt als verbraucht, so spricht man anstelle von Konversion von Brüten. Siehe auch Brutreaktor.

3. Recht: Konvertierung.

4. Religion: Glaubenswechsel; Übertritt zu einer anderen Religion beziehungsweise Konfession.

5. traditionelle Logik: Übergang von einem Urteil A zu einem Urteil B durch Vertauschung von Subjekt und Prädikat, aber so, dass mit A auch B wahr ist und wenn A bejahend beziehungsweise verneinend ist, gleiches auch von B gilt; zum Beispiel Übergang von «Alle Tiere sind Lebewesen» zu «Einige Lebewesen sind Tiere».

Konverter: 1. Datenverarbeitung: Gerät zur Informationsübertragung von einem Datenträger auf einen anderen mit eventueller Änderung der logischen oder physischen Form, zum Beispiel beim Konvertieren von Loch auf Magnetband.

2. Fernsehtechnik: a) Konverter, Umsetzer, Frequenzumsetzer, Mischer, elektronische Schaltung, die ein Signal durch Mischung mit einer Oszillatorfrequenz in einen anderen Frequenzbereich umsetzt;

b) Konverter, Normenumsetzer. elektronische Schaltung, die den Empfang von (Färb-) Fernsehsendungen unterschiedlicher (Färb-) Fernsehnormen ermöglicht.

3. Konverter, Brennweitenkonverter - Fototechnik: optisches Zusatzteil für einäugige Spiegelreflexkameras zum Verlängern der Objektivbrennweite. Konverter werden im Allgemeinen zwischen Kamera und Objektiv eingesetzt.

4. Hüttenwesen: feuerfest ausgemauerter oder -gestampfter Stahlbehälter zur oxydierenden Behandlung von Metallschmelzen, zum Beispiel Bessemer-Konverter (Bessemerverfahren), Thomas-Konverter (1 Thomasverfahren), Sauerstoffaufglas-Konverter (Windfrischverfahren). Er wird in geneigter Stellung (Füllstellung) mit flüssigem Metall (zum Beispiel Roheisen) gefüllt. Nach dem Aufrichten des Konverter (Blasstellung) durchströmt der durch die Öffnungen im Boden austretende Wind die Schmelze beziehungsweise wird technisch reiner Sauerstoff auf die Schmelze geblasen. Dabei laufen verschiedene Oxydationsreaktionen ab, durch die das flüssige Roheisen zu Stahl wird. Die Konverter arbeiten mit kaltem Wind beziehungsweise technisch reinem Sauerstoff ohne zusätzliche Beheizung. Die Oxydationsreaktionen entwickeln die notwendige Prozesswärme und verhindern ein Erstarren der Schmelze.

5. Textiltechnik: Maschine zum Verarbeiten eines Elementarfadenkabels zu Faserband.

Konvertierbarkeit, Konvertibilität: Umtauschbarkeit, Wechselbarkeit, Eintauschbarkeit von Banknoten und Papiergeldzeichen in Barrengold (Gold-Konvertierbarkeit) oder von Währungen einzelner Länder untereinander (Devisen-Konvertierbarkeit) mit der Möglichkeit, frei oder in bestimmtem Rahmen darüber zu verfügen. Konvertierbarkeit kann auch auf Wertpapiere, Wechsel und Anweisungen ausgedehnt werden (Kapital-Konvertierbarkeit).

In der Praxis internationaler Finanzbeziehungen tritt die Konvertierbarkeit in graduellen Abstufungen in Erscheinung. Bei freier Konvertierbarkeit unterliegt der Zahlungsverkehr mit dem Ausland keinen staatlichen Beschränkungen (sogenannt harte Währungen, konvertierbare Devisen); bei beschränkter Konvertierbarkeit ist die Umtauschbarkeit nur für bestimmte Länder (zum Beispiel einer Währungszone) möglich, bei Teil-Konvertierbarkeit besteht Konvertierbarkeit nur für einen bestimmten Personenkreis (Devisen aus-oder-inländer; hier spricht man auch von Ausländer-Konvertierbarkeit) sowie für bestimmte Zahlungskategorien, wie kommerzielle, nichtkommerzielle oder reine Finanztransaktionen. In der sozialistischen ökonomischen Integration wird die Konvertierbarkeit planmäßig auf der Grundlage des Außenhandels- und Valutamonopols gelenkt, wobei das multilaterale Clearing Konvertierbarkeit im Rahmen des Abkommens im kommerziellen Bereich ermöglicht. Die Konvertierbarkeit im Touristen- und Dienstleistungsbereich wird durch spezielle zwischenstaatliche Abkommen der sozialistischen Länder hinsichtlich der Umtausch- und Umrechnungssätze geregelt.

Konvertierung:

1. Chemie: chemisch-technischer Prozess, bei dem Kohlenmonoxid katalytisch mit Wasserdampf zu Wasserstoff und Kohlendioxid umgesetzt wird, ursprünglich bei 3 MPa und 350°C, neuerdings auch als Tieftemperatur-Konvertierung bei 3 MPa und 250°C betrieben. Die Konvertierung ist wichtig für die Herstellung verschiedener Synthesegase.

4. Konvertierung, Konversion: Recht Umdeutung eines unzulässigen Vertragsinhaltes auf einen zulässigen oder Umwandlung (Änderung, Neugestaltung) von Pflichten, Schulden, Zinsen, Anleihen (mit meist anderen Zins- und Tilgungsbedingungen) unter anderem

Konvertit: (dat., zu convertere, «bekehren») von einer Religion oder Konfession zu einer anderen Übergetretener,

konvex: nach außen gewölbt, erhaben; siehe auch Linse 4.

konvexe Figur: Geometrie zwei- oder mehrdimensionale Figur, die mit je zweien ihrer Punkte auch jeden Punkt von deren Verbindungsstrecke enthält.

konvexe Funktion: Funktion einer reellen Variablen, bei der die Sehne zwischen 2 Punkten der Kurve niemals unterhalb des Kurvenbogens liegt. Existiert f"(x), so ist f"(x) g 0 notwendig und hinreichend dafür, dass f(x) eine konvexe Funktion ist.

Konvikt: Heim für Theologiestudenten mit Verpflegungsmöglichkeit.

Konvoi:

1. Militärwesen: aus Transportschiffen sowie zu deren Sicherung eingesetzten Überwasserkräften und Flugzeugen bestehender Verband der Seestreitkräfte.

2. Radsport: Begleitfahrzeuge und -personen in Straßenrennen.

Konya, Konia: Stadt (Provinzzentrum) im Süden der Türkei, im Zentralanatolische Hochland; 330000 Einwohner; Textil-, Lebensmittelindustrie; Verkehrs- und Handelszentrum der Südtürkei; Touristenziel (historischen Seldschuken Bauten).

konzedieren: zugestehen, einräumen.

Konzentrat: (französisch) durch Verdampfen des Lösungsmittels eingedickte Lösung (zum Beispiel Fruchtsaftkonzentrat).

Konzentrate: (französisch) Sammelbezeichnung für Futtermittel mit hoher Protein- und beziehungsweise oder Energiekonzentration, zum Beispiel Getreide, Kleie, Ölsaatrückstände, Hackfrüchte, Mischfutter; früher meist als Kraftfutter bezeichnet.

Konzentration: (französisch) 1. allgemein Gruppierung um einen Mittelpunkt; gespannte Aufmerksamkeit; Zusammenballung, bewusste Lenkung (von Kräften auf Schwerpunkte u. ä.).

2. Chemie: Gehalt eines Gemisches, zum Beispiel einer Lösung, an einem bestimmten Bestandteil, zum Beispiel an gelöstem Stoff. Konzentrationsmaße sind Massen-, Volumen- und Atomprozent, speziell für Lösungen auch Molarität und Normalität sowie insbesondere die sogenannte Massenkonzentration mit der Maßeinheit g/1 (Gramm gelöste Substanz in 1 Liter Lösung).

3. Psychologie: aktive (bewusste) Hinwendung und Begrenzung der Aufmerksamkeit auf bestimmte psychische oder physische Aktivitäten.

Konzentrationslager, Abkürzung KZ: Haft-, Zwangsarbeits- und Vernichtungslager. Seit 1933 schufen die deutschen Faschisten in Deutschland und in den von ihnen okkupierten Ländern KZ zur Unterdrückung und physischen Vernichtung von politischen Gegnern, besonders Kommunisten und Sozialdemokraten, sowie rassisch Verfolgten und religiös Andersdenkenden. Als «Schutzhaft»-Lager deklariert, entstanden erste KZ im Frühjahr 1933; seit 1934 Ausbau eines KZ-Systems durch Gestapo und SS. Es wurden sogenannt Stammlager wie Dachau (1933), Sachsenhausen (1936), Buchenwald (1937), Flossenbürg, Mauthausen (1938), Ravensbrück (1939), Auschwitz (1940), Majdanek (1942) und Bergen-Belsen (1943) eingerichtet, denen zahlreiche Nebenlager und Außenkommandos angeschlossen waren. Ab 1942 wurde der Einsatz von Häftlingen in der Rüstungsindustrie verstärkt, das Wirtschafts-Verwaltungshauptamt der SS übernahm die Leitung des KZ-Systems. Außerdem gab es eine Anzahl von Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau, Belzec, Kulmhof, Sobibor und Treblinka sowie in den besetzten Gebieten Arbeitslager und Gettos mit Zuständen wie in den KZ. Durch Massenvernichtung, Zwangsarbeit, unmenschliche Experimente, Unterernährung und Krankheit wurden von 18 Millionen Häftlingen aus fast allen europäischen Ländern etwa 11 Millionen ermordet. In den KZ organisierten Antifaschisten, an der Spitze Kommunisten, den Widerstand; in allen großen KZ bildeten sich internationale Komitees, die den Kampf der Häftlinge verschiedener nationaler Organisationen leiteten. KZ wurden zuerst vom britischen Kolonialimperialismus während des Burenkrieges, dann auch von anderen imperialistischen Staaten eingerichtet.

Konzentrationsversuch, Durstversuch: Prüfung des Harnkonzentrationsvermögens der Niere nach Franz Volhard (1872-1950). Der Patient erhält dabei für mehrere Stunden nichts zu trinken. Beim Gesunden kommt es bei gleichzeitiger Verminderung der Harnmenge zum deutlich messbaren Anstieg der Harndichte. Der Normalwert der Harndichte beträgt 1,028 bis 1,038 g/cm3.

konzentrisch: (dat. griechisch) Eigenschaft von Figuren, einen gemeinsamen Mittelpunkt zu haben.

Konzept: erste Niederschrift; Entwurf (eines Schriftstücks). aus dem Konzept bringen: verwirren, aus der Fassung bringen.

Konzeption: 1. gedanklicher Entwurf.

2. Konzeption, Empfängnis, Befruchtung: Vereinigung der männlichen Samenzelle mit der weiblichen Eizelle; findet beim Menschen normalerweise im Eileiter statt.

Konzeptionsoptimum, Befruchtungsoptimum: günstigste Zeit für die Empfängnis im monatlichen Zyklus der Frau; Zeitraum, in dem normalerweise der Follikelsprung stattfindet; bei vierwöchigem, regelmäßigem Zyklus der Frau etwa der 11. bis 15. Tag des Menstruationszyklus (nach Knaus). Bei Abweichungen vom normalen Zyklus ist das Konzeptionsoptimum nicht eindeutig zu bestimmen. Siehe auch Basaltemperatur.

Konzeptionsverhütung, Antikonzeption, Kontrazeption, Schwangerschaftsverhütung: Empfängnisverhütung aus gesundheitlichen oder sozialen Gründen. Methoden der Konzeptionsverhütung sind

a) Unterbrechung des Sexualaktes vor Eintritt des Samenergusses in die Scheide (Coitus interruptus),

b) sexuelle Enthaltsamkeit während der Tage des Konzeptionsoptimums (Rhythmus-, Kalendermethode);

c) mechanische Verhütung des Eindringens von Samenflüssigkeit in die Gebärmutter von Seiten des Mannes durch Kondom, von Seiten der Frau durch Scheidendiaphragma oder Portiokappe;

d) Einlegen eines Intrauterinpessars in die Gebärmutterhöhle durch den Arzt (meist aus Kunststoff, umgangssprachlich als Spirale bezeichnet);

e) Abtöten der Samenfäden in der Scheide durch chemische Mittel (Zäpfchen, Cremes), 0 hormonale Konzeptionsverhütung durch Ovulationshemmer (Verhinderung des Follikelsprungs), zum Beispiel Sequenz-Ovosiston, Non-Ovlon, Gravistat (sicherste Methode der Konzeptionsverhütung).

Konzeptismus, Conceptismo: Stilrichtung in der spanischen Literatur des 16./17. Jahrhundert, kennzeichnend sind geistreiche Wort- und Gedankenspiele, Bilder und Metaphern; bedeutendster Vertreter war B. f Gradan y Morales.

Konzeptkunst: Strömung der spätbürgerlichen Kunst, die besonders in der 2. Hälfte der 70er Jahre des 20. Jahrhundert Bedeutung erlangte. Der gesamte künstlerische Realisierungsprozess wird dem Publikum übertragen. Der Künstler liefert nur die Idee (Konzept) als Denk- und Handlungsanregung. Konzeptkunst ist somit ein Versuch, Entfremdung und Kommunikationslosigkeit in der spätbürgerlichen Gesellschaft durch die Berufung auf elementare sinnliche Fähigkeiten des Menschen bewusst zu machen und Möglichkeiten menschliche Kommunikation zu demonstrieren.

Konzernierung: Form der Zentralisation von Kapital, wobei kleine und mittlere kapitalistische Betriebe, werktätige Bauern und Handwerker von Konzernen abhängig gemacht werden. Während die juristische Selbständigkeit der konzernierten Betriebe bestehen bleibt, sind sie (zumeist als Zulieferbetriebe) ökonomisch dem Diktat der Konzerne (zum Beispiel hinsichtlich der Preise, Qualitätsanforderungen, Liefertermine) unterworfen.

Konzert: a) meist dreisätzige Komposition für Soloinstrument und Orchester oder für Orchester allein (Orchesterkonzert); ging aus dem Concerto grosso des 18. Jahrhundert hervor und wurde durch W. A. Mozart, L. van Beethoven und J. Brahms in seiner Form zunehmend sinfonisch beeinflusst. Im 20. Jahrhundert schufen B. Bartók, A. Berg, A. Schönberg, P. Hindemith, S. S. Prokofjew, D. D. Schostakowitsch unter anderem Konzerte unter Verwendung neuer konzertanter und sinfonischer Mittel;

b) öffentliche Musikaufführung; entwickelte sich aus bürgerlichen privaten Musikgesellschaften zum Anrechtskonzert für ein breites interessiertes Publikum.

konzertant: konzertartig, Virtuosität verlangend; in der Art einer Konzertveranstaltung dargeboten, zum Beispiel die konzertante Aufführung einer Oper.

Konzertina: vier- oder sechseckige Handharmonika, deren Melodie- und Bassknöpfe im Unterschied zum Akkordeon einzelne Töne ergeben; um 1828 von C. Wheatstone erfunden, 1834 von C. F. Uhlig weiterentwickelt; heute nicht mehr gebräuchlich.

Konzertmeister: ursprünglich Titel für den ersten Geiger eines Orchesters; wird heute auch an andere führende Soloinstrumentalisten der Streichergruppe verliehen.

Konzession: 1. allgemein Zugeständnis; Genehmigung, Bewilligung.

2. Außenwirtschaftsrecht: Vertrag, durch den ein Staat einem ausländischen Unternehmen (seltener einem anderen Staat) die Nutzung beziehungsweise Ausbeutung von Naturschätzen, Anlagen, Betrieben u. ä. gegen Entgelt befristet überlässt. Konzession sind meist keine völkerrechtlichen Verträge. Streitigkeiten unterliegen dem Recht und der Gerichtsbarkeit des überlassenden Staates oder der im Vertrag vereinbarten Rechtsordnung, häufig der Schiedsgerichtsbarkeit.

3. Verwaltungsrecht: die behördliche Erlaubnis zum Betreiben eines Gewerbes, zum Beispiel Gaststättenkonzession.

Konzessivsatz, Einräumungssatz: Nebensatz, der ein Zugeständnis ausdrückt, eingeleitet durch «trotzdem», «obwohl» unter anderem; zum Beispiel Er kam, obwohl er wenig Zeit hatte.

konziliant: (dat.) umgänglich, verbindlich, entgegenkommend.

konzis: (dat.) kurz gefasst, gedrängt, bündig.

Kooperation: 1. allgemein Zusammenarbeit; auf ein gemeinsames Ziel gerichtete Tätigkeit mehrerer Partner, von denen jeder bestimmte Teilaufgaben übernimmt. 5. politische Ökonomie Zusammenwirken, Zusammenarbeit, gemeinsames Handeln von Menschen beziehungsweise Betrieben im Produktionsprozess. Die Kooperation ist eine natürliche Produktivkraft der gesellschaftlichen Arbeit. Charakter, Funktion und die Art ihrer Gestaltung hängen wesentlich von den jeweiligen Produktionsverhältnissen ab. Man unterscheidet einfache Kooperation und gesellschaftlich entwickeltere Formen der Kooperation Bei einfacher Kooperation wird gleichartige Arbeit kooperativ verrichtet. Sie existierte bereits in vorkapitalistischer Produktionsweisen. Als Ausgangsstadium der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise ist sie in solchen Produktionszweigen vorherrschend, «worin das Kapital auf großer Stufenleiter operiert, ohne dass Teilung der Arbeit oder Maschinerie eine bedeutende Rolle spielte» (Marx). Entwickeltere Formen der kapitalistischen Kooperation bilden sich mit fortschreitender Arbeitsteilung, vor allem mit dem Übergang zur maschinellen Großproduktion und zum Fabriksystem heraus. Die Internationalisierung des Wirtschaftslebens bringt vielfältige Formen internationaler kapitalistischer Kooperation hervor. Die sozialistische Gesellschaftsordnung hat für die Kooperation völlig neue Bedingungen geschaffen. Grundlage sozialistischer Kooperation ist das sozialistischen Eigentum an Produktionsmitteln und die darauf beruhende prinzipielle Übereinstimmung der Interessen des einzelnen und der Betriebe mit den Gesamtinteressen der Gesellschaftlichen sozialistischen Kooperation ist planmäßig organisierte kameradschaftliche Zusammenarbeit der sozialistischen Werktätigen und Betriebe im arbeitsteiligen Reproduktionsprozess; Form gesellschaftliche Organisation der Produktion, Hauptkettenglied der Konzentration und Spezialisierung. Zu unterscheiden sind innerbetriebliche Kooperation (planmäßige Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen und so weiter im Betrieb) und zwischenbetriebliche Kooperation (Zusammenarbeit zwischen juristisch und ökonomisch selbständigen, spezialisierten Betrieben, die gemeinsam an der Herstellung eines Produktes beteiligt sind). Von wachsender Bedeutung ist die Kooperation zwischen sozialistischen Ländern als Ausdruck der sozialistischen internationalen Arbeitsteilung im Prozess der sozialistischen ökonomischen Integration.

Kooperationsrecht: Teil des Wirtschaftsrechts; in der Regel wird unter Kooperationsrecht die Gesamtheit der Rechtsvorschriften über das eigenverantwortliche, planmäßig vertragliche Zusammenwirken der sozialistischen Wirtschaftseinheiten, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen und gesellschaftlicher Bedarfsträger bei der Forschung und Entwicklung, in der Produktion und beim Ware-Geld-Austausch verstanden.

Kooperationsvertrag: gebräuchliche Bezeichnung für einen Vertrag über die gemeinschaftliche Lösung von Aufgaben, einen Koordinierungsvertrag zur Vorbereitung von Leistungen zwischen seinen Partnern oder einen Vertrag, der gleichzeitig diesen beiden Vertragsarten entspricht; Kooperationsvertrag wird in der Landwirtschaft als Kooperationsvereinbarung bezeichnet.

kooperative Einrichtung: eigenverantwortlich nach dem Prinzip der wirtschaftlichen Rechnungsführung arbeitende und abrechnende Einrichtung, die von mehreren beteiligten Betrieben in vertraglich geregelter Zusammenarbeit genutzt wird. Sie hat das Ziel, durch Spezialisierung und Rationalisierung die Produktion zu steigern und die Kosten zu senken sowie die Arbeits- und Lebensbedingungen der Genossenschaftsbauern und Arbeiter zu verbessern. Nach dem Charakter des an der kooperativen Einrichtung beteiligten Eigentums ist zwischen zwischengenossenschaftlichen Einrichtungen und 1 zwischenbetrieblichen Einrichtungen zu unterscheiden. Juristisch selbständige kooperative Einrichtung kommen überwiegend in der Landwirtschaft vor, zum Beispiel im Meliorationswesen, im landwirtschaftlichen Bauwesen, beim Bezug, Absatz und Transport landwirtschaftliche Erzeugnisse und Produktionsmittel, in der Waldbewirtschaftung, Mischfutterherstellung sowie Aufbereitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Kooptierung, Kooptation: Ergänzungswahl, Zuwahl; Aufnahme oder Wahl von Mitgliedern durch die übrigen Mitglieder einer Gesellschaft, einer Leitung oder eines gewählten Organs.

Koordinaten:

1. Geodäsie: Zahlenpaare oder -gruppen zur Festlegung der Lage eines Punktes in einer Fläche oder im Raum. Für Gauß-Krüger-Koordinaten ist die A-Achse der abgewickelte, gewählte Meridian; die 7-Achse verläuft in Äquatorrichtung und zeigt nach Osten. X-Koordinaten heißen Hochwerte, Y-Koordinaten Rechtswerte.

2. Mathematik: Zahlen, die die Lage eines Punktes beziehungsweise einer Figur in Bezug auf ein Koordinatensystem eindeutig festlegen. Bei Übergang zu einem neuen Koordinatensystem ändern sich im Allgemeinen die Koordinaten einer Figur; die Umrechnung alter in neue Koordinaten nennt man Koordinatentransformation.

Koordinatenmessgerät: Messmittel (Gerät) zur Messung geometrischer Größen (Längen und Winkel) in ihrer koordinatenmäßigen Zuordnung an ebenen oder räumlichen Prüflingen.

Koordinatenschalter, Crossbar-Schalter (englisch + deutsch): elektromechanischer Vielfachschalter der Vermittlungstechnik zum wahlweisen Verbindungsaufbau von Sprechwegen in Fernsprechzentralen. Der Koordinatenschalter besteht aus sich kreuzenden Horizontal- (Stangenmagnete) und Vertikalgruppen (Brückenmagnete). Jeder waagerechte Eingang kann mit jedem beliebigen senkrechten Ausgang über einen Kreuzungspunkt (Kontaktfedersatz) verbunden werden.

Koordinatensystem:

1. Astronomie: zur eindeutigen Festlegung des Ortes eines Gestirns an der scheinbaren Himmelskugel verwendete Winkelangaben (Koordinaten). Die 2 voneinander unabhängigen Winkel werden in einer Grundebene und auf dazu senkrechten Großkreisen gezählt. Je nach der Aufgabenstellung sind unterschiedliche Koordinatensysteme im Gebrauch. Im Horizont(al)system steht die Grundebene senkrecht zum Lot und berührt die Erdoberfläche im Beobachtungsort B. Sie schneidet die Himmelskugel in einem Großkreis, dem Horizont. Das nach oben verlängerte Lot durchstößt die Himmelskugel im Zenit (Scheitelpunkt) Z; der Gegenpunkt heißt Nadir (Fußpunkt) Na. Der Vertikal- oder Scheitelkreis geht durch Gestirn, Zenit und Nadir, er steht senkrecht auf dem Horizont (im Punkt E). Als erster Vertikal wird der Großkreis durch Ostpunkt O, Zenit, Westpunkt W und Nadir bezeichnet, als Meridian der durch Südpunkt S, Zenit, Nordpunkt N und Nadir. Die Koordinaten sind die auf dem Vertikalkreis in Grad vom Horizont aus gemessene Höhe h oder die vom Zenit aus gemessene Zenitdistanz z und das auf dem Horizont von Süden über Westen, N und Osten in Grad gemessene Azimut a. Das Horizontalsystem gilt nur für einen bestimmten Erdort. Diesen Nachteil vermeiden die Äquator(ial)systeme, bei denen die Äquatorebene der Erde die Grundebene ist. Sie schneidet die Himmelskugel in Himmelsäquator, der den Horizont in Osten und Westen schneidet. Die verlängerte Erdachse bildet die Himmelsachse sie durchstößt die Himmelskugel in den Himmelspolen P und Q. Die Großkreise senkrecht zum Himmelsäquator heißen Stundenkreise. Die eine Koordinate ist die Deklination (Abweichung) S, die vom Himmelsäquator aus auf dem Stundenkreis in Grad gemessen und nach Norden positiv, nach Süden negativ gezählt wird. Manchmal benutzt man an ihrer Stelle die Poldistanz, den Winkelabstand vom Himmelspol. Im Stundenwinkelsystem (festes Äquatorialsystem) wählt man den Stundenwinkel als 2. Koordinate; das ist der Winkel zwischen dem Schnittpunkt des Meridians mit dem Himmelsäquator und dem Stundenkreis des Gestirns und wird in Stunden, Minuten, Sekunden in Richtung der täglichen Bewegung der Gestirne gemessen. Im Rektaszensionssystem (bewegliche Äquatorialsystem) ist die 2. Koordinate die Rektaszension (gerade Aufsteigung) a, sie ist der Winkel zwischen dem Frühlingspunkt Y (Schnittpunkt beziehungsweise Ekliptik und Himmelsäquator) und dem Stundenkreis des Gestirns und wird in Stunden, Minuten, Sekunden entgegengesetzt der Richtung der täglichen Bewegung der Gestirne gezählt. Rektaszension und Deklination bleiben während der täglichen Bewegung der Gestirne unverändert und werden daher in Sternkatalogen verwendet. Infolge der Präzession unterliegen sie jedoch allmähliche Änderungen. Im Ekliptik(al)system ist die Ebene der Ekliptik die Grundebene, die gegen den Äquator um den Winkel e (= 23V2°) geneigt ist. Der Winkel zwischen Frühlingspunkt und Längenkreis eines Gestirns heißt ekliptikale Länge A; sie wird in Grad auf der Ekliptik entgegengesetzt der Richtung der täglichen Bewegung der Gestirne gezählt. Der Abstand eines Gestirns auf dem Längenkreis von der Ekliptik in Grad ist die ekliptikale Breite ß. Beim galaktischen Koordinatensystem dient als Grundebene die Milchstraßenebene, die die Himmelskugel in einem Großkreis, dem galaktischen Äquator, schneidet. Die Koordinaten sind die galaktische Länge, die von der Richtung zum galaktischen Zentrum an im gleichen Sinn wie die Rektaszension in Grad gezählt wird, und die galaktische Breite.

2. Geometrie: für eine gegebene Punktmenge R ein geometrisches Gebilde Koordinatensystem mit einer sich auf Koordinatensystem beziehenden Vorschrift, wodurch jedem Punkt P von R meist eineindeutig Zahlen zugeordnet werden. Diese heißen die Koordinaten von P im K - K und ihre Anzahl stimmt meistens mit der Dimension von R überein. Ist R eine Gerade, so wird K oft durch 2 Punkte 0, E gegeben mit folgender Vorschrift; ist |OP= x\OE\ und liegt 0 zwischen E und P, so hat P die Koordinate -x, sonst die Koordinate x. E heißt Einheitspunkt, 0 Ursprung, OE ist Einheitsstrecke. Ist R eine Ebene, so wird ein Parallel-Koordinatensystem. K durch 2 Geraden g, h mit Schnittpunkt 0 und Einheitspunkten Ex auf g, E, auf h gegeben, g ist Abszissen-, h Ordinatenachse, beide Koordinatenachsen, 0 Ursprung. Die Koordinaten von P sind das Paar (x, y) der Koordinaten der achsenparallelen Projektionen von P auf g, A; x ist Abszisse, y Ordinate von P. Sind g, h orthogonal, heißt K kartesische Koordinatensystem. Im Raum gehören zu einem Parallel-Koordinatensystem 3 sich in einem Punkt schneidende Geraden. Siehe auch Polarkoordinaten.

Koordination: 1. allgemein ordnendes Zusammenfassen, Abstimmung aufeinander, Zuordnung.

2. Physiologie: geordnetes Zusammenwirken von Organen in Organsystemen, von Muskelgruppen untereinander; ermöglicht harmonisch-zielgerichtete Verhaltensakte.

3. traditionelle Logik: Beziehung zwischen den einem Gattungsbegriff unmittelbar untergeordneten Artbegriffen; zum Beispiel sind «Frühling», «Sommer», «Herbst», «Winter» koordinierte Begriffe innerhalb der Gattung «Jahreszeiten».

Koordinatograph: 1. Datenverarbeitung: graphische Eingabe-/Ausgabegeräte.

2. Geodäsie/Fotogrammetrie: von Hand betriebenes oder elektrisch oder automatisch arbeitendes Gerät zum punkt- oder linienweisen Aufträgen beziehungsweise Entnehmen von Koordinaten in beziehungsweise aus einer Karte.

Koordinierungsvertrag: Wirtschaftsvertrag zur Sicherung einer übereinstimmenden Tätigkeit der Partner, insbesondere zur Koordinierung der Leitungstätigkeit oder zur Vorbereitung künftiger Leistungen zwischen ihnen oder an Dritte: Koordinierungsvertrag zwischen Leitungsorganen wurden früher zur Unterscheidung von den Koordinierungsvertrag zwischen Wirtschaftseinheiten Koordinierungsvereinbarungen genannt.

Kopaivabalsam, Copaivabalsam: klarer, gelber Balsam aus Bäumen verschiedener Copaifera-Arten (Südamerika); wird für Lacke und in der Parfümerie verwendet.

Kopale: Bernstein ähnliche Harze fossiler (echte, harte Kopale) oder rezenter Bäume (unechte, weiche Kopale). Die echten Kopale werden in Afrika, Australien und Südamerika durch Ausgraben, die unechten aus Kopalbäumen gewonnen und als wertvolle Lackrohstoffe verwendet.

Kopecky, Milos, geboren 22.8.1922, tschechischer Schauspieler; trat bei Bühne, Film und Fernsehen vornehmlich in Komödien hervor, unter anderem in «Baron Münchhausen», «Seine Majestät Kollege König», «Limonaden-Joe», «Eine Nacht auf Karlstein» und in der Fernsehserie «Das Krankenhaus am Rande der Stadt».

Kopenhagen, dänisch Kobenhavn: Hauptstadt Dänemarks, auf der Insel Seeland, am Öresund, auf die Insel Amager übergreifend; 500000 Einwohner, als Agglomeration Großkopenhagen 1,3 Millionen Einwohner; Wirtschafts- und Kulturzentrum des Landes; vielseitige Industrie (im Ballungsraum arbeiten 40% der Industriebeschäftigten Dänemarks), besonders Maschinen- und Schiffbau, chemische, elektrotechnische Baustoff-, Textil-, Porzellan- und Lebensmittelindustrie (Brauereien, Fleisch- und Tabakverarbeitung); wichtigster Hafen Dänemarks, Fähren nach Schweden und Bornholm, internationaler Flughafen Kastrup-, Universität (gegründet 1479), mehrere Hochschulen (Technik, Handel, Musik unter anderem); Museen (unter anderem Hafenmuseum), Zoo, Volkspark Tivoli. Historische Bauten: Heiliggeist-, Petri-, Erlöser- und Trinitatiskirche (15./18. Jahrhundert); die Schlösser Rosenborg (17. Jahrhundert), Charlottenborg (17. Jahrhundert), Amalienborg (18. Jahrhundert; königlichen Residenz), Christiansborg (Neubau 1907; Parlamentssitz). 1043 Fischerdorf; 1167 befestigtes Schloss; wurde wichtiger Handelsplatz; seit 1443 königliche Residenz.

Köper: Stadt in Slowenien, am Golf von Triest, auf Istrien; 17000 Einwohner; Überseehafen; Werften, Krafträderbau, elektrotechnische, chemische Industrie; Salinen; Seebäder; Museum; alter Stadtkern mit Dom (15./16. Jahrhundert), Prätoren Palast (16. Jahrhundert); Fremdenverkehr.

Köper: 1. Weberei: Sammelbezeichnung für Gewebe in Köperbindung (Bindung).

2. Wirkerei: Pressmuster in Kulierware als Ein- oder Zweimaschenköper.

Kopernikus, Copernicus (latinisiert), eigentlich Koppernigk, Nikolaus, polnisch Mikolaj Kopernik, 19.2.1473-24.5.1543, Domherr, Astronom, Arzt und Jurist; studierte in Kraków, Bologna, Padua und Ferrara Medizin, Jura und Astronomie, wirkte ab 1510 zumeist in Frauenburg (Frombork) in der Verwaltung des Bistums Ermland. Kopernikus kam um 1507 zu der Ansicht, dass das bis dahin benutzte, auf Ptolemäus zurückgehende komplizierte und unübersichtliche geozentrische System der Planetenbewegung falsch sein müsse. Jahrzehntelang sammelte er Argumente und Beobachtungen für sein heliozentrisches System, wonach die Sonne den ruhenden Mittelpunkt des Kosmos bildet und die Erde sich als Planet unter Planeten um sie bewegt Allerdings benutzte er noch die I Epizykeltheorie und die Aristotelische Vorstellung von (exzentrischen) Kreisen; erst J. Kepler erkannte die Planetenbahnen als Ellipsen. Nach Kopernikus ist außerdem die tägliche Umdrehung des Himmels nur scheinbar und durch die Rotation der Erde um ihre Achse bedingt. Sein Hauptwerk «De revolutionibus orbium coelestium libri VI» (Sechs Bücher über die Umläufe der Himmelskörper) erschien erst 1543. Wenn Kopernikus auch keine stichhaltigen Beweise für die Bewegung der Erde erbringen konnte und darum zu seiner Zeit keine allgemeine Anerkennung fand, so stellt doch sein heliozentrisches System eine Revolution in der Wissenschaftsgeschichte dar, die den Beginn der neuzeitlichen Astronomie markiert. Kopernikus lieferte auch bedeutende Beiträge zur Trigonometrie und formulierte das später nach T. Gresham benannte Ökonom Gesetz.

Kopf, Caput, Kephalon: vorderer beziehungsweise oberer, in der Regel deutlich abgrenzbarer Körperteil der meisten vielzelligen Tiere und des Menschen. Bisweilen auch für das Endstück einzelner Strukturen verwendet, zum Beispiel Gelenkkopf, Kopf der Samenzelle.

Kopfblutgeschwulst, Kephalhämatom: Bluterguss des Neugeborenen zwischen Schädelknochen und Knochenhaut; sich innerhalb von 3 bis 8 Wochen weitgehend zurück. Durch Punktion wird eine raschere Heilung erzielt.

Köpfchenschimmel, Mucor: Gattung der Jochpilze mit kugeligen Sporenbehältern; meist saprophytisch auf Brot, Kot, im Boden unter anderem; siehe auch Schimmelpilze.

Kopfdüngung: Düngung auf wachsende Pflanzenbestände.

Kopffüßer, Tintenfische, Cephalopoda: höchstentwickelte Weichtierklasse mit etwa 750 marinen, meist räuberisch lebenden Arten, zu der die größten wirbellosen Tiere gehören. Der Körper ist plump, flachgedrückt oder langgestreckt, die Mantelhöhle mündet mit einem Trichter nach außen. Am Kopf 8 (Achtfüßer) oder 10 (Zehnfüßer) saugnapf- oder hakenbesetzte, äußerst bewegliche Arme zum Ergreifen der Beutetiere und meist hochentwickelte Linsenaugen, zum Teil sehr groß (bis 40 cm Durchmesser). Kopffüßer schwimmen mit seitlichen Flossen, Flossensäumen oder dem Trichter (Rückstoß), aus dem das in die Mantelhöhle aufgenommene Wasser mit großer Kraft ausgestoßen wird. Dabei kann Tinte (Sepia) abgegeben werden. Kopffüßer sind vielfach zu lebhafter Farbänderung der Haut fähig; in der Tiefsee oft mit Leuchtorganen ausgestattet; Schalen meist innerlich oder reduziert; siehe auch Kraken, Kalmare.

Kopfgrippe: laienhafte, unzutreffende Bezeichnung für Gehirnentzündung.

Kopfhöhe: senkrechte lichte Durchgangshöhe zwischen 2 übereinander angeordneten Bauteilen, bei Treppen im Allgemeinen 2 m.

Kopfhörer: kleiner elektroakustischer Wandler, der elektrischen Wechselspannungen in Schall umwandelt und dicht am Ohr getragen wird. Der noch kleinere Ohrhörer wird in den Gehörgang gesteckt.

Kopfjagd: ehemalige Sitte bei einigen Völkern, menschliche Köpfe zu erbeuten, um die vermeintlich magische Kräfte des Getöteten, zumeist des Feindes, auf sich überzuleiten.

kopfscheu: Bezeichnung für Überempfindlichkeit des Pferdes gegen Berührung des Kopfes, besonders beim Auflegen des Halfters.

Kopfschmerz, Cephalgie (griechisch): Symptom der verschiedensten örtlichen oder allgemeinen Erkrankungen, häufig bei nervöser Überbelastung oder neurotische Störungen. Kopfschmerz ist eines der wichtigsten Symptome bei organischen Hirnleiden, insbesondere bei Tumor, bedarf bei häufigem Auftreten der ärztlichen Klärung. Meist handelt es sich um psycho-vegetative Störungen beziehungsweise um Migräne.

Kopfsteher: verschiedene Gattungen der Familie Engmaulsalmler (Anostomidae); schlanke Fische südamerikanischer Süßgewässer mit kleinem, oberständigem Maul; stehen und schwimmen mit dem Kopf schräg nach unten gerichtet; Aquarienfische. Kopfstimme: nach der Lage des Resonanzraumes bezeichnetes Stimmregister, bei dem nur die inneren Ränder der Stimmlippen schwingen; hoher, heller Klang; Sonderformen der Kopfsteher bei Männern Falsett und Fistelstimme 2.

Kopie:

1. bildende Kunst: die genaue Nachbildung eines Kunstwerkes durch einen mit dem Schöpfer des Werkes nicht identische Künstler. Eine Wiederholung von des Künstlers eigener Hand wird Replik genannt.

2. Filmtechnik: jede optisch oder im Kontakt duplizierte Bild- beziehungsweise Tonaufzeichnung auf Kinofilm. Spezielle Kopie sind Arbeits- oder Schnittkopie (die vorläufige beziehungsweise endgültige Verbindung ausgesuchter Bildpositive), Nullkopie (1. unkorrigierte Kopie des fertig geschnittenen Original-Bildnegativs), Korrekturkopie (fotografisch qualitativ gegenüber der Nullkopie verbesserte Kopie), Standardkopie (1. optimale kombinierte Bild-Ton-Kopie), Verleih-, Massen-, Theaterkopie (für Filmtheater bestimmte Kopie), Fernsehsendekopie (speziell den Fernsehbedingungen angepasste Kopie) und Archivkopie (besonders aufbewahrte Kopie).

3. Fototechnik: von einem Negativ gewonnenes Positiv. Unterschieden werden Kontaktkopie (Abzug, Kontaktabzug) und optische Kopie, ein durch optische Abbildung erzeugtes Positiv, das vergrößert oder verkleinert sein kann. A. Polygraphie

a) fotochemische Übertragung einer transparenten Vorlage im Kontakt mit lichtempfindlichen Material zwecks Druckformenherstellung; bei Negativkopierverfahren entsteht vom Negativ, bei Positivkopierverfahren vom Positiv eine positive Kopie;

b) Übertragung einer transparenten Vorlage auf eine Druckform.

Kopiereffekt: zeitlich verschobene und störende Schallanteile beim Abspielen von Tonbändern. Der Kopiereffekt wird von aufgezeichneten Magnetisierungen großer Amplitude nach dem Aufwickeln des Bandes in den darunter- und darüber liegenden Bandteilen hervorgerufen.

kopieren: 1. allgemein abschreiben, nachbilden, vervielfältigen; übertragen nachahmen.

2. Fertigungstechnik: nachformen.

Kopiermaschine:

1. Filmtechnik: Gerät zum Kopieren und Vervielfältigen von Kinofilmen; besteht aus Beleuchtungseinrichtung, Filmtransportwerk, Auf- und Abwickeleinrichtungen für den Kopier- und Rohfilm sowie Zusatzeinrichtungen. Unterschieden werden Schrittschalt-Kopiermaschine (ruckweiser Filmtransport), Durchlauf-Kopiermaschine (kontinuierlicher Filmtransport) und Spezial-Kopiermaschine sowie Kontakt-Kopiermaschine und optische Kopiermaschine.

2. Polygraphie: Maschine zum Anfertigen mehrerer Kopien in genauen Abständen auf einem großformatigen Film oder einer präparierten Druckplatte.

Kopierwerk: filmtechnischer Betrieb für das Entwickeln, Kopieren und Schneiden angelieferter Filmmaterialien.

Kopilot, Copilot (beide französisch italienisch griechisch):

1. Luftfahrt: zweiter Pilot von Verkehrsflugzeugen.

2. Motorsport: in entsprechenden Wettbewerben als Beifahrer oder 2. Fahrer teilnehmende Person.

Koplowitz, Jan, geboren 1.12.1909, Schriftsteller; 1933/47 im Exil; schrieb das Buch «Unser Kumpel Max, der Riese» (1954), die Reportage «die taktstraße» (1968), die Erzählung «Es geht nicht ohne Liebe» (1956), die autobiographischen «Geschichten aus dem Ölpapier» (1971), Romane (unter anderem «Glück auf, Piddl», 1961; «Die Sumpfhühner», 1977; «(Bohemia) mein Schicksal», 1979, stark autobiographisch) sowie Filme, Fernsehspiele, Lieder.

Koppel:

1. Landwirtschaft: abgegrenztes Teilstück einer Weidefläche.

2. Musik: Verbindungsvorrichtung an Orgel, Harmonium und Cembalo, nach deren Betätigung die auf einem Manual angeschlagenen Töne auch auf dem gekoppelten oder im Oktavabstand auf dem gleichen Manual erklingen.

Koppelrolle: zur filmtechnischen Bearbeitung eines (Spiel-) Films mit Start- und Endbändern versehene Einzelrolle von etwa 300 m.

Koppen, Wladimir Peter, 25.9.1846-1.7.1940, Meteorologe und Klimatologe; von 1875 bis 1919 Leiter der meteorologischen Abteilung der Seewarte Hamburg; schuf eine Klimaklassifikation, verfasste mit A. Wegener das Werk «Klimate der geologischen Vorzeit» und gab mit R. Geiger das mehrbändige «Handbuch der Klimatologie» heraus.

Kopplung:

1. Elektrotechnik: Entkopplung.

2. Maschinenbau: Verbindung von Maschinenelementen zur Übertragung von Stoff, Energie und beziehungsweise oder Informationen zwischen den Elementen; zum Beispiel Schlauch, Rohr, Welle, Stehbolzen, Gestänge.

3. Physik: gegenseitige Beeinflussung physikalischer Systeme. Bei der Kopplung wird Energie übertragen, bei mechanischen Systemen durch elastische Kräfte. Bei elektrischen Stromkreisen unterscheidet man gahanischen Kopplung durch leitende Verbindung, kapazitive Kopplung mittels eines Kondensators und induktive (transformatorische) Kopplung durch gemeinsame Magnetfelder. Siehe auch Entkopplung, Rückkopplung.

Kopp-Neumannsche Regel: Regel, nach der die molare Wärmekapazität einer festen Verbindung gleich der Summe der atomaren Wärmekapazitäten der in ihr enthaltenen Elemente ist; benannt nach dem Chemiker H. Kopp und dem Physiker F. E. Neumann.

Koproduktion, Gemeinschaftsproduktion: gemeinsame Herstellung, zum Beispiel eines Films durch Filmschaffende oder -gesellschaften zweier oder mehrerer Länder.

Koprolithen, Kotsteine: versteinerte Exkremente vorzeitliche Tiere; von Fischen oft spiralig.

Coprostanol: unter der Wirkung der Darmbakterien aus Cholesterol gebildetes, häufigstes Sterol im Kot.

Kops, veraltet Kötzer (mittelhochdeutsch): Textiltechnik auf einer Hülse befindliche zylindrische Garnkörper mit beiderseitig kegelstumpfförmigen Abschlüssen.

Kopten: (griechisch, «Ägypter») christliche Minorität in Ägypten, Nachkommen der alten Ägypter; sie machen heute weniger als 10% der ägyptischen Bevölkerung aus, leben besonders in Oberägypten; vielfach Handwerker, Kaufleute und Beamte, hoher Anteil an den akademisch Gebildeten.

Koptisch: letzte Sprachstufe des Ägyptischen, seit 2. Jahrhundert mit griechischen und 6 aus dem Demotischen abgeleiteten Buchstaben geschrieben,

koptische Kirche: monophysitische Kirche mit koptischer (altägyptischer) Kultsprache; im 5. Jahrhundert von der byzantinischen Reichskirche abgespalten, Patriarch in Kairo; 1959 Autokephalie (kirchenrechtliche Selbständigkeit) der äthiopischen Kirche von der koptisch orthodoxen Kirche.

koptische Kunst: Kunst der vorwiegend christlichen, aber auch der heidnisch-hellenistischen Bewohner Ägyptens. Sie bildete sich im 4. Jahrhundert mit betont volkskunsthaften Zügen heraus und lebte auch nach der arabischen Eroberung Ägyptens im 7. Jahrhundert, besonders in der Kleinkunst und Buchmalerei, fort. Hauptleistungen sind Klosterkirchen, Grabstelen, Holzschnitzereien, Bronzegeräte und insbesondere Stoffe mit bildlichen Darstellungen. Bevorzugt wurden kräftige Farben und eine vereinfachende Formensprache, in der hellenistischen vorderorientalischen und seltener altägyptischen Motive verarbeitet wurden. Hauptfundorte sind Sohag und Akhmim in Oberägypten, Bawit und Menas-Stadt (südwestlich von Alexandria). Koptische Mönche, die als Missionare bis nach Irland gelangten, vermittelten Stilformen der koptischen Kunst an die frühmittelalterliche westeuropäische Kunst.

Kopula:

1. Grammatik: Satzband; Teil des zusammengesetzten Prädikats, bestehend aus einem Verb wie «sein», «werden» unter anderem (in Verbindung mit dem Prädikativum), zum Beispiel Er «ist Lehren).

2. traditionelle Logik: Bindeglied zwischen Subjekt und Prädikat in einem Urteil; zum Beispiel ist in dem Urteil -Schwefel ist kein Metall- die Wortverbindung «ist kein» die Kopula

Kopulation: (dat., «Verbindung»)

1. Biologie: Form der geschlechtlichen Fortpflanzung bei Einzellern durch Verschmelzung zweier Individuen beziehungsweise zweier Geschlechtszellen und ihrer Kerne. Bei Mehrzellern mit innerer Besamung und Befruchtung ist die Kopulation die körperliche Vereinigung (Begattung) verschieden geschlechtiger Lebewesen zur Übertragung der Spermien in die weiblichen Geschlechtswege.

2. Gartenbau: Veredlung.

Korallen: Bezeichnung für die koloniebildenden Korallentiere, deren Weichkörper ein horniges oder kalkiges Stützskelett von charakteristischer Gestalt und Farbe ausscheidet. Steinkorallen (Madreporaria) bilden mit ihrem Skelett zum Teil ausgedehnte, farbenprächtige Korallenriffe und -inseln (Atolle). Die im Mittelmeer und Indopazifik verbreitete Edelkorallen (Corallium rubrum) wird zur Schmuckherstellung verwendet.

Korallenbarsche, Pomacentridae: artenreiche Familie oft farbenprächtiger Barsche wärmerer Meere; die Mehrzahl lebt unmittelbar an Korallenriffen, einige leben in Symbiose mit Riesenseeanemonen; zum Teil beliebte Meerwasseraquarienfische. Siehe auch Anemonenfische.

Korallenfinger, Litoria caerulea: bis 12 cm langer Laubfrosch mit grünem Rücken und weißem Bauch; lebt sowohl am Boden als auch im Gebüsch Nord- und Ostaustraliens sowie in Neuguinea.

Korallenfische: Fische mit unterschiedlicher systematischer Stellung, die ständige Bewohner von Korallenriffen oder deren häufige Gäste sind; oft sehr farbenprächtig und formenreich mit vielfältigen Anpassungen an das Riffleben, zum Beispiel Symbiose mit Aktinien, Revierbildung.

Korallenottern: bis 1,5 m lange, leuchtend rot, weiß oder gelb und schwarz quergestreifte Giftnattern des tropischen Amerikas.

Korallenriff: vorwiegend aus Korallenskeletten aufgebaute Kalkablagerung in sauerstoff- und nährstoffreichen warmen tropischen Meeren, die bis nahe an oder über den Meeresspiegel aufragt; nach der Form unterschieden in Saum- oder Küstenriff (in unmittelbarer Küstennahe), Wall- oder Barriereriff (in großer Küstenentfernung, zum Beispiel Großes Barriereriff vor der ostaustralischen Küste) und Atoll oder Lagunenriff (ringförmiges, eine flache Lagune umschließendes Korallenriff).

Korallensee Korallenmeer: Randmeer des Stillen Ozeans, zwischen Australien, Neuguinea, Salomonen, Vanuatu und Neukaledonien; bis 4898 m tief; zahlreiche Korallenriffe, im Westen das Große Barriereriff.

Korallentiere, Blumentiere, Blumenpolypen, Anthozoa: nur als Polyp auftretende Klasse der Nesseltiere mit durch sechs- oder achtstrahlig angeordnete Scheidewände unterteiltem Körperhohlraum; meist festsitzende, oft koloniebildende Bodenbewohner besonders der wärmeren Meere. Siehe auch Korallen, Seerosen.

Koran: (arabisch, «Lesung») die «Heilige Schrift» des Islams, dessen wichtigste Glaubens- und Rechtsgrundlage; gilt als von Allah dem Propheten Muhammad offenbarte Wiedergabe der bei Allah befindliche Urschrift; eingeteilt in 114 Suren (Abschnitte). Für die verschiedenen Koranhandschriften haben sich Traditionen der Gestaltung und Ausschmückung herausgebildet, die regional unterschiedlich sind und sich auch im Laufe der Jahrhunderte veränderten (geometrische Ornamente, stilisierte Pflanzen- und Blütenmotive, verschiedene Schriftdukten und Gebrauch von Farben).

Korb:

1. Meeresfischerei: Fischmenge von 50 kg.

2. Sport: Basketball.

Korbblütler, Korbblütengewächse, Kompositen, Asteraceae, Compositae: artenreiche Familie zweikeimblättriger Pflanzen mit etwa 19000 Arten, meist Kräuter und Stauden; ihre Staubbeutel sind zu einer Röhre vereinigt; der gemeinsame Blütenboden trägt meist viele Einzelblüten (Röhren- oder Zungenblüten oder beide Formen zusammen), die von einem gemeinsamen Hüllkelch umgeben sind (Blütenkörbchen). Hierzu gehören Aster, Wucherblume und andere Zierpflanzen, Distel, Habichtskraut, Klette, Kornblume, Löwenzahn unter anderem; Kulturpflanzen sind Sonnenblume, Artischocke, Topinambur; Heilpflanzen zum Beispiel Arnika, Kamille, Huflattich, Wermut.

Körbchen: Bezeichnung für den Blütenstand der Korbblütler, bei dem meist viele zungen- oder röhrenförmige Einzelblüten auf einem verbreiterten Blütenboden (Körbchen) sitzen, der oft von Randblüten, immer von einem Hüllkelch umgeben ist, so dass der Blütenstand wie eine Einzelblüte wirkt; zum Beispiel Sonnenblume.

Korpa: Stadt in Albanien, im fruchtbaren Becken von Korpa (850 m über dem Meeresspiegel); 53000 Einwohner; Textil-, Glas-, Nahrungsmittelindustrie; Museum, Kulturpalast, Mirahor-Moschee. In der Nähe Kohlenbergwerke.

Korcula: eine der Dalmatinischen Inseln, zu Kroatien; 276 km2; 20000 Einwohner; Verwaltungszentrum Korcula (6000 Einwohner); bis 568 m hoch; bewaldet; Obst-, Weinbau, Fischerei; Fremdenverkehr.

Kord, Cord (englisch französisch griechisch) Sammelbezeichnung für Gewebe mit feineren oder stärkeren, in Längsrichtung verlaufenden Rippen, die entweder durch die Kord Bindung (Rippen-Kord) oder von durch den Schussfaden gebildetem, zu Rippen aufgeschnittenem Pol (Kordsamt) entstehen; für haltbare, elastische Kleidungsstoffe.

kordial: (lateinisch) herzlich; vertraulich.

Kordieren, Kordeln: Verfahren zum Aufrauen von Griffflächen an Messwerkzeugen, Schrauben, Muttern unter anderem mittels Kordierwerkzeugs. Dieses enthält 2 gehärtete Stahlrollen mit feiner Verzahnung am Umfang, die auf dem Werkstück ein rautenförmiges Muster (Kordel) erzeugt.

Kordilleren: Gebirgssystem, das sich im Westen Amerikas von Alaska (66° nördliche Breite) bis Feuerland (57° südliche Breite) entlangzieht; mit etwa 15 500 km das längste Faltengebirge der Erde. Es besteht größtenteils aus 2 annähernd parallel verlaufenden Hauptketten, den West- und den Ostkordilleren, die teilweise trockene Hochländer mit oft wüstenhaftem Charakter einschließen. Die gebirgsbildenden Prozesse erreichten ihren Höhepunkt im Tertiär und sind, wie die über 80 tätigen Vulkane und die häufigen Erdbeben zeigen, in der Gegenwart noch nicht abgeschlossen. Die nordamerikanischen Kordilleren erstrecken sich von Alaska bis zur Landenge von Tehuantepec, sind bis zu 1700 km breit und 6193 m hoch (Mount McKinley in der Alaskakette). Die Westkette ist im Norden in zahlreiche Inseln, Halbinseln und Fjorde aufgelöst, weiter südlich gliedert sie sich in das Kaskadengebirge und die Sierra Nevada, denen an der Küste das niedrigere, in der Halbinsel Kalifornien sich fortsetzende Küstengebirge vorgelagert ist. Den südlichsten Teil der Westkordilleren bildet die Westliche Sierra Madre in Mexiko. Die Ostkette wird in Kanada und den USA vom Felsengebirge (Rocky Mountains (Mount Elbert, 4399 m)) und in Mexiko von der östlichen Sierra Madre gebildet. Die wichtigsten der von den Ost- und Westkordilleren eingeschlossenen Hochflächen und -becken sind das Columbia Plateau, das Große Becken, das Coloradoplateau und das Hochland von Mexiko, das von mächtigen Vulkanen überragt wird (Pico de Orizaba, Popocatepetl unter anderem). Die mittelamerikanischen Kordilleren durchziehen, in einzelne Ketten, Gebirgsstöcke und Hochländer aufgelöst und von zahlreichen zum Teil noch tätigen Vulkanen gekrönt, die mittelamerikanische Festlandsbrücke. Sie sind im Westen über 4000 m hoch, im Osten bedeutend niedriger. Die südamerikanischen Kordilleren, Anden genannt, sind wesentlich enger geschart (größte Breite unter 18° südliche Breite 800 km) und höher als die nordamerikanischen Kordilleren (Aconcagua mit 6959 m der höchste Berg Amerikas). West- und Ostkordilleren umschließen die Hochbecken und -flächen des Altiplano. Nach Süden setzen sie sich in dem Faltengebirge Westantarktikas, den Antarktanden, fort. Die Kordilleren sind nahezu in ihrer Gesamtausdehnung Wasserscheide zwischen dem Stillen und dem Atlantischen Ozean sowie eine wichtige Klimascheide. In ihnen liegen die Quellgebiete großer Ströme (Mackenzie, Columbia, Missouri, Orinoco, Amazonas unter anderem). Die Schneegrenze liegt in Peru über 6000 m hoch, sinkt aber in Feuerland auf 1000 m und in Alaska auf 600 m ab. Die Kordilleren sind reich an Bodenschätzen, insbesondere an Buntmetallerzen, Kohle, Erdöl und Erdgas, auf deren Basis sich ein vielseitiger Bergbau entwickelt hat. Von großer wirtschaftlichen Bedeutung sind die Wasserkräfte der großen Ströme, die vor allem in Nordamerika schon weitgehend genutzt werden, während die Erschließung in den mittel- und südamerikanischen Kordilleren noch nicht so weit fortgeschritten ist. Ausgedehnte Waldbestände in nahezu allen Teilen des Gebirges haben den Aufbau einer entwickelten Holzwirtschaft stark gefördert.

Kordofan, Kurdufan-, Provinz in gleichnamiger Landschaft in der Republik Sudan, westlich vom Weißen Nil; 381000 km2, 2,5 Millionen Einwohner; 7 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Al-Obeid\ ein im Mittel 600 m über dem Meeresspiegel gelegenes Sandsteinplateau, von Inselbergen überragt; im Süden Nubabergland (1460 m); heißes Klima mit kurzen Sommerregen; Dom- und Trockensavanne (Sahel); bei Bewässerung Ackerbau; Gummi-Arabicum-Gewinnung; Wanderviehzucht.

Kordon: 1. allgemein Schnur; Absperrung; Postenkette.

2. Obstbau: Schnurbaum.

Kordonet Zwirn, Cordonett: mehrstufiger Zwirn, Häkelseide aus 3 oder mehr einstufigen Zwirnen.

Kordseide: Chemieseide besonders hoher Reißkraft, meist für technische Zwecke.

Kore: (griechisch, «Mädchen») Bezeichnung für die bekleidete jugendliche weibliche Weihfigur der archaisch-griechische Plastik.

Koreaner: mongolides Volk in Korea (etwa 56 Millionen), im Nordosten Chinas, Japan (0,65 Millionen) sowie in anderen Ländern (USA, insgesamt etwa 1,5 Millionen im Ausland); alte hochentwickelte Kultur.

Koreanisch: Sprache der in der KDVR, Südkorea wie auch in Nordostchina, Japan und in Übersee (USA) lebenden Koreaner (mehr als 57 Millionen); isoliert stehende, agglutinierende Sprache mit Tendenz zur Flexion, vermutlich mit den altaischen Sprachen verwandt (altaisches Grundprinzip); lexikalisch vom Chinesischen beeinflusst (in der KDVR Reduzierung der sinokoreanischen Lexik angestrebt), grammatikalisch Ähnlichkeiten mit dem Japanischen.

koreanische Schrift: im Jahre 1443 geschaffenes nationales Alphabet onmun, heute mit 40 Graphemen (10 Vokale, 19 Konsonanten, dazu 11 kombinierte Grapheme für jotierte Laute und Diphthonge). Die zu Silben gruppierten Buchstaben (phonetische Buchstaben-Silbenschrift) können sowohl senkrecht als auch waagerecht geschrieben werden. In Südkorea wird heute noch die daneben seit dem 3. Jahrhundert nach Christus übliche chinesische Schrift hanmun in Kombination mit dem koreanischen Alphabet benutzt. In der KDVR findet seit 1949 ausschließlich das koreanische Alphabet in waagerechter Schreibung Verwendung.

Koreanistik: Wissenschaft, die sich mit Sprache und Literatur des koreanischen Volkes beschäftigt; im weiteren Sinne zugleich Bezeichnung der regionalwissenschaftlich orientierten Koreawissenschaften, deren Gegenstand die Untersuchung gesellschaftlicher Prozesse der KDVR und Südkoreas in Gegenwart und Vergangenheit ist.

Koreisch: arabischer Stamm, der im 5. Jahrhundert in Mekka zur Macht gelangte; ihm gehörte auch der Prophet Muhammad an.

Korhogo: Stadt (Departements Zentrum) im Norden der Republik Elfenbeinküste; 45000 Einwohner; Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, Kunsthandwerk; Handelszentrum (Reis, Baumwolle); Straßenknoten, Flughafen.

Koriander, Coriandrum sativum: einjähriges Doldengewächs des Mittelmeergebietes; die Früchte dienen vor allem als Küchengewürz; sie wurden auch in altägyptischen Gräbern sowie unter Pflanzenresten von Pompeji gefunden.

Korianderöl: gelbliches ätherisches Öl, das aus Koriandersamen durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird. Korianderöl enthält 60 bis 70% Linalool und wird in der Parfümerie, Genussmittelindustrie und Pharmazie verwendet.

Korin, Pawel Dmitrijewitsch, 7.7.1892-22.11.1967, sowjetischer Maler; schuf Historienbilder, Mosaiken, Glasfenster, aber auch Porträts und Landschaften, die gekennzeichnet sind durch Strenge der Komposition und Betonung der Zeichnung.

Korinth, Korinthos: Stadt im Süden Griechenlands, Verwaltungszentrum des Distrikts Korinth, am Golf von Korinth und auf dem Isthmus von Korinth, der den Peloponnes mit dem Festland verbindet; 21000 Einwohner; Landmaschinen- und Gerätebau, Nahrungsmittelindustrie; Hafen, Kanal von Korinth (durchquert den Isthmus von Korinth; 6345 m lang, 23 m breit, 8 m tief, bis zu 80 m eingeschnitten; 1893 eröffnet). Korinth wurde mehrfach durch Erdbeben und Brand zerstört. In der Umgebung Weinbau (Korinthen). Im 9. Jahrhundert vor Christus wurde Korinth durch die Dorier gegründet. Der Klassenkampf zwischen Demos und Aristokratie hatte die Tyrannis (658/585 vor Christus) zur Folge. In dieser Zeit entwickelte sich Korinth zu einer der reichsten griechischen Handels- und Seestädte. Korinths Konkurrenz zu Athen war eine der Hauptursachen des Peloponnes. Krieges (431/404 vor Christus). Die wirtschaftliche Bedeutung Korinths ging vom 4. Jahrhundert vor Christus an zurück. Seit 337 vor Christus befand sich Korinth unter makedonischer Vorherrschaft und war 243/224 Mitglied des Achäischen Bundes. 146 vor Christus zerstörten die Römer die Stadt; 44 vor Christus wurde Korinth als Bürgerkolonie erneut besiedelt. Seit 27 vor Christus war Korinth Hauptstadt der römischen Provinz Achaia.

Korinthen: sehr kleine, dunkelviolette Rosinen, kernlos oder -haltig.

Korjo: Feudalstaat in Korea 918/1392 mit der Hauptstadt Songdo (Kaesŏng); löste den Feudalstaat Silla ab und einigte 936 nach einer Periode feudaler Zersplitterung erneut das Land. Es folgte eine Blüte der vom Buddhismus geprägten Kultur. In der latinisierten Form Korea wurde Korjo in Europa bekannt.

Kork: Abschlussgewebe aus toten Zellen; schützt vor dem Austrocknen (fast undurchlässig für Wasser), vor starken Temperaturschwankungen (schlechter Wärmeleiter) und vor dem Eindringen von Schädlingen; Kork ist elastisch, lufthaltig und dadurch sehr leicht. Die Verkorkung erfolgt durch Auflagerung von Suberin auf die Zellwände von innen her. besonders stark entwickelt und genutzt bei der Korkeiche. Siehe auch Korkkambium.

Korkkambium: pflanzliches Gewebe aus sich teilenden Zellen, das nach außen als Abschlussgewebe Kork abscheidet.

Korksäure, Suberinsäure: eine farblose, kristallisierte, wenig wasserlösliche Substanz der Formel HOOC-(CH2)6-COOH; F142°C; die Salze und Ester heißen Suberale.

Korkstein: aus Korkschrot mit Hartpech gepresstes, leichtes und gut wärmedämmendes Bauelement.

Kormorane, (französisch, «Seeraben») Phalacrocoracidae: weitverbreitete Familie meist schwarzer, koloniebrütender und fischfressender Ruderfüßer; ausgezeichnete Schwimmer, können bis in 20 m Tiefe tauchen. Siehe auch Guanovögel.

Korn: 1. Korn - Fototechnik: bei der Vergrößerung von Negativen sichtbare Zusammenballungen von Silberpartikeln; die Größe ist von der Filmempfindlichkeit abhängig und durch die Entwicklung beeinflussbar.

2. Korn - Geldwesen: Münze 1.

3. Korn - Landwirtschaft: a) Frucht beziehungsweise Samen von Gräsern, zu denen auch die Getreidearten zählen;

b) Hauptgetreidefrucht eines Landes, in der DDR zum Beispiel traditionsbedingt Roggen, in den USA Mais.

4. Korn - Kornbrand: Lebensmitteltechnik wasserklarer Edelbrand aus vergorenen Getreidemaischen (Roggen, Weizen, Gerste). Mindestens 3 Monate, im Allgemeinen 1 Jahr, in Eichenholz- oder Eschenholzfässern gelagerter Korn mit einem Volumenanteil an Alkohol von 38% darf als Doppelkorn bezeichnet werden.

5. Korn - Militärtechnik: Visiereinrichtung.

6. Korn - Polygraphie: a) die unregelmäßig gestalteten Druckelemente bei der Kornätzung (Kornraster);

b) die charakteristischen Druckelemente des Lichtdrucks (Runzelkorn)

c) die gleichmäßige Aufrauhung der Oberfläche monometallische Flachdruckplatten.

Körner: 1. Dietrich Körner, geboren 2.12.1929, Schauspieler; gestaltete, seit 1963 am Deutschen Theater in Berlin, viele zeitgenössische, kritisch-realistische und klassische Rollen, auch bei Film und Fernsehen («Scharnhorst»).

2. Theodor Körner, 23.9.1791-26.8.1813 (gefallen), Dichter; kämpfte in Lützows Freikorps; schrieb an F. Schiller geschulte patriotische Dramen («Zriny», 1812) und zum antinapoleonischen Freiheitskampf aufrüttelnde Lieder und Gedichte (Sammlung «Leier und Schwert», 1814).

3. Theodor Körner, 25.4.1873-4.1.1957, österreichischer Sozialdemokratischer Politiker; im 1. Weltkrieg General; seit 1924 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Österreichs; 1951/57 Bundespräsident.

Körnergewächse: Kulturpflanzen, die zu den Gräsern (Mehlfruchtarten) und Hülsenfrüchten gehören und deren körnige Früchte beziehungsweise Samen genutzt werden.

Körnerschicht: 1. Lagen von Nervenzellen der Großhirnrinde, der Kleinhirnrinde und der Netzhaut des Auges.

2. Zellschicht des Epithels der Haut.

Körner-Schrader, Paul, eigentlich Karl Schräder, 25.4.1900-18.5.1962, Publizist und Schriftsteller; Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller; arbeitete während des Faschismus illegal, mehrmals inhaftiert; schrieb Erzählungen («Ich schlief auf Dynamit», 1932), Reportagen und Glossen (Sammelband «Brot für den großen Tisch», 1960), den Roman «Ostlandreiter» (1959) sowie (nach 1945) Kinderbücher («Treibjagd im Dorf», 1959), Hör- und Laienspiele.

Kornerupin, (nach einem dänischen Geologen) Prismatin (griechisch + lateinisch) m\ Mineral, borhaltiges Magnesium-Aluminium-Silikat; Kristallsystem rhombisch, Härte 7, Dichte 3,3 g/cm3; regionalmetamorph in aluminiumreichen Gesteinen, zum Beispiel Granulit von Waldheim, vorkommend.

Kornett, Cornet à pistons (französisch): kleines Blasinstrument mit konischer Schallröhre und Kesselmundstück, um 1820 in Frankreich aus dem Posthorn entwickelt und mit 3 Pumpventilen (französisch pistons) versehen, daher auch Piston genannt; wird besonders im Blasorchester verwendet.

Korneuburg: Stadt in Niederösterreich, in der Wiener Pforte links der Donau, gegenüber Klosterneuburg; 9000 Einwohner; Schiffbau, chemische, Textil-, Holz-, metallverarbeitende Industrie, Kraftwerk; Hafen; mittelalterliche Altstadt (15./18. Jahrhundert); im Nordwesten von Korneuburg Burg Kreuzenstein.

Kornfeld, Paul, 1.12.1889-Januar 1942 (ermordet), österreichischer Schriftsteller; gehörte zum Prager Schriftstellerkreis; charakteristischer Bühnendichter des Expressionismus («Himmel und Hölle», 1919); schrieb außerdem die Charakterkomödien «Palme oder Der Gekränkte» (1924), die Tragödie «Jud Süß» (1931) unter anderem

Korngesetze: Schutzzollverordnungen im Interesse der Großgrundbesitzer; in Großbritannien besonders die Korngesetze von 1815. Für ihre Aufhebung kämpften die Arbeiterbewegung und die liberalen Fabrikanten (Anti-Corn-Law League), die durch Freihandel ihren Export vergrößern und durch Import zollfreien Getreides die Löhne senken wollten. Die Korngesetze wurden 1846 aufgehoben.

Korngold, Erich Wolfgang, 29.5.1897-29.11.1957, österreichischer Komponist; wurde 1920 mit seiner Oper «Die tote Stadt» weltbekannt; emigrierte 1934 in die USA; schrieb zahlreiche Filmmusiken unter anderem

Korngrenze: Grenzfläche zwischen 2 Kristallen unterschiedlicher Gitterorientierung. Polykristalline Körper (Vielkristalle) bestehen im Gegensatz zum Einkristall aus einer Vielzahl von kleinen, regellos aneinandergefügten Bereichen mit einheitlichen Gitterstruktur, den Körnern oder Kristalliten, die durch Korngrenze voneinander getrennt sind.

Kornilow, Lawr Georgijewitsch, 30.8.1870-13.4.1918 (gefallen), russischer General; leitete August/September 1917 als Oberbefehlshaber der russischen Armee den konterrevolutionären Kornilow-Putsch zur Errichtung einer Militärdiktatur, der von der Arbeiterklasse unter Führung der Bolschewiki zerschlagen wurde. Nach der Oktoberrevolution gehörte Kornilow zu den Organisatoren der Weißgardistischen Konterrevolution.

Kornkäfer, Calandra granarius: 3 bis 5 mm langer, braunschwarzer Rüsselkäfer; legt seine Eier einzeln in lagernde Getreidekörner, die von den Larven ausgefressen werden; Speicherschädling; wird zu Laborversuchen verwendet.

Kornmotte, Nemapogon granella: Mottenart; Raupe in Baumschwämmen und lagerndem Getreide, in Hülsenfrüchten und Dörrobst lebend; Vorratsschädling.

Kornrade, Agrostemma githago: Nelkengewächs mit purpurnen Blüten und großen giftigen Samen; früher lästiges Ackerunkraut, heute in starkem Rückgang.

Körnungsart, Bodenart, Bodentextur, auf der Korngrößenzusammensetzung basierende Klassifikation des Bodenmaterials. Hierfür werden 3 Fraktionen nach der Korngröße zugrunde gelegt: Ton (Durchmesser der Teilchen <0,002 mm), Schluff (0,002 bis 0,06 mm) und Sand (0,06 bis 2 mm). Die wichtigsten Körnungsart sind Sand, lehmiger Sand, sandiger Lehm, lehmiger Schluff, Schluff-Lehm, lehmiger und schluffiger Ton, Ton.

Kornwurm: Sammelbezeichnung für die in Getreidekörnern lebenden Larven von Kornmotte und Kornkäfer.

Korobow, Iwan Kusmitsch, 1700-1747, russischer Architekt unter Peter I.; Hauptwerke sind der Turm der Admiralität (1733/38) und die Pantaleon-Kirche (1734/37), beide in Leningrad.

Korolenko, Wladimir Galaktionowitsch, 27.7.1853-25.12.1921, russischer Schriftsteller; vertrat in Erzählungen wie «Makars Traum» (1885, deutsch) und «Der Wald rauscht» (1886, deutsch) einen humanistischen Standpunkt und wandte sich wiederholt gegen die Willkür des Zarismus; verfasste die vierbändige autobiographische «Geschichte meines Zeitgenossen» (1906/22, deutsch; 1. und 2. Band deutsch 1919 von R. Luxemburg).

Koronaentladung: in stark inhomogenen Feldern auftretende, selbständige Gasentladung, häufig impulsförmig; entsteht zum Beispiel an geladenen metallenen Spitzen (Spitzenentladung, Elmsfeuer). In der Elektrotechnik von Witterungseinflüssen stark abhängige Sprühentladung an Hochspannungsfreileitungen, die zu Verlusten führt. Koronaverluste wachsen mit dem Quadrat der Spannung, erreichen ab 400 kV beträchtliche Werte und werden durch Vergrößerung des Leiterdurchmessers (Hohlleiter) sowie durch Mehrleiteranordnung (Bündelleiter) verringert.

Koronarographie: Röntgenuntersuchung (Serie von Röntgenaufnahmen in schneller Bildfolge) der Herzkranzgefäße nach Injektion von Kontrastmittel.

Korotkow-Geräusch: Schallerscheinung, die pulssynchron an arteriellen Gefäßen auftritt, die durch von außen wirkenden Druck partiell verschlossen sind. Die Beobachtung des Korotkow-Geräuschs ist die Grundlage der üblichen indirekten Verfahren zur Blutdruckmessung.

Korowin: 1. Konstantin Alexejewitsch, 5.12.1861-11.9.1939, russischer Maler; lebte seit 1924 in Paris. Korowin malte feinempfundene realistische, seit der Jahrhundertwende impressionistischen Landschaften und Genreszenen von reicher Farbigkeit sowie Bühnenbilder für das Bolschoi-Theater.

2. Sergej Alexejewitsch, 19.8.1858-26.10.1908, russischer Maler; Bruder von Korowin 1; malte in der Nachfolge seines Lehrers W. G. Perow sozialkritische Genrebilder, die das Leben der Bauern und Soldaten schildern.

Körper:

1. Algebra: Menge von Elementen, in der, analog zu den im Bereich der rationalen Zahlen erklärten Operationen, eine Addition und eine Multiplikation definiert sind, die den Grundgesetzen der Arithmetik genügen. Beispiele für Körper sind die Menge aller rationalen Zahlen, die aller reellen und die aller komplexen Zahlen.

2. Geometrie: ein von Flächen allseitig begrenzter Teil des Raumes. Die Gesamtheit der Begrenzungsflächen ist die Oberfläche des Körper, die Größe des von ihnen umschlossenen Gebietes sein Rauminhalt beziehungsweise Volumen.

3. Morphologie: Anatomie Corpus.

Körpererziehung: systematische körperliche Bildung und Erziehung als Bestandteil der Allgemeinbildung im sozialistischen Bildungssystem.

Körperfehler: Hockey unerlaubtes Berühren des Balles mit dem Körper, wird durch Freischlag (Freistoß) geahndet.

Körperhaltung: die durch Positionen der Gliedmaßen zueinander und zur Lage des Kopfes und des Rumpfes bestimmte Haltung, die auf Haltungsreflexen beruht. Diese werden ausgelöst durch Reizung des Gleichgewichtsorgans sowie durch Erregung von Dehnungsrezeptoren in, der Muskulatur und in den Gelenken.

Körperkultur: Gesamtheit aller Ziele, Aufgaben, Mittel, Formen und Maßnahmen, die der körperlichen Ausbildung beziehungsweise Vervollkommnung der Menschen dienen; in der sozialistischen Gesellschaft alle materiellen, ideellen und personellen Maßnahmen und Prozesse, die mit den Mitteln des körperlichen Übens, des sportlichen Trainings und des Wettkampfes zur allseitigen Persönlichkeitsentwicklung beitragen. Qualität und Wirksamkeit äußern sich in der regelmäßigen Beteiligung und den Leistungen im Kinder- und Jugend-, im Freizeit- und Erholungs- sowie im Leistungssport.

körperliche Bildung und Erziehung: in der sozialistischen Persönlichkeitsentwicklung die Vermittlung hygienischer Kenntnisse und Fertigkeiten, systematische Körperpflege und -Übungen sowie regelmäßige sportliche Betätigung; dient der Gesunderhaltung und Kräftigung des Körpers und der Ausbildung wesentlicher Verhaltenseigenschaften und Willensqualitäten, wie Mut, Disziplin, schöpferische Aktivität, Ausdauer und Kampfgeist.

körperliche Grundausbildung: Schulung und Vervollkommnung der grundlegende und spezielle sportliche Bewegungseigenschaften und -fertigkeiten, Anerziehung von Einsichten und Verhaltensweisen (sportliche Lebensweise, Disziplin unter anderem) sowie Vermittlung von Kenntnissen über Sporthygiene, -Politik, biologischer Vorgänge unter anderem

Körperschaft: 1. allgemein Personengruppe; größeres Gremium.

2. bürgerliches Recht: Bezeichnung für eine organisierte Personenvereinigung, die mit den Rechten einer juristischen Person ausgestattet ist (zum Beispiel eine Genossenschaft), beziehungsweise für einen rechtsfähigen Verband, der staatlichen Aufgaben mit staatlichen Mitteln wahrnimmt (K. des öffentlichen Rechts).

Körperschaftssteuer: Steuer auf Einkommen (Gewinn) juristischer Personen (zum Beispiel Aktiengesellschaft).

Körperschema: Physiologie Wahrnehmung der räumlichen Ausgedehntheit der Körperoberfläche und ihrer Zuordnung zur Umgebung sowie der Beziehungen der einzelnen Oberflächenpartien (Gliedmaßen, Rumpf, Kopf). Dem Körperschema entspricht eine kartenartige, topographische «Abbildung» der Körperoberfläche in der Großhirnrinde (sensomotorische Hirnrindenfelder).

Körperspiel: der in Torspielen regelgerechte Körpereinsatz beim Zweikampf um den Ball (die Scheibe).

Körpertechnik: Sportspiele Technik der Körperbeherrschung, zum Beispiel Tempowechsel, Drehungen, Sprünge.

Körperübung, Übung: jede regelmäßige körperliche und sportliche Betätigung mit dem Ziel, die physische Leistungsfähigkeit zu erhalten, zu steigern oder ihren Rückgang im Alter zu verzögern.

Körperverletzung: vorsätzliche oder fahrlässige Gesundheitsschädigung oder körperlicher Misshandlung eines anderen Menschen; strafbar.

Korporal: in einigen Armeen Unteroffiziersdienstgrad.

Korporation: in bürgerlichen Staaten

a) mit den Rechten einer juristischen Person ausgestattete Körperschaft;

b) Verein, Berufsverband und so weiter;

c) studentische Verbindung.

korporativ: (französisch) in Gesamtheit, geschlossen.

Korporativstaat: im faschistischen Italien errichtetes Zwangsregime, das die Arbeiterklasse der Gewalt des terroristischen Staatsapparates unterwarf. Die Gewerkschaften, außer der faschistischen, wurden 1926 verboten und durch Berufsorganisationen, sogenannt Korporationen, ersetzt («Charta der Arbeit» vom 30.4.1927). In ihnen waren die Verbände der Unternehmer und der Werktätigen zusammengeschlossen, an ihrer Spitze standen faschistische Parteifunktionäre. Am 5.2.1934 wurde die Bildung von 22 Korporationen in Industrie, Handel, Landwirtschaft und Dienstleistungsbereich dekretiert.

Korps: 1. durch Gesetz, Gebräuche oder Beruf verbundener Personenkreis, zum Beispiel diplomatische Korps

2. operativ-taktischer Verband mancher Streitkräfte, besteht meist aus mehreren Divisionen beziehungsweise Brigaden und aus selbständigen Truppenteilen; bei den Landstreitkräften Armeekorps (Bestandteil einer Armee oder Front), bei den Truppen der Luftverteidigung Luftverteidigungskorps, bei den Luftstreitkräften Jagdflieger-, Bombenfliegerkorps und so weiter, bei den Seestreitkräften Flottenbasis.

Korpus: 1. Korpus (PI. -pusse) allgemein Körper, Leib.

2. Korpus: Polygraphie: Schriftgrade.

Korpuskel, (dat., «Körperchen») Partikel: soviel wie Teilchen; kleinstes Masseteilchen, zum Beispiel Elementarteilchen, Atom oder Molekül. Siehe auch Dualismus.

Korreferat: Ergänzung oder Stellungnahme zum eigentlichen Referat; Nebenbericht.

Korrektion: Wert einer Größe, der zum gemessenen Wert hinzugefugt wird, um den erfassten systematischen Anteil des Fehlers zu kompensieren. Die Korrektion hat den gleichen Betrag wie der erfasste systematische Fehleranteil, aber das entgegengesetzte Vorzeichen. Analog wird der Begriff Korrektion auch für den Messmittelfehler angewendet. Siehe auch Fehler einer Messung.

Korrektiv: berichtigendes, regelndes, ausgleichendes Mittel.

Korrektur: 1. allgemein Verbesserung, Berichtigung.

2. Polygraphie: Feststellen und Anzeichnen der bei der Herstellung des Satzes, der Bildreproduktion unter anderem gemachten Fehler mit Änderungsangaben; auch die Berichtigung selbst.

Korrelation: 1. allgemein Wechselbeziehung; notwendiger wechselseitiger Zusammenhang; gegenseitige Abhängigkeit.

2. mathematische Statistik: Korrelationsanalyse.

Korrelationsanalyse: Zweig der mathematischen Statistik, in dem Untersuchungen über stochastische Zusammenhänge (Korrelationen) zwischen Zufallsgrößen auf der Grundlage einer Stichprobe durchgeführt werden. Dazu werden passende Abhängigkeitsmaße zwischen Zufallsgrößen definiert. Zum Beispiel sind die Kovarianz cov X2) und der Korrelationskoeffizient Q(XU X2) Maße für den linearen Zusammenhang der Zufallsgrößen X, und X2: Dabei bedeuten = E(X,) die mathematischen Erwartungen und CT,2 = E((X, ßi)2) die Varianzen der Zufallsgrößen Xh i = 1, 2,...

Korrepetitor: Kapellmeisterassistent, der am Klavier mit Solisten, insbesondere eines Musiktheaterensembles, Partien für Oper und Ballett einstudiert und wiederholt durcharbeitet.

Korrespektivität: gegenseitige Bedingtheit; Gemeinschaftlichkeit.

Korrespondent: 1. Briefschreiber; den Briefwechsel führender Angestellter.

2. für Presse, Nachrichtenagentur, Rundfunk oder Fernsehen tätiger Berichterstatter; siehe auch Volkskorrespondent.

Korrespondenz: Mathematik Zuordnung F, bei der jedem Element x einer Menge A ein oder mehrere Elemente y einer im Allgemeinen anderen Menge B entsprechen. Die einem x aus A bei der Korrespondenz F entsprechenden Elemente y aus B heißen die F-Bilder von x und ihre Gesamtheit das volle F-Bild von x; ein x aus A, dem durch die Korrespondenz F das Element y aus B zugeordnet wird, heißt ein F-Urbild von y, und die Gesamtheit aller F-Urbilder eines Elementes y bilden das volle F-Urbild von y. Eine Korrespondenz F, bei der jedes x aus A nur ein f-Bild hat, heißt eine eindeutige Korrespondenz oder eine Abbildung von A in B; eine Korrespondenz F, bei der jedes y aus B nur ein Urbild hat, heißt eineindeutig. Statt Korrespondenz sind auch die Bezeichnungen mehrdeutige Abbildung und Relation üblich.

Korrespondenzausschüsse: revolutionäre Organe zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges der 13 britische Kolonien in Nordamerika; entstanden ab 1772/73 nach einem Plan T. Jeffersons in allen Kolonien und wandelten sich ab 1775 zu sogenannt Sicherheitskomitees um.

Korrespondenzprinzip: von N. Bohr 1913 eingeführtes Prinzip der Quantentheorie, wonach sich die klassische Beschreibung physikalischer Systeme als Grenzfall ihrer quantentheoretische Beschreibung für große Quantenzahlen beziehungsweise bei Vernachlässigung der Planck-Konstante h, das heißt für h—»0, ergeben muss.

Korrigens: Zusatz zu Arzneimitteln, um Nebenerscheinungen, wie schlechten Geschmack oder unangenehmen Geruch abzuschwächen.

korrigibel: verbesserbar.

Korrosion: unerwünschte irreversible Umsetzung eines Werkstoffes mit Bestandteilen der umgebenden Medien. Hierbei werden die Werkstoffe, von der Oberfläche ausgehend, durch chemische und elektrochemische Vorgänge zerstört; sie korrodieren. Als korrosionsverursachende Agenzien können Lösungen von Säuren, Basen oder Salzen, feuchte Luft, Wasser, Gase und Schmelzen wirken. In der Praxis tritt Korrosion meist durch atmosphärische Einflüsse, wie Luftfeuchtigkeit oder aggressive Gase, ein. Nach den Erscheinungsformen unterscheidet man zum Beispiel gleichmäßige Korrosion, Lochfraßkorrosion, Spannungsrißkorrosion unter anderem Bereits das heterogene Gefüge einer Metalloberfläche oder auch Löt-, Schraub- und Nietverbindungen mit anderen Metallen können im Zusammenwirken mit einem an der Luft entstehenden Feuchtigkeitsfilm zu Korrosion fuhren, wobei das unedlere Metall beschleunigt korrodiert. Das wichtigste Beispiel für Korrosion ist das Rosten des Eisens. Siehe auch Korrosionselement.

Korrosionselement: die elektrochemische Korrosion verursachendes galvanisches Element. Ein Korrosionselement setzt sich aus dem Elektrolyten, im Allgemeinen vom Korrosionsmedium gebildet, sowie aus Kathode und Anode zusammen, wobei letztere aus Bereichen der Metalloberfläche mit unterschiedlichen elektrochemischen Potential bestehen. Ein Korrosionselement mit sehr kleinem kathodischen und anodischen Bereich (<0,01 mm2) wird als Lokalelement bezeichnet.

Korrosionsfäule: Gewebezersetzung bei holzigen Pflanzen, wobei sowohl Zellulose als auch Lignin angegriffen werden (die Zellulose langsamer) und durch Oxydationsprozesse eine charakteristische Bleichung des Holzes einsetzt.

Korrosionspräparat: anatomisches Präparat zur Darstellung des Gefäßsystems oder anderer Hohlräume durch Füllung mit Metalllegierungen oder Kunststoffen und anschließender Korrosion, das heißt Entfernung der umgebenden Gewebe mit Hilfe chemischer Substanzen (zum Beispiel Kalilauge).

Korrosionsschutz: Maßnahmen zur Verhinderung der Korrosion metallischer Werkstoffe durch Aufbringen von Schutzschichten oder Überzügen zum Schutze der Oberflächen gegen chemischen oder elektrochemischen Angriff (passiver Korrosionsschutz) beziehungsweise durch Anwendung sehr reiner oder legierter Werkstoffe, Einsatz von Korrosionsinhibitoren oder elektrochemischen Schutzverfahren sowie korrosionsschutzgerechtes Konstruieren (aktiver Korrosionsschutz). Die Wirksamkeit der Korrosionsschutzverfahren wird weitgehend vom Ausgangszustand der Metalloberfläche beeinflusst (Oberflächenvorbehandlung). Der Hauptanteil der Metalle wird passiv vor Korrosion geschützt, und zwar durch organische oder anorganische (metallische oder nichtmetallische) Schutzschichten oder temporäre Korrosionsschutzstoße. Über 70% der Metalle erhalten eine organische Schutzschicht (Anstriche oder Plastikbeschichtungen). Für das Aufbringen metallischer Schutzschichten werden die Verfahren Schmelztauchen, elektrochemischen und chemischen Metallabscheidung, Diffusionsverfahren, Metallspritzen und Plattieren angewandt. Temporäre Korrosionsschutzstoffe sind Korrosionsschutzöle, -fette, -wachse und Abziehlacke für den Schutz während der Fertigung, des Transports, der Lagerung oder des Stillstandes. Die Gesamtheit der Maßnahmen des temporären Korrosionsschutzes wird auch als Konservieren bezeichnet,

korrosionsträger Stahl: Stahl mit hoher Beständigkeit gegen atmosphärische Einflüsse, Wasser, Säuren, Basen und andere aggressive Medien, wobei der Chromgehalt (mindestens 12%) die Bildung stabiler Oxidhäute auf der Oberfläche bewirkt.

korrumpieren: (moralisch, charakterlich) verderben, zersetzen; bestechen.

Korruption: Bestechung, Käuflichkeit; im weiteren Sinne durch ungerechtfertigte Vergünstigungen hervorgerufener moralischer Verfall.

Korsage, Corsage: abgesteiftes Oberteil eines schulterfreien Damenkleides beziehungsweise dementsprechende trägerlose Miederware; auch als Einzelteil in der Strandkleidung.

Korsak, Steppenfuchs, Alopex corsac: lebhafter, tagaktiver, geselliger Fuchs mit sandfarbenrötlichen Sommer- und weißlich grauem Winterfell; bewohnt Zentralasiatische Steppengebiete.

Korsakow, Sergei Sergejewitsch, 3.2.1854-14.5.1900, russischer Psychiater und Neurologe; arbeitete unter anderem über Alkoholparalyse und pathologische Gedächtnisstörungen; gehört zu den Begründern der russischen Psychiatrie.

Korsar: Freibeuter, Seeräuber; Seeräuberschiff.

Korsen: einen italienischen Dialekt sprechende romanische Bevölkerung Korsikas; 200000; Reste patriarchalischer Gesellschaftsordnung, Blutrache (Vendetta) bis ins 20. Jahrhundert; rückständige Wirtschaftsführung (Fischerei, halbnomadische Schaf- und Ziegenzucht).

Korsett: eng anliegendes, durch Stäbe versteiftes, meist geschnürtes Mieder; seit dem 14. Jahrhundert gebräuchlich.

Korsika: zu Frankreich gehörende Insel im Mittelmeer; 172 km von Frankreich, 84 km vom italienischen Festland entfernt; 8681 km2, 240000 Einwohner; 28 Einwohner/ km2; als Wirtschaftsregion 2 Departements umfassend (Corse-du-Sud und Haute-Corse) wichtigster Ort Ajaccio-, Bevölkerung: Korsen (einen italienischen Dialekt sprechend), starke Abwanderung; Schrift- und Amtssprache ist Französisch; Gebirgsland aus kristallinen Gesteinen (bis 2710 m), stark zertalt, eiszeitlich überformt, schmaler Tieflandstreifen an der Küste; Mittelmeerklima; durch Raubbau beeinträchtigte natürliche Vegetation, Macchie; geringe wirtschaftliche Entwicklung, wenig Industrie (Holzverarbeitung); Schaf- und Ziegenhaltung (Schafskäse); Anbau von Zitrusfrüchten, Obst- und Oliven; Fischfang; Fremdenverkehr.

Korso: (italienisch, «Lauf») Hauptstraße in italienischen Städten; (festliche) Schaufahrt (Blumenkorso).

Kortdüse: die Schiffsschraube (ursprünglich von Binnen-, jetzt auch von Seeschiffen) eng umschließende, düsenartige Stahlblechkonstruktion, die das Schraubenwasser in einem Strahl nach hinten führt und somit die Schraubenwirkung erhöht; benannt nach dem Konstrukteur Ludwig Kort (1888-1958).

Kortisol, Cortisol: zu den Glukokortikoiden gehörendes Nebennierenrindenhormon, dessen Wirkung der des Kortisons ähnlich ist.

Kortison, Cortison: zu den Glukokortikoiden gehörendes Nebennierenrindenhormon. Kortison ist ein Gegenspieler des Insulins; es steigert den Blutzuckerspiegel, beschleunigt den Eiweiß- und Fettabbau und fördert die Glukoneogenese.

Kortum, Karl Arnold, 5.7.1745-15.8.1824, Schriftsteller; gab mit dem komischen Heldenepos «Die Jobsiade» (1784) ein satirisches Bild vom deutschen Spießertum.

Korund: Mineral, Aluminiumoxid; Kristallsystem trigonal, Härte 9, Dichte 3,9 bis 4,1 g/cm3, Schmelzpunkt bei 2050°C. Gemeiner Korund ist undurchsichtig, rötlich oder blaugrau; er bildet tonnen- oder säulenförmige Kristalle. Edelsteinvarietäten des Korunds (Edler Korund) sind Saphir (blau durch Titangehalt), Rubin (rot durch Chrom) und Leukosaphir (farblos). Vorkommen in aluminiumreichen und kieselsäurearmen Tiefengesteinen, auch kontakt- und regionalmetamorph (Smirgel oder Schmirgel) und sedimentär infolge der hohen Härte. Korund ist weit verbreitet (besonders in Sri Lanka und Burma).

Korundstein: feuerfester Stein aus Korund und Bindeton mit hoher Erweichungstemperatur und Widerstandsfähigkeit gegen Schlacken und mechanischen Abrieb.

Körung: Begutachtung und Einstufung männlicher Tiere durch eine Körkommission nach Konstitution, Eigenleistung, Leistung der Vorfahren, klinischer Befund der Geschlechtsorgane. Ziel der Körung ist Erteilung oder Verlängerung der Genehmigung zur Zucht.

Korvette: kleines, der Fregatte ähnliches Kriegsschiff (etwa 1000 ts) für Geleit, Vorpostendienst, Luft- und U-Boot-Abwehr.

Korwar: plastische holzgeschnitzte Ahnendarstellung in Hockstellung, in das Kopfteil wurde ursprünglich der echte Totenschädel eingelegt; in Irian Jaya (Neuguinea) vorkommend.

Korybanten: in der griechischen Religion dämonisches Wesen, die in orgiastischen Kult verehrt wurden.

Koryphäe: 1. Koryphäe: Chorführer (Koryphaios) im antiken Drama.

2. Koryphäe: bedeutende, hervorragende Persönlichkeit auf einem Fachgebiet; Berühmtheit.

Kös: Insel der griechischen südlichen Sporaden (Dodekanesos), im Ägäischen Meer, vor der Küste Kleinasiens; 290 km2, 7000 Einwohner; Anbau von Wein und Zitrusfrüchten; Ruinen eines Asklepiostempels; Heimat des Hippokrates.

Kosaken: seit dem 15./16. Jahrhundert der Leibeigenschaft entflohene Bauern in östlichen, südöstlichen und südlichen Grenzgebieten Russlands; lebten in militärisch organisierten Gemeinschaften unter Führung von gewählten Atamanen. Als erste formierten sich die Saporosher Kosaken Die Don-Kosaken unternahmen wiederholt antizaristische Aufstände oder beteiligten sich an Bauernerhebungen (I. I. Bolotnikow, S. T. Rasin, A. Bulawin). Die ukrainischen Kosaken unterstanden bis 1648 Polen und verloren 1775 (Pugatschow Aufstand) ihre Autonomie. Im 18. Jahrhundert entstand eine zarentreue Oberschicht. Seit 1920 als soziale Schicht nicht mehr existent, aber Pflege der Traditionen der Kosaken (Chor der Don-Kosaken).

Kosinusreihe: die Entwicklung der Kosinusfunktion in eine Potenzreihe; Sie ist für alle Werte von x konvergent und dient der näherungsweisen Berechnung der Kosinusfunktion.

Kosinussatz: Satz der Trigonometrie, wonach für ein ebenes Dreieck mit den Seitenlängen a, b, c die Gleichung c2 = a2 + b2 lab cos y gilt, wobei y die Größe des Winkels ist, der der Seite mit der Länge c gegenüberliegt.

Kosma, Joseph, 22.10.1905-7.8.1969, französischer Komponist ungarischer Herkunft; wurde international vor allem durch Chansons, Lieder und Filmmusiken bekannt.

Kosmetik: Körper- und Schönheitspflege; Reinigung, Pflege oder Färbung der Haut, Haare und Nägel sowie Zahn- und Mundpflege. Bestimmte kosmetische Erzeugnisse pflegen, nähren und kräftigen die Haut. Die kosmetische Behandlung muss durch ausgewogene Ernährung, geregelte Verdauung, Mäßigkeit im Genuss von Alkohol, Nikotin unter anderem und durch ausreichenden Schlaf und Aufenthalt oder Betätigung im Freien ergänzt werden.

kosmisch: (griechisch) das Weltall beziehungsweise den Raum außerhalb der Erde betreffend.

kosmische Geschwindigkeit: falsche Bezeichnung für Bahngeschwindigkeit.

kosmische Strahlung, Höhenstrahlung, Ultrastrahlung: aus dem Weltraum kommende, sehr energiereiche (bis 1020 eV) Teilchenstrahlung. Diese sogenannte Primärstrahlung besteht überwiegend aus Protonen und a-Teilchen. Sie stammt zum Teil von der Sonne; als Quelle der aus dem galaktischen Raum kommenden kosmischen Strahlungen vermutet man Zusammenhänge mit Ausbrüchen von Supernovae. Durch Zusammenstöße mit Atomen und Molekülen der Luft erzeugt die Primäreine Sekundärstrahlung (Protonen, Elektronen, Mesonen und andere Elementarteilchen), die bis zur Erdoberfläche gelangt.

Kosmobiologie, Astrobiologie, Weltraumbiologie. Teildisziplin der Biologie; befasst sich mit den Möglichkeiten und Vorgängen des Lebens unter Weltraumbedingungen, zum Beispiel in bemannten Flugkörpern; hat enge Beziehungen zur Weltraummedizin. Ein Spezialgebiet bilden Hypothesen zu Entstehung und Vorkommen von Leben auf anderen Himmelskörpern und der Möglichkeit der Ausbreitung lebensfähiger Keime durch den Weltraum.

Kosmochemie: Wissenschaft von der chemischen Zusammensetzung des Weltalls. Die Kosmochemie befasst sich mit der Entstehung und Verteilung chemischer Elemente und Verbindungen im außerird. Bereich. Erkenntnisse der Kosmochemie gestatten Rückschlüsse auf die Bedingungen der Elementverteilung auf und in der Erde.

Kosmodemjanskaja, Soja Anatoljewna, 13.9.1923-29.11.1941, sowjetische Partisanin; seit 1938 Komsomolzin; trat im Oktober 1941 einer Partisanenabteilung bei; von den deutschen Faschisten gefangengenommen, gefoltert und öffentlich hingerichtet.

Kosmogeologie, Astrogeologie, kosmische Geologie: Forschungsrichtung der Geologie, die ihre Entstehung der Raumfahrt verdankt. Zur Kosmogeologie gehören die Erkundung der Erdoberfläche mit Hilfe von Satelliten und Orbitalstationen sowie die Erforschung der Planeten unseres Sonnensystems, um Rückschlüsse auf die Entwicklung unserer Erde ziehen zu können. Die Fernerkundung der Erdoberfläche erfolgt vor allem mit Hilfe von Multispektralaufnahmen. Auf diesem Wege können tektonisch bedingte lagerstättenhöffige Strukturen sowie hydrogeologischen Verhältnisse, Reliefformen unter anderem fixiert werden. Die bisherigen Ergebnisse von Planetensonden haben bereits wesentlich zur Aufhellung der Frühgeschichte unseres Planeten vor 4,6 bis 3,6 Md. Jahren beigetragen.

Kosmogonie: Teilgebiet der Astronomie, das die Entstehung und Entwicklung der Himmelskörper erforscht. Als erster versuchte I. Kant 1755 eine wissenschaftliche Kosmogonie zu entwickeln. Nach seiner Meteoritenhypothese sind die Sonne und die Planeten durch Verdichtung einer rotierenden kühlen Wolke aus Gas und kleinen festen Teilchen entstanden. P. S. Laplace (1796) ging von einer rotierenden Gasscheibe (Ursonne) aus; eine Kontraktion der Ursonne führte zur Beschleunigung der Rotation, infolgedessen lösten sich im Äquatorbereich nacheinander Gasringe ab, aus denen die Planeten entstanden (Nebularhypothese). Trotz grundlegender Unterschiede fasst man beide Hypothesen oft fälschlich als Kant-Laplacesche-Theorie zusammen. Wichtige Bereiche sind die Kosmogonie der Sternsysteme und der Planeten sowie die Theorie der Sternentstehung. Siehe auch Sternentwicklung.

Kosmographie: Geschichte, Geographie und Naturkunde verbindende Weltbeschreibung im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit.

Kosmologie: Wissenschaft, die den Aufbau und die Entwicklung des Weltalls als einheitliches Ganzes untersucht. Sie stützt sich auf astronomische Beobachtungen und vergleicht diese mit Weltmodellen, die von ihr aufgestellt werden. Dabei sind bestimmte Vereinfachungen und Schlüsse auf den unbeobachteten Teil des Weltalls unumgänglich. Zum Beispiel wird im Allgemeinen das kosmologische Prinzip vorausgesetzt, nach dem das Weltall zu einer bestimmten Zeit von allen Orten aus den gleichen Anblick bietet. Dynamische Modelle im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie, wonach das Weltall aus einem heißen, überdichten Anfangszustand hervorgegangen ist (siehe auch Urknall) und sich seit etwa 15 Md. Jahren stetig ausdehnt, werden durch verschiedene Beobachtungen gestützt (Hubble-Effekt, Drei-Kelvin Strahlung unter anderem). Es kann noch nicht entschieden werden, ob die Expansion unbeschränkt fortgesetzt (offenes Weltall) oder in Zukunft durch eine Kontraktion abgelöst wird (geschlossenes Weltall). Die Annahme, dass das Weltall zu jeder Zeit und an allen Orten den gleichen Anblick bietet (sogenannt starkes kosmologischen Prinzip), ist Ausgangspunkt des Steadystate-Modells. In ihm wird die mit der Expansion des Weltalls verbundene Dichteerniedrigung durch Erzeugung neuer Materie ausgeglichen. Es steht nicht im Einklang mit den Beobachtungen.

Kosmonaut: russischen, in den sozialistischen Ländern gebräuchliche Bezeichnung für Raumfahrer.

Kosmopolit:

1. Biologie: Bezeichnung für eine Tier- oder Pflanzenart, die in ihr zusagenden Lebensräumen über weite Teile der Erde verbreitet ist; zum Beispiel Einjähriges Rispengras, Stubenfliege.

2. Philosophie: Anhänger, Vertreter des Kosmopolitismus; Weltbürger.

Kosmopolitismus: Weltbürgertum; seit dem Altertum bestehende Denkweise, nach der der Mensch vornehmlich Glied der Menschheit und nicht einer bestimmten politisch-gesellschaftlichen Einheit ist. Als ideologischer Ausdruck der Klasseninteressen der aufstrebenden Bourgeoisie diente der Kosmopolitismus der Solidarisierung revolutionärer bürgerlicher Kräfte gegen den feudalen Provinzialismus und förderte damit den Nationalstaatsgedanken (G. E. Lessing, I. Kant, J. G. Fichte, J. G. Herder, F. Schiller, J. W. Goethe unter anderem). Heute ist der Kosmopolitismus eine reaktionäre, unwissenschaftliche Doktrin der imperialistischen Ideologie, die das Recht der Völker auf Selbstbestimmung und Souveränität ablehnt und Nationalkultur und patriotische Traditionen negiert; die Nation soll durch übernationale Zusammenschlüsse ersetzt werden («Abendland», «atlantische Gemeinschaft», «europäische Integration»). Der Kosmopolitismus wendet sich heute im Dienste des Imperialismus gegen den nationalen und politischen Befreiungskampf der Völker.

Kosmos: 1. Weltall.

2. Bezeichnung für eine Serie (in 2 Typen) sowjetischer Trägerraketen für Raumflugkörper verschiedener Art. 1958 bis Mitte der 60er Jahre entwickelt, wurden und werden Kosmos-Raketen (jetzt 2. Typ) auch innerhalb des Interkosmos-Programms eingesetzt.

3. Bezeichnung für eine Serie teils zur Erde zurückgeführter Sowjet, unbemannter Raumflugkörper unterschiedlicher Zweckbestimmung (Forschungs-, Wetter-, Erderkundungs-, Test-, Navigationssatelliten) und dementsprechend unterschiedlichen Aufbau; unter anderem Prototypen und Erprobungsmuster der Sojus-Raumfahrzeuge, der Meteor- und Molnija-Satelliten, Biosatelliten, Rendezvouserprobung, Test von Bauteilen großer Orbitalstationen unter anderem 1962/85 mehr als 1700 Starts, darunter Mehrfachstarts von (bis zu 8) Satelliten mit einer Trägerrakete.

Kosmos Vertrag, Vertrag über die Prinzipien für die Tätigkeit der Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper: am 27.1.1967 von der UdSSR, den USA und Großbritannien gleichzeitig Unterzeichneter multilateraler völkerrechtlicher Vertrag, der allen Staaten zum Beitritt offensteht; am 10.10.1967 in Kraft getreten. Der Kosmos Vertrag setzt sich die breite internationale Zusammenarbeit der Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraumes und der Himmelskörper zu ausschließlich friedlichen Zwecken zum Ziel. Er verbietet jegliches Verbringen von Kernwaffen oder anderen Massenvernichtungsmitteln in den Weltraum.

KOSPAS/SARSAT: internationales System aus Raumflugkörpern, Bodenstationen und Bojen zur Rettung in Not geratener Schiffe und Flugzeuge. Auf international festgelegten Frequenzen (121,5 und 243 MHz) abgestrahlte Notsignale werden von Rettungssatelliten aufgefangen, verstärkt und zu Bodenstationen gesendet; sie ermöglichen, den Unglücksort genau zu ermitteln und Rettungsmaßnahmen einzuleiten.

Kossel: 1. Albrecht Kossel, 16.9.1853-5.7.1927, Biochemiker und Physiologe; erforschte unter anderem die Chemie des Zellkerns; entdeckte die Purine Adenin und Guanin sowie die Pyrimidine Thymin, Cytosin und Uracil; forschte über den Aufbau der tierischen Eiweißstoffe.

2. Walther Kossel, 4.1.1888-22.5.1956, Physiker; Professor in Kiel, Danzig (Gdansk) und Tübingen; entwickelte 1916 gleichzeitig mit G. N. Lewis die Theorie der heteropolaren chemischen Bindung.

Kossmat, Franz, 22.8.1871-1.12.1938, Geologe; Professor an der Universität Leipzig; leistete grundlegende Arbeiten zur Paläogeographie und Tektonik, besonders Mittel- und Südeuropas, sowie zur regionalgeologische Interpretation geophysikalischer Messergebnisse.

Kossuth, Lajos, 19.9.1802-20.3.1894, ungarischer Politiker und Staatsmann; Führer der Unabhängigkeitsbewegung und der bürgerlichen Revolution 1848/49; seit 1847 war er Führer der Opposition im Landtag und setzte im März 1848 die Annahme der Gesetze zur bürgerlichen Umgestaltung durch. 1848 war er Finanzminister der ersten unabhängigen ungarischen Regierung, nach deren Rücktritt im September 1848 leitete er das Komitee zur Landesverteidigung und organisierte die Verteidigung der Revolution gegen die habsburgischen Truppen. Als Reichsverweser (April/ August 1849) proklamierte er die Unabhängigkeit Ungarns von Habsburg. Nach 1849 wirkte er im Exil gegen den habsburgischen Despotismus.

Kostarika, Republik Kostarika: Staat in Mittelamerika, zwischen Karibisches Meer und Stillem Ozean; wird im Norden von Nikaragua und im Süden von Panama begrenzt; verwaltungsmäßig in 7 Provinzen gegliedert. Von den Einwohnern sind etwa 75% Weiße, 15% Mestizen, 9% Afroamerikaner, 0,4% Indianer unter anderem Amtssprache ist Spanisch. Währung ist der Colon. An den Küsten Tiefländer; zwischen der vulkanischen Nord-Kordillere mit häufigen Erdbeben und der südlichen Kordillere von Talamanca (Chirripo Grande, 3920 m) Liegt das Zentrale Hochland als Hauptsiedlungs- und -Anbaugebiet. An der Küste des Stillen Ozeans herrscht wechselfeuchtes tropisches Klima mit Trockenwäldern, an der Karibikküste ständig feuchttropisches Klima; nach Höhenstufen differenziert. Etwa 75% des Landes sind bewaldet. Kapitalistischer Agrar-Industrie Staat in ökonomischer Abhängigkeit von internationalem Monopolkapital. In der Landwirtschaft sind etwa ein Drittel der Erwerbstätigen beschäftigt; Anbau der Exportkulturen Kaffee (vorwiegend um San José), Bananen, Kakao, Zuckerrohr, Tabak, Kautschuk; für den Eigenbedarf Mais, Reis, Bohnen, Bataten und Maniok; sich entwickelnde Viehzucht; Thunfischfang. Industrielle Produktion vorwiegend um San José; in Kleinbetrieben Verarbeitung land- und forstwirtschaftliche Produkte; Montagewerke ausländischer Unternehmen, Produktion von Düngemitteln und Zement; Erdölraffinerie, Aluminiumwerk. Bergbau in begrenztem Umfang (Abbau von Gold-, Silber- und Manganerz; Lagerstätten von Bauxit, Erdöl, Eisenerz). Haupthafen im Osten Limón, im Westen Puntarenas, internationaler Flughafen bei San José. Einfuhr von Maschinen und Industrieerzeugnissen, chemischen Produkten, Nahrungsmitteln; Haupthandelspartner: USA, Deutschland, Japan. 1502 gelangte Kolumbus an die Küste Kostarikas, 1519/60 Eroberung durch die Spanier, unter denen die Indianer fast völlig ausgerottet wurden. Als Teil der Generalkapitanie Guatemala verkündete Kostarika 1821 die Unabhängigkeit, gehörte 1822/23 zum mexikanischen Kaiserreich und 1823/38 zu den Vereinigten Provinzen von Zentralamerika; nach deren Zerfall war die Entwicklung Kostarikas durch Kämpfe zwischen Liberalen und Konservativen gekennzeichnet; geriet seit 1871 zunehmend unter USA-Einfluss (United Fruit Co. ab 1899). Im Ergebnis der wachsenden Volksbewegung in den 20er und 30er Jahren (revolutionärer Aufstand 1932, Massenstreiks 1933/34) erfolgte 1931 die Gründung der KP, die sich 1943 zur Partei der Volksavantgarde reorganisierte. Nach Bürgerkrieg (1948) kam eine Junta an die Macht und übergab diese Ulate Blanco (1949/53); Präsident Figueres Ferrer (1953/58) führte begrenzte Reformen durch, während seiner zweiten Präsidentschaft (1970/74) baute er die Beziehungen zu den sozialistischen Ländern aus. Die den Traditionen des bürgerlichen Parlamentarismus verpflichteten Präsidenten Oduber Quiros (1974/78) und Carazo Odio (1978/82) vermochten wegen wachsender ökonomischer und sozialer Konflikte nicht, ihre verkündeten Reformprogramme zu verwirklichen und gerieten unter zunehmenden Druck der USA wogegen die seit 1976 legale Partei der Volksavantgarde an der Spitze der demokratischen Kräfte kämpft. Zum Nachfolger von Präsident L. A. Monge (1982/86) wurde 19860. Arias gewählt.

Kosten: Geldausdruck des laufenden Aufwandes an vergegenständlichter Arbeit und in Lohn und anderen Vergütungen ausgedrückter lebendiger Arbeit sowie sonstige bestimmungsgemäß festgelegte Geldausgaben des Betriebes zur Vorbereitung, Herstellung und Realisierung von Erzeugnissen und Leistungen. Die Kosten und ihre Entwicklung sind wichtiger Maßstab zur Beurteilung der wirtschaftlichen Tätigkeit der Betriebe sowie der ökonomischen Wirksamkeit des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und aller übrigen Intensivierungsfaktoren. Siehe auch Selbstkosten, technologische Kosten.

Kostenanschlag, Kostenvoranschlag: Zusammenstellung und Vorausberechnung der Kosten von Leistungen, vor allem von Bauleistungen, im Rahmen eines Leistungsangebotes.

Kostenberechnungsgrundlage: Berechnungsbasis für die von den Parteien zu tragenden Kosten eines Rechtsstreits; die Festsetzung der Kostenberechnungsgrundlage erfolgt in der Regel nach der Höhe des geltend gemachten Vermögensrechtlichen Anspruchs beziehungsweise nach in verfahrensrechtlichen Vorschriften enthaltenen Grundsätzen.

Kostenkonzeption: Grundkonzeption in Kombinaten zur Gewährleistung der mit dem Fünfjahrplan festgelegten Ziele zur Senkung des Produktionsverbrauchs und der Kosten, vor allem durch wissenschaftlich-technische Maßnahmen. Dabei ist die Übereinstimmung mit anderen Konzeptionen, insbesondere der für die Veredlung, für die umfassende Intensivierung insgesamt zu sichern. Die Kostenkonzeption sind durch die Kombinate jährlich zu aktualisieren.

Kostennormativ: Geldausdruck für den normierten mengenmäßigen Verbrauch an vergegenständlichter und lebendiger Arbeit für die Herstellung und Realisierung einer bestimmten Erzeugnis- beziehungsweise Leistungseinheit. Als Vorgabewerte sind Kostennormativ Grundlage für die Kostenplanung und Durchsetzung der innerbetrieblichen wirtschaftlichen Rechnungsführung.

Kostenrapport: im Zuge der weiteren Vervollkommnung der wirtschaftlichen Rechnungsführung seit 1982 angewandte straffe Kontrollberichterstattung zur Kostenentwicklung.

Kostenrechnung: Sachgebiet der betrieblichen Rechnungsführung und Statistik zur Erfassung, Aufbereitung, Kontrolle und Analyse der Kosten nach Kostenarten, -stellen und -trägern. In der Kostenartenrechnung (1. Stufe der Kostenrechnung) werden die Kosten nach der Art ihrer Entstehung im Reproduktionsprozess erfasst, sachlich und zeitlich abgegrenzt und nach ihrer Stellung im Wertbildungsprozess gruppiert. In der Kostenstellenrechnung (2. Stufe der Kostenrechnung) werden die Kosten nach dem Ort (Kostenstelle) ihrer Entstehung und Verursachung erfasst und zugerechnet, den von den Kollektiven in den Kostenstellen erbrachten Leistungen sowie vorgegebenen Normativen gegenübergestellt, Abweichungen nachgewiesen und analysiert sowie unter bestimmten Bedingungen das Ergebnis der Kostenstelle ermittelt. Zugleich sind für indirekte Zurechnung von Kosten auf Kostenträger Zuschlagsbasen und -sätze auszuweisen. In der Kostenträgerrechnung (3. Stufe der Kostenrechnung) werden die Kosten den hergestellten Erzeugnissen und Leistungen (Kostenträger 1) zugerechnet, durch Gegenüberstellung von Selbstkosten und Erlösen das Ergebnis nach Kostenträgern ermittelt und die Einhaltung kostenträgerbezogener Vorgaben und Normative kontrolliert. Die Kostenrechnung ist ein wichtiges Leitungsinstrument zur sozialistischen Rationalisierung des Reproduktionsprozesses und zur Durchsetzung des sozialistischen Sparsamkeitsregimes. Ihre Informationen werden vor allem genutzt, um zielgerichtet das Verhältnis von Aufwand und Ergebnis der wirtschaftlichen Tätigkeit zu verbessern, Reserven zur Intensivierung der gesellschaftlichen Produktion zu erschließen, die Kosten insbesondere durch Rationalisierungsmaßnahmen planmäßig zu senken, die innerbetriebliche wirtschaftliche Rechnungsführung durchzusetzen sowie Unterlagen für die Planung und Preisbildung zu schaffen.

Kostensatz: 1. Quotient aus den betrieblichen Kosten und der zu Preisen bewerteten betrieblichen Leistung (in Industrie und Bauwesen Warenproduktion zu Betriebspreisen; im Handel Handelserlöse; in der Landwirtschaft Bruttoumsatz). Der Kostensatz ist ein wichtiger Gradmesser für die Effektivität der wirtschaftlichen Tätigkeit des Betriebes.

2. normierte Aufwandsgröße in Mark je Leistungseinheit beziehungsweise Maßnahme, die der Finanzierung sozialer und kultureller Einrichtungen zugrunde gelegt wird.

Kostenstelle: örtlich und beziehungsweise oder funktionell abgegrenzter Bereich innerhalb des Betriebes, in dem Kosten entstehen und der die organisatorische Grundlage der Kostenstellenrechnung ist. Die Gliederung nach Kostenstellen folgt weitgehend der technologischen und Leitungsstruktur des Betriebes und stimmt grundsätzlich mit den festgelegten innerbetrieblichen Verantwortungsbereichen überein.

Kostenträger: 1. Erzeugnisse oder Leistungen eines Betriebes, denen die bei ihrer Herstellung verursachten Kosten zugerechnet werden.

2. das für die Finanzierung staatlicher Aufgaben zuständige Verwaltungsorgan.

Kostpreis: als Bestandteil des Produktionspreises der Wertteil der kapitalistisch produzierten Ware, der die gesellschaftlich notwendigen Kosten für Lohn, Material und Verschleiß darstellt. Die Differenz zwischen Produktionspreis und Kostpreis bildet den Profit.

Kostroma: 1. Kostroma: linker Nebenfluss der oberen Wolga, im europäischen Teil der RSFSR; 345 km; ab Buj schiffbar; kurz vor der Mündung zum Kostroma Stausee aufgestaut.

2. Stadt (Gebietszentrum) in der RSFSR am Oberlauf der Wolga; 265000 Einwohner; altes Textilindustriezentrum mit weltgrößtem Leinenkombinat; Maschinenbau, Holzverarbeitung; Hafen; 3 Hochschulen; Theater, Museen; in der Altstadt Klöster und Kirchen des 16. bis 18. Jahrhundert; südwestlich, in Wolgoretschensk, Kostromaer Wärmekraftwerk (Erdgasbasis; zur Zeit 1200, nach Endausbau 4800 MW), am Stadtrand Viehzuchtinstitut für hochleistungsfähige Milchrinder (Kostroma Rinder).

Kostüm: 1. die durch geographische Lage, Klima, Lebensweise, gesellschaftliche Verhältnisse und so weiter bestimmte mod. Bekleidung der herrschenden Klasse eines Landes im Unterschied zur Tracht und zur Volkstracht.

2. in der Damenkleidung Rock und Jacke aus gleichem Stoff.

3. Maskenkleidung.

4. nach historischem Vorbild gestaltete Kleidung in der darstellenden Kunst.

Kostumbrismus: literarische Richtung in Spanien und Lateinamerika im 19. Jahrhundert; besonders in der erzählenden Prosa, die, regional begrenzt, eine realistische Darstellungsweise in kurzen Szenen und Skizzen anstrebte; kennzeichnend sind Sittenbilder ländliche und kleinstädtische Zustände mit moralisierender Tendenz.

Kosyk, Mato, Matthäus Kossick, 18.6.1853 bis 22.11.1940, sorbischer Lyriker und Epiker; Klassiker der niedersorbischen Literatur; schuf mit der Idylle «Sorbische Hochzeit im Spreewald» (1880) ein farbiges Bild sorbischer Bauernlebens; wandte sich in zahlreichen Dichtungen unter anderem gegen die Unterdrückung der Sorben; emigrierte 1883 in die USA (Emigrations- und Indianerthematik).

Koszalin: 1. Wojewodschaft im Nordwesten Polens, an der mittleren Ostseeküste; 8470 km2; 465000 Einwohner; 55 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Koszalin 2; im Norden Küstenniederung, im mittleren und südlichen Teil seenreiches Moränengebiet der Pojezierze Pomorskie; ein Drittel der Fläche waldbedeckt. Agrargebiet mit Ackerbau und Viehzucht; vorherrschende Industriezweige sind Holz-, Fleisch- und Fischverarbeitung; Fischerei; Erholungsgebiete an der Ostseeküste und an Binnenseen.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Koszalin 1; 95000 Einwohner; Maschinenbau, elektronische, Lebensmittel-, Textil-, Holzindustrie; Flughafen; Ingenieurhochschule; Theater, Museen; Marienkirche (1300/33).

Kot, Fäkalien: Darmausscheidung; enthält unverdauliche Nahrungsreste und unbrauchbare Verdauungsprodukte, eingedickte Abfallstoffe des Darmes (zum Beispiel Epithelzellen), Abscheidungen der Verdauungsdrüsen sowie Darmbakterien.

Kot, Jozef, geboren 1.9.1936, slowakischer Schriftsteller; bevorzugt in seinen Erzählungen (deutsch Auswahl «Fieber und andere Erzählungen», 1976) zeitgenössische Themen; sucht, oft in grotesker Zuspitzung, die Verantwortung des Individuums in der sozialistischen Gesellschaft zu ergründen.

Kotau: abwertend demütige, tiefe Verbeugung, Unterwürfigkeitsbezeugung.

Kotelett, Carbonade: scheibenweise (meist paniert) zum Kurzbraten geeignetes Rippenstück vom Schwein, Kalb oder Hammel.

Kotfresser, Koprophagen: Tiere, die sich von Kot ernähren; zum Beispiel Mistkäfer.

Kothurn: weicher, vom schnürbarer altgriechischer Schaftstiefel, in der antiken Tragödie von Schauspielern mit erhöhter Sohle getragen; im römischem Theater wurden die Kothurns zu kleinen Stelzen; später allgemeines Sinnbild der Tragödie.

Kotillon: (französisch, ursprünglich «Unterrock») beliebter Gesellschaftstanz um 1860, figurenreiche Mischung von Walzer und Polka, Rundtanz und Kontertanz, später Tanzspiel.

Kotka: Stadt im Süden Finnlands, Verwaltungszentrum der Provinz Kymen, an der Mündung des Kymijoki in den Finn. Meerbusen, auf einer Insel; 60000 Einwohner; Zentrum der finnischen Holz-, Zellulose-, Papierindustrie; bedeutender Ausfuhrhafen (besonders für Holzprodukte).

Kötlum, Jónasson úr, 4.11.1899-27.4.1972, isländischer Schriftsteller; entwickelte sich vom patriotisch-romantischen zum herausragenden sozialistisch-realistischen Lyriker; veröffentlichte auch Nachdichtungen, Romane, Kindergeschichten, Übersetzungen und literarischer Essays.

Kotoku, Denjiro, 4.11.1871-24.1.1911, japanischer Politiker; Gründungsmitglied der Sozialdemokratischen Partei (1901); schuf die erste japanische Übersetzung des kommunistischen Manifests von Kotoku Marx (1904). 1905 Hinwendung zum Anarchismus, wurde unter dem Vorwand eines Attentatsplanes auf den Kaiser hingerichtet.

kotonisieren: Bastfaserbündel chemisch aufbereiten und zu verspinnbaren Fasern auflösen.

Kotor, italienisch Cattaro: Stadt in Montenegro, an der tief eingeschnittenen Kotor-Bucht (Adria); 6200 Einwohner; Hochseehafen; chemischen, Kugellager-, Möbelfabrik; nautisches Museum; Altstadt 1979 durch Erdbeben fast völlig zerstört. 116 vor Christus römisch; im Mittelalter Stadtstaat unter byzantinischer beziehungsweise serbische Kontrolle; 1420/1797 zu Venedig, 1814 zu Österreich; in der österreichisch-ungarischen Flotte Aufstand der Matrosen von Cattaro (1./3.2.1918) gegen den imperialistischen Krieg (Schauspiel von F. Wolf: «Die Matrosen von Cattaro»). Kotor gehört seit 1918 zu Jugoslawien.

Kotsassen: abhängige Kleinbauern oder Gärtner im Gebiet der ostelbischen Gutsherrschaft (16./18. Jahrhundert), die Frondienste leisten mussten.

Kotscherga, Iwan, 6.10.1881-29.12.1952, ukrainisch-sowjetischer Dramatiker; gestaltete vor allem historische Stoffe, vornehmlich aus der ukrainischen Geschichte («Die Hochzeit des Switschka», 1931; «Jaroslaw der Weise», 1946). Zum Erfolgsstück wurde die Komödie «Der Uhrmacher und das Huhn» (1934, deutsch).

Kotzebue: 1. August Kotzebue, 3.5.1761-23.3.1819, Schriftsteller; verfasste über 200 Unterhaltungsstücke (Lustspiel «Die deutschen Kleinstädter», 1803); wurde, wegen seiner reaktionären politischen Haltung als Spitzel verdächtigt, von dem Burschenschafter Kotzebue Sand ermordet.

2. Otto von Kotzebue, 30.12.1787-15.2.1846, russischer Seefahrer; Sohn von Kotzebue 1; forschte auf 3 Erdumseglungen (1803/06 unter I. F. Krusenstern; 1815/18, begleitet von A. von Chamisso; 1823/26) besonders im Stillen Ozean.

Kourouma, Ahmadou, geboren 1927, Schriftsteller und Mathematiker der Elfenbeinküste; bedeutender französischsprachiger Romancier («Der Fürst von Horodougou», 1968, deutsch), der in eleganter Sprache einfühlsam und differenziert den Untergang der alten Aristokratie beschreibt.

Kovar: Handelsbezeichnung für eine Eisen-Nickel-Kobalt-Legierung mit dem gleichen Wärmeausdehnungskoeffizienten wie Glas und Platin; verwendet für Einschmelzungen in Hartglas.

Kovarianz: 1. Physik: Invarianz.

2. mathematische Statistik: Korrelationsanalyse.

Kovolumen: Volumen, das die Moleküle eines Mols Gas einnehmen würden, wenn sie in der dichtest möglichen Packung beieinander lägen; hängt mit der Volumenkorrektur b in der van-der Waalsschen Zustandsgleichung zusammen.

Kowalewskaja, Sofja Wassiljewna, 15.1.1850 bis 10.2.1891, russische Mathematikerin; wirkte in Stockholm als erste Professorin für Mathematik in Europa; arbeitete über partielle Differentialgleichungen, über die Theorie des Kreisels und zur Kinematik.

Kowalewski, Wladimir Onufrijewitsch, 14.8.1842-28.4.1883, russischer Paläontologe; leistete grundlegende Forschungen zur Entwicklung der Extremitäten und des Gebisses der Huftiere sowie zur Stratigraphie und Paläontologie von Jura und Kreide.

Kowaljow-Studie: von dem sowjetischen Textilingenieur Fjodor Lukitsch Kowaljow (1909-1973) 1950 entwickeltes Verfahren zur Erarbeitung einer optimalen Arbeitsmethode. Die Kowaljow-Studie umfasst das detaillierte Untersuchen und Beschreiben der Arbeitsweise und Arbeitsmethoden, der Arbeitszeitausnutzung, der Arbeitsplatzgestaltung, des Bewegungsvollzuges, der technischen Ausstattung und organisatorischen Gestaltung des Arbeitsplatzes der Aktivisten, Bestarbeiter und Neuerer, das Herausfinden der besten Elemente aus den einzelnen Arbeitsvollzugsarten unter Beachtung ökonomische und arbeitsschutztechnische Kriterien, das Zusammensetzen dieser Elemente zu einer neuen, rationelleren Arbeitsmethode und deren Verallgemeinerung und Einführung bei allen gleichartigen Arbeiten.

Kra, Isthmus von: Landenge auf der Halbinsel Malakka in Hinterindien; 40 bis 50 km breit, bis 75 m hoch; von dichtem, immergrünem tropischen Regenwald bedeckt.

Kraal, Kral: 1. kreisförmiges, durch Domverhau oder Astgestrüpp geschütztes Dorf oder Einzelgehöft südafrikanischer Völker.

2. umzäunter Viehhof.

Krabbe: (niederdeutsch, zu «Krebs») Kriechblume: vegetabilische gotische Zierform an Giebeln, Fialen, Turmhelmen, die an schrägen Kanten in Reihung empore kriecht und meist in einer Kreuzblume endet.

Krabben: (zu «Krepp») Behandeln von Wollgeweben in kochendem Wasser unter Druck, um sie weitgehend schrumpffrei zu machen.

Krabben, Brachyura: Gruppe mariner Zehnfußkrebse mit 4450 Arten; Körper rund, drei- oder viereckig, mit verkümmertem Hinterleib und einem Paar Scheren; meist schlechte Schwimmer, aber gute Läufer und Kletterer. Siehe auch Taschenkrebs, Wollhandkrabbe.

Krabbenfresser, Lobodon carcinophagus: bis 2,60 m lange Hundsrobbe, oberseits silbergraubraun mit braunen Flecken, im Sommer einheitlich gelblichweiß («White Seal»); ernährt sich fast ausschließlich von Kleinkrebsen, dem sogenannt Krill; lebt gesellig im Packeis antarktischer Meere.

Krabbenspinnen, Thomisidae: Spinnenfamilie mit über 1600 Arten; 1 bis 2 cm lang; auf allen Kontinenten verbreitet; Beine extrem seitlich gestellt; laufen geschickt seitlich wie Krabben; halten sich bevorzugt auf Blüten auf und weben keine Fangnetze.

Krafft, Adam, um 1460-1508/09, Bildhauer; tätig in Nürnberg. Von der Spätgotik ausgehend, wandte er sich zunehmend Formengut der Renaissance zu. Seine sämtlich in Nürnberg befindliche Hauptwerke sind; Sakramentshaus in St. Lorenz, Relief der Stadtwaage, Kreuzwegstationen sowie zahlreiche Epitaphien.

Kraft: Ursache für die Änderung des Bewegungszustandes freier beziehungsweise die Deformation festgehaltener Körper; Zeichen F, SI-Einheit Newton (N). Die Kraft ist ein Vektor: 2 an einem Massenpunkt angreifende Kräfte F, und F2 sind der Kraft F gleichwertig, die sich durch Vektoraddition als F = Fi + F2 ergibt (Kräfteparallelogramm). Umgekehrt kann jede Kraft in 2 Komponenten zerlegt werden (Parallelogrammsatz), zum Beispiel bei krummliniger Bewegung in eine Komponente normal und eine tangential zur Bahnkurve (Normal- und Tangentialkraft). 2 gleichgroße, aber entgegengesetzt gerichtete Kräfte F und F, deren Angriffslinien den Abstand a haben, bilden ein Kräftepaar, das auf den Körper ein Kraftmoment M vom Betrag aF ausübt; M steht senkrecht auf dem Kräftepaar. Beliebig viele an einem starren Körper angreifende Kräfte können stets durch eine Einzelkraft und ein Kräftepaar ersetzt werden. Bei konservativen Kräften bleibt die Summe aus potentieller und kinetischer Energie während der Bewegung konstant; bei dissipativen Kräften, zum Beispiel der Reibungskraft, nimmt sie ab, da ein Teil der Energie in Wärmeenergie umgewandelt wird. Scheinkräfte treten nur in beschleunigten Bezugssystemen auf, zum Beispiel Coriolis-Kraft oder Zentrifugalkraft. Wird ein Massenpunkt oder ein Körper durch als starr idealisierte technische Vorrichtungen (Stange, Schiene, Achse, geneigte Ebene) daran gehindert, den eingeprägten Kräften (zum Beispiel der Gravitationskraft) zu folgen, treten zusätzlich Zwangskräfte auf. Nach ihrem Ursprung lassen sich die Kräfte zurückfuhren auf die Gravitation, die elektromagnetische, die starke und die schwache Wechselwirkung der Materie. Die bei der Gravitation wirkende Kraft hat eine große Reichweite und spielt in der Astronomie und Kosmologie eine überragende Rolle. Die elektromagnetischen Kräfte, insbesondere die Coulombkraft (Coulombsches Gesetz), sind in Verbindung mit der Quantentheorie von grundlegender Bedeutung für die Struktur der Materie; sie erklären den Aufbau der Atomhülle, die chemische Bindung sowie die Eigenschaften der aus vielen Atomen und Molekülen zusammengesetzten Gase, Flüssigkeiten und Festkörper. Die starke Wechselwirkung bestimmt die Kräfte zwischen den Hadronen und bewirkt die Bindung von Protonen und Neutronen im Atomkern. Die schwache Wechselwirkung spielt zum Beispiel beim radioaktiven Betazerfall der Atomkerne eine Rolle. Die Übertragung der Kraftwirkung durch den Raum von einem Körper zum anderen geschieht durch ein Feld, das sogenannt Kraftfeld.

Kraft, Ruth, geboren 3.2.1920, Schriftstellerin; begann mit Kinderbüchern und -hörspielen, schreibt vor allem Romane («Insel ohne Leuchtfeuer), 1959; «Gestundete Liebe», 1970; «Solo für Martina», 1978; «Unruhiger Sommer», 1980).

Kräfteverhältnis: Verhältnis der durch ökonomische, politische, soziale, militärische und andere Faktoren bestimmten Potentiale von Klassen und Staaten. Die reale Einschätzung des Kräfteverhältnisses sowohl zwischen gegensätzlichen Klassen innerhalb eines Landes als auch im internationalen Maßstab (internationales Kräfteverhältnis) ist entscheidende Grundlage für die Ausarbeitung der Strategie und Taktik der marxistisch-leninistischen Parteien. In der Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus verändert sich das internationale Kräfteverhältnis schrittweise zugunsten der Kräfte des Sozialismus, des Friedens und der nationalen Befreiung. Auf dem Wege zur weiteren Durchsetzung der friedlichen Koexistenz von Staaten unterschiede Gesellschaftsordnung sind die Aufrechterhaltung des von der Sowjetunion und ihren Verbündeten unter großen Opfern errungenen annähernden militärstrategischen Gleichgewichts zwischen dem Warschauer Vertrag und der NÄTO, der Aufbau der entwickelten sozialistische Gesellschaft in den Ländern der sozialistischen Gemeinschaft sowie die kommunistische Weltbewegung eine bedeutende historische Errungenschaft und ein erstrangiger friedenssichernder Faktor.

Kraftfahrversicherung: Sammelbezeichnung für Versicherungsformen zum finanziellen Ausgleich von Schäden aus dem Betreiben und Halten von Kraftfahrzeugen. Die Kraftfahrversicherung umfasst die Kraftfahr-Haftpflichtversicherung, die Kraftfahrzeug-Kasko- und Gepäckversicherung sowie die Unfallversicherung für Insassen von Kraftfahrzeugen.

Kraftfahrzeug, Abkürzung Kfz, KFZ: Sammelbegriff für zwei-, drei-, vier- oder mehrrädrige, maschinell angetriebene, nicht schienengebundene Straßenfahrzeuge. Kraftfahrzeuge werden zum Befördern von Personen und Gütern sowie als Zugfahrzeuge für Anhänger und Arbeitsgeräte verwendet. Zum Betrieb des Kraftfahrzeugs ist eine Zulassung erforderlich. Wichtigste Gesetze für den Verkehr mit Kraftfahrzeug in der DDR sind die Straßenverkehrsordnung und die Straßenverkehrszulassungsordnung.

Kraftfahrzeugbrief: bei der Zulassung eines Kfz ausgestellte Urkunde mit Angaben zum Fahrzeug (Fabrikat, Typ, Baujahr unter anderem), Eigentümer und Kennzeichen.

Kraftfahrzeugelektrik: Gesamtheit der für den Betrieb eines Kfz erfordert, elektrische Anlagen (Anlasser, Zündspule, Verteiler, Zündkerzen, Scheinwerfer, Signalleuchten, Hupe, Kabel unter anderem). Die Energie wird einer Batterie (Spannung 6, 12 oder 24 V) entnommen, die während der Fahrt durch die Lichtmaschine aufgeladen wird.

Kraftfahrzeugelektronik: Sammelbegriff für die im Kfz-Bau verwendeten mikroelektronische Bauteile (Schaltkreise, Mikroprozessoren, Sensoren) zum Beispiel zur optimalen Steuerung von Zündung, Kraftstoffverbrauch, Schadstoffemission und zur Verschleiß- oder Ausfallanzeige wichtiger Aggregate.

Kraftheber: vorwiegend ölhydraulisch betriebene Hubeinrichtung für Anbaugeräte des Traktors.

Kraftmaschine: Maschine, die eine in der Natur vorkommende Energieform zur technischen Verwertung in mechanischer Energie umwandelt (Dampfmaschine, -turbine, Verbrennungsmotor unter anderem).

Kraftmoment, Drehmoment: das auf einen festen Punkt 0 bezogene Moment M der an einem Massenpunkt P mit dem Ortsvektor r = OP angreifenden Kraft F, das ist das Vektorprodukt M = r x F\ sein Betrag ist aF, wobei a der senkrechte Abstand der Wirkungslinie der Kraft vom Bezugspunkt 0 ist. SI-Einheit Newtonmeter (N m).

Kraftpost: Transporteinrichtung zur Beförderung von Postsendungen und Personen mit Kraftfahrzeugen. Bei der Deutschen Post werden Landkraftpost innerhalb eines Hauptpostamtsbereiches sowie Kraftgüterposten in Ergänzung des Eisenbahntransports zur ausschließlichen Beförderung von Postsendungen unterschieden.

Kraftrad, Kurzwort Krad, Motorrad: ein- oder zweisitziges zweirädriges Straßen- (in Sonderausführung auch Gelände-, Sport- oder Renn-) Fahrzeug mit überwiegend fahrtwindgekühltem Otto- (meist Zweitakt-) Motor; Hubvolumen beim Klein-K bis 50 cm3, sonst 100 bis 500, auch 750, in Ausnahmen bis 1000 cm3. Krafträder bis 250 cm3 Hubvolumen haben meist Einzylinder-, Krafträder über 250 cm3 Hubvolumen auch Zweizylindermotoren. Die Kraftübertragung erfolgt durch gekapselte Rollenkette, seltener durch Gelenkwelle mit Ritzel, auf das Hinterrad. Die Bedienungshebel für Motor, Handbremse, Kupplung und Signalanlage befinden sich am Lenker, die Gänge werden meist durch Fußhebel geschaltet. Siehe auch Kleinkraftrad, MZ.

Kraftschluss: Übertragungs- oder Verbindungsart zweier Maschinenelemente auf Grund der zwischen beiden Teilen herrschenden Ruhereibung, die von den wirkenden Kräften abhängt, zum Beispiel bei der Leistungsübertragung durch Flach- oder Keilriemen. Kraftschluss ist bei Fahrzeugen das Zusammenwirken aller Einflussgroßen zwischen Fahrzeugrädern und Fahrbahn. Beim Kfz erfolgt der Kraftschluss hauptsächlich durch Verzahnung des Reifenprofils der Aufstandsfläche mit der Fahrbahn. Der Kraftschluss ist weitgehend abhängig vom Zustand der Bereifung und der Fahrbahn sowie von der Fahrgeschwindigkeit.

Kraftsport, Kulturistik, Körperkulturistik. Sportart zur Entwicklung eines möglichst vollkommenen Muskelreliefs des menschlichen Körpers mittels dynamische und statische Übungen, meist unter Belastung. Wettkampfübungen der in der DDR in Körpergrößen- und Altersklassen ausgetragenen mehrkampfähnliche Wettbewerbe mit Punktwertung sind Bankdrücken (Drücken einer Hantel aus der Rückenlage), Kniebeugen, Weitsprung aus dem Stand, Klimmziehen und Körperbewertung. Posenvorträge sind bestimmte Körperhaltungen zur Darstellung des Muskelaufbaus.

Kraftstoff, Treibstoff: fester, flüssiger oder gasförmiger brennbarer Stoff, dessen chemische Energie im Verbrennungsmotor teilweise in mechanischer Energie umgesetzt werden kann, zum Beispiel Diesel-, Düsen-, Turbinen-, Vergaser-K und Treibgas.

Kraftstoffpumpe: Einrichtung, die dem Vergaser beziehungsweise der Einspritzpumpe Kraftstoff zuführt.

Kraftstoß: in der Mechanik der von einer Kraft F während der kurzen Zeitdauer At, zum Beispiel bei einem Stoß, übertragene Impuls Ap = FAt.

Kraftverkehr: 1. Ortsveränderung von Personen und Gütern mit Kraftfahrzeugen.

2. Zweig des Transportwesens mit der Aufgabe, den Transportbedarf der Volkswirtschaft und der individuellen Konsumenten durch Transporte auf der Straße mit zu decken.

Kraftwagen, Automobil, Kurzwort Auto: nicht schienengebundenes vier- oder mehrrädriges Straßenfahrzeug, meist durch Verbrennungsmotor (Otto- oder Dieselmotor), seltener durch Elektrogyro, Hybridmotor angetrieben. Nach Zweck und Bauart unterscheidet man Personenkraftwagen, Autobus, Gyrobus und O-Bus für Personenbeförderung sowie Lastkraftwagen für den Güterverkehr. Zu den Sonderfahrzeugen zählen zum Beispiel Rennwagen, Löschfahrzeuge und Autokran.

Hauptbestandteile des Kraftwagens sind bei Normalbauweise Fahrgestell und Karosserie. Zur Ausstattung des Kraftwagen gehören Motor, Zündanlage, Kraftstoffbehälter, Vergaser, elektrischer Anlasser, Lichtmaschine, Batterie, Kühl-, Schmier-, Lenksystem sowie die Beleuchtungs- und Signalanlage.

Kraft-Wärme-Kopplung, Wärme-Kraft-Kopplung: die in Reihenschaltung vorgenommene Kopplung von Stromerzeugungsanlagen und Wärmeversorgungsnetzen, wodurch Dampf beziehungsweise Abdampf von Dampfturbinen beziehungsweise -maschinen noch für Heizzwecke nutzbar gemacht werden. Die Kraft-Wärme-Kopplung gestattet eine wesentlich bessere Ausnutzung des Brennstoffes, als dies bei der Stromerzeugung im Kondensations- beziehungsweise Auspuffbetrieb bei Dampfkraftanlagen möglich ist, da die Kondensationswärme des Dampfes nicht an die Umgebung verlorengeht. Siehe auch Fernwärmeversorgung.

Kraftwerk, veraltet Elektrizitätswerk: Elektroenergieerzeugungsanlage zur Umwandlung von Primärenergie in Elektroenergie. Fast der gesamte Bedarf an Elektroenergie wird durch Kraftwerk gedeckt. Unterschieden werden nach Energieträgern Wärmekraftwerk, Wasserkraftwerk und klimatologisches Kraftwerk; nach Einsatzdauer Grundlastkraftwerk und Speicherkraftwerk (Spitzenkraftwerk). Im Wärmekraftwerk wird die Wärmeenergie aus Kohle, Öl, Erdgas oder Kernspaltstoffen gewonnen oder ein natürliches Wärmegefälle ausgenutzt und über mechanische Energie in Generatoren in elektrischer Energie umgewandelt (indirekte Energieumwandlung), im Dampfkraftwerk nach Dampferzeugung mittels Dampfturbinen und Turbogeneratoren. Die Restwärme wird beim Heizkraftwerk zur Wärmeversorgung genutzt. Bei schnell betriebsbereitem Dieselkraftwerk treiben Dieselmotoren Schenkelpolsynchrongeneratoren an. Im Gasturbinenkraftwerk arbeiten Gasturbinensätze im offenen oder geschlossenen Prozess, wobei eine Kombination mit Dampfanlagen günstig ist. Im Kernkraftwerk wird die bei Kernreaktionen entstandene Wärmeenergie Dampferzeugern zugeführt. Wasserkraftwerke nutzen die Energie des natürlichen Wasserkreislaufes zum Antrieb von Wasserturbinen und Wasserkraftgeneratoren. Unterschieden werden

a) nach Wasserverwertung Laufwasserkraftwerk und Speicherwasserkraftwerk;

b) nach Fallhöhe Talsperrenkraftwerk (Hochdruckkraftwerk, Kavernenkraftwerk) und Flusswasserkraftwerk (Niederdruckkraftwerk). Klimatologische Kraftwerke sind an besondere klimatische Bedingungen gebunden und bis auf Ausnahmen bisher nur für kleinere Leistungen gebaut worden. Als Wärme- oder Wasserkraftwerk ausgeführte Großkraftwerk (Überlandzentralen) liefern als Grundlastkraftwerk ständig gleichbleibende Leistungen, die Belastungsspitzen decken Speicherkraftwerk, auch Spitzenkraftwerk genannt (Dieselkraftwerk, Gasturbinenkraftwerk, Speicherwasserkraftwerk). Zu den letztgenannten gehören die Pumpspeicherkraftwerke.

Kragenbär, Selenarctos tibetanus: schwarzer Bär mit V-förmigem, weißliches Zeichen auf der Brust und langhaarigem Fellkragen; kommt im bewaldeten Süd- und Zentralasien vor.

Kragplatte: (mittelhochdeutsch krage, «Hals») einseitig eingespannte, frei ausladende massive Platte aus Naturstein oder Beton, zum Beispiel Balkonplatte.

Krähen, Corvus: Gattung der Rabenvögel mit kräftigem Schnabel; weltweit verbreitet; in Kolonien auf Bäumen brütet die violett schillernde Saatkrähen (Corvus frugilegus) mit nacktem weißem Schnabelgrund, sie ernährt sich vorwiegend von schädlichen Feldinsekten; die Aaskrähen (Corvus corone) ernährt sich von kleinen Säugetieren, Jungtieren, Vogeleiern u. ä. Östlich der Elbe ist sie grauschwarz gefärbt (Nebelkrähen, Corvus corvus cornix), westlich der Elbe ist sie einfarbig schwarz (Rabenkrähen, Corvus corvus corone).

Krähennest: nestartiger Ausguckstand am Schiffsmast; oft fälschlich für Mastkorb.

Krähwinkel: von A. Kotzebue erfundener Ortsname; gilt als Synonym für eine spießige Kleinstadtatmosphäre.

Krain, Krajina (serbokroatisch, «Grenzland») Landesteil Sloweniens mit der slowenischen Hauptstadt Ljubljana; umfasst das fruchtbare Becken von Ljubljana und dessen Randgebirge, im Nordwesten die Jul. Alpen, im Nordosten die Steiner Alpen, im Süden und Südosten die öden Hochflächen des höhlenreichen Karsts; Bergbau (Braunkohle, Eisen-, Blei-, Quecksilbererz); Fahrzeug-, Metallwaren-, Elektroindustrie; Getreide-, Obst-, Weinbau; Wintersport- und Erholungsgebiete (Fremdenverkehr).

Krakelee, Craquelée: Glasur mit einem Netz feiner, meist farbig getönter Risse zur Dekoration keramischer Erzeugnisse.

Kraken, Octopoda: achtarmige Kopffüßer mit kurzem sackförmigem Körper und 8 sehr bewegliche, meist gleichlangen Armen, deren Saugnäpfe bis 4 cm Durchmesser erreichen; weltweit verbreitete marine Grundbewohner.

Krakow, Krakau: 1. Stadtwojewodschaft im Süden Polens; 3255 km2, 1,2 Millionen Einwohner; 369 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Krakow 2\ im Norden Hügelland der Wyzyna Krakowsko-Czçstochowska (Kalksteinfelsen), das nach Süden zu dem von der oberen Wisla durchflossenen Westteil des Kessels von Sandomierz abfällt, im Süden Karpatenvorland. Drittgrößtes polnisches Industriegebiet mit Eisen- und Leichtmetallurgie, Maschinenbau, Metallverarbeitung, Elektroenergieerzeugung, Baustoff-, chemische, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie sowie Bergbau (Erdöl, -gas, Steinsalz). Intensive Landwirtschaft mit Weizen-, Zuckerrüben-, Gemüse- und Tabakanbau, Obstbau und Viehzucht.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Krakow 1, an der Wisla; 720000 Einwohner; Wirtschafts- und nach Warschau zweitwichtigstes polnisches Wissenschafts- und Kulturzentrum; Eisenhüttenkombinat «Lenin» (1950/55 entstanden) im Stadtteil Nowa Huta (220000 Einwohner); Maschinenbau, Hütten-, Metall-, chemische, pharmazeutische, Baustoff-, polygraphische, Textil- und Bekleidungs-, Leder- sowie Lebensmittelindustrie; Fluss- und Flughafen; Jagiellonen-Universität (seit 1364), Akademien (Bergbau und Hüttenwesen, Medizin, Kunst), 11 Hochschulen, wissenschaftliche Institute; Theater, Philharmonie, Museen, Jagiellonen-Bibliothek; Zentrum des Tourismus. Eine der schönsten und größten polnischen Städte, deren mittelalterliche bis barocke Bausubstanz erhalten ist: Bürgerhäuser und Stadtbefestigung (Barbakane am Florianstor, 1498); auf dem Wawel: Schloss (vor allem Renaissance), gotischer Dom (1320/64; spätgotische und Renaissanceausstattung); Marienkirche (14./15. Jahrhundert, Hochaltar von V. Stoß, 1477/89); Tuchhalle (1556/60); zahlreiche weitere Kirchen; Collegium Maius der Universität. Im 8./9. Jahrhundert slawische Wehrburg; 1257 Stadtrecht; vom 11. Jahrhundert bis 1596 Hauptstadt Polens und 1320/1764 Krönungsstadt der polnischen Könige; 14./16. Jahrhundert Hansestadt. Seit Ende des 16. Jahrhundert büßte Krakow allmählich seine politische und wirtschaftliche Bedeutung ein; nach der 3. Teilung Polens (1795) an Österreich; 1809 zum Großherzogtum Warschau. 1815/46 Freistaat Krakow, danach wieder von Österreich annektiert (bis 1918); 1918 wieder zu Polen; November 1923 bewaffneter Aufstand des Proletariats; 1939/45 von faschistischen deutschen Truppen besetzt.

Krakowiak: (nach Krakow) polnischer variantenreicher Nationaltanz im 2/4-Takt, beginnt langsam und wird immer schneller.

Kralj, jugoslawischer (slowenischer) Maler, Graphiker und Bildhauer, Brüder: France, 26.9.1895-1960, und Tone, geboren 23.8.1900. Nach Studien in Wien und Prag trugen sie mit ihrem expressiven und zeitkritischen Werk wesentlich zur realistischen slowenischen Kunst bei.

Kralle, Unguis: den Zehenenden aufsitzendes, gewölbtes, zugespitztes Horngebilde vieler Tiere; entspricht dem Huf der Huftiere und dem Nagel von Affen und Menschen.

Krallenäffchen, Callitricidae: bis 30 cm große, oft seidenhaarige Breitnasenaffen mit langem Schwanz und krallenartig verlängerten Nägeln. In den brasilianischen Urwäldern lebt das Weißpinsel- oder Weißbüscheläffchen (Callithrix jacchus); siehe auch Löwenäffchen.

Krallenfrösche, Xenopus: ausschließlich wasserbewohnende, zungenlose Froschlurche Afrikas; Hinterbeine mit Schwimmhäuten und Krallennägeln an den 3 Innenzehen.

Kramer: 1. Gustav Kramer, 11.3.1910-19.4.1959, Zoologe; arbeitete über Wachstums- und Artbildungsgesetze bei Vögeln.

2. Kramer, Stanley Kramer, geboren 29.9.1913, US-amerikanischer Filmproduzent und -regisseur; schuf vor allem Filme, mit denen er sich gegen Rassendiskriminierung und Imperialismus wendet («... und nicht als ein Fremder», «Flucht in Ketten», «Wer den Wind sät», «Urteil von Nürnberg», «Das Narrenschiff», «Das Domino-Prinzip»).

3. Theodor Kramer, 1.1.1897-3.4.1958, österreichischer Lyriker; seine volksnahen sozialkritische Reimgedichte gehören zu den Gipfelleistungen der realistischen Lyrik in der Zeit der «Neuen Sachlichkeit» («Die Gaunerzinke», 1928) und des Exils; ebenso seine klare Gedankenlyrik und anschauungsgesättigte Landschaftsdichtung.

Krämer, Ingrid, verheiratete Gulbin, geboren 29.7.1943, Olympiasiegerin im Kunst- und im Turmspringen 1960 sowie im Kunstspringen 1964, olympische Silbermedaille im Turmspringen 1964, Europameisterin im Kunst- und im Turmspringen 1962, Europapokalgewinnerin 1963 und 1967.

Krampf, Spasmus: unwillkürliche, ungeordnete Muskelkontraktionen; bei tonischem Krampf langanhaltend und stark (zum Beispiel bei Tetanus und Tetanie); bei klonischem Krampf rasch aufeinanderfolgend und kurz (zum Beispiel bei Epilepsie).

Krampfader, Varix, Varize: Venenerweiterung infolge Blutstauung bei Venenwandschwäche und minderwertigen Venenklappen, insbesondere an den Beinen.

Kran: (zu «Kranich»; PI. Krane) Maschine, mit der Lasten gehoben und in horizontaler Richtung verfahren oder geschwenkt werden können. Nach der Bauart unterscheidet man 4 Hauptarten: Brückenkran, Portalkran, Auslegerkran und Kabelkran. Der Brückenkran (frühere Bezeichnung Laufkran) ist ein brückenartiges Stahltragwerk, das quer zu seiner Längsachse auf einer hochliegenden Kranbahn verfahrbar ist und selbst in der Längsachse Schienen trägt, auf der eine Laufkatze bewegt wird. Eine Sonderform des Brückenkran ist der Hängekran, dessen Fahrbahn an der Decke oder Dachkonstruktion befestigt ist und dessen Kranträger an den Fahrwerken hängt, so dass die Laufkatze den Kranträger verlassen und auf einen parallellaufenden Kran beziehungsweise eine Anschlussbahn überfahren kann. Der Stapelkran stellt eine Kombination von Brückenkran und Gabelstapler dar und dient zum Stapeln von Paletten, Langgut u. ä. Einzelstücken in meist mit Regalen ausgerüsteten Lagergebäuden und im Freien. Hütten oder metallurgischer Kran sind Spezial-Brückenkran in Stahl-, Walz- und Hüttenwerken oder Gießereien mit besonderer Ausrüstung für jeweils eine bestimmte technologische Aufgabe. Der Portalkran hat eine Kranbrücke, die jedoch im Unterschied zum Brückenkran eigene Stützen besitzt und mit ihnen ein Portal bildet, das zu ebener Erde auf Schienen oder Luftreifen fährt. Auf der Brücke läuft eine Lauf-, Dreh- oder Greifer-Laufkatze oder ein Drehkran. Portalkran mit großer Stützweite bezeichnet man auch als Verladebrücken, solche mit kleiner Stütz-1 weite als Bockkran Sie werden für den Schüttgut-, Stückgut- und Containerumschlag auf Hafenkais, Lager- und Montageplätzen, Schiffswerften (hier bis 1000 t Tragfähigkeit) und so weiter verwendet. Der Auslegerkran weist einen starren oder neigbaren, an seinem Oberbau befestigten Ausleger, an dem die Last hängt, auf. Ist dieser mit dem Oberbau gemeinsam um eine vertikale Achse drehbar, bezeichnet man den Kran als Drehkran. Der Ausleger bewegt normalerweise die Last auf einer Kreisbahn, der Wippdrehkran durch besondere kinematische Gestaltung des Ausleger- und Seilsystems dagegen auf einer Horizontalen. Wippdrehkran werden vor allem als Hafenkran auf Werften u. ä. eingesetzt. Der Turmdrehkran hat einen hohen, turmartigen Oberbau und einen weit oben angelenkten Ausleger. Wanddrehkran haben eine ortsfest am Boden und an der Wand gelagerte drehbare Säule mit einem Ausleger, der starr ist und oft von einer Laufkatze befahren wird oder eine feste Auslegerrolle hat. Mit einem Fahrwerk ausgerüstet, bezeichnet man sie als Konsoldrehkran beziehungsweise Konsollaufkran bei nicht drehbarem Ausleger. Der Derrickkran (Kurzwort Derrick) ist ein überwiegend ortsfester Kran, der im Hochbau, bei der Montage von Tagebau- u. a. Großgeräten verwendet wird. Er besteht im Allgemeinen aus einem senkrechten, mit Drahtseilen abgespannten, festen oder drehbaren Mast und einem am Fußende des Mastes gelagerten beweglichen Ausleger, der heb- und senkbar oder auch schwenkbar ist. Autokran oder Autodrehkran (Abkürzung ABK) und Mobildrehkran (Abkürzung MDK) bestehen aus einem zwei- bis achtachsigen LKW oder Spezialfahrgestell sowie einem damit verbundenen drehbaren Oberwagen mit Ausleger. Der Eisenbahndrehkran hat als Unterbau einen Spezialeisenbahnwagen. Er kann im Zugverband bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h mitfahren und wird für Montagearbeiten sowie zum Umschlag großer Lasten (Tragfähigkeit bis zu 2501) verwendet. Schwimmkran bestehen aus einem rechteckigen flachen Ponton und einem darauf gelagerten Dreh- oder Wippdrehkran. Der Kabelkran wird auf ausgedehnten Arbeitsplätzen eingesetzt, wie in Steinbrüchen, beim Bau von Talsperren. Er weist 2 feste oder verfahrbare Türme beziehungsweise Maschinenwagen auf, die beiderseits des Arbeitsfeldes angeordnet sind. Zwischen den Türmen sind ein oder (parallel zueinander) mehrere Tragseile (Fahrseile) gespannt, auf denen Laufkatzen mit Hilfe eines Fahrseils verfahren werden können. Als Brückenkabelkran beziehungsweise Portalkabelkran bezeichnet man einen Brücken- beziehungsweise Portalkran, unter dessen Brücke ein Tragseil für eine Laufkatze gespannt ist.

Krängen, Überlegen: Seitwärtsneigen des Schiffes infolge Seegangs, Winddrucks, schlecht gestauter Ladung u. ä.

kranial: Anatomie schädelwärts, in Richtung der oberen Körperhälfte liegend.

Kraniche, Gruidae: in Sumpfgebieten oder Steppen lebende Vögel mit langem Hals und langen Beinen; im nördlichen Eurasien der 1,20 m hohe Graue Kraniche (Grus grus) mit 2,40 m Flügelspannweite; in Afrika südlich der Sahara lebt der Kronenkraniche (Balearica pavonina).

Kraniologie, Schädelkunde: Lehre vom Bau und der Entwicklung des menschlichen und tierischen Schädels, die sich insbesondere mit Messungen (Kraniometrie) und Merkmalsbeschreibung (Kranioskopie) befasst.

Krankenhaus: Einrichtung im stationären Bereich der medizinischen Betreuung. Das Krankenhaus verfügt auch über ambulante Betreuungskapazitäten (Poliklinik, Ambulatorium, Ambulanz am Krankenhaus). Die Krankenhäuser sind Zentren der medizinischen Betreuung sowie Aus-, Weiter- und Fortbildungsstätten im Territorium. Das Profil des Krankenhauses wird durch die ihm zugeordnete Funktion im Territorium, die vorhandenen Fachdisziplinen und den Spezialisierungsgrad der medizinischen Aufgabenstellung bestimmt.

Krankenpflege: die dem Versicherten und seinen Familienangehörigen von der Sozialversicherung gewährte pflegerische Betreuung; in den Krankenhäusern durch Krankenschwestern oder in Wohnungen durch Gemeindeschwestern, Fürsorgerinnen beziehungsweise Hauswirtschaftspflege (Aufgabe der Volkssolidarität).

Krankenstand: prozentualer Anteil der Arbeitsunfähigen an der Gesamtzahl der Bevölkerung beziehungsweise einer territorialen Einheit oder der Beschäftigten eines Kombinates, Betriebes beziehungsweise einer Struktureinheit des Betriebes. Im Betrieb ist der Krankenstand regelmäßig auszuwerten und zu kontrollieren sowie durch Beseitigung der Ursachen und begünstigenden Bedingungen zu senken.

Krankentransport: organisierter Transport verletzter und kranker Personen im Rahmen der medizinischen Betreuung; Mitwirken an der Schnellen Medizin. Hilfe durch Bereitstellen von speziell ausgerüsteten Fahrzeugen und ausgebildetem Personal.

Krankheit: Störung der normalen (physiologische), sorgfältig abgestimmten Funktionsabläufe des Organismus beziehungsweise seiner Organsysteme infolge Zusammenwirkens äußerer, krankmachender Schädlichkeiten (Exposition 4), der inneren Erkrankungsbereitschaft (Disposition) und der individuellen Reaktionsweise (Konstitution). Charakteristisch dabei ist das Nebeneinander von schädigenden Wirkungen und schützenden Abwehrprozessen. Auch bei scheinbar isolierten abnormen Organreaktionen ist der gesamte Organismus beteiligt.

Krankheitserreger: Lebewesen, die in anderen Organismen Krankheiten auslösen, zum Beispiel Viren, Bakterien und Würmer.

Krankmeldung: Mitteilung des Werktätigen über das Vorliegen ärztlich bescheinigter Arbeitsunfähigkeit an den Betrieb beziehungsweise des Versicherten an die Krankengeldauszahlsteile. Die Krankmeldung muss innerhalb von 3 Kalendertagen nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit erfolgen, um Krankengeld vom ersten Tage der Arbeitsunfähigkeit zu erhalten, sonst erfolgt die Zahlung erst vom Tag der Krankmeldung ab.

Krankschlachtung: Schlachtung kranker Tiere in einem Sanitätsschlachtbetrieb auf Anweisung des behandelnden Tierarztes und nach erfolgter Schlachttieruntersuchung.

Kranz:

1. Bautechnik: runde Lichtöffnung im Gewölbe; Ende oder Anfang eines gemauerten Ringes bei Brunnen oder Schächten; unterhalb oder in Höhe der Decke in Stahlbeton ausgeführtes, in der Wand liegendes Konstruktionselement (Ringanker) zur Aufnahme von Schubkräften und zur Aussteifung des Bauwerkes.

2. Maschinenbau: äußerer Ring eines Rades (Radkranz), bei Zahnrädern als Zahnkranz bezeichnet.

Kranzfühler, Tentaculata: Stamm im Wasser festsitzender, zum Teil polypen-, zum Teil muschelähnliche wirbelloser Tiere mit Tentakelkranz um die Mundöffnung zum Herbeistrudeln der Nahrung und zur Atmung. Zu den Kranzfühler gehören Armfüßer, Hufeisenwürmer und Moostierchen.

Krapfen, (althochdeutsch, «Haken») Kräppelchen: Pfannkuchen ähnliche Fettgebäck aus Hefe-, Mürbeteig, Brandmasse oder damit ummanteltem Obst (Apfelkrapfen, Rosinenkrapfen, Ananaskrapfen).

Krapp, Rubia tinctoria: im Mittelmeergebiet und in Vorderasien beheimatetes, krautiges Rötegewächs, das in den Wurzeln den roten Farbstoff Alizarin enthält; früher zur Gewinnung roten Farbstoffs angebaut.

Krasicki: 1. Ignacy, Pseudonym X. B. W., 3.2.1735-14.3.1801, polnischer Lyriker, Prosaschriftsteller, Übersetzer; bedeutendster polnischer Dichter der Aufklärung; gab der kritischen Sicht des aufgeklärten Zeitalters auf Geschichte und Gesellschaft Ausdruck; schrieb heroisch-komische Epen («Die Mäuseade», 1775, deutsch; «Der Mönchskrieg», 1778, deutsch), Romane («Begebenheiten des Mikolaj Doswiadczynski», 1776, deutsch), Satiren, Fabeln (Auswahl deutsch 1956) unter anderem

2. Jan, 18.9.1919-2.9.1943, polnischer antifaschistischer Widerstandskämpfer; seit 1942 Mitglied des ZK der polnischen Arbeiterpartei; Mitbegründer der Gwardia Ludowa; war seit März 1943 Leiter des gegen die deutschen Faschisten kämpfenden Kampfbundes der Jungen; wurde von der Gestapo ermordet.

Krasinski, Zygmunt, 19.2.1812-23.2.1859, polnischer Lyriker und Dramatiker; entwickelte sich zum Hauptvertreter der konservativen Richtung innerhalb der polnischen Romantik; sein bekanntestes Werk, das Drama «Die ungöttliche Komödie» (1835, deutsch), zeigt den tragischen Untergang der Welt des Adels durch die unvermeidlich gewordene demokratischen Revolution.

Krater: Geologie - trichter- oder kesselförmige Ausbruchsöffnung eines Vulkans oder Geländevertiefung durch Meteoritenaufprall an der Oberfläche eines Himmelskörpers. Siehe auch Meteoritenkrater.

2. Krater: Kunst - antikes Gefäß zum Mischen von Wein, mit weitausladendem Bauch, weit offener Mündung und 2 Henkeln; meist aus Ton, aber auch aus Metall gefertigt.

Kratinos, um 484-nach 421 vor Christus, griechischer Komödiendichter; in seinen nur in Fragmenten erhaltenen Werken, die sich durch scharfe politische Satire auszeichnen, stehen Märchenmotive, literarische Kritik und Mythentravestie nebeneinander.

Kraton, Kratogen: relativ stabiler großer Krustenbereich der Erde (Hochkraton), der auf tektonische Beanspruchung im Wesentlichen durch Bruchbildung reagiert (zum Beispiel die Kontinentaltafeln). Die früher zu den Kraton gerechneten ozeanischen Räume (Tiefkratone) sind nach der Neuen Globaltektonik relativ instabile Krustenbereiche.

Kratylos, um 400 vor Christus, griechischer Philosoph; entwickelte Heraklits Lehre zum Skeptizismus und Relativismus; Lehrer Platons.

Kratzdistel, Cirsium: artenreiche Gattung stark bestachelter Korbblütler. Die Kohl-Kratzdistel ist eine auffällige Pflanze feuchter Wiesen.

Krätze: (zu «kratzen») 1. italienisch, Gekrätz Hüttenwesen an der Oberfläche geschmolzener metallischer Werkstoffe durch Oxydation entstehendes Gemisch aus Metall und Metalloxid.

2. Krätze, Skabies: Medizin - durch die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei) verursachte, übertragbare, stark juckende Hautkrankheit. Milbengänge, die die weibliche Milbe zur Eiablage in die Oberhaut bohrt, finden sich besonders an weichen Hautstellen, zwischen den Fingern, in den Gelenkfalten, am Nabel, an den Brüsten und Achselfalten. Die Behandlung erfolgt mit Kontaktinsektiziden.

Kratzer, Acanthocephala: Klasse mund- und darmloser, wenige Millimeter bis über 50 cm langer, gestreckt-walzenförmiger Schlauchwürmer mit hakenbewehrtem Haftrüssel am Vorderende; krankheitserregende Parasiten im Wirbeltierdarm; im Schwein schmarotzt der bis 65 cm lange Riesen-Kratzer (Macracanthorhynchus hirudinaceus).

Krätzmilben, Sarcoptidae: fast kugelförmige, kurze Gliedmaßen tragende Parasiten, die sich mit Hilfe ihrer Mundwerkzeuge und Verdauungssäfte in die Haut von Säugetieren, Vögeln und des Menschen einbohren. Siehe auch Milben.

Kraulschwimmen, Kraulen: schnellste Sportschwimmart; Brustlage, wechselseitig koordinierte Arm- und Bein- (Auf- und Abwärts-) Bewegung.

Kr-Raum: 3dimensionaler abstrakter Raum, der zur Beschreibung atomarer Teilchen durch quantenmechanische Wellenfunktionen oder durch Materiewellen dient. Seine Koordinaten sind die Komponenten der Wellenzahlvektoren k = 2np/h mit k\ = 2it/A, wobei p der jeweilige Teilchenimpuls und X = hip die zugehörige De-Broglie-Wellenlänge ist (h Planck-Konstante). Der Raum wird besonders zur Darstellung der Energieniveaus von Elektronen im Kristall benutzt.

Kraus: 1. Ernst Carl Kraus, 10.7.1889-23.6.1970, Geologe; Professor an der Universität München; verfasste bedeutende Arbeiten zur vergleichenden Baugeschichte der Kontinente und besonders der Alpen, wobei er die Unterströmungstheorie des österreichischen Geologen und Alpinisten Otto Ampferers (1875-1947) weiterentwickelte.

2. Friedrich Kraus, 31.5.1858-1.3.1936, Internist; Professor in Graz und Berlin; arbeitete über Fragen der Konstitution sowie über Stoffwechsel-, Blut-, Infektions-, Herz- und Lungenkrankheiten. Kraus führte die physiologische Methodik als diagnostische Mittel in die Medizin ein.

3. Georg Melchior Kraus, 26.7.1737-5.11.1806, Maler und Radierer; Schüler von J. H. Tischbein der Ältere Seit 1774 in Weimar tätig, vertrat Kraus in seinen Arbeiten den bürgerlichen Zopfstil.

4. Karl Kraus, 28.4.1874-12.6.1936, österreichischer Schriftsteller; kompromissloser Herausgeber der Zeitschrift «Die Fackel» (1899/1936), die er ab 1911 allein schrieb. Als hervorragender Satiriker und Polemiker übte Kraus in Essays (zum Beispiel «Sittlichkeit und Kriminalität», 1908; «Die Sprache», 1937), Aphorismen (zum Beispiel «Sprüche und Widersprüche», 1909), Lyrik (zum Beispiel «Worte in Versen», 1916/30) und Dramatik (zum Beispiel «Die letzten Tage der Menschheit», 1918/19J kühn, doch als Einzelgänger Kritik am Kulturverfall der bürgerlichen Gesellschaft; schuf auch Nachdichtungen (W. Shakespeare) und Bearbeitungen (Aristophanes, J. N. Nestroy).

Krause, Jakob, um 1531-9.7.1585, Buchbinder; vermutlich in Frankreich mit der italienisch-französischen Einbandkunst vertraut geworden, entwickelte er sich in Augsburg (1562/64), wo er für die Fugger arbeitete, und seit 1566 am Dresdner Hof zum führenden Meister der deutschen Renaissance-Einbandkunst.

Krause Glucke, Sparassis crispa: Ständerpilz mit faust- bis kopfgroßen, blumenkohlähnlichen, hellen Fruchtkörpern am Fuße alter Nadelbäume; guter Speisepilz.

Kräuselkrankheiten: durch Viren, Pilze oder Insekten verursachte Kräuselungen der Blätter, zum Beispiel bei Kartoffeln, Rüben, Möhren, Pfirsichen; kann zu erheblichen Ertragsminderungen führen.

Krauseminzöl: gelbes bis grünes ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation blühender Krauseminze gewonnen wird und bis 66 % Karvon enthält; es wird für Aromen (besonders für Kaugummi) und in der Parfümerie verwendet.

Krauss: 1. Clemens, 31.3.1893-16.5.1954, österreichischer Dirigent; wirkte unter anderem an der Wiener, Berliner und Münchner Staatsoper sowie als geschätzter Gastdirigent; galt als hervorragender Strauss- und Wagnerinterpret.

2. Werner, 23.6.1884-20.10.1959, Schauspieler; bedeutend als Charakterdarsteller unter anderem am Deutschen Theater in Berlin und am Burgtheater Wien; spielte auch im Film («Das Kabinett des Dr. Caligari», «Robert Koch» sowie in dem antisemitischen Hetzfilm «Jud Süß»).

Krauten: Wasserbau Entfernen hochgewachsener Pflanzen von der Gewässersohle und vom Ufer.

Kräuter: im Unterschied zu Bäumen und Sträuchern nicht oder nur wenig verholzende Pflanzen, die nach jeder Vegetationsperiode ganz (einjährige Kräuter) oder bis auf ihre unterirdischen Teile (zweijährige Kräuter oder mehrjährige Stauden) absterben.

Kraut- und Braunfäule: durch den Pilz Phytophthora infestans verursachte Krankheit an Kartoffeln und Tomaten. Die Infektion führt zunächst zu Braunfärbung an den Blattoberseiten, die dann in Fäule übergehen (Krautfäule)\ gelangen die Sporen durch Wunden in die Früchte der Tomate, so entstehen braune, harte, eingesunkene Flecke. Werden die 4 Wochen lang keimfähigen Sporen mit dem Regen zu den Knollen der Kartoffeln transportiert, so entstehen oberflächlich bleigraue, etwas einsinkende Flecke, unter denen rostbraune trockene Faulstellen liegen (Braunfäule). Die Bekämpfung der Krankheit erfolgt mit geeigneten Fungiziden.

Krawatte: nach dem Halstuch der Kroaten benannte Halsbinde, im 17. Jahrhundert aufgekommen; heute als Langbinder (Schlips, Selbstbinder) oder als Schleife (Fliege) getragen.

Kraweel: im 15. und 15. Jahrhundert im nördlichen Europa verwendetes dreimastiges Handelssegelschiff, bei dem erstmals die Außenhautplanken stumpf miteinander verbunden waren, das heißt, die Verbindung erfolgte über die Spanten, die Oberfläche war glatt (Kraweelbauweise).

Kraze, Hanna-Heide, geboren 22.9.1920, Schriftstellerin; schreibt Romane und Erzählungen («Des Henkers Brüden), 1956; «Heimliche Briefe», 1960; «Steinchen schmeißen», 1968; «Ehe es Ehe ist», 1981) sowie Gedichte («Der du nach Babel gezogen», 1960; «Stunden mit weißem Segel», 1978), in denen sie sich aus humanistische Verantwortung für den gesellschaftlichen Fortschritt einsetzt.

Kreatin: eine farblose, kristallisierte, wasserlösliche Substanz. Kreatin findet sich vor allem in der Muskulatur als Kreatinphosphat, das als Energiespeicher für die Muskelarbeit bedeutsam ist.

Kreatinin: durch Dehydratisierung aus Kreatin entstehendes stickstoffhaltiges Ausscheidungsprodukt im Säugetierharn.

Kreation: (lateinisch) Schöpfung, Gestaltung; Modeschöpfung, Modell.

Kreatur: (lateinisch) Geschöpf; verachtenswerter Mensch, Lakai.

Krebs: 1. Krebs, Cancer - Astronomie: a) zum Tierkreis gehörendes Sternbild des nördlichen Himmels;

b) 4. Tierkreiszeichen (astronomische Zeichen).

2. Botanik: Bezeichnung für Pflanzenkrankheiten, die mit krankhaften Gewebewucherungen verbunden sind und auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden können (Viren, Mikroorganismen, tierische Schädlinge, gelegentlich auch Frosteinwirkung).

3. Krebs, Karzinom (griechisch): Medizin - bösartige Geschwulst infolge Neubildung «entarteten) Zellen des Deck- und Drüsengewebes (Epithel). Die Bösartigkeit äußert sich in eigengesetzlichem, rasch fortschreitendem Wachstum mit Durchsetzung (Infiltration) und Zerstörung (Destruktion) des betroffenen Organs und seiner Umgebung sowie in der Verschleppung von Krebszellen auf dem Lymph- oder Blutweg in andere Organe mit Bildung von Krebsansiedlungen, den Tochtergeschwülsten (Metastasen). Krebsausbreitung zeigt sich in allgemeinen Krankheitserscheinungen, zum Beispiel Kräfteverfall, Auszehrung (Kachexie), Infektanfälligkeit, Fieber und Anämie sowie am betroffenen Organ in geschwürigem Zerfall, Blutung, Einengung, schließlich Verschluss der Lichtung von Hohlorganen oder Gängen, zum Beispiel Darmverschluss. Bösartige Neubildungen stehen mit etwa 16% aller Todesfälle an 2. Stelle der Todesursachen nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bevorzugte Krebslokalisationen sind Haut, Bronchien, Lunge, Magen, Dick- und Mastdarm, Brustdrüsen und Gebärmutterhals. Die Krebsbehandlung erfolgt durch Operation, Bestrahlung und beziehungsweise oder Arzneimittel. Die Heilungsaussichten sind entscheidend abhängig von der frühzeitigen Krebserkennung (Frühdiagnose), das heißt der Erfassung früher Krebsstadien, zum Beispiel relativ leicht möglich bei Gebärmutterhals-, Haut- und Brustdrüsenkrebs. Dazu gehört auch die sorgfältige Beachtung der sogenannten Krebs Warnzeichen, wie nicht anders erklärbarer Gewichtsverlust, Anämie, Blutabsonderungen aus Körperöffnungen, Knoten, «Verhärtungen», länger als 2 Wochen anhaltende Schluck- und Oberbauchbeschwerden in der 2. Lebenshälfte und Stuhlgangstörungen. Ein wichtiges Anliegen der Krebsvorsorge ist neben der Früherkennung die Verhütung von Krebs, zum Beispiel durch Ausschalten von Krebsrisikofaktoren (primäre Karzinomprävention). Krebs der Bauchspeicheldrüse verursacht Störungen der in- und exkretorischen Funktionen der Bauchspeicheldrüse (Fettstühle, Kohlenhydratstoffwechselstörung). Blasenkrebs ist eine bösartige Geschwulst der Harnblase, deren Frühsymptom blutiger Harn ist. Die auffallende Zunahme von Bronchial- und Lungenkrebs (bösartige Neubildungen in den Atmungsorganen) wird mit gesteigerter Einatmung von Teerstoffen (zum Beispiel Tabakrauch, Abgase) unter anderem in Zusammenhang gebracht. Brustkrebs, richtiger Brustdrüsenkrebs, ist die häufigste Krebserkrankung der Frau. Darm Krebs kann in allen Abschnitten des Darms auftreten, jedoch vorwiegend im Bereich des unteren Dickdarms beziehungsweise Mastdarms (Mastdarmkrebs). Oft gute Operationsmöglichkeit, unter anderem Anlage eines künstlichen Afters (Anus praeternaturalis). Gallenblasenkrebs ist eine bösartige Geschwulst der Gallenblase oder der Gallengänge, die zu einem völligen Verschluss der Gallenwege führt. Gebärmutterkrebs kann durch vorbeugende Untersuchungen, etwa vom 30. Lebensjahr an jährlich einmal, früh erkannt und erfolgreich behandelt werden. Hautkrebs geht von der Oberhaut, seltener auch von den Hautanhangsgebilden aus; am häufigsten im Gesicht älterer Menschen. Leberkrebs tritt entweder in der Leber primär auf oder ist die Folge einer Tochtergeschwulst, ausgehend von einer Krebserkrankung der Gallenblase, des Magens, Darms, der Speiseröhre unter anderem Magenkrebs bleibt zunächst längere Zeit unerkannt; Röntgenuntersuchung oder Gastroskopie sichern die Diagnose.

4. Musik: tonsetzerisches Verfahren, bei dem eine Stimme oder ein ganzer Tonsatz rückwärts verläuft. Im Krebskanon ist die 2. (imitierende) Stimme die rückwärts gelesene 1. Stimme.

Krebs, Conrad, 1492-1.9.1540, Baumeister der Renaissance; tätig in Coburg, Thüringen und Sachsen. Seit 1532 kurfürstlich-sächsischer Hofbaumeister, leitete er unter anderem den Bau von Schloss Hartenfels in Torgau.

Krebse, Crustaceae: Klasse der Gliederfüßer mit etwa 200Q0 Arten, besonders im Wasser lebend; Körper in Kopf, Brust und Hinterleib gegliedert oder erstere zu Kopfbrust (Céphalothorax) verwachsen; Chitinskelett oft durch Kalk gepanzert (Kruster); Gliedmaßen als zweiästige Spaltfüße angelegt.

krebserzeugende Stoffe, Karzinogene (griechisch), Kanzerogene (lateinisch + griechisch): bestimmte Substanzen, die Krebs hervorrufen können, zum Beispiel polyzyklische und aromatische Kohlenwasserstoffe (Teer, Rohparaffin, Anthrazen, Benzol unter anderem), aromatische Amine (Anilinderivate), Minerale (Arsen, Chrom, Nickel, Asbest) und radioaktive Stoffe. Langjähriges Zigarettenrauchen (Inhalation des kanzerogenen Tabakteers) ist die wesentliche Ursache für den steilen Anstieg des Bronchial- und Lungenkrebses; daneben ist auch die Luftverunreinigung (Auto- und Industrieabgase) von Bedeutung.

Krebsnebel: bekanntester Überrest einer Supernova im Sternbild Stier. Die erzeugende Supernova wurde im Jahre 1054 beobachtet. In der Mitte des Krebsnebels befindet sich ein Pulsar, der als Energiequelle des Krebsnebels anzusehen ist. Der Krebsnebel ist eine starke Radio- und Röntgenquelle.

Krebsrisikofaktoren: die Krebsentstehung fördernde Faktoren; als endogene Krebsrisikofaktoren (körpereigene Krebsrisikofaktoren) gelten erbliche Dispositionen, hormonale Störungen, Rückbildungsvorgänge und bestimmte Krebsrisikokrankheiten, zum Beispiel langjährige chronischen Entzündungen. Exogene Krebsrisikofaktoren bestehen in der Exposition gegenüber kanzerogenen Umwelteinflüssen, zum Beispiel krebserzeugende Stoffe (Zigarettenrauchen, Luftverunreinigung, Industriekarzinogene), ultraviolette und ionisierende Strahlung, falsche Ernährungsgewohnheiten, manche Viren. Ausschaltung von Krebsrisikofaktoren ist ein Ziel der Krebsvorsorge (primäre Karzinomprävention).

Kredenz: Anrichte (Tisch oder halbhoher Schrank zum Bereitstellen von Speisen u. ä.).

kredenzen: (ein Getränk) feierlich darreichen, anbieten.

Kredit: (französisch - italienisch) 1. Vertrauenswürdigkeit.

2. befristete Überlassung von Werten (in materieller oder in Geldform) in der Regel gegen Zinszahlung; auch die Werte selbst. Hauptformen:

a) kommerzieller Kredit, ein zwischen Käufer und Verkäufer (in der Regel kurzfristig) gewährter Kredit (Handelskredit), tritt im Außenhandel in Form von Zahlungszielen auf;

b) Bankkredit, ein Kredit, den die Banken ihren Kunden einräumen. Im Sozialismus dient der Kredit als Bankkredit der planmäßigen Umverteilung vorübergehend freier Geldmittel, ist Instrument der Planung und Stimulierung des Reproduktionsprozesses sowie der Finanzkontrolle. Häufige Kreditprinzipien (bei Kreditgewährung von den Kreditnehmern einzuhaltende allgemeingültige Bedingungen) sind Zweckgebundenheit, Rückzahlungspflicht, Deckung und Sicherung. Die Kreditausreichungs-Methoden bezeichnen die Art und Weise der Kreditbereitstellung und -tilgung. Bei der Kontokorrentmethode erfolgt Überziehung des laufenden Bankkontos bis zu einem Kreditlimit, auch Kreditlinie genannt; bei der Darlehnsmethode die Übertragung der Kreditvaluta (Kreditgegenwert) auf ein Verrechnungskonto auf Guthabenbasis. Kreditarten unterscheiden sich nach der Bereitstellungsdauer (kurz- oder langfristiger Kredit), nach dem Kreditgegenstand (Grund-, Umlaufmittel-K), nach der Umschlagszeit der Kreditobjekte (Saisonkredit ist jahreszeitlich bedingt, der Forderungskredit (Verrechnungskredit) ist abhängig von der Laufzeit der Forderungen entsprechend den eingereichten Verrechnungsdokumenten) oder auch nach dem Grad der materiellen Sicherung (Realkredit, gesichert durch Grundstücke und festverzinsliche Wertpapiere, im Bereich der Wohnungsbaufinanzierung üblich; Zirkulationskredit sind durch Waren und Forderungen gesichert). Im Kapitalismus ist der Kredit die Bewegungsform des Leihkapitals; er soll zeitweilig brachliegende Kapitalteile der Profiterzielung zuführen. Siehe auch Diskontgeschäft, Konsumentenkredit, Zins.

Kreditbrief: Anweisung eines Geldinstituts an ein anderes, einem Benannten (Begünstigten) auf dessen Verlangen bis zu dem im Kreditbrief ausgewiesenen Höchstbetrag Geld (auch in Teilbeträgen) zu zahlen; Anwendung als Reisekredit entlastet im internationalen Reiseverkehr durch Teilabhebungsmöglichkeit bei Korrespondenzbanken von der Mitführung größerer Barbeträge.

Kreditorenkonto: Kreditgeber-, Gläubigerkonto (für Verbuchung von Verbindlichkeiten).

Kreditrestriktion: währungspolitische Maßnahme zur Einschränkung der Kreditgewährung. Die Notenbanken erwirken eine Kreditrestriktion unter anderem durch Einschränken oder Aussetzen der Rediskontierung, durch Kontingentierung der Kredite für die Geschäftsbanken und Beschränkung der Akzeptierungsmöglichkeit. im weiteren Sinne gehört auch die Diskontsatzerhöhung zur Kreditrestriktion

Kreditvertrag: schriftlicher Vertrag, durch den sich ein Kreditinstitut verpflichtet, dem Kreditnehmer einen Geldbetrag in oder bis zu einer bestimmten Höhe zu vereinbarten Bedingungen, insbesondere zu einem vereinbarten Zweck und zu einem bestimmten Zinssatz zeitweilig zur Verfügung zu stellen.

Kreibich, Karl, 14.12.1883-2.8.1966, tschechoslowakischer Arbeiterführer deutscher Nationalität, Journalist; kämpfte gegen den 1. Weltkrieg, führte 1921 die Reichenberger Linke (Liberec) in die KPTsch, deren ZK er mehrmals angehörte; 1938 Emigration im Parteiauftrag nach Großbritannien, wo er 1941 Mitglied eines beratenden Organs der tschechoslowakischen Exilregierung wurde.

Kreide: 1. Geologie: jüngstes System des Mesozoikums; in die Abteilungen Untere Kreide und Obere Kreide gegliedert und nach Kreide 2 im oberen Teil des Systems benannt; Fauna durch Ammoniten, Belemniten und Saurier bestimmt, die am Ende der Kreide ausstarben; in der Oberen Kreide Entfaltung der Angiospermen; Zeit verstärkter Krustenbewegungen und Transgressionen; in Mitteleuropa weitere Bruchfaltenbildungen, in Südeuropa kräftige Krustenbewegungen; siehe auch geologische Systeme.

2. Kreide, Schreibkreide Petrographie marines kleinstporöses, weißes, abfärbendes Kalksedimentgestein der Oberen Kreide (zum Beispiel Rügener Schreibkreide), vorwiegend aus Kalkpanzerresten winziger Flagellaten aufgebaut. Gemahlene und aufgeschlämmte Kreide (Schlämmkreide) wird unter anderem in der Anstrichtechnik, für kosmetische Zwecke und zur Bereitung von Glaserkitt verwendet; Wandtafelkreide besteht dagegen meist aus Gips. In der bildenden Kunst Zeichenmaterial seit Ende des 15. Jahrhundert Kreide ermöglicht eine kräftige, großzügige Strichführung. Farbige Wirkungen werden erzielt durch Gebrauch entweder farbiger Kreiden oder durch Kombination von Kreide mit Rötel beziehungsweise Pastell. Oft sind Kreidezeichnungen auch auf getöntem Papier angelegt und mit weißer Kreide gehöht.

kreieren: (französisch) schaffen; erwählen; erstmalig herausbringen oder darstellen.

Kreis: 1. Geometrie geschlossene ebene Kurve, geometrischer Ort aller Punkte, die von einem festen Punkt M, dem Mittelpunkt des Kreis, festen Abstand r haben; mitunter auch Bezeichnung für Kreisfläche. r und jede Strecke von M zu einem Punkt des Kreis heißen Radius des Kreis Jede Strecke zwischen 2 Punkten des Kreis heißt Sehne, die M enthaltenden Sehnen sind die Durchmesser. Kreisbogen und Kreissegment werden durch eine Sehne bestimmt, ein Kreissektor durch 2 Radien. Jede den Kreis schneidende Gerade heißt Sekante. Jede Tangente hat mit dem Kreis genau einen Punkt gemeinsam und ist zum Berührungsradius orthogonal. Die Länge des Kreises ist 2nr.

Kreisauer Kreis: nach dem Tagungsort Gut Kreisau (Krzyzowa) bei Schweidnitz (Swidnica) in Schlesien benannte christlich-soziale Gruppe während des 2. Weltkrieges, die in Opposition zum Hitlerregime stand. Dem Kreisauer Kreis gehörten Vertreter verschiedener politischer Auffassungen an (Mitglieder waren H. J. von Moltke, H.-B. von Haeften, J. Leber, H. Poelchau, A. Reichwein, F.-D. von der Schulenburg, Th. Steltzer, A von Trott zu Solz, P. Yorck von Wartenburg unter anderem). Die Gruppe setzte sich zum Ziel, den Krieg an allen Fronten zu beenden, das Hitlerregime zu stürzen und bürgerlich-demokratische Verhältnisse in Deutschland zu schaffen; hatte Verbindung zu patriotischen Kräften der Verschwörung des 20. Juli 1944 sowie Kontakte zur illegalen Landesleitung der KPD.

Kreisbetrieb: Sportmethodik Form des Übungsbetriebes, bei der einzeln oder in kleinen Gruppen nacheinander mit vorgegebener Belastungsdosierung verschiedene Übungsstationen absolviert werden.

Kreisel: in einem Punkt festgehaltener, rotierender starrer Körper (der Spielzeugkreisel ist kein Kreisel im physikalischen Sinn). Der symmetrischen Kreisel hat eine (oft unmittelbar sichtbare) Figurenachse A. Die in Richtung der momentanen Drehachse weisende Winkelgeschwindigkeit 7ü und der Drehimpuls L ändern ihre Lage im Kreisel und im Raum im Allgemeinen ständig. Wirken keine Kraftmomente, ist der Kreisel kräftefrei, im Schwerefeld der Erde zum Beispiel ein im Schwerpunkt unterstützter Kreisel. In diesem Fall liegt Öl im Raum fest, und A bewegt sich auf dem Präzessionskegel um a. Bei dieser regulären Präzession liegt (O stets in einer Ebene mit A und L, nämlich in der Berührungsgeraden des körperfest gedachten Lauf-, Polhodie- oder Gangpolkegels mit dem raumfest gedachten Spur-, Herpolhodie- oder Rastpolkegel, die aufeinander abrollen. Beim schweren Kreisel liegt der Schwerpunkt nicht im Stützpunkt, beim schweren symmetrischen Kreisel jedoch auf A. Er führt eine pseudoreguläre Präzession aus, bei der A auf einem Präzessionskegel um die Senkrechte präzediert, zusätzlich aber durch die schnellere Nickbewegung (Nutation) hin- und herschwankt. Diese Nutationen werden bei hohen Drehzahlen so klein, dass der Kreisel dem äußeren Kraftmoment praktisch nicht nachgibt, sondern durch die Präzessionsbewegung senkrecht zur Kraftrichtung ausweicht; siehe auch Larmor-Präzession. Die analytische Beschreibung der Kreiselbewegung erfolgt am einfachsten in einem körperfesten, das heißt mit dem Kreisel mitbewegten Bezugssystem durch die sogenannte Eulerschen Kreiselgleichungen. Kreisel werden technisch im 1 Kompass und zur Stabilisierung der Bewegung, zum Beispiel beim Kurskreisel und künstlicher Horizont, unter anderem angewendet; siehe auch Präzession 1, Polhöhe.

Kreiselpumpe, Zentrifugalpumpe-, ein- oder mehrstufige Strömungsarbeitsmaschine, bei der die Arbeitsflüssigkeit durch die bei der Drehbewegung eines Kreiselrades (Schaufelrad) entstehende Fliehkraft (Zentrifugalkraft) gefordert wird; Anwendung zum Beispiel als Tiefbrunnen-, Schmutzwasser- und Säurepumpe.

Kreiselradgebläse: Einrichtung zum Fördern gasförmiger Medien, wobei die Verdichtung dynamisch in einem rotierenden, mit Schaufeln besetzten Laufrad in radialer, diagonaler oder axialer Bauart erfolgt. Kreiselradgebläse finden Verwendung in der Chemieindustrie sowie in Hütten- und Gießereibetrieben mit großen Förderströmen (bis 100000 m3/h).

Kreiselschnecken, Trochoidea: Überfamilie mariner Schnecken mit starkwandigen Gehäusen, die an umgedrehte Kreisel erinnern. Die Gehäuse werden mit einem dicken Deckel verschlossen.

Kreiseltheodolit, Vermessungskreise nach dem Prinzip des Kreiselkompasses arbeitendes Gerät für Orientierungsmessungen bezüglich geographisch Nord (auch unter Tage).

Kreiselverdichter: Einrichtung zur Förderung gasförmiger Fördermedien, wobei die Förderung nach dem dynamischen Prinzip erfolgt. Durch rotierende, beschaufeite Laufräder wird das in der Regel in axialer Richtung angesaugte Fördermedium beschleunigt und in nachgeschalteten Bauelementen die Strömungs- in Druckenergie umgesetzt. Je nach Bauart werden ein- oder mehrstufige Kreiselverdichter unterschieden. Der Einsatz erfolgt besonders im Chemieanlagenbau zur Erzielung großer Fördermengen.

Kreisen: Gerätturnen das kreisförmige Schwingen mit einem beziehungsweise beiden Beinen bei gestreckten Knien ohne Drehung um die Körperlängsachse.

kreisfreie Stadt: größere Stadt in Deutschland, die eine Einheit in der politisch-territorialen Gliederung bildet und keinem Landkreis angehört. Siehe auch Stadtkreis.

Kreisgericht: in den Stadt- und Landkreisen bestehendes Gericht erster Instanz für Zivil-, Familien-, Arbeitsrechts- und St