Lexikon E

Ea, sumerisch Ertki («Herr der Erde»), in Mesopotamien Gott der Weisheit, der Magie und der Fruchtbarkeit.

Eagle: (englisch, französisch, «Adler») Zehn-Dollar-Goldmünze der USA 1792/1933; benannt nach dem Prägebild.

Eakins, Thomas, 25. 7. 1844-25. 6. 1916, US-amerikanischer Maler; gelangte nach 1870 zu einer psychologisch vertieften Gestaltungsweise besonders von Porträts und Themen des städtlichen Lebens; daneben beschäftigte er sich mit künstlerischer und wissenschaftlicher Anatomie und Fotografie.

Early-Effekt: spezieller Transistoreffekt (Sperrschichtmodulation). Infolge der Sperrspannung über der Kollektor-Basis-Diode verbreitert sich dieser pn-Übergang. Dabei ändern sich die Transistorkennwerte.

Eastbourne: Stadt im Südosten Englands (Großbritannien), am Kanal; 78000 Einwohner; bedeutendes Seebad und Tagungsort; historische Bauwerke; Kunstgalerie, Konzerthalle; reich an Parks.

East London: Stadt in der Kapprovinz (Republik Südafrika), am Indischen Ozean; 160000 Einwohner; Textil- und Konfektions-, Spielwaren-, Lederindustrie, Kfz-Montage, Reifenherstellung, Gießereien; Hochseehafen, Fischereiflottenbasis, internationaler Flughafen; Museum, Aquarium; Seebad.

East River: Wasserstraße zwischen den New Yorker Stadtteilen Manhattan und Bronx einerseits, Brooklyn und Queens (beide auf Long Island) andererseits; 30 km lang, 1,2 km breit; verbindet den Long-Island-Sund mit der Hudsonmündung und ist von 7 Hängebrücken überspannt sowie mehrmals untertunnelt; am East River befindet sich ein Teil der Hafenanlagen von New York.

Ebbinghaus, Hermann, 24. 1. 1850-26. 2. 1909, Psychologe; Mitbegründer der experimentellen Psychologie; leistete Bahnbrechendes auf dem Gebiet der Gedächtnisforschung.

Ebbinghaus-Kurve, (nach H. Ebbinghaus) Kurve des Vergessens: graphische Darstellung, die das Vergessen als eine Funktion der nach dem Erlernen verstrichenen Zeit beschreibt.

Eben, Petr, geboren 22.1. 1929, tschechischer Komponist und Pianist; in seinem vielseitigen Schaffen dominiert die Vokalmusik; er veröffentlichte auch Lehr- und Unterrichtsbücher sowie didaktische Musik.

Ebene: 1. Geomorphologie: reliefschwache Landoberfläche in beliebiger Meereshöhe, gegliedert nach ihrer Höhenlage in Tiefebene (bis etwa 200 m über dem Meeresspiegel) und in Hochebene Nach ihrer Entstehung unterscheidet man Aufschüttungsebene, bestehend aus unterschiedlich mächtigen Lockersedimentdecken, und Abtragungsebene, die im Festgestein angelegt sind.

2. Mathematik: Fläche, die die Verbindungsgerade je zweier ihrer Punkte ganz enthält; Grundbegriff der Geometrie. Im 3dimensionalen Raum haben 2 Ebene mit einem gemeinsamen Punkt sogar eine Gerade gemeinsam.

Ebene, Sumpf, französisch Plaine: die gemäßigte Mehrheit der Abgeordneten des französischen Konvents; unterstützte erst die Girondisten, nach deren Niederlage die Bergpartei. Ihre Haltung sicherte aber der Verschwörung vom 9. Thermidor (27. 7.) 1794 den Erfolg.

Ebenenbündel: Menge aller Ebenen des Raumes, die einen gegebenen Punkt enthalten:

Ebenenbüschel: Menge aller Ebenen des Raumes, die eine gegebene Gerade enthalten.

Ebenheit: Bezeichnung für unterschiedlich große, relativ ebene Flächen im Gebirge; gebräuchlich unter anderem für die Ebenheiten in der Sächsischen Schweiz beiderseits des Elbtales, über denen die «Steine» (Tafelberge) aufragen.

Ebenheitsmessgerät: Messeinrichtung zum Bestimmen der Abweichung einer Fläche von der idealen Ebene mittels Interferenz eines von dieser Fläche reflektierten Lichtstrahls. Das Ebenheitsmessgerät besteht aus Interferometer und Spiegelgegenstation.

Ebenholz: meist dunkelbraunes bis schwarzes, sehr dauerhaftes Holz verschiedener tropischer Bäume (Diospyros-Arten); verwendet zu Griffen, Wirbeln und Tasten von Musikinstrumenten sowie zu Intarsien, Schnitz- und Drechslerarbeiten.

Ebenholzgewächse, Ebenaceae: in den Tropen und Subtropen vorkommende Pflanzenfamilie mit wenig auffallenden, meist eingeschlechtigen Blüten. Die wirtschaftlich bedeutendste Gattung Diospyros bildet ein hartes, schweres, unterschiedlich gefärbtes Kernholz.

Ebenist: ursprünglich Künstler, der alle Ebenholzarbeiten ausführte; im 18. Jahrhundert in Frankreich Bezeichnung für Kunsttischler überhaupt.

Eberesche, Vogelbeerbaum, Sorbus aucuparia: Rosengewächs mit Fiederblättern, weißen Blüten in Schirmrispen und kleinen roten, vitaminreichen Sammelfrüchten; Samen durch Vögel verbreitet; anspruchsloser Baum, vor allem des Berglandes; die Süße Eberesche auch angebaut.

Eberswalde-Finow: Kreisstadt im Bezirk Frankfurt, im Eberswalder Urstromtal, am Finowkanal und Oder-Havel-Kanal; 53000 Einwohner; Kran-, Rohrleitungs-, Schiffsarmaturenbau, Walzwerk Finow, Raw, chemische, Bauindustrie, Papierfabrik; Schweinezucht- und Mastkombinat mit Fleischverarbeitung; wissenschaftliches Institute; Tierpark, forstbotanischer Garten, Heimatmuseum; gotische Bauwerke (13. Jahrhundert), Rathaus (18. Jahrhundert). Nordwestlich Werbellinsee.

Eberwurz, Carlina: Gattung der Korbblütler, Blütenstand mit strahlenförmig ausgebreiteten, trockenhäutigen silbrig-weißen (Große Eberwurz, Silberdistel, C. acaulis; unter Naturschutz) oder gelben (Kleine Eberwurz, Golddistel, C. vulgaris) inneren Hüllblättern; in Trockenrasen und an Wegrändern.

Ebinur, Ebinor, (beide mongolisch) chinesisch: abflussloser Salzsee im Nordwesten Chinas, in der Dsungarei, im Autonomen Gebiet Xinjiang Uygur; 190 m über dem Meeresspiegel, 1150 km2, 64 km lang, 24 km breit.

Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau von, 13.9.1830-12.3.1916, österreichische Schriftstellerin; bedeutendste kritisch-realistische Dichterin Österreichs im 19. Jahrhundert Ihre überwiegend im Dorfmilieu Mährens angesiedelten romanhaften Großerzählungen («Bozena», 1876; «Das Gemeindekind», 1887) und kleineren Erzählwerke, zusammengefasst unter anderem in «Neue Erzählungen» (1881, mit der humorvollen Sonderlings Novelle «Die Freiherren von Gemperlein»), «Dorf- und Schlossgeschichten» (1883, mit der tragischen Hundegeschichte «Krambambuli»), «Neue Dorf- und Schlossgeschichten) (1886, mit der scharf anklagenden Leibeigenschaftsnovelle «Er lasst die Hand küssen»), zeugen von humanistisch motivierter sozialer Verantwortung. Ihre Aphoristik (unter anderem «Aphorismen», 1880) und autobiographische Schriften (unter anderem «Meine Kinderjahre», 1906) sind von künstlerischen wie kulturhistorischen Wert.

Ebro: Fluss im Nordosten Spaniens; 928 km; Einzugsgebiet 81500 km2; mittlerer jährlicher Abfluss 600 m3/s; entspringt am Ostrand des Kantabrischen Gebirges, durchfließt im Oberlauf ein tief eingeschnittenes Engtal, im Mittellauf das Ebrobecken (ausgedehnte Bewässerungssysteme) und im Unterlauf in einem schluchtenreichen Durchbruchstal das Katalonische Küstengebirge, mündet bei Tortosa in einem Delta ins Mittelmeer; Wasserentnahme und Versandung verhindern Schifffahrt; vielfach aufgestaut, Wasserkraftwerke; am Oberlauf chemischer Industrie.

Ebullioskopie: (lateinisch «sieden», + griechisch «untersuchen») Methode zur Bestimmung der relativen Molekülmasse einer Substanz aus der (experimentell ermittelten) Siedepunktserhöhung ihrer Lösung; bevorzugt bei organischen Verbindungen.

ebullioskopische Konstante: die durch ein Mol eines gelösten Stoffes in 1 kg Lösungsmittel verursachte Siedepunktserhöhung. Zum Beispiel beträgt sie für die Lösungsmittel Tetrachlormethan beziehungsweise Wasser 5,02 beziehungsweise 0,513 K kg/mol. Siehe auch Raoultsches Gesetz.

Eça de Queiroz, José Maria, 25.11.1845—16.8.1900, portugiesischer Romancier; beteiligte sich 1865/71 an der politisch-literarischen Erneuerungsbewegung in Portugal und verhalf von 1874 an dem kritischen Realismus zum Durchbruch. In der Gestaltung moralischer Probleme der zeitgenössischen portugiesischen Gesellschaft (Einfluss der Kirche, Korruption) verband er die Rezeption einheimische Traditionen mit Anregungen aus der Weltliteratur, zum Beispiel «Das Verbrechen des Paters Amaro» (1875), «Vetter Basilio» (1878), «Die Reliquie» (1887; alle deutsch).

Eccarius, Johann Georg, 23.8.1818-März 1889, Schneider; Mitglied des Bundes der Kommunisten und seiner Zentralbehörde; 1864 Mitbegründer der I. Internationale und 1867/71 Sekretär ihres Generalrats. Eccarius schloss sich nach 1872 den reformistischen Führern der Trade Unions an.

Ecce homo: («Sehet, (welch) ein Mensch!») nach biblischer Überlieferung Ausspruch des Pilatus angesichts des dornengekrönten Jesus. In der bildenden Kunst (besonders Spätgotik bis Barock) Darstellung Christi mit gefesselten Händen, Dornenkrone, Spottmantel und Rohr als Zepter.

Ecclesia und Synagoge: Personifizierung des Neuen Testaments (Ecclesia) und des Alten Testaments (Synagoge) in Gestalt zweier weiblicher Figuren; seit dem 12. Jahrhundert häufig an Portalen dargestellt (Ecclesia als Siegerin, Synagoge als Besiegte).

Ecevit, Bülent, geboren 28.5.1925, türkischer Politiker; 1966/72 Generalsekretär, seit 1972 Vorsitzender der sozialdemokratisch orientierten Republikanische Volkspartei; 1974, 1977 und 1978/79 Ministerpräsident.

Echegaray, José, 19.4.1832-16.9.1916, spanischer Dramatiker; letzter Vertreter der romantischen Schule am spanischen Theater; verfasste mehr als 60 Stücke, denen er soziale und moralische Konflikte aufgreift, sein bekanntestes Stück ist «Galeotto» (1881, deutsch).

Echeveria: (Bach einem mexikanischen Pflanzenzeichner) Gattung der Dickblattgewächse aus Mittel- und Südamerika mit dickfleischigen, wasserspeichernden, in Rosetten stehenden, oft farbig bereiften Blättern; Blüten in meist mehr blutigen, stattlichen Blütenständen; viele beliebte Zierpflanzen.

Echeverría, Esteban, 2.9.1805-19.1.1851, argentinischer Dichter und bürgerlicher Revolutionär; leistete durch seine Poeme («Die Gefangene», 1837) und die Erzählung «Der Schlachthof» (1840) sowie politische Schriften einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der argentinischen Literatur.

Echidna: (griechisch, «Schlange») in der griechischen Sage Ungeheuer, halb Schlange, halb Weib; von ihm stammen schreckliches Fabelwesen, wie Zerberus, Hydra von Lerna, Chimäre unter anderem, ab.

Echo: 1. Echo: Akustik: meist durch Reflexion entstandene, deutlich hörbare Wiederholung eines kurzen Schallsignals, wobei die Zeit zwischen Direktschal! und wiederholtem Signal > 0,05 s ist.

2. Echo: Ortungstechnik: Reflexion elektromagnetischen (Radar) oder akustische Wellen (Ultraschallortung) an festen oder bewegten Objekten, die zur Ortsbestimmung dieser Objekte ausgenutzt wird; das Echo seismische Wellen dient in der Geologie der Lagerstättenerkundung.

3. Raumfahrt: künstlicher Erdsatellit.

Echo, in der griechischen Sage eine Nymphe, die vor Kummer bis auf ihre Stimme dahinschwand, als Narziss ihre Liebe verschmähte.

Echoenzephalographie: Untersuchungsmethode, die einen Überblick über krankhafte Vorgänge im Schädelinnenraum gestattet. Dazu wird Ultraschall verwendet, der gezielt auf Teile des Schädels gerichtet wird und dessen Reflexion in Form einer Kurve (Echoenzephalogramm) elektronisch dargestellt wird.

Echographie: Abbildung von Organen und Organbewegungen mit Hilfe des Ultraschalls (Ultraschalldiagnostik), wobei der an den Organgrenzen reflektierte Anteil des eingestrahlten Ultraschalls ausgenutzt wird.

Echokardiographie, Ultraschallkardiographie. Registrierung der Echos ultraschallreflektierender bewegter Strukturen des Herzens, zum Beispiel Herzklappen, Herzräume, Herzmuskel und Herzbeutel; wertvolle Untersuchungsmethode.

Echolalie: zwanghaftes Nachsprechen von gehörten Wörtern und Sätzen, zum Beispiel bei Schizophrenie.

Echolot: Gerät zum Bestimmen der Tiefe von Gewässern, der Tiefenlage von Unterwasserhindernissen, Eisdicke von Gletschern unter anderem. Ein Schallsender sendet in gleichen Zeitabständen automatisch einen Ultraschallimpuls aus, der reflektiert wird und in einen Schallempfänger zurückgelangt. Aus der elektrisch gemessenen Laufzeit des Schalls lässt sich die Tiefe der reflektierenden Schicht ermitteln. Das Fischerei-Echolot ist ein besonders empfindliche Horizontal-Vertikal-Echolot (Abkürzung HV-Lot), das meist mit einem Fischsichtgerät gekoppelt ist. Das Echolot wurde 1913 von A. Behm erfunden und wird deshalb auch Behmlot genannt.

Echo-Ventrikulographie: Darstellen der Hirnkammern unter Verwendung von Ultraschallwellen. Die Echo-Ventrikulographie ermöglicht das Erkennen krankhafter Formveränderungen.

Echsen, Sauria: Unterordnung der Schuppenkriechtiere mit über 3000 überwiegend tropische und subtropische Arten; in der Regel mit 4 Gliedmaßen und bewegliche Augenlidern, Unterkieferäste fest verbunden; Fortpflanzung meist durch pergamentschalige Eier, einige Arten lebendgebärend; hierzu Geckos, Agamen, Leguane, Chamäleons, Eidechsen, Skinke, Schienenechsen, Schleichen, Warane, Gürtel- und Krustenechsen.

Echte Mehltaupilze, Erysiphales: parasitisch lebende Schlauchpilze, deren Hyphen spinnwebartig Blattober- und -Unterseiten höherer Pflanzen, zum Beispiel bei Stachelbeere, vielen Gräsern, Weinstock (hier werden auch die Beeren befallen) überziehen; Bekämpfung mit Hilfe von Schwefelpräparaten. Siehe auch Falsche Mehltaupilze.

Echtzeitverarbeitung, Real-Time-Verarbeitung: eine Betriebsart von Rechenautomaten, bei der Programme durch Prozessanforderungen gestartet und schritthaltend, das heißt in einer vorgegebenen Zeit, ausgeführt werden, um steuernden Einfluss auf den Prozess ausüben zu können. Echtzeitverarbeitung ist typisch für Prozessrechner, teilweise auch für Mikrorechner.

Eckart, Ekkehart, Eckewart, der getreue Eckart, Gestalt der gotischen Heldensage; als Warner (besonders vor dem wilden Heer Wotans und dem Venusberg) in die Volkssage eingegangen.

Eckball, Ecke: in einigen Sportspielen Strafe wegen Spielens des Balls hinter die eigene Torlinie außerhalb des Tores. Die gegnerische Mannschaft bringt den Ball von der Eckmarke wieder ins Spiel.

Ecke: 1. Geometrie: Punkt, in dem 2 Seiten eines Polygons beziehungsweise wenigstens 3 Seitenflächen eines Polyeders zusammenstoßen.

2. Sportspiele: Eckball.

Eckblatt, Eckknolle: blatt- oder knollenartiges Zierglied, das zwischen den Ecken der quadratischen Fußplatte und der runden Basis einer Säule vermittelt.

Eckener, Hugo, 10. 8. 1868-14. 8. 1954, Luftschiffführer; seit 1905 Mitarbeiter von F. Zeppelin, nach dessen Tod sein Nachfolger; unternahm mit Luftschiffen unter anderem 1928 eine Fahrt nach Nordamerika, 1929 die erste Weltfahrt, 1931 die erste Polarfahrt und 1936/37 planmäßige Fahrten nach Nordamerika mit dem Luftschiff «LZ 129» bis zu dessen Zerstörung durch Brand.

Eckermann, Johann Peter, 21.9.1792-3.12.1854, Literaturwissenschaftler; 1823 von J. W. Goethe nach Weimar geholt und mit der Redaktion von dessen Alterswerken betraut; verfasste die «Gespräche mit Goethe» (1836/38), ordnete dessen Nachlass und redigierte die Ausgabe der «Sämtlichen Werke» (1839/40, 40 Bände).

Eckert, Wolfgang, geboren 28.4.1935, Schriftsteller; gestaltet Themen der sozialistischen Gegenwart (Erzählung «Mit Ehrwürden fing alles an», 1970; Sammelband «Pardon sagen wir du?», 1973; Roman «Familienfoto», 1982).

Eckhart, Johannes, Meister Eckhart, um 1260-1327, Philosoph und Theologe; Dominikaner; vereinte in seinen mystischen Lehren auf neuplatonischer Grundlage den Menschen mit Gott; begründete die deutsche Mystik. Seine Lehren wurden 1329 von der katholischen Kirche als ketzerisch verdammt.

Ecklohn: Tarifgrundlohn im Kapitalismus für männliche Arbeiter über 21 Jahre mit abgeschlossener Berufsausbildung. Vom Ecklohn ausgehend, werden die Tariflohnsätze der übrigen Lohngruppen einer Tariftabelle durch Zu- oder Abschläge ermittelt. Die Gewerkschaften orientieren in Lohnkämpfen meist auf die Erhöhung des Ecklohns.

Ecksatz: der erste beziehungsweise letzte Satz einer Komposition von mindestens 3 Sätzen.

Ecraseleder: glattes, bunt gefärbtes Ziegen- oder Schafleder mit dunklerem Narbenkern für Damentaschen.

edaphisch: zum Boden gehörend; ökologischer Begriff in Bezug auf im Boden lebende Organismen beziehungsweise vom Boden abhängige abiotische Faktoren.

Edda: 1. Edda, Lieder-Edda, Ältere Edda: isländische Sammlung stabreimender Spruchdichtungen, Helden- und Götterlieder; wenige vor 900, einige erst im 12. Jahrhundert entstanden; älteste Handschrift aus dem 13. Jahrhundert.

2. Edda, Prosa-Edda, Snorra-Edda, Jüngere Edda: Lehrbuch der Skaldendichtung, um 1220 von Snorri Sturluson verfasst.

Eddington, Sir Arthur Stanley, 28.12.1882-22.11.1944, britischer Astronom; leistete zahlreiche fundamentale Beiträge zur Astrophysik («Der Innere Aufbau der Sterne», 1926, deutsch), gab 1924 die Masse-Leuchtkraft-Beziehung an, arbeitete auch über Allg. Relativitätstheorie und veröffentlichte populärwissenschaftlicher Bücher.

Edam-Volendam: Stadt im Nordwesten der Niederlande, in der Provinz Nordholland, nordöstlich von Amsterdam; 23000 Einwohner; Herstellung von Käse (Edamer); Kanal zum IJsselmeer und Hafen; Fremdenverkehr; Künstlerkolonie; Große Kirche (14. Jahrhundert).

Edel, Peter, 12.7.1921-7.5.1983, Schriftsteller und Maler; als antifaschistischer Widerstandskämpfer in den KZ Auschwitz, Sachsenhausen, Mauthausen; schuf dort eindrucksvolle Zeichnungen; schrieb unter anderem den Roman über das Schicksal eines jungen Juden unter dem Faschismus «Die Bilder des Zeugen Schattmann» (1969) und die autobiographische Zeitgeschichtedarstellung «Wenn es ans Leben geht» (1979).

Edelbrand, Edelbranntwein: Destillat aus Wein beziehungsweise solchen vergorenen Maischen, die dem daraus gewonnenen Produkt einen besonders wertvollen, je nach Rohstoff und Gärverfahren charakteristischen Geruch und Geschmack verleihen. Edelbrände sind unter anderem Wein-, Korn-, Obstbrand (zum Beispiel Slibowitz), Arrak, Rum. Den Maischen dürfen Aromastoffe, Zucker oder Alkohol nicht zugesetzt werden. Der Volumenanteil an Alkohol beträgt mindestens 38%. Mit Alkohol und Wasser verdünnter Edelbrand ist als Verschnitt zu deklarieren. Träger des sich zum Teil erst bei längerer Destillatlagerung herausbildenden typischen Aromas sind vor allem Aldehyde, organische Säuren und Ester.

Edelfäule: bei günstigem Klima nach Befall mit dem Pilz Botrytis cinerea an Vollreifen Weintrauben später Sorten ablaufender Prozess mit deutlicher Verbesserung des Zucker-, Säure- und Bukettstoff-Gehaltes der Moste; Voraussetzung zur Herstellung von Weinspitzenqualitäten (Ausbruchweine, Trockenbeerenauslesen).

Edelgase: Elementfamilie, die im Periodensystem der chemischen Elemente die VIII. Hauptgruppe bildet; umfasst Helium, Neon, Argon, Krypton, Xenon und Radon; ist in der Luft mit einem Volumenanteil von knapp 1% enthalten. Die Edelgase sind sehr reaktionsträge; nur von Krypton, Xenon und Radon konnten Verbindungen erhalten werden.

Edellaubhölzer: Laubholzarten, die in der Möbelindustrie wegen ihrer guten Holzeigenschaften besonders geschätzt sind, zum Beispiel Ahorn, Esche, Ulme.

Edellibellen, Teufelsnadeln, Aeshnidae: Familie der Großlibellen mit 12 heimischer Arten; Körper bis 8 cm lang, Flügelspanne bis 11 cm, Flügel meist farblos, Hinterleib mit grünem, blauem oder gelbem Mosaikmuster; ihre Larven leben räuberisch im Wasser von anderen Insekten; hierzu die grüne Königslibelle (Anax imperator) mit gelblichen Flügeln.

Edelmann, Johann Christian, 8.7.1698-12.2.1767, Philosoph. Vom Pietismus ausgehend, wurde Edelmann Vertreter der Aufklärung, Anhänger B. Spinozas und scharfer Kritiker der kirchlichen Orthodoxie, die ihn wegen Materialismus und Atheismus verfolgte.

Edelmetalle: chemisch sehr widerstandsfähige, wertvolle Metalle mit stark positivem Standardpotential, insbesondere die Platinmetalle, Gold und Silber.

Edelreis: einjähriger Trieb einer Pflanze, der bei der Veredlung mit einer artverwandten Unterlage verbunden wird.

Edelstahl: hochwertiger, fast ausschließlich in Elektroofen nach wissenschaftlich-technischem Verfahren erzeugter Stahl mit bestimmten Eigenschaften, insbesondere mit niedrigem Phosphor- und Schwefelgehalt.

Edelsteine: seltene Minerale schöner Färbung, großer Klarheit, hoher Lichtbrechung, großer Härte und mit der Mode wechselnder Bedeutung; zum Beispiel Diamant, Edler Spinell, Rubin, Saphir (Korund) unter anderem. Die Schönheit der Edelsteine kommt erst durch den entsprechend Schliff (Facettenschliff beim Brillant) voll zur Geltung. Die Winkel zwischen den Facetten sind so berechnet, dass Lichtbrechung, Dispersion und Totalreflexion maximal wirksam werden. Ursprungsland der Edelsteine Bearbeitung ist wahrscheinlich Indien. Im Altertum wurden Edelsteine zu Zwecken der Heilkunde und Magie verwendet (Ableitung vieler Namen); siehe auch Schmucksteine.

Edelweiß, Leontopodium alpinum: in den Alpen, Pyrenäen und Karpaten an Kalkfelsen Vorkommender Korbblütler (u. N.); ein Stengel trägt mehrere Blütenkörbchen, die gemeinsam von sternförmig angeordneten, weißfilzigen Hochblättern umgeben sind.

Edfu: Stadt in Oberägypten, am linken Nilufer, mit alten Stadtresten, darunter der vorzüglich erhaltene Horustempel aus ptolemäischer Zeit.

Ediacara-Fauna: nach dem Fundort in Australien benannte, inzwischen weltweit nachgewiesene, etwa 700 Millionen Jahre alte, reichste präkambrische Fauna mehrzelliger Organismen; Verwandtschaft mit jüngeren Organismen unklar,

Edikt: Erlass, landesherrliche Verordnung. In der Aktenkunde Bezeichnung für die allgemeinen Rechtsnormen, die vom 16. bis 19. Jahrhundert vom absoluten Monarchen aus eigener Machtvollkommenheit erlassen wurden, zum Beispiel Edikt von Nantes.

Edinburgh: Hauptstadt Schottlands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Region Lothian, am Firth of Forth; 420000 Einwohner; Verwaltungs- und Finanzzentrum; vielseitige Industrie, besonders Schiff- und Maschinenbau, elektronische, polygraphische, chemische, Papier- und Bekleidungsindustrie, Bier- und Whiskyherstellung; Verlage; Hafen in der Vorstadt Leith internationaler Flughafen; 2 Universitäten; Nationalmuseum, nationale Kunstgalerien, Bibliotheken, Sternwarte (1896 gegründet), botanischer Garten, Oper, seit 1947 Edinburgher Festspiele für Musik, Oper und Drama; internationaler Tagungsort; Burg (12. Jahrhundert, heute Museum), gotische Kathedrale (14./16. Jahrhundert); Geburtsort von W. Scott. Als angelsächsischer Burgort im 7. Jahrhundert gegründet; seit dem 12. Jahrhundert Schott. Königsburg, erhielt 1329 Stadtrechte, seit dem 15. Jahrhundert Hauptstadt Schottlands.

Edison, Thomas Alva, 11.2. 1847-18.10. 1931, US-amerikanischer Erfinder. Edison war besonders schöpferisch und vielseitig; erfand unter anderem das Kohlemikrophon und die Sprechmaschine (Grammophon), entwickelte die Vielfachtelegrafie, machte die Kohlefadenlampe praktisch verwendbar, verbesserte den Stahl- (Edison-) Sammler, Telegrafenapparate, die Zementherstellung unter anderem

Edition: Ausgabe eines Literaturwerkes; auch Verlagsserie oder -name, zum Beispiel Edition Peters.

Editionskunde, Archäographie (griechisch): Zweigdisziplin der Geschichtswissenschaft, die die unter bestimmten praktischen Zielstellungen entstandenen schriftlichen Quellen für die wissenschaftliche Arbeit aufbereitet und publiziert und dafür die methodischen Grundsätze entwickelt.

Edmonton: Stadt in Kanada, Verwaltungszentrum der Provinz Alberta, am Nördlichen Saskatchewan; 530000 Einwohner, mit Vororten 660000 Einwohner; Erdölverarbeitung, chemische, Stahl-, Zement-, Lebensmittel-, Textil-, Holzindustrie; Ausgangspunkt der beiden Haupterdölleitungen Kanadas nach Vancouver und Toronto; internationaler Flughafen; Universität; Erdöl- und Erdgasförderung.

Edrisi, Idrisi, Abu Abdallah Muhammad, 1100-1166, arabischer Geograph; schuf am Hofe des Normarmenkönigs Roger II. von Sizilien eine in Silber getriebene Karte der damals bekannten Welt (nur als Kopie erhalten) und verfasste eine Erdbeschreibung.

Edschmid, Kasimir, eigentlich Eduard Schmid, 5.10. 1890-31. 8. 1966, Schriftsteller; anfangs einer der Wortführer des Expressionismus, schrieb später gängige bürgerliche Sport-, Gesellschafts- und Reiseromane.

Eduard, Edward, Könige von England beziehungsweise Großbritannien: 1. Eduard, Eduard der Bekenner, um 1002-5.1.1066, angelsächsischer König seit 1042.

2. Eduard I., 17. 6. 1239-7. 7. 1307, König seit 1272 (Haus Plantagenet); stellte 1265 durch den Sieg über S. de Montfort die königliche Macht über das Parlament wieder her, eroberte 1282 Wales.

3. Eduard IV., 28. 4. 1442-9. 4. 1483, König seit 1461 (Haus York); besiegte während der Rosenkriege die Dynastie Lancaster; förderte die Handelsbourgeoisie.

4. Eduard VII, 9.11. 1841-6. 5. 1910, König seit 1901 (Haus Sachsen-Coburg und Gotha); forderte die Blockbildung gegen den rivalisierenden deutschen Imperialismus.

Efendi, Effendi (französisch - türkisch - griechisch, «Herrn»): früher türkischer Ehrentitel und Anredeform für höhere Staatsbeamte.

Efeugewächse, Araliaceae: Bäume oder Sträucher mit unscheinbaren Blüten und Beeren- oder Steinfrüchten; vorwiegend in den Tropen; heimisch ist der immergrüne kletternde Efeu (Hedera helix) mit Haftwurzeln und giftigen Beeren; einige Efeugewächse sind als Zierpflanzen beliebt, z. B. die Zimmeraralie.

Effekt: 1. allgemein (überraschende) Wirkung; Erfolg; Eindruck.

2. physikalische, chemische oder biologische Erscheinung von besonderer Bedeutung für die naturwissenschaftlicher Erkenntnis; meist nach dem Entdecker (zum Beispiel Zeeman Effekt) oder der speziellen Wirkung (zum Beispiel Tunneleffekt) benannt.

Effekten: Wertpapiere; insbesondere solche, die in kapitalistischen Ländern an der Börse gehandelt werden und der langfristigen Kapitalanlage dienen.

Effektgarn: Garn, bei dem entsprechend dem Verwendungszweck eine beabsichtigte Veränderung der äußeren Form vorgenommen worden ist. Siehe auch Effektzwirn.

effektive Kampfzeit, in Sportspielen effektive Spielzeit: reine Wettkampfzeit (im Boxen, Fechten, Ringen, Basketball, Eishockey, Wasserball) nach Abzug aller Unterbrechungen.

effektiv (französisch): tatsächlich, wirklich; wirksam,

effektive Masse: Größe der Festkörpertheorie, bei der die Wechselwirkung der Ladungsträger, wie Elektronen oder Löcher, mit dem Kristallgitter berücksichtigt wird. Unter der Wirkung elektrischer oder magnetischer Felder bewegen sich die Ladungsträger wie freie Teilchen mit der entsprechend effektiven Masse. Die effektive Masse der Elektronen stellt einen Tensor im f-Raum dar.

Effektivität: summarischer Ausdruck für die Wirksamkeit (Ergiebigkeit) der eingesetzten lebendigen und vergegenständlichten Arbeit im produzierenden und nichtproduzierenden Bereich der Volkswirtschaft zur besseren Befriedigung gesellschaftlicher und individueller Bedürfnisse. Die Effektivität bringt das Verhältnis zwischen Ertrag und Aufwand zum Ausdruck. Von entscheidender Bedeutung ist die volkswirtschaftliche Effektivität. Sie stellt sich dar als Verhältnis des bedarfsgerecht strukturierten Nationaleinkommens zum Gesamtaufwand an Arbeit in allen Phasen des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses. Wachsende Effektivität auf der Grundlage des verstärkten Einsatzes von Wissenschaft und Technik ist entscheidende Voraussetzung für die weitere Verwirklichung der Hauptaufgabe in ihrer Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik. Wichtige Effektivitätskennziffern sind Arbeitsproduktivität, Fondsquote, Materialintensität, Rentabilitätsrate.

Effektivlohn: Gesamtsumme des aus dem betrieblichen Lohnfonds an den Werktätigen entsprechend gesetzlichen Bestimmungen und tarifvertraglichen Regelungen sowie gehören Tarif- beziehungsweise Grundlohn, mehr Lohn sowie Lohnzuschläge für Abweichungen von den normalen Arbeitsbedingungen (Arbeitserschwernisse, Überstunden- und Nachtarbeit).

Effektivwert: Elektrotechnik der quadratische Mittelwert einer Wechselgröße (bei zeitlich sinusförmigem Verlauf 0,707 • Amplitude). In der Praxis werden Strom- und Spannungswert bei Wechselgrößen fast immer als Effektivwert angegeben, der die gleiche Wärme (Joulesche Wärme) in einem ohmschen Widerstand wie ein Gleichstrom hervorruft.

Effektkanal: Filmtechnik auf der Filmkopie zusätzlich zu den Haupttonspuren angebrachte Tonspur für besondere akustische Effekte (Gewitter, Umgebungsgeräusche u. ä.), die von Lautsprechern an der Decke und Seite des Zuschauerraumes abgestrahlt werden.

Effektlacke: Anstrichstoffe, die eine besondere, effektvolle Oberflächenstruktur ergeben, zum Beispiel Hammerschlag-, Kräusel-, Spinnweben-, Reiß- und Eisblumenlack.

Effektzwirn: Zwirn, dessen Oberfläche durch einen Effektfaden strukturell verändert worden ist, zum Beispiel durch Noppen, Schlingen und Knoten; Anwendung für mod. Effekte in Geweben und Maschenstoffen.

Effemination, («Verweiblichung»), Gynandrie: konträre Sexualempfindung, wobei sich der Mann völlig als Frau fühlt. Die Effemination kann durch bestimmte körperliche Leiden, vor allem durch endokrine Störungen und Leberkrankheiten entstehen. Auf psychischer Ebene bildet sie sich trotz Intaktheit der körperlichen Maskulinität im Verlauf von psychopathisch-neurotischen Entwicklungen heraus, vor allem bei Homosexualität und Transvestismus.

efferent: wegführend; als efferent bezeichnet man in Anatomie und Physiologie die Erregungsleitungsrichtung in Nerven vom Zentrum weg zur Peripherie.

Efferenzkopie: Physiologie «Kopie» der efferenten Information, die im Zentralnervensystem kurzzeitig gespeichert wird, so dass ein Vergleich mit der Reafferenz möglich wird.

Effet: Sportspiele Drehimpuls; Drall, der einem Ball (einer Kugel) durch besonderen Schlag oder Stoß erteilt wird.

Effloreszenzen, Hautblüten: kleinste Einzelgebilde, aus denen ein Hautausschlag besteht, zum Beispiel Bläschen, Knötchen, Pustel, Fleck, Kruste, Schuppe, Abschürfung, Geschwür; Größe, Form, Farbe, Sitz und Verteilung der Effloreszenzen sind wichtig für die dermatologische Diagnose.

Effusion: 1. Geologie: Eruption.

2. Physik: langsamer Durchgang eines Gases durch eine poröse Wand infolge unterschiedlichen Gasdruckes auf deren beiden Seiten, wenn die Porengröße klein gegenüber der mittleren freien Weglänge der Gasmoleküle ist.

egalisieren: 1. allgemein ausgleichen, gleichmachen.

2. textile Flächengebilde mit Hilfe von Spannrahmen oder -rädern (Palmer) auf vorbestimmte Breite strecken sowie die Quer- und Längsrichtung rechtwinklig ausrichten.

egal: (französisch) gleich(artig); umgangssprachlich gleichgültig, einerlei.

Egbert von Wessex, um 775-839, König von Wessex seit 802; begründete 825/29 die Vorherrschaft von Wessex gegenüber den angelsächsischen Kleinkönigen und bekämpfte erfolgreich die dänischen Normannen.

Egel, Blutegel, Hirudinea: Ordnung der Gürtelwürmer; vorwiegend Wasserbewohner, deren nur äußerlich geringelter, oft abgeflachter Körper keine Borsten aufweist, aber am Vorder- und Hinterende je eine muskulöse Haftscheibe trägt; ernähren sich räuberisch von anderen Wassertieren oder saugen Blut an Wirbeltieren. Der bis 15 cm lange Medizin. Blutegel (Hirudo medicinalis) wird in der Medizin zur Blutentnahme (Schröpfen) benutzt. An Süßwasserfischen schmarotzt der Fischegel (Piscicola geometra), der die Bauchwassersucht überträgt.

Egel, Karl Georg, geboren 8.12.1919, Schriftsteller; schrieb Filmszenarien («Geheimakte Solvay», 1953; «Genesung», 1957; «Lied der Matrosen», 1959, mit P. Wiens) und mehrteilige Fernsehfilme (unter anderem «Dr. Schlüter», 1965/66; «Ich Axel Cäsar Springen), 1968/70, mit H. Czepuk).

Egell, Paul, 9.4.1691-10.1.1752, Bildhauer; Schüler und Mitarbeiter von B. Permoser in Dresden, ab 1721 Hofbildhauer in Mannheim; leitete mit seinen dekorativen, rhythmisch bewegten Skulpturen das Rokoko ein.

Egelschnecken, Limacidae: heimische Nacktschnecken, die in Gärten, Kellern und so weiter meist Pflanzen- und Vorratsschädlinge sind; dazu Ackerschnecken, Kellerschnecken und der bis 15 cm lange Große Schnegel (Limax maximus). Durch Kotfressen übertragen Egelschnecken Krankheitskeime auf Pflanzen.

Eger: 1. Ohre.

2. Eger: Stadt im Norden Ungarns, Verwaltungszentrum des Bezirkes Heves, an den Südausläufern des Bükk; 60000 Einwohner; feinmechanische, Möbel-, Tabakindustrie, Keltereien; Hochschule; Museen, Theater; Thermalbad; in der Umgebung Weinbau (Egri Bikaver); Bauten aus dem 16. Jahrhundert (Burg mit Kasematten) und 17. Jahrhundert (türkisches Minarett); bedeutende spätbarocke Bauten (Minoritenkirche, ehemaliges Bischofslyzeum), neoklassizistischen Kathedrale des 19. Jahrhundert.

Seit dem Mittelalter Bischofssitz; im 13. Jahrhundert von den Mongolen zerstört, im 15. Jahrhundert neue Blüte. 1552 hielt die Burg von Eger der Türkenbelagerung stand; ihre heldenhafte Verteidigung (besonders auch durch Frauen) ging legendär in die ungarische Literatur ein.

Egge: landwirtschaftliches Gerät zur Bodenbearbeitung und Unkrautbekämpfung, besonders zum Zerkrümeln der oberen Bodenschicht. Zinkenegge werden als Ackeregge oder Wiesenegge in Form von Starregge ausgeführt. Sie variieren nach Zinkenform, Strichabstand und spezifischen Zinkenmasse von leichten bis zu schweren Eggen. Die Netzegge (Ackerstriegel) ist eine verbreitete Form der leichten Gliederegge Scheibenegge zerschneiden und zerkrümeln den Boden mittels drehbar angeordneter gewölbter Stahlscheiben.

Egmont, Lamoral Graf von, 18.11. 1522-5. 6. 1568, niederländischer Freiheitskämpfer und einer der Führer der Adelsopposition gegen die spanische Fremdherrschaft. Egmont war 1559 Statthalter von Flandern und Artois, legte 1561 aus Protest gegen die Missachtung ständ. Rechte durch den absoluten Monarchen seine Ämter nieder und wurde auf Befehl des Herzogs Alba hingerichtet. Goethes Drama «Egraont» folgt nicht den historischen Tatsachen.

Egotismus: das Bestreben, die eigene Person in den Vordergrund zu stellen, die Sucht, von sich selbst zu sprechen. In der Literatur gelegentlich Bezeichnung für das Abfassen von Romanen in der Ich-Form zwecks Selbstdarstellung des Autors.

Egoutteur: Vorpreßwalze (Siebwalze), die die noch plastische Papierbahn verdichtet und Unebenheiten ausgleicht; auch zum Einprägen des (echten) Wasserzeichens benutzt.

Egozentrismus: extrem ichbezogene Einstellung zur objektiven Realität, insbesondere zur sozialen Umwelt; Wahrnehmen und Denken erfassen und verabsolutieren subjektiv individuell Bedeutsames und vernachlässigen die Vielfalt objektiver Merkmale der Umwelt; typisch für frühe Phasen der kindlichen Entwicklung.

Egrenieren, Entkörnen: Losreißen der Baumwollfasern von den Samenkörnern mittels Säge- oder Walzenegreniermaschine.

Ehe: («Recht, ewiges Gesetz») die nach dem Gesetz geschlossene Lebensgemeinschaft von Mann und Frau, die von diesen gemeinsam und in eigener Verantwortung gestaltet wird. In der antagonistischen Klassengesellschaft ist die Ehe durch wirtschaftliche und juristische Abhängigkeit der Frau vom Mann gekennzeichnet. Die sozialistische Gesellschaft schafft die Voraussetzungen für eine wirklich freiwillige auf gegenseitiger Zuneigung beruhende Ehe Sie dient der Persönlichkeitsentwicklung der Ehegatten und der Erziehung der Kinder.

Ehefähigkeit: frühere Bezeichnung für die Voraussetzungen zur Eheschließung, zum Beispiel Ehemündigkeit, Nichtvorliegen eines Eheverbotes.

ehernes Lohngesetz: von F. Lassalle so benannt und in der Arbeiterbewegung propagierte unwissenschaftlich, gegen die Interessen der Arbeiterklasse gerichtete mechanisch-biologische Lohntheorie, nach der Lohnerhöhungen über das Existenzminimum hinaus infolge der sich daraufhin einstellenden Bevölkerungsvermehrung zum Mehrangebot von Arbeitskräften und damit zur Lohnsenkung auf den alten Stand führen müssen; verkennt die Rolle der ökonomischen Faktoren und des Klassenkampfes für die Lohnentwicklung.

Ehesachen: Verfahren wegen Ehescheidung, Ehenichtigkeit und Feststellung des Bestehens einer Ehe.

Eheverfahren: die gerichtliche Verhandlung und Entscheidung in Ehesachen, insbesondere das Scheidungsverfahren; geregelt in der Zivilprozessordnung vom 19. 6. 1975. Im Scheidungsverfahren ist grundsätzlich eine Aussöhnungsverhandlung durchzuführen; das Eheverfahren kann zum Zwecke der Aussöhnung auch ausgesetzt werden; die streitige Verhandlung erfolgt im Anschluss an die Aussöhnungsverhandlung oder in einem neuen Termin. Bei der Klage auf Scheidung oder auf Feststellung der Nichtigkeit einer Ehe ist das Verfahren auch über die Regelung des elterlichen Erziehungsrechts, den Unterhalt der minderjährigen Kinder und auf Antrag eines Ehegatten über dessen Unterhalt durchzuführen. Außerdem sind auf Antrag mit dem Eheverfahren die Verteilung des gemeinschaftlichen Vermögens, der Ausgleichsanspruch, die Regelung der Rechtsverhältnisse an der Ehewohnung und die Anfechtung der Vaterschaft für ein in der Ehe geborenes Kind zu verbinden. Siehe auch Ehescheidung.

Ehevertrag: die nach früherem Recht zulässige Vereinbarung der Ehegatten über ihre güterrechtliche Verhältnisse; war erforderlich, wenn diese abweichend von dem gesetzlichen Güterstand geregelt werden sollten. Siehe auch eheliches Güterrecht.

E-Horizont, Eluvialhorizont (lateinisch + griechisch), Verarmungshorizont: aufgehellter, oberhalb des B-Horizontes liegender Zwischenhorizont des Bodens. Man unterscheidet die Subhorizonte Es (Aschhorizont; verarmt an Humus) und Et (Fahlhorizont; verarmt an Ton).

Ehre: einer Persönlichkeit oder Menschengruppe durch die Gesellschaft beziehungsweise bestimmte soziale Gruppen zuerkannte moralische Wertschätzung, die Grundlage moralischer Selbstachtung (Ehrgefühl, Würde) geworden ist. Ehre beruht vor allem auf Standeszugehörigkeit (Feudalismus), Eigentum (Kapitalismus) oder auf Leistungen für eine bestimmte Gemeinschaft oder die ganze (zum Beispiel sozialistische) Gesellschaft. besonders im politischen Leben steht sich die Ehre progressiver und reaktionärer Kräfte (Ehrung/Verurteilung) oft unversöhnlich gegenüber.

Ehrenberg, Christian Gottfried, 19. 4. 1795-27. 6. 1876, Naturforscher; begründete die Mikropaläontologie, entdeckte die Bakterienteilung, verfasste unter anderem ein Werk über die Fortpflanzung der Pilze.

Ehrenbürger: Ehrentitel, der bedeutenden Persönlichkeiten in Anerkennung besonderer Verdienste durch eine Stadt beziehungsweise Gemeinde traditionsgemäß verliehen werden kann.

Ehrenfest, Paul, 18.1.1880-25.9.1933, österreichischer Physiker, arbeitete in St. Petersburg (Leningrad) und seit 1912 in Leiden; gab wesentliche Beiträge zur statistischen Physik, zur Quantenmechanik (Ehrenfestsches Theorem) und zur Atomphysik.

Ehrenlegion, Légion d'honneur (französisch): französischer Orden in fünf Klassen, den der Staatspräsident an Zivil- und Militärpersonen verleiht; 1802 von Napoleon Bonaparte gestiftet. Die Devise der Auszeichnung lautet «Honneur et Patrie» (Ehre und Vaterland).

Ehrenpreis, Männertreu, Veronica: Gattung der Braunwurzgewächse mit kleinen, meist blauen radförmigen Blüten; zahlreiche Arten auf Äckern, Wiesen, Trockenrasen sowie in Wäldern, an Gräben und Sümpfen.

Efeu: (V. hederifolia) ist ein verbreitetes Unkraut der Äcker.

Ehrenstein, Albert, 23.12.1886-8.4.1950, österreichischer Schriftsteller; ab 1932 im Exil; schuf mit seiner Erstlingserzählung «Tubutsch» (1911) eine der bedeutendsten Prosadichtungen des Frühexpressionismus. Die Gedichtbände «Der Mensch schreit» (1916), «Die rote Zeit» (1917) und die Sammlung «Den ermordeten Brüdern» (Gedichte und Prosa, 1919) bezeugen seinen Weg zum konsequenten, der Arbeiterklasse verbundenen Kriegsgegner.

Ehringsdorf: am südlichen Rand von Weimar gelegener Fundort von Menschenresten aus der letzten Zwischeneiszeit, die den Paläanthropinen zugeordnet werden.

Ehrismann, Gustav, 8.10.1855-9.9.1941, Germanist; edierte wichtige Werke der mittelalterlichen Literatur (unter anderem «Der Rennen) von Hugo von Trimberg, 1908/11, 4 Bände; «Weltchronik» von Rudolf von Ems, 1915); schrieb die «Geschichte der deutschen Literatur bis zum Ausgang des Mittelalters» (1918/35, 4 Bände).

Ehrlich, Paul, 14.3.1854-20.8.1915, Internist, Serumforscher und Pharmakologe; Professor in Berlin, Göttingen und Frankfurt am Main; arbeitete insbesondere auf dem Gebiet der klinischen Chemie und gilt als eigentlich Begründer der morphologischen Blutlehre. Ehrlich hat auch die experimentelle Chemotherapie als Wissenschaft begründet. Sein 1907 entwickeltes Syphilismittel Salvarsan erlangte Weltruf.

Ehrlichkeit: Eigenschaft von Menschen, in Haltung, Handlung, Äußerung stets ihren tatsächlichen Erkenntnissen, Wertungen, Absichten und so weiter zu entsprechen. Im Gegensatz zum Entstellen der vorhandenen beziehungsweise Vorspiegeln nicht vorhandener Überzeugungen (Unehrlichkeit) fördert Ehrlichkeit (Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit) die sozialistische Persönlichkeits- und Kollektiventwicklung. Ehrlichkeit ist kein Kriterium für die Richtigkeit (objektive Wahrheit) von Bewusstseinsinhalten, die Zweckmäßigkeit oder den sozialen Charakter von Absichten.

Eizelle, Oozyte, Ovum weiblicher Fortpflanzungszelle der Vielzeller, die aus dem Eikern, Eiplasma mit Dotter und den Eihäuten (Eihüllen) besteht. Beim dotterreichen Vogelei liegt der junge Keim als helle Scheibe (Keimscheibe) dem Nährdotter (Eigelb) auf; die äußeren Schichten (Eiklar mit Hagelschnüren, Schalenhaut und Kalkschale) werden in bestimmten Abschnitten des Eileiters nacheinander gebildet. Säugetiere haben kleine, dotterarme Eier (beim Menschen etwa 0, 2 mm Durchmesser). Das Hühnerei hat für die menschliche Ernährung eine große Bedeutung. Es enthält lebensnotwendige Amino- und Fettsäuren sowie Vitamine.

Eibe, Taxus baccata: heimischer zweihäusiger, zu den Eibengewächsen gehörender, niedrig wachsender Baum mit giftigen Nadeln und Samen; ungiftig ist der rote Samenmantel; in wintermilder Klimalage vorkommend (u. N.); auch Ziergehölz. Das Holz wird zu Drechslerarbeiten verwendet und schwarz gebeizt als «deutsches Ebenholz» bezeichnet.

Eibengewächse, Taxaceae: einzige Familie der zu den Nacktsamern gehörenden Klasse der Eiben ähnlichen; vorwiegend auf der nördlichen Hemisphäre vorkommend; nadelholzähnlich, aber nicht zu den Koniferen gehörend; immergrüne Holzgewächse, deren Nadeln keine Harzgänge besitzen; Blüten zweihäusig, windbestäubt. Jede Blüte entwickelt nur 1 Samen, der von einem roten fleischigen Samenmantel umgeben ist. Zu den Eibengewächsen gehören unter anderem die Gattungen Eibe (Taxus) und Nusseibe (Torreya).

Eibenstock: Stadt im Kreis Aue, Bezirk Karl Marx-Stadt, im oberen Westerzgebirge; 7500 Einwohner; Stickereien, elektrotechnischen, Metallwarenindustrie; Forstwirtschaft; Freilichtbühne; Erholungsort (631 m über dem Meeresspiegel). Im Norden von Eibenstock, an der Zwickauer Mulde, Talsperre Eibenstock (3,5 km2; Stauraum 77 Millionen m3), im 0sten an der Kleinen Bocka, «Talsperre des Friedens» (0,4 km2; 5,9 Millionen m3; Sosa).

Eibisch: 1. Eibisch, Althaea: zu den Malvengewächsen gehörende Gattung dichtbehaarter Kräuter und Sträucher; als Arzneipflanze an feuchten, besonders salzhaltigen Orten der Echte Eibisch (A. officinalis), als Zierpflanze in verschiedenen Farben die sogenannte Stockrose (Roter Eibisch, A. rosea) ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation von Eichenmoosextrakten gewonnen und in der Parfümerie verwendet wird.

2. Eibisch, Hibiscus: zu den Malvengewächsen gehörende Zierpflanze aus den Tropen, zum Beispiel als Zimmerpflanze der Chinesischen Roseneibisch (H. rosa-sinensis), in Gärten angepflanzt der Roseneibisch, genannt «Rose von Sharon» (H. syriacus).

Eich, Günter, 1.2. 1907-20.12. 1972, Schriftsteller; bekannt geworden als Lyriker («Abgelegene Gehöfte», 1948; «Botschaften des Regens», 1955; «Anlässe und Steingärten», 1966) und vor allem als Autor von Hörspielen («Träume», 1950; «Die Mädchen aus Viterbo», 1953; «Man bittet zu läuten», 1964), in denen sich ein humanistische Anspruch mit poetischer Originalität vereint.

Eiche, Quercus: Gattung einhäusiger Laubbäume der Familie Buchengewächse mit meist buchtig gelappten Blättern; Frucht (Eichel) in einem Fruchtbecher. Heimisch sind Stieleiche (Q. robur) und Traubeneiche (Q. petraea); angepflanzt Roteiche (Q. rubra), Sumpfeiche (Q. palustris) unter anderem; im Mittelmeergebiet immergrüne Eiche, zum Beispiel Korkeiche (Q. suber) und Steineiche (Q. ilex). Eichen liefern wertvolles Hartholz. Die gerbstoffreiche Rinde wird als Eichenlohe zur Lederherstellung oder Korkgewinnung (Korkeiche) verwendet.

Eichel: 1. Eichel, (Glans) Anatomie: vorderes, verdicktes Ende des Penis beziehungsweise Kitzlers.

2. Botanik: Frucht (Nuss) der Eiche; sitzt einzeln in einem becherförmigen Gewebe der Sprossachse auf.

3. Kartenspiele: Kreuz.

Eichelhäher, Garrulus glandarius: etwa 35 cm großer Rabenvögel der Wälder Eurasiens mit blauen Flügeldecken und lauter Stimme; versteckt im Herbst Eicheln als Nahrungsvorrat; Nestplünderer.

Eichelwürmer, Enteropneusta: artenarmer Tierstamm (von manchen Forschern als Unterstamm der Wirbeltiere betrachtet); wurmförmige, 10 bis 250 cm lange Urwirbeltiere, deren Vorderende als eichelförmige Kopfblase abgesetzt ist; haben als ursprüngliches Wirbeltiermerkmal an der Rückenseite des Vorderdarmes 2 Reihen schlitzförmiger Kiemenspalten; leben in Röhren im Meeresboden.

Eichenbock, Heldbock, Cerambyx cerdo: in der Dämmerung fliegender 4 bis 5 cm langer, dunkelbrauner Bockkäfer; Larven im Holz alter Eichen.

Eichendorff, Joseph von, 10.3.1788-26.11.1857, Dichter, Übersetzer; bedeutendster Vertreter der volkstümlichen deutschen Romantik; nahm an den Befreiungskriegen teil, war 1816/44 preußischer Staatsbeamter. Eichendorff schrieb den Roman «Ahnung und Gegenwart» (1815), viele volksliedhafte Gedichte («In einem kühlen Grunde», «O Täler weit, o Höhen», «Wem Gott will rechte Gunst erweisen»), die oft vertont wurden (F. Schubert, R Schumann unter anderem), und mit der Tendenz des romantischen Antikapitalismus, die lyrische Novelle «Aus dem Leben eines Taugenichts» (1826).

Eichenfarn, Gymnocarpium dryopteris: kalkmeidender, bis 40 cm hoher Waldfarn mit langem Blattstiel und Wedel. Jede der beiden untersten Fiedern ist etwa so groß wie die restliche Spreite.

Eichengallwespen: Gattung der Gallwespen, deren Larven Galläpfel unter anderem Wucherungen an Eichenblättern erzeugen.

Eichenwickler, Tortrix viridana: 18 bis 23 mm große, grüne Wicklerart; Raupen jahrweise an Eichen schädlich. Siehe auch Schmetterlinge.

Eichfelder, Selected Areas: ausgewählte Gebiete des Himmels, in denen möglichst alle Sterne nach Helligkeit, Bewegung unter anderem untersucht werden; bilden eine Grundlage für die Stellarstatistik.

Eichfeldtheorien: Klasse von Feldtheorien der Elementarteilchen, bei denen die Invarianz der Elementarteilchen-Multipletts gegenüber Transformationen der inneren Quantenzahlen (entsprechend einer vorgegebenen Eichgruppe) lokal gefordert wird, das heißt, in jedem Raum-Zeit-Punkt kann die physikalische Definition zum Beispiel des Protons und des Neutrons wechsel-weise willkürlich geändert werden. Diese Möglichkeit willkürlicher lokaler «Umeichungen» wird durch die Einführung masseloser Eichbosonen erreicht, die die Wechselwirkungen zwischen den Elementarteilchen vermitteln. Die einfachste Eichfeldtheorie ist die Quantenelektrodynamik, die die Wechselwirkung elektrisch geladener Elementarteilchen, zum Beispiel Elektronen und Positronen, durch den Austausch von Photonen als Eichbosonen beschreibt. Die Quantenchromodynamik beschreibt die Wechselwirkung von «farbigen» Quarks und Antiquarks durch den Austausch von Gluonen als Eichbosonen. Durch eine spontane Brechung der Eichsymmetrie, die zum Beispiel durch Einführung von massiven Higgs-Bosonen mit Spin 0 erreicht wird, lassen sich auch massive Eichbosonen, zum Beispiel die intermediären Bosonen der schwachen Wechselwirkung in der elektroschwachen Eichfeldtheorien, erklären. Siehe auch Quantenfeldtheorie, Supersymmetrie.

Eichhorn: 1. Karl Friedrich Eichhorn, 20.11.1781-4.7.1854, Rechtshistoriker; führender Vertreter der germanischen Richtung der historischen Rechtsschule; Hauptwerk ist «Deutsche Staats- und Rechtsgeschichte» (1808/23).

2. Wolfgang Eichhorn, geboren 23.2.1930, Philosoph; Professor am Zentralinstitut für Philosophie der AdW, beschäftigt sich besonders mit Problemen des historischen Materialismus;

Eichhörnchen, Sciurus vulgaris: zu den Hörnchen gehörendes Nagetier mit rotem oder schwarzem Fell und buschigem, im Sitzen aufrecht getragenem Schwanz; baut ein Baumnest («Kobel»); in Eurasien verbreitet.

Eichpfahl: amtliches Messzeichen, das die zulässige höchste Lage des Wasserspiegels bei Stauanlagen bezeichnet.

Eichwagen, Eichfahrzeug-, Eisenbahnfahrzeug mit Einrichtungen zur Eichung der Gleiswaagen.

Eichung: im Auftrag durchgeführte Prüfung eines für bestimmte Anwendungszwecke eingesetzten Messmittels mit Beurkundung, dass das Messmittel den Eichvorschriften genügt; fälschlich synonym für Einmessen, Kalibrieren oder Justieren verwendet; für Normale bisher als Beglaubigung bezeichnet.

Eid, Schwur, feierliche Beteuerung der Wahrheit einer Erklärung oder der Ehrlichkeit eines Versprechens, zum Beispiel der Verfassungs- (Dienst-) Eid höchster Staatsfunktionäre und der Fahneneid Militärangehöriger. Als Beweismittel vor Gericht wird der Eid in der DDR nicht mehr verwendet, ist jedoch zulässig im Rechtshilfeverfahren auf Antrag ausländischer Organe. Siehe auch Versicherung an Eides Statt.

Eidechsen, Halsband-Eidechsen, Lacertidae: eurasisch-afrikanische Familie der Echsen; meist schlanke, langschwänzige Bodenbewohner mit wohlentwickelten Gliedmaßen; meist eierlegend, überwiegend in trockenen, besonnten Biotopen; hierzu Perleidechsen, Smaragdeidechsen, Waldeidechsen, Zauneidechsen, Fransenfinger und Wüstenrenner; viele Eidechsens Lid beliebte Terrarientiere.

Eidechsennatter, Malpolon monspessulanus: von Südosteuropa bis Vorderasien und in Nordafrika verbreitete, bis über 2 m lange tagaktive Trugnatter; erbeutet Eidechsen, Schlangen, Vögel und Mäuse; das Gift ist auch für den Menschen nicht ungefährlich.

Ei des Kolumbus: sprichwörtlich für die verblüffend einfache Lösung eines scheinbar schwierigen Problems. Die Aufgabe, ein Ei aufrecht hinzustellen, soll Kolumbus dadurch gelöst haben, dass er die Eispitze eindrückte.

Eidetik: (griechisch eidos, «Bild») Fähigkeit bestimmter Menschen, Vorstellungen mit sinnlicher Lebendigkeit zu erzeugen.

Eidgenossenschaft: von den 3 Waldstätten Uri, Schwyz und Unterwalden (Nidwalden) 1291 im Kampf gegen die Habsburger begründeter «Ewiger Bund». Alle Mitglieder bekräftigten ihren Beitritt durch einen Eid. 1315 erlangten die Eidgenossen die Anerkennung der Reichsunmittelbarkeit. Prinzipien des Bundes waren Selbstverwaltung, Schiedsgerichte, Rechts- und Friedensordnung. Mehrmals errangen die Eidgenossen Siege gegen die habsburgischen Ritter und erkämpften damit allmählich ihre politische Unabhängigkeit vom Heiligen Rom. Reich Deutscher Nation (1499), die 1648 de jure anerkannt wurde. Bis 1460 schlossen sich alle südlich des Bodensees und links des Rheins gelegenen habsburgische Gebiete der Eidgenossenschaft an. Schweizerische Eidgenossenschaft ist der offizielle Name der Schweiz (Confoederatio Helvetica).

Eidsvoll Verfassung: Verfassung Norwegens, die am 17. 5. 1814 (Nationalfeiertag) von einer verfassunggebenden Versammlung in Eidsvoll (bei Oslo) angenommen wurde und das Land zum unabhängigen, freien und unteilbaren Reich mit dem Storting als Volksvertretung erklärte.

Eieinnistung, Nidation: Ansiedeln der befruchteten Eizelle am 5. bis 7. Tag nach der Ovulation, normalerweise in der Gebärmutterschleimhaut, manchmal im Eileiter, äußerst selten im Eierstock oder in der freien Bauchhöhle. Siehe auch Extrauteringravidität.

Eierbäumchen: zu Ostern mit natürlichen oder kunstgewerblichen beziehungsweise industriell gefertigten bunten oder verzierten Eiern behängter Baum oder Strauß grüner Zweige.

Eierlikör: Emulsionslikör aus frischem Eigelb, Zucker und Primasprit; der Alkoholvolumenanteil beträgt 20%.

Eierschaligkeit: Glasurfehler bei Porzellan- oder Keramikerzeugnissen, der sich als matte Oberfläche äußert und durch viele kleine Krater sowie in der Glasur eingeschlossene Gasbläschen bedingt ist.

Eierschlangen, Dasypeltinae: afrikanische und indische ungiftige Nattern, die sich ausschließlich von Eiern ernähren; die aufgeschlitzten Eierschalen werden ausgewürgt.

Eierstab: antikes, in der Renaissance wieder aufgegriffenes Ornament aus aufgereihten ei- und pfeilspitzenförmigen Gebilden; an reliefierten Zierleisten angebracht.

Eierstock, Ovarium: paarig angelegte weibliche Keimdrüse; Bildungsstätte der befruchtungsfähigen Eizellen sowie weiblicher Geschlechtshormone. Beim Menschen nahe dem Eileiter zwischen Gebärmutter und seitlicher Beckenwand liegend.

Eierstockentzündung, Oophoritis: ein- oder beidseitige Entzündung des Eierstocks. Die Eierstockentzündung tritt sehr selten allein auf, zum Beispiel bei Viruserkrankungen, wie Mumps, meist jedoch kombiniert mit Eileiterentzündungen. Krankheitserscheinungen sind starke Schmerzen im Unterbauch und Fieber. Eine nachfolgende Sterilität ist möglich.

Eierstockschwangerschaft: Einnistung und Entwicklung einer befruchteten Eizelle im Eierstock. S. a. Extrauteringravidität.

Eifel: Nordwestteil des Rheinischen Schiefergebirges nördlich der Mosel (im Westen nach Belgien reichend); wellige, aus Schiefern, Grauwacken und Kalkgesteinen aufgebaute Hochfläche (350 bis 600 m) mit Basaltkuppen (Hohe Acht 747 m), Maare; raues Klima; von zahlreichen Flüssen mit tiefen Tälern entwässert; Wald-, Viehwirtschaft, Holzindustrie, Steinbrüche; Autorennstrecke Nürburgring.

Eiffelturm: ein Wahrzeichen von Paris; Stahlkonstruktion von 300 m Höhe und 9000 t Masse; unter Leitung des französischen Ingenieurs Alexandre Gustave Eiffel (1832-1923) zur Weltausstellung 1889 errichtet; heute Funk- und Fernsehstation; Aussichtsplattformen in unterschiedlicher Höhe.

Eifollikel: kugelförmiges, aus Eizelle, umgebendem Epithel und bindegewebiger Hülle bestehendes Gebilde im Eierstock. Beim Menschen sind etwa 400000 Primordialfollikel angelegt, die unter dem Einfluss von Hormonen über Primär- und Sekundärfollikel zu Tertiärfollikeln beziehungsweise Graafschen Follikeln heranreifen.

Eigenbedarf: Zivilrecht das Interesse des Vermieters, vermietete Räume zur eigenen Nutzung zu erlangen; kann zur gerichtlichen Aufhebung des Mietverhältnisses auf Verlangen des Vermieters führen, wenn er aus gesellschaftlich gerechtfertigten Gründen die Räume dringend benötigt; hierbei sind die Interessen der Beteiligten und die örtliche Wohnraumlage zu beachten.

Eigenbewegung: Projektion der räum! Bewegung eines Gestirns auf die Himmelskugel. Die Eigenbewegung der Fixsterne ist meist kleiner als 0,1" im Jahr und wird aus genauen Örtern zu möglichst weit auseinanderliegenden Zeitpunkten bestimmt.

Eigenfinanzierung, Selbstfinanzierung-. Finanzierungsmethode im betrieblichen Reproduktionsprozess, wobei aus den Erlösen der Betriebe und Kombinate Geldfonds gebildet werden, die der Finanzierung des betrieb! Reproduktionsprozesses dienen; wird durch die Methode der Fremdfinanzierung (Finanzierung durch Kredit, Haushalt- und Versicherungsmittel) ergänzt. Siehe auch Finanzierungsmethoden.

Eigengeschäft: Außenhandelsvertrag, den ein inländischer Export- oder Importbetrieb nach Vereinbarung mit dem zuständigen Außenhandelsbetrieb selbst schließt. Exportbetriebe schließen Eigengeschäft im eigenen Namen, Importbetriebe im Namen der Außenhandelsbetriebe, die die Importwaren an die Importbetriebe weiterliefern.

Eigenheim: in persönlichem Eigentum stehendes Einfamilienhaus, das vom Eigentümer und seiner Familie bewohnt wird. An volkseigenen Grundstücken werden zur Errichtung von Eigenheim Nutzungsrechte verliehen. Der Bau von Eigenheim insbesondere durch Arbeiter und kinderreiche Familien wird in der DDR sowohl durch materielle Hilfeleistungen der Betriebe als auch durch günstige Kreditbedingungen und Steuerliche Vergünstigungen gefördert.

Eigenreflex: Reflex, der sehr schnell und stabil eine Kontraktion des Muskels (Erfolgsorgan) auslöst, in dem auch der Rezeptor liegt. Das afferente schnellleitende Neuron wird direkt mit dem Motoneuron (monosynaptisch) verschaltet. Auslösender Reiz ist die Muskeldehnung. Eigenreflexe haben große Bedeutung für die Stabilität der Körperhaltung.

Eigenschwingung: Schwingung eines physikalischen Systems, die zum Beispiel nach einmaliger Anregung ohne weitere Einwirkung äußerer Kräfte auftritt. Eigenschwingungen erfolgen mit Eigenfrequenzen, die für das jeweilige System charakteristisch sind und bei mechanischen Schwingungen von der Größe und den elastischen Eigenschaften des schwingenden Körpers, bei elektrischen Schwingungen von Kapazität und Induktivität bestimmt werden. Siehe auch Resonanz.

Eigenspannung: innere Spannung in Bauteilen ohne äußere Belastung, meist hervorgerufen durch ungleichmäßige Abkühlung oder Erwärmung (zum Beispiel Schweißen, Löten, Erstarren von Gussteilen) oder Kaltverformung (zum Beispiel Ziehen, Tiefziehen, Kaltwalzen, Kaltbiegen). Die Eigenspannung ist oft Ursache von Materialrissen und kann durch Glühen mit nachfolgender langsamer Abkühlung abgebaut werden.

Eigentum: ökonomische Kategorie, die grundlegende Produktionsverhältnisse zwischen den Menschen im gesellschaftlichen Reproduktionsprozess bei der Aneignung der Natur zum Zwecke der produktiven und individuellen Konsumtion ausdrückt. Das Eigentum unterliegt historischer Veränderungen und ist vom jeweiligen Entwicklungsstand der Produktivkräfte abhängig. Es ist zwischen dem Eigentum an Produktionsmitteln und dem persönlicher Eigentum an Konsumgütern zu unterscheiden. Das Eigentum an Produktionsmitteln ist der entscheidende Kern der Produktionsverhältnisse. Es zeigt an, wie die Produktionsmittel in der Gesellschaft verteilt sind, in wessen Verfügungsgewalt sie sich befinden und in welchem gesellschaftlichen Verhältnis die Produzenten zu den Produktionsmitteln und zur Aneignung der mit ihrer Hilfe hergestellten Produkte stehen. Das Eigentum an Produktionsmitteln ist insofern das grundlegende gesellschaftliche Verhältnis, bei Existenz von Klassen ein Klassenverhältnis. Es bringt die Art und Weise der Vereinigung der Produzenten mit den Produktionsmitteln zum Ausdruck. Die Produktionsverhältnisse werden in ihrer Gesamtheit (Produktions-, Distributions-, Austausch-, Konsumtionsverhältnisse) von den Eigentumsverhältnissen bestimmt. Nach Marx ist es durch die ökonomische Analyse des Eigentums möglich, «das innerste Geheimnis, die verborgene Grundlage der ganzen gesellschaftlichen Konstruktion» zu finden. Das Eigentum als ökonomisches Verhältnis findet seine juristische Widerspiegelung im Eigentumsrecht. Das Eigentum an Produktionsmitteln tritt historisch in 2 Grundformen auf: als Privateigentum und als gesellschaftliche Eigentum. Die Existenz des Privateigentums an Produktionsmitteln ist die unmittelbare Ursache für die Spaltung der Gesellschaft in antagonistischen Klassen und für die Ausbeutung und Unterdrückung der von Produktionsmitteln freien Klasse durch die Produktionsmittel besitzende Klasse. Das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln vereinigt die Menschen zur gemeinsamen Arbeit im Interesse der Gesellschaft und ist charakterisiert durch kameradschaftliche Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe. Siehe auch Gemeineigentum, genossenschaftliches Eigentum, gesellschaftliches Eigentum, kapitalistisches Eigentum, persönliches Eigentum, Privateigentum, sozialistisches Eigentum, Volkseigentum.

Eigentumsform: Kennzeichnung des Eigentums an Produktionsmitteln nach Klassen beziehungsweise entsprechend dem Grad der Vergesellschaftung der Produktion. Das Eigentum an Produktionsmitteln tritt im Sozialismus in 2 Formen auf, als gesamtgesellschaftlichem Volkseigentum und als genossenschaftlichem Gemeineigentum werktätiger Kollektive (genossenschaftliches Eigentum). Außerdem gibt es das Eigentum gesellschaftlicher Organisationen der Bürger, das sich in der Hauptsache außerhalb der materiellen Produktion befindet (zum Beispiel Eigentum des FDGB an Ferienheimen). Vereinzelt existiert in sozialistischen Ländern noch Privateigentum an Produktionsmitteln, dessen Umfang gesetzlich begrenzt ist und dessen Nutzung der Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse zu dienen hat. Siehe auch persönliches Eigentum.

Eigentumsrecht: a) Gesamtheit und System der die Eigentumsverhältnisse regelnden Normen (objektives Eigentumsrecht im weiteren Sinne). Es umfasst sowohl die Regelung des sozialistischen Eigentums an Produktionsmitteln und sonstigen Vermögenswerten als auch die des persönlichen Eigentums; es bestimmt die Rechtsstellung der Eigentümer und den Inhalt des subjektiven Eigentumsrecht Zum sozialistischen Eigentum gehören das Volkseigentum, das genossenschaftlichen Gemeineigentum werktätiger Kollektive und das Eigentum gesellschaftlicher Organisationen der Bürger. Beim Volkseigentum steht das Eigentumsrecht ausschließlich dem Staat als dem Repräsentanten der gesamten Gesellschaft zu. Den einzelnen volkseigenen Kombinaten und Betrieben sind Teile (Fonds) zur eigenverantwortlichen Nutzung und Bewirtschaftung anvertraut (operative Verwaltung, Rechtsträgerschaft). Die mit dem Eigentumsrecht verbundenen Befugnisse werden von den volkseigenen Kombinaten und Betrieben im eigenen Namen selbständig ausgeübt. Das sozialistische Eigentum genießt besonderen rechtlichen Schutz durch die Verfassung und darauf beruhende Einzelregelungen. Eine Reprivatisierung ist unzulässig, soweit nicht rechtliche Bestimmungen Ausnahmen vorsehen.

b) Gesamtheit und System der das Eigentum an Sachen betreffenden Normen (objektives Eigentumsrecht im engeren Sinne). Hierzu gehören Regeln über Gegenstand, Inhalt, Erwerb, Verlust und Schutz des Eigentums an Sachen sowie über gemeinschaftliches Eigentum.

c) das dem Eigentümer einer Sache zustehende Recht (subjektives Eigentumsrecht), in der rechtlichen Regelung zumeist als Eigentum (an Sachen) bezeichnet; es umfasst Besitz, Nutzungs- und Verfügungsbefugnis sowie Ansprüche gegen Störung und Vorenthaltung des Eigentumsrecht.

Eigentumsschutz: die dem Eigentümer einer Sache zustehenden Ansprüche auf Herausgabe gegen den unberechtigten Besitzer sowie auf Unterlassung rechtswidriger Beeinträchtigungen der Nutzung, ferner auf Wiedergutmachung zugefügter Schäden gegen den Verantwortlichen. Darüber hinaus gilt für das sozialistische Eigentum der Grundsatz der Unantastbarkeit und die Pflicht aller Bürger und Betriebe, es zu schützen.

Eigentumsstreuung: bürgerl. Theorie und Politik, die das Miteigentum der Lohnarbeiter an Produktionsmitteln propagiert, um die Werktätigen vom Klassenkampf abzulenken. Die Eigentumsstreuung durch staatliche Sparförderung, Erwerb von Volksaktien u. ä. soll angeblich der mit der Kapitalakkumulation einhergehenden einseitigen Vermögenskonzentration entgegenwirken. Die Eigentumsstreuung beschränkt die individuelle Konsumtion der Werktätigen zugunsten der Kapitalakkumulation und bindet die Werktätigen materiell an das imperialistische System, ohne die Konzentration ökonomische und politische Macht bei der Finanzoligarchie irgendwie zu behindern.

Eigentumsverhältnis: grundlegendes Produktionsverhältnis, das den historischen Typ einer Produktionsweise bestimmt. Das Eigentumsverhältnis ist das gesellschaftliche Verhältnis zwischen dem unmittelbaren Produzenten (Arbeiter) und dem Eigentümer der Produktionsmittel und drückt die Art und Weise aus, wie der Produzent mit den Produktionsmitteln verbunden ist. Jede Produktionsweise ist durch einen bestimmten Stand der Produktivkräfte und ein diesem Stand entsprechend Eigentumsverhältnis charakterisiert.

Eigentumsvorbehalt: Erklärung, dass das Eigentum an einer zu übereignenden Sache noch nicht mit deren Übergabe, sondern erst bei vollständiger Zahlung des Kaufpreises auf den Empfänger übergehen soll.

eigenverantwortliche Lösung: Wirtschaftsrecht selbständige Klärung eines Streitfalles durch die beteiligten Wirtschaftseinheiten; eine eigenverantwortliche Lösung ist vor einem Antrag auf Entscheidung des Staatlichen Vertragsgerichts, auch noch während des Schiedsverfahrens anzustreben.

Eigenwasser: Wasser aus den natürlichen Ressourcen des Einzugsgebietes.

Eigenwertproblem, lineares: Frage nach den nichttrivialen Lösungen x 0 einer Gleichung Lx Xx, wobei L ein linearer Operator mit einem Koeffizienten Bereich (meist Zahlen) K in einem linearen Raum mit den Elementen x ist. Werte A aus K, für die solche Lösungen existieren, heißen Eigenwerte, die zugehörigen Lösungen selbst Eigenvektoren oder -funktionen. insbesondere kann L ein Differentialoperator und x eine Funktion sein. Dann handelt es sich um eine Differentialgleichung. Solche 1. Eigenwertprobleme spielen in der Physik eine wichtige Rolle, zum Beispiel bei der Schrödinger-Gleichung. Ein Beispiel für nichtlineare Eigenwertprobleme sind Integralgleichungen.

Eigenzeit: Zeit T, die die Uhren eines mit dem zu beobachtenden Körper mitgeführten Bezugssystems anzeigen. Die Eigenzeit ist wegen der Relativität der Gleichzeitigkeit von der Zeit in anderen Bezugssystemen verschieden. Das Differential der Eigenzeit eines Körpers, der sich gegen ein Inertialsystem mit der Geschwindigkeit v bewegt, ist durch dr = dtjlvVe2 gegeben (/ Zeit im Inertialsystem, c Lichtgeschwindigkeit). Siehe auch Zeitdilatation, Uhrenparadoxon.

Eignungsuntersuchung: Ermittlung von körperlichen und psychischen Merkmalen, die für eine künftige berufliche Tätigkeit oder für die Ausübung einer Sportart notwendig sind. Die Kriterien leiten sich von Erfahrungsnormativen im Beruf oder von Anforderungen der Leistungsstruktur im Sport ab. Wird bei einem Werktätigen Nichteignung festgestellt, darf er nicht oder nicht mehr mit der vereinbarten Tätigkeit beschäftigt werden.

Eihäute, Fruchthüllen-, die den Keimling schützend umhüllenden Häute (Amnion, Chorion); werden nach der Geburt des Kindes zusammen mit dem Mutterkuchen als Nachgeburt ausgestoßen.

Eihüllen: die Eizelle umgebende Schutzhüllen, die von der Eizelle selbst, vom Follikelepithel, vom Eileiter oder von besonderen Anhangsdrüsen gebildet werden.

Eijkman Christiaan, 11.8. 1858-5.11. 1930, niederländischer Hygieniker und Gerichtsmediziner; Professor in Utrecht; erkannte die Beri-Beri-Krankheit als Avitaminose, die er experimentell erzeugen konnte. Damit legte er den Grundstein für die Vitaminforschung.

Eikonal: Lichtweg zwischen 2 Punkten im Objekt- und Bildraum, ausgedrückt durch die Koordinaten der Punkte (Punkteikonal) oder die Richtungskosinus des Strahls durch die Punkte (Winkeleikonal). Das D. stellt den sich nach dem Fermatschen Prinzip ergebenden Extremwert des Lichtweges dar und bildet die Grundlage für die analytische Theorie der Abbildungsfehler.

Eikosan, Eicosan: Alkan der Formel C20H. Das unverzweigtkettige n-E. (Normal-Eikosan) ist im Handelsparaffin enthalten und bildet farblose, weiche Kristalle; F 36,4°C.

Eileiter, Ovidukt, Salpinx, Tuba uterina (lateinisch): am Eierstock trichterförmig beginnender, in die Gebärmutter mündender Kanal; fängt die Eizelle beim Follikelsprung auf und leitet sie zur Gebärmutter. Beim Menschen erfolgt die Befruchtung im Eileiter.

Eileiterentzündung, Salpingitis: durch Einwandern von Eitererregern bedingte ein- oder beidseitige Entzündung im Eileiter. Die Erreger können durch die Gebärmutterhöhle aufsteigen (häufigster Weg), seltener auf dem Blut- oder Lymphweg oder vom Darm her in die Eileiter gelangen. Symptome der akuten Eileiterentzündung sind oft heftige Schmerzen im Unterbauch, Fieber, Ausfluss und Genitalblutungen.

Eileiterschwangerschaft: Schwangerschaft, bei der sich das befruchtete Ei im Eileiter einnistet. S. a. Extrauteringravidität.

Eilgang: Einrichtung zur schnellen Ausführung von Bewegungsabläufen an Werkzeugmaschinen, während das Werkzeug nicht im Eingriff ist, das heißt, wenn keine Spanabnahme erfolgt. Die Eilganggeschwindigkeit beträgt zur Hilfszeiteinsparung stets ein Mehrfaches der Vorschubgeschwindigkeit. Der Eilgang wird zum Beispiel genutzt, um das Werkzeug an das Werkstück oder das Werkstück an das Werkzeug beschleunigt heranzuführen.

Eilsendung: Postsendung mit Zusatzleistung (zum Beispiel Eilbrief), die vorrangig vor gewöhnlichen Sendungen befördert und noch am Eingangstage zugestellt wird, solange das Amt Dienst leistet. Dafür wird eine Zusatzgebühr erhoben.

Einachstraktor: vorwiegend im Gartenbau verwendeter handgeführter Traktor mit nur einer Fahrachse.

Einakter: Bühnenstück in einem Akt. Aus der Tradition der Zwischenspiele (Entremés, Interludien) des Renaissancetheaters sowie aus volkstümlichen Theaterformen (wie den Fastnachtsspielen) hervorgegangen, entwickelte sich der Einakter seit dem 18. Jahrhundert zum eigenständigen dramatischen Genre.

Einarsson, Indriði, 30.4. 1851-31. 3. 1939, isländischer Dramatiker und Übersetzer; Bankfachmann, 1909/18 Finanzminister; verarbeitete Volkssagen, schrieb sozialkritische Dramen über zeitgenössische Probleme und das erste isländisches historisches Drama; machte sich um das isländische Nationaltheater verdient.

Einaudi, Luigi, 24. 3. 1874-30. 10. 1961, italienischer Politiker; initiierte die Wirtschafts- und Finanzpolitik der italienischen Monopolbourgeoisie nach dem 2. Weltkrieg; 1948/55 Staatspräsident.

Einback: Hefeteiggebäck; Vorstufe des Zwiebacks.

Einbalsamieren: schon im Altertum bekannte künstliche Verhinderung der Leichenfäulnis durch verschiedenartige, zum Teil mit religiösen Vorstellungen verbundene Prozeduren. Durch moderne Verfahren der Leichenkonservierung ist ein nahezu unverändertes erhalten bleiben der äußeren Körperform möglich.

Einband: 1. Einband: buchbinderisches Produkt (Buch) aus 1 Buchdecke und -block. Die Einbandform ergibt sich aus Herstellung und charakteristisches Aussehen. Die Einbandart hängt ab vom verwendeten Material (zum Beispiel Papp-, Gewebe-, Ledereinband), von der Art der Herstellung (zum Beispiel französische Art Franzband), von der Konstruktion der Buchdecke und vom Verwendungszweck.

2. Billard- Carambolage: Bandenspiele.

Einbaum: durch Ausbrennen oder Aushöhlen eines Baumstammes hergestellter Bootstyp; bereits sehr frühzeitig weltweit verbreitet (in Europa für die Jungsteinzeit nachweisbar).

Einbeere, Paris quadrifolia: heim, giftiges Einbeerengewächs mit vierzähligem Blattquirl, grünliche Blüten und schwarzer Beerenfrucht; Waldstaude feuchter Laubwälder.

Einbettung: 1. Anatomie: soviel wie Eieinnistung.

2. biologische Technik: Durchtränkung von Gewebe mit einem zu einer festen und gut schneidbaren Masse erstarrenden Medium (Paraffin, Celloidin unter anderem).

Einbettungsmethode, Immersionsmethode: Kristallographie Verfahren zur Untersuchung der Lichtbrechung kleiner Kristalle unter dem Mikroskop, wobei Kristallpulver in Flüssigkeiten mit bekanntem Brechungsindex eingebettet wird.

Einbiss: Einkerbung an der Reibefläche des Oberkiefereckzahnes des Pferdes; tritt im Alter von etwa 9 Jahren das erste Mal auf, nach 18 Jahren ist ein zweites Auftreten möglich. Der Einbiss wird für die Altersbestimmung herangezogen.

Einbrennen: Lederherstellung Imprägnieren von Treibriemen- und Chromsohlleder durch kurzzeitiges Eintauchen in eine Fettschmelze.

Einbrennlacke: Anstrichstoffe (Phenolharz-, Alkydharz-, Silikon- unter anderem Lacke), deren Trocknung bei höherer Temperatur erfolgt; hierbei vernetzen die Harzmoleküle chemisch zu einem widerstandsfähigen Anstrich.

Einbruchdiebstahlversicherung, Diebstahlversicherung: Versicherungsformen zum finanziellen Ausgleich von Verlusten nach Einbruchdiebstahl beziehungsweise im Ausnahmefall durch einfachen Diebstahl.

Einbruch: Diebstahl, bei dem zur Erlangung der Beute mit Werkzeugen oder körperlicher Gewalt in Räumlichkeiten eingedrungen wird.

Eindampfen: Erhitzen einer Lösung zur Konzentrierung des gelösten Stoffes durch unvollständiges (Einengen) oder vollständiges Verdampfen des Lösungsmittels (Abdampfen; Eindampfen bis zur «Trockne»), eventuell im Vakuum.

Eindecker: Flugzeug mit nur einer Tragfläche, nach deren Anschluss am Rumpf zwischen Tief-, Mittel-, Schulter- und Hochdecker unterschieden wird.

Eindicken: Verfahren der Abwasserbehandlung zur Feststoffanreicherung; erfolgt besonders durch Sedimentation, Flotation; maschinelles Eindicken durch Schleudern, Pressen, Filtern.

Eindicker: Maschine zum Entwässern stark verdünnter Suspensionen von Faserstoffen (Zellstoff, Holzschliff). Der Eindicker besteht aus einem Siebzylinder, der in der Suspension rotiert; das Wasser fließt durch das Sieb, der eingedickte Faserstoff wird abgeführt.

Eindringprüfung: Verfahren zum Sichtbarmachen von Oberflächenrissen in Werkstücken. Nach Eintauchen in heißes Öl oder spezielle Farblösungen und sorgfältigem Abwischen wird durch das Aufbringen eines Entwicklers (Schlämmkreide-, Kalk- oder Talkumschicht) die in Risse eingedrungene Flüssigkeit herausgesaugt und somit deutlich der Verlauf der Risse markiert.

Einerfahren: Bahnradsport Einzelwettbewerb über > 10 km. Die Platzierung ergibt sich aus dem Zieleinlauf.

einfacher Warenproduzent: selbstwirtschaftender privater Produzent, der mit eigenen Produktionsmitteln und im Wesentlichen ohne fremde Arbeitskräfte Produkte oder Dienstleistungen für den Verkauf produziert (werktätige Bauern, Handwerker). Siehe auch Warenproduktion.

Einfangreaktion: Kernreaktion, bei der ein oder mehrere Nukleonen in den Targetkern eingebaut werden. Der dabei entstehende hochangeregte Kern geht durch Aussendung von Gammastrahlen in den Grundzustand über.

Einflugschneise: Sektor in der Verlängerung der Start- und-Lande-Bahnen eines Flugplatzes, der, befeuert und mit geeigneten Funknavigationsmitteln ausgerüstet, das sichere Einfliegen gewährleistet. Hinsichtlich der Bebauung gelten Einschränkungen, damit die erforderliche Hindernisfreiheit gewährleistet wird.

Einflussgröße: physikalische Größe, die nicht Gegenstand der Messung ist, aber die Messung einer anderen Größe beeinflusst. Einflussgröße sind zum Beispiel für einen elektrischen Widerstand seine Temperatur und seine Belastung.

Einflusssphäre: ein Gebiet, in dem bestimmte Monopole, Finanzgruppen oder imperialistischen Staaten maßgeblichen Einfluss ausüben. Einflusssphäre sind das Ergebnis der ökonomischen und politischen Aufteilung der Welt unter die internationalen Monopole und die imperialistische Staaten, die in erbittertem Konkurrenzkampf und nicht selten mit bewaffneter Gewalt erfolgt. Der Kampf um die Neuaufteilung der Einflusssphären entsprechend dem veränderten Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Staaten (Gesetz der ungleichmäßigen ökonomischen und politischen Entwicklung des Kapitalismus) war eine Haupttriebkraft, die zum 1. und 2. Weltkrieg führte. Durch die erfolgreiche Entwicklung des realen Sozialismus und den Kampf der national befreiten Staaten um ihre ökonomische und politische Unabhängigkeit wurden die Einflusssphäre der Monopole und imperialistische Staaten erheblich eingeschränkt. Einfühlung: das sich Hineinversetzen in ein fremdes Erleben; wird ermöglicht durch Analogieschlüsse von eigenem Denken und Fühlen auf die inneren psychischen Vorgänge des fremden Ichs.

Einführungsgesetz: Gesetz, das ein neues, meist besonders wichtiges und umfangreiches Gesetzeswerk in Kraft setzt, die Überleitung zum neuen Rechtszustand regelt und Vorschriften über das Verhältnis des neuen Gesetzes zu anderen Rechtsvorschriften enthält.

Einfuhrvertrag: inländischer Wirtschaftsvertrag zwischen einem Importbetrieb als Auftraggeber und einem Außenhandelsbetrieb als Auftragnehmer über einen Import Sind die Bedingungen des Einfuhrvertrag im Ausland nicht durchsetzbar, entscheidet der Importbetrieb über den Import.

Eingaben: Staatsrecht Sammelbegriff für Vorschläge, Hinweise, Anliegen und Beschwerden der Bürger und der gesellschaftlichen Organisationen an die Volksvertretungen, die staatlichen und wirtschaftsleitenden Organe, die volkseigenen Betriebe und Kombinate, die Einrichtungen und sozialistischen Genossenschaften sowie an die Abgeordneten. Die Eingaben können schriftlich oder mündlich vorgebracht werden. Auf der Grundlage der Verfassung und des Eingaben Gesetzes vom 19. 6. 1975 sind die Eingaben Adressaten zu sorgfältiger und schneller Bearbeitung der Eingaben verpflichtet (in der Regel längstens innerhalb von 4 Wochen). Die D. und die Ergebnisse ihrer Bearbeitung sind durch die zuständigen Leiter regelmäßig auszuwerten und für die Verbesserung der Arbeit zu nutzen.

Eingangsimpedanz, Eingangsscheinwiderstand: Elektrotechnik der zwischen den beiden Eingangsklemmen eines Netzwerkes (zum Beispiel Filter), einer Baugruppe (zum Beispiel Verstärker) oder eines Gerätes (zum Beispiel Rundfunkempfänger) messbare Eingangswiderstand, der sich im Allgemeinen aus der Summe von Wirk- und Blindwiderstand zusammensetzt.

Eingangssignal, Input: Signal, über das die Umwelt auf ein System wirkt. In einem Steuerungssystem sind das die Stör- und die Stell- oder Steuersignale, bei einem Prozessrechner sind es die Signale, mit denen die am Prozess gemessenen Größen in den Rechner gelangen,

eingebrachtes Gut: der Teil des Vermögens der Ehefrau, den sie in die Ehe mitbrachte oder den sie während der Ehe erwarb und der nach früherem Recht der Verwaltung und Nutznießung des Ehemannes unterlag.

Ein-Gen-ein-Polypeptid-Hypothese: weitestgehend experimentell bestätigte genetische Theorie, wonach ein Gen die Information für die Aminosäuresequenz eines Polypeptids enthält. Siehe auch Genwirkung.

Eingeweide, Intestina: zusammenfassender Begriff für innere Organe; nach der Lage sind Hals-, Brust-, Bauch- und Beckeneingeweide zu unterscheiden.

Eingeweidebruch, Hemie, Enterozele: Austreten von Bauchorganen (Bruchinhalt) durch eine angeborene oder erworbene Bauchwandlücke (Bruchpforte) in eine Ausstülpung des Bauchfells (Bruchsack); häufig sind Nabelbruch, Leistenbruch (Leistenkanal), Schenkelbruch (Lücke für die Oberschenkelgefäße), Narbenbruch (nach früherer Operation). Häufigste Komplikation ist die Einklemmung (Inkarzeration) des Bruchinhaltes.

Eingeweidefische, Carapidae: kleine bis winzige marine Dorschartige mit langgestrecktem Körper, die endoparasitisch im Innern von Manteltieren, Seegurken und Muscheln leben, einige auch frei lebend; bis 20 cm lang der im Mittelmeer lebende Nadelfisch (Fierasfer acus).

Eingriffslinie: bei Verzahnungen der geometrische Ort sämtlicher Eingriffspunkte eines Flankenpaares in einem Schnitt senkrecht zur Drehachse.

Eingruppierung: Bestimmung der Lohn- oder Gehaltsgruppe für die mit dem Werktätigen vereinbarte Arbeitsaufgabe; erfolgt durch die Eingruppierungsunterlagen (Qualifikationshandbücher, Lohn- oder Gehaltsgruppenkataloge u. ä.) beziehungsweise durch Vereinbarung zwischen Betriebsleiter und BGL. Die Eingruppierung der im Betrieb vorhandenen Arbeitsaufgaben ist in einer Betriebsliste zu erfassen.

Einhard, Eginhard, um 770-14. 3. 840, fränkischer Geschichtsschreiber und Baumeister; Gelehrter an der Hofschule Karls des Großen und zugleich dessen Vertrauter; verfasste unter anderem eine Lebensbeschreibung Karls («Vita Karoli Magni»),

einhäusig, monözisch (lateinisch griechisch): Form der Eingeschlechtigkeit bei Pflanzen; männlichen und weiblichen Blüten befinden sich auf derselben Pflanze.

Einhegungen, Enclosures (englisch): in England vom 13. bis Anfang des 19. Jahrhundert gewaltsame Vertreibung der Bauern von ihrem Land, Höhepunkt im 15./16. Jahrhundert. Der Wollbedarf der sich entwickelnden Textilmanufaktur erforderte große Schafweiden, die die Großgrundbesitzer anlegten und «einhegten», indem sie Lehns- und Pachtgüter einzogen und sich Gemeindeland (Allmende) aneigneten.

Einheit: 1. allgemein die ein Ganzes bildende Verbundenheit, Unteilbarkeit, Ganzheit.

2. Militärwesen: Sammelbezeichnung für die untersten Gliederungselemente der Streitkräfte. Einheiten sind Gruppe (kleinste Einheit), Zug, Kompanie (bei der Artillerie Batterie), Bataillon (bei der Artillerie Abteilung). Bei den Fliegerkräften gelten Paar, Kette und Staffel, bei den Flottenkräften Boot und Schiff als Einheit.

3. Einheit, biologische Einheit: Pharmakologie - Maßzahl zum Kennzeichnen der Wirkungsstärke eines Stoffes bei der biologischen Wertbestimmung. Vorwiegend werden Vitamine, Hormone, Seren und manche Antibiotika nach Einheit dosiert; festgelegt sind zum Beispiel internationale Einheit (I. Einheit), Wachstumseinheit, Antitoxin Einheit (A. Einheit), Voegtlin Einheit (VE).

Einheitengleichung: Beziehung zwischen Maßeinheiten physikalischer Größen. In der Einheitengleichung treten nur Maßeinheiten und Zahlenwerte auf.

Einheitliches Gefäßsystem, Abkürzung EGS: standardisiertes System von Gehäusen und Schränken zur Aufnahme von Einschüben (Geräten) und Baugruppen; ihre Abmessungen sind aus einem Rastermaß abgeleitet, so dass sie (mechanisch) kombinierbar und austauschbar sind.

Einheitliches System der Konstruktionsdokumentation, Abkürzung ESKD: in den Mitgliedsländern des RGW geltende standardisierte wissenschaftlich-technische Grundlage für die Erarbeitung der Konstruktionsdokumentation, für deren rationelle Anfertigung, Vervielfältigung, Aufbewahrung und Verwaltung.

Einheitsbohrung: im Passsystem Bohrung-Welle des ISO-Toleranzsystems eine Bohrung, bei der das Nennmaß das Kleinstmaß ist. Beim Passsystem Einheitswelle dagegen ist das Nennmaß das Größtmaß der Welle. Im System Einheitsbohrung (Bohrungstoleranzfeld H) werden Spiele und Übermaße nur durch Variation der Toleranzfelder der Wellen erzielt. Im System Einheitswelle (Wellentoleranzfeld h) ist es umgekehrt.

Einheitsfrontpolitik: historische Bezeichnung für die Politik der Aktionseinheit der Arbeiterklasse.

Einheitskreis: Kreis, dessen Radiuslänge gleich einer gegebenen Längeneinheit ist.

Einheitsschule: bildungspolitischer Grundsatz für den Aufbau des Schulwesens, der das enge Zusammenwirken der einzelnen Bildungsinstitutionen sichert und jedem Bürger den organischen, seinen Fähigkeiten entsprechend Übergang zur jeweils nächsthöheren Stufe des Bildungssystems ermöglicht. Das Schulsystem der sozialistischen Staaten, das nach dem Prinzip der Einheitsschule aufgebaut ist, sichert allen Bürgern eine umfassende, geschlossene Allgemein- und Berufsbildung.

Einheitsstaat, unitarischer Staat: einheitlicher, zentralisierter Staat, der sich aus territorialen Einheiten zusammensetzt, die nicht die Eigenschaften von Staaten mit eigenen Verfassungen, eigenen Gesetzgebungsrechten und eigenen Regierungsorganen haben (im Gegensatz zur Föderation 1). Im Staatsaufbau sozialistischer und bürgerlicher Einheitsstaat gibt es grundsätzliche Unterschiede.

Einheitsstrecke: Strecke, deren Länge e als Längeneinheit angesehen wird. Für jede Streckenlänge a gibt es dann genau eine positive reelle Zahl x mit a = xe. Siehe auch Koordinatensystem.

Einheitswert: einheitliche Wertgrundlage (Vermögenswert) zur Berechnung verschiedener Steuern vor allem bei Grundstücken im nichtstaatlichen Bereich. Der Einheitswert wird in einem Feststellungsverfahren bestimmt.

Einhorn: 1. Astronomie: Sternbild.

2. Volkskunde: fohlenähnliche, ein gewundenes Horn auf der Stirn tragendes Fabeltier, das nur vor Jungfrauen ohne Scheu ist.

Einhornfische, Naso: bis 80 cm lange, hochrückige Verwandte der Doktorfische aus dem Indopazifik; meist mit einem typischen Buckel oder Horn auf der Stirn; im Roten Meer der Kuhkopffisch (N. lituratus).

einhüllende Mittel: pflanzliche Stoffe (zum Beispiel Stärke, fette Öle, Schleim), die, Arzneimitteln zugesetzt, geschmacks- oder geruchsverbessernd wirken; sie verzögern das Aufsaugen von Arzneimitteln oder verringern die Reizung von Haut und Schleimhaut.

Einigung, Vergleich: Übereinkunft zur Regelung eines Rechtsverhältnisses in Form einer außergerichtlichen oder einer gerichtlichen Einigung.

Einjahrespflanzen: einjährig angebaute Zierpflanzen mit Blüten, interessanter Belaubung oder zierendem Habitus; vorrangig im Freiland gepflanzt.

einjährig, annuell (lateinisch) sind Pflanzen, die innerhalb eines Jahres keimen, fruchten und absterben.

Einkammersystem: parlamentarische Regierungsform, bei der die zentrale, gesamtstaatliche Vertretungskörperschaft nur aus einem einzigen Organ («Kämmen)) besteht.

Einkaufszentrum: Konzentrationspunkt sortimentsmäßig koordinierter Handels- und Dienstleistungseinrichtungen in Kerngebieten der Städte zur Gewährleistung eines komplexen Angebots und damit zur Einkaufserleichterung für die Bevölkerung. Einkaufszentren werden zunehmend als Fußgängerboulevards gestaltet.

Einkeimblättrige, Monokotyledonen, Monocotyledoneae: Klasse der Decksamer, etwa 72000 Arten; Embryo mit nur einem Keimblatt; Blätter meist ungeteilt und parallelnervig; 3zählige Blüten vorherrschend; normales sekundäres Dikkenwachstum fehlt; vorwiegend krautige Pflanzen; hierzu Gräser, Liliengewächse, Orchideen, Schwertliliengewächse, Palmen.

Einkieselung: Durchtränkung und Verkittung meist lockerer Gesteine, aber auch fossiler organischer Substanzen (zum Beispiel Baumstämme) in Sedimenten mit Kieselsäure; siehe auch Fossilisation.

Einkommen: 1. politische Ökonomie: Einnahmen, die durch die Realisierung des in der Gesellschaft produzierten Neuwerts vom Staat, von den Betrieben und den einzelnen Mitgliedern der Gesellschaft angeeignet werden. Siehe auch Arbeitseinkommen.

2. Steuerrecht: Gesamtbetrag der Einkünfte (zum Beispiel Gewinne) aus den einzelnen (gesetzlich festgelegten) Einkunftsarten (Einkünfte aus Gewerbebetrieb, Einkünfte aus selbständiger Arbeit und so weiter) nach Abzug der Sonderausgaben (zum Beispiel Sozialversicherungs-Pflichtbeiträge).

Einkristall: Festkörper, der im Idealfall im gesamten Volumen ein regelmäßiges Kristallgitter ohne Gitterfehler besitzt. Einkristalle spielen in der Technik als Halbleiter (insbesondere als Chips von Festkörperschaltkreisen), Schwingquarze und Piezoelektrika eine bedeutende Rolle.

Einkünfte: Steuerrecht Gewinn beziehungsweise Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten.

Einladung: Fechten Klingenlage, mit der dem Gegner bewusst eine Blöße angeboten wird, um ihn zu einem bestimmten Angriff herauszufordern.

Einlage: 1. Handelsrecht: Beitrag des Gesellschafters einer Handelsgesellschaft zur Bildung des Gesellschaftsvermögens. Die Höhe der Einlage bestimmt meist das Stimmrecht und die Gewinnbeteiligung des Gesellschafters.

2. Orthopädie: Hilfsmittel aus Kork und Leder, Metall oder Kunststoff zur Abstützung oder Korrektur von Fußdeformitäten.

Einlagerungsverbindungen: chemische Verbindungen der Übergangsmetalle (Periodensystem der Elemente) mit Elementen von besonders kleinem Atomradius (zum Beispiel Wasserstoff, Stickstoff, Bor und Kohlenstoß). Die Fremdatome werden unter Beibehaltung der metallischen Eigenschaften in das Metallgitter eingebaut. Einlagerungsverbindungen sind zum Beispiel Titanhydrid (TiHj), Chromnitrid (Cr2N) und die Wolframkarbide WC und W2C. Sie sind sehr hart und werden zum Beispiel zur spanenden Bearbeitung anderer Metalle verwendet.

Einlassen: 1. Bautechnik: Versenken von Beschlagteilen in Holz, damit sie mit der Oberfläche bündig liegen.

2. Pelzbearbeitung: Schneidetechnik der Pelzkonfektion zur Veränderung der Proportionen von Fellflächen zugunsten der Breite. Siehe auch Auslassen.

Einlassung: Zivilprozessrecht - die Erklärung einer Prozesspartei zum Vorbringen der anderen; wer die Befugnis zur Einlassung nicht wahrnimmt, kann dadurch den Prozess verlieren.

Einlauf: 1. Medizin: Einfüllen von Flüssigkeit in den Mastdarm mit Hilfe eines Darmrohres, das an einen Irrigator angeschlossen wird; als Reinigungseinlauf zum Entleeren des Darmes gegeben oder als Nährklistier (-klysma), um dem Körper tropfenweise zum Beispiel Kochsalz- oder Traubenzuckerlösung zuzuführen.

2. Sport: allgemein die Reihenfolge, in der die Wettkampfteilnehmer die Ziellinie überqueren.

Einlaufbauwerk: Bauwerk zur Fortleitung des Wassers, zum Beispiel aus dem Stolleninneren zur Tagesöffnung, aus Stauanlagen zu den Wasserturbinen, oder für die Kanalschifffahrt, für Triftholz u. ä. Die Einlaufbauwerke sind mit Regel-, Absperrorganen und Vorrichtungen zum Zurückhalten von Sinkstoffen, Zweigen, Blättern und Eisschollen ausgerüstet. Sie dienen auch als Vorbecken zur Wasserklärung, denen bei starker Geschiebeführung noch Entsander vorgeschaltet werden. Die Fließgeschwindigkeit kann durch Einbau von Schikanen vermindert werden.

Einmannjolle: Segelsport Jollenklasse, die in Regatten von einer Person gesegelt wird; bei olympischen Wettbewerben seit 1956 das Finn-Dingi.

Einmündung: 3armiger Straßenknotenpunkt, bei dem die einmündende (meist Neben-) Straße auf die durchführende (meist Haupt-) Straße möglichst rechtwinklig auftreffen soll. Zur besseren Leitung der Fahrzeuge werden Einmündungen mit Leitinseln und Abbiegespuren ausgestattet.

Einnischung: Anpassung von Populationen an noch ungenutzte Valenzen in Ökosystemen (ökologische Nische).

Einphaseninduktionsmotor, Einphasenasynchronmotor: kleiner asynchroner Wechselstrommotor mit Kurzschlussläufer, der außer dem Hauptstrang noch eise nach dem Hochlauf eventuell abzuschaltende Hilfswicklung mit erhöhtem oder vorgeschaltetem Widerstand (zum Beispiel Hermetik Motor für Kühlschränke) oder mit Kondensator (Kondensatormotor) aufweist. Zu dem Einphaseninduktionsmotor gehört auch der Spaltpolmotor.

Einphasen-Kommutatormotor, Einphasenkollektormotor, Wechselstromreihenschlussmotor im Prinzip ein Gleichstromreihenschlussmotor, der mit Gleich- oder Wechselstrom gespeist werden kann, dessen Ständer aber zur Vermeidung der Wirbelstromverluste lamelliert (geblecht) ist; für kleine Leistungen als Universalmotor (Allstrommotor) für Haushaltgeräte und Elektrohandwerkzeuge und mit Kompensations- und Wendepolwicklung als Fahrmotor (Bahnmotor) in Vollbahnen eingesetzt.

Einpreßrohr: Stahlrohr von 50 bis 80 mm Durchmesser, das in den Boden eingepresst wird und als Injektionsrohr zur Baugrundverbesserung beziehungsweise Verfestigung von Gründungskörpern oder als Schutzrohr für unterirdische Leitungen Verwendung findet.

Einreiber: Verschluss im Tür- oder Fensterrahmen. Die durch Handhebel (Olive) betätigte Zunge greift in das am Blendrahmen befestigte Schließblech ein.

Einrenkung, Einrichtung, Reposition: Wiederherstellen der normalen Stellung von Gelenken bei Ausrenkung oder von Knochenfragmenten bei Brüchen; soll nur vom Arzt vorgenommen werden.

Einrichten: 1. Fertigungstechnik: Vorbereiten automatisierter Werkzeugmaschinen für die Serienfertigung durch Wechseln und Einstellen der Werkzeuge, Spannmittel, Nocken oder Anschläge, eventuell Wechsel des Programmspeichers (zum Beispiel Kurvenscheibe, Kugelschrittschaltwerk, Lochstreifen) und Herstellen eines oder mehrerer Probewerkstücke, nach deren Gestalts- und Maßabweichungen die Korrektur der Einstellung erfolgt.

2. Pelzbearbeitung: Arbeitsgang, bei dem zur Fertigung von Halbfabrikaten und Konfektionsteilen Felle waagerecht und senkrecht zugeordnet und mit Schablone zugeschnitten werden.

Einrichtung: 1. Institution beziehungsweise Personenkollektiv, dem staatlichen oder gesellschaftlichen Aufgaben übertragen sind. Die staatliche Einrichtung übt ihre Tätigkeit in einem bestimmten, in Rechtsvorschriften geregelten Umfang aus und ist jeweils einem Organ des Staatsapparates unterstellt; sie wird vorwiegend aus dem Staatshaushalt finanziert und ist zumeist juristisch selbständig. Staatliche Einrichtung wirken insbesondere auf den Gebieten der Wissenschaft, der Bildung und Erziehung, der Kultur, des Gesundheits- und Sozialwesens, der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, des Nachrichtenwesens und so weiter (Hochschulen, Schulen, Theater, Museen, Krankenhäuser). Darüber hinaus gibt es Einrichtung der volkseigenen Wirtschaft, der Genossenschaften und gesellschaftlicher Organisationen, die zumeist keine rechtliche Selbständigkeit besitzen.

2. Einrenkung.

Einsatzgewicht: endgültiger Bruttoverbrauch von Material für die Herstellung eines Erzeugnisses beziehungsweise für die Erbringung einer Leistung. Das Einsatzgewicht setzt sich zusammen aus dem Fertiggewicht (Nettoverbrauch an Material) und den technisch und ökonomisch bedingten Be- und Verarbeitungsverlusten. Durch Verringerung des Einsatzgewichts wird ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Materialökonomie als ein Hauptfaktor der umfassenden Intensivierung der gesellschaftlichen Produktion geleistet.

Einsatzhärten: Verfahrensgruppe der Wärmebehandlung; durch Veränderung der chemischen Zusammensetzung («Einsetzen»), insbesondere der randnahen Zonen von sogenannt Einsatzstählen (thermochemische Behandlung) kann beim nachfolgenden Härten Martensit gebildet werden. Früher verstand man unter Einsatzhärten ausschließlich das Aufkohlen und Härten von Stahl.

Einsatzstahl: unlegierter oder legierter Stahl mit niedrigem (< 0,25%) Kohlenstoffgehalt zum Einsatzhärten. Einsatzgehärtete Teile besitzen einen zähen Kern bei harter, verschleißfester Oberfläche (zum Beispiel Zahnräder, Wellen).

Einschienenbahn: Bahn, bei der die Spurführung der Fahrzeuge durch eine Schiene erfolgt. Bei der Schwebe- beziehungsweise Hängebahn befindet sich die Schiene oberhalb des Fahrzeuges, bei der Standbahn (Alwegbahn) unter dem Fahrzeug.

Einschlag: 1. Einschlag, Holzeinschlag: Forstwirtschaft - Fällen, Entasten und Zerschneiden von Bäumen, Sortieren und Stapeln von Holzsorten.

2. Gartenbau: Verfahren zur vorübergehenden Aufbewahrung von Pflanzen (zum Beispiel Überwinterung von Gehölzen unter anderem); diese werden an geschützter Stelle dicht in einen Graben gestellt und die Wurzeln mit Erde oder Laub abgedeckt.

Einschluss: 1. Einschluss, Xenolith - Geologie: fremder Bestandteil in Mineralen (fest, flüssig, gasförmig) oder Bruchstück fremden Gesteins im magmatischen Gestein.

2. Metallurgie: in Metallen und deren Legierungen verbliebene oder ausgeschiedene nichtmetallische Verunreinigung. Einschlüsse wirken sich i. August ungünstig auf die Gebrauchseigenschaften der Metalle aus.

Einschlusskörperchen: im Zellplasma und beziehungsweise oder im Zellkern auftretende farbbare, homogene oder strukturierte Gebilde verschiedener Größe. Sie können im Anschluss an Viruserkrankungen vorhanden sein.

Einschlusspräparat: in durchsichtig erstarrendem Material (zum Beispiel Kunstharz) eingeschlossenes biologisches Objekt zur Daueraufbewahrung.

Einschlussverbindungen: Substanzen, bei denen Moleküle geeigneter Größe in die Hohlräume des Kristallgitters oder der Raumnetzstruktur einer anderen Verbindung eingebaut sind. entsprechend der Form der Hohlräume unterscheidet man zwischen Kanal-Einschlussverbindungen und Käfig-Einschlussverbindungen (Clathrate). Die Hohlräume können sowohl in einem Molekülgitter (Gitter-Einschlussverbindungen) als auch innerhalb eines großen Einzelmoleküls (Molekül-Einschlussverbindungen) auftreten. Von technischer Bedeutung sind zum Beispiel Paraffin-Harnstoff-Addukte und Gashydrate, wie Chlorhydrat.

Einschneiden, Einzelpunkteinschaltung: Geodäsie Verfahren zur trigonometrischer Bestimmung von Neupunkten (Einzelpunkte). Beim Vorwärtseinschneiden werden die Koordinaten (xN, yN) des Neupunktes N durch Winkel- oder Richtungsmessung von mindestens 2 Festpunkten A, B aus ermittelt. Beim Rückwärtseinschneiden erhält man xN und yN, indem vom Neupunkt N aus nach mindestens 3 Festpunkten A, B, C die Winkel beziehungsweise Richtungen gemessen werden.

einschnittig: Bezeichnung für eine Nagel-, Niet- oder Schraubverbindung, wenn die Verbindungsmittel in nur je einem Querschnitt auf Abscheren beansprucht werden. Siehe auch zweischnittig. Einschnitt -Schnittverfahren, Einschnüreffekt. Pinch-in-Effekt: Anstieg der Stromdichte im Zentrum eines Transistors infolge steigender Spannung über der Kollektor-Basis-Sperrschicht. Damit verbundener Temperaturanstieg kann den Transistor zerstören.

Einschreiben, eingeschriebene Sendung: gebührenpflichtige Zusatzleistung für Postsendungen, die gegen eine Einlieferungsbescheinigung eingeliefert und besonders behandelt werden, und deren Aushändigung von der Post nachgewiesen wird. Im Schadensfall leistet die Deutsche Post Ersatz entsprechend den gesetzt Bestimmungen.

Einschwimmen: Transport fertig montierter, auf Lastkähne verladener Brückenbauteile an die Einbaustelle. Die verankerten Kähne werden durch Wasserballast abgesenkt und dabei die Brückenbauteile auf die Lager gesetzt.

Einschwingvorgang: Elektrotechnik, Physik in schwingungsfähigen mechanischen und elektrischen Systemen Übergang aus einem stationären Zustand in einen anderen, ausgelöst durch eine veränderte Erregung, zum Beispiel einen Schaltvorgang. In elektrischen Stromkreisen mit nur einer Kapazität oder Induktivität als Energiespeicher treten Ausgleichsvorgänge als Einschwingungsvorgänge auf. Der Einschwingvorgang ist auch für die Unterscheidung von Musikinstrumenten oder Sprachlauten wichtig.

Einseitenbandübertragung: Übertragungsverfahren, bei dem eines der beiden bei der Amplitudenmodulation entstehenden Seitenbänder unterdrückt wird. Vorteile sind geringere notwendige Sendeleistung (Kurzwellenrichtfunk) und Frequenzbandbreite (Trägerfrequenztelefonie). Beim Fernsehen wird eine modifizierte Einseitenbandübertragung angewandt (Restseitenbandübertragung).

Einsenken: Umformverfahren zur Herstellung von Hohlformen (Gravuren) in Schmiedegesenken oder Werkzeugen zum Fließpressen beziehungsweise Pressen von Kunststoffen, bei dem ein Stempel (Pfaffe) aus gehärtetem Stahl in einen kalten (Kalteinsenken) oder erhitzten Stahlblock (Warmeinsenken) eingedrückt wird. Ersteres geschieht auf hydraulische, letzteres auf mechanischen Pressen oder Hämmern.

Einsenkpresse: spezielle, relativ langsam laufende hydraulische Presse mit regelbarer Arbeitsgeschwindigkeit zum Einsenken. Typisch sind hohe Kräfte bei geringen Abmessungen, geschlossenes stehendes Gestell und im Allgemeinen Arbeitsrichtung von unten nach oben.

Einsiedel: 1. Detlev Graf von Einsiedel, 12.10.1773-20.3.1861, sächsischer Minister und Industrieller; war 1814/15 Bevollmächtigter beim Wiener Kongress; wurde 1830 zum Rücktritt als Kabinettsminister gezwungen; erwarb sich Verdienste um die Entwicklung der sächsischen Industrie.

2. Johann August von Einsiedel, 4.3.1754-8.5.1837, Philosoph; von J. G. Herder beeinflusster Materialist und Atheist; wandte sich von sensualistischen Positionen gegen die Philosophie I. Kants. In seiner Gesellschaftslehre näherte sich Einsiedel utopisch-sozialistische Vorstellungen.

Einsiedeln: Stadt in der mittleren Schweiz (Kanton Schwyz); 10000 Einwohner; Gerätebau, graphische und Holzindustrie; Wintersportplatz; Wallfahrtsort. Die barocke Erneuerung der 934 gegründet Benediktinerabtei mit Stiftskirche, deren reiche Innenausstattung die Brüder Asam übernahmen, begann ab 1704 durch K. Moosbrugger.

Einsiedlerkrebse, Paguridae: weitverbreitete Familie mariner Zehnfußkrebse mit rund 200 Arten, die ihren weichen, asymmetrischen Hinterleib in Felslöchern, Schwämmen, Korallen oder in leeren Gehäusen von Muscheln und Schnecken verbergen, auf denen sich oft Seeanemonen ansiedeln, die vielfach in Symbiose mit den Einsiedlerkrebsen leben. An der Nordseeküste kommt der bis 35 cm große Eremit oder Bernhardkrebs (Eupagurus bernhardus) vor.

Einspitzen: Veredlungsart für Nadelhölzer, Rhododendron und Beerenobst. Die Unterlage wird an der Seite keilförmig eingeschnitten, das Edelreis entsprechend zugespitzt und in die Unterlage eingeschoben. Siehe auch Veredlung.

Einsprengling: größerer, oft idiomorph ausgebildeter Einzelkristall in magmatischen Gesteinen.

Einspritzpumpe: Pumpe an Diesel- und vergaserlosen Ottomotoren, die den Motorzylindern über Einspritzdüsen Kraftstoff zuführt.

Einspritzverfahren, Beisaatverfahren: Anbau von Halm mit wenig Hülsenfrüchten (Mischfrucht); siehe auch Anbaumethoden.

Einspruch: 1. in Zivilrechts-, Arbeitsrechts- und Strafsachen Rechtsmittel der Beteiligten und des Staatsanwalts gegen Entscheidungen der gesellschaftlichen Gerichte.

2. in Strafsachen Rechtsmittel der gesellschaftlichen Gerichte gegen die Übergabe einer Sache zur Beratung und Entscheidung beziehungsweise Rechtsbehelf des Beschuldigten gegen einen gerichtlichen Strafbefehl.

3. in Zivilrechtssachen Rechtsmittel gegen eine gerichtliche Zahlungsaufforderung.

4. im Wirtschaftsrecht Rechtsbehelf gegen Vertragsstrafenrechnungen beziehungsweise gegen Schiedssprüche des Staatlichen Vertragsgerichts.

5. in den sozialistischen Staaten zum Teil als Protest bezeichnete Maßnahme des Staatsanwalts gegen Gesetzesverletzungen im Zuge der allgemeinen Gesetzlichkeitsaufsicht.

Einstand: 1. Jagdwesen: Aufenthaltsort des Wildes im Revier.

2. Einstand, deuce: Tennis - Punktgleichstand von «40 beide» zwischen den Gegnern. Das Spiel gewinnt, wer nach dem Einstand 2 aufeinanderfolgende Punkte erzielt.

Einsteckbogen: Buchbinderei ein Bogenteil, der in einen anderen oder in einen ganzen Bogen eingesteckt wird, um beide gleichzeitig durch den Falz heften zu können.

Einstein, (nach Albert Einstein) Zeichen E: fotochemische Energieeinheit. 1 E ist die Energie eines Mols Lichtquanten; sie nimmt mit wachsender Frequenz linear zu. Die Maßeinheit Einstein ist im internationalen Maßsystem SI nicht vorgesehen.

Einstein: 1. Albert Einstein, 14.3.1879-18.4.1955, einer der bedeutendsten Physiker; seit 1909 Professor in Zürich, 1911 in Prag, 1912 wieder in Zürich; seit 1913 hauptamtliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin (Übersiedlung 1914), Direktor des 1917 gegründet Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik; 1933 Emigration in die USA, wirkte dort am Institute for Advanced Study in Princeton. Nach Vorarbeiten anderer Gelehrter schuf Einstein 1905 die Spezielle Relativitätstheorie, im gleichen Jahr erklärte er den äußeren lichtelektrischen Effekt durch Einführung der Lichtquanten und trug so entscheidend zur Anerkennung der von M. Planck begründeten Quantentheorie bei. Ebenfalls 1905 veröffentlichte er eine mathematische Theorie der Brownschen Bewegung. 1907 wandte er die Quantentheorie auf die Bestimmung der spezifischen Wärmekapazität fester Körper an. Ab 1915 schuf Einstein die Allg. Relativitätstheorie, arbeitete an einer neuen Gravitationstheorie und versuchte, eine einheitliche Feldtheorie zu schaffen. 1915 entdeckte er den Einstein-de-Haas-Effekt mit, 1924/25 klärte er die (Bose-Einstein-) Statistik der elektromagnetischen Strahlung. In der Befürchtung, dass in Deutschland eine Atombombe entwickelt würde, empfahl Einstein 1939 in einem Schreiben an F. D. Roosevelt die Entwicklung der Atombombe durch die USA. Nach 1945 setzte er sich nachhaltig für den Abbau der nuklearen Bedrohung ein.

2. Alfred Einstein, 30.12.1880-13.2.1952, Musikwissenschaftler; emigrierte 1933 und lebte seit 1939 in den USA; veröffentlichte zahlreiche Biographien und musikhistorische Arbeiten sowie Werkausgaben; bearbeitete das Köchelverzeichnis neu (1937).

3. Siegfried Einstein, geboren 30.11.1919, Schriftsteller der BRD; übt aus linksbürgerliche Grundhaltung heraus Kritik an der restaurativen Entwicklung in der BRD und klagt die Verbrechen des deutschen Faschismus an («Eichmann Chefbuchhalter des Todes», 1961); trat als Erzähler, Lyriker und Übersetzer hervor.

Einstein-de-Haas-Effekt: von Albert Einstein und J. W. de Haas 1915 beobachtete Erscheinung, dass die Änderung der Magnetisierung eines drehbar aufgehängten ferromagnetischen Zylinders eine Drehung bewirkt, ein spezieller gyromagnetischer Effekt.

Einsteinium, (nach Albert Einstein) Symbol Es: künstliches, radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 99; das beständigste Isotop ist Es 252 (Halbwertszeit 471 Tage); Wertigkeit vorwiegend + 3. Einsteinium, ein unedles Metall, wurde 1952 als Isotop Es 254 in den USA unter den Folgeprodukten einer Versuchsexplosion thermonuklearer Waffen entdeckt.

Einstein-Relation: von Albert Einstein angegebene Gleichung D = bkT, die den Diffusionskoeffizienten D mit der Beweglichkeit b von suspendierten Teilchen bei der Brownschen Bewegung verknüpft (k Boltzmann-Konstante, absolute Temperatur).

Einstellung: 1. Arbeitsrecht: Begründung eines Arbeitsrechtsverhältnisses durch Abschluss eines Arbeitsvertrages.

2. Kinetechnik: Phasenbildfolge, die durch einmaliges Ingangsetzen der Bildaufnahmekamera gewonnen und durch den Standortwechsel der Kamera und den Brennweiten-Bildwinkelwechsel der Objektive begrenzt wird. Je nach Abbildungsmaßstab werden Totale (erfasst Gesamtszene zum Überblick), Halbtotale (Teil der Gesamtszene), Halbnahe (mit Bildinhalt zwischen Halbtotaler und Nahaufnahme), Nahaufnahme (Teil eines Objektes) und Großaufnahme (eng begrenzter Teil eines Objektes) unterschieden.

3. Sozialpsychologie: weltanschaulich, intellektuell und emotional begründete Wahrnehmungs- und Handlungsbereitschaft gegenüber gesellschaftlichen Sachverhalten, zum Beispiel zur Arbeit.

Einstemmband, Fischband: Beschlag mit 2 ungleich großen, gleichstehenden Lappen zur Drehbefestigung überfälzter Türblätter oder Fensterflügel am Rahmen.

einstweilige Anordnung: im Zivilprozess Gerichtsbeschluss zur Sicherung von Ansprüchen oder Rechten, zur einstweiligen Regelung von Zuständen, Rechtsbeziehungen und so weiter vor Einleitung oder innerhalb eines Verfahrens. Das Gericht bestimmt die erforderlichen Maßnahmen, verfügt zum Beispiel eine Beschlagnahme, verpflichtet zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung und kann für den Fall der Zuwiderhandlung ein Zwangsgeld festlegen.

einstweilige Kostenbefreiung: veraltete Bezeichnung für Befreiung von der Vorauszahlungspflicht.

Einsumpfen: Einlagern teilweise gelöschten Stückkalkes (Branntkalk) in Gruben mit geringer Wasserzugabe zum «Ausreifen» und vollständigen Löschen.

Eintagsfliegen, Wasserhafte, Ephemeroptera: Insektenordnung mit unvollkommener Verwandlung, das heißt, die im Wasser lebenden Larven bilden allmählich Flügel aus. Die flugfähigen 0,5 bis 6 cm langen Vollkerfe leben zum Teil kaum mehr als einen Tag. Eintagsfliegen haben 4 netzadrige Flügel, verkümmerte Mundwerkzeuge und am Körperende 3 lange Schwanzborsten.

Einthoven, Willem, 21. 5. 1860-29. 9. 1926, niederländischer Physiologe und Histologe; Professor in Leiden. Mit dem von ihm erfundenen Saitengalvanometer war eine der Voraussetzungen für die Entwicklung der Elektrokardiographie geschaffen worden.

Einundzwanzig-Zentimeter-Linie, 21-cm-Linie: Spektrallinie des atomaren Wasserstoffs bei der Wellenlänge 21,1 cm; in der Radioastronomie dient sie zur Beobachtung der interstellaren Materie.

Einwanderung: Einreise von fremden Staatsangehörigen oder Staatenlosen in ein Staatsgebiet, um dort den dauernden Wohnsitz zu nehmen. Möglichkeit, Umfang und Modalitäten der Einwanderung regelt der jeweilige Staat.

Einwegartikel, Wegwerfartikel: Erzeugnisse für ein- beziehungsweise mehrmaligen Gebrauch, die nicht wieder aufbereitet oder einer Wieder- beziehungsweise Weiterverwendung zugeführt werden.

Einwegverpackung: nur zum einmaligen Gebrauch Tür ein spezielles Gut bestimmte Verpackung, zum Beispiel Beutel aus Papier, Schachtel aus Karton.

E. können als Sekundärrohstoffe der Wiederverwendung zugeführt werden.

Einwilligung: 1. Medizin: Recht des Patienten, nach Erfüllung der Aufklärungspflicht durch den Arzt, der vorgeschlagenen Behandlungs- oder Untersuchungsmethode zuzustimmen oder diese abzulehnen.

2. Zivilrecht: vorherige Zustimmung eines Dritten zu einem Vertrag (oder zu einer anderen rechtlichen Erklärung, zum Beispiel einer Kündigung), wenn dessen Wirksamkeit von der Zustimmung eines Dritten abhängt, zum Beispiel der Eitern zu bestimmten Verträgen Jugendlicher. Siehe auch Genehmigung.

Einwohnerwehren: konterrevolutionäre Bürgerwehren, die im November/Dezember 1918 mit finanzieller Unterstützung der Großbourgeoisie gegründet wurden, ab März 1919 in Preußen und anderen Ländern zu einheitlicher antikommunistische Organisationen (etwa 1 Millionen Bewaffnete) zusammengefasst; 1921 als Wehrersatzorganisation auf Druck der Alliierten verboten.

Einwurf: in verschiedenen Sportspielen das Wieder-ins-Spiel-Bringen eines ins seitliche Aus gegangenen Balles durch einen Wurf aus dem Stand, im Hockey durch Einschieben oder Einschlagen. Siehe auch Abschlag.

Einzelboxhaltung: Aufstellungsform bei Haustieren, besonders von Zuchtpferden und ferkelführenden Sauen, bei der die Tiere nicht festgebunden werden.

Einzelfertigung: Fertigungsart für Erzeugnisse, die hinsichtlich Funktion und beziehungsweise oder Form eine Sonderausführung darstellen und daher nur als Einzelstück oder in einer ganz geringen Stückzahl benötigt werden. Siehe auch Massenfertigung, Serienfertigung.

Einzelfressstände: Aufstellungsform bei Haustieren, bei der gewährleistet ist, dass jedes Tier beim Füttern einen Fressplatz hat, so dass auch schwächere Tiere zum Fressen kommen.

Einzelhandel, Detailhandel-, letztes Handelsglied zwischen Produktion und Konsumtion; verkauft Waren nicht an Wiederverkäufer, sondern an den Endverbraucher.

Einzelhandelsverkaufspreis, Endverbraucherpreis, Ladenpreis, Abkürzung EVP: Preis, zu dem der Einzelhandel die Konsumgüter an die Bevölkerung verkauft. Der EVP besteht aus dem Industrieabgabepreis und der Groß- und Einzelhandelsspanne und widerspiegelt im Prinzip den gesellschaftlich notwendigen Arbeitsaufwand. Er ist ein wichtiges Instrument des sozialistischen Staates, der die EVP planmäßig festlegt. Die Preise für den Grundbedarf sind stabil. Aus sozialpolitischen, produktions- oder verbrauchslenkenden Gründen können EVP abweichend vom Wert (zum Beispiel bei Kinderbekleidung, Grundnahrungsmitteln, Tabakwaren, Spirituosen) festgelegt werden. Mit Hilfe der Preisgruppenplanung wird ein Angebot von Waren in verschiedenen Preisgruppen gesichert.

Einzelhöhensprung, Einzelsprung, Einzelkorngefüge: Makrogefüge, bei dem die Bodenkörner lose nebeneinander liegen. Der Einzelhöhensprung gehört zum ungegliederten Bodengefüge. Einzelkornsämaschine: Spezialdrillmaschine (Präzisionsdrillmäschine) mit Einzelführung kalibrierter Samenkörner zur Erzielung gleichmäßiger Kornabstände in der Saatreihe; ermöglicht Saatgutersparnis, gleichmäßige Pflanzenentwicklung und Erleichterung der Pflege.

Einzelleitung, Prinzip der Einzelleitung und persönlichen Verantwortung bei kollektiver Beratung: Leitungsprinzip in der sozialistischen Wirtschaft und im Staatsapparat, nach dem der staatlich beauftragte Leiter für die gesamte Arbeit seines Bereiches (zum Beispiel Betrieb, Abteilung) allein anweisungsberechtigt und für die Erfüllung der übertragenen Aufgaben persönlich voll verantwortlich ist. Die Einzelleitung schließt die aktive Teilnahme der Werktätigen an der Leitung durch verschiedene Formen der kollektiven Beratung (zum Beispiel in Produktionsberatungen) ein.

Einzeller: aus nur einer Zelle oder lockeren Verbänden gleichartiger Zellen bestehende Lebewesen; pflanzlicher Einzeller (Protophyten) können heterotroph (Pilze) oder autotroph (Algen) sein und besitzen dann einen bis viele Chloroplasten, tierischer Einzeller (Protozoen), zum Beispiel Flagellaten, Ziliaten, sind chlorophyllfrei und heterotroph. Pflanzlichen und tierischen Organismen sind auf dieser Entwicklungsstufe jedoch nicht scharf voneinander zu trennen.

Einzelsprung: Fallschirmsport von Einzelspringern absolvierter Wettkampf in verschiedenen Disziplinen.

a) Einzelhöhensprung: Absprunghöhe > 4500 m, sofortige oder verzögerte (dann gilt zurückgelegte Strecke im freien Fall) Fallschirmöffnung;

b) Einzelzielsprung: Absprunghöhe 600 ... 2000 m, sofortige oder verzögerte Fallschirmöffnung, eine Plastikscheibe von 5 cm Durchmesser ist möglichst genau zu treffen;

c) Figurensprung: Absprunghöhe 1800 ... 2000 m, verzögerte Fallschirmöffnung, exakte Absolvierung eines aus 2 Salti und 4 horizontalen Drehungen von 180° bestehenden Figurenkomplexes in kürzest mögliche Zeit. Siehe auch Gruppensprung.

Einzelstart: Startart, bei der die Teilnehmer einzeln nacheinander den Wettkampf aufnehmen, zum Beispiel Abfahrtslauf im Skisport, Zeitfahren im Bahnradsport, Dressur und Springreiten im Pferdesport.

Einzelteilzeichnung: maßstäbliche Darstellung eines Werkstückes, nach standardisierten Regeln mit allen für die Fertigung notwendigen Angaben wie Maßangaben, Oberflächenkennzeichnung, Werkstoff- und Rohteilangaben, Wärmebehandlungs- und Prüfvorschriften.

Einzelvertrag: Vereinbarung besonderer Rechte und Pflichten im Arbeitsvertrag mit einem Angehörigen der Intelligenz in Anerkennung hervorragender Leistungen bei der weiteren Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft; bedarf der Schriftform.

Einziehung: Zusatzstrafe mit Schutz-, Erziehungs- und Vorbeugungscharakter, die dem Täter Vermögen (ganz oder teilweise), Gegenstände, Waffen, Munition und rechtswidrigen Mehrerlös entzieht.

Einzugsgebiet: durch eine Wasserscheide begrenztes Gebiet, dem der Abfluss oder eine abflusslose Wasseransammlung entstammt.

Eipilze, Oomycetes: Gruppe von niederen Pilzen mit Hyphen, deren Wände aus Zellulose bestehen; Fortpflanzung durch Eibefruchtung; hierzu der Wasserschimmel.

Eirene, griechische Göttin des «Friedens», eine der Horen; ihr entsprach die römische Pax.

Eis: Wasser im festen Aggregatzustand, der, bezogen auf einen Druck 1013,25 hPa, durch Abkühlung auf s 0°C unter Vergrößerung des Volumens um 9% (Dichte 0,916 g/cm3) eintritt. Auf Flüssen, Seen oder Meeren bildet sich Fluss- beziehungsweise See- oder Meereis, das, durch Wind oder Strömung als Treib- oder Drifteis fortbewegt werden kann. Aus übereinander geschobenen Schollen entsteht an Ufern und Küsten das Packeis Glatteis entsteht durch Gefrieren flüssigen Niederschlags am Boden. Eiskristalle bilden sich durch Sublimation des atmosphärischen Wasserdampfes und können zu Schneeflocken anwachsen. Eiskörner entstehen durch Anlagern flüssigen Wassers an Eiskristalle und Gefrieren; sie treten als Hagel, Graupel oder Griesel auf. In Hochgebirgen und Polargebieten bilden sich durch Verfestigung des Schnees Fimeis und Gletschereis.

Eisbahn: ebene Eisfläche zur Ausübung von Eissportarten; unterschieden werden Natureisbahn (zugefrorene Seen und Teiche), Spritzeisbahn (bei Temperaturen unter 0°C mit Wasser bespritzte Hartplätze) und Kunst-Eisbahn-, Eisbahn für Eiskunstlauf und Eishockey haben ein internationales Standardmaß von 30 m x 60 m bei einer Bandenhöhe von 1 bis 1,22 m. Siehe auch Eisschnelllauf.

Eisbär, Thalarctos maritimus: schlanker, bis 700 kg schwerer Bär mit kleinem Kopf und weißem bis gelblichem glattanliegendem Fell; frisst Robben, Fische und Seevögel; lebt nur in der Arktis. Siehe auch Bären.

Eisberg: schwimmende Eismasse unterschiedlicher Form und Größe, die sich von einem bis ans Meer reichenden Gletscher oder vom Inlandeis abgelöst hat. Bis 90% der Eismasse schwimmen unterhalb der Wasseroberfläche. Eisberg werden von Meeresströmungen über große Entfernungen transportiert und können die Schifffahrt gefährden.

Eisbeutel, Eisblase: mit Eisstücken gefüllter Gummibeutel zur Zusatzbehandlung akuter Entzündungen, zum Beispiel Gallenblasenentzündung, oder zur Hemmung von Blutungen und entzündlichen Schwellungszuständen nach Operationen, zum Beispiel «Eiskrawatte» um den Hals nach Ausschälen der Gaumenmandeln.

Eisbombe: in einer Form gefrorene Speiseeiszubereitung, die aus mindestens 2 Speiseeissorten als Mantel und einer Füllung besteht; ursprünglich in Halbkugel- oder Kegelform (Bomben) hergestellt.

Eisbrecher: 1. Schiffbau: Schiff mit besonders leistungsfähigem Antrieb, das sich mit seinem in der Wasserlinie abgeflachten Vorsteven auf die Eisdecke hinaufschiebt, sie durch seine Eigenmasse zerbricht und so für andere einzeln oder im Konvoi folgende Schiffe eine Fahrrinne auf See (See-Eisbrecher) oder in Flüssen und Häfen (Fluss-Eisbrecher) schafft. Eisbrecher haben, besonders im Wasserlinienbereich, stark gekrümmte Spanten (um dem Eis keine waagerechte Druckmöglichkeit zu geben), eine verstärkte Außenhaut (auch am Bug; Eisverstärkung) sowie besonders starke Verbände zur Aussteifung. Polar-Eisbrecher können bis zu 6 m dickes Eis brechen; sie führen zur Erkundung des günstigsten Kurses und eventuell von Eisrinnen einen Hubschrauber mit.

2. Wasserbau: stromaufwärts gelegene Schutzvorrichtung vor Brückenpfeilern gegen Treibeis.

Eiscreme: industriell hergestelltes, cremig-lockeres Speiseeis, dessen Mischung im Eisfreezer gefroren und nach dem Abpacken bei Tieftemperaturen (~25°C) gehärtet wird.

Eisen, Ferrum, Symbol Fe: metallisches chemisches Element der Kernladungszahl 26; Atommasse 55,847; Wertigkeiten +3, +2, selten +6; F 1535°C, Kp etwa 3000°C, Dichte 7,87 g/cm3. Eisenverbindungen sind für höhere Organismen lebensnotwendig. Eisenminerale, die zur Gewinnung genutzt werden, sind Magnetit (Magneteisenerz); Hämatit (Roteisenerz), Fe203; Limonil (Braun-, Raseneisenerz); Siderit (Spateisenerz); Pyrit (Schwefelkies), FeS2; unter anderem Reineisen ist silberglänzend, weich, dehnbar und gut schweißbar. Es ist unterhalb 768 °C ferromagnetisch, verliert jedoch im Gegensatz zu Kohlenstoffstählen seinen Magnetismus außerhalb des Magnetfeldes. An feuchter Luft wird Eisen unter Bildung von hauptsächlich Eisen(II)-oxidhydrat, sowie Eisen(III)-oxidhydraten, zu Rost oxydiert; der Glühzünder ist Trieisentetraoxid. In verdünnten Säuren löst sich Eisen leicht unter Bildung von Eisen(II)-salzen; konzentrierte Salpetersäure wirkt passivierend, reagiert jedoch beim Erhitzen sehr heftig; heiße konzentrierte Alkalilaugen wandeln Eisenoberflächen in schwarzes Trieisentetraoxid um (Schwarzoxydieren, Brünieren). Reineisen wird zum Beispiel für Eisenkerne von Transformatoren und Elektromagneten verwendet. Siehe auch Eisenverbindungen. Techn. Eisen wird durch Schmelzmetallurgischen Verfahren aus Eisenerzen gewonnen. Vor der Verhüttung werden Eisenkarbonate und -sulfide in Eisenoxide umgewandelt. In Verhüttungsprozessen (Hochofen sowie Elektroofen) werden die Eisenoxide reduziert. Eisen (vermutlich Meteoreisen) war in Kleinasien bereits in der Bronzezeit (4. Jahrtausend vor Christus) bekannt. Die sogenannte Eisenzeit begann mit der Reduktion von Eisenerzen im 2. Jahrtausend vor Christus.

Eisenach, Wartburgstadt Eisenach: Kreisstadt im Bezirk Erfurt, am Nordwestrand des Thüringer Waldes, an der Hörsel, überragt von der Wartburg (410 m); 51000 Einwohner; Industrie-, Fremdenverkehrs- und Kongressstadt; Automobilwerk (Typ «Wartburg»), Maschinenbau, elektrotechnischer, Textil-, Möbel-, chemische, Bauindustrie; Kirchenmusikschule, Institut für Lehrerbildung; Landestheater, -kapelle; Thüringer Museum, Reuter-, Wagner-, Bachmuseum, Lutherhaus, Denkmäler; Frühlingsfest «E.er Sommergewinn»; Wartburgstadion; Stadtkern mit historischen Baudenkmälern. Südlich von Eisenach Pionierlager «Maxim Gorki» in Wilhelmsthal (Schloss). Roman. Nikolaitor, spätromanische Nikolaikirche, Marktkirche St. Georg (12., 16., 19. Jahrhundert), Rathaus (16./17. Jahrhundert), ehemaliges großherzogliches Schloss (18. Jahrhundert; jetzt Thüringer Museum), Fachwerkhäuser. 1189 als Stadt genannt; Mittelpunkt der Landgrafschaft Thüringen; 1264 wettinisch, 1485 ernestinisch; 1672/1741 Residenz des Fürstentums Sachsen-Eisenach, danach zum Herzogtum Sachsen-Weimar (Regierungssitz); 1817 Wartburgfest; 1869 Gründungsort der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei; seit 1898 ein Zentrum der Automobilindustrie. Geburtsort J. S. Bachs.

Eisenacher Kongress: vom 7. bis 9. 8. 1869 in Eisenach durchgeführter «Allg. Deutscher Sozialdemokratischer Arbeiterkongress», auf dem unter Führung von A. Bebel und W. Liebknecht die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP; Mitglieder auch Eisenacher genannt) gegründet wurde. Der Kongress nahm ein im Wesentlichen marxistisches Programm an und erklärte den Anschluss an die I. Internationale. Mit der Gründung der SDAP war der Grundstein für die revolutionäre Massenpartei der deutschen Arbeiterklasse gelegt.

Eisenbahn: schienengebundenes Verkehrsmittel mit allen dazugehörigen Fahrzeugen. Die Betriebsführung der Eisenbahn erfolgt auf eigenem Bahnkörper, wobei die Fahrzeuge durch Maschinenkraft bewegt werden. Die Eisenbahn ist meist als Zweischienenbahn gebaut. Die Schienen übertragen die Masse der Fahrzeuge auf die Schwellen, diese auf die Bettung und weiter auf den Eisenbahnunterbau (Bahnkörper). Gleichzeitig führen sie durch ihre feste Spurweite die Fahrzeugräder, die Spurkränze tragen. Die Eisenbahn kann mit kleinen Zugkräften große Lasten befördern, da nur kleine Reibungswiderstände zwischen Rad und Schiene auftreten. Signale und Kennzeichen dienen der Betriebsführung im Bahnhof und auf der freien Strecke. Die Eisenbahnzüge bestehen aus Einzelfahrzeugen und werden durch Diesel-, elektrischen oder (selten) Dampflokomotiven bewegt oder sind Triebwagen. Zur gegenseitigen Sicherung der Züge auf der freien Strecke wird diese in Blockstrecken eingeteilt. In den Bahnhöfen werden die Fahrten auf festgelegten Fahrstraßen geleitet. Die Betriebsführung erfolgt von ortsfesten Betriebsstellen aus (Stellwerke, Abzweigstellen unter anderem). Diese erteilen Fahr- und Haltebefehle durch Eisenbahnsignale an die Triebfahrzeugführer. Der Eisenbahnbetrieb wickelt sich nach Fahrplänen ab. Man unterscheidet Haupt-, Neben-, Klein-, Anschluss- und Hafenbahnen. Der Verkehr gliedert sich in Güter- und Reiseverkehr. Die größte mit Eisenbahnfahrzeugen erreichte Geschwindigkeit betrug 380 km/h (Frankreich 1981), die größte Masse eines Zuges etwa 15000 t (USA). Die Betriebslänge der Eisenbahnstrecken in der DDR betrug (1983) etwa 14230 km, davon 13900 km in Normalspur (Spurweite); über 2200 km (1984) waren elektrifiziert. Die Eisenbahn übernimmt in Großstädten und Ballungsgebieten als Stadt- und Vorortbahn (SV-Bahn) zunehmend Aufgaben des Nahverkehrs im Gemeinschaftsbetrieb mit Fernbahnen. Im Güterverkehr entwickelt sich der Containerverkehr. Im Eisenbahnsicherungswesen setzen sich Gleisbildstellwerke und elektrische Lichtsignale immer mehr durch. R. Trevithick baute 1803/04 die erste Dampflokomotive, die jedoch wegen der noch ungenügend entwickelten Schienen nur kurzzeitig im Einsatz war. G. Stephenson entwickelte die Lokomotive entscheidend weiter. Seine «Rocket» (1829) gilt als die Urform der heutigen Dampflokomotiven. 1825 wurde die erste Eisenbahnstrecke in Großbritannien eröffnet, 1835 die erste deutsche Strecke (Nürnberg-Fürth), 1839 folgte Dresden-Leipzig (116 km). Die erste deutsche Lokomotive «Saxonia» wurde 1838 von J. A. Schubert gebaut. F. List schuf die Grundlagen des deutschen Eisenbahnnetzes.

Eisenbahnbauzug, Gleisbauzug-, fahrbare, selbständige, mit Gleisbaumaschinen, Baumaschinen und -geraten ausgestattete Dienststelle der Eisenbahn, die umfangreiche Bauarbeiten an Oberbau, Brücken, Sicherungs- und Fernmeldeanlagen ausführt sowie bei Bahnbetriebsunfällen und Katastrophen eingesetzt wird.

Eisenbahndrehkran: freizügiger ortsveränderlicher Hebezeug der Eisenbahn mit Eigenfahrantrieb. Der Eisenbahndrehkran besteht aus einem schweren Unterwagen mit Drehgestellen und einem drehbaren Kranaufbau. Die Anzahl der Achsen ist von der Größe des Eisenbahndrehkrans abhängig. Der Antrieb erfolgt überwiegend durch Dieselmotor und Generator. Die Tragfähigkeit kann je nach Bauart bis zu 250 t betragen.

Eisenbahnfähre, Fährschiff, Trajekt: Schiff zur Beförderung von Eisenbahnfahrzeugen, Kraftfahrzeugen und Personen über große Flüsse, Seen und Meere. Der Antrieb erfolgt durch Dieselmotor oder dieselelektrisch. Im Innern der Eisenbahnfähre befindet sich ein Wagendeck mit Gleisen, auf das die Eisenbahnfahrzeuge als Zugeinheiten im Allgemeinen heckseitig auf- und wieder abfahren. Auf einer Eisenbahnfähre können ein Schnellzug oder etwa 40 Güterwagen befördert werden.

Eisenbahnknoten, Knoten: Ort, in dem mindestens 2 Strecken eines Eisenbahnnetzes Zusammentreffen. Der Eisenbahnknoten kann über einen einzigen Bahnhof oder auch über mehrere verfügen, die verschiedenen Zwecken dienen können, zum Beispiel Personen-, Güter- und Rangierbahnhof.

Eisenbahnsignale: Betriebszeichen im Eisenbahnbetrieb zur Übermittlung von Anweisungen, die sichtbar (zum Beispiel Formveränderung, Lichter) oder hörbar (Mundpfeife, Signalhorn, Knallkapsel) gegeben werden. Hauptsignale sind auf freier Strecke Block- oder Deckungssignale, im Bahnhof Einfahr-, Zwischen- oder Ausfahrsignale. Sie können durch Vorsignale angekündigt werden und zeigen, ob und mit welcher Geschwindigkeit der anschließende Abschnitt befahren werden darf. Angewendet werden Formsignale (verändern bei Tag ihre Form und werden nachts durch Lichtsignale ergänzt) und Lichtsignale (bei Tag und Nacht gleiche Lichtzeichen). Verwendete Farben für Lichtsignale sind Rot «Halt», Grün «Fahrt», Gelb «Vorsicht», Weiß als Rangiersignal unter anderem. Das Signalbuch, eine verbindliche Dienstvorschrift, enthält alle Signale der Deutschen Reichsbahn und informiert über ihre Anwendung.

Eisenbahnspinne: kreuzungsloses Gleissystem zum Zusammenführen mehrerer Strecken mit Über- und Unterführung, zum Beispiel am Berliner Außenring.

Eisenbahnwagen: Regel- oder Nebenfahrzeug im Eisenbahnbetrieb. Regelfahrzeuge werden in Zügen befördert, haben Schraubenkupplung sowie 4 Puffer oder Mittelpufferkupplung, Bremsen oder Bremsleitung. Man unterscheidet Reisezug- und Güterwagen. Nebenfahrzeuge sind Draisine, Rottenwagen, Schneepflug und so weiter.

Eisenbahnzug, Zug, auf die freie Strecke übergehende, aus einem oder mehreren Regelfahrzeugen bestehende, durch Maschinenkraft bewegte Einheit. Der Eisenbahnzug trägt Signale, die seine Fahrtrichtung und seinen Schluss kennzeichnen. Fahrdienstlich wird zwischen Regel- und Sonderzug unterschieden. Regelzüge verkehren täglich oder an bestimmten Tagen nach Fahrplan, Sonderzüge auf besondere Anordnung nach einem im Voraus festgelegten (bei Bedarfszügen) oder nach einem von Fall zu Fall besonders aufgestellten Fahrplan. Die Eisenbahnzüge werden eingeteilt in Reisezüge (Express-, TEE-, IC-, Schnell-, Eil- und Personenzüge sowie Post-, Gepäck- und Expressgutzüge), Güterzüge (TEEM-, Schnellgüter-, Eilgüter-, Durchgangsgüter- und Nahgüterzüge sowie Übergabezüge) und Dienstzüge.

Eisenbakterien: in eisenhaltigem Wasser üppig wachsende, fadenförmige Bakterien, die auch in verrostetem Material zu finden sind. Geologische Eisensedimente entstanden unter Mitwirkung der Eisenbakterien Sie gewinnen durch Oxydation von Eisen(II)zu Eisen(III)-karbonat Energie. Das durch Hydrolyse dabei entstehende Eisen(III)-hydroxyd wird in den Bakterien gespeichert, wodurch diese eine rotbraune Färbung erhalten.

Eisenbarth, Eysenbarth, Johann Andreas, getauft 27. 3. 1663-11. 11. 1727, vagabundierender Wundarzt; gilt im Volksmund als Prototyp des Quacksalbers. Tatsächlich handelte es sich bei ihm jedoch um einen äußerst geschickten und erfolgreichen Starstecher und Bruchschneider.

Eisenbegleiter: die in technischen Eisensorten (zum Beispiel Gusseisen, Stahl) vorhandenen Elemente Kohlenstoff, Silizium, Mangan, Phosphor, Schwefel sowie Spurenelemente; ihre Anteile bestimmen weitgehend die Eigenschaften von Eisenwerkstoffen.

Eisengarn: 2-, auch 3fach gezwirnter, mit Wachs oder Paraffin geglätteter, glänzend gebürsteter Baumwollfaden großer Festigkeit.

Eisenglimmer: schwarzgraues, glitzerndes, kristallisiertes Eisenoxid der Formel Fe; kommt in der Natur vor und wird als hochwertiges Pigment für Rostschutzgrundierungen verwendet; siehe auch Hämatit.

Eisenhut, Aconitum: Gattung giftiger, gelb oder blau blühender Hahnenfußgewächse mit helmförmig gestaltetem oberem Kronenblatt; heimische Arten unter Naturschutz. Der Blaue Eisenhut (A. napellus) ist eine Gartenzierpflanze.

Der Eisenhut enthält neben anderen Alkaloiden das stark wirksame Akonitin. Es wird in Salbenform zur Linderung neuralgische, arthritische oder rheumatische Schmerzen angewendet. Siehe auch Arzneipflanzen.

Eisenkarbid, Zementit: die chemische Verbindung Fe3C; enthält 6,67% Kohlenstoff. Eisenkarbid ist Gefügebestandteil der Eisenwerkstoffe.

Eisen-Kohlenstoff-Diagramm: Zustandsschaubild für Eisen-Kohlenstoff-Legierungen, aus dem die bei sehr langsamer Abkühlung beziehungsweise Erhitzung auftretenden Umwandlungstemperaturen und Gefüge Änderungen ersichtlich sind. Schnellere Temperaturänderungen und Anwesenheit anderer Elemente verschieben die Lage der Diagrammlinie. Somit hat das Eisen-Kohlenstoff-Diagramm für technische Eisenwerkstoffe nur bedingt Gültigkeit.

Eisenmangelkrankheit, Sideropenie (griechisch): auf vermindertem Bestand des Organismus an verfügbarem Eisen beruhende Erkrankung, insbesondere bei Frauen; bedingt durch chronischen Eisenverluste, zum Beispiel infolge verstärkter und verlängerter Menstruation, Schwangerschaft, Stillperiode. Kennzeichen sind unter anderem Leistungsschwäche, Infektanfälligkeit und Kreislaufstörungen; unbehandelt führt die Eisenmangelkrankheit zur Eisenmangelanämie.

Eisenoxidgelb: aus Eisen(III)-oxidhydroxid, FeO(OH), bestehendes, lichtechtes, gut deckendes Pigment mit intensiver Farbkraft; verwendet für Rostschutz-, Künstler-, Tapeten- unter anderem Farben.

Eisenoxidrot, Englischrot: aus Eisen(III)-oxid, bestehendes, hitzebeständiges und wetterfestes Pigment, das vorwiegend für Rostschutzgrundierungen verwendet wird; kommt in der Natur vor, wird jedoch auch künstlich hergestellt.

Eisenoxidschwarz: aus Eisen(II,III)-oxid, bestehendes, gut deckendes, lichtechtes Pigment für Rostschutz- und Fassadenanstriche, Zementfarben unter anderem.

Eisenpräparate: eisenhaltige Arzneimittel, die bei Eisenmangelkrankheit angewendet werden. Bei oraler Verabreichung wird nur die 2wertige Form des Eisens ausreichend resorbiert. Die 3wertige Form muss in die Blutbahn injiziert werden.

Eisenquelle: Mineralquelle mit einer größeren Menge gelöster Eisensalze, zum Teil auch mit freiem Kohlendioxid (Eisensäuerling).

Elsenreich, Herbert, geboren 7.2. 1925, österreichischer Schriftsteller; kulturkritisch traditionsbewusster Erzähler (unter anderem Roman «Auch in ihrer Sünde», 1953; Kurzgeschichten «Böse schöne Welt», 1957) und Dramatiker.

Eisenschwamm: poröser Stoff mit etwa 97% Eisen, der zum Beispiel im Siemens-Martin-Ofen bei der Stahlherstellung weiterverarbeitet wird.

Eisenschwammerzeugung: modernes metallurgisches Verfahren zur direkten Gewinnung (Direktreduktionsverfahren) von Eisenschwamm aus Eisenerzen und Zwischenprodukten der Erzaufbereitung durch Reduktion mit festen oder gasförmigen Reduktionsmitteln bei Temperaturen unterhalb des Schmelzpunktes und unter Umgehung der Roheisenherstellung im Hochofen.

Eisenseiten, Ironsides: in England seit etwa 1000 ehrende Bezeichnung tapferer Krieger; in der englischen, bürgerlichen Revolution die sich durch revolutionäre Disziplin auszeichnende Freiwilligen-Kavallerie Cromwells.

Eisenverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Eisen. Die im Allgemeinen grünen Eisen(II)-verbindungen werden, besonders in wässriger Lösung, durch Luftsauerstoff zu den meist gelben Eisen(III)-verbindungen oxydiert. Eisen(II)-verbindungen ergeben mit rotem, Eisen(III)-verbindungen mit gelbem Blutlaugensalz einen Niederschlag von Tumbulls Blau beziehungsweise Berliner Blau. Eisen(II)-chlorid, FeCl2, ist farblos und hygroskopisch; aus wässriger Lösung kristallisiert FeCl2 • 4H20 in Form grüner, monokliner Prismen. Wasserfreies Eisen(III)-chlorid, FeCl3 bildet schwarzbraune Kristalle; kristallwasserhaltiges FeCl3 • 6H20 ist eine gelbe, zerfließliche Masse, deren Lösung zum Ätzen von Kupfer, zum Beispiel bei der Herstellung gedruckter Schaltungen, verwendet wird. Die schwarzen Oxide FeO (Eisen(II)-oxid) und Fe304 (Trieisentetraoxid) bilden den Glühzünder von Eisen und Stahl. Eisen(III)-oxid, Fe2Oj, ein rotes bis braunes Pulver, wird als Pigment, Poliermittel und als magnetisierbares Material auf Magnetbändern verwendet (siehe auch Ferrite); eine wasserhaltige Form ist der Rost. Eisen(II)-sulfat, Eisenvitriol, FeSO • 7H20, bildet grüne, monokline, an der Luft infolge Oxydation verwitternde Kristalle und ist das technisch wichtigste Eisensalz. An der Luft beständig ist das ebenfalls grüne Eisen(II)-ammoniumsulfat (Mohrsches Salz), (NH4)2S04 FeSO, 6H20. Eisenpentacarbonyl, ist eine blassgelbe, giftige, brennbare, leicht verdampfende Flüssigkeit; F -20°C, Kp 102,7°C. Eisenverbindungen sind lebensnotwendig; zu den Eisenverbindungen gehören mehrere Fermente sowie auch der rote Blutfarbstoff Hämoglobin. Siehe auch Blutlaugensalze.

Eisenwerkstoffe: Legierungen des Eisens mit Kohlenstoff unter anderem Elementen; meistverbreitete metallische Werkstoffe. Die wichtigsten Eisenwerkstoffe sind Stahl und Gusseisen. Grundlage für deren Erzeugung bildet das Roheisen, das schmelzmetallurgisch im Hochofen aus Eisenerzen gewonnen wird. Beim Gewinnungsprozess nimmt das Roheisen etwa 3 bis 4% Kohlenstoff sowie Silizium, Mangan (je nach Art des Erzes), Phosphor und Schwefel (Eisenbegleiter) auf.

Eiserne Krone: nach im 13. Jahrhundert aufgekommener Legende die Krone der Langobardenkönige in Oberitalien; seit dem 15. Jahrhundert gleichgesetzt mit einer im Domschatz zu Monza aufbewahrten Krone aus dem 9. Jahrhundert, die erstmals 1530 bei der italienischen Krönung Karls V. verwandt wurde. Sie besteht aus einem mit Edelsteinen besetzten Goldreif, der einen schmalen eisernen Reif umschließt.

eiserner Hut: (bergmännisch) aus Eisenhydroxiden (Limonit) bestehendes Verwitterungsprodukt über sulfidische Erzlagerstätten.

eiserner Vorhang: im Theater Vorhang zwischen Zuschauerraum und Bühne als Brandschutz, bestehend aus blechverkleideter Eisenkonstruktion mit Berieselungsanlage; zuerst 1782 im Theater von Lyon; in Deutschland seit 1889 gesetzlich vorgeschrieben.

Eisernes Kreuz, Abkürzung EK: preußische Kriegsauszeichnung; ursprünglich für den Befreiungskrieg 1813/14 gestiftet, später mehrmals erneuert und abgewandelt; bis 1944 Massenauszeichnung in den imperialistischen deutschen Streitkräften; wurde zum Symbol des deutschen Militarismus.

Eiserzeuger: Anlage zur Herstellung von Wassereis mittels Kältemaschinen, und zwar in Form von Platten, Stangen oder Schnee, wobei letzterer brikettiert wird. Die Kühlung der Behälterwände, an denen das Wasser anfriert, erfolgt mit Kühlsole oder verdampfendem Kältemittel.

Eisfische, Channichthyidae: auf kalte Meere der Antarktis beschränkte Familie der Barschartigen; bis 60 cm große, langgestreckte Fische ohne Schuppen; einzige Fische ohne rote Blutkörperchen; wohlschmeckende Speisefische.

Eisfischerei: Fischfang mit Zugnetz unter dem Eis.

Eisfreezer: Apparat zur automatischen kleingewerblichen oder industriellen Herstellung (und Portionierung) von Speiseeis cremiger Konsistenz (Eiscreme, Softeis); besteht aus einem Gefrierzylinder mit Außenkühlung (verdampfendes Kältemittel), innen rotierendem Schlag- und Schabewerk und Luftverdichter; Lufteinschlag und Gefrierzeit beziehungsweise Eisentnahmetemperatur sind vorwählbar.

Eisfuchs, Polarfuchs, Alopex lagopus: Fuchs des nördlichen Eurasiens und Amerikas, der arktischen Tundren bewohnt und im reinweißen Winterfell als Weißfuchs, in der blaugrauen Variante als Blaufuchs bezeichnet wird. Mit der Blaufuchszucht wurde 1920 begonnen; größere Zuchten gibt es in Finnland, Polen und der Sowjetunion. Der Blaufuchs hat eine Körpermasse bis 9 kg; die Paarungszeit ist Februar bis April, und nach einer Tragzeit von 51 bis 53 Tagen werden 6 bis 8 Welpen geworfen. Des wertvollen Felles wegen gehört der Blaufuchs zu den Edelfüchsen. Siehe auch Pelztiere.

Eisheilige, Eismänner, Gestrenge Herren: in Mitteleuropa mit hoher Wahrscheinlichkeit auftretende kalte Tage in der 2. Maidekade infolge Einströmens grönländische oder arktische Polarluft; nach volkstümlicher Überlieferung vom 11. bis 14. Mai. Siehe auch Lostage.

Eishockey: auf einer Eisfläche betriebenes Torspiel zweier Mannschaften von je 6 Spielern (1 Torwart, 2 Verteidiger, 3 Stürmer) und meist 12 ständigen Auswechselspielern, die mit speziellen Schlittschuhen, Stöcken (Schlägern) und (wegen der erlaubten Behinderungen beim Kampf um die Scheibe) besonderer Schutzausrüstung versehen sind. Das Spielfeld ist zwischen den Toren (1,22 m x 1,83 m) in 3 gleiche Drittel (Verteidigungs-, neutrale sowie Angriffszone; vom eigenen Tor aus gesehen) eingeteilt und von einer 1,22 m hohen Bande umgeben. Die 156 bis 170 g schwere, 2,54 cm dicke (Hartgummi-) Scheibe (veraltet Puck) von 7,62 cm Durchmesser soll möglichst oft in das gegnerische Tor getrieben werden. Die Spielzeit beträgt 3 x 20 min effektiv. Die Regeln sind auf die Eigenheiten des schnellen und harten Spiels abgestimmt. Bemerkenswert sind die verschiedenen Formen der Feldverweise bei Unfairness und des Abseits. Ein Tor gilt nur, wenn es mit dem Stock erzielt wurde. Olymp. Sportart seit 1920, Weltmeisterschaften seit 1920, Europameisterschaften seit 1910. Siehe auch Sportspiele.

Eiskegeln: dem Eisstockschießen verwandtes Spiel: die auf einem Gestell über der Eisschießbahn befindliche, durch das Gestell nach unten hindurchragenden Kegel sind mit dem Griff des durchgleitenden Eisstocks zu treffen; Wertung wie beim Kegelsport.

Eiskeil, Frostkeil: mit Eis gefüllte Frostspalte im Boden von Dauerfrostgebieten. Nach dem Abschmelzen des Eises sinken die oberen Bodenschichten nach und bilden eine keilartige Ausfüllung, die bis zu 30 m Tiefe erreichen kann.

Eisklappe: Vorrichtung zum Regeln des Oberwasserspiegels für das Abführen von Treibeis bei Wehrverschlüssen.

Eiskunstlauf: nach sportlichen und ästhetisch-musikalischen Gesichtspunkten gestalteter Lauf mit Schlittschuhen auf Eisbahnen. Disziplinen sind Einzel-, Paarlauf und Eistanz. Der Einzellauf besteht aus Pflicht (3 ausgeloste Figuren) und Kurzprogramm mit 7 vorgeschriebenen Elementen (Maximalzeit 2 min) sowie der Kür von 4:30 min (Männer) beziehungsweise 4 min (Frauen). Die Kür ist freies Laufen nach selbstgewählter Musik, die durch das Laufen interpretiert werden soll und Sprünge, Pirouetten sowie Kombinationen einschließt. Der Paarlauf (je 1 weiblicher und männlicher Partner) besteht aus Kurzprogramm von maximal 2:00 min und Kür von 4:30 min. Beim Eistanz (Rhythmisches Eisläufen-, je 1 weiblicher und männlicher Partner) dürfen nur Schritte nach Musik gelaufen werden. 3 ausgelosten Pflichttänzen und einem sogenannt freien Spurenbildtanz folgt ein Kürtanz von 4 min. Die Bewertung erfolgt mit Noten von 0 bis 6 mit Zehntelunterteilung. Es gibt (außer Einzelpflicht) jeweils 2 Noten (A-Note für den technischen Wert, B-Note für den künstlerischen Eindruck). Daraus ergibt sich für jeden Konkurrenten durch jeden Preisrichter in jedem Teilwettbewerb eine Platzziffer. Die Multiplikation der Platzziffern mit einem entsprechend Faktor (zum Beispiel für Einzellauf Pflicht 0,6, Kurzprogramm 0,4, Kür 1,0) und die Addition zu einem Wert ergibt das Endresultat. Olympische Sportart seit 1908, Weltmeisterschaften seit 1896, Europameisterschaften seit 1891.

Eislinse: linsenförmiges Eisgebilde, das sich, rasch anwachsend, bei Frostwetter auf Böden mit kapillarem Wassernachschub oder an Sickerstellen von Staudämmen bildet.

Eisner, Kurt, 14. 5. 1867-21. 2. 1919 (ermordet), Schriftsteller, Redakteur und Politiker; 1898/1917 Mitglied der Sozialdemokratie, danach Mitbegründer und einer der Führer der USPD in München. Eisner war entschiedener, wenngleich von bürgerlichen Illusionen nicht freier Antimilitarist und Gegner der imperialistischen Reaktion; stellte sich im Oktober/November 1918 an die Spitze der revolutionären Bewegung in München. Er wurde am 8. November 1918 Ministerpräsident der republikanischen bayerischen Regierung.

Eisriesenwelt: Eishöhlensystem im Tennengebirge in Österreich (Bundesland Salzburg); Eingang in 1615 m Höhe; 1879 entdeckt; bisher über 40 km Gänge erforscht.

Eisschnelllauf: Geschwindigkeitswettbewerbe mit Schlittschuhen auf Eisschnelllaufbahnen von international 333 '/3 m und (meist) 400 m Länge mit 2 Bahnen von 5 m Breite (plus innere 4 m breite Trainingsbahn). Wettbewerbsformen sind (meist) Mehrkämpfe (Mehrkampf) sowie Einzelwettbewerbe über 500, 1000,1500, 5000 und 10000 m (Männer) beziehungsweise 500, 1000, 1500, 3000 und 5000 m (Frauen). Es erfolgt paarweiser Start und Bahnwechsel nach jeder Runde. Mehrkampfsieger ist, wer auf 3 von 3 Strecken siegt beziehungsweise die geringste Gesamtpunktzahl auf Laufzeitgrundlage (Addition der 500-m Durchschnittszeiten je Disziplin) aufweist; bei Einzelwettbewerben wird ausschließlich die Laufzeit gewertet. Olymp. Sportart seit 1924, Weltmeisterschaften seit 1889, Europameisterschaften seit 1891.

Eisschrank: isoliertes Kühlmöbel, bei dem Wassereis als Kälteträger dient. Nachteilig gegenüber dem Kühlschrank sind unter anderem die Abhängigkeit vom Eislieferanten und das Nichterreichen von Temperaturen unter 0°C.

Eissegeln: hauptsächlich auf zugefrorenen Seen mit Segelschlitten betriebener Geschwindigkeitswettbewerb über 15 km auf einem markierten, mehrmals zu durchfahrenden Dreieckkurs. Die Segelschlitten sind gewöhnlich mit einem Sportler besetzt, laufen auf 3 Stahl- oder Bronzekufen, sind meist nur mit einem Segel ausgestattet. Segelfläche beim verbreitetsten DN-Schlitten 6,25 m2. Weltmeisterschaften seit 1973.

Eisspeedway: einem Speedwayrennen gleichender, auf einer Eisschnelllaufbahn ausgetragener Wettbewerb; Weltmeisterschaften seit 1966.

Eissport: Sammelbezeichnung für Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Eishockey, Eissegeln und Eisstockschießen unter anderem.

Eisstockschießen, früher Eisschießen: mittels Eisstocks, eines etwa 25 cm hohen und 4,82 bis 5,68 kg schweren kegelförmigen Spielgeräts mit Stiel, auf Eisflächen unter anderem Anlagen ausgetragenes Ziel- (besteht aus Ring- und Stockschießen) oder Weitschießen (Einzel und beziehungsweise oder Mannschaften = Moarschaften (4 Spieler)). Beim Ringschießen ist der Eisstock möglichst nahe an die (Ziel-) Daube (runde Lochscheibe, r = 60 mm, Höhe 40 ... 45 mm) heranzuschießen, beim Kombinierten Ring- und Stockschießen sind Zielstöcke zu treffen; die Bahn ist 28 m lang und 3 m breit Weitschießen wird nur für Männer ausgetragen. Europameisterschaften seit 1951, Weltmeisterschaften seit 1983.

Eisverstärkung: durch die Klassifikationsinstitute (Schiffsklassifikation) vorgeschriebene Verstärkung des Rumpfes von Schiffen, die in eisgefährdeten Gewässern eingesetzt sind. Sie besteht darin, dass die Außenhaut im Bereich von oberhalb der Tiefladelinie bis unterhalb des Leertiefgangs dicker und manchmal aus Stahl höherer Festigkeit als sonst ausgeführt ist und in diesem Bereich auch die Spanten verstärkt sowie zusätzliche Verbände eingebaut sind.

Eisvögel, Alcedinidae: Familie farbenprächtiger, großschnäbliger Rackenvögel, die im Sturzflug Insekten, Fische oder Reptilien erbeuten; Tropenbewohner. Heimisch nur -der Eisvogel (Alcedo atthis), etwa 18 cm groß, leuchtend blau und grün schillernd; nährt sich von Kleinfischen und Wasserinsekten; brütet in selbstgegrabenen Erdröhren. Siehe auch Rackenvögel.

Eiszeit, Glazialzeit, Kaltzeit. Zeitabschnitt, in dem weite Gebiete der Erde außerhalb der Polargebiete und Hochgebirge von Inlandeis und Gletschern bedeckt waren. Eiszeiten sind durch Tillite (verfestigter Geschiebelehm) und Gletscherschrammen zum Beispiel für das obere Carbon und untere Perm nachgewiesen. Mehrere Eiszeiten wechselten mit dazwischenliegenden Warmzeiten (Interglazialzeiten).

Eiszeitkunst: auf Fruchtbarkeits- und Jagdzauber gerichtete Kunstäußerung von Jägern und Sammlern der jüngeren Altsteinzeit. In der Eiszeitkunst wurden Jagdtiere und Menschen stilisiert oder lebensnah dargestellt; siehe auch Altamira, Lascaux.

Eiszeitrelikt, Glazialrelikt. Bezeichnung für Pflanzen- und Tierarten mit räumlich sehr begrenztem Siedlungsgebiet als Rest eines zur Eiszeit größeren Areals, zum Beispiel Zwergbirke am Brocken.

Eiter: gelbe, grüne oder bläuliche, rahmige, mitunter zähschleimige Absonderung eitriger Entzündungsherde; besteht aus Eiterkörperchen (weiße Blutzellen), eingeschmolzenem Gewebe, Serum und Bakterien. Die Eiterbildung ist eine Abwehrreaktion des Organismus gegen eingedrungene Krankheitserreger.

Eitransplantation: Übertragen einer befruchteten Eizelle eines weiblichen Tieres in die Gebärmutter eines anderen weiblichen Tieres der gleichen Art. Durch die Eitransplantation kann von züchterisch wertvollen Tieren eine größere Zahl von Nachkommen erzielt werden.

Eitz, Carl, 25. 6.1848-18. 4.1924, Musikpädagoge und -forscher, war als Grundschullehrer tätig und entwickelte zur Förderung des bewussten Singens die Eitzsche Tonwortmethode-, untersuchte Tonsysteme und physikalisch-akustische Probleme.

Eiweißminimum: für eine normale Leistungsfähigkeit notwendige Eiweißmenge, die vom Darm in den Organismus aufgenommen wird. Sie beträgt beim gesunden Erwachsenen etwa 1 g je kg Körpergewicht täglich (funktionelles Eiweißminimum). Bei Kindern, aber auch infolge Belastung, Schwangerschaft unter anderem erhöhen sich die Werte (bis zu 2 g/kg); wenigstens ein Drittel soll tierisches Eiweiß sein (siehe auch Ernährung). Das Bilanzminimum (Gleichgewicht zwischen aufgenommener und abgegebener Stickstoffmenge) beträgt 30 bis 40 g Eiweiß je Tag. Diese Menge ist für das Überleben, jedoch nicht für normale Funktionsfähigkeit ausreichend.

Eiweißmischsilage: aus Tierkörpern, Schlachtblut und Geflügelschlachtabfällen (einschließlich Federn) durch Sterilisation (Dampferhitzen), Zusatz von Schwefelsäure und Abziehen des Fettes hergestelltes eiweißreiches Futtermittel; vorwiegend in der Schweinemast eingesetzt.

Eizahn, Eischwiele-, horniges Hautgebilde auf der Oberschnabelspitze von jungen Vögeln, bei manchen Kriechtieren und Ameisenigeln; dient dem Durchbrechen der Eischale beim Auskriechen.

Ejakulation: Herausschleudern der in den Samenbläschen gespeicherten Samenflüssigkeit (Ejakulat) aus der männlichen Harnröhre.

Ecdyson: zu den Metamorphose Hormonen zählendes Steroidhormon der Wirbellosen.

Ekhof, Conrad, 12.8. 1720-16.6. 1778, Schauspieler, «Vater der deutschen Schauspielkunst»; spielte unter anderem am Hamburger Nationaltheater und in Weimar und leitete 1774/78 das Gothaer Hoftheater. Er entwickelte theoretisch (in der ersten deutschen Theaterakademie, Schwerin 1753/54) und praktisch Methoden realistischer Schauspielkunst; verdient um die soziale und künstlerische Hebung seines Berufsstandes.

Ekkehard von Aura, gestorben um 1130, Abt des 1108 gestifteten Klosters Aura (bei Bad Kissingen); verfasste die Fortsetzung (bis 1125) der Weltchronik des Frutolf von Michelsberg.

Ekklesia: Volksversammlung der vollberechtigten freien männlichen Bürger in den altgriechischen Poleis; sie entwickelte sich besonders in Athen zum höchsten Staatsorgan; später Bezeichnung für jede Versammlung.

Eklair, Eclair: Feingebäck aus Brandmasse mit Cremefüllung und Überzug (zum Beispiel Kuvertüre).

Eklampsie: schwerste Form einer am Ende der Schwangerschaft, unter der Geburt oder im Wochenbett auftretenden Gestose. Die Eklampsie ist durch heftige, blitzartige Krämpfe mit Bewusstlosigkeit charakterisiert bei gleichzeitiger Blutdruckerhöhung, Wasseransammlung im Gewebe und Nierenversagen. Es besteht Lebensgefahr für Mutter und Kind.

Eklat: Glanz, Schein; Knall, Lärm; aufsehenerregendes Ereignis, Auftritt; Skandal.

eklatant: aufsehenerregend; offenkundig.

eklektisch: zusammengestückelt; nicht schöpferisch, unselbständig.

Eklektizismus: Denkmethode, bei der willkürlich verschiedene Seiten aus einem gegebenen Zusammenhang herausgelöst und mechanisch nebeneinandergestellt werden, wobei das Grundlegende nicht vom Nebensächlichen unterschieden wird. In der bildenden Kunst ist Eklektizismus die seit der Spätantike verbreitete unschöpferische Vereinigung verschiedener Stilelemente zu einem unorganischen Stilgemisch als Ausdruck des Unvermögens der herrschenden bürgerlichen Klasse, besonders in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert, sich eigene künstlerische Formen zu schaffen; hauptsächlich in der Architektur (unter anderem Neurenaissance, Neubarock, Neoklassizismus).

Ekliptik: («Finsternislinie») Schnittlinie der Erdbahnebene mit der Himmelskugel und damit gleichzeitig die scheinbare jährliche Bahn der Sonne relativ zu den Sternen am Himmel. Die Ekliptik bildet mit dem Himmelsäquator einen Winkel von 23°26' (Schiefe der Ekliptik), der sich infolge der Störungen der Erdbahn durch die Planeten langsam ändert. Der Nordpol der Ekliptik liegt im Sternbild Drachen. Die Schnittpunkte zwischen Himmelsäquator und Ekliptik heißen Äquinoktialpunkte, die gegenüber diesen um 90° in der Ekliptik verschobenen Punkte heißen Solstitialpunkte (Sonnenwendpunkte). Die Ekliptik wird vom Frühlingspunkt ausgehend in 12 gleichlange Abschnitte unterteilt, die Tierkreiszeichen (siehe auch Tierkreis, astronomische Zeichen).

Ekloge: («Auswahl») Bezeichnung für ein einzelnes Gedicht in der antiken römischen Literatur, später auf Hirtengedicht bezogen (Vergil); wieder aufgenommen in der italienischen Renaissance (Dante, F. Petrarca, G. Boccaccio).

Eklogit: ein bei hohem Druck und hoher Temperatur durch Regionalmetamorphose gebildeter (ultra)basisches Metamorphit, bestehend aus grünem Pyroxen und rotem Granat.

Ekraled PUR: (Kunstwort) mit Polyurethan beschichtetes Vlies oder Baumwollgewebe mit guten tragehygienische Eigenschaften; vornehmlich für Schuhschäfte und Oberkleidung.

ekrü, écru: ungebleicht, naturfarben, gelblich.

Ekstase: 1. allgemein Außersichsein, Schwärmerische Aufgeregtheit; höchste Begeisterung.

2. Psychologie: abnormer Bewusstseinszustand der Verzückung, Entrücktheit von der Wirklichkeit mit eingeschränkter Selbstkontrolle und gesteigerten Ausdrucksbewegungen.

Eiweißmangel: negative Eiweißbilanz infolge zu geringer Eiweißaufnahme oder Eiweißausscheidung (zum Beispiel bei Nieren- unter anderem Krankheiten); führt zu Schwellungen (Hungerödem) und Organschäden; siehe auch Eiweißminimum.

Ektasie: Erweiterung von Hohlorganen, zum Beispiel Bronchien.

Ektoderm: äußeres Keimblatt (Keimblätter).

Ektohormone: Hormone der Insekten, die zum Beispiel durch Beeinflussung des Eintritts der Geschlechtsreife für die Populationsentwicklung bedeutsam sind.

Ektomie: Herausschneiden eines (erkrankten) Organs oder eines Krankheitsherdes, zum Beispiel Cholezystektomie (operatives Entfernen der Gallenblase).

Ektropium: Umstülpung, Auswärtskehrung, zum Beispiel der Zervix Schleimhaut am Muttermund; kann unter anderem zu Fluor genitalis führen.

Ekuador, (spanisch, «Äquator») Republik Ekuador: Staat an der Westküste Südamerikas, einschließlich der Galapagosinseln; beiderseits des Äquators; im Norden von Kolumbien, im Osten und Süden von Peru begrenzt, im Westen bildet der Pazifischen Ozean die natürliche Begrenzung; verwaltungsmäßig in 20 Provinzen gegliedert. Die Bevölkerung besteht zu etwa 40% aus Indios, zu 40% aus Mestizen, zu 10% aus Kreolen und zu 10% aus Afroamerikanern und Mulatten. Amtssprache ist Spanisch, wichtige Verkehrssprachen sind Ketschua und Chibcha (Indiosprachen). Währung ist der Sucre. Natur. Ekuador gliedert sich in 3 natürlichen Regionen: die Costa, einen von einem Küstengebirge durchzogenen flachen Küstenstreifen mit dem Golf von Guayaquil, die Sierra, die das Hochland der Anden mit den beiden parallelen Ketten der West- und Ostkordillere mit tätigen und erloschenen Vulkanen (Chimborazo 6267 m, Cotopaxi 5896 m) sowie verschiedene Hochbecken umfasst und erdbebengefährdet ist, und die Oriente das Übergangsgebiet zum Amazonasbecken im Osten. Klimatisch gehört Ekuador zur inneren Tropenzone. In den Kordilleren ergeben sich mit zunehmender Höhe große tägliche Temperaturschwankungen. Im Osten geht das Hochgebirgsklima in das Tropenklima des Amazonasbeckens über. An der Nordküste immergrüner tropischer Regenwald; die Hochbecken sind waldarm und gehen in höheren Lagen in Páramo-Vegetation (Schneegrenze bei 4 800 m) über. An der Südküste herrschen Savannen vor, im Amazonasbecken immergrüner tropischer Regenwald.

Wirtschaft: Ekuador ist ein wenig entwickeltes kapitalistisches Agrar-Industrie-Land in starker Abhängigkeit von ausländischen, insbesondere US- und westeuropäischen Kapital. In der Landwirtschaft, die etwa 40% des Exporterlöses erbringt und in der (einschließlich Fischerei) etwa die Hälfte der Erwerbstätigen beschäftigt ist, dominieren Großgrundbesitz (im Andenhochland zum Teil noch Überreste vorkapitalistischer Produktionsverhältnisse) und Großplantagen. 1% der landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschaften mehr als die Hälfte der LN. Traditionelle Anbau- und Exportprodukte sind Bananen (weltgrößter Exporteur), Kakao, Kaffee, des weiteren werden Reis, Zuckerrohr und Baumwolle (besonders in der Costa), Mais, Weizen, Kartoffeln und Gemüse (in der Sierra) angebaut, ohne dass der Eigenbedarf an Grundnahrungsmitteln gedeckt werden kann. Auf den natürlichen Weidegebieten Viehzucht (Rinder, Schafe, Schweine, Lamas). An der Küste Thunfisch- und Garnelenfang. Trotz reicher Bodenschätze (bisher sind Erdöllager, Gold-, Silber-, Kupfer-, Platin-, Blei- und Zinkvorkommen bekannt) werden gegenwärtig vorwiegend Erdöl (seit 1972) und Gold gefordert, wobei der Erdöl- und Erdgasexport mit etwa 60% an den Deviseneinnahmen des Landes beteiligt ist. Für das Streben nach einer beschleunigten Industrialisierung bildet die zu etwa 63 % verstaatlichte Erdölindustrie eine günstige Ausgangsbasis. Neben der Entwicklung traditioneller Industriezweige (Nahrungsmittel-, Getränke-, Textil- und Baustoffindustrie) zielt das Regierungsprogramm vor allem auf die Errichtung einer petrolchemischen und chemischen Industrie ab. 1982 wurden dafür bedeutsame Abkommen mit Brasilien abgeschlossen. Industriezentren sind Quito und Guayaquil. Das Verkehrsnetz ist schwach entwickelt; Haupthafen Guayaquil, internationale Flughäfen Quito und Guayaquil. Hauptausfuhrgüter sind Erdöl, -gas, Bananen, Kaffee und Kakao. Eingeführt werden Maschinen, Fahrzeuge, elektrotechnische Geräte, Nahrungsmittel und Konsumgüter. Haupthandelspartner sind die USA, Japan, die BRD, Venezuela und Kolumbien.

Geschichte: Indian. Stammesföderationen Ekuadors (Cara, Puruhá, Cañari) wurden seit Mitte des 15. Jahrhundert von den Inkas unterworfen. Die Spanier eroberten Ekuador 1532. 1563 wurde die Audiencia Quito gegründet, die zunächst dem Vizekönigreich Peru, seit 1740 dem Vizekönigreich Neugranada angehörte. Im 16. Jahrhundert wurde Ekuador zu einem bedeutenden Produzenten von Edelmetallen und -steinen. Indianer und Mestizen erhoben sich wiederholt gegen die spanische Ausbeutung. 1809/20 kämpfte Ekuador um seine Unabhängigkeit, wurde aber erst durch den Sieg von A. J. Sucre y de Alcalá am Vulkan Pichincha (24. 5. 1822) befreit und Teil der Republik Großkolumbien. 1830 wurde es wieder selbständig. Das 19. Jahrhundert war durch fortwährende Kämpfe zwischen Liberalen (progressive Intellektuelle, Handelsbourgeoisie) und Konservativen (Klerus, Großgrundbesitzer) gekennzeichnet. 1845/60 vertrieben die Liberalen die Jesuiten, hoben Sklaverei (1852) und Indianertribut (1857) auf, ließen aber den Großgrundbesitz unangetastet. Die klerikale Diktatur G. Garcia Morenos (1861/65, 1869/75) verband technischer Modernisierung mit Restauration der alten Verhältnisse und weihte 1873 Ekuador zur «Republik vom Herzen Jesu». Erst 1895 dominierte nach hartem Bürgerkrieg der Liberalismus, der unter den Präsidenten Ekuador Alfaro (1895/1901, 1905/11) und L. Plaza (1901/05, 1912/16) den klerikalen Einfluss brach. Britisches und US-Kapital drang in die Plantagenwirtschaft (Kakao) und die entstehende Erdölindustrie ein. Nach 1917 belebte sich die Arbeiter- und Indianerbewegung; 1925 entstand die sozialistische Partei, 1930 die KP. Während und nach dem 2. Weltkrieg stieg der US-Einfluss stark an (1942 und 1952 Militärabkommen); 1957 kamen 97% des Auslandskapitals aus den USA. Eine Massenbewegung unter Teilnahme der KP und der Sozialisten führte 1944 zur Bildung einer Regierung unter J. M. Velasco Ibarra, die 1947 durch einen reaktionären Putsch gestürzt wurde. Erneute Präsidentschaften Velasco Ibarras trafen gleichfalls auf den Widerstand reaktionärer Militärs (1952/56, 1960/61). 1961/72 wechselten ständig zivile und Militärregierungen. 1972 übernahmen national gesinnte Militärs unter General G: Rodriguez Lara die Regierungsgewalt. Sie leiteten reformistische Maßnahmen ein, wurden jedoch 1976 von rechts stehenden Offizieren von der Machtausübung verdrängt. Die innere Situation zwang allerdings den Obersten Regierungsrat unter Vizeadmiral A. Poveda Burbano bereits 1979 dazu, die Regierung an zivile Kräfte unter Präsident J. Roldös Aguilera zu übergeben. Dieser versuchte, eine forcierte kapitalistische Entwicklung einzuleiten, scheiterte aber am Widerstand reaktionärer Kräfte der Oligarchie. Nach seinem Tode (1981) übernahm der Christdemokrat O. Hurtado Larrea die Präsidentschaft. Unter ihm spitzten sich die Auseinandersetzungen rivalisierender Gruppen der herrschenden Kreise um die Macht zu. Sie mündeten im Januar 1982 in eine Regierungskrise. 1984 siegte in Präsidentschaftswahlen der Kandidat der konservativen Parteienkoalition Front für den Nationalen Wiederaufbau, L. Febres Cordero, gegen den sozialdemokratisch orientierten Kandidaten.

Ekzem: häufigste, angeborene oder erworbene (allergische), akut oder chronisch verlaufende Hautentzündung mit sehr unterschiedlichen klinischen Bild und oft ausgeprägtem Juckreiz. Eine Sekundärbesiedlung mit Viren, Bakterien und Hautpilzen ist möglich.

Elaborat: (schriftliche) Ausarbeitung; Geschreibsel, Machwerk.

Elagabal, Marcus Aurelius Antoninus Elagabalus (Heliogabalus), 204 - 11.3.222 (ermordet), römischer Kaiser seit 8. 6. 218; von Prätorianern ausgerufen, entstammte dem Priestergeschlecht des syrischen Sonnengottes in Emesa, dessen Kult er zur römischer Staatsreligion erheben wollte.

Elam: altorientaler Staat, östlich vom unteren Tigris, im heutigen südiranischen Randgebirge gelegen. Elam entstand im 3. Jahrtausend vor Christus (von den Elamitern bewohnt) und entwickelte eine bis ins Neolithikum zurückreichende hohe eigenständige Kultur; die Hauptstadt war Susa. Im 12. Jahrhundert vor Christus erlangte es seine größte Ausdehnung und politischer Machtentfaltung.

elamische Kunst: Kunst des Reiches Elam. Ihre Entstehung reicht bis ins 4. Jahrtausend vor Christus zurück und steht im Zusammenhang mit der Herausbildung der sumerischen Kunst. Wichtige Fundorte sind Susa (Keramik, Glyptik, Rundplastik) und Tschoga Zanbil (Großbaukunst, Glasurziegeltechnik). Mit ihren Felsreliefs und qualitätsvollen Metallarbeiten beeinflusste die elamische Kunst benachbarte und nachfolgende Kunststile.

Elaste, Elastomere: makro-molekulare Stoffe mit gummielastischen Eigenschaften, beruhend auf mäßiger räumlicher Vernetzung der Makromoleküle untereinander, wie sie zum Beispiel durch Vulkanisation erreicht wird. Elaste sind Naturkautschuk, die verschiedenen Synthesekautschukarten und einige Polyurethantypen.

Elbe-Havel-Kanal: Binnenschifffahrtsweg von der mittleren Elbe (westlich von Burg) zur Havel (westlich von Brandenburg); 56 km; für Schiffe bis 1000 t.

Elbelineament: großregionale Störungszone mit Einengungs- und Weitungscharakter und eigenem Magmatismus; zwischen Lausitzer Massiv und Erzgebirge geologisch definiert.

Elben, Alben: im nordgermanischen Volksglauben freundliches oder tückisches Wesen.

Elbe-Seitenkanal: bedeutender Schifffahrtskanal im Nordosten Deutschlands; verbindet in Nord-Süd-Richtung die Elbe mit dem Mittellandkanal; 115 km lang; Schiffshebewerk bei Lüneburg.

Elbingeröder Komplex: von Verwerfungen begrenztes Gebiet im Mittelharz, aufgebaut aus zum Teil sehr mächtigen Massenkalken (Rübeland) und Schalsteinen; in vererzten Randpartien des Elbingeröder Komplexes ehemals intensiver Bergbau auf Roteisenerz.

Elbtalschiefergebirge, Mittelsächsisches Synklinorium: Geologie schmale, herzynisch streichende, stark verfaltete und verschuppte geologische Einheit der Elbtalzone an der Grenze zum Osterzgebirge, aufgebaut aus paläozoischen und oberproterozoischen Gesteinen.

Elbtalzone: Geologie - herzynisch streichende, tektonisch kompliziert gebaute Zone zwischen Osterzgebirge und Westlausitzer Störung.

Elburs: Hochgebirge im Norden Irans, das das Hochland von Iran nach Norden abschließt; etwa 900 km lang; der Vulkankegel des Damavand ist mit 5 604 m die höchste Erhebung; bildet ein System parallel verlaufender Ketten, die vor allem aus gefalteten Jura- und Kreidekalken mit granitischen Intrusivgestein und Vulkandurchbrüchen bestehen, teilweise vergletschert, besonders im westlichen Teil; nach Norden zum Kaspischen Meer Steilabfall; Steinkohlen- und Buntmetallerzlagerstätten; Transiranische Eisenbahnlinie und Gebirgsstraßen erfordern Serpentinen und Tunnel (zum Beispiel am Guduk-Pass 2018 m über dem Meeresspiegel).

Elch, Elen, Alces alces: etwa pferdgroßer Hirsch mit breitem Schaufel- oder Stangengeweih; lebt in sumpfigen Wald- und Tundrengebieten Nordeurasiens und -amerikas; nährt sich von Kräutern, Gehölzen, Laub unter anderem; guter Schwimmer.

Eldorado, El Dorado, Dorado sämtliche (spanisch, «das (oder der) Vergoldete»): sagenhaftes Goldland im Inneren des nordöstlichen Südamerika. Die Sage vom Eldorado geht wahrscheinlich auf eine Zeremonie (bei Übernahme der Herrscherwürde Überpuderung mit Goldstaub, Goldopfergaben) der Kaziken von Guatavita (Herrscher der Chibcha) zurück. Konquistadoren suchten das Eldorado im 16. und 17. Jahrhundert auf zahlreichen vergeblichen Entdeckungszügen. übertragen Wunschland, Paradies.

Eleaten: altgriechische Philosophenschule im unteritalienischen Elea; von Parmenides Anfang des 5. Jahrhundert vor Christus gegründet, von seinen Schülern Zenon und Melissos fortgesetzt. Die Eleaten lieferten mit ihren Überlegungen zur Kategorie des Seins wesentliche Beiträge zur Entwicklung von Ontologie, Logik und Dialektik sowie zum Verhältnis Denken-Sprache-Wirklichkeit.

Electron-Printing: Vervielfältigungsverfahren; die mit radioaktiver Tusche gezeichnete Vorlage wird mit einer strahlungsempfindlichen Schicht in Kontakt gebracht und diese anschließend normal entwickelt und fixiert.

Elefanten, Elephantidae: plumpe Vorhuftiere mit langem, zum Greifen eingerichtetem Rüssel und zu Stoßzähnen verlängerten Oberkieferschneidezähnen; Tragzeit 20 bis 23 Monate, Geburtsgewicht etwa 100 kg, erwachsene Tiere bis 5000 kg schwer und bis maximal 80 Jahre alt. Elefanten leben in Herden; in den Waldgebieten Südasiens der kleinohrige Asiatischen oder Indischen Elefanten (Elephas maximus), seit Jahrtausenden Reit- und Arbeitstier. Der großohrige Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana) ist in mehreren Unterarten in Afrika verbreitet; siehe auch Elfenbein.

Elefantenohr, Haemanthus albiflos: weißblühendes Amaryllisgewächs aus Südafrika; anspruchslose Zimmerpflanze mit 2 bis 4 fleischigen Blättern.

Elefantensprung: Pferdesport Springprüfungshindernis, das aus 3 übereinander liegenden dicken Walzen besteht; erfordert einen Steilsprung des Pferdes.

Elegie: (griechisch, «Klagelied») in der antiken Literatur Gedicht in Distichen (außer Epigramm); später, besonders im 18. Jahrhundert (E. Young, F. G. Klopstock, F. Hölderlin), Genrebezeichnung für Gedichte, in denen der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit beklagt wird. Bedeutender Elegiedichter in der spätbürgerlichen Literatur war R. M. Rilke («Duineser Elegien»). Eine neue historisch-ästhetische Qualität der Elegie Dichtungen erreichten J. R. Becher, L. Fürnberg und B. Brecht («Buckower Elegien»).

elegisch: wehmutsvoll, klagend.

Elektra, in der griechischen Sage Tochter des Agamemnon und der Klytaimestra, Schwester von Orest und Iphigenie; stachelte ihren Bruder an, die Mörder ihres Vaters, Klytaimestra und Ägisth, zu töten. Titelgestalt bei Euripides, Sophokles, H. von Hofmannsthal, R. Strauss.

Elektret: in Analogie zu Magnet von O. Heaviside geprägte Bezeichnung für ein Dielektrikum, das permanent elektrisch geladen ist. Bei der Herstellung künstlichen Elektreten erzeugt man im Dielektrikum eine permanente Polarisation (durch «Einfrieren» vorhandener Dipole im elektrischen Feld) oder aber Raumladungen (zum Beispiel durch Elektronenbestrahlung). Elektreten aus synthetischen Werkstoffen werden zum Beispiel in Mikrophonen, Kopfhörern und kontaktlosen Schaltern verwendet. Siehe auch Ferroelektrizität.

Elektrifizierung: Bereitstellung und Einsatz von Elektroenergie in allen Zweigen der Volkswirtschaft; im engeren Sinne auch die Umstellung von anderen Energiearten auf Elektroenergie (zum Beispiel Elektrifizierung der Reichsbahn). Die Elektrifizierung wird charakterisiert durch den Elektrifizierungsgrad (Anteil der mit Elektroenergie versorgten Einwohner, Elektroenergieerzeugung je Einwohner oder Elektroenergieverbrauch je Haushalt oder je Fläche unter anderem). Die Elektrifizierung ist eine wichtige Voraussetzung für den wissenschaftlich-technischen und sozialen Fortschritt.

Elektrik: Teilgebiet der Physik, das sich mit allen elektrischen Vorgängen befasst; oft auch im Sinne von Elektrodynamik gebraucht.

elektrische Feldstärke: vektorielle Größe E, die neben der elektrischen Flussdichte D zur Beschreibung des elektrischen Feldes dient; wird gemessen durch die Kraft F, die das Feld in einem bestimmten Punkt auf eine dort befindliche genügend kleine «Probeladung» Q ausübt: E = F/Q. SI-Einheit V/m. Siehe auch Dielektrizitätskonstante, elektrische Polarisation,

elektrische Festigkeit, Durchschlagfestigkeit: die Widerstandsfähigkeit der Isolierstoffe gegen Durchschlag, der bei Überschreiten der Durchschlagfeldstärke auftritt. Die elektrische Festigkeit wird als Spannungsfestigkeit aus Durchschlagspannung, Elektrodenform und -abstand berechnet,

elektrische Flussdichte, Verschiebungsflussdichte, Verschiebungsdichte, elektrische Verschiebung, vektorielle Größe D, die neben der elektrischen Feldstärke E zur Beschreibung des elektrischen Feldes dient; wird gemessen durch die auf der Oberfläche eines Leiters influenzierte Ladung. SI-Einheit C/m2. Siehe auch Dielektrizitätskonstante, elektrische Polarisation,

elektrische Heizung: Umwandlung von elektrische in Wärmeenergie zur Temperaturerhöhung in Räumen mit Hilfe von Heizleitern, Heizkörpern, Luftheizgeräten, Nachtspeicheröfen, Wärmepumpen unter anderem Vorteile der elektrischen Heizung sind Sauberkeit, gute Stell- und Regelbarkeit sowie geringer Bedienungsaufwand. Wegen hoher Energiekosten und des zu hohen -Verbrauchs wird meist nur elektrische Zusatz-, Teil- oder Punktheizung (zum Beispiel Arbeitsplatzbeheizung in Hallen) angewendet, elektrische Installation Elektroinstallation,

elektrische Kapazität: Quotient C aus der Ladung Q eines Kondensators und der an seinen Klemmen herrschenden Spannung £/; SI-Einheit Farad (F). Die elektrische Kapazität hängt von den geometrischen Größen des Kondensators und der relativen Dielektrizitätskonstante des Stoffes zwischen seinen Elektroden ab. Bei Parallelschaltung von n gleichen Kondensatoren steigt die elektrische Kapazität auf das n-fache, bei Reihenschaltung sinkt sie auf den n-ten Teil.

elektrische Ladung, Elektrizitätsmenge: physikalische Größe, die den elektrischen Zustand eines Körpers charakterisiert; Zeichen Q, SI-Einheit Coulomb (C). Für die elektrische Ladung gilt ein Erhaltungssatz; sie setzt sich aus kleinsten unteilbaren Elementarladungen zusammen. Positive elektrische Ladung eines Körpers entspricht Elektronenmangel, negative Elektronenüberschuss. Elektrische Ladung sind die Quellen des elektrischen Feldes. Von einem Gleichstrom mit der elektrischen Stromstärke I wird während der Zeit t die elektrische Ladung Q = It transportiert. Der Quotient aus elektrischer Ladung und Masse eines Elementarteilchens oder Ions heißt spezifische Ladung. Siehe auch Elektrizität, Coulombsches Gesetz, Ladung 2.

elektrische Leitfähigkeit: Proportionalitätsfaktor x zwischen der Stromdichte und der elektrischen Feldstärke E im Ohmschen Gesetz = xE\ SI-Einheit Siemens je Meter (S/m). Die elektrische Leitfähigkeit ist eine Materialkonstante. Sie nimmt mit steigender Temperatur bei Metallen im Allgemeinen ab, bei Halbleitern zu (siehe auch Heißleiter). Bei einigen Legierungen (Konstantan, Manganin) ist die elektrische Leitfähigkeit in einem größeren Intervall nahezu temperaturunabhängig. Der Kehrwert der elektrischen Leitfähigkeit ist der spezifische Widerstand (elektrischer Widerstand).

elektrische Maschinen: Maschinen, deren Wirkungsweise maßgeblich durch die elektrische Energie bestimmt wird. Rotierende elektrische Maschinen sind elektromagnetische beziehungsweise -mechanischer Energiewandler und werden nach Energierichtung als (elektrische) Generatoren und (Elekto-) Motoren bezeichnet. Ruhende elektrische Maschinen sind Transformatoren zur Veränderung der Spannungshöhe bei gleichbleibender Frequenz. Nach Stromart werden Gleich-, Wechsel- und Drehstrommaschinen, nach Schaltung, Betriebs- und Drehzahlverhalten Neben- und Reihenschluss sowie Synchron- und Asynchronmaschinen unterschieden. Elektrische Maschinen im Leistungsbereich bis 10 W werden als elektrische Kleinstmaschinen, bis etwa 1kW als elektrische Kleinmaschinen und im Leistungsbereich von 100 kW als elektrische Mittelmaschinen bezeichnet. Mit steigendem Bedarf wird auch für elektrische Mittelmaschinen eine Serienherstellung der Bauteile erforderlich, so dass Baukastensysteme entwickelt wurden. Elektr. Großmaschinen über 1 MW Leistung werden als Antriebsmotoren in der Grundstoffindustrie und als Synchrongeneratoren bis zu Leistungen über 1000 MW zur Elektroenergieerzeugung eingesetzt.

elektrische Organe: am Rumpf oder Schwanz verschiedener Fische (Zitteraal, Zitterrochen, Zitterwels) vorkommende, aus quergestreifter Muskulatur hervorgegangene Organe, die aus hintereinander geschalteten und durch gallertiges Bindegewebe getrennten Platten (elektrische Einheiten) bestehen. Ausgeteilte elektrische Schläge (bis 700 V) sollen die Beute lähmen, dienen aber wahrscheinlich auch der Orientierung und der Kontaktaufnahme mit Artgenossen.

elektrische Polarisation: Quotient aus der Summe der elektrischen Dipolmomente und dem Volumen eines Körpers; entsteht, wenn man ein Dielektrikum in ein elektrisches Feld bringt; Zeichen P, SI-Einheit C/m2. Die elektrische Polarisation hängt mit der elektrischen Flussdichte D und der elektrischen Feldstärke E über die Gleichung D = e0E + P zusammen, gibt also den vom Dielektrikum herrührenden Beitrag zu D an (elektrische Feldkonstante). Ursache der elektrischen Polarisation ist die Verschiebbarkeit atomarer Bausteine (Verschiebungspolarisation in Form der Ionen- oder Elektronenpolarisation) und die Ausrichtung polarer Moleküle durch ein elektrisches Feld (Orientierungspolarisation). In Ferroelektrika (Ferroelektrizität) entsteht bei tiefen Temperaturen infolge spezieller Kristallstrukturen auch ohne äußeres elektrisches Feld eine spontane elektrische Polarisation.

elektrischer Antrieb, elektromotorischer Antrieb: mechanischer Antrieb von Maschinen und Geräten durch Elektromotoren. Neben Elektromotor und Arbeitsmaschine oder -mechanismus sowie Kupplung und Getriebe gehören zum elektrischen Antrieb alle Geräte zum Messen, Steuern und Regeln, Ein- und Ausschalten sowie zum Schutz gegen Störungen und Überlastung. Unterschieden werden Sammelantrieb (veraltet), Gruppenantrieb (veraltet), Einzelantrieb (ein Motor für jede Maschine) und Mehrmotorenantrieb (ein Motor für jede mechanische Bewegung einer Maschine). Eine optimale Anpassung der Elemente des elektrischen Antriebs zueinander ist Aufgabe der elektrischen Antriebstechnik.

elektrischer Leitwert: reziproker Wert des elektrischen Widerstandes; Zeichen G, SI-Einheit Siemens (S).

elektrischer Strom: Bewegung elektrischer Ladungsträger (Elektronen, positive und negative Ionen) in metallischen Leitern, Halbleitern, Flüssigkeiten (Elektrolyten) und Gasen. Die konventionelle, willkürlich festgelegte Stromrichtung verläuft vom positiven (Plus-) zum negativen (Minus-) Pol, entgegengesetzt zum Elektronenstrom,

elektrischer Stuhl: ab 1890 in einigen Staaten der USA benutzter Apparat zur Vollstreckung der Todesstrafe mit Starkstrom.

elektrischer Widerstand: Quotient aus der an einem Leiter liegenden elektrische Spannung und der elektrischen Stromstärke (siehe auch Ohmsches Gesetz); Zeichen R, SI-Einheit Ohm (ß). Der elektrische Widerstand R = gl/A eines Drahtes wächst mit der Länge l und ist umgekehrt proportional zum Querschnitt A; die Materialkonstante p ist der spezifische Widerstand, der Kehrwert der elektrischen Leitfähigkeit. In einem Stromkreis unterscheidet man zwischen dem äußeren (Belastungs-) Widerstand und dem inneren Widerstand der Spannungsquelle; wegen des an letzterem auftretenden Spannungsabfalles ist bei Stromentnahme die Klemmenspannung stets niedriger als die Urspannung. Siehe auch Wechselstrom.

elektrisches Feld: physikalisches Objekt, das im leeren oder stofferfüllten Raum auftritt und von ruhenden (elektrostatisches Feld) oder von bewegten elektrischen Ladungen und zeitlich verändert, magnetischen Feldern (elektromagnetisches Feld) erzeugt wird; gekennzeichnet durch die elektrische Feldstärke und die elektrische Flussdichte. Siehe auch Feld.

elektrisches Lichtbad, Lichtkasten, Lichtbügel: milde Durchwärmung des Körpers beziehungsweise einzelner Körperteile für die Dauer von 10 bis 30 Minuten mit Hilfe glühlampenbestückter Holzkästen unterschiedlicher Größe (Voll- oder Teilbad); Anwendung zum Beispiel bei chronischen Entzündungen,

elektrische Spannung, Potentialdifferenz: Quotient U aus der Arbeit W, die zum Verschieben einer elektrischen Ladung Q im elektrischen Feld von einem Punkt zu einem anderen erforderlich ist, und dieser Ladung; U W/Q\ SI-Einheit Volt (V). Die elektrische Spannung ist die Ursache für den Stromfluss in einem Stromkreis (siehe auch Stromquelle). Die auf einem geschlossenen Weg (zum Beispiel Leiterschleife, Windung) induzierte elektrische Spannung heißt Umlaufspannung U0 und die elektrische Spannung zwischen den Klemmen eines Verbrauchers Spannungsabfall (Klemmenspannung) U. Nach Spannungsart unterscheidet man Gleich- und Wechselspannung. Gleichspannung entsteht bei galvanischen Elementen unter anderem. In der Energieversorgung werden Wechselspannungen überwiegend durch Drehstrom-Synchrongeneratoren erzeugt. Weicht die elektrische Spannung um mehr als 3 bis 4 % von der Nennspannung ab (die tatsächlich auftretende elektrische Spannung heißt Betriebsspannung), wird sie Unter- oder Überspannung genannt.

elektrische Stromstärke: Quotient aus der durch einen Leiterquerschnitt fließenden elektrische Ladung und zugehöriger Zeit; Zeichen, SI-Einheit Ampere (A).

elektrische Uhr: jede Uhr, die durch elektrische Energie betrieben, weitergeschaltet oder aufgezogen wird. Als Energiequelle werden Primärelemente beziehungsweise Akkumulatoren eingesetzt, oder es wird Strom des Lichtnetzes verwendet. Der elektrische Antrieb bei Einzeluhren wirkt direkt über den Unruhmotor oder indirekt bei Uhren mit Magnetanker- beziehungsweise Motoraufzug; siehe auch elektronische Uhr.

Elektrisiermaschine: Gerät zur Erzeugung geringer elektrischer Ladungen bei hoher Spannung (bis zu 10s V). Es gibt Reibungselektrisiermaschine und Influenzmaschinen, sie sind nur noch von historischem Interesse. Ähnlich funktionieren Bandgeneratoren.

Elektrisierung: 1. elektrische Beeinflussung eines Körpers.

2. Quotient aus elektrischer Polarisation und elektrischer Feldkonstante; Zeichen SI-Einheit V/m.

Elektrizität: Gesamtheit der Erscheinungen, die auf elektrischen Ladungen und den von ihnen ausgehenden Feldern beruhen. Es gibt positive und negative Elektrizitätsmengen oder elektrische Ladungen, die sich gegenseitig in ihrer Wirkung aufheben. Die Elektrizität ist an Elementarteilchen als materielle Träger gebunden. Die kleinste elektrische Ladung ist die Elementarladung, wovon zum Beispiel das Elektron eine negative, Proton und Positron hingegen eine positive tragen. zwischen geladenen Körpern wirkt eine Kraft, die nach dem Coulombschen Gesetz berechnet wird.

- Ein Maß für den Ladungsunterschied zweier Körper ist die zwischen ihnen bestehende elektrische Spannung. Werden sie durch einen elektrischen Leiter verbunden, so fließt ein Strom, der im Festkörper vorwiegend durch Elektronen, in Elektrolyten durch Ionen, in Gasen (siehe auch Plasma) durch Elektronen und Ionen getragen wird. Um die Spannung und damit den Strom aufrechtzuerhalten, müssen von einer Stromquelle dauernd elektrische Ladungen nachgeliefert werden. Sie können erzeugt werden durch Reibung (Reibungselektrizität), Influenz, elektrochemische Vorgänge (Akkumulator), Induktion (Generator), thermoelektrische Effekte (Thermo-, Pyroelektrizität), den lichtelektrischen Effekt und durch mechanische Deformation piezoelektrische Kristalle (Piezoelektrizität). Siehe auch Ferroelektrizität.

Elektrizitätsversorgung, Elektroenergieversorgung: Sammelbezeichnung für Erzeugung, Transport (Fortleitung und Verteilung) sowie Abrechnung von Elektroenergie; im engeren Sinne Bau und Betrieb der Kraft- und Umspannwerke sowie der Verbund- und Verteilernetze. Von den Kraftwerken wird fast ausschließlich Drehstrom erzeugt und zur Minderung der Übertragungsverluste bei großen Entfernungen mit Hilfe von Transformatoren auf Übertragungsspannungen von 400 bis 750 kV umgespannt. Bei sehr hohen Spannungen wird auch Hochspannungsgleichstromübertragung angewendet. In Hauptumspannwerken wird auf 220 oder 110 kV und in Umspannwerken nahe den Industrieanlagen und Wohngebieten auf die Verteilungsspannungen von 60 bis 10 kV, in Ortsnetzumspannstationen auf 220/380 V transformiert. Durch Ring- und Verbundnetze wird eine höhere Betriebssicherheit gewährleistet. Verlustarme Energiewege zu den Verbrauchern werden vom Lastverteiler oder auch mit Prozessrechnern ermittelt.

Elektroakustik: Teilgebiet der Informationstechnik, das die Umwandlung akustischer Schwingungen in elektrische und umgekehrt behandelt sowie die Technik der Erzeugung, Aufnahme, Übertragung, Aufzeichnung und Wiedergabe von Schallereignissen einschließlich der gerätetechnischen Voraussetzungen umfasst.

Elektrochemie: Teilgebiet der physikalischen Chemie, das sich mit den Zusammenhängen zwischen chemischen und elektrischen Vorgängen beschäftigt. Die allgemeine Elektrochemie behandelt insbesondere die Gewinnung von elektrischer Energie durch freiwillig ablaufende Reaktionen (Galvanismus) und die Erzwingung chemischer Reaktionen durch Zufuhr von elektrischer Energie (Elektrolyse); sie umfasst aber auch die Theorie der Elektrolyte.

elektrochemische Doppelschicht: an der Grenzfläche zweier elektrisch leitender Phasen (zum Beispiel zwischen Metall und Salzlösung) auftretende doppelte Schicht von Ladungsträgern (Elektronen und beziehungsweise oder Ionen). Die elektrochemische Doppelschicht besteht auf der einen Seite der Grenzfläche aus positiven, auf der anderen aus negativen Ladungen und ist somit einem Plattenkondensator mit molekularem Plattenabstand vergleichbar.

elektrochemische Metallbearbeitung: Bearbeitungsverfahren an elektrisch leitenden Werkstoffen, indem diese durch eine äußere Stromquelle elektro-chemisch gelöst werden (Elysieren), wobei das Werkzeug als Kathode und das Werkstück als Anode geschaltet ist. Im Spalt zwischen beiden befindet sich eine Elektrolytlösung, der organischen beziehungsweise anorganische Stoffe zugesetzt werden können, bei speziellen Verfahren auch Schleifpulver einer einheitlichen Korngröße. Die elektrochemische Metallauflösung wird durch mechanische Wirkungen unterstützt. So wird durch die mit hoher Geschwindigkeit auf der elektrochemisch zu bearbeitenden Metalloberfläche strömende Elektrolytlösung die Bildung einer nichtleitenden Anodenschicht (Passivschicht) verhindert. Die elektrochemische Metallbearbeitung hat sich zu einem anerkannten Bearbeitungsverfahren entwickelt, das alle bekannten mechanischen Bearbeitungsverfahren (Bohren, Schleifen, Fräsen, Drehen und so weiter) im Bedarfsfall ersetzen kann.

elektrochemische Spannungsreihen: nach den elektrochemischen Standardpotentialen geordnete Reihenfolgen der Elemente. In die elektrochemischen Spannungsreihen ordnen sich zum Beispiel die wichtigsten Metalle in folgender Weise ein: Li K Ca Na Mg Al Zn Fe Cd Ni Sn Pb H2 Bi Cu Hg Ag Au. Für Wasserstoff als Bezugselement wurde das Standardpotential Null festgelegt. Demgemäß werden Metalle mit negativen Standardpotentialen, links vom Wasserstoff stehend, als «unedel» (stark elektropositiv), solche mit positiven Standardpotentialen, rechts vom Wasserstoff, als «edel» (schwach elektropositiv) eingeordnet. Die jeweils unedleren Metalle verdrängen die edleren aus deren Salzlösungen, zum Beispiel reagiert Zink mit Silbernitratlösung unter Abscheidung von Silber und Bildung einer Zinknitratlösung. Es existieren auch elektrochemische Spannungsreihen für Nichtmetalle und Reduktions-Oxydations-Systeme; für die Nichtmetalle bildet die folgende Reihe einen Ausschnitt: S 02I2 Br2 Cl2 F2. Je weiter entfernt voneinander zwei Elemente in den elektrochemischen Spannungsreihen auftreten, desto größer ist die Urspannung einer galvanischen Zelle mit den beiden Elementen als Elektrodensystem.

Elektrochirurgie: blutungsarmes Durchtrennen (Elektrotomie) oder Verkochen (Elektrokoagulation) des Gewebes mit Hilfe hochfrequenter und hochgespannter Ströme.

Elektrochromie: Eigenschaft bestimmter Stoffe (zum Beispiel Wolframtrioxid), bei Stromdurchgang in Gegenwart von Wasserstoffionen ihr optisches Verhalten, insbesondere die Farbe, durch eine elektrochemische Reaktion reversibel zu ändern; nutzbar für Anzeigeelemente.

Elektro-Compar: ein Längenmessgerät; mechanische Feinzeiger mit Hebelübersetzung und durch Messgewinde einstellbaren elektrischen Kontakten; Einhaltung der Toleranzen wird durch Lämpchen angezeigt.

Elektrode: derjenige Teil eines Elektronenleiters (Metalle, Graphit unter anderem), an dem sich der unmittelbare Übergang des elektrischen Stroms von und zu einer Elektrolytlösung oder -schmelze, einem Gas oder einem Vakuum vollzieht, gegebenenfalls unter Ausbildung von Funken oder Lichtbogen (zum Beispiel bei Schweißelektroden). Die Elektrode, aus welcher der (entgegengesetzt zur technischen Stromrichtung fließende) Elektronenstrom in das andere Medium Übertritt, heißt Kathode; die Elektrode mit der umgekehrten Stromrichtung Anode (bei Röntgenröhren auch Antikathode). Bei der Elektrolyse ist somit die Kathode die mit dem Minuspol, die Anode die mit dem Pluspol der Gleichstromquelle verbundene Elektrode Bei der galvanischen Stromerzeugung stellt die Kathode den Pluspol, die Anode den Minuspol dar.

Elektrodengeräte: elektrische Geräte für die industrielle Warmwasser- und Dampferzeugung mit direkter Widerstandserwärmung zwischen Kohle- oder Metallelektroden in Wasserkesseln (Elektrodenkesseln). Elektrodengeräte werden für Leistungen bis 60 MW bei 30 kV und 4 MPa hergestellt.

Elektrodenpotential, Galvanispannung: elektrisches Potential, das sich an der Grenzfläche zwischen einem metallischen Leiter und einer Elektrolytlösung oder -schmelze einstellt. entsprechend ihrer Stellung in der elektrochemischen Spannungsreihe haben Metallatome ein abgestuftes Bestreben, in Berührung mit einer Elektrolytlösung unter Abspaltung von Elektronen gelöste Ionen zu bilden (Lösungsdruck, Lösungstension); zugleich haben die Ionen eine gewisse Tendenz, durch Aufnahme von Elektronen wieder in den elementaren Zustand überzugehen, so dass an den Grenzflächen elektrischer Spannungen zwischen Metall und Lösung entstehen. Da der absolute Betrag eines Elektrodenpotentials experimentell nicht zugänglich ist, bestimmt man das Elektrodenpotential gegen eine Bezugselektrode; als solche dient die Standardwasserstoff- oder zum Beispiel die Kalomelelektrode.

Elektrodiagnostik: Untersuchungsverfahren zur Prüfung der elektrischen Erregbarkeit von Nerven und Muskeln. Die Reizung eines intakten Nervs oder Muskels mit galvanischen, faradischen Strömen oder anderen Reizströmen bewirkt eine typische Muskelkontraktion. Bei Schädigung dieser Organe kann die elektrische Erregbarkeit herabgesetzt, gesteigert oder abartig sein (Entartungsreaktion). Siehe auch Elektrotherapie.

Elektrodialyse: elektrochemische Verfahren zur Abtrennung von Elektrolyten aus Kolloidlösungen durch Anlegen einer elektrischen Spannung. Dabei werden Kathoden- und Anodenraum mittels ionendurchlässiger Membranen von dem Teil der Elektrodialysezelle getrennt, der auch das Kolloid enthält. Durch Elektrodialyse werden zum Beispiel Eiweiße gereinigt.

Elektrodynamik: Lehre von der strömenden Elektrizität und den Erscheinungen, die mit veränderlichen elektrischen und magnetischen Feldern verknüpft sind. Dabei werden die makroskopischen Erscheinungen durch die Maxwellschen Gleichungen beschrieben, in denen auch die Gesetze der Elektrostatik und Optik enthalten sind,

elektrodynamisches Instrument, Elektrodynamometer, Dynamometer: Messinstrument für elektrische Gleich- und Wechselströme beziehungsweise -Spannungen, bei dem eine stromdurchflossene Spule im Feld einer 2. (von einem 2. Strom durchflossenen) feststehenden Spule ausgelenkt wird; der Ausschlag ist proportional dem Produkt der Ströme in beiden Spulen; Einsatz fast ausschließlich als Standardinstrument zur Messung der Wirkleistung in Wechselstromnetzen.

Elektroenergie, elektrische Energie: aus mechanische, chemische, Wärme- und Lichtenergie gewonnene Energieform, die wegen verlustarmen Transports, bequemer Steuerung und Regelung sowie vielfältiger Anwendungsmöglichkeiten überwiegend den Energiebedarf deckt. Der Hauptanteil der Elektroenergie wird indirekt in Kraftwerken aus Wärmeenergie primärer Energieträger (Kohle, Erdöl, -gas, Kernspaltstoffe) oder aus der potentiellen beziehungsweise kinetischen Energie des Wassers umgewandelt. Moderne aussichtsreiche Verfahren direkter Energieumwandlung sind chemische (in Brennstoffzellen), licht-, thermoelektrische und magnetohydrodynamische Energieumwandlung. Zulässige, Sl-fremde Einheit der Elektroenergie ist die Kilowattstunde (kWh).

Elektroenergieintensität: das Verhältnis der im Produktionsprozess verbrauchten Elektroenergie zum Produktionsvolumen. Zur Senkung der Elektroenergieintensität sind Umwandlungsprozesse mit niedrigem Elektroenergieverbrauch zu wählen und die Verluste (Abfallenergie) möglichst für andere Prozesse (zum Beispiel Heizung) zu nutzen.

Elektroenergietarif, Tarif, Strompreis: gesetzlich festgelegter Preis für Elektroenergie; unterschiedlich für Großabnehmer, Handwerk, gesellschaftliche Einrichtungen und für Haushalte.

Elektroenergieverbrauchszähler, Elektrizitätszähler, Zähler. Messgerät für die elektrische Arbeit; ein Elektroenergieverbrauchszähler besteht aus Messwerk, Zählwerk und Gehäuse. Unterschieden werden nach Stromart Gleich-, Wechsel- und Drehstrom-Elektroenergieverbrauchszähler, nach Messgröße Amperestunden-, Wattstunden-, Wirkleistungs- und Blindleistungsverbrauchszähler, nach Messwerk Elektrolyt-, Motor- und Induktionszähler, nach Verrechnungsart Ein- und Mehrfachtarif sowie Maximum- (Höchstleistungs-) Zähler. Bei Wechsel- und Drehstrom wird ausschließlich der Induktionszähler verwendet.

Elektroenzephalogramm, Abkürzung EEG: Hirnstrombild; Aufzeichnung der vom Gehirn erzeugten elektrischen Spannungsschwankungen, die von der Schädeloberfläche (Kopfhaut) abgeleitet und etwa 106fach verstärkt werden. Diese Potentialschwankungen (EEG-Wellen) liegen im Frequenzbereich von 0,5 bis 70 Wellen/s. Die langsamsten Frequenzen treten im Schlaf, die höheren (15 bis 30 Wellen/s und mehr) im aktiven Wachzustand (zum Beispiel bei Aufmerksamkeit) auf. Bedeutung hat das EEG unter anderem zur Erkennung bestimmter Störungen der Hirntätigkeit sowie in der Hirnforschung. Abnorme Kurvenverläufe ergeben Hinweise auf krankhafte Veränderungen am Gehirn, zum Beispiel Geschwülste, Abszesse, traumatische oder toxische Schädigungen und Anfallsleiden.

elektroerosive Metallbearbeitung: abtragendes Bearbeitungsverfahren an elektrisch leitenden Werkstoffen durch elektrische Entladungsvorgänge zwischen Elektroden unter einem Arbeitsmedium. Nach der verwendeten Entladungsart und Spannungsgröße wird zwischen Funkenverfahren (zum Beispiel Funkenlegieren) und (seltener) Lichtbogenverfahren (zum Beispiel Lichtbogenerodieren) unterschieden. Hauptanwendungsgebiete sind elektroerosives Senken beziehungsweise Bohren sowie elektroerosives Schleifen und Schneiden. Die Fertigungstoleranzen liegen im Allgemeinen bei ±0,05 bis ±0,005 mm.

Elektrofilter, Cottrell-Anlage, elektrische Gasreinigungsanlage, Kurzwort EGR-Anlage, Elektroentstaubung: Anlage zur elektrostatischen Entstaubung von Abgasen mit Hilfe von Gleichstrom hoher Spannung. Die staubgeladenen Abgase passieren ein elektrisches Feld, wobei die Staubteilchen aufgeladen und anschließend an Metalldrähten oder Blechen abgeschieden werden. Das Verfahren wurde 1910 von dem US-amerikanischen Chemiker und Mineralogen Frederick Gardner Cottrell (1877-1948) entwickelt.

Elektrofischerei: Fischfang mit elektrischem Strom, der ins Wasser geleitet, die Fische veranlasst, sich zur Anode zu bewegen. Es tritt eine für die Fische gefahrlose Betäubung ein. Die Elektrofischerei ist genehmigungspflichtig.

Elektrofotografie, Elektrofax-Verfahren (Kurzwort für Elektrofaksimile-Verfahren; griechisch + lateinisch): elektrograf. Vervielfältigungsverfahren; nutzt die Fotoleitfähigkeit von Fotohalbleitern zur Erzeugung eines elektrostatischen Ladungsbildes auf speziell (z. B. mit Zinkoxid) beschichtetem, negativ aufgeladenem, belichtetem Papier. Bildgemäß wird die Ladung abgebaut, das Bild mit Farbpulver (Toner) entwickelt und mittels Wärme oder Lösungsmittel fixiert. Siehe auch Xerographie.

Elektrogerät: ein Gerät zum Stellen und Umformen elektrischer Energie; im engeren Sinne ein elektrisches Haushaltgerät, dessen Wirkungsweise maßgeblich durch die elektrische Energie bestimmt wird.

Elektrogravimetrie: elektrochemische Analysenmethode zur quantitativen Bestimmung von Metallen durch elektrolytische Abscheidung an einer Netzelektrode und Wägung der Elektrode vor und nach der Elektrolyse.

Elektrogravur: Verfahren zur Herstellung von Hochdruckplatten oder Druckformen für den Rakeltiefdruck mittels elektromechanisch arbeitender, die Vorlage optoelektronischer abtastender Graviergeräte; auch das Produkt des Verfahrens. Siehe auch Scanner.

Elektroherd: elektrisch beheiztes Haushaltgerät zum Kochen, Braten und Backen mittels Kochplatten verschiedener Leistung und einer Brat-, Back- und Grillröhre. Elektroherde sind mit Temperaturregler, Zeitschaltuhren und Programmgebern ausgerüstet. Bei Mikrowellenherden wird die dielektrische Erwärmung angewendet.

elektrohydraulischer Effekt: von dem sowjetischer Ingenieur L. Jutkin 1952 entdeckte physikalische Erscheinung, dass durch eine elektrische Funkenentladung in einer dielektrischen Flüssigkeit eine Druckwelle entsteht, wobei Spitzendrücke bis zu 10000 MPa auftreten. Gleichzeitig entsteht ein gasgefüllter Hohlraum, der nach Absinken des Gasdruckes kavitationsartig zusammenbricht. Der elektrohydraulische Effekt ist zur Aufbereitung von Gesteinen und Schlacke, zum Sprengen großer Gesteinsbrocken, zum Hochenergieumformen unter anderem anwendbar.

Elektroinstallation, elektrische Installation, elektrotechnische Installation:

a) beim Verbraucher installierte kleine Elektroanlage zur Energiezuführung mit Installationsgeräten (Abzweig-, Steckdosen, Schalter unter anderem) und Leitungen (Installationsleitungen, -netz);

b) das Errichten dieser Anlagen nach einem Installationsplan. Unterschieden werden Unterputz-, Imputz-, Aufputz-, Unterflur- (mit Leitungen in Fußbodenschichten), Wandkanal- oder Schachtinstallation (mit Leitungsführung in entsprechend Baukörperkanälen) unter anderem Zur Anpassung an industrielle Baumethoden wurden die Schienen- und Leistenkanalsysteme, zum Beispiel Fußleisten- und Wandkanalsystem, entwickelt. Die Elektroinstallation unterliegt gesetzlichen Bestimmungen und darf nur von zugelassenen Fachleuten (Elektroinstallateuren) ausgeführt werden.

elektrokalorischer Effekt: Änderung der Temperatur eines pyroelektrischen Kristalls beim Anlegen eines elektrischen Feldes.

Elektrokardiogramm, Abkürzung EKG: Darstellung der Potentialänderung im elektrischen Feld, das vom Herzen erzeugt wird und von der Haut abgegriffen werden kann, als kontinuierliche Registrierkurve. Es ist üblich, mehrere Ableitungen des EKG über die entsprechend Anzahl von Elektrodenpaaren gleichzeitig vorzunehmen. Das EKG ist für die Beurteilung des Erregungsgeschehens im Herzen von großer medizinischer Bedeutung.

Elektrokarren, Eidechse: durch einen von Akkumulatorenbatterien gespeisten Elektromotor angetriebenes kleines Lastenfahrzeug mit niedriger Ladefläche, Kipp- oder Hubplattform; fährt geräuscharm und abgasfrei.

Elektrokeramik: Keramikerzeugnisse für die Elektrotechnik/Elektronik, unter anderem Isolatoren und passive elektronische Bauelemente.

Elektrolyse: durch elektrischen Strom bewirkte chemische Umwandlung (meist Zersetzung) eines gelösten oder geschmolzenen Elektrolyten, wobei an der Kathode stets ein Reduktionsvorgang (elektrolytische oder kathodische Reduktion) und an der Anode ein Oxydationsvorgang (elektrolytische oder anodische Oxydation) abläuft. Bei der Elektrolyse wandern die in der Lösung enthaltenen Kationen (Metall- oder Wasserstoffionen) zur Kathode, wo sie durch Elektronenaufnahme entladen werden und sich elementar abscheiden können. Die Anionen (Nichtmetall-, Säurerest- oder Hydroxidionen) wandern zur Anode, wo sie Elektronen abgeben und als elementares Nichtmetall (zum Beispiel Chlor, Sauerstoff unter anderem) freigesetzt werden. Die unmittelbar an den Elektroden ablaufenden sogenannten Primärreaktionen können von Sekundärreaktionen (Folgereaktionen der Reaktionsprodukte untereinander, mit dem Lösungsmittel oder mit dem Elektrodenmaterial) begleitet werden. Die zur Elektrolyse erforderliche Mindestspannung wird als Zersetzungsspannung bezeichnet. Beispiele für die vielseitige technische Anwendung der Elektrolyse sind die Gewinnung von Metallen (zum Beispiel von Aluminium und Magnesium durch Schmelzflusselektrolyse), von Nichtmetallen (zum Beispiel Chlor, Wasserstoff; siehe auch Alkalichloridelektrolyse), die Reinigung (Elektroraffination) von Metallen (zum Beispiel Silber, Kupfer) sowie die Erzeugung metallischer Überzüge (zum Beispiel Vernickeln, Verchromen) unter anderem korrosionsschützender Schichten (Aloxydieren). Bei der Elektroraffination werden als lösliche Anode das zu reinigende Metall und als Kathode in der Regel ein dünnes Blech aus gereinigtem Metall eingesetzt.

Elektrolysezelle: technischer Apparat zur Durchführung von Elektrolysen. Die Elektrolysezelle besteht im Wesentlichen aus einem elektrisch isolierenden Behälter zur Aufnahme der zu elektrolysierenden Lösung beziehungsweise Schmelze und horizontal oder vertikal angeordneten Elektroden. In manchen Fällen, zum Beispiel bei der Aluminiumgewinnung, stellt die Behälterauskleidung eine Elektrode dar; beim Quecksilberverfahren der Alkalichloridelektrolyse dient fließendes Quecksilber als Kathode. Bisweilen trennt man Kathoden- und Anodenraum durch ein Diaphragma und verhindert so eine schädliche Durchmischung der Elektrolyseprodukte. Bipolare Elektroden, deren eine Seite als Anode und deren andere als Kathode wirkt, haben keine unmittelbare Verbindung mit einer Spannungsquelle, sondern bilden die Trennwände mehrerer in Reihe geschalteter Zellen. Viele Elektrolysezellen werden kontinuierlich betrieben, indem der Elektrolyt zirkuliert und außerhalb der Zelle aufbereitet wird.

Elektrolyte elektrolytische Dissoziation, elektrolytische Dissoziation: umkehrbarer Zerfall chemischer Verbindungen (Elektrolyte, insbesondere Säuren, Basen und Salze) in frei beweglichen, elektrisch geladene Teilchen (Ionen) beim Schmelzen oder Lösen in polaren Flüssigkeiten, insbesondere Wasser. Die entstehenden Lösungen oder Schmelzen leiten den elektrischen Strom. In echten Elektrolyten, die aus einem Ionengitter bestehen, wird die elektrolytische Dissoziation durch Eindringen der Wassermoleküle zwischen die Gitterbausteine bewirkt, bei potentiellen Elektrolyten erfolgt die elektrolytische Dissoziation durch Reaktion mit dem Lösungsmittel. Der Vorgang der Elektrolyte elektrolytischer Dissoziation verläuft praktisch unmessbar rasch. Je nach Ausmaß der Bildung von Ionen (Dissoziationskonstante)I unterscheidet man starke und schwache Elektrolyte.

elektrolytischer Trog: mit einem Elektrolyten gefülltes Gefäß zur Bestimmung des Potentialverlaufs bei komplizierter ebener Elektrodenanordnung,

elektrolytischer Widerstand: elektrischer Widerstand eines Elektrolyten, meist mit Wechselstrom gemessen, da bei Gleichstrom chemische Sekundärreaktionen (siehe auch Elektrolyse) und Polarisationserscheinungen auftreten. Aus dem elektrolytischen Widerstand lässt sich der Dissoziationsgrad des Elektrolyten berechnen. Da der Dissoziationsgrad und die Beweglichkeit der für den Stromtransport verantwortlichen Ionen mit der Temperatur zunehmen, nimmt der elektrolytische Widerstand mit wachsender Temperatur ab.

elektromagnetische Pumpe: Sonderpumpenbauart, meist als Membranpumpe mit elektromagnetischen Antrieb ausgeführt; eingesetzt zum Beispiel als Benzinpumpe im Kfz zur Förderung des Kraftstoffes vom Tank zum Schwimmergehäuse des Vergasers,

elektromagnetisches Feld: Verknüpfung von zeitlich veränderlichen elektrischen und magnetischen Feldern, die sich als elektromagnetische Welle ausbreiten. Das elektromagnetische Feld wird durch die Maxwellschen Gleichungen beschrieben.

elektromagnetische Wellen, elektromagnetische Strahlung: periodische elektromagnetische Felder, die sich im freien Raum, in Isolatoren oder auf Leitern ausbreiten. Sie werden durch schwingende elektrische oder magnetische Dipole beziehungsweise Multipole abgestrahlt und breiten sich im Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit c0, in nichtabsorbierenden Stoffen mit der Geschwindigkeit Ct/Jeiß, aus (e, relative Dielektrizitätskonstante, i, relative Permeabilität). Im isotropen Medium sind die elektromagnetischen Wellen transversal: elektrische und magnetische Feldlinien sind in sich geschlossen, stehen senkrecht aufeinander und umschlingen sich gegenseitig. Im Vakuum nimmt die Intensität der elektromagnetischen Wellen mit dem Quadrat ihrer Entfernung von der Quelle ab. Stoffliche Materie beeinflusst die elektromagnetischen Wellen durch Reflexion, Brechung und Absorption, die Stärke dieser Effekte hängt stark von der Wellenlänge beziehungsweise der Frequenz ab. Bei kurzen Wellenlängen macht sich die Teilchennatur der elektromagnetischen Wellen bemerkbar (siehe auch Photon). Den gesamten Wellenlängenbereich der elektromagnetischen Wellen bezeichnet man als elektromagnetisches Spektrum.

Elektrometallurgie: Metallgewinnung mittels Elektroenergie. Bei den elektrochemischen Verfahren erfolgt die Umwandlung von elektrischer in chemischer Energie und umgekehrt. Bei den elektrothermischen Verfahren wird die elektrische Energie in Wärmeenergie umgewandelt, die für die Metallgewinnung genutzt wird.

Elektrometer: elektrostatisches Instrument zum Messen elektrischer Ladungen oder Spannungen durch die Kraft, die geladene Leiter aufeinander ausüben; als bloßer Elektrizitätsanzeiger Elektroskop genannt.

Elektrometerröhre, Elektrometertriode: Elektronenröhre, die zwischen Gitter und Kathode einen extrem hohen Eingangswiderstand (1014 fl) aufweist und in Verbindung mit hochohmigen Messwiderständen zur Messung sehr kleiner Stromstärken dient.

Elektromobil, Elektroauto: durch einen von Akkumulatorenbatterien gespeisten Elektromotor angetriebenes Kraftfahrzeug; umweltfreundlich und mit Zukunftschancen im Großstadtverkehr.

Elektromyogramm, Abkürzung EMG: Aufzeichnung der Muskelaktionspotentiale, die die Erregung jeder Muskelfaser begleiten. Ableitung erfolgt von der Hautoberfläche oder mit Hilfe von Nadelelektroden aus dem Muskel. Mit Erhöhung der Kontraktionskraft nimmt die Frequenz der Aktionspotentiale zu. Bedeutung hat das EMG in der neurologischen Diagnostik und in der Sport- und Arbeitsphysiologie.

Elektron: 1. Elektron («Bernstein») Metallkunde:

a) Magnesium-Aluminium-Legierung mit 6 bis 8% Aluminium; sehr leichter Werkstoff (Dichte 1,8 g/cm3) mit guten Festigkeitseigenschaften, im Flugzeug- und Fahrzeugbau verwendet;

b) im Altertum Legierung aus Gold und Silber.

2. Elektron, Negaton, Zeichen e: Physik - stabiles Elementarteilchen aus der Familie der Leptonen mit Ruhmasse m, negativer elektrischer Ladung e (Elementarladung), magnetisches Moment und Leptonenzahl 1 = 1. Die Elektronen bilden die Hülle des Atoms; sie sind Fermionen. Das Elektron wird zusammen mit seinem Antiteilchen, dem Positron, durch die Dirac-Gleichung beschrieben.

3. Elektron: Raumfahrt - künstlicher Erdsatellit.

Elektronegativität: Maßzahl für das Bestreben eines Atoms innerhalb eines Moleküls, die Elektronen des bindenden Elektronenpaares an sich zu ziehen. Homöopolare Bindungen zwischen Atomen mit verschiedener Elektronegativität haben einen umso stärker polaren Charakter (polarisierte Atombindung), je unterschiedlicher die Werte der Elektronegativität beider Atome sind. Nach der Elektronegativitätsskala von L. Pauling überwiegt bei einer Elektronegativitätsdifferenz <1,7 der homöopolare, bei einer Elektronegativitätsdifferenz >1,7 der heteropolare Bindungsanteil. Im Periodensystem der Elemente steigt die Elektronegativität von den Metallen zu den Nichtmetallen gesetzmäßig an.

Elektronenaffinität: der bei der Anlagerung eines Elektrons an ein Molekül, Atom oder Ion umgesetzte Energiebetrag. Damit kennzeichnet die Elektronenaffinität das Bestreben der Atome, negative Ionen zu bilden, welches zum Beispiel bei den Halogenen besonders groß (negative Elektronenaffinität), bei den Alkalimetallen und Edelgasen sehr gering (positive Elektronenaffinität) ist.

Elektronenbestrahlung: Strahlentherapie mit energiereichen Elektronen eines Betatrons oder Linearbeschleunigers oder mit Betastrahlen eines Radionuklids. Die begrenzte energieabhängige Reichweite der Elektronen im Gewebe bedingt eine Schonung der gesunden Nachbarschaft.

Elektroneneinfang: radioaktive Umwandlung, bei der ein kernnahes Hüllenelektron des Atoms in seinen Kern aufgenommen wird. Der K-Einfang, bei dem das eingefangene Elektron aus der K-Schale stammt, ist der häufigste Elektroneneinfang.

Elektronenemission: Austritt von Elektronen aus Festkörpern beim glüh- und lichtelektrischen Effekt sowie durch Feld- und Sekundäremission.

Elektronengas: bei Metallen oder Halbleitern die als fast freie Teilchen eines Gases aufgefassten äußersten Hüllenelektronen der Kristallatome, die sogenannte Leitungs- oder Valenzelektronen, die nur schwach an die Atomkerne gebunden sind; Modellvorstellung der Festkörperphysik.

Elektronenleitung: Ladungstransport durch Elektronen, bei Halbleitern auch n- oder Überschussleitung genannt. In Halbleitern ist auch Löcherleitung (p-, Mangelleitung) durch Löcher (Defektelektronen) möglich, das heißt eigentlich durch Nachrücken der Elektronen. Elektronen- und Löcherstrom sind bei gleicher Richtung des elektrischen Feldes entgegengerichtet.

Elektronenoptik: Wissenschaftsgebiet, in dem zur Lichtoptik analoge Effekte mit Elektronenstrahlen untersucht werden. Der Brechung und Reflexion des Lichtes entspricht die Ablenkung und Fokussierung der Elektronen in elektrischen und magnetischen Feldern. Mit rotationssymmetrischen Feldern lassen sich Elektronenlinsen herstellen. Am häufigsten verwendet man magnetische Linsen, bei denen die Brennweite mit dem Linsenstrom verändert werden kann. Die den Elektronen zugeordnete Wellenlänge der Materiewellen hängt von der Geschwindigkeit ab und kann wesentlich kleiner als die Wellenlänge des Lichtes sein. Deshalb kann ein aus Elektronenlinsen aufgebautes Elektronenmikroskop ein größeres Auflösungsvermögen und damit eine höhere förderlichen Vergrößerung haben. Beim Durchstrahlungselektronenmikroskop werden meist Dünnschichtabdrücke (zum Beispiel in Lack oder Aufdampfschichten) untersucht. Beim Emissionsmikroskop werden die am Objekt, das hier die Kathode bildet, ausgelösten Elektronen zur Abbildung benutzt. Beim Rastermikroskop wird das Objekt von einem Elektronenstrahl zeilenweise abgetastet; siehe auch Feldelektronenmikroskop, Feldionenmikroskop.

Elektronenorgel: Tasteninstrument mit elektronischer Klangerzeugung. Bestimmend sind elektrische Schwingungen, die entweder elektromagnetisch beziehungsweise elektrostatisch durch Abtasten von schwingenden Zungen, rotierenden Profilscheiben und so weiter oder rein elektronisch durch Tongeneratoren erzeugt, durch Filter und Modulatoren charakteristisch gestaltet und schließlich durch Lautsprecher in Schallwellen umgewandelt und abgestrahlt werden.

Elektronenresonanz, paramagnetische Elektronenresonanz, englisch Abkürzung EPR, Elektronenspinresonanz: Methode der Hochfrequenzspektroskopie, die auf der Resonanzabsorption von Energie aus einem hochfrequenten magnetischen Wechselfeld durch Stoffe mit ungepaarten Elektronen beruht, auf die senkrecht zum HF-Feld ein statisches Magnetfeld wirkt. Durch die Wechselwirkung der Elektronen mit ihrer molekularen Umgebung lassen sich mit Hilfe der Elektronenresonanz wesentliche Aussagen über Molekül- beziehungsweise Kristallstrukturen, Kernmomente, chemische Reaktionen unter anderem gewinnen. Siehe auch Kernresonanz.

Elektronenröhre, Röhre: hochevakuiertes Glas-, Keramik- oder Metallgefäß, in dem Elektronen Träger des elektrischen Stromes zwischen den Elektroden sind. Die Elektroden (Kathode, Anode und dazwischenliegende Gitter) werden konstruktiv zum Röhrensystem zusammengefasst und haben herausgeführte Anschlüsse. Die Elektronen treten aus der geheizten Kathode aus und fliegen zur Anode und zu Gittern, die unter positiver Spannung stehen. Steuer-, Schirm- und Bremsgitter dienen zur Steuerung des Elektronenstromes, Abschirmung von Elektroden und Abbremsung von Sekundärelektronen. Bei Empfängerröhren unterscheidet man Elektronenröhre mit 2 (Diode), 3 (Triode), 4 (Tetrode), 5 (Pentode), 6 (Hexode), 7 (Heptode), 8 (Oktode) oder 9 (Enneode) Elektroden sowie Verbundröhren mit 2 oder mehr Systemen. Als Senderöhren werden Trioden oder Tetroden verwendet. Dioden dienen zur Gleichrichtung oder Demodulation, Trioden, Tetroden und Pentoden zur Verstärkung, Erzeugung, Modulation oder Mischung, Hexoden, Heptoden und Oktoden zur Mischung, Enneoden zum Phasenvergleich elektrischer Wechselspannungen beziehungsweise -ströme. Größte Verbreitung fand die Elektronenröhre als Empfängerröhre im Rundfunk- und Fernsehempfänger sowie als Senderöhre. Im Mikrowellenbereich werden Scheiben- und Laufzeitröhren eingesetzt. Die Elektronenröhre bestimmte in der 1. Hälfte des 20. Jahrhundert die Entwicklung der Elektronik und ihrer Anwendungsgebiete, wurde danach durch Halbleiterbauelemente und integrierte Schaltungen (Mikroelektronik) aus dem Bereich niedriger und mittlerer Leistungen weitgehend verdrängt, wird aber weiterhin bei hohen Leistungen (Senderöhren) und hohen Frequenzen (Mikrowellen-Senderöhren), zur Bildaufnahme und Bildwiedergabe (Fernsehaufnahme- und Bildröhre) sowie zur Signaldarstellung (Elektronenstrahlröhre) angewendet.

Elektronenspektroskopie: Anregung von Elektronenübergängen in den Atomen und Messung der absorbierten elektromagnetische Strahlung beziehungsweise Auslösung von (Foto-) Elektronen mit charakteristischer Röntgenstrahlung, mit monochromatischen UV-Licht oder mit Synchrotronstrahlung und Bestimmung der kinetischen Energie der aus der Probe herausgeschlagenen Elektronen mittels Betaspektrometern. Die von K. M. Siegbahn um 1957 entwickelte Röntgenfoto-Elektronenspektroskopie eignet sich besonders zur Untersuchung der elektronischen Struktur von Molekülen und Festkörpern sowie zur Oberflächenanalytik.

Elektronenstrahlbearbeitung: abtragendes Bearbeitungsverfahren im Vakuum, wobei als Werkzeug ein scharfgebündelter und auf das Werkstück fokussierter Elektronenstrahl hoher Energiedichte wirkt, der das Material durch örtliche Verdampfung in einem genau definierten Bereich abträgt. Der Strahl wird in der Regel durch Ablenkung in Kreis- oder Profilform über die Bearbeitungsfläche geführt. Durch Elektronenstrahlbearbeitung ist es möglich, feinste Bohrungen von 30 cm Durchmesser oder Schlitze dieser Breite herzustellen (zum Beispiel bei Spinndüsen).

Elektronenstrahlen: gebündelte Ströme schneller Elektronen im Vakuum oder in verdünnten Gasen. Die Elektronen werden zum Beispiel an einer Kathode (Kathodenstrahlen) ausgelöst und durch elektrische Felder beschleunigt. Bei ihrer Abbremsung in Materie erzeugen sie Fluoreszenz- und Röntgenstrahlung beziehungsweise bewirken sie Ionisation; sie werden durch elektrische und magnetische Felder abgelenkt. Elektronenstrahlen werden unter anderem in Elektronenstrahl-, Röntgenröhren, Elektronenmikroskopen und -strahlöfen verwendet. In den letzten Jahren werden Versuche unternommen, mittels relativistischen Elektronenstrahlen gesteuerte Kernfusionen auszulösen.

Elektronenstrahlerwärmung: Ausnutzung der kinetischen Energie des freien Elektronenstrahls zum Erwärmen, Schmelzen, Verdampfen und so weiter vor allem metallische Stoffe.

Elektronenstrahlerzeuger, Elektronenkanone: Elektronenquelle (Glühkathode) mit elektrostatischer Fokussiereinrichtung für den Elektronenstrahl; der Elektronenstrahlerzeuger ist Bestandteil von Bildröhren, Elektronenstrahlröhren, Laufzeitröhren, Elektronenmikroskopen unter anderem.

Elektronenstrahl-Mikroanalyse: Verfahren der Röntgenspektroskopie zur Ermittlung der Zusammensetzung oberflächennaher Bereiche von geringer Ausdehnung in Festkörpern. Die Elektronenstrahl-Mikroanalyse beruht auf der Anregung der Atome zur Emission charakteristische Röntgenstrahlung mit Hilfe eines fokussierten Elektronenstrahls.

Elektronenstrahlofen: Schmelzofen zur Herstellung sehr reiner Metalle oder Legierungen, zum Beispiel Uran, Molybdän, Wolfram, Stahl. Aus einer hocherhitzten (etwa 2000°C) Wolframkathode im Vakuum austretende Elektronen werden durch eine angelegte Spannung von 4 bis 12 kV beschleunigt und treffen mit hoher Geschwindigkeit (etwa 60000 km/s) auf das zu schmelzende Metall. Die kinetische Energie der Elektronen wird dabei in Wärme umgewandelt und so zum Schmelzen nutzbar gemacht. Der Elektronenstrahl-Mehrkammerofen wurde 1959 von M. von Ardenne entwickelt und ist eine besondere Bauart für das Schmelzen stark gashaltiger Metalle oder Legierungen sowie anderer Stoffgemische.

Elektronenstrahloszilloskop, Oszilloskop: elektronisches Gerät zum Sichtbarmachen des zeitlichen Verlaufs elektrischer Spannungen mittels einer Elektronenstrahlröhre; besteht aus dem Kippgerät zur Erzeugung der Zeitablenkspannung, dem Verstärker und dem Stromversorgungsteil. Elektronenstrahloszilloskop sind unentbehrliche Geräte zur Messung und zur Kontrolle der Funktion elektronischer beziehungsweise elektrische Schaltungen und technisch sehr hoch entwickelt; es gibt zahlreiche Ausführungen für spezielle Anwendungen.

Elektronenstrahlröhre, Braunsche Röhre (nach K. F. Braun), Kathodenstrahlröhre: Elektronenröhre mit Elektronenstrahlerzeuger zur Erzeugung, Ablenksystem zur Ablenkung und Leuchtschirm zum Sichtbarmachen eines Elektronenstrahls. Die Elektronenstrahlröhre wird in Elektronenstrahloszilloskopen (Messtechnik) und Sichtgeräten (Radar- und Rechentechnik) zur Darstellung von Signalverläufen, Ortungsbildern und Ausgabedaten sowie als Bildröhre verwendet.

Elektronentheorie: Erklärung der spezifischen Eigenschaften von Metallen (große elektrische und thermische Leitfähigkeit, großes optisches Reflexionsvermögen) durch die Annahme eines Elektronengases zwischen den Ionen. Die Elektronentheorie wird mit Erfolg auch auf Halbleiter angewendet. Ihre Weiterentwicklung umfasst auch die detaillierte Wechselwirkung der Elektronen mit den Gitterbausteinen (siehe auch effektive Masse).

Elektronik: Teilgebiet der Elektrotechnik, das sich seinem allgemeinsten Wesen nach mit dem Verhalten elektronischer Teilchen und Ionen im elektrischen und magnetischen Feld beschäftigt und sich praktisch mit der Entwicklung und Anwendung elektrischer Geräte unter Verwendung von Elektronenröhren, Halbleiterbauelementen unter anderem befasst. Aus der Schwachstromtechnik hervorgegangen, hat dieses Gebiet heute auf Grund vieler Vorzüge (große Zuverlässigkeit, geringer Leistungsbedarf, kleines Volumen, hohe Arbeitsgeschwindigkeit) größte Bedeutung bei der Regelung, Steuerung oder Überwachung von Vorgängen und ist Grundlage der fortschreitenden Automatisierung in der Industrie und Wirtschaft überhaupt (industrielle Elektronik). Die Entwicklung der Elektronik erfolgt unter 2 Gesichtspunkten:

a) Entwicklung neuer Bauelemente zur Vereinfachung bisheriger Einrichtungen;

b) besonders auf dem Gebiet der Energiewandlung auf neue Forderungen der Anwender hin. Bei den Bauelementen ist die Bedeutung der Elektronenröhre gesunken. Elektron. Bauelemente in flüssiger Phase finden zur Erzeugung flächenhafter Lichtquellen als Leuchtkondensatoren und zur optischen Anzeige als flüssige Kristalle Verwendung. Das Schwergewicht der Bauelemente-Forschung liegt auf dem Gebiet der Festkörper. Nachdem das Gebiet der passiven Bauelemente (Widerstände, Kondensatoren, Induktivitäten, Heißleiter, Kaltleiter) zu einem gewissen Abschluss gekommen ist, wird besonders an der Weiterentwicklung der aktiven Halbleiterbauelemente, speziell unipolarer (Feldeffekt-), aber auch bipolarer Transistoren gearbeitet. Einen wesentlichen Impuls erhielt die Elektronik durch die Entwicklung von-Festkörperschaltkreisen in Form von Mikroschaltungen (Mikroelektronik) vom Dünnschicht- oder Halbleiterblocktyp beziehungsweise in Hybridtechnik. Die Elektronik wird in der Nachrichten-, Medizin-, Regelungs-, Rechentechnik und EDV sowie als Unterhaltungs- und Leistungselektronik angewendet. Siehe auch Molekularelektronik, Optoelektronik.

elektronische Datenverarbeitung, Abkürzung EDV, elektronische Informationsverarbeitung: automatisierte, programmgesteuerte Form der Datenverarbeitung mit Hilfe von Rechenautomaten beziehungsweise elektronische Datenverarbeitungsanlagen und Mikrorechnern. Zur EDV gehören das Erfassen, Aufbereiten, Übertragen, Berechnen, Darstellen, Auswerten und Aufbewahren von Daten. Sie erfasst viele gesellschaftliche Bereiche. Neben mathematischen Problemen werden zum Beispiel Aufgaben der Leitung und Planung, die Auswertung von Messergebnissen sowie Prozesssteuerungen mit Methoden der EDV gelöst. Voraussetzung für die Berechnung von Daten ist dabei, dass entsprechend Algorithmen vorhanden sind. Eine in der Entwicklung befindliche Richtung der EDV ist die nichtnumerische Datenverarbeitung, die sich mit Symbolmanipulationen befasst. Anwendungsgebiete sind unter anderem die Konstruktion von Compilern (Programmiersprache) und automatischer Zeichenerkennung.

elektronische Datenverarbeitungsanlage, Abkürzung EDVA-, großer Rechenautomat zur schnellen, sicheren, programmgesteuerten (automatisierten) Verarbeitung von Daten (Informationen),

elektronische Farbkorrektur: Korrektur der Farbwerte von Farbauszügen mittels Scanners, um Mängel in der Farbtrennung, eingeschränkte Farb- und Tonwertwiedergabe der Druckverfahren und unerwünschte Druckfarbenabsorption auszugleichen.

elektronische Musik: Musik, deren Klänge und Geräusche auf elektrischen Wege erzeugt beziehungsweise verändert werden. Die elektrischen Schwingungen werden in ihrer Struktur und in ihrem Verlauf mannigfaltigen Wandlungen unterworfen, auf Tonband gespeichert und über Lautsprecher abgespielt. Die elektronische Musik bedarf keines Interpreten. Sie verzichtet häufig auf das traditionelle Tonsystem und sucht, oft sehr radikal, neue Kompositionsprinzipien zu entwickeln. Die elektronische Musik entstand um 1950.

elektronisches Voltmeter, früher Röhrenvoltmeter: elektrisches Messgerät zur Messung von Wechselspannungen bis zu sehr hohen Frequenzen bei sehr geringer Belastung des Messobjekts. Zur Messung von Gleichspannungen werden heute bevorzugt Digitalvoltmeter eingesetzt, elektronische Uhr: elektrische Uhr, die die physikalischen Eigenschaften der Elektronen in Halbleiterbauelementen nutzt, um das Schwingsystem anzutreiben und den Ablauf der Uhr zu steuern. Angewendet werden die elektronische Pendelsteuerung, die transistorgesteuerte Stimmgabel und die elektromagnetisch bewegte Unruh mit Spirale sowie an der Unruh befindliche Magneten und festliegende Spulen. Die Unruh wird zum Unruhmotor, wenn sich an ihr Spulen befinden, die über Dauermagnete schwingen. Bei der Schwingbewegung wird durch das Dauermagnetfeld die Steuerspannung in der Steuerspule induziert, deren negative Polarität den Kollektorstrom in der Transistorschaltung durch die Antriebsspule fließen lässt. Es baut sich kurzzeitig ein Magnetfeld auf, das die Schwingungen der Unruh aufrechterhält.

Elektron-Loch-Tropfen: eine Quantenflüssigkeit mit metallischer Leitfähigkeit und außergewöhnliche optische Eigenschaften. Bei tiefen Temperaturen bewirkt eine hohe optische Anregung (durch Laserstrahlung) eines Halbleiters die Bildung von Exzitonen so großer Konzentration, dass ein Zweiphasensystem aus einem Exzitonen-Gas und einem Elektron-Loch-Tropfen hoher Dichte gebildet wird.

Elektronystagmographie: elektronisch gesteuerte Aufschreibung (Elektronystagmogramm, Abkürzung ENG) von spontanen Augenbewegungen (Nystagmus), die vorwiegend bei krankhaften Veränderungen oder bei experimenteller Reizung des Vestibularapparates auftreten.

Elektroofen: metallurgischer Industrieofen, bei dem die zum Schmelzen von Metallen erforderliche Temperatur durch elektrische Energie erzeugt wird; Vorteile sind guter thermischer Wirkungsgrad, hohe Schmelztemperaturen, gute Regelbarkeit und Nichtbeeinflussbarkeit der Ofenatmosphäre durch Heizgase. Bei Induktionsöfen, die wie Transformatoren wirken, wird die Schmelzwärme durch einen Induktionsstrom erzeugt. Dabei bildet das im Schmelzgefäß befindliche Metall die aus einer Windung bestehende Sekundärwicklung. Man unterscheidet Induktionsrinnenöfen mit einem Eisenkern und kernlose Induktionstiegelöfen. Diese Öfen dienen zum Schmelzen von Aluminium-, Kupfer- und Eisenwerkstoffen (Stahl, Gusseisen). Bei Lichtbogenöfen wird die Schmelzwärme durch einen Lichtbogen erzeugt. Beim direkten Lichtbogenofen (Heroult-Ofen, nach P. Heroult) brennt der Lichtbogen zwischen den Elektroden und der Beschickung, beim indirekten Lichtbogenofen brennt er zwischen den Elektroden und gibt seine Wärme durch Strahlung an die Beschickung ab. Der direkte Lichtbogenofen dient vor allem zum Schmelzen unlegierter und legierter Qualitätsstähle. Bei Widerstandsöfen wird die Schmelzwärme durch einen Heizstrom, der durch einen genügend hohen Widerstand fließt, erzeugt. Als Heizwiderstand kann entweder die Beschickung selbst dienen, oder Drahtspiralen, Blechstreifen, Kohle- oder Silitstäbe geben ihre Wärme an das Schmelzgut ab.

Elektroosmose: elektrokinetische Erscheinung bei der Elektrolyse unter Verwendung eines Diaphragmas, wobei eine dort befindliche elektrische Doppelschicht den Transport von Wassermolekülen in den Kathoden-, seltener Anodenraum bewirkt; angewandt zur Entwässerung unter anderem von Mauerwerk,

elektrophil: elektronenfreundlich; elektronen(paar)aufnehmend. Atome, Moleküle, Ionen oder Bereiche innerhalb eines Moleküls sind dann elektrophil, wenn sie auf Grund eines Elektronenmangels bestrebt sind, von einem anderen (nucleophilen) Reaktionspartner ein Elektronenpaar unter Ausbildung einer homöopolaren Bindung aufzunehmen. Zum Beispiel bildet Bortrifluorid, mit Ammoniak (nucleophil), die Verbindung H3N:BF3. Eine organisch-chemische Reaktion wird dann als elektrophil bezeichnet, wenn in einer Substrat-Reagenzbeziehung das Reagens elektrophil ist.

Elektrophorese: Wanderung elektrisch geladener, kolloid gelöster Teilchen in einem elektrischen Feld, wobei die negativ geladenen zur Anode (Anaphorese), die positiven zur Kathode (Kataphorese) gelangen; Anwendung zum Beispiel in der Anstrichtechnik zur Elektrotauchgrundierung. In der Medizin wird die Elektrophorese als diagnostische Methode zur Auftrennung der Eiweißkörper im Blut verwendet. Bei der Papierelektrophorese wird ein serumgetränkter Filterpapierstreifen elektrisch durchflutet, bei der Immunelektrophorese erfolgt anschließend noch eine immunologische Auftrennung der Eiweißfraktionen mittels Immundiffusion in die einzelnen Immunglobulinklassen.

Elektrophysiologie: Teilgebiet der Physiologie, das sich mit der Messung elektrischer Erscheinungen im Organismus, ihrer Entstehung und Veränderung bei Tätigkeit befasst. Sie reicht von der Mikro-Elektrophysiologie, die zum Beispiel das Membranpotential einzelner Zellen und seine Veränderungen misst, bis zu EKG, EEG, EMG und ERG unter anderem.

Elektroporzellan, Isolierkeramik: zur Elektrokeramik gehörendes, aus Kaolinit, Feldspat und Quarz hergestelltes Hartporzellan, das wegen seiner guten mechanischen Festigkeit für Hochspannungsisolatoren, wie Stützer und Durchführungen, verwendet wird.

Elektroretinogramm, Abkürzung ERG: Darstellung der Schwankungen des elektrischen Potentials, die von der Netzhaut des Auges bei Belichtung erzeugt werden. Die Ableitung des ERG erfolgt meist über Haftschalen. Es hat Bedeutung für die Diagnostik bestimmter Augenerkrankungen und für die Sinnesphysiologie.

Elektroschock, Elektrokrampf: Behandlungsmethode mit Hilfe kleiner Stromdosen, besonders bei Schizophrenie und Depression angewandt.

Elektroschrauber: mechanisches Schraubgerät zum Ein- und Aufschrauben und Lösen von Schraubteilen (Schrauben, Muttern). Die Drehbewegung wird von einem Elektromotor erzeugt und über Getriebe und Rutschkupplung auf das Einsteckwerkzeug übertragen.

Elektrostahl: in einem Elektroofen hergestellter hochwertiger Stahl.

Elektrostatik: Lehre von den ruhenden elektrischen Ladungen und ihren Feldern, Teilgebiet der Elektrodynamik.

elektrostatische Aufladung: bei Verarbeitung synthetischer Faserstoffe durch Reibung entstehendes elektrostatisches Feld (erkennbar an abstehenden Fasern, gestörtem Fadenlauf, Schmutzanziehung unter anderem), das durch antistatische Präparate vermindert werden kann.

elektrostatisches Beschichten: Beschichtungsverfahren mit Anstrichstoffen, Plastikpulver, -granulaten und Fasern. Dabei werden die Beschichtungsstoffe an negativen Elektroden elektrisch aufgeladen (ionisiert) und bewegen sich im Hochspannungsfeld in Form kleiner Tröpfchen oder Pulverpartikel zum Werkstück (Gegenpol), wo sie unter Entladung die Beschichtung bilden. Die Arbeitsspannung beträgt 50 bis 150 kV.

Elektrostauchen: Umformverfahren zum Anstauchen von Verdickungen an Stahlstäben in einer Elektrostauchmaschine, bei der der Werkstoff nach örtliche Widerstandserwärmung hydraulisch oder pneumatisch gegen einen Anschlag gedrückt und kontinuierlich nachgeschoben wird, so dass große Verdickungen dünner Stäbe möglich sind, zum Beispiel für Ventile von Verbrennungsmotoren. Die Stauchlänge ist nur durch den Hub des Stauchstempels begrenzt.

Elektrostriktion: elastische Deformation eines Dielektrikums in einem elektrischen Feld. Im Gegensatz zum inversen piezoelektrischen Effekt (Piezoelektrizität) ist die Längen- beziehungsweise Volumenänderung im Allgemeinen dem Quadrat der elektrischen Feldstärke proportional, also unabhängig von der Feldrichtung. Kristalle mit großer Elektrostriktion werden als Ultraschallgeber verwendet.

Elektrotauchgrundierung, elektrophoretisches Lackieren: Verfahren, durch Tauchen des Anstrichträgers in eine wässrige Lackdispersion unter der Wirkung einer elektrischen Gleichspannung bei hoher Lackausbeute einen sehr gleichmäßigen, porenarmen, kantenverstärkten Anstrich, meist als Grundierung, herzustellen. Die Elektrotauchgrundierung wird zum Beispiel im Fahrzeugbau angewendet.

Elektrotechnik: Wissenschaft von der technischen Anwendung der Elektrizität. Die Elektrotechnik umfasst die allgemeine Elektrotechnik mit Anwendung der physikalischen Grundgesetze und der Messtechnik, die Elektroenergietechnik und im weiteren Sinne auch die Elektronik. Die früher übliche Bezeichnungen Starkstromtechnik und Schwachstromtechnik (Kleinspannungstechnik) für die energie- beziehungsweise informationsorientierten Teilgebiete der Elektrotechnik haben ihre Bedeutung verloren. Mit der raschen Entwicklung der Halbleitertechnik hat sich die Elektronik als selbständiges Wissensgebiet der Bewegung und Steuerung geladener Teilchen in Festkörpern und im Vakuum sowie für die Kombination elektronischer Bauelemente zu Schaltungen, Geräten und Anlagen herausgebildet und umfasst die Informationselektronik (Informationselektrik, Informationstechnik) für die Informationsgewinnung und -Verarbeitung sowie die Leistungselektronik für die Anwendung der Elektronik in der Elektroenergietechnik zum Umformen und Stellen hoher Leistungen. Da die Elektronik in zahlreiche andere Wissenschaftsbereiche zum Beispiel als Raumfahrt-, medizinische, Bio-, industrielle Elektronik eingreift, hat sie sich weitgehend verselbständigt, so dass die Bezeichnung Elektrotechnik immer mehr auf die energetischen Teilgebiete beschränkt wird. Bei der Elektroenergietechnik (elektrische Energietechnik, Leistungselektrik) steht die Wirtschaftlichkeit, besonders die Erzielung eines hohen Wirkungsgrades im Vordergrund. Sie befasst sich mit der Erzeugung, Fortleitung und Verteilung der Elektroenergie (Elektrizitätsversorgung), darunter auch mit der Beherrschung hoher Spannungen (Hochspannungstechnik) sowie mit der Verwertung der Elektroenergie (Elektroenergieumwandlung), hierzu gehören unter anderem Elektrowärmetechnik, Lichttechnik, Elektrochemie, elektrische Antriebstechnik.

elektrotechnisches Betriebsmittel, elektrisches Betriebsmittel: jedes ortsfeste oder -veränderliche Teil oder Gerät, das der Erzeugung, Fortleitung, Verteilung, Messung, dem Schutz und der Umwandlung der Elektroenergie dient. Elektrotechnische Betriebsmittel sind zum Beispiel elektrische Maschinen, Isolatoren, Leitungen, Schaltgeräte.

Elektrotherapie: Heilbehandlung mit elektrischen nieder- und hochfrequenten Strömen, zum Beispiel Galvanisation, Faradisation, Reizstrom-, Kurzwellen- und Mikrowellentherapie; Anwendung erfolgt zum Beispiel bei peripheren Nervenlähmungen und Muskelerkrankungen.

Elektrothermie: 1. chemische Umwandlung von Stoffen, bei denen die erforderliche Energie durch die Wärmewirkung des durch das Reaktionssystem fließenden elektrischen Stromes zugeführt wird (elektrothermische Reaktionen), zum Beispiel die Herstellung von Kalziumkarbid aus Branntkalk und Koks im Lichtbogenreaktor.

2. Elektrowärmetechnik.

Elektrotonus: durch Anlegen einer elektrischen Spannung an eine erregbare Zelle verursachte Änderung des Membranpotentials (elektrisches Potential) und die damit verbundene Änderung der Erregbarkeit. Unter dem negativen Pol (Kat-Elektrotonus) erhöht sich die Erregbarkeit, unter dem positiven (Anelektrotonus) wird sie vermindert. Völlige Aufhebung der Erregbarkeit unter der Anode heißt Anodenblock. Die passive, physikalische Ausbreitung lokaler Potentiale heißt im Unterschied zur aktiven Erregungsleitung (Aktionspotentiale) elektroton. Leitung.

Elektrotropismus: durch ein elektrostatisches Feld gerichtetes Wachstum der Pflanzenorgane. Wurzeln krümmen sich in der Regel zum positiven, Sprossorgane zum negativen Pol.

Elektrounfall: durch Einwirken elektrischen Stromes auf den Organismus verursachte allgemeine Körperschäden (tödl. Herzkammerflimmern, Bewusstlosigkeit) und örtliche Verbrennungen (Strommarken). Siehe auch Erste Hilfe.

Elektrowärmetechnik: Teilgebiet der Elektrotechnik, das sich mit der Umwandlung von Elektroenergie in Wärme (Elektrothermie), der Konstruktion der Elektrowärmegeräte und ihrer Anwendung befasst.

Elektroweidezaun: Weideeinzäunung aus Draht, durch den periodisch kurze Stromstöße geringer Stärke aber hoher Spannung geschickt werden. Bei Berührung erhalten die Weidetiere einen leichten elektrischen Schlag.

Elektrowerkzeuge: Handwerkzeuge

a) mit elektrischer Heizung (zum Beispiel Lötkolben),

b) bei denen Elektromotor und Werkzeug eine Einheit bilden (Bohrpistole) sowie

c) Antriebsgerät (Elektromotor mit Getriebe) und auswechselbaren Zusatzeinrichtungen (zum Beispiel Schlagbohrmaschinen, Handkreissäge, Schwingschleifer, Rasenmäher). Es werden auch batteriegespeiste Elektrowerkzeuge (Batteriegeräte) verwendet.

Elektrozug: elektromotorisch angetriebene Seil oder Kettenwinde, die sich durch raumsparende Anordnung der Bauelemente auszeichnet. Der Elektrozug wird ortsfest angeordnet, mittels Fahrwerks (Elektro- oder Handantrieb) auf dem Unterflansch eines I-Trägers bewegt und in Laufhaken von Kranen als Hubwerk eingesetzt.

Element: 1. allgemein Grundstoff, Grundbestandteil, Wesenszug; Grundbegriff; Naturgewalt.

2. Kybernetik: Baustein eines Systems. Ein Element ist ein Subsystem (Teilsystem), dessen innere Vorgänge für die betrachtete Aufgabe keine Bedeutung haben.

3. Logik - Mathematik: Bezeichnung für ein Objekt a, das einer gegebenen Menge oder Klasse M angehört (Symbol: a e M, gelesen: a ist Element von M). Das Elementsein ist keine Eigenschaft nur des Objekts a, sondern eine Beziehung zwischen a und einer Menge M, der es angehört.

Element 106: künstliches radioaktives Transaktiniden Element der Kernladungszahl 106; 1974 von G. N. Flerov und Mitarbeitern in Dubna als Isotop der Massenzahl 259 (Halbwertszeit 7 ms) durch Beschuss von Blei 207 und 208 mit Chrom-54-Ionen entdeckt. Fast gleichzeitig stellten G. T. Seaborg und Mitarbeiter in Berkeley (USA) das Isotop mit der Massenzahl 263 (Halbwertszeit 0,9 s) dar.

Element 107: künstliches radioaktives Transaktiniden Element der Kernladungszahl 107; erstmals 1975 von G. N. Flerov und Mitarbeitern in Dubna als Isotop der Massenzahl 261 (Halbwertszeit 2 ms) durch Beschuss von Wismut 209 mit Chrom-54-Ionen hergestellt.

Element 108: künstliches radioaktives Transaktiniden Element der Kernladungszahl 108; erstmals 1984 etwa gleichzeitig von J. T. Oganesjan und Mitarbeitern in Dubna (UdSSR) und von einer Forschungsgruppe unter P. Armbruster in Darmstadt hergestellt. Durch Beschuss von Blei 207 und 208 mit Eisen-58-Ionen sowie von Wismut 209 mit Mangan55-Ionen ließen sich einige Atome mit den Massenzahlen 263 bis 265 erzeugen; die Halbwertszeit des Isotops 265 beträgt 1,8 ms. Es wurde die Methode der «kalten Kernverschmelzung» angewendet, bei welcher die Energie der Ionen gerade ausreicht, um die Abstoßungskräfte zu überwinden.

Element 109: künstliches radioaktives Transaktiniden Element der Kernladungszahl 109. Die erstmalige Herstellung dieses Elements wurde 1984 von P. Armbruster und Mitarbeitern aus Darmstadt gemeldet. Das Isotop mit der Massenzahl 266 entstand durch Beschuss von Wismut 209 mit Eisen-58-Ionen nach der Methode der «kalten Kernverschmelzung» (Element 108).

Element, chemisches Element.

Element, galvanisches Element.

Element, inverses Gruppe 2.

Element, maximales; Element, minimales halbgeordnete Menge.

elementar: (dat.) grundlegend; naturhaft, naturgewaltig; primitiv.

Elementaranalyse, organische Elementaranalyse: Verfahren zur Ermittlung der in organisch-chemische Substanzen enthaltenen Elemente (qualitative Elementaranalyse) und ihres prozentualen Gehalts (quantitative Elementaranalyse). Aus dem prozentualen Gehalt kann man bei bekannter Molekularmasse die Summenformel einer Verbindung berechnen. Durch die Elementaranalyse werden vorrangig die Elemente Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff sowie Stickstoff, Schwefel und die Halogene erfasst; die erforderlichen Substanzmengen betragen etwa 20 bis 50 mg (Halbmikroelementaranalyse) beziehungsweise minimal 2 bis 5 mg (Mikroelementaranalyse).

Elementaranregungen: mögliche Anregungsformen eines Festkörpers aus seinem Grundzustand, zum Beispiel Anregung von Elektronen, Erzeugung von Elektron Loch-Paaren, Polaronen, Exzitonen oder Photonen.

Elementardiät, Astronautenkost, Kosmonautenkost: ballastfreie, aus reinen, chemisch definierten, leicht auf schließbaren, niedermolekularen Nährstoffen und Mineralen einschließlich Spurenelementen zusammengesetzte synthetische Nahrung; ursprünglich für Raumfahrer. Anwendung insbesondere bei Erkrankungen mit erheblich gestörter Darmfunktion sowie vor und nach Darmoperationen.

Elementarfaden: einzelnes, nicht längenbegrenztes Gebilde eines textilen Faserstoffes, in der Natur (bei den Raupen des Maulbeer- und Eichenspinners) aus jedem einzelnen Loch einer Spinnwarze, in der Technik (bei Chemiefaserstoffen) einer Spinndüse ersponnen.

Elementarfaden-Vliesstoff: textiles Flächengebilde aus Chemiefaserstoff-Elementarfäden, die unmittelbar nach dem Erspinnen zum Vlies abgelegt werden und durch Verkleben mit einem Bindemittel oder durch Vernadeln mit Nadelmaschinen verfestigt werden.

Elementargeometrie: nicht scharf abgegrenzter Teil der Geometrie, in dem einfache Figuren sowie weitere geometrische Begriffe und deren Eigenschaften untersucht werden, zum Beispiel ausgehend von Axiomen oder mit den Mitteln der analytischen Geometrie. Hilfsmittel der höheren Mathematik, zum Beispiel der Analysis, werden dabei nicht zugelassen. Untersuchte Begriffe sind zum Beispiel Bewegung, Spiegelung, Ähnlichkeit, Kongruenz, Dreieck, Polygon, Kreis, Polyeder, Kugel.

Elementarladung: kleinste in der Natur nachgewiesene elektrische Ladung; Elektronen tragen eine negative, Protonen eine positive Elementarladung. Siehe auch Quarks.

Elementarmagnet: physikalisches Objekt mit magnetischem Moment, das durch den Spin von Elektronen, Protonen oder Neutronen beziehungsweise die Bahnbewegung der Elektronen in Atomen oder Molekülen bedingt ist.

Elementarmembran: Grundtyp zellulärer Membranen (Plasmamembranen und Membranen von Organellen). Die 6 bis 8 nm dicke Elementarmembran zeigt im elektronenmikroskopischen Bild eine 3-Schichtung, eine helle Lipidschicht (2 Moleküllagen dick), die von 2 Proteinschichten eingeschlossen ist.

Elementarteilchen: die einfachsten bisher beobachteten physikalische Objekte, die sich nicht in noch einfacherere Objekte zerlegen lassen; wandeln sich aber ineinander um oder zerfallen in andere, stabile Elementarteilchen; ihre mittleren Lebensdauern liegen zwischen 10“23 s für die Resonanzteilchen und für die stabilen Elementarteilchen. Traditionell werden die Elementarteilchen in Leptonen und Hadronen eingeteilt, zu letzteren gehören Mesonen und Baryonen. Heute jedoch sieht man die Hadronen als aus Quarks zusammengesetzt an, so dass Quarks und Leptonen die eigentlichen Elementarteilchen sind. Zu den Elementarteilchen zählt man weiter die die elementaren Wechselwirkungen vermittelnden Feldquanten, das sind das Photon, sowie die Gluonen, die intermediären Bosonen und Higgs-Bosonen der schwachen Wechselwirkung und das Graviton als Quant des Gravitationsfeldes. Jedes Elementarteilchen ist gekennzeichnet durch Ruhmasse, Spin, magnetisches Moment, mittlere Lebensdauer und weitere innere Quantenzahlen. Die Elementarteilchen Proton, Neutron und Elektron sind Bausteine der Atome und aller daraus aufgebauten materiellen Systeme. Man kennt gegenwärtig über 100 Elementarteilchen, die man zu Elementarteilchen Multipletts zusammenfassen kann, und deren Antiteilchen; in der sind die gegenüber der starken Wechselwirkung stabilen Elementarteilchen und ihre wichtigsten Eigenschaften angegeben. Die Elementarteilchen und ihre Wechselwirkungen werden experimentell über ihre Zerfallsprozesse und bei Streuung aneinander untersucht, wozu große Beschleuniger und geeignete Detektoren erforderlich sind. Die einheitliche Theorie der Elementarteilchen oder der Materie macht den Versuch, die verschiedenen elementaren Wechselwirkungen der Elementarteilchen in einer einheitlichen Theorie zu beschreiben. Man glaubt z. Z., dass dieses Programm realistisch ist, da sich alle Wechselwirkungsarten durch Eichfeldtheorien beschreiben lassen. Diese Versuche sind philosophisch begründet durch das Prinzip der Einheit der Materie. Die heutigen einheitlichen Theorien sind Eichfeldtheorien, deren Eichgruppe alle Eichgruppen der einzelnen Wechselwirkungen als Untergruppen enthält und die von der Supersymmetrie ausgehen, wenn versucht wird, auch die Gravitation mit zu beschreiben. Ein wichtiger Test für die Richtigkeit dieser Theorien ist der dabei vorausgesagte Zerfall des Protons mit einer Lebensdauer von etwa 1030 Jahren. Erste Versuche zur Konstruktion einheitlicher Theorien waren die Einsteinsche einheitliche Feldtheorie zur geometrischen Beschreibung der Gravitation und der elektromagnetischen Wechselwirkung und die Heisenbergsche Theorie der Urmaterie. Siehe auch Quantenfeldtheorie, Wechselwirkung.

Elementarteilchen Multiplett: Gruppe von Elementarteilchen, die sich häufig nur durch geringe Massedifferenzen unterscheiden und als verschiedene, durch innere Quantenzahlen, zum Beispiel Isospin oder Ladung, charakterisierte Zustände desselben Teilchens angesehen werden (Isospin- oder Ladungsmultiplett); zum Beispiel sind Proton p und Neutron n verschiedene Ladungszustände des Nukleons N und bilden ein Isospin-Dublett, während die Baryonen N, A, X und E ein SU(3)-Oktett bilden. Die leichten Quarks u, d und s bilden ein SU(3)-Triplett. Siehe auch unitäre Symmetrie.

Elementarzelle, Elementarparallelepiped (lateinisch + griechisch): Kristallographie der kleinste, sich nach 3 Richtungen erstreckende Bereich in einem Raumgitter, der von identischen Punktlagen begrenzt wird. Die Länge der Kanten entspricht der Identitätsperiode.

Elemi: der Balsam von philippinischen Bäumen der Gattung Canarium. Elemi wird an der Luft hart und spröde; für Firnisse und Lacke verwendet.

Elenantilope, Taurotragus oryx: rindergroßer, gesellig lebender Wiederkäuer der Steppen und Savannen Afrikas südlich der Sahara. Siehe auch Antilopen.

Elenchus: (griechisch; Sing. -chi oder -chen) Widerlegung; Rüge; Inhaltsverzeichnis; Register.

Elend: Gemeinde im Kreis Wernigerode, Bezirk Magdeburg, im Harz, an der Kalten Bode; 500 Einwohner; Erholungsort, Wintersportplatz (530 m über dem Meeresspiegel); Holzkirche.

Elephantiasis: Dickhäutigkeit; unförmige Verdickung von Haut und Bindegewebe einzelner Körperteile, insbesondere der Beine, infolge Lymphstauung nach wiederholten Entzündungen der Lymphbahnen, zum Beispiel bei Erysipel und bei Ansiedlung von Filaria Würmern (E. tropica). Elephantiasis kann auch bei allen Tierarten Vorkommen. Die Behandlung hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Elephantine: («Elefantenstadt») altägyptischer Ort, nahe dem heutigen Assuan, auf einer Nilinsel gelegen, war Grenzfestung gegen Nubien und wichtiger Stapelplatz für den Handel (vor allem Elfenbein) mit Nubien; erhalten sind Reste von Tempelbauten aus der Regierungszeit Thutmosis III. (1491/1436 vor Christus) und Amenophis IH. (1400/1362 vor Christus). Stadtgott war der Widdergott Chnum.

El Escorial, Escorial: Gemeinde im mittleren Spanien, nordwestlich von Madrid; 8000 Einwohner; Rinderzucht. Das Klosterschloss San Lorenzo de El Escorial ist die großartigste Bauanlage Spaniens (206 x 161 m) und wurde für Philipp II. zugleich als Schloss, Kloster und Totengruft in strengem Renaissancestil 1563 von J. B. de Toledo begonnen und 1567/84 von seinem Schüler J. de Herrera vollendet. Den Kern bildet die Basilika mit ihren beiden Westtürmen und der riesigen Vierungskuppel; dazu gehörend der Kreuzgang mit Kapitelsälen und der nördlich anstoßende königliche Palast, in dem sich eine wertvolle Bibliothek und eine bedeutende Gemäldegalerie befinden.

Eleusis-Elefsis: Stadt in Griechenland, zu Groß-Athen gehörig, am Golf von Aigina; 30000 Einwohner; einer der bedeutendsten Häfen des Landes (besonders Erdöleinfuhr); Erdölraffinerie in Aspropyrgos; Baustoff- und Nahrungsmittelindustrie. Altgriechische Kultstatte für Demeter und Persephone, für die hier die Eleusin. Mysterien gefeiert wurden. In dem von einer Terrassenmauer umgebenen heiligen Bezirk liegt unter anderem der Mysterien Tempel, das sogenannt Telesterion, der Mysterien Tempel des Demeterkultes.

Elevation: (elevare, «herausheben») 1. allgemein Erhöhung, Erhebung.

2. Astronomie: Höhe über dem Horizont.

Eleve: Schüler, Zögling; Lehrling, besonders in der Land- und Forstwirtschaft.

Elfen: anmutige weibliche Naturgeister der Märchenpoesie.

Elfenbein: («Elefantenknochen») Zahnbein der Stoßzähne des Elefanten; das fossile Elfenbein stammt vom Mammut. Elfenbein ist auf Grund seiner Härte und Elastizität sowohl industriell als auch in künstlerischen Techniken verwertbar. Haupttechnik der künstlerischen Verarbeitung von Elfenbein ist die Elfenbeinschnitzerei. Seit dem Jungpaläolithikum sind Elfenbeingravierungen bekannt. Danach wurde Elfenbein in der altvorderasiatischen Kunst, der indischen Kunst, besonders aber in der altägyptischen Kunst verwendet. Sonderleistungen sind die in der klassischen Antike errichteten Figuren (chryselephantine Plastik). Ein Höhepunkt der Elfenbeinschnitzerei sind die in der Spätantike entstandenen zusammenklappbaren Schreibtäfelchen, die sogenannte Konsulardiptychen. Eine letzte Blüte erreichte die Elfenbeinkunst im 17. Jahrhundert mit künstlerisch virtuos gestalteten Statuetten und Figurengruppen, Reliefs und Prunkgefäßen.

Elfenbeinküste, Republik Elfenbeinküste: Staat in Westafrika; grenzt im Süden an den Golf von Guinea, im Westen an Liberia und Guinea, im Norden an Mali und Burkina und im Osten an Ghana; verwaltungsmäßig in 26 Departements gegliedert. Die Bevölkerung setzt sich aus etwa 60 ethnischen Gruppen zusammen, die überwiegend der Sudansprachgruppe angehören. Amtssprache ist Französisch; Währung ist der CFA-Franc. Hinter einem meist durch Lagunen vom Festland abgetrennten Schwemmlandstreifen erfolgt in nördlicher Richtung ein allmählicher Anstieg der Oberfläche zur Oberguineaschwelle, die im Nordwesten im Bereich des Hochlandes von Odienne 600 bis 1000 m über dem Meeresspiegel liegt. An der Westgrenze erheben sich die Nimba-Berge (bis 1852 m). Es herrscht ein tropisches Klima mit 2 Regenzeiten, mit relativ großer Luftfeuchtigkeit und hohen Niederschlagsmengen im Süden, die nach Norden abnehmen. Wichtigste Flüsse sind Bandama, Komoe und Sassandra. Der Süden wird von einem breiten Regenwaldgürtel bedeckt, der nach Norden in eine Vegetationszone mit laubabwerfendem Wald und Savanne übergeht. Elfenbeinküste ist ein Agrarland mit einer relativ entwickelten Verarbeitungs- und Konsumgüterindustrie, die weitgehend vom Auslandskapital (besonders Frankreich, BRD, USA) beherrscht wird. Elfenbeinküste gehört zu den wirtschaftlich am stärksten entwickelten Staaten Westafrikas. Hinsichtlich der Auslandsverschuldung pro Kopf der Bevölkerung liegt das Land in Afrika mit an vorderster Stelle. Wichtigster Wirtschaftszweig ist die exportorientierte Landwirtschaft (85 % der Beschäftigten), in der saisonmäßig auch Arbeitskräfte aus Nachbarländern (etwa 2 Millionen) beschäftigt sind. Wegen der Monokulturen kann der Lebensmittelbedarf nicht gedeckt werden. Für den Export Anbau von Kaffee (1. Stelle in Afrika) und Kakao (1. Stelle in der Welt), ferner von Ananas und Bananen und Gewinnung von Edelhölzern (durch Raubbau 75% der ursprünglich Waldfläche bereits vernichtet). Daneben werden in Subsistenzwirtschaft Reis, Hirse, Mais, Bataten, Erdnüsse und Maniok angebaut. Die Viehhaltung ist gering entwickelt, die Hochseefischerei nimmt an Bedeutung zu. Die wichtigsten Zweige der Verarbeitungsindustrie sind Lebensmittel-, Holzverarbeitungs-, Textil sowie Bau- und Baustoffindustrie. Daneben entstanden auch Zweige der Grundstoffindustrie, besonders chemische Industrie und Erdölverarbeitung; Hauptindustriestandorte sind Abidjan, Bouaké und der neue Hafen San Pedro. Von den Bodenschätzen sind außer den Diamant- und Manganerzlagerstätten die übrigen (Gold-, Bauxit-, Eisenerz-, Kupfervorkommen) bisher kaum erschlossen. Im Schelfgebiet vor Abidjan begann die Erdölförderung. Die Elektroenergieversorgung wurde stark gesteigert, besonders durch den Kossou-Staudamm am Bandama. Elfenbeinküste besitzt eine relativ entwickelte Infrastruktur und ein gut ausgebautes Verkehrswesen. Haupthäfen sind Abidjan und San Pedro (Holzexport), internationale Flughäfen Abidjan und Bouaké. Der Auslandstourismus gewinnt zunehmend an Bedeutung. Ausgeführt werden Agrargüter, Holz, Textilien, eingeführt Industrie- und Verkehrsausrüstungen, industrielle Konsumgüter, Nahrungsmittel; Haupthandelspartner sind Frankreich unter anderem EG-Staaten, USA, Japan, Algerien und Marokko. Seit urgeschichtlicher Zeit besiedelt, wurde die Elfenbeinküste vom 16. Jahrhundert an in den transatlantische Sklavenhandel einbezogen und 1893 gegen den Widerstand ihrer Bewohner Teil der Kolonie Französisch-Westafrika. Nachdem bis zum 2. Weltkrieg mehrere antikoloniale Aufstände niedergeschlagen worden waren, erlebte die nationale Befreiungsbewegung unter Führung der im April 1946 gegründet demokratische Partei der Elfenbeinküste (französisch Abkürzung PDCI), die zu den Gründern der Afrikanischen demokratischen Sammlungsbewegung (französisch Abkürzung RDA) zählte, einen bedeutenden Aufschwung. Ihre rechten Führer kapitulierten jedoch 1950 vor dem kolonialen Terror und orientierten sich auf die Zusammenarbeit mit Frankreich. Seit der Erlangung der staatlichen Unabhängigkeit am 7. 8. 1960 arbeitet die Elfenbeinküste unter Präsident F. Houphouet-Boigny eng mit imperialistischen Staaten zusammen.

Elfenbeinpalme, Steinnusspalme, Phytelephas: stammlose oder sehr kurzstämmige südamerikanische Palmengattung; die sehr harten Samen (Elfenbeinnüsse) werden zur Herstellung von Knöpfen und zu Schnitzereien verwendet.

Elfenbeinturm: Symbol der hochmütigen Absonderung von der Welt. Die Metapher «sich in seinen Elfenbeinturm zurückziehen» nimmt ursprünglich Bezug auf elfenbeinerne Hostiengefäße; wird seit Mitte des 19. Jahrhundert benutzt zur Charakterisierung von Verhaltensweisen zum Beispiel bürgerlicher Künstler, sich individualistisch von der gesellschaftlichen Praxis abzusondern und den sozialhistorisch wesentlichen Problemen des Lebens und des gesellschaftlichen Fortschritts auszuweichen.

Elferprobe: eine Rechenprobe, die die Kongruenzen 10 = — 1 (mod 11) und 100 =+1 (mod 11) benutzt. Danach ist jede Zahl mod 11 ihrer alternierenden Quersumme kongruent. Zum Beispiel gilt 13437 = (7 + 4 + 1) - (3 + 3) = 6 mod 11. So ist 1573 durch 11 teilbar, weil die alternierende Quersumme von 1573 gleich (3 + 5) - (7 + 1) = 0 ist.

Elgin Marbles: altgriechische Giebelskulpturen, Metopen und Friesplatten, die der schottische Lord Elgin zu Beginn des 19. Jahrhundert vom Parthenon auf der Akropolis in Athen abnehmen ließ. Nach anfänglicher kunstkritischer Ablehnung wurden die Elgin Marbles 1816 für das britische Museum in London erworben, zu dessen bedeutendsten Schätzen sie seitdem zählen.

Elimination: 1. allgemein Ausscheidung, Beseitigung.

2. Mathematik: Entfernung einer oder mehrerer Unbestimmter in einem Gleichungssystem. Zum Beispiel kann im Gleichungssystem 4x + y = 4, 5x + 2y = 2 die Unbestimmte y eliminiert werden, indem man die erste Gleichung mit 2 multipliziert und davon die zweite Gleichung subtrahiert, woraus 3x = 6 folgt.

3. Medizin: Gesamtheit aller Vorgänge im Organismus, die zur Konzentrationsabnahme eines Stoffes führen. Die Elimination umfasst sowohl die Ausscheidung über Niere, Darm, Lunge unter anderem Organe als auch die chemischen Um- und Abbaureaktionen durch Enzyme (Biotransformation).

Eliminierung: Abspaltung zweier Atome oder Atomgruppen aus einer organischer Verbindung unter Knüpfung einer weiteren Bindung zwischen den Kohlenstoffatomen. Aus einem Ausgangsstoff entstehen somit 2 Endstoffe. Bei der Eliminierung eines Wasserstoffatoms und einer OH-Gruppe bildet sich zum Beispiel als Zweitprodukt Wasser (Dehydratisierung). Neben Doppelbindungen können sich bei der Eliminierung auch Kohlenstoff-Dreifachbindungen ausbilden.

Elisabeth: 1.1207-17.11.1231, Landgräfin von Thüringen; seit 1227 Franziskanerin. Sie ist Gegenstand zahlreicher Legenden; 1235 heiliggesprochen.

2. englisch beziehungsweise britische Königin; Elizabeth.

Elisabethstil, Queen Elizabeth Style: englischer Baustil von 1530 bis etwa 1600; spezifisch englischer Stil der Renaissance, anfangs mit gotischen Details durchsetzt, der vor allem in zahlreichen aristokratischen Wohnsitzen für den neuentstandenen Hofadel Anwendung fand, vielfach in Backstein ausgeführt, im Inneren mit reichen Stuckdecken.

Elision: («Ausstoßung») Ausfall eines unbetonten Vokals am Ende eines Wortes, wenn das ihm folgende Wort mit einem Vokal beginnt, zum Beispiel hab ich.

Elitetheorie: Lehre von den Auserlesenen, Auserwählten; erste Ansätze schon im antiken Denken (Sophisten, Platon). Im Imperialismus erreichte die Elitetheorie als geistige Reaktion auf den Klassenkampf des Proletariats ihren reaktionären Höhepunkt. Die auserwählte Stellung einer bestimmten Elite über eine leicht lenk- und beherrschbare Masse leitet die bürgerliche Philosophie und Soziologie aus besonderen sozialen, geistigen, sittlichen oder natürlichen Eigenschaften ab; Volksmassen besitzen angeblich keine geschichtsbildenden Potenzen. Hauptvertreter der Elitetheorie sind unter anderem 0. Spengler, F. Nietzsche, J. Ortega y Gasset.

Elixier: («Stein der Weisen») ältere Bezeichnung für ein pharmazeutisches Präparat aus ätherischen Ölen, Pflanzenauszügen o. ä.

Elle: 1. Elle, Ulna: Unterarmknochen auf der Kleinfingerseite.

2. alte, vom Unterarm abgeleitete Längeneinheit, besonders für Gewebe. In Deutschland wurden zahlreiche, örtlich verschiedene Elle zwischen 55 und 86 cm verwendet.

Ellipse: 1. Mathematik: Kegelschnitt; geschlossene ebene Kurve, deren Punkte P von zwei Brennpunkten Fu F2 mit dem Abstand 2e die Abstände r, r1 mit konstanter Summe r, + r2 = 2a haben. 2a ist die Länge der Hauptachse durch F, F2 zwischen den Hauptscheiteln Su S2; die Nebenachse verbindet die Nebenscheitel Nu N2, deren Abstand 2 b mit b2 = a2 e2 ist, und schneidet die Hauptachse im Mittelpunkt M. Die Ellipse ist auch der geometrische Ort aller Punkte, für die das Verhältnis e = rx/d ihrer Abstände von Ft und einer Geraden, der Leitlinie, konstant ist, wobei die Hauptachse im Abstand d' = a(a e)/e von S, senkrecht schneidet. Es gilt e = e/a (Exzentrizität).

2. Stilistik: Ersparung syntaktisch geforderter, aber aus dem Zusammenhang leicht ergänzbare Satzglieder.

Ellipsenzirkel: mechanisches Gerät, bei dem 2 Punkte einer geraden Stange mittels Gleitschienen auf zueinander senkrechten Geraden bewegt werden. Der in einem 3. Punkt der Stange angebrachte Schreibstift zeichnet dann eine Ellipse, deren Halbachsen durch Verschiebung der 3 Punkte auf der Stange mittels Klemmbuchsen eingestellt werden können.

Ellipsoid: geschlossene Fläche, die von jeder sie schneidenden Ebene in einer Ellipse oder einem Kreis geschnitten wird. Ein Rotationsellipsoid entsteht durch Drehung einer Ellipse um eine ihrer Achsen.

Ellipsometrie: Bestimmung der Daten dünner Schichten mit Hilfe der Untersuchung des Polarisationszustandes des an der Probenoberfläche reflektierten Lichtes (das an Metallschichten reflektierte Licht ist elliptisch polarisiert).

elliptisches Integral: Integral, dessen Integrand eine rationale Funktion von x und der Quadratwurzel aus einem Polynom 3. oder 4. Grades ist. Integrale sind im Allgemeinen nicht elementar integrierbar. Durch Substitutionen können sie auf elliptische Integrale 1., 2. beziehungsweise 3. Gattung zurückgeführt werden. Erstmals trat ein elliptisches Integral bei der Berechnung der Bogenlänge der Ellipse auf.

Ellsworthland: vom Inlandeis bedecktes Hochland in Westantarktika (durchschnittlich 2000 m hoch) mit dem Ellsworthgebirge, das im Vinson Massiv in der Sentinel Range bis 5140 m aufsteigt (höchste Erhebung Antarktikas).

Elmina: Küstenstadt in Ghana; wurde 1482 als erster portugiesischer Handelsstützpunkt an der Goldküste als Sao Jorge da Mina gegründet und diente besonders der Ausfuhr von Gold und Sklaven. 1637 kam Elmina in holländischen Besitz und 1872 unter britischer Herrschaft.

Elongation: 1. Astronomie: der längs der Ekliptik gemessene Winkelabstand eines Planeten von der Sonne.

2. Physik: momentane Auslenkung aus der Ruhelage bei mechanischen Schwingungen.

Elo-System: (nach dem US-amerikanischen Erfinder) Schach Wertungssystem (Ratingsystem) zur leistungsmäßigen Einordnung der Spieler. Die Leistungsstärke eines Spielers wird durch eine Wertungszahl (Ratingzahl, Elo-Zahl) ausgedrückt, die durch gute beziehungsweise schlechte Turnierergebnisse steigt beziehungsweise sinkt.

El Pardo: Schloss aus dem 16. Jahrhundert, nordwestlich von Madrid (Spanien), ehemaliger Sommersitz der spanischen Könige; durch Steineichen und Erdbeerbäume berühmter Wildpark.

El Paso: (spanisch, «der Übergang») Stadt im Bundesstaat Texas (USA), am Rio Grande del Norte (mexikanische Grenze); 430000 Einwohner (zahlreiche Mexikaner); Buntmetallurgie (Blei, Kupfer), Erdölraffinerien, Erdgasförderung, Baumwoll-, Nahrungsmittelindustrie; Zentrum für Außenhandel mit Mexiko; Eisenbahnknoten, Flughafen; in der Nähe Kohlengruben.

Elritze, Phoxinus phoxinus: bis 15 cm langer, schlanker Karpfenfisch Eurasiens; frisst Kleintiere, lebt als Schwarmfisch in klaren, meist schnellfließenden Gewässern; sehr bunte, auffällige Laichfärbung.

El Salvador (spanisch, «der Heiland»), Republik El Salvador: Staat in Mittelamerika, an der Küste des Stillen Ozeans; grenzt im Nordwesten an Guatemala und im Nordosten an Honduras; verwaltungsmäßig in 14 Departements gegliedert. Die Bevölkerung besteht zu 90% aus Mestizen sowie zu je 5% aus Indianern und Weißen (Kreolen). Amtssprache ist Spanisch. Währung ist der Colón. An eine schmale Küstenebene schließt sich die vulkanische Küstenkordillere (Santa Ana oder Lamatepec; 2386 m) an, dahinter das zentrale Hochland (200 bis 1000 m über dem Meeresspiegel), das von der Zentralamerikanischen Kordillere begrenzt wird; wechselfeuchtes tropisches Klima mit einer Trockenzeit. Relativ schwach entwickelter kapitalistischer Agrar-Industrie-Staat, der im Vergleich zu anderen Ländern Mittelamerikas stärker industrialisiert ist und dessen Wirtschaft vom US-Kapital beherrscht wird. Etwa 75% des Exporterlöses erbringt die Landwirtschaft, in der fast die Hälfte aller Erwerbstätigen beschäftigt ist und Großgrundbesitz vorherrscht. Hauptanbauprodukte sind Kaffee (50% des Exportwertes) und Baumwolle; für Eigenbedarf nicht mehr ausreichender Anbau von Mais, Reis, Hirse und tropische Früchten. Starke Nutzung der noch vorhandenen Wälder; extensive Viehzucht. Geringer Gold- und Silberbergbau, Konsumgüterindustrie, Stahlwerk bei San Salvador, Erdölraffinerie und Düngemittelwerk bei Acajutla. Relativ gut entwickeltes Verkehrsnetz. Wichtigste Häfen sind Acajutla, La Unión, La Libertad; internationaler Flughafen Ilopango (bei San Salvador). Haupthandelspartner sind die USA, Venezuela, Japan, Deutschland.

Geschichte: Im 1./7. Jahrhundert Siedlungsgebiet von Maya- und Nahuastämmen, später von Tolteken und Azteken, 1524/25 von Spanien erobert, 1821 unabhängig; gehörte 1822/23 zum mexikanischen Kaiserreich, 1823/38 zu den Vereinigten Provinzen Zentralamerikas, danach staatlich selbständig. Im 19. Jahrhundert ständiger Kampf zwischen Liberalen und Konservativen, seit Ende des 19. Jahrhundert dominierender US-Einfluss. Liberalisierung unter Präsident P. Rómeo Bosque (1927/31); begünstigte 1930 die Gründung der KP. Die Militärdiktatur des Generals M. Hemándes Martínez (1931/44) unterdrückte einen von der KP geführten Volksaufstand im Januar 1932. Tausende Aufständische und fast die gesamte KP-Führung (Farabundo Marti) fielen der Reaktion zum Opfer. Nach dem Sturz der Diktatur durch Generalstreik und Armeeaufstand (8. 5. 1944) erstarkte die demokratische Bewegung besonders unter Präsident S. Castro (1945/48); danach waren die fortschrittlichen Kräfte unter US-hörigen Präsidenten schweren Verfolgungen ausgesetzt. Wirtschaftliche und politische Spannungen verursachten 1969 (Fußballkrieg) und 1976 Kriegshandlungen mit Honduras (1980 angesichts der revolutionären Entwicklung in Zentralamerika durch Friedensvertrag formell beendet). In den 70er Jahren führten die sich verschärfende ökonomische und politische Krise und der Einfluss der Revolution in Nikaragua zum Anwachsen der Oppositionsbewegung (Entstehung politischer und militärischer Widerstandsorganisationen). Seit dem Sturz der Diktatur von Präsident General C. H. Romero (1977/79) geht die Junta bei massiver Unterstützung durch die USA mit brutaler militärischer Gewalt gegen die Volksbewegung vor (24. 3. 1980 Ermordung von Erzbischof O. A. Romero; Verhängung des Kriegsrechts). Angesichts dieser Entwicklung schlossen sich die revolutionären und demokratischen Kräfte im April 1980 politisch in der revolutionären demokratischen Front (FDR) und im Oktober 1980 militärisch in der Nationalen Befreiungsfront «Farabundo Marti» (FMLN) zusammen. Die FDR und die FMLN wurden im August 1981 von Mexiko und Frankreich, in der Folgezeit von weiteren Staaten diplomatisch als „politische, repräsentative Kraft» anerkannt. 1984 siegte in Scheinwahlen für das Präsidentenamt der Kandidat der Christdemokratischen Partei, J. N. Duarte.

Elsaß, französisch Alsace: Landschaft und Region im Osten Frankreichs, in den Ostvogesen und im westlichen Teil der Oberrheinische Tiefebene, bestehend aus den Departements Haut- und Bas-Rhin; 8310 km2, 1,5 Millionen vorwiegend elsässisch sprechende Einwohner (Französisch Amts-, Unterrichts- und Bildungssprache); 181 Einwohner/km2, wichtigster Ort Strasbourg; in der Ebene von mildem, sonnigem Klima begünstigt, im Gebirge (Vogesen mit 1426 m hohem Grand Ballon) sehr niederschlagsreich; stark industrialisiert (Einfluss von Deutschen-Kapital); bedeutende Kaliförderung; Elektroenergie aus Werken an Vogesenflüssen, am Grand Canal d’Alsace und dem Kernkraftwerk Fessenheim; Erdölraffinerien, Textil-, Metall-, Lebensmittel-, Möbel-, Elektro-, Schuh- und Papierindustrie; Sägewerke, Gerbereien; intensive Landwirtschaft, auf fruchtbaren Böden Anbau von Wein, Getreide, Zuckerrüben, Obst, Tabak, Hopfen, Spargel; Edelkastanien; starke Zersplitterung des landwirtschaftlichen Besitzes; Binnenhäfen (Colmar, Strasbourg unter anderem); Erdölleitung von Marseille; Durchgangsland.

Elsaß-Lothringen: historisches Gebiet mit der Hauptstadt Strasbourg, das Elsaß (außer Beifort) und Teile Lothringens umfasste; wurde im Ergebnis des Deutsch-Französischen Krieges (Frankfurter Friedensvertrag 1871) gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung als unmittelbares «Reichsland Elsaß-Lothringen» von Deutschland annektiert. 1879 erhielt Elsaß-Lothringen eine Landesregierung mit Reichsstatthalter und verantwortlichen Ministerium, 1911 kam ein aus zwei Kammern bestehender Landtag hinzu; Elsaß-Lothringen wurde in einen Bundesstaat umgewandelt. Gegen die wachsende Verpreußung richtete sich der Widerstand der bürgerlich und sozialdemokratisch geführten Opposition. 1919 (Versailler Vertrag) kam Elsaß-Lothringen wieder an Frankreich. Im 2. Weltkrieg war es vom faschistischen Deutschland besetzt und annektiert (1940/44).

Elsheimer, Adam, 1578 (getauft 18.3.)-1610 (begraben 11.12.), Maler; seit 1600 in Rom tätig. Obwohl von italienischen Meistern angeregt, war er der eigenständigste deutsche Maler des Frühbarocks. Elsheimer schuf meist auf Kupfertafeln kleinformatige Landschaftsdarstellungen sowie figürliche Kompositionen religiöser und mythologischer Thematik; wurde zum Mitbegründer der idealen Landschaft.

Elternaktiv: von den Eltern einer Schulklasse, Kinderkrippe oder Kindergartengruppe gewählte Elternvertretung, die den Klassenleiter beziehungsweise die Erzieherin unterstützt und die Zusammenarbeit zwischen Erziehern, Eltern, Kindern, gesellschaftliche Organisationen unter anderem fördert.

Elternbeirat: von den Eltern einer Schule gewählte Elternvertretung; berät Schulleitung und Elternschaft in Bildungs- und Erziehungsfragen und fördert die Mitarbeit der Eltern bei der Lösung erzieherischer und materieller schulischer und außerschulischer Aufgaben.

Elternseminar: schulische Veranstaltung für Eltern zur Vermittlung pädagogischer Kenntnisse und Erfahrungen.

El Tofo: neu erschlossene Eisenerzlagerstätte in Chile, in der Küstenkordillere, in den Provinzen Coquimbo und Atacama.

Eluieren: Lösen sorbierter Stoffe von festen Adsorptionsmitteln oder Ionenaustauschern durch Flüssigkeiten oder Gase. Durch Eluieren erhaltene Lösungen oder Gasgemische nennt man Eluate.

Eluvium: Verwitterungsmaterial, das an Ort und Stelle aus dem anstehenden Gestein entstanden ist und meist durch Sickerwassereinwirkung an bestimmten löslichen Substanzen verarmt ist. Elysieren elektrochemische Metallbearbeitung.

Elysium, Elision: in der griechischen Sage das am Westrand der Erde gelegene Land der Seligen oder ein für diese abgegrenzter Bezirk in der Unterwelt (Gefilde).

Elytis, eigentlich Alepudelis, Odysseas, geboren 2.11. 1911, griechischer Lyriker und Übersetzer; seine symbolistische, surrealistische Dichtung (meist in freien Rhythmen) wurzelt tief in griechischer Geschichte und Landschaft; die an traditionelle liturgische Formen anknüpfende hymnische Dichtung «Axion esti» («Gepriesen sei», 1959; vertont von M. Theodorakis) ist verkündigte Sehnsucht nach einer Welt ohne Hass und Unrecht.

Email: durch teilweises oder vollständiges Aufschmelzen entstandene, meist glasig erstarrte Masse mit anorganischer, besonders oxidische, Zusammensetzung, die zu einem Pulver zerkleinert wird. Das Email wird anschließend in einer oder in mehreren Schichten, teils mit Zuschlägen, auf metallische Werkstoffe aufgetragen und nochmals aufgeschmolzen. Emailrohstoffe sind unter anderem Sand, Soda, Kaliumkarbonat, Borax, Kryolith, Mennige, Feldspat, Ton. Email wird durch Schmelzen oder Fritten besonders in Drehrohröfen mit anschließendem Granulieren in Wasser oder Luft hergestellt. Beispiele für Blech Emaillierung sind Haushaltsgegenstände, für Guss Emaillierung, Badewannen, Kessel u. ä. In der bildenden Kunst dient Email als farbige Verzierung von Gegenständen aus Metall, auch aus Glas oder Ton, und zur Emailmalerei. In die zu verzierende Unterlage werden entweder «Gruben» gemeißelt, geätzt und so weiter (Grubenschmelz, französisch Email champlevé) oder darauf «Zellen» durch hochkant befestigte Metallstreifen gebildet (Zellenschmelz, französisch Email cloisonné); die mit Metalloxiden gefärbte Glasmasse wird in Pulverform in die Vertiefungen gefüllt, geschmolzen und glattgeschliffen, wodurch das sogenannt Emailglas entsteht. Daneben gibt es Emailplastik (die Plastik wird ganz oder teilweise mit Email überschmolzen) und Emailmalerei (das Bild wird mit Metalloxidfarben auf meist weißen Emailgrund gemalt und eingeschmolzen). Früheste Emailarbeiten sind aus der ägäischen Kultur bezeugt. Höhepunkte erreichte die Emailkunst in der keltischen (1./3. Jahrhundert) und byzantinischen Kunst, im 12./13. Jahrhundert in Westeuropa und in der höflichen Kunst des 16./17. Jahrhundert (bedeutende Email Werkstätten in Limoges (Frankreich)).

Emaillieren: Aufbringen einer glasartigen Schicht (Email) auf Metall. Beim Emaillieren von Eisenblech wird dieses in der Regel erst geglüht und die entstandene Zunderschicht durch Beizen entfernt. Das Email wird als wässrige Suspension (Schlicker) oder in pulvriger Form trocken aufgebracht und bei etwa 900 °C eingebrannt. Emailschichten zeigen hohe chemische Beständigkeit und gute dekorative Eigenschaften.

Emakimono, Makimono: lange Bildrolle im Querformat aus Papier oder Seide, wird von links nach rechts entrollt; auf ihr in fortlaufender Reihung historischer, religiöse oder landschaftliche Szenen; Wurzeln der Querrollenmalerei in China, Höhepunkt in Japan (12./13. Jahrhundert).

Emanation: im Neuplatonismus das «Ausströmen» der niedrigeren Weltbereiche aus dem höchsten göttlichen Ureinen.

Emanzipation: Befreiung von entwürdigender gesellschaftlichen und rechtliche Abhängigkeit; Gleichstellung (zum Beispiel Emanzipation der Frau), Verselbständigung.

Emballage: Verpackung, in der eine Ware transportiert wird.

Emballagen Maschine: Sammelbegriff für hochentwickelte Einzweckmaschinen beziehungsweise -automaten zur Herstellung von Verpackungen verschiedenster Form und Größe aus Blech (zum Beispiel Fässer, Eimer, aber besonders Konservendosen). Sie sind üblicherweise zu verketteten Fertigungsstraßen zusammengestellt und umfassen das Herstellen von Böden und Decken, von Rumpfzuschnitten, das Gummieren, Verschließen der Rümpfe und Prüfen der verschlossenen Emballage. Es handelt sich um spezielle Scheren, Biege-, Bördel-, Falz- und Anrollmaschinen, Pressen, Löt- und Schweißeinrichtungen unter anderem.

Embargo: (spanisch, «Beschlagnahme») staatliche Ein- beziehungsweise Ausfuhrverbot für bestimmte Waren aus oder nach bestimmten Ländern. Die wiederholte völkerrechtswidrige Embargopolitik imperialistische Staaten zur Diskriminierung und Schädigung sozialistischer Staaten scheiterte jeweils an der Stärke der sozialistischen Staatengemeinschaft. Embargomaßnahmen gegenüber Staaten, die Handlungen gegen den internationalen Frieden und die Sicherheit begehen, sind demgegenüber nach der UN-Charta rechtmäßig.

Embarras: Verlegenheit; Verwirrung; Hindernis.

Emblem: in der Antike sinnbildhafte Metallverzierung; jetzt allgemeine Bezeichnung für Sinnbild, Abzeichen, Wahr- oder Hoheitszeichen, zum Beispiel Staatsemblem.

Embolie: Verstopfung eines Blutgefäßes durch mit dem Blutstrom verschleppte körpereigene oder -fremde Substanz. Embolien werden vorwiegend durch einen Embolus beziehungsweise Thrombus verursacht. In den von der Blutversorgung ausgeschalteten Gewebebezirken bilden sich Infarkte. Je nach Organbefall entstehen zum Beispiel Lungen-, Herz-, Milz-, Nieren- oder Gehirninfarkt. Bei Gewebeschäden mit ausgedehnten Blutgefäßzerreißungen und Zerstörung von Fettgewebe (zum Beispiel Knochenbrüche) führen die in die Blutbahn eindringenden Fettteilchen zur Fettembolie. Bei Mobilisierung von Thromben kommt es zur Thromboembolie. Siehe auch Thrombose.

Embolisation: über einen Spezialkatheter unter Röntgendurchleuchtung herbeigeführter Blutgefäßverschluss von Niere oder Harnblase, zum Beispiel bei großen blutenden Nierengeschwülsten oder Geschwulstblutungen aus der Harnblase.

Embolus: innerhalb des Blutgefäßsystems fortgeführtes kreislauffremdes Gebilde, zum Beispiel Blutgerinnsel. Die operative Entfernung eines Embolus aus einer Arterie wird als Embolektomie bezeichnet.

Embonpoint: (eigentlich «in gutem Zustand») Wohlbeleibtheit, Leibesfülle, embrassieren: umarmen; küssen.

Embros: Fell italienischer Lämmer, das nach Tiefschur flaches Moiré bis kleine, wirr gekräuselte «Pfefferkornlocken» aufweist.

Embryo: (lateinisch griechisch, «ungeborene Leibesfrucht») 1. Embryo, Keim: der sich aus der befruchteten Eizelle entwickelnde Organismus, solange er sich noch in den Eihüllen, der Eischale oder im mütterlichen Körper befindet; bei Säugetieren auch Fetus genannt. Die Embryonen höherer Wirbeltiere (Amnioten) sind von besonderen Embryonalhüllen (Amnion und Serosa) umgeben. Bei den meisten Säugetieren wird die Serosa unter Ausbildung von Zotten zur Zottenhaut (Chorion). Der Embryo schwimmt, gegen Druck- und Temperaturschwankungen geschützt, im Fruchtwasser der Amnionhöhle. Er ist bei Säugetieren über den aus dem Allantois Stiel hervorgegangenen Nabelstrang und den Mutterkuchen (Plazenta) mit dem ihn ernährenden mütterlichen Organismus verbunden.

2. bei Samenpflanzen der im reifen Samen eingeschlossene Keimling.

Embryokultur: das Herauspräparieren pflanzlicher Embryonen aus dem sie umgebenden Gewebe und ihre Weiterzucht auf künstlichen Nährböden, um ein Absterben zu verhindern; häufig notwendig bei Art- und Gattungskreuzungen.

Embryologie: Lehre von der Entwicklung des Embryos; Teilgebiet der Biologie,

embryonal: zum Embryo gehörig; unentwickelt, unausgebildet.

Embryonalhüllen: dem Schutz und der Ernährung des Embryos vieler Tiere dienende Keimhüllen; siehe auch Embryo 1.

Embryonalorgane: nur während des embryonalen Lebens vorhandene Organe, zum Beispiel Keimhüllen, Allantois und Dottersack.

Embryopathie: Entwicklungsstörung des Embryos, die auf eine Fruchtschädigung während der eisten 3 Schwangerschaftsmonate zurückzuführen ist. Die Embryopathie wird vor allem durch Virusinfektionen (Röteln) und chemische Substanzen (Arzneimittel) hervorgerufen. Als Folgen können unter anderem angeborene Herzfehler, Hirnmissbildungen (Wasserkopf), Taubheit, grauer Star und verkrüppelte Gliedmaßen auftreten.

Emendation: Verbesserung, Berichtigung eines Textes (insbesondere von Druckfehlern); auch Berichtigung eines falsch oder unvollständig überlieferten Textes mit den Mitteln philologischer Textkritik.

Emeritierung: besondere Form der Versetzung der ordentlichen Professoren von Universitäten und Hochschulen in den Ruhestand mit Erreichung des Rentenalters beziehungsweise bei früher eintretender Arbeitsunfähigkeit. Mit der Emeritierung sind besondere Rechte zur materiellen Versorgung und das Recht zur weiteren beruflichen Tätigkeit verbunden.

emers: über die Wasseroberfläche hinausragend (zum Beispiel Schilf); siehe auch submers.

Emerson, Ralph Waldo, 25. 5.1803-27. 4. 1882, US-amerikanischer Philosoph, Dichter und Politiker; führte den klassischen deutschen Idealismus als «Transzendentalismus» in den USA ein, bekämpfte Materialismus und Pragmatismus und lehrte die Immanenz des Göttlichen in der Natur (Allbeseelung). Als Demokrat kritisierte Emerson den Kapitalismus vom Standpunkt einer idealistischen aktivistischen Moral; er forderte die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frau unter anderem Reformen.

Emetin: Hauptalkaloid der Brechwurzel; früher als Brechmittel, inzwischen mitunter in kleinen Dosen als Expektorans (Expektorantien) verwendet.

Emigration: Situation, in der sich eine Person (Emigrant), die ihren Heimatstaat zeitweilig verlassen hat, befindet, weil sie dort wegen ihrer politischen oder weltanschauliche Überzeugung oder Tätigkeit beziehungsweise aus nationalen oder rassischen Gründen verfolgt wurde. Der Aufenthalt von Emigranten im Ausland beruht im Allgemeinen auf der Gewährung von Asyl durch den Aufenthaltsstaat. Emigration ist nicht identisch mit Auswanderung, da das Ziel der Rückkehr besteht.

Eminescu, Mihai, 15.1. 1850-15. 6. 1889, bedeutendster rumänischer Dichter des 19. Jahrhundert Mit neuen Ausdrucksformen und Wortdeutungen wurde das umfangreiche Schaffen Eminescus beispielgebend für die rumänische Lyrik und Sprache. Seine Dichtungen («Kaiser und Proletarier», 1874; «Der Abendstern», 1883) und Prosawerke («Der arme Dionys», 1872, deutsch; «Der unfruchtbare Genius», 1904) verarbeiten in originärer Weise Einflüsse der deutschen idealistischen Philosophie (Kant, Schopenhauer) und romantische Dichtung und spiegeln das Bemühen wider, soziale und philosophische Probleme seiner Zeit zu erfassen. Die Liebes- und Naturlyrik Eminescus war stark von der rumänischen Folklore beeinflusst. In deutscher Übersetzung liegen mehrere Gedichtsammlungen vor («Der Abendstern», 1964; «Engel und Dämon», 1972).

Emir: (arabisch, «Befehlshaber») seit dem 7. Jahrhundert Titel unabhängiger muslimischer Stammeshäuptlinge, hoher Beamter und Fürsten; 1922/46 Herrschertitel in Jordanien.

Emissär: Abgesandter, politischer Beauftragter, Überbringer geheimer Nachrichten und Botschaften.

Emission: 1. Bankwesen: Ausgabe von Wertpapieren und Banknoten.

2. Physik: Aussenden einer Wellen- oder Teilchenstrahlung, zum Beispiel Schall durch einen schwingenden Körper, Licht durch angeregte Atome, Elektronen aus Festkörperoberflächen beim glüh- oder beim lichtelektrischen Effekt beziehungsweise bei Feld-Elektronen-Emission und a-, ß-, y-Strahlen beim radioaktiven Zerfall, bei Kernreaktionen beziehungsweise beim Mößbauer-Effekt. Siehe auch induzierte Emission, spontane Emission.

3. Umweltschutz: Verunreinigung beziehungsweise Belastung der Atmosphäre durch toxische, phytotoxische und korrosive Gase, Dämpfe, Stäube, Rauche und Nebel aus Produktionsanlagen, Fahrzeugen, Wohnungen und natürlichen Quellen (zum Beispiel Vulkane) sowie durch Wärme, Lärm oder radioaktive Strahlung. Für die häufigsten Emission sind maximal zulässige Schadstoffmengen je Zeiteinheit beziehungsweise je Produktionseinheit oder im Abgas bei einem definierten Abgasstrom gesetzlich festgelegt.

Emissions-Computertomographie: nuklearmedizinische Untersuchungsmethode zur Ermittlung der räumlichen Aktivitätsverteilung eines Radiopharmakons in einem Organ.

Emissionsgrad, spektraler: charakteristische Zahl e(A, T) eines Stoffes, der Temperaturstrahlung emittiert; kann als Verhältnis seiner spektralen Strahldichte (Strahlung) zu der des schwarzen Körpers definiert werden; für den schwarzen Körper ist also e, = 1, für andere Körper ist der spektrale Emissionsgrad <1 und lässt sich nach dem Kirchhoffschen Strahlungsgesetz berechnen.

Emmen: (Emo) Stadt im Nordosten der Niederlande, in der Provinz Drenthe, viele frühere Fehnkolonien umfassend; 286 km2, 90000 Einwohner; Textil-, chemische und elektrotechnische Industrie, Stärkeherstellung; Marktort; Museum, Tiergarten; in der Nähe Hünengräber; bei Emmen Erdgaslagerstätten.

Emmental: Voralpental in der Schweiz, nordöstlich von Bern, im Schweizer Mittelland, von der Großen Emme durchflossen; im oberen Emmental Weiden, Viehwirtschaft und Käsebereitung (Emmentaler), im unteren Emmental Obstbau, Baumwoll-, Uhrenindustrie; wichtigster Ort Langnau im Emmental.

Emmetscher Riß: Einriß des Gebärmutterhalses; kann bei Geburt, Fehlgeburt oder Schwangerschaftsunterbrechung entstehen; führt zu Fluor genitalis oder Infertilität; benannt nach dem US-amerikanischen Gynäkologen Thomas Emmet (1828-1919).

Emodine: Aglykone (Nichtzuckeranteile) der Anthrachinone; als Wirkstoffe zum Beispiel in Aloe, Faulbaum, Sennesblättern und einigen Rhabarberarten enthalten; medizinisch als Abführmittel gebräuchlich.

Emotion: Gefühl, Gemütsbewegung; psychischer Prozess, der die Beziehung eines Menschen zu seiner natürlichen und sozialen Umwelt auf der Grundlage der Befriedigung oder Nichtbefriedigung von Bedürfnissen ausdrückt. Diese Beziehung kann entsprechend der Bedürfnisbefriedigung positiv (Lust) oder negativ (Unlust), stärker (Affekt) oder schwächer (Stimmung) ausgeprägt sein und das Handeln je nach ihrer Eigenart (zum Beispiel Liebe, Zorn, Trauer) mitbestimmen.

Empacher-Krause-Organisation: seit 1938 von Kommunisten in Stettin (Szczecin) aufgebaute antifaschistische Widerstandsorganisation unter Leitung von W. Empacher, W. Krause unter anderem, die 1944 etwa 300 Mitglieder umfasste. Die Mitglieder verübten Rüstungssabotage, leisteten sowjetische Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiten solidarische Hilfe und bereiteten mit ihnen bewaffnete Aktionen vor. Ende 1944 wurden 40 Angehörige der Organisation verhaftet, 7 später ermordet.

Empedokles, um 490-430 vor Christus (angeblich Selbsttötung im Ätna), griechischer Philosoph; verband sich, aristokratische Herkunft, mit den Demokraten seiner Heimat Agrigent. Empedokles lehrte, dass alle Dinge in bestimmten Quantitätsverhältnissen aus den mit vitalen und geistigen Kräften (Hylozoismus) erfüllten unverändert Elementen feste Erde, flüssiges Wasser, gasförmige Luft und dem diese Zustandsformen verändernden Feuer bestehen. Mischung und Entmischung dieser Stoffe, das heißt die Veränderung der Dinge, werden durch die materiell gedachten Kräfte Liebe und Hass bewirkt. Empedokles bereitete mit seiner «Abfluss-Poren-Lehre» die Abbildtheorie vor; er entwarf eine primitive Theorie der Entwicklung durch Überleben des Angepassten und entdeckte, dass die Geschwindigkeit des Lichtes endlich ist.

Empereur: offizieller Titel Napoleons I. (1804/15) und Napoleons III. (1852/70). Mit der Einführung dieses Herrschertitels verband sich ursprünglich die Hoffnung, bei gleichzeitiger Verleugnung des großbürgerlichen Klassencharakters seiner Herrschaft als «Gleicher unter Gleichen» mit den (ranghöchsten) «alteingesessenen» Fürsten Europas zu einem Ausgleich zu gelangen.

Empfänger: technische Einrichtung zum Aufnehmen oder Nachweisen elektromagnetischen, akustischen unter anderem Wellen oder radioaktiver Strahlung. Der Empfänger wandelt und verstärkt nicht direkt wahrnehmbare Signale und gibt sie als Nachricht (Rundfunkempfänger, Fernsehempfänger, UKW-Sprechfunkempfänger), als verstärktes Signal (Richtfunkempfänger) oder als Messwert beziehungsweise Messsignal (Radar Empfänger, Ultraschallortungsempfänger, Telemetrie Empfänger, seismographische Empfänger, Geigerzähler) wieder. Siehe auch Sender.

Empfängniszeit: der Zeitraum vom 181. bis zum 302. Tag vor der Geburt eines Kindes mit Einschluss beider Tage. Der Nachweis, dass die Empfängnis außerhalb dieser Zeit stattgefunden haben kann, ist zulässig; für die Feststellung der Vaterschaft von Bedeutung.

Empfangsfeldstärke: Funktechnik die am Empfangsort herrschende, von der durch einen Sender ausgestrahlten elektromagnetischen Welle hervorgerufene elektrische Feldstärke, die mittels Empfangsantenne die am Empfängereingang wirksame Antennenspannung liefert.

Empfindlichkeit: 1. Fototechnik: Angabe zur Licht- (Allgemein-) Empfindlichkeit von fotografischem Aufnahmematerialien als DIN-Empfindlichkeit, ASA-Grad (USA) und GOST-Empfindlichkeit (UdSSR). Aus der Empfindlichkeit ergibt sich Belichtungszeit und Blendeneinstellung bei der Aufnahme. Die Empfindlichkeit wird mittels Sensitometers bestimmt.

2. Funktechnik: Kenngröße eines Empfängers, die angibt, welche Eingangsspannung notwendig ist, um eine festgelegte Ausgangsleistung (verstärkungsbegrenzte Empfindlichkeit) oder einen bestimmten Störabstand (geräuschbegrenzte Empfindlichkeit) zu erreichen.

3. Metrologie: Verhältnis AllAM der Änderung der Größe am Ausgang eines Messmittels (AI) zu der sie verursachenden kleinen Änderung der Messgröße (AM). Bei Messgeräten kann Al eine Längen-, Winkel- oder Zahlenänderung bedeuten. Ein Spiegelgalvanometer hat zum Beispiel eine Stromempfindlichkeit von 109 mm/A bei 1 m Skalenabstand oder IO9 mrad/A.

Empfindlichkeitstheorie: Teilgebiet der Systemtheorie beziehungsweise Kybernetik, das sich mit der Untersuchung des Einflusses von Parameteränderungen auf das Verhalten (auf die Bewegung) eines Systems befasst. Die Empfindlichkeitstheorie ist von Bedeutung beim Entwurf von Steuerungen für ungenau bekannte und sich ändernde Objekte.

Empfindsamkeit: bürgerlicher ideologischer, sich vor allem literarisch äußernde Strömung in der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert, deren Bezeichnung auf G. Lessings Übersetzung des englischen Wortes «sentimental» mit «empfindsam» zurückgeht. Die rationalistischen Tendenzen der Aufklärung wurden durch gefühlsbetontes Erleben ergänzt und zum Teil bekämpft. Literarischer Höhepunkte der Empfindsamkeit waren «Leben der schwedischen Gräfin von G:» von C. F. Geliert, «Die Leiden des jungen Werthers» von J. W. Goethe sowie F. G. Klopstocks Dichtungen.

Empfindung: Form der unmittelbaren Widerspiegelung von Eigenschaften der objektiven Realität im Bewusstsein vermittels des Zentralnervensystems. Die Eigenschaften der Gegenstände und Prozesse, die direkt auf ein Sinnesorgan oder auf reizempfindlichen Zellen (niedere Organismen) einwirken, können zum Reiz werden, der Voraussetzung der Empfindung ist. Die Empfindung ist die Grundlage der Wahrnehmung.

Empfindungsstörung, Sensibilitätsstörung: herabgesetzte, aufgehobene oder überstarke Wahrnehmung von Berührungs-, Schmerz- und Temperaturreizen. Empfindungsstörung treten bei peripheren Schädigungen der Nerven (Neuritis unter anderem) oder bei Funktionsstörungen des Zentralnervensystems (Verletzungen, Tumor unter anderem) auf. Eine allgemeine Übererregbarkeit der Sinnesorgane findet sich bei nervöser Erschöpfung und als konstitutionelle Besonderheit.

Emphase: nachdrückliche Hervorhebung von Wörtern oder Sätzen (zum Beispiel durch Intonation, Wiederholung).

Emphysem: Aufblähung; abnorme Luftansammlung im Gewebe, vor allem in der Lunge (Lungenemphysem), seltener in der Haut (Hautemphysem).

Empire: 1. Empire: das Kaiserreich Napoleons I. (Le premier Empire, Erstes Kaiserreich; 1804 bis 1814/15) und Napoleons III. (Le second Empire, Zweites Kaiserreich; 1852/70).

2. Empire: im 19. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhundert Bezeichnung für das britische Kolonialreich (British Empire).

3. Empire: Sonderform des Klassizismus; bildete sich in Frankreich unter Napoleon I. heraus und beherrschte bis etwa 1830 Innendekoration, Kunstgewerbe und Mode; in ganz Europa verbreitet; charakteristisch ist die strenge Formgebung des Directoirestils, nun mit reicher, antikisierender Ornamentik. Das Empire widerspiegelt den Übergang von der Revolution zum Kaiserreich und zur nachfolgenden Restaurationsperiode.

Empiriker: sich ausschließlich auf Erfahrung, Beobachtung und Experiment stützender (in der Sinneserfahrung verharrender) Wissenschaftler. Siehe auch Empirismus.

Empiriokritizismus, Machismus: Ende des 19. Jahrhundert von R. Avenarius und Empiriokritizismus Mach begründete, vorwiegend erkenntnistheoretisch orientierte, extrem subjektiv-idealistische philosophische Richtung. Der Empiriokritizismus leugnet die objektive Existenz der Außenwelt und reduziert die Realität auf Empfindungen beziehungsweise Empfindungskomplexe; Außenwelt sei eine metaphysische Spekulation. Lenin kritisierte diese Position in seinem Werk «Materialismus und Empiriokritizismus» (1909, deutsch).

empirisch: erfahrungsgemäß; aus der Erfahrung gewonnen; auf Erfahrung, Beobachtung, Experiment gegründet. Siehe auch Empirisches und Theoretisches.

Empirisches und Theoretisches: Arten wissenschaftlicher Kenntnisse, die im Erkenntnis- und Forschungsprozess eine Einheit bilden und sich ergänzen. Empirisches ergibt sich als Resultat von Beobachtung, Messung und Experiment, widerspiegelt jedoch in der Regel nur die äußeren Erscheinungen der Dinge. Theoretisches ist Resultat verallgemeinernden, Begriffe bildenden, zum Wesen und den Gesetzmäßigkeiten der Dinge vordringenden Denkens.

Empirismus: erkenntnistheoretische Richtung, die alle Erkenntnis auf Erfahrung (Beobachtung, Messung, Experiment) reduzieren will und das rationale, begriffliche Denken, die theoretische Verallgemeinerung als spekulativ ablehnt; das Erkennen habe sich auf Sammeln, Ordnen und Beschreiben von Fakten zu beschränken. Der Empirismus unterschätzt die qualitative Besonderheit des theoretischen Denkens, Wesen und Gesetzmäßigkeiten der Wirklichkeit widerzuspiegeln. Er tritt sowohl in materialistischer als auch in idealistischer Form auf und spielte als materialistischer Empirismus eine historisch progressive Rolle im Kampf gegen die spekulative mittelalterliche Scholastik.

Empore: (borisch, «Höhe») hochgelegene, auf Gewölben oder Säulen ruhende Galerie in Gebäuden, besonders über den Seitenschiffen oder im Westteil (Orgelempore) eines Kirchenraumes.

Empyem: Eiteransammlung in Körperhöhlen.

Ems: Fluss im Nordwesten der BRD; 371 km, auf 238 km schiffbar; entspringt in der Senne nördlich von Paderborn, durchfließt Münster- und Emsland (Landwirtschaft; Erdöl, -gas, Torf), mündet bei Emden in den Dollart (Nordsee); Teil des Dortmund-Ems-Kanals, Kanäle zu Weser, Elbe, Jadebusen und IJsselmeer.

Emscherbrunnen: (nach dem Fluss Emscher) von K. Imhoff 1906 entwickelte 2stöckige Kläranlage mit horizontal durchflossenem Absetzraum und darunterliegendem Schlammfaulraum; geeignet vornehmlich für kleine Anlagen.

Emser Depesche: Telegramm über eine Unterredung zwischen dem preußischen König Wilhelm I. und dem französischen Botschafter Benedetti vom 13.7. 1870 aus Bad Ems. Es wurde von Bismarck durch Kürzungen verschärft, dann veröffentlicht und bildete den Anlass zur Kriegserklärung Frankreichs an Preußen (Deutsch-Französischer Krieg 1870/71).

Emu, Dromaius novaehollandiae: etwa 1,5 m hoher und 50 kg schwerer, flugunfähiger Laufvogel der Steppen Australiens; das Männchen brütet allein in 56 Tagen das aus 7 bis 15 Eiern bestehende Gelege aus.

Emulator: Programm eines Rechenautomaten, das die Ausführung von Programmen, die für andere Rechenautomaten entwickelt worden sind, ermöglicht. Emulatoren werden häufig verwendet, um bestehende Programmbibliotheken bei der Umstellung auf neue, nicht kompatible Rechnersysteme weiter nutzen zu können.

Emulgatoren: grenzflächenaktive Stoffe, die das Entmischen einer Emulsion verhindern, indem ihre Moleküle mit dem lipophilen Bereich in die ölige und mit dem hydrophilen Bereich in die wässrige Phase eindringen und auf diese Weise die Grenzflächenspannung herabsetzen. Wichtige Emulgatoren sind Alkylsulfate, -sulfonate und auch Seifen. Sie sind zum Beispiel von Bedeutung bei der Herstellung von Plast- und Elastic Latices.

Emulsion: 1. Chemie: feine, meist kolloide Verteilung kleiner Flüssigkeitströpfchen (disperse Phase) in einer anderen Flüssigkeit (Dispersionsmittel). Die Herstellung einer Emulsion (Emulgieren) erfolgt zum Beispiel durch Schütteln zweier ineinander unlöslicher Flüssigkeiten, technisch mit Hilfe von Rührwerken, Vibratoren und Ultraschallgebern. Meist werden dabei Emulgatoren zugesetzt. Eine Emulsion ist umso stabiler, je kleiner die dispergierten Tröpfchen sind. Natürliche Emulsion sind zum Beispiel Milch und Kautschuklatex; künstliche Emulsion sind zum Beispiel Bohröle sowie viele Salben und Cremes. In der Lebensmittelchemie unterscheidet man die Wasser-in-Öl-Emulsion (Fett als äußere Phase, zum Beispiel bei Butter) und die Öl-in-Wasser-Emulsion (Wasser als äußere Phase, zum Beispiel bei Sahne). Siehe auch Emulsionspolymerisation.

2. Fototechnik: Film.

Emulsionslikör: feinstverteilte Mischung (Emulsion) aus Geschmacksstoffen, Alkohol, Zucker und Wasser, deren wertbestimmender Anteil aus tierischen oder pflanzlichen Produkten besteht (zum Beispiel Eierlikör).

Emulsionspolymerisation: Polymerisation in wässriger Emulsion des Monomeren. Das Monomere (zum Beispiel druckverflüssigtes Vinylchlorid) wird in der Regel in Wasser, das Emulgatoren, Katalysatoren und andere Zusätze gelöst enthält, emulgiert und erwärmt. Mit fortschreitender Reaktion entsteht eine haltbare Dispersion des Polymeren von sahneartiger Konsistenz mit Teilchendurchmessern von 0,002 bis 0,04 mm. Diese kann als solche verwendet werden (zum Beispiel Polyvinylazetat), oder das Polymere wird, insbesondere durch Sprühtrocknung, isoliert. Es ist häufig durch Emulgator Reste verunreinigt. Durch Emulsionspolymerisation wird vor allem PVC erzeugt.

Enanthem: Schleimhautausschlag, zum Beispiel in Mund, Nase und Rachen, dem Exanthem der Haut entspricht.

Enation: durch Chemikalien oder Virusinfektion bedingte Wucherung des Pflanzengewebes in Form blattähnlicher Adventivbildungen.

en avant: vorwärts!, voran!

en bloc: im Ganzen, insgesamt En-bloc-Abstimmung: Abstimmung über eine beziehungsweise mehrere Vorlagen oder die Zusammensetzung eines Gremiums in der Gesamtheit, im Unterschied zur Abstimmung über einzelne Punkte, Vorlagen oder Kandidaten.

en Canaille: niederträchtig (behandeln).

Enchyträen, Enchytraeus: bis 30 mm lange, weißliche Ringelwürmer (Wenigborster); leben in feuchter Erde, können in größerer Zahl Pflanzen (auch in Blumentöpfen) durch Besaugen der Wurzeln schädigen; Fischfutter.

Enclosure Bills, Bills for enclosures of Commons: britische Gesetze im 18./19. Jahrhundert, durch die die Einhegungen weitergeführt und Gemeindeländereien in Privateigentum der Gutsbesitzer verwandelt wurden. Die Enclosure Bills führten zum Ruin großer Bauernmassen und ihrer Verwandlung in «freie» Lohnarbeiter.

Encrinus: häufige Seelilie (Crinoide) der Trias mit rundem, langem Stiel und gespaltenen Armen.

Enddarm: letzter Darmabschnitt; wird bei Säugetieren und beim Menschen als Mastdarm bezeichnet.

Endecasillabo: (italienisch, «Elfsilbler») jambischer 5-hebiger Vers mit Auftakt, der im Italienischen wegen seiner weiblichen Kadenz immer 11 Silben hat, im Deutschen aber auch mit männlichen Kadenz nachgebildet worden ist und somit als 11- und als 10silbler vorkommt: Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen (Goethe). Der Endecasillabo wurde vorzugsweise für das Sonett und die Stanze gewählt.

Endell, August, 12. 4. 1871-13. 4. 1925, Architekt und Kunsthandwerker; gehörte zum Münchner Kreis des Jugendstils, der eine neuartige, von vegetabilen Formen ausgehende Ornamentik entwickelt hat. Endell schuf zahlreiche Wohnbauten in München und Berlin sowie Entwürfe für Möbel, Textilien und Schmuck.

Endemie: das immer wiederkehrende Auftreten einer Infektionskrankheit (zum Beispiel Scharlach) mit räumlicher Begrenzung. Bei Tieren als Enzootie bezeichnet. Siehe auch Epidemie, Epidemiologie, Infektionskrankheiten, Pandemie,

endemisch: einheimisch, heimisch; auf bestimmte (engbegrenzte) Gebiete beschränkt.

Endemiten: Arten von Pflanzen oder Tieren, deren Verbreitung auf ein nur kleines Gebiet beschränkt ist. Man unterscheidet zwischen Arten, die früher weit verbreitet waren, heute jedoch aus verschiedenen Ursachen nur noch Reliktvorkommen aufweisen (Relikt- oder Paläoendemiten), und Arten, deren Ausbreitung aus ihrem Entstehungsgebiet Schranken gesetzt waren (Neo-Endemiten); letztere finden sich besonders in Gebirgen und auf Inseln, zum Beispiel Darwinfinken auf den Galapagosinseln.

endergon: energieaufnehmend, endergone Prozesse sind alle energieverbrauchenden Syntheseprozesse im Stoffwechsel der Zelle (Anabolismus); sie werden durch die Spaltung energiereicher Verbindungen (ATP) ermöglicht.

elastische Fasern: Anatomie aus Mikrofibrillen und spezifische Glykoproteinen zusammengesetzte zugelastische Bindegewebefasern mit großer chemischer Widerstandsfähigkeit; kommen als fasernetze und gefensterte Membranen in vielen Organen (zum Beispiel Haut, Lunge, Blutgefäße) und Geweben (zum Beispiel Knorpel) vor.

elastisch: (lateinisch griechisch) federnd, nachgiebig, dehnbar; übertragen beweglich, anpassungsfähig.

Elastizität: Eigenschaft von Festkörpern, sich unter der Einwirkung von Kräften zu verformen, wobei beim Abschalten der Kräfte die Verformung sofort verschwindet und der ursprünglichen Formzustand wiederhergestellt wird. Alle Festkörper zeigen mehr oder weniger starke Abweichungen von diesem idealelastischen Verhalten, zum Beispiel bleibende Verformungen nach Aufhören der Krafteinwirkung, Bruch und innere Reibung.

Elastizitätsmodul: Beanspruchungs-Dehnungs-Diagramm, Hookesches Gesetz.

Elastizitätstheorie: Theorie von den durch Volumen- und Oberflächenkräfte in elastischen Stoffen erzeugten Deformationen und Spannungen, wobei der Stoff als Kontinuum betrachtet wird.

Eilat: Stadt im Süden Israels, am Golf von Akaba; 15000 Einwohner; wichtigster Erdölimporthafen des Landes, Pipeline nach Ashkelon, Ashdod, Tel Aviv und Haifa; NE-Metallurgie, Meerwasserentsalzung, Fischfang; internationaler Flughafen; Touristenzentrum, in der Nähe Kupferbergbau.

Elba: italienische Insel im Mittelmeer, vor der Toskana; bildet mit mehreren kleinen Inseln die Gruppe der Toskanischen Inseln; 223,5 km2, 40000 Einwohner; wichtigster Ort und Hafen Portoferraio; Eisenerzbergbau, Eisenverhüttung; Wein-, Oliven-, Feigen-, Obstbau; Fischerei, besonders Thunfisch und Sardinen; Seebäder; etruskischer Altertümer. Vom 3. 5. 1814 bis 26. 2. 1815 Verbannungsort Napoleons I. («Fürst von Elba»).

Elbasani: Kreisstadt in Albanien, am Shkumbini, am Fuße des Gebirges; 53000 Einwohner; Kupfer-, Eisenmetallurgie-, Zement-, Konserven-, Holz-, Tabakindustrie; Moscheen, türkische Festungsruinen; Eisenbahn nach Tirana und Durresi; in der Nähe Erdölförderung.

Elbe, tschechisch Labe: drittgrößter Strom und wichtige Binnenwasserstraße Mitteleuropas; 1165 km, Einzugsgebiet 144055 km2, ab Kolin auf 940 km schiffbar; entspringt im CSSR-Teil des Riesengebirges in 1400 m.

en détail: im kleinen, einzeln.

Endhaken: die um 180° umgebogenen Enden der Bewehrung im Stahlbeton.

Endhirn, Telencephalon: Abschnitt des Wirbeltiergehirns, der bei niederen Wirbeltieren vorwiegend im Dienst des Geruchsinnes steht, bei höheren Wirbeltieren differenzierte Funktionen übernimmt, beim Menschen die höchste Ausbildung erfahrt und zum Sitz des Bewusstseins und Denkens wird. Die durch Falten- und Furchenbildung charakterisierte Rinde (Cortex, graue Substanz) ist beim Menschen der dominierende Anteil, außerdem gehören zum Endhirn der größte Teil der Basalganglien, 2 Hohlräume (Seitenventrikel) sowie Nervenfasersysteme (weiße Substanz, zum Beispiel Balken), welche die beiden Hirnhälften (Hemisphären), einzelne Gebiete der gleichen Seite beziehungsweise andere Gehirnabschnitte. verbinden.

Endivie, Eskariol, Cichorium endivia: aus dem Mittelmeergebiet stammender Korbblütler, dessen junge gelbliche Blätter leicht bitter schmeckenden Salat oder Kochgemüse liefern.

endliche Menge: Menge, die aus endlich vielen Elementen besteht, das heißt deren Elemente Anzahl eine natürliche Zahl ist, zum Beispiel die Menge aller Jupitermonde.

Endliches und Unendliches: gegensätzliche, eine dialektische Einheit bildende Wesensmerkmale der objektiven Realität und ihrer Erkenntnis. Die unendliche Materie besteht nur in ihren der räumlichen und zeitlichen Existenz nach endlichen Erscheinungsformen, Objekten, Zuständen und Prozessen. Das Wesensmerkmal des Unendlichen der Materie besteht erstens darin, dass der materielle Zusammenhang in der Welt nirgends durchbrochen ist, das heißt die Materie ist ewig, unerschaffbar und unzerstörbar; überall und zu jeder Zeit wirken die ihr inhärenten Gesetze. Zweitens ist die Materie in den Eigenschaften und Beziehungen ihrer konkreten Erscheinungsformen unerschöpflich. Das menschliche Erkennen erfasst das Unendliche durch das Endliche. Es ist selbst eine Einheit von Endliches und Unendliches; es ist unendlich der Potenz nach, endlich in Bezug auf die jeweils begrenzten Erkenntnismöglichkeiten und -ergebnisse. Die philosophische Auffassung von der Unendlichkeit der Materie und einzelwissenschaftliche Unendlichkeitsbegriffe (zum Beispiel der Mathematik, der Kosmologie) dürfen nicht identifiziert werden.

Endmaß: Maßverkörperung, bei der das Maß durch den Abstand zweier Endflächen dargestellt wird. Nach der Endflächenform unterscheidet man Kugel-, Zylinder-, Parallel-Endmaß und Stichmaße.

Endo, Shusaku, geboren 27. 3. 1923, japanischer Erzähler; bekennt sich zu einem aktiven christlich beeinflussten Humanismus unter anderem in den Romanen «Meer und Gift» (1957, deutsch), «Schweigen» (1966, deutsch) und «Am Toten Meer» (1973), einer Christusgeschichte.

Endo Anästhesie: reversible Ausschaltung der Aktivität von Endo Rezeptoren (zum Beispiel Chemo-, Mechanorezeptoren) durch Injektion von Lokalanästhetika in die Blutbahn.

Endobios: Gesamtheit der Organismen, die im Inneren von Pflanzen und Tieren oder eines Substrates leben, zum Beispiel holzbewohnende Insekten, Pilze, Regenwürmer. Siehe auch Endozoen.

endogen: durch innere Ursachen entstehend. Geographie und Geologie auf erdinnere Kräfte, wie Magmatismus, Erdbeben und Tektonik zurückgehend. Siehe auch exogen.

Endokarditis: Herzinnenhautentzündung (Karditis). Endokard (lateinisch - griechisch): Herzinnenhaut.

endokrin: (griechisch) innersekretorisch, hormonal.

Endokrinologie: Lehre von der Tätigkeit der Drüsen mit innerer Sekretion (Hormon- beziehungsweise endokrine Drüsen), ihrer Kontrolle durch das Gehirn, insbesondere das Zwischenhirn, und der Hormonwirkungen im Organismus. Teilgebiete der Endokrinologie sind die experimentelle Endokrinologie, die klinische Endokrinologie unter anderem.

Endolymphe: Flüssigkeit, die das häutige Labyrinth des Innenohres ausfüllt.

Endometriose: Vorkommen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter, in der Gebärmuttermuskulatur, in anderen Organen oder Geweben. Die verlagerte Schleimhaut macht den Funktionsablauf der an normaler Stelle sich entwickelnden Gebärmutterschleimhaut mit. In den Endometrioseherden kommt es zyklisch zu Blutungen und Spannungsschmerzen.

Endometritis: Entzündung der Gebärmutterschleimhaut, entsteht meist durch von der Scheide aufsteigende Infektion (im Wochenbett, nach Fehlgeburt, bei Gonorrhoe), seltener durch Übergreifen von den Eileitern (Tuberkulose). Symptome der Endometritis sind Blutungen, leichte Temperaturerhöhung und Schmerzen.

Endometrium: Schleimhaut der Gebärmutter, die in Abhängigkeit vom Menstruationszyklus unterschiedlich ausgebildet ist.

Endomitose: Verdopplung beziehungsweise Vervielfachung der Chromosomen ohne Spindelbildung und Kernteilung; Tochterchromosomen verbleiben im Mutterkern (Polyploidie).

Endomixis: Kopulation von 2 Mikronuklei (Kleinkernen) derselben Zelle nach vorausgegangener Meiose (beim Pantoffeltierchen vorkommend).

endoplasmatisches Retikulum, Abkürzung ER: vernetztes System aus Röhrchen und abgeflachten Lamellen im Zytoplasma, deren Wandung von Elementarmembranen gebildet wird. Im Elektronenmikroskop unterscheidet man 2 Typen, glattes oder agranuläres endoplasmatisches Retikulum (vorwiegend in Zellen mit Lipidsynthese) und raues oder granuläres endoplasmatisches Retikulum (Ergastoplasma, überwiegend in Zellen mit intensiver Proteinsynthese); beide können auch nebeneinander in der gleichen Zelle Vorkommen. Das endoplasmatisches Retikulum dient vor allem dem intrazellulären Transport synthetisierter Produkte.

Endoprothese: Ersatzstück aus Fremdmaterial (Metall, Kunststoff, Keramik) für ein Organteil; angewendet als Ersatz von Gelenkteilen oder ganzer Gelenke, besonders Hüft- und Kniegelenke, und von Arterien.

Endoskopie: Betrachten von Körper- und Organhöhlen nach dem Einfuhren röhrenförmiger Geräte, die Lichtquellen und optische Systeme tragen. Diese Endoskope ermöglichen außerdem das Spülen der Höhlen und mit Hilfe eingeführter Instrumente kleinere operative Eingriffe und Probeentnahmen verdächtiger Gewebe zur Untersuchung. Durch die Endo Fotografie werden Befunde dokumentiert. Besondere Formen der Endoskopie sind Zystoskopie (Harnblase), Rektoskopie (Mastdarm), Laparoskopie (Bauchhöhle), Thorakoskopie (Brusthöhle), Gastroskopie (Magen), Bronchoskopie (Luftröhre und ihre Äste), Ösophagoskopie (Speiseröhre), Kolposkopie (Gebärmuttermund und Scheidengewölbe). Die entsprechend Geräte werden als Zystoskop, Rektoskop und so weiter bezeichnet.

Endothel: (griechisch) innere Zellauskleidung des Herzens sowie der Blut- und Lymphgefäße,

endotherm: (griechisch) wärmeaufnehmend.

Endoxydation: gemeinsamer Endweg des oxydativen Abbaus biochemischen Verbindungen in der Zelle durch Zitronensäurezyklus und Atmungskette zu Kohlensäure und Wasser unter Energiegewinn.

Endobionten, Endozoen: Mikroben, die im Innern (in Geweben) von Pflanzen und Tieren leben. Wohnen sie in Hohlräumen ihrer Wirte, bezeichnet man sie als Mesobionten. Siehe auch Kommensalismus, Schmarotzer.

Endozytose: Aufnahme von Stoffen über bläschenförmige Einstülpungen der Zellmembran. Bei der Phagozytose werden feste Partikeln, zum Beispiel Bakterien, in größeren Bläschen (Vakuolen), bei der Pinozytose kolloidale oder gelöste Substanzen in kleinen Vesikeln aufgenommen.

Endprodukt: 1. Endprodukt, volkswirtschaftliches Endprodukt: Teil des gesellschaftlichen Gesamtprodukts (Nationaleinkommen plus Amortisationsfonds), Wert des gesellschaftlichen Gesamtprodukts minus Wert der verbrauchten Arbeitsgegenstände, den die Gesellschaft für die individuelle Konsumtion der Werktätigen, für die gesellschaftliche Konsumtion, für den Ersatz der verbrauchten und für neue Arbeitsmittel zur Erweiterung der Produktion im Verlauf eines Zeitabschnittes (Jahr) herstellt.

2. für den Endverbraucher bestimmtes Erzeugnis (Produktionsmittel, Konsumgut), das ohne weitere Verarbeitungsstufen unmittelbar in die Konsumtion eingeht.

Endproduktion: letzte Stufe des arbeitsteiligen Produktionsprozesses, in der das Endprodukt fertiggestellt wird. Nach der Endproduktion kann das hergestellte Erzeugnis direkt seiner Zweckbestimmung (unproduktive oder produktive Konsumtion, Export) zugeführt werden. Von entscheidender Bedeutung für die Endproduktion ist die planmäßige Gestaltung der Kooperation mit den Zulieferbetrieben. Erzeugnisqualität, Preise, Menge und Sortiment der Endprodukte werden maßgeblich von den Zulieferbetrieben der einzelnen Produktionsstufen bestimmt.

Endung: Laut beziehungsweise Lautgruppe, die bei der Flexion an den Stamm des Wortes tritt und die grammatische Kategorien wie zum Beispiel den Kasus ausdrückt. Enduro (spanisch) n, früher Leistungsprüfungssport, Motorradgeländesport: Motorrad-Zuverlässigkeitswettbewerb, der in verschiedenen Klassen (Klasse 5) mit polizeilich zugelassenen Fahrzeugen, an denen bestimmte Teile plombiert sind, über einen oder mehrere Tage auf einem markierten Rundkurs mit unterschiedlicher Geländeschwierigkeiten, Sonderprüfungen und vorgegebenen Fahrzeiten ausgetragen wird. Für Verstöße beziehungsweise Nichteinhaltung der Regeln und Fahrzeiten erhalten die Fahrer Strafpunkte. Die Sonderprüfungen werden für den besten Fahrer mit 0, jede weitere Sekunde mit 1 beziehungsweise 5 Strafpunkten bewertet. Europameisterschaften (für Einzelfahrer) seit 1968, Weltmeisterschaften (für Mannschaften) seit 1981 (seit 1971 inoffiziell).

Endurteil: Urteil im Zivilprozess, das über die Klage oder das Rechtsmittel endgültig entscheidet. Es ergeht entweder über den gesamten Anspruch (Vollurteil) oder über einen Teil desselben (Teilurteil). Das abschließende Endurteil nach einem Teilurteil heißt Schlussurteil.

Endymion, in der griechischen Sage der schöne Geliebte der Göttin Selene, dem Zeus ewigen Schlaf in Jugend und Schönheit gewährte.

Energetik: 1. Energetik, Energietechnik: bedeutsamer Zweig der Technik, der sich mit den technischen und wirtschaftlichen Problemen der Gewinnung, Aufbereitung, Umwandlung, Speicherung, des Transports, der Verteilung und Anwendung aller Energieformen der verschiedensten Energieträger (zum Beispiel Elektrizität, Kohle, Erdöl, Kraftstoff, Erd- und Ferngas, Dampf, Kernspaltstoffe) beschäftigt. Der ständig steigende Bedarf an Energie besonders infolge des Wachstums der Industrie und fortschreitender Automatisierung erfordert eine Energetisierung, die hauptsächlich darin besteht, neue Energiequellen zu erschließen und rationellere Arbeitsmethoden in der gesamten Energiewirtschaft anzuwenden. Verbraucherseitig steht der rationelle Energieeinsatz im Vordergrund.

2. Philosophie: Energetismus.

energetische Futtereinheit, Abkürzung EF: Futter- oder Nährstoffmenge, die einen Zuwachs an Körperenergie von 10,46 kJ (Wiederkäuer) oder 14,65 kJ (Schweine und Geflügel) erzeugt.

Energetismus, Energetik (griechisch): von W. Ostwald begründete philosophische Lehre, die Materie und Bewusstsein als Erscheinungsformen der Energie erklärt. Lenin wies in «Materialismus und Empiriokritizismus» (1909) nach, dass der Energetismus zum subjektiven Idealismus führt.

Energie: 1. allgemein Willensstärke, Tatkraft; Nachdruck.

2. Physik: Arbeitsvermögen, gespeicherte Arbeit; Zeichen W oder E, SI-Einheit Joule (J). Gemäß der Einteilung physikalischer Systeme tritt die Energie in verschiedenen Formen auf (mechanische, elektrische, magnetische, thermische Energie). In einem abgeschlossenen System ist die Gesamtenergie konstant, die verschiedenen Energieformen können sich nur ineinander umwandeln (Satz von der Erhaltung der Energie, Energiesatz). Die Energie eines Systems kann sich nur dadurch ändern, dass Energie (zum Beispiel in Form von Arbeit oder Wärmeenergie) zu- oder abgeführt wird (siehe auch Hauptsätze der Thermodynamik). Mechanische Energie tritt als kinetische und potentielle Energie auf. Ein sich mit der Geschwindigkeit v bewegender Massenpunkt der Masse m hat die kinetische Energie; sein Zuwachs an potentieller Energie beim Anheben um die Höhe h gegen die Schwerkraft der Erde beträgt = mgh (g Fallbeschleunigung); siehe auch Potential. Bei Massenpunktsystemen setzt sich die Energie aus den Energien der einzelnen Massenpunkte und den Wechselwirkungsenergie additiv zusammen. Die kinetische Energie starrer Körper kann in Translations- und Rotationsenergie zerlegt werden. Die thermische oder Wärmeenergie ist die in der ungeordneten Wärmebewegung der Teilchen (Atome, Moleküle, Elektronen) gespeicherte Energie eines thermodynamischen Systems (innere Energie). Die Energiedichte des elektrischen Feldes ist w = ED/2 (E elektrische Feldstärke, D elektrische Flussdichte). Die Energie eines elektrostatischen Feldes ist als potentielle Energie im Feld gespeichert; für einen metallenen Leiter beträgt sie W = QU/2, wobei Q die elektrische Ladung auf dem Leiter und U das dort konstante Potential ist. Die von einem elektrischen Gleichstrom erzeugte Wärmeenergie ist Ult mit Spannung U, Stromstärke I und Zeitdauer t. Die magnetische Energie ist durch die Energiedichte w = BH/2 gegeben (B magnetische Flussdichte, H magnetische Feldstärke). Infolge elektromagnetischer Induktion kann magnetische in elektrischen Energie umgewandelt werden. Die Energie eines physikalischen Systems ist vom Bezugssystem abhängig; invariant ist nur seine Ruhenergie (Relativitätstheorie). Siehe auch Bindungsenergie, Kernenergie.

Energieeinheit: Maßeinheit der Energie; SI-Einheit ist das Joule (benannt nach J. Joule), Zeichen J. 1 J = 1 N • m (Newtonmeter) — 1 W • s (Wattsekunde) = 1 m2 • kg s-2. Von den Sl-fremden Energieeinheit sind die Wattstunde (W h oder Wh) und ihre Vielfachen Kilowattstunde, Megawattstunde und so weiter gültig, in der Atom- und Kernphysik außerdem das Elektronenvolt. Die veraltenden, im amtlichen und rechtsgeschäftlicher Verkehr seit 1.1. 1980 ungültigen Energieeinheit Kilopondmeter, Erg und Kalorie sind allgemein durch das Joule zu ersetzen.

Energiefluenz: Summe der Energien aller Teilchen (Quanten) einer ionisierenden Strahlung, die die Querschnittsfläche einer Kugel passieren, dividiert durch die Querschnittsfläche; SI-Einheit J/m2.

Energiekrise: als Teil der allgemeinen Krise des Kapitalismus seit Anfang der 70er Jahre offen zutage tretende Strukturkrise, die sich in wachsenden Disproportionen zwischen Produktion und Verbrauch an Energie und Energieträgern in kapitalistischen Staaten äußert. Die Energiekrise ist nicht Auswirkung eines allgemeinen Energiemangels oder der angeblich weltweiten Erschöpfung der Energieressourcen, sondern das Resultat der vom Profitstreben bestimmten Strategie der Monopole, den Energiebedarf der kapitalistischen Industrieländer vorwiegend «aus billigen, importierten flüssigen Brennstoffen hauptsächlich aus Entwicklungsländern zu decken und in diesem Zusammenhang die einheimische Entwicklung der Energiebasis künstlich zu drosseln. Ausgelöst wurde die Energiekrise durch die sprunghafte Verteuerung des Erdöls in den 70er Jahren (der Preis je Barrel Erdöl stieg von durchschnittlich 1,35 Dollar 1970 auf 32 Dollar 1980). Mit dieser Maßnahme widersetzten sich die in der OPEC zusammengeschlossenen erdölexportierenden Länder erfolgreich der Ausplünderung ihrer nationalen Reichtümer durch die Industrieländer. Der Versuch der Monopole, die Lasten der Energiekrise auf die Werktätigen als Verbraucher und Steuerzahler abzuwälzen, stößt in den imperialistischen Ländern auf wachsenden Widerstand der Volksmassen und verschärft so die Klassenwidersprüche im Kapitalismus.

Energiemaschine: Kraftmaschine (Dampfmaschine, Turbine, Verbrennungsmotor), gekuppelt mit elektrischen oder MHD-Generator zur Umwandlung von Primär in elektrischer Energie.

Energieniveau, Energieterm: Kennzeichnung der Energie, die ein quantenmechanisches System (Kern, Atom, Molekül, Festkörper) haben kann. Die Energieniveaus liegen im Allgemeinen diskret (siehe aber Bändermodell); die Abstände zwischen ihnen entsprechenden Energiequanten. Die graphische Darstellung der Energieniveaus heißt Energieniveauschema oder Termschema.

Energiequant: kleinste Energiemenge, die ein quantenmechanisches System (Energieniveau) bei Zustandsänderungen aufnehmen beziehungsweise abgeben kann, wobei elektromagnetische oder Teilchenstrahlung absorbiert beziehungsweise emittiert wird.

Energiespeicher: Einrichtung oder Anlage zum Speichern von Energie (Druckluft-Energiespeicher, Heißwasser-Energiespeicher, Elektro-Energiespeicher). Energiespeicher für Elektroenergie sind Akkumulator, Kondensator und Spule.

Energieträger: Stoffe, deren Energiegehalt nutzbar gemacht werden kann, sowie Medien zum Speichern oder Fortleiten von Energie. Primär-Energieträger sind Kernbrennstoff, Kohle, Erdöl, Erdgas, Wasser- und Windkraft, auch Erdthermen, wie Geysire und Dampfquellen. Sekundär-Energieträger sind Briketts, Koks, Erdöl- und Erdgasprodukte, Elektrizität u. ä. Hierzu zählen auch die Zwischen-Energieträger, wie Dampf, Edelgase, Druckluft.

Energieverbrauchsnorm: betriebliche Kennziffer, die den maximalen technisch-ökonomisch begründeten Energieverbrauch zur Herstellung eines Erzeugnisses oder einer Leistungseinheit nach Menge und Kosten bei Gewährleistung einer für den Verwendungszweck bestimmten Gebrauchseigenschaft ausdrückt.

Energievernichter: bauliche Einrichtung an Wehren, Wasserschlössern, Gerinnen unter anderem, die die Verringerung der Energie des abfallenden oder abschießenden Wassers bewirkt und so die Unterwassersohle vor Zerstörung schützt. Siehe auch Tosbecken.

Energiewirtschaft: Gesamtheit der Elektroenergie- und Gasversorgung, der Fernwärmeversorgung durch Abgabe von Dampf, Heiß- und Warmwasser sowie aller Maßnahmen zur wirtschaftlichen Anwendung aller Energieträger. Die Energiewirtschaft gewinnt mit zunehmendem wissenschaftlichem-technischem Fortschritt schnell weiter wachsende volkswirtschaftliche Bedeutung; ihre Aufgaben in der DDR bei der Sicherung der planmäßigen Energieversorgung der Volkswirtschaft werden in enger Arbeitsteilung und Kooperation mit der UdSSR und weiteren sozialistischen Ländern über den Prozess der sozialistischen ökonomischen Integration gelöst.

Enescu, George, 19.8.1881-4.5.1955, rumänischer Komponist, Violinist und Dirigent; hatte entscheidenden Anteil an der Entwicklung einer nationalen rumänischen Kunstmusik, der er durch sein künstlerisches Wirken im Ausland zu Anerkennung verhalf; schrieb von der Folklore ausgehende Instrumentalwerke («Rumänische Rhapsodien»), Lieder und eine Oper.

en famille: in der Familie; in engem, vertrautem Kreise, unter sich.

Enfant terrible: (französisch, «schreckliches Kind») jemand, der durch unüberlegte Offenheit seine Umgebung in Verlegenheit bringt.

Engagement: 1. allgemein Anstellung; Verpflichtung; Parteinahme, persönlicher Einsatz.

2. Theater: vertraglich fixiertes Arbeitsverhältnis zwischen Theater oder anderer Kunstinstitution und künstlerischer Mitarbeiter.

Engel: (lateinisch griechisch, «Bote») im Christentum und in einigen anderen Religionen überirdische Wesen, Diener der Gottheit und Vermittler zwischen ihr und den Menschen.

Engelbrekt Engelbrektsson, um 1400-1436 (ermordet), schwedischer Bergmann; Führer des Bauernaufstandes 1434/36 gegen die zentralistischen Politik Eriks XIII. und die feudalen Ausbeutungsmethoden; brachte den größten Teil des Landes in seine Gewalt. Nach seiner Ermordung wurde der Aufstand niedergeschlagen.

Engelke, Gerrit, 21. 10. 1890-13. 10. 1918, Dichter; gestaltete ohne Bindung an das klassenbewusste Proletariat in expressiven Gedichten mit religiöser Tendenz Themen der Arbeit, Industrie und Großstadt («Rhythmus des neuen Europa», 1921).

Engelsburg: Grabmal, das sich Kaiser Hadrian 138 als Mausoleum in Rom am Tiber errichten ließ; diente seinen Nachfolgern bis Caracalla als Begräbnisstätte. Die ursprüngliche Gestalt des nach etruskischem Vorbild kegelförmig errichteten Hügels wurde im Mittelalter durch Ausbau zur Festung verändert. Deren Bekrönung mit der Statue des Erzengels Michael gab ihr den heutigen Namen.

Engerling: weißliche Larve der Schröter, Blatthorn- und Mistkäfer mit dickem, gekrümmtem Hinterleib; lebt in Erde, Kot, Mulm; zum Teil schädlich an Pflanzenwurzeln.

Enge-Verfahren: (nach dem Erfinder) Verfahren zur Plastizierung der Interzellularsubstanz von Schleifholz durch Vorbehandlung (6...8 h) in Wasser von > 100°C unter Druck, um Heli gefärbten Holzschliff mit der hohen Festigkeit des Braunschliffs zu erhalten.

Engführung: musikalisches Mittel der Ausdruckssteigerung durch konzentrierte imitierende Themendurchführung, wobei das Thema in einer Stimme ansetzt, bevor es in der anderen verklungen ist; häufiges Steigerungsmittel in der Fuge.

Engishiki: («Zeremoniell der Engi-Zeit») shintoistisches Ritualbuch aus dem 10. Jahrhundert, bis heute Grundlage des Kultes.

englische Komödianten: Wandertruppen englischer Berufsschauspieler, die im 16./18. Jahrhundert in Deutschland unter anderem europäischen Ländern auftraten und englische Dramen (besonders Shakespeare) in oft vergröberten Fassungen spielten. Aus ihnen gingen die ersten deutschen Wandertruppen hervor.

englische Sprache: westgermanische Sprache, die auf Dialekte der Angeln, Sachsen und Jüten, die um 450 England besiedelten, zurückgeht. Die normannische Eroberung (1066) brachte starken französischen Einfluss. Die Entwicklungsperioden der englischen Sprache sind Altenglisch oder Angelsächsisch (700/1100), Mittelenglisch (1100/1400) und Neuenglisch (seit 1400). Mit dem Ausbau des britischen Weltreichs erlangte die englische Sprache Weltgeltung und ist heute die verbreitetste internationale Verkehrssprache, besonders in Wissenschaft und Technik. Das amerikanische Englisch weicht zum Teil stark vom britischen Standard ab.

Englischhorn: Holzblasinstrument; eine Oboe tieferer Stimmung mit birnenförmigem Schallbecher.

Engmaulfrösche, Microhylidae: Familie der Froschlurche mit spitzem Kopf und kleinem Maul; ernähren sich vorwiegend von Ameisen und Termiten; bewohnen Südostasien, Afrika, Amerika und Nordaustralien.

Engobe: dünner Überzug aus tonhaltiger Masse zum Veredeln der Oberfläche keramischer Erzeugnisse.

Engramm: (griechisch «Inschrift») Gedächtnisspur. Gedächtniseindruck, der durch Sinneseindrücke beziehungsweise Empfindungen zustande kommt.

en gros: im großen; im Großhandel.

enigmatisch: rätselhaft, dunkel.

Eniwetok: Atoll mit etwa 40 kleinen Inseln der Ralikgruppe im Bereich der Marshallinseln, im Stillen Ozean (Mikronesien); unbewohnt. Gehört seit 1947 zum UN-Treuhandgebiet der USA, die auf Eniwetok am 1.11.1952 die erste Wasserstoffbombe zündeten.

Enjambement: Versbrechung, Übergreifen des Satzes und des Sinnes von einer Verszeile (oder Strophe) auf die folgende. Das Enjambement dient vor allem der variableren rhythmischen Gestaltung der Versfolge.

Enkaustik: (griechisch, «Einbrennen») 1. Maltechnik des Altertums. In Wachs gelöste Farben werden heiß aufgetragen. Enkaustische Farben leuchten kräftig und sind gegen Feuchtigkeit unempfindlich.

2. Imprägnierung von Marmor- und Gipsbildwerken, um sie zu konservieren und ihre Oberfläche geschmeidiger wirken zu lassen.

Enklave: (französisch, «Einschluss») ein vom Territorium des eigenen Staates eingeschlossener Teil des Territoriums eines anderen Staates. Die Enklave ist vom. anderen Staat ausgesehen eine Exklave.

Enklise: Anlehnung eines unbetonten Wortes an das ihm vorausgehende, zum Beispiel gehste (gehst du), lateinisch -que (und).

Enlil, («Herr Wind») Hauptgott der Sumerer; ursprünglich wohl Sturm- und Wettergott, später vor allem als Gebieter über das Schicksal bekannt.

en masse: massenhaft, in großer Menge.

en miniature: in kleinem Maßstab, im Kleinen.

Ennedi: stark zerschnittene, aus Sandstein aufgebaute Schichtstufenlandschaft im Nordosten von Tschad, in der Sahara; höchste Erhebung Basso Plateau (1450 m); zeitweilig Niederschlag; Viehhaltung.

Enniatine: von pflanzenpathogenen Pilzen (Fusarium-Arten) gebildete zyklische Peptide, die als Hemmstoffe gegen säurefeste Bakterien, einige Pilz- und Protozoen Arten wirken können.

Ennius, Quintus, 239-169 vor Christus, römischer Dichter, bedeutendster der archaischen Zeit; sein Hauptwerk, die «Annales» (Jahrbücher) waren bis zu Vergils «Äneis» das Nationalepos der Römer.

Enns: 1. Enns: rechter Nebenfluss der Donau; 254 km; entspringt in den Niederen Tauern (Österreich); durchbricht im 16 km langen Gesäuse zwischen Admont und Hieflau die Ennstaler Alpen, mündet unterhalb von Enns an ihrem Lauf zahlreiche Wasserkraftwerke und die Industriestadt Steyr.

2. Stadt in Oberösterreich, nahe der Mündung der Enns 1 in die Donau; 10000 Einwohner; Maschinenbau, Eisengießerei, Leichtindustrie; mittelalterliches Stadtbild mit Stadtturm, Schloss Ennsegg (16. Jahrhundert); im nahegelegenen Kloster St. Florian Handschriftensammlung.

Enolase: (Kunstwort) Enzym der Glykolyse, das die reversible Dehydratisierung der 2-Phosphoglyzerinsäure zu Phosphoenolbrenztraubensäure katalysiert.

Enole: (Kunstwort) chemische Verbindungen mit einer Hydroxylgruppe an einem doppelt gebundenen Kohlenstoffatom. Enole stehen meist im Gleichgewicht mit tautomeren Ketonen der Formel R-CH2-CO-R.

Enophthalmus: durch Erkrankung der Augenhöhle bedingtes Einsinken des Augapfels.

Enosis: (griechisch «Vereinigung», «Einheit») Bestrebungen großer Teile der griechisch-zyprischen Bevölkerung nach Vereinigung mit Griechenland. Zunächst Ausdruck des Ringens um nationale Selbstbestimmung im Kampf gegen das Osmanische Reich und gegen die britische Kolonialmacht. Nach Gründung der Republik Zypern I960, aber insbesondere nach dem faschistischen Militärputsch in Griechenland 1967 in zunehmendem Maße von Imperialistischen Mächten und reaktionären nationalistischen Kräften auf Zypern und in Griechenland zur Unterhöhlung der Unabhängigkeit missbraucht. Nach dem Putsch der griechisch-zyprischen Nationalgarde vom 15. 7. 1974 von Chauvinistischen Kreisen türkischer Zyprer und der Türkei als Vorwand zur Verwirklichung eigener Ziele genutzt,

en passant: 1. allgemein im Vorübergehen; beiläufig, nebenbei.

2. Schach: Sonderfall, einen Bauern zu schlagen, der aus der Grundstellung 2 Felder vorgerückt ist und neben einen gegnerischen Bauern zu stehen kommt. Dieser darf ihn im nächsten Zug schlagen, als ob er nur 1 Feld gezogen hätte.

Enquete: Untersuchung, Ermittlung, Umfrage; Form der Feststellung von Tatsachen und Meinungen zu bestimmten Vorgängen. In bürgerlichen Verfassungen ist im Allgemeinen ein Enqueterecht des Parlaments vorgesehen, um durch parlamentarische Untersuchungsausschüsse bestimmte Handlungen der Regierung nachzuprüfen. In der DDR bedürfen Enqueten der Genehmigung durch die staatliche Zentralverwaltung für Statistik.

Enragés: (französisch, «Wütende») Gruppe radikaler Volksagitatoren während der Franzos. Revolution. Die Enragés verlangten unter anderem die Festsetzung von Höchstpreisen für Bedarfsgüter und Lebensmittel, das Verbot der Spekulation und die Todesstrafe für Spekulanten und Hamsterer sowie umfassende politische Mitbestimmung der Volksmassen («direkte Demokratie»), Anstelle der formalen bürgerlichen Gleichheit aller vor dem Gesetz forderten sie die tatsächliche politische Gleichheit durch Herbeiführung sozialer Gerechtigkeit. Die Jakobiner, die zum Teil Forderungen der Enragés aufgriffen, zerschlugen im September 1793 diese linke, selbständige Gruppierung der Volksbewegung.

Ensemble: 1. mehrteilige, in sich nach Farbe, Musterung und Material abgestimmte Bekleidung.

2. Gemeinschaft aller an einem Theater oder einer seiner Sparten (Schauspielensemble, Opernensemble und so weiter) engagierten beziehungsweise in einer Inszenierung mitwirkenden Theaterschaffenden. Das Ensembleprinzip ist die Basis für realistische Theaterkunst.

3. Ensemble, Kulturensemble, Volkskunstensemble: Berufs- oder Laienkünstlerkollektiv, das neben musikalischen tänzerischen Elementen auch andere Kunstgattungen einbezieht.

Ensinger, Ulrich, Ulrich von Ensingen, um 1350-10.2. 1419, Baumeister; einer der bedeutendsten Werkmeister der Spätgotik; 1392/1417 leitender Meister am Ulmer Münster, 1399/1417 baute er das Oktogon des Straßburger Münsterturms.

Ensor, James, 13. 4. 1860-19.11. 1949, belgischer Maler und Graphiker, malte symbolistisch beeinflusste, die gesellschaftliche Realität negierende gespenstische Traumvisionen in strahlender Farbigkeit.

en suite: Bezeichnung für die Praxis am Theater, eine Inszenierung in ununterbrochener Folge täglich bis zur Absetzung zu spielen (Serientheater), im Unterschied zum Theater mit wechselndem Spielplan (Repertoiretheater).

Entaktivierung: Entfernen radioaktiver Stoffe von der Oberfläche aktivierter Gegenstände oder aus (wichtigen) aktivierten Geländeabschnitten; erfolgt, nach Feststellung des Grades und Ausmaßes der Aktivierung, mechanisch oder chemisch-physikalisch durch Abstauben, Abtragen oder Abwaschen und Abbrausen mit waschaktiven Lösungen oder Lösungsmitteln; kann mit Unterstützung der Truppen der chemischen Abwehr durchgeführt werden.

Entartung: 1. Pflanzenzüchtung: Degeneration.

2. Physik: Auftreten mehrerer linear unabhängiger Eigenfunktionen eines quantenmechanischen Systems (Kern, Atom, Molekül, Festkörper), die alle zum gleichen Eigenwert, zu einem festen Energieniveau, gehören. Entartung weist auf bestimmte Symmetrien des Systems hin; wegen der Rotationssymmetrie des Wasserstoffatoms zum Beispiel ist dort bei fester Energie und festem Bahndrehimpuls die Entartung mindestens (2 / + 1)fach. Bei Systemen identischen Teilchen tritt eine Austausch-Entartung auf. Siehe auch Austauschwechselwirkung, Gasentartung.

Entaschungsanlage: Einrichtung zum maschinellen Entfernen von Asche und Schlacke aus Staub- und Rostfeuerungsanlagen sowie von anfallendem Staub aus Entstaubungsanlagen. Der Transport erfolgt durch mechanische Förderer (zum Beispiel Trogkettenförderer) oder pneumatische beziehungsweise hydraulische Fördereinrichtungen.

Entastungsmaschine: motorbetriebene Maschine zum Abtrennen der Äste vom Stamm mittels aktiver Schneidwerkzeuge oder durch Abscheren in mit Stahlleisten besetzten Trögen.

Entblättern: Entfernen der Blätter von Gehölzen, die zum Verkauf bestimmt sind, um das Schrumpfen des Holzes infolge von Wasserverdunstung zu verhindern.

Entchristlichung, Entchristianisierung: politisch-ideologischer Form des Terrors während der Französischen Revolution mit antiklerikalem und teilweise antireligiösem Inhalt; ursprünglich von Vertretern der äußersten Linken als Waffe im Kampf gegen die von Priestern unterstützte Konterrevolution gedacht. Da die überwiegende Mehrheit vor allem der ländlichen Bevölkerung dem katholischen Glauben verbunden blieb und so die Gefahr einer Spaltung des revolutionären Lagers entstand, wurde die Entchristlichung nach anfängliche Duldung durch Jakobiner und Konvent Ende 1793/Frühjahr 1794 abgebremst; einige ihrer Wortführer wurden hingerichtet. Sie wurde von der europäischen Reaktion genutzt, um ihre Völker politisch zum Kampf gegen das «gottlose» Frankreich zu motivieren.

Ente: 1. Journalistik: Falschmeldung oder Lüge (Zeitungsente). Die Bezeichnung entstand wahrscheinlich aus dem früher bei Behörden üblichen Vermerk «n. t.» (non testatum = nicht überprüft).

2. Medizin: bauchige Harnflasche mit flachem Boden für bettlägerige Männer.

3. Zoologie: Enten.

Entebbe: Stadt (Provinzzentrum) in Uganda, am Nordufer des Victoriasees; 25000 Einwohner; Präsidentensitz; Hafen, internationaler Flughafen; Technikum, Virusforschungs-, Veterinärmedizinisches Institut; Museen; botanischer Garten.

Enteignung: 1. politische Ökonomie: revolutionäre Maßnahme der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten beim Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus zur ökonomischen und politischen Entmachtung der Ausbeuterklasse durch entschädigungslosen Entzug des Eigentumsrechts an Produktionsmitteln und Übergabe dieses Rechts an die Diktatur des Proletariats. Durch Enteignung werden die wichtigsten Produktionsmittel in gesellschaftlichem Eigentum übergeführt.

2. Staatsrecht: im gesamtgesellschaftlichen Interesse notwendiger, auf gesetzliche Grundlage vorgenommener Entzug des Eigentumsrechts durch den sozialistischen Staat. Nach der Verfassung der DDR ist eine Enteignung nur für gemeinnützige Zwecke auf gesetzliche Grundlage und gegen angemessene Entschädigung zulässig. Sie darf nur erfolgen, wenn auf andere Weise der angestrebte gemeinnützige Zweck nicht erreicht werden kann.

Enteisung: Beseitigung von Eisansatz beziehungsweise Verhinderung der Eisbildung an solchen Flugzeugteilen, wo sie die Flugsicherheit gefährdet, wie Tragflächen-, Leitwerk- und Luftschraubenvorderkanten, Filtern, Staurohren, Stutzen. Die zur Enteisung notwendigen Mittel sind Enteisungsanlagen, die auf der Grundlage thermischer, mechanischer oder elektrischer Prinzipien funktionieren. Außerdem gibt es Enteisung mit Flüssigkeiten (zum Beispiel Alkohol).

Entelechie: auf Aristoteles zurückgehender Begriff der idealistischen Philosophie für eine im Stoff, insbesondere im lebenden Organismus wirkende formgebende, zielstrebige Kraft, die die Möglichkeit erst zur Wirklichkeit werden lasse. Siehe auch Teleologie.

Entelektrisierung: Schwächung eines elektrischen Feldes in einem Dielektrikum infolge der elektrischen Polarisation; entspricht der Influenz bei Metallen, bei denen infolge vollständiger Ladungstrennung das Feld im Innern gleich Null wird. Siehe auch Entmagnetisierung.

Enten: Gruppe der Entenvögel mit Seihschnabel. Gründel- oder Schwimmenten suchen ihre Nahrung durch Gründeln, das heißt Schnabelsuchen und Wassertreten am Boden von Flachwasserzonen; hierzu die heimische Stockenten (Märzenten, Anas platyrhynchos), unsere häufigste Enten, das Männchen mit grünem Kopf und weißem Halsring, die nur halb so große Krickenten (A. crecca) und die breitschnäblige Löffelenten (A. elypeata). Tauchenten tauchen in größere Tiefen, ausnahmsweise bis 30 m; hierzu die in Baumhöhlen brütende Schellenten (Bucephala clangula), an nördlichen Meeresküsten die Eisenten (Clangula hyemalis), deren Männchen im Prachtkleid einen langen Schwanzspieß besitzt, und die wegen ihren Nestdaunen bekannte Eiderenten (Somateria mollissima). Fast alle Rassen der Hausenten stammen von der Stockenten ab; nach den Zuchtzielen werden Mastenten (Amerikanische und Deutsche Pekingenten, Aylesburyenten, Rouenenten) und Legeenten (Laufenten, Khaki-Campbellenten) unterschieden; besonders verbreitet sind die Mastrassen. In der DDR wird Herdbuchzucht nur bei der Amerikanischen Pekingenten betrieben. Die Zahl der Legeenten ist zurückgegangen, da festgestellt wurde, dass Enteneier Träger von Paratyphuserregern sein können, ihr Verkauf als Nahrungsmittel ist daher in der DDR verboten. Im Großbetrieb ist die Entenmast vorwiegend eine Schnellmast, bei der die Tiere im Alter von etwa 8 Wochen eine Körpermasse von 2,5 bis 3,0 kg erreichen. Bei der Zucht paart man einen Erpel mit 4 bis 6 Enten.

Entenmuscheln, Lepadidae: Familie mariner Rankenfußkrebse mit 320 Arten; Körper muschelähnlich mit elastischen Stiel, setzen sich damit an Steinen, Treibgut und Schiffen fest; Plankton-, vereinzelt auch Detritusfresser; in der Nordsee 3 bis 10 cm große Arten. Siehe auch Rankenfußkrebse.

Entenvögel, Anatidae: Schwimmvögel mit Schwimmhäuten zwischen den Vorderzehen und Hornlamellen im breiten Schnabel; hierzu Enten, Gänse, Säger, Schwäne.

enteral: den Darm beziehungsweise die Eingeweide betreffend.

Enterbung: ausdrückliche oder stillschweigende Ausschließung eines gesetzlichen Erben von der Erbfolge durch Testament. Bei Enterbung entstehen Ansprüche auf den Pflichtteil stets für den Ehegatten; für Kinder, Enkel und Eltern des Erblassers nur, falls sie unterhaltsberechtigt sind.

Enteritis: Darmentzündung, insbesondere des Dünndarms.

Entern: 1. Erklettern der Takelung eines Schiffes.

2. frühere Bezeichnung für das Erstürmen eines feindlichen Schiffes.

Enterogastron: Gewebshormon der Dünndarmschleimhaut, das die Magensekretion und -motilität hemmt.

Enterokinase: von den Duodenaldrüsen abgesonderte Protease, die für die Aktivierung von Trypsin im Darmlumen von Bedeutung ist.

Entertainer: vielseitiger Unterhaltungskünstler, der viele Formen der Unterhaltungskunst beherrscht und sie zu einer neuen künstlerischen Einheit verschmilzt.

Entfaltung: Übergang von Truppen aus der Marschin die Gefechtsordnung.

Entfärber: Haushaltmittel zum Entfärben von Textilien. Entfärber bestehen meist aus Natriumdithionit, Na2S204, das die Farbstoffe durch Reduktion in farblose, lösliche Verbindungen überführt.

Entfernungsbestimmung: Astronomie Bestimmung des Abstands von Himmelskörpern von der Erde beziehungsweise von der Sonne. Die Entfernung von Fixsternen, die nicht weiter als 100 pc entfernt sind, kann trigonometrisch ermittelt werden, wobei die Winkel zu diesen Sternen gemessen werden und der Erdbahndurchmesser als Basis dient. Die weiter reichende Entfernungsbestimmung beruht auf fotometrischen Methoden, bei denen aus der gemessenen scheinbaren Helligkeit und der anderweitig bekannten absoluten Helligkeit eines Himmelsobjekts die Entfernung bestimmt wird (siehe auch Entfernungsmodul).

Entfernungsmesser: Fototechnik Einrichtung an fotografischen Kameras zum besseren Scharfeinsteilen des Bildes; bei einäugigen Spiegelreflexkameras entweder als (Entfernungs-) Messlupe oder als Messraster (Mikroraster, -prismenraster) ausgeführt.

Entfernungsmessung, Streckenmessung. Geodäsie direkte oder indirekte Bestimmung des horizontalen oder räumlichen Abstandes zwischen Punkten auf der Erdoberfläche oder im Raum. Zur direkten Entfernungsmessung verwendet man Messbänder, seltener -drähte, aus Stahl. Bei der optischen Entfernungsmessung wird die Strecke aus dem sogenannt parallaktischen Dreieck (geometrische Grundfigur des Prinzips) abgeleitet. Dazu benutzt man zahlreiche, vom Messprinzip her unterschiedlich, optischer Entfernungsmesser (Distanzmesser, Telemeter). Bei der elektronischen Entfernungsmessung wird von einem Endpunkt der Strecke eine elektromagnetische Welle ausgesandt, am anderen Endpunkt reflektiert und am Ausgangspunkt empfangen. Aus Laufzeit und Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Welle erhält man die Streckenlänge. Zur Messung stehen Geräte nach dem Puls- und Phasenmessverfahren zur Verfügung.

Entfernungsmodul: die Differenz zwischen scheinbarer Helligkeit m und absoluter Helligkeit M eines Gestirns; ist ein Maß für seine Entfernung r. Wenn r in Parsec gemessen wird, gilt m M = -5 + 5 log r.

Entflechtung, Konzernentflechtung, Dekartellisierung: unter dem Druck des veränderten Kräfteverhältnisses nach 1945 von den westlichen Besatzungsmächten auf dem Gebiet der heutigen BRD getroffene Maßnahmen «zur Beseitigung übermäßiger Wirtschaftliche Konzentration». Die Entflechtung erfolgte vor allem durch Verbot der Personalverflechtung zwischen bestimmten Monopolen, durch die Aufteilung von Großkonzernen (zum Beispiel IG Farben) in mehrere juristisch selbständige Unternehmen sowie durch Verbot des Depotstimmrechts der Banken. Vorgeblich sollte so die ökonomische Machtkonzentration abgebaut und die unbehinderte Konkurrenz der Kapitale wiederhergestellt werden. Die Entflechtung war eine Form der Missachtung und Entstellung jener Verpflichtungen, die im Potsdamer Abkommen auch von den USA, Großbritannien und Frankreich übernommen worden waren. Danach war die völlige Beseitigung der Monopole vorgesehen, die durch Produktion von Kriegsmaterial am faschistischen Überfall auf andere Staaten profitiert hatten. Die Entflechtung berührte jedoch die Macht dieser Monopole nur formal und nur für kurze Zeit.

Entfleischen: Arbeitsgang der Rauchwarenzurichtung zum Entfernen von Unterhautbindegewebe am vorbereiteten Rohfell.

Entfremdung: philosophischer Begriff, der ausdrückt, dass die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen unter den Bedingungen des Privateigentums an Produktionsmitteln und der Ausbeutung (besonders im Kapitalismus) als Beziehungen von Sachen und Dingen erscheinen, die den Menschen als fremde, sie beherrschende Mächte in Gestalt von Waren (Warenfetischismus) unter anderem geschmacklichen Verhältnissen (Geld, Staat, Recht, Religion) gegenübertreten. Nach Marx äußert sich die Entfremdung

a) als Entfremdung des Menschen vom Arbeitsprozess, der ihm unter kapitalistischen Bedingungen als feindlicher Zwang gegenübertritt;

b) als Entfremdung vom Produkt seiner Arbeit, das ihm infolge des kapitalistischen Privateigentums an Produktionsmitteln nicht gehört;

c) als Entfremdung der Menschen voneinander, das heißt als Zerstörung und Entmenschlichung gesellschaftlicher und persönliche Beziehungen. Der Sozialismus hebt durch Vergesellschaftung der Produktionsmittel die ökonomischen Grundlagen der Entfremdung auf und überwindet ihre mannigfachen Erscheinungsformen im Prozess seiner Entwicklung.

Entgasen: Entfernen schädliche Gase aus Metallschmelzen durch Abstehen lassen der Schmelze, Spülen mit inerten Gasen, Schmelzen und Gießen unter Vakuum, Filtrieren unter anderem.

Entgegennahme: Recht - tatsächliche Inempfangnahme einer Leistung. Die Entgegennahme bedeutet keine Anerkennung der vertragsgerechten Erfüllung. Wirtschaftseinheiten sind zwecks Beschleunigung des Transportmittelumlaufes zur Entgegennahme auch verpflichtet, wenn sie die Abnahme der Leistung berechtigt verweigern.

Entgeizen, Ausgeizen, Geizen: Entfernen überflüssiger Seitentriebe (Geize) zur Förderung des Haupttriebes beziehungsweise Fruchtansatzes einer Pflanze; bei Hopfen, Wein, Stabtomate, Tabak unter anderem.

Entgiftung: Unschädlichmachen giftiger Substanzen, zum Beispiel in Abwässern oder Abgasen, auf Gegenständen oder im Boden hauptsächlich durch chemische, gelegentlich auch durch physikalische oder biologische Verfahren. Bedeutungsvoll sind die Mittel und Methoden der Entgiftung im Umweltschutz sowie zum Schutz vor chemischen Kampfstoffen. Wo Entgiftung technisch oder ökonomisch nicht durchführbar ist, wird die Immobilisation der Gifte angestrebt (Deponie).

Entgipfeln: Pflegemaßnahme beim Tabakanbau, wobei der Blütenstand über dem letzten Blatt entfernt wird. Entgipfeln dient der Ertrags- und Qualitätssteigerung.

Entglasung: 1. Petrographie: Übergang vor allem glasig erstarrter vulkanischer Gesteine aus amorphem in kristallisierten Zustand.

2. Silikattechnik: teilweiser oder vollständiger Kristallisierungsprozess bei einer bestimmten Temperaturbehandlung des Glases, wodurch Glastrübung und raue Oberfläche auftreten können. Außer bei Vitrokeramiken und Trübgläsern (hier ist sie beabsichtigt und wird entsprechend durchgeführt) gilt die Entglasung als Glasfehler.

Enthaarungsmittel, Haarentfernungsmittel, Depilatorium chemische (zum Beispiel Barium-, Kalziumsulfid) oder mechanische (zum Beispiel Bimsstein, feines Sandpapier, Harzpflaster) Mittel zum Entfernen von Körperhaaren; beseitigt jedoch nur den freien Teil des Haares, nicht die Haarwurzel.

Enthalpie: thermodynamische Zustandsgröße, Zeichen H, SI-Einheit J; sie stellt die Summe aus innerer Energie U und sogenannt Verdrängungsarbeit pV dar: H = U + pV. Die einer Wärmekraftmaschine entnehmbare nutzbare Arbeit, die sogenannte technische Arbeit ist bei isobarer Prozessführung der Enthalpiedifferenz im ein- und austretenden Arbeitsmittel gleich. Subtrahiert man von der Enthalpie die gebundene Energie TS, wobei T die absolute Temperatur und S die Entropie ist, so erhält man die freie Enthalpie G = H TS sie ist der technischen Arbeit eines isothermen reversiblen Prozesses gleich. Siehe auch thermodynamische Potentiale.

Enthornen: operatives Entfernen der Hörner, besonders bei Rindern. Durch das Enthornen sollen Verletzungen durch gegenseitiges Stoßen vermieden werden.

Enthusiasmus: Begeisterung, starkes persönlichen Engagement für politische oder berufliche Aufgaben, ein Kunstwerk unter anderem.

Entkalken: Lederherstellung Entfernen des Kalziumhydroxids, aus der geäscherten Hautblöße mittels Säuren oder sauren Salzen und anschließendem Spülen.

Entkeimung: Desinfektion von Trink-, Betriebs- und Abwasser, zum Beispiel durch Einleitung von Chlorgas oder Hypochloriten, Ozon, Formalin oder aber durch Erhitzen.

Entkletten: mechanisches Beseitigen von Kletten aus Schafwolle mittels Krempel oder Klettenwolfs.

Entkohlen: Verringern des Kohlenstoffgehalts in Eisen-Kohlenstoff-Werkstoffen, speziell bei Stählen; im flüssigen Zustand durch Frischen, im festen Zustand mittels Einwirkung einer oxydierenden Atmosphäre auf Temperguss- oder Stahlteile.

Entkoppler: Biochemie - eine chemische Verbindung, die in der Atmungskette die Vorgänge der Substrat Dehydrogenierung, des Elektronentransports und der Wasserbildung von der Atmungskettenphosphorylierung trennt. Dadurch werden Atmung und ATP-Synthese entkoppelt. Entkoppler sind zum Beispiel 2,4-Dinitrophenol, Dikumarol, Arsenat unter anderem.

Entkopplung: Elektrotechnik Maßnahme zur Verminderung unerwünschter Beeinflussung (Kopplung) elektrischer Einrichtungen, erfolgt durch räumliche Trennung, Abschirmung oder spezielle Schaltungsmaßnahmen.

Entladungslampe: Lampe, in der das Licht durch eine elektrische Entladung in Gasen, Metalldämpfen oder einer Mischung beider in einem abgeschlossenen Entladungsgefäß erzeugt wird. Die Strahlung hängt von der Art des Gases beziehungsweise Metalldampfes, dem im Gefäß herrschenden Druck und der Temperatur ab. Man unterscheidet Niederdruck-Entladungslampe (Leuchtstofflampen, Natrium-Niederdrucklampen) und Hochdruck-Entladungslampe (Quecksilberdampf-Hochdrucklampen, Halogen-Metalldampflampen, Natriumdampf-Hochdrucklampen).

Entlastungsbeweis: Nachweis desjenigen, der kraft Gesetzes für einen Schaden haftet, den ein anderer verursacht, dass er seine Aufsichts- oder Anleitungspflicht gegenüber dem Schädiger nicht schuldhaft verletzt hat oder der Schaden auch bei ordnungsgemäßer Erfüllung dieser Pflichten entstanden beziehungsweise nicht abwendbar gewesen wäre. Der Entlastungsbeweis kann durch Gesetz ausgeschlossen sein.

Entlastungssyndrom: funktionelle Fehlregulation des Organismus bei plötzlichem Abbruch sportlichen Trainings. Das Entlastungssyndrom entsteht durch plötzliches Ausbleiben des Belastungsreizes, an den die Organe und Funktionssysteme angepasst waren, sie beantworten den fehlenden Reiz mit einer Fehlregulation besonders im Herz-Kreislauf-System. Das Entlastungssyndrom äußert sich durch Herzbeschwerden, Schweißausbrüche, erhöhte Reizbarkeit, Schlafstörungen und psychischer Verstimmungen. Dem Entlastungssyndrom kann nur durch sofortige Aufnahme sportlicher Belastung (Lauf) und ein systematische Abtraining begegnet werden.

Entlüften: Ableiten der in Abwassernetzen sich entwickelnden beziehungsweise in Rohrleitungen sich sammelnden Gase (Luftsack). Das Entlüften von Druckleitungen erfolgt durch Ventile an Hochpunkten, bei Freispiegelleitungen durch Schlitze in den Schachtabdeckungen und über Dach geführte Entlüftungsschächte oder -leitungen.

Entmagnetisierung: 1. Beseitigung der remanenten Magnetisierung (Hysterese) eines ferromagnetischen Stoffes entweder durch Einbringen in ein magnetisches Wechselfeld, dessen Stärke langsam auf null abnimmt, oder durch Erhitzen über den Curie-Punkt.

2. Schwächung des in einem Stoff wirkenden magnetischen Feldes als Folge von dessen Magnetisierung, die entsprechend der Lenzschen Regel (Induktion) ein dem von außen angelegten Feld entgegen gerichtetes sogenannt entmagnetisierendes Feld erzeugt. Siehe auch Entelektrisierung.

Entmarkung: Auflösung der Markscheiden der zentralen und peripheren Nervenbahnen; typisch bei bestimmten Nervenkrankheiten (zum Beispiel multiple Sklerose des Menschen oder Enzephalose bei Zoo Affen). Ursachen der Erkrankung können Vitaminmangel und Toxin Einwirkung sein.

Entmilitarisierte Zone: Bezeichnung für den im Versailler Vertrag und im Locarnopakt festgelegten Streifen von 50 km Tiefe entlang der deutschen Westgrenze, in dem sich keine deutschen Truppen aufhalten durften. Die Entmilitarisierte Zone wurde im März 1936 ohne Widerstand der Westmächte durch den Einmarsch der faschistischen Wehrmacht beseitigt.

Entmilitarisierung: Beseitigung oder Reduzierung der militärischen Macht eines oder mehrerer Staaten in bestimmten Gebieten (entmilitarisierte Gebiete, entmilitarisierte Zone) auf Grund völkerrechtliche Festlegungen.

Entmischung: Vorgang bei langem Transportweg, freiem Fall oder beim Verdichten des Frischbetons, wobei sich das grobe Korn vom feinen trennt und somit die Betongüte beeinträchtigt wird.

Entmistungsanlagen: mechanische oder hydraulische Fördereinrichtungen zum stetigen oder periodischer Transport von Stallmist oder Gülle aus dem Stall zur Dungstätte, Sammelgrube oder auf Transportfahrzeuge.

Entmündigung: Entziehung der Fähigkeit eines Menschen, rechtsgeschäftlich wirksam zu handeln (Handlungsfähigkeit). Sie erfolgt bei krankhafter Störung der Geistestätigkeit und bei Alkohol- oder Rauschgiftsucht auf Antrag des Staatsanwalts, des Rates des Kreises, volljähriger naher Verwandter oder des Ehegatten des zu Entmündigenden durch Urteil des Kreisgerichts. Dem Entmündigten (Mündel), der nicht der elterlichen Erziehung unterliegt, wird vom Rat des Kreises (bei Kindern und Jugendlichen) beziehungsweise vom Staatlichen Notariat (bei Volljährigen) ein Vormund bestellt.

Entmythologisierung: erstmals von dem evangelischen Theologen R. Bultmann vertretene Forderung, die durch das antike Weltbild bedingten mythischen Aussagen des Neuen Testaments entsprechend dem Verständnis des modernen Menschen zu interpretieren.

Entrahmen: Abtrennung von fettreichem Rahm (niedrigere Dichte) aus (Voll-) Milch unter gleichzeitiger Gewinnung von entrahmter (Mager-) Milch (höhere Dichte); erfolgt industriell mittels Entrahmungszentrifuge.

Entrappen: Entfernen der Kämme und Stiele von Beerenfrüchten, zum Beispiel Johannisbeeren, Weintrauben, vor dem Pressen beziehungsweise Keltern.

Entrastern: in der Reproduktionsfotografie die Beseitigung oder Milderung der Rasterstruktur einer Rastervorlage durch Vorschalten geeigneter Geräte (zum Beispiel Entrasterungsgerät) bei der fotografischen Aufnahme. Das Entrastern ist notwendig, um bei erneuter Rasterung Moiré-Bildung zu verhindern.

Entree: 1. Eingang; Eintritt; Eintrittsgeld; Vorzimmer; Vorspeise.

2. ursprünglich Einführung einer Darbietung im Zirkus durch Clowns, heute auch selbständige Clownerie-Szene; im Kabarett Eröffnung des Progamms mit allen Mitwirkenden.

Entregung-Entregungsschaltung: Schaltanordnung an Drehstromsynchrongeneratoren zum schnellen Abbau des Erregerfelds und damit der Spannung zur Vermeidung größerer Schäden, zum Beispiel im Kurzschlussfall.

entre nous: «unter uns», ohne fremde Zeugen, im Vertrauen (gesagt).

Entropie: 1. Kybernetik: Information.

2. Physik: eine thermodynamische Zustandsgröße, Zeichen S, SI-Einheit J/K. Die Entropieänderung dS eines Systems ist bei reversiblen Vorgängen gleich dem Quotienten aus zu- oder abgeführter Wärmemenge d Q und Temperatur T, bei der der Wärmeaustausch mit der Umgebung erfolgt: dS = dQ/T; für irreversible Vorgänge gilt dagegen stets dS > dQ/T. In abgeschlossenen Systemen nimmt die Entropie zu oder bleibt im günstigsten Fall konstant. Dieser Entropiesatz ist mit dem 2. der Hauptsätze der Thermodynamik identisch. Das Boltzmannsche Prinzip S = k ln W (k Boltzmann-Konstante, W thermodynamische Wahrscheinlichkeit) sagt aus, dass der Zustand mit der größeren Entropie der wahrscheinlichere ist.

Entsander: Absetzbecken, in dem vom Wasser mitgeführte Sinkstoffe durch Strömung Verminderung an bestimmte Stellen geleitet und von diesen periodisch oder stetig seitlich abgezogen werden. Entsander werden meist in Einlaufbauwerke eingeschaltet.

Entsäuern: chemisches oder mechanisches Entfernen von Kohlendioxid aus Betriebs- und Trinkwasser.

Entschädigung: 1. allgemeiner Ersatz für erlittenen Schaden.

2. Staatsrecht in einem Verfahren über Entzug des Eigentumsrechts an Grundstücken die von staatlichen Organen gezahlte Geldsumme.

3. Verfahrensrecht: a) Ausgleich in Höhe des Durchschnittslohnes (Vergütung) und Erstattung der Reisekosten an Schöffen für die Dauer ihrer Freistellung zur Ausübung der Schöffentätigkeit;

b) Erstattung von Verdienstausfall, Reisekosten und Auslagen an Zeugen, Gutachter, Dolmetscher und Übersetzer, Kollektivvertreter, gesellschaftlicher Ankläger, gesellschaftlicher Verteidiger und Jugendbeistände, die im gerichtlichen Verfahren tätig wurden, sowie an Mitglieder der Schiedskommissionen;

c) Erstattung von Vermögensschäden, die infolge von Untersuchungshaft oder Strafe mit Freiheitsentzug entstanden sind, wenn Freispruch oder die endgültige Einstellung des Verfahrens erfolgte oder wenn die Eröffnung des gerichtlichen Verfahrens abgelehnt wurde.

Entschädigungszahlung: Geldleistung des Betriebes an den Werktätigen als Erstattung notwendiger Mehraufwendungen, die der Werktätige zur Erfüllung seiner Arbeitsaufgabe aus eigenen Mitteln bestreiten muss, zum Beispiel Übernahme von Kosten bei Dienstreisen und Montagen, Trennungsentschädigung. Die Entschädigungszahlung wird in Höhe der tatsächlich entstandenen Mehraufwendungen oder als Pauschalbetrag gewährt.

Entschalungsmittel: Stoffe, die das Anhaften des Betons an der Schalung verhindern, zum Beispiel Mineralöle oder Mineralölemulsionen.

entscheidbar: Logik Eigenschaft eines in einem Bereich I erklärten einstelligen Prädikates P(x), für das es einen Algorithmus, ein Entscheidungsverfahren für P gibt, der für jedes Element a von I nach endlich vielen Schritten angibt, ob P(x) auf a zutrifft oder nicht zutrifft; zum Beispiel ist das Prädikat «x ist Primzahl» in der Menge der natürlichen Zahlen entscheidbar; das Prädikat «x ist allgemeingültig» ist in der Menge aller Ausdrücke der Aussagenlogik entscheidbar und in der Menge aller Ausdrücke der Prädikatenlogik nicht entscheidbar (Unentscheidbarkeitstheorem von Church).

Entscheidungsprozess: Gesamtheit der notwendigen Arbeiten von der Problemerkenntnis bis zur Entscheidungsfindung. Der Entscheidungsprozess ist ein arbeitsteiliger, stufenförmiger Prozess, in dem die für die Entscheidungsfindung notwendigen Informationen verarbeitet werden. An den Entscheidungsprozess schließt sich die Etappe der Entscheidungs-Realisierung und -kontrolle an.

Entschwefeln: Senken des Schwefelgehaltes in metallischen Werkstoffen, speziell Stahl und Gusseisen, im schmelzflüssigen Zustand. Das Entschwefeln hat besondere Bedeutung, weil Schwefel im Allgemeinen die Eigenschaften dieser Werkstoffe ungünstig beeinflusst.

Entspannung: durch die Realisierung der Politik der friedlichen Koexistenz bedingter Prozess des Abbaus des kalten Krieges und der internationalen Spannungen wie der Verminderung der Kriegsgefahr. Die Entspannung ist als Resultat der Veränderung des internationalen Kräfteverhältnisses zugunsten des Sozialismus Entwicklungstendenz der internationalen zwischenstaatliche Beziehung; sie ist Ausdruck des wachsenden internationalen Einflusses des Sozialismus. Die wichtigsten Faktoren, die den Prozess der Entspannung in Europa beeinflussen, sind die geeinte Kraft des politischen und militärischen Bündnisses der Warschauer Vertrags-Staaten sowie das Zusammenwirken der kommunistischen und Arbeiterparteien und weiterer Friedenskräfte im Kampf um europäischen Sicherheit. Die Entspannung ermöglicht eine umfangreiche Zusammenarbeit von Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung. Im Kampf gegen die aggressiven Kreise des internationalen Monopolkapitals, insbesondere die aggressivsten Kreise der USA und der NATO, die versuchen, die Entspannung aufzuhalten und die erreichten Ergebnisse rückgängig zu machen ff Konfrontationspolitik), besteht das objektive Interesse aller am Frieden interessierten Kräfte darin, die Entspannung zu sichern und auszubauen sowie die politische Entspannung durch die militärische zu ergänzen.

Entspiegelung: Verringerung des Reflexionsvermögens von brechenden Oberflächen optische Bauelemente durch Interferenz. An aufgedampften dünnen Schichten werden viele interferenzfähige Lichtbündel erzeugt, die sich bei geeigneten Schichtdicken und Brechzahlen auslöschen. Die Entspiegelung bewirkt eine höhere Transmission der optischen Systeme und geringere Reflexe. Entspiegelte Fotoobjektive tragen die Aufschrift T-Belag (Einfachschicht) oder MC-Belag (Mehrfachschichten).

Entspitzen, Pinzieren: bei Anzucht von Gehölzen, Topfpflanzen und Formobstbäumen Entfernen junger Triebspitzen zwecks Formgebung.

Entstaubung: Verfahren zum Absaugen von Stäuben an der Entstehungsstelle und der möglichst anschließenden Reinigung des Luftstromes von den Staubteilchen (Abscheider). Eine Entstaubung kann durch Ausnutzen der Schwerkraft, der Massenträgheit, der Fliehkraft, durch Einsetzen von bestimmten Fütem sowie durch Benetzen und durch Ultraschall herbeigeführt werden.

Entstipper: Maschine zur mechanischen, faserschonenden Zerlegung von Faserbündeln (Stippen) in Einzelfasern bei der Aufbereitung von Zellstoffen und Altpapier. Der Zerfaserungseffekt wird durch 2 bemesserten Scheiben bewirkt; eine Rotorscheibe rotiert zwischen 2 Stahlscheiben mit hoher Drehzahl. Durch ineinandergreifende Rotor- und Statorringe werden große Reibungskräfte entwickelt.

Entstörung, Funkentstörung: Gesamtheit aller Maßnahmen, um eine Störung elektrischer Geräte durch andere Geräte oder Einrichtungen auszuschalten oder genügend klein zu halten. Entstörung erfolgt mittels Drosselspulen, Kondensatoren, Widerständen, abgeschirmten Leitungen oder Abschirmung an der Störquelle.

Entwässerung: 1. Bergbau: a) planmäßige Absenkung des Grundwasserhorizontes in Tagebauen vor Beginn des eigentlich Abbaues, um die Lagerstätte trockenzulegen. Im Braunkohlentagebau legt man Filterbrunnen mit Unterwasserpumpen an und teuft Schächte ab, von denen aus im Flöz Entwässerungsstrecken aufgefahren werden. Das Wasser fließt dem Schachttiefsten zu und wird von dort nach über Tage gepumpt. Man treibt von den Strecken sowie von über Tage aus Bohrlöcher in das Hangende und setzt durchlöcherte Rohre zum Abziehen des Wassers ein;

b) Entziehen des in gewonnenem Gut enthaltenen Wassers in solchem Umfang, dass es transport-, verarbeitungs- und verkaufsfähig wird; geschieht durch Trocknen, Filtern, Eindicken, Schleudern unter anderem.

2. Landwirtschaft: Melioration.

Entwickeln: Fototechnik Sichtbarmachen des durch die Belichtung im Fotomaterial entstandenen latenten Bildes durch den Entwickler, im Allgemeinen einschließlich des nachfolgenden Fixierens, mittels zweckgebundener Geräte und Methoden.

Entwickler: Lösung reduzierender Substanzen, die das unsichtbare (latente) Bild der belichteten fotografischen Schicht sichtbar macht (die belichteten Silberhalogenidkristalle schwärzen sich, werden zu metallischem Silber reduziert). Ein Entwickler enthält gewöhnlich mehrere Entwicklersubstanzen, Wasser, Konservierungs-, Aktivierungs-, Klär-, Kalkschutz-, Netzmittel unter anderem. Unterschieden werden nach Wirkungsweise und Verwendung

a) Negativ-Entwickler (Ausgleichsentwickler für unterschiedlich belichtete Aufnahmen auf einem Film, Feinkornentwickler, Oberflächenentwickler, Tiefenentwickler)

b) Positiv- (Schwarzweiß-) Entwickler (Papierentwickler);

c) Farbentwickler (für Farbfilme und -papiere).

Entwicklung: Bewegung in Natur, Gesellschaft und Denken vom Niederen zum Höheren, von einfacheren zu komplizierteren Qualitäten. Jede Entwicklung wird bestimmt durch das Gesetz der Einheit und des «Kampfes» der Gegensätze (Widerspruch), das Gesetz des Umschlagens quantitativer Veränderungen in qualitative (Qualität und Quantität) und das Gesetz der Negation der Negation. Quelle der Entwicklung sind dialektische Widersprüche, die den sich entwickelnden Objekten eigen sind. Im Prozess der Entwicklung führen quantitative Veränderungen, wenn sie ein gewisses Maß überschreiten, zum sprunghaften Übergang einer alten Qualität in eine neue. Voraufgehende Entwicklungsetappen werden durch nachfolgende abgelöst, wobei das Entwicklungsfähige erhalten bleibt. Entwicklung ist eine dialektisch widersprüchliche Einheit von Progreß, Regreß und Kreisläufen, in der sich die Tendenz vom Niederen zum Höheren durchsetzt. Anorganische, organische Natur und Gesellschaft einschließlich des Denkens sind Stufen der Entwicklung der materiellen Welt, innerhalb derer wiederum Entwicklung vor sich geht, die außer durch die genannt allgemeinen Gesetze durch jeweils spezifische Gesetze bestimmt wird. Einseitige Auffassungen von der Entwicklung können Grundlage reaktionärer Gesellschaftstheorien werden. Der Reformismus zum Beispiel verbindet sich mit einer Unterschätzung oder Leugnung wesentlicher qualitativer Veränderungen; der Anarchismus dagegen verabsolutiert den qualitativen Sprung, indem er die Notwendigkeit seiner quantitativen Vorbereitung leugnet. Die Errichtung und Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft durch die Arbeiterklasse erfolgt auf der Grundlage der Erkenntnis und bewussten Ausnutzung der objektiven Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung.

Entwicklungsbedingungen: Besonderheiten, von denen die Persönlichkeitsentwicklung abhängt. Dazu zählen anatomisch-physiologische Voraussetzungen (Anlagen), der Entwicklungsstand der gesellschaftlichen Verhältnisse, damit des Erziehungs- und Bildungssystems, aber auch natürlichen Gegebenheiten und bereits erworbene Persönlichkeitseigenschaften. Alle Entwicklungsbedingungen stehen in einem dialektischen Zusammenhang.

Entwicklungsfarbstoffe: unlösliche und darum sehr waschechte Azofarbstoffe, die auf dem Faserstoff unter Eiskühlung aus einem Diazoniumsalz (in Lösung) und einer Kupplungskomponente (auf dem Faserstoff) «entwickelt» werden.

Entwicklungsgeschichte: Teilgebiet der Biologie; Wissenschaft von der individuellen Entwicklung der Organismen (Ontogenese) und der stammesgeschichtlichen Entwicklung (Phylogenese).

Entwicklungshilfe: in den kapitalistischen Ländern gebräuchliche Bezeichnung für die aus Imperialistische Staaten in Entwicklungsländer fließenden finanziellen Mittel, Warenlieferungen und materiell-technischen Leistungen. Mittels der Entwicklungshilfe versucht der Imperialismus, seine ökonomischen Positionen in den ehemaligen kolonialen und abhängigen Ländern trotz des veränderten internationalen Kräfteverhältnisses zu erhalten, seine neokolonialistische Ziele zu verwirklichen und politischen Druck auf die Entwicklungsländer auszuüben. Die Entwicklungshilfe soll des Weiteren dazu dienen, für die Entwicklungsländer einen Weg der sozialistischen Orientierung und der Annäherung an die Länder der sozialistischen Gemeinschaft zu verhindern.

Entwicklungskosten: Kosten für die konkrete Festlegung des Lösungsweges für neu- oder weiterzuentwickelnde Erzeugnisse, Verfahren, Rezepturen und so weiter einschließlich aller Maßnahmen zur Einführung in die Produktion bis zum Erreichen der für die Entwicklung im Pflichtenheft vorgegebenen Kennziffern. Die Entwicklungskosten werden aus dem Fonds Wissenschaft und Technik finanziert.

Entwicklungsländer: Länder, in denen die Entwicklung der Produktivkräfte gegenüber den kapitalistischen und sozialistischen Industrieländern infolge der langandauernden kolonialen, halbkolonialen und neokolonialen Ausbeutung durch die Imperialistischen Mächte stark zurückgeblieben ist zwischen den Entwicklungsländer bestehen große Unterschiede im ökonomischen Niveau und in der politischen Orientierung.

Entwicklungsmechanik: experimentell arbeitender Zweig der Entwicklungsgeschichte, der die Gesetzmäßigkeiten sowie die inneren und äußeren Ursachen der Bildungsvorgänge während der Keimesentwicklung untersucht.

Entwicklungspsychologie: Gebiet der Psychologie, das die Gesetzmäßigkeiten der psychischen Orientierung und Regulation der Tätigkeit untersucht, und zwar in ontogenetische Hinsicht die psychisch bedingten Veränderungen beim Einzelwesen, besonders im Kindes- und Jugendalter, in phylogenetische Hinsicht den Übergang von der biologischen zur gesellschaftlich-historischer Entwicklung des Menschen, in aktual-genetischer Hinsicht die Differenzierung und Integration psychischer Komponenten.

Entwicklungsvertrag: Wirtschaftsvertrag über wissenschaftlich-technische Leistungen.

Entwicklungszeit: geplanter oder tatsächlich benötigter Zeitraum für die Neu- oder Weiterentwicklung eines Erzeugnisses oder Verfahrens. Die Entwicklungszeit erstreckt sich auf den Zeitraum von der Erarbeitung und Bestätigung der Aufgabenstellung (Pflichtenheft) bis zum Erreichen der im Pflichtenheft vorgegebenen Kennziffern. Je kürzer die Entwicklungszeit, um so höher ist der ökonomischen Nutzeffekt des Entwicklungsergebnisses für die Volkswirtschaft.

Entwurzelung: Freilegen der Wurzeln von Gehölzen durch Sturmeinwirkung.

Entzerrung: 1. Fernmeldetechnik: Ausgleich der Verzerrung analoger oder digitaler Signale, die durch das frequenzabhängige Übertragungsverhalten der Übertragungssysteme verursacht wird. Die Entzerrung analoger Signale hinsichtlich Dämpfung und Laufzeit erfolgt mittels korrigierender Vierpole (Dämpfungs- und Laufzeitentzerrer), die Entzerrung digitaler Signale mittels Impulserneuerer.

2. Geodäsie: Ableitung der Grundrissdarstellung einer Karte aus einem Messbild (Luftbildaufnahme) von etwa ebenem, horizontalem Gelände. Dazu wird das Messbild unter Bestimmung der projektiven Beziehungen zwischen Bild und Karte in eine Senkrechtaufnahme transformiert (im gewünschten Kartenmaßstab). Diese Entzerrung kann analytisch, graphisch oder (zumeist) optisch-mechanisch mittels sogenannt Entzerrungsgeräte erfolgen. Die Differentialentzerrung ermöglicht auch eine Entzerrung der Bilder von nicht ebenem Gelände.

Entziehungskur: freiwilliges oder zwangsweises Entwöhnen von Sucht- und Genussmitteln (zum Beispiel Alkohol, Nikotin, Schlaf- und Schmerzmittel) bei chronischen Missbrauch und daraus resultierender gewohnheitsmäßiger beziehungsweise psychische Abhängigkeit (Sucht); geschieht unter ärztlicher Aufsicht.

Entzundern: Entfernen des auf Eisenwerkstoffen bei der Warmverformung entstandenen Walzzunders oder des bei Wärmebehandlung entstandenen Glühzünders mittels chemischen, thermischen, elektrischen, elektrochemischen oder mechanischen Verfahren der Oberflächenbehandlung.

Entzündung, Inflammation: örtliche Reaktion des Gefäßbindegewebes und meist auch des umgebenden Gewebes zur Abwehr eines krankhaften Reizes (bakterielle, allergische, chemische, mechanische, thermische unter anderem Schädigungen); Kennzeichen sind Hitze, Rötung, Schwellung, Schmerz, gestörte Funktion, häufig Fieber und Pulsbeschleunigung.

Entzündungsbestrahlung, Reizbestrahlung: Strahlentherapie von Entzündungen mit relativ geringen Strahlendosen, zum Beispiel bei Furunkulose, Abszessen und Gelenkentzündungen.

Enuma elisch: babylonisches Weltschöpfungsepos, dessen Anfangsworte von den Babyloniern zu seiner Zitierung benutzt wurden. Der in metrischer Form abgefasste Mythos berichtet von der Erschaffung der Welt aus dem Urmeer, den ersten Göttergenerationen, dem Aufstieg des Gottes Marduk zum König der Götter (mythische Widerspiegelung des politischen Aufstiegs von Babylon) und der Erschaffung des Menschen. Der Text wurde am 4. Tag des babylonischen Neujahrsfestes im Marduk-Tempel Esaĝila in Babylon vorgetragen.

Enveloppe, Einhüllende: Kurve, die jede Kurve einer gegebenen (einparametrigen) Kurvenschar berührt und in jedem ihrer Punkte von einer Scharkurve berührt wird.

Enver Pascha, 22.11.1881-4. 8.1922 (erschossen), türkischer Politiker; gehörte zu den Führern der Jungtürkischen Revolution; als Kriegsminister führte er 1914 die Türkei an deutscher Seite in den 1. Weltkrieg; war mitverantwortlich für die Armenier Massaker 1915. 1921 zettelte er den antisowjetischen Aufstand der Basmatschen in Zentralasien an.

Enzephalisierung: Zunahme des Gehirngewichts und der anatomisch-physiologischen Gehirndifferenzierung, insbesondere des Großhirns und dessen Funktionen im Verlauf der Phylogenese.

Enzephalitis, Gehirnentzündung: Erkrankung des Gehirns auf infektiöser oder allergischer Grundlage; führt oftmals zu Intelligenzdefekten, zu Persönlichkeitsveränderungen und zum sogenannt Parkinson-Syndrom.

Enzephalographie, Pneumenzephalographie (beide griechisch): Röntgenuntersuchungen der Hirnkammern mit lumbal oder subokzipital eingebrachter Luft als negativem Kontrastmittel. Aus Formabweichungen können Rückschlüsse auf Missbildungen, Geschwülste, Verletzungsfolgen unter anderem gezogen werden. Inzwischen weitgehend durch die Computertomographie ersetzt.

Enzephalopathie: Oberbegriff für eine hirn-organische Schädigung unabhängig von der Ursache.

Enzian, Gentiana: auffällig blau, violett, gelb oder weiß blühende, artenreiche Gattung der Enziangewächse; viele Hochgebirgsarten, Garten- und Arzneipflanzen; heimische Arten, wie der Lungenenzian oder der Deutsche Enzian unter Naturschutz. Die Bitterstoffe der Wurzel des Gelben Enzian (G. lutea), des Tüpfelenzian (G. punctata) unter anderem werden zur Arznei- und Spirituosenherstellung verwendet.

enzootische Pneumonie: infektiöse, enzootisch auftretende Lungenentzündung; tritt bei Saugferkeln, Läufern und Kälbern auf und führt zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen. Erreger sind Viren und Bakterien. Fördernde Faktoren der enzootische Pneumonie sind schlechte Haltungsbedingungen.

Enzyklika: Rundschreiben des Papstes an alle Bischöfe oder an die Bischöfe bestimmter Länder und durch sie an alle Gläubigen. Die Enzyklika wird in lateinischer Sprache abgefasst und nach den Anfangsworten zitiert; inhaltlich wird in ihr meist zu aktuellen theologischen oder sittlichen Fragen Stellung genommen. Bekannt ist die Enzyklika Johannes1 XXIII. «Pacem in terris» (1963), in der die Bedeutung des Weltfriedens herausgestellt wird und eine Zusammenarbeit zwischen Christen und Nichtchristen als erlaubt gilt.

enzyklisch: (dat. griechisch) einen Kreis durchlaufend.

Enzyklopädie: (lateinisch griechisch, «Bildungskreis») Nachschlagewerk in alphabet, (lexikalisch), seltener in systematische (nach Fachgebieten gegliederter) Stoffanordnung, das einen Überblick über alle Wissensgebiete (allgemeines Lexikon) oder ein Fachgebiet (Fachlexikon) vermittelt.

enzyklopädisch: nach Art einer Enzyklopädie; allgemeinwissenschaftlich; allumfassend.

Enzymaktivierung: Wirksam machen (Aktivieren) von Enzymen am Ort ihrer Wirkung; vielfach werden die Enzyme von den Drüsenzellen in unwirksamen (inaktiven) Vorstufen, den sogenannt Proenzymen, abgegeben. Die Aktivierung erfolgt meist durch ein zweites Enzym, mitunter auch durch das aktivierte Produkt selbst.

Enzymblockade: Hemmung der Enzymwirkung. Die Enzymblockade erfolgt sowohl durch Hemmung der Enzymbildung als auch durch Aufhebung der Wirkung des intakten Enzyms. Verschiedene Arzneimittel verursachen eine Enzymblockade, so zum Beispiel Physostigmin als Hemmstoff der Cholinesterase oder Acetazolamid als Carboanhydrasehemmer.

Enzymdefekt: vererbbare Krankheit, deren Ursache der angeborene Ausfall oder die Inaktivität eines Enzyms ist, zum Beispiel Albinismus, Alkaptonurie, Phenylketonurie, Galaktosämie, Glykogenosen unter anderem.

Enzymdiagnostika: Mittel zum Feststellen von Enzymaktivitäten im Serum oder anderen Körperflüssigkeiten sowie Enzymzubereitungen, die für diagnostische Zwecke eingesetzt werden. Die Kenntnis von bestimmten Enzymaktivitäten kann einen Hinweis auf eine Erkrankung beziehungsweise Einblick in den Krankheitsverlauf geben.

Enzyme, früher Fermente: in der lebenden Zelle gebildete Proteine, die durch spezifisch katalytische Wirkung Stoffwechselabläufe beschleunigen (Biokatalysatoren). Ein Enzym bewirkt durch Bindung an sein Substrat (E.-Substrat-Komplex) eine Erniedrigung der Aktivierungsenergie und damit eine Erhöhung der Reaktionsgeschwindigkeit. Der Enzyme-Substrat-Komplex zerfällt in die Reaktionsprodukte und das freie Enzyme Auf ihrer Oberfläche haben Enzyme ein «aktives Zentrum», an dem Substratbindung und Katalyse erfolgen. Viele Enzyme enthalten im aktiven Zentrum eine Nicht-Protein-Komponente (Koenzyme) der Proteinanteil wird dann als Apoenzyme, die Summe als Holoenzyme bezeichnet. Enzyme werden nach ihrer katalytischen Wirkung in 6 Hauptklassen eingeteilt (Oxidoreduktasen, Transferasen, Hydro lasen, Lyasen, Isomerasen und Ligasen). Enzyme eines Organismus, die die gleiche Reaktion katalysieren, aber genetisch determinierte unterschiedliche physikalisch-chemische Eigenschaften besitzen, werden als Isoenzyme bezeichnet. Die Messung von Enzymaktivitäten in Körperflüssigkeiten und Organproben spielt in der medizinischen Diagnostik eine Rolle. Enzyme werden auch großtechnisch isoliert und zum Beispiel bei der Bierproduktion, zur Schnellreifung von Schlachtfleisch und als Waschmittelzusatz verwendet.

Enzyme, fixierte: durch Bindung an anorganische oder organische Träger unlöslich gemachte Enzyme, die in Enzymreaktoren (Forschung und Technik) und in ersten Versuchen zur Enzymsubstitution (bei Enzymdefekten) eingesetzt werden.

Enzyminduktion: Erhöhung der Aktivität und Menge eines microsomal lokalisierten Enzyms durch verschiedene Arzneimittel (zum Beispiel Phénobarbital, Antikonvulsiva) und Umweltgifte (zum Beispiel Rauch, Abgase, bestimmte Schädlingsbekämpfungsmittel). Die Enzyminduktion bewirkt auch einen schnelleren Abbau anderer microsomal abzubauender Substanzen, zum Beispiel der Steroidhormone, und dadurch unter anderem ein Nachlassen der Wirksamkeit der hormonalen Kontrazeptiva.

Enzymkinetik: experimentelle Ermittlung und mathematischer Beschreibung der Abhängigkeit der Enzymaktivität von den Konzentrationen der Substrate, Koenzyme, Aktivatoren, Hemmstoffe und Protonen. Messmethodisch unterscheidet man Initialkinetik und die zeitlich hochauflösende «schnelle Kinetik».

Enzymlokalisation: Vorkommen und Verteilung von Enzymen im Organismus, insbesondere in Zellen und subzellulären Anteilen, wie Zellkern, Mitochondrien, Zellsaft und Membranen. Das vorhandene oder ausschließlich vorkommende Enzym wird als Leitenzym bezeichnet. Die Enzymlokalisation erlaubt Rückschlüsse auf den Grad einer Zellschädigung.

Enzymopathie: angeborenes, teilweises oder vollständiges Fehlen oder Nichtfunktionieren eines Enzyms. Bestimmte Stoffwechselprodukte können nicht gebildet beziehungsweise nicht abgebaut werden. Diese werden gespeichert und führen zur Organvergrößerung (zum Beispiel Glykogenose) oder schädigen das Gehirn (zum Beispiel Phenylketonurie).

Enzymrepression: Stoffwechselregulation durch Unterdrückung der Synthese von Enzymen eines anabolen (aufbauenden) Stoffwechselweges durch das Endprodukt dieser Biosynthesekette.

eo ipso: (lateinisch, «eben dadurch») von selbst, selbstverständlich.

Eolith: (griechisch, «Stein der Morgenröte») werkzeugähnliches Gesteinsstück aus dem Tertiär. Eolith wurden früher fälschlich für die ältesten menschlichen Werkzeuge gehalten.

Eophytikum: ältester Zeitabschnitt der Entwicklungsgeschichte der Pflanzenwelt, in der die Algen vorherrschten; reichte vom Präkambrium bis zum Ende des Silur; siehe auch Paläobotanik.

Eos, griechische Göttin der «Morgenröte» (römisch Aurora), Schwester von Helios und Selene.

Eosander, Johann Friedrich von, genannt Eosander von Göthe, um 1670-1729, Baumeister des Barocks; 1685 in Riga tätig, ab 1692 in Berlin, wo er 1699/1713 Hofarchitekt war, trat dann in den Dienst Carls XII. von Schweden und arbeitete seit 1722/23 am Dresdner Hof. Zu seinen bekanntesten Werken gehören der Westtrakt des Berliner Schlosses mit Portalbau (1707/13; zerstört), Schloss Schönhausen bei Berlin (1704), Schloss Uebigau bei Dresden (1724/26).

Eosin: durch Bromieren von Fluoreszein hergestellter roter Xanthenfarbstoff; für Tinten, Lippenstifte und zum Anfärben mikroskopischer Präparate. Eosinlösung fluoresziert grün.

Eosinophilie: Vermehrung der mit Eosin abfärbbaren weißen Blutzellen («Allergiezellen») im Blut bei allergischen Erkrankungen, Wurmbefall, endokrinen Funktionsstörungen und Infektionskrankheiten in der Rekonvaleszenz.

Epaminondas, um 420-362 vor Christus (gefallen), thebanischer Feldherr und Politiker; schuf 371 durch seinen Sieg bei Leuktra über Sparta, wo seine taktische Neuerung der schiefen Schlachtordnung erstmalig angewendet wurde, die Basis für die kurzzeitige Hegemonie Thebens in Griechenland.

Eparch: (griechisch, «Befehlshaber», «Statthalter») hoher byzantinischer Beamter, höchster der Stadt Konstantinopel; er hatte ihr Gerichtswesen unter sich und überwachte ihr Wirtschaftsleben, insbesondere die Zünfte.

Eparchie: (griechisch, «Statthalterschaft») in der östlich-orthodoxen Kirche eine Kirchenprovinz, der ein Bischof vorsteht; in der katholischen Kirche so viel wie Bistum.

Epaulette: (epo-; Französisch) Schulterstück auf Uniformen, das von einem metallenen Halbmond eingefasst ist; ursprünglich Polster gegen den Druck der Muskete.

Ependym: dass die Hirnventrikel und den Rückenmarkkanal auskleidende einschichtige Epithel.

Epheben: (griechisch, «in der Jugend stehend») die 16- bis 20jährigen Jünglinge im antiken Griechenland, die eine vor allem militärische und gymnastische Ausbildung erhielten. In Athen trug man die Epheben mit 18 oder 19 Jahren in die Bürgerlisten ein und rüstete sie mit Speer und Schild aus. In Sparta betrachtete man die Männer bis zu 30 Jahren als Epheben.

Ephedrin: in Ephedra-Arten (Meerträubel) vorkommendes biogenes, auch synthetisch gewonnenes Amin. Ephedrin bildet farblose, wasserlösliche Kristalle; F79°C. Ephedrin bewirkt eine Anregung des sympathischen Nervensystems. Medizinisch wird es besonders als Antiallergikum (Heuschnupfen, Bronchialasthma) und bei zu niedrigem Blutdruck angewendet.

Ephemeriden: die vorausberechneten geozentrischen Örter eines Himmelskörpers in zeitlich konstanten Abständen. Für den Mond berechnet man die Ephemeriden für jede Stunde, für Sonne und Planeten für jeden Tag.

ephemerisch: (griechisch) eintägig, kurzlebig.

Ephesische Amazonen: für das Artemision in Ephesos von den griechischen Bildhauern Polyklet, Phidias, Kresilas und Phradmon im künstlerischen Wettstreit geschaffene Amazonenstatuen; den Preis erhielt Polyklet. Die Ephesische Amazonen sind in römischen Kopien überliefert; die Zuschreibung ist nur bei Phidias und Phradmon gesichert.

Ephesos, Ephesus (lateinisch): alte Stadt an der Westküste Kleinasiens; um 1100 vor Christus von Ioniern besiedelt; wurde zu einer der bedeutendsten Handelsstädte der Antike. Der Artemistempel (Artemision) galt als eines der Sieben Weltwunder der Antike. Seit 1896 österreichische Ausgrabungen.

Ephoren: (griechisch, «Aufseher) die seit 754 vor Christus überlieferten, jährlich zu wählenden 5 obersten Beamten im antiken Sparta. Sie waren Vertreter der Aristokratie, führten die Aufsicht über die Einhaltung der Gesetze, übten die Zivilgerichtsbarkeit und Polizeigewalt aus und kontrollierten Feldherren und Könige. Auch die Einberufung der Gerusia und der Apella gehörte zu ihren Befugnissen.

Ephraim: (hebräisch, «doppelt fruchtbar») im Alten Testament israelitischen Stamm.

Epi-Abtaster: (Kurzwort) Einrichtung in Fernsehstudios zur Übermittlung von Aufsichtbildern durch zeilenweise Punktlichtabtastung der Vorlage und anschließende Umwandlung der Helligkeitswerte in elektrischen Signale mittels Fotozelle.

Epibiont: zum Epibios gehörender Organismus.

Epibios: Gesamtheit der Organismen, die auf Pflanzen, Tieren oder einem Substrat siedeln, zum Beispiel Blattläuse auf Pflanzen, Flechten auf Steinen. Siehe auch Epizoen.

Epicharmos, um 550-460 vor Christus, griechischer Dichter; erhob die altdorische Volksposse zur Kunstform der Komödie.

Epichlorhydrin: farblose, giftige, chloroformartig riechende Flüssigkeit; Kp 117°C; dient insbesondere zur Herstellung von Epoxidharzen und Glyzerol.

Epidauros: altgriechische Hafenstadt und bekannter Kurort in der Landschaft Argolis. Hier befand sich ein berühmtes Asklepios-Heiligtum. Ausgrabungen legten unter anderem eine guterhaltene Theaterruine aus dem 4. Jahrhundert vor Christus frei.

Epidemie, Seuche (zu «siech»): das gehäufte Auftreten einer Infektionskrankheit mit zeitlicher und räumlicher Begrenzung; bei Tieren (zum Beispiel Brucellose) als Epizootie bezeichnet. Siehe auch Endemie, Pandemie.

Epidemiologie: Lehre von den Gesetzmäßigkeiten der prozesshaften Veränderung der Krankheit als Massenerscheinung (Gegenstand) innerhalb definierter Bevölkerungen (Objekt).

Epidermis: 1. Anatomie: Oberhaut; siehe auch Haut.

2. Botanik: Oberhaut der Pflanzen aus dicht aneinander liegenden Zellen, deren Außenwände häufig verstärkt sind. Die Epidermis ist meist einschichtig und enthält die Spaltöffnungen für den Gasaustausch, sie schützt die Pflanze vor Beschädigungen und Infektionen, besonders aber vor Wasserverlust durch Verdunstung.

Epidermoid: angeborene Zyste mit epidermisähnliche Auskleidung.

Epidermophytie, Tinea: durch verschiedene Pilzarten (Trichophyton, Epidermophyton, Hefen, Schimmelpilze) verursachte Hautkrankheit, besonders der Füße (Fußmykose, Fußpilzflechte), mit juckenden Bläschen, Erosionen, Schuppen und Hyperkeratosen; Verbreitung zum Beispiel durch Badeanstalten und Waschräume. Vermehrte Schweißsekretion, Durchblutungsstörungen, Tragen von Gummischuhen unter anderem fördern die Entstehung.

Epidot: Mineral; eisenhaltiges Kalzium-Aluminium-Silikat; monoklines Kristallsystem, grüne, prismatische, flächenreiche glasglänzende Kristalle; Härte 6 bis 7, Dichte 3,35 bis 3,38 g/cm3; gesteinsbildend in Grünschiefern und Skamen, zum Beispiel des Erzgebirges und der Alpen. Siehe auch Minerale.

Epigastrium: Oberbauchgegend (Magengrube), die vom Schwertfortsatz des Brustbeins, beiden Rippenbögen und einer die tiefsten Punkte der Rippenbögen miteinander verbindenden Linie begrenzt wird.

Epigenese: die während der Embryonalentwicklung eines Individuums ablaufende Neubildung und fortschreitende Differenzierung von Strukturen, als deren Ergebnis aus der befruchteten Eizelle ein neuer Organismus entsteht. Die Epigenese Theorie wurde 1759 von C. F. Wolff gegensätzlich zu der bis dahin angenommenen Präformationslehre aufgestellt.

epigenetisches Tal: Durchbruchstal, in dem der Fluss einen höher aufragenden, widerstandsfähigeren Gesteinskörper scheinbar gefällswidrig durchbricht (zum Beispiel Elbtal bei Meißen); entsteht durch Tiefenerosion und synchrone Abtragung einer ursprünglich höher liegenden, teilweise weniger widerstandsfähigen Landoberfläche.

Epigone: (griechisch, «Nachkomme») unschöpferischer Nachfolger, Nachahmer.

Epigonen Literatur: Literatur, die hervorragende Dichtung einer vergangenen Epoche, deren historisch konkrete Wirkung und Funktion verkennend, unkritisch wie unschöpferisch (das Formale betonend) nachahmt, damit den Traditionsbezug verfälscht und neuen gesellschaftlichen wie ästhetischen Notwendigkeiten ausweicht beziehungsweise diese nicht erkennt; im engeren Sinne bürgerlicher Literaturrichtung des 19. Jahrhundert in der Nachfolge der Klassik und Romantik (Münchner Dichterkreis, Epigonen Literatur von Wildenbruch).

Epigonentum: Haltung und Praxis des unschöpferischen Nachahmens großer Vorbilder, zumeist in bedeutenden Kunstepochen nachfolgenden Zeiten. Diese Bedeutung wurde vor allem seit K. L. Immermanns Roman «Die Epigonen» (1836) üblich. Das Epigonentum ist eine in allen Kunstgattungen auftretende Erscheinung.

Epigramm: in der griechischen Antike ursprünglich Inschrift in Distichen (an Bauten, Denkmälern, Bildwerken); seit dem 5. Jahrhundert vor Christus intellektuell anspruchsvoller Zweizeiler mit oft satirischen Bezug auf eine Persönlichkeit oder ein Ereignis (im Altertum unter anderem von Catull, Martial); auch in der deutschen Literatur als Sinngedicht eingeführte Form. Höhepunkt der Epigrammdichtung war im 17. Jahrhundert das Schaffen F. von Logaus. Sein Epigramm «Wie willst du weiße Lilien zu roten Rosen machen, küss eine weiße Galathee: sie wird errötend lachen» wurde zum Leitmotiv für G. Kellers Novellen-Zyklus «Das Sinngedicht». G. Lessing, J. W. Goethe und F. Schiller verwendeten das Epigramm vor allem in literatur- und gesellschaftskritische Absicht (unter anderem J. W. Goethe und F. Schiller «Xenien», 1787).

Epigraph: in der Antike Auf- beziehungsweise Inschrift (an Tempeln, Hauswänden, Ehrenbogen).

Epigraphik: Inschriftenkunde; von der Archäologie abgezweigte Wissenschaft zur Entzifferung antiker und altorientalischer Inschriften.

Epik, epische Dichtung: literarische Gattung, die vergangenes, relativ abgeschlossenes Geschehen mehr oder minder ausführlich (epische Breite) und objektiviert gestaltet. Die Herausbildung der vielfältigen epischen Groß- und Kleinformen (Epos, Roman; Anekdote, Fabel, Märchen, Sage, Erzählung, Novelle, Kurzgeschichte, Reportage unter anderem) ist historisch bedingt. Die Epik bedient sich sowohl der eindringlicheren, emotional wirkungsvolleren Ich-Form als auch der räumlich zeitlich und geistig-ideologisch weniger beschränkten Er-Form; der Erzähler kann sich direkt an sein Publikum wenden, kann aber auch völlig hinter sein Werk zurücktreten. Immer beruht aber Epik auf der kommunikativen Grundsituation des Erzählens, Berichtens in Prosa, aber auch in Versen. Im Verlauf der Literaturgeschichte hat sich eine große Vielfalt nicht nur der einzelnen Strukturen der Epik herausgebildet, sie gibt in ihrer Gattungseigentümlichkeit auch den größten Raum für die dichterische Subjektivität und individuelle Formbestimmung.

Epikard: inneres (viszerales) Blatt des Herzbeutels, das dem Herzen und dem herznahen Abschnitt der großen Blutgefäße unmittelbar anliegt.

Epikondylitis: schmerzhafter Zustand im Bereich des Ellenbogens, bedingt durch Reizung der Knochenhaut oder der Sehnenansatzstellen am äußeren, seltener inneren Rollkörper des ellenbogennahen Oberarmknochens. Ursache sind monotone Be- und Überlastung der Hand- und Unterarmmuskulatur oder muskuläre Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule.

epikontinental: auf dem Festland befindlich, zum Beispiel als Schelfmeer.

Epikrise: abschließender, zusammenfassender Bericht über einen Kranken.

Epiktet, um 50-130, griechischer Philosoph; Vertreter des Stoizismus. Seine religiös-ethischen Lehren (Freiheit von allen Begierden, Einpassung in die göttliche Weltordnung) hatten durch das aus Nachschriften exzerpierte «Handbüchlein der Moral» große Nachwirkung.

Epikur, 341-271 vor Christus, griechischer Philosoph; bestimmte als das von allen Wesen naturgemäß erstrebte Lebensziel die Lust, die er als schmerzlosen Zustand versteht, der Ataraxie, Mäßigung der Begierden, Abschirmung gegen äußere Einflüsse («Lebe im Verborgenen»), Freiheit von Furcht vor dem Tode sowie Befreiung von religiösen Vorurteilen voraussetzt. Das notwendige rationale Weltbild entlehnte er dem Materialismus Demokrits, dessen strengen Determinismus er (zur Begründung der Willensfreiheit) durch die Möglichkeit akausaler Abweichung der Atome ersetzte. Wissenschaft ist nach Epikur ganz der Ethik untergeordnet und nach Sicherung des Lebenszieles überflüssig. Epikurs rationalistische Aufklärung (Epikureismus) hat eine positive Rolle im Kampf gegen Mystik und Idealismus gespielt.

Epilation: Enthaarung aus therapeutischen oder kosmetischen Gründen, entweder mechanisch oder elektrisch beziehungsweise durch Röntgenstrahlen oder Thallium.

Epilepsie, Fallsucht: zeitweilig auftretende Krampfzustände des gesamten Körpers mit Zuckungen in den Gliedmaßen und meist kurzer Bewusstlosigkeit, Schaum vor dem Mund, Zungenbiss, selten Harnabgang. Auf Lichteinfall reagieren die sehr weiten Pupillen nicht. Es kann auch zu Absence und Dämmerzustand kommen. Man unterscheidet einen kleinen Anfall (Petit mal) und einen großen Anfall (Grand mal), der mehrere Minuten dauert und mit Hinstürzen verbunden ist. Ursachen sind Hirnverletzungen, Geschwülste, Entzündungen, Gefäßleiden oder erblich bedingte Faktoren. Die Behandlung des Grundleidens oder eine fortlaufende medikamentöse Behandlung ist notwendig.

Epilimnion: obere, erwärmte Wasserschicht im thermisch geschichteten See. Es folgt die Temperatursprungschicht (Metalimnion) und das kalte Tiefenwasser (Hypolimnion).

Epilog: (griechisch, «Nachwort») der ein Literaturwerk abschließende Teil, in dem der Dichter sein Werk kommentiert, rechtfertigt oder erklärt. Manchmal wird der Epilog direkt in das Finale eines Werkes einbezogen, so in J. W. Goethes «Leiden des jungen Werthers» oder in B. Brechts Stück «Der gute Mensch von Sezuan».

Epimetheus, in der griechischen Sage Bruder des Prometheus, nahm trotz dessen Warnung Pandora auf.

Epiphyse: 1. Gelenkende der Röhrenknochen.

2. Epiphyse, Corpus pineale (lateinisch) n, Zirbeldrüse: innersekretorische Drüse am hinteren oberen Abschnitt des 3. Hirnventrikels; ist als Teil des Zwischenhirns bei einigen Säugetieren für die Regulation des Pigmenthaushaltes verantwortlich.

Epiphysenfuge: knorpeliger Abschnitt kindlicher und jugendlicher Röhrenknochen zwischen Epiphyse und Diaphyse.

Epiphysenlösung: Ablösen von gelenkbildenden Knochenenden durch Auflockerungen im Bereich der Wachstumsfuge, besonders infolge hormoneller Störungen im Jugendalter oder durch Unfall bei noch nicht geschlossenen Epiphysenfugen.

Epiphyten: meist tropische Pflanzen, die auf Bäumen leben, aber keine Schmarotzer sind, zum Beispiel die meisten Orchideen und Bromelien, manche Farne, Flechten und Moose.

Epirogenese: weiträumige Hebungen und Senkungen von Teilen der Erdkruste über lange Zeiträume. Die Epirogenese bewirkt in den Kontinentalgebieten unter anderem den Sedimentationszyklus.

Epirus, Epeiros: Landschaft im Nordwesten Griechenlands, auf den Süden Albaniens übergreifend; als griechischen Landesteil 4 Distrikte umfassend. 9203 km2, 310000 Einwohner; 34 Einwohner/km2; wichtigster Ort Ioannina; parallel der Küste als Fortsetzung der Dinariden über 2000 m hohe kahle Kalkgebirge und bewaldete Flyschketten; Weidewirtschaft (Rinder-, Pferde-, Schaf- und Ziegenzucht); in den fruchtbaren Becken Anbau von Getreide, Zitrusfrüchten, Tabak, Oliven.

episch: (griechisch) erzählend, berichtend; siehe auch Epik.

episches Theater: Gestaltungsmethoden und Formen der Theaterarbeit und Dramatik, die in Anwendung von Prinzipien der marxistisch-leninistischen Weltanschauung auf das Theater seit den 20er Jahren des 20. Jahrhundert insbesondere von B. Brecht entwickelt wurden. Das Publikum soll zu bewusstem Erleben geführt werden (das heißt zu kritischen Interesse, das Vergnügen und emotionales Beteiligt sein einschließt), Einsichten in gesellschaftlicher Gesetzmäßigkeiten gewinnen und Impulse zu gesellschaftlichem aktivem Verhalten entwickeln. Hauptmethode ist die Verfremdung, die Bekanntes als «befremdlich» darstellt; der damit erreichte Verfremdungseffekt lässt gesellschaftliche Realitäten als veränderbar begreifen. Die Mittel der Verfremdung beziehen sich sowohl auf Stücke (a) als auch auf die theatralische Darstellung (b):

a) besondere «offene» Struktur, die die (klassizistischen) Begrenzung des zeitlichen Ablaufs, der Handlungsorte und der Handlungsführung (auf lineare Kausalität) durchbricht und die Gestaltung historische Prozesse und großer gesellschaftliche Zusammenhänge ermöglicht; Einbeziehung kommentierender Elemente (Songs, dokumentarische Material und so weiter);

b) epische Spielweise, die der einfachen Einfühlung der Zuschauer in die Gestalten entgegenwirkt und häufig artistische Elemente betont (erzählendes Arrangement, eigenständige Funktion von Bühnengestaltung, Pantomime, Musik, Gesang). Das epische Theater hat reiche Beziehungen zu Traditionen des internationalen Theaters und der Dramatik verschiedener Länder. Theorie und Praxis des epischen Theaters erfuhren besonders durch das Berliner Ensemble ihre Ausprägung und Weiterentwicklung. Das epische Theater hat Einfluss auf das Schaffen vieler zeitgenössischer Theaterleute (zum Beispiel G. Strehler in Italien, R. Planchón in Frankreich, J. Ljubimow) und Dramatiker (zum Beispiel F. Dürrenmatt, P. Weiss, J. Arden).

Episkopat: Amt eines Bischofs; Gesamtheit der Bischöfe in der katholischen und anglikanischen Kirche.

Episode: kurzes Erlebnis; Nebenhandlung.

Episomen: in vielen Bakterienzellen nachgewiesene DNS-Moleküle, die zusätzlich zur DNS im normalen Bakterienchromosom Vorkommen und bestimmte phänotypische Merkmale kontrollieren.

Epispadie: Harnröhrenspalte; angeborene Missbildung der männlichen Harnröhre mit Mündung an der Oberseite des Gliedes. Siehe auch Hypospadie.

Epistel: (lateinisch griechisch, «Brief») ursprünglich Bezeichnung päpstlicher Erlasse; Apostelbriefe des Neuen Testaments.

Epitaph: (griechisch, «auf dem Grabe») Erinnerungsmal für einen Verstorbenen in oder an einer Kirche; seit Mitte des 14. Jahrhundert, in Renaissance und Barock besonders prächtig gestaltet.

Epitaxie: orientiertes Aufwachsen einer einkristallinen Schicht auf einer gleichartigen (Homoepitaxie) oder einer artfremden (Heteroepitaxie) Unterlage (Substrat); Verfahren zur Herstellung von Halbleiterbauelementen.

Epithel: Verband von Zellen, der äußere oder innere Oberflächen des Körpers oder von Hohlorganen bedeckt. entsprechend den vielfältigen Funktionen des Epithels werden mehrere Arten unterschieden.

Epithese: anatomisch nachgeformter künstlicher Ersatz verlorengegangener Gewebepartien aus hautfarbenen starren oder elastischen Werkstoffen, zum Beispiel bei Defekten im Gesichtsbereich nach Geschwulstoperationen oder nach Unfällen.

Epitheton: (griechisch, «das Hinzugefügte») attributiver Zusatz zu einem Substantiv mit sachlich-erläuterndem (essbarer Pilz) oder emotional bewertendem Charakter (prächtiger Pilz).

Epizoen: Tiere, die auf anderen lebenden Tieren siedeln, zum Beispiel Seepocken auf Schwämmen und Korallen.

Epizykeltheorie: auf Apollonios von Perge zurückgehende, sowohl von Ptolemäus als auch Kopernikus benutzte geometrische Darstellungsweise der ungleichförmigen scheinbaren Bewegung der Planeten, speziell der Schleifenbahnen. Der Planet bewegt sich danach gleichförmig auf einem Kreis, dem Epizykel, dessen Mittelpunkt sich gleichförmig auf einem anderen Kreis, dem Deferenten, um die Erde bewegt.

Epoche: 1. allgemein (bedeutsamer) großer Zeitabschnitt.

2. Astronomie: Zeitpunkt, auf den bestimmte astronomische Größen bezogen sind, zum Beispiel Ort und Geschwindigkeit eines Planeten, Koordinaten eines Gestirns.

3. Geologie: Zeitabschnitt, in dem die Schichtfolgen einer Abteilung innerhalb eines geologischen Systems gebildet wurden. Siehe auch geologische Systeme.

4. Philosophie: bestimmter Abschnitt in der historischen Entwicklung ökonomischer Gesellschaftsformationen, in der Regel eine Übergangsphase. Epochen sind wesentlich durch die Klassenkräfte charakterisiert, die ihnen das Gepräge geben und den entscheidenden sozialen Inhalt sowie die Hauptrichtung des historischen Fortschritts bestimmen. 1917 begann zum Beispiel die Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus (revolutionärer Weltprozess).

Epopöe: Epos, das Götter- oder Heldensagen behandelt; auch Bezeichnung für größeres episches Gedicht oder Romanzyklus.

Epos: (griechisch, «das Gesagte»; Plural Epen) historisch frühe Großform der Epik, die bedeutende Stoffe aus Mythologie, Sage und Geschichte gestaltet, einen großen Kreis typisierter Personen aufweist und die Handlung in einheitlichen Versen gleichmäßig fortschreiten lässt. Im Altertum wurde das Epos von einem Sänger (Rhapsoden) vorgetragen und mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Das Volksepos entstand bei allen Völkern auf einer frühen Stufe ihrer gesellschaftlichen Entwicklung. Oft viel später wurde es aufgezeichnet und künstlerisch ausgeformt. Im 3. Jahrtausend vor Christus ist das «Gilgamesch Epos» belegt, um 700 vor Christus Homers «Ilias» und «Odyssee»; ihrem Vorbild folgten die späteren Epen der Griechen und Römer, zum Beispiel Vergils «Äneis» (29-19 vor Christus). Zahlreiche Heldenepen bildeten sich unter den germanischen Völkern aus («Nibelungen», «Gudrun», «Dietrich», «Walthari», «Beowulf»). Im Mittelalter entstanden höfliche Epen unter anderem von Chrétien de Troyes, Heinrich von Veldeke, Wolfram von Eschenbach, Hartmann von Aue, Gottfried von Straßburg. Berühmtestes Epos der Renaissance ist Dantes «Göttliche Komödie» (um 1320). Bedeutende religiöse Epen sind «Das verlorene Paradies» (1667) von J. Milton und «Der Messias» (1748/73) von F. G. Klopstock. Im Allgemeinen entsprach seit dem 16. Jahrhundert die Form des Epos nicht mehr den historisch-ästhetischen Ansprüchen des sich emanzipierenden Bürgertums; es wurde durch die neue Großform des Romans abgelöst. Ab und an erschien es noch als komisch-parodistisches Epos oder als spezifische idyllenhafte Dichtung, so im Schaffen J. W. Goethes («Hermann und Dorothea», 1797) oder J. H. Voß1. G. W. F. Hegels historisch begründete Auffassung von der notwendigen Ablösung des Epos durch den Roman hat sich schon im 19. Jahrhundert angesichts aller Versuche, das Epos wiederzubeleben, bestätigt.

Epoxide: chemische Verbindungen der Formel R-CH-CH-R (R = organisch-chemische Atomgruppe oder Wasserstoff). Die Epoxide werden durch Abspaltung von Chlorwasserstoff aus Chlorhydrinen hergestellt und zum Beispiel zur Herstellung von Epoxidharzen verwendet. Epoxide können im oxidativen Stoffwechsel verschiedener Arzneimittel unter anderem Stoffe (aromatische Kohlenwasserstoffe, Alkylbarbiturate, Carbamazepin, Antipyrin, Aflatoxin B,) entstehen. Sie können mutagen und mitunter auch kanzerogen wirken.

Epoxidharze, Zeichen EP: härtbare Kunstharze, hergestellt durch alkalische Kondensation von Epichlorhydrin mit 2wertigen Phenolen, zum Beispiel Dian. Die zunächst zähflüssigen bis festen, löslichen und schmelzbaren Epoxidharze lassen sich mit basischen Härtern, zum Beispiel Aminen, bereits bei 20 °C, mit sauren Härtern, zum Beispiel Dikarbonsäureanhydriden, bei 150 bis 170°C drucklos und blasenfrei aushärten. Im Endzustand sind die Epoxidharze hart und spröde, geruch- und geschmackfrei sowie bis 105 (auch 130) °C formbeständig. Sie sind beständig gegen Wasser (bis 70°C), organische Lösungsmittel und verdünnte Säuren, jedoch unbeständig gegen Laugen. Die mechanischen, thermischen und elektrischen Eigenschaften lassen sich durch Füllstoffe, wie Quarz- oder Gesteinsmehl, wesentlich beeinflussen. Glasfaserverstärkte Epoxidharze übertreffen die Zugfestigkeit von Stahl. Epoxidharze sind hervorragende Metallkleber; auch werden sie als Gießharze und Lackrohstoffe verwendet.

Epoxidharzlacke: Epoxidharz enthaltende, wetter-, wasser- und chemikalienbeständige Anstrichstoffe von großer Härte und gutem Haftvermögen. Epoxidharzlacke sind ofentrocknend oder als Zweikomponentenlacke kalthärtend.

Eppenstein, Martin Otto, 10.10. 1876-7.10. 1942, Physiker; Mitarbeiter der Jenaer Zeiss Werke; entwickelte 1922 das Eppenstein-Prinzip der Längenmesstechnik. Das Buch von S. Czapski und Eppenstein «Grundzüge der Theorie der optischen Instrumente» gilt als klassischer Standardwerk auf diesem Gebiet.

Epsomit, (nach Epsom und Ewell) Bittersalz: Mineral, wasserhaltiges Magnesiumsulfat; rhombisches Kristallsystem, prismatische, weiße oder farblose, durchsichtige Kristalle, von guter Spaltbarkeit und bitterem Geschmack; Härte 2 bis 2,5, Dichte 1,68 bis 1,75 g/cm3.

Epstein-Gerät, Epstein-Rahmen (nach dem Erfinder): Messeinrichtung zur Bestimmung der spezifischen Ummagnetisierungsverluste an Dynamoblech beziehungsweise mit zusätzlichen Messgeräten als Ferrometer für Hysteresekurve und Anfangspermeabilität.

Epulis: dem Zahnfleisch aufsitzende Granulationsgeschwulst unterschiedlicher Zellstruktur, deren Entfernung meist mit der Extraktion des Zahnes kombiniert werden muss.

Equestrik: die verschiedenen Formen der Reitkunst (Hohe Schule, Freiheitsdressuren, Panneaureiten, Parforcereiten, Jockey reiten, Pas-de-deux-Reiten, Dschigiten-Reiterei unter anderem).

Equipage: früher übliche Bezeichnung für elegante Kutsche.

Equités: (lateinisch, «Reiter, Ritter»; Sing. Eques)

1. ursprünglich die im alten Rom von der herrschenden Klasse gestellte Reiterei.

2. im römischen Reich seit dem 2. Jahrhundert vor Christus der Ritterstand (ordo equester), die nichtadlige Oberschicht der Plebejer, der ökonomisch und politisch ein privilegierter Stand war.

Erasmus, Desiderius, genannt Erasmus von Rotterdam, eigentlich Gérard Gerards, 27. oder 28. 10. 1466-12. 7. 1536, Philosoph und Theologe; Vertreter des Humanismus; Herausgeber des griechischen Urtextes der Bibel, zahlreicher antiker Autoren sowie der Kirchenväter; kritisierte von humanistischen-reformer. Positionen aus die Verfallserscheinungen des Katholizismus. Seine (satirische) Streitschriften enthielten entschiedene Zeitkritik («Lob der Torheit», 1509). Erasmus Arbeiten über den Frieden sowie seine philosophische Polemik mit M. Luther über die Willensfreiheit waren in Europa berühmt. Erasmus zählte zu den Wegbereitern einer neuen Pädagogik. Als Gegner der Scholastik forderte er Anpassung des lateinischen Sprachunterrichts an das kindliche Fassungsvermögen, Schulung der Denkfähigkeit und Gemeinschaftserziehung. Körperliche Strafen lehnte er ab. Er veröffentlichte eine bedeutende Sprichwörtersammlung.

Eratosthenes von Kyrene, um 276-um 195 vor Christus, hellenistischer Mathematiker, Geograph, Schriftsteller und Philologe; bestimmte erstmals den Erdumfang durch Messung eines Meridianbogens, berechnete die Schiefe der Ekliptik. Siehe auch Sieb des Eratosthenes.

erbbiologisches Gutachten: auf wissenschaftlicher Prüfung und Vergleichung vererbliche Körpermerkmale bei Kind, Mutter und dem als Vater bezeichnten Mann beruhende ärztliche Begutachtung, durch die eine Vaterschaft als wahrscheinlich oder unwahrscheinlich erkannt, eventuell in Verbindung mit anderen Beweisen sogar mit Sicherheit festgestellt werden kann.

Erbengemeinschaft: mehrere Erben (Miterben), denen der Nachlass bis zu seiner Aufteilung als gemeinschaftlichem Eigentum zusteht (Gesamteigentum). Über die Erbschaft und die einzelnen Nachlassgegenstände können die Miterben nur gemeinschaftlich verfügen, jedoch kann jeder Miterbe über seinen Erbteil durch notariell beurkundeten Vertrag verfügen. Verpflichtungen aus der Verwaltung des Nachlasses können nur gemeinsam eingegangen werden, abgesehen von Maßnahmen zur Erhaltung des Nachlasses. Die Erbengemeinschaft wird durch Aufteilung des Nachlasses aufgehoben.

Erbenhaftung: Pflicht des Erben, die Nachlassverbindlichkeiten zu erfüllen. Die Erbenhaftung ist auf die Höhe des Nachlasses beschränkt, wenn der Erbe nicht die ihm vom Staatlichen Notariat auferlegte Pflicht zur Errichtung eines ordnungsgemäßen Inventarverzeichnisses schuldhaft verletzt hat. Miterben haften als Gesamtschuldner.

Erbfall: Tod eines Bürgers als Grund und Zeitpunkt des Übergangs seines Eigentums auf die Erben. Siehe auch Erbrecht.

Erbfehler: Tierzucht Abweichung von der Norm, deren Ursache an die Chromosomen (Träger der Erbanlagen) gebunden ist und im Erbgang übertragen wird.

Erbfolge: Gesamtrechtsnachfolge der Erben in das Vermögen des Erblassers (Nachlass) auf Grund Gesetzes (gesetzt. Erbfolge) oder Testaments (testamentarische Erbfolge) mit dem Erbfall. Gesetzl. Erbfolge tritt ein, soweit der Erblasser nicht durch Testament über den Nachlass verfügt hat, ferner wenn der testamentarische Erbe vor dem Erblasser verstorben ist oder die Erbschaft ausschlägt und der Erblasser für diesen Fall keine Verfügung getroffen hat. Siehe auch Erbrecht.

Erbinerden, (nach dem schwedischen Ort Ytterby) die Oxide der Seltenerdmetalle Dysprosium, Erbium, Holmium und Thulium.

Erbium, (nach dem schwedischen Ort Ytterby) Symbol Er: chemisches Element der Kernladungszahl 68; Seltenerdmetall; Atommasse 167,26; Wertigkeit +3; F 1522°C; Kp 251TC; Dichte 9,04 g/cm3. Erbium Verbindungen sehen in der Regel rosafarben aus. Erbium wurde 1843 von dem schwedischen Chemiker Carl Gustav Mosander (1797-1858) entdeckt.

Erbkaisertum: vererbbare Kaiserwürde, nicht von einer Wahl (Wahlkaisertum) abhängig.

Erbkrankheit: Krankheitsbild, das durch eine Mutation verursacht wird. Häufig bedingt eine Genmutation eine Stoffwechselstörung; die Vererbung folgt dann den Mendelschen Gesetzen.

Erbprognose: insbesondere die Angabe des Erwartungsrisikos hinsichtlich des Auftretens von Erbkrankheiten des Menschen in der nächsten Generation. Die Erbprognose beruht in Abhängigkeit vom speziellen Krankheitsbild unter anderem auf einer gründlichen Analyse der Familienbelastung, auf biochemische, zytogenetische und anthropologische Untersuchungen. Die empirische Erbprognose hat die Analyse von verwandtschaftsspezifischen Wiederholungsfällen in zahlreichen mit der gleichen Krankheit belasteten Familien zur Grundlage. Siehe auch humangenetische Beratungsstellen.

Erbrechen, Emesis, Vomitus (lateinisch): Entleerung des Magens über Speiseröhre und Mundhöhle nach Eintreten von Übelkeit (Nausea), starkem Speichelfluss und vertiefter Atmung. Das Zwerchfell und die Bauchmuskulatur ziehen sich zusammen, so dass der Mageninhalt ausgetrieben wird. Erbrechen ist ein wichtiges und vieldeutiges Krankheitszeichen und tritt vor allem bei Erkrankungen des Magen-Darm-Kanals, bei Infektionen und Krankheiten des Zentralnervensystems auf.

Erbschaftsbesitzer: derjenige, der, ohne als Erbe oder aus anderen Gründen dazu berechtigt zu sein, Nachlassgegenstände besitzt. Er hat sie dem Erben herauszugeben und kann vom Staatlichen Notariat verpflichtet werden, ein Nachlassverzeichnis einzureichen.

Erbschaftskauf: Vertrag über den Verkauf der Erbschaft oder des Erbteils durch einen Erben oder Miterben; er bedarf der notariellen Beurkundung. Den Miterben steht ein Vorkaufsrecht zu.

Erbschaftssteuer: Steuer auf den Vermögenszugang durch Erbanfall oder durch Schenkung (Schenkungssteuer); ist in der Höhe gestaffelt nach dem Wert des Erwerbs und nach dem Verwandtschaftsgrad. Nur der einen Freibetrag übersteigende Betrag ist steuerpflichtig.

Erbschein: vom Staatlichen Notariat auf Antrag ausgestellte Urkunde über das Erbrecht und die Größe des Erbteils des Erben. Der Erbschein begründet die Vermutung, dass dem als Erbe bezeichneten Bürger das Erbrecht zusteht und schützt denjenigen, der auf seine Richtigkeit vertraut, sowohl beim Erwerb von Nachlassgegenständen wie bei Leistungen, die dem Erben zu erbringen sind. Mehreren Erben kann ein gemeinschaftlicher Erbschein ausgestellt werden.

Erbse, Gartenerbse, Pisum sativum: einjähriger Schmetterlingsblütler mit weißen oder rotvioletten Blüten, paarig gefiederten Blättern, die in eine Wickelranke auslaufen; Frucht ist eine Hülse (nicht Schote), deren Samen genutzt werden.

Erbsenbein, Pisiforme: Handwurzelknochen an der Kleinfingerseite des Handskeletts.

Erbsenkäfer: 3 bis 4 mm großer, schwarzweiß gefleckter Samenkäfer; Eiablage in den Hülsen der Erbse; die Larven höhlen die reifenden Samen aus und überwintern in diesen beziehungsweise verlassen sie im Vorratslager.

Erbsenmuscheln, Pisidium: kleinste heimische Süßwassermuscheln, Schalenlänge meist nur wenige Millimeter; können zeitweiliges Austrocknen überstehen. Siehe auch Muscheln.

Erbsenstrauch, Caragana: Schmetterlingsblütler aus Sibirien und der Mandschurei; bis 5 m hoher Zierstrauch mit gefiederten Blättern und gelben Blüten.

Erbsmehl: Mahlerzeugnis von aufgeschlossenen gelben und grünen Erbsen; dient unter anderem zur Bereitung von Suppen.

Erbteil: Anteil eines Miterben am Nachlass bis zur Aufteilung des Nachlasses.

Erbuntertänigkeit: erbliche persönliche Abhängigkeit des Bauern vom Grundherrn im Feudalismus; in Preußen durch Edikt von 1807 aufgehoben.

Erbunwürdigkeit: Verlust des Erbrechts, von Pflichtteilsansprüchen sowie von Ansprüchen aus Vermächtnissen wegen bestimmter schwerwiegender Handlungen. Hierzu gehören unter anderem Tötung des Erblassers, seines Ehegatten oder seiner Nachkommen, ferner bestimmte rechtswidrige Einwirkungen auf Errichtung, Änderung oder Aufhebung eines Testaments sowie dessen Fälschung oder vorsätzliche Beseitigung. Die Erbunwürdigkeit ist gerichtlich geltend zu machen. Die Klage kann innerhalb von 6 Monaten seit Kenntnis des Grundes für die Erbunwürdigkeit, jedoch höchstens 4 Jahre nach dem Erbfall von jedem erhoben werden, der ein rechtliches Interesse an der Feststellung hat. Bei festgestellter Erbunwürdigkeit findet die Erbfolge statt, als wenn der Betreffende zur Zeit des Erbfalls nicht gelebt hätte.

Erbverzicht: nach früherem Recht zulässiger notarieller Vertrag mit dem Erblasser, in dem ein als Erbe, Pflichtteilsberechtigter oder Vermächtnisnehmer in Betracht Kommender auf diese Rechte verbindlich verzichtete.

Erbwert: Schätzwert zur Erfassung der genetischen Veranlagung eines Tieres; wird anhand der Vorfahren-, Geschwister- oder Eigenleistung ermittelt. Siehe auch Zuchtwert.

Erdalkalimetalle: die zur II. Hauptgruppe des Periodensystems gehörenden chemischen Elemente Kalzium, Strontium, Barium und Radium. Es handelt sich um an der Luft unbeständige, mit Wasser unter Bildung von Basen reagierende Leichtmetalle. Die Oxide der Erdalkalimetalle waren schon vor der Entdeckung der Elemente durch den Engländer H. Davy (1808) unter der Bezeichnung Erdalkalien bekannt. Die Erdalkalimetalle werden durch Schmelzflusselektrolyse gewonnen und dienen als Reduktionsmittel zur Gewinnung anderer Metalle.

Erdanziehung: Kraft, die auf jeden Körper im Anziehungsbereich der Erde wirkt; Sonderfall der Gravitation. Erdanziehung und Zentrifugalkraft infolge Erdrotation sind die wichtigsten Komponenten der Schwere.

Erdbau: Teilgebiet des Tiefbaues, umfasst alle Arbeiten, die mit dem Lösen, Fördern, Einbau und Verdichten von Lockergesteinen und der Errichtung von Erdbauwerken (Damm 2, Deich) verbunden sind.

Erdbeben: Bodenerschütterungen, die durch natürliche Vorgänge in der Erde verursacht werden. Nach ihrer Ursache unterscheidet man vulkanisches Beben (durch Gasexplosionen bei Vulkanausbrüchen), Einsturzbeben (durch Einsturz unterirdischer Hohlräume) und tektonisches Beben. Letztere, die 90% aller Erdbeben ausmachen, werden durch geotektonische Prozesse (zum Beispiel durch Auslösung angestauter mechanischer Spannungen an den Grenzen großer Platten der Erdkruste; siehe auch Plattentektonik) ausgelöst. Große Erdbeben, sogenannt Weltbeben, verursachen Eigenschwingungen des Erdballs. Mögl. Auswirkungen der Erdbeben sind Bodenversetzungen und -spalten, Rutschungen, Bergstürze, Brüche von Versorgungsleitungen (Öl, Wasser), Beschädigung und Vernichtung von Bauwerken sowie seismische Wogen (Tsunami). Die Stärke der Erdbeben wird nach dem Grad der Zerstörung (Mercalli-Skala) oder dem der freigesetzten Energie (Richter-Skala) gemessen. Die stärksten Auswirkungen werden im Allgemeinen im Epizentrum, dem Punkt senkrecht über dem Erdbebenherd (Hypozentrum) beobachtet. Je nach Tiefe des Erdbebenherdes unterscheidet man Oberflächenbeben, mitteltiefe Erdbeben und Tiefbeben (bis 700 km Tiefe). Verbindet man auf einer Karte Orte, an denen die Wellen des gleichen Bebens in gleicher Stärke beobachtet wurden, durch eine Linie (Isoseiste), erhält man Hinweise auf Form, Lage und Struktur des Erdbebenherdes und auf dessen Deckgebirge. Ein Erdbeben löst Druck- und Scherwellen aus, die sich längs der Erdoberfläche als Oberflächenwellen und im Erdinneren als Raumwellen ausbreiten und mittels Seismographen aufgezeichnet werden. Daraus kann auf die Struktur und die Eigenschaften des Erdinnern geschlossen werden. Erdbeben treten nicht gleichmäßig über die Erde verteilt auf, sondern konzentrieren sich auf junge Faltungs- und Bruchzonen sowie auf Plattengrenzen (zum Beispiel auf die Umrandung des Stillen Ozeans, den Mittelmeerraum, den Mittleren Osten, auf Südwestchina, den Malaiischen Archipel und den Ostafrikanischen Graben). 1950/80 ereigneten sich 18 verheerende Erdbeben, bei denen etwa 760000 Menschen umkamen. An einer verlässlichen Erdbebenvorhersage wird international gearbeitet. In den seismisch besonders gefährdeten Ländern wird eine erdbebensichere Bauweise praktiziert; siehe auch Seebeben, Seismizität.

Erdbeere, Fragaria: Gattung der Rosengewächse mit weißen Blüten und roter, fleischiger Sammelnussfrucht. Heim. Arten sind unter anderem die Walderdbeere (F. vesca) in Laubwäldern oder die Knackerdbeere (F. viridis) in Trockengebüschen. Die Gartenerdbeere (F. ananassa) ist eine in vielen Sorten gezüchtete Bastardart aus der chilenischen F. chiloensis und der nordamerikanischen F. virginiana. Mehrmals im Jahr fruchtet die kleinfrüchtige Monatserdbeere Vermehrung geschieht vegetativ durch Ausläufer.

Erddruck: Spannungen und Kräfte an der Grenzfläche zwischen Baukonstruktion und Erdstoff (Lockergestein) beziehungsweise in dessen Innerem, die infolge des Eigengewichts und äußerer Lasten auftreten.

Erde: drittnächster Planet der Sonne. Die Erde umläuft die Sonne auf einer elliptischen Bahn mit einer mittleren Geschwindigkeit von 29,8 km/s. Die Erde hat näherungsweise die Form eines Rotationsellipsoids (siehe auch Erdellipsoid). Da die Drehachse der Erde nicht senkrecht auf der Bahnebene steht, gibt es auf der Erde Jahreszeiten. Die Erde ist zwar der Prototyp der erdartigen Planeten, unterscheidet sich aber durch ihre mobile Kruste, ihre ausgedehnte Hydrosphäre und die Zusammensetzung ihrer Atmosphäre deutlich von allen anderen Planeten. Der freie Sauerstoff in der Erdatmosphäre ist das Ergebnis der Fotosynthese der Pflanzen. Die Erde besitzt ein magnetischen Moment von 8 • 101S Wb • m, das von Strömungen im flüssigen Erdkern verursacht wird. In der Magnetosphäre der Erde befinden sich Strahlungsgürtel. Im Vergleich zur Solarkonstante ist der aus dem Erdinnern kommende Wärmestrom von 6,7 • 10W/m2 sehr klein, so dass er keine Rolle für den Wärmehaushalt an der Erdoberfläche spielt. Der Erdkörper ist nach seismologischen Untersuchungsergebnissen schalenförmig aufgebaut und wird grob in die Erdkruste, den Erdmantel und den Erdkern gegliedert. Zum Erdinneren hin, nehmen die leichten chemischen Elemente (Aluminium, Magnesium) ab und die schweren (Eisen, Nickel) zu. Die Gesamtoberfläche der Erde beträgt 510 Millionen km2 (im mittleren Meeresspiegelniveau); davon entfallen 360 Millionen km2 (71 %) auf das Meer und 150 Millionen km2 (29%) auf das Land (horizontale Gliederung), was einem Verhältnis zwischen Weltmeer und Festland von 2,45:1 entspricht. Land- und Wasserflächen sind ungleichmäßig über die Erdoberfläche verteilt. Einer Halbkugel mit überwiegend Wasser (Wasserhalbkugel mit Pol südwestlich von Neuseeland, Landanteil 9%) steht eine Halbkugel mit 49% Landanteil (Landhalbkugel mit Pol etwa an der Loire Mündung (Frankreich)) gegenüber. Das Festland wird in die 7 Kontinente Asien, Europa (beide zusammen auch Eurasien genannt), Afrika, Nordamerika, Südamerika, Australien (mit Ozeanien) und Antarktika einschließlich der diesen Erdteilen zugeordneten Inseln unterteilt. Große geschlossene Einheiten der Kontinente bezeichnet man als Subkontinente (zum Beispiel Vorderindien). Die Wasserfläche der Erde teilt man in die 4 Ozeane Pazifischen (Pazifik), Atlantischen (Atlantik), Indischen (Indik) und Arktischer Ozean (Arktik) mit ihren Nebenmeeren (Rand-, Mittel- und Binnenmeere) ein. Die vertikale Gliederung der Erde lässt sich in der hypsographischen (hypsometrischen) Kurve darstellen. Danach überwiegen auf dem Festland Gebiete in Höhen unter 1000 m über dem Meeresspiegel (75%), in den Meeren Gebiete mit Tiefen zwischen 3000 und 6000 m. Höchste Erhebung ist der Qomolangma im Himalaja mit 8 848 m, die größte Tiefe wurde im Philippinengraben (Cook Tief) mit 11516 m gemessen. Der Ortsbestimmung auf der Erde dient das Gradnetz mit 180 parallelen Breiten- und 180 jeweils über den Nord- und Südpol verlaufenden Längenkreisen (360 Halbkreise oder Meridiane). Es wird zur Kartenherstellung mittels der Kartennetzentwürfe in einer Zeichenebene abgebildet. Gemäß der abnehmenden Neigung des Einfalls des Sonnenlichtes werden die mathematischen oder Beleuchtungszonen (tropische, gemäßigte und kalte oder Polarzone) unterschieden. entsprechend der natürlichen, vorwiegend vom Klima bestimmten Ausprägung der Landschaft überziehen die Erde etwa west-östlich verlaufende charakteristische Landschaftsgürtel (natürliche oder physische Zonen). Auf der Erde leben rund 4,75 Md. Menschen, deren Verteilung sehr ungleichmäßig ist. Sie nutzen und verändern die Erde entsprechend den gesellschaftlichen Bedingungen und dem ökonomischen Entwicklungsniveau unterschiedlich intensiv. Gebietsweise ist die natürliche Landschaft bereits vollständig verändert worden (zum Beispiel Tagebaue, Einpolderungen).

Erdelektrizität: Gesamtheit der Erscheinungen, die mit dem Auftreten natürlicher elektrischer Ströme in der Erde Zusammenhängen. Erdmagnetische Variationen induzieren einen zeitlich verändert. Erdstrom: An Erzlagerstätten entstehen durch chemische Vorgänge elektrischer Ströme (Anwendung zur Lagerstättensuche; siehe auch Geolektrik).

Erdellipsoid: der Form des Erdkörpers am besten angepasstes Rotationsellipsoid, das durch die Umdrehung einer Ellipse um ihre kleine Achse entsteht und eine nur geringe Abweichung von der Kugel zeigt. Es dient als Bezugsfläche für Berechnungen und Abbildungen für Gebiete > 270 km Durchmesser.

Erderkundungssatellit: künstlicher Erdsatellit, der kartographische, geologische, ozeanographische, glaziologische unter anderem Untersuchungen, der Erkundung von Bodenschätzen sowie der land- und forstwirtschaftliche Überwachung dient. Siehe auch Erdsatellit, künstlicher.

Erdfall: durch Einsturz eines unterirdischen Hohlraumes an der Erdoberfläche gebildeter Trichter, entsteht im wasserlöslichen Gestein (Salz, Gips, Carbonat Gestein) durch Auslaugung (zum Beispiel Dolinen im Karst), aber auch über nicht verfüllten Hohlräumen des Bergbaus.

Erdferkel, Orycteropus afer: nachtaktiver Röhrchenzähner der afrikanischen Steppen mit schweinegroßem, schwach behaartem Körper, langem Schwanz, eselartigen Ohren, rüsselartiger Schnauze, dünner, langer Zunge und kräftigen Grabkrallen; frisst Ameisen und Termiten.

Erdflöhe, Halticinae: Unterfamilie der Blattkäfer mit 2 bis 4 mm großen Arten; vergrößerte Hinterbeine erlauben flohartiges Springen; an verschiedenen Nutzpflanzen schädlich.

Erdgas: in der Erdkruste vorkommendes, unter normalen Druck- und Temperaturbedingungen gasförmiges, brennbares Kohlenwasserstoffgemisch mit Heizwerten zwischen 20 und 55 MJ/m3. Neben Methan als Hauptbestandteil kann Erdgas auch Anteile höherer Kohlenwasserstoffe enthalten, die durch Kondensation abtrennbar sind. Man unterscheidet daher zwischen trockenen und nassen Erdgasen. Im Erdgas können außerdem noch Schwefelwasserstoff, Stickstoff, Kohlendioxid und Helium enthalten sein. Erdgas dient zur Energieerzeugung, als Heizgas, zur Gewinnung von Ruß und als petrolchemischer Rohstoff. Aus Erdgas kann sehr wirtschaftlich Synthesegas erzeugt werden (Dampfreformierung). Aus dem Methan des Erdgases werden Lösungsmittel, zum Beispiel Methylenchlorid, sowie Blausäure, Formaldehyd, Äthylen und Azetylen hergestellt. im weiteren Sinne werden unter Erdgas auch alle anderen in der Lithosphäre auftretenden Gase (Kohlendioxid, Ammoniak, Schwefelwasserstoff unter anderem) verstanden (Naturgas). Im Vergleich zu 1950 stieg die Welt-Erdgasgewinnung bis Anfang der 80er Jahre um das 8fache.

Erdgezeiten, Gezeiten der festen Erde: periodische Schwankungen der festen Erdoberfläche mit einer relativen Höhenänderung von 0,20 bis 0,40 m E entstehen durch unterschiedliches Zusammenwirken der Anziehungskräfte von Mond und Sonne sowie der Fliehkräfte der Bahnbewegung des Systems Erde-Mond und Erde-Sonne an jedem Punkt der rotierenden Erde.

Erdhund: kleiner Jagdhund (Teckel, Terrier), der unter der Erde in Fuchs- oder Dachsbauen arbeiten kann.

Erdinduktor: Messgerät für erdmagnetische Beobachtungen, insbesondere der Inklination; besteht aus einer rotierenden Spule, in der das Erdmagnetfeld eine elektrische Spannung induziert.

Erdkern: kugelförmiger Zentralteil der Erde mit einem Radius von rund 3500 km; nach seismologischen Untersuchungen gibt es einen flüssigen äußeren Erdkern von 2900 bis rund 5000 km Tiefe, eine 150km mächtige Übergangsschicht und einen festen, eisenreichen inneren Erdkern.

Erdkröte, Bufo bufo: nachtaktive, bis 15 cm lange Kröte mit warziger, braun bis grau getönter Oberseite; ernährt sich von Insekten und Kleintieren; in Eurasien und Nordafrika verbreitet.

Erdkruste: äußere, feste Schale der Erde; im Allgemeinen liegen unter einer Sedimentdecke eine Granit- und eine Basaltschale; Untergrenze ist die Mohorovicic Diskontinuität. Nach Ergebnissen von Tiefbohrungen und geophysikalischen Untersuchungen unterscheidet man eine ozeanische Erdkruste mit etwa 10 km Dicke (hier fehlt die Granitschale) und eine kontinentale Erdkruste mit einer mittleren Mächtigkeit von 40 km (unter Faltengebirgen bis maximal 70 km). Die Erdkruste unterliegt ständig geologischer Veränderungen, dem Wechselspiel aufbauender und zerstörender Kräfte.

Erdmagnetismus, Geomagnetismus: physikalische Eigenschaft des Erdkörpers, die den weitaus größten Teil des Erdmagnetfeldes verursacht Dieses schirmt die Erde vom Sonnenwind und von kosmischer Strahlung ab (siehe auch Magnetosphäre). Das auf der Erdoberfläche beobachtete Magnetfeld ähnelt dem auf der Oberfläche einer homogenen magnetisierten Kugel, in deren Mittelpunkt man sich einen Stabmagneten angeordnet denkt. Die Totalintensität wächst vom Äquator (mit rund 30 Mikrotesla) nach den Magnetpolen hin an (69 nT); sie ist eine vektorielle Größe; zu ihrer Beschreibung bedient man sich der Horizontal- und Vertikalintensität sowie der Deklination (Missweisung; Winkel zwischen geographischer und magnetischer Nordrichtung) und Inklination (Neigung einer im Schwerpunkt unterstützten Magnetnadel gegen die Waagerechte). Der Erdmagnetismus ist zeitlich veränderlich; das Erdmagnetfeld wurde in geologischen Zeiträumen wiederholt umgepolt. Örtl. Abweichungen vom Erwartungswert, bedingt durch die unterschiedliche Magnetisierung der Gesteine, nennt man erdmagnetische Anomalien (zum Beispiel bei Kursk). Sie können zur geophysikalischen Lagerstättensuche nutzbar gemacht werden (siehe auch Geomagnetik).

Erdmannsdorff, Friedrich Wilhelm Freiherr von, 18.5.1736-9.3.1800, Architekt; typischer Vertreter des Frühklassizismus in Deutschland. Angeregt durch J. J. Winckelmann, die Kunst der Antike und A. Palladios sowie der englischen Klassizisten, schuf Erdmannsdorff das Schloss in Wörlitz (1769/73), zahlreiche Bauten in Dessau und Umgebung sowie die Innenräume der Schlösser in Sanssouci und Berlin.

Erdmantel: Bereich zwischen Erdkruste und Erdkern; gilt als Hauptentstehungsgebiet geotektonische Prozesse. Der Erdmantel wird in einen oberen Erdmantel (bis 400 km), eine Übergangsschicht (400 bis 1000 km) und einen unteren Erdmantel (1000 bis 2900 km Tiefe) eingeteilt. Der obere Erdmantel besteht aus Gesteinsmaterial wahrscheinlich peridotitische Zusammensetzung und bildet bis etwa 100 km Tiefe zusammen mit der Erdkruste die starre bis biegsame Lithosphäre, unterlagert von der plastischen Asthenosphäre.

Erdmast: im Boden befindliche Wildnahrung (Insekten, Wurzeln unter anderem), besonders für Schwarzwild und Dachs.

Erdmaus, Microtus agrestis: nordeuropäische und asiatische kurzschwänzige Wühlmaus, die durch Fraß an Trieben und Rinde besonders bei Aufforstungen schädlich ist.

Erdmetalle: älterer Name für die der 3. Haupt- beziehungsweise Nebengruppe des Periodensystems angehörenden Metalle Aluminium, Skandium, Yttrium, Lanthan und die Lanthaniden.

Erdnuss, Arachis hypogaea: Schmetterlingsblütler des tropischen Südamerikas, in den Tropen und Subtropen angebaut; die Frucht reift im Erdboden; die öl- und eiweißreichen Samen liefern ein wertvolles Öl; sie werden außerdem roh, geröstet oder gesalzen gegessen.

Erdnussöl, Arachisöl: aus Erdnusssamen (35 bis 40% Gehalt) gepresstes oder extrahiertes fettes Öl. Das hellgelbe, geruch- und geschmackfreie, sehr haltbare kaltgepresste Öl dient als Speiseöl und zur Bereitung von Margarine; warmgepresstes oder extrahiertes Öl erfordert Raffination oder wird auf Seife verarbeitet.

Erdölfalle, Ölfalle: günstige Stelle der Erdölanreicherung in der Erdkruste. Stratigraphische Erdölfalle (der geologischen Schichtenfolge entsprechend) sind zum Beispiel schrägliegende, durchlässige Schichten, die nach oben durch undurchlässige (tonige) Schichten abgedeckt sind. Tektonische Erdölfalle (durch Bewegungen in der Erdkruste entstanden) sind zum Beispiel Scheitelzonen von Antiklinalen und Aufschleppungszonen von Salzstöcken.

Erdölgeophysik: anwendungsorientierte Bezeichnung für die bei der Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten eingesetzten geophysikalischen Verfahren (Seismik, Gravimetrie 2, Bohrlochmessung).

Erdpegel: Festpunkt (Holzpfahl, Stahlrohr in Betonfassung) zum Messen der Setzung von Baukonstruktionen oder Sackung des Gebäudes. Vor Beginn der Bauarbeiten außerhalb des Einflussbereiches gesetzt, innerhalb von Erdbauwerken oder unterhalb von Bauwerken auch zum Messen von Höhendifferenzen angewandt.

Erdpigmente: natürlich vorkommende, fälschlich als «Erdfarben» bezeichnete anorganische Pigmente, die bergmännisch gewonnen und mechanisch aufbereitet werden. Erdpigmente sind Ocker, Umbra, Grünerde, Eisenglimmer, Leichtspat unter anderem.

Erdpyramiden, Erdpfeiler, kegel- bis säulenförmige Abtragungsformen in unsortiertem, geröllreichem Lockermaterial an Steilhängen; von abtragungsschützenden Steinen bedeckt.

Erdquadrant: Viertel des Umfanges des annähernd eine Kugel bildenden Erdkörpers; als Äquatorquadrant 10019,148 km, als Meridianquadrant infolge der Polabplattung 10002,288 km lang.

Erdrauch, Fumaria: Gattung der Erdrauchgewächse (Fumariaceae) mit gefiederten graugrünen Blättern und kleinen rosaroten, gespornten Blüten. Der Gemeine Erdrauch (F. officinalis) ist ein häufiges Unkraut nährstoffreicher, lehmiger Äcker.

Erdraupen: unbehaarte Raupen einiger Eulenfalter.

Erdrotation: Umdrehung der Erde um ihre eigene Achse in westöstlicher Richtung; die Rotationsdauer bildet den Sterntag (Zeitskale). Die Erdrotation ist jahreszeitliche und säkularen Schwankungen unterworfen, hat Einfluss auf die Schwere und ist Ursache für die Abplattung der Erde.

Erdsatellit, künstlicher: Raumflugkörper, der von einer Mehrstufenrakete auf eine mehr oder weniger stark elliptische Umlaufbahn um die Erde gebracht wird. Form und Größe der Bahn sind von Geschwindigkeit und Richtung der Trägerraketen Endstufe bei deren Brennschluss abhängig, die Bahnneigung gegenüber dem Erdäquator richtet sich nach dem Azimut der Flugrichtung vom Startort (siehe auch Umlaufbahn). Erster künstlicher Erdsatellit war der sowjetischen Sputnik 1 (Start 4.10.1957). Wichtigste Arten von künstlichen Erdsatelliten sind Amateurfunk-, Bio-, Erderkundungs-, Forschungs-, Nachrichten-, Navigations-, Test-, Wettersatelliten unter anderem sowie bemannte Raumfahrzeuge und Raumstationen. 1957/85 wurden über 3000 künstliche Erdsatelliten gestartet.

Erdschlangen, Xenopeltidae: ungiftige Schlangenfamilie Indiens und Südostasiens; Reste des Becken- und Hinterbein-Skeletts noch vorhanden; bis 1 m lang die farbenprächtig schimmernde Regenbogen-Erdschlangen (Xenopeltis unicolor).

Erdschluss: durch Isolations- oder Schaltfehler, auch durch atmosphärische Entladungen über einen Lichtbogen entstandene leitende Verbindung eines Leiters des Stromkreises mit der Erde, meist ein Erdkurzschluss (siehe auch Fehlerarten). Erdschluss tritt bei elektrischen Einrichtungen als häufigster Fehler auf. An der Erdschlussstelle fließt der Erdschlussstrom zur Erde. Durch Zusatzeinrichtungen, vor allem durch Abschalten, können Schäden verhindert, der Lichtbogen gelöscht und der Weiterbetrieb gesichert werden (siehe auch automatische Wiedereinschaltung).

Erdstern, Geastrum: Gattung der Bauchpilze; ihre äußere Fruchtkörperhülle öffnet sich sternförmig; ungenießbar.

Erdstoffverdichtung: mechanische Bearbeitung des Baugrundes zur Erhöhung der Tragfähigkeit. Eine Stoßverdichtung erfolgt durch Fallplatten, Stampfer oder Rammpfähle; die Druckverdichtung mit Walzen oder Baustellenfahrzeugen knetet und walkt besonders bindige Erdstoffe; eine Rüttelverdichtung durch Plattenrüttler oder Rüttelwalzen bringt die nichtbindigen Lockergesteine durch Schwingung in eine hohlraumarme Lagerung. Sprüherfahren mittels Wasserstrahl können sandige Kiese zur Erdstoffverdichtung vorbereiten.

Erdtopf, Erdpresstopf: besonders zur Gemüsejungpflanzenanzucht verwendeter, mit Maschinen (Erdtopfpressen) herstellbarer würfel- oder zylinderförmiger Erdbällen, in den Saatgut gesät oder Sämlinge pikiert werden; besonders geeignet zur Anzucht großer Pflanzenmengen.

Erdung: zwischen einem metallischen (leitfähigen) Teil einer elektrischen Anlage und dem Erdreich durch eine Erdungsanlage aus Erdungsleitung und Erder (Metallteil, Rohrleitung, Gleis o. ä. mit gutem Kontakt zum feuchten Erdreich) hergestellte elektrisch leitende Verbindung. Bei der Betriebserdung wird ein Punkt des Stromkreises, bei der Schutzerdung werden alle nicht zum Betriebsstromkreis gehörenden metallischen Geräte- oder Anlagenteile als Schutz gegen zu hohe Berührungsspannungen geerdet.

Erdungsmesser: Gerät zum Messen von Erdungswiderständen bei elektrotechnischen Anlagen (zum Beispiel Hochspannungsleitungen) und des scheinbaren spezifischen elektrischen Widerstandes des Erdbodens bis etwa 100 m Tiefe bei der Geoelektrik (zum Beispiel zur Erkundung von Steinen und Erden).

Erdwachs, Ozokerit: ein mineralisch vorkommendes, dunkles Wachs, das im Wesentlichen aus höheren Alkanen besteht. Erdwachs ist ein Umwandlungsprodukt des Erdöls; es ist, meist als Rest zerstörter Erdöllagerstätten, unter atmosphärischen Einfluss durch Oxydation und Polymerisation entstanden. Das aus Erdwachs durch Raffination gewonnene farblose Zeresin wird zur Herstellung von Lederpflegemitteln, Bohnerwachs u. ä. verwendet.

Erdwolf, Proteles cristata: mit den Hyänen und Schleichkatzen verwandtes, blassgelbes, an den Körperseiten gestreiftes, nachtaktives Raubtier mit langer Rückenmähne, buschigem Schwanz und stark reduziertem Gebiss; vorwiegend Insektenfresser; als Einzelgänger lebt er an den südlichen ost- und westafrikanischen Küsten.

Erdzeitalter: Gruppe geologischer Systeme, zum Beispiel Paläozoikum; siehe auch geologische Systeme.

Erechtheion: ionischer Tempel des Erechtheus vom Ende des 5. Jahrhundert vor Christus auf der Akropolis von Athen. Die ungewöhnlich komplizierte Anlage erklärt sich aus der Einbeziehung mehrerer älterer Kultstätten (Dreizackmal des Poseidons, Grab des Kekrops und Heiliger Ölbaum der Athene). An die Südseite des Erechtheion schließt sich die Korenhalle an mit 6 langbekleideten Mädchenfiguren, sogenannt Karyatiden, die das Gebälk tragen.

Erechtheus, in der griechischen Sage erdentsprossener König von Athen, von Athene aufgezogen; das Erechtheion ist nach ihm benannt.

E-Reihen: Elektrotechnik internationale Normzahlenreihen für Widerstands- und Kapazitätswerte zur rationellen Fertigung von Widerständen und Kondensatoren. Die Werte innerhalb einer Zehnerpotenz sind nach einer geometrischen Reihe gestuft. Beispiele sind die E-Reihen E 6, E 12, E 24 und E 48 mit den Stufungsfaktoren 1,5, 1,2, 1,1 und 1,05.

Erektion: reflektorische Aufrichtung und beziehungsweise oder Versteifung von Organen durch Muskelkraft (zum Beispiel Brustwarzen) oder gesteigerte Durchblutung bei gleichzeitig vermindertem Abfluss (zum Beispiel Penis, Klitoris).

Eremit: 1. Eremit, Einsiedler, aus religiösen Gründen bedingter Rückzug in die Einsamkeit, um durch Gebet und Entsagung Gott dienen zu können.

2. Einsiedlerkrebse.

Eremitage: Einsiedelei, Klause; siehe auch Ermitage, Staatliche.

Ereschkigal, («Herrin der großen Erde») Unterweltsgöttin der Sumerer, Gemahlin des Nergal.

Erethismus: krankhaft gesteigerter Antrieb mit dranghafter Unruhe und erhöhter Erregbarkeit, zum Beispiel bei bestimmten Schwachsinnformen und nach Hirnentzündungen.

Erfahrung: unmittelbares, aus der Praxis gewonnenes Wissen, das bei der Untersuchung der materiellen Umwelt (Natur, Gesellschaft), dem Einwirken auf materielle Objekte und Prozesse gewonnen wurde, ohne dass bereits eine wissenschaftliche Theorie diese empirischen Kenntnisse begründet. Jede Wissenschaft baut auf Erfahrung auf, verharrt jedoch nicht bei ihr, sondern verallgemeinert und begründet sie auch theoretisch. Die Überbetonung der Erfahrung im Erkenntnisprozess führt zum Empirismus.

Erfassung: in einigen Rechtsvorschriften vorgesehener Rechtsakt, durch den die dazu ermächtigten staatlichen Organe in die Lage versetzt werden, bestimmte weitere Entscheidungen sachkundig treffen zu können (zum Beispiel die Erfassung von Wohnraum in Vorbereitung der Zuweisung dieses Wohnraumes oder die Erfassung der Wehrpflichtigen als Voraussetzung für die Musterung).

Erfassungspreis: Erlös für landwirtschaftliche Produkte, die entsprechend den Normen für die Pflichtablieferung landwirtschaftliche Produkte verkauft wurden.

Erfindung: 1. allgemein jeder schöpferischer Einfall, der zur Gestaltung eines praktisch verwendbaren Gegenstandes führt, der vorher noch nicht vorhanden war.

2. Patentrecht: schöpferische Lösung eines wissenschaftlich-technischen Problems, die gegenüber dem bekannten Weltstand der Technik neu sowie industriell verwertbar ist. Für eine Erfindung wird, wenn sie den gesetzlichen Erfordernissen genügt, vom Patentamt auf Antrag ein Schutzrecht (Patent 1) erteilt.

Erfrierung, Congelatio: Körperschädigung durch Einwirken von Kälte. Die Erfrierung kann örtlich auftreten, zum Beispiel an Ohren, Nase, Zehen und Fingern, wobei nach dem Verlauf 3 Grade (Rötung, Blasenbildung, Gewebetod) unterschieden werden, aber auch als allgemeine Auskühlung, besonders bei Kleinkindern, Betrunkenen und Erschöpften. Siehe auch Erste Hilfe.

erfüllbar: Logik Eigenschaft eines Ausdrucks einer speziellen Sprache, bei einer Interpretation einer vorgegebenen Art wahr zu werden; zum Beispiel ist der Ausdruck «x ist kleinste Zahl» im Bereich aller natürlichen Zahlen erfüllbar (durch x = 0); dagegen ist dieser Ausdruck nicht erfüllbar im Bereich aller ganzen Zahlen.

Erfüllung: termingerechtes Erbringen der geschuldeten Leistung in der richtigen Menge und Qualität am vereinbarten Ort.

Erfurter Programm: 1891 auf dem Erfurter Parteitag angenommenes marxistisches Programm der deutschen Sozialdemokratie. Es charakterisierte die historische Mission der Arbeiterklasse, enthielt die revolutionären Grundsätze und sozialistische Ziele des Kampfes der Arbeiterbewegung und kennzeichnete die Rolle der Partei als führende Kraft der Klasse. Das Erfurter Programm enthielt außerdem demokratische und soziale Forderungen, aber nicht die Forderung nach der Diktatur des Proletariats.

Erg, Areg beide (arabisch, «Sandwüste»): vorwiegend in der nördlichen Sahara gebräuchliche Bezeichnung für die großen Dünengebiete.

Ergänzungssport: anderen Sportarten entnommene Übungen für das Training in einer Spezialdisziplin.

Ergasterien: Handwerksstätten im alten Griechenland und im alten Rom, auch Hüttenwerke u. ä.

Ergebnisrechnung, Aufwands- und Ertragsrechnung, Erfolgsrechnung, Gewinn- und -Verlustrechnung: Nachweis des im Jahr erzielten Ergebnisses (Gewinn oder Verlust) aus der wirtschaftlichen Tätigkeit der Betriebe, Kombinate unter anderem Einrichtungen; Bestandteil des Jahresabschlusses auf der Grundlage der Finanzrechnung. In der Ergebnisrechnung werden die Kosten des Abrechnungszeitraumes den Erlösen unter anderem gesetzlich festgelegten ergebniswirksamen Positionen gegenübergestellt, wobei die Bestandsveränderungen an unfertigen und fertigen Erzeugnissen zu berücksichtigen sind.

Ergograph: Kraft- oder Arbeitsschreiber; mechanische Vorrichtung, die es erlaubt, Muskelarbeit fortlaufend zu registrieren, zum Beispiel der Unterarmmuskeln (Finger-Ergograph).

Ergologie: Lehre von den Arbeitsgeräten und -verfahren, mit denen die Güter vorindustrieller materieller Kultur erzeugt wurden und die dabei selbst ein wesentliches Kulturelement der werktätigen Klassen und Schichten darstellen.

Ergometer: Gerät zur Messung von Arbeit, die ein Patient gegen einen regelbaren Widerstand leistet, zum Beispiel Fahrrad-Ergometer, Laufband- und Drehkurbel-Ergometer.

Ergometrin, Ergobasin: wasserlösliche Alkaloid aus dem Mutterkorn; das Methylderivat des Ergometrin wird zur Behandlung von zu starken Gebärmutterblutungen verwendet. Siehe auch Mutterkornalkaloide.

Ergonomie: wissenschaftliche Disziplin, die die menschlichen Leistungsmöglichkeiten in ihrer biologischen psychologisch-sozialen Einheit untersucht und Grundlagen für die Lösung der komplexen Aufgaben der Funktionsteilung zwischen Mensch und Arbeitsmittel sowie der Synthese des Mensch-Maschine-Systems bereitstellt. Kriterien sind Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit, Beanspruchungsoptimierung und Arbeitssicherheit. Die Ergonomie ist in die Zielstellungen und Maßnahmen der sozialistischen Rationalisierung, insbesondere der wissenschaftlichen Organisation der Arbeit, integriert. Siehe auch Arbeitsgestaltung, Arbeitspsychologie, Ingenieurpsychologie.

Ergosterol, Ergosterin: ein Mykosterol (in Pilzen vorkommendes Sterol), das nach Bestrahlung mit ultraviolettem Licht in Vitamin D2 übergeht.

Ergotamin: wasserunlösliches Alkaloid des Mutterkorns. Zur Ergotamin Gruppe gehören die Alkaloide Ergotamin. Das hydrierte Derivat des Ergotamins dient vor allem zur Behandlung der Migräne. Siehe auch Mutterkornalkaloide.

Ergotoxin: Wirkstoff des Mutterkorns. Der Ergotoxingruppe gehören die 3 Alkaloide Ergocristin, Ergokryptin und Ergokomin an. Das hydrierte Ergotoxin wirkt vor allem gefäßerweiternd. Siehe auch Mutterkornalkaloide.

Ergotropikum: Substanz, die als Futterzusatz die Leistung besonders der wachsenden Tiere stimuliert, jedoch nicht lebensnotwendig ist.

erhaben: überragend, majestätisch, jeden Maßstab der Sinne übertreffend. Das Erhabene als ästhetisch-ethische Wertungskategorie bezeichnet ein historisch und sozial Höchstes, das durch seine gewaltige Größe starke Gefühlseindrücke hinterlässt und den Menschen zu tiefer Bewegung und innerer Teilnahme hinreißt. In religiösem, ohnmächtigem Verhalten gegenüber Natur und gesellschaftlichen Mächten erschien das Erhabene als außer- und übermenschliche gewaltige Macht; im geschichtlichen Prozess der Aufklärung seit der Antike wird als sein Inhalt immer mehr menschliche Größe begriffen. In der marxistisch-leninistischen Ästhetik folgt das Erhabene aus dem Bewusstsein der unbegrenzten Möglichkeiten des tätigen Menschen und bezeichnet individuelles und kollektives revolutionäres Schöpfertum.

Erhaltungsdosis, Abkürzung ED: Menge eines Arzneimittels, die in einer bestimmten Zeiteinheit zugeführt werden muss, um einen gleichmäßigen Wirkstoffspiegel im Organismus aufrechtzuerhalten; wichtig zum Beispiel bei Herzglykosiden, Sulfonamiden und Antibiotika.

Erhaltungsfutter: Futtermenge, die gerade ausreicht, um die normalen Lebensfunktionen eines Tieres aufrechtzuerhalten.

Erhaltungssätze: physikalische Grundgesetze über die zeitliche Konstanz der Werte bestimmter physikalischer Größen, der Erhaltungsgrößen (zum Beispiel Energie, Impuls), in abgeschlossenen Systemen. Die Erhaltungssätze folgen mathematisch aus gewissen Symmetrien der Natur; so gilt für die 10 fundamentalen Erhaltungssätze: Die Erhaltung der Energie (über die Energie-Masse-Äquivalenz mit der Masse verknüpft) folgt aus der Homogenität der Zeit, die 3 Erhaltungssätze des Impulses folgen aus der Homogenität des Raumes, die 3 Erhaltungssätze des Drehimpulses aus der Isotropie des Ortsraumes und die 3 Erhaltungssätze der Schwerpunktbewegung aus der räumlich-zeitliche Isotropie (gleichförmige Bewegung von Inertialsystemen). Neben diesen äußeren Symmetrien führen weitere, sogenannt innere Symmetrien der Materie zu Erhaltungssätze für die elektrische Ladung, für die Baryonen-, die Leptonen-, die Fermionen Zahl sowie für weitere Größen.

Erhaltungszüchtung: pflanzenzüchterische Bearbeitung einer Sorte oder eines Stammes, um sie in ihrer genetischen Struktur und auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Erhärten: Bautechnik zweite und abschließende Phase des Abbindens anorganische Bindemittel.

Erholung: 1. Kompensation der Abgespanntheit und Erschöpfung zwecks Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Werktätigen. Erholung ist neben sinnvoller Pausengestaltung in der Arbeitszeit und der Freizeitgestaltung besonders durch den Jahresurlaub zu gewährleisten. Der Erholung dienen Milieuveränderungen (zum Beispiel Klimawechsel), hygienische Maßnahmen (Gymnastik, Bäder, Ernährung), ausreichende Schlafdauer.

2. Erholung, Kristallerholung: teilweises Zurückgehen der durch Kaltverformung hervorgerufenen Eigenschaftsänderungen von Metallen bei mäßiger Erwärmung unterhalb der Rekristallisationstemperatur, d. h. ohne Neubildung der deformierten Kristallite.

Ericsson, John, 31.7.1803-8.3.1889, US-amerikanischer Ingenieur schwedischer Herkunft; verbesserte die Schiffsschraube; entwickelte (ab 1833) einen Heißluftmotor für Schiffsantrieb und baute 1861 das Panzerdrehturmschiff «Monitor», das eine bedeutende Rolle im nordamerikanischen Bürgerkrieg spielte.

Eriesee: Süßwasserbinnensee in Nordamerika, südlichster der 5 Großen Seen; der etwas größere Nordteil gehört zu Kanada, der kleinere Südteil zu den USA; 174 m über dem Meeresspiegel, 25740 km2, 386 km lang, bis 92 km breit und 64 m tief; mit dem Huronsee im Norden durch Detroit und Saint Clair, mit dem Ontariosee im Nordosten durch Niagara und Wellandkanal verbunden; Kanäle führen zum Hudson und Ohio. Am stark industrialisierten US-amerikanischen Südufer zahlreiche Häfen wie Toledo, Buffalo, Cleveland, Sandusky und Erie; am kanadischen Ufer nur Port Colborne.

Erika: umgangssprachliche Bezeichnung für Glockenheide.

Erik der Rote, Erik Räude, um 950-um 1002, norwegischer Normanne; entdeckte von Island aus 982 Süd- und Südwestgrönland, führte 986 zahlreiche Auswanderer aus Island dorthin und gründete 2 Siedlungen.

Erinnerung: Funktion des Gedächtnisses, frühere Eindrücke innerlich bewusst wiederherstellen und formulieren zu können.

Erinyen, Erinnyen: griechische Rachegöttinnen der Unterwelt (römisch Furien), mit Schlangenhaaren und Geißeln dargestellt; bestraften erbarmungslos alles Unrecht, besonders Blutschuld; in Athen als Eumeniden verehrt.

Eris, («Streit») griechische Göttin der Zwietracht, warf bei der Hochzeit des Peleus und der Thetis einen goldenen Apfel mit der Aufschrift «Der Schönsten» unter die Gäste und entfachte dadurch den Streit der Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene, den Paris mit seinem Urteil zugunsten der Aphrodite entschied.

Eristik: (griechisch, «Kunst des Streitens») für die griechische Philosophie charakteristischer wissenschaftlicher Meinungsstreit; wurde besonders von den Megarikern geübt; zuvor unter anderem von den Sophisten zu dem Zweck entwickelt, jede beliebige Meinung zu widerlegen oder zu beweisen.

Eritrea, Erythräa (dat. griechisch): Provinz Äthiopiens, am Roten Meer, 117600 km2, 2,3 Millionen Einwohner; 20 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Asmara; erstreckt sich vom heißen, trockenen Küstenland in das kühlere Äthiopische Hochland (Bergsavannen); Viehhaltung, Goldbergbau, Salzgewinnung, Ackerbau sowie Lebensmittel-, Textil-, Lederindustrie, Erdölverarbeitung und Küstenfischerei. Teil des Aksumitischen Reiches, seit 950 Äthiopiens. Im 12. Jahrhundert vom Sultanat Adal erobert und im 16. Jahrhundert dem Osmanischen Reich angegliedert. 1890/1941 war Eritrea italienische Kolonie; wurde 1952 nach UN-Beschluss föderativ an Äthiopien angegliedert; 1962 zu einer äthiopischen Provinz erklärt. Die Bestrebungen der in- und ausländischen Reaktion in Eritrea zur Abspaltung vom äthiopischen Staat verzögerten seit 1975 den Demokratisierungsprozess und die Verwirklichung der Autonomie Eritreas innerhalb Äthiopiens.

Erk, Ludwig Christian, 6. 1. 1807-25.11. 1883, Musikpädagoge, Chorleiter und Volksliedsammler; Herausgeber zahlreicher Lieder- und Chorbücher sowie Volksliedsammlungen («Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen», 1838/45; «Deutscher Liederhort», 1856).

Erkältung: meist durch Virusinfektionen bei Unterkühlung verursachte katarrhalische Erscheinungen an den Schleimhäuten der Atemwege.

Erkel, Ferenc, 7.11. 1810-15.6. 1893, ungarischer Komponist und Dirigent; war neben F. Liszt die bedeutendste Persönlichkeit der ungarischen Musik des 19. Jahrhundert; 1875/86 Direktor (Professor) der Budapester Musikakademie; mit zahlreichen Opern, insbesondere «Hunyadi Läszlö» (1844) und «Bänk Bin» (1861), Begründer der ungarischen Nationaloper, Schöpfer der ungarischen Nationalhymne (1844).

Erkennbarkeit der Welt: grundlegende These des dialektischen Materialismus, nach der die objektive Realität dem menschlichen Erkenntnisvermögen prinzipiell zugänglich ist und von ihm adäquat widergespiegelt werden kann. Im Gegensatz zum Agnostizismus fasst die marxistische Philosophie die Erkenntnis als einen Prozess des Vordringens vom Noch-nicht-Erkannten zum Erkannten und von den Erscheinungen zum Wesen der Dinge auf; sie bejaht die Erkennbarkeit der Welt grundsätzlich und anerkennt lediglich historisch, klassenmäßig und individuell bedingte relative Erkenntnisgrenzen. Siehe auch Erkenntnistheorie, Grundfrage der Philosophie.

Erkenntnis: historische Prozess und Ergebnis der Widerspiegelung der objektiven Realität im menschlichen Bewusstsein. Der Weg der Erkenntnis, sowohl spezieller Gegenstände als auch der Realität insgesamt, verläuft von den Erscheinungen zum Wesen, vom Beobachtbaren zu den gesetzmäßigen Zusammenhängen. Grundlage und entscheidende Triebkraft der Erkenntnis ist die gesellschaftliche Praxis, besonders die materielle Produktion.

Erkenntnisprozess: der zur Erkenntnis führende Prozess der Widerspiegelung der objektiven Realität im menschlichen Bewusstsein, der letztlich von der gesellschaftlichen Praxis ausgelöst wird und auf sie gerichtet ist. Er stellt eine dialektische Einheit von sinnlichem und rationalem Erkennen, von Analyse und Synthese, Verallgemeinerung, Abstraktion und Konkretion dar. Siehe auch Abstraktes und Konkretes.

Erkenntnistheorie, Gnoseologie: philosophische Disziplin, deren Gegenstand die Gesetzmäßigkeiten sowohl der menschlichen Erkenntnis als Ganzes als auch des einzelnen Erkenntnisprozesses sind. Die Erkenntnistheorie untersucht die gesellschaftlich-historischen und individuellen Grundlagen, Quellen, Triebkräfte und Ziele, die Formen, Seiten, Etappen und Methoden der Erkenntnis, das Wahrheitsproblem, das Verhältnis von Theorie und Praxis sowie wissenschaftstheoretische Fragen. Die Erkenntnistheorie berücksichtigt besonders die Ergebnisse der Geschichte der Philosophie, die Geschichte der geistigen Entwicklung der Menschheit, des Kindes, die psychische Entwicklung der Tiere, die Sprachwissenschaft, die Semiotik sowie die Ergebnisse der Neurophysiologie, Psychologie und Kybernetik. entsprechend der Beantwortung der Grundfrage der Philosophie gibt es eine materialistische und eine idealistische Erkenntnistheorie. Die materialistische Erkenntnistheorie geht in allen ihren Formen davon aus, dass jede Erkenntnis Widerspiegelung von etwas Wirklichem, eine Abbildung der vom Bewusstsein unabhängigen Außenwelt ist. Die Erkenntnistheorie des dialektischen Materialismus ist insbesondere in Marx «Thesen über Feuerbach», Engels «Anti-Dühring» und «Dialektik der Natur» sowie in Lenins «Materialismus und Empiriokritizismus» entwickelt worden. Siehe auch Abbildtheorie, Erkennbarkeit der Welt, Praxis, Wahrheit.

Erkenntnisverfahren: der Teil des Zivilprozesses, in dem geklärt wird, ob der geltend gemachte Anspruch zu Recht besteht. Das Erkenntnisverfahren endet in der Regel mit einer gerichtlichen Entscheidung (Erkenntnis). Wird der zuerkannte Anspruch nicht freiwillig erfüllt, kann er im Vollstreckungsverfahren zwangsweise durchgesetzt werden.

Erker: (französisch zu lateinisch arcus, «Bogen») geschlossener Ausbau an der Fassade oder Ecke eines Hauses, ohne Verbindung mit dem Erdboden; oft über mehrere Stockwerke hinweggehend.

Erklärung: Wissenschaftstheorie Zurückführung einer Aussage (Explanandum) auf andere (empirische Gesetzes-) Aussagen (Explanans), aus denen sie herleitbar ist. Je nach der Art der im Explanans verwendeten Aussagen unterscheidet man deduktive, probabilistische unter anderem Arten der Erklärung.

Erklärung der Menschenrechte und Bürgerrechte: programmatische Dokument der Franzos. Revolution vom 26. 8. 1789, das der feudalabsolutistischen Herrschaft in europäischen Staaten das Bekenntnis der revolutionären Bourgeoisie zur persönlichen Freiheit und zur Gleichheit vor dem Gesetz gegenüberstellte. Der Klasseninhalt dieses bürgerlichen Dokumentes wird unter anderem an der Sanktionierung des Privateigentums und der dadurch bedingten Beibehaltung der sozialen Ungleichheit deutlich.

Erkundungsgeologie: Teilgebiet der Geologie zum Auffinden und Erkunden von Lagerstätten mineral. Rohstoffe mittels geologischen, geophysikalischen und geochemischen Methoden; siehe auch ökonomische Geologie.

Erlang: (nach einem dänischen Ingenieur) Maßeinheit für den Ausnutzungsgrad oder Verkehrswert eines Bedienungssystems; zum Beispiel ist der Verkehrswert einer Fernmeldeeinrichtung in Erlang das Produkt aus der mittleren Anzahl von (Gesprächs-) Belegungen je h und der mittleren Belegungsdauer.

Erlanger Programm: in seiner Antrittsvorlesung 1872 in Erlangen von F. Klein erhobene Forderung, geometrische Theorien als Invariantentheorien zu vorgegebenen Transformationsgruppen im jeweils betrachteten Raum zu verstehen. Charakteristische Invarianten sind zum Beispiel Inzidenz und Doppelverhältnis in der projektiven Geometrie, Parallelität und Teilverhältnis in der affinen Geometrie, Orthogonalität in der Ähnlichkeitsgeometrie, Länge einer Strecke in der Kongruenzgeometrie. zwischen Kongruenz- und affiner Geometrie kann außer der Ähnlichkeitsgeometrie die äquiaffine Geometrie eingeordnet werden, deren kennzeichnende Invariante im 3dimensionalen Raum der Rauminhalt ist. Auch die hyperbolische und die elliptische Geometrie können so beschrieben werden.

Erlaubnisentzug: im Verwaltungsweg oder mit Strafurteil (als Zusatzstrafe) erfolgende befristete oder unbefristete Einziehung staatlicher Erlaubnisse (zum Beispiel Fahrerlaubnis) im Zusammenhang mit Gesetzesverletzungen beziehungsweise bei Wegfall der für die Erteilung der Erlaubnis notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen.

Erle, Ainus: zu den Birkengewächsen gehörende Gattung einhäusiger Laubbäume mit unscheinbaren in Kätzchen stehenden Blüten und verholzenden Fruchtzapfen; heimisch sind die Schwarzerle (A. glutinosa), ein Baum der Bach- und Flussufer, sowie die weniger feuchte Standorte bevorzugende Grün- und Grauerle (A viridis und A. incana). In den Südanden bildet A. jorullensis die Aliso-Wälder in Höhen zwischen 1400 und 2700 m. Erle besitzen Wurzelknöllchen, in denen Mikroorganismen freien atmosphärischen Stickstoff binden.

erlebte Rede, erlebte Reflexion: Rede- oder Gedankendarstellung, bei der Autoren- und Figurenperspektive verschmelzen.

Erlös: Entgelt für realisierte Leistungen unter anderem ergebniswirksame wirtschaftliche Vorgänge eines Betriebes.

Erlösung: Befreiung des Menschen aus der Macht der Sünde und des Todes; Zentralbegriff der Erlösungsreligionen, wie Christentum, Buddhismus unter anderem.

Erlösverteilung: im Vollstreckungsverfahren die Auszahlung des durch gerichtlichen Verkauf gepfändeter Sachen oder Grundstücke erzielten Erlöses an mehrere Gläubiger nach gesetzlicher Rangfolge der Ansprüche.

Ermächtigungsgesetz: Bezeichnung für ein Gesetz, das eine reaktionäre, volksfeindliche, bürgerlicher Regierung ermächtigt, an Stelle des Parlaments Beschlüsse zu fassen und sich über die Verfassung und elementare bürgerlich-demokratischen Prinzipien hinwegzusetzen.

Ermahnung: Aufforderung zur Fairness durch den Kampf- beziehungsweise Schiedsrichter nach leichterem oder unabsichtlich begangenem Regelverstoß. Die Ermahnung geht der Verwarnung beziehungsweise Disqualifikation voraus.

Erman, Johann Peter Adolf, 31.10.1854-26.6.1937, Ägyptologe; 1892/1923 Professor an der Universität und Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin; gilt als Begründer der modernen Erforschung der ägyptischen Sprache und schuf die «Kommission des ägyptisches Wörterbuches» an der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Gemeinsam mit H. Grapow gab er unter anderem eine ägyptische Grammatik heraus; verfasste unter anderem «Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum» (1885, neue Bearbeitung durch H. Ranke 1923).

Ermanarich, gestorben um 375, König der Ostgoten; sein weite Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres umfassendes Reich erlag 375 dem Ansturm der Hunnen. In der germanischen Sage als Ermenrich Gegner Dietrichs von Bem.

Ermessen: durch Rechtsvorschrift einem Staatsorgan gewährte Befugnis, im konkreten Fall, innerhalb eines bestimmten Rahmens eigenverantwortlich entscheiden zu dürfen.

Ermüdung: 1. Physiologie: durch Beanspruchung auftretende Abnahme der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit, die durch Erholung wiederhergestellt werden kann. Es wird eine periphere oder muskuläre Ermüdung von einer zentralen Ermüdung unterschieden. Meist kommen beide kombiniert vor. Die Mechanismen sind nur zum Teil erkannt. Bei der peripheren Ermüdung auftretende Anhäufungen von Stoffwechselprodukten, zum Beispiel Milchsäure, sind nur Teilmechanismen. Die Erholung wird bei Wechsel der Tätigkeit durch aktive Hemmungsprozesse gefördert.

2. Technik: bei mechanischer Schwingbeanspruchung auftretende Schädigung von Werkstoffen; verursacht Dauerbruch. Siehe auch Dauerschwingversuch.

Ernährung: Zufuhr von Nahrungsstoffen, Vitaminen, Salzen, Spurenelementen und Wasser, um den ständigen Umsatz und Verbrauch dieser Substanzen auszugleichen, die Lebens- und Fortpflanzungsfähigkeit des Organismus zu gewährleisten. Die Nährstoffe sind organische Substanzen (Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße). Sie liefern die Energie beziehungsweise die Substanzen für den Arbeits- oder Betriebsstoffwechsel und den Baustoffwechsel. Für letzteren ist das Eiweiß unerlässlich. Das funktionelle Eiweißminimum je Tag beträgt beim Erwachsenen etwa 0 g/kg Körpergewicht. Mit der Nahrung sollten 100 g davon wenigstens 30 g tierisches Eiweiß aufgenommen werden, da es für den Körper wesentliche Bausteine enthält, die er nicht selbst aus anderen Nährstoffen bilden kann (essentielle Aminosäuren). Bei den Fetten sind die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie sie zum Beispiel im Sonnenblumenöl Vorkommen, für eine gesunde Ernährung wichtig. Der Tagesbedarf an Kohlenhydraten beträgt 150 g minimal (wasserfrei). Die in ihnen enthaltene Glukose ist für den Hirnstoffwechsel besonders wichtig. Der Nährstoffbedarf steigt bei körperlicher Arbeit. Der Eiweißbedarf ist außerdem erhöht bei Kindern, alten Menschen, Schwangerschaft und Muskelaufbautraining. Die meisten Lebewesen bedürfen zur Ernährung Produkte anderer Lebewesen; sie sind heterotroph. Nur einige Bakterien und Algen sind nicht darauf angewiesen; sie sind autotroph. Die Ernährung des Säuglings erfolgt als natürlicher Ernährung mit Muttermilch. Sie ist die optimale Nahrung für den gesunden Säugling in den ersten Lebensmonaten und sichert infolge ihrer richtigen Zusammensetzung dem Kind störungsfreies Gedeihen und erhöhte Abwehrfähigkeit gegen Infektionen. Die künstliche Ernährung des Säuglings wird notwendig, wenn er nicht oder nicht mehr gestillt werden kann. Dazu eignen sich Fertigpräparate besonders. Stehen diese nicht zur Verfügung, wird eine Mischung aus zwei Drittel Kuhmilch und einem Drittel Schleim beziehungsweise Mehlabkochung und 5% Zucker hergestellt. Im 2. Lebensmonat wird diese Nahrung ergänzt durch frischen Obst- oder Gemüsesaft (Möhren-, Zitronen-, Apfelsinensaft). Im 4. Lebensmonat wird eine Milchmahlzeit durch Gemüse Brei (Möhren) ersetzt, im 5. bis 6. Monat wird dazu ein Vollmilchbrei (Grieß) und im 7. bis 8. Monat ein 3. Brei (zum Beispiel Halbmilch Zwiebackbrei) verabreicht. Die Zahl der Mahlzeiten wird mit 5 bis 6 Monaten auf 4 reduziert. Gegen Ende des 1. Lebensjahres wird die Ernährung auf Kleinkinderkost umgestellt. Die Milchmenge wird reduziert. Die Nahrung soll noch 2 g Eiweiß, 2 g Fett und 12 bis 14 g Kohlenhydrate je kg Körpergewicht und Tag enthalten.

Erneuerungsschnitt: Maßnahme zur starken Verjüngung von Gehölzen und beim Umpfropfen von Obstgehölzen. Die Gerüstäste werden bis auf ein Drittel ihrer Länge zurückgeschnitten.

Erneuerungstheorie: Operationsforschung Ersatztheorie.

Erni, Hans, geboren 21.2. 1909, schweizerischer Maler, Graphiker und Plakatgestalter; Studium in Luzern, Paris und Berlin. Nach Surrealistischen Anfängen wandte sich Erni mit dynamische, betont zeichnerische Kompositionen der Darstellung des schöpferisch tätigen Menschen zu.

Ernst, Max, 2.4. 1891-1.4. 1976, französischer Maler, Graphiker, Bildhauer und Dichter deutscher Herkunft; 1919 Mitbegründer der Kölner Dadaisten Gruppe, Vertreter des Surrealismus; nach kubistischen und futuristischen Anfängen folgten Experimente mit verschiedenen künstlerischen Techniken und Formen. Ernst schuf Werke in einem magisch leuchtenden Kolorit, in denen er Dämonisches, Absurdes, Erotisches zu irrationalen grotesken Bildphantasien verband; näherte sich zunehmend abstrakter Gestaltungsweise.

Ernst von Schwaben, um 1007-17. 8. 1030, Stiefsohn Kaiser Konrads II., Herzog von Schwaben seit 1015; erhob Anspruch auf Burgund und empörte sich deshalb mehrmals gegen Konrad II.; fiel mit seinem geächteten Freund Werner von Kyburg 1030. Sein Leben wurde später Gegenstand der Sage (Volksbuch vom «Herzog Ernst»),

Ernte: Einbringen landwirtschaftlicher Kulturpflanzen beziehungsweise Teilen von ihnen als Ergebnis der Pflanzenproduktion; unter europäischen Bedingungen unterscheiden wir die Körnerfrucht-, Hackfrucht-, Grünfutterpflanzen- und Gemüseernte.

Erntebräuche: historisch entstandene Brauchhandlungen insbesondere bei der Getreideernte, die unter anderem den ersten oder letzten Halmen beziehungsweise Garben oder Fudern, mit Erntekranz und -kröne verbunden waren. Vielfach wurden die Formen der Erntebräuche von den jeweiligen Sozialökonomischen Verhältnissen wesentlich mitgeprägt (zum Beispiel in Gutsbetrieben).

Erntevölker: nach J. Lips Völker oder Stämme, die durch ihre Wirtschaftsform (Erntewirtschaft) ein mögliches Glied zwischen Sammlern und Jägern einerseits und Bodenbauern und Viehzüchtern andererseits darstellen. Ihre Nahrungsbeschaffung beruht auf dem Einernten einer oder weniger, in großen Mengen wildwachsender Pflanzenarten.

erogene Zonen: (griechisch) Körperregionen, deren Berührung durch den gewünschten Partner zu sexueller Erregung führen kann.

Eros: (nach dem Gott) Sexualpsychologie - psychische Komponente der Geschlechtsbeziehungen gegenüber der rein biologischen.

Eros, griechischer Gott der Liebe (römisch Amor, Cupido), ursprünglich eine alte, kosmogonischen Urkraft; galt später als Sohn des Ares und der Aphrodite; seine Geliebte war Psyche.

Erosion: 1. Geomorphologie: im weiteren Sinne die allgemeine Abtragung des Festlandes; im engeren Sinne besonders im deutschen und russischen Sprachgebrauch nur die mehr linear wirkende Abtragung des fließenden Wassers bei der fluvialen Gestaltung der Oberflächenformen des Festlandes. Die Erosion beruht vorwiegend auf der Stoß- und Sogwirkung des mit unterschiedlicher Turbulenz und zum Teil in Form von Wasserwalzen sich bewegenden Wassers. Die Erosionsleistung eines Flusses wird dabei ganz wesentlich durch den mitgeführten Schotter bestimmt, dessen schlagende und stoßende Bewegungen die Sohle beziehungsweise Ränder des Flussbettes bearbeiten. Die Intensität der Erosion ist vom Gefälle des Flusses, von der Wasser- und Schuttführung sowie von der Widerstandsfähigkeit des Gesteins abhängig. Den in die Tiefe gerichteten Erosionsprozess nennt man Tiefenerosion und den nach den Talseiten gerichteten Seiten- oder Lateral-Erosion. Das unterste Niveau, bis zu dem die Erosion des fließenden Wassers wirksam ist, bezeichnet man als Erosionsbasis (Denudationsbasis). Der Meeresspiegel stellt die absolute Erosionsbasis dar.

2. Medizin: oberflächliche, narbenlos abheilende Hautabschürfung. In der Gynäkologie Epitheldefekt am Scheidenteil der Gebärmutter (Erosion der Portio); kann Fluor genitalis und Blutungen verursachen. Die Erosion erfordert laufende Kontrolle durch den Gynäkologen, da ähnliche Erscheinungen zu Beginn einer Krebserkrankung auftreten können.

Erpenbeck: 1. Fritz Erpenbeck, 6.4.1897-7.1.1975, Schriftsteller, 1931/33 Redakteur der proletarisch-revolutionären Zeitschrift «Roter Pfeffer»; im Moskauer Exil Redakteur der Zeitschriften «Das Wort» und «Internationale Literatur. Deutsche Blätter»; nach 1945 (unter anderem Chefredakteur der Zeitschrift «Theater der Zeit») verdient um die fortschrittliche Bühnenkunst («Lebendiges Theater», 1949; «Aus dem Theaterleben», 1959); schrieb Erzählungen, die Romane «Emigranten» (1937) und «Gründer» (1940, 2. Teil 1965) und war um die Erneuerung des Kriminalromans bemüht.

2. John Erpenbeck, geboren 29.4. 1942, Schriftsteller, Philosoph und Physiker; Sohn des Schriftstellerehepaares Hedda Zinner und Erpenbeck 1; verfasst Gedichte («Formel Phantasie», 1972), Romane («Der blaue Turm», 1981) und Essays («Was kann Kunst», 1979) insbesondere über Probleme in der sozialistischen Gesellschaft.

Erpressung: Straftat, durch die mit Bereicherungsabsicht ein Mensch mit Gewalt oder Drohung mit schwerem Nachteil zu einem das eigene oder das Vermögen anderer schädigenden Verhalten genötigt wird. Erprobungsvertrag Wirtschaftsvertrag über wissenschaftlich-technische Leistungen.

Erregermaschine: elektrischer Generator zur Erregung großer Synchron- und Gleichstromgeneratoren. Erregermaschine sind Gleichstrom-Nebenschluss- oder Drehstromgeneratoren mit Gleichrichtern. Die Erregermaschine wird direkt mit der Hauptmaschine gekuppelt oder bildet mit einem Antriebsmotor einen Erregersatz.

Erregung: 1. Elektrotechnik: Antriebsgröße für das magnetische Feld (siehe auch Durchflutung); im engeren Sinne das Hervorrufen des magnetischen Felds in elektrischen Maschinen. Je nach Zuführung des Erregerstroms unterscheidet man Fremderregung, Selbsterregung und Eigenerregung.

2. Physiologie: charakteristischer Zustand erhöhter Aktivität an Zellen, Geweben und Organen. Erregung kann durch Reize oder innere Ursachen (spontan) ausgelöst werden, sobald ein Schwellenwert erreicht ist. Kennzeichnend ist die Änderung der Ladungsverteilung an der Zellmembran (De- beziehungsweise Umpolarisation) und die Permeabilitätsänderung für bestimmte Ionen. Es lässt sich ein lokales, abgestuftes Potential (lokale Erregung, zum Beispiel am Rezeptor) oder ein fortgeleitetes Aktionspotential (fortgeleitete Erregung, zum Beispiel an Nerven- oder Muskelzelle) messen. Die Fähigkeit, auf Reize mit Erregung zu antworten, heißt Erregbarkeit. Durch Überträgerstoffe, seltener auch elektrischer Felder, kann die Erregung von einer Zelle auf eine andere übertragen werden (Synapse).

Erregungsleitung: Fortleitung von Aktionspotentialen längs der Membran von Zellen und deren Fortsätzen, zum Beispiel längs einer Nervenfaser. Die Geschwindigkeit der Erregungsleitung kann, je nach Typ der Nervenfaser, zwischen 0,5 und 120 m/s betragen. Die hohen Leitungsgeschwindigkeiten entstehen dadurch, dass das Potential nicht von Punkt zu Punkt der Faser weitergeleitet wird, sondern in größeren Sprüngen (saltatorische Erregungsleitung), das heißt von einem nicht isolierten Abschnitt der Faser zum nächsten, die Fasermembran neu erregt.

Erregungsleitungssystem: Gesamtheit spezifisch aufgebauter Herzmuskelzellen, die Erregungen bilden beziehungsweise weiterleiten und damit für die Tätigkeit des Herzens verantwortlich sind. Zum Erregungsleitungssystem gehören Sinusknoten (im rechten Vorhof, gilt mit etwa 70 Erregungen je Minute als Schrittmacher), Atrioventrikularknoten (an Vorhofkammergrenze, etwa 40 Erregungen je Minute), Hissches Bündel (Verbindung zwischen Vorhof und Kammer, etwa 30 Erregungen je Minute) mit Aufgliederung in 2 Schenkel (rechte und linke Kammer) und Purkinjesche Fasern (Endverzweigung). Erregungen werden im Sinusknoten gebildet, sie breiten sich über das gesamte Herz aus und bestimmen damit dessen Schlagfolge. Bei Ausfall oder Unterbrechung der Verbindung zum nächsten Zentrum kann dieses mit entsprechend geringerer Frequenz die Funktion übernehmen. Das Erregungsleitungssystem wird durch das vegetative Nervensystem beeinflusst (zum Beispiel gesteigerte Herzfrequenz bei Erregung).

Ersatzfonds: Bestandteil des gesellschaftlichen Gesamtprodukts, der im Reproduktionsprozess für den Ersatz der verbrauchten Produktionsmittel verwendet wird. Der Ersatzfonds bildet die Grundlage für die einfache Reproduktion. Wertmäßig entspricht der Ersatzfonds dem Wert des Produktionsverbrauchs, das heißt dem Wert der im Produktionsprozess übertragenen Arbeitsmittel (Abschreibungen) und Arbeitsgegenstände (Kosten für Material, Rohstoffe, Energie und Transport). Stofflich besteht der Ersatzfonds aus Arbeitsmitteln (Gebäuden, Maschinen, Anlagen), Arbeitsgegenständen (Grund- und Hilfsmaterial) und produktiven Leistungen. Der Ersatzfonds hat mit etwa 62% den größten Anteil am gesellschaftlichen Gesamtprodukt der DDR. Seine anteilmäßige Senkung, vor allem über die Verringerung des Materialverbrauchs, bedeutet eine Erhöhung des Nationaleinkommens und ist ein grundlegendes Erfordernis der intensiv erweiterten Reproduktion im Prozess des wissenschaftlich technischen Fortschritts.

Ersatzknochen: Knochen, die knorpelig vorgebildet waren und durch Umbauvorgänge aus den Knorpelanlagen entstanden sind; hierzu gehören alle Knochen des Skeletts mit Ausnahme der Schädelknochen.

Ersatzleistung: 1. Wirtschaftsrecht: Garantie.

2. Zivilrecht: Anspruch bei nicht vertragsgemäßer Erfüllung von Reiseverträgen oder bei mangelhafter Unterbringung in Hotels auf eine Leistung, die der vertraglich vereinbarten weitgehend entspricht.

Ersatzlieferung: kostenlose Übergabe einer neuen Ware durch den Verkäufer oder den Hersteller an den Käufer bei Rücknahme mangelhafter Ware im Rahmen der gesetzlichen 1 Garantie.

Ersatzschaltbild: Schaltschema der Elektrotechnik/Elektronik. Zur mathematischen Erfassung komplizierter, meist nichtlinearer Bauelemente in Schaltungen wird versucht, diese komplizierten Bauelemente auf eine die elektrische Grundgrößen enthaltende, elektrisch (annähernd) äquivalente Schaltung, das Ersatzschaltbild, zurückzuführen.

Ersatzschaltung, Ersatzstromkreis: vereinfachender Stromkreis aus Spannungsquellen, Widerständen, Spulen und Kondensatoren anstelle komplizierter elektrische Schaltungen und physikalische Vorgänge; dargestellt im Ersatzschaltbild.

Ersatztheorie, Erneuerungstheorie: Teilgebiet der Operationsforschung; untersucht mittels mathematischer Modelle Fragen des Verschleißes und der optimalen Instandhaltung technischer unter anderem Systeme. U. a. sind dabei die Fragen zu lösen, wann bestimmte Teile zu ersetzen sind und ob jedes defekte Teil einzeln oder zusammen mit anderen ersetzt werden soll.

Ersatzvornahme: im Vollstreckungsverfahren die Durchführung einer vom Schuldner verweigerten Handlung durch Dritte. Die Ersatzvornahme geschieht auf Kosten des Schuldners, wenn er einer gerichtlich festgestellten Verpflichtung zur Handlung nicht innerhalb bestimmter Frist nachkommt.

Ersaufen, Absaufen: Bergbau - Volllaufen einer Grube oder eines Grubenteiles mit Wasser.

Erschlaffungszeit, Entspannungszeit: Physiologie erste etwa 80 ms dauernde Phase der Diastole, in der die Kammermuskulatur erschlafft und der Kammerinnendruck auf Werte nahe 0 abfällt. Sie beginnt mit dem Schluss der Aorten- beziehungsweise Pulmonalklappen und endet mit der Öffnung der Vorhof-Kammer-Klappen, mit der die Füllungsphase beginnt. In der Erschlaffungszeit des Herzens sind alle Klappen geschlossen, so dass das Blutvolumen in der Kammer konstant bleibt.

Erschließung: Planung, Projektierung und Verlegung von Versorgungsanlagen sowie Straßen in Wohn- und Industriegebieten. Die Primärerschließung umfasst die Anlagen mit zentraler Funktion, zum Beispiel Starkstromkabel. Sekundär-Erschließung sind alle in einem Standort anfallenden Tiefbaumaßnahmen, zum Beispiel auch Park- und Grünflächen sowie die technischen Stationen. Die Voraus-Erschließung beginnt vor der eigentlichen Erschließung zur Versorgung der Baustelle.

Erschütterungsmessgerät: elektronisches Gerät zur Messung der Auslenkung (Weg), Geschwindigkeit oder Beschleunigung von Maschinenteilen, Gebäuden unter anderem, insbesondere bei stoßartiger Erregung. Siehe auch Schwingungsmessgerät.

Erschwerniszuschläge: zusätzliche Bezahlung über den tariflichen Lohnsatz bei Abweichungen von den normalen Arbeitsbedingungen auf Grund technischer und technologischer Besonderheiten der Produktion. Aufgabe der Leiter ist es, die Ursachen für Erschwerniszuschläge durch Maßnahmen der Arbeitsgestaltung zu beseitigen.

Ersitzung: Eigentumserwerb an einer nicht im sozialistischen Eigentum stehenden beweglichen Sache durch zehnjährigen Besitz; Voraussetzung ist, dass der Erwerber sich für den Eigentümer hält.

Erstarren: 1. Bautechnik: erste Phase des Abbindens anorganischer Bindemittel.

2. Physik: Übergang eines Stoffes vom flüssigen in den festen Zustand bei einer bestimmten, vom Druck abhängigen Erstarrungstemperatur(-punkt), der bei Wasser auch Eis- oder Gefrierpunkt heißt. Diese Temperatur ist der Schmelztemperatur und die freiwerdende Erstarrungswärme der Schmelzwärme gleich, sofern Erstarren und Schmelzen bei gleichem Druck erfolgen.

Erstarrungsregler: Zusatzmittel für Beton.

Erstattung: Rückzahlung eines zu viel gezahlten Betrages (zum Beispiel zu viel gezahlter Steuern) oder von verauslagten Beträgen (zum Beispiel Reisekostenerstattung); siehe auch Schadenersatz, Aufwendungsersatz.

Erstaufführung: erste Aufführung eines Bühnenwerkes, Films, einer Komposition und so weiter in einem bestimmten Land oder an einer bestimmten Bühne. Siehe auch Uraufführung.

Erste Hilfe: sofort durchzuführende Maßnahmen bei Unfällen und plötzlichen Erkrankungen bis zum Eintreffen des Arztes. Sachkundiges Handeln am Unfallort entscheidet bei lebensbedrohlichen Zuständen über Leben oder Tod des Verunglückten. Den Verunglückten zuerst aus unmittelbarem Gefahrenbereich hinausbringen. Schnellstens ärztliche Versorgung veranlassen. Bis zu ihrem Wirksamwerden stets Prüfung von Atmungs- und Herztätigkeit. Bei Atemstillstand beziehungsweise -Störung sofortiges Freilegen der Atemwege (Mundhöhle und Nasenöffnungen von Schlamm, Schleim, Blut oder Fremdkörpern säubern; Kopf überstrecken und Unterkiefer mit Zunge vorschieben) und Atemspende durchführen; entweder Mund-zu-Nase (Spender bläst seine Ausatmungsluft, eventuell durch zwischengelegten dünnen Stoff, 15- bis 20mal je Minute in die Nasenöffnungen des Verunglückten und gibt sie zwischendurch immer wieder frei) oder Mund-zu-Mund (wobei die Nasenöffnungen zugehalten werden). Bei gleichzeitigem Herzstillstand Vornahme der Herzdruckmassage\ Verunglückten mit dem Rücken auf harte Unterlage legen und mit übereinandergelegten Händen unteres Brustbeindrittel 50- bis 60mal je Minute bis zu etwa 4 cm in Richtung auf die Wirbelsäule zusammendrücken. Sind 2 Helfer am Unfallort verfügbar, übernimmt einer die Atemspende, der andere die Herzdruckmassage beziehungsweise Kontrolle des Pulses. Ist nur ein Helfer am Ort, beginnt er mit 6 bis 10 Beatmungen, führt dann etwa 20 bis 30 Herzdruckmassagen aus und weiterhin jeweils eine Atemspende und 4 Massagen im Wechsel. – Atmet der Verunglückte noch oder wieder spontan und ist der Puls wieder fühlbar, wird die stabile Seitenlage zur Verhütung des Eindringens von Blut oder Erbrochenem in die Atemwege und ihrer Verlegung durch das Zurücksinken von Unterkiefer mit Zunge hergestellt, Rumpf und Kopf des Verletzten werden auf eine Seite gedreht; der jetzt oben liegende Arm wird im Ellenbogengelenk gebeugt und mit der Hand vor das Gesicht gelegt, der unten liegende Arm gestreckt längs des Rückens gelagert; das unten liegende Bein wird im Hüft- und Kniegelenk stark gebeugt, das oben liegende gestreckt gelassen.

Erster Mai: internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse; 1890 erstmalig auf Beschluss der II. Internationale (1889) als Tag des Kampfes für den Achtstundentag unter anderem soziale Forderungen begangen.

Erstickung: Tod infolge Sauerstoffverarmung der Gewebe, insbesondere des Gehirns durch Verlegung der Luftwege, zum Beispiel bei Erhängen, Erwürgen, Erdrosseln, Ertrinken oder durch Vergiftung mit Blutfarbstoffgiften, zum Beispiel Kohlenmonoxid, Benzol, Blausäure.

Erwartungswelle: langsames negatives Potential, das in der Hirnrinde entsteht und wie das Elektroenzephalogramm von der Schädeloberfläche abgeleitet werden kann. Ursprünglich als objektives Korrelat der Erwartung gedeutet. Tritt auf, wenn etwa 1 Sekunde nach einem Signalreiz ein X Reiz gegeben wird, auf den die Person in bestimmter Weise reagieren soll. Die Erwartungswelle gehört zur Gruppe langsamer negativer Potentiale der Hirnrinde, die bei bestimmter Aktivierung entstehen, zum Beispiel das Bereitschaftspotential vor Willkürbewegungen. Sie werden als ereignisbezogene Potentiale bezeichnet und haben in der Psychophysiologie Bedeutung.

Erwartungswert: 1. Mathematik: mathematische Erwartung.

1. Physik: statistischer Mittelwert der Messergebnisse bei wiederholter Messung einer physikalischen Größe an einem quantenmechanischen System im jeweils gleichen Zustand. Siehe auch Quantenmechanik.

Erweitern: Mathematik - Bruch 4. erweiterte Nennform Infinitivkonstruktion, erweiterte Oberschule.

erweiterte Verantwortlichkeit: Verantwortlichkeit ohne die Möglichkeit der Befreiung von der Verpflichtung zum Schadenersatz wegen fehlenden Verschuldens oder Unabwendbarkeit der Ursachen für Schäden, die von besonderen Gefahrenquellen (Quellen erhöhter Gefahr) verursacht werden (früher Gefährdungshaftung)-, hierzu gehören insbesondere die erweiterte Verantwortlichkeit der Halter von Kraftfahrzeugen (Kraftfahrzeughaftung) und Tieren sowie der Verkehrsbetriebe unter anderem Betriebe mit besonders gefährdenden Tätigkeiten oder Anlagen. Die erweiterte Verantwortlichkeit soll das Risiko der Gefahrenquelle auch bei zufälligen Schadensereignissen vom Gefährdeten auf den Eigentümer der beziehungsweise Verantwortlichen für die Gefahrenquelle verlagern und ihn zu besonderer Vorsorge veranlassen. Die erweiterte Verantwortlichkeit entfällt nur bei bestimmten unabwendbaren Ereignissen, niemals jedoch beim Betrieb von Luftfahrzeugen.

Wundrose-Erysipel, Rose: durch Streptokokken, aber auch andere Mikroben hervorgerufene Entzündung von Haut und Unterhautzellgewebe mit scharf begrenzter Rötung, Schwellung sowie Schmerzen lind Fieber; Blasenbildung und Gewebezerstörung sind möglich. Das E. neigt zu Rückfällen. Siehe auch Elephantiasis.

Erythem: entzündliche oder nichtentzündliche, mehr oder weniger flächenhafte Hautrötung, zum Beispiel bei Sonnenbrand.

Erythematodes, früher Lupus erythematodes: Hautkrankheit mit sehr unterschiedlichen Erscheinungsbildern, die auf einer Erkrankung des Bindegewebes beruht. Nach dem Verlauf unterscheidet man Erythematodes integumentalis (Schmetterlingsflechte)-, nur auf die äußere Hautbegrenzt; Erythematodes subacuta: Mitbeteiligung innerer Organe; Erythematodes visceralis: früher tödlich verlaufende Erkrankung; stets mit Beteiligung innerer Organe. Übergangsformen sind möglich.

Erythrasma: zu Rückfällen neigende Hautkrankheit mit braunrötlicher, scharf begrenzter Verfärbung an eng aneinander liegenden Hautstellen, zum Beispiel an der Innenseite von Oberschenkel und Hodensack, Achselhöhle; Erreger ist das Corynebacterium minutissimum.

Erythroblastose: Auftreten zahlreicher kernhaltiger (unreifer) roter Blutzellen im Blut;

a) als Begleiterscheinung verschiedener Erkrankungen,

b) als Blutkrankheit infolge bösartig wuchernder roter Blutzellen.

Erythrodermie: entzündliche Rötung und Schuppung der gesamten Haut; meist stark juckend; verursacht durch andere Dermatosen, zum Beispiel Ekzem oder Schuppenflechte, aber auch Arzneimittel und Leukämie.

Erythromycine: Breitspektrumantibiotika mit Glykosidnatur. Die verschiedenen Erythromycine unterscheiden sich durch ihre Zuckerkomponenten; ihr Einsatz erfolgt bei Resistenz der Keime gegenüber Penizillin.

Erythrosin: durch Jodieren von Fluoreszein hergestellter roter Xanthenfarbstoff; wird zum Beispiel zur Sensibilisierung von Filmen sowie in der Mikroskopie verwendet.

Erz: natürlich vorkommende, meist metallhaltige Masse (Minerale oder Mineralaggregate), aus der nach den jeweiligen technischen und gesellschaftliche Gegebenheiten mit Volkswirtschaftlichen Nutzen Metalle oder Metallverbindungen gewonnen werden können.

erz..., Erz... (dat. griechisch): den höchsten Rang bezeichnend oder eine Verstärkung ausdrückend (oft abwertend).

Erzähler: Verfasser erzählender Prosa (Erzählung im engeren Sinn, aber auch Roman, Novelle unter anderem). Erscheint oft als fiktiver Erzähler, also als eine in die Prosastruktur einbezogene Figur, die mit dem Autor nicht gleichzusetzen ist; sie dient einer vertieften Subjektivität im Prozess des Erzählens, so etwa in den Werken von T. Mann oder Erzähler Strittmatter. Man unterscheidet den «Ich»-Erzähler vom «Er»-Erzähler, der die Fiktion größerer Objektivität erweckt. In allen Fällen handelt es sich um Varianten der persönlichen Erzählweise des jeweiligen Autors.

Erzählung: kleinere Form der Epik, die, im Unterschied zur Novelle, locker und ohne dramatische Zuspitzung angelegt ist und im Unterschied zum Roman, nur bestimmte Ausschnitte aus dem Leben einer oder mehrerer Helden auswählt; der Umfang einer Erzählung kann sehr verschieden sein; sie ist meist in Prosa, hin und wieder auch in Versen abgefasst. Meist wirkt die Subjektivität des Autors stärker als in anderen Formen der Kurzprosa in das Dargestellte hinein.

Erzämter: die obersten Hofämter im mittelalterlichen deutschen Reich; symbolhaft von den Stammesherzögen und seit dem 13. Jahrhundert von den weltlichen Kurfürsten ausgeübt: Erzmarschall, -kämmerer, -schenk, -truchseß.

Erzberger, Matthias, 20. 9. 1875-26. 8. 1921, führender Politiker des Zentrums; war 1918 Vorsitzender der deutschen Waffenstillstandskommission; 1919/20 vertrat er als Finanzminister die «Erfüllungspolitik» gegenüber dem Versailler Vertrag; er wurde von Nationalisten ermordet.

Erzbischof: ursprünglich erster Bischof und Vorsteher einer mehrere Bistümer umfassenden Kirchenprovinz (Metropolit); auch vom Papst verliehener Ehrentitel, meist an führende Bistümer gebunden.

Erzen: Zugeben der notwendigen Sauerstoffmenge in Form von Erz zum Entfernen von Kohlenstoff, Silizium, Mangan und Phosphor bei der Stahlherstellung. Siehe auch Frischen.

Erzengel: in der Bibel die obersten Engel Michael, Gabriel und Raphael.

Erzeugerpreis: Geldausdruck des Wertes agrarischer Produkte, den landwirtschaftlichen Produzenten für ihre Erzeugnisse erhalten.

Erzeugnis: Ergebnis der produktiven menschlichen Tätigkeit, vergegenständlicht in einem materiellen Produkt. Ein Erzeugnis kann das Ergebnis industrieller, landwirtschaftlicher oder anderer materieller (zum Beispiel handwerklicher) Tätigkeit sein. In einer modernen Volkswirtschaft bilden die industriellen Erzeugnisse den Hauptanteil. Bei ihnen ist zwischen Fertigerzeugnis und unfertigen Erzeugnis zu unterscheiden. Fertigerzeugnisse sind für den Absatz (Verkauf) bestimmte Erzeugnis, die von der Gütekontrolle des Betriebes oder vom Abnahmebeauftragten des Auftraggebers abgenommen worden sind. Unfertige Erzeugnis (auch unvollendete Produktion) sind ein Produktionsergebnis, dessen technologischer Herstellungsprozess und technische Kontrolle innerhalb des Betriebes noch nicht abgeschlossen ist.

Erzeugnis Bilanzen, Material-, Ausrüstungs- und Konsumgüterbilanzen, Kurzwort MAK-Bilanzen: Bestandteile des Bilanzsystems, in denen Aufkommen und Verwendung von Erzeugnissen oder Erzeugnis Gruppen (Materialien, Ausrüstungen, Konsumgüter) zur Sicherung einer bedarfsgerechten Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft unter Berücksichtigung des Außenhandels (Export und Import von Erzeugnissen) erfasst werden. Die Bilanzorgane haben bei der Ermittlung des volkswirtschaftlich begründeten Bedarfs die Forderungen der Verbraucherbetriebe und ihre Begründung durch Normen und Kennziffern zu prüfen sowie für ausgewählte Erzeugnisse und für Hauptverbraucher sogenannt Bedarfsverteidigungen durchzuführen.

Erzeugnisgüte: Gesamtheit der für eine bestimmte Verwendungsart wesentlicher Eigenschaften eines Erzeugnisses, deren Kenngrößen den zweckentsprechenden Anforderungen an das Erzeugnis genügen und damit einen bestimmten Gebrauchswert verkörpern. Die Erzeugnisgüte ist im Allgemeinen durch eine Vielzahl von Eigenschaften gekennzeichnet, die häufig nach verschiedenen Gesichtspunkten gruppenweise zu sogenannt Teilgütern zusammengefasst werden, zum Beispiel Funktions-, Technologie-, Gestalt- (oder Form-), Schutzgüte unter anderem. Eine hohe beziehungsweise volkswirtschaftlich-optimale Erzeugnisgüte wird vor allem durch Standardisierung gewährleistet Siehe auch Gütesicherung, Gütezeichen.

Erzgebirgsbecken: 50 km lange und 15 km breite, 250 bis 400 m über dem Meeresspiegel gelegene hügelige Senke (Molasse Ablagerungen) im nördlichen Vorland des Erzgebirges; waldarm; vielseitige Textilindustrie und mannigfaltiger Maschinenbau, Zentren unter anderem Karl-Marx-Stadt und Zwickau; Agrarwirtschaft.

Erzieher: pädagogisch geschulte, im Bildungs- und Erziehungswesen tätige Kräfte; im engeren Sinne ausgebildete Pädagogen in Kinderkrippen, Kindergärten und Horten, in Heimen und Internaten für Kinder und Jugendliche.

Erziehung: im einheitlichen pädagogischen Prozess diejenige Seite der Persönlichkeitsentwicklung, die auf die Vermittlung und Aneignung grundlegender Überzeugungen, Einstellungen, Gewohnheiten, Bedürfnisse und Charaktereigenschaften, auf die Formung des Bewusstseins und Verhaltens bezogen ist. Siehe auch Bildung, kommunistische Erziehung.

Erziehungsberatung: von pädagogischen und psychologischen Fachkräften getragene Einrichtung zur Unterstützung der Eltern unter anderem Erziehungsberechtigter bei der Klärung von Entwicklungs- und Erziehungsschwierigkeiten und der Festlegung geeigneter Erziehungsmaßnahmen.

Erziehungsberechtigte: Personen, die das Recht und die Pflicht der Kindererziehung wahrnehmen; zumeist die Eltern, sonst Vormund oder Beauftragte der Gesellschaft.

Erziehungsmaßnahmen: Maßnahmen zur nachdrücklichen Erziehung kriminell gefährdeter, strafrechtlich verurteilter oder Strafentlassener Bürger, die durch gesellschaftliche oder staatliche Gerichte oder verantwortliche staatliche Organe beschlossen werden. Erziehungsmaßnahmen können unter anderem sein: Erteilung von Auflagen, Verpflichtung zur Wiedergutmachung des angerichteten Schadens, Aussprache einer Rüge, Auferlegung einer Geldbuße, Arbeitsplatzbindung.

Erziehungsmethoden: verallgemeinerte Wege des zielgerichteten und systematischen Einwirkens auf die Herausbildung grundlegender Einstellungen, Überzeugungen, Gewohnheiten, Bedürfnisse, Gefühle unter anderem Charakter- und Verhaltenseigenschaften und auf die Entwicklung des selbständigen, verantwortungsbewussten und aktiven Handelns der Persönlichkeit. Wichtige Erziehungsmethoden der sozialistischen beziehungsweise kommunistischen Erziehung sind das Überzeugen, das Angewöhnen, das Üben, das Anspornen, das Tadeln unter anderem.

Erziehungspsychologie: Gebiet der Psychologie, das Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten der Persönlichkeitsformung sowie psychologische Mechanismen der Aneignung geforderter stabiler Verhaltensweisen untersucht.

Erziehungstheorie: Teildisziplin der Pädagogik, die sich in der sozialistischen Gesellschaft mit Zielen, Aufgaben und Inhalt, Gesetzmäßigkeiten und Prinzipien sowie Methoden, Mitteln und Organisationsformen der Herausbildung des Bewusstseins sowie Charakter- und Verhaltenseigenschaften der Persönlichkeit befasst.

Erzlagerstätten: natürliche und abbauwürdige Anreicherungen von Erzen in der Erdrinde; siehe auch Lagerstätte.

Erzmineral: jedes Mineral, in dem sich in bestimmten chemischen Verbindungen Metalle befinden, die auch wirtschaftlich von Interesse sind beziehungsweise sein können.

Erzschleiche, Chalcides chalcides: bis 40 cm langer, schlanker, glänzender Skink aus dem westlichen Mittelmeerraum mit winzigen, stummelartigen Gliedmaßen.

Erzwespen, Chalcidoidea: Überfamilie der Legwespen mit sehr kleinen, metallisch glänzenden Arten. Sie entwickeln sich parasitisch in Eiern und Larven anderer Insekten. Erzwespen werden zur biologischen Schädlingsbekämpfung herangezogen.

Esakl, Leo, geboren 12.3.1925, japanischer Physiker, seit 1960 in den USA; bedeutende Arbeiten zur Festkörperphysik und Halbleiterelektronik, entdeckte den Tunneleffekt am pn-Übergang und in Halbleiterkristallen mit künstlicher Überstruktur.

Esau, (hebräisch, gedeutet als «der Behaarte») in der Bibel ältester Sohn Isaaks; von seinem Bruder Jakob durch ein Linsengericht um das Erstgeburtsrecht betrogen.

Esbjerg: Stadt in Dänemark, im Südwesten Jütlands; 80000 Einwohner; Maschinen-, Motoren- und Schiffbau, chemische und Lebensmittelindustrie (besonders Fischverarbeitung); wichtiger Fischereihafen, Fährverkehr nach Großbritannien; Import und Export von Agrarprodukten.

Escarpit, Robert, geboren 24.4.1918, französischer Romancier und Essayist; Hochschullehrer in Bordeaux; hat sich insbesondere durch Untersuchungen zur Literatursoziologie und -rezeption verdient gemacht; «Nennen Sie mich Thérèse» (1975; Roman).

Eschatologie: in den Religionen die starke historische Wandel unterworfene «Lehre von den letzten Dingen», unter anderem vom Weitende, vom Jüngsten Gericht und dem Leben nach dem Tode.

Esche, Fraxinus: Gattung der Ölbaumgewächse in den nördlich gemäßigten Gebieten; raschwüchsige Edelhölzer; heimisch die Gemeine Esche (F. excelsior) mit windblütigen Blütenrispen, gefiederten Blättern und geflügelten Früchten. Als Zierbaum werden in Parkanlagen die aus Nordamerika stammende Rot-Esche, (F. pennsylvanica) und die aus Südeuropa stammende, insektenblütige Blumen- oder Manna-Esche (F. omus) angepflanzt.

Escher, Alfred, 20.2.1819-6. 12.1882, schweizerischer Politiker, 1849/50 Präsident des Nationalrates, trat für den Bau der Gotthardbahn ein, deren erster Direktor (1871/79) er war.

Eschmun, Esmun, phönikischer Heilgott, später Stadtgott von Karthago.

Eschnunna, Ischnun: altorientalischer Stadtstaat (nördlich des heutigen Bagdad); die Anfänge Eschnunnas reichen vermutlich bis ins 4. Jahrtausend vor Christus zurück; Eschnunna befand sich um 1700 vor Christus in Abhängigkeit von Babylon (Hammurapi). In Teil Harmal wurden Gesetze von Eschnunna entdeckt, die etwa 200 Jähre älter sind als der Codex Hammurapi.

Eschscholzia, (nach einem Biologen) Kappenmohn, Eschscholzia: Gattung der Mohngewächse aus Nordamerika. Als ausdauernde Staude wird Eschscholzia californica in unseren Gärten kultiviert.

Esel, Wildesel, Equus asinus: zur Familie der Pferde gehörender Unpaarhufer mit schmalen, hohen Hufen, langen Ohren und kurzem Schwanz mit Endquaste; früher in Afrika verbreitet, heute fast ausgerottet. Der Hausesel ist ein genügsames Trag- und Zugtier für warme und trockene Regionen; er stammt wahrscheinlich vom Nubischen Wildesel ab. Hausesel erreichen trotz schwerer Arbeit ein Alter von 40 bis 50 Jahren; sie können mit Pferden angepaart werden.

Eselhasen: Bezeichnung für einige Hasenarten mit extrem langen Ohren, die Ebenen und Wüsten im Westen der USA und in Mexiko bewohnen.

Eselsdistel, Onopordum acanthium: mannshoher heimischer Korbblütler mit dornig geflügeltem Stengel und spinnwebig-wolligen großen Blättern; Ruderalpflanze sonniger Standorte; Zierpflanze (Onopordum tauricum).

ESER, Abkürzung für Einheitliches System der elektronischen Rechentechnik: eine Gruppe leistungsfähiger und aufwärtskompatibler elektronischen Datenverarbeitungsanlagen, die im Rahmen eines RGW-Projektes entwickelt wurden. Die Rechner der Reihe ESER II zeichnen sich durch modernere technische Konzeptionen und flexiblere Betriebssysteme gegenüber denen von ESER I aus. Neben den Rechenautomaten stehen ein breites und abgestimmtes Sortiment peripherer Geräte sowie viele Varianten und Ausbaustufen der Betriebssysteme DOS/ES sowie OS/ES zur Verfügung.

Eskalation: stufenweises Vorantreiben eines Vorgangs, Geschehens, besonders im politischen und militärischen Bereich; imperialistische Strategie der Steigerung des Einsatzes von Streitkräften, gegebenenfalls bis zum allgemeinen Kernwaffenkrieg; Ausdruck wachsender Aggressivität des Imperialismus. In den 60er Jahren von den USA ausgehend, offenbarte sie im Krieg gegen das vietnamesische Volk ihr Verbrecher. Wesen und zugleich ihre Erfolglosigkeit. Siehe auch Globalstrategie.

Eskamotage: das Verschwinden lassen eines Gegenstandes; Taschenspielerei.

Eskapade: falscher Sprung eines Pferdes; mutwilliger Streich; Seitensprung.

Eskarpins: flache Tanzschuhe für Männer zur Zeit des Rokokos.

Eskilstuna: Stadt im mittleren Schweden, am Abfluss des Hjälmarsees; 90000 Einwohner; Zentrum der schwedischen Stahl- und Kleineisenindustrie, ferner Traktoren-, Geräte- und Instrumentenbau; Stahlverarbeitung seit 1659.

Eskimo, (französisch - indianisch, «Rohfleischesser») Selbstbezeichnung Inuit («Menschen») PJ.: mongolides Volk der arktischen Küsten und Inseln Nordamerikas und auf der Tschuktschen Halbinsel; relativ einheitliche Sprache; 25000 in Alaska, 18000 in Kanada, 1500 in der UdSSR, außerdem über 40000 Grönländer; Meerestierjäger, Fischer und Jäger, mit einer den arktischen Lebensverhältnissen angepassten Kultur (Fellzelt im Sommer, Iglu im Winter; Fellkleidung; Kajak und J Umiak als Fellboote). Die Eskimo wanderten als letzte amerikanischen Urbevölkerungsgruppe aus Asien ein.

eskimoaleutische Sprachen: Sprachfamilie, zu der die Eskimosprachen des Zentral- und Grönland-Eskimo sowie des Südalaska-Eskimo mit dem sibirischen Dialekt, Aleutisch mit Unalaska-Aleutisch und West- oder Atka-Aleutisch gehören.

Esmarch, Johannes Friedrich August von, 9.1.1823-23.2.1908, Chirurg; Professor in Kiel; wurde vor allem durch das nach ihm benannt Verfahren der künstlichen Blutleere bekannt. Esmarch erwarb sich darüber hinaus große Verdienste um das Lazarettwesen, die Kriegschirurgie und das Samariterwesen in Deutschland.

Esnault-Pelterie, Robert, 8.11.1881-6.12.1957, französischer Techniker und Wissenschaftler; beschäftigte sich bereits 1905/10 mit dem Problem des Rückstoßantriebs. Publizistische Hauptwerke: «Die Erforschung der Hochatmosphäre mit Raketen und die Möglichkeit interplanetarer Reisen» (1928), «Die Raumfahrt» (1930/35).

Esophorie: (griechisch) latentes Einwärtsschielen.

esoterisch: (griechisch, «nach innen zu») geheim; nur für Eingeweihte bestimmt und verständlich.

Esotropie: (griechisch) manifestes Einwärtsschielen.

Esparsette, Onobrychis: Gattung der Schmetterlingsblütler mit rosa Blüten, vorwiegend auf Kalkböden; die tiefwurzelnde Saat-Esparsette (O. viciifolia) wird als Futterpflanze angebaut.

Esparto, Espartogras, Alfa, Haifa, Stipa tenacissima: Steppengras des westlichen Mittelmeergebietes, das als Flechtwerk, als Textilfaser und zur Papier- und Zellstofffabrikation verwendet wird.

Esperanto: («der Hoffende», nach dem Pseudonym des Erfinders) internationale Plansprache mit stark romanischen Wortschatz, einfacher Orthographie, produktiver Wortbildung und regelmäßiger Grammatik; 1887 von dem polnischer Augenarzt L. Zamenhof geschaffen. Esperanto bewährt sich im schriftlichen und mündlichen Verkehr, auf Kongressen, im Rundfunk, für Belletristik und Wissenschaftliche Zwecke und ist auch in den sozialistischen Staaten verbreitet, in der DDR wird es gepflegt und popularisiert im Kulturbund.

Espirito Santo: («Heiliger Geist») Bundesstaat an der Ostküste Brasiliens; 45597 km2, 2,02 Millionen Einwohner; 44 Einwohner/km2; Hauptstadt Vitoria. Espirito Santo umfasst einen etwa 400 km langen und 120 km breiten mit immergrünem tropischem Regenwald bedeckten Küstenstreifen, der nach Westen die Randgebirge des Brasilianischen Berglandes erfasst (Pico da Bandeira, 2890 m). Im Küstenland Anbau von Zuckerrohr, Bananen und Kakao, in den Ausläufern des Brasilianischen Berglandes Anbau von Kaffee und Agrumen. Die Industrie ist nur schwach entwickelt (Zement-, Textil-, Nahrungsmittelindustrie); der bedeutendste Standort ist Vitoria.

Espiritu Santo: größte und dichtest besiedelte Insel des Staates Vanuatu im Stillen Ozean (Melanesien); 4857 km2, 17000 Einwohner; Hauptort Luganville; vulkanische Insel, im Westteil bis 1811 m hoch; dicht bewaldet; Anbau vielfältiger tropischer Kulturen; Sandelholzgewinnung; Thunfischfang.

Esplanade: (französisch spanisch) eingeebnetes Vorfeld alter Befestigungen; großer, freier Platz.

espressivo: (italienisch) Musik ausdrucksvoll.

Espresso: (italienisch) 1. Espresso: gastronomische Einrichtung, in der vorrangig Kaffee und Kaffeespezialitäten, aber auch Spirituosen, Erfrischungsgetränke, Back- und Konditoreiwaren angeboten werden.

2. Kaffee.

Esquilin: einer der 7 Hügel des alten Roms; ursprünglich von Plebejern besiedelt; später Gartenviertel der Reichen.

Esra, (hebräisch, «Hilfe») jüdischer Reformator; ordnete als persischer Staatsbeamter für die Angelegenheiten des babylonischen Judentums im Aufträge des persischen Großkönigs Artaxerxes II. (405/359 vor Christus) die jüdischen Verhältnisse in Jerusalem entscheidend neu.

Essay: Aufsatz, Versuch; literarische-wissenschaftliche Abhandlung, die in künstlerisch geformter Sprache Wesenszüge ihres Gegenstandes, den sie assoziativ und anschaulich in vielerlei Beziehungen sieht, herausarbeitet. Der Ausdruck Essay wurde zuerst von M. de Montaigne gebraucht («Essais», 1580). Im 17. und 18. Jahrhundert fand er weite Verbreitung (R. Descartes, B. Pascal, G. W. Leibniz, J. Locke, D. Hume, J. Swift unter anderem). Repräsentanten der deutschen Literatur, wie G. Lessing, J. W. Goethe, F. Schiller, J. G. Herder, W. von Humboldt sowie später J. R. Becher, A. Seghers, A. Zweig, haben die essayistische Literatur eindrucksvoll bereichert.

esse est percipi: (lateinisch, «Sein ist Wahrgenommen werden») Grundsatz der subjektiv-idealistische Philosophie G. Berkeleys; besagt, dass nichts außerhalb und unabhängig vom wahrnehmenden Bewusstsein existiert.

essentielle Nahrungsbestandteile: lebenswichtige Stoffe, die vom Organismus nicht selbst synthetisiert werden können und daher mit der Nahrung aufgenommen werden müssen, zum Beispiel ungesättigte Fettsäuren, einige Aminosäuren.

Essenz: konzentrierte, nicht zum unmittelbaren Genuss bestimmte Zubereitung von Geruchs- und Geschmacksstoffen. Natürliche Essenz sind Extrakte aus Naturprodukten (Obst, Gewürze); künstliche Essenz bestehen aus entsprechend, synthetisch hergestellten Verbindungen, zum Beispiel Vanillin. Künstlich verstärkte Essenz sind natürliche Essenz, denen künstliche beigefügt sind. Essenzen werden zur Aromaverstärkung oder Aromatisierung unter anderem in der Backwaren-, Süßwaren- und Getränkeindustrie eingesetzt.

Essequibo: längster Fluss in Guyana; 950 km; entspringt im Bergland von Guayana, mündet bei Bartica in den Atlantischen Ozean; Nebenflüsse Mozaruni, Cuyuni und Potaro mit dem 247 m hohen Kaieteur-Wasserfall; nur im Unterlauf ab Rockstone schiffbar.

Essex, angelsächsisch Eastseax, «Ostsachsen»): Grafschaft im Südosten Englands (Großbritannien), nördlich der Themsemündung; 3674 km2, 1, 4 Millionen Einwohner; 381 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Chelmsford, Industrie am Rande Londons und in den Häfen an der Themsemündung; intensive Landwirtschaft, in Flussmündungen Austernzucht; an der Küste Badeorte.

Essex: 1. Robert Devereux, Earl of Essex, wahrscheinlich 19.11.1566-25.2.1601, englischer Politiker; 1588/97 Günstling von Elizabeth I., 1599 Statthalter in Irland; nach eigenmächtig geschlossenem Waffenstillstand mit den aufständischen Iren unter H. O’Neill abgesetzt und wegen angeblichen Staatsstreichversuchs hingerichtet.

2. Robert Devereux, Earl of Essex, 1591-14.9.1646, englisches Militär; Sohn von Essex 1; seit 1621 Anhänger der bürgerlichen Opposition gegen das feudalabsolutistische Regime der Stuarts; in der bürgerlichen Revolution befehligte er 1642/45 das Parlamentsheer und führte im Auftrag der Großbourgeoisie Geheimverhandlungen mit dem König.

Essig: verdünnte Essigsäurelösung zum Würzen und Haltbarmachen von Lebensmitteln. Gärungsessig entsteht durch Essigsäuregärung alkoholischer Flüssigkeiten (zum Beispiel Sprit-, Weinessig), Essenzessig durch Verdünnen chemisch gewonnener, hochkonzentrierter Essigsäure (Essigessenz). Zieht man mit Essig Gewürzpflanzen aus, entsteht Kräuter- oder Gewürzessig. Die Essigsäuregärung verdünnter alkoholischen Lösungen wird durch Essigsäurebakterien der Gattung Acetobacter bewirkt, durch die Äthylalkohol mit Luftsauerstoff zu Essigsäure und Wasser oxydiert wird. Im bereits 1823 erfundenen Schnellessigverfahren nach J. S. Schützenbach lässt man die alkoholische Lösung über Buchenholzspäne rieseln, auf denen sich Essigbakterien ansiedeln. Der Gehalt an Essigsäure bei handelsüblichem Essig liegt zwischen 5 und 15.

Essigälchen, Turbatrix aceti: bis 2 mm langer Fadenwurm; lebt in gärendem Essig oder Kleister, saugt Bakterien auf.

Essiggemüse: durch Essig konserviertes, genussfertiges Gemüse mit begrenzter Haltbarkeit, zum Beispiel (Essig-) Gurken.

Essigsäure, Äthansäure, fachsprachlich Ethansäure: Alkansäure der Formel CH3COOH. Essigsäure ist eine farblose, stechend sauer riechende, brennbare, hautreizende, mit Wasser beliebig mischbare Flüssigkeit; erstarrt wasserfrei (Eisessig) bei 16,7 °C zu eisartigen Kristallen; Kp 118,1°C; die Salze und Ester heißen Azetate. Essigsäure bildet sich aus Äthanol (zum Beispiel in alkoholischen Getränken) durch Essigbakterien unter Luftzutritt und wird auch synthetisch, zum Beispiel durch Oxydation von Azetaldehyd, hergestellt. Man verwendet Essigsäure als Geschmacksstoff (siehe auch Essigessenz) und Lösungsmittel sowie zur Herstellung von Essigsäureestern (zum Beispiel Zelluloseazetat), Pharmaka, Farb- und Riechstoffen.

Essigsäureanhydrid, Acetanhydrid, fachsprachlich Acetanhydrid: eine farblose, stechend riechende Flüssigkeit der Formel (CH3-C0)20, die mit Wasser. unter Bildung von Essigsäure reagiert; Kp 139,5°C; Anwendung für chemische Synthesen.

Essigsäurebakterien: gramnegative, kettenförmig zusammenhängende Stäbchenbakterien der Gattung Acetobacter, die auf Bier oder Wein eine sogenannt Kahmhaut bilden. Bei Luftzutritt wird Äthanol durch oxydative Gärung in Essigsäure verwandelt. Bedeutendster Vertreter der Essigsäurebakterien ist Acetobacter aceti (wird zur Essigfabrikation verwendet).

Essigsäurechlorid, Azetylchlorid, fachsprachlich Acetylchlorid: eine farblose, stechend riechende Flüssigkeit der Formel CH3COCl, die mit Wasser beziehungsweise Alkoholen unter Bildung von Essigsäure beziehungsweise ihren Estern sowie Chlorwasserstoff reagiert; Kp 52 °C; Anwendung für organisch-chemische Synthesen.

Essigsäureester: Essigsäurederivate der Formel CH3-COOR (R = Alkyl oder Aryl), herstellbar durch Umsetzung zwischen Essigsäure und einem Alkohol oder Phenol in Gegenwart wasserbindender Mittel. Niedermolekulare Essigsäureester sind farblose, brennbare Flüssigkeiten von zumeist fruchtartigem Geruch, die hauptsächlich als Lösungsmittel und Aromastoffe verwendet werden. Hierzu gehören zum Beispiel Essigsäuremethylester (Methylazetat, CH3-COOCH3: Kp 56,3 °C) und Essigsäureäthylester (Äthylazetat, CH3-COOC2H5; Kp 77,1 °C; führt nach Einatmen zu Reizungen und Entzündungen besonders der Atemwege, nach Verschlucken zu alkoholvergiftungsähnliche Erscheinungen); Essigsäurevinylester (Vinylazetat) wird technisch zu Polyvinylazetat polymerisiert. Die Essigsäureester höherer Alkohole, zum Beispiel Essigsäureester Dodecylester, werden als Weichmacher verwendet.

essigsaure Tonerde: basisches Aluminiumazetat mit adstringierender, bakteriostatischer und desodorierender Wirkung; medizinische Anwendung für Umschläge bei lokalen Entzündungen.

Estancia: spezifische Form des landwirtschaftlichen Großbetriebes in Lateinamerika, besonders für exportorientierte Viehzucht.

Este: italienisches Adelsgeschlecht seit dem 13. Jahrhundert, herrschte in Modena, Reggio nell’Emilia, Ferrara; höchste Machtentfaltung im 14./16. Jahrhundert.

Ester: (Kurzwort für «Essigäther») chemische Verbindungen, die zum Beispiel durch Reaktion zwischen Alkoholen oder Phenolen und Säuren unter Abspaltung von Wasser entstehen. Carbonsäuren ergeben hierbei Carbonsäureester der Formel R-CO-OR1, zum Beispiel Benzoesäureäthylester, C6H5-CO-OC2H5. Erfolgt die Veresterung innerhalb eines Moleküls (bei Hydroxycarbonsäuren), so bilden sich als innere Ester die Laktone. Die Ester mit anorganischen Säuren werden oft als Mineralsäureester bezeichnet, zum Beispiel Dimethylsulfat (Schwefelsäuredimethylester), S02(0CH3)2. Polymere Ester sind die Polyester. Zu den Estern gehören auch die Fette und Wachse.

Esterasen: (Kunstwort) zur Klasse der Hydrolasen gehörende Enzyme, die Ester durch Wassereinbau aufspalten, zum Beispiel Lipasen.

Esther, (hebräisch persisch, «Stern») Frau des Perserkönigs Xerxes, Heldin des biblischen Buches Esther; rettete die Juden im Perserreich vor Verfolgung; siehe auch Purimfest.

Estrade: 1. Estrade (französisch): stufenartig erhöhte Fußbodenfläche; Podium.

2. Estrade (russisch - französisch), Estradenaufführung: aus dem Russischen übernommene Bezeichnung für volkstümliche künstlerische Veranstaltung auf großem Podium (E.) mit Musik (Estrade Konzert) oder gemischtem Programm; entspricht inhaltlich dem Variete.

Estragon, Artemisia dracunculus: Beifuß Art aus Asien; Gewürzpflanze, unter anderem verwendet zur Bereitung von Kräuteressig und als Gurkengewürz.

Estremadura: historisches Gebiet und Region im Südwesten Spaniens, 2 Provinzen umfassend; 41602 km2, 1,05 Millionen Einwohner; 25 Einwohner/km3; wichtigster Ort Badajoz, westliche Fortsetzung der Meseta, zertalt von den heute weithin aufgestauten Flüssen Guadiana und Tajo; sommertrockenes und wintermildes Klima; Eichenwälder; Heide; Vorkommen an Buntmetallerzen; Schweine- und Schafzucht; extensiver Getreideanbau (Großgrundbesitz); in den Tälern bei künstlicher Bewässerung Anbau von Wein, Tabak, Oliven; industriell wenig entwickelt.

Estrich: (lateinisch griechisch, «Pflaster») auf fester Unterlage aufzutragender Feinmörtel für Fußböden, der als Bindemittel Lehm, Gips, Magnesia, Zement, Bitumen unter anderem und als Zuschlagstoff Splitt, Fasern, Stroh und so weiter enthält. Der schwimmende Estrich wird ohne Bindung zu der Rohdecke und den Wänden auf einer elastischen Schicht (Dämmplatte, Gummi-, Korkschrot) als Trittschalldämmung aufgetragen. Siehe auch Steinholz.

Etablissement: Unternehmen, Niederlassung; Gast-, Vergnügungsstätte.

Etagenbogen, Sprungbogen-. S-artiges Formstück im Fallrohr aus Keramik oder Stahl zur Umgehung von Mauerabsätzen unter anderem

Etagenelement, Wohnungselement: Elektroinstallation industriell vorgefertigter Zentralverteiler mit Sicherungen und Installationsfernschaltern sowie mit den Leitungen zu Fußbodensteckdosen und Drucktastern.

Etagenofen: zylindrischer Reaktor zum Rösten von Erzen; besteht aus mehreren, übereinander angeordneten Herden (Etagen) und einer zum Transport der Erze eingebauten Krähleinrichtung (Rührarme und darauf aufgesteckte Rührzähne).

Etagere: leicht gebautes (Wand-) Gestell für Bücher, Geschirr und so weiter

Etamin, Netzstoff, Siebgewebe: gazeartiges Gewebe, meist in Leinwandbindung.

Etana, legendärer König von Kisch in Mesopotamien; Held des akkadischen Etana-Mythos. Darin wird Etanas Flug zum Himmel geschildert, der mit seinem Absturz endet. Bildliche Darstellungen des Etana-Mythos seit dem 23. Jahrhundert vor Christus.

Etang de Berre: fast zum Binnensee gewordene Meeresbucht im Süden Frankreichs, östlich der Rhône Mündung; etwa 155 km2, bis 10 m tief; Gewinnung von Seegras; an den Ufern die bedeutenden Erdölraffinerien Lavéra, La Méde, Shell Berre, ferner chemische Industrie (Düngemittel, Schwefel, synthetischer Kautschuk, Plaste, petrolchemische Grundstoffe); Fischereihäfen; Kanal zum Mittelmeer, am Ostufer der Flughafen von Marseille (Marignane).

Etappe: 1. allgemein Teilstrecke, Strecke, Abschnitt; Stufe.

2. das im Krieg als Versorgungsgebiet dienende Hinterland; heute als rückwärtiger Raum bezeichnet.

Etappenrennen: Radsport Wettbewerb aus mehreren, (mit Ausnahmen) jeweils an aufeinander folgenden Tagen gefahrenen Straßenrennen unterschiedlicher Art (auch Zeitfahren, Rundstreckenrennen) und Streckenlänge, der neben der Tageswertung durchgehende Wertungen aufweist.

etepetete: geziert, übertrieben fein, zimperlich.

eternisieren: verewigen, in die Länge ziehen.

Etesien: trockene Nordwestwinde im östlichen Mittelmeergebiet (Ägäis bis nordafrikanische Küste), von April bis Oktober vorherrschend; charakterisieren das sommertrockene Etesienklima (Mittelmeerklima).

Ethik: Wissenschaft beziehungsweise Lehre von der Moral; Moralphilosophie. Seit Aristoteles relativ selbständiger Teil aller philosophischen Systeme; stark geprägt durch die grundlegende philosophische (idealistische oder materialistische) Position ihrer Vertreter sowie deren Eintreten für progressive oder reaktionäre Klassen und Bestrebungen. Ethik dient der Moralerkenntnis und deren Ausnutzung für jeweils bestimmte soziale Interessen. Das schließt Versuche ein, reaktionäre Moral als «allgemeinmenschliche», beziehungsweise «ewige» Moral auszugeben und die Herausbildung progressiver Moral zu be- oder verhindern. Die grundlegenden ethischen Kategorien (gut und böse, Verantwortung, Ehre, Gewissen, Glück unter anderem) unterliegen historisch inhaltliche Veränderungen. Hauptaufgaben der Ethik sind

a) Beschreibung und Analyse der Moralerscheinungen verschiedener Völker und Zeiten, das Aufdecken ihres Wesens sowie der allgemeinen Gesetze ihrer Entstehung, Veränderung und Funktion (empirische beziehungsweise deskriptive Ethik, allgemeine Soziologie der Moral);

b) Begründung des moralischen Sollens, der moralischen Prinzipien und Normen (normative Ethik);

c) Untersuchung der sprachlich-logischen Formen und der Methoden der Ethik (Metaethik). Die verschiedenen Systeme der Ethik akzentuieren diese Aufgaben unterschiedlich und anerkennen sie unter Umständen nur teilweise. Das soziale Wesen der marxistisch-leninistischen Ethik ergibt sich insbesondere aus dem dialektische und historische Materialismus und der historischen Mission der Arbeiterklasse. Die marxistisch-leninistischen Ethik untersucht insbesondere die inhaltlichen Determinationen der sozialhistorischen Typen der Moral durch die ökonomischen, politischen und geistig-kulturellen Verhältnisse sowie die aktive Ein- und Rückwirkung der Moral auf den gesellschaftlichen Lebensprozess. Sie begründet die Prinzipien der sozialistischen Moral und ihre Normen für die verschiedenen Etappen der sozialistischen Entwicklung und berücksichtigt dabei sich verändernde Bedingungen (zum Beispiel die wissenschaftlich-technische Revolution). Damit erarbeitet sie Kriterien für das Erkennen und Fördern des moralisch Neuen in der gesellschaftlichen Praxis. Sie untersucht ferner historische Kontinuität der Moralentwicklung, das dialektische «Aufheben» der Elemente des humanistischen Erbes, erarbeitet theoretische Grundlagen der moralischen Erziehung und Selbsterziehung sowie der gesellschaftlichen Leitung sozialistische Moralentwicklung, gewinnt Erkenntnisse über die Mechanismen und Abwehrmöglichkeiten moralische Manipulierung der Werktätigen und erforscht die Geschichte der Ethik selbst.

ethnisch: Volks-, das Volk betreffend (besonders im völkerkundlichen Sinne); siehe auch Völkerkunde.

Ethos: moralische Gesinnung und moralisches Verhalten von einzelnen, Gruppen (besonders Berufsgruppen) und historische Bewegungen. In das Ethos gehen Momente gesellschaftlicher Moralsysteme, von Sitten, Bräuchen sowie eigene Entscheidungen ein (Autonomie 3). Der Begriff betont häufig ein besonderes Engagement gegenüber humanistischen moralischen Werten (E. des Kommunarden, Antifaschisten, Lehrers, Arztes). Das soziale Wesen eines bestimmten Ethos sowie seine soziale Funktion sind vom sozialen Inhalt jener Werte abhängig, die dieses Ethos bestimmen.

Ethoslehre: Grundlage der altgriechischen Musikerziehung pythagoreischer Richtung. Sie beruht auf der Überzeugung, dass zahlenmäßig fundierte Ordnung von Tonart und Rhythmus die seelische Willenshaltung beeinflussen kann. Die dorische Tonart zum Beispiel gilt als erhaben. Hauptvertreter sind Dämon von Athen, Platon, Plotin.

Etikette: 1. Hofsitte, Förmlichkeit, erstarrte Umgangsform.

2. Etikette, Etikett: (beschriftetes) Schildchen, besonders als Warenkennzeichnung oder zur Preisauszeichnung.

Etmal: während der Dauer eines astronomischen Tages, das heißt von Mittag zu Mittag von einem Schiff zurückgelegte Strecke; bei Fahrt nach Westen also innerhalb von mehr, bei Fahrt nach Osten innerhalb von weniger als 24 Stunden; auch Maß für Strömungsgeschwindigkeiten.

Eton: Stadt im Süden Englands (Großbritannien), an der Themse, westlich von London; 4000 Einwohner; seit 1440 Eton College, eine Bildungsstätte für Schüler der privilegierten Klassen; spätgotische Kapelle.

Etrich, Ignaz (gen. Igo), 25.12.1879-4.2.1967, Flugzeugkonstrukteur, entwickelte das Gleitflugzeug O. Lilienthals weiter zum Motorflugzeug (Etrich Taube, erster Flug 1909), das ab 1910 von Etrich Rumpler in Lizenz gebaut wurde.

Etrurien: 1. nach den Etruskern benannte, zwischen Tiber und Arno gelegene antike Landschaft in Mittelitalien, entspricht in etwa der heutigen Region Toskana.

2. 1801 von Napoleon Bonaparte aus dem Großherzogtum Toskana gebildetes Königreich, das zwischen 1808 und 1814 Frankreich angegliedert war.

Etrusker, Etrusci, Tusci: mittelitalisches Volk des Altertums unterschiedlicher Herkunft, wahrscheinlich zum Teil aus Kleinasien stammend. Die Etrusker erlebten seit dem 9. Jahrhundert vor Christus eine rasche ökonomische und soziale Entwicklung; verfügten über eine hohe, griechisch beeinflusste Kultur; verbreiteten die Eisenverarbeitung in Italien und übten einen großen Einfluss auf Rom aus, von dem sie im 5./3. Jahrhundert vor Christus unterworfen wurden.

etruskische Kunst: Aus der bodenständigen prähistorische Villanova-Kultur hervorgegangen, nahm die etruskische Kunst vom 7. Jahrhundert vor Christus bis zum Hellenismus vorwiegend griechische Einflüsse auf und ging seit dem 3. Jahrhundert vor Christus mit ihrem spezifisch etruskischen Gut in die römische Kunst ein. Die Eigenständigkeit der etruskischen Kunst äußert sich besonders in Architektur und Plastik. Charakteristische Bauformen sind Podium Tempel mit farbiger Terrakottaverkleidung, Amphitheater auf elliptischen Grundriss sowie Rundgräber mit kegelförmigem Erdhügel («tumulus»). Bevorzugtes Material der Großplastik waren Terrakotta und Bronze; umfangreicher Export an kunsthandwerklichen Metallarbeiten; Gefäß- und Wandmalerei war an griechischer Vorbilder angelehnt.

Ettersberg: aus Kalkstein aufgebauter Höhenzug nordwestlich von Weimar; bis 478 m; Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald.

Ettingshausen-Effekt: (nach einem österreichischen Physiker) ein galvanomagnetischer Effekt. Wird eine Leiterplatte (mit einem gedachten x, y, z-Koordinatensystem) von einem Magnetfeld in z-Richtung durchsetzt und von einem elektrischen Strom in y-Richtung durchflossen, so entsteht eine Temperaturdifferenz in x-Richtung, die dem Produkt aus der magnetischen Flussdichte und der elektrischen Stromdichte proportional ist.

Etüde: (französisch, «Studie»)

1. Musik: Übungsstück; dient meist der Lösung eines spieltechnischen Problems; von F. Chopin, F. Liszt, C. Debussy unter anderem zum Kunstwerk gestaltet.

2. Theater: improvisierte szenische Handlung zu Übungszwecken.

Etymologie: (griechisch etymos, «wahr, richtig») Lehre von der Herkunft und Entwicklung der Wörter sowie ihrer Verwandtschaft mit Wörtern gleichen Ursprungs. Siehe auch Volksetymologie.

Etymon: in der Etymologie rekonstruierte ursprüngliche Form und Bedeutung eines Wortes.

Eubiotik: Lehre vom geistig, körperlich und sozial gesunden Leben.

Eucharistie: in der katholischen Kirche die Abendmahlsfeier, die zu jeder Messe (Eucharistiefeier) wesensmäßig gehört.

Eudämonismus: Glückseligkeitslehre; Streben nach dem Glück als oberstem Ziel des Handelns; Charakteristikum verschiedenartiger ethischer Systeme. Der jeweilige soziale Inhalt der Vorstellungen vom Glück (als persönliches Nutzen, Aufopferung, Genuss unter anderem) bestimmt den unterschiedlichen Klasseninhalt des Eudämonismus.

Eudoxos, Eudoxos von Knidos, um 400-um 347 vor Christus, griechischer Astronom, Mathematiker, Geograph und Mediziner; schuf eine strenge mathematische Größenlehre und entwickelte ein Modell des Planetensystems.

Eugenik, (griechisch, «Wohlgeborenheit») Erbhygiene: die Anwendung populationsgenetische Erkenntnisse mit dem Ziel, die in einer Bevölkerung vorhandenen positiven Erbanlagen zu vermehren (positive oder progressive Eugenik) und die negativen (das heißt krank machenden) Erbanlagen zu reduzieren (negative oder präventive Eugenik). Die Eugenik wurde von den deutschen Faschisten zur biologischen Begründung der Rassendiskriminierung und ihres Herrschaftsanspruchs missbraucht. Bei strikter Einhaltung humanistischer Grundsätze ist die Eugenik von individuellem und gesellschaftlichem Interesse.

Eugenol: ein Phenoläther der Formel 1,2,4 HO CjH3(OCH3) CH2 CH=CH2, eine farblose, sich an der Luft allmählich bräunende Flüssigkeit von intensivem Nelkengeruch; Kp 252°C. Es wird aus Nelken- (70 bis 90% Gehalt) oder Pimentöl durch Extraktion mit Alkalilauge gewonnen und dient als Riech- und Aromastoff. Eugenol wird in der Stomatologie als mildes Anästhetikum und Antiseptikum verwendet.

Euglena: Gattung einzelliger, autotropher Flagellaten, grün, mit rotem Augenfleck; im Süßwasser, besonders zahlreich in Jauchetümpeln; an biologischer Selbstreinigung des Gewässers beteiligt. Siehe auch Flagellaten.

Eugnathie: anatomisch regelrechtes Gebiss mit fehlerfreier Form und Stellung der Zähne.

Euhemeros, um 300 vor Christus, griechischer Philosoph und Schriftsteller; in seiner romanhaften Schrift «Heilige Aufzeichnung» deutete er als Aufklärer die Götter als mächtige (vergötterte) Menschen der Vorzeit (Euhemerismus).

Euhomininen, Homininae (lateinisch): echte Menschen, die im Verlauf der Stammesgeschichte erstmals im Unterpleistozän in Form des Homo erectus auftreten. Sie sind aus den Australopithecinen (Prähomininen) hervorgegangen, von denen sie sich unter anderem durch eine größere Hirnschädelkapazität und eine weniger äff. Nasen-Kiefer-Region sowie in der Herstellung komplizierterer Werkzeuge und der Verwendung des Feuers unterscheiden.

Eukalyptusbaum, Eucalyptus: Gattung der Myrtengewächse mit immergrünen, ledrigen Blättern; fast ausschließlich in Australien beheimatet und 90% der Gehölzarten in den dortigen Wäldern umfassend; Eucalyptus amygdalina wird über 100 m hoch und ist damit eine der höchsten Baumarten des Pflanzenreichs; viele Arten liefern wertvolles Nutzholz, einige Eukalyptusöl.

Eukalyptusöl: ein erfrischend minzig riechendes ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation der Blätter von Eukalyptusbäumen gewonnen wird. Hauptgeruchsträger des Eukalyptusöls ist der Terpenäther Cineol (Eucalyptol). Eukalyptusöl wird in der Medizin und für Süßwaren verwendet

Eukaryoten: Organismen, deren Zellen in Zellkern und Zytoplasma differenziert sind.

Euklid, Euklid von Alexandria, um 365-300 v. Chr., griechisch-hellenistischer Mathematiker; wirkte vorwiegend in Alexandria; sein Hauptwerk sind die «Elemente» (um 325), in denen wesentliche Teile des mathematischen Wissens seiner Zeit dargestellt sind: Geometrie, Proportionslehre, Zahlentheorie, Inhaltsbestimmungen, Irrationalitäten Lehre, regelmäßige Körper. Euklid verwendete in den «Elementen» weitestgehend die Ergebnisse anderer Mathematiker, unter anderem Eudoxos von Knidos. Die «Elemente» haben die mathematische Entwicklung bis hin zur Neuzeit stärkstens beeinflusst. Von Euklid sind auch Werke zur Optik und zur Musiktheorie überliefert.

euklidische Geometrie: (nach Euklid) Teil der Geometrie, der auf der Anerkennung des Parallelenaxioms basiert. Die euklidische Geometrie beschreibt den Raum unserer Anschauung; sie war bis zu Beginn des 19. Jahrhundert die einzige Art der Geometrie. Siehe auch nichteuklidische Geometrie.

Eulen, Striges: Ordnung weltweit verbreiteter, dickköpfiger, meist nachtaktiver Vögel mit weichem Gefieder, leistungsfähigen Ohren und Augen; ernähren sich meist von kleinen Wirbeltieren. In Tundren lebt die Schnee-Eulen (Nyctea scandiaca). Die Waldohr-Eulen (Asio otus), kenntlich an den Federohren, brütet in alten Nestern anderer Vögel in Bäumen, die Eier sind weiß; siehe auch Schleiereule, Steinkauz, Waldkauz, Uhu.

Eulenberg, Herbert, 25.1. 1876-4.9. 1949, Schriftsteller; verfasste zahlreiche, zum Teil von neuromantischer Antibürgerlichkeit beeinflusste Stücke («Ritter Blaubart», 1905), erfolgreiche literarische Porträts («Schattenbilder», 1910) unter anderem Sein Roman «Der Zusammensturz» (1948) rechnet aus kleinbürgerlicher Sicht mit dem Faschismus ab.

Eulenfalter, Noctuidae: artenreiche Schmetterlingsfamilie; Falter an Ring- und Nierenmakeln sowie Wellenlinien auf den Flügeln erkennbar. Raupen oft nackt, einige in der Erde, zum Teil schädlich. Siehe auch Forleule, Gammaeule, Kohleule, Saateule, Ordensband.

Eulenspiegel: 1. 1928/33 erschienene gesellschaftskritische «Zeitschrift für Scherz, Satire und tiefere Bedeutung» (im Exil in Paris als «Roter Pfeffer» fortgeführt); Redakteur war O. Nagel, Mitarbeiter unter anderem B. Brecht, E Weinert, Slang, H. Zille, G. Grosz, J. Heartfield.

2. satirische-humoristische Wochenzeitung; erscheint in Berlin (1946/54 als «Frischer Wind»).

Eulenspiegel, Till, um 1300-1350, Handwerksgeselle aus dem Braunschweigischen; bekannt durch zahlreiche lustige Streiche. Im 15. Jahrhundert wurde Eulenspiegel zum Helden einer Schwanksammlung mit ausgeprägt gesellschaftskritischen Zügen. Seine Narreteien, häufig ausgelöst durch wörtliche Befolgung von Weisungen, trafen alle Schichten der Besitzenden. Ein anzunehmender niederdeutscher Druck (Lübeck 1478) ist nicht erhalten; überliefert ist der hochdeutsche Druck aus dem Jahre 1515 (Straßburg). Der Stoff wurde bis in die Gegenwart häufig bearbeitet, unter anderem von C. de Coster, G. Hauptmann, G. Weisenborn; Tondichtung von R. Strauss.

Euler, (nach einem schwedischen Eisläufer) Thoren (nach einem schwedischen Eiskunstläufer): Eiskunstlauf Sprung von rückwärts auswärts mit ganzer Drehung (2 Drehungen beim doppelten Euler, 3 beim 3fachen Euler) auf rückwärts-einwärts auf das andere Bein bei Hoch- und Seitwärtsspreizen des Spielbeins.

Euler, Leonhard, 15.4. 1707-18.9. 1783, schweizerischer Mathematiker, Physiker, Astronom und Philosoph; wirkte in Sankt Petersburg (Leningrad) und Berlin, hat fast alle damaligen Gebiete der Mathematik sowie Physik und Astronomie um entscheidende Beiträge bereichert und schuf hervorragende Lehrbücher.

Euler-Cauchy-Verfahren: (nach L. Euler und A. L. Cauchy), Eulersches Polygonzugverfahren: einfachstes Differenzenverfahren zur numerischen Lösung der Anfangswertaufgabe von gewöhnlichen Differentialgleichungen. Verbindet man die Punkte (xh yi), so erhält man einen Polygonzug als (meist schlechte) Näherung für die Lösungskurve.

Eulersche Formel: von L. Euler 1740 gefundener Zusammenhang zwischen der Exponentialfunktion und Winkelfunktionen. Bedeutet i die imaginäre Einheit mit i2 = -1, so lautet die Eulersche Formel: e ix = cos x + i sin x. Die Eulersche Formel spielt in der Funktionentheorie und deren Anwendungen, insbesondere in der Theorie der Wechselströme, eine wichtige Rolle.

Eulersche Funktion: (nach L. Euler) die Funktion

Eulersche Kreiselgleichungen: Kreisel Eulersche Linie (nach L. Euler): geschlossener, wiederholungsfreier Kantenzug eines endlichen Graphen, der alle Kanten des Graphen enthält.

Eulerscher Polyedersatz: (nach L. Euler) für jedes konvexe und einige andere Polyeder gültige Formel e - k + f = 2 für die Anzahl e der Ecken, k der Kanten und der Flächen. Dieser 1752 von L. Euler gefundene Satz der Topologie war schon 1620 R. Descartes und vermutlich sogar Archimedes bekannt.

Eulersche Winkel: (nach L. Euler) drei Winkel zur Beschreibung der relativen Lage zweier rechtwinkliger, rechtshändiger Koordinatensysteme x, y, z beziehungsweise X, Y, Z mit gemeinsamem Ursprung und der Knotenlinie K als Schnittlinie der x-y-Ebene mit der A-7-Ebene. Bei Drehung des Systems X, Y, Z um den Winkel tp bei fester Z-Achse ergibt sich das System K, U, Z, woraus bei Drehung um 5 bei fester AT-Achse das System K, V, z folgt, woraus sich wiederum bei Drehung um i bei fester z-Achse das System x, y, z ergibt.

Eumaios, (griechisch) Eumaeus (lateinisch), in der griechischen Sage der treue Schweinehirt des Odysseus, half diesem bei der Heimkehr im Kampf gegen die Freier seiner Gattin.

Eumenes: 1. Eumenes, um 362-316 vor Christus, griechischer Sekretär und Feldherr Alexanders des Großen, Diadoche; unternahm Anstrengungen, nach dem Tod Alexanders die Reichseinheit zu wahren, wurde aber 316 von Antigonos Monophthalmos besiegt, gefangengenommen und hingerichtet.

2. Eumenes, Eumenes II. Soter, 197/159 vor Christus König von Pergamon, Sohn Attalos I.; war Verbündeter Roms in der Schlacht bei Magnesia (189) und brachte 184 mit römischer Unterstützung den Galatern eine Niederlage bei. Aus diesem Grunde wird ihm mitunter die Erbauung des Pergamonaltars zugeschrieben. Unter ihm erreichten Kunst und Wissenschaft eine hohe Blüte.

Eumeniden: (griechisch, «die Wohlmeinenden») beschönigende Bezeichnung für die Erinyen; Drama von Aischylos.

Eumenorrhö: eine hinsichtlich Dauer, Intensität, Wiederkehr und Beschwerden normal verlaufende Menstruation.

Eunuch: (griechisch, «Betthüter») Verschnittener: kastrierter Mann, Hüter des Frauengemaches (Harem) bei polygamen Völkern des Orients; früher auch in Byzanz und China.

Eunuchoidismus: unvollkommene Geschlechtsentwicklung beim Mann mit Ausbleiben der sekundären Geschlechtsmerkmale, zum Beispiel kein Stimmwechsel (eunuchoide Stimme) und kein Bartwuchs. Der Eunuchoidismus entsteht infolge mangelhafter Entwicklung oder Störung der Funktion der Keimdrüsen und kann angeboren oder erworben sein.

Eunus: syrischer Sklave auf Sizilien; Führer im 1. sizilischer Sklavenaufstand 138/132 vor Christus; erklärte sich unter dem Namen Antiochos zum König eines Sklavenstaates; vereinigte seine Truppen mit denen Kleons, des Sklavenführers im Südwesten Siziliens; kämpfte erfolgreich gegen mehrere römische Truppenkontingente; starb in römischer Gefangenschaft.

Eupatriden: (griechisch, «Söhne edler Väter») die Angehörigen des aus der Gentil Aristokratie hervorgegangenen grundbesitzenden Geburtsadels im antiken Athen; waren vom Ende der Königszeit (Beginn des 7. Jahrhundert vor Christus) bis zur Einführung der Demokratie von Bedeutung; infolge des Klassenkampfes des Demos im 6./5. Jahrhundert vor Christus wurden ihre Vorrechte durch Solon, Peisistratos, Kleisthenes, Ephialtes und Perikles eingeschränkt und schließlich beseitigt.

eupelagisch: zur Tiefsee gehörend (tiefer als 3000 m); eupelagische Sedimente sind Globigerinenschlamm und roter Tiefseeton.

Euphemismus: verhüllende, oft beschönigende Umschreibung (Periphrase) von Unangenehmem («entschlafen» für «sterben»).

Euphorie: gehobene, oft sogar heitere Stimmung, die als Folge von Arzneimittelanwendung und Giftzufuhr, aber auch bei gewissen Krankheiten, zum Beispiel multipler Sklerose, auftreten kann.

Euphorion: in der griechischen Sage der geflügelte Sohn des Achill und der Helena auf den Inseln der Seligen. Zeus tötete ihn aus verschmähter Liebe mit dem Blitz. In Goethes «Faust II» der Sohn Helenas und Fausts.

euphotisch: lichtreich; besonders für die lichtdurchstrahlten oberen Schichten der Binnengewässer und Meere gebraucht, in denen die Fotosynthese erfolgt.

Euphrat, arabisch Schaft al-Fuhrad: größter Strom Vorderasiens; 2760 km; entspringt mit den Quellflüssen Karasu (westlicher Euphrat) und Murat (östlicher Euphrat) im Hochland von Armenien (Türkei), durchbricht in einem 60 km langen, bis zu 1000 m tiefen, Stromschnellen reichen Engtal den Osttaurus, umschließt mit dem Tigris Mesopotamien, vereinigt sich mit diesem bei Al-Kurna zum Schalt al-Arab, der in den Persischen Golf mündet; linker Nebenfluss Khabur, Staudämme bei Keban (Türkei), Al-Thaura (Syrien; Assad See: 630 km2, 12 Md. m3; Kraftwerk mit 800 MW), Al-Haditha (Irak; Kraftwerk mit 570 MW; im Bau) sowie umfangreiche Wasserregulierungsanlagen bei Habbaniyah mit Ableitungskanal zum Habbaniyah-See und bei Al-Hindiyah (Irak); Verbindungskanal zwischen Euphrat und Tigris in Irak im Bau (mit sowjetischer Hilfe), Abschnitt Euphrat-Tharthar-See (38 km) seit 1976, Tharthar-See-Tigris-Kanal (65 km) im Ausbau.

Euphuismus: gekünstelter Modestil, der englischen Literatur; benannt nach J. Lylys «Euphues»-Romanen (1578/80).

Euploidie: Vorkommen von kompletten Chromosomensätzen in Organismen oder Zellen, zum Beispiel haploide, diploide, polyploide Chromosomensätze.

Eurasien: (Kurzwort für Europa + Asien) Bezeichnung für den die Erdteile Europa und Asien umfassenden Doppelkontinent; 54 Millionen km2, davon etwa ein Viertel Inseln und Halbinseln; über 3,4 Md. Einwohner (drei Viertel der Menschheit).

Eurhythmie: in der griechischen Antike Einheit von anmutiger tänzerischer Bewegung und rhythmischen Gleichmaß.

Eurich, gestorben 484, König der Westgoten seit 466; erkämpfte gegen die Römer die Unabhängigkeit des westgotischen Reiches in Spanien und Südfrankreich; nach ihm wurde das westgotischen Recht (Codex Euricianus) benannt.

Euripides, um 485-406 vor Christus, griechischer Tragödiendichter, gestaltete mit dem Stoff der alten Mythen geistige, soziale und menschliche Probleme seiner eigenen krisenreichen Zeit. Als Rationalist schuf er, beeinflusst von der Sophistik, Menschen großer Lebensnähe und echter Tragik, stellte für unantastbar Gehaltenes in Frage und wurde Vorbild der Neuen att. Komödie und der römischen Dramatik; von seinen Tragödien sind 17 erhalten. Seine Werke (besonders «Medea», 431; «Elektra», vor 415) beeinflussten seit der Renaissance nachhaltig Drama, Musik (Oper) und bildende Kunst Europas.

Euro-Kapital-Markt: Ausdruck für die Gesamtsumme der Kreditfonds der westeuropäischen Geldinstitute aus einheimischer Währung und Euro-Valuta.

Eurokommunismus: Variante des Revisionismus der 70er Jahre, die, die Allgemeingültigkeit des Leninismus leugnend, Besonderheiten in der Entwicklung einiger hochindustrialisierter Länder des Kapitalismus überbetonte und der Arbeiterbewegung strategisch-taktische Orientierungen zu geben suchte, die die Einheit und Geschlossenheit der kommunistischen Weltbewegung gefährden und mit Vorbehalten gegenüber dem realen Sozialismus.

Europium, (nach dem Erdteil Europa) Symbol Eu: chemisches Element der Kernladungszahl 63; Seltenerdmetall; Atommasse 151,96; Wertigkeit +3, +2; F 826°C; Dichte 5,24 g/cm3; Europium Verbindungen sind im Allgemeinen farblos bis schwach gelblicher Europium wird als neutronenabsorbierender Werkstoff in der Kerntechnik verwendet. Europium wurde 1886 von dem französischen Chemiker Eugène Demarçay (1852-1903) als Begleiter des Samariums vermutet und 1901 isoliert.

Eurotas: Fluss in der griechischen Landschaft Lakonien im Peloponnes; 82 km; entspringt in den Ausläufern des Taygetos, durchfließt das Becken von Sparta (Anbau von Wein, Oliven, Baumwolle) und mündet in den Golf von Lakonien (Mittelmeer).

Euro-Valuta: bei westeuropäischen Banken (besonders in London, Paris, Zürich und Luxemburg) angelegte liquide Guthaben in fremder Valuta, insbesondere in Dollar (Euro-Dollar). Ihren ökonomischen Ursprung besitzen sie in den hohen Zahlungsbilanzdefiziten der USA unter anderem kapitalistische Länder und dem Zinsgefälle zwischen ihnen. Der staatlichen Devisenkontrolle der Emissionsländer der jeweiligen Valutaart weitgehend entzogen, werden die Euro-Valuta von international tätigen Banken zu speziellen Zinssätzen (Euro-Valuta-Kurse) untereinander ausgeliehen und sind als heißes Geld ein Instrument der internationalen Währungsspekulation. Als Grundlage eines besonderen internationalen Geldmarktes verflechten sie sich immer mehr mit den Petro-Dollars (Dollars aus den Zahlungsbilanzüberschüssen der erdölexportierenden Länder), aber auch mit dem Euro-Kapital-Markt. Das Gesamtvolumen der Euro-Valuta wurde (1980) auf mehr als 600 Md. $ geschätzt. Durch die einzelstaatlich und international nahezu unkontrollierbaren Operationen stellen die Euro-Valuta einen hohen Risikofaktor dar, der bei Zusammenbruch einer beteiligten Währung oder Bankengruppe zu internationalen Kettenreaktionen führen muss.

Eurydike, in der griechischen Sage Gattin des Orpheus.

euryök: anpassungsfähig; Eigenschaft von Organismen, in einem weitgespannten Bereich lebenswichtiger Umweltfaktoren ohne Schädigung leben zu können; euryphag sind zum Beispiel Tiere, die einen breiten Spielraum hinsichtlich der Nahrungsauswahl besitzen. Siehe auch stenök.

Eurypteriden, Gigantostraken: bis 2 m lange, im Wasser lebende, räuberischer Gliederfüßer (Cheliceraten); nachgewiesen vom Ordovizium bis zum Perm.

Eurystheus, in der griechischen Sage der feige König von Mykene; in seinem Dienst musste Herakles auf Grund eines delphischen Orakels 12 Arbeiten verrichten.

Eusebios, Eusebius (lateinisch), um 260-339, griechischer Gelehrter und Schriftsteller; ab 313 Bischof von Cäsarea (Palästina); schrieb die erste, in der Übersetzung des Hieronymus erhaltene Weltchronik; die «Kirchengeschichte» ist eine wichtige Quelle für die Geschichte der alten Kirche. Eusebios verfasste außerdem theologischen Schriften und eine Lobrede auf den römischen Kaiser Konstantin.

Eustachische Röhre, Ohrtrompete, Tuba pharyngotympanica (lateinisch + griechisch): Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Schlund, dient der Belüftung des Mittelohrraumes; benannt nach dem italienischen Anatomen Bartolomeo Eustachio (1520-1574).

Eustathios, byzantinischer Gelehrter, um 1125-um 1195; verfasste unter anderem wertvolle Kommentare zu Homer und Briefe sowie Reden.

eustatische Bewegungen: Schwankungen des Meeresspiegels durch Wechsel von Glazial und Interglazial. Vereisungen führen zur Senkung und Abschmelzungen des Eises zur Hebung des Meeresspiegels.

Eutektikum: Gemisch bestimmter Zusammensetzung, das wie ein reiner Stoff bei konstanter Temperatur aus dem flüssigen in den festen Aggregatzustand übergeht. Das Eutektikum hat den niedrigsten in einem gegebenen Stoffsystem möglicher Schmelzpunkt (eutektischer Punkt). Bei einer vom Eutektikum abweichenden Zusammensetzung kristallisiert, zum Beispiel in einer magmatische Schmelze, zuerst so viel von der überschüssigen Komponente aus, bis das Eutektikum erreicht ist.

Eutektoid: Gemisch bestimmter Zusammensetzung mit dem Verhalten eines Eutektikums, aber nicht beim Übergang flüssig/fest, sondern beim Zerfall einer festen Lösung von Mischkristallen in mehrere Kristallarten.

Euter: paarig angelegte Milchdrüsen in der Leistengegend weibliche Huftiere. Das Euter entwickelt sich unter Hormonwirkung bei Eintritt der Geschlechtsreife, die volle Ausbildung erfolgt während der Säugeperiode.

Euterkrankheiten: Erkrankungen der Milchgangwände (Galaktophoritis) oder des milcherzeugenden und -abführenden Systems (Mastitis). Euterkrankheiten werden hauptsächlich durch Bakterien verursacht, wobei mechanische Reize fördernd wirken. Besondere Bedeutung haben der sogenannt gelbe Galt, die Corynebacterium-pyogenes-Infektion und die Coli-Infektion.

Euthanasie: (griechisch, «schöner Tod») Sterbehilfe;

a) passive Euthanasie ist das Unterlassen von Behandlungsmaßnahmen zur Verlängerung eines verlöschenden Lebens im Endstadium einer unheilbaren Krankheit;

b) aktive Euthanasie ist beabsichtigtes Herbeiführen eines schmerzlosen Todes, zum Beispiel mit einer tödl. Injektion; strafbar. Der Euthanasiebegriff wurde während der Hitlerdiktatur missbraucht.

Eutrophie: guter Ernährungszustand eines Säuglings. Siehe auch Dystrophie.

Eutrophierung: übermäßige Zufuhr von Pflanzennährstoffen in die Gewässer, die zu unerwünscht verstärkter Pflanzenproduktion führt. Algentrübes Wasser, Wasserblüten, Verkrautung von Gräben und Flüssen verursachen Nutzungsbeeinträchtigungen und wirtschaftliche Schäden.

Eutropius, römischer Geschichtsschreiber des 4. Jahrhundert, der einen Abriss der römischen Geschichte von der Gründung Roms bis 364 nach Christus verfasste.

Evangelienharmonie: Verschmelzung der 4 Evangelien zu einem geschlossenen Werk. Älteste Evangelienharmonie (in Griechisch) von Tatian (um 170); ihre Übersetzung ins Lateinische wurde Grundlage einer auf Anregung von Hrabanus Maurus Anfang des 9. Jahrhundert im Kloster Fulda geschaffenen althochdeutschen Evangelienharmonie Dieser sogenannt althochdeutsche Tatian (eine mechanische Übertragung) gilt als bedeutendes Dokument für den Zustand der deutschen Sprache im 9. Jahrhundert.

evangelische Kirchen: Sammelbezeichnung für die aus der Reformation direkt oder mittelbar hervorgegangenen Kirchen (evangelisch-lutherische, reformierte, evangelisch-unierte Kirche sowie die evangelische Freikirchen und Gemeinschaften).

Evangelium: (lateinisch griechisch, «gute Botschaft») die Botschaft Jesu; die 4 ersten Bücher des Neuen Testaments (Evangelien, vermutlich verfasst von den 4 Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas, Johannes); Inhalt der christlichen Religion.

Evaporate: Geochemie Fällungsprodukte von wasserlösliche Salzen, die durch Verdunstung des Lösungsmittels entstehen; dazu gehören Chloride, Sulfate und Carbonate des Natriums, Kaliums, Magnesiums und Kalziums, wie Halit, Sylvin und Gips.

Evaporator, Seewasserverdampfer. Verdampfungsgerät auf Seeschiffen zur Gewinnung salzfreien Kessel- und Trinkwassers aus Seewasser.

Evaporit: durch Eindampfung (Eindunstung) entstandenes Gestein, zum Beispiel Salzabscheidungen des Zechsteinmeeres (Steinsalz, Kalisalze, Gips, Anhydrit, manche Kalke und Dolomite).

Evaporografie: (dat. + griechisch, «Verdampfungsaufzeichnung») Verfahren zum Sichtbarmachen von Wärmestrahlen (Infrarotstrahlen von 3000 bis 9000 um Wellenlänge). Das vom Objektiv erzeugte Bild fällt auf einen dünnen Ölfilm; durch die Ölverdunstung entstehen Interferenzfarben, deren Farbtöne die Wärmeverteilung im Objekt anzeigen.

Evasion: alle Prozesse, die zur Erniedrigung der Konzentration eines Pharmakons am Wirkort und letztlich zur Ausscheidung aus dem Organismus führen.

Evensmo, Sigurd, 14. 2. 1912-17.10. 1978, norwegischer Schriftsteller und Filmhistoriker; schildert in dem Roman «Englandfahrer» (1945) die Flucht junger Menschen aus dem besetzten Norwegen; schrieb Romane und Hörspiele über soziale und menschliche Probleme der Nachkriegszeit sowie eine Geschichte des norwegischen Films.

Eventualantrag, Alternativantrag, Hilfsantrag Zivilprozessrecht Antrag einer Prozesspartei für den Fall, dass der Hauptantrag erfolglos bleibt.

Everdingen, Allart van, 18.6. 1621-8.11. 1675, holländischer Maler, begann ab 1650 schwedisch-norwegische Naturmotive in die holländische Landschaftsmalerei einzuführen und wirkte mit der Schilderung bewegter Naturkräfte nachhaltig auf J. van Ruisdael und die deutsche Romantik.

Everglades: ausgedehntes Sumpfgebiet in den USA, im Süden der Halbinsel Florida; über 13000 km2; hauptsächlich mit Riedgräsern und Schilf bedeckt. Ein Teil der vom subtropischen Klima beherrschten Everglades, vor allem im Osten, wurde durch Hydromeliorationen für die Landwirtschaft erschlossen (Agrumen, Zuckerrohr, Wintergemüse); der südlichste Teil ist seit 1947 Nationalpark.

Evergreens: englische, «Immergrüne»: Schläger, die auch nach längerer Zeit noch populär sind; erscheinen dann oft in neuen Arrangements.

Evidal-Verfahren: (Kunstwort) Sonderverfahren der Blechumformung, bei dem Platinen mit Gas- oder Flüssigkeitsdruck bis 20 MPa durch Reckziehen umgeformt werden.

evident: augenscheinlich, offenkundig; einleuchtend, klar erkennbar.

Evidenz: höchste, unmittelbar einleuchtende Gewissheit, die keines zusätzlichen Beweises bedarf.

Eviktion: die Vertreibung der Bauern von ihrem Land (Bauernlegen); auch Besitzentziehung, Wegnahme einer Sache (Boden) auf juristischen Wege.

Evolute: ebene Kurve, geometrischer Ort der Mittelpunkte der Krümmungskreise einer gegebenen ebenen Kurve, der Evolvente bezüglich der Evolute Jeder Punkt eines um die Evolute gelegten gespannten Fadens beschreibt beim Ab- oder Aufwickeln eine Evolvente; deren Normalen sind Tangenten der Evolute Evolventen benutzt man zum Beispiel bei der Konstruktion von Zahnprofilen für Zahnräder.

Evolution: (dat. evolutio, «Entwicklung») 1. Biologie: Verlauf der Stammesgeschichte von den niedrigsten Organisationsstufen des Lebens bis zu den heutigen hochorganisierten Formen. Wichtigste Evolutionsfaktoren sind Mutation, Rekombination, Selektion und Isolation; siehe auch Hardy-Weinberg-Gesetz.

2. Philosophie: im weiteren Sinne Entwicklung; im eigentlichen Sinn Entwicklungsphase oder -form innerhalb einer Grundqualität, im Unterschied zum Übergang einer Grundqualität in eine andere in Form eines dialektischen Sprungs, einer Revolution.

Evolutionismus: theoretische Konzeption, die von der Anerkennung einer alle Bereiche der objektiven Realität und des Denkens durchziehenden Entwicklung ausgeht, bei der die Kontinuität vorherrscht.

Evolutionsgeschwindigkeit: Zeitspanne, in der sich biologische Einheiten (Arten, Gattungen, Familien und so weiter) oder Strukturen von Lebewesen (Moleküle, Zelltypen und so weiter) entwickelt haben; kann abhängig vom Wirkungsgefüge der Evolutionsfaktoren (Evolution 1) für gleiche Einheiten oder Strukturen erheblich differieren.

Evolutionstheorie: Theorie über Ursachen und Gesetzmäßigkeiten der Evolution; siehe auch Darwinismus. Im allgemeineren, umgangssprachlichen Sinne die gesamte Abstammungslehre. Gegenstücke zur Evolutionstheorie sind Schöpfungslehren.

Evorsion: Aushöhlung festen Gesteins im Flussbett durch strudelndes Wasser, das Gerolle bewegt und Kolke (Strudeltöpfe) erzeugt.

Ewe: negrides Volk in Westafrika, wegen kolonialer Grenzziehung in Togo, Benin und Ghana lebend; 5 Millionen; Bodenbauer, Fischer, Handwerker.

Ewiger Jude: Gestalt einer mittelalterlichen christliche Legende, zu ewigem Umherirren verurteilt, trägt den Namen Ahasver.

Ewiger Landfriede: auf dem Reichstag zu Worms 1495 beschlossenes Gesetz, das die Fehde (besonders zwischen den Feudalherren) generell verbot Siehe auch Landfriede.

Ewiges Licht: in der katholischen Kirche dauernd vor dem Tabernakel brennendes Licht, das dem Gläubigen die «Gegenwart Christi» anzeigt.

Examen: Prüfung, meist als Abschluss eines Studienabschnitts an Hoch- und Fachschulen. Siehe auch Staatsexamen.

Exanthem: Hautausschlag mit meist plötzlichem Ausbruch (Eruption) gleichförmiger Effloreszenzen über große Hautpartien. Das Exanthem wird durch Infektionskrankheiten (Masernexanthem, Scharlachexanthem) oder eine allergische Reaktion auf unverträgliche Noxen (Nahrungsmittel, Arzneimittel), die auf dem Blutweg an die Haut gelangen, verursacht oder entsteht aus noch unbekannten Gründen.

Exaration: (dat., «Auspflügung») die Ablösung und Verfrachtung von Fest- und Lockergestein unter dem Druck des sich bewegenden Gletschereises; formt unter anderem Rundhöcker, Kare und Trogtäler.

Exarch: (griechisch, «Vorsteher») 1. byzantinischer Stadthalter: mit ziviler und militärischer Gewalt, zum Beispiel von Ravenna (bis 751) und von Karthago (bis 697).

2. Metropolit: einer größeren Kirchenprovinz der Ostkirche.

Exazerbation: Aufflackern, Wiederaufbrechen, neuer Schub einer Erkrankung, exc. Adresse.

ex cathedra: (lateinisch, «vom Lehrstuhl (Petri) aus») nach katholischer Lehre unfehlbare Äußerung des Papstes kraft seines Lehramts; umgangssprachlich Äußerung, die Anerkennung ohne Begründung verlangt.

Exceptio doli: Einrede der Arglist oder der unzulässigen Rechtsausübung; siehe auch Treu und Glauben.

Exekution: Ausführung, Vollziehung, Vollstreckung (eines Urteils); Hinrichtung; österreichisch auch Pfändung.

Exempel: (dat.) Beispiel, Muster; Lehre; (Rechen-) Aufgabe; ein Exempel statuieren, ein warnendes Beispiel geben.

Exemplar: (lateinisch) Abkürzung Expl.: einzelnes Stück aus einer Menge gleichartiger Dinge oder Tiere.

Exemplifikation: (dat.) Erläuterung durch Beispiele.

Exequatur: (dat., «er vollziehe») vom Empfangsstaat erteilte Erlaubnis für einen ausländischen Konsul zur Ausübung seiner konsularischen Tätigkeit.

Exequien: (katholisches) Begräbnis(feierlichkeiten).

Exercice: genau festgelegtes Training der klassischen Balletterziehung; wird eingeteilt in Exercice an der Stange, im Raum, Adagio, Allegro, für die Tänzerinnen auf Spitze.

Exergie: Anteil der einer Anlage zur Energieumwandlung zugeführten Energie, der bei Vermeidung von Umsetzungs-, Reibungs- unter anderem Verlusten technisch verwertbar ist, das heißt in mechanischen oder elektrischen Energie übergeführt werden kann; wächst mit der Temperatur des Arbeitsprozesses. Der nicht verwertbare Anteil heißt Anergie.

exergon: energieabgebend. Exergone Prozesse sind alle Abbauprozesse im Stoffwechsel der Zelle (Katabolismus); ein Teil der dabei freiwerdenden Energie dient zur Synthese energiereicher Verbindungen (ATP).

Exerzieren: (dat., «Üben») Erlernen und Anerziehen militärischer Fertigkeiten durch wiederholtes Üben in der Gefechtsausbildung der Streitkräfte.

Exerzitien: allgemeine Übungen; in der katholischen Kirche methodisch klar formulierte geistliche Übungen; grundlegendes Werk von Ignatius von Loyola.

Exhibitionismus: besondere Form einer Sexualneurose. Dabei öffentliches Entblößen der Geschlechtsorgane als Mittel zur sexuellen Befriedigung, hauptsächlich bei Männern.

Exhumierung: Enterdigung; Wiederausgraben einer beerdigten Leiche.

Exilliteratur, Emigrantenliteratur. Literatur der Schriftsteller, die aus progressiven politischen Gründen ihr Heimatland verlassen mussten. Der Begriff Exilliteratur lässt sich bereits auf Dichter des Altertums und des Mittelalters anwenden (zum Beispiel Ovid, Dante Alighieri). Im 18. Jahrhundert waren zahlreiche Schriftsteller gezwungen, ihren Wohnsitz zu verlassen, so unter anderem C. M. Wieland, F. Schiller, C. F. D. Schubart, J. G. Herder und J. M. R. Lenz. Vor und nach der Revolution von 1848 gingen zahlreiche Autoren ins Exil, unter anderem G. Büchner, H. Heine, L. Börne, F. Freiligrath, W. Weitling, K. Marx, F. Engels, G. Herwegh. Einen besonderen Charakter gewann die Exilliteratur, die von den deutschen sozialistischen und demokratischen-humanistischen Schriftstellern im antifaschistischen Exil geschaffen wurde. Es entstand die deutsche Nationalliteratur im Exil. Die meisten der geflüchteten Autoren vereinte der politisch-ideologische Kampf gegen das barbarischen faschistische Regime; sie verteidigten, erfüllt vom Gedanken der Völkerfreundschaft und eines progressiven Patriotismus, die großen Werte der Menschheitskultur für den zukünftigen Aufbau eines demokratischen Staates. Auf der Grundlage der antifaschistischen Einheitsfront vereinigten sich bedeutende Autoren, wie J. R. Becher, W. Bredel, B. Brecht, A. Seghers, F. Wolf, T. und H. Mann, A. Zweig, S. Zweig, die hervorragende Werke in dieser Zeit schufen (zum Beispiel A. Seghers, «Das siebte Kreuz»; T. Mann, «Doktor Faustus»; H. Mann, «Henri Quatre»; J. R. Becher, «Der Glückssucher und die sieben Lasten»). Zu den bekanntesten Literaturzeitschriften der Exilliteratur gehörten «Die Sammlung» (Amsterdam), «Das Wort» (Moskau), «Internationale Literatur».

Exilregierung: Regierung, die sich auf Grund besonderer Umstände (zum Beispiel völkerrechtswidrige Okkupation des Landes) auf dem Territorium eines anderen Staates befindet und von dort aus die Interessen des eigenen Staates vertritt. Die Exilregierung verliert ihre Grundlage, wenn sich das Volk in Ausübung seines Selbstbestimmungsrechts einen neuen Staat beziehungsweise eine neue Regierung schafft.

Existentialismus: (dat. existentia, «Sein, Dasein») Existenzphilosophie: subjektiv-idealistische und irrationalistische Strömung der bürgerlichen Philosophie, die sich nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland herausbildete und nach dem 2. Weltkrieg international großen Einfluss gewann. Vorläufer waren im 19. Jahrhundert die Philosophien F. Nietzsches und S. Kierkegaards; der deutsche Existentialismus ist zudem beeinflusst durch die Lebensphilosophie W. Diltheys und die Phänomenologie Existentialismus Husserls. Im Begriff der Existenz bringt der Existentialismus ideologisch die Lebensangst des bürgerlichen Individuums in der allgemeinen Krise des Imperialismus zum Ausdruck. Der Mensch gelange durch ein existentielles Erlebnis (Erfahrung des Todes, des Ekels unter anderem, menschliche Grenzsituationen) zu seiner eigenen Existenz. In ihr seien Subjekt und Objekt unauflöslich verbunden. Die Grundfrage der Philosophie beantwortet der Existentialismus letztlich subjektiv-idealistisch. Ethisch vertritt er eine gegen Entfremdungserscheinungen der spätbürgerlichen Gesellschaft gerichtete absolute Freiheit der Person. Hauptvertreter sind M. Heidegger, K. Jaspers, J.-P. Sartre, G. Marcel, A. Camus.

Existenz: 1. allgemein Leben, Dasein; Vorhandensein; Auskommen, Unterhalt; Person, Erscheinung.

2. Philosophie: Kategorie spätbürgerliche philosophische Strömungen (Existentialismus, Lebensphilosophie), die das Dasein von etwas ohne weitere Bestimmungen («an sich»), ohne Unterscheidung zwischen materieller und ideeller Existenz ausdrückt.

Existenzminimum: Mindestmaß der für die Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Existenzmittel; die Grenze, bei deren Unterschreitung die Erhaltung der Arbeitskraft auf die Dauer nicht gewährleistet ist. Das Existenzminimum wird im Kapitalismus durch den Wert der Ware Arbeitskraft bestimmt. Es ist nicht mit dem physischen Existenzminimum identisch. Letzteres umfasst nur die notwendigen Mittel für die Erhaltung der physischen Existenz des Menschen. «Sinkt der Preis der Arbeitskraft auf dieses Minimum, so sinkt er unter ihren Wert, denn sie kann sich so nur in verkümmerter Form erhalten und entwickeln».

Exitus: Ausgang, Tod; Exitus letalis: tödlicher Ausgang einer Krankheit.

Exklamation: Ausruf.

Exkoriation: Hautabschürfung; tritt häufig als Kratzeffekt bei juckenden Dermatosen auf.

Exkremente: unverdauliche Teile der aufgenommenen Nahrung, die vom menschlichen und tierischen Körper ausgeschieden werden (Kot, Harn).

Exkretion: Absonderung von Produkten (Exkrete), die für den Organismus keine Bedeutung mehr haben oder für ihn schädlich werden können. Dazu gehören stickstoffhaltige Restprodukte des Eiweißabbaues (Harnstoff Harnsäure), anorganischen Säuren und deren Salze (Sulfate, Phosphate), die durch die Nieren mit dem Harn ausgeschieden werden. Der Exkretion dienen auch Darm, Lunge und Haut. Bei niederen Lebewesen werden ähnliche Stoffe und Gifte durch Exkretionsorgane (Ausscheidungsorgane) ausgeschieden, zum Beispiel pulsierende Vakuolen bei Einzellern, segmental angeordnete Wimperntrichter, insbesondere bei Ringelwürmern, Drüsensäckchen oder Venenanhänge bei Krebsen und Kopffüßern oder in den Darm mündende Schläuche bei Insekten.

Exkulpation: Entschuldigung, Rechtfertigung; Entlastung; Exkulpationsbeweis so viel wie Entlastungsbeweis.

Exkurs: (lateinisch) Abschweifung; wissenschaftliche Erörterung eines Sonderproblems.

Exkursion: wissenschaftlicher Ausflug, Lehrausflug; spezifische Organisationsform des Unterrichts beziehungsweise des Studiums zur engen Verbindung des Lehrstoffes mit der Praxis.

Exlibris: (lateinisch, «aus den Büchern») Besitzerzeichen; druckgraphisches Blatt kleineren Formats, das in den vorderen Buchdeckel geklebt wird, mit Namen, Monogramm, Wappen oder Symbol des Eigentümers; etwa seit Ende des 15. Jahrhundert

Exmatrikulation: Streichung aus der Liste der Studierenden (Matrikel) beim Abgang oder Ausschluss von der Universität oder Hochschule.

Exmittierung: (lateinisch) zwangsweise Räumung einer Wohnung.

Exner-Ewarten, Felix Maria von, 23. 8.1876-7. 2.1930, österreichischer Meteorologe; seit 1910 Professor, seit 1916 Direktor der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien; begründete mit anderen die dynamische Meteorologie.

Exodus: (lateinisch griechisch, «Auszug») das 2. Buch Mose, behandelt das Leben Moses, den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und seinen Weg zum Berg der Gesetzgebung (Sinai).

Exoelektron: (griechisch) bei exotherm verlaufenden Vorgängen (zum Beispiel beim Einwirken von Jod oder Sauerstoff auf frisch aufgedampfte Metalloberflächen) frei werdendes Elektron geringer Energie, meist in der Größenordnung von 1 eV. Die Ablöseenergie stammt allein aus dem exothermen Vorgang.

ex officio: (lateinisch) von Amts wegen; ohne dass es eines Antrages bedarf.

Exogamie: (griechisch, «Außen Ehe») Völkerkunde verpflichtende Heiratsregel, Ehen nicht innerhalb der eigenen Gemeinschaft zu schließen, wodurch Eheschließungen zwischen Verwandten ausgeschlossen werden, im Gegensatz zur Endogamie, der Ehe innerhalb der eigenen Gruppe.

expatriieren: (dat., «aus dem Vaterland verweisen») ausbürgern, die Staatsangehörigkeit entziehen; kann sich sowohl auf Einzelpersonen als auch auf Personengruppen beziehen, wird freiwillig oder zwangsweise vorgenommen. Durch imperialistische Staaten auch gegen demokratische Kräfte angewandt, so expatriierte zum Beispiel das deutsche faschistische Regime Zehntausende deutscher Staatsangehöriger wegen ihrer Abstammung, ihres Glaubens oder ihrer demokratische Haltung. Siehe auch Ausweisung.

exogen: von außen stammend, durch äußere Ursachen bedingt. Geographie und Geologie auf erdäußere Kräfte, wie Wind, Wasser, Sonneneinstrahlung, Frost unter anderem zurückgehend. Siehe auch endogen.

Exophorie: latentes Auswärtsschielen.

Exophthalmus, Glotzauge-, Verdrängung des Augapfels nach vom durch raumfordernde Erkrankungen in der Augenhöhle.

exorbitant: übertrieben, übermäßig; außerordentlich.

Ex oriente lux: (lateinisch, «Aus dem Osten (kommt) das Licht») Redewendung, die ursprünglich auf den Sonnenaufgang, später auf das Christentum bezogen wurde und schließlich meinte, dass alle menschlichen Kulturen aus dem Orient stammt.

Exorzismus: in vielen Religionen vorkommende magische Beschwörung und Austreibung von Krankheitsdämonen, bösen Geistern und des Teufels.

Exostose: gutartiger Knochenauswuchs.

Exotarium: Gebäude zur Schaustellung fremdländischer Wirbelloser und niederer Wirbeltiere unter naturähnliche Bedingungen.

exoterisch: für weitere Kreise bestimmt, allgemeinverständlich.

exotherm: wärmeabgebend.

exgtisch: tropisch; fremdländisch, fremdartig.

exotisches Atom: Atom, bei dem ein Hüllenelektron durch ein anderes negativ geladenes Teilchen (zum Beispiel Myon, Pion, Kaon oder Antiproton) herausgestoßen und dieses neue Teilchen im Coulombfeld des Kerns eingefangen wurde. Die Lebensdauer eines exotischen Atoms hängt im Wesentlichen von der des eingefangenen instabilen Teilchens ab.

Exotropie: manifestes Auswärtsschielen.

exp: Zeichen für die spezielle Exponentialfunktion.

Expander: (englisch dat., «Ausdehnung») dehnbares Trainingsgerät für das Muskelkrafttraining.

Expansion: Ausdehnung, Ausbreitung; in der Ausbeutergesellschaft die Erweiterung des Einfluss- und Herrschaftsbereiches von Staaten und herrschenden Klassen über die bisherigen Grenzen hinaus; Merkmal des Imperialismus und seiner wesenseigenen Aggressivität; existiert als Wirtschaftliche Expansion (Kapitalexport unter anderem), militärische Expansion (bewaffnete Überfülle auf andere Staaten) und politische Expansion (Erpressung, Einmischung in die inneren Angelegenheiten fremder Staaten).

Expansionshypothese: Geologie Theorie, nach der die Bildung von Falten durch Volumenvergrößerung des betroffenen Teils der Erdkruste infolge Erwärmung verursacht wird (etwa bei Versenkung in tiefere Zonen). Siehe auch Kontraktionshypothese.

Expansionsmaschine: Kraftmaschine, bei der durch die Expansion des Arbeitsgases, zum Beispiel Dampf, Verbrennungsgase oder Heißluft, mechanische Arbeit verrichtet wird. Alle Verbrennungskraftmaschinen gehören zu der Expansionsmaschine.

Expansionsverfahren: Verfahren der Hochenergieumformung, bei dem schlagartig freiwerdende Energie eine Druckwelle in Gasen erzeugt, durch die ein Werkzeugelement beschleunigt wird, das seinerseits auf ein Werkstück einwirkt und zu dessen Umformung führt.

Expedition: Abfertigung; Versandabteilung; Unternehmung; Forschungsreise; Kriegszug.

Expektorantien: (dat.; Sing. Expektorans) Stoffe, die den Auswurf aus verschleimten und entzündeten Atemwegen fördern, indem sie das Bronchialsekret verflüssigen und vermehren, zum Beispiel Kaliumjodid und Ammoniumchlorid.

Expeller: der bei Anwendung kontinuierlich arbeitender Schneckenpressen nach dem Abpressen des Öls verbleibende Ölsaaten Rückstand (mit 4-6% Fettgehalt); eiweißreiches Futtermittel. Siehe auch Konzentrate.

Experiment: direkt oder in einer künstlichen Versuchsanordnung vorgenommene gezielte Einwirkung auf einen Forschungsgegenstand zur Überprüfung einer theoretischen Annahme (Hypothese) oder auch zur bloßen Beobachtung seines Verhaltens. Die im Experiment untersuchten Parameter müssen variierbar und kontrollierbar, die gewonnenen Daten reproduzierbar sein. Das Experiment ist als eine Form der Praxis Grundlage und Kriterium der wissenschaftlichen Erkenntnis.

Explikation: Verfahren der Begriffsbestimmung, bei dem ein intuitiver, nicht genau abgegrenzter Begriff, das Explikandum, durch einen scharf abgegrenzten Begriff, das Explikat, ersetzt wird; mitunter auch das Ergebnis eines solchen Verfahrens.

explizit: entwickelt, aufgelöst; Eigenschaft der Darstellung einer Funktion im Unterschied zur impliziten Darstellung.

Exploitation: Ausbeutung.

Exploiteur: Ausnutzer, Ausbeuter.

Exploration: Erkundung, Ausforschung, Befragung; Erhebung der Anamnese; im engeren Sinne Methode der Psychodiagnostik, im Gespräch notwendige Angaben über die Bedingungen einer psychischen Problematik zu gewinnen.

Explosion: 1. sehr schnell verlaufende, mit starkem Geräusch und im Allgemeinen auch beträchtliche Temperatur- und Drucksteigerung sowie oft Gasentwicklung verbundene chemische Reaktion, wie sie für Sprengstoffe, Knallgas u. ä. Substanzen beziehungsweise Substanzgemische typisch ist. Um eine Explosion auszulösen, muss dem Explosivstoff Anregungsenergie zugeführt werden. Dies kann durch Erwärmen, mechanische Einwirkung (Stoß, Schlag, Reibung) und insbesondere durch Initialzündung geschehen.

2. die durch zu hohen Druck verursachte Zerstörung von Dampfkesseln, Druckgasflaschen unter anderem

Explosivlaute, Klusile, Verschlusslaute: Konsonanten, bei deren Bildung der Verschluss des Mundraumes gesprengt wird, zum Beispiel b, p; siehe auch Mediä, Tenues.

Exponat: Ausstellungsstück auf Messen (Messeexponat), Fachausstellungen unter anderem, das in der Regel als Muster für abzuschließende Kaufverträge dient.

Exponent: 1. herausgehobener, herausragender Vertreter einer Gruppe, einer Partei oder Richtung.

2. Mathematik: Hochzahl; erhöht gesetzte Zahl bei Potenzen und Wurzeln.

Exponentialfunktion: Funktion, die mit (z) =

exponieren: herausheben, -stellen; bloßstellen; (einer Gefahr) aussetzen.

Exposé: Darlegung, Bericht; vorläufiger skizzenhafter Plan oder Entwurf eines literarischen, auch wissenschaftlichen Werkes, (oft) erste Entwicklungsstufe eines Romans, Dramas, Drehbuches.

Exposition: 1. allgemein genaue Darlegung; Einleitung; Gliederung; Plan; Ausstellung.

2. Klimatologie: Lage eines Ortes im Wirkungsbereich bestimmter Klimaelemente (Sonneneinstrahlung, Wind, Niederschläge). Die Exposition beeinflusst Standortklima und Vegetation.

3. Literatur: im Drama Einführung in die Voraussetzungen des dramatischen Konflikts (Vorgeschichte); kann als Prolog oder Vorspiel formal weitgehend selbständiger Teil des Dramas sein.

4. Medizin: Gesamtheit der Umwelteinflüsse, denen der Körper ausgesetzt ist; äußere Krankheitsbedingungen. Siehe auch Disposition.

5. Musik: Anfangsteil der Fuge (zugleich 1. Durchführung des Themas) und der Sonate (hier Aufstellung der Themen vor deren Durchführung).

6. Physik: Quotient aus der elektrischen Ladung, die Röntgen- oder Gammastrahlung in Luft erzeugt, und der Masse der bestrahlten Luft; SI-Einheit C/kg.

Expressgut: schnellste Beförderungsart der Eisenbahn für kleinere Frachtstücke; im Allgemeinen bis 50 kg; auch der so beförderte Gegenstand selbst.

Expressionismus: (dat., «Ausdruckskunst») vorwiegend kleinbürgerlich-anarchistische, widerspruchsvolle Bewegung in der bildenden Kunst, Literatur, Filmkunst und Musik in den ersten 3 Jahrzehnten des 20. Jahrhundert, für die eine sehr bildhafte Ausdruckssuggestion charakteristisch ist; wandte sich gegen die Gefährdung des Menschen durch die in das imperialistischen Stadium getretene bürgerliche Gesellschaft, gegen Krieg und bürgerlichen Kulturverfall; trat dabei gegen Naturalismus und Impressionismus auf, denn die entfremdete Wirklichkeit schien den Expressionisten mit traditionellen Mitteln nicht mehr gestaltbar. Der Expressionismus ist Reflex der gesellschaftlichen Krise des Kapitalismus, aber auch der sich ankündigenden revolutionären Veränderungen, vermochte jedoch die Ursachen der gesellschaftlichen Entwicklung nicht zu erfassen und blieb deshalb zumeist in einem allgemeinen Protest stecken. In der bildenden Kunst ist der Expressionismus einer europäischen Strömung zwischen 1905 und 1925, die als Reaktion gegen die großbürgerliche Repräsentationskunst, gegen Naturalismus und Akademismus sowie gegen die Formverflüchtigung des Impressionismus entstand. Formenstarke, oft schockierend wirkende Gestaltungen sollten die Gleichgültigkeit gegenüber der Krisenhaftigkeit der spätbürgerlichen Gesellschaft durchbrechen. Bei aller Bestimmtheit im Künstlerischen und vieler positiver sozialer Einsichten war der Expressionismus meistenteils klassenindifferent und mancher seiner Vertreter blieb im Subjektivismus befangen, der ihn mitunter in die Nähe der Dekadenz rückte. Die expressionistische Bewegung formierte sich besonders in Deutschland und fand in gewissem Sinne eine Entsprechung in Italien, Frankreich («Fauves») und Russland seit etwa 1905. Die Bezeichnung Expressionismus wurde auf sie erstmalig 1911 angewandt (XXII. Ausstellung der Berliner Sezession). In Deutschland sind die Anfänge des Expressionismus mit der Bildung der Künstlergemeinschaften «Die Brücke» und «Der Blaue Reiter» verbunden, die ihre Vorbilder in V. van Gogh, Expressionismus Munch und J. Ensor sowie in den archaischen Kulturen Afrikas und der Südsee sahen. Seit 1910/11 wurde dem Expressionismus durch die von H. Waiden geleitete Galerie und Zeitschrift «Der Sturm» und durch die politisch-literarische Zeitschrift «Die Aktion» von F. Pfemfert eine wesentliche Unterstützung zuteil. Unter dem Eindruck des 1. Weltkrieges und der Novemberrevolution kamen viele Künstler in Kontakt mit dem Expressionismus, dessen Impulse sie zu einem expressiven demokratischen oder sozialistischen Realismus zu wandeln vermochten (O. Dix, H. Ehmsen, G. Grosz, C. Felixmüller, K. Hofer unter anderem). Mit der relativen Stabilisierung des Kapitalismus endete die Nachkriegsblüte des Expressionismus, ohne dass die durch ihn erreichten formalen Ausdrucksmöglichkeiten abstarben (lapidare Formen- und Liniensprache, Flächenhaftigkeit, ausdrucksintensive Farbigkeit, Wiederentdeckung des Holzschnittes). Sie wirken als lebendiges Erbe bis heute noch einflussnehmend auf das Kunstschaffen unserer Zeit. Der Expressionismus in der Literatur (1910/25), von der europäischen bildenden Kunst angeregt und besonders von den Zeitschriften «Der Sturm» (ab 1910) und «Die Aktion» (ab 1911) propagiert, erreichte seinen Höhepunkt gegen Ende des 1. Weltkriegs. Mit entschiedener, doch abstrakt-moralisierender Gesellschaftskritik (besonders Antikriegsliteratur ohne Erkenntnis der imperialistischen Kriegsursachen) wirkten Schriftsteller sehr unterschiedlichen ideologischen Positionen für eine moralische Erneuerung des Menschen. Durch den «revolutionären» Bruch mit der traditionellen deutschen Literatursprache und den Drang, Leidenschaften und Visionen in ungewöhnlichen Bildkompositionen auszudrücken, hatte der Expressionismus starken Einfluss auf die Sprachgestaltung (Telegrammstil, eigenwillige Wortballungen und -gebilde, rhythmische und metrische Freiheit der Verse, Lockerung der syntaktischen Regeln). Bedeutende Dramatiker des Expressionismus waren unter anderem Expressionismus Barlach, A. Bronnen, W. Hasenclever, G. Kaiser, Expressionismus Toller, F. Wolf; weniger beeinflusst zeigte sich die Epik (A. Döblin, K. Edschmid, L. Frank unter anderem). In der Lyrik entstanden die auffälligsten Leistungen des Expressionismus (G. Benn, J. R Becher, G. Heym, Expressionismus Stadler, G. Trakl, F. Werfel, P. Zech unter anderem). Auch in der Musik des Expressionismus werden gesellschaftliche Krisenerscheinungen reflektiert. Dies äußert sich in sowohl äußerst harter wie auch extrem subjektivierter musikalischer Sprache. Dabei wird die im 19. Jahrhundert ohnehin ständig erweiterte funktionalharmonische Tonalität durch totale Chromatisierung weitgehend aufgelöst. Mit der Entwicklung der Zwölftontechnik versuchte A. Schönberg seit 1923, neue Gesetzmäßigkeiten als Ausgleich zu gewinnen. Gesellschaftliche Konflikte und soziale Anklage werden in einigen Opern (zum Beispiel A. Bergs «Wozzeck» und «Lulu», A. Schönbergs «Moses und Aron») eindringlich gestaltet, ohne dass dabei Lösungen gegeben werden können. In anderen Werken dominieren aphoristische, mitunter mystische Aussagen und Anliegen. In der Filmkunst stellten die expressionistischen Experimente Anfang der 20er Jahre eine Bewegung gegen die zur Schablone erstarrten Kostüm- und Ausstattungsfilme dar. Der unklare Protest der Filmschöpfer gegen die bürgerliche Welt verlor sich in einer irrationalen, pessimistischen Filmwelt, in der der Mensch als verlorenes Opfer dämonischer Mächte erschien. Als bedeutendste Werke des Film-Expressionismus gelten die Filme «Das Kabinett des Dr. Caligari» und «Das Wachsfigurenkabinett».

expressis verbis: (lateinisch, «mit deutlichen Worten») ausdrücklich.

expressiv: ausdrucksvoll, ausdrucksstark, ausdrucksbetont; ausdrücklich, nachdrücklich.

Expressivität: 1. Genetik: phänotypischer Manifestierungsstärke (Wirksamkeit) eines Gens, gemessen am Grad der Merkmalsausbildung.

2. Stilistik: gesteigerte Ausdruckskraft sprachliche Äußerungen, vor allem durch Abweichung vom sachlich bestimmten Erwartungswert in Wortwahl oder syntaktische Konstruktion.

Expresszug, Expresstriebwagen, Kurzwort Express, Abkürzung Ex: Fernschnellzug mit erhöhter Geschwindigkeit und überdurchschnittlichen Komfort für lange Strecken, besonders im internationalen Verkehr eingesetzt. Der Expresszug ist nur mit Expresszugzuschlag zu benutzen.

Expropriation: Enteignung.

ex quai, ab Kai, frei Kai: internationale Vertragsklausel, die dem Verkäufer die Gefahr und Kosten bis einschließlich Entladung des Schiffs im Bestimmungshafen überträgt, so dass der Käufer ab Kai übernimmt.

ex ship, ab Schiff: internationale Vertragsklausel, die dem Verkäufer die Gefahr und die Kosten einschließlich Fracht bis zur Bereitstellung der Ware für die Entladung im Bestimmungshafen überträgt, so dass der Käufer ab Schilf übernimmt.

Exsikkantien: (dat.; Sing. Exsikkans) austrocknende Arzneimittel gegen nässende Hautwunden, zum Beispiel Zinkschüttelmixtur,

Exsikkator: («Austrockner») Glasgefäß mit Schliffdeckel und teilweise auch Evakuierungshahn zum Aufbewahren hygroskopischer sowie zum trocknen feuchter Substanzen über einem Trockenmittel, zum Beispiel Kalziumchlorid, Phosphorpentoxid oder Kieselgel.

Exsikkose: Austrocknung des Körpers durch erhebliche Wasser- und Salzverluste, zum Beispiel bei anhaltendem Erbrechen und beziehungsweise oder Durchfall.

Exstirpation: operatives Entfernen eines Organs oder einer gut abgegrenzten Geschwulst.

Exsudat: («Ausgeschwitztes») durch entzündliche Prozesse aus den Blutgefäßen und Lymphbahnen ausgetretene eiweißreiche und zellhaltige Flüssigkeit in Körperhöhlen und Gewebespalten; zum Beispiel Erguss bei feuchter Rippenfellentzündung. Siehe auch Transsudat.

exsudative Diathese: angeborene Neigung des kindlichen Organismus, auf leichte äußere Reize mit Hautrötung, Schuppenbildung und Entzündungen der Schleimhäute der Atemwege zu reagieren. Als Krankheitsbegriff wird exsudative Diathese nicht mehr gebraucht.

ex tempore: (lateinisch) aus dem Stegreif, unvorbereitet.

Extension: Ausdehnung, Umfang; in der Logik ist die Extension eines Begriffs die Klasse aller der Objekte, auf die dieser Begriff zutrifft; im Unterschied dazu bilden die einen Begriff abgrenzenden Merkmale seine Intension. Das Begriffspaar Extension Intension wurde von R. Camap an Stelle von Sinn und Bedeutung in die Logik eingeführt.

extensional: Bezeichnung für einen Begriff oder eine Aussagenverbindung, die durch ihren Umfang, ihre Extension festgelegt ist.

Extensionsverband, Streckverband: zur Ausübung eines Dauerzuges festsitzender Verband an den Gliedmaßen (Klebeverband, Bandagen, Manschetten); dient zur Knochenbruchbehandlung, Kontrakturauflockerung oder Gelenkentlastung.

extensiv: nach außen wirkend; (räumlich) ausgedehnt; der Ausdehnung (zum Beispiel des Produktionsfeldes) nach; umfassend.

Exterieur: Äußeres; Außenseite.

Extériorisation, Veräußerlichung, Entäußerung: Setzen neuer sozialer Beziehungen und Verhaltensweisen, Schaffen neuer materieller und ideeller Objekte durch Entfaltung psychischer Komponenten in der äußeren, vorwiegend praktischen Tätigkeit. Siehe auch Interiorisation.

Externa: äußerlich anzuwendende Heilmittel, zum Beispiel Salben, Puder, Pasten.

externe Prüfung: an Universitäten, Hoch- und Fachschulen Prüfung für Werktätige, die der Bildungseinrichtung nicht als Student angehören.

Exterritorialität: (dat. ex territorio, «ausgenommen vom Staatsgebiet») exterritorialer Status: völkerrechtlich vereinbarter Sonderstatus für Staatsoberhäupter, diplomatische und konsularische Vertreter, Amtspersonen internationaler Organisationen, Räumlichkeiten von Auslandsvertretungen, Vermögen und so weiter auf dem Territorium eines anderen Staates. Die Exterritorialität befreit unter anderem in mehr oder weniger großem Umfang von der Gerichtsbarkeit und staatliche Zwangsgewalt des Aufenthaltsstaates.

Extinktion: 1. Fototechnik: Transparenz.

2. Physik: Schwächung der optischen Strahlung infolge Absorption und Streuung beim Durchgang durch einen Stoff (zum Beispiel Luft). zwischen dem Lichtstrom 0, am Anfang und 0C am Ende der Strecke d gilt das Lambertsche Gesetz 8 = J, = exp(-aE d). 9 ist der Reintransmissionsgrad, aE ist die natürlichen Extinktionskonstante, die sich aus Absorptions- und Streukonstante additiv zusammensetzt. Die Extinktion der Sonnenstrahlung durch die Erdatmosphäre beträgt im Zenit etwa 20%.

Extorsion: Erpressung

extragalaktisch: nicht zum Milchstraßensystem, der Galaxis, gehörig, extragalaktischer Nebel,

extragenital: außerhalb der Geschlechtsteile gelegen; extragenital ist zum Beispiel der syphilitischen Primäraffekt an der Zunge oder Lippe; siehe auch Syphilis.

Extrahieren: Herauslösen (Auslaugen) von Bestandteilen eines Stoffgemisches (auch von Drogen und dergleichen) durch ein Lösungsmittel, so dass ein angereicherter Extrakt erzielt wird,

extrakorporales System: an den Körper angeschlossene Apparatekombination, die von außen (extrakorporal) lebenswichtige Funktionen, wie Blutkreislauf, Sauerstoffsättigung des Hämoglobins, Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, vorübergehend voll übernehmen kann, zum Beispiel künstliche Niere, Herz-Lungen-Maschine.

Extrakt: 1. Extrakt: allgemein Auszug; Hauptinhalt, Kern.

2. Extrakt: Pharmazie: eingedickter, wässrigen oder alkoholischen Auszug; meist aus Pflanzen oder Pflanzenteilen.

Extraktion: 1. Gynäkologie: Herausziehen des Kindes aus dem Geburtskanal; ärztliche Maßnahme vor allem bei Steißlagen.

2. Stomatologie: Entfernen eines Zahnes vorwiegend unter Verwendung spezieller Extraktionsinstrumente.

Extraktionsschrot: Rückstand aus Ölsaaten, der nach dem Herauslösen des Fettes anfällt und nur noch etwa 1 % Fett enthält; eiweißreiches Futtermittel. Siehe auch Konzentrate.

Extraktor: Vorrichtung zum Extrahieren, wobei das Lösungsmittel ständig aus dem entstehenden Extrakt verdampft und in einem Rückflusskühler kondensiert wird, so dass es von neuem auf das Extraktionsgut tropft. Der Extrakt sammelt sich unter dem Extraktionsgut in einem Kolben, in dem er in ständigem Sieden erhalten wird, so dass der Dampf des Extraktionsmittels wieder in den Rückflusskühler gelangt. Auf diese Weise erreicht man mit wenig Lösungsmittel ein vollständiges Extrahieren.

Extraktstoffe, stickstofffreie Extraktstoffe.

Extramehrwert: Form des relativen Mehrwerts. Wenn ein Kapitalist die Arbeitsproduktivität in seinem Betrieb schneller als die Masse der konkurrierenden Kapitale steigert, so liegt der individuelle Wert der Waren dieses Kapitalisten zeitweilig unter deren gesellschaftlichen Wert. Diese Differenz zwischen niedrigerem individuellem und dem gesellschaftlich anerkannten Wert ist der Extramehrwert; er wird beim Verkauf der Waren realisiert. In dem Maße, wie die neue Stufe der Produktivität im Konkurrenzkampf verallgemeinert wird, sinkt der gesellschaftlichen Wert der betroffenen Waren, und der Extramehrwert schwindet,

extramental: außerhalb des Bewusstseins (vorhanden).

extramundan: außerweltlich, extramural: außerhalb der Stadtmauern befindlich.

extraordinär: außergewöhnlich, außerordentlich.

Extrapolation: Mathematik Fortsetzung einer in einem Bereich definierten Funktion auf einem umfassenderen Bereich gemäß der im bekannten Bereich festgestellten Gesetzmäßigkeiten.

extrapyramidal: Anatomie außerhalb der Pyramidenbahn befindlich. Das extrapyramidale System ist die Gesamtheit von Nervenzellen, die in bestimmten Gehirnabschnitten liegen und zusammen mit dem Pyramidenbahnsystem die Skelettmuskulatur innervieren.

Extrasystole: innerhalb des gewöhnlichen Herzrhythmus vorzeitig einsetzende Herzaktion. Extrasystolen beruhen auf Fehlsteuerung der Herznerven oder organischen Herzerkrankungen, zum Beispiel Herzmuskelentzündung.

Extrauteringravidität: Bezeichnung für alle Schwangerschaften, die sich außerhalb der Gebärmutterhöhle entwickeln; dazu gehören Eileiter- und Eierstockschwangerschaft sowie Schwangerschaft in der freien Bauchhöhle. Die Extrauteringravidität endet fast immer in den ersten 4 Schwangerschaftsmonaten durch Absterben und operative Beseitigung der Frucht.

extravagant: überspannt; ungewöhnlich, vom üblichen stark abweichend.

extravertiert: kontaktbereit, anpassungsfähig; im Denken und Handeln der sozialen Umwelt zugewandt.

Extremalprinzip: Prinzipien der Mechanik.

Extremwert, Extremum: Mathematik Bezeichnung für den größten oder kleinsten Funktionswert einer reellwertigen Funktion. Als absoluten Extremwert bezeichnet man den größten beziehungsweise kleinsten Wert im Vergleich zu den Funktionswerten des ganzen Definitionsbereiches der Funktion, wobei der größte Funktionswert auch absolutes Maximum (Maximalwert), der kleinste absolutes Minimum (Minimalwert) genannt wird. Ein Funktionswert f(x0) heißt relativer Extremwert, wenn er der größte oder kleinste Wert der Funktion im Vergleich zu den Funktionswerten aus einer allseitigen Nachbarschaft von xo ist (relatives Maximum oder relatives Minimum). Besitzt die Funktion f(x) einer Variablen bei x0 eine Ableitung, so ist f(x0) = 0 eine notwendige Bedingung dafür, dass f(x0) ein relativer Extremwert ist. Die Tangente an die durch die Funktion gegebene Kurve verläuft an dieser Stelle parallel zur x-Achse. Ein relativer Extremwert liegt in x0 aber erst dann vor, falls noch weitere Bedingungen erfüllt sind und es handelt sich um ein relatives Maximum, wenn f (x0) < 0, und um ein relatives Minimum, wenn f" (x0) > 0. Bei Funktionen mehrerer Veränderlicher ist das Verschwinden aller partiellen Ableitungen 1. Ordnung die entsprechend notwendige Bedingung für das Vorhandensein eines relativen Extremwert, während die hinreichende Bedingung hier komplizierter ist.

Extremwertregelung: Spezialfall einer Adaption, bei dem ein als Extremwertregler bezeichneter einfacher Optimisator automatisch optimale Bedingungen, ausgewiesen als Extremwert einer gegebenen mess- und berechenbaren Zielfunktion, herstellt und trotz Änderungen des Prozesses aufrechterhält.

Extrinsic-Faktor: aus der Nahrung stammendes Vitamin B12, bildet zusammen mit einem aus der Magenschleimhaut stammenden Intrinsic-Faktor ein Wirkprinzip, das gegen perniziöse Anämie gerichtet ist.

Extrudieren: Verfahren zur Herstellung (Extrusion) von Voll- und Hohlprofilen aus Plasten und Elasten mittels einer Schneckenpresse (Extruder). Dabei wird die Formmasse durch eine in einem beheizten Zylinder rotierende schraubenförmige Spindel (Schnecke) bewegt, plastiziert, gemischt beziehungsweise homogenisiert, verdichtet und durch die profilierte Düse eines Spritzkopfes gepresst. Je nach Gestaltung der Profildüse können Stäbe, Stränge, Drähte, Borsten, Profile, Rohre, Schläuche, Bänder, Folien und Platten hergestellt oder auch Kabelummantelungen durchgeführt werden. Zur Herstellung von Hohlkörpern und Folien wird das Extrusionsblasen angewandt. Das Extrudieren ist das wichtigste Verfahren der Plast- und Elastverarbeitung. Extruder haben Ausstoßleistungen bis 2000 kg/h. Doppelschneckenextruder (Mixtruder) werden wegen ihrer besonders intensiven Knet- und Mischwirkung in Kombination mit Granulier-Einrichtungen für die Materialaufbereitung (Granulatherstellung) eingesetzt. Das Prinzip des Verfahrens wird zunehmend auch zur Herstellung von sogenannten Knabberprodukten angewendet, wobei durch plötzliche Druckentspannung der bei Überdruck erhitzten Erzeugnisse diese unter Entweichen von Wasserdampf aufblähen.

Extrusionsblasen: Verfahren zur Herstellung von Hohlkörpern, besonders Flaschen, aus Thermoplasten. Ein durch Extrudieren erzeugter Vorformling (Schlauch) wird von einem hydraulisch bewegten, zweiteiligen Werkzeug umschlossen, abgetrennt und durch Aufblasen mit Druckluft zum Hohlkörper verformt. Das Verfahrensprinzip wird auch zur Folienherstellung angewandt. Dabei wird der extrudierte Schlauch unter Verringerung seiner Wanddicke bis auf die gewünschte Foliendicke kontinuierlich aufgeblasen, abgezogen und zur offenen Blasfolie längs aufgeschnitten. Siehe auch Plaste.

Exulzeration: Geschwürbildung; siehe auch Ulcus.

Exuvie: bei der Häutung abgestreifte äußere Körperhülle von Schlangen (Natternhemd), Insekten, Spinnen und Krebsen (Chitin Kutikula).

ex works, ab Werk: internationale Vertragsklausel, die dem Verkäufer die Gefahr und Kosten bis zur Bereitstellung der Ware für die Verladung am Lieferort überträgt, so dass der Käufer ab Werk übernimmt.

exzedieren: ausschweifen; Unfug stiften.

Exzellenz: früher Titel der höchsten Beamten und Generale; heute noch als Anrede im diplomatischen Verkehr für Botschafter und Gesandte sowie im Verkehr zwischen Staatsoberhäuptern gebräuchlich.

exzelsior: (dat., «höher») von hervorragender Güte.

Exzenter: kreisförmige Scheibe, die außerhalb der Symmetrieachse (des Kreismittelpunktes) drehbar gelagert ist und eine Dreh in eine Hubbewegung quer zur Drehachse verwandelt; angewendet unter anderem bei kleinen Hubkolbenverdichtern, Exzenter pressen, zur Feineinstellung bei Geräten.

Exzenterpresse: weggebundene mechanische Presse, bei der der Stößel über einen Pleuel und eine Exzenterwelle mit der Schwungmasse verbunden ist, so dass er immer seine Tiefstellung durchlaufen muss. Die Größe des Stößelhubes wird durch die Größe der Exzentrizität seiner Verbindung mit der Antriebswelle bestimmt.

Exzentriker: Parterreakrobat, der seine Darbietung mit (oft grotesker) Komik verbindet.

exzentrisch: außerhalb des Mittelpunktes liegend; in der Geometrie Bezeichnung für die Lage von Figuren, deren Mittelpunkte nicht zusammenfallen.

Exzentrizität: Geometrie bei Kegelschnitten der Abstand e der Brennpunkte vom Mittelpunkt (lineare Exzentrizität) beziehungsweise das Verhältnis e der Abstände eines Punktes von einem Brennpunkt und der zugehörigen Leitlinie (numerische Exzentrizität). Bei Ellipse und Hyperbel ist e = ela (a Länge der großen Halbachse).

Exzeption: Ausnahme; Einwendung, Einrede.

Exzeptionalismus: dem Aktualismus gegenüberstehende Auffassung, nach der innerhalb der Erdgeschichte Prozesse wirkten, die sich qualitativ und quantitativ von den heute wirkenden Prozessen unterscheiden.

exzerpieren: herausziehen, Auszüge (Exzerpte) aus einem Buch oder einer Schrift machen.

Exzess: Unmäßigkeit, Ausschweifung; maßlose Überschreitung (gebotener Grenzen).

Exzision: 1. Medizin: Ausschneiden einer Wunde oder eines Entzündungsherdes; Probeexzision ist das Ausschneiden eines Gewebeanteils zur histologischen Untersuchung.

2. Völkerkunde: Beschneidung.

Exziton, Exciton: Anregungszustand eines Halbleiters, bei dem ein Elektrog nicht ganz ins Leitungsband (Bändermodell) gehoben wird, sondern mit dem von ihm zurückgelassenen Loch eine dem Wasserstoffatom ähnliche Einheit bildet; häufig sind Exziton an Störstellen gebunden. Bei der Zerstrahlung (Elektron-Loch-Rekombination) ergeben sich charakteristische Emissionslinien.

Eyck: 1. Hubert van, um 1370—18.9.1426, altniederländischer Maler, begann nach Inschrift den «Genter Altar», wobei sein Anteil nicht sicher zu bestimmen ist; einige Tafelbilder werden ihm zugeschrieben.

2. Jan van, um 1390-9.6.1441 (begraben), bedeutendster altniederländischer Maler; Bruder von Eyck 1; 1425 Hofmaler Herzog Philipps des Guten, seit 1431 tätig in Brügge; realistische Darstellung der Wirklichkeit, naturnahe Landschaften, lebensgetreue Bildnisse und die Weiterentwicklung der Ölmalerei zeichnen sein Werk aus. Der «Genter Altar» (1432 vollendet, Gent, St. Bavo) leitet mit seinen Landschaftsdarstellungen, den ersten naturwahren Stifterbildnissen und den ersten naturgetreuen Akten die neuere Malerei nördlich der Alpen ein. Weitere Hauptwerke sind Kirchenmadonna (um 1428, Westberlin), Verlobung des Arnolfini (1434, London), Madonna des Kanonikus van der Paele (1436, Brügge), Kirchenmadonna (1437, Dresden), Madonna des Kanzlers Rolin (um 1434, Paris).

Eyre-Halbinsel: zwischen der Großen Australische Bucht und dem Spencer-Golf gelegene Halbinsel in Südaustralien; bis 472 m; Feldbau (Weizen, Hafer, Futtergetreide), im trockenen Norden Viehzucht; Eisenerztagebaue (unter anderem Iron Knob).

Eyresee: abflussloser Salzsee im Innern Südaustraliens, an der tiefsten Stelle des mittelaustralischen Beckens, 12 m unter dem Meeresspiegel; nur gelegentlich wassergefüllt (durchschnittliche Wasserfläche 10000 km2), sonst trockenliegend mit Salzkruste.

Eyth, Max von, 6.5.1836-25. 8.1906, Ingenieur und Schriftsteller; leistete einen wesentlichen Beitrag zur Technisierung der Landwirtschaft; schrieb neben Fachliteratur eine Reihe «technischer» Romane sowie den Roman «Der Schneider von Ulm» (1906).

Ezechiel, («Gott macht stark») jüdischer Prophet im babylonischen Exil; ein Buch im Alten Testament.

Ezzelino, Ezzelino Da Romano: Name mehrerer Mitglieder des italienischen Adelsgeschlechts Da Romano im 12. und 13. Jahrhundert Ezzelino III., 25.4.1194-27.9.1259, gründete in der 1. Hälfte des 13. Jahrhundert mehrere Signorien (Verona, Vicenza, Padua, Treviso).