Lexikon P

Paarbildung, innere Konversion. Paarerzeugung, Paarbildung: gleichzeitige Entstehung eines Teilchens und seines Antiteilchens (zum Beispiel Elektron-Positron-Paar) beim Stoß hochenergetische Photonen, Pionen oder Protonen auf Materie, wenn die kinetische Energie der Stoßpartner größer als die Summe der Ruhenergien der Teile des Paares ist. Teilchen und Antiteilchen können sich unter Freisetzung ihrer Ruhenergie als Strahlungsenergie, die gemäß der Einsteinschen Gleichung (Relativitätstheorie) ihren Ruhmassen äquivalent ist, wieder vereinigen (Annihilation, Paarvernichtung oder Zerstrahlung).

Paarhufer, Artiodactyla: Ordnung der Säugetiere, bei denen das Körpergewicht auf den 3. und 4. Gliedmaßen Strahl verlagert ist. Die huftragenden 3. und 4. Zehen sind verlängert als Anpassung an das Laufen; die 2. und S. Zehen sind meist als Afterklauen rudimentär vorhanden; die l. Zehe fehlt. Bei den Flusspferden sind die 2. und S. Zehen noch voll funktionsfähig. Zu den Paarhufern gehören außerdem Schweine, Pekaris, Kamele und Wiederkäuer.

Paarstrahlung: eine besondere Art der Rekombinationsstrahlung; entsteht durch die Rekombination von Elektronen und Löchern, die an räumlich benachbarte Störstellen (Donatoren beziehungsweise Akzeptoren) in Halbleitern gebunden sind. Die Wellenlänge der Paarstrahlung ist abhängig vom Abstand der beteiligten Störstellen im Kristallgitter. Anwendung in rotemittierenden Leuchtdioden, das mit Zink und Sauerstoff dotiert ist.

Paartanz: Tanz beiderlei Geschlechts auf einer Kreisbahn, deshalb auch Rundtanz genannt. Der Paartanz der Neuzeit verdrängte im 15. Jahrhundert als bürgerlichen Gesellschaftstanz den Reigen und dominiert seit dem 19. Jahrhundert in Europa.

Paarung: zeitweises oder dauerndes Zusammenleben von Tieren verschiedenen Geschlechtes im Dienste der Fortpflanzung.

Paarungsinfektion: Übertragen beziehungsweise Eindringen von Genitalinfektionen verursachenden Bakterien oder Viren in die weiblichen Geschlechtsorgane während des Deckaktes.

Paasikivi, Juho Kusti, 27.11.1870-14.12.1956, finnischer Politiker; Mitglied der bürgerlichen Sammlungspartei; 1944/46 Ministerpräsident, 1946/56 Staatspräsident; trat für friedliche Koexistenz ein und legte den Grundstein für eine Neuorientierung der finnischen Politik gegenüber der UdSSR.

Paavolainen, Olavi, 17.9.1903-19.7.1964, finnischer Schriftsteller; zentrale Persönlichkeit der oppositionellen Schriftsteller- und Künstlergruppe «Tulenkantajat». Hervorzuheben sind sein Essay «Auf der Suche nach der Gegenwart» (1929) und das Reisebuch «Zu Gast im Dritten Reich» (1936).

Pabianice: Stadt in Polen (Wojewodschaft Lòdi), bei òdi; 72000 Einwohner; Textilmaschinenbau, Textil-, elektrotechnische, pharmazeutische Industrie; Gutshof im Renaissancestil (Museum), Pfarrkirche (16. Jahrhundert).

Pabst, Georg Wilhelm, 27.8.1885-30.5.1967, Filmregisseur, schuf bedeutende Stumm- und Tonfilme («Die freudlose Gasse», «Die Dreigroschenoper», «Kameradschaft»); 1933/40 arbeitete er in Frankreich, danach in Deutschland und Österreich.

Pace: (französisch) Renntempo, besonders eines Pferdes.

Pacheco del Rio, Francisco, 1564 (getauft 3.11.) - 1654, spanischer Maler und Schriftsteller; 1618 Gemäldezensor der Inquisition, Lehrer von D. Velazquez, erlangte Ruhm als Porträtist; fasste (bemalte) die Plastiken zahlreicher Bildhauer Sevillas. Pacheco del Rio schuf das «Buch der Bildnisse» mit 170 Porträtzeichnungen und Lebensbeschreibungen berühmter Zeitgenossen und veröffentlichte «Die Kunst der Malerei» (1649).

Pachelbel, Johann, 1653 (getauft 1.9.) bis 1706 (begraben 9. 3.), Organist und Komponist; wirkte in Wien, Eisenach, Erfurt, Stuttgart, Gotha und seit 1695 in Nürnberg; hatte mit seinen Orgelchorälen und Fugen starken Einfluss auf J. S. Bach; schrieb auch Motetten, Kantaten, Messen unter anderem

Pacher, Michael, um 1435-Juli/August 1498, Bildschnitzer und Maler; in seinem Werk vollendet sich der Flügelaltar zum Gesamtkunstwerk, das Architektur, Plastik, Malerei und Ornamentik zu einheitlichen Wirkung verbindet, es wird von reicher Bewegung, großartiger plastischer Wirkung, Farbenpracht und beseeltem Ausdruck bestimmt; die Wurzeln liegen in Südtiroler Traditionen, mit ihnen verbinden sich italienische (Donatello, A. Mantegna), oberdeutsche (H. Multscher) und niederländische Anregungen; in der Erfassung des menschlichen Körpers und des perspektiv. Raumes wurden bedeutende Fortschritte erzielt. Hauptwerke: Hochaltar (1479/81, St. Wolfgang), Kirchenväteraltar (1491/92, München).

Pacht: bürgerliches Recht Vertragsverhältnis, das den zeitweiligen Gebrauch und die Fruchtziehung (in der Regel) an einem Grundstück gegen Entgelt und Tragung der Lasten regelt. Siehe auch Nutzungsvertrag.

Pachuca: Hauptstadt des Bundesstaates Hidalgo (Mexiko), 2450m überm Meer; 135000 Einwohner; Abbau von Gold- und Bleierzen; Schmelzanlagen, Textilindustrie, Gerbereien.

Pachydermie: nicht rückbildungsfähige Verdickung aller Hautschichten durch Vermehrung des Bindegewebes, meist als Folge von Krampfadern oder Lymphstauung; die Haut ist gefurcht und fest.

Päckchen: verschlossene Postsendung, innerhalb der DDR bis zu 2 kg, im internationalen Postverkehr bis 1 kg. Päckchen dürfen nur von Bürgern (einschließlich freiberuflich Tätigen) versandt werden; von Betrieben unter anderem aufgegebene. Sendungen gelten als Wirtschaftspäckchen (höhere Gebühr).

Packeis: zusammengepresste, aufgeschobene und aneinander gefrorene Eisschollen. An Küsten entstehen bis 20 m hohe Packeiswälle.

Packlage: Unterbau der Straßenbefestigung aus pyramidenförmigem Hartgestein, das mit der Spitze nach oben dicht versetzt, mit Schotter und Sand ausgekeilt, verzwickt (ausgefüllt) und abgewälzt wird. Bei der modernen Schütt-P, werden Schotterschichten ein gerüttelt.

Packwerk: Böschungsbefestigung aus 20 bis 30 cm dicken Faschinenlagen, die mit einer etwa 30 cm dicken Stein-, Kies- oder Geschiebeschicht beschwert sind.

Pacuvius, Marcus, tun 220-um 130 vor Christus, römischer Tragödiendichter, unter anderem das Drama «Paulus» über Aemilius Paullus, den Sieger von Pydna (168 vor Christus).

Pädagogik: Wissenschaft von den Gesetzmäßigkeiten der Bildung und Erziehung; ursprünglich begrenzt auf die Formung der heranwachsenden Generation, in neuerer Zeit bezogen auf alle Prozesse der zielgerichteten, bewussten Bildung und Erziehung von Menschen. Die marxistisch-leninistische LP. der sozialistischen Gesellschaft befasst sich in Forschung und Lehre mit Zielen, Aufgaben und Inhalt, mit Grundsätzen, Methoden, Mitteln und Organisationsformen der kommunistischen Bildung und Erziehung. Sie gliedert sich unter inhaltlichen Aspekt in Grundlagen der Pädagogik, Geschichte der Pädagogik, Erziehungstheorie, I Didaktik und Methodik 2, unter institutionellem Aspekt in Voschul-, Schul-, Sonderschul-, Berufs-, Hoch- und Fachschul-, Familien-, Sport-, Kunst- und Militärpädagogik. Ihre Erkenntnisse gewinnt sie aus der Erforschung der Gesetzmäßigkeiten des Bildungs- und Erziehungsprozesses in der sozialistischen Gesellschaft, aus der Verallgemeinerung der fortgeschrittenen Bildungspraxis sowie aus der schöpferischen Auswertung des progressiven Erbes.

Geschichtliches: Bedingt durch den niedrigen Stand der Produktivkräfte und das Fehlen von Klassen erhielten in der Urgemeinschaft alle Kinder eine gleiche, allseitige, eng mit der Produktion verbundene und von der gesamten Gemeinschaft getragene Erziehung (besonders Vermittlung von Arbeitserfahrungen und sittlichen Normen). Eine bestimmte höhere Arbeitsproduktivität gestattete einer dünnen Oberschicht, sich der körperlichen Arbeit durch Ausbeutung von Sklavenarbeit zu entziehen und Kulturgut zu schaffen, das mit Bildungseinrichtungen verbunden war. Ihre Nutzung blieb Vorrecht der Oberschicht der Sklaverei Gesellschaft; die Masse der Sklaven und ärmeren Freien war von offizieller Bildung ausgeschlossen. Erste pädagogische Theorien im antiken Griechenland beschrieben das Ideal einer harmonisch entwickelten (freien) Persönlichkeit und rechtfertigten die Sklaverei. Die abhängigen Bauern der Feudalgesellschaft erhielten keine schulische Bildung. Erziehung im Sinne der bestehenden Ordnung erfolgte vor allem im kirchlichen Gottesdienst. Die Erziehung des Adels beschränkte sich auf körperlicher-militärischer Ausbildung und auf Vermittlung höfliche Anstandsregeln. Die Kirche bildete in ihren Schulen Kleriker sowie Laien für die staatliche Verwaltung aus. Die Entwicklung der mittelalterlichen Städte führte zur Einrichtung von Rats- oder Lateinschulen für die patrizische Oberschicht, deutschen Schreib- und Leseschulen für die Zünfte, privaten Klipp- und Winkelschulen für die Stadtarmut. Einen Aufschwung nahm die Erziehung in der bürgerl. Gesellschaft mit der Entwicklung der klassischen bürgerlichen Pädagogik im 16./19. Jahrhundert (Hinwendung zu praktischen Stoffen, Betonung der Menschenwürde; W. Ratke, J. A. Komensky, J. J. Rousseau, J. H. Pestalozzi, F. A. W. Diesterweg, F. W. A. Fröbel). Die pädagogische Praxis blieb aber weit hinter dem fortschrittlichen Erziehungsprogramm zurück (Volksschule mit religiösen Lernstoffen). Die imperialistische Bourgeoisie entwickelte eine Schule, die der Arbeiterbewegung ideologisch entgegenwirken und zugleich eine den Bedürfnissen der Industrie entsprechende Ausbildung vermitteln sollte (Strömungen der Reformpädagogik). K. Marx und F. Engels begründeten mit der Anwendung des historischen und dialektischen Materialismus auf die Erziehung die wissenschaftliche Pädagogik. Sie bestimmten die Einheit von Erziehung und revolutionärer Praxis als Grundsatz sozialistischer Pädagogik und begründeten das Erziehungsziel der allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeit. Die von W. I. Lenin weiterentwickelte sozialistische Pädagogik förderte wesentlich die Erziehung der Arbeiterklasse zur Macht ausübenden Klasse, leitete die Aufgaben der Schule aus den Erfordernissen der sozialistischen Gesellschaft ab und definierte die Erziehung als Bestandteil der sozialistischen Kulturrevolution (N. K. Krupskaja, W. A. Lunatscharski, A. S. Makarenko); sie bestimmte auch den schulpolitischen und pädagogischen Kampf der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung (W. Liebknecht, A Bebel, C. Zetkin). Nach der Befreiung vom Faschismus 1945 begann in der damaligen sowjetischen Besatzungszone mit der antifaschistischen-demokratischen Schulreform der schrittweise Übergang zur sozialistischen Schule der DDR (Deutsche Demokratische Republik (Bildungswesen)).

pädagogische Psychologie: Disziplin der Psychologie, die sich mit den psychologischen Grundlagen des Bildungs- und Erziehungsprozesses beschäftigt; gliedert sich in Lernpsychologie, Erziehungspsychologie, psychologische Grundlagen der Schüler- und Kollektivbeurteilung sowie Diagnostik und pädagogische Therapie fehlentwickelter und verhaltensgestörter Schüler.

pädagogischer Rat: beratendes Organ für Unterrichts- und Erziehungsfragen beim Schuldirektor und Forum des Erfahrungsaustausches der Lehrer einer Schule; Mitglieder sind Direktor, stellvertretende Direktoren, Lehrer und Erzieher, Freundschaftspionierleiter, Vorsitzender des Elternbeirates, Vertreter des Patenbetriebes.

pädagogisches Kabinett: Zentrum des pädagogischen Erfahrungsaustausches und der Qualifizierung der Lehrer bei den Abteilungen Volksbildung der Räte der Bezirke und Kreise; seit 1965 Bezirks- beziehungsweise Kreiskabinett für Weiterbildung der Lehrer und Erzieher.

Padang: Stadt (Provinzzentrum) in Indonesien, im Westen der Insel Sumatera; 480000 Einwohner; Leicht-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Erzeugung von Gewürzen und Kopra); Übersee-, Flughafen; Universität.

Paddel: frei mit beiden Händen ein- (Stechpaddel) oder beiderseitig (Doppelpaddel) eingesetztes Gerät zum Fortbewegen eines Kanus.

Päderastie: Knabenliebe; abnormes Sexualverhalten, das in sexuellen Handlungen eines Mannes mit einem Kind des gleichen Geschlechts besteht.

Paderewski, Ignacy Jan, 18.11.1860-29.6.1941, polnischer Pianist, Komponist und Politiker, begann 1888 seine international sehr erfolgreiche Virtuosenlaufbahn; schrieb Klaviermusik, die Sinfonie «Polonia», eine Oper, Chor- und Liedzyklen. Während des 1. Weltkrieges wirkte Paderewski für die Wiedererrichtung des polnischen Staates, dessen Ministerpräsident und Außenminister er 1919 war.

Padilla Rush, Rigoberto, geboren 1929, honduranischer Arbeiterführer; Mitglied der KP und ihres ZK seit 1954, seit 1958 Mitglied der Politischen Kommission und 1964/78 des Sekretariats, seit 1978 Generalsekretär des ZK der Partei.

p-adische Zahlen: Zahlen, die eine wichtige Rolle in der modernen Zahlentheorie spielen. Es sei p eine Primzahl, dann ist eine ganze p-adische Zahl eine unendliche Reihe, wobei % a, oi ... ganze Zahlen sind, von denen man annehmen kann, dass sie nichtnegativ und kleiner als p sind. Das Rechnen mit p-adischen Zahlen geschieht analog zum Rechnen mit Dezimalbrüchen.

Pädoaudiologie: Lehre von der Erfassung, Diagnostik und Behandlung kindlicher Schwerhörigkeit beziehungsweise Taubheit. Da Kinder über ihr Hörvermögen nicht selbst Auskunft geben können, sind Spezialuntersuchungen erforderlich. Früherkennung kindlicher Hörstörung ist für eine optimale Rehabilitation unbedingte Voraussetzung.

Pädogenese: Fortpflanzungsform, bei der sich bereits die Jugendform durch unbefruchtete Eier vermehrt (zum Beispiel einige Gallmücken).

Pädologie: ursprünglich Kinderpsychologie und Jugendkunde; heute bürgerlich-individualist Lehre, nach der der Bildungs- und Erziehungsprozess ausschließlich «vom Kind aus» (das heißt von den Interessen und Erwartungen der Kinder ausgehend) und nicht entsprechend den objektiven gesellschaftlichen Anforderungen an die Persönlichkeitsentwicklung gestaltet werden soll.

Padouk: (englisch burmesisch) Sammelbezeichnung für druckfeste, kautschukhaltige afrikanische und asiatische Laubholzarten; Verwendung zur Furnierherstellung und in der Kunsttischlerei.

Pad-Roll-Verfahren: Textilveredlung kontinuierliches Färben, Bleichen und Entschlichten von Stückwaren auf entsprechenden Spezialmaschinen.

Padua, italienisch Padova: Stadt in Oberitalien, in der Region Venetien, Verwaltungszentrum der Provinz Padua; 235000 Einwohner; Schienenfahrzeug-, Landmaschinen-, Fahrradbau, chemische und Lederindustrie; Mustermesse; Universität (gegründet 1222), Sternwarte, ältester botanischer Garten Europas (seit 1545); Museen. Romanisch-gotische Basilika S. Antonio («il Santo»), davor Reiterstandbild des Gattamelata von Donatello; Dom (16. Jahrhundert) mit Baptisterium (14. Jahrhundert); gotische Kirche degli Eremitani (mit Fresken von A. Mantegna); Arenakapelle (mit Fresken von Giotto); Palazzo della Ragione; Reste der Stadtbefestigung.

Paduaner: (nach der Stadt) Hühnerrasse mit abnormer Schädelbildung und büschelartiger Federhaube. Siehe auch Geflügel, Ziergeflügel.

Paestum: Stadt in Unteritalien, am Südende des Golfs von Salerno, im 7. Jahrhundert vor Christus gegründet, im 9. Jahrhundert nach Christus verödet; großartige Reste von 3 dor.Tempeln des 6. und 5. Jahrhundert vor Christus

Paetz, Otto, geboren 22.1.1914, Maler und Graphiker; 1935/39 Studium an der Meisterschule für Handwerk und angewandte Kunst in Weimar, 1941/45 Studium an der Kunsthochschule Weimar, danach dort freischaffend tätig. Gestaltet graphisch subtil besonders heimatl. Landschaftsmotive und Arbeitsthemen.

Pag: eine der Dalmatinische Inseln (Jugoslawien), vor der Nordküste Dalmatiens, im Kvarner; 59 km lang, bis 348 m hoch; 287 km2, 7 500 Einwohner; Wein-, Obst-, Olivenbau; Schafzucht, Fischerei; Bauxitgewinnung; Salinen; Fremdenverkehr.

Pagalu: Insel im Golf von Guinea, zu Äquatorial-Guinea, Teil der Provinz Bioko; früher Annobon; 17 km2, 1500 Einwohner; bis 750 m hoch; tropischer Regenwald; Nutzung von Öl- und Kokospalmen, Anbau von Kaffee, Kakao und Zitrusfrüchte; Holzeinschlag; Fischerei.

Paganini, Niccold, 27.10.1782-27.5.1840, italienischer Violinist, Gitarrist und Komponist; faszinierte als reisender Virtuose seit 1808 das europäischen Publikum durch seine neue Technik mit überraschenden geigerischen Effekten (Doppelgriff-, Staccato-, Flageolett Spiel unter anderem) und seine berückende Kantilene (auch allein auf der G-Saite); schrieb Violinkonzerte, Capricen, Variationen unter anderem

Page: im Mittelalter Edelknabe, junger Adelsangehöriger im höflichen Dienst, um höfliche Sitten und das Waffenhandwerk zu lernen.

Pagenkopf: von Frauen und Mädchen um 1900 und nach 1925 getragene, nach Knabenart kurzgeschnittene Frisur mit Ponyfransen.

Pager, Antal, geboren 29.1.1899, ungarischer Schauspieler, ursprünglich Bühnenschauspieler, seit 1932 als vielseitiger Charakterdarsteller vor allem im Film tätig («Die Lerche», «Zwanzig Stunden», «Der Tod des Arztes», «Nachsaison», «Familie Toth», «Kaninchen in der Garderobe»).

Paget, Sir James, 11.1.1814-30.12.1899, britischer Chirurg und Pathologe; beschrieb 1874 eine nässend beginnende Form des Brustkrebses und 1877 eine chronischen, zu Verdickung und Verformung führende Knochenentzündung (Ostitis deformans). Beide Erkrankungen werden als Pagetsche Krankheit bezeichnet.

Pagnol, Marcel, 28.2.1895-10.4.1974, französischer Schriftsteller und Filmschaffender, in seinen Stücken (Marius-Trilogie, 1928/32, deutsch, auch von F. verfilmt) ist die Atmosphäre des alten Marseiller Hafenviertels festgehalten, in seinen Romanen («Die Wasser der Hügel», 1964, deutsch) zeichnet Pagnol Menschen und Landschaft der Provence.

Pagode: 1. mehrgeschossiges turmartiges buddhistisches Bauwerk in Indien und Ostasien, dessen Stockwerke durch Dachkränze getrennt sind.

2. falsche Bezeichnung für kleine chinesische Porzellanfigur mit nickendem Kopf.

Pago Pago: Hauptort und -hafen von Amerikanisch-Samoa (Stiller Ozean), auf der Insel Tutuila, nahe dem Gouverneurssitz Fagatogo; 2500 Einwohner; US-Flottenstützpunkt; internationaler Flughafen; Fremdenverkehr.

Pahlaw, Muhammad Reza, 26.10.1919 bis 27.7.1980,1941/79 Schah von Iran; seit Beginn der 60er Jahre bemühte er sich um die Stabilisierung des kapitalistischen Entwicklungsweges in Iran im Rahmen eines Reformprogramms durch Beseitigung feudaler Agrarverhältnisse und forcierte Industrialisierung; betrieb eine proimperialistischen Außenpolitik bei gleichzeitiger Herstellung von Beziehungen zur UdSSR auf der Grundlage der friedlichen Koexistenz; 1967 offizielle Kaiserkrönung; unter seiner Herrschaft Verfolgung aller demokratischen Kräfte. Pahlaw wurde am 16.1.1979 durch die revolutionäre Massenbewegung zum Verlassen des Landes gezwungen und starb im Exil in Kairo.

Pahlawiden: iranische Dynastie 1925/79; von Reza Chan Pahlawi (1878-1944) begründet Pahlawi-Literatur: religiös-ideologische und weltliche Texte sowie Übersetzungen der heiligen Bücher des Awesta in mittelpersischer Sprache, oft fragmentarisch und unklar; die Verfasser sind meist unbekannt.

Päijänne: See in Finnland, im Süden der Finn. Seenplatte, 1090 km2, bis 93 m tief; Inselreich; entwässert durch den Kymijoki; Flößerei.

Pailletten, Flitter: schillernde Plättchen aus Metall, Plast u. ä., die als Schmuck verschiedenen Bekleidungsteilen aufgenäht werden.

Pair: (französisch, «Gleicher») Angehöriger einer bevorrechtigten Gruppierung des Hochadels im alten Frankreich seit dem 12. Jahrhundert; die zunächst nur aus 12 Pairs (6 Geistliche und 6 Fürsten) bestehende Gruppe wurde später durch Ernennungen zahlenmäßig vergrößert.

Paisiello, Giovanni, 9.5.1740-5.6.1816, italienischer Komponist und Kapellmeister; wirkte vor allem in Neapel, 1776/84 in Petersburg. Mit etwa 100 Werken war er einer der bedeutendsten italienischen Opernkomponisten seiner Zeit, vor allem auf dem Gebiet der Opera buffa, mit deren differenzierter Charaktersprache er stark auf den jungen Mozart wirkte. Sein «Barbier von Sevilla» (1782) steht noch heute reizvoll neben dem gleichnamigen Werk G. Rossinis.

Paisley: Stadt im mittleren Schottland (Großbritannien), westlich von Glasgow; 85000 Einwohner; Maschinen- und Schiffbau, Farben- und Textilindustrie, Zwirnereien; Hochschule für Technologie, Sternwarte.

Panhellenische Befreiungsbewegung: nach der Errichtung der faschistischen Militärdiktatur in Griechenland (April 1967) gegründete illegale Widerstandsorganisation der bürgerlichen Union des Zentrums (bis zum Sturz der Junta, 1974, tätig); in ihr wirkten vorwiegend Intellektuelle und Studenten. Die PAK verfügte jedoch über keine Massenbasis, ihre Führungsgremien lehnten die Einheit und gemeinsame Aktionen aller antidiktatorischen Kräfte und Organisationen ab.

Paka, Cuniculus paca: bis 70 cm langes, plumpes, pflanzenfressendes, nachtaktives Nagetier der Waldgebiete Südamerikas. Das Paka lebt als Einzelgänger, gräbt Erdbaue, springt und schwimmt gut und flüchtet bei Gefahr ins Wasser. Oft erfolgen 2 Würfe pro Jahr mit nur einem relativ weit entwickelten Jungtier.

Pakarana, Dinomys branickii: murmeltierähnliches, bis 15 kg schweres, reichlich 50 cm langes, dämmerungs- und nachtaktives Nagetier aus den Ur- und Bergwäldern der Ostanden. Das Pakarana lebt paarweise oder gesellig; wirft meist 2 Jungtiere.

Paket: Postsendung zum Versand von Gütern unter anderem bis 10 kg. Paket dürfen im innerstaatlichen Postverkehr nur durch Bürger (einschließlich freiberuflich Tätige) versandt werden; von Betrieben unter anderem aufgegebene Sendungen gelten als Wirtschaftspaket (höhere Gebühr).

Pakistan, (persisch, «Land der Reinen») Islamische Republik Pakistan: Bundesstaat im Nordwesten Vorderindiens; grenzt im Nordosten und Osten an Indien, im Süden an das Arabische Meer, im Westen an Iran und im Nordwesten und Norden an Afghanistan. Administrativ gliedert sich Pakistan in das Territorium der Bundeshauptstadt Islamabad, die zentralverwalteten Stammesgebiete und die 4 Provinzen Baluchistan (Belutschistan), Nordwestgrenzprovinz, Punjab und Sind, die sich weiter in Gebiete und Bezirke mit Kreisen und Unterkreisen aufteilen. Währung ist die Pakistan. Rupie. Bevölkerung. Vielvölkerstaat dessen wichtigste Nationalitäten die Punjabi, Sindhi, Belutschen und Pashtanen bilden und in dem 24 Sprachen gesprochen werden. Hauptsprachen sind Urdu, Sindhi, Punjabi, Belutschisch, Pashtu; Amts- und Verkehrssprachen sind Urdu und Englisch. Der Anteil der Landbevölkerung beträgt 72 %.

Natur - Oberfläche: Etwa die Hälfte des Territoriums Pakistans nimmt die fruchtbare Industiefebene mit dem Punjab (Fünfstromland), eines der größten Schwemmländer der Erde, ein. Die nördliche und westliche Gebirgsumrandung bilden die Hochgebirgsketten des westlichen Himalaja, des Hindukusch (höchster Berg Tirich Mir (7750 m)) und Ausläufer der iranischen Gebirge. Ostwärts schließen sich die Sand- und Dünenfelder der Wüste Thar an. Klima. An der schmalen, wenig gegliederten Küste herrscht tropisches Wüstenklima vor, ansonsten ist es subtropisch kontinental; im Nordwesten durch die Höhenlage gemäßigt sowie winterkalt und niederschlagsreicher. Eines der größten Trockengebiete Vorderindiens bilden Belutschistan und das Industiefland. Beim zeitlichen Zusammentreffen der sommerlichen Monsunniederschläge mit der Schneeschmelze im Himalaja kommt es zu Hochwasser der Nebenflüsse von Punjab und Indus. Gewässer. Die bedeutendsten Flüsse sind Indus, Chenab, Ravi und Sutlej, die zur Bewässerung aufgestaut werden (unter anderem Tarbela-Dam am Oberlauf des Indus); die Hydroenergiereserven sind begrenzt. Pflanzenwelt. Etwa die Hälfte des Territoriums sind Wüste und Ödland, nur 1,6% sind bewaldet.

Paks: Stadt in Ungarn, im Bezirk Tolna, am rechten Donauufer; 19 500 Einwohner; Kernkraftwerk (1760 MW; im Bau), Lebensmittelindustrie; Flusshafen.

Pakse: Stadt (Provinzzentrum) im Süden von Laos, am Mekong; 45000 Einwohner; Verarbeitung tropischer Agrar- und Waldprodukte; Fluss-, Flughafen.

Pak Sejong, geboren 7.7.1902, koreanischer Dichter; 1926/34 verantwortlicher Redakteur der proletarischen Kinderzeitschrift «Sternland»; Kriegsberichterstatter im Korea-Krieg 1950/53; Verfasser der Nationalhymne und zahlreicher Gedichtbände («Bergschwalbe», 1937; Poem «Geschichte der Taiga», 1962).

Pakula, Alan, geboren 7.4.1928, US-amerikanischer Filmregisseur und -Produzent; schuf gesellschaftskritische Filme, wie «Klute», «Zeuge einer Verschwörung», «Alle Männer des Präsidenten», «Aufstand der Gerechten», «Sophies Entscheidung».

Paläanthropinen: ausgestorbene Menschengruppe, die vor allem durch den Formenkreis der Neandertaler und deren Vorfahren gekennzeichnet ist.

Paläoanthropologie: Teilgebiet der Anthropologie, das sich mit der phylogenetischen Entwicklung der Hominidae bis zum Auftreten des gegenwärtig lebenden Menschen befasst.

Palacky, Frantisek, 14.6.1798 bis 26.5.1876, tschechischer Historiker und Politiker; ab 1848 einer der Führer der tschechischen liberalen Bourgeoisie, seine die Hussitenbewegung hoch bewertenden historischen Arbeiten trugen wesentlich zur Festigung des tschechischen Nationalbewusstseins bei.

Paladin: Ritter, übertragen (oft abwertend) Gefolgsmann, Anhänger, Ratgeber.

Palaeoniscus: fossiler heringsähnliche Knochenfisch mit Schmelz- (Ganoid-) Schuppen; besonders häufig die Art Palaeoniscus freieslebeni im Kupferschiefer.

Palais: Palast, Schloss; prächtiger Wohnsitz von Fürstlichkeiten.

Palamas, Kostis, 8.1.1859-28.2.1943, griechischer Lyriker, Erzähler und Kritiker; Jurastudium, publizistische Tätigkeit, 1897/1929 Generalsekretär der Athener Universität, 1926 Gründungsmitglied der Athener Akademie; seine humanistische Dichtung («Lieder meiner Heimat», 1886), in der sich philosophischen Reflexion und lyrische Ausdruckskraft verbinden, in der Volkspoesie und den nationalen Überlieferungen wurzelnd, ließ ihn zur Zeit der faschistischen Okkupation zum Symbol der Unbesiegbarkeit des griechischen Volkes werden.

Paläoasiaten: sprachlich und kulturell verwandte Völkerschaften in Nordostsibirien, die als Nachkommen der ältesten neolithische Bevölkerung dieses Gebietes gelten und nur in geringem Maße mongolide Züge aufweisen; etwa 30000; kombinierte Jagd- und Fischereiwirtschaft bei den Jukagiren (800) und Niwchen (4400), Fischfang bei den Itelmenen (1400), Meerestierjagd (Robben, Wale) bei den Tschuktschen (14000) und Korjaken (7900) sind die traditionellen Wirtschaftsformen. Ein Teil der Inland-Tschuktschen und Inland-Korjaken übernahm von den Ewenken die nomadische Rentierzucht. Die Konsolidierung paläoasiatischer Stämme zu Völkerschaften begann eist etwa 1929.

paläoasiatische Sprachen: genetisch verschiedene Sprachfamilien und Einzelsprachen in Mittel- und Ostsibirien (tschuktscho-kamtschadalischen Sprachen, eskimoaleutische Sprachen, jenissejische Sprachen (Ketisch), Jukagirisch (Odulisch) und Niwchisch (Giljakisch)).

Paläobotanik, Paläophytologie: Wissenschaft, die sich mit der Pflanzenwelt frühere erdgeschichtliche Zeitabschnitte beschäftigt; Grenzgebiet der Paläontologie und der Botanik.

Paläogeographie: Lehre von den geographischen Verhältnissen in früheren Zeiten der Erdgeschichte. Die Paläogeographie befasst sich mit der jeweiligen Verbreitung von Land und Meer sowie dem Verlauf ehemaliger Gebirgszüge und Flüsse.

Paläogeophysik: Teilgebiet der Geophysik; erforscht anhand geologischer Daten die geophysikalischen Zustände früherer Zeiten.

Paläographie: Wissenschaft von den alten Schriften und der Entwicklung ihrer Schriftzeichen; befasst sich vorrangig mit der griechischen und der lateinischen Schrift des Altertums und des Mittelalters, um die in diesen Schriften geschriebenen Bücher, Urkunden, Briefe richtig zu lesen und nach Herkunftsort und Entstehungszeit bestimmen zu können.

Paläoklimatologie: Wissenschaft von den Klimaten der geologischen Vergangenheit, wobei vor allem 1 Klimazeugen sowie paläogeographische, meteorologischen und geophysikalischen Daten und Überlegungen verwendet werden.

Paläologen: (griechisch) letzte Dynastie des Byzantinischen Reiches 1261/1453.

Paläomagnetik: Teilgebiet der Geophysik, das Größe und Verlauf des Erdmagnetfeldes vergangener geologischer Epochen erforscht.

Paläontologie: Wissenschaft von den Tieren (Paläozoologie) und Pflanzen (Paläobotanik), die vor der jetzigen geologischen Periode gelebt haben. Siehe auch Fossilien.

Paläozoikum: Erdaltertum, älteste Systemgruppe des Phanerozoikums mit den Systemen Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Carbon und Perm; siehe auch geologische Systeme.

Palas: Wohnbau der mittelalterlichen Pfalz und Burg, aus dem sich der Palast (Palazzo, Palais) entwickelte; Hauptbeispiele in der Romanik (Wartburg bei Eisenach; um 1180).

Palast: Prachtbau, besonders der Feudalzeit, Schloss; repräsentatives Gebäude; fürstlicher oder herrschaftlicher Wohnsitz.

Palast der Republik: 1973/76 errichtetes gesellschaftliches Zentrum am Marx-Engels-Platz in Berlin, Sitz der Volkskammer. Klar gegliederter repräsentativer Stahlskelettbau mit Glas-, Marmor- und Granitverkleidung; enthält neben dem Plenarsaal, dem mehrgeschossigen Foyer und dem funktionell variablen Großen Saal (maximal etwa 5000 Plätze) ein Theater, mehrere Gaststätten unter anderem; künstlerisch reich ausgestattet mit Werken der bildenden und angewandten Kunst (zum Beispiel Galerie im Palast).

Palästina: (lateinisch griechisch hebräisch, «Land der Philister») Landschaft in Vorderasien, zwischen Mittelmeer und der vom Jordan durchflossenen Syrisch-Jordanische Grabensee mit dem Toten Meer, politisch zu Israel, Jordanien, Syrien und Ägypten gehörend; 26 300 km2; im Westen mediterranes, im Osten subtropischen Trockenklima; vorwiegend von muslimischen Arabern und Juden bewohnt Palästina war bereits im 4. Jahrtausend vor Christus von sesshaften Ackerbauern bewohnt, seit Ende des 3. Anfang des 2. Jahrtausend von kanaanitischen Stämmen; im 15./14. Jahrhundert wurde Palästina von Israeliten besiedelt. Sie errichteten einen jüdischen Einheitsstaat unter David (1002/963) und Salomo (um 963/925) mit der Hauptstadt Jerusalem; danach Zerfall in 2 Reiche (Israel im Norden und Juda im S). Seit 722/721 vor Christus stand Palästina nacheinander unter assyrischer, neubabylonischer, persischer, makedonischer, ptolemäischer und seleukidischer Herrschaft, 63 vor Christus wurde es römisch, 395 nach Christus byzantinischen Provinz; 634 von Arabern erobert und dem Kalifat angegliedert; im 12./13. Jahrhundert vorübergehend unter der Kontrolle der Kreuzfahrer (christliches Königreich Jerusalem); in der 2. Hälfte des 13. Jahrhundert von ägyptischen Mamluken unterworfen; von 1516/17 bis 1918 gehörte Palästina zum Osmanischen Reich (1832/40 ägyptisch); 1920/48 britisches Mandatsgebiet. Der britische Kolonialismus unterstützte seit dem 2.11.1917 (Balfour Deklaration) die vom Zionismus zum Zwecke einer Staatsgründung in Palästina organisierte Einwanderung jüdischer Siedler, um diese als soziale Stütze zur Aufrechterhaltung seiner Herrschaft gegen die antikoloniale Bewegung des arabischen Volkes von Palästina zu nutzen. Im September 1922 wurde der Teil Palästinas, der nicht zum jüdischen Staat gehören sollte, von Palästina abgetrennt und als Transjordanien separates britisches Mandatsgebiet. Die Ablehnung der arabischen Forderung nach einem Verbot der zionistischen Einwanderung führte bereits in den ersten Jahren des Mandats zu einer mächtigen antibritischen und antizionistische Bewegung (1920, 1921, 1929/30,1933 antikoloniale, antizionistische Aufstände). Seit Ende der 20er Jahre verstärkte sich der US-amerikanische Einfluss auf die zionistische Bewegung. Nach der faschistischen Machtergreifung in Deutschland wuchs die jüdische Einwanderung nach Palästina an (jüdischer Bevölkerungsanteil 1936: 31%). 1936/39 führte der Aufschwung der antibritischen und antizionistischen Bewegung zum bedeutendsten arabischen Palästinaaufstand zwischen den beiden Weltkriegen. Während des 2. Weltkrieges schränkte Großbritannien die jüdische Einwanderung nach Palästina weitgehend ein. Schiffe mit jüdischen Emigranten durften an der Küste Palästinas nicht anlegen («schwimmende Särge»). Im Mai 1942 forderte eine unter dem Einfluss der USA stehende zionistische Konferenz in New York die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina und die Aufstellung einer jüdischen Armee. Seit 1943 nahm der bewaffnete zionistische Terror gegen die arabische Bevölkerung Palästinas und britischen Kolonialbeamte zu. Im April 1947 wurde eine Untersuchungskommission der UN für die Palästinafrage eingesetzt. Auf der Grundlage ihrer Untersuchungsergebnisse beschloss die UN-Vollversammlung am 29.11.1947 die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat, Jerusalem sollte international verwaltetes Sondergebiet werden. Am 14.5.1948 wurde von der zionistischen Bourgeoisie der Staat Israel proklamiert; am 15.5.1948 erlosch das britische Mandat. Im Ergebnis des Krieges zwischen Israel und einigen Staaten der Arabischen Liga (1948/49) okkupierte Israel 6700 km2 des von den UN für den arabischen Staat vorgesehenen Territoriums und beherrschte damit unter Verletzung des Teilungsbeschlusses etwa 77 % des Territoriums Palästinas. Mit der Gründung des Königreichs Jordanien am 23.4.1950 wurde Mittel-Palästina an Jordanien angegliedert, der Ghaza-Streifen kam unter die Treuhandschaft Ägyptens.

Palästinensische Befreiungsorganisation, englisch Abkürzung PLO: am 28.5.1964 gegründete Dachorganisation der für die Durchsetzung der legitimen Rechte des arabischen Volkes von Palästina kämpfenden Kräfte. Die 7. arabische Gipfelkonferenz (Oktober 1974) anerkannte die PLO als einzigen legitimen Vertreter des arabischen Volkes von Palästina. Im November 1974 beschloss die UN-Vollversammlung, der PLO einen Beobachterstatus bei allen von der UNO veranstalteten internationalen Konferenzen einzuräumen. Seit 1976 ist die PLO Mitglied der Arabischen Liga. Der imperialistische Versuch, die PLO während der israelischen Libanonaggression 1982 zu zerschlagen, scheiterte.

Palastrevolution: Sturz eines Herrschers oder Staatsmannes durch Verschwörung seiner nächsten Umgebung gegen ihn.

Palatal: Vordergaumenlaut, zum Beispiel (9) = ch in «ich».

Palatalisierung, Mouillierung: Erweichung von Konsonanten durch Anheben des mittleren Zungenrückens an den Vordergaumen (Palatum), zum Beispiel französisch «fille».

Palatin: einer der 7 Hügel Roms mit nach 3 Seiten hin steil abfallenden Hängen. Auf der Kuppe Cermalus befand sich die älteste befestigte Siedlung Roms.

Palatschinke: mit Marmelade, würzigem Fleisch oder anderem gefüllter Eierkuchen.

Palau-Inseln: westliche Inselgruppe der Karolinen im Stillen Ozean (Mikronesien); 487 km2, 15000 Einwohner; Hauptinsel Babelthuap (396 km2) mit Hauptort Koror (7 700 Einwohner); Teil des von den USA verwalteten UN-Treuhandgebietes Pazifische Inseln, seit 1981 von den USA zur sogenannt Republik Belau (kein Völkerrechtssubjekt) mit Pseudoautonomie unter US-amerikanischer Vorherrschaft verwandelt. Die etwa 200 Inseln der Palau-Inseln sind zum Teil vulkanisch, zum Teil Koralleninseln mit tropischen Regenwald und Feuchtsavanne; Anbau tropischer Früchte; Nutzung von Kokospalmen, Betel- und Brotfruchtbäumen; Bauxitabbau; Fischfang. Auf Babelthuap US-Militärstützpunkt.

Palaver: Ratsversammlung einiger afrikanischer Stämme.

Palawan: Insel zwischen der Sulusee und dem Südchinesischen Meer (Philippinen); 11785 km2, etwa 250000 Einwohner; Hauptort und -hafen Puerto Princesa; gebirgig, höchste Erhebung Mantaling Jan mit 2085 m; bei tropischen Klima überwiegend von immergrünem tropischen Berg- und Regenwald bedeckt; Bergbau auf Quecksilberoxid, Eisen- und Chromerz.

Palazzeschi, eigentlich Giurlani, Aldo, 2.2.1885-17.8.1974, italienischer Lyriker und Zähler, forderte in seinem futuristischen Manifest «Der Schmerzgegner» (1914) Heiterkeit von der Literatur, Humor und Ironie sind charakteristisch für sein Schaffen (frühe Lyrik, Romane «Das Gesetzbuch des Perälä», 1911; «Die Schwestern Materassi», 1934, deutsch; «Die Brüder Cuccoli», 1948, deutsch; «Der Doge», 1967, deutsch).

Palazzo: Palast, Wohnhaus italienischer Adliger oder Patrizier; großes öffentliches Gebäude, zum Beispiel Palazzo Communale (Rathaus).

Pale, The Pale: englische Bezeichnung für ein durch eine Palisade befestigtes Gebiet im eroberten fremden Land; besonders für den Brückenkopf um Dublin, den die Engländer nach dem Einfall in Irland 1171 errichteten.

Palech: Kleinstadt im Gebiet Iwanowo, ehemals eines der 3 Malerdörfer (neben Mstera und Cholui), die Zentren der Miniatur Lackmalerei auf Kästchen, Dosen und anderen Gegenständen aus Pappmache sowie der Ikonenmalerei waren. Sowohl in der Technik (Eitempera) als auch weitgehend in den Motiven, die besonders aus russischen Epen, Märchen und Volksliedern entnommen und in leuchtenden Farben auf schwarzem Lackgrund ausgeführt sind, werden die alten Traditionen bis heute fortgeführt.

Palembang: Stadt (Provinzzentrum) in Indonesien, im Süden der Insel Sumatera; 790000 Einwohner: chemische und Leichtindustrie, Metallverarbeitung; Überseehafen mit Erdölexport, Verkehrsknoten mit Flughafen; Universität; Mittelpunkt des zweitgrößten Erdölreviers.

Palenque: Tempelstadt der klassischen Maya-Kultur, wichtigste Bauwerke sind der Palast mit mehrstöckigem viereckigem Turm, der Sonnentempel, der Tempel der Inschriften (mit Priestergrab); es sind zahlreiche Masken und Flachreliefs erhalten.

Paleozän, Paläozän: (griechisch) älteste Abteilung des Paläogens (Alttertiär); siehe auch geologische Systeme.

Palermo: Stadt im Nordwesten der italienischen Insel Sizilien, Verwaltungszentrum der Region Sizilien und der Provinz Palermo, in der fruchtbaren Ebene, erdbebengefährdet; 700000 Einwohner; Maschinen-, Schiffbau; Zement-, chemische, elektronische, Textil-, Glas-, Möbel-, Lebensmittel-, Tabakindustrie; Mustermesse; Hafen, internationaler Flughafen; Fremdenverkehr, Universität, Hochschulen, Museen; bedeutende historische Bauwerke: Palazzo Reale (11. Jahrhundert) mit Cappella Palatina (12. Jahrhundert), Dom (12./15. Jahrhundert) mit Hohenstaufen Gräbern, Normannenkirche (12. Jahrhundert) mit Kampanile unter anderem

Palermostein: Bruchstück eines altägyptischen Annalensteins im Archäologischen Museum zu Palermo (andere Fragmente davon sind in Kairo und in London), der die Namen ägyptischer Könige bis zur 5. Dynastie (etwa 1. Hälfte des 3. Jahrtausend vor Christus) erfasst.

Palestrina, eigentlich Giovanni Pierluigi da Palestrina, um 1525-2.2.1594, italienischer Komponist; wirkte seit 1551 an der päpstlichen Kapelle in Rom; schrieb überwiegend geistliche A-cappella-Musik, vor allem Messen und Motetten, häufig unter Verwendung eines Gregorianischen Gesangs als Cantus firmus. Seine stark traditionsgebundene Auslese aus den Stilmitteln der Zeit, große Klarheit und Ausgewogenheit bewirkten, dass seine Musik jahrhundertelang als offiziell anerkanntes Vorbild sakraler Kunst galt.

Paletot: eleganter dunkler Herrenmantel, leicht tailliert, ohne Gürtel, mit zweireihigem Knopfverschluss.

Palette:

1. Fördertechnik: im engeren Sinne plattenförmiger, doppelbödiger oder mit kurzen Füßen versehener Ladungsträger zur Zusammenfassung gleicher oder ähnlicher Stückgüter, wie Pakete, Schachteln, Säcke, Ziegel, zu einer Ladeeinheit, die mit Stapler, Stapelkran oder Regalbediengerät umgeschlagen wird. Außer dieser Flachpalette (ohne Aufbauten) gibt es Boxpalette mit einem durch zusätzliche Ecksäulen und volle beziehungsweise durchbrochene Seitenwände gebildeten, oben offenen Laderaum. Es gibt auch Palette, die über eine begrenzte Verwendungsdauer verfügen und als Wegwerf- beziehungsweise verlorene Palette bezeichnet werden. Zum maschinellen geordneten Beladen von Palette werden Palettierautomaten, für die Auflösung von Ladeeinheiten auf Palette Depalettierautomaten eingesetzt.

2. Kunst: kleine, meist hölzerne Tafel, vom Maler zur Aufnahme und zum Mischen der Farben benötigt

Paliaschwili, Sachari, 16.8.1871-6.10.1933, georgisch-sowjetischer Komponist; wirkte seit 1917 am Konservatorium in Tbilissi; reiste Anfang des 20. Jahrhundert mehrfach durch Georgien, um Volkslieder zu sammeln; gehört neben D. Arakischwili und A. Balantschiwadse zu den Begründern der nationalen, folkloristisch betonten georgischen Kunstmusik.

Palichnologie: Teilgebiet £er Paläontologie, befasst sich mit den Lebensspure», zum Beispiel Fährten, Grabgänge, Fraßspuren, Wohnbauten fossiler Organismen.

Palimé, Kpalimé: Stadt im Süden von Togo; 26000 Einwohner; Handelszentrum (Kakao) am Endpunkt einer Bahnlinie von Lomé (Kakaobahn); Weberei, Palmölgewinnung.

Palimpsest: abgeschabte und erneut beschriebene Pergamenthandschrift, vor allem im 7./9. Jahrhundert. Das wieder lesbar machen des ursprünglichen Textes, heute durch Fluoreszenzfotografie, führte wiederholt zur Entdeckung verschollener Literaturdenkmäler.

Palingenese:

1. Ontogenie: biogenetische Grundregel

2. Petrographie: Vorgang der Aufschmelzung von Gesteinen in tieferen Teilen der Erdkruste; palingene Magmen sind intrusionsfähig.

Palisade: Schutzwand aus oben angespitzten, direkt nebeneinander stehenden Pfählen.

Palisadenwürmer, Strongylidae: Familie 1 bis 5 cm langer Fadenwürmer, deren von 2 Kränzen Blättchen artiger Hautfortsätze umgebene Mundöffnung in eine derbwandige Mundhöhle führt; schmarotzen im Dickdarm besonders von Pferden; Krankheitserreger, erzeugen Blutarmut.

Palisander: Sammelbezeichnung für harte, gering schwindende, feste, sehr gut polierfähige tropische Laubholzarten (rotbraun bis dunkelviolett, dunkel gestreift); verwendet für Furniere, Möbel, Musikinstrumente.

Palitzsch, Peter, geboren 11. 9. 1918, Regisseur; bis 1961 Dramaturg und in Zusammenarbeit mit M. Wekwerth Regisseur beim Berliner Ensemble, danach Schauspieldirektor in Stuttgart und Frankfurt am Main; verdient um die Durchsetzung demokratischer Formen der Theaterarbeit und fortschrittlicher Dramatik (B. Brecht, S. O’Casey, Palitzsch Weiss, M. Walser).

Palkstraße: Meeresstraße zwischen Vorderindien und Ceylon; 160 km lang, bis 85 km breit, im Mittel 12 m tief; zahlreiche Untiefen mit 5 bis 9 m Wasserstand, deshalb von der Hochseeschifffahrt weitgehend gemieden; verbindet den Golf von Mannar mit dem Bengal. Meer.

Palla: rechteckig geschnittener, drapierter Übermantel der Römerin der Antike. Palladianischer Klassizismus, Palladianismus Palladio.

Palladio, Andrea, 30.11.1508-19.8.1580, italienischer Architekt und Architekturtheoretiker der Spätrenaissance; tätig im Gebiet von Vicenza und Venedig. Durch Studium der antiken Bauten in Rom und der Schriften Vitruvs entwickelte er bei Verzicht auf dekoratives Beiwerk einen klassischen, in zahlreichen Palast- und Sakralbauten, Villen und Brücken angewandten Stil, der auf der Kolossalordnung basiert und sich durch klare Gliederung und ausgewogene Proportionen auszeichnet. Als Palladianismus oder Palladianischen Klassizismus wirkte sein Stil ebenso wie seine umfangreichen theoretischen Schriften in den folgenden Jahrhunderten auf die europäischen Baukunst als Grundlage für alle Phasen klassizistisch orientierter Architektur.

Palladium: in der Antike Kultbild der mit Schild und erhobenem Speer bewaffneten Göttin Pallas Athene. Berühmt war das Palladium von Troja, das Odysseus und Diomedes raubten. Palladium (nach dem Planetoiden Pallas) n, Symbol Pd: chemisches Element der Kernladungszahl 46; Platinmetall; Atommasse 106,42; Hauptwertigkeiten +2, +4; F1555 °C; Kp 3167 °C; Dichte 12,02 g cm3. Palladion kommt, auch gediegen, in Platin- und eigenen Erzen vor. Es ist silberweiß, korrosionsbeständig sowie sehr gut walz-, zieh- und schweißbar. Es löst sich in konzentrierter Salpetersäure und absorbiert bis zum 850fachen des eigenen Volumens Wasserstoff; man verwendet es als Austausch für Platin, als Legierungszusatz für Silber (verhindert dessen Angreifbarkeit durch Schwefelwasserstoff zum Beispiel in der Zahntechnik), Gold (Weißgold) und andere Metalle sowie in feinstverteilter Form (Palladium schwarz) als Hydrierkatalysator. Palladium wurde 1803 von dem britischer Naturforscher W. H. Wollaston entdeckt.

Palladiumverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Palladium. Als höchstes beständiges Fluorid bildet Palladium(IV)-fluorid, PdF4, ziegelrote Kristalle. Das durch Auflösen von Palladium in Salpetersäure herstellbare, braune Palladium(II)-nitrat ist das wichtigste wasserlösliche Salz. Palladiumverbindungen werden zur Herstellung von Katalysatoren verwendet.

Palladius, Rutilius Taurus Aemilianus, lebte Ende des 4 Anfang des 5. Jahrhundert; sein «Opus agriculturae» (Werk über die Landwirtschaft), dessen letztes Buch über die Baumveredlung in elegischen Distichen abgefasst ist, wurde im Mittelalter viel gelesen.

Pallady, Theodor, 24.4.1871-16.8.1956, rumänischer Maler; Studium vor allem in Paris; beeinflusst von H. Matisse, ging er vom Fauvismus aus und gelangte später zu einer ausgeprägt harmonische Figuren-, Landschafts- und Stilllebenmalerei.

Pallas: (griechisch, «Mädchen»)

1. Astronomie: Planetoid.

2. Mythologie: Beiname der Göttin Athene.

Pallas, Peter Simon, 22.9.1741-8.9.1811, Naturforscher; bereiste im Aufträge der Petersburger Akademie der Wissenschaften 1768/74 und 1793/94 große Teile Russlands von der Wolga und Krim bis zum Amur, schrieb umfassende Reiseberichte und legte wertvolle Sammlungen an.

Pallasch: schwere Hieb- und Stichwaffe der Kürassiere mit leicht gekrümmter zweischneidiger Klinge und korbartigem Handschutz.

Pallenberg, Max, 18.12.1877-26.6.1934, Schauspieler; wirkte seit 1909 in Wien und seit 1914 in Berlin (unter anderem am Deutschen Theater), wo er als Charakterdarsteller und Komiker durch die Vielfalt seiner künstlerischen Mittel zu den bedeutenden Schauspielern der 20er und 30er Jahre zählte (Schwejk in der Piscator-Inszenierung von 1928, Mephisto in Reinhardts «Faust»-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen 1933).

Palliativbestrahlung: Strahlenbehandlung (meist Röntgen- oder Gammastrahlung) mit dem Ziel der Beschwerden Linderung oder Lebensverlängerung bei Unheilbarkeit, zum Beispiel bei Metastasen im Knochen.

Palliativmittel: (dat. + deutsch) Linderungsmittel zur Beseitigung der Symptome, nicht aber der Ursache einer Krankheit.

Palm: 1. August Theodor Palm, 5.2.1849-14.3.1922, schwedischer Arbeiterführer; hatte enge Verbindung zur deutschen Arbeiterbewegung, 1889 Mitbegründer der Schwedischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei.

2. Johann Philipp Palm, 18.12.1766-26.8.1806, Buchhändler; verlegte 1806 die anonyme Flugschrift «Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung», in der Napoleon I. sowie die mit ihm paktierenden deutschen Fürsten scharf kritisiert wurden; auf Befehl Napoleons I. von einem französischen Sondergericht zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet.

Palma de Mallorca: Stadt auf der spanischen Inselgruppe Balearen, wichtigster Ort der Region und Verwaltungssitz der Provinz Balearen, an der Bucht von Palma de Mallorca, an der Südwestküste von Mallorca; 290000 Einwohner; Herstellung von Möbeln, Schuhen und handwerklichen Erzeugnissen (Spitzen und Töpfereiwaren); Hafen, internationaler Flughafen; Universitätsfakultäten; gotische Kathedrale (13./17. Jahrhundert), Burg Bellver (12. Jahrhundert), ehemalige Börse (15. Jahrhundert, Museum).

Palmarosaöl: hellgelbes, rosen-ähnlich riechendes ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation aus Arten des Grases Cymbopogon (Indien, Jawa) gewonnen und in der Parfümerie verwendet wird.

Palmarum, Palmsonntag: im Kirchenjahr Beginn der Karwoche, Sonntag vor Ostern.

Palma Vecchio, («Palma der Alte») eigentlich Jacopo d'Antonio Negretti, um 1480-30.7.1528, italienischer Maler; schuf, beeinflusst von Giorgione und Tizian, religiöse und mythologische Darstellungen voll malerischer Intensität und menschliche Wärme; einer der hervorragendsten Vertreter der klassischen venezianischen Hochrenaissancemalerei.

Palme, Olof, 30.1.1927-1.3.1986 (ermordet), schwedischer Politiker; einer der Führer der sozialistischen Internationale; seit 1969 Vorsitzender der Schwed. Sozialdemokratische Arbeiterpartei, 1969/76 und seit 1982 Ministerpräsident. Palme war eine hervorragende Persönlichkeit der internationalen Friedensbewegung, so verurteilte er die Vietnam-Aggression der USA war 1980/82 mehrmals UN-Vermittler im iranisch-irakischen Krieg, wirkte seit 1980 als Leiter der nichtstaatliche Internationalen Kommission für Abrüstung und Sicherheitsfragen (Palme-Kommission) und machte wiederholt wichtige Vorschläge für den Abbau der nuklearen Konfrontation und die Rückkehr zur Entspannung, so 1983 zur Schaffung einer von nuklearen Gefechtsfeldwaffen freien Zone in Mitteleuropa; 1984 war Palme einer der Initiatoren des 6-Staaten-Appells zur Verhinderung einer nuklearen Katastrophe.

Palmen, Arecaceae, Palmae: Familie einkeimblättriger Holzgewächse vorwiegend der Tropen Südostasiens, Südamerikas und Afrikas; über 3000 Arten. Nach der Gestalt ihrer bis 20 m langen Blätter unterscheidet man Fiederpalmen und Fächerpalmen. Die Blütenstände sind gipfel- oder seiten-Palma Vecchio: Jakob und Rahel ständig, die Blüten meist eingeschlechtig, doch treten auch Zwitterblüten auf. Die Frucht ist eine Beere (zum Beispiel Dattel) oder eine Steinfrucht (z: B. Kokosnuss). Wichtige Kulturpflanzen sind Dattel-, Kokos-, Ölpalmen. Im europäischen Mittelmeergebiet beheimatet ist die Zwergpalmen.

Palmer: 1. Edward Vanee Palmer, 28. 8. 1885-15.7.1959, australischer Erzähler; gestaltete in Romanen und Erzählungen australischer Verhältnisse auf dem Lande und im Busch («Die Welt der Männer», 1915; «Die Außenstation», 1924), die Entwicklung von der Goldsucherzeit bis zur Industrialisierung in der Trilogie «Galconda» (1948), «Saatzeit» (1957), «Der starke Bursche» (1959).

2. Lilli Palmer, 24.5.1914-27.1.1986, Filmschauspielerin; wirkte in der BRD und in westeuropäischen Filmen («Feuerwerk», «Montparnasse 19», «Frau Warrens Gewerbe», «Die amourösen Abenteuer der Moll Flanders», «Herr auf Schloss Brassac» unter anderem) sowie in den USA («Das Himmelbett»); in der DDR spielte sie die Titelrolle in dem Film «Lotte in Weimar» nach dem Roman von T. Mann.

Palmerston, Henry John Temple, Viscount Palmerston, 20.10.1784-18.10.1865, britischer Politiker, als Führer der Liberalen Partei 1855/58 und 1859/65 Premierminister, förderte die Kolonialannexion, war bemüht, durch Bündnisfreiheit (Splendid isolation) das europäischen Kräftegleichgewicht (Balance of power) zugunsten Großbritanniens zu erhalten.

Palmette: Ornament, das in streng symmetrischer Bildung das Blatt der Fächerpalme stilisiert nachbildet; besonders in der antiken Kunst, in der romanischen Kapitell Plastik und im Klassizismus verwendet.

Palmfarne, Cycadeen, Cycadatae: die ältesten heute noch lebenden Nacktsamer («lebende Fossilien»); in der Trias verbreitet, die meisten Formen heute ausgestorben, rezent noch 9 Gattungen. Palmenähnliche Holzpflanzen mit meist unverzweigtem, manchmal unterirdischen Stamm, der einen Schopf gefiederter, bis 3 m langer, starrer farn- oder Palmwedel artiger Blätter trägt. Blüten zweihäusig; die Staub- und Fruchtblätter schuppenförmig und meist in Zapfen vereint (bei Cycas locker stehende laubblattartige Fruchtblätter mit randständigen Samenanlagen). Befruchtung durch Spermatozoiden. Die Palmfarne sind in den Tropen und in den Subtropen verbreitet.

Palmfett, Palmöl: aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gepresstes, gekochtes oder zentrifugiertes, gelbes bis braunes Fett, das als Speisefett und zur Herstellung von Seife verwendet wird.

Palmitinsäure: eine gesättigte Fettsäure; bildet färb- und geruchlose, wachsweiche Kristalle; F 63 °C; die Salze und Ester heißen Palmitate. Palmitinsäure ist als Glycerid in nahezu allen Fetten und fetten Ölen enthalten, besonders reichlich im Palmfett.

Palmlilie, Yucca: mittel- und nordamerikanische Gattung der Agavengewächse mit einer Rosette steifer schwertförmiger Blätter und oft üppigen Blütenrispen, manche Arten als (Bast-) Faserpflanzen kultiviert. ln Europa sind Palmlilie dekorative Zierpflanzen.

Palmus: (lateinisch, «Spanne») altrömische Längeneinheit; 1 Palmus = 4 Fingerbreiten (digitus) = 74 mm.

Palmyra: 1. Palmyra: Korallenatoll (50 Inseln) der Linieninseln im Stillen Ozean (Polynesien), von den USA besetzt; 1,2 km2, unbewohnt. Im Weltkrieg wichtiger US-Luftwaffenstützpunkt.

2. Palmyra: Ort und Oase im Norden der Syrische Wüste, heute Tadmur; erlangte Bedeutung durch den Ost-West-Zwischenhandel und geriet im 1. Jahrhundert nach Christus unter römischer Herrschaft; war seit dem 2. Jahrhundert blühende Handelsmetropole und 267/72 selbständiger Staat.

Palökologie: Wissenschaft von den Organismus-Umwelt-Beziehungen in der Erdgeschichte; der Organismus ist als Fossil erhalten, die Umwelt wird aus den im Gestein dokumentierten Faktoren rekonstruiert.

Palolowurm, Eunice viridis: bis 40 cm langer in der Südsee lebender Vielborster, der sein die reifen Geschlechtsprodukte enthaltendes Körperende periodisch abstößt.

Palomar Observatory, Mount Palomar Observatory: Sternwarte des California Institute of Technology mit Sitz in Pasadena, Kalifornien (USA), die auf dem Palomar Mountain (Südwestkalifornien) in 1700 m Höhe unter anderem das zweitgrößte Spiegelteleskop (Hale-Teleskop) mit 5,08 m Durchmesser betreibt.

Palos de la Frontera: Gemeinde im Südwesten Spaniens, an der Mündung des Rio Tinto in den Atlantik; 4400 Einwohner; vom heute nicht mehr benutzbaren Hafen aus unternahm C. Kolumbus am 3. 8. 1492 seine erste Entdeckungsfahrt.

Palpation: Medizin Untersuchung durch Abtasten.

Palpenmotten, Gelechiidae: artenreiche Familie der Schmetterlinge mit sehr kleinen, unscheinbaren Vertretern. Raupen leben an Blättern, Früchten oder in Stengeln; zum Teil Erzeuger von Gallen und Minen, zahlreiche Arten sind Schädlinge. Siehe auch Getreidemotte, Kartoffelmotte.

Palsson, Gestur, 25.9.1852-19.8.1891, isländischer Novellist und Essayist; Vorkämpfer des kritischen Realismus auf Island («Drei Novellen vom Polarkreis», 1888, deutsch).

Palucca, Gret, geboren 8.1.1902, Solotänzerin; Tanzpädagogin für Neuen Künstler. Tanz; gründete 1925 (1962 Professor) die Palucca Schule Dresden (seit 1949 Fachschule für Künstlerischen Tanz); leitet alljährlich internationale Sommerkurse.

Paludan, Jacob, 7.2.1896-26.9.1975, dänischer Schriftsteller und Essayist; gestaltete aus bürgerlichen humanistischen Sicht in umfangreichen Romanen die Entwicklung Dänemarks nach dem 1. Weltkrieg («Die Felder reifen», 1927, deutsch). Sein Hauptwerk ist der Entwicklungsroman «Gewitter von Süd» (1932/33, deutsch), in dem der Verfall einer bürgerlichen Familie geschildert wird.

PAL-Verfahren: aus dem NTSC-Verfahren in der BRD entwickeltes Farbfernsehverfahren, bei dem die Phasenlage des Farbträgers zeilenweise umgeschaltet wird; Farbtonverfälschungen bei der Übertragung werden dadurch vermieden.

PAM: 1. Modulation.

2. Abkürzung für Patriotiko Antidiktatoriko Metopo (griechisch): Patriotische antidiktatorische Front; im Mai 1967 auf Initiative der KP Griechenlands gegründete breiteste illegale Widerstandsorganisation gegen das faschistische Militärregime, die für den Zusammenschluss aller Gegner des Militärregimes wirkte.

Pamir: Hochgebirge im westlichen Zentralasien, an der sowjetisch-chinesisch-afghan. Grenze, auch «Dach der Welt» genannt; zum größten Teil zur UdSSR, nur Randgebiete zu Afghanistan und China gehörend; höchste Berge Gong Chan in China (7719 m) und Pik Kommunismus in der UdSSR (7 495 m). Der Pamir ist ein im Tertiär entstandener Gebirgsknoten, dessen Zentrum von einem alten, durch Hebung zerbrochenen Rumpfgebirge gebildet wird und dem radial jüngere Faltengebirge angegliedert sind (Hindukusch, Karakorum, Transalai-Kunlun, Tienschan). Charakteristisch sind weite Hochflächen und ausgedehnte, zum Teil abflusslose Hochbecken mit eingelagerten Endseen (zum Beispiel Karakul See) in 3000 bis 4000 m über dem Meeresspiegel, die von Gebirgszügen und Bergmassiven überragt werden. Tief eingeschnittene Täler gliedern vor allem den westlichen und nördlichen Teil. Es herrscht ein extrem kontinentales, trockenes Klima, nur der West-Pamir empfängt in seinen höheren Lagen beträchtliche, meist als Schnee fallende Niederschläge, die ausgedehnte Firnfelder speisen, von denen zahlreiche Gletscher (unter anderem der 71,2 km lange Fedtschenko Gletscher) ausgehen. Die wichtigsten Flüsse sind Pjandsch, Wachsch und Murgab (mit dem 1911 entstandenen Sares-Bergsturzsee). Bis etwa 3 500 m über dem Meeresspiegel sind Gebirgssteppen vorherrschend, darüber breiten sich alpine Matten aus; im trockeneren Ost-Pamir auch Wüsten- und Wüstensteppen. Hauptwirtschaftszweig ist die Viehwirtschaft (Schafe, Ziegen, Rinder, Yaks), in den Tälern auch Bewässerungsfeldbau. Im Sowjet Teil des Pamir entstehen große Wasserkraftwerke (unter anderem Nurek am Wachsch, Ragun am Pjandsch). Durch das breite Alaital führte im Altertum die bekannte Seidenstraße, die China mit den europäischen Mittelmeerländern verband.

Pampa: baumlose Grassteppe Argentiniens und Uruguays.

Pampas: Großlandschaff in Südamerika, zwischen Gran Chaco im Norden, Pampinen Sierren im Westen und Atlant Ozean im Osten; zu Argentinien und Uruguay gehörend; etwa 600000 km2, zu 90% unter 100 m über dem Meeresspiegel; flachwelliges bis hügeliges Tiefland, im Osten Löß über dem Brasilianischen Schild, im Westen über jungen Aufschüttungen; bei subtropischen Klima, das nach Westen zu trockener wird, überwiegen baumanne Grasfluren mit nach Westen zunehmendem Anteil an Hartgräsern, dazwischen eingebettet zahlreiche Seen, die teilweise Salzwasser enthalten. In den niederschlagsärmeren westlichen Teilen überwiegend extensive Viehwirtschaft (Fleischrind- und Schafzucht), in den feuchteren östlichen Teilen Ackerbau (besonders Weizen, Mais, Luzerne).

Pampasindianer: Indianerstämme unterschiedlicher Herkunft und Sprachen (Puelche, Araukaner unter anderem), die nach Übernahme des Pferdes von den Europäern die Pampas bevölkerten und (ähnlich den Prärieindianern) eine völlig neue jägerische Kultur entwickelten; jagten mit Bola und Lanze Guanako und Nandu, lebten in Lederzelten (Toldo); 1878/85 von der argentinischen Armee besiegt und nahezu ausgerottet.

Pampelmuse, Citrus maxima: immergrünes subtropisches Rautengewächs mit großer gelber Frucht von säuerlichem, leicht bitterem Geschmack; eine andere Art trägt eine kleinere Frucht (Grapefrucht, Grapefruit (Citrus paradisi)).

Pamphlet, nach einer lateinischen Liebesdichtung: Flugschrift, meist politische Streit- oder Schmähschrift, auch einzelner Beitrag in Massenmedien.

Pampine Sierren: Großlandschaft in Südamerika, im Nordwesten Argentiniens, ein den Anden vorgelagertes Bergland; 1000 bis 2000 m über dem Meeresspiegel, in der Sierra de Córdoba bis 2884 m; vorwiegend aus Graniten, Gneisen und Schiefern aufgebaute Bruchscholle der Brasilianischen Masse, besteht aus einer Reihe von Gebirgszügen, die durch breite, vielfach abflusslose Becken und Senken voneinander getrennt werden (zum Beispiel Salinas Grandes); bei trockenem subtropischen Klima überwiegend von einer xerophilen Dombuschformation bedeckt (sogenannt Monte).

Pamplona: Stadt im Norden Spaniens, wichtigster Ort der Region und Verwaltungssitz der Provinz Navarra, am Rio Arga; 180000 Einwohner; Zucker-, Papier- und chemische Industrie; katholische Universität; Stierkampfarena; alte Stadtmauer, gotische Kathedrale (14./16. Jahrhundert; Gräber der Könige von Navarra).

Pan: «Herr» (als Anrede); im feudalen Polen Bezeichnung des Feudalherrn und Großgrundbesitzers.

Pan, griechischer Schutzgott der Hirten und der Kleinviehherden, Walddämon (römisch Faunus) lüsternes Mischwesen mit Bocksbeinen und Hörnern; erfand die Hirtenflöte (Panflöte).

Panafrikanische Nachrichtenagentur, Abkürzung PANA: Nachrichtenagentur der Organisation der Afrikanische Einheit; gegründet 1979, Sitz Dakar (Senegal); zielt auf die Befreiung der afrikanischen Massenmedien von der imperialistischen Vorherrschaft.

Panagjurischte: Stadt im mittleren Bulgarien (Bezirk Pasardshik), am Südrand der westlichen Sredna Gora; 25000 Einwohner; Kupfererz Aufbereitung, Textil-, Teppichindustrie; Fachschule; Museen; Mittelpunkt eines Erholungsgebietes.

Panama, Republik Panama: Staat in Mittelamerika, zwischen Karibischen Meer und Stillem Ozean; im Norden von Kostarika, im Süden von Kolumbien begrenzt; verwaltungsmäßig in neun Provinzen unterteilt. Die Bevölkerung besteht zu etwa 60% aus Mestizen, zu etwa 20% aus Mulatten und Afroamerikanern, zu 10% aus Indianern und zu 10% aus Kreolen. Amtssprache ist Spanisch. Währung ist der Balboa. Natur. Oberfläche. Die vulkanische Bruchzone Kostarikas endet im Westen Panamas am 3 478 m hohen Vulkan Chiriqui, der höchsten Erhebung des Landes. Ihr schließen sich die Gebirgsketten der Kordilleren (2500 m) an, die zu der nur etwa 100 m hohen Landenge von Panama abfallen und jenseits davon wieder steil aufragen. Der bis 2164 m hohen Halbinsel Azuero im Süden sind mehr als 100 Inseln vorgelagert.

Klima: Tropisches Klima mit Abweichungen entsprechend der Höhenlage; an der Küste der Karibik immerfeucht, an der Küste des Stillen Ozeans wechselfeucht. Pflanzenwelt. An der karibischen Seite wird Panama von tropischem Regenwald überzogen (70% der Fläche sind bewaldet), an der pazifischen Seite herrschen dagegen Savannen vor.

Panamá, Ciudad de Panamá: Hauptstadt von Panama, östlich vom Südausgang des Panamakanals; 390000 Einwohner; wichtigstes Industrie und Handelszentrum des Landes mit 40% der Industrie und 60% der Beschäftigten; Leicht- und Lebensmittelindustrie; internationales Finanzzentrum; Hafen, internationaler Flughafen Tocumen\ 2 Universitäten.

Panamakanal: künstlicher Großschifffahrtsweg zwischen Stillem und Atlantischen Ozean (Karibisches Meer) durch die 55 km breite, bis 100 m hohe Landenge von Panama (Panama). Länge der Fahrrinne 81,6 km, Sohlenbreite 150 m; je 3 Doppelschleusen an Nord- und Südausgang, Scheitelhöhe 26 m über dem Meeresspiegel (aufgestauter Gatunsee); Inbetriebnahme am 15.8. 1914; Ausbau 1962/71 (Vergrößerung der Schleusen, Vertiefung von 13,7 m auf 14,3 m, Erweiterung des Gaillard Cut (Durchbruch im Bereich der kontinentalen Wasserscheide) von 91,4 m auf 152,4 m); Durchfahrtdauer 14 bis 16 Stunden, davon 7 bis 8 Stunden für den eigentlichen Schleusenkanal. Für Ozeanriesen mit über 11,4m Tiefgang ist der Panamakanal nicht passierbar, deshalb wird die Errichtung eines neuen Kanals erwogen. Der Bau des Panamakanal wurde 1881 durch die französische Panamakanalgesellschaft (Panamaskandal) begonnen und ab 1906 von den USA fortgesetzt, nachdem sie 1903 der Republik Panama einen Vertrag über die Schaffung der Panamakanalzone aufgezwungen hatten. Die Panamakanalzone umfasste 1432 km2 (davon 492 km2 Gewässer), ein Gebiet von 8 km beiderseits des Panamakanal und wurde durch einen USA-Gouverneur verwaltet. Nach dem Panamakanalvertrag vom 7.9.1977 erhalten die USA auf Grundlage der Anerkennung der Souveränität Panamas über dieses Gebiet Rechte zum Betrieb, zur Umgestaltung und zur Verteidigung des Kanals bis zum 31.12.1999. 35% der ehemaligen Kanalzone wurden in Verwaltung einer gemischten Kommission (Panama-USA) gegeben, wobei die Jurisdiktion im Kanalgebiet ausschließlich durch Panama ausgeübt wird. Nach Inkrafttreten des Vertrages am 1.10. 1979 wurden etwa 65% des Territoriums der bisherigen Kanalzone, die Häfen Balboa und Cristóbal sowie die 76 km lange Eisenbahnlinie von Balboa nach Colón an Panama zurückgegeben. Der Panamakanal wird durch eine panamaisch US-amerikanische Kommission verwaltet. In der Kanalzone existieren weiterhin Militärstützpunkte der USA. Sitz der Kanalbehörde ist in Balboa Heights bei Balboa. Um die Jahrhundertwende ist die volle Übernahme des Kanals durch Panama vorgesehen.

Panamaskandal: parlamentarische Bestechungsaffäre nach dem Zusammenbruch der französischen Panamagesellschaft (1889); sie offenbarte bei ihrer Enthüllung 1892 die Korruption der herrschenden kapitalistischen Kreise der Dritten Republik und brachte Tausende Kleinaktionäre um ihre Ersparnisse.

Panamerikanismus: außenpolitischer Doktrin und Ideologie des USA-Imperialismus, Ende des 19. Jahrhundert unter Verfälschung der Traditionen lateinamerikanische Solidarität entstanden; Widerspiegelung der US-amerikanischen Hegemoniebestrebungen über Lateinamerika; stützt sich auf die Monroedoktrin.

Panamerikastraße, Pan American Highway in Lateinamerika Carretera Panamericana (spanisch) in Mexiko und Mittelamerika auch Carretera Interamericana: Autostraße, die von Alaska durch den Westen von Nord-, über Mittelnach Südamerika führt; sie verbindet mit Ausnahme von Belize und Guyana die Hauptstädte der Under des lateinamerikanischen Festlandes; durch die Zweiglinie der Transamazonica (Südamerika) wesentlich erweitert.

Panaritium: eitrige Entzündung an den Beugeseiten der Finger mit starker Druckschmerzhaftigkeit.

Panaschierung: Pflanzenphysiologie durch teilweisen Ausfall der Chloroplasten Differenzierung bedingte Weißblättrigkeit. Die Panaschierung ist erblich, wenn sie durch Plastidenmutation hervorgerufen wird, sie kann aber auch durch Krankheiten (zum Beispiel Viren) oder abiotische Umwelteinflüsse (zum Beispiel Lichtmangel) bewirkt werden.

Panathenäen: im antiken Athen zu Ehren der Stadtgöttin Athena Polias jährlich abgehaltenes mehrtägiges Fest mit musischen und sportlichen Wettkämpfen sowie Opfern. Um 566 vor Christus richtete Peisistratos die «Großen Panathenäen» neu ein, die jedes 4. Jahr gefeiert wurden.

Panay: Insel nordöstlich der Sulusee (Philippinen); 11515 km2, etwa 2,1 Millionen Einwohner; die wichtigsten Städte und Häfen sind Iloilo im Süden und Roxas im Norden; im Westteil gebirgig (bis etwa 2 300 m), im Ostteil Flach- und Hügelland; bei tropischen Klima immergrünen tropischen Regenwald und Feuchtsavannen; Anbau von Reis, Zuckerrohr, Ananas; Abbau von Kupfer- und Chromerz.

Panazee: Allheilmittel, Universalmittel, Wundermittel. Panazee gibt es wegen der großen Verschiedenheit der Krankheiten und ihrer Ursachen in Wirklichkeit nicht.

Pancevo: Stadt in Jugoslawien, in der Vojvodina (Serbien), an der Mündung des Tamis in die Donau; 125000 Einwohner; Flugzeugbau, Glühlampenwerk, chemische, Glas-, Textil-, Lebensmittelindustrie; Schiffbau; Erdölraffinerien; Hafen.

Panchatantra: (Sanskrit, «Fünfbücherwerk») altindisches Fabelbuch, wahrscheinlich aus dem 3. Jahrhundert, ursprünglich ein Lehrbuch der Politik und Lebensklugheit für Prinzen. Mit mehr als 200 Versionen und Übersetzungen (Kalila wa-Dimna) in über 50 Sprachen ist das Panchatantra eines der am weitesten verbreiteten Werke der Weltliteratur.

panchromatisch: sind fotografische Schichten, die alle Farben richtig in Grautönen wiedergeben.

Pandämonium: altgriechischer Tempel der allen vermeintlich Übermensch!. Wesen (Dämonen) geweiht war; Gesamtheit aller (bösen) Geister.

Pandas, Ailuridae: Kleinbären (Großer Pandas oder Bambusbär, Kleiner Pandas oder Katzenbär) aus dem südöstlichen Zentralasien mit etwas unklarer systematischer Stellung.

Pandeira: Schellentrommel (Tamburin) der spanischen und portugiesischen Volksmusik zur Begleitung von Tänzen. Mit Pandeira werden auch Schellenspiele ohne Fell bezeichnet, und zwar die Pandeira mit 8 Schellenpaaren in runder Form und die Pandeira mit 4 Schellenpaaren in stabähnlichem Holzgestell mit Handgriff (Stabpandeira).

Pandemie: (griechisch) gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit beim Menschen mit zeitlicher, aber ohne Begrenzung; bei Tieren als Panzootie bezeichnet.

Pandit: Titel indischer (brahmanischer) Gelehrter, auch Ehrenname.

Pandora, (griechisch, «Die Allesgebende») in der griechischen Sage die erste Frau, von Hephästus geschaffen. Um die Menschen für den von Prometheus begangenen Feuerraub zu bestrafen, schickte Zeus Pandora als «schönes Übel» zu den Menschen; Epimetheus nahm Pandora zur Frau; aus der «Büchse der Pandora» entließ sie alle Übel, behielt die Hoffnung aber zurück.

Pandora: (nach der Sagengestalt) Zupfinstrument englischen Ursprungs; Generalbassinstrument des 16. und 17. Jahrhundert mit erst 5, später 7 Saitenchören, birnenförmigem Schallkörper, Rosette und einem Querriegel zur Saitenbefestigung.

Panduro, Leif, 18.4.1923-16.1.1977, dänischer Schriftsteller und Dramatiker; gestaltete in zahlreichen Romanen und populären Fernsehspielen auf heiter-ironischer Art die Krisenanfälligkeit des etablierten dänischen «Normalbürgers», den er oft in groteske Situationen stellt, so in den Romanen «Geh mir mit den Traditionen» (1958), «Die Fenster» (1971, deutsch), «Heuschnupfen» (1975, deutsch) und in den Fernsehspielen «Williams Zuhause» (1971, deutsch), «Bella» (1971) und «In der Welt Adams» (1973).

Panegyrikus, Panegyrikos: im antiken Griechenland und Rom Rede preisenden und lobenden Inhalts, wurde vor einer Festversammlung gehalten.

panem et circenses: (lateinisch, «Brot und Zirkusspiele») Forderung der altitalische städtliche Plebs, die infolge des Sklavenhaltersystems auf Getreideversorgung und Spenden der Kaiser angewiesen war; mit panem et circenses wurde versucht, die Plebs der Städte vom Klassenkampf fernzuhalten.

Panfjlow, Gleb Anatoljewitsch, geboren 21.5.1934, sowjetischer Filmregisseur; beschäftigt sich in seinen Filmen mit Fragen sozialistischer Moral und Ethik («Durchs Feuer führt keine Furt», «Hauptrolle für eine Unbekannte», «Ich bitte ums Wort», «Valentina»), Nach Gorkis Stück «Wassa Schelesnowa» schuf er den Film «Wassa».

Panflöte: (nach Pan) urtümliches Blasinstrument aus aneinandergereihten verschieden langen, unten meist geschlossenen Röhrchen, die mit dem Mund angeblasen werden; bestehend aus Bambus, Schilf, Holz, Ton oder Stein. Siehe auch Syrinx.

Pangäa: (griechisch pan, «ganz», + ge, «Erde») von A. Wegener in seiner Kontinentalverschiebungstheorie angenommener großer einheitlicher Urkontinent, der seit Beginn des Mesozoikums in die gegenwärtigen Kontinente zerbrach.

Panieren: (französisch + lateinisch panis, «Brot») Überziehen von Fleisch, Fisch, Gemüse vor dem Braten mit Eigelb und Semmel- beziehungsweise Paniermehl.

Panik: (griechisch, nach dem Hirtengott Pan) Kopflosigkeit; Verwirrung; plötzliche sinnlose Angst bei unerwartet eintretender Gefahr.

Panikbeleuchtung: Sicherheitsbeleuchtung in Versammlungsräumen, Theatern, Kinos, die sich bei Stromausfall automatisch einschaltet.

Panikverschluss: Verschluss zweiflügeliger Türen, der durch Betätigung eines Schwenkriegels im Katastrophenfall das Öffnen beider Flügel ermöglicht. Panikverschlussschlüssel schließen nur von außen, von innen ist ohne Schlüssel zu öffnen.

Panlni, indischer Grammatiker, lebte vermutlich um oder gegen 400 vor Christus; gab in 3 976 Regeln von formelhafter Kürze eine bis heute grundlegende Darstellung der Grammatik des Sanskrits.

Panislamismus: Bewegung für die politische und kulturelle Zusammenarbeit der muslimischen Länder mit reaktionärer Tendenz zugunsten der osmanischen Herrscher; von D. al-Afghani in den 80er Jahren des 19. Jahrhundert zur Abwehr der Kolonialpolitik der kapitalistischen Großmächte begründet. Die türkische Regierung benutzte den Panislamismus als politische Waffe gegen die nationale Befreiungsbewegung der arabischen Völker.

Panitz, Eberhard, geboren 16.4.1932, Schriftsteller; schreibt Romane und Erzählungen über die Rolle der Frau, insbesondere in der sozialistischen Gesellschaft («Die sieben Affären der Dona Juanita», 1972; «Die unheilige Sophia», 1974; «Die Moral der Nixe», 1978); setzt sich auch mit jüngster Vergangenheit («Meines Vaters Straßenbahn», 1979) und aktuellen Problemen («Eiszeit», 1983) auseinander.

Panjim, Panaji: Hauptstadt des Unionsterritoriums Goa, Daman und Diu (Indien), am Arabischen Meer; 77000 Einwohner; südlich davon Marmagoa, der wichtigste Erzverladehafen an der indischen Westküste.

Pankey, Aubrey, 17.6.1905-9.5.1971 (Unfall), US-amerikanischer Sänger (Bariton); konzertierte auf allen Kontinenten mit Kunstliedern und Spirituals; war seit 1956 Dozent an der Berliner Musikhochschule.

Pankhurst: 1. Emmeline Pankhurst, 4.7.1858-14.6.1928, britische Frauenrechtlerin; seit 1903 Führerin der Suffragetten, stellte 1914 den aktiven Kampf ein und trat nach Einführung beschränkten Frauenwahlrechts 1918 der Konservativen Partei bei.

2. Estelle Sylvia Pankhurst, 5.5.1882-27.9.1960, britische Arbeiterführerin und Publizistin; Tochter von Pankhurst 1; verband die Frauenrechtsbewegung mit dem Kampf um die soziale Befreiung der Frauen, vertrat dabei linksradikal-sektiererische Ansichten.

Pankiewicz, Jozef, 29.11.1866-4.7.1940, polnischer Maler; seit 1925 Professor und Leiter der Filiale der Krakower Akademie in Paris; thematisch vielseitig, schuf er vom Impressionismus und Nachimpressionismus beeinflusste Darstellungen; sein Werk widerspiegelt auch Einflüsse des Symbolismus, Kubismus und Fauvismus.

Pankok, Otto, 6.6.1893-20.10.1966, Graphiker und Bildhauer der BRD; gestaltete in großformatigen, vom Expressionismus angeregten Kohlezeichnungen und Holzschnitten unter anderem Motive sozialer und menschlicher Not, besonders der Zigeuner und Juden; 1936 vom Faschismus diffamiert. Nach 1945 trug er mit seinem Werk und als Lehrer an der Kunstakademie Düsseldorf zur Entwicklung einer demokratischen Kunst in der BRD bei.

Pankration, Allkampf. Kampfsportart bei den altgriechischen Festspielen; Verbindung von Faust- und Ringkampf, wobei fast alle Mittel erlaubt waren, den Gegner kampfunfähig zu machen.

pankratisches System: optisches System mit stetig veränderlicher Brennweite bei fester Bildebene und konstantem Öffnungsverhältnis. Pankreatische Systeme werden auch Zoomobjektive, in der Umgangssprache Gummilinsen genannt. Sie enthalten axial verschiebbare Linsengruppen.

Pankreasenzyme: von der Bauchspeicheldrüse gebildete Enzyme, die als Hydrolasen an der Verdauung der Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße beteiligt sind. Zu den Pankreasenzymen gehören Trypsin, Chymotrypsin, Carboxypeptidasen, Lipase und Amylase.

Pankreaspräparate: Enzympräparate aus der Bauchspeicheldrüse von Schlachttieren; enthalten deren Verdauungsenzyme Amylase, Lipase, Chymotrypsin und Trypsin; sie werden bei Verdauungsschwäche angewendet, zum Beispiel Mezym forte. Insulin enthalten diese Pankreaspräparate nicht.

Pann, Anton, eigentlich Antonie Pantoleon Petroveanu, 1796/97-2.11. 1854, rumänischer Schriftsteller, gilt mit seinen «Fabeln und Geschichten» (1839/41), einer Sprichwörtersammlung, Gedichten und Anekdoten über «Die Streiche des Nasreddin Hodscha» (1853) als früher volkstümlicher Schriftsteller.

Pannonien: römische Provinz zwischen Ostalpen, Donau und Save (heute östliches Österreich, Westungarn und Nordjugoslawien). Die Illyrischen Pannonier wurden erstmals 35/34 vor Christus durch Rom unterworfen. 6/9 nach Christus erhoben sich die Pannonier gegen die endgültige Unterwerfung durch Rom; seit dem 2. Jahrhundert war Pannonien in Pannonia superior und Pannonia inferior geteilt.

Pannonisches Becken, Karpatenbecken, ungarisches Becken: Senkungsgebiet im Südosten Mitteleuropas; etwa 300000 km2; vorwiegend von den Karpaten sowie von den Alpen und dem Dinar. Gebirge umschlossenes, von Donau und Theiß durchflossenes Becken; umfasst das gesamte Gebiet Ungarns, einen Teil Rumäniens und Jugoslawiens und einen geringen Teil der CSSR, der UdSSR und Österreichs.

Pannwitz, Rudolf, 27.5.1881-23.3.1969, Schriftsteller; 1904 Mitbegründer der exklusiven Dichtergruppe «Charon»; übte in elitären hymnisch-visionären Dichtungen und in Essays, mit der Absicht, Wissenschaft und Künste zusammenzuführen, Kulturkritik aus konservativer Sicht («Die Krisis der europäischen Kultur», 1917).

Pano: indianische Sprach- und Völkerfamilie in Oberamazonien zwischen den Flüssen Ucayali und Madeira; 315000; Bodenbauer, leben vielfach noch nach der traditionellen Weise.

Panofsky, Erwin, 30.3.1892-14.3.1968, Kunsthistoriker, 1933 Emigration in die USA Mitbegründer und Hauptvertreter der Ikonologie; Hauptwerke: «Studien über Ikonologie» (1939), «Renaissance und Vertreter der Renaissance in der westlichen Kunst» (1960), «Dürer» (1948), «Galilei als Kunstkritiker) (1954).

Panoptikum: (griechisch, «Gesamtschau») Wachsfiguren- oder Kuriositätenkabinett.

Panorama: Rundgemälde, das durch Beleuchtungseffekte und Einbeziehung plastischer Elemente Raumtiefe und Weiträumigkeit vortauscht.

Panoramaaufnahme: fotografische Landschaftsaufnahme, die durch Aneinanderreihen mehrerer, vom gleichen Kamerastandpunkt aufgenommener Teilaufnahmen entsteht. Mit Panoramakameras lassen sich Panoramaaufnahme mit einer einzigen Aufnahme erzielen.

Panowa, Wera Fjodorowna, 20.3.1905-3.3.1973, russisch-sowjetische Schriftstellerin; wurde durch die Romane «Weggefährten» (1946, deutsch) und «Menschen aus Krushilicha» (1947, deutsch) sowie das Schauspiel «Abschied von den hellen Nächten» (1961, deutsch) bekannt. Eine subtile psychologische Gestaltung zeichnet die Kinderfiguren in ihren Erzählungen («Kleiner Mann in großer Welt», 1955, deutsch) aus.

Paraplegie: Lähmung der gesamten Körpermuskulatur.

Panpsychismus: idealistische beziehungsweise pantheistische Lehre von der Allbeseeltheit der Welt. Vertreter sind u. a. Plotin, Paracelsus, F. W. J. Schelling.

Pansenegel, Paramphistomidae: Familie der Saugwürmer mit bis 2 cm langen Arten, deren drehrunder, nach vom verjüngter Körper am Hinterende einen weiten Saugnapf trägt. Pansenegel schmarotzen im Pansen und Netzmagen von Wiederkäuern, rufen Magen-Darm-Katarrh hervor.

Pansenstich: Methode zur Beseitigung der Pansen Aufblähung. Durch Einstechen eines Trokars durch die seitliche Bauchwand in den Pansen werden die angesammelten Gase abgelassen, um den drohenden Tod der Tiere abzuwenden.

Pansenciliaten, Entodiniomorpha: zu den Wimpertierchen gehörende Darmbewohner von Säugetieren, insbesondere im Pansen der Wiederkäuer und Blinddarm der Pferde. Durchschnittlich befinden sich beim Rind 50000 Individuen in 1 cm3 Panseninhalt, bei Ziegen und Schafen 900000. Da sich die Pansenciliaten masse täglich etwa verdoppelt, stellt das Plasma der zugrunde gehenden Pansenciliaten für die Wirtstiere eine zusätzliche Eiweißquelle dar. Entodinium caudatum kommt häufig im Pansen von Schaf und Rind vor.

Panslawismus: politische und ideologische Strömung in den slawischen Gebieten der Habsburgermonarchie, bei den Südslawen und in Russland in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert zur Vereinigung der slawischen Völker, jüngere Richtungen des Panslawismus sind Neopanslawismus, Neoslawismus. Der russische Panslawismus begründete den Führungsanspruch Russlands in einer zu schaffenden slawischen Föderation und kam damit objektiv dem zaristischen Expansionsstreben entgegen.

Pant, Sumitra Nandan, 20.5.1900-28.12.1977, indischer Lyriker, schrieb in Hindi. Sein Lyrikband «Junge Triebe» (1926) war bahnbrechend für den Chayavad (Neoromantik). Ende der 30er Jahre wandte sich Pant der sozialkritischen Gestaltung der indischen Wirklichkeit zu («Das Ende der Epoche», 1937; «Die Stimme der Epoche», 1938; unter anderem). Pants Alterswerk ist von den philosophischen Ansichten Aurobindos beeinflusst («Das Haus des Volkes», 1964; unter anderem).

Pantalone: eine der Haupttypen (Masken) der italienischen Commedia dell’arte, der aufgeblasen würdevolle, geizige und oft geile venezianische Kaufmann; trägt ein rotes Kostüm mit schwarzem Mantel und hat einen Ziegenbart.

Pantalons: lange, röhrenförmige Hosen, die sich seit der Franzos. Revolution an Stelle der Kniehosen (Culottes) durchsetzten; heute strumpfähnliche lange Hosen in der Unterkleidung und Sportbekleidung (mit Steg).

Pantanal: stark versumpfte Schwemmlandebene in Südamerika, zwischen Kordilleren und Brasilianischen Bergland, am Oberlauf des Paraguay; etwa 100000 km2, 100 m über dem Meeresspiegel; besteht in 20 bis 40 km Breite aus baum- und strauchloser Überschwemmungsniederung (Mai bis September unter Wasser), nach schließt sich Überschwemmungssavanne an, gefolgt von nur noch zeitweise überfluteter Feuchtsavanne.

Pantelleria: vulkanische italienische Insel, 100 km südwestlich von Sizilien; 83 km2, 8200 Einwohner; bis 836 m hoch; Wein-, Getreide-, Südfrucht-, Kapern-, Linsenanbau (Ausfuhr); Schwefelgruben; Thermen.

Pantheismus: (griechisch, «All-Gott-Lehre») Weltanschauung, die Gott und Natur gleichsetzt, indem das völlige enthalten sein Gottes in der Welt behauptet und seine Eigenständigkeit und Personifizierung abgelehnt (materialistische Tendenz) oder die Welt als relativ selbständig und von Gott umschlossen (idealistische Tendenz, Panentheismus) angenommen wird. Der Pantheismus wurde bereits in der antiken Philosophie vertreten und war im Mittelalter meist Bestandteil progressiver Häresien. Er erhielt bei Spinoza einen gegen den mittelalterlichen Gottesbegriff gerichteten materialistischen Aspekt und wurde von der Geistlichkeit verdammt. Der spinozistische Pantheismus übte unter anderem großen Einfluss auf die Anschauungen Lessings, Herders, Goethes, Hegels, Schellings und Heines aus.

Pantheon: (griechisch) größter Kuppelbau der Antike in Rom, 118/25 nach Christus unter Kaiser Hadrian errichtet; Rundtempel mit rechteckiger Säulenvorhalle; die den Hauptraum überwölbende Kuppel hat einen Durchmesser von 43,20 m, der der Höhe des Unterbaus entspricht; ursprünglich allen Göttern geweiht, dient seit dem 7. Jahrhundert als christliche Kirche; seit dem 16. Jahrhundert Vorbild für zahlreiche Rundbauten (zum Beispiel das Pantheon in Paris).

Pantherkröte, Bufo regularis: bis 9 cm lange Kröte; die oliv-braune Oberseite mit dunklen Flecken, der weiße Bauch ist grob gekörnt; bewohnt unterschiedliche Lebensräume Afrikas.

Pantherpilz, Amanita pantherina: Art der Wulstlinge mit braunem Hut, weißen Hüllflocken und weißen Blättern; Stiel mit ungeriefter Manschette und glattrandiger Knolle; dem Perlpilz ähnlich, sehr giftig; im Laub- und Nadelwald. Siehe auch Pilze.

Pantoffel: fersenfreie Fußbekleidung, oft Hausschuh; Filzpantoffel, Pantine unter anderem.

Pantoffelblume, Calceolaria: artenreiche, vorwiegend südamerikanischer Gattung der Braunwurzgewächse mit bunter Blüte, deren Unterlippe pantoffelartig gestaltet ist; Zimmerpflanze.

Pantoffeltierchen, Paramecium: Gattung mikroskopisch kleiner, etwa 0,3 mm langer, zum Teil pantoffelähnliche Wimpertierchen in fauligen stehenden oder fließenden Gewässern; lassen sich leicht in Heuaufgüssen kultivieren. Siehe auch Urtiere.

Pantograph, (griechisch, «Allzeichner») Storchschnabel: einfaches und relativ ungenaues Gerät zur maßstäblichen Verkleinerung oder Vergrößerung einer Zeichnung; besteht im Prinzip aus 4 Stäben, die zu einem Gelenkparallelogramm verbunden sind.

Pantoja de la Cruz, Juan, 1553-26.10.1608, spanischer Maler, Schüler von A. Sánchez Coello, Hofmaler Philipps II. und Philipps IIl.; schuf besonders Porträts, wobei er die Züge der Dargestellten idealisierte.

Pantokrator: (griechisch, «Allherrscher») Typ des Christusbildes in der byzantinischen und ostkirchliche Kunst; bei frontaler Darstellung zeigt er Jesus Christus als Weltenherrscher und Lehrer mit Evangelienbuch beziehungsweise -rolle und segnend erhobener Rechten; in der Baukunst besonders als Zentralkuppelbild verbreitet.

Pantolette: leichter, fersenfreier Sommerschuh mit Absatz.

Pantomime: 1. Pantomime: Darstellungskunst, die Verhaltensweisen und Handlungen allein durch Ausdrucksmöglichkeiten des Körpers vermittelt («schweigende Kunst»),

2. Pantomime: Interpret von Pantomime.

3. Pantomime: im Zirkus großes Manegenschaustück unter Einsatz vieler Tiere und Artisten.

Pantry: Anrichte sowie Geschirrvorrats- und -aufwaschraum auf Schiffen.

Pantschen-Erdeni-Lama: (tibetisch, «Juwel der Gelehrten (unter den Lamas)») Titel der Äbte des 1447 errichteten lamaistische Klosters Tashilhunpo bei Xigaze in Tibet. Der Pantschen-Erdeni-Lama war nach dem Dalai Lama das 2. Oberhaupt des Lamaismus. Seit dessen Flucht (1959) steht er in China an der Spitze.

Panzer:

1. historische Kriegskunst: aus Fell, Leder, Knochen, Holz oder Metall gefertigter Schutz gegen Hieb- und Stichwaffen; seit der Bronzezeit nachweisbar.

2. Militärtechnik: kampfstarkes, hochbewegliches und voll gepanzertes Gefechtsfahrzeug auf Gleisketten-, seltener Räderfahrgestell, mit einem um 360° schwenkbaren Turm, der den Einsatz der stabilisierten Kanone (Stabilisator) und von 1 bis 2 Maschinengewehren nach allen Seiten ermöglicht. Seine Navigations-, Beobachtungs- und Zielgeräte gestatten den Tag- und Nachteinsatz. Hermetische Kampfraumabdichtung und Filterventilationsanlagen schützen die Besatzung (3 bis 4 Mann) vor verseuchter, aktivierter oder vergifteter Luft. Die (meist vorhandene) Unterwasserfahrausrüstung ermöglicht das Durchfahren bis zu 5 m tiefer Wasserhindernisse; einige Typen sind schwimmfähig (Schwimm-Panzer, lufttransportfähig (Luftlandepanzer)). Für besondere Aufgaben gibt es Jagd-, Brückenlege-, Bergepanzer unter anderem.

Panzerabwehr: Teil des Feuersystems auf Landkriegsschauplätzen; umfasst alle Maßnahmen zur Bekämpfung angreifender Panzer des Gegners mittels panzerbrechender Minen, Rohr- und Raketenwaffen der Land- und Luft Streitkräfte in der gesamten Tiefe einer Gefechtsordnung.

Panzerabwehrkanone, Abkürzung Pak: Geschütz der Panzerjägerartillerie zum Bekämpfen von Panzern, Selbstfahrlafetten und anderen Gefechtsfahrzeugen. Panzerabwehrkanone haben einen großen horizontalen Schwenkbereich sowie eine hohe Feuer- und Anfangsgeschwindigkeit der Granaten; Kaliber um 100 mm.

Panzerabwehrmittel: Gesamtheit aller zur Bekämpfung von Panzern, Schützenpanzern und anderen Gefechtsfahrzeugen geeigneten Waffen und Mittel, wie Panzerjägerartillerie, Panzerabwehrlenkraketen, Panzerbüchsen, Panzerminen, Panzerhandgranaten, Brandflaschen. im weiteren Sinne gehören zu den Panzerabwehrmittel Panzer, Selbstfahrlafetten und Panzersperren.

Panzerbüchse: meist tragbare rückstoßfreie Waffe (reaktive Waffe) mit glattem, hinten offenem Rohr zur Bekämpfung von Panzern und anderen gepanzerten Zielen mit Hohlladungsgranaten; Kaliber 30 bis 90 mm, Visierschussweite bis 1000 m. Panzerbüchse für den einmaligen Einsatz sind für das Geschoß (aktiv-reaktiv) Träger und Startvorrichtung zugleich; Gesamtmasse 2 bis 4 kg, effektive Schussweite bis 200 m, Durchschlagvermögen bis 340-mm-Panzerung.

Panzerfaust: Bezeichnung für eine reaktive Panzerbüchse der faschistischen Wehrmacht im 2.Weltkrieg.

Panzergeißler, Dinophyta: im Wasser schwebende Flagellaten mit 2 ungleich langen Geißeln (höchstentwickelte Formen mit Zellulosepanzer); auto- oder heterotroph. besonders artenreich sind die Dinophyceae im Süß- und Salzwasser. Zusammen mit Kieselalgen und Kalkflagellaten sind die Panzergeißler in den Meeren die wichtigsten Produzenten organischer Stoffe.

Panzerherz: entzündlich bedingte Ummauerung des Herzens durch Kalkeinlagerungen in den Herzbeutel mit Behinderung der Blutzufuhr, führt zur Herzinsuffizienz; meist ist eine Chirurgische Behandlung erforderlich.

Panzerholz: mit Blechen beidseitig (selten mittig) bewehrtes Lagenholz; verwendet für Wände in Röntgenräumen (Bleibelag), Kühlhäusern (Aluminiumbelag) unter anderem

Panzerkopffrösche, Aparasphenodon: Gattung der Laubfrösche, deren Schädel mit der Kopfhaut zu einer kräftigen Platte verwachsen ist; halten sich häufig in den Trichtern epiphytische Bromelien auf, die sie mit ihrer Kopfoberseite deckelartig verschließen; bewohnen das tropischen Süd- und Mittelamerika.

Panzertechnik: Gesamtheit aller gepanzerten Gefechtsfahrzeuge sowie der dazugehörigen Bergungs-, Instandsetzungs- und Spezialfahrzeuge. Hierzu gehören Panzer, Schützenpanzer, Schützenpanzerwagen, Basisfahrzeuge für Waffenträger (Artillerie- und Fliegerabwehrselbstfahrlafetten unter anderem). Sie sind meist voll gepanzert, hermetisch abgedichtet und verfugen über Filterventilationsanlagen. Man unterscheidet Gleisketten- und Räderfahrzeuge. Viele sind schwimm-, einige lufttransportfällig.

Panzertruppen: Waffengattung, deren Ausrüstung hauptsächlich aus Kampfpanzern besteht. Wegen ihrer hohen Feuerkraft, Beweglichkeit und Widerstandsfähigkeit gegen die Wirkung feindlicher Waffen bilden Panzertruppen die Hauptstoßkraft der Landstreitkräfte.

Panzerung: Mittel zum Schutz von Menschen, Kampftechnik und -anlagen vor der Einwirkung herkömmlicher Waffen und der Vernichtungsfaktoren von Kernwaffen. Panzerungen gegen Granatwirkung schützen vor der Vernichtungswirkung von Granaten verschiedener Art (Druckwelle, Lichtstrahlung, radioaktive Strahlung), Panzerung gegen Kugelwirkung vor Kugeln, Granat-, Bomben- und Minensplittern sowie vor Lichtstrahlung. Moderne Panzerung bestehen aus Kombinationen verschiedener Werkstoffe (Stahl, Leichtmetalllegierungen, Plast, Keramik).

Panzerwelse, Callichthyidae: 3,5 bis 25 cm lange Süßwasserfische Südamerikas mit typischen Knochenplattenreihen auf den Körperseiten; viele beliebte Aquarienfische.

Papadat-Bengescu, Hortensia, 8.12.1876-5.3.1955, rumänische Schriftstellerin; anfangs der Psychoanalyse verpflichtet, kam sie über die Darstellung sozialer Probleme (Antikriegsroman «Der Lindwurm», 1923) zur Entlarvung der Substanzlosigkeit und Korruption der herrschenden Klassen («Das Bachkonzert», 1927, deutsch).

Papadopoulos, Georgios, geboren 5.5.1919, griechisches-Militär; ehemaliger Kollaborateur der hitlerfaschistische Okkupanten; am militär-faschisten Putsch vom 21.4.1967 führend beteiligt; Ministerpräsident und Verteidigungsminister der Militärregierung; 1973 zum Rücktritt gezwungen; 1975 zum Tode verurteilt, dann zu lebenslanger Haft begnadigt.

Papageien, (französisch arabisch) Psittaciformes: Ordnung farbenprächtiger, gedrungener tropischer Klettervögel mit beweglichen klobigem Hakenschnabel, der beim Klettern zu Hilfe genommen wird, und kräftigen kurzen Füßen, die als Greifhände («Handfüßer») benutzt werden. Die lautreiche, modulierbare Stimme ermöglicht Nachahmung von Geräuschen und Lauten, auch der menschlichen Sprache. Papageien zählen zu den geistig höchststehenden Vögeln; häufig Käfigvögel. Hierzu gehören Amazonen, Aras, Graupapagei, Kakadus, Loris, Sittiche, Wellensittich unter anderem

Papageifische, Scaridae: farbenprächtige Korallenfische tropischer Meere mit Papageienschnabel artigem Gebiss; können innerhalb weniger Sekunden ihre Farbe wechseln.

Papageitaucher, Fratercula arctica: 35 cm lange, an den Küsten der Nordsee von Grönland bis Westfrankreich brütende Alkenart; legt 1 bis 2 Eier in Höhlen, brütet 35 bis 40 Tage; ernährt sich von kleinen Fischen.

Papandreou: 1. Andreas Papandreou, geboren 5.2.1919, griechischer Politiker; Sohn von Papandreou 2; 1963/65 Abgeordneter und Minister im Kabinett seines Vaters. Nach der Errichtung der militärfaschistischen Diktatur 1967 ins Ausland emigriert, leitete er von dort aus die Arbeit der Widerstandsorganisation PAK. Nach seiner Rückkehr 1974 gründete er die Panhellen. sozialistischer Bewegung und übernahm ihren Vorsitz; seit Oktober 1981 Ministerpräsident.

2. Georgios Papandreou, 18.2.1888-1.11.1968, griechischer Politiker; kam nach der Befreiung Griechenlands von der faschistischen Okkupation 1944 als Ministerpräsident der bürgerlichen Exilregierung zurück; rief britische Truppen zum Einsatz gegen die Volksbefreiungsbewegung ins Land; 1945 zum Rücktritt gezwungen; 1963/64 erneut Ministerpräsident; 1965 durch Staatsstreich des Königs abgesetzt; nach der Errichtung der militärfaschistischen Diktatur 1967 unter Hausarrest gestellt.

Papanin, Iwan Dmitrijewitsch, 26.11.1894 bis 30.1.1986, sowjetischer Polarforscher; leitete die erste sowjetische Driftstation «Nordpol» (1937/38); war 1938/46 Leiter der Hauptverwaltung des nördlichen Seewegs.

Papaverin: ein Opiumalkaloid; bildet farblose, in Chloroform und heißem Äthanol lösliche Kristallnadeln; F 147 bis 148 °C. Papaverin besitzt krampflösende Wirkung, im Bereich des Magen-Darm-Kanals und der Blutgefäße; verursacht keine Sucht und unterliegt deshalb nicht der Betäubungsmittelverordnung.

Papeete: Stadt auf Tahiti (Stiller Ozean), Verwaltungszentrum von Französisch-Polynesien; 63000 Einwohner; Konsumgüterindustrie; Hochseehafen, nahebei internationaler Flughafen; Tourismus.

Papel-Papula: Knötchen; bis erbsengroßes, über das Hautniveau ragendes Gebilde mit unterschiedlichen Farbton, das durch Zellansammlung in der Ober- und beziehungsweise oder Lederhaut entsteht. Papel-Papula sind kennzeichnend für bestimmte Hautkrankheiten.

Papen, Franz von, 29.10.1879-2.5.1969, Politiker, 1918/32 Mitglied des Zentrums und des Herrenklubs; Juni/November 1932 Reichskanzler, führte den Staatsstreich in Preußen vom 20.7.1932 (Sturz der sozialdemokratisch geführten Regierung Braun) durch; ebnete aktiv dem Faschismus den Weg zur Macht. 1933/34 Vizekanzler, 1934/38 Gesandter in Österreich, 1939/44 Botschafter in der Türkei. Gegen den sowjetischen Protest im Nürnberger Prozess freigesprochen.

Papenburg: Kreisstadt in Niedersachsen, im Emsland, am Rande des Bourtanger Moores, verzweigte Fehnkolonie (Siedlung im Flachmoor); 27000 Einwohner; Werft, Maschinenbau, Torfverwertung; Hafen, Kanal zur Ems.

Paperback: buchhändlerische Bezeichnung für eine Mehrlagenbroschur im gerillten, am Rücken des Broschüren Blocks angeklebten Papier- oder Kartonumschlag. Das Paperback unterscheidet sich vom Taschenbuch unter anderem durch das meist normale Buchformat.

Paphlagonien: antiker Name einer gebirgigen Küstenlandschaft Nordkleinasiens; Hauptort Sinope; Lieferant von Holz und Metallen. Paphlagonien war nacheinander lydisch, persisch, gehörte zum Reich Alexanders des Großen, dann zu verschiedenen Diadochenstaaten und war seit 65 vor Christus römisch.

Papier: flächiger, im Wesentlichen aus Fasern vorwiegend pflanzlicher Herkunft durch Entwässern einer Faserstoffsuspension auf einem Sieb gebildeter Werkstoff (bis 224 g/m2). Als Faserrohstoffe werden Holz (wichtigster Rohstoff), Einjahrespflanzen, Altpapier, tierische und mineralische sowie Chemiefasern eingesetzt. Wegen günstiger Verfilzungseigenschaften werden Nadelhölzer bevorzugt, weltweite Holzverknappung zwingt zu erhöhter Verwendung von Einjahrespflanzen. Wertvollster Sekundärrohstoff ist Altpapier; tierische und mineralische Fasern werden nur in einigen besonderen Papier verwendet. Chemiefasern sind in die Großproduktion bisher wenig eingeführt. Aus den Rohstoffen werden Halbstoffe (Faserstoffe; Holzschliff und Zellstoff) hergestellt. Je nach gewünschter Papiersorte werden hiervon Mischungen unter Zugabe von Wasser, Harzleim, Färb- und Füllstoffen in Mahlaggregaten (Holländer und Refiner) hergestellt (Ganzstoff). Nach Reinigung gelangt der Papierbrei in die Papiermaschine, wo die Papierbahn entsteht. Nach Art und Verwendungszweck wird das Papier weiterbehandelt (ausgerüstet), zum Beispiel satiniert, geprägt, anschließend aufgerollt oder in Bogen geschnitten. Die Einteilung des Papiers erfolgt nach unterschiedlichen Gesichtspunkten;

a) nach Rohstoffen und Zusammensetzung des Ganzstoffes holzfreies Papier (ohne Holzschliffanteil) und holzhaltiges Papier (mit Holzschliffanteil);

b) nach Herstellung handgeschöpftes Papier (zum Beispiel Büttenpapier) und auf Papiermaschinen erzeugtes Maschinenpapiers nach Verwendungszweck und Eigenschaften Bildträgerpapier, Hüllpapier, Saugpapier, Spezialpapier und Buntpapier. Zu den Bildträgerpapier gehören Schreibpapier, Florpostpapier, Koordinatenpapier (zum Beispiel Millimeterpapier), Leinenpapier, Konzeptpapier, Luftpostpapier, Durchschlagpapier., Druckpapier, Dünndruckpapier, Illustrationsdruckpapier, Kunstdruckpapier, Offsetpapier, Programmpapier, Zeichenpapier, Aquarellzeichenpapier, Bristolpapier und Pauspapier; zu den Hüllpapier (Packpapier, Umschlagpapier, Einschlagpapier) Braunholzpapier, Clupak-Papier, Gelbstrohpapier, Goudronne-Papier (Teer-P.), Kraftpackpapier (Natronsackpapier), Pergamentpapier (echtes oder vegetabilisches Pergamentpapier), Pergamentersatzpapier, Schrenzpapier, Pergamin, Seidenpapier, Tauenpapier, Wachspapier; zu den Spezialpapier Elektrophorese-Papier, Isolierpapier (Kabelpapier), Carbonpapier (Kohlepapier), Kondensatorpapier, Krepppapier, Kromokote-Papier, Laminatpapier, Lichtpauspapier (Ozalid-Papier), Ölpapier, Fotorohpapier (Fotopapier), Schmirgelpapier (Sandpapier, Glaspapier), Sicherheitspapier, Saugpapier (Filtrierpapier, Filterpapier), Fließpapier (Löschpapier) unter anderem; zu den Buntpapier Batikpapier (Java-Kunstpapier, Künstlerbuntpapier), Chromopapier, Samtpapier (Velourpapier) unter anderem

Papierboot, Perlboot, Argonauta: achtarmiger Kopffüßer wärmerer Meere. Das große Weibchen treibt meist in den oberen Wasserschichten in einer dünnen, bis 30 cm langen kahnartigen Schale, die auch als Brutbehälter für die zahlreichen Eier dient; es ist ohne Schale nicht schwimmfähig. Das schalenlose Männchen wird nur 1 cm groß.

Papierform: auf Grund von bisherigen («zu Papier gebrachten») Wettkampf- und Trainingsdaten vorgenommene Einschätzung des Leistungsvermögens eines Sportlers oder einer Mannschaft vor dem Wettkampf.

Papierformat: Abmessungen (Länge und Breite) eines Papier- oder Kartonbogens oder -blattes. Bei der Standardisierung von Papierformat wird häufig ein Breiten-Längenverhältnis von bevorzugt. Am bekanntesten ist die A-Reihe (Ausgangsformat A 0 = 841 mm x 1189 mm = 1 m2).

Papiermaschine: Maschine zur Herstellung einer endlosen Papierbahn. Eine Langsiebpapiermaschine ist eine bis 10 m breite und über 100 m lange Kombination von Stoffauflauf, Siebpartie mit endlosem Metallsieb (auf dem die Papierbahn gebildet wird) und darunterliegenden Entwässerungselementen (Foils; seltener Registerwalzen, Nasssaugkästen unter anderem), Pressenpartie (durch die die Papierbahn mechanisch entwässert, gefestigt und geebnet wird), Trockenpartie (Restwasser wird verdampft), Glättwerk, Aufroller und Rollenschneidmaschine; Laufgeschwindigkeit bis 1000 m je min. Eine moderne Form des Blattbildungsteils der Papiermaschine ist der Duoformer (Doppelsiebformer), bei dem die aus dem Stoffauflauf austretende Suspension als gebündelter Strahl zwischen 2 konvergierende Siebe geführt und auf einer Strecke von etwa 1,8 m die Papierbahn gebildet und entwässert wird. Bei der Rundsieb- oder Zylindersiebpapiermaschine wird der Papierbrei von einem Hohlzylinder aus einem Trog aufgenommen und die Papierbahn auf einem Filzband der Pressenpartie zugeleitet. Die Weiterverarbeitung erfolgt wie in der Langsiebpapiermaschine. Zur Herstellung mehrschichtiger Kartons können gegebenenfalls mehrere Bahnen von mehreren Siebzylindern zusammengeführt werden. Weniger verbreitet ist die Selbstabnahmepapiermaschine zur Herstellung einseitig glatter dünner Papiere. Die Nasspartie entspricht der der Langsiebpapiermaschine ohne Pressenpartie. Von dort wird die Papierbahn mittels Abnahmefilzes einer Vortrockenpartie und einem großen Trockenzylinder zugeführt.

Papierprüfung: Gesamtheit der Prüfverfahren, die zur Ermittlung der Qualität von Papier- (Karton-) und Papperzeugnissen für einen bestimmten Gebrauchszweck dienen. Dazu gehören die mechanischen physikalischen Prüfverfahren (Festigkeitsprüfungen, optische fotometrische Prüfungen unter anderem), mikroskopische Untersuchungen zur Feststellung der Stoffzusammensetzung des Papiers und physikalisch-chemisches Verfahren.

Papierstaude, Papyrusstaude, Cyperus papyrus: im tropischen Afrika heimisches Zypergras mit bis zu 3 m hohen, dreikantigen Schäften; das Mark der Halme diente im Altertum der Papiergewinnung Papyrus).

Papierveredlung: Verfahren zur Beeinflussung beziehungsweise Veränderung der Papierbeschaffenheit für einen besonderen Verwendungszweck. Entweder werden dem Ganzstoff Imprägnierungsmittel zugesetzt, die das Papier zum Beispiel wasserabweisend, nassfest, schwer entflammbar machen (Verfahren «in der Masse»), oder die Papieroberfläche wird durch Prägen, Pressen, Kaschieren, Lackieren oder Streichen veredelt (Verfahren «mit dem Vlies»).

Papillarschicht, Papillarkörper, Stratum papillare: gegen die Innenfläche der Epidermis (Oberhaut) vordringende warzen- oder leistenförmige Vorsprünge der Lederhaut. Sie dienen der Verzahnung und dem Schutz gegen mechanische Abscherung, durch den Gehalt an Blutgefäßen der Ernährung der Oberhaut und auf Grund des Vorkommens von Nervenendkörperchen als nervöser Reizaufnahmeapparat.

Papillen: in die Oberhaut oder Schleimhaut reichende zapfenartige Ausstülpungen der Unterhaut, die Blutgefäße fuhren und die darüber liegende Hautschicht ernähren, zum Beispiel Zungenpapillen.

Papillom: meist gutartige, zottige, von Epithel bedeckte Geschwulst aus gefäßführendem Bindegewebe.

Papin, Denis, 22.8.1647 um 1712, französischer Physiker und Techniker; wirkte in England, Italien und Deutschland; entdeckte die Abhängigkeit des Siedepunktes vom Druck, baute um 1680 den ersten Dampfkochtopf mit Sicherheitsventil (Papinscher Topf) und konstruierte eine atmosphärische Dampfmaschine.

Papineau, Louis Joseph, 7.10.1786-24.9.1871, kanadischer Revolutionär; 1837 Führer des bürgerlich-liberalen Unabhängigkeitsaufstandes in Unterkanada (Quebec). 1837/47 Exil in den USA und Frankreich.

Papinianus, Aemilius, um 140-212 (ermordet), römischer Staatsmann, einer der bedeutendsten römischen Juristen; bekannt durch seine vom Kaiser autorisierten Rechtsgutachten in Einzelfragen.

Papist: Anhänger des Papsttums; besonders von den Protestanten im 16./17. Jahrhundert abwertend für die Katholiken gebraucht.

Pappatacifieber, Dreitagefieber, Hundskrankheit, Sommerfieber: durch Pappatacifieber Viren hervorgerufene und durch Phlebotomus Mücken übertragene gutartige, mit hohem Fieber verbundene Infektionskrankheit der warmen Länder.

Pappe: flächiger, im Wesentlichen aus Fasern vorwiegend pflanzlicher Herkunft durch Entwässern einer Faserstoffsuspension auf einer Papier- (beziehungsweise Pappen-) Maschine gebildeter Werkstoff mit einem Massebelag von 500 bis 2000 g/m2 und mehr. Die Einteilung der Pappe erfolgt nach unterschiedlichen Gesichtspunkten:

a) nach Rohstoffen in Pappe aus Holzschliff, Pappe aus Altpapier unter anderem;

b) nach Herstellung in Handpappe und Maschinenpappe: Handpappe (Wickelpappe) ist eine auf einer Rundsiebmaschine mit lediglich einem Zylinder durch Aufwickeln der Papierbahn auf einer Formatwalze auf die gewünschte Dicke erzeugte, von Hand oder pneumatisch abgenommene Pappe, Maschinenpappe wird auf endlosen Bahnen auf Langsieb-, Rundsiebmaschinen und Kombinationen erzeugt;

c) nach Eigenschaften in Hart- und Weichpappe. Zu den Hartpappe gehören Graupappe, Schuhpappe, Kofferpappe, Pressspan unter anderem; zu den Weichpappe Dachpappe, Rohpappe, Matrizenpappe, Strohpappe unter anderem Wellpappe besteht aus glatten und gewellten Papierbahnen, die miteinander verklebt sind. Siehe auch Karton.

Pappel, Populus: Gattung zweihäusiger, zu den Weidengewächsen gehörender Laubbäume, schnellwüchsig; hierzu Schwarzpappel (Populus nigra), Silberpappel (Populus alba), Zitterpappel oder Espe (Populus tremula).

Pappelbock, Saperda populnea: mitteleuropäischer Bockkäfer, Vollkerfe bis 15 mm lang, Flügel grünlich mit schwarzen Flecken; Larvenentwicklung erfolgt in Ästen von Pappeln, wodurch Zweiggallen entstehen.

Pappenheim, Gottfried Heinrich Graf zu, 29.5.1594-17.11.1632, kaiserliche Reitergeneral im Dreißigjährigen Krieg; erstürmte mit seinen Soldaten 1631 Magdeburg; in der Schlacht bei Lützen tödlich verwundet.

Pappguss: Verfahren, bei dem durch Pressen einer Papierstoffaufschwemmung in einer auseinanderklappbaren, mit feinen Löchern versehenen Form Massenverpackungsmaterial (Eimer, Flaschen) hergestellt wird.

Paprika, Spanischer Pfeffer, Capsicum annuum: aus den tropischen Amerika stammendes einjähriges Nachtschattengewächs mit gelblichweißen oder violetten Blüten und vitaminreichen Beerenfrüchten, die als Gewürz- oder Gemüsepaprika genutzt werden.

Papst, (griechisch, «Vater») Heiliger Vater, ursprünglich Anrede des Bischofs und der Priester überhaupt; seit dem 5. Jahrhundert Titel des Bischofs von Rom, der als solcher den Primat über die Gesamtkirche beanspruchte. 754/1870 war der Papst zugleich der weltlichen Herrscher des mittelitalienischen Kirchenstaates, seit 1929 besitzt er nur die Vatikanstadt als weltliches Territorium. Siehe auch Konklave.

Papua: dunkelhäutige und kraushaarige Bevölkerung Neuguineas und einiger vorgelagerter Inseln, die nichtmelanesisches, aber auch untereinander nicht verwandte Sprachen spricht, sonst jedoch anthropologisch und kulturell den ) Melanesiern nahesteht; über 3 Millionen; Bodenbauer, Fischer und Sammler, zum Teil auch Jäger; außerhalb der wenigen Administrations- und Wirtschaftszentren, vor allem im zentralen Hochland Neuguineas, leben einige Stämme noch weitgehend im Stadium der Urgesellschaft; Animismus, Ahnenkult und Geisterglauben bestimmen das religiöse Leben.

Papua-Neuguinea: Staat (parlamentarische Monarchie) in Ozeanien (Melanesien), auf dem östlichen Teil von Neuguinea sowie auf etwa 30 größeren und zahlreichen kleinen vorgelagerten Inseln und Inselgruppen des Bismarckarchipels, der nördlichen Salomonen (mit Bougainville), des Louisiade Archipels, der D’Entrecasteaux-, Trobriand-Inseln unter anderem. Grenzt im Westen an Indonesien. Verwaltungsmäßig in 19 Provinzen und ein Hauptstadtterritorium gegliedert. Währung ist Kina.

Bevölkerung: Sie besteht aus über 700 Stämmen (Melanesier, Papua) mit etwa 1000 verschiedenen Sprachen und Dialekten. Etwa zwei Drittel der Bewohner sind Analphabeten. Amtssprache ist Englisch. Natur. Der östliche Teil Neuguineas wird von weiten und zum Teil versumpften Schwemmlandebenen bedeckt und von einem bis 4 697 m hohen Gebirge durchzogen, die umliegenden Inseln sind vulkanische Entstehung oder werden von Korallen aufgebaut. Das Klima ist feuchttropisch. Das Land ist zu etwa 70 % bewaldet und wird von zum Teil energiereichen Flüssen durchzogen. Die reichen Naturressourcen (Gold, Kupfer, Erdöl, Silber, Mangan, Zinn, Wasserkräfte, Holz unter anderem) sind noch weitgehend unerschlossen. Wirtschaft Papua-Neuguinea ist eines der wirtschaftlich am schwächsten entwickelten Länder und befindet sich noch in starker neokolonialistischer Abhängigkeit von ausländischen Monopolen (Australien, Japan, Großbritannien, USA). Teile der Bevölkerung leben unter steinzeitlichen Bedingungen. Etwa 70% der Einwohner sind in der noch äußerst rückständigen Landwirtschaft beschäftigt und leben weitgehend unter den Bedingungen der Naturalwirtschaft. Für den Eigenbedarf Anbau von Yams, Taro, Süßkartoffeln, Reis, Bohnen, Erdnüssen, Zuckerrohr, in Plantagen (größtenteils noch im Besitz ausländischer Siedler) für den Export von Kokospalmen (Kopra, Kokosöl), Kakao, Kaffee, Kautschukbäumen und Tee. Zunehmende Bedeutung gewinnen Waldnutzung und Viehwirtschaft (Rinder); Küstenfischerei. Neben der Landwirtschaft ist der Bergbau (Kupfer, Gold) durch internationale Monopole, besonders auf Bougainville (Panguna) und Neuguinea (Ok Tedi), Wirtschaftsgrundlage. Die Verarbeitungsindustrie steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Verkehrsmäßig ist Papua-Neuguinea wenig erschlossen. Es gibt keine Eisenbahn. Viele Gebiete sind nur durch Flugzeuge erreichbar. Hauptflughafen ist Port Moresby, wichtigste Seehäfen sind Port Moresby und Lae. Ausfuhr von Kupfererz, Agrarprodukten, Kautschuk und Holz, Einfuhr von Maschinen und Ausrüstungen (fast ein Drittel des Wertes), Lebensmitteln und Brennstoffen; Haupthandelspartner sind Australien und Japan.

Geschichte: Papua-Neuguinea ist seit dem Paläolithikum besiedelt. Im 16./19. Jahrhundert von Europäern entdeckt und erforscht; der Ostteil Neuguineas wurde 1884 zwischen Großbritannien (S) und Deutschland (N) aufgeteilt; der britische Teil (Papua) wurde 1901 dem Australischen Bund unterstellt, der deutsche Teil 1914 von australischen Truppen besetzt und seit 1920 als Völkerbundsmandat beziehungsweise seit 1947 als UN-Treuhandgebiet von Australien verwaltet, das 1949 die administrative Einheit Papua und Neuguinea (seit 1971 Papua-Neuguinea) bildete. Aus der Verteidigungsbewegung gegen die japanische Besetzung (1942/45) ging die Unabhängigkeitsbewegung hervor, die 1973 innere Selbstverwaltung und am 16.9.1975 die Unabhängigkeit erkämpfte und gegen die separatistischen Bestrebungen auf Bougainville verteidigte.

Papyrolin: mit Textilgewebe ein- oder beiderseitig beklebtes Papier von hoher Reißfestigkeit für Versandtaschen, dauerhafte Urkunden, Landkarten unter anderem

Papyrus: Beschreibstoff aus dem senkrecht und waagerecht übereinander gepressten Halmmark der Papyrusstaude. Das so gewonnene Papyrusblatt von etwa 20 bis 25 cm Breite und 30 cm Höhe zeigt eine weißgelbe Färbung. Mehrere Blätter wurden zu Rollen verarbeitet, deren Innenfläche beschrieben wurde. Papyrus war das bevorzugte Schreibmaterial der Ägypter (seit etwa 3. Jahrhundert vor Christus) und der griechisch-römischen Antike (seit dem 5. Jahrhundertvor Christus).

Pará: (indianisch, «Wasser») 1. Bundesstaat im Norden Brasiliens; 1250722 km2, 3,4 Millionen Einwohner; 3 Einwohner/km2; Hauptstadt Belim. Pará umfasst die riesige Schwemmlandebene des unteren Amazonas mit dem Delta und der Insel Marajo, im Norden befinden sich die Ausläufer des Berglandes von Guayana, im Süden die des Brasilianischen Berglandes; bei tropischen Klima größtenteils von immergrünem tropischen Regenwald bedeckt; sehr dünn besiedelt. Rückständiges Agrargebiet mit Sammelwirtschaft, zum Beispiel Kautschuk, Holz, Paranüsse, Harze und Palmölfrüchte; Anbau von Jute (60% der Ernte Brasiliens), weiterhin von Reis, Maniok, Mais, Bohnen, Zuckerrohr, Baumwolle unter anderem; in den Grasländern, besonders auf Marajo, Viehzucht. Gering entwickelte Industrie, vorwiegend auf die Verarbeitung von Produkten der Agrar- und Waldwirtschaft beschränkt; in Belem auch Schiffbau; Nationalparks Xingu und Cochinana mit zum Teil indianischer Bevölkerung.

Parabel: (griechisch, «Gleichnis»)

1. Literatur: a) lehrhafte Dichtung berichtend erzählenden Charakters, die moralische Erkenntnis durch Vergleich zu fördern sucht; seit dem Altertum (Neues Testament) und in der älteren Volksliteratur bekannt; deutsche Parabel unter anderem von J. G. Herder, J. W. Goethe und G. E. Lessing (Ringparabel in « Nathan der Weise»);

b) lehr- und gleichnishafte, Wesentliches besonders sinnfällig vorführende dramatische Form, zum Beispiel im epischen Theater (B. Brecht, «Der kaukasische Kreidekreis»). Auch bürgerliche Autoren (F. Dünenmatt, M. Frisch, S. Beckett) nutzen die Parabel

2. Mathematik: Kegelschnitt; ebene Kurve, deren Punkte P vom Brennpunkt F und der Leitlinie l jeweils gleichen Abstand haben. Das Lot von F auf l, die Parabelachse, ist Symmetrieachse der Parabel, S heißt Scheitel, p =FL\ Halbparameter. In einem xj>-Koordinatensystem mit Scheiteltangente und Parabelachse als Koordinatenachsen ist x2 = 2py die Gleichung der Parabel. Der achsenparallele Strahl a mit dem Anfangspunkt P und der Brennstrahl PF bilden mit der Tangente t in P Winkel gleicher Größe tx; siehe auch Paraboloid.

parabolisch: gleichnishaft, gleichnisweise.

Paraboloid: Fläche 2. Ordnung mit einer Symmetrieachse z, deren Schnitte mit allen z enthaltenden Ebenen im Allgemeinen Parabeln sind. Schnitte mit allen zu z orthogonalen Ebenen sind beim hyperbolischen Paraboloid im Allgemeinen Hyperbeln, beim elliptische Paraboloid Ellipsen und beim Rotationsparaboloid Kreise. Siehe auch Sattelpunkt.

Parabolspiegel: Konkavspiegel, der aus einem Rotationsparaboloid besteht. Der Parabolspiegel vereinigt ein achsparalleles Strahlenbündel im Brennpunkt. Der Parabolspiegel wird unter anderem bei Scheinwerfern und als Fernrohrobjektiv eingesetzt.

Parabraunerde: anhydromorpher Bodentyp; Übergangsboden zwischen Fahlerde und Braunerde.

Paracelsus, eigentlich Theophrastus Bombastus von Hohenheim, 10.11.1493-24.9.1541, Arzt, Naturforscher und Philosoph; Wegbereiter der neuzeitlichen Medizin; wandte sich schärfstens gegen die bis dahin gültigen medizinischen Autoritäten mit Ausnahme von Hippokrates; zog die meiste Zeit seines Lebens als Wander- oder Wundarzt mit Schülern oder Soldaten durch ganz Europa; beobachtete und beschrieb Syphilis und Pest und führte chemische Heilmittel ein; durch seine Vorlesungen in deutscher Sprache, in der auch vorwiegend seine medizinischen Schriften abgefasst sind, wollte er seine Erkenntnisse dem Volk zugänglich machen. In seinen philosophischen Schriften mischt sich naturwissenschaftliches medizinisches Denken mit pantheistische, mystische Vorstellungen. Als Reformator der Medizin und Interessenvertreter der Unterdrückten wurde er wegen Ketzerei und als Aufrührer von der feudalen Reaktion verfolgt.

Parachor: das Produkt aus dem molaren Volumen V und der 4. Wurzel der Oberflächenspannung a von Flüssigkeiten. Der Parachor einer chemischen Verbindung setzt sich additiv aus entsprechenden Atom- und Bindungswerten zusammen und kann so zur Konstitutionsaufklärung des Moleküls beitragen.

Parade:

1. Militärwesen: Aufstellung oder Vorbeimarsch von Truppen, Vorbeiflug von Flugzeugverbänden, Aufstellung von Kriegsschiffen zu festlichen Anlässen; Feldparade zum Manöver Abschluss.

2. Sport: allgemein Abwehraktion.

3. Pferdesport: Einwirkung des Reiters, um das Pferd zu kurzzeitigem Verhalten, höherer Versammlung, Mäßigung des Tempos oder Übergang zum Schritt (halbe Parade) beziehungsweise zum Stand zu bringen (ganze Parade).

Paradies: (persisch, «Umzäunung», «Garten») 1. in vielen Religionen verbreitete phantastische Vorstellung eines Ortes des ungetrübten Glücks (meist nach dem Tode) als Belohnung für ein Leben gemäß den Geboten der Religion; im Alten Testament Name für den Garten Eden (mythische Urzeit); Gegensatz zur Hölle.

2. Baukunst: Atrium.

Paradiesvögel, Paradisaeidae: Familie drossel- bis krähengroßer Singvögel der Wälder Neuguineas, Nordaustraliens und der Maluku; Männchen mit sehr verschieden gestalteten Schmuckfedern, deren Pracht zur Balz entfaltet wird. Der 20 cm lange Wimpelträger (Pteridophora alberti) besitzt am Hinterkopf jederseits eine 40 cm lange, aus Hornplättchen bestehende Federfahne; 70 cm lang ist der Schwanz des Sichelschnabels (Epimachus meyeri), dessen Körper 45 cm misst; hühnergroß ist der Fadenkopf (Seleucidis melanoleuca).

Paradigma: Wissenschaftstheorie in einer Wissenschaft oder Epoche vorherrschende und beispielgebende Theorie, Konzeption oder Denkweise; zum Beispiel galt die klassische Mechanik als Paradigma für die klassische Physik. Ein Paradigma bestimmt die Wahl spezifischer Fragestellungen und Problemlösungsstrategien. Es wird so lange akzeptiert, wie es zu theoretisch fruchtbaren und praktisch erfolgreichen Lösungen führt.

Paradoxites: im mittleren Kambrium häufiger, großer, stark bestachelter Trilobit; Leitfossil.

Paradoxon:

1. Physik: Erscheinung oder Aussage, die der oberflächlichen Erwartung widerspricht, sich bei genauerer Untersuchung jedoch auf bekannte Gesetze zurückführen lässt; zum Beispiel das hydrostatische, das hydrodynamische und das Uhrenparadoxon.

2. Stilistik: verschiedene Arten bewusst zwischen «Gesagtem» und «Gemeintem» kontrastierender Ausdrucksweise. Siehe auch Litotes, Oxymoron.

Paraffin: im weiteren Sinne Bezeichnung für alle 1 Alkane; im engeren Sinne ein Gemisch fester Alkane. Gereinigtes Paraffin ist weiß, geschmack- und geruchlos, wachsartig, unlöslich in Wasser, löslich zum Beispiel in Benzin, Tetrachlormethan und Äther. Es ist sehr reaktionsträge, zum Beispiel resistent gegenüber Säuren und Basen. Man gewinnt Paraffin aus Erdöl, Braunkohlenschwelteer oder Erdwachs. Hartparaffin mit etwa 20 bis 30 Kohlenstoffatomen im Molekül (oberhalb 50 °C) wird nahezu ausschließlich für Kerzen, Weichparaffin mit etwa 12 bis 20 Kohlenstoffatomen (35 bis 50 °Q zum Beispiel für Lederpflegemittel, Zündhölzer, Pharmazeut. Produkte und zur technischen Herstellung von Fettsäuren verwendet (Paraffinoxydation).

Paraffinöl: farb-, geruch- und geschmackloses, hochsiedendes Gemisch flüssiger Paraffinkohlenwasserstoffe. Paraffinöl wird aus entsprechenden Erdölfraktionen gewonnen und als Schmierstoff sowie pharmazeutisch verwendet.

Paraffinoxydation: technisches Verfahren zur Herstellung von Fettsäuren, bei dem in Gegenwart von katalytisch wirkenden Manganverbindungen bei 100 bis 130 °C Luft durch eine Paraffinschmelze geblasen wird. Das hierbei reichlich entstehende Fettsäuregemisch mit etwa 10 bis 20 Kohlenstoffatomen im Molekül wird zur Herstellung waschaktiver Substanzen verwendet.

Paraformaldehyd, Kurzwort Paraform: Polymerisationsprodukt des Formaldehyds; ein stechend nach Formaldehyd riechendes Pulver mit antiseptischen Eigenschaften.

Paraganglien: mit dem vegetativen Nervensystem verbundene, meist größeren Blutgefäßen anliegende Zellkomplexe; zu unterscheiden sind chromaffine Paraganglien (chromaffine Zellen) und nichtchromaffine Paraganglien

Paragraph, Zeichen §: nummerierter Abschnitt in Rechtsvorschriften, Verträgen, wissenschaftlichen Werken und so weiter

Paraguaná: Halbinsel im Nordwesten Venezuelas (Bundesstaat Falcón), östlich des Golfs von Venezuela; 60 km lang, 50 km breit; durch die Médano Landenge mit dem Festland verbunden; bedeutende Erdölraffinerien und -exporthäfen Amuay, Las Piedras, Punto Fijo, El Cardón.

Paraguay: (indianisch, «Papageienfluss») rechter und größter Nebenfluss des Paraná (Südamerika); 2230 km, Einzugsgebiet 1,1 Millionen km2; entspringt, im Mato Grosso (Brasilianisches Bergland), durchfließt im Oberlauf die stark versumpfte Schwemmlandebene Pantanal. Nebenflüsse rechts Pilcomayo, Rio Bermejo; streckenweise Grenzfluss zwischen der Republik Paraguay und Brasilien beziehungsweise Argentinien; 2 200 km schiffbar.

Paraguay, Republik Paraguay: Binnenstaat in Südamerika, beiderseits des Flusses Paraguay; wird im Norden und Nordwesten von Bolivien, im Osten von Brasilien und im Süden und Südwesten von Argentinien begrenzt; verwaltungsmäßig in 19 Departements unterteilt, die Hauptstadt Asunción bildet einen besonderen Distrikt. 95% der Bevölkerung sind Guarani Mestizen, 2 % Indianer, 2 % Kreolen unter anderem; Amtssprache ist Spanisch, Verkehrssprache Guarani; etwa 70 % Analphabeten; Währung ist der Guarani. Natur. Im Osten befinden sich Ausläufer des Brasilianischen Berglandes, die sich hier in der bis zu 700 m hohen Sierra Amambay und der Cordillera de Caaguazu fortsetzen. Den zentralen Teil bilden die Überschwemmungsebenen beiderseits des Paraguay mit ausgedehnten Sumpfgebieten, die in den Gran Chaco übergehen, der nach Westen (Chaco Boreal) immer trockener wird und Trockenwälder, Fächerpalmenhaine sowie Dombuschvegetation trägt. Die Höchsttemperaturen werden mit +44 °C im subtropischen Bereich an der Mündung des Paraguay gemessen, das Minimum beträgt -1,7°C; der Osten ist mit 2000 mm Jahresniederschlag feuchter als der Westen (800 mm). Bedeutende Flüsse sind der Paraguay und der Paraná. Etwa 50% des Territoriums sind mit Wald bedeckt, der aber nur gering forstwirtschaftlich bearbeitet wird. Bisher erkundete Bodenschätze werden kaum genutzt (Erdöl, Eisen-, Mangan-, Zink-, Kupfererz, Talk, Marmor, Granit, Basalt, Sandstein, Kalk); 75% der erschlossenen Vorkommen sind durch Konzessionen an Auslandsmonopole vergeben.

Paraiba: Bundesstaat im Nordosten Brasiliens; 56372 km2, 2,8 Millionen Einwohner; 50 Einwohner/km2; Hauptstadt Joao Pessoa. An der Küstenabdachung zum Atlantischen Ozean tropischer Wälder, in den großen Trockengebieten des Brasilianischen Berglandes Domwälder (Caatinga). Die Landwirtschaft kann hier nur im Bewässerungsfeldbau betrieben werden; angebaut werden Baumwolle, Ananas, Sisal, Bananen, Zitrusfrüchte, Zuckerrohr, Reis, Mais, Bohnen; extensive Viehzucht. Die Industrie ist noch wenig entwickelt (Zement-, Textil-, Schuh-, Tabak-, Nahrungsmittelindustriebetriebe); Bevölkerungsabwanderung wegen geringer Industrialisierung des Gebietes und häufig auftretender Dürreperioden.

Parakautschukbaum, (nach dem Staat Pará) Hevea brasiliensis: Wolfsmilchgewächs des Amazonasgebiets; heute wichtigste Kautschukpflanze der Tropen.

Parakou: Stadt (Departements Zentrum) im mittleren Teil Benins; 35000 Einwohner; landwirtschaftliches Handelszentrum am Endpunkt einer Eisenbahnlinie von Cotonou; Baumwoll-, Holzverarbeitung; Flughafen.

Páral, Vladimir, geboren 10.8.1932, tschechischer Schriftsteller; arbeitete als Chemieingenieur 13 Jahre in Usti nad Labem, dem Hauptschauplatz seiner Romane. Im Mittelpunkt des ersten Zyklus (unter anderem «Der private Wirbelsturm», 1966, deutsch) stehen Ursachen und Folgen von Selbstgenügsamkeit. In «Der junge Mann und der weiße Wal» (1973, deutsch), «Freude bis zum Morgen» (1975) und «Das Generalwunder» (1978) gestaltete Páral das Ringen um eine schöpferische Arbeits- und Lebenshaltung.

Paralipomena: (griechisch, «Ausgelassenes») Ergänzungen, Nachträge (zu wissenschaftlichen Werken).

paralisch: (griechisch) in Küstennähe entstanden, der Küste zugehörig.

Parallaxe: (griechisch, «Abweichung»)

1. Astronomie: der Winkel zwischen 2 von verschiedenen Beobachtungsorten zu demselben Punkt gerichteten Geraden, also der Winkel, unter dem die Verbindungslinie der beiden Orte vom beobachteten Punkt aus erscheint. Bei der täglichen Parallaxe erfolgt eine Veränderung des Beobachtungsortes durch die tägliche Drehung der Erde, bei der jährlichen Parallaxe durch die Bewegung der Erde um die Sonne. Die Parallaxe eines Gestirns wird als Maß für seine Entfernung benutzt, die umso größer ist, je kleinere Werte die Parallaxe hat. Die Entfernungsbestimmung der Fixsterne beruht auf der jährlichen Parallaxe Da sich dabei nur Winkel größer als 0,01" mit genügender Sicherheit bestimmen lassen, können nur Entfernungen bis 100 pc mit dieser trigonometrischen Methode gemessen werden. Auch bei Methoden, bei denen keine Winkel gemessen werden, spricht man von Parallaxenbestimmung und gibt die Entfernungen in t Parsec an. Die ersten Fixsternparallaxen wurden 1838 unabhängig voneinander von F. W. Bessel, W. Struve und T. Henderson bestimmt.

2. Fotografie: Abweichung zwischen dem Bildausschnitt im Sucher und auf dem Film, wenn Sucherachse und optischer Achse des Objektivs nicht übereinstimmen. Die Parallaxe lässt sich durch Schwenken des Suchers korrigieren; sie tritt bei einäugigen Spiegelreflexkameras nicht auf.

3. Optik: scheinbare Verschiebung von Objekten unterschiedlicher Sehweite beim Verändern der Sehrichtung. Die Parallaxe führt zu Fehlmessungen mit Zeigermessinstrumenten, wenn der Zeiger nicht in der Ebene der Skale liegt und nicht senkrecht zur Skale abgelesen wird.

parallel: 1. allgemein gleichlaufend; genau entsprechend.

2. Geometrie: Eigenschaft von Geraden und Ebenen; 2 Geraden sind parallel, falls sie in einer Ebene liegen und keinen Schnittpunkt haben; 2 Ebenen sowie eine Ebene und eine Gerade sind parallel, falls sie keinen Schnittpunkt haben. Siehe auch Parallelenaxiom.

Parallelbetrieb:

1. Elektrotechnik/Elektronik: Betrieb parallelgeschalteter elektrischer Spannungsquellen (zum Beispiel Akkumulatoren, Generatoren, Transformatoren) oder Bauelemente (zum Beispiel Thyristoren, Transistoren, Widerstände) zum Erreichen hoher Leistungen; Voraussetzungen sind gleiche Spannung, gleicher Spannungsabfall bei Belastung und geringe Leistungsunterschiede der Spannungsquellen.

2. Parallelbetrieb, parallele Verarbeitung: Rechentechnik Arbeitsweise eines Rechenautomaten, bei der mehrere Programme gleichzeitig, zeitmultiplex oder durch Prioritäten geordnet ausgeführt werden. Die letztgenannte Arbeitsweise nutzt den Umstand, dass Rechen- und Steuerwerk eines Rechenautomaten bei der Arbeit peripherer Geräte stillstehen. Programme mit niedriger Priorität heißen Hintergrund-, solche mit hoher Priorität Vordergrundprogramme. Zeitmultiplexe Arbeitsweise (Time-sharing) ist b<-i Datenfernverarbeitung üblich. Gleichzeitige Ausführung mehrerer Programme setzt Rechner voraus, die nicht seriell arbeiten (siehe auch Serienverarbeitung).

3. Sport: methodisch-organisatorisches Verfahren des Übungsablaufs im Sportunterricht und Training, bei dem die Teilnehmer parallel an gleichen Stationen (Geräten, Anlagen) üben, wobei Unterschiede im Leistungsvermögen und in den Körperbaumerkmalen berücksichtigt werden.

Parallele: vergleichende Gegenüberstellung, Vergleich.

Parallelenaxiom, Parallelenpostulat: die Behauptung, dass es zu jeder Geraden g und jedem Punkt P außerhalb g genau eine Gerade durch P gibt, die zu g parallel ist. Das Parallelenaxiom ist im Wesentlichen das 5.Postulat in Euklid von Alexandrias «Elementen». Jahrhundertelang gab es erfolglos Beweisversuche; die Unbeweisbarkeit des Parallelenaxiom aus den übrigen Axiomen der euklidischen Elementargeometrie folgte erst aus der Existenz nichteuklidischer Geometrien.

Parallelepiped, Parallelflach, Spat: Körper, dessen Oberfläche von 6 Parallelogramm Flächen gebildet wird, von denen je 2 in parallelen Ebenen liegen und kongruent sind. Sind alle Seitenflächen Rechtecke, heißt das Parallelepiped Quader. Bei einem geraden Parallelepiped sind alle Seitenflächen, die nicht Grund- oder Deckfläche sind, Rechtecke. Sind alle Seitenflächen kongruente Rhomben, so heißt das Parallelepiped ein Rhomboeder.

Parallelismus: 1. allgemein Gleichförmigkeit, Übereinstimmung, Entsprechung zwischen Verschiedenem.

2. Stilistik: Wiederholung der Satz- oder Wortgruppenstruktur, des gleichen oder eines synonymen Ausdrucks.

Parallelkreis:

1. Astronomie: zum Himmelsäquator oder zur Ekliptik parallel verlaufender Kreis an der Himmelskugel.

2. Geometrie: Drehfläche.

3. Kartographie: Breitenkreis.

Parallelogramm: ebenes Viereck, dessen gegenüberliegende Seiten parallel und daher gleich lang sind. Die einander gegenüberliegenden Winkel des Parallelogramm sind gleich groß; die beiden Diagonalen des Parallelogramm halbieren sich im Mittelpunkt des Parallelogramm Der Flächeninhalt der Parallelogramm Fläche ist das Produkt aus Grundlinienlänge und zugehöriger Höhe. Siehe auch Quadrat, Rechteck, Rhomboid, Rhombus.

Paralleltonarten: unscharfer Begriff für die mit gleichen Vorzeichnungen versehenen Dur- und Molltonarten, zum Beispiel G-Dur und e-Moll mit je einem

Paralyse: vollständige motorische Lähmung, die bei längerem Bestehen zu Muskelschwund fuhrt. Progressive Paralyse ist die Spätform der Syphilis mit etwa 10 bis 20 Jahre nach Infektion beginnender, allmählich fortschreitender Zerstörung der Großhirnrinde.

paralysieren: lähmen, schwächen; aufheben, unwirksam machen.

Paramagnetismus: Eigenschaft vieler Stoffe, in einem Magnetfeld eine in Feldrichtung zeigende Magnetisierung anzunehmen; beruht auf dem Vorhandensein permanenter magnetischer Dipolmomente infolge unvollständig besetzter Elektronenschalen. Diese magnetischen Momente sind wegen der Wärmebewegung ungeordnet; im Magnetfeld stellen sie sich jedoch bevorzugt parallel zur Feldrichtung ein. Paramagnetische Stoffe (zum Beispiel Aluminium, Sauerstoff) werden in ein inhomogenes Magnetfeld hineingezogen, ihre magnetische Suszeptibilität ist positiv. Der Paramagnetismus überdeckt den stets vorhandenen Diamagnetismus. Permanente magnetische Momente von Atomkernen verursachen den Kern(para)magnetismus. Siehe auch Magnetismus, Superparamagnetismus.

Paramaribo: Hauptstadt von Suriname, nahe der Mündung des Suriname in den Atlantik; wächst mit Nieuw Amsterdam zusammen; 170000 Einwohner; Holzverarbeitung, Leichtindustrie, Aluminiumwerk, Nahrungsmittelindustrie; Seehafen, internationaler Flughafen.

Paramedizin: wissenschaftlich widerlegte beziehungsweise unbegründete Verfahren zur Behandlung von Krankheiten, oft mit unseriösen Prozeduren verbunden, die mit der ärztlichen Sorgfaltspflicht nicht immer zu vereinbaren sind. Gelegentliche Heilerfolge sind überwiegend durch Suggestion, spontane Besserungen o. ä. erklärbar. Die bekanntesten paramedizinischen Behandlungsweisen im europäischen Raum sind Homöopathie, Akupunktur und Neuraltherapie.

Parameter: a) bei Funktionen neben den eigentlichen Variablen auftretende Hilfsveränderliche, mit deren Hilfe eine ganze Schar von Funktionen unter einem analytischen Ausdruck zusammengefasst wird. Man erhält zum Beispiel in der Funktion y= (xI)1 für jeden Wert des Parameters eine Parabel,

b) bei der Darstellung einer Kurve oder Fläche auftretende Hilfsveränderliche, durch die die Koordinaten ihrer Punkte als Funktionen dieses Parameters dargestellt werden. So liefert zum Beispiel jeder im Intervall gelegene Wert des Parameters in der Darstellung einen Punkt des Kreises.

Parameterschwingung: Schwingung, die durch periodische Änderung gewisser Eigenschaften (Parameter) eines schwingungsfähigen Systems entsteht, zum Beispiel die Transversalschwingung einer Saite bei periodischer Änderung ihrer mechanischen Spannung. Bei bestimmten Verhältnissen der Eigenfrequenz des Systems zur Frequenz der Parameteränderung tritt parametrische Resonanz ein; angewandt in parametrischen Generatoren und Verstärkern.

parametrischer Verstärker, Reaktanz Verstärker: ein Verstärker, insbesondere für den Höchstfrequenzbereich, bei dem durch eine sogenannt Pumpspannung die Kapazität in einem Resonanzkreis periodisch geändert wird. Dadurch kann einem an dem Kreis anliegenden Signal bei geeigneter Phasenlage zwischen Signal- und Pumpspannung Energie aus dem Pumposzillator zugeführt werden. Der parametrische Verstärker zeichnet sich durch geringes Eigenrauschen aus.

Parametritis: durch Infektion entstandene sehr schmerzhafte Entzündung des Beckenbindegewebes. Die Einwanderung der Bakterien erfolgt meist über die Lymphbahnen. Die Behandlung erfolgt durch Antibiotika.

Parametrium: seitlich der Gebärmutter liegendes, von Bauchfell überzogenes Beckenbindegewebe.

Paramnesie: Erinnerungstäuschung, bei der neue mit früheren, bekannten Eindrücken verwechselt werden.

Páramo: (spanisch, «Ödland») der durch Grasfluren geprägte Vegetationstyp tropischer Gebirge oberhalb der Waldgrenze mit feuchtnebligem, kaltem Klima; ursprünglich für die spanische Hochebene, dann unter anderem für die Anden gebraucht.

Paramoudra, Saßnitzer Blumentopf: tonnenförmige Feuersteinkonkretion um einen bis 20 cm dicken Kreidekern, der vom Grabgang eines Tieres durchzogen wird; häufig in der Oberkreide, zum Beispiel der Insel Rügen.

Paraná: 1. Strom im südöstlichen Südamerika; mit dem Rio de la Plata 4700 km, Einzugsgebiet 2,7 Millionen km2; entspringt mit den Quellflüssen Paranaiba und Rio Grande im Brasilianischen Bergland, durchfließt im Unterlauf in einem breiten, stark versumpften Tieflandgebiet die Pampas und mündet mit einem Delta in den Rio de la Plata; im Mittellauf teilweise grenzbildend zwischen Paraguay und Brasilien und zwischen Paraguay und Argentinien. Nebenflüsse rechts Paraguay, Salado; links Tieté, Paranapanema, Iguancu. Die wichtigsten Wasserfälle sind die Urubupungá-Fälle, die im Urubupungá-Projekt zum Ilha-Solteira-See (1130 km2, 19 Md. m3, Kraftwerk 2 560 MW) und Jupia-See (351km2, 3,7 Md. mJ, Kraftwerk 1200 MW) aufgestaut sind, sowie die insgesamt 117 m hohen Sete Quedas-Fälle, die dem Bau des Kraftwerkes Itaipú (mit 12 600 MW größtes der Welt) weichen müssen. Der Paraná besitzt mit seinen Nebenflüssen das bedeutendste Wasserkraftpotential Südamerikas (über 30000 MW); für Seeschiffe bis Santa Fé (600 km), für kleinere Schiffe bis zur Mündung des Iguafu befahrbar; zwischen Santa Fé und Paraná 3 unterquert ein 2.6 km langer Straßentunnel den Fluss.

2. Bundesstaat im Süden Brasiliens; 199 554 km2, 7.6 Millionen Einwohner; 38 Einwohner/km2; Hauptstadt Curitiba, In der feuchtheißen atlantische Küstenebene und am Steilabfall der Serra do Mar tropischer Regenwald, im inneren Hochland bei subtropischen Klima Savannen. Auf fruchtbaren Roterdeböden Anbau von Kaffee (über 50 % der Ernte Brasiliens), Zuckerrohr, Baumwolle, Sojabohnen, Kartoffeln, Reis, Getreide; bedeutendes Viehzuchtgebiet; stark entwickelter Bergbau (Abbau von Steinkohle, Eisen-, Bleierz, Ölschiefer). Verarbeitung von Agrarprodukten, Holz-, Papier- und Tabakindustrie.

3. Stadt (Provinzzentrum) in Argentinien, am linken Ufer des Paraná 1; 160000 Einwohner; Lebensmittel-, Leder-, Tabakindustrie; Flusshafen, Straßentunnel unter dem Paraná 1 nach Santa Fé; Universität.

Paranaguá: Stadt im Bundesstaat Paraná (Brasilien), an tiefeingeschnittener Bucht am Fuße der Serra do Mar; 70000 Einwohner; Holz-, Nahrungsmittelindustrie, Fischerei; größter Kaffee-Exporthafen Brasiliens, Flughafen.

Paranapanema: linker Nebenfluss des Paraná, in Brasilien; 900 km; entspringt im Brasilianischen Bergland und ist reich an Stromschnellen; an mehreren Stellen zur Energiegewinnung aufgestaut; die größten Stauseen sind Jurum (1430 km2, 6,5 Md.m3), Capivara (500 km2, 10,5 Md. m3) und Xavantes (400 km2, 8,8 Md. m3).

Parandowski, Jan, 11. 5. 1895-26. 9. 1978, polnischer Schriftsteller und Essayist; schrieb der Antike gewidmete Romane («Der olympische Diskus», 1933, deutsch; «Der Sohn des Verbannten», 1955, deutsch) und Erzählungen («Mittelmeerstunde», 1949, deutsch; «Die Sonnenuhr», 1953, deutsch). Zu seinen bedeutenden Leistungen gehören der vielbeachtete Zeitroman «Himmel in Flammen» (1936, deutsch) sowie Reisebetrachtungen, Skizzen und Essays.

Perinephritis: eitrige Entzündung des die Niere umgebenden Fettgewebes; Einschmelzung führt zum paranephritischen Abszess.

Paranoia, Paraphrenie (beide griechisch): Wahnkrankheit, wobei die formalen Denkprozesse und das Affektleben außerhalb des meist systematisierten Wahnsystems weitgehend erhalten sind. Dieses psychopathologische Syndrom ist entweder eine spezifische Form der Schizophrenie oder das Ergebnis einer schwerwiegenden neurotischen Entwicklung.

Paranuss: (nach dem Staat Pará) hartschaliger, wohlschmeckender ölhaltiger Samen des südamerikanischen Brasilnuss- oder Paranussbaumes (Bertholletia excelsa); zu mehreren in sehr großen Kapselfrüchten.

paraphieren: (französisch griechisch) ein diplomatisches Verhandlungsergebnis (Text eines völkerrechtlichen Vertrages oder einzelne Artikel daraus) durch die Abzeichnung der Urkunde mit den Anfangsbuchstaben oder einer Abkürzung des Namens der bevollmächtigten Verhandlungsführer authentisch festlegen. Völkerrechtliche Verträge werden häufig zuerst paraphiert und später unterzeichnet.

Paraphimose: Abschnürung der Eichel des männlichen Gliedes durch die zurückgestreifte und zu enge Vorhaut.

Paraphrase:

1. Musik: virtuose Konzertfantasie über beliebte Melodien, meist Lieder oder Opernarien, sowie deren Übertragung auf andere Instrumente (zum Beispiel F. Liszts Opernparaphrasen für Klavier).

2. Stilistik: erweiternde, erklärende Umschreibung eines Textes, besonders biblische Texte.

Paraplasma: in das Protoplasma der Zelle eingelagerte Substanzen, zum Beispiel Lipide, Glykogen und Pigmente.

Parapluie: (französisch) veraltet Regenschirm.

Parapsychologie: Lehre, die unbewiesene beziehungsweise unerforschte psychische Erscheinungen (Hellsehen, Telepathie) unwissenschaftlich als «übernatürliche» Kräfte deutet.

Pararauschbrand: durch Bakterien (Clostridium septicum) hervorgerufene Wundinfektion, die bei Säugetieren, Vögeln und beim Menschen Vorkommen kann.

Parasit: (griechisch, «Mitessender») 1. Biologie: Schmarotzer.

2. ertragen jemand, der auf Kosten anderer Menschen lebt.

Parasitismus: Schmarotzertum; Merkmal des monopolistischen Kapitalismus. Der Parasitismus des Imperialismus zeigt sich unter anderem in der Tendenz, die Entwicklung der Produktivkräfte zu hemmen, in der Entstehung einer Finanzoligarchie, in ständig wachsenden Rüstungsausgaben und imperialistischen Kriegen. Immer mehr Kapitalisten verlieren jegliche Beziehung zum Produktionsprozess, werden für den Reproduktionsprozess überflüssig und entwickeln sich zu parasitären Rentiers. Der Parasitismus des Imperialismus findet auch in der durch den Kapitalexport und andere Maßnahmen vermittelten Ausplünderung ökonomisch schwach entwickelter Länder durch wenige große imperialistische Staaten seinen Ausdruck sowie darin, dass Teile des aus den Völkern herausgepressten Profits benutzt werden, um die Oberschichten der Arbeiterklasse zu bestechen, sie sozial besser zu steilen und so die materielle Grundlage für den Opportunismus in der Arbeiterbewegung zu legen.

Parasitosen: durch Parasiten verursachte Erkrankungen des Wirtsorganismus (Pflanze, Tier und Mensch).

Parasol: veraltet Sonnenschirm.

Parästhesie: Missempfindung in bestimmten Hautbezirken, die auch unabhängig von Sinnesreizen entstehen kann. Ursachen der Parästhesie sind unter anderem Nervenentzündungen und multiple Sklerose.

Parasympatholytika: Arzneimittel, die die Effekte einer Parasympathikus Erregung unterdrücken. Parasympatholytika oft mit Cholinolytika gleichgesetzt. Letztere hemmen die Wirkung des Überträgerstoffes Acetylcholin. Man unterscheidet direkte Parasympatholytika (Atropin, Skopolamin) und indirekte Parasympatholytika.

Parasympathikus: Anteil des vegetativen Nervensystems; Gegenspieler des Sympathikus. Überträgersubstanz an den Nervenenden des Parasympathikus ist das Acetylcholin.

parat: bereit, gebrauchsfertig; aufbruchsbereit, zur Stelle (sein).

Parataxe: Grammatik Koordination, Bei- oder Nebenordnung von Wörtern (Wortreihe) oder Wortgruppen beziehungsweise Sätzen (Satzreihe; Satzverbindung oder Gliedsatzreihe).

Parathormon: Peptidhormon der Nebenschilddrüse (Epithelkörperchen). Das Parathormon hat eine regulatorische Funktion im Kalzium- und Phosphatstoff-wechsel.

Paratuberkulose: durch Bakterien hervorgerufene Infektionskrankheit der Wiederkäuer; Kennzeichen sind Darmentzündungen mit schleichendem Verlauf und starke Abmagerung der Tiere; meldepflichtig.

Paratyphus: durch Paratyphussalmonellen (stäbchenförmige Bakterien) hervorgerufene und durch Schmierinfektion sowie infizierte Lebensmittel übertragene typhusähnliche Infektionskrankheit. Kennzeichen sind Fieber, Benommenheit, Milzschwellung, Darmgeschwüre und Durchfall. Siehe auch Typhus abdominalis.

Paravent: veraltet Wind-, Wand-, Ofenschirm.

Parazentese: Trommelfellschnitt zur Entlastung des Mittelohrraumes bei Mittelohrentzündung. Der Schnitt schließt sich in wenigen Tagen spontan nach Sekret- oder Eiterabfluss.

Parc-fermé: Motorsport geschlossener Parkplatz für Wettbewerbsfahrzeuge von dem Start beziehungsweise zwischen den Etappen mehrtägiger Wettbewerbe.

Pärchenegel, Schistosoma: Gattung der Saugwürmer; das Männchen trägt das Weibchen ständig in seiner röhrenförmig zusammengelegten Bauchseite; in Blutgefäßen von Säugetieren und Menschen lebende Krankheitserreger.

Parcours:

1. Motorsport: begrenzte Wettkampfstätte mit fester Deckschicht für bestimmte Wettbewerbe; der Parcours ist mit speziellen Hindernissen ausgestattet, deren richtiges An- beziehungsweise Umfahren bewertet wird.

2. Pferdesport: mit verschiedenartigen Hindernissen ausgestattete Bahn bei Springprüfungen.

Pardo Bazán, Emilia de, 16.9.1851-12.5.1921, spanische Schriftstellerin; gehört hinsichtlich der thematischen Vielfalt ihrer phantastischen, exotischen sowie religiösen Erzählungen und Romane («Das Gut Ulloa», 1886, deutsch; «Die schwarze Sirene», 1908) zu den bedeutendsten spanischen Erzählern des 19. Jahrhundert.

Pardonl: veraltend Verzeihung!; Nachsicht!; Ausruf der Entschuldigung; keinen Pardonl geben: niemanden schonen.

Pardubice: Kreisstadt in der CSSR (Ostböhmische Bezirk), an der Elbe; 93000 Einwohner; Zentrum der Grundstoffchemie und der Erdölverarbeitung, Maschinenbau, Farben-, elektrotechnische Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie; Hochschule für Chemie; Pferderennbahn (jährlich die Große Pardubicer Steeplechase).

Paré, Ambroise, 1510-20.12.1590, französischer Chirurg; Leibchirurg Karls IX.; vereinfachte die Wundbehandlung, verbesserte die Amputationstechnik, führte dabei die Unterbindung der Gefäßstümpfe wieder ein und baute die Leistenbruch- und Steinschnittoperation aus.

Parenchym:

1. Anatomie: Gesamtheit aller für ein Organ spezifischer Zellen.

2. Botanik: pflanzliches Grundgewebe, das meist aus kugeligen Zellen besteht. Das Parenchym stellt die Hauptmasse der Vegetationskörper krautiger Pflanzen dar; kann zum Beispiel auch Assimilationsgewebe oder Speichergewebe sein.

Parenthese, Einschaltung: Grammatik eingeschobener Satz oder eingeschobenes Satzglied, zum Beispiel Du wirst hoffentlich! einverstanden sein. Auch Bezeichnung für die eckigen ( und runden ( ) Klammem.

Pareto, Vilfredo, 15.7.1848-19.8.1923, italienischer Philosoph, Ökonom und Soziologe; leistete mit seiner irrationalistische Auffassung der Geschichte als «Kreislauf der Eliten» dem italienischen Faschismus Vorschub; vertrat die mathematische Richtung der subjektivistischen ökonomischen Grenznutzentheorie.

par excellence: vorzugsweise; im wahrsten Sinne (des Wortes); schlechthin.

par exemple, (französisch) Abkürzung (p.e.): zum Beispiel.

Parfait: (französisch, «Vollkommenes») 1. zarte Pastete, zum Beispiel aus Gänseleber mit einer Farce aus Schweinefleisch und Gelee, oft in Teigkruste.

2. Halbgefrorenes (Speiseeis).

Parforcehorn: (französisch + deutsch) Bezeichnung für das kreisförmig weit gewundene Jagdhorn; wurde besonders bei fürstlichen Hirschjagden verwendet.

Parfüm: Riechstoff in alkoholischer Lösung oder fester Zubereitung; bei Verwendung ätherischer (Lavendel- unter anderem) Öle, tierische (Moschus unter anderem) und synthetische (Jonon unter anderem) Duftstoffe unterteilt in Blüten- (Flieder unter anderem), Phantasie- (Grünnoten unter anderem), Holzhandel unter anderem) oder sonstige (Juchten unter anderem) Gerüche.

Paria: (englisch «Trommler») 1. Angehöriger einer indischen unteren Landarbeiterkaste, nach hinduistischer Anschauung unrein und früher deshalb unterdrückt; 1947 wurden die die Paria betreffenden Beschränkungen offiziell aufgehoben.

2. übertragen Entrechteter, Ausgestoßener, Verachteter.

Parian: unglasiertes, mattglänzendes, feldspat-reiches oder frittehaltiges Porzellan für Figuren; benannt nach der durch ihren weißen Marmor berühmten griechischen Kykladeninsel Paros.

Parini, Giuseppe, 23.5.1729-15.8.1799, italienischer Dichter; übte in Oden scharfe Gesellschaftskritik; in seinem Hauptwerk, dem unvollendeten satirischen Poem «Der Tag» (entstanden 1760/62, deutsch), verarbeitete er Gedankengut der französischen Aufklärung.

Paris: Hauptstadt Frankreichs, an der Seine, inmitten des Pariser Beckens, Zentrum der Wirtschaftsregion de France und eines großen Ballungsgebietes; als Departement Ville de Paris 105 km2, 2,17 Millionen Einwohner, als Groß-Paris 9,9 Millionen Einwohner; anhaltende Absiedlung aus dem Kemins Randgebiet der Agglomeration; Sitz der Regierung und der zentralen Verwaltung, Mittelpunkt von Industrie (über 25% der französischen Industrieproduktion), Handel und Kultur des Landes; Industriestandorte besonders in den nördlichen und südlichen Vororten (Verlagerung der Industrie aus dem Zentrum); Maschinen-, Automobil-, Flugzeugbau, Stahlerzeugung, Kern-, Elektro-, Zement-, Foto-, Film-, chemische, pharmazeutische, kosmetische Industrie; Herstellung von Schmuck-, Luxus- und Modewaren; Verlage (90% der französischen Verlage), Druckereien; Wärmekraftwerke; Mittelpunkt des französischen Finanz-, Bank-, Börsen- und Versicherungswesens; mehrmals Weltausstellungen, internationale Messe; Straßen- und Bahnknoten, Autobahnring, internationale Flughäfen (Orly, Charles de Gaulle, Roissy), Binnenhäfen, U-Bahn (Métro), Endpunkt von Erdöl- und Erdgasleitungen; Universität («Sorbonne», seit 1150), Académie Française, Hoch- und Fachschulen (etwa ein Drittel aller französischen Studenten), wissenschaftliche Institute (unter anderem Pasteur Institut), Sternwarte; Theater (Opéra, Comédie Française), zahlreiche Museen (Louvre), Gemäldegalerien, Bibliotheken (Bibliothèque Nationale), Kulturzentrum Pompidou; Sitz der UNESCO, internationaler Tagungsort, Rundfunk- und Fernsehzentrale, 2 zoologische Gärten, Vergnügungs- und Sportstätten (Austragungsort der Olymp. Spiele 1900 und 1924); Künstler- und Geschäftsviertel (Montmartre, Montparnasse), Studentenviertel (Quartier Latin) berühmte Parks, Straßen (Champs-Élysées), Plätze (Place de la Concorde), Brücken und Friedhöfe (Père-Lachaise mit Mauer der Föderierten); Reste römischer Bauten. Mittelpunkt von Paris ist die Altstadt auf der Seine Insel mit der gotische Kathedrale Notre-Dame (1163/1. Hälfte 13. Jahrhundert) und der ehemaligen Schlosskapelle Ste-Chapelle (1243/48). Neben Bauten von der Romanik bis zur Renaissance wird das Bild der Stadt besonders von Werken des Klassizismus geprägt: Universität und Kirche der Sorbonne (1629/56), Invalidendom (1675/1706), Place Vendôme (1685), Panthéon (seit 1755), Stadtpaläste (Hotels); 19. Jahrhundert: Sacre-Coeur (seit 1874), Triumphbögen, La Madeleine (1807/42), Bauten der Champs-Elysées, Große Oper (1861/74; C. Garnier), Eiffelturm (300 m; 1887/89; G. Eiffel). Eine Gründung der keltischen Parisier, war in römischer Zeit ein bedeutendes Handelszentrum (Lutetia Parisiorum); im 3. Jahrhundert Bistum, 508 Residenz Chlodwigs I., seit 987 Hauptstadt. Im Hundertjährigen Krieg war Paris zeitweilig von Burgunden und Engländern besetzt, 1436 durch Volkskämpfe befreit. Während der Hugenottenkriege blieb Paris katholisch, war im August 1572 Schauplatz der Bartholomäusnacht; im 17. und 18. Jahrhundert war es kulturelles und geistiges Zentrum Europas. Paris war Hauptschauplatz der Revolutionen des 18. und 19. Jahrhundert (Französische Revolution 1789/95, Julirevolution 1830, Februarrevolution und Junischlacht 1848, Sturz des Zweiten Kaiserreiches 1870). 1871 errichtete das Proletariat die Pariser Kommune, 1889 erfolgte hier die Gründung der II. Internationale. Im 19. Jahrhundert war Paris ein industrielles und international bedeutsames Kunst- und Literaturzentrum. Im 2. Weltkrieg wurde Paris nach Verrat der bürgerlichen Regierung von den faschistischen deutschen Truppen kampflos besetzt, der Volksaufstand vom 18./25. 8.1944 zwang die deutschen Truppen zur Kapitulation.

Paris, in der griechischen Sage schöner Sohn des Königs Priamos von Troja und der Hekabe; wurde ausgesetzt und wuchs als Hirte auf dem Berge Ida auf, dort entschied er den Streit der Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene zugunsten Aphrodites (Parisurteil), mit deren Hilfe er Helena entführte und damit den Trojanischen Krieg verursachte.

Pariser Becken: Beckenlandschaft im Norden Frankreichs mit Paris als Mittelpunkt, zwischen Kanal, Bretagne, Zentralmassiv und Ardennen; aus beckenförmig in- und aufeinanderliegenden mesozoischen Schichten (Tertiär, Kreide, Jura, Trias; im Inneren des Beckens die !le de France); intensive Landwirtschaft, Anbau von Weizen, Mais, Zuckerrüben, Gemüse, Obst unter anderem; Milchwirtschaft; Zentrum der französischen Industrie (besonders um Paris und an der Seinemündung); Verkehrsnetz auf Paris ausgerichtet.

Pariser Kommune: durch die proletarischen Revolution am 18.3.1871 in Paris geschaffene Herrschaft des Proletariats, die bis zum 28.5.1871 bestand. Nach der französischen Kapitulation bei Sedan im Deutsch-Französischen Krieg stürzte ein revolutionärer Aufstand der Pariser Arbeiter und Kleinbürger das Zweite Kaiserreich und proklamierte die Republik (4.9.1870). Ihre großbürgerlich-monarchistische «Regierung der nationalen Verteidigung» betrieb eine Politik des nationalen Verrats, die in der Kapitulation von Paris (28.1.1871) und im Versuch der Entwaffnung der Volksmassen zum Ausdruck kam. In der Nationalgarde organisierte Arbeiter und Kleinbürger vertrieben am 18.3. die reaktionäre Regierung Thiers nach Versailles («Versailler»). Die Macht in Paris übernahm das gewählte ZK der Nationalgarde, nach den Wahlen zum Rat der Kommune (26.3.) erfolgte am 28.3. die Ausrufung der Pariser Kommune. Führende Kommunarden waren unter anderem: E. Varlin, L. Frankel, J. Dabrowski, L. Michel. Die Pariser Kommune war der erste Versuch der Errichtung der Diktatur des Proletariats, der von Marx, Engels und anderen Führern der I. Internationale leidenschaftlich unterstützt wurde. Er scheiterte, weil zum Sieg des Proletariats die historischen Voraussetzungen fehlten. Der Rat der Kommune war beschließendes und ausführendes Organ; er organisierte die nationale Verteidigung, ersetzte das stehende Heer durch die allgemeine Volksbewaffnung (29. 3.), verfügte die Gleichberechtigung der Frau, richtete das Revolutionstribunal ein, proklamierte die Trennung von Staat und Kirche (3. 4.), übergab von ihren Besitzern verlassene Betriebe an neugegründete Arbeitergenossenschaften (16.4.), hob in den Betrieben das System der Geldstrafen auf (27.4.), führte neue Lohnprinzipien und die Berufsschule ein. Die Durchführung des sozialpolitischen Programms wurde durch Angriffe und Bedrohungen der inneren und äußeren Reaktion behindert. Hauptaufgabe war die Verteidigung, die unter anderem durch das fehlende Bündnis mit der Bauernschaft und den Arbeitern in der Provinz erschwert wurde. Sie verzichtete darauf, die Bank von Frankreich zu nationalisieren, die die Konterrevolution finanzierte, und organisierte den revolutionären Terror gegen den weißen Terror der Versailler zu spät. Am 28.5. wurde die Pariser Kommune durch Übermacht konterrevolutionärer Truppen, die von Bismarck und der deutschen Belagerungsarmee unterstützt wurden, nach heldenhafter Verteidigung besiegt; mehr als 20000 Kommunarden wurden ermordet. Marx und Engels zogen bedeutende Lehren aus der Pariser Kommune für den Sieg der sozialistischen Revolution und für die weitere Strategie und Taktik im Kampf des Proletariats, die Lenin weiterentwickelte. Die Pariser Kommune beendete die Epoche des Sieges und der Festigung des Kapitalismus in den fortgeschrittenen Ländern Europas und leitete einen neuen Abschnitt in der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung ein.

Pariser Verbandsübereinkunft, Abkürzung PVÜ: Kurzform für Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutz des gewerblichen Eigentums vom 20.3.1883, seitdem mehrfach revidiert, zuletzt 1967 in Stockholm. Die DDR ist Mitglied der Pariser Verbandsübereinkunft in der letzten Fassung. Die über 80 Mitglieder des Verbandes sind verpflichtet, die Angehörigen aller anderen Verbandsländer in Bezug auf den gewerblichen Rechtsschutz wie die des eigenen Landes zu behandeln, ihnen beim Erwerb von Schutzrechten die sogenannte Unionspriorität zu gewähren und den in der Pariser Verbandsübereinkunft fixierten Anforderungen an den Rechtsschutz zu genügen.

Pariser Verträge: Komplex von Abkommen, Vereinbarungen, Deklarationen und Protokollen, die im Ergebnis der Pariser Konferenz (19./23.10.1954) von Belgien, der BRD, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Luxemburg, den Niederlanden und den USA unterzeichnet wurden. Die Pariser Verträge ermöglichten unter eklatantem Bruch des Potsdamer Abkommens die Wiederherstellung des Militarismus in der BRD und dienten ihrer Einbeziehung in das aggressive imperialistische Paktsystem und der Aufnahme in die NATO.

Parität: Größe, die das Verhalten des Zustands eines physikalischen Systems gegenüber räumlicher Spiegelungen angibt und die Werte +1 oder -1 annehmen kann; die Parität eines zusammengesetzten Systems ergibt sich als das Produkt der Einzel-Parität. Die äußere Parität bestimmt den Symmetriecharakter der Wellenfunktion eines Quantensystems, bei Koordinatenspiegelung am Ursprung gerade oder ungerade zu sein; zum Beispiel ist die Parität eines Elektrons im Wasserstoffatom mit orbitaler Quantenzahl gleich (-1). Die innere Parität ist eine Eigenschaft der Elementarteilchen; die Gesamt-Parität bleibt bei einer Elementarreaktion im Allgemeinen erhalten (Paritätserhaltung). Bei allen Prozessen, die über die schwache Wechselwirkung ablaufen, bleibt sie jedoch nicht erhalten (Verletzung der Parität), wie 1956 am Betazerfall des Kobalt 60 erstmals nachgewiesen wurde; die Natur unterscheidet somit zwischen einem Prozess und dem dazu spiegelbildlich ablaufenden Prozess (siehe auch Helizität). Jedoch bleibt die kombinierte oder CP-Parität, bei der mit der Spiegelung zugleich der Übergang Teilchen «Antiteilchen vollzogen wird, bei Neutrino Prozessen erhalten. Beim Zerfall der neutralen Kaonen ergab sich 1964 eine schwache Verleitung der CP-Parität; erst die Hinzunahme der Zeitumkehr T (t—> -1) führte zu einer strengen Erhaltungsgröße (CPT-Invarianz). Für das Photon und Mesonen mit Hyperladung 7 = 0 ist die G-Parität G= C„(-l) eine innere Eigenschaft; dabei ist I der Isospin und C„ die Ladungsparität oder C-Parität, die das Verhalten gegenüber der Ladungskonjugation C angibt.

paritätisch: gleichberechtigt; (zahlenmäßig) gleich, gleichgestellt.

Park: weiträumige Gartenanlage mit Rasenflächen und Gehölzen; oft mit Bezug zur umgebenden Landschaft.

Park, Mungo, 10.9.1771-1806 (ertrunken), britischer Arzt und Afrikaforscher; seine 2 Reisen zum oberen Niger (1795/97 und 1805/06) leiteten die wissenschaftliche Erforschung Afrikas ein.

Parka: knielange, meist gefütterte Popeline Kutte mit Schubtaschen, Tunnelgürtel und Kapuze.

Parkbahn: Umlaufbahn von Raketen(stufen) oder Raumflugkörpern um die Erde oder andere Himmelskörper, aus der sie beziehungsweise Teile von ihnen durch einen weiteren Antriebsvorgang in eine Freiflugbahn zu einem anderen Himmelskörper, in den interplanetaren Raum oder in eine Abstiegsbahn zu dem umkreisten Himmelskörper gebracht werden.

Parken: zeitweiliges Abstellen eines Fahrzeugs im öffentlichen Verkehrsraum, das die gemäß StVO eingeschränkte Zweckbestimmung des Haltens überschreitet; im Allgemeinen in Fahrtrichtung am rechten Fahrbahnrand oder auf durch Vorschriftszeichen gekennzeichneter Parkfläche (evtl. auch mit vorgeschriebener Parkordnung und beziehungsweise oder beschränkter Parkdauer) oder mehrgeschossig auf Parkpaletten oder im Parkhaus.

Parken und Reisen, Abkürzung P+R, Park and Ride englisch, «Parken und (sich) fahren (lassen)»: Organisationsprinzip im Großstadtverkehr (zur Verkehrsentlastung des Zentrums), wobei man Kfz an (End-)Haltestellen öffentlichen Personen Nahverkehrsmittel abstellt und mit diesen die Fahrt (kostengünstig, umweltfreundlich) fortsetzt.

Parker: 1. Parker, geboren Rothschild, Dorothy, 22.8.1893-7.6.1967, US-amerikanische Schriftstellerin und Journalistin; schrieb witzige, geschliffene, pointierte satirische Gedichte und Geschichten vor allem über den Alltag der amerikanischen Mittelschicht; ergriff im Spanischen Freiheitskampf 1936/39 als Berichterstatterin Partei für das spanische Volk.

2. Richard, genannt «roter Admiral», 24.(7)4.1767 bis 30.6.1797 (hingerichtet), britischer Matrose; führte im Mai 1797 gegen die unmenschliche Behandlung den Aufstand der Matrosen des Themsegeschwaders der britischen Kriegsflotte, dessen bewussteste Kräfte den Krieg gegen Frankreich verweigerten.

Parkes-Verfahren: nach dem britischen Erfinder, Zinkentsilberungsverfahren: Verfahren zur Gewinnung der Edelmetalle aus Rohblei durch intermetallische Fällung. Nach Einrühren von Zink in die Bleischmelze scheiden sich beim Abkühlen feste bleiarme Silber-Zink-Mischkristalle (Schäume) ab. Diese Schäume enthalten auch das Kupfer, das Gold und die Platinmetalle, die sich in der Bleischmelze befanden.

Parkett: 1. Stabfußbodenbelag aus Holz.

2. die Saalplätze eines Theaters, Kinos, Konzertsaals o. ä.

Parkinson, James, 11.4.1755 bis 21.12.1824, britischer Arzt; veröffentlichte zahlreiche allgemeinverständliche medizinische Schriften, beschrieb 1817 die nach ihm benannte Parkinsonsche Krankheit.

Parkinsonismus: (nach J. Parkinson) mit der Parkinsonschen Krankheit weitgehend übereinstimmendes, jedoch andere Ursachen (vor allem Gehirnentzündung) aufweisendes Krankheitsbild.

Parkinsonsche Krankheit, (nach J. Parkinson) Paralysis agitans: «Schüttellähmung»; anlagebedingte, fortschreitende Atrophie im Bereich des Stammhirns; Symptome der Parkinsonschen Krankheit sind unter anderem Zittern, Starre der Körpermuskulatur und der Mimik sowie psychischer Verlangsamung.

Parkleuchte: an Kfz bis 5 m Länge und 1,8 m Breite linksseitig anzubringende, aber nicht vorgeschriebene Zusatzleuchte, die nach vom weißes und nach hinten rotes Licht abstrahlt und beim Parken innerhalb von Ortschaften während der Dunkelstunden in Betrieb genommen wird.

Parkuhr, Parkometer: Uhr, die die Parkdauer von Kfz in Hauptverkehrsstraßen und Ballungsräumen mittels optischer Anzeige zu erkennen gibt. Bei Überschreitung der vorgegebenen Höchstzeit wird ein optisches Signal ausgelöst, so dass eine Ordnungsgebühr erhoben werden kann.

Parlament: aus Wahlen hervorgegangene Vertretungskörperschaft, Bestandteil des Machtmechanismus des bürgerlichen Staates. Das Parlament besteht aus einer oder zwei Kammern, wobei die Mitgliedschaft in der einen auf Wahl, in der anderen auf Erblichkeit, Ernennung oder Wahl gegründet sein kann. Zur Zuständigkeit des Parlaments gehören vor allem das Gesetzgebungsrecht, die Verabschiedung des Staatshaushaltes und die Wahl der Regierung. Unter monopolkapitalistische Bedingungen gerät das Parlament gegenüber der Exekutive in zunehmende Abhängigkeit Umgangssprachlich werden mitunter auch die Volksvertretungen in den sozialistischen Staaten als Parlament bezeichnet. Sie unterscheiden sich jedoch als Organe des werktätigen Volkes ihrem Klassencharakter, ihrer Funktion und ihrer Zusammensetzung nach grundsätzlich vom bürgerlichen Parlament

Parlamentär: Unterhändler zwischen kriegführenden Parteien beziehungsweise deren militärischer Formationen. Der Parlamentär genießt völkerrechtlichen Schutz.

Parlamentarismus: bürgerliche Staatsform; Herrschaftsmethode, bei der das Parlament durch sein Gesetzgebungsrecht, seine Mitwirkung an der Regierungsbildung und eine gewisse Kontrolle der Regierung auf die Leitung des Staates Einfluss hat; die Regierungsmitglieder (der Regierungschef stets, die Minister in der Regel) bedürfen zu ihrer Amtsführung des Vertrauens des Parlaments. Trotz formaler Abhängigkeit der Regierung ist für den Parlamentarismus die starke Selbständigkeit der Regierung charakteristisch. Unter imperialistischen Bedingungen erweist sich der Parlamentarismus als Methode zur Verschleierung der Diktatur der Monopolbourgeoisie. Die Überbewertung des Parlamentarismus ist wesentlicher Bestandteil der revisionistischen Staatsauffassungen in der Theorie und Praxis rechtsopportunistischer Kräfte.

parlando: dem schnellen Sprechen ähnelndes Singen mit ganz leichter Tongebung und präziser rhythmischer Gestaltung und Artikulation.

Parier: (mittelhochdeutsch Parlier, «Polier») einflussreiche Baumeister- und Bildhauerfamilie des 14. Jahrhundert, die großen Einfluss auf die spätgotische Baukunst und Plastik nahm. Stammvater ist Heinrich von Gmünd (geboren Anfang 14. Jahrhundert), der aus der Kölner Dombauhütte hervorging und ab 1351 den Hallenumgangschor der Heilig-Kreuz-Kirche in Schwäbisch Gmünd baute. Hauptmeister ist sein Sohn Peter Parier (1330-13. 7.1399), Dombaumeister in Prag; er vollendete 1353/85 den Chor des Veitsdomes und schuf im Dom die Tumben der Premysliden, besonders die Gestalt von Premysl Ottokar I. (1377), sowie die Triforiums Büsten, die ersten Bildnisbüsten der neueren Kunst; außerdem die Prager Karlsbrücke mit dem Altstädter Brückenturm (ab 1357) und den Chor der Bartholomäuskirche in Kolin. Seine Söhne Wenzel und Johann, die «Junker von Prag», und die mit ihm versippten Werkmeisterfamilien Süddeutschlands beziehungsweise in seiner Hütte ausgebildete Werkmeister bestimmten fast ein Jahrhundert das Baugeschehen. Ihr Werkzeichen war ein Winkelhaken.

parlieren: veraltet in einer fremden (besonders der französischen) Sprache reden; Konversation machen.

Parma: Stadt in Oberitalien, in der Region Emilia-Romagna, Verwaltungszentrum der Provinz Parma; 180000 Einwohner; metallverarbeitende, chemische, Textil-, Leder-, Parfüm-, Holz-, Uhren-, Glasindustrie, Instrumentenbau, Herstellung von Majoliken, Tonwaren, Parmesankäse; Universität; Bibliotheken, Museen. Roman. Dom mit achteckigem Baptisterium und Kampanile (um 1300), S. Giovanni Evangelista (1510/1607; Fresken von Correggio und Parmigianino), Camera di S. Paolo (mit Fresken von Correggio), Palazzo della Pilotta (Backstein; enthält Antikenmuseum, Teatro Farnese, Nationalgalerie, Biblioteca Palatina). Kelt. Gründung, 183 vor Christus römische Kolonie; 1545 wurde die Grafschaft Parma mit Piacenza zum Herzogtum Parma und Piacenza vereinigt und vom Papst den Farnese als Lehen übergeben; 1735/48 österreichisch, danach spanisch; 1815/47 unter Marie Louise, der zweiten Frau Napoleons I.; seit 1860 bei Italien. 1922 bewaffneter Widerstand gegen die faschistische Machtergreifung.

Parmelin, Helène, geboren 19.8.1915, französische Romanschriftstellerin und Journalistin; 1944/56 Mitarbeiterin der «l’Humanité»; ihre Romane sind mit Hilfe der simultanen Erzähltechnik gestaltet («Der einarmige Papagei», 1974; «Die Indigo-Welt», 1978).

Parmenides, um 540-480 vor Christus, griechischer Philosoph; Haupt der Eleaten; lehrte, dass nur Seiendes denkbar, Nichtsein undenkbar sei; entwickelte daraus den Begriff des einheitlichen unverändert. Seins und erklärte die verändert. Erfahrungswelt zum bloßen Schein. Parmenides legte die Grundlagen zur Logik, Dialektik und Erkenntnistheorie.

Parmesankäse: pikanter, langgereifter Hartkäse aus Oberitalien (Parma), der besonders als Würzkäse für Teigwarengerichte dient.

Parmigianino, eigentl. Francesco Mazzuoli, auch Mazzola, 11.1.1503 — 24.8.1540, italienischer Maler, Hauptmeister des Manierismus. In seinen religiösen Werken malte er bizarre überschlanke Gestalten von raffinierter Eleganz in kühlen, gebrochenen Farben.

Parnass, Parnassos: Kalkgebirgsstock im mittleren Griechenland; bis 2457 m; teils bewaldet; Karst mit Weidewirtschaft; Bauxitabbau; Nationalpark, Am Abhang des Parnass entsprang die Quelle Kastalia, wurde zum Musenberg und Symbol der Dichtkunst.

Parnassiens: Angehörige der «école parnassienne», einer nach der Gedichtsammlung «Der zeitgenössische Parnaß» (1866/76) benannten französischen Dichtergruppe; traten für eine zeitlose, unpersönliche, betrachtende und nur auf formale Perfektion bedachte Kunst und damit für den L’art-pour-l’art-Kult ein.

Parodie: (griechisch, «Gegengesang»)

1. Literatur: satirische Nachahmung eines literarischen Werkes, die die Form der Vorlage verwendet, den Inhalt jedoch in kritischer Absicht übertreibt oder verzerrt, so dass die Vorlage durch den komisch wirkenden Widerspruch zwischen Inhalt und Form der Parodie verspottet wird. Die Parodie kann alle literarischen Gattungen nutzen. Sie war bereits im Altertum bekannt. Ein Beispiel der Parodie sind die Dunkelmännerbriefe (1515/17).

2. Musik: a) Zuordnung eines Musikstückes zu einem anderen oder neuen Text (bei Ersetzung eines weltlichen durch einen geistlichen Text meist Kontrafaktur genannt), Umwandlung von Instrumentalmusik in vokale oder umgekehrt; häufig poch bei Bach und Händel. Im 15./16. Jahrhundert vor allem die in der Parodiemesse üblichen Umbildung und melodisch, harmonisch oder rhythmisch veränderte Weiterführung von Motiven, Stimmen oder Abschnitten gegenüber der Vorlage;

b) ironische oder satirische Nachahmung bestimmter Gattungen, Stilrichtungen oder Satztechniken im Sinne der musikalischen Karikatur (zum Beispiel der Opera seria in der englischen «Bettleroper»).

Parodontium: der den Zahn im Kiefer befestigende Halteapparat; besteht aus Wurzelhaut, Alveole und Zement des Zahnes.

Paroli: bei einigen Kartenglücksspielen Verdoppelung oder weitere Erhöhung des Einsatzes.

Paroli bieten: mit gleicher oder überlegener Kraft entgegnen, nichts schuldig bleiben.

Paropamisus: westlicher Ausläufer des Hindukusch im Nordwesten Afghanistans; 600 km lang, bis 3 588 m hoch; vorwiegend aus Kalkstein aufgebaut und von Flüssen tief zerschnitten; Gebirgssteppen, teilweise mit lichten Wäldern auf den Nordseiten, zum Teil wüstenhaft.

Paros: Insel der griechischen Kykladen im Ägäischen Meer; 194 km2, 6 700 Einwohner; bis 750 m hoch; Marmorbrüche (bekannter Bildhauermarmor); Feigenanbau.

Paroxysmus: Anfall, hochgradige Steigerung von Krankheitserscheinungen.

Parr, Katharina, um 1512-7.9.1548; seit 1543 sechste und letzte Frau Heinrichs VIH. von England, während seines Feldzuges in Frankreich 1544 Regentin.

Parra, Violeta, 1917-5.2.1967 (Selbsttötung), chilenische Folkloresängerin, Volksmusikforscherin, bildende Künstlerin; Autorin (Text, Musik, Interpretation) von etwa 200 Titeln mit hoher menschlicher und sozialer Aussagekraft; begründete das Neue Chilenische Lied; gilt als bedeutendste proletarische Künstlerin Lateinamerikas. Ihre Kinder Angel (geboren 1941) und Isabel (geboren 1938), ebenfalls Dichter, Komponisten und Sänger des Neuen Chilenischen Liedes, führen das Erbe ihrer Mutter fort.

Parsec, (Kurzwort aus parallax second, englisch, «Parallaxensekunde») Zeichen pc: SI-fremde, in der Astronomie gültige Längeneinheit; die Entfernung, von der aus 1 astronomische Einheit (AE), also etwa die große Halbachse der Erdbahn. Vielfache sind Kiloparsec (kpc) und Megaparsec (Mpc).

Parsen: Anhänger der Lehre Zarathustras in Indien, Pakistan und Iran (hier Zadustris (früher Geber, auch Gabr, genannt)).

Parseval, August von, 5.2.1861-22.2.1942, Luftschiffkonstrukteur und Luftschiffer, konstruierte den Drachenballon (Fesselballon) und die nach ihm benannten unstarren Luftschiffe. 1910 baute er das Passagierluftschiff «P. VI», das im gleichen Jahr eine für damalige Verhältnisse große Leistung vollbrachte (Fernfahrt München-Berlin). Prallluftschiffe der Art, wie sie zuerst von Parseval gebaut wurden, sind heute noch im Einsatz, insbesondere für Reklamezwecke.

Parsifal: Oper (1882) von R. Wagner. Diese Schreibung für Parzival wurde von Wagner unrichtig hergeleitet von persisch parsi fal («reiner Tor»).

Parsismus: (lateinisch - indisch - persisch) in veränderter Gestalt weiterlebende Form des Zoroastrismus in Nordwestindien.

Parsons: 1. Charles Algernon, 13.6.1854-11.2.1931, britischer Ingenieur, erfand 1884 die Gleichdruckdampfmaschine mit Geschwindigkeitsstufung und führte später den Kondensationsbetrieb bei Dampfturbinen ein.

2. Talcott, 13.2.1903-8.5.1979, US-amerikanischer Soziologe; führender Vertreter der theoretischen bürgerlichen Soziologie; arbeitete auf der Grundlage der verstehenden Soziologie und unter Einbeziehung funktionalistische und psychoanalytische Momente die strukturell-funktionale Analyse in ihrer Anwendung auf die Gesellschaft heraus; entwickelte eine allgemeine Theorie sozialer Systeme, deren Grundlage das soziale Handeln ist.

Pars pro toto: Stilistik Nennung eines Teiles für das Ganze, zum Beispiel Kiel (= Schiff). Siehe auch Synekdoche.

Parsuna: ikonenhafte, in Eitempera auf einer Holztafel ausgeführte weltliche Porträtdarstellung in der russischen Ikonenmalerei des 16./17. Jahrhundert, die den allmählichen Übergang zur eigentlichen Bildnismalerei markiert, der sich im 1. Drittel des 18. Jahrhundert vollzog.

Parte: Gesamtheit der Bewohner einer Mietwohnung.

Parteifähigkeit: Fähigkeit, an einem Zivilprozess als Prozesspartei (Kläger oder Verklagter) teilzunehmen. Parteifähig sind Bürger, juristische Personen, der Staatsanwalt sowie staatlich eingesetzte Treuhänder, Verwalter und so weiter, die eigene beziehungsweise fremde Interessen eigenverantwortlich wahrzunehmen haben.

parteiisch: voreingenommen, befangen; einseitig (urteilend).

Parteilichkeit: offenes oder verdecktes, bewusstes oder unbewusstes Eintreten für die Interessen einer bestimmten Klasse; Eigenschaft aller Formen des gesellschaftlichen Bewusstseins und Handelns der Menschen in der Klassengesellschaft, in der sogenannt unpolitisches Verhalten stets bestimmten Klasseninteressen dient. Erst K Marx deckte den gesetzmäßigen Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Sein und gesellschaftlichen Bewusstsein auf. Der historische Materialismus weist die Parteilichkeit als Ausdruck des Klassencharakters gesellschaftlichen Bewusstseins und Handelns nach. Die gegenwärtige bürgerliche Ideologie versucht, ihren Klassencharakter zu verschleiern, und behauptet einen prinzipiellen Gegensatz zwischen Parteilichkeit und Wissenschaftlichkeit. Tatsächlich befindet sich die bürgerliche Ideologie in einem prinzipiellen Gegensatz zur Wissenschaftlichkeit, da die Interessen der imperialistischen Bourgeoisie nicht mehr mit dem historischen Fortschritt übereinstimmen. Der Marxismus-Leninismus dagegen bringt seinen Klassencharakter, seine Parteinahme für die Sache der Arbeiterklasse und für den historischen Fortschritt der Menschheit offen und eindeutig zum Ausdruck. Die Parteilichkeit des Marxismus-Leninismus ist untrennbarer Bestandteil seiner konsequenten Wissenschaftlichkeit, weil die Interessen der Arbeiterklasse mit dem gesetzmäßigen Verlauf der Geschichte übereinstimmen und deren praktische Verwirklichung die allseitige und objektive Erkenntnis der Natur und der Gesellschaft erfordern; sie stützt sich auf die objektive Wahrheit. Im Marxismus-Leninismus ist die Parteilichkeit zugleich ein theoretisches-methodisches Prinzip, das auf die konsequente Durchsetzung des Klassenstandpunktes der Arbeiterklasse gerichtet ist.

partizipieren: Anteil haben; teilnehmen.

partout: durchaus; unbedingt; um jeden Preis.

Partytänze: gesellige Tänze, zum Teil mit Spielcharakter, die entsprechend dem Anlass einer Party verändert und angepasst werden.

Parulis: äußerlich wahrnehmbare Schwellung im Kieferbereich; meist verursacht durch einen chronisch wurzelerkrankten Zahn. Der Übergang von chronischen in akute Entzündungsstadien führt zum Durchbruch des Exsudates durch den Kieferknochen in die Weichgewebe.

Parvenü: Emporkömmling, besonders Kleinbürger, der schnell reich geworden ist und wenig Bildung besitzt; Neureicher.

Paryla, Karl, geboren 12.8.1905, österreichischer Schauspieler und Regisseur; gehörte 1938/48 zum Ensemble des Züricher Schauspielhauses und war 1948/56 zusammen mit W. Heinz Direktor des Neuen Theaters in der Scala Wien; 1956/61 wirkte er am Deutschen Theater in Berlin, danach an Theatern in Österreich und der BRD; bekannt auch als Filmschauspieler («Der Komödiant von Wien»).

Parzelle: 1. landwirtschaftlicher, gärtnerischer oder forstwirtschaftlich genutzter Teil eines Grund- oder Flurstücks von 0,5 bis 2 ha (Parzellenbetrieb).

2. Teilstück eines Versuchsfeldes.

Parzelleneigentum: Eigentum an kleinen landwirtschaftlichen Grundstücken; entstand meist aus der Realteilung, zum Teil auch aus der Parzellierung beim Kauf von Grundstücken; verhindert die Anwendung moderner Produktionsmethoden.

Parzellierung: Aufteilen oder Zerlegen von landwirtschaftlichen Grundstücken. Unter kapitalistischen Verhältnissen geschieht die Parzellierung nicht selten, um durch Verpachtung des Bodens in Parzellen eine höhere Grundrente zu erzielen.

Parzival, in der keltischen Sage Ritter aus der Tafelrunde um den keltischen König Artus; Titelgestalt eines (unvollendeten) höfliches Epos des Chrétien de Troyes. In Wolfram von Eschenbachs Versepos «Parzival» (um 1200/um 1210) entwickelt sich der Held zum Idealbild des hochmittelalterlichen Ritters, der Gott und der Welt gefällt. In R Wagners Oper «Parsifal» (1882) erfuhr das Thema eine Umdeutung.

Pasadena: Stadt im Süden des Bundesstaates Kalifornien (USA), Vorstadt von Los Angeles; 120000 Einwohner; elektronische, Flugzeug-, Raumfahrtindustrie; Luft- und Raumfahrtbehörden; TH, Kunstmuseum und -bibliothek (Gutenbergbibel).

Pasardschik: Bezirksstadt im Süden Bulgariens, an der Mariza; 78000 Einwohner; Akkumulatorenwerk, Textilkombinat, Maschinenbau, Lebensmittelindustrie; Agrarzentrum; größtes Gewächshauskombinat Bulgariens; Museum.

Pasargadae: (vermutlich «Perserlager») Ruinenstätte nordöstlich von Schiras (Iran); altpersische Hauptstadt der Landschaft Persis, von Kyros n. um 550 vor Christus gegründet. Die architektonischen Überreste (heiliger Bezirk mit Feuertempeln und -altären, stark befestigtes Lager, Wildpark, Wohnpalast und Audienzhalle, Grabmal des Kyros) lassen in ihrer Gestaltung auf Übernahme assyrischer, babylonischer und urartäischer Elemente schließen.

Pascal, Blaise, 19.6.1623-19.8.1662, französischer Mathematiker und Philosoph; wendete sich als Jansenist gegen die Jesuiten («Briefe an einen Freund in der Provinz», 1656/57, deutsch; «Gedanken über die Religion», 1670, deutsch). Mit seiner These vom Erkenntniswert der Gefühle trug er entscheidend zur nachklassischen Gefühlsästhetik bei. Gegen R Descartes’ deduktiven Rationalismus vertrat er die experimentelle Methode. Als Mathematiker lieferte Pascal bedeutende Beiträge zur projektiven Geometrie, insbesondere zur Lehre von den Kegelschnitten, arbeitete über Statik und über den Luftdruck, entwickelte mit Pascal de Fermat Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung und untersuchte Fragen der Analysis. Ab 1642 konstruierte er eine der ersten Rechenmaschinen.

Pascalsekunde, (nach B. Pascal) Zeichen Pa • s: SI-Einheit der dynamischen Viskosität.

Pasch: 1. beim Würfelspiel ein Wurf mit gleicher Augenzahl auf mehreren Würfeln.

2. im Domino ein Stein mit Doppelzahl.

Pascha: ursprünglich Titel der türkischen Prinzen, später (dem Namen angehängt) von hohen türkischen Beamten; 1920 in der Türkei und 1953 in Ägypten aufgehoben.

Paschen, Friedrich, 22.1.1865-25.2.1947, Physiker, 1924/33 Präsident der Physikalisch-Techn. Reichsanstalt in Berlin; lieferte grundlegende Arbeiten zur Spektroskopie, über Wärmestrahlung und Quantenphysik.

Paschen-Gesetz: von F. Paschen 1899 gefundenes Gesetz, wonach die Zündspannung einer Gasentladungsstrecke nur eine Funktion des Produktes aus Gasdruck und Elektrodenabstand ist.

Pascoli, Giovanni, 31.12.1855-6.4.1912, italienischer Lyriker; Lyriksammlungen «Sträucher» (1891), «Lieder aus Castelvecchio» (1903), «Tischgedichte» (1904) und «Oden und Hymnen» (1906) mit Gedichten zur Verherrlichung Italiens; in seiner Poetik (Essay «Das Kindlein», 1897) betrachtet er die Kindheitserinnerung als einzige Inspirationsquelle für die wahre Poesie.

Pas de deux: Tanz zu zweit, im klassischen Ballett in fünfteiliger Choreographische Grundform.

Pasek, Jan Chryzostom, um 1636 um 1701, polnischer Memoirenschreiber; führte ein abenteuerliches Soldatenleben, verfasste 1690/95 seine nicht vollständig erhaltenen und erst 1836 herausgegebenen «Denkwürdigkeiten» (dt.), ein Gegenstück zum «Simplicissimus» Grimmelshausens, die ein farbenprächtiges und ungewöhnlich lebendiges Zeitbild enthalten.

Pasigrafien: (griechisch, «Allgemeinschriften») von einzelnen Sprachen unabhängige Zeichensysteme aus Ziffern, Buchstaben, Ideogrammen oder anderen Symbolen; als internationales Verständigungsmittel (Weltsinnschrift) vorgeschlagen.

Paso doble: (spanisch, «Doppelschritt») Gesellschafts- und Turniertanz im lebhaften 2/4- oder 3/4-Takt; um 1910 aus einem spanischen Volkstanz entwickelt.

Pasolini, Pier Paolo, 5.3.1922-2.11.1975 (ermordet), italienischer Schriftsteller und Filmregisseur, setzte sich in Lyriksammlungen («Die Asche Gramscis», 1957), mit weltanschaulichen Fragen auseinander. Seine frühen neorealistischen Romane («Halbstarke», 1955; «Vita Violenta», 1959) und Filme («Mamma Roma») zeigen das Elend des Proletariats, in späteren Filmen spiegelt sich seine Beschäftigung mit Christentum und abendländische Mythologie wider sowie sein Kampf gegen kleinbürgerlich-moralische Vorurteile (Verfilmungen erotischer Literatur, «Dekameron»).

Pasquill: anonyme (häufig illustrierte) Spott- oder Schmähschrift auf eine Person; entstand im 16. Jahrhundert in Rom und fand sehr bald Nachahmung in ganz Europa.

Pass: 1. Elektrotechnik - Filter.

2. Pass, Joch: Geomorphologie - Sattel auf dem Kamm eines Gebirges; Pässe begünstigen die Führung von Gebirgsstraßen.

3. Pass (französisch): Kunst - aus 3 oder mehr gleichen Dreiviertelkreisen konstruierte, einem Kreis eingeschriebene geometrische Figur, zum Beispiel Dreipass, Vierpass, Sechspass; Hauptform des gotischen Maßwerks.

4. Pass (englisch französisch), Zuspiel - Sportspiele zielgerichtetes Weiterleiten des Balles an einen Mitspieler, direkt oder nach Aufnehmen des Balles; Unterscheidung in Kurzpass, Querpass, Diagonalpass, Steilpass, Flachpass und Doppelpass.

5. Pass (englisch französisch): Staatsrecht - amtlicher Ausweis für den Grenzübertritt (Ein- und Ausreise) sowie für den Aufenthalt im Ausland, mit Lichtbild und Angaben zur Person und Staatsbürgerschaft des Inhabers. Die Pass- und Visapflicht kann aufgehoben werden.

6. Tierhaltung - Gangart.

passabel: (französisch) gangbar; leidlich, erträglich, annehmbar.

Passacaglia: instrumentaler Variationssatz über einem meist achttaktigen Basso ostinato im Dreiertakt.

Passage: 1. allgemein Durchgang, überdachte Ladenstraße; Durchfahrt; Überfahrt; Textstelle.

2. Astronomie: Durchgang eines Gestirns durch den Meridian. Der Zeitpunkt einer Passage wird mit Passage- oder Durchgangsinstrumenten beobachtet (astronomische Instrumente).

3. Musik: Lauf.

4. Pferdesport: Figur der Hohen Schule; schwung-voller Trab in höchster Versammlung, wobei die Beine des Pferdes länger als beim normalen Trab in der Schwebe verharren (Schwungtrab).

Pessach: jüdisches Fest, von der Vollmondnacht des Frühlingsmonats an 8 Tage lang gefeiert. ursprünglich sicher ein nomadisches Frühlingsfest, wird es in der jüdischen Religion seit ältester Zeit zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten gefeiert.

Passameter: mechanische Bügelfeinzeiger mit Hebel, Zahnsegment und Ritzel zum Bestimmen von Außenmaßen; üblicher Skalenwert 2 pm.

Passat: sehr beständiger Nordost- beziehungsweise Südostwind in Bodennähe auf der Äquatorseite der subtropischen Hochdruckgebiete; besonders über den Meeren ausgeprägt.

Passau: kreisfreie und Kreisstadt in Bayern, in Oberbayern, an der Mündung des Inn in die Donau; 50000 Einwohner; Maschinenbau, elektrotechnische und optische Industrie, Zahnradherstellung; Hafen; Universität; Theater. Altstadt mit gotischem-barockem Dom und anderen Kirchen, Rathaus (14./19. Jahrhundert); Feste Ober- und Niederhaus, Schlösser Hacklberg und Freudenhain. Im 1. Jahrhundert vor Christus keltische Siedlung, im 1. Jahrhundertnach Christus römisches Kastell Batavis; 739 Gründung des Bistums Passau, dessen Bischöfe die Stadtherren waren und 1217 Reichsfürsten wurden. Mit der Säkularisierung 1803 kam die Stadt an Bayern. 1552 schlossen König Ferdinand I. als Beauftragter Kaiser Karls V. und Kurfürst Moritz von Sachsen als Haupt einer Fürstenverschwörung den Passauer Vertrag, in dem der Kaiser den Protestanten vorläufig freie Religionsausübung gewähren musste.

passen: Kartenspiele ein angebotenes Spiel ablehnen, nicht weiterreizen.

Passepartout:

1. Passepartout: Kunst - Umrahmung eines Bildes; aus Papier, Karton unter anderem; verwendet bei Rahmung unter Glas oder als Schutz für graphische Blätter.

2. Passepartout: veraltet Freipass, Passierschein; Dauereintrittskarte; Hauptschlüssel.

Passepied: ursprünglich französischer regionaler Volkstanz aus der Bretagne im 2/4-Takt, seit dem 17. Jahrhundert höflicher Gesellschaftstanz im Dreiertakt.

Pas seul: Tanz allein, Solotanz.

Passieren: feinzerkleinerndes Durchrühren weichgekochter oder von Natur aus weicher Früchte (zum Beispiel Kartoffeln, Äpfel, Tomaten) durch ein Sieb.

Passiergewicht: 1. gesetzliche Mindestmasse an Metall, die eine Münze im Verkehr haben muss.

2. Wägestück zur Prüfung von Passiergewicht.

Passimeter: (französisch + griechisch) mechanischer Feinzeiger zum Bestimmen von Innenmaßen; Skalenwert 2 bis 5nm.

Passion: 1. allgemein Leidenschaft; leidenschaftliches Interesse; Eifer, Vorliebe.

2. nach dem Neuen Testament Leiden und Sterben von Jesus Christus.

3. Musik: Vertonung der biblischen Passionsberichte; ursprünglich im einstimmigen gregorianischen Choralton (Choralpassion), seit dem 15. Jahrhundert polyphon durchkomponiert (Motetten Passion). Durch Verschmelzung von Polyphonen und monodische Generalbasstechnik entwickelte sich im 17. Jahrhundert die oratorische Passion (Höhepunkt bei J. S. Bach).

passioniert: leidenschaftlich für etwas eingenommen; begeistert.

Passionsblume, Passiflora: zu den Passionsblumengewächsen gehörende Gattung südamerikanische Klettersträucher mit meist handförmig geteilten Blättern und hühnereigroßen gelben Beerenfrüchten (Passionsfrüchten). Eine beliebte Topfpflanze ist die Blaue Passionsblume (Passiflora caerulea).

Passionszeit: im Kirchenjahr Vorbereitungszeit auf Karfreitag, in der evangelischen Kirche ab Aschermittwoch, in der katholischen ab 5. Fastensonntag, dem eine Fastenzeit (Verzicht auf Vergnügungen, ursprünglich vor allem auf Speisen) ab Aschermittwoch vorgelagert ist-

passiv: leidend; untätig; verlustbringend.

Passiv: Handlungsrichtung des Verbs (Genus verbi), zum Beispiel er «wird gefragt». Siehe auch Aktiv 2.

Passivität: 1. allgemein Untätigkeit; ablehnendes Verhalten; Teilnahmslosigkeit.

2. Chemie: Eigenschaft einiger unedler Metalle (zum Beispiel Eisen, Chrom, Nickel, Kobalt, Aluminium), sich unter bestimmten Bedingungen weit weniger reaktionsfähig zu verhalten, als es die elektrochemische Spannungsreihe aussagt. Die Passivierung kann mittels oxydierender Agenzien (zum Beispiel konzentrierte Salpetersäure; bei Chrom und Aluminium genügt Luftsauerstoff) oder durch anodische Oxydation erzielt werden. Die Passivität beruht wahrscheinlich auf der Ausbildung einer dünnen Schicht von Metalloxid beziehungsweise von sorptiv gebundenen Sauerstoffionen an der Metalloberfläche.

Passmaß: Nennmaß mit ergänzender Kennzeichnung der Toleranzfelder zu paarender Elemente. Siehe auch Passung.

Passpunkt: Fotogrammetrie ein Punkt, dessen Lage im Messbild und im Gelände eindeutig bekannt ist. Mit Hilfe von Passpunkt wird die räumliche Orientierung der Strahlenbündel gegenüber einem gegebenen Koordinatensystem des Aufnahmeobjektes vorgenommen.

Passung: Beziehung zwischen gefugten Teilen, die sich aus deren Maßunterschied ergibt; nach der Größe dieses Unterschiedes als Spiel-, Übergangsmal Press-Passung bezeichnet, nach der Form der Passflächen als Rund- und Flachpassung. Die Passtoleranz ist die mögliche Schwankung des Spiels oder des Übermaßes zwischen den zu fügenden Teilen.

Passungstechnik: Wissenschaft von den theoretischen Grundlagen für Genauigkeitsuntersuchungen und Berechnungen zur Ermittlung der technischen und ökonomischen Passtoleranzen einschließlich der hieraus abzuleitenden Verfahren im Montagebau.

Passus: (lateinisch, «Schritt») 1. Schriftstelle, Absatz, Abschnitt eines Buches.

2. altrömische Längeneinheit (Doppelschritt); 1 Passus = 5 Fuß (pes) = 1,479 m.

Paste:

1. Lebensmitteltechnik: weitgehend homogene, streichfähige Suspension mit hohem zerkleinertem Feststoffanteil, zum Beispiel Fischpaste oder Fruchtpaste.

2. Pharmazie: für die äußere Anwendung auf der Haut bestimmte Arzneiform, die mehr feste Arzneibestandteile und weniger Salbengrundlage als eine Salbe enthält.

Pastellmalerei: Trockenmalerei mit Pastellfarben (Farbstifte aus Gips oder Kreide, den Farbstoffen und Bindemittel) auf einer rauen Malfläche (Papier, Pergament, Pappe, Leinwand). Die Pastellmalerei steht zwischen Malerei und Zeichnung, je nach Verwendung der Pastellstifte. Meist werden die Farben flächig aufgetragen und mit einem Wischer verrieben, was besonders zarte Übergänge ermöglicht. Da der Farbstaub mit der Malfläche nicht fest verbunden ist, jedes Fixieren aber die Helligkeit und Leuchtkraft der Farben beeinträchtigt, sollten Pastellbilder verglast und vor Erschütterung bewahrt werden. Anfänge der Pastellmalerei liegen im 15. Jahrhundert; Hauptblütezeit ist das französische Rokoko (R. Camera, M. Q. de Latour), besonders in der Porträtmalerei; neubelebt wurde sie im 19. Jahrhundert durch den Impressionismus (E. Degas).

Pasternak, Boris Leonidowitsch, 10.2.1890 bis 30.5.1960, russisch-sowjetischer Schriftsteller; konnte die Kluft zwischen seiner subjektiven, von der idealistischen Philosophie beeinflussten Weitsicht und dem objektiven historischen Prozess nie restlos überwinden; seine Achtung vor dem sittlichen Gehalt der Revolution kommt in bedeutsamen Gedichten (dt. Sammlung «Initialen der Leidenschaft», 1969) und dem Poem «Das Jahr 1905» (1926) zum Ausdruck. Pasternaks frühe Prosa («Lüvers Kindheit», 1922, deutsch) sowie die Übertragung des «Faust» von J. W. Goethe und der Tragödien W. Shakespeares fanden hohe Anerkennung.

Pastete: a) vor (Pirogge) oder nach dem Backen (P. mit Deckel) mit Fleisch, Fisch oder Gemüse gefüllte Teighülle (gefüllte Pastete);

b) in Formen erhitzte Ware aus hochwertiger Wurst- oder Fleischmasse (zum Beispiel Leberpastete).

Pasteur, Louis, 27.12.1822-28.9.1895, französischer Naturwissenschaftler, hauptsächlicher Begründer der Mikrobiologie; Professor in Dijon, Strasbourg, Lille und Paris, dort Direktor des nach ihm benannten Instituts. Widerlegte die Urzeugungshypothese für Mikroben, erwies die Notwendigkeit von Mikroben bei allen Gärungs- und Fäulnisvorgängen und begründete das Sterilisieren (Pasteurisieren); führte Schutzimpfungen mit abgeschwächten Erregern ein, zum Beispiel gegen Tollwut und Milzbrand, gab für die damit erreichte «Immunität» aber eine überholte Erklärung,

Pasteur-Effekt: 1861 erstmalig von L. Pasteur beschriebenes, für viele Zellarten (zum Beispiel Hefen, Muskel- und Leberzellen) charakteristisches Regulationsphänomen, das in einer Verringerung des Glukoseverbrauchs und der Milchsäurebildung (Glykolyse) bei Anwesenheit von Sauerstoff besteht. Der Pasteur-Effekt fehlt den roten Blutzellen der Säugetiere, den Netzhautzellen und den bösartigen Tumoren.

Pasteurellose: (nach L. Pasteur) durch Bakterien der Gattung Pasteurella hervorgerufene, meist sekundäre Erkrankungen von Mensch und Tier (Rind, Schaf, Schwein, Geflügel, Pferd und Pelztiere) mit spontanen und seuchenhaften Ausbrüchen; gekennzeichnet durch eine meist mit Blutungen verbundene Allgemeininfektion.

Pasteurisieren: (nach L. Pasteur) schonendes Verfahren zur Keimverminderung und zeitlich begrenzten Haltbarmachung empfindliche Lebensmittel wie Milch, Obstsaft, Bier durch Erhitzen unterhalb 100 °C (meist 60 bis 80 °C). Bei Milch verwendet man unter anderem die Kurzzeiterhitzung, ein 30 bis 40 s dauerndes Erhitzen auf 71 bis 74 °C.

Pasticcio: Bildfälschung durch raffinierte Nachahmung der Manier eines bestimmten Künstlers.

Pastinak, Pastinaca sativa: gelb blühendes Doldengewächs mit Fiederblättern; Wildpflanze auf Wiesen Europas und Westasiens. Als Kulturpflanze (Wurzelgemüse) nur noch selten angebaut.

Pasto: Stadt (Departements Zentrum) im Südwesten Kolumbiens, in einem Kordilleren Hochtal, 2500 m überm Meer, unweit der Grenze zu Ekuador; 180000 Einwohner; Lebensmittel-, Holz-, Textil- und Ziegeleiindustrie, Herstellung von Panamahüten; an der Carretera Panamericana, Flughafen; Universität.

Pastor: (lateinisch, «Hirt») 1. Amtsbezeichnung eines Geistlichen, besonders in der evangelischen Kirche.

Pastorale: vokales oder instrumentales Musikstück mit ländlichen-idyllischen oder beziehungsweise und Weihnachtlichen Charakter, das Hirtenmusik stilisiert, meist im wiegenden 6/8- oder 12/8-Takt.

pastos: Malerei mit dicken, zähflüssigen Ölfarben gemalt die nicht glatt verstrichen werden, sondern sich reliefartig vom Malgrund abheben.

Patagonien: südlicher Teil Südamerikas, gegliedert in das argentinische Ost-Patagonien und das chilenische West-Patagonien. Ost-Patagonien erstreckt sich vom Río Negro im Norden bis zur Magalhäesstraße im Süden und von den Kordilleren im Westen bis zur Küste des Atlantischen Ozeans; etwa 700000 km2. Reliefschwaches Tafelland, dessen Untergrund von alten Gesteinen der Patagonische Masse gebildet wird, über dem Porphyrdecken und mesozoische Sedimente mit eingelagerten Basalten liegen. Von Andenflüssen zerschnitten, fällt es stufenförmig nach der buchtenreichen Steilküste des Atlantischen Ozeans ab. Bei trockenkaltem gemäßigtem Klima Steppen, Wüstensteppen und entlang des Andenfußes vegetationsarme Schutthalden; Hauptwirtschaftszweig Schafzucht; in den Tälern etwas Bewässerungsfeldbau; Bergbau auf Erdöl, Erdgas und Steinkohle. West-Patagonien mit etwa 300000 km2 umfasst den südlichen Abschnitt des stark vergletscherten, mit dem Cerro San Clemente bis 4058 m aufragenden Gebirgssaum der Kordilleren, der in einer fjord- und halbinselreichen Steilküste zum Stillen Ozean abfällt. Bei kühlgemäßigtem feuchtem Klima dichtbewaldete tiefere Gebirgslagen, die nach Süden zu lichter werden; in den höheren Lagen Steppen und alpine Matten; Schafzucht, Holzwirtschaft.

Patagonier, Tehuelche (araukanisch, «Süd Leute»): Indianer Patagoniens mit isoliert dastehender Sprache, großwüchsig (175 bis 180 cm); ursprünglich Sammler und Jäger, übernahmen sie Ende des 17. Jahrhundert von Europäern das Pferd und entwickelten eine den Pampasindianern ähnliche Kultur; ihre Zahl ging nach der argentinischer Eroberung Ende 19. Jahrhundert von 10000 auf knapp 1000 zurück.

Patan: Stadt in Nepal, südöstlich von Katmandu, an der Bagmati; 100000 Einwohner; Webereien, Holz-, Metallverarbeitung; buddhistischer und hinduistischer Tempel.

Pate: (lateinisch pater, «(geistlicher) Vater») Zeuge und Bürge für christliche Erziehung; wirkt bei der Taufe, in der katholischen Kirche auch bei der Firmung mit.

Patellarreflex: Kniesehnenreflex; kann bei bestimmten Erkrankungen des Nervensystems fehlen, abgeschwächt oder gesteigert sein.

Patinir, Patinier, Joachim, um 1480 bis 5.10.1524, niederländischer Maler; schuf besonders Landschaftsdarstellungen mit biblischer Thematik, wobei Figuren zum Teil nur als Staffage fungieren.

patent: (lateinisch, eigentlich «offen», «frei») tüchtig, geschickt; nett.

Patent: (lateinisch, «offener (Brief)»): 1. Recht Schutzrecht für Erfindungen, das auf Antrag (Patentanmeldung) dem Erfinder oder dessen Rechtsnachfolger von der zuständigen Behörde (Patentamt) erteilt wird. Es besteht aus der Erteilungsurkunde und der Patentschrift. Der Schutz wirkt nur auf dem Territorium des Staates, dessen Patentamt das Patent erteilt hat. Voraussetzungen und Verfahren der Erteilung sowie Wirkungen des Patents werden durch das Patentrecht der einzelnen Staaten geregelt.

2. Patent, Befähigungszeugnis: Schifffahrt nach entsprechender Ausbildung vom Seefahrtsamt erteilte Zulassung zum Kapitän, Naulischer oder Technischer Offizier, Schiffsführer unter anderem; zum Beispiel muss ein Kapitän auf Großer Fahrt das Patent «A 6» besitzen.

Patentieren: Wärmebehandlungsverfahren von Stahldraht oder Bandstahl (0,35 bis 1,1% Kohlenstoffgehalt); gekennzeichnet durch Austenitisieren und isotherme Umwandlung bei 450 bis 520 °C in Blei- oder Salzbädern (Badpatentieren oder Tauchpatentieren) beziehungsweise gesteuertes Abkühlen an Luft (Luft-Patentieren), um ein für die nachfolgende Kaltumformung günstiges fein streifiges Perlitgefüge zu erzeugen.

Pater, (lateinisch, «Vater»; Pl. Patres) Abkürzung (P.): Bezeichnung für einen Ordenspriester besonders in der römisch-katholischen Kirche.

Paternoster: 1. Paternoster m Aufzug.

2. Paternoster n, Vaterunser: wichtigstes christliches Gebet; nach dem Neuen Testament von Jesus Christus selbst gelehrt.

Pathétique: (französisch, «die Pathetische») Bezeichnung für L. van Beethovens Klaviersonate op. 13 und Pathétique Tschaikowskis 6. Sinfonie; stammt beide Male nicht vom Komponisten.

pathetisch: (griechisch) leidenschaftlich empfindend; feierlich-erhaben; hochtrabend.

Pathet Lao: (laotisch, «Freies Laos») Bezeichnung für die patriotische Kräfte in Laos, die 1946/54 gegen die französischen Kolonialisten und 1954/73 gegen die USA-Aggressoren und ihre laotischen Lakaien um die Unabhängigkeit des Landes kämpften; 1945/46 auch Name des Staates, der seine Unabhängigkeit vom französischen Kolonialjoch erklärte,

Pathogenese: Entstehung und Entwicklung krankhafter Vorgänge und Zustände in einem Organismus.

Pathogenität: Fähigkeit eines Erregers, in einem Organismus Krankheitssymptome auszulösen. Der Grad der Reaktion ist einerseits vom Erreger selbst, andererseits vom Zustand des Wirtsorganismus abhängig, unter anderem vom Ernährungszustand und von der Abwehrkraft.

Pathologie: Lehre von den krankhaften Lebensvorgängen und Entwicklungsstörungen sowie ihren Folgezuständen.

Pathopsychologie: Lehre von den Störungen psychischer Prozesse (zum Beispiel Gedächtnis, Denken, Sprache, Emotionalität); Teildisziplin der klinischen Psychologie.

Pathos: (griechisch, «Leiden») 1. allgemein Leidenschaft, Schwung; Gefühlsüberschwang.

2. Theater: künstlerisch gesteigerte Darstellungsweise; leidenschaftlicher sprachlicher Ausdruck bei tiefem humanem und sozialem Engagement in dramatisch zugespitzten Situationen (vorwiegend) tragische Werke. Das Pathos steht im Gegensatz zu inhaltsleerer Pathetik.

Patience: (französisch, «Geduld») vorwiegend mit französischen Karten, meist allein gespieltes Geduldsspiel; wird für abergläubische Menschen als Orakel missbraucht.

Patiens: (dat., «der (oder das) Leidende») Grammatik Person oder Gegenstand als Ziel des Geschehens im Satz, zum Beispiel - Der Junge schlägt «den Hund»; «Der Hund» wird geschlagen.

Patina: grüne Schicht auf Kupfer und Kupferlegierungen, die sich allmählich an der Atmosphäre ausbildet und das Metall vor weiterem Einfluss der Luft schützt. Patina besteht meist aus Kupferhydroxid Sulfat, seltener -karbonat; sie wird auf Kupfer- und Bronzegegenständen auch künstlich erzeugt. Patinier, Patinir, Joachim Patinir.

Patisserie: (französisch griechisch) Feingebäck und Konditoreierzeugnisse; auch Laden, in dem diese Erzeugnisse verkauft werden.

Patna: Hauptstadt des Unionsstaates Bihar (Indien), am Ganges; 920000 Einwohner; Leichtindustrie (Textilien, Teppiche, Lederwaren, Metallerzeugnisse); Universität, Forschungsinstitute; 5580 m lange Ganges Brücke; bei Patna Ruinenstadt Pataliputra.

Paton, Boris Jewgenjewitsch, geboren 27.11.1918, sowjetischer Metallurge; seit 1953 Direktor des Kiewer Instituts für Schweißtechnik (1934 von Patons Vater Jewgeni Oskarowitsch Paton (1870-1953) gegründet und 1945 nach ihm benannt). Paton ist Präsident der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied des Präsidiums der Akademie der Wissenschaften der UdSSR.

Patras: Stadt im Süden Griechenlands, Verwaltungszentrum des Distrikts Achaia, auf dem Peloponnes, zwischen Golf von Patras und Golf von Korinth; 140000 Einwohner; Papier-, Gummi-, Textil-, metallverarbeitende und Lebensmittelindustrie; Hafen, Fähren; Universität.

Patriarch: 1. Bezeichnung für die biblischen Urväter, zum Beispiel Abraham, Isaak.

2. altkirchliche Titel für die Bischöfe von Rom, Konstantinopel und so weiter

3. oberster Geistlicher, besonders orthodoxer Kuchen eines Landes.

patriarchalisch: (lateinisch griechisch) 1. altväterlich; altehrwürdig.

2. vaterrechtlich.

Patrimonialgerichtsbarkeit: im Feudalismus Gerichtsbarkeit des Gutsherren über die Bauern im Bereich seiner Grundherrschaft; im Absolutismus eingeschränkt, in Deutschland im 19. Jahrhundert beseitigt.

Patrimonium: a) im alten Rom das väterliche Erbgut im Allgemeinen;

b) in der römischen Kaiserzeit das Privatvermögen des Kaisers.

Patriotismus: Liebe zur Heimat, zum Vaterland; Teil des gesellschaftlichen Bewusstseins. Der Patriotismus hat als «eins der tiefsten Gefühle ..., das durch die jahrhunderte- und jahrtausendelange getrennte Existenz verschiedener Vaterländer eingewurzelt ist» (Lenin), in den verschiedenen Epochen einen unterschiedlichen Klasseninhalt. Der sozialistische Patriotismus wurzelt in der progressiven patriotischen Haltung der Arbeiterklasse und dient der Verwirklichung ihrer welthistorischen Mission. Mit der Herausbildung des sozialistischen Vaterlandes entsteht er als Teil des sozialistischen Bewusstseins. Er nutzt fortschrittliche patriotische Traditionen und schließt vor allem das Streben nach hohen Leistungen zur Stärkung des sozialistischen Vaterlandes sowie Treue zum Sozialismus, zum sozialistischen Staat und zur Politik der marxistisch-leninistischen Partei ein. Der sozialistische Patriotismus ist untrennbar mit dem proletarischen Internationalismus verbunden und unvereinbar mit Chauvinismus und Nationalismus.

Patristik: die eklektischen theologisch-philosophischen Lehren der Begründer der christlichen Theologie und Philosophie, der sogenannt Kirchenväter, des 2. bis 8. Jahrhundert Zu unterscheiden ist zwischen griechischer und lateinischer Patristik; bedeutendster lateinischer Kirchenvater ist Augustinus, ferner Tertullian unter anderem. Die Patristik ist Vorläuferin der Scholastik.

Patrize:

1. Fertigungstechnik: Matrize.

2. Polygraphie: a) in der Schriftgießerei der in kleine Kupfer- oder Messingblöcke zur Gewinnung der zum Schriftguss erfordert, Matrize 2 eingedrückte Stahlstempel mit positivem Buchstabenbild;

b) Abformung von einer Matrize 2, die als Gegenstück bei der Reliefprägung dient.

Patriziat: 1. im alten Rom der Geburtsadel. Die Angehörigen des Patriziat (Patrizier) bildeten die Klasse der privilegierten Grund- und Sklavenbesitzer. Sie waren bis 367 vor Christus im Besitz der gesamten politischen, ökonomischen und sakralen Macht. Danach verschmolzen sie mit der plebej. Oberschicht zur Nobilität

2. in den mittelalterlichen Städten die wohlhabendsten und angesehensten Familien, besonders der Fernkaufleute, teilweise auch Ministeriale, die die Verwaltungs- und Gerichtsämter zunächst allein besetzten und sich gegen die anderen Stände abschlossen. Im 14./15. Jahrhundert wurde die Alleinherrschaft des Patriziats durch innerstädtische Kämpfe eingeschränkt oder beseitigt.

Patrizier: im alten Rom die Angehörigen des Patriziats 1.

Patrizi, Francesco, latinisiert Franciscus Patricius, 1529-1597, italienischer Philosoph; vertrat eine an Platon und dem Neuplatonismus orientierte pantheistische Naturphilosophie (der göttliche Hauch belebe die Materie, aus der die Welt hervorgehe).

Patroklos, in der griechischen Sage Freund des Achill, fiel im Trojanischen Krieg von Hektors Hand; von Achill gerächt, der Hektors Leichnam um das Grab des Patroklos schleifte.

Patron: 1. Schutzheiliger, besonders in der römisch-katholischen Kirche.

2. Erbauer oder Stifter einer Kirche beziehungsweise sein Rechtsnachfolger, mit besonderen Rechten ausgestattet

Patronat: Schutz-, Schirmherrschaft.

Patrone:

1. Fotografie: Tageslichtkassette aus Plast oder Metall zur lichtdichten Aufnahme von Film in verschiedenen Längen und Breiten zum Einlegen in die Kamera; entweder zum Zurückspulen des Films in die Patrone nach dem Belichten oder ohne Zurückspulen (zum Beispiel Schnelladekassette) ausgeführt.

2. Militärtechnik: mit Hilfe der Hülse zu einem, Ganzen verbundene Munitionsteile (Geschoß oder Granate, Pulverladung, Zündhütchen oder Schlagzündschraube).

Patschuliöl: braunes, balsamisch-süß riechendes ätherisches Öl aus den Blättern der südostasiatischen Patschulipflanze (Pogostemon patchouli); wird in der Parfümerie verwendet

Patt: Schach Schlussstellung, bei der eine Partei nicht ziehen kann, ohne in ein Schachgebot zu geraten, aber nicht im Schach steht. Die Partie ist remis.

Patinando: Fechten Schritt vorwärts mit Ausfall.

Pattinson-Verfahren: nach einem britischen Chemiker: Verfahren zur Abtrennung von Silber aus Rohblei durch Seigern. Bei langsamer Abkühlung des Bleis scheiden sich silberarme Bleikristalle ab. Nach deren Abschöpfen bleibt eine mit Silber angereicherte Schmelze zurück. Das Pattinson-Verfahren ist heute allgemein durch das Parkes-Verfahren verdrängt.

Pau: Stadt im Südwesten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Pyrénées-Atlantiques, am Gave de Pau; 84000 Einwohner; Nichteisenmetallurgie, Flugzeugbau, Schuh- und Wollindustrie; Weinhandel; Universität; Schloss (12. Jahrhundert; Geburtsort von Henri IV.; Gobelin-Museum).

Pauke, Kesselpauke: Schlaginstrument, bestehend aus einem halbkugeligen Metallkessel, über dessen Öffnung ein Kalbfell gespannt ist, das durch Schrauben oder Hebelwerk (Maschinenpauke, Pedalpauke) umstimmbar ist und mit 2 Schlegeln (aus Filz, Schwamm, Kork, Leder oder Holz) geschlagen wird. Das klassische Orchester benutzt 2, das moderne 3 bis 4 oder mehr Pauke

Paul: 1. Bruno Paul, 19.1.1874-17:8.1968, Architekt, Kunsthandwerker, Maler und Karikaturist; 1896/1906 Zeichner für den «Simplicissimus» (gesellschaftskritische und antimilitaristische Karikaturen); führender Vertreter des Jugendstils; ab 1900 Übergang zu einem einfachen, sachlichen Stil, in dem er Materialgerechtigkeit und Zweckmäßigkeit mit ästhetisch ausgewogener Formgebung verband.

2. Hermann Paul, 7.8.1846-29.12.1921, Germanist; Professor in Freiburg im Breisgau und München, einer der Junggrammatiker («Prinzipien der Sprachgeschichte», 1880; «Mittelhochdeutsche Grammatik», 1881). Paul verfasste bedeutsame Darstellungen zur Bedeutungsentwicklung der Wörter («Deutsches Wörterbuch», 1897) und zur neuhochdeutschen Schriftsprache aus historischer Sicht («Deutsche Grammatik», 5 Bände, 1916/20). Er ist Mitbegründer der «Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur» (seit 1874).

3. Paul VI., 26.9.1897-6.8.1978, Papst seit 1963; 1937/52 Substitut im Staatssekretariat, 1952 Protostaatssekretär, 1954/63 Erzbischof von Mailand; 1958 zum Kardinal ernannt; brachte das unter Johannes XXIH. einberufene 2 Vatikanische Konzil 1965 zum Abschluss.

Paulhan, Jean, 2.12.1884-10.10.1968, französischer Schriftsteller und Literaturkritiker, ab 1953 Direktor der «Nouvelle Revue Française»; spielte durch sein engagiertes publizistisches Werk eine große Rolle im Kulturleben Frankreichs.

Pauli, Wolfgang, 25.4.1900-15.12.1958, österreichischer Physiker, seit 1946 US-amerikanischer Staatsbürger; wirkte in Hamburg, Zürich und Princeton (USA); arbeitete über Relativitätstheorie, Quanten- und Elementarteilchenphysik; stellte 1924 das I Pauli-Prinzip auf und postulierte 1931 die Existenz des Neutrinos.

Paulick, Richard, 7.11.1903-4.3.1979, Architekt; nach kurzer Tätigkeit am Staatlichen Bauhaus in Dessau 1933/50 Emigration in China; trug nach 1950 maßgeblich zum Wiederaufbau Berlins bei und prägte den Sozialist Städtebau (Hoyerswerda, Halle-Neustadt und Schwedt); Vizepräsident der Bauakademie der DDR (1956/68).

Paulikianer: (nach dem Apostel Paulus) eine Ende des 7. Jahrhundert in Armenien entstandene streitbare neumanichäische Sekte, die im byzantinischen-arabischen Grenzgebiet besonders unter der bäuerlichen Bevölkerung verbreitet war und nach 842 hier einen Staat (Zentrum Tephrike) errichtete. Die Paulikianer wandten sich gegen den Kirchenkult, lehnten jede kirchliche Hierarchie ab, da alles Irdische Schöpfung des Satans sei. Seit dem 8., besonders aber im 9. Jahrhundert heftig bekämpft, wurden sie 872 von der byzantinischen Armee geschlagen. Ihr Gedankengut aber lebte weiter (zum Beispiel bei den Bogomilen).

Pauling, Linus Carl, geboren 28.2.1901, US-amerikanischer Chemiker, 1929/64 Professor am California Institute of Technology in Pasadena, 1967/69 an der Universität in San Diego, seit 1969 an der Universität in Stanford (Calif.). Pauling arbeitete über Probleme der chemischen Bindung (Mesomerie, Elektronegativität), zum Beispiel über Silikat- und Boranstrukturen; er entdeckte die Helixstruktur mancher Eiweiße und erforschte das Wesen serologischer Reaktionen. Pauling ist einer der aktivsten und prominentesten Kernwaffengegner.

Paulinus von Nola, Meropius Pontius, um 353 bis 22.6.431, lateinischer Schriftsteller, gründete das Kloster Nola (Kampanien), 409 dort Bischof; in seinen Gedichten und Briefen verbindet sich christliches Gehalt mit antiken Formen.

Paulinzella: Gemeinde im Kreis Rudolstadt, Bezirk Gera; mit der Ruine einer romanischen Benediktinerklosterkirche (Baubeginn um 1102, Weihe 1124; Vorkirche mit Türmen später vollendet), eine der bedeutendsten Kirchen der Hirsauer Bauschule in vorzüglichen Quaderwerk mit sorgfältig gearbeiteten Würfelkapitellen und ehemaligem Staffelchor.

Pauli-Prinzip: Ausschließungsprinzip: von W. Pauli zur Erklärung des Atombaus und des Periodensystems der chemischen Elemente eingeführtes Prinzip der Quantenmechanik, wonach sich 2 ident, Fermionen, zum Beispiel 2 Elektronen oder Protonen, niemals in ein und. demselben Quantenzustand befinden können; 2 Elektronen eines Atoms stimmen daher nie in allen 4 Quantenzahlen überein. Siehe auch Ununterscheidbarkeit

Paulskirche: Kirche in Frankfurt am Main, in der 1848/49 die erste deutsche Nationalversammlung tagte.

Paulus, jüdischer Schriftgelehrter aus Tarsus (Kilikien); ursprüngliche Name Saulus; nach der Bekehrung vor Damaskus (um 30 nach Christus) als Apostel Paulus rege Missionstätigkeit (Reisen durch Kleinasien, Griechenland und Makedonien); nach christliche Überlieferung um 63 nach Christus in Rom hingerichtet Seine Lehren bilden eine wichtige Grundlage der christliche Theologie, durch ihn löste sich das Christen vom Judentum; im Neuen Testament sind 13 Briefe unter seinem Namen überliefert

Paulus, Friedrich, 23.9.1890-1.2.1957, Generalfeldmarschall der faschistischen Wehrmacht; 1942/43 Oberbefehlshaber der 6. Armee, die in der Stalingrader Schlacht von der Roten Armee vernichtet wurde. In sowjetischer Kriegsgefangenschaft trat er für die Ziele des Nationalkomitees «Freies Deutschland» ein.

Pauperismus: (lateinisch pauper, «arm», «rechtlos») Massenarmut, Massenelend breiter Volksschichten in den Ausbeutergesellschaften; im Kapitalismus Ausdruck des Wirkens des absoluten allgemeinen Gesetzes der kapitalistische Akkumulation.

Pausanlas, um 110-um 180, griechischer Dichter; seine «Beschreibung von Hellas» ist eine Zusammenstellung kunsthistorisches, historisches und religionsgeschichtlichen Materials.

Pausanlas, gestorben um 467 vor Christus, spartanischer König und Feldherr während der Perserkriege; führte 479 vor Christus die Griechen bei Platää zum Sieg und befreite 478/477 Zypern und Byzanz von den Persern; wurde 467 in Sparta wegen Hochverrats zum Tode verurteilt

Pauschale: (zu «Bausch») geschätzter Gesamtbetrag zur Abgeltung von Einzelleistungen (zum Beispiel für Stromverbrauch).

Pause: Polygraphie a) Nachzeichnung einer graphischen oder bildlichen Darstellung auf transparentem Material;

b) manuelle Übertragung der Zeichnungsumrisse einer Vorlage auf eine Druckplatte (zum Beispiel Lithographie);

c) so viel wie Lichtpause.

Pausewang, Gudrun, geboren 3.3.1928, Schriftstellerin; lebt seit 1968 in Kolumbien; gibt in ihren Prosawerken Einblick in das Leben südamerikanischer Völker, unter anderem «Karneval und Karfreitag» (1976).

Paustowski, Konstantin Georgijewitsch, 31.5.1892-14.7.1968, russisch-sowjet Schriftsteller; schrieb über die Umgestaltung der Natur durch den Menschen («Kara-Bugas», 1932, deutsch; «Die Kolchis», 1934, deutsch), schuf historische Erzählungen («Nordische Novelle», 1938, deutsch) und fand mit seiner lyrischen Prosa (dt. Sammlung «Jenseits des Regenbogens», 1967) hohe Anerkennung. Seine sprachliche Gestaltungskunst wird insbesondere in der sechsbändigen autobiographischen «Erzählung vom Leben» (1945/63, deutsch) sichtbar. «Die goldene Rose» (1956, deutsch) enthält Gedanken über die Arbeit des Schriftstellers.

Pauvrete: Armut, Armseligkeit

Pavane: feierlich-ruhiger Schreittanz der höflichen Gesellschaft des 16./17. Jahrhundert im 2/2-Takt.

Pavarotti, Luciano, geboren 12.10.1935, italienischer Sänger (Tenor); in den internationalen Musikzentren einer der beliebtesten Belcanto Sänger.

Pavelic, Ante, 19.6.1889-28.12.1959, faschistischer kroatischer Politiker; 1929 Gründer und Führer der faschistischen Ustascha, 1941/45 Poglavnik («Führer») des Marionettenstaates Kroatien, wurde als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt, floh nach Argentinien.

Pavese, Cesare, 9.9.1908-27.8.1950 (Selbsttötung), italienischer Schriftsteller; Antifaschist, seit 1943 Mitglied der KP; schuf mit Übersetzungen von Werken nordamerikanischer Autoren Vorbilder für den Neorealismus; gestaltete kritisch Probleme im Italien der Kriegs- und Nachkriegszeit (Romane «Der schöne Sommer», 1950, deutsch; «Der Teufel auf den Hügeln», 1949, deutsch; «Die einsamen Frauen», 1949, deutsch; «Junger Mond», 1950, deutsch). Pessimismus beherrscht sein Tagebuch der Jahre 1935/50 («Das Handwerk des Lebens», 1952, deutsch).

Pavia: Stadt in Oberitalien, in der Region Lombardei, Verwaltungszentrum der Provinz Pavia, südlich von Mailand, am Ticino; 85000 Einwohner; Textil- (Seide, Chemiefasern), metallverarbeitende, Elektro-, Nähmaschinen-, Holz-, chemische Industrie, Fahrzeugbau, Erdölverarbeitung; Universität (gegründet 1316); Kirchen S. Michele (seit 1117) und S. Pietro in Ciel d’Oro (1132), beide lombardische Romanik, S. Maria del Carmine (Backstein; um 1373), gotischer Dom (Zentralbau), gotische Castello Visconteo. 8 km nördlich von Pavia die Certosa di Pavia, Kloster mit lombardischen Frührenaissancefassade; zählt zu den bedeutendsten Bauwerken Italiens.

Paviane, Papio: afrikanischer Tieraffengattung mit hundeartiger Schnauze (Hundskopfaffen), kräftigem Gebiss, starken Überaugenwülsten, lebhaft gefärbten, stark entwickelten Gesäßschwielen; felsbewohnende Klettertiere, leben herdenweise. Hierzu gehören der Mantelpaviane (Papio hamadryas), Männchen mit grauer Mantelmähne um die Schultern, und der zentralafrikanischen Anubispaviane (Papio anubis).

Pavillon: ursprünglich großes viereckiges Zelt; in der Baukunst rundes oder viereckiges Gebäude, entweder frei stehend oder Teil eines Gebäudekomplexes, besonders in der ostasiatischen Gartenkunst und der Barockarchitektur.

Pavillonbau: Bauwerk mit leichter Hüllkonstruktion, in dessen Innerem demontierbare Bühnen, Gerüste, Konsolen und so weiter zur Aufnahme von Produktionseinrichtungen angebracht sein können.

Pawel I., Paul, 1.10.1754-24.3.1801 (ermordet), russischer Zar seit 1796; Sohn Jekatarinas H.; beteiligte sich am 2. Koalitionskrieg gegen die Französische Republik; sein Despotismus, seine 1800 beginnende Annäherung an Frankreich und der Abbruch der Handelsbeziehungen zu Großbritannien führten zur Palastrevolte.

Pawlenko, Pjotr Andrejewitsch, 11.7.1899 bis 16.6.1951, russisch-sowjetischer Schriftsteller; schrieb den Roman «Barrikaden» (1932, deutsch) über die Pariser Kommune und verfasste gemeinsam mit S. Eisenstein das Szenarium zu dessen Film «Alexander Newski» (1938). Pawlenkos Hauptwerk ist der Roman «Das Glück» (1947, deutsch) über einen schwerverwundet aus dem Krieg heimkehrenden Offizier.

Pawlikowski, Rudolf, 16.6.1868-10.11.1942, Ingenieur; erfand 1911 den Kohlenstaubmotor (Rupa Motor).

Pawlodar: Stadt (Gebietszentrum) im Nordosten, am Irtysch; 310000 Einwohner; Industriezentrum im Territorialen Produktionskomplex Pawlodar-Ekibastus mit Aluminiumwerk, Traktoren-, Maschinenbau, Chemiekombinat, Werft, Holzverarbeitung, Nahrungsmittelindustrie und Wärmekraftwerken; Hafen; 2 Hochschulen; Theater.

Pawlow: 1. Pawlow, Alexej Petrowitsch, 13.11.1854-9.9.1929, Sowjet Geologe; leistete grundlegende Beiträge zur Stratigraphie, Paläontologie, Tektonik und Quartärgeologie; entwickelte die Grundlage für die stratigraphische Gliederung der mesozoischen Sedimente des europäischen Russlands.

2. Pawlow, Iwan Petrowitsch, 26.9.1849 bis 27.2.1936, russisch-sowjetischer Physiologe; entwickelte die synthetische Richtung der Physiologie; entdeckte die bedingten Reflexe; in seiner Lehre vom 2. Signalsystem legte er den Grundstein für die Erforschung der spezifisch menschlichen Umweltbeziehungen (Abstraktionsvermögen); bewies, dass der psychischen Tätigkeit materielle Vorgänge zugrunde liegen. Durch Pawlow wurde eine große Physiologenschule geschaffen. Seine Ergebnisse und Schlussfolgerungen sind durch moderne Untersuchungsmethoden bestätigt und weiterentwickelt worden.

3. Pawlow, Todor, 14.2.1890-8.5.1977, bulgarischer Philosoph; veröffentlichte bedeutsame Arbeiten zu Grundfragen des dialektischen und historischen Materialismus, besonders zur marxistisch-leninistischen Erkenntnistheorie (Widerspiegelungstheorie); beschäftigte sich auch mit Ästhetik, Literaturkritik, Geschichte der Philosophie und Pädagogik.

Pawlowa, Anna Pawlowna, 12.2.1881-23.1.1931, russischer Meistertänzer des klassischen Balletts; reiste mit eigener Gruppe durch Europa, Amerika, Ostasien.

Pawlowsk: klassizistische Schloss- und Parkanlage bei Leningrad; Schloss von C. Cameron (1782/86), Innenausstattung von G. Quarenghi, V. Brenna, K. I. Rossi, Plastiken von I. Martos, M. I. Koslowski unter anderem. Der Landschaftspark gehört zu den bedeutendsten Beispielen klassizistische Gartenkunst (Cameron, Brenna, Pawlowsk Gonzago; 1777/1803). Die Gesamtanlage ist heute Museum für Kunst und Kultur des Klassizismus.

Pawnee: Prärieindianerstamm der Caddo-Sprachgruppe; 1900; ihr Schweifgebiet war Nebraska, von dort wurden sie 1876/79 nach Oklahoma in eine Reservation deportiert.

Pax, römische Göttin des Friedens (griechisch Eirene).

Pax Christi: (lateinisch, «Friede Christi») internationale katholische Friedensbewegung; nach 1945 in Frankreich entstanden, seit 1951 organisiert in einem Internationalen Sekretariat und nationalen Sektionen (diese heute in vielen Ländern); unterstützt Forderungen nach Rüstungsbegrenzung und Abrüstung.

Pax Romana: (lateinisch, «Römischer Frieden») durch Kaiser Augustus im römischen Reich nach Jahrzehnten des Bürgerkrieges demagogisch verkündeter und göttlich verehrter Frieden, der dem Staat eine Restauration ermöglichen sollte.

Paxton, Sir Joseph, 3.8.1801-8.6.1865, britischer Gärtner und Architekt; entwarf monumentale Gewächshäuser in Glas-Eisen-Konstruktionen, schuf den Kristallpalast für die Londoner Weltausstellung 1851, der als erstes Beispiel der Fertigbauweise epochemachende Bedeutung für die moderne Architektur erlangte.

Paysandu: Stadt (Departements Zentrum) in Uruguay, am Uruguay; 81000 Einwohner; Fleisch-, Fischerei-, Textil-, Gerbsäure-, Lederindustrie; Werft; Hafen.

Paz, Octavio, geboren 13.3.1914, mexikanischer Lyriker und Essayist; gestaltet den Versuch, bürgerlich-humanistische Ideale unter den Bedingungen der Herrschaft des Kapitals zu verwirklichen («Sie werden nicht durchkommen!», 1936; «Wurzel des Menschen», 1937); erkennt 1958 in «Die gewaltsame Zeit», dass das nicht möglich ist. In seinen Essays untersucht er den mexikanischen Nationalcharakter sowie Fragen der Literaturtheorie.

Paz Estenssoro, Victor, geboren 2.10.1907, bolivianischer Politiker (Revolutionäre Nationalist Bewegung); 1952/56 und 1960/64 Staatspräsident (zuletzt durch Staatsstreich gestürzt), seit 1985 erneut Staatspräsident.

Pazifikpakt, ANZUS-Pakt (nach den englischen Anfangsbuchstaben der Teilnehmerländer): am 1.9.1951 von Australien, Neuseeland und den USA Unterzeichneter, am 29.4.1952 in Kraft getretener sogenannt Sicherheitspakt; er stellt ein wichtiges Glied im System militärisch-politischer Blöcke des USA-Imperialismus dar und richtet sich gegen die UdSSR, die asiatischen sozialistischen Länder und die nationale Befreiungsbewegung im asiatisch-pazifischen Raum. Seit Beginn der 80er Jahre streben Australien und insbesondere Neuseeland nach einer Begrenzung der Zuständigkeit des Paktes sowie der dominierenden imperialistische Zielsetzung der USA.

Pazifische Inseln, Treuhandgebiet der Pazifischen Inseln: den USA 1947/86 von der UNO zur Verwaltung unterstelltes Treuhandgebiet in Mikronesien (Stiller Ozean); etwa 2150 Inseln mit einer Landfläche von 1780 km2 auf 8 Millionen km2 Ozeanfläche, 140000 Einwohner; Verwaltungszentrum Saipan; umfasst Karolinen, Marianen (außer Guam) und Marshallinseln. Im 17./19. Jahrhundert spanisch, dann deutscher Kolonialbesitz; seit 1914 von Japan verwaltet (seit 1920 Völkerbundmandatsgebiet); 1944 von den USA besetzt, die unter Missbrauch der ihnen 1947 übertragenen UN-Treuhandschaft (bis 1986) die Pazifische Inseln ins USA-Militärstützpunktsystem (unter anderem Kernwaffen- und Raketentestgebiet) einbezogen haben; die seit Mitte der 70er Jahre erfolgte Umwandlung in 4 mit den USA «assoziierte Staaten» Nordmarianen, Marshallinseln, Föderative Staaten Mikronesiens (östliche Karolinen) und Republik Belau (Palau-Inseln) dient der Beibehaltung der faktischen Annexion.

Pazifischer Krieg, Salpeterkrieg: Krieg Chiles gegen Peru und Bolivien um die Salpetervorkommen der Atacama (1879 bis 1883/84); Peru verzichtete im Vertrag von Ancón (1883) auf Tarapacá und trat für zunächst 10 Jahre Tacna-Arica ab, Bolivien verlor im Vertrag von Valparaiso (1884) mit dem Atacama Gebiet zugleich den Zugang zum Stillen Ozean; Chile erwarb das Weltmonopol an natürlichen Salpeter. Boliviens Forderung nach souveränem Zugang zum Meer stellte die Grenzsituation nach dem Pazifischen Krieg wiederholt in Frage.

Pazifismus: bürgerliche politische und ideologische Strömung in der Friedensbewegung, die Aufrüstung und Krieg von der illusionären Position der Klassenneutralität aus betrachtet und nicht deren sozialökonomische und politische Grundlagen im Imperialismus aufdeckt und bekämpft. Der Pazifismus erkennt nicht an, dass der militärische Schutz der Errungenschaften des Sozialismus gegen imperialistische Aggression der Sicherung des Friedens dient. Unter der Losung «Frieden um jeden Preis» lehnt er auch revolutionäre Kriege fortschrittlicher Klassen und nationale Befreiungskriege ab. Im Kampf für die Sicherung des Friedens nähert sich der Pazifismus heute beträchtlich der von den sozialistischen Staaten und der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung verfochtenen Friedenspolitik. Der Imperialismus, der im Pazifismus eine zunehmende Gefahr für seine aggressive Politik sieht, versucht, ihn mit Hilfe der antikommunistische Bedrohungslüge zurückzudrängen.

Peacock, Thomas Love, 18.10.1785 bis 23.1.1866, englischer Erzähler und Lyriker; schrieb satirische romantisch-allegorische Romane philosophischer Inhalts («Haus Holterdiepolter», 1816; «Melincourt», 1817; «Die Nachtmahr-Abtei», 1818, deutsch) sowie den Essay «Die vier Zeitalter der Poesie» (1820).

Peano, Giuseppe, 27.8.1858-20.4.1932, italienischer Mathematiker, verfasste wichtige Arbeiten zur formalen Logik, Mengenlehre und Analysis; gab unter anderem ein Axiomensystem für die Arithmetik der natürlichen Zahlen an.

Pearl Harbor: wichtiger Flottenstützpunkt der USA auf Hawaii (Stiller Ozean), 19 km westlich von Honolulu, an der Südküste der Insel Oahu; Reparaturwerft mit Trockendocks, militärisches Nachrichtenzentrum. Ein japanischer Luftüberfall am 7.12. 1941 fügte der dort stationierten USA-Pazifikflotte schwere Verluste zu und löste den Kriegseintritt der USA aus. Damit weitete sich der 2.Weltkrieg auf Südostasien und den Stillen Ozean aus.

Pears, Sir Peter, geboren 22.6.1910, englischer Sänger (Tenor); war ursprünglich Organist und Chorleiter, später Chorsänger; wurde 1943 Mitglied der Sadler’s Wells Opera London. Pears gab auch (mit G. Britten) altenglische Kammermusik heraus, war Mitbegründer der Aldeburgh-Festspiele und international gefragter Konzertsänger.

Pearse, Patrick Henry, 10.11.1879 bis 2.5.1916 (hingerichtet), irischer bürgerlicher Dichter und Freiheitskämpfer; wurde als einer der Führer des Dubliner Aufstandes 1916 zum Präsidenten der während des Aufstands proklamierten Republik Irland ernannt.

Peary, Robert Edwin, 6.5.1856-20.2.1920, US-amerikanischer Polarforscher, forschte zwischen 1886 und 1902 auf Grönland; kam 1909 mit Hundeschlitten von Grantland aus bis in unmittelbare Nähe des Nordpols. Der Ruhm der Ersterreichung des Pols wurde ihm von F. A Cook streitig gemacht

Peary Land: nördlichster Teil von Grönland, zwischen Victoriafjord und Grönlandsee; 320 km längs des Arktischen Ozeans, bis 1920 m hoch, wenig vergletschert; unbewohnt; nach dem Entdecker RE. Peary benannt, der es 1892,1895 und 1900 erforschte.

Pech: zähflüssiger bis fester, braunschwarzer Destillationsrückstand von Teeren und Harzen. Pech besteht aus hochmolekularen organischen Verbindungen und zum Teil freiem Kohlenstoff; es dient zur Herstellung von Abdicht- und Isoliermassen, Anstrichmitteln, Straßenteer und Dachpappe.

Pechkohle: steinkohlenartig aussehende Braunkohle höheren Inkohlungsgrades.

Pechsee: größtes Naturasphaltvorkommen der Erde im Südwesten der Insel Trinidad; 44 ha, bis 90 m tief.

Pechstein: wasserreicher Porphyr (bis 10% Volumengehalt Wasser) mit Glasgefüge.

Pechstein, Max Hermann, 31. 12. 1881-29. 6. 1955, Maler, Graphiker und Bildhauer; wurde 1906 Mitglied der Künstlergemeinschaft «Die Brücke» und 1918 zum Mitbegründer der Novembergruppe; 1933 durch die Faschisten aus dem Lehramt entlassen; 1937 Ausschluss aus der Preußischen Akademie der Künste; nach 1945 Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Westberlin. Pechstein war mit seinem reichen malerischen und graphischen Werk (Akte, Stillleben, Landschaften, Bildnisse), das sich durch kühne Kompositionen, großkonturierte Formen und dekorative leuchtende Farben auszeichnet, wesentlich an der Entwicklung des Expressionismus beteiligt

Pecs: Stadt mit Bezirksrecht im Süden Ungarns, Verwaltungszentrum des Bezirkes Baranya, am Südhang des Mecsek; 170000 Einwohner; Wirtschafts- und Kulturzentrum Südwestungarns; Leicht- und Nahrungsmittelindustrie, Spirituosenherstellung; 2 Universitäten, Hochschulen, Theater, Museen; frühchristliche Katakomben, Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert, Moschee und Minarett aus dem 16. Jahrhundert ursprünglich keltische Siedlung; nach der Zahl der altchristlichen Kirchen im 9. Jahrhundert Quinque Ecclesiae (Fünfkirchen) genannt, 1009 von Istvan I. zum Bischofssitz erhoben; 1543/1686 stand es unter türkischer Herrschaft, wurde 1780 königliche Freistadt. Iml9. Jahrhundert erlebte Pecs einen wirtschaftlicher Aufschwung und war seitdem ein Zentrum der ungarischen Arbeiterbewegung (zum Beispiel Bergarbeiterstreik 1934).

Pectoralis: großer Brustmuskel, der von Brustbein und Rippen zum Oberarm zieht.

Pedal: 1. Fußauflage der Tretkurbel beim Fahrrad.

2. Fußhebel zur Betätigung von Kupplung, Bremse, Drosselklappe beziehungsweise Einspritzpumpe bei Kfz.

3. a) Fußklaviatur der Orgel;

b) beim Klavier Fußhebel zum Aufheben der Dämpfung (rechtes Pedal) und zum Abschwächen des Tones (linkes Pedal);

c) bei Pedalharfe und Pauke Fußhebel zum Umstimmen;

d) beim modernen Cembalo Fußhebel zur Registerschaltung.

Pedanterie: peinliche Genauigkeit, Kleinigkeitskrämerei.

Pedikulose: Befall durch Kopf-, Filz- (Phthiriasis) oder Kleiderläuse.

Pedion: Kristallform mit einer einzelnen selbständigen Fläche, das heißt ohne symmetrische Gegenfläche.

Pedipulator, Schreitmaschine: Fortbewegungs-, Transport- und beziehungsweise oder Arbeitsmittel, das die Bewegungsfunktionen der unteren menschlichen Extremitäten nachahmt, zum Beispiel Schreitbagger.

Pedochore: heterogene Arealeinheit der Bodendecke, die aus mehreren Pedotopen in regelhafter Verknüpfung besteht.

Pedogeochemie: Disziplin der Geochemie, die sich mit den chemischen Vorgängen im Boden beschäftigt. Pedogeochemische Untersuchungen dienen der Suche nach Lagerstätten.

Pedotop: weitgehend homogene Arealeinheit der Bodendecke, in der die Merkmale etwa gleichbleiben.

Pedrell, Felipe, 19.2.1841-19.8.1922, spanischer Komponist, Dirigent und Musikforscher; wurde nach 1880 zum Führer der national-spanischen Musikbewegung. Hauptwerk ist die Operntrilogie «Die Pyrenäen» (1892); ferner komponierte er Orchester-, Kammer- und Kirchenmusik.

Pedro, Kaiser von Brasilien: 1. Pedro, 12.10.1798-24.9.1834, Kaiser 1822/31; erklärte 1822 Brasilien zur von Portugal unabhängigen Monarchie.

2. Pedro II., 2.12.1825-5.12.1891, Kaiser 1831/89 (bis 1840 unter Regentschaft); Sohn von Pedro 1; 1889 durch republikanischen Militäraufstand gestürzt (Ende der Monarchie).

PEEA: Politisches Komitee der Nationalen Befreiung; am 10.3.1944 in den von den faschistischen Okkupanten befreiten Gebieten Griechenlands gebildete demokratische Regierung der Nationalen Befreiungsfront (griechisch Abkürzung EAM), der Vertreter aller Klassen und Schichten der Bevölkerung angehörten.

Peel, Sir Robert, 5.2.1788-2.7.1850, britischer Politiker und Ökonom; 1832 Mitbegründer der Konservativen Partei, 1834/35 und 1841/46 Premierminister; bei Aufhebung der Getreidezölle 1846 von der Großagrarier-Mehrheit seiner Partei gestürzt, sicherte er die Regierungsbildung der Liberalen und die Durchsetzung der Freihandelspolitik.

Peene: Küstenfluss zur Ostsee; 156 km; entspringt südwestlich vom Kummerower See, durchfließt diesen, verbreitert sich unterhalb von Anklam zum Peenestrom mit der boddenartigen Erweiterung des Achterwassers, die die Insel Usedom vom Festland trennen. Der Peenestrom, der bei Peenemünde die Ostsee erreicht, ist zugleich der westliche Ausgang des Oderhaffs zur Ostsee.

Peenemünde: Gemeinde im Bezirk Rostock, auf Usedom. Im 2. Weltkrieg Forschungsstelle und Versuchsfeld faschistische Rüstungskonzerne für ferngelenkte und Raketenwaffen V-Waffen).

Peer: (englisch - französisch) 1. Angehöriger des britischen Hochadels.

2. Mitglied des britischen Oberhauses auf Grund der Zugehörigkeit zum Hochadel (P. 1) oder kraft Amtes (anglikanische Bischöfe, oberste Richter). Beim Life Peer («P. auf Lebenszeit») sind Adelstitel und Sitz im Oberhaus personengebunden und nicht vererbbar.

Pegasus: in der griechischen Sage geflügeltes Wunderpferd, aus dem Rumpf der Medusa hervorgesprungen, als ihr Perseus das Haupt abschlug; bei seinem Hufschlag entstand die Musenquelle Hippokrene (Rossquelle), daher wurde Pegasus später Bezeichnung für Dichterross.

Pegasus:

1. Astronomie: Sternbild.

2. Raumfahrt: Erdsatellit, künstlicher.

Pegau: Stadt im Kreis Borna, Bezirk Leipzig, an der Weißen Elster; 5900 Einwohner; Textil-, Schuh-, Metallwarenindustrie; VEG; Stadtkirche St. Laurentius (15. Jahrhundert), Rathaus (1559/61; Heimatmuseum).

Pegel:

1. Hydrologie: Flut- oder Wasserstandsmesser an Gewässern, Schleusen und in Häfen als senkrechte Messskala an Wänden (zum Beispiel Lattenpegel) oder als Schwimmerpegel mit Zifferblatt als Ablesezeiger, der durch einen Schwimmer im Wasser bewegt wird. Die Pegelmessung ist oft mit einer automatischen Aufzeichnung gekoppelt (Schreibpegel).

2. Informationstechnik: relative oder absolute Größenangabe für Signale der Informationstechnik, insbesondere für Spannungen oder Leistungen in der Fernmeldetechnik und Schalldrücke in der Akustik. Der relative Pegel ist das Verhältnis der Signalgröße an einem beliebigen Punkt zu der am Bezugspunkt des Systems (zum Beispiel Anfang einer Fernmeldeleitung). Der absolute Pegel ist das Verhältnis der Signalgröße an einem beliebigen Punkt zu einem Bezugswert. Übl. Bezugswert in der Fernmeldetechnik ist die Nutz- oder Störleistung von 1mW (Nutzpegel oder Störpegel). Dem absoluten Schallpegel der Akustik liegt als Bezugswert der Schalldruck zugrunde, der der unteren Hörschwelle des Menschen entspricht (20|iPa). Pegel werden durch logarithmische Pegelmaße in Dezibel (dB) oder Neper (Np) gekennzeichnet. Das Neper ist der natürlichen Logarithmus eines Spannungsverhältnisses, das Bel (B) der Briggsche Logarithmus eines Leistungsverhältnisses. Das Bel (= 10 dB) ist als Pegelmaß nicht gebräuchlich. Siehe auch Dämpfung 1.

Pegelbildgerät: elektronisches Gerät zur oszillographische Darstellung des Übertragungsverhaltens (Frequenzgang) von Filtern, Kabeln und Übertragungsstrecken in der Nachrichtentechnik.

Pegmatit: groß- bis riesenkörniges magmatisches Gestein in Gängen oder Randbereichen von Plutonen, zum Beispiel Granit-Pegmatit.

Pegu: Stadt (Provinzzentrum) in Burma, nordöstlich von Rangun, am Fluss Pegu; 260000 Einwohner; Leicht- und Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten. Im Mittelalter Königssitz, daher viele Baudenkmäler, darunter die 99 m hohe Shwemawdaw-Pagode (16. Jahrhundert); buddhistisches Wallfahrtsziel.

Peguy, Charles, 7.1.1873-5.9.1914 (gefallen), französischer Lyriker und Publizist; vertrat mit der von ihm 1900 gegründeten Zeitschrift «Cahiers de la Quinzaine» (Vierzehntagehefte) und in seinem Frühwerk einen abstrakt-ethischen Sozialismus, nach 1905 nationalistisch-katholischen Positionen (Dichtung «Die Litanei vom schreienden Christus», 1910, deutsch).

Pellen: (zu «Pegel»)

1. Navigation: Bestimmen der Richtung nach einem See- oder Landziel mit dem Peilkompass oder auf der Peilscheibe (terrestrische Peilung), nach einem Gestirn mit dem Sextanten (astronomische Peilung), mit dem Funkpeiler nach einem Sender (Funkpeilung) oder mit dem Radar nach einem Luft- oder Seeziel (Radarpeilung).

2. Schiffstechnik: Messen des Füllstands von Schmier-, Treibstoff-, Trink-, Waschwasser-, Ballastwasserzellen u. ä. mittels Feilstabs.

Pellrahmen: drehbare, ringförmige oder viereckige Richtantenne von Funkpeilern; siehe auch Funknavigation.

Pellstange, Bohrstock: Sondiergerät zur Entnahme und Untersuchung der obersten 2 m Lockergesteinsmassen bei geologischen und ingenieurgeologischen Arbeiten.

Peiper, Albrecht, 23.10.1889-7.10.1968, Kinderarzt; 1948/58 Professor in Leipzig; trug durch seine Arbeiten zur Physiologie und Pathophysiologie des Neugeborenen erheblich zur Senkung der Säuglingssterblichkeit bei. Durch sein Buch «Die Eigenart der kindlichen Hirntätigkeit» (1949) wurde er international bekannt.

Peirce, Charles Sanders, 10.9.1839-19.4.1914, US-amerikanischer Logiker und Philosoph; begründete den Pragmatismus, der später von W. James und J. Dewey weiterentwickelt wurde.

Peirithoos, in der griechischen Sage König der Lapithen, Kampfgefährte des Theseus; bei seiner Hochzeit mit Hippodameia kam es zum Kampf gegen die Kentauren, da diese die Frauen, besonders Hippodameia, rauben wollten.

Peiselerrad: (nach dem Erfinder) Messvorrichtung aus einem vom Kfz geschleppten (fünften) Rad und Anzeige- oder Schreibvorrichtung, mittels der das Brems- und Beschleunigungsvermögen des Fahrzeugs sehr genau bestimmt werden kann.

Peisistratos, um 605-527 vor Christus, athenischer Staatsmann; war Führer der armen Gebirgsbauern; als Tyrann von Athen (ab 560) förderte er im Interesse der kleinen Bauern, Händler und Handwerker Wirtschaft und Kultur.

Peitschenwurm, Trichuris trichiura: weltweit verbreiteter, bis 45 mm langer peitschenähnlicher Fadenwurm; schmarotzt im Blind- und Dickdarm des Menschen.

Pejus: der Wirkungsbereich eines Umweltfaktors für eine bestimmte Organismenart, der zwischen Optimum und Pessimum liegt. Gegenüber dem Optimum sind im Pejus die Lebensmöglichkeiten deutlich eingeschränkt, im Vergleich zum Pessimum aber wesentlich verbessert.

Pekaris, Nabelschweine, Tayassuidae: bis 55 cm hohe und 80 cm lange Paarhufer mit kurzem, spitzem Kopf, kurzem Rüssel ohne Rüsselknochen und scharfem Gebiss. Die borstenartigen Haare von Scheitel, Nacken und Rücken werden in Erregung aufgestellt. Pekaris sind dämmerungsaktiv und leben gesellig in unterschiede Lebensräumen vom südlichen Nord- bis zum mittleren Südamerika.

Peking, chinesisch Beijing («Nördliche Hauptstadt»): Hauptstadt von China, am Nordwestrand der Nordchinesischen Ebene, zwischen den Flüssen Peh He und Yunting He; umfasst als regierungsunmittelbar verwalteter Bezirk 16800 km2 (9 Stadt- und 9 Landkreise), 5,04 Millionen Einwohner, als Agglomeration 9,2 Millionen Einwohner Peking ist Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturzentrum des Landes. In den 50er Jahren Aufbau wichtiger Industriezweige: Metallurgie, Maschinen- und Fahrzeugbau (Werkzeugmaschinen-, Kraftfahrzeug-, Lokomotiv- und Waggonbau), petrolchemische (Pipeline von Qinhuangdao), elektronische Industrie (Computer, Radioteile), polygraphische, Textil- und Nahrungsmittelindustrie, berühmtes Kunsthandwerk; 5 Großkraftwerke; wichtiger Verkehrsknoten, U-Bahn, Flusshafen Tung Chow (nördlicher Endpunkt des Großen Kanals), internationaler Flughafen. Peking ist Sitz des Nationalen Volkskongresses, der Regierung, des ZK der KP Chinas und Wissenschaftszentrum: Akademie der Wissenschaften 3 Universitäten, mehrere technische Universitäten, zahlreiche Hochschulen und wissenschaftliche Institute; Bibliotheken (Nationalbibliothek unter anderem), Theater, Konzerthalle, Museen (unter anderem Palastmuseum), Observatorium, Zeißplanetarium; botanischer Garten, Zoo, Parkanlagen, Stausee bei den Ming-Gräbern. — Peking, eine der ältesten Städte Chinas, gewann unter der Yuan-Dynastie als Handelszentrum und Hauptstadt große Bedeutung und entwickelte sich seit dem 13. Jahrhundert zu einem Höhepunkt chinesischer Stadtbaukunst. Die Gesamtanlage bestand aus 4 Stadtteilen, die jeweils starke Mauern mit Tortürmen umschlossen. Im Zentrum der Innenstadt die Verbotene oder Rote Stadt, heute zugänglich (Paläste und Pavillons der Ming- und Qing-Kaiser, seit 1949 hier Museen, Kulturpaläste, Parks). Sie wird von der Kaiserstadt (dort unter anderem der Beihai-Park mit der Weißen Pagode) umgeben, diese wiederum von der Manzhu- («Tataren»-) Stadt. Historische Bauten aus der Yuan-Zeit sind Kaiserstadt, Kaiserliche Ahnentempel, Reichsaltar und Zentraler Turm, Kaiserlicher Park, sogenannt Landschaftshügel, Glockenturm, Trommelturm, Himmelsaltar, Ackerbaualtar. Im Südosten liegt die Äußere Stadt (16. Jahrhundert) mit Himmelstempel (Tiantan). Peking war 1271/1368 Hauptstadt der mongolischen Yuan-Dynastie, 1421/1644 der Ming-Dynastie und 1644/1911 der mandschurischen Qing-Dynastie. Die Verträge von Peking (24-/25. 10. 1860) beendeten den zweiten Opiumkrieg und vertieften die halbkoloniale Abhängigkeit Chinas von den kapitalistischen Mächten. 1900 besetzten die aufständischen Yihetuan vorübergehend Peking Während der Herrschaft der Nördlichen Militaristen war Peking 1912/27 Hauptstadt; 1927/49 hieß V. Beiping (Befriedeter Norden). 1937/45 war Peking von Japan besetzt, wurde 1949 durch die Volksbefreiungsarmee von der Guomindang befreit und ist seit September 1949 Hauptstadt.

Pekingente: aus China stammende Entenrasse, von der die in den USA züchterisch bearbeitete Amerikanische Pekingente weltweit Verbreitung fand; ihre Gefiederfarbe ist weiß, Schnabel und Läufe sind gelb bis orangefarben.

Pekingese, umgangssprachlich Pekinese, Peking-Palasthund: bis 1860 nur im chinesischen Kaiserpalast gehaltene, streng bewachte kleine lebhafte Hunderasse; 15 bis 25 cm hoch, 1,5 bis 6 kg schwer, langhaarig, in allen Farben, wie rot, schwarz, gelb, weiß, sandfarben, grau; mit und ohne Abzeichen.

Pekingoper: europäischen Bezeichnung für die höchstentwickelte Form des traditionellen volkstümlichen chinesischen Theaters; fand Mitte des 19. Jahrhundert seine klassischen Ausprägung. Die Thematik der Pekingoper umfasst Kämpfe der Vergangenheit, Sagen, Märchen, Bauernschwänke. Die Bühne kennt keine Dekorationen und nur wenige Requisiten. Viele Handlungen werden durch feststehend traditionelle stilisierte Pantomimen angedeutet; prächtige Kostüme und streng stilisierte Masken charakterisieren bestimmte Rollentypen. Instrumentalmusik, Gesang, gesprochenes Wort, Tanz, Pantomime und Akrobatik in höchster Vollendung verbinden sich in der Pekingoper zu faszinierender künstlerischer Einheit.

Pekkanen, Toivo, 10.9.1902-30.5.1957, finnischer Schriftsteller; gestaltete in dem Roman «Im Schatten der Fabrik» (1932) erstmals in der finnischen Literatur das Leben der Industriearbeiter und schildert unter anderem in der Novelle «Menschen im Frühling» (1935, deutsch) ihren Existenzkampf.

Pekten: blutgefäßreiches, gefaltetes Organ nahe dem blinden Fleck des Vogelauges.

Pektine: in Pflanzen als Cellulose Begleiter vorkommende, den Kohlenhydraten nahestehende makromolekulare Substanzen, deren wässrige Lösungen in Gegenwart von Zucker und Säure geleeartig erstarren; Anwendung für Lebensmittel, kosmetische Präparate und zur Blutstillung.

Pelagial: Lebensraum im freien Wasser des Meeres und der Binnengewässer, bewohnt vom Plankton und Nekton.

pelagisch: dem Meeresbereich von über 800 m Tiefe zugehörig oder in diesem Bereich gebildet (pelagische Ablagerungen).

Pelagische Inseln: italienische vulkanische Inselgruppe im Mittelmeer, zwischen Malta und Tunesien; 28 km2, 4600 Einwohner (nur Lampedusa und Linosa bewohnt); Fischerei (Sardellen und Schwämme).

Pelargonie, Geranie, Pelargonium: artenreiche Gattung der Storchschnabelgewächse aus Südafrika; die meist rot blühenden Scharlachpelargonie, Efeupelargonie und Edelpelargonie sind beliebte Balkon-, Zimmer- und Beetpflanzen.

Pelargonsäure: eine farblose, ölige, wenig wasser- und Ethanol löslich, ranzig riechende Flüssigkeit; F 12,0 °C; Kp 254 °C; die Salze und Ester heißen Pelargonate.

Pelasger: vorgriechische, wahrscheinlich nichtindoeuropäische Bevölkerung Griechenlands und der Ägäischen Inseln.

Pelerine: ursprünglich aus der Pilgerkleidung stammender, die Schultern lose überspielender Kragen unterschiedlicher Länge, bis zum mantelartigen Umhang; vielfach Wetterkleidung.

Pelikanaale: in allen Ozeanen in 2000 bis 5000 m Tiefe lebende Tiefseefische mit aalartigem, bis zu 2 m langem Körper, großem Rachen und längs der durchgehenden Rückenflosse angeordneten Leuchtorganen.

Pelikane, Pelecanidae: flug- und schwimmgewandte Ruderfüßer mit geräumigem Kehlsack am langen, breiten Schnabel; sie ernähren sich von Fischen und bewohnen Sümpfe, Flachseen und verschilfte Strommündungen warmer Gebiete aller Kontinente. Bis 10 kg schwer ist der 160 cm lange Rosapelikane (Pelecanus onocrotalus), der auch im Donaudelta brütet; wichtiger Guano Erzeuger ist der Braune Pelikane (Pelecanus occidentalis) an der Pazifikküste Südamerikas und den Küsten Mittel- und Nordamerikas, ein geschickter Stoßtaucher.

Pelikowsky, Erika, geboren 18.1.1918, Schauspielerin; Frau von W. Heinz; spielte seit 1939 an Theatern in Österreich (Burgtheater und Scala Wien) und Deutschland (Schillertheater Berlin, Düsseldorfer Schauspielhaus), seit 1957 am Deutschen Theater, Berlin, und seit 1970 am Berliner Ensemble; erwies sich als ausgeprägte vielseitige Charakterdarstellerin; wurde auch durch Film und Fernsehen bekannt.

Pellte: (griechisch pelos, «Schlamm») aus staubfeinen Partikeln aufgebaute Sedimentgesteine mit Korndurchmessern unter 0,02 mm, meist Ton, Tonstein, Schluff, Schluffstein.

Pellagra: chronischen B-Avitaminose (Mangel an Vitamin B2, B6 und Nikotinsäureamid) infolge einseitiger Kost; führt zu Hautentzündung, Durchfall und Schäden am Nervensystem.

Pellea, Amza, geboren 7.4.1931, rumänischer Schauspieler; spielt an Bukarester Theatern, seit 1960 auch in vielen historischen und Gegenwartsfilmen («Michael der Tapfere», «Die letzte Patrone», «Die Unsterblichen», «Die Revanche», «Zärtlich ging Anastasia vorbei»); wirkte auch in DEFA-Filmen mit («Ulzana», «Das Licht auf dem Galgen»),

Pelletierin: (nach einem französischen Pharmazeuten) ein Punica Alkaloid. Pelletierin, eine farblose, wasserlösliche, leicht verharzende Flüssigkeit ist ein Mittel zur Bekämpfung des Bandwurms.

Pelletisieren, Pelletieren: Verfahren zum Stückigmachen von feinkörnigen Eisenerzen oder Eisenerzkonzentraten. Die mit diesem Verfahren hergestellten Pellets dienen als Einsatzmaterial für den Hochofen.

Pellets:

1. Hüttentechnik: Pelletisieren.

2. Tierernährung: durch Pressen (Pelletieren) von gehäckseltem oder gemahlenem Trockenfutter hergestellte, meist zylinderförmige Presskörper zur Verfütterung an Geflügel, Schweine und Rinder.

Pellico, Silvio, 25.6.1789-31.1.1854, italienischer Dichter, aktiv im Risorgimento; die Schilderung seiner Haft auf der Festung Spielberg bei Brno («Meine Gefängnisse», 1832, deutsch) ist eine erschütternde Anklage gegen die Österreicher und ihr Polizeisystem.

Pellsche Gleichung: (nach einem englischen Mathematiker) die diophantische Gleichung x2 dy2 = 1, in der d oder d1 durch 4 teilbar sein sollen.

Peloide: durch biologische-geologische Vorgänge entstandene Substanzen, zum Beispiel Moorerde, Schlämme, Schlicke, Erden, mit hohem Wärmebindungsvermögen und großer Ionenaustauschfläche. Anwendung als wässrige Aufschwemmungen zu Baden und Packungen, insbesondere bei chronischen rheumatischen Erkrankungen, Frauenleiden und Gelenkversteifungen nach Knochenbrüchen.

Pelopidas, um 410-364 vor Christus (gefallen), thebanischer Politiker und Feldherr, bei der Befreiung Thebens von der spartanischen Besatzung 379 führte er die Demokraten; begründete 371 zusammen mit Epaminondas durch den Sieg bei Leuktra Thebens kurzzeitige Hegemonie in Griechenland.

Peloponnes, Peloponnesos, (neugriechisch, «Insel des Pelops») Morea (lateinisch - griechisch, «Maulbeergarten»): Halbinsel im Süden Griechenlands, mit dem mittleren Griechenland durch den Isthmus von Korinth verbunden; als Landesteil 7 Distrikte umfassend; 21379 km2, 1 Millionen Einwohner; 47 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Patrai; stark gegliederte Süd- und Ostküste, zwischen schroffen, vielfach kahlen Kalkgebirgen (im Taygetos bis 2407 m) fruchtbare Flussebenen mit frostfreiem Mittelmeerklima; im Gebirge meist Macchie und Restwälder; Anbau von Wein, Oliven, Getreide, Baumwolle, Feigen, Südfrüchten; Maulbeerpflanzungen (Seidenraupenzucht); Schaf- und Ziegenzucht; Braunkohlenabbau bei Megalopolis; Industrie (überwiegend Textil- und Lebensmittelindustrie) in den Hafenstädten, besonders in Patrai; Fremdenverkehr zu antiken Stätten (Olympia, Sparta unter anderem).

Peloponnesischer Krieg: 431/404 vor Christus geführter Kampf zwischen dem demokratischen Athen und dem aristokratischen Sparta um die Vorherrschaft in Griechenland. Die Ursachen des Peloponnesischen Kriegs lagen in den ökonomischen Widersprüchen zwischen Athen und Korinth, das mit Sparta verbündet war, begründet. Bis zum Frieden des Nikias 421 blieb der Krieg unentschieden. Während der Sizilischen Expedition 415/413 verlor Athen gegen Syrakus starke Streitkräfte. Durch eine Seeblockade von Seiten des spartanischen Flottenführers Lysander erzwang schließlich Sparta 404 die Kapitulation Athens.

Pelose: besonderer Schlamm aus Süßwasserseen. Pelosepackungen werden bei Gelenkbeschwerden angewendet

Pelota: auf einem Hartplatz betriebenes Rückschlagspiel zweier Mannschaften von je 2 bis 10 Spielern, die mit löffelartigen Schlägern aus Korbgeflecht (Chistera) ausgerüstet sind. Das Spielfeld ist 60 m x 16 m groß und weist an der Stirnseite eine 18mx9m große Mauer auf, gegen die der Vollball von 6,5 cm Durchmesser wechselweise von den Mannschaften zu schlagen ist. Gegnerische Fehler zählen als Punkt. Ein Wettkampf wird nach Spielen (ähnlich Tennis) oder Punkten entschieden.

Pelotas: Stadt im Südosten des Bundesstaates Rio Grande do Sul (Brasilien), an der Patos-Lagune; 260000 Einwohner; Erdölraffinerie, Holz-, Leder-, Textil-, Nahrungsmittelindustrie; Hafen, Flughafen; Universität, Hochschulen.

Peloton: (französisch) Radsport das geschlossene Feld in einem Straßenrennen.

Pelotte:

1. Medizin: Druckpolster, zum Beispiel an Blutdruckregistriergeräten zur Kompression einer Arterie.

2. Schuhherstellung: buckelförmige Erhebung der Brandsohle des Schuhes in der Ballenpartie zur Stützung des Fußgewölbes.

Peltier-Effekt: (nach einem französischen Physiker) ein thermoelektrischen Effekt. Nach dem 1834 entdeckten Peltier-Effekt wird beim Fließen eines elektrischen Stromes in einem Leiterkreis aus 2 verschiedenen Materialien, zum Beispiel Metallen, die eine Lötstelle abgekühlt und die andere erwärmt. Einen großen Peltier-Effekt zeigen Halbleiter. Der Seebeck-Effekt (1821) stellt die Umkehrung dar: durch unterschiedliche Temperatur beider Lötstellen entsteht eine Thermospannung beziehungsweise ein -ström (Thermoelektrizität); wird bei Thermoelementen ausgenutzt. Die Größe der Effekte ist abhängig von der Materialkombination sowie von äußeren Magnetfeldern.

Peltier-Element: (nach einem französischen Physiker), Halbleiterkühlelement: ein Halbleiterbauelement zur Erzeugung von Kälte mittels Peltier-Effekts. Es besteht aus einem p- und einem n-leitenden Schenkel, die elektrisch leitend verbunden sind. Die Parallelschaltung von Peltier-Element bringt hohe Kühlleistungen, die Reihenschaltung große Temperaturdifferenzen.

Peltonturbine: (nach einem US-amerikanischen Ingenieur), Freistrahlturbine-. Gleichdruckwasserturbine, an deren Radscheibe doppellöffelförmige Schaufeln einen tangential zugeführten Wasserstrahl in der Mitte teilen und jede Hälfte im Kreisbogen 180° umlenken. Die Peltonturbine wird in Hochdruckanlagen mit Fallhöhen von etwa 50 bis 1700 m angewendet.

Pelusium, Pelusion: altägyptische Hafenstadt, an der Mündung des östlichsten Nilarmes (Mündung) gelegen; beherrschte den Landweg von Vorderasien nach Ägypten und war deshalb strategisch bedeutsam.

Pelveoperitonitis, Pelviperitonitis: im kleinen Becken lokalisierte Bauchfellentzündung; zum Beispiel bei Infektionen der inneren weiblichen Genitalien (Eileiter- und Eier-Stockentzündung, Gonorrhoe unter anderem).

Pelz: aus veredelten (Pelz-) Fellen und deren Teilen be- oder verarbeitetes Erzeugnis, wie Pelzbekleidung, Pelzbesatz, Pelzdekoration.

Pelzen:

1. Polygraphie: das Aufbauen (Anhäufen) der Druckfarbe auf farbübertragenden Druckmaschinenteilen; führt im Buch- und Offsetdruck zu Druckschwierigkeiten.

2. Tierzucht: Pelzung.

Pelztiere: Tiere, deren Fell zu Pelzwerk verarbeitet wird. 90% aller Felle kommen heute aus der Farmzucht. Am häufigsten werden Nerz, Fuchs, Nutria und Karakul (Persianer) gehalten; siehe auch Eisfuchs, Nerze, Silberfuchs.

Pelztierzucht: planmäßige Haltung und Zucht von Pelztieren. Die Pelztierzucht hat in der gemäßigten Klimazone der Nordhalbkugel seit Ende des 19. Jahrhundert eine außerordentlich rasche Entwicklung genommen. Zur Edelpelztierzucht rechnet man die Zucht von Nerz, Silber- und Blaufuchs, Nutria und Chinchilla.

Pelzung, Pelzen: Gewinnung des Felles von Pelztieren nach vorherigem Töten; geschieht zur Zeit der vollen Fellreife; bei Edelfüchsen und Nerzen nach Beendigung des Herbsthaarwechsels. Nutrias werden das ganze Jahre über gepelzt.

Pelzvelour: Veredlungsprodukt der Rauchwarenindustrie, meist aus gefärbten Schaf- oder Lammfellen, wobei die Lederseite einen Velourschliff-Effekt aufweist.

Pemba: korallenumsäumte Insel vor der Küste Ostafrikas, im Indischen Ozean, zu Sansibar (Tansania); 984 km2, 210000 Einwohner; Hauptort Chake Chake aus Korallenkalk aufgebaut und bis 99 m hoch; Gewürznelken, Kokospalmen; Fischerei; Nelkenöldestillation; Ruinen (10./16. Jahrhundert).

Pemmikan: Dauerware aus zerkleinertem Trockenfleisch und Fett (1:1) für die Ernährung in Polargebieten; bei den nordamerikanischen Indianern ursprünglich aus Büffelfleisch.

Pemphigus, Blasenausschlag: Oberbegriff für durch Blasenbildung charakterisierte, meist chronischen Erkrankungen der Haut und Schleimhäute mit gestörtem Allgemeinbefinden. Wucherungen und Narben können auftreten. Die Ursache ist unbekannt.

Penalty: allgemein in Sportspielen Bezeichnung für Strafe; im Eishockey Strafschuss (Penaltyshot) vom Anspielpunkt der Mittellinie.

Penalty-Kick: Fußball internationale Bezeichnung für den Strafstoß («Elfmeter») nach absichtlichen Hand- oder Foulspiel der verteidigenden Mannschaft im Strafraum. Siehe auch Freistoß.

Penang: Hauptstadt des Gliedstaates Penang, auf der Insel Penang in Nordwesten Malaysias; früher George Town\ 250000 Einwohner; Werft, Zinnverhüttung, Lebensmittelindustrie; zweitgrößter Hafen des Landes, internationaler Flughafen, Straßenbrücke (13,5 km) zum Festland (Malakka); Universität.

Penaten: römische Hausgötter; verehrt im privaten Kult am Herd, als Di penates populi Romani (Schutzgötter des römischen Volkes) am Staatsherd im Vestatempel.

Penck, Albrecht, 25.9.1858-7.3.1945, Geograph; 1885/1926 Professor in Wien und (seit 1906) Berlin; unternahm zahlreiche Forschungsreisen in alle bewohnten Kontinente und veröffentlichte vor allem richtungweisende Arbeiten zur Geomorphologie, besonders der Glazialmorphologie.

PEN-Club: (PEN Abkürzung aus englisch poets and playwrights, «Lyriker und Dramatiker»; editors and essayists, «Herausgeber und Essayisten»; novelists, «Erzähler») Schriftstellervereinigung zur Förderung des internationalen geistig-kulturellen Austauschs im Kampf gegen Völker- und Rassenhass und für den Frieden; 1921 unter Mitwirkung J. Galsworthys gegründet; Sitz London.

Pencz, Georg, um 1500—10./15.10.1550, Maler und Graphiker, wurde anfangs von A Dürer, später von der italienischen Kunst beeinflusst, schuf realistische Porträts sowie allegorischen und mythologische Bilder, als Kupferstecher umfangreiche Stichfolgen; zählt zu den Nürnberger Kleinmeistern und war zusammen mit den Brüdern B. und H. S. Beham 1525 im «Prozess gegen die drei gottlosen Maler von Nürnberg» angeklagt.

Pendant: (französisch) (ergänzendes) Gegenstück; Seitenstück.

Pendel: in einem Kraftfeld drehbar gelagerter Körper, der Schwingungen um seine Ruhelage ausführen kann, beim Schwere-Pendel unter dem Einfluss der Schwerkraft. Das mathematische Pendel ist eine Idealisierung, bei der man sich die gesamte schwingungsfähige Masse in einem Punkt vereinigt denkt, der am Ende eines masselosen Fadens befestigt ist. Die Schwingungsdauer T = 2n (Ug dieses Pendel hängt weder von der Masse noch von der größten Auslenkung aus der Ruhelage (der Schwingungsweite oder Amplitude) ab, solange diese klein bleibt; sie hängt allein von der Pendellänge I und der Fallbeschleunigung g ab. Bei großen Amplituden

Pendelwanderung: Raumüberwindung der Menschen über die Grenzen der Wohngemeinde hinweg; nach den Ursachen der Pendelwanderung in Arbeitspendelwanderung, Versorgungs- und Betreuungspendelwanderung sowie Erholungs- und Ausbildungspendelwanderung, nach der Länge der zurückzulegenden Strecken in Nah- und Fernpendelwanderung unterschieden.

Penderecki, Krzysztof, geboren 23.11.1933, polnischer Komponist; studierte in Krakow, wo er seit 1972 als Rektor der Musikhochschule wirkt. Penderecki erregte seit etwa 1960 mit einer Reihe auf die Erschließung neuer klanglicher Möglichkeiten zielender Werke (unter anderem «Threnos. Den Opfern von Hiroshima», 1961; «Anaklasis», 1960; «De natura sonoris», 1967 und 1971) internationales Aufsehen. Inzwischen zählt Penderecki mit seinen Opern («Die Teufel von Loudun», «Paradise Lost»), vokalsinfonischen Werken (unter anderem «Dies Irae», «Kosmogonia», «De Profundis») und Instrumentalstücken zu den interessantesten und erfolgreichsten Gegenwartskomponisten.

Pendule: im 18. Jahrhundert entwickelte kleine Standuhr, die auf Kaminen oder Wandkonsolen aufgestellt wird.

Penedo, Leäo, 13.8.1916-21.1.1976, portugiesischer Romancier, gestaltete im Gegensatz zu fast allen anderen Neorealisten die Schicksale von Werktätigen aus der Großstadt («Rita», 1942, deutsch).

Penelope, in der griechischen Sage die schöne, treue Gattin des Odysseus.

penetrant: durchdringend, lästig aufdringlich (besonders von Gerüchen).

Penetration: Durchdringen, zum Beispiel der Bauchwand bei Verletzungen, aber auch der Organgrenzen bei einem in die Nachbarschaft (zum Beispiel Leber, Bauchspeicheldrüse) vordringenden Magengeschwür.

Penetrier Anstrichstoff: (lateinisch penetro, «durchdringen») Grundanstrichstoff mit stark unterpigmentiertem Charakter für das Streichen auf Restrost, wenn eine ordnungsgemäße Oberflächenvorbehandlung technisch nicht möglich ist.

Penew, Penjo, 7.5.1930-27.4.1959 (Selbsttötung), bulgarischer Dichter; artikulierte in freiem, an W. Majakowski geschultem Versbau das historische Selbstbewusstsein des Erbauers des Sozialismus in Bulgarien («Wir aus dem zwanzigsten Jahrhundert», 1959).

Penghu Inseln, Pescadores (spanisch und portugiesisch), Fischerin Fischerinseln-. Inselgruppe im Süden der Taiwanstraße, vor der Westküste Taiwans; zu China gehörend; 127 km2, etwa 130000 Einwohner; Hauptort Magong. 64 Inseln (die größte ist Penghu mit 64,24 km2), von denen 21 bewohnt sind;

Penholdergriff, Federhaltergriff: Tischtennis Schlägerhaltung, bei der der nach oben zeigende Griff zwischen Daumen und Zeigefinger liegt.

penibel: (französisch) peinlich (genau), sorgfältig; mühsam.

Penicillinase: hydrplytische Enzym, das Penizillin aufspaltet und damit inaktiviert. In Bakterien ist das Auftreten von Penicillinase für die Penizillinresistenz verantwortlich.

Penizilline, Penicilline: die am häufigsten verwendeten Antibiotika. Der Grundkörper aller Penizilline ist die 6-Aminopenizillansäure. Die Chemosynthese von Penizillinen ist seit 1957 möglich. Die klassische Penizilline werden rein biologisch aus Schimmelpilzen (Penicillium notatum beziehungsweise Penicillium chrysogenum) oder durch gesteuerte Biosynthese hergestellt. Die halbsynthetischen Penizilline werden durch Einführung verschiedener Gruppen in die 6-Aminopenizillansäure gewonnen. Ein großer Fortschritt wurde erzielt, als es gelang, magensaftresistente Penizilline, penicillinasefeste Penizilline, Depotpenizilline und Penizilline mit einem breiteren Wirkungsspektrum herzustellen.

Penn: 1. Arthur Penn, geboren 27.9.1922, US-amerikanischer Filmregisseur; schuf gesellschaftskritische, humanistische Filme wie «Ein Mann wird gejagt», «Bonnie und Clyde», «Little Big Man», «Die heiße Spur».

2. William Penn, 14.10.1644-30.7.1718, englischer Philanthrop, Quäker, gründete 1681 in Nordamerika auf Eigentumsland Pennsylvania als Ansiedlung für in England verfolgte Quäker.

Pennanen, Jarno, 8.10.1906-24.7.1969, firm. Lyriker und Publizist; schrieb vor allem zeitkritische Gedichte («Zeilen», 1937) und hinterließ mit «Gekommen und Abschied genommen. Jarnos Sage» (1970) aufschlussreiche Tagebücher über den antifaschistischen Kampf.

Penninen: Mittelgebirge im Norden Englands (Großbritannien), bis zu den Midlands reichend; 220 km lang, im Cross Fell bis 893 m hoch; aus paläozoischen Gesteinen aufgebaut; Karstbildung (Höhlen); niederschlagsreich, Wasserscheide; waldarm; Moor-, Gras- und Weideland; Steinkohlen-, Eisenerz- und Steinsalzbergbau; Steinbrüche; Schafhaltung; Nationalparks; prähistorische Funde.

Pennsylvania, Abkürzung Pa.: Bundesstaat im Nordosten der USA zwischen Eriesee und Delaware; 117348 km2, 11,9 Millionen Einwohner (davon 9% Afroamerikaner); 101 Einwohner/km2; Hauptstadt Harrisburg. Von Südwesten nach Nordosten Appalachen (bis 979 m hoch), im Westen Allegheny- und im Südosten Piedmont Plateau; gemäßigtes Klima; Hauptflüsse Ohio und Susquehanna. Bedeutender Bergbau fördert Anthrazit, Steinkohle, Eisenerz, Erdöl und -gas; Kernenergiegewinnung. Entwickelte verarbeitende Industrie mit Eisen- und Buntmetallurgie, Erdölverarbeitung, Maschinen- und Automobilbau, Textil-, Glas-, Papier-, Tabak-, Holz-, Zement-, Lebensmittelindustrie; Hauptzentren Philadelphia, Pittsburgh, Bethlehem (Sitz des Bethlehem-Stahlkonzerns), Scranton; Landwirtschaft, besonders im fruchtbaren Südosten; internationale Flughäfen, Haupthäfen Philadelphia, Pittsburgh, Erie; Tourismus. Seit 1643 unter schwedischer Herrschaft; 1681 gründete W. Penn die Kolonie Pennsylvania als Zufluchtsstätte für in England verfolgte Quäker.

Penny: (englisch; Pence und Pennies) Zeichen p, früher d (lateinisch denarius) kleinste Währungseinheit in Großbritannien und Irland; siehe auch Währung.

Pension: 1. öffentliche Beherbergungseinrichtung; Zwischenstufe zwischen Hotel und Gasthof.

2. im Kapitalismus Ruhestandsgeld, vor allem der Beamten.

3. im Sozialismus besondere Form der Altersversorgung von Werktätigen, insbesondere als Ehrenpension.

Pensum: die in einer bestimmten Zeit zu leistende Arbeit beziehungsweise Aufgabe.

Pentaerythrit: eine farblose, kristallisierte, wasserlösliche, kampferartig riechende Substanz der Formel C(CH2OH)4; F 263 °C. Man verwendet Pentaerythrit insbesondere zur Herstellung von Alkydharzen und Explosivstoffen (Pentaerythrittetranitrat).

Pentaerythrittetranitrat: der Salpetersäureester des Pentaerythrits; Formel C(CH2-0-N02)4. Pentaerythrittetranitrat ist ein hochbrisanter Sprengstoff; Detonationsgeschwindigkeit 8400 m/s. Es bildet ein weißes, kristallines Pulver (141 bis 142 °C) und wird für Sprengzündschnüre, Sprengkapseln und Sprengladungen verwendet. Pharmazeutisch dient es als krampflösendes Mittel gegen Angina pectoris und ähnliche Erkrankungen.

Pentagon: 1. Pentagon: Dienstgebäude (mit fünfeckigem Grundriss) des Kriegsministeriums und der militärischen Führungsstellen der USA bei Washington.

2. Fünfeck.

Pentagondodekaeder:

1. Geometrie: ein von 12 kongruenten, regelmäßigen, konvexen Fünfecken begrenzter platonischer Körper mit 30 Kanten und 20 Ecken, in denen je 3 Fünfecke Zusammenstößen.

2. Kristallographie: Kristallform mit 12 unregelmäßigen Fünfecken, die insgesamt 24 gleichlange und 6 längere Kanten haben.

Pentameter: (griechisch, «Fünfmaß») Metrik Variante des Hexameters im Distichon mit einem deutlichen Einschnitt (Pause) zwischen der 3. und 4. Hebung.

Pentan: im weiteren Sinne Bezeichnung für die 3 Alkane der Formel C5H12; im engeren Sinne n-Pentan (Normal-Pentan) eine farblose, brennbare, benzinähnliche Flüssigkeit; Kp 36,1 °C. Pentan ist der Hauptbestandteil des Petroläthers.

Pentaprisma: fünfseitiges Glasprisma; wird eine Reflexionsfläche dachförmig ausgebildet (Dachkantprisma), tritt eine Seitenvertauschung des Bildes ein. Pentaprismen dieser Art werden in Suchersysteme von Spiegelreflexkameras eingebaut (dadurch seitenrichtiges Mattscheibenbild).

Pentateuch: die 5 Bücher Mose, der erste Teil der Bibel; bietet legendenhaft Schöpfungsberichte und eine Geschichte der ältesten Menschheit; schildert das Schicksal des Volkes Israel bis zum Tode des Mose und enthält die grundlegenden gesetzt Bestimmungen der jüdischen Religion. Siehe auch Thora.

Pentathlon: klassischer Fünfkampf bei den altgriechischen Festspielen; bestand aus Diskuswurf, Weitsprung, Speerwurf, Stadionlauf (in Olympia 192,27 m) und Ringen in der angegebenen Reihenfolge, der Bewertungsmodus ist nicht genau bekannt.

Pentatonik: altüberlieferte Tonleiter, die 5 Töne der Oktave benutzt, welche meist im Ganzton- und Kleinterzabstand angeordnet sind; ist heute noch besonders in außereuropäischer Musik, aber auch in europäischer Volksmusik (Kinderlied) Grundlage der Melodiebildung.

Pentekontaetie: (griechisch, «Zeitraum von 50 Jahren») nach Thukydides die Zeit von der Vertreibung der Perser aus Griechenland (Schlacht bei Platää 479 vor Christus) bis zum Beginn des Peloponnes. Krieges (431 vor Christus).

Penthesilea, in der griechischen Sage schöne Königin der Amazonen, Tochter des Ares; im Trojanischen Krieg stand sie den Trojanern bei und wurde im Zweikampf von Achill getötet, der sich in die Sterbende verliebte.

Pentlandit, (nach einem britischen Naturforscher) Eisennickelkies: Mineral, Eisen-Nickel-Sulfid; Kristallsystem kubisch, Härte 3,5 bis 4, Dichte 4,6 bis 5 g/cm3, bronzebraune, metallisch glänzende Körner in basischen Magmatiten; Vorkommen in Sudbury (Kanada), Bushveld (Transvaal).

Pentosane: Hemicellulosen, die enzymatisch oder durch Säuren in Pentose Moleküle zerlegt werden, zum Beispiel ergibt Xylan das Monosacharid Xylose. Pentosane kommen insbesondere in Holz, Samenschalen und Pflanzengummis vor.

Pentosen: Monosacharide mit 5 Sauerstoffatomen; Formel (ausgenommen die Desoxyzucker) C5H100s. Zu den Pentosen gehören zum Beispiel die Aldosen Ribose, Arabinose und Xylose; eine Ketose ist die Ribulose.

Pentosephosphatzyklus: Stoffwechselweg, bei dem Glukose vollständig zu Kohlendioxid und Wasserstoff (in Form von reduziertem Nikotinsäureamid-adenin-dinukleotid-phosphat) abgebaut wird.

Pentagramm, Fünfstern, Drudenfuß: regelmäßiges Sternfünfeck; wird in einem Zuge durch das Zeichnen der Diagonalen eines konvexen, regelmäßigen, ebenen Fünfecks gewonnen.

Penuti: heute stark dezimierte Sprachfamilie der Kalifornischen Indianer, etwa 25000; bedeutende Stämme sind Maidu, Wintun, Yokuts.

Penzoldt, Ernst, 14.6.1892-27.2.1955, Schriftsteller, schrieb aus christlich-humanistische Haltung Romane («Der arme Chatterton», 1928; Schelmenroman «Die Powenzbande», 1930), Novellen («Zugänge», 1947), humorvolle Kurzprosa, Kinderbücher und Komödien. Scharfe Kritik am Krieg übt er in der Erzählung «Etienne und Luise» (1929).

Peón: 1. in der Militärgeschichte Spaniens Fußsoldat, Infanterist.

2. proletarisierter Indianer oder Mestize in Lateinamerika, zumeist in Landwirtschaft oder Bergbau tätig; die Abhängigkeit (Peonage) beruhte ursprünglich auf einer Form der Schuldsklaverei.

Peoria: Stadt im Zentrum des Bundesstaates Illinois (USA), am Illinois; 130000 Einwohner; Traktoren-, Landmaschinen- und Motorenbau; Flusshafen; Bradley-Universität, College; Kunstgalerie.

Pepe, Guglielmo, 13.2.1783-8.8.1855, italienischer revolutionärer Patriot, neapolitanische General; stellte sich 1820/21 an die Spitze der von den Carbonari vorbereiteten Revolution im Königreich beider Sizilien; 1848 führte er seine Truppen entgegen dem königlichen Befehl in den Unabhängigkeitskrieg gegen Österreich.

Pepel: Stadt in Sierra Leone, an einer Bucht des Atlantischen Ozeans, 25 km nordöstlich von Freetown; 1500 Einwohner; moderner Erzhafen.

Pepetela, eigentlich Arturo Pestaña, geboren 29.10.1941, angolanischer Schriftsteller und Politiker; aktiver Mitstreiter der MPLA-Partei der Arbeit; gestaltet, auch aus eigenem Erleben, eindrucksvoll den antikolonialistischen und bewaffneten Befreiungskampf (Erzählung «Die Abenteuer Ngungas», 1976, deutsch; Roman «Mayombe», 1979, deutsch).

Pepita: Gewebe aus beliebigen Faserstoffen in Leinwandbindung mit zweifarbiger Kleinkaromusterung; für Oberkleidung.

Peplos: (griechisch; PI. Peplen) Frauengewand im alten Griechenland. Die obere Kante des rechteckigen Wollstoffstückes wurde nach außen geschlagen und an den Schultern mit Spangen befestigt.

Peplosphäre: Grundschicht, Reibungsschicht. Meteorologie - nach ihrer thermischen Struktur abgegrenzte unterste, von der Erdoberfläche durch Reibung und Konvektion unmittelbar beeinflusste Schicht der Troposphäre; die Peplosphäre wird durch die Peplopause, eine Temperaturinversion, von den darüber liegenden Schichten getrennt; sie reicht bis etwa 1500 m beziehungsweise 2 500 m Höhe.

Pepping, Ernst, 12.9.1901-1.2.1981, Komponist; lehrte unter anderem seit 1953 an der Westberliner Musikhochschule (Professor); gilt als Hauptvertreter der deutschen evangelischen Kirchenmusik; komponierte auch zahlreiche Orchester- und Kammermusikwerke, in denen er besonders die polyphonen Traditionen fortsetzte.

Pepsin: proteinspaltendes Enzym, das von den Hautzellen der Magenschleimhaut als inaktive Vorstufe (Pepsinogen) gebildet und in das Magenlumen abgegeben wird, wo seine Aktivierung zu Pepsin erfolgt.

Pepsinwein: weinhaltiges Getränk aus Dessertwein mit Zusatz von Pepsin; wirkt verdauungsfördernd.

Peptide: chemische Verbindungen, in denen Aminosäuren säureamid-artig verknüpft sind. Neben der Peptidbindung (-CO-NH-) können noch Disulfid- (-S-S-) und Esterbindungen (-C0-0-) vorhanden sein. Xe nach Anzahl der Aminosäurebaugruppen unterscheidet man Di-, Tri-, Tetra-Peptide und so weiter; Oligopeptide enthalten bis zu etwa 10, Polypeptide bis zu etwa 100, Makro-Peptide (Proteine) mehr als 100 solcher Baugruppen. Nach Art der Verknüpfung der Aminosäuren unterscheidet man lineare Peptide und zyklische Peptide. Die Reihenfolge der Aminosäuren in den Peptide heißt Sequenz (Primärstruktur)-, bezüglich der räumlichen Gestalt unterscheidet man Sekundär- beziehungsweise Tertiärstruktur. Die Peptide sind farblose, vielfach wasserlösliche, meist kristalline Feststoffe mit amphoterem bis saurem Charakter.

Peptidhormone: Peptide mit hormoneller Funktion, zum Beispiel Vasopressin und Oxytocin.

Peptisation: Umwandlung eines Gels in eine kolloide Lösung (Sol); Umkehr der Koagulation. Ungealterte Gele lassen sich zum Beispiel durch Lösungsmittelzusatz oder durch Schütteln peptisieren. Siehe auch Kolloid.

Pepton: Mischung verschiedener, bei der Verdauung von Proteinen durch Pepsin entstehender Spaltprodukte. Pepton wird arzneilich zur Anregung der Magensaftbildung verwendet.

per aspera ad astra: (lateinisch, «auf rauen (Pfaden) zu den Sternen») durch Kampf zum Sieg.

Perche: Stange, die ein Artist auf Stirn, Kinn, Knie, Schulter, mit den Zähnen und so weiter balanciert, während der Partner am anderen Ende artistische Tricks ausführt.

Perchlorsäure: farblose, wasserlösliche, wasserfrei leicht explodierende Flüssigkeit der Formel HC104. Perchlorsäure ist eine der stärksten Säuren; die Salze heißen Perchlorate. Das schwer lösliche Kaliumperchlorat wird in der Pyrotechnik verwendet; Ammoniumperchlorat ist Bestandteil von Raketentreibstoffen.

Perchtenlauf: ursprünglich tänzerischer Fruchtbarkeitszauber, heute noch im Pinzgau zum Jahresbeginn üblich als wilde Jagd mit Masken über die Felder, darauf improvisierter Stampf- und Sprungtanz in den Vorhäusern der Gehöfte.

Percy, Thomas, 13.4.1729-30.9.1811, englischer Dichter und Geistlicher; sammelte und edierte mittelenglische Folklore; sein Hauptwerk ist die Sammlung «Überreste alter englischer Dichtung, bestehend aus alten heroischen Balladen, Liedern und anderen Werken unserer früheren Dichter» (1765, erweitert 1767, 1775, 1794).

Perdikkas: 1. um 365-321 vor Christus (ermordet), Feldherr Alexanders des Großen, nach dessen Tod 323 Reichsverweser und Oberbefehlshaber in Asien; trat, im Gegensatz zu anderen Diadochen, für die Erhaltung der Reichseinheit und der Zentralgewalt ein; wurde im Krieg gegen Ptolemaios I. besiegt.

2. Perdikkas II., König von Makedonien, herrschte um 440/413 vor Christus; betrieb zur Aufbesserung der makedonischen Position eine Art Schaukelpolitik zwischen Sparta und Athen während des Peloponnes. Krieges.

pereat: (lateinisch) er (sie, es) möge zugrunde gehen!

Pereda y Sanchez de Porrua, José Maria de, 6.2.1833-1.3.1906, spanischer Schriftsteller; Vertreter des regionalistisch-kostumbristischen Romans in Spanien («Sotileza, das Fischermädchen von Santander», 1884, deutsch).

Peredwischniki, Wanderer, Wanderbündler: Bezeichnung für die Mitglieder der «Genossenschaft für Wanderkunstausstellungen» die 1870, aus dem Artel freier Künstler hervorgehend, in Petersburg gegründet wurde. Ausgehend von den ästhetischen Anschauungen der russischen revolutionären Demokraten über die gesellschaftlichen Funktionen der Kunst und ihrer ideell-ästhetische Wirkung bei der Erziehung des Volkes, bestimmten die Peredwischniki mit ihren Werken wesentlich die Herausbildung des kritischen und demokratischen Realismus in der russischen Malerei des 19. Jahrhundert und popularisierten ihn in 48 Wanderausstellungen.

Pereira: Stadt (Departements Zentrum) im Westen Kolumbiens, 1467 m überm Meer; 310000 Einwohner; Lebensmittel- und Leichtindustrie; Verkehrsknoten, Flughafen; technische Universität; Zoo; in der Nähe Nationalpark von Otun.

Pereira, Aristides, geboren 17.11.1923, kapverdischer Politiker, Mitbegründer der afrikanischen Unabhängigkeitspartei Guineas und der Kapverdischen Inseln und deren Generalsekretär 1973/80; seit 1975 Präsident der Republik Kapverden und seit Januar 1981 Generalsekretär der afrikanischen Unabhängigkeitspartei der Kapverden.

Pereplias: alter russischer Volkstanz im 2/4-Takt; heiterer improvisierter tänzerischer Wettstreit zwischen 2 Männern mit kunstvollen Sprüngen.

Peres, Shimon, geboren 15.8.1923, israelischer zionistischer Politiker; kam 1934 nach Palästina, seit 1959 Mitglied der zionistischen Arbeiterpartei MAPAI, nach der Bildung der Israel. Arbeiterpartei 1968 deren stellvertretender und seit 1977 deren Generalsekretär; 1984/86 Ministerpräsident einer Koalitionsregierung, seit 1986 stellvertretender Ministerpräsident und Außenminister.

Perez, Jizchok Lejb, 30.5.1851-3.4.1915, jiddischer Erzähler und Dramatiker; schilderte in einer großen Zahl von Erzählungen das Leben der Juden in Osteuropa; symbolistisches Drama «Nachts auf dem alten Markt» (1907).

Pérez de Ayala, Ramón, 9.8.1881 bis 5.8. 1962, spanischer Schriftsteller; 1931/36 Botschafter der Spanischen Republik; geistreicher Journalist, Essayist und Literaturkritiker (Essays «Die Masken», 2 Bände, 1917/19); gesellschaftskritische Romane mit eindringliche psychologische Gestaltung der Helden und oft zugunsten geschichtsphilosophischer Überlegungen und Dialoge zurücktretender Handlung («Tiger Juan», 1926, deutsch).

Pérez de Cuéllar, Javier, geboren 19.1.1920, peruanischer Politiker, Diplomat; seit 1971 bei den UN tätig, 1981 zum Generalsekretär der UN gewählt.

Pérez Galdós, Benito, 10.5.1843-4.1.1920, spanischer Schriftsteller; neben dem Versuch einer literarischen Gestaltung der spanischen Geschichte und Gesellschaft im 19. Jahrhundert («Nationale Episoden», 46 Bände, 1873/1912) im Madrider Milieu angesiedelte liberal orientierte Gesellschaftsromane («Doña Perfecta», 1876, deutsch; «Fortunata y Jacinto», 1886/87, deutsch; «Misericordia», 1897, deutsch).

Perfekt, vollendete Gegenwart: Tempus des Verbs, drückt den Vollzug einer Handlung aus und betont deren Resultat, zum Beispiel du «bist gekommen».

Perfektion: Vollendung, vollkommene (besonders technische) Meisterschaft.

Perfektionismus: Ethik auf widerspruchsfreie moralische Vollkommenheit gerichtete Lehren und Bestrebungen; besonders Auffassung in der Aufklärung, dass die ständige Vervollkommnung des einzelnen wie der Menschheit Sinn der Geschichte sei.

Perfektiv: Aktionsart des Verbs, drückt die unteilbare Ganzheit der Handlung aus.

perfid: (französisch) treulos; tückisch; verräterisch.

Perfobindung, Schlitz-Perforier-Klebebindung: Polygraphie Klebebindemethode, bei der während des Falzens der Druckbogen im Bundsteg mittels Perforierrädchen länglicher Schlitze angebracht werden, durch die der Klebstoff dringt und so die einzelnen Bogenteile miteinander verklebt.

Perforation: 1. allgemein gelochte Trennlinie (im Papier), Zähnung (bei Briefmarken).

2. Medizin: Durchbohrung; Eröffnen eines Hohlorgans oder einer Körperhöhle durch Gewalteinwirkung oder Durchbruch eines Geschwürs nach außen beziehungsweise in eine Körperhöhle.

Pergament: (dat. griechisch, nach der Stadt Pergamon) enthaarte, mit Schlämmkreide behandelte und getrocknete Kalb-, Ziegen- oder Schaffelle oder Schweinshaut als Beschreibstoff und als Einbandmaterial; heute nur noch bei besonderen Anlässen.

Pergamentierschwelle: Papierherstellung Maß für den Grad der mechanischen Pergamentierfähigkeit eines Zellstoffes, ausgedrückt durch das Produkt aus Mahlungsgrad und Mahldauer (in Minuten), bei dem der Beginn der Pergamentierung (wenn der Zellstoff durch die aufgewendete Mahlarbeit fettdicht ist) am gebildeten Zellstoffblatt mit Hilfe der Blasenprobe ermittelt wird.

Pergamon: altgriechische Kolonie in Mysien (Kleinasien), heute Bergama, wurde 283 vor Christus Hauptstadt des Pergamenischen Reiches; Wissenschaft und Kunst wurden gefördert. Pergamon kam 133 vor Christus durch Testament Attalos III. an Rom. 133/130 war Pergamon Zentrum der Bewegung des Aristonikos. In Pergamon bildete sich ein Sonderzweig der hellenistischen Kunst heraus, als dessen Hauptwerk der große Zeusaltar, der sogenannt Pergamonaltar (Staatliche Museen zu Berlin), bekannt ist. Pergamon, eines der bedeutendsten kulturellen Zentren des Hellenismus, besaß eine große Bibliothek sowie berühmte Schulen der Grammatik und der Medizin.

perge, perge (lateinisch, «fahre fort»), Abkürzung pp.: und so weiter; meist in der Verbindung etc. pp.

Pergola: bewachsenes Rankgerüst aus Stützen, Querhölzern und aufgesetzten Holmen zur räumliche Gestaltung von Parks und Gärten.

Pergolesi, Giovanni Battista, 4.1.1710-1736 (17.3. begraben), italienischer Komponist; Meister der volkstümlichen neapolitanischen Opera buffa («Die Magd als Herrin», 1733; unter anderem); schrieb ferner ein «Stabat mater» und andere Kirchenmusik sowie verschiedene Instrumentalwerke. Seine Musik zeichnet sich aus durch melodische Schönheit, durch Situationsschilderung und Charakterisierungskunst.

Perl, Jacopo, 20.8.1561-12.8.1633, italienischer Komponist und Sänger; wirkte in Florenz als Hofmusikintendant und wurde mit «Dafne» (1597; nicht erhalten) und «Euridice» (1600) zum Schöpfer der neuen Gattung Dramma per musica.

Periander, um 660-um 585 vor Christus, Tyrann von Korinth seit etwa 628; stützte sich auf arme Bauern, Händler und Handwerker, forderte Kolonisation, Handel, Kunst und Wissenschaft, Ausbau der Häfen und verbot Sklavenkauf und Luxus. Unter ihm wurden die letzten Reste der Gentilordnung beseitigt.

Periarthritis, (griechisch) schmerzhafter, die Bewegung einschränkender Reizzustand der ein Gelenk umgebenden Weichteile.

Peridotit: (griechisch) ultrabasisches, dunkles, vorwiegend aus Olivin bestehendes Gestein.

periglazial: soviel wie Gletschergebiete umgebend; periglazial bezeichnet

a) räumlich Gebiete in der Nachbarschaft von Inlandeismassen und Gletschern in den Hochgebirgen;

b) geomorphologisch Landschaften, die unter dem Einfluss eines subnivalen Klimas mit Dauerfrostboden von der Solifluktion und Kryoturbation wesentlich gestaltet wurden. In der Gegenwart treten periglaziale Prozesse in polaren und subpolaren Gebieten, in vergletscherten Hochgebirgen und in Dauerfrostboden-Gebieten der mittleren Breiten auf.

Perikles, um 494-429 vor Christus, athenischer Politiker, Führer der Demokraten seit 461, seit 443 (mit Ausnahme von 430) ständig zum Strategen gewählt. Mit seinem Wirken ist die höchste Blüte der Sklavenhalterdemokratie auf der Basis eines ökonomischen und kulturellen Aufschwungs, der die Ausbeutung von Sklaven und den Mitgliedern des 1. Att. Seebundes voraussetzte, verbunden. besonders zahlreiche Zeugnisse der Architektur und der bildenden Kunst sind aus dieser Zeit erhalten. Die Expansionspolitik Athens unter Perikles führte aber schließlich zum Zusammenstoß mit Sparta lind zum Peloponnesischen Krieg.

Perimeter: Gerät zur Bestimmung der Größe des Gesichtsfeldes. Der Untersuchungsvorgang wird Perimetrie genannt. Einschränkungen des Gesichtsfeldes finden sich bei Erkrankungen der Sehbahn, zum Beispiel beim Glaukom oder bei Hirndrucksteigerungen, Hirnblutungen, Hirngeschwülsten.

Perimetrium: (griechisch) äußere, der Gebärmuttermuskulatur (Myometrium) aufliegende Schicht; entspricht dem Bauchfell.

perinatal: (griechisch + lateinisch) die Zeit vor, während und nach der Geburt betreffend.

Perinatalmedizin: Teilgebiet der Medizin, das sich mit dem Zustand des Feten und Neugeborenen vor, während und nach der Geburt bis zum 7. Lebenstag des Neugeborenen befasst; beinhaltet sowohl Prophylaxe als auch Therapie von Erkrankungen des Kindes im Mutterleib und des Neugeborenen.

Perinitza: rumänischer geselliger Tanz mit Partnersuche und Kuss.

Periode: 1. allgemein regelmäßig wiederkehrende Abfolge; Kreislauf; Zeitabschnitt.

2. Astronomie: a) Umlauf- oder Umdrehungszeit eines Himmelskörpers;

b) Zeit zwischen 2 gleichen Phasen des Lichtwechsels veränderte Sterne.

3. Geologie: Zeitraum, in dem die Schichtenfolgen eines Systems gebildet wurden. Siehe auch geologische Systeme.

4. Mathematik: a) sich wiederholende Ziffernfolge bei unendlichen Dezimalbrüchen;

b) Zahl, die eine periodische Funktion kennzeichnet.

5. Musik: Satz mit meist 8 Takten, der aus 2 ähnlichen korrespondierenden Halbsätzen, Vorder- und Nachsatz, besteht. Vor allem für die Musik des 19./20. Jahrhundert mit funktionaler Harmonik und akzentuierender Metrik galt die Periode als das «normative Grundschema» (H. Riemann).

6. Physik: Periodendauer.

7. Stilistik: mehrfach zusammengesetztes, kunstvoll gegliedertes Satzgefüge, Form der Hypotaxe.

Periode-Leuchtkraft-Beziehung, Periode-Helligkeits-Beziehung: Abhängigkeit der Periode des Lichtwechsels bestimmter Arten verändert. Sterne von ihrer Leuchtkraft, zum Beispiel bei Delta-Cephei-Sternen. Sie wird zur Entfernungsbestimmung dieser Sterne benutzt.

Periodendauer, Periode, Schwingungsdauer: kleinste Zeitdauer, nach der eine periodische physikalische Größe wieder den gleichen Wert hat, Zeichen T, SI-Einheit s.

Periodensystem der Elemente: tabellarische Anordnung aller chemischen Elemente, die den Aufbau der Atomhüllen widerspiegelt und die chemische Verwandtschaft (insbesondere die periodische Wiederkehr bestimmter Eigenschaften) von Elementen übersichtlich darstellt. Es existieren verschiedene Formen des Periodensystems der Elemente (kurz-, mittel- und langperiodige Tabellen), die jedoch die gleiche Systematik beinhalten. In der üblichen Anordnung werden die waagerechten Spalten als Perioden, die senkrechten als Gruppen bezeichnet. Die Reihenfolge der Elemente im Periodensystem der Elemente wird durch ihre Ordnungszahlen bestimmt, die mit den Kernladungszahlen und den Zahlen der Elektronen in den Hüllen der neutralen Atome identisch sind. Hierbei ergibt sich zugleich eine Reihenfolge nach ansteigender relativer Atommasse, die nur an wenigen Stellen Abweichungen aufweist. Der Beginn einer neuen Periode entspricht stets dem Beginn eines neuen Energiehauptniveaus (einer neuen «Elektronenschale»); dies ist jeweils nach einem Edelgas der Fall. Die 1. Periode umfasst entsprechend der aus der Formel 2 n1 (n = Hauptquantenzahl) mit n = 1 berechneten Maximalbesetzung der 1. Elektronenschale nur 2 Elemente (Wasserstoff und Helium); analog enthält die 2. Periode (n =) 8 Elemente (Lithium bis Neon). Bei den folgenden Perioden wird die Besetzung der Elektronenschalen aus energetischen Gründen jeweils nach einem Edelgas zugunsten des nächsthöheren Energieniveaus unterbrochen und erst beim drittnächsten Element fortgesetzt. Die Elemente, bei denen die Elektronen die äußeren Schalen besetzen, werden als Hauptgruppenelemente, solche, bei denen die Auffüllung von Energieniveaus mit niedrigerer Hauptquantenzahl, also von inneren Schalen, erfolgt, als Nebengruppenelemente (zum Teil auch als Übergangsmetalle) bezeichnet. Bei den Lanthanoiden und Aktiniden wird die drittäußerste Schale von 18 auf 32 Elektronen aufgefüllt, während die beiden äußeren Schalen in der Regel insgesamt 3 Elektronen aufweisen. Die Gruppen des Periodensystems der Elemente umfassen jeweils Elemente mit gleicher Besetzung der äußeren Energieniveaus (also gleicher Anzahl Außen- beziehungsweise Valenzelektronen), wodurch ähnliches chemisches Verhalten, besonders hinsichtlich der Wertigkeiten, bedingt wird. Solche Elementfamilien sind zum Beispiel die Alkalimetalle (I. Hauptgruppe), Chalkogene (VI. Hauptgruppe), Halogene (VII. Hauptgruppe) und Edelgase (VIII. Hauptgruppe); die übrigen werden nach dem ersten Element benannt, zum Beispiel Stickstoffgruppe, Kupfergruppe. In der 8. Nebengruppe bezeichnet man die Elemente der 4. Periode (Eisen, Kobalt, Nickel) als Eisengruppe, die entsprechenden Elemente der 5. und 6. Periode als leichte beziehungsweise schwere Platinmetalle. Aus der Gruppennummer ist im Allgemeinen die (maximale) positive Wertigkeit der Elemente direkt ablesbar (Überschreitung besonders in der 1., Unterschreitung in der 8. Neben- und zum Teil VIII. Hauptgruppe). Die fast nur in der IV. bis VH. Hauptgruppe auftretende negative Wertigkeit errechnet sich als Ergänzung der Gruppennummer zur Zahl 8. Innerhalb der Element Tunilien zeigt sich eine, vorwiegend durch den von oben nach unten zunehmenden Atomradius bedingte, deutliche Abstufung des chemischen und auch physikalischen Verhaltens (Schmelz-, Siedepunkte unter anderem). So nimmt zum Beispiel mit steigender Periodennummer in der Alkalimetallgruppe die Reaktionsfähigkeit zu, in der Gruppe der Halogene dagegen ab. Die Abstufung des Verhaltens zeigt sich auch bei analogen Verbindungen, zum Beispiel bei Halogenwasserstoffen, Alkalihydroxiden. In den Hauptgruppen nimmt der metallische Charakter von oben nach unten zu, innerhalb der Perioden von links nach rechts ab; gegenläufig verhält sich der nichtmetallische Charakter der Elemente. Nachdem J. W. Doebereiner 1829 erstmals «Triaden» ähnliche Elemente zusammenstellte, gelang es L. Meyer (1868) und D. I. Mendelejew (1869) unabhängig voneinander, alle damals bekannten (etwa 60) Elemente in ein System zu bringen. Mendelejew sagte auf Grund der Lücken in seinem System die Eigenschaften einer Reihe damals noch nicht entdeckter Elemente mit erstaunlicher Genauigkeit voraus.

Periodik, Periodizität, Rhythmik: in zeitlichen Abschnitten sich wiederholende Lebensäußerungen bei Lebewesen, zum Beispiel Fortpflanzungsperiodik, Schlaf-, Wach-, Fressrhythmik, Wechsel zwischen Ruhe und Wachstum bei Pflanzen. Auch das Auftreten bestimmter Tierarten kann periodisch erfolgen.

Periodika, periodische Schriften: in meist regelmäßigen Abständen unter gleichem Titel erscheinende Druckschriften (Zeitungen, Zeitschriften, Jahrbücher unter anderem).

periodische Funktion: Funktion f(x), für die es eine Zahl p 0 gibt, so dass für alle x des Definitionsbereiches von f(x) gilt: f(x + p) =f(x). Die Zahl p heißt Periode von f(x). Wenn p die kleinste Zahl mit dieser Eigenschaft ist, heißt p primitive Periode. Für die Funktion f(x) = sin x zum Beispiel gilt: sin (x + 2tt) = sin x, und 2tt ist eine primitive Periode.

Periodontologie: Lehre von den periodontalen Erkrankungen; spezielles Fachgebiet der Stomatologie.

Periöken: (griechisch, «Umwohner») von den Spartiaten unterworfene vordorische Bevölkerung Lakoniens, die die Randgebiete des Landes besiedelte (daher der Name). Periöken waren persönlich frei, hatten aber keine politische Rechte und dienten im Krieg als Hopliten.

Peripatetiker: die nach der Wandelhalle (Peripatos) im Schulkomplex des Lykeion (Hain des Apollon Lykeios) in Athen benannten Anhänger des Aristoteles, die seine Philosophie, die er im Umherwandeln lehrte, oft eigenständig und materialistisch weiterentwickelten, die einzelnen Disziplinen ausarbeiteten und Wissenschaftsgeschichtsschreibung betrieben (Theophrastos, Eudemos, Straton, Alexander von Aphrodisias unter anderem).

Peripetie: (griechisch) in Drama und Epos Wechsel des Schicksals der handelnden Gestalten; im aristotelischen Drama Höhe- und Wendepunkt der Handlung,

peripher, peripherisch (griechisch): am Rande liegend, Rand ...; nebensächlich.

periphere Geräte, externe Geräte, Eingabe-Ausgabegeräte, Kurzwort E/A-Geräte: technische Einrichtungen außerhalb der Zentraleinheit eines Rechenautomaten zur Eingabe, Ausgabe und zum externen Speichern von Daten. Die Verbindung der Zentraleinheit zu den peripheren Geräten geschieht über die Kanäle (Kanal 4) und Gerätesteuereinheiten, die die Datenübertragung von den Kanälen zu den peripheren Geräten und umgekehrt organisieren. Eine Standardisierung der technischen Anschlussbedingungen ist für die Verwendung unterschiedlicher peripherer Geräte erforderlich. Dies gelingt mittels Standardanschluss Bildern (Standardinterface, Abkürzung SIF) zwischen Gerätesteuereinheiten und Kanälen, wie SIF ESER und SIF 1000. Es gibt sehr viele verschiedene periphere Geräte, im ESER über 100. Je nach Wirkprinzip haben periphere Geräte verschiedene Arbeitsgeschwindigkeiten. Zur langsamen Peripherie zählt man Tastaturen, Lochkartengeräte, Lochbandgeräte, Klarschriftleser, graphische Eingabe-/ Ausgabegeräte und Drucker. Da die Zentraleinheit eine wesentlich höhere Arbeitsgeschwindigkeit besitzt, benutzt sie über den Multiplexkanal gewöhnlich mehrere langsame Geräte gleichzeitig. Auch Datenendstellen, wie Organisationsautomaten, Bürocomputer und Bildschirmgeräte, die auch als Fernverarbeitungsperipherie bezeichnet werden, sind an den Multiplexkanal angeschlossen. Die schnelle Peripherie umfasst vor allem externe Speicher (Magnetband-, Magnetplatten-, Disketten- und Magnetkassettenspeicher; siehe auch magnetomotorischer Speicher) und wird gewöhnlich an Selektorkanäle angeschlossen. Spezielle periphere Geräte dienen zum Beispiel der Sprachausgabe und Spracheingabe. Zu den peripheren Geräten zählt man auch solche, die nicht direkt mit der Zentraleinheit verbunden sind, sondern nur mit Datenträgern wie Lochband, Lochkarte und Diskette arbeiten. Bekannt sind Kartenlocher, Lochbandstanzer und Magnetband Beschrifter zur manuellen Datenerfassung, Organisationsmittel und -technik zur Verwaltung der Datenträger sowie Schneidemaschinen, Handlocher und ähnliche Hilfsgeräte zur Wartung von Datenträgern.

Peripherie: 1. allgemein Umkreis, Umfangslinie; Außenseite; Randgebiet (der Großstädte).

2. Datenverarbeitung: soviel wie periphere Geräte.

3. Mathematik: im eigentlichen Sinn Kreislinie; im weiteren Sinne Randkurve eines krummlinig begrenzten Ebenenstücks.

Peripheriewinkel: bezüglich einer Sehne eines Kreises jeder Winkel, dessen Scheitel auf der Kreisperipherie liegt und dessen Schenkel durch die Endpunkte der Sehne verlaufen. Je 2 Peripheriewinkel bezüglich derselben Sehne sind gleich groß, wenn ihre Scheitel auf derselben Seite der Sehne liegen.

Periphrase: Sprachwissenschaft Umschreibung unter Hervorhebung eines, charakteristischen Merkmals, zum Beispiel «Schwarzes Gold» (= Kohle, Erdöl). Periphrase sind auch viele Tropen (Tropus).

Periproktitis: Zellgewebeentzündung um den Mastdarm und den After; kann zu Abszessen und Fisteln führen.

Periskop: Fernrohr mit senkrechtem Sehrohr, dessen Linsen- und Prismen System (Prismen-Periskop) die Beobachtung aus einer Deckung heraus ermöglicht; wird auch in U-Booten verwendet.

Peristaltik: Form der Eigenbewegung von Hohlorganen (zum Beispiel Magen-Darm-Kanal, Harnleiter, Eileiter, Gebärmutter). Beim Magen-Darm-Kanal dient die Peristaltik zur Durchmischung (Mischungsperistaltik) oder zum Weitertransport des Inhaltes (Propulsionsperistaltik). Die entgegengesetzte Muskelbewegung des Magen-Darm-Kanals (Antiperistaltik) kann zur rückläufigen Entleerung führen (zum Beispiel Erbrechen). Die Peristaltik beruht auf örtlich gesteuerten Kontraktionen der glatten Muskulatur, die sich in den Organwänden befindet. Sie kann vom vegetativen Nervensystem und von Hormonen beeinflusst werden.

Peristyl: von Säulenstellungen umgebener Innenhof griechisch-römischer Bauanlagen, bei den Römern besonderer Teil des Privathauses (zum Beispiel in Pompeji).

Peritonsillarabszess: von den Gaumenmandeln ausgehende akute bakterielle Entzündung des Rachens. Meist einseitiger, sehr schmerzhafter Prozess, bei dem oft zugleich eine Kieferklemme (Öffnen des Mundes erschwert) besteht. Die operative Abszesseröffnung dient der Heilung; anschließend ist eine Mandelentfernung erforderlich.

Perizyten: den Haargefäßen (Kapillaren) außen anliegende Bindegewebezellen.

Perkal: leichtes, feinfädiges Gewebe in Leinwandbindung, meist aus Baumwolle; für Hemden und Blusen.

Perkolation: Pharmazie Verfahren zur Gewinnung von Drogenauszügen, bei dem kleingeschnittene Drogen mit Hilfe kontinuierlich fließender Lösungsmittel (Wasser, Äther, Alkohol) in einem Spezialgerät, dem Perkolator, extrahiert werden.

Perkussion: Medizin Untersuchung durch Beklopfen des Körpers. Der Klopfschallbefund erlaubt Rückschlüsse auf Grenzen und krankhafte Veränderungen innerer Organe, zum Beispiel der Lunge.

Perleidechse, Lacerta lepida: größte Art der Halsbandeidechsen, bis 80 cm lang, grün mit blauen Augenflecken; ernährt sich unter anderem von kleinen Wirbeltieren; von Südfrankreich bis Nordwestafrika verbreitet.

Perlenfischerei: Gewinnung von Perlen aus Meeres- und Süßwassermuscheln, die entweder gesucht (durch Taucher) oder gezüchtet werden.

Perlhühner, Numididae: Hühnervögel mit blaugrauem, weißgetupftem Gefieder, leben gesellig in afrikanischen Savannen; in Ostafrika nächtigt das 70 cm lange Geierperlhühner (Acryllium vulturinum) scharenweise auf Büschen und Bäumen, im Bodennest werden 10 bis 14 Eier bebrütet; das Helmperlhühner (Numida meleagris) ist in vielen Unterarten südlich der Sahara verbreitet.

Perlmuscheln: Muschelarten, die durch Abkapselung natürlich eingedrungener oder künstlich eingesetzter Fremdkörper mittels Schalensubstanz mehr oder weniger rundlichen Perlen bilden können. Die regelmäßigsten und schönsten Perlen liefert die See-Perlmuscheln (Pinctada margaritifera), die vorwiegend in tropischen Meeren lebt. In Flüssen kommt die bis 15 cm lange Flussperlmuscheln (Margaritifera margaritifera) vor. Siehe auch Muscheln.

Perlmutter, Perlmutt: die innerste Schicht der Schale mancher Muscheln und Schnecken; wird zu Knöpfen und Schmuckwaren verarbeitet.

Perlmutterfalter, Argynnis: Gattung der Fleckenfalter mit mehreren mitteleuropäischen Arten; Vollinsekten mit braunen, schwarz gefleckten Flügeln, deren Unterseiten perlmutterähnliche Glanzflecken aufweisen. Siehe auch Kaisermantel.

Perlmutterwolken: in 23 bis 28 km Höhe auftretende Wolken, deren Ränder durch die Beugung des Lichts in Perlmutterfarben leuchten (irisieren).

Perlpilz, Amanita rubescens: Art der Wulstlinge mit rötlichbraunem, von Hüllflocken besetztem Hut, weißen Blättern, Stiel mit geriefter Manschette und zwiebelförmiger Knolle; Speisepilz; häufig in Wäldern. Siehe auch Pantherpilz, Pilze.

Perlreaktion: chemisch-analytische Vorprobenreaktion zum qualitativen Nachweis bestimmter Schwermetalle. Nach gemeinsamem Erhitzen einer geringen Menge Analysensubstanz mit einer kleinen Schmelzperle aus Natriumammoniumhydrogenphosphat (Phosphorsalzperle) oder Natriumtetraborat (Boraxperle) in der Oxidations- oder Reduktionszone einer Bunsenflamme zeigt die Perle eine für die jeweiligen Metallionen charakteristische Färbung.

Perlwein: restsüßer Rot- oder Weißwein, infolge Nachgärung oder Kohlendioxidzusatz mit schaumweinähnlichen Eigenschaften. Der Gasdruck beträgt etwa 0,15 bis 0,25 MPa bei 20 °C.

Perm: (nach der sowjetischen Stadt) jüngstes System des Paläozoikums, unterteilt in Rotliegendes (kontinentale Fazies) und Zechstein (marine Fazies). Das Perm ist durch intensive tektonische Aktivitäten, lebhafte vulkanische Tätigkeit (permische Vulkanismus in Mitteleuropa) sowie die Bildung von Kupferschiefer-, Kalisalz- und Steinsalzlagerstätten gekennzeichnet. Das Klima war im Perm sehr gegensätzlich (Nordhalbkugel sehr warm und trocken, Südhalbkugel sehr kalt).

Perm: Stadt (Gebietszentrum) in der RSFSR im Uralvorland, an der Kama; 1,05 Millionen Einwohner; vielseitiger Maschinenbau (besonders Schwermaschinen, Motoren, Flussschiffe) und mannigfaltige Metallverarbeitung, Erdöl- und Erdgasverarbeitung, Superphosphatwerk, Holz-, polygraphische, Papier-, Lebensmittelindustrie; Hafen, Flughafen; Universität (1916 gegründet), 6 Hochschulen; Theater, Philharmonie, Kunstgalerie. Am Nordrand der Stadt liegt das Kama-Wasserkraftwerk (504 MW) mit Stausee (1915 km; Stauraum 12,2 Md.), bei Perm das Wärmekraftwerk Dobrjanka (nach Endausbau 4800 MW).

Permeabilität: 1. Durchlässigkeit einer Substanz für andere Substanzen, zum Beispiel von Polymermembranen für Lösungsmittel, gelöste Moleküle, Ionen, Atome oder Gase oder aber auch von Palladium für Wasserstoff. Die Permeabilität von Zellmembranen für gelöste Teilchen, insbesondere kleine mineralische Ionen, sowie Wasser unterliegt funktionellen Änderungen sowie dem Einfluss von Hormonen, Kalziumionen und elektrischen Potentialen. Siehe auch semipermeabel.

2. Geologie: Durchlässigkeit poröser Gesteine für flüssige und gasförmige Stoffe; besonders bedeutsam für die Zirkulation von Wasser, Erdöl, Erdgas und Erzlösungen.

3. Physik: magnetische Analogon zur Dielektrizitätskonstanten. Man unterscheidet

a) absolute Permeabilität (Zeichen ß): Proportionalitätsfaktor zwischen magnetischer Flussdichte B und magnetischer Feldstärke H, SI-Einheit H/m. Die absolute Permeabilität des Vakuums heißt magnetische Feldkonstante (Induktionskonstante);

b) relative Permeabilität (Permeabilitätszahl, Zeichen ß,): dimensionslose Zahl, die das Verhalten eines Stoffes im magnetischen Feld charakterisiert. Es gilt B= pH= H für das Vakuum ist ft,= 1, für diamagnetische Stoffe ist p, wenig kleiner, für paramagnetische wenig größer als 1. Für ferro- und ferrimagnetische Stoffe ist p, keine Konstante, sondern von der magnetischen Feldstärke und der vorhergehenden Magnetisierung abhängig (siehe auch Hysterese) und viel größer als 1. Siehe auch Suszeptibilität, magnetische.

Permiss, Permission (beide dat.): Bewilligung; Erlaubnisschein.

permissives Fahren: Verfahren zur Einfahrt eines Zuges in einen Block- (Strecken-) Abschnitt, der sicherungs- und zugmeldetechnisch nicht als frei gemeldet ist. Der Zug darf an einem bestimmten Hauptsignal, das Halt zeigt, auf einen besonderen Auftrag (Befehl) oder bei einem besonders gekennzeichneten Mastschild ohne speziellen Auftrag vorsichtig weiterfahren.

Permokarbon: zusammenfassende Bezeichnung für Carbon und Perm in Gebieten, in denen eine eindeutige Trennung nicht möglich oder schwierig ist; der Übergang vom Siles zum Rotliegenden wird Permosiles genannt.

Permoser, Balthasar, 1651 (13.8. getauft) 20.2.1732, Bildhauer, ging nach seiner Ausbildung in Wien und Salzburg 1675/89 nach Italien. In seinem Stil verbinden sich Elemente der deutschen und italienischen Barockplastik. Seit 1689 in Dresden Hofbildhauer, schuf er dort unter anderem mit den Skulpturen des Dresdner Zwingers Kunstwerke, die eine Meisterleistung der dekorativen Plastik seiner Zeit darstellen.

Permotrias: zusammenfassende Bezeichnung für Perm und Trias in den Gebieten, in denen eine scharfe Trennung beider Systeme schwierig ist, besonders auf den Südkontinenten.

Permutation: 1. allgemein Vertauschung, Umstellung, Änderung der Reihenfolge in der Zusammenstellung von Dingen, zum Beispiel in einer Ziffernfolge.

2. Mathematik: Kombinatorik.

Pernambuco: Bundesstaat im Nordosten Brasiliens; 98281 km5, 6,1 Millionen Einwohner; 62 Einwohner/km3; Hauptstadt Recife. Im flachen Küstenstreifen am Atlantischen Ozean (ursprünglich Kokos- und Mangrovenwälder) Zuckerrohranbau; im anschließenden Hügelland (Reste des tropischen Regenwaldes) Anbau von Baumwolle, Tomaten, Bananen, Rizinus, Zitrusfrüchten. Im semiariden Inneren (Sertao) Domwälder und -gebüsche vorherrschend, extensive Viehzucht und Sammelwirtschaft (besonders Carnaubawachs, Ananasfasern). Zucker-, Baumwoll-, Nahrungsmittel-, Leder-, Holzindustrie vor allem um Recife konzentriert; von Bedeutung für Brasilien sind die Uranerzvorkommen.

Pernik: Bezirksstadt im Westen Bulgariens, südwestlich von Sofia, an der Struma; 95000 Einwohner; ältestes bulgarisches Zentrum des Kohlebergbaus und der Eisenmetallurgie (Stahl- und Walzwerk W. I. Lenin); Maschinenbau, metallverarbeitende, Glasindustrie; Theater, Museen; Kulturpalast.

Perniziosa: Bezeichnung für perniziöse («verderbliche») Anämie.

Peron, Juan Domingo, 8.10.1895-1.7.1974, argentinischer Offizier und Politiker; einer der Führer des Staatsstreiches von 1943; errichtete 1946 eine autoritär-nationalistische Diktatur und gewann durch Sozialdemagogie Einfluss auf Teile der Werktätigen; ging 1955 nach dem Sturz durch Militärs ins spanische Exil; 1973 wurde er auf der Grundlage eines begrenzt antiimperialistischen Programms erneut Präsident.

Peronismus: politische Bewegung in Argentinien, die auf die Peron Diktatur (1946/55) zurückgeht. Mit Mitteln sozialer und nationaler Demagogie und über Teilreformen erlangte der Peronismus breiten Einfluss unter den argentinischen Werktätigen, besonders den mittellosen Zuwanderern vom Dorf. Der Aufbau einer peronistischen Partei wurde durch die Schaffung einer eigenständigen nationalreformistischen Ideologie (Justizialismus) ergänzt. Nach 1955 bildeten sich mehrere rivalisierende Flügel, die weiterhin großen Einfluss auf die Gewerkschaftsbewegung hatten.

Perow, Wassili Grigorjewitsch, 2. oder 4.1.1834 bis 10.6.1882, russischer Maler und Zeichner; Gründungsmitglied der Peredwischniki; Hauptvertreter der demokratischen-realistischen Genremalerei der 60er Jahre. Sein Werk zeichnet sich durch kritische Schilderungen der sozialen Widersprüche im Leben des russischen Dorfes sowie ausdrucksstarke, sozial und psychologisch treffend charakterisierende Porträts (F. M. Dostojewski) aus.

Perowskaja, Sofia Lwowna, 13.9.1853-15.4.1881, russische Revolutionärin; führendes Mitglied der Narodnaja Wolja und 1881 am Attentat auf Zar Alexander II. beteiligt; wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Peroxidasen: Häm Enzyme, die Wasserstoffperoxid mit Hilfe eines oxidierbaren Substrats zu 2 Molekülen Wasser und oxydiertem Substrat abbauen. Peroxidasen schützen die Zelle vor dem hochgiftigen Wasserstoffperoxid.

Peroxide: chemische Verbindungen mit der Atomgruppierung -0-0- (evtl. als Ion “0-0"). Alle Peroxide geben leicht Sauerstoff ab, zum Beispiel das gelblichweiße, beim Verbrennen von Natrium entstehende Natriumperoxid, Na202, das in Atmungspatronen Kohlendioxid bindet und dafür Sauerstoff abgibt. Organische Peroxide sind zum Teil explosiv und werden als Polymerisationsinitiatoren verwendet.

perpetuell: (französisch) fortwährend, unaufhörlich, ununterbrochen.

Perpetuum mobile: 1. allgemein das (von selbst) beständig Bewegliche.

2. Physik: fiktive Maschine, deren Bau nach der Erfahrung unmöglich ist. Das Perpetuum mobile Art ist eine Maschine, die ohne äußere Energiezufuhr und ohne Verminderung ihres Energieinhaltes ständig Arbeit leistet. Das Perpetuum mobile 2. Art ist eine periodisch wirkende Maschine, die nichts anderes tut, als einem Reservoir (zum Beispiel dem Meerwasser) ständig Wärmeenergie zu entziehen und sie restlos in mechanischer Arbeit umzuwandeln. Siehe auch Hauptsätze der Thermodynamik.

Perpignan: Stadt im Süden Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Pyrenees Orientales, in der Landschaft Roussillon; 100000 Einwohner; Herstellung von Konserven, Wirkwaren, Schuhen; Wein- und Gemüsehandel; Museum; Zitadelle, gotische Kathedrale.

Perrault: 1. Charles Perrault, 12.1.1628-16.5.1703, französischer Schriftsteller; bekannt vor allem durch seine exemplarische Nacherzählung europäischen Volksmärchen; löste mit seinem Poem «Das Jahrhundert Ludwigs des Großen» 1687 den «Streit der Alten und der Neuen» (Frankreich (Literatur)) aus.

2. Claude Perrault, 25.6.1613-8.10.1688, französischer Architekt und Architekturtheoretiker; Vertreter des streng klassizistischen Louis-Quatorze-Stils; sein Hauptwerk, die Ostfassade des Louvre in Paris (1667/74), wurde vorbildlich für die klassizistische Strömung der französischen Baukunst.

Perret, Auguste, 2.2.1874-4.3.1954, französischer Architekt; wirkte mit der Anwendung von Stahlbeton im Wohn- und Industriebau bahnbrechend auf die Entwicklung der Architektur des 20. Jahrhundert (Haus in der Rue Franklin in Paris, 1903; erster konsequenter Betonskelettbau). Höhepunkt seines Schaffens und wegweisend für den modernen Kirchenbau ist Notre-Dame in Le Raincy (1922/23).

Perron, Edgar du, 2.11.1899-14.5.1940, niederländischer Schriftsteller; Mitbegründer der 1932/35 herausgegebenen Zeitschrift «Forum» (siehe auch Niederlande (Literatur)); schrieb Lyrik («Mikrochaos», 1932), Romane und Erzählungen («Das Land der Herkunft», 1934, autobiographisch), auch Literaturkritik und Essayistik.

Persenning: wasserdicht imprägniertes Leinwandgewebe für Planen, Segel- und Zelttuch, besonders zur Abdeckung von Beibooten, Luken unter anderem verwendet.

Persephone, griechische Toten-, Unterwelts- und Fruchtbarkeitsgöttin (römisch Proserpina), auch Kore (Mädchen) genannt; Tochter des Zeus und der Demeter, von Hades in die Unterwelt entführt; auf Bitten der Mutter durfte sie für zwei Drittel des Jahres auf die Oberwelt zurückkehren.

Persepolis: (griechisch, «Perserstadt») Ruinenstätte in Iran, nordöstlich des heutigen Schiras; zweite Hauptstadt des altpersischen Reiches; von Dareios I. zwischen 518 und 515 vor Christus gegründet, durch Alexander den Großen 330 vor Christus zerstört. Die Ruinen stellen wichtige Zeugnisse persisch-achämenidischen Hofkunst dar und lassen vorderasiatische, ägyptische und griechische Vorbilder erkennen. Nahebei liegen die Königsgräber (Felsgräber von Naqsch-i-Rustam) und die chalkolithische Siedlung Tall-i-Bakun (4. Jahrtausend vor Christus).

Perser: indoeuropäisches Volk in Iran und Teilen Afghanistans; etwa 20 Millionen; die Gläubigen sind meist Anhänger der schiitischen Richtung des Islam.

Perserkatze: (nach dem Volk) bekannteste und verbreitetste Rasse der Langhaarkatzen mit gedrungenem Rumpf, großem rundlichen Kopf und seidigem langem Haarkleid; in 16 Farbschlägen (schwarz, weiß, blau, rot, creme unter anderem). Siehe auch Katzen.

Perserkriege: zwischen Griechen und Persern 492/449 vor Christus um die Vorherrschaft im Ägäischen Meer ausgetragener Kampf. Persien beabsichtigte, den griechischen Seehandel unter Kontrolle zu bringen. Nach fehlgeschlagenen Angriffen 492 am Athos und 490 bei Marathon besetzte der Perserkönig Xerxes 480 Nord- und Mittelgriechenland und zerstörte dabei auch Athen. Jedoch wurden die persische Flotte 480 bei Salamis und das Heer 470 bei Platää besiegt. Seit dieser Zeit blieb Persien bis zum Frieden des Kallias (449/448) in der Defensive.

Perseus, Held der griechischen Sage, Sohn des Zeus und der Danae; erhielt von Polydeukes den Auftrag, das Haupt der Medusa zu holen; befreite Andromeda und erhielt sie zur Frau.

Perseus, um 213-165 oder 162 vor Christus, letzter König von Makedonien (179/168 vor Christus); bildete ein antirömisches Bündnis mit dem Seleukidenreich Bithynien, Rhodos sowie thrakische und illyrischen Stämmen; wurde aber 168 bei Pydna von den Römern vernichtend geschlagen.

Perseveration: (lateinisch, «Verharrung») Haftenbleiben von Vorstellungen beziehungsweise ihr zwanghaftes Wiederkehren ohne äußeren Anlass (zum Beispiel eine Melodie).

Pershing II: (nach einem US-amerikanischen General) Weiterentwicklung der Boden-Boden-Rakete MGM31A Pershing 1A; eine zweistufige operativ-taktische Rakete, die mit einem Trägheitsnavigationssystem für die Marschflugphase und einer Geländevergleichs-Zielsuchlenkung ausgerüstet ist. Ihre Zielabweichung beträgt bei einer Reichweite von 2 500 km weniger als 20 m. Die Pershing II gehört zum Erstschlagpotential.

Persianer: (nach Persien) Handelsname für Felle reinrassiger Karakulschafe; ursprünglich nur naturschwarz vorkommend, werden jetzt auch graue, braune und andere Farbtöne gezüchtet. Durch moderne Verfahren der Rauchwarenveredlung kann das naturschwarze Fell auch in allen Tönen gefärbt werden.

Persipan: Marzipanersatz aus Persipanrohmasse (entbitterte Pfirsich- und Aprikosenkerne statt Mandeln als Rohstoff).

persische Kunst: Kunst in Persien während der Herrschaft der Achämeniden; wurde von parthischer und sassanidischer Kunst abgelöst. Die persische Kunst war eine ausgesprochene Hofkunst; sie fußte auf iranisch-altorientalische Traditionen unter Verwertung griechischer Einflüsse. Erhalten sind reiche Paläste mit offenen Säulenhallen und verzierten Kapitellen, mit Reliefschmuck an Treppenaufgängen und Torpfeilern sowie farbig glasierten Ziegelreliefs; Felsgräber der Könige mit Palastfassade (zum Beispiel Naqsch-i-Rustam) sowie Felsreliefs (Behistun, dort berühmte dreisprachige Inschrift des Dareios I.). Hauptfundorte sind Persepolis, Pasargadae und Susa.

persische Literatur: im engeren Sinne die neupersischen Literatur, im weiteren Sinne diejenigen iranischen Literaturen, aus deren Sprachen (iranische Sprachen) sich das Neupersische entwickelt hat. Von der altpersischen Literatur sind Keilinschriften (um 500/330 vor Christus) der Achämeniden erhalten. Auch das Awesta geht bis in die altiranische Zeit zurück, ist aber in Bruchstücken erst aus mittelpersischer Zeit erhalten. In der mittelpersischen Literatur (Pahlawi-Literatur) gab es zahlreiche Übersetzungs- und Originalwerke (auch Felsinschriften). Nach dem Sturz der Sassaniden (651) wurde das Mittelpersische mehr und mehr zur Priestersprache. Neupersisch entwickelte sich als neue Literatursprache. Nach der arabischen Invasion (634/651) wurden im 7. /9. Jahrhundert in das Neupersische viele arabische Elemente übernommen. Zahlreiche Perser dieser Zeit schrieben in arabischer Sprache, so der Grammatiker Sibawaihi, der Historiograph at-Tabari und die Naturwissenschaftler und Philosophen al-Biruni und Ibn Sina. Erst im 9./10. Jahrhundert entstand eine selbständige persische Literatur Starke Fürstentümer an der Peripherie des arabischen Machtbereichs wurden zu Zentren höflicher Dichtung. Die neupersische Sprache wurde zur führenden Literatursprache des Mittleren Ostens, so dass an der persischen Literatur des 10./15. Jahrhundert (der sogenannt klassischen Zeit) auch viele Nichtperser beteiligt waren (zum Beispiel Amir Khusrau Dehlawi). Als Begründer der neupersischen Literatur gilt Rudaki, gefolgt von dem ersten großen persischer Dichter Ferdousi, dem Schöpfer des iranischen Nationalepos «Schahname». Der früheste Klassiker der persischen Lehrdichtung war im 11. Jahrhundert Naser-e Chosrou. Das 12./15. Jahrhundert war die Blütezeit der klassischen persische Literatur, die zum größten Teil aus Werken der Poesie bestand und auf der Grundlage der arabischen Metrik einen großen Formenreichtum entfaltete. Die bedeutendsten Dichter dieser Zeit waren der Gelehrte Omar Chajjam, gefolgt von Nisami Gandshewi, Dschalal-ad-Din Rnmi, Sa’di, Hafes, Obeid-e Sakani. Letzte bedeutsame Leistung und zugleich Abschluss der klassischen persischen Dichtung war im 15. Jahrhundert das Schaffen von Dschami. Zur selben Zeit erreichte auch die Geschichtsschreibung in Mirchond einen Höhepunkt. Um 1500 spaltete sich das große persischen Kulturgebiet in 3 Teile: den westlichen unter der Dynastie der Safawiden, den mittelasiatischen unter den (usbekischen) Schaibaniden und den afghanischen unter Babur. Die klassische persische Sprache begann sich in diesen Teilen jeweils gesondert zu entwickeln (Persisch, Tadshikisch, Dari), dementsprechend auch die einzelnen nationalen Literaturen. Trotz der Schaffung eines einheitlichen persischen Nationalstaates durch die Safawiden im 16. Jahrhundert blieben in dieser Zeit größere literarische Leistungen aus. Bemerkenswert sind die volkstümlichen Passionsspiele, die im 18. Jahrhundert an Einfluss gewannen. Mitte des 19. Jahrhundert begannen sich die europäischen Einflüsse zu verstärken (viele Übersetzungen, besonders aus dem Französischen). Die Entwicklung des Kapitalismus führte zur stärkeren Auseinandersetzung mit sozialen Fragen und ausländischer Machtpolitik. Kaani gilt als der bedeutendste persische Dichter des 19. Jahrhundert Sainul-Abedin geißelte die Missstände seiner Zeit in dem ersten persischen Roman «Das Reisebuch des Ibrahim Beg». Die persische Literatur des 20. Jahrhundert setzt sich kritisch mit der europäischen Zivilisation und ihrem Gedankengut auseinander, wobei nationale und soziale Tendenzen im Vordergrund stehen.

Persischer Golf, Arabischer Golf: verkehrsreiches, flaches Nebenmeer des Indischen Ozeans zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel; durch die Straße von Hormus mit dem Golf von Oman verbunden; 240000 km2, bis 102 m tief; mit einer mittleren Wassertemperatur von 35 °C das wärmste Meer der Erde; Salzgehalt bis zu 40 %«; umfangreiche submarine Erdöllagerstätten; bedeutende Perlenfischerei.

Persistenz: 1. allgemein Beharrlichkeit, Ausdauer; Hartnäckigkeit.

2. Medizin: Erhalten bleiben von Keimen mit unveränderter Empfindlichkeit gegenüber Chemotherapeutika bei antiinfektiöser Behandlung.

Persistenzquote: Medizin prozentualer Anteil der erhalten gebliebenen Keime beziehungsweise des nach einer bestimmten Zeit im Organismus noch vorhandenen Arzneimittels. Siehe auch Persistenz 2.

Persius, Aulus (auch Aules) Flaccus, 4.12.34-24.11.62, römischer Dichter; nach seinem Tode wurden 6 Satiren herausgegeben, die sich durch außergewöhnliche Sprache auszeichnen; im Mittelalter seiner ethischen Haltung wegen sehr geschätzt.

Person: Recht zusammenfassende Bezeichnung für Bürger und juristische Personen als Rechtssubjekte, das heißt als Träger von Rechten und Pflichten.

Persona grata: «erwünschte Person» diplomatischer Vertreter, für den der Empfangsstaat das Agrement beziehungsweise die Einreise erteilt hat. Siehe auch Persona non grata.

Personalakte: Zusammenstellung von Dokumenten über die berufliche, gesellschaftliche und persönliche Entwicklung eines Werktätigen (auch Kaderakte genannt); ist von den Betrieben nach einer verbindlichen Ordnung zu führen.

Personalausweis: von der Volkspolizei ausgestellter Ausweis mit Lichtbild, Angaben zur Person und deren Wohnsitz. Der Personalausweis wird ab 14. Lebensjahr erteilt. Personalausweis im Sinne der Personalausweisordnung sind der Personalausweis für Bürger der DDR beziehungsweise die Aufenthaltserlaubnis für Ausländer.

Personalcomputer: Mikrorechner für individuelle Nutzung als Arbeitsplatzrechner, Büro- oder Heimcomputer mit Tastatur, Bildschirmgerät, Disketten- oder Magnetbandkassettenspeicher und eventuell einem Drucker als periphere Geräte. Die verbreitete Anwendung der Personalcomputer führt zu einem hohen Rationalisierungseffekt in Verwaltung, Produktion, Dienstleistung u.a. Personalcomputer erhöhen auch die Effektivität intellektueller Tätigkeit.

Personalform, finite Form: gebeugte Form des Verbs, die mit dem Subjekt in Person und Numerus übereinstimmt und außerdem Tempus, Genus verbi und Modus angibt.

Personalgesellschaft, Personengesellschaft: nicht rechtsfähige Handelsgesellschaft, für deren Verbindlichkeiten das gemeinsame Vermögen der Gesellschafter (Gesellschaftsvermögen) und mindestens ein Gesellschafter persönlich haften. Siehe auch Kapitalgesellschaft.

Personalismus: 1. von F. D. Schleiermacher geprägte, von J. W. Goethe und L. Feuerbach verwendete Bezeichnung für den Glauben an einen persönlichen Gott (Theismus).

2. philosophische Richtung, zum Teil enge Bindung an religiöses Denken, die den Menschen als (nicht sozialhistorisch verstandene) handelnde, wertende «Person» auffasst; enge Beziehungen zu Pragmatismus und Existentialismus.

Personalpronomen, persönliches Fürwort: Art der Pronomen; steht für Substantive (ich, du, er).

Personalunion:

1. Völkerrecht: Verbindung zweier monarchischen Staaten durch die Gemeinsamkeit des Staatsoberhaupts auf Grund der Thronfolgeregelung. Die Personalunion beeinträchtigt nicht die rechtliche Selbständigkeit der Staaten. Personalunion gestand zum Beispiel zwischen Großbritannien und Hannover 1714/1837. Siehe auch Realunion.

2. Wirtschaft: Zusammenfassung verschiedenartiger Leitungsfunktionen in einer Hand; im Imperialismus enge personelle Verflechtung zwischen Industrie-, Handels- und Bankmonopolen (siehe auch Finanzoligarchie) sowie der Monopole mit dem Staatsapparat. Führende Vertreter der herrschenden Klasse nehmen Schlüsselpositionen in Monopolen, Unternehmerverbänden und staatlichen Organen gleichzeitig ein beziehungsweise wechseln zwischen ihnen nach Bedarf.

Persona non grata: (lateinisch, «unerwünschte Person») diplomatischer Vertreter, dem der Empfangsstaat das Agrément nicht erteilte oder wieder entzog. Siehe auch Persona grata.

Personenkennzahl, Abkürzung PKZ: amtlich festgelegte Kennzahl für jeden Bürger der DDR, die Auskunft über sein Geburtsdatum und sein Geschlecht gibt und der effektiven Anwendung der elektronischen Datenverarbeitung in der Verwaltung dient.

Personenkraftwagen, Abkürzung PKW, Pkw ein Kfz zur Beförderung von höchstens 8 Personen und Gepäck. Einteilung in Kleinwagen (500 bis 1000 cm3 Hubvolumen), Gebrauchs- oder Mittelklassewagen (bis etwa 1 300 cm3), mittelschwere PKW (1 300 bis 2000 cm3) und schwere PKW (über 2000 cm3). Der Aufbau ist hauptsächlich als Limousine, aber auch als Coupé, Kabriolett unter anderem ausgeführt; der Antrieb erfolgt meist mittels Viertakt-Ottomotors, seltener mittels Zweitakt-Otto- beziehungsweise Dieselmotors.

Personenkult: Überbetonung der Rolle führender Persönlichkeiten verbunden mit Geringschätzung der Volksmassen; Wesensmerkmal bürgerlicher Ideologie. Personenkult ist der revolutionären Arbeiterbewegung wesensfremd; er kann zu Ungesetzlichkeiten und Willkür führen.

Personenstand: Familienstand; die auf Verwandtschaft, Annahme an Kindes Statt, Eheschließung, Tod unter anderem beruhende familienrechtliche Beziehung eines Menschen zu anderen. Die Beurkundung des Personenstands erfolgt durch Eintragung in das Geburten-, Ehe- oder Sterbebuch. Siehe auch Personenstandswesen.

Personenstandswesen: Aufgabenkreis der staatlichen Organe, insbesondere der Standesämter, die den Personenstand eines Bürgers durch Eintragung in das Geburten-, Ehe- oder Sterbebuch zu beurkunden sowie Eheschließungen und Namensänderungen vorzunehmen haben. Von den Eintragungen in den Personenstandsbüchern können Urkunden ausgestellt und beglaubigte Abschriften gefertigt werden. Siehe auch Urkundenstellen.

Personenversicherung: Sammelbezeichnung für Versicherungsformen, deren Vertragsgegenstand das menschlichen Leben selbst beziehungsweise bestimmte Ereignisse im menschlichen Leben sind. Die Personenversicherung umfasst alle Formen der Lebensversicherung, der Unfallversicherung und der privaten Krankenversicherung sowie deren verschiedene Kombinationen (zum Beispiel kombinierte Personenversicherung für Berufstätige).

Personifikation, Personifizierung (beide französisch): Stilistik - sprachliches Bild der Vermenschlichung von Dingen, Tieren unter anderem

persönliches Planangebot: Wettbewerbsinitiative zur Erfüllung und gezielten Überbietung des Planes, besonders in seinen qualitativen Kennziffern; wurde von der Maschinenarbeiterin C. Kellermann 1978 im VEB Fernmeldewerk Nordhausen entwickelt. Ausgangspunkt ist die Aufschlüsselung des Planes und die Vorgabe direkt beeinflussbarer Kennziffern bis auf den einzelnen Arbeitsplatz (Menge, Qualität, Arbeitszeit- und Grundmittelauslastung, Material- und Energieeinsparung unter anderem). Nach gründlicher Beratung der Planaufgaben und Durchdenken der eigenen Möglichkeiten unterbreiten die Werktätigen persönlichen Verpflichtungen beziehungsweise ihren schöpferischen Plan zur Überbietung dieser Aufgaben.

Persönlichkeit: der sich in seinen sozialen Wechselbeziehungen entwickelnde Mensch mit seiner geistigen Welt und den praktischen Aktivitäten, die ihn als Subjekt seines Verhältnisses zur gesellschaftlichen Wirklichkeit und zu sich selbst, insbesondere seiner Arbeit, charakterisieren. Im Unterschied zu den Begriffen Individuum, Individualität hebt Persönlichkeit die historisch konkrete soziale Qualität des Menschen hervor, jene Eigenschaften, die eine relativ beständige Art der Verarbeitung äußerer Einwirkungen und der eigenen Wirksamkeit sichern. In den Klassengesellschaften existieren unterschiede Persönlichkeitstypen, letztlich in Abhängigkeit von den jeweiligen Eigentumsformen und Klassenverhältnissen. Die sozialistische Persönlichkeit wird historisch möglich auf der Basis des sozialistischen Eigentums sowie des sozialistischen Staates. Sie ist charakterisiert durch bewusste Orientierung auf das Verwirklichen von Erfordernissen des Sozialismus und des Menschheitsfortschritts, besonders jener Erfordernisse, die in den eigenen Wirkungsbereichen liegen. Das Wirken der sozialistischen Persönlichkeit ist insbesondere abhängig von ihrer weltanschauliche Bildung und ihren fachlichen und sozialen Kenntnissen und Fähigkeiten. Die zunehmende Entwicklung der sozialistischen Persönlichkeit, ihres Engagements und ihrer Initiativen ist notwendig für das Ausschöpfen der Potenzen des Sozialismus.

Persönlichkeitsgutachten: schriftliche Darstellung einer Persönlichkeit durch einen Psychologen auf der Grundlage psychodiagnostisches Verfahren; dient zum Beispiel der Erklärung eines bestimmten Verhaltens (bei Gericht), der Feststellung der Eignung für eine bestimmte Tätigkeit.

Persönlichkeitspsychologie: Disziplin der Psychologie, die die individuellen, oft auch typologische Besonderheiten von Menschen, besonders ihres sozialen Verhaltens, erforscht; meist werden genetische, strukturelle und pathologische Persönlichkeitspsychologie unterschieden.

Persönlichkeitsrechte: Rechte, die mit der Persönlichkeit des Berechtigten verbunden sind und nicht oder nicht primär Vermögenscharakter tragen; insbesondere Recht auf Achtung der Ehre, des Ansehens, des Namens, des Bildes sowie der Urheberschaft. Bei Verletzung der Persönlichkeitsrechte besteht Anspruch auf Beseitigung, Richtigstellung, Widerruf, Überlassung und gerichtliche Feststellung der Rechtsverletzung, gegebenenfalls Schadenersatz.

Personnage: Gesamtheit der Gestalten in einem Roman, Theaterstück, Hörspiel, Ballett unter anderem

Perspektive:

1. Geometrie: 1 Projektion, Kavalierperspektive, Militärperspektive.

2. Kunst: Darstellung eines räumlichen Erscheinungsbildes in der Fläche, so dass die Illusion der räumlichen Tiefe entsteht, hervorgebracht durch mathematische, gesetzmäßige Verkürzung der in die Raumtiefe laufenden Parallelen, die sich für jede Richtung in einem Punkt (Fluchtpunkt) schneiden, und durch zunehmende Verkleinerung aller Gegenstände und Personen nach der Tiefe zu. Bei der Vogelperspektive ist der Gesichtspunkt besonders hoch, bei der Froschperspektive niedrig gewählt. Neben dieser Linearperspektive oder Zentralperspektive gibt es eine Luftperspektive, die die Veränderung der Farben bei wachsender Entfernung berücksichtigt. Die Antike benutzte, ohne die Gesetze der Perspektive zu kennen, einzelne ihrer Elemente zur Erzeugung von Tiefenillusion. Die Entdeckung der mathematisch konstruierbaren Perspektive und ihrer Gesetze wird F. Brunelleschi zugeschrieben (um 1420). Fast gleichzeitig und in der Folgezeit wurde diese für die Entstehung einer realistischen Malerei entscheidende Errungenschaft in Theorie und Praxis durch Masaccio, J. van Eyck, Uccello, L. B. Alberti, Leonardo da Vinci, A. Dürer unter anderem weiterentwickelt. Im Barock wurden kühnste perspektiv. Wirkungen in der Deckenmalerei und im Bühnenbild erzielt; teilweise erzeugte man mittels der Perspektive auch illusionistische Wirkungen in der Baukunst.

3. übertragen Aussicht: (für die Zukunft), (berufliche) Entwicklungsmöglichkeit; Sicht.

Perspektivplanung: allgemeine Bezeichnung für die lang- und mittelfristige Planung der Volkswirtschaft und ihrer Teilbereiche. In den RGW-Mitgliedsländern werden langfristige Pläne für 10 bis 15 Jahre und mittelfristige Pläne für 5 Jahre (Fünfjahrpläne) ausgearbeitet. Die Perspektivplanung hat sich auch in der Planungszusammenarbeit der RGW-Mitgliedsländer, besonders bei der Lösung der Rohstoff- und Energieprobleme sowie bei der Beschleunigung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts bewährt.

Perth: 1. Hauptstadt Westaustraliens, 19 km vor der Mündung des Swan River in den Indischen Ozean; mit Vororten 1 Millionen Einwohner; Maschinenbau, chemische, vielseitige Leicht-, Lebensmittelindustrie; Handelszentrum (Messe), Vorhafen Fremantle, nordöstlich von Perth internationaler Flughafen; 2 Universitäten; Theater, Museen, Staatsbibliothek, botanischer Garten, Zoo, in der Nähe Aluminiumhütte.

2. Stadt im mittleren Schottland (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Region Tayside, am Tay; 42000 Einwohner; Färbereien, Whisky-, Jute- und Glasindustrie; Viehmarkt; Hafen; Akademie.

Perthes: 1. Friedrich Christoph Perthes, 21.4.1772 bis 18.5.1843, Buchhändler und Verleger; betrieb seit 1796 in Hamburg die erste Sortimentsbuchhandlung Deutschlands, gründete 1822 in Gotha einen Verlag für historische und theologische Literatur; nahm 1813 am nationalen Befreiungskampf teil; 1825 Mitbegründer des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig.

2. Johann Georg Justus Perthes, 11.9.1749-1.5.1816, Buchhändler; Onkel von Perthes 1; gründete 1785 in Gotha einen Verlag, aus dem die Geographische-Kartographische Anstalt Gotha hervorging. Bedeutende Erzeugnisse des Verlages waren Atlanten, Schulwandkarten und geographische Periodika.

Pertini, Sandro, geboren 25.9. 1896, italienischer Politiker; seit 1918 Mitglied der Italienischen sozialistischen Partei; wegen seines antifaschistischen Kampfes 1929/43 mehrmals in Zuchthaus und Verbannung, 1943/45 führend im bewaffneten Widerstandskampf; 1968/76 Präsident der Abgeordnetenkammer, 1978/85 Staatspräsident.

Pertubation, Perflation: Durchblasen der Eileiter mit Kohlendioxid zur Feststellung der Durchgängigkeit oder zur Lösung von Verklebungen; Behandlung bei sterilen Frauen, um eine Schwangerschaft zu ermöglichen.

Peru, Republik Peru: Staat im Westen Südamerikas, am Stillen Ozean. Nachbarländer sind im Norden Ekuador und Kolumbien, im Osten Brasilien und Bolivien und im Süden Chile. Peru gliedert sich verwaltungsmäßig in 23 Departements sowie die hauptstädtliche Provinz El Callao.

Bevölkerung: Sie besteht zu etwa 50% aus Indios, zu 37% aus Mestizen, zu 13% aus Kreolen und zu einer geringen Zahl aus Afroamerikanern, Mulatten und Asiaten (Japaner, Chinesen). Amtssprache ist Spanisch, seit 1975 auch Ketschua; als Umgangssprache wird noch Aimará gesprochen. Etwa 60% der Einwohner leben in Städten; die größte Bevölkerungsagglomeration ist das Gebiet von Lima (5 Millionen). Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt 2,8%.

Natur: Oberfläche. Im Westen liegt die bis 50km breite und 2000 km lange, stark besiedelte Küstenzone («Costa») mit dem westlichen Andenvorland. Im zentralen Landesteil bilden die beiden Züge der Kordilleren die «Sierra», die Gebirgszone. In der Hauptkordillere erreicht sie Höhen von 6768 m (Huascaran); der südliche Teil ist vulkan- und erdbebenreich. zwischen den beiden Hauptketten ist das zentrale Hochland (Altiplano) mit zahlreichen Hochgebirgsbecken eingeschlossen. In einem dieser Becken im Süden liegt der Titicacasee. Der Osten umfasst als «Montaña» (Bergland) das östlichen Andenvorland mit dem oberen Amazonasbecken (Selva). Dieses noch fast ungenutzte Urwaldgebiet wird jetzt wegen der großen Entwicklungsmöglichkeiten (Holzvorräte, Erdöl- und Erdgaslagerstätten) stärker besiedelt und erschlossen. Klima. Das tropische Klima wird von nur geringen jahreszeitlichen, aber großen Tagesschwankungen im Temperaturverlauf charakterisiert und durch den Gebirgseinfluss abgewandelt. Der kalte Humboldtstrom bewirkt eine Temperaturabsenkung und entsprechende Trockenheit an der Küste. Die Feuchtigkeit kondensiert sich nur als Küstennebel (Garúa), besonders im Winter. Gewässer. Von 52 Küstenflüssen führen nur 10 ganzjährig Wasser. Außerhalb des schmalen Küstenstreifens entwässern die Flüsse zum Amazonas; die bedeutendsten sind Huallaga, Marañón, Ucayali; im Süden sind die Becken abflusslos. Pflanzenwelt. Die Küstenzone besitzt Wüsten- und Steppencharakter, im Hochland Grasland und Hochsteppen, die Flussoasen im Küstensaum sind vegetationsreich, im Amazonastiefland tropischer Regenwald; 54% Perus sind von Wäldern bedeckt. Bodenschätze. Im Schelfsockel am Stillen Ozean ist Erdöl nachgewiesen worden, am östlichen Andenrand werden Erdöl und Erdgas gefördert, im Hochland zum Teil seit langer Zeit Abbau von Silber-, Kupfer-, Blei-, Zink-, Eisen-, Zinn-, Wismut-, Cadmium-, Antimon- und Molybdänerzen. Außerdem gewinnt man Steinkohle, Guano und Phosphate, während die Goldwäscherei zurückgeht.

Geschichte: In präkolumbischer Zeit war Peru Zentrum bedeutender Indianerkulturen (Mochica, Chimú, Inkareich unter anderem). 1531/33 wurde das Inkareich von F. Pizarro, begünstigt durch innere Gegensätze zwischen Atahualpa und Huascar, erobert. 1542 entstand das Vizekönigreich Peru Wiederholt erhoben sich die ausgebeuteten und der Zwangsarbeit besonders in den Bergwerken unterworfenen Indianer gegen Spanien; 1780/83 kam es unter Tupac Amaru zum größten Indianeraufstand der amerikanischen Geschichte. In der Unabhängigkeitsrevolution ab 1810 blieb Peru zunächst royalistischer Bollwerk; wurde seit 1820 von Chile aus durch J. de San Martin, 1823/24 durch S. Bolívar y Palacios befreit. In der nachrevolutionären Zeit herrschten offene politische Anarchie und wirtschaftliche Stagnation. Erst mit Beginn des Woll- und Guano Exports und den liberalen Reformen unter R. Castilla (1845/51, 1855/62) stabilisierte sich die Staatsgewalt. Einen schweren Rückschlag bedeutete der Pazifische Krieg (1879/83), in dem Peru die salpeterreichen Provinzen Tacna und Arica an Chile verlor. Seit der Jahrhundertwende wuchs der Einfluss des USA-Kapitals. Unter dem Eindruck der Oktoberrevolution nahm die Arbeiter- und Bauernbewegung 1918/19 einen bedeutenden Aufschwung. Dagegen errichtete Präsident A. Leguia eine offene Diktatur (1919/30); alle Oppositionsparteien einschließlich der damals linksbürgerliche Amerikanische Revolutionäre Volksallianz (spanisch Abkürzung APRA) wurden verfolgt. 1930 stürzte die Diktatur; aus der 1928 gegründeten sozialistischen Partei entstand 1930 die KP. Unter der Militärdiktatur von O. Benavides (1933/39) orientierte sich Peru außenpolitisch auf die faschistischen Staaten, doch unter Präsident M. Prado (1939/45) stellten die USA ihren Einfluss wieder her, Präsident M. Odria (1950/56) schloss 1952 ein Militärabkommen mit den USA. Unter dem Einfluss der kubanischen Revolution belebte sich die antiimperialistische Volksbewegung. 1962 wurde eine Militärdiktatur errichtet; 1963 siegte F. Belaunde Terry mit linker Unterstützung bei Präsidentenwahlen; die revolutionäre Bewegung der indianischen Bauern steigerte sich 1964/65 zu gewaltsamen Landbesetzungen und Guerillakämpfen, so dass das großbürgerlich-latifundistische Regime ins Wanken kam. Patriot. Militärs übernahmen 1968 unter General J. Velasco Alvarado die Macht und leiteten antiimperialistisch-antioligarchische Reformen ein (Enteignung der International Petroleum Co., Agrar-, Industrie- und Bildungsreform) und normalisierten die Beziehungen Perus zu den sozialistischen Staaten. Angesichts der Gefahr, die Grenzen bürgerlicher Reformen zu überschreiten, wurde Velasco Alvarado von der Macht verdrängt. Präsident F. Morales Bermúdez (1975/80) stoppte den Reformprozess unter dem Druck des USA-Imperialismus sowie transnationaler Monopole. Die traditionellen Parteien drangen erneut vor und wälzten die Krisenlasten auf die Werktätigen ab. Der Versuch, antioligarchische Reformen zurückzunehmen, verschärfte die sozialen und politischen Spannungen. 1979 wurde eine neue Verfassung angenommen, auf deren Grundlage 1980 Präsidentenwahlen stattfanden. Sieger wurde Belaunde Terry, Kandidat der Partei der Volksaktion; seine Politik öffnete das Land für transnationale, insbesondere USA-Monopole und vertiefte die ökonomische und soziale Krise. Bei Wahlen 1985 siegte die sozialdemokratisch orientierte APRA, deren Kandidat, A. Garcia Pérez, Präsident wurde.

Perücke: Kappe mit Menschen- oder Tierhaaren, pflanzlichen oder heute auch synthetische Fasern, getragen als Haarersatz oder zu mod. Zwecken (zum Beispiel Allongeperücke); schon im Altertum gebräuchlich. Im Theater ist die Perücke Bestandteil der Schminkmaske des Schauspielers. Eine Halbperücke als Haarersatzteil wird Toupet genannt.

Perückengeweih, Perücke, Perückengehörn: im Bastgeweih von Rehen, seltener von Hirschen auftretende geschwulstähnliche Wucherung von unbeschränktem Wachstum; beruht auf einer durch Hodenverletzung verursachten hormonalen Störung.

Perückenstrauch, Cotinus coggygria: vom Mittelmeergebiet bis China verbreitetes Sumachgewächs mit stark verzweigten, abstehend behaarten Fruchtständen; häufig als Zierstrauch angepflanzt.

Perugia: Stadt in Mittelitalien, Verwaltungszentrum der Region Umbrien und der Provinz Perugia, auf Hügeln zwischen Tiber und Lago Trasimeno; 140000 Einwohner; Maschinenbau, Textilindustrie, Keramik; Universität, Kunst- und Musikhochschule; Museen, Fremdenverkehr. Gotischer Dom S. Lorenzo, S. Angelo (Zentralbau, 5./6. Jahrhundert, ursprünglich römischer Tempel), S. Pietro (ursprünglich 10. Jahrhundert) mit Kampanile (1468) und andere Kirchen; Palazzo del Priori (13./14. Jahrhundert; Umbrische Nationalgalerie), Fontana Maggiore (1275; Reliefs von N. und G. Pisano).

Perugino, Pietro, um 1450-Februar/März 1523, italienischer Maler; Hauptmeister der Malerei Umbriens am Ende des 15. Jahrhundert und Lehrer Raffaels; schuf an der Wende zur Hochrenaissance zahlreiche religiöse Werke von stimmungsvoller, ausgewogener Schönheit.

Perutz: 1. Leo Perutz, 2.11.1884-25.8.1957, österreichischer Schriftsteller, nach 1938 Emigration nach Palästina; phantastische und historische Prosa (Roman «Der schwedische Reiten), 1936; Legenden «Nachts unter der steinernen Brücke», 1953).

2. Max Ferdinand Perutz, geboren 19.5.1914, britischer Biochemiker österreichischer Herkunft; entdeckte zusammen mit J. C. Kendrew die Struktur des Hämoglobins und Myoglobins. Mitglied der Leopoldina.

Peruzzi, Baldassare, 1481 (7.3. getauft)-6.1.1536, italienischer Maler und Architekt; Schüler und Mitarbeiter von D. Bramante; malte Fresken und Tafelbilder unter dem Einfluss von Raffael und Pinturicchio; seit 1520 am Bau der Peterskirche tätig.

perzeptibel: (lateinisch) sinnlich wahrnehmbar, fasslich.

Perzeption: (lateinisch) Wahrnehmung ohne begriff!. Verarbeitung. Siehe auch Apperzeption.

Perzeptron: eine Klasse technischer Modelle, die zur Imitation von Teilprozessen im menschlichen Gehirn dienen können. Das klassische Perzeptron besteht aus Rezeptoren zur Erfassung von Umweltsituationen, einem nachfolgenden Netzwerk von Elementen zur Verknüpfung der Rezeptorsignale und einer Ausgabeeinheit, durch die der vorhandenen Situation (den verknüpften Rezeptorsignalen) eine Reaktion zugeordnet wird. Dabei werden im Fall richtiger (falscher) Reaktionen die nützlichen (ungünstigen) Verknüpfungen gestärkt (geschwächt).

Pesaro: Stadt in Mittelitalien, in der Region Marken, Verwaltungszentrum der Provinz Pesaro e Urbino, an der Adria; 90000 Einwohner; Möbel- und Musikinstrumentenindustrie, Schiff- und Motorradbau, Keramik, Kunstgewerbe; Hafen; Musikschule; Fremdenverkehr (Seebad); Geburtsort von G. Rossini.

Pescara: Stadt in Mittelitalien, in der Region Abruzzen, Verwaltungszentrum der Provinz Pescara, an der Mündung der Pescara in die Adria; 130000 Einwohner; chemische, metallverarbeitende, Farben-, Lebensmittelindustrie; Fischerei; Seebad.

Peschel, Karl Horst, geboren 29.9.1909, Geodät; 1950/74 Professor und 1953/68 Direktor des Geodät. Instituts an der TH beziehungsweise TU Dresden; 1953/56 Rektor der TH Dresden; 1963/68 Direktor des Geodätische Instituts Potsdam der AdW; 1959/74 Präsident der Kammer der Technik.

Peschawar: Stadt (Provinzzentrum) im Norden von Pakistan, östlich des Chaiber-Passes; 560000 Einwohner; Maschinenbau, Textil- und Lebensmittelindustrie, Kunsthandwerk; Eisenbahn und Straße zum Chaiber-Pass; Universität.

Pesne, Antoine, 23.5.1683-5.8.1757, französischer Maler; seit 1711 für den preußischen Hof und Adel in Berlin tätig; einer der einflussreichsten Bildnismaler des Rokokos in Deutschland.

Peso: Währungseinheit (mit zusätzlichen nationalen Bezeichnungen) in Bolivien, Chile, Kolumbien, Kuba, Mexiko und anderen Ländern; siehe auch Währung.

Pessar: Ring aus Hartkautschuk, Porzellan oder Kunstharz zur Behandlung des Vorfalls von Scheide und Gebärmutter beziehungsweise deren Verlagerung. Zur Schwangerschaftsverhütung vorwiegend als Intrauterinpessar angewandt.

Pessimismus: Stimmung oder Haltung, die durch Hoffnungslosigkeit, Schwarzseherei und Passivität gekennzeichnet ist; als Lebensauffassung ideologischer Ausdruck historisch überlebter Klassen, die ihren eigenen Untergang als Untergang der ganzen Gesellschaft ansehen. Siehe auch Optimismus.

Pessimum: Bezeichnung für den ungünstigsten Wirkungsbereich eines Umweltfaktors für die jeweilige Funktion einer bestimmten Organismenart. Im Pessimum ist die Existenz eines Organismus gerade noch möglich; siehe auch Optimum.

Pessoa, Fernando Antonio Nogueira, 13.6.1888 bis 30.11.1935, portugiesischer Lyriker, sein Werk ist Ausdruck des vergeblichen Suchens nach Erfüllung seiner schöpferischen Fähigkeiten in einem Leben, das er als sinnlos und von nackter Gewalt geprägt betrachtete. Er setzte seine Hoffnungen in die Zukunft («Botschaft», 1934); leistete einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der modernen portugiesischen Lyrik.

Pest: durch Pestbakterien (Yersinia pestis) hervorgerufene und durch Rattenflöhe sowie Tröpfcheninfektion übertragene! häufig tödl. Infektionskrankheit. Kennzeichen sind hohes Fieber, Befall von Lymphknoten (Drüsen-, Bubonen- oder Beulenpest) und Lunge (Lungenpest) oder mit primärer Pestbakterienüberschwemmung des Blutes (septische Pest).

Pest: 1. Bezirk in Ungarn, beiderseits der Donau; 6393 km2, 960000 Einwohner; 150 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Budapest, das kein Bestandteil des Bezirkes ist; umfasst Teile des ungarischen Mittelgebirges und Gebiete des vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Alfolds; bedeutendste Standorte der verarbeitenden Industrie in der Nähe der Hauptstadt

2. Budapest.

Pestalozzi, Johann Heinrich, 12.1.1746-17.2.1827, schweizerischer Pädagoge. Beeinflusst von der französischen Aufklärung (insbesondere J.-J. Rousseau) und der klassischen deutschen Philosophie, erstrebte Pestalozzi über die harmonische Ausbildung aller Anlagen aller Kinder eine Gesellschaft, die allen wirtschaftliche Selbständigkeit und sittliche Vervollkommnung ermöglicht. Sein pädagogisches Ziel war von Anfang an politisch orientiert; er nahm sich insbesondere der Kinder der Ärmsten an. Von der «Wohnstubenerziehung» (Vereinigung aller pädagogischen Faktoren im kleinbürgerlichen Haushalt) gelangte er zur «Elementarmethode» (Entwicklung des Kennens, Könnens und Wollens), deren Kern das Prinzip der Anschauung bildete. Sie beeinflusste nachhaltig die Pädagogik des 19. Jahrhundert Seine berühmten Erziehungsanstalten wurden vielbesuchte pädagogischen Zentren. 1792 wurde er Ehrenbürger der französischen Republik. Hauptwerke sind «Lienhard und Gertrud» (1781/87), «Wie Gertrud ihre Kinder lehrt» (1801) und «Meine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts» (1797).

Pestei, Pawel Iwanowitsch, 5.7.1793-25.7.1826 (hingerichtet), russischer Offizier, einer der Führer im Dekabristenaufstand 1825; gehörte 1821 zu den Gründern der «Südliche Gesellschaft», forderte die Bildung einer Republik, die Abschaffung der Leibeigenschaft und die Gewährung bürgerlicher Grundrechte; nahm unter den Ideologen der Dekabristen die revolutionärste Position ein.

Pestratte, Bandicota bengalensis: bis 23 cm lange Maus mit fast körperlangem Schwanz; gilt in Südasien als Überträger der Pest, für die sie besonders anfällig ist; baut große verzweigte unterirdische Gänge (Maulwurfsratte).

Pestsäule: vorwiegend im ehemaligen Herrschaftsbereich der Donaumonarchie im Barock errichtete Gedächtnismale an Pestseuchen; meist mit reichem plastischen Schmuck und gekrönt von einer Marienstatue oder verschiedenen Pestheiligen.

Pestwurz, Petasites: hellgelb, weißlich oder rötlich blühende Korbblütlergattung mit oft sehr großen, dreieckigen bis rundlichen Blättern, die erst nach der Blüte erscheinen. besonders auf feuchten Standorten verbreitet sind die Weiße Pestwurz (Petasites albus) und die Gemeine Pestwurz (Petasites hybridus).

Petain, Henri Philippe, 24.4.1856-23.7.1951, französischer Marschall und Politiker; leitete 1916 die Verteidigung von Verdun; 1940/44 Staatschef der profaschistische Vichy Regierung. Petain wurde 1945 wegen Zusammenarbeit mit dem deutschen Faschismus zum Tode verurteilt, jedoch zu lebenslängliche Festungshaft begnadigt.

Petechialfieber: Erkrankung des Pferdes, die durch Auftreten von punktförmigen Blutungen (Petechien) gekennzeichnet ist. Petechialfieber tritt häufig als Nachkrankheit, zum Beispiel bei Druse, auf. Ursache ist eine Gefäßwandschädigung durch verschiedene Stoffe.

Petechien: punktförmige Hautblutungen durch Blutaustritt aus den Kapillaren. Die Ursachen sind vielfältig. Siehe auch Purpura.

Peter, Fürsten. Jugoslawien: 1. Peter II., 6.9.1923-3.11.1970, König 1934/45 (1934/41 von einem Regentschaftsrat vertreten); floh nach dem Überfall der faschistischen Mächte im April 1941 nach Großbritannien; 1945 von der Nationalversammlung abgesetzt.

Russland (Pjotr): 2. Peter I. Alexejewitsch, Peter der Große, 9.6.1672-8.2.1725, Zar seit 1682 mit seinem Bruder Iwan V., bis 1689 unter der Regentschaft ihrer Schwester Sofia Alexejewna, seit 1696 Alleinherrscher, seit 1721 Imperator. Peters Hauptbestreben galt dem Ausbau der absolutistischen Herrschaft und der Überwindung der ökonomischen, militärischen und kulturellen Rückständigkeit, wodurch er zum Begründer der späteren Großmachtstellung Russlands wurde. Er bereiste 1697/98 mit einer großen Gesandtschaft Mittel- und Westeuropa, studierte dort den Schiffbau und die ökonomischen Errungenschaften; führte Heeresreformen durch, förderte das Manufakturwesen und den Bergbau, verbesserte die Verwaltung und gewann ausländische Experten, darunter berühmte Wissenschaftler, zur Arbeit in Russland. Im Nord. Krieg (1700/21) erwarb er für Russland den Zugang zur Ostsee. 1703 gründete er Petersburg, das 1713 Hauptstadt wurde. Der Widerstand konservativer Kräfte gegen seine Reformen, der von seinem Sohn Alexej Petrowitsch unterstützt wurde, scheiterte. 1721 schuf Peter als oberstes Organ der russisch-orthodoxen Kirche den Heiligen Synod; 1724 wurde die Akademie der Wissenschaften gegründet. Die Ausbeutung der Bauern wurde unter seiner Regierung erheblich verschärft und führte zu großen Aufständen (unter anderem unter K. A. Bulawin 1707/08), die blutig niedergeschlagen wurden.

3. Peter III. Fjodorowitsch, 21.2.1728-17.7.1762 (ermordet), Zar seit Januar 1762; Enkel von Peter 2; Begründer der Dynastie Holstein-Gottorp-Romanow; die Unzufriedenheit mit seiner Politik führte zu einer Palastrevolte, an der seine Frau, die spätere Zarin Jekaterina n., beteiligt war.

Serbien: (Dynastie Karadjordjevic), 11.7.1844-16.8.1921, König 1903/18 und seit 1918 des SHS-Staates; orientierte sich als Gegner Österreich Ungarns außenpolitisch auf Russland und die Entente.

Peterborough: Stadt in Kanada, im Südosten der Provinz Ontario, am kanalisierten Otonabee, über Schiffshebewerk (20 m) Verbindung zum Ontariosee; 61000 Einwohner; Bootsbau, Elektro-, Uhren- und Holzindustrie; Universität.

Peter-I.-Insel: eisbedeckte vulkanische Insel vor der Küste Westantarktikas; 140 km2, bis 1750 m hoch; seit 1929 norwegisch. 1821 von russischer Südpolarexpedition unter F. F. von Bellingshausen und M. Lasarew entdeckt.

Peterloo: Bezeichnung für das Massaker unter friedlichen Demonstranten für Wahlrecht und Aufhebung der Korngesetze auf dem Petersfeld bei Manchester am 16.8.1819 (11 Tote und über 600 Verwundete).

Petermann, August, 18.4.1822-25.9.1878 (Selbsttötung); Kartograph, bedeutender Mitarbeiter der Geographische-Kartographische Anstalt von J. G. J. Perthes in Gotha; gründete eine Schule zur Heranbildung von Kartographen und gab die noch heute bestehende Zeitschrift «Petermanns Geographische Mitteilungen» heraus.

Petermännchen: 1. Petermännchen, Trachinus draco: bis 40 cm langer Grundfisch ohne Schwimmblase. Die Strahlen der 1. Rückenflosse und der Dom des Kiemendeckels sind mit Giftdrüsen verbunden; lebt im Schwarzen Meer, Mittelmeer, Atlantik sowie in der nord- und westlichen Ostsee.

2. Petermännchen, Petermenger: kleine Silbermünze mit dem Bild des Apostels Petrus, im 17. Jahrhundert in westdeutschen Territorien weit verbreitet.

Peters, Carl, 27.9.1856-10.9.1918, Kolonialpolitiker; begründete mehrere Kolonialvereine; unterwarf seit 1884 ostafrikanische Gebiete, deren Bevölkerung er 1891/93 als Reichskommissar unterdrückte. Massenproteste gegen seine Grausamkeit («Hänge-Peters») erzwangen 1897 seine Entlassung aus dem Kolonialdienst.

Petersen, Jan, eigentlich Hans Schwalm, 2.7.1906 bis 11.11.1969, Schriftsteller; 1931/33 organisatorischer Leiter, 1933/35 Vorsitzender des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller; führend im Widerstandskampf antifaschistische Autoren in Deutschland; 1935/46 im Exil. Petersen schrieb über den Kampf der deutschen Arbeiterklasse gegen den Faschismus wirklichkeitsnahe Romane («Unsere Straße», 1936; «Sache Baumann und andere», 1939), Erzählungen («Er schrieb es in den Sand», 1960) sowie die Chronik «Die Bewährung» (1969).

Petersen, Richard, 10.5.1895-3.10.1977, Fotograf; war vorwiegend als Bildjournalist und Dokumentarist tätig, gehörte zu den aktiven Mitarbeitern der deutschen Arbeiterfotografie (Mitarbeit in der AIZ), Dokumentarist des zerstörten Dresdens (Bildband «Eine Kamera klagt an», 1949).

Petershof: Hansekontor in Nowgorod, Ende des 12. Jahrhundert erstmals erwähnt; Endpunkt des Hansehandels im O. Der Petershof wurde 1494 durch Großfürst Iwan in. von Moskau geschlossen.

Petersilie, Petroselinum crispum: Doldengewächs mit grüngelben Blüten, gefiederten, oft krausen Blättern und heller Pfahlwurzel; Blätter (hoher Vitamin-C-Gehalt) und Wurzel sind Küchengewürze.

Peter von Amiens, um 1050-7.7.1115, Ideologe und Führer des Bauernkreuzzuges; nach der Niederlage seines Heeres bei Nikäa (1096) beteiligte er sich am ersten Kreuzzug der Ritter.

Petipa, Marius, 11.3.1818-14.7.1910, französischer Tänzer und Choreograph; wirkte seit 1847 in Petersburg; schuf dort bis 1903 über 50 Ballette, unter anderem heute noch gültige Choreographien zu «Don Quichotte», «Der Korsar», «Dornröschen», «Schwanensee» (mit L. Iwanow), «Raimonda»; führte das russische Ballett zum klassischen Höhepunkt.

Petit: 1. Alexis Thérèse Petit, 2.10.1791-21.6.1820, französischer Physiker; untersuchte die thermische Ausdehnung und Wärmekapazität von Festkörpern, stellte 1819 mit L. Dulong die Dulong-Petitsche Regel auf.

2. Roland Petit, geboren 13.1.1924, französischer Tänzer und Choreograph; war Leiter der Ballets des Champs Elysées und der Ballets de Paris; seit 1972 Ballettdirektor in Marseille; er schuf sehr erfolgreiche Ballette.

Petitgrain Öl, Orangenblätteröl: hellgelbes, frischblumig riechendes ätherisches Öl aus den Blättern der bitteren Orange; enthält etwa 80% Linalylacetat und wird in der Parfümerie verwendet.

Petition of Rights: (englisch, «Bittschrift um Rechte») Forderung der englischen Bourgeoisie nach gerechter Besteuerung und Rechtssicherheit, 1628 vom Unterhaus an Karl I. gerichtet; in der bürgerlichen Revolution erkämpft und 1689 in die Declaration of Rights aufgenommen.

Petitionsrecht: in bürgerlichen Staatsverfassungen dem einzelnen eingeräumtes formales Recht, Bittgesuche an Staatsoberhaupt, Parlament, Behörden und so weiter zu richten.

Petitio principii: («Vorwegnahme des Beweisgrundes») logisch fehlerhafter Beweis, bei dem eine Voraussetzung als wahr benutzt wird, die selber erst eines Beweises bedarf. Siehe auch Circulus vitiosus 1.

Petit mal: (französisch, «kleines Übel») kleiner Anfall bei Epilepsie mit plötzlicher, kurz dauernder Bewusstseinstrübung; meist kein Hinstürzen.

Petljura, Simon Wassiljewitsch, 17.5.1879-26.5.1926 (ermordet), ukrainischer nationalisé Politiker; 1917/19 Kriegsminister beziehungsweise Vorsitzender der konterrevolutionären Ukrainischen Rada; 1919 von der Roten Armee verjagt, die auch die 1920 aus dem Ausland eindringenden «P.-Banden» zerschlug.

Petöfi, Sandor, 1.1.1823-31.7.1849 (gefallen im Freiheitskampf), ungarischer Nationaldichter, verlieh als erster der Hoffnung und Sehnsucht und den Bestrebungen des Volkes in der ungarischen Literatur gültigen Ausdruck. Mit Petöfis volkstümliche-realistische Dichtung, die den Auftakt zur ungarischen bürgerlich-demokratischen Revolution 1848/49 gab, erlangte die ungarische Literatur Weltruf. In deutscher Übersetzung erschienen unter anderem «Held Janos» (1958) und Auswahlbände «Gedichte» (1973), «Prosa» (1977).

Petrarca, Francesco, 20.7.1304-18.7.1374, italienischer Lyriker und Humanist; wurde mit seinen in Latein verfassten historische und moralphilosophische Dialoge und Traktaten sowie kunstvollen Briefen zum Wegbereiter des europäischen Humanismus; seine im «Liederbuch» (1470, deutsch) gesammelte italienische Lyrik galt jahrhundertelang als Vorbild in ganz Europa (Petrarkismus), er besingt darin in formvollendeten Kanzonen, Sonetten und Madrigalen seine platonische Liebe zu Laura, bringt aber in dem Gedicht «Mein Italien» auch Vaterlandsliebe zum Ausdruck.

Petrarkismus: in der Imitation F. Petrarcas zu gezierten, preziösen Wucherungen neigende Liebeslyrik, in der bestimmte Motive immer wieder nach verbindlichen Regeln gestaltet wurden und die, besonders im 16. Jahrhundert, in ganz Europa viele Nachahmer (G. Guarini, Petrarkismus Bembo, J. de Montemayor, M. Opitz, die Dichter der Pléiade), aber gleichermaßen Gegner und Überwinder fand.

Petrescu: 1. Camil Petrescu, 9.4.1894-14.5.1957, rumänischer Schriftsteller und Dramatiker; gestaltete in seinen Bühnenwerken und Romanen den mit sozialen und psychologischen Problemen ringenden bürgerlichen Intellektuellen («Letzte Liebesnacht, erste Kriegsnacht», 1930, deutsch; «Das Prokrustesbett», 1933, deutsch). In «Balcescu» (1949, deutsch) und «Ein Mensch unter Menschen» (1953/57, deutsch) spiegeln sich die Kämpferischen Traditionen des rumänischen Volkes wider.

2. Cezar Petrescu, 1.12.1892-9.3.1961, rumänischer Schriftsteller; setzte sich in seinem umfangreichen kritisch-realistischen Werk mit gesellschaftlichen Problemen seiner Zeit auseinander, so in den Romanen «Umdüsterung» (1927, deutsch), «Das schwarze Gold» (1933, deutsch), «Die Siegesstraße» (1930, deutsch), «Menschen von gestern, Menschen von heute, Menschen von morgen» (1955, deutsch).

Petritsch, Petric: Stadt im Südwesten Bulgariens (Bezirk Blagoewgrad), nahe der Grenze zu Griechenland; 27000 Einwohner; Betriebe der Feinmechanik und Messtechnik, Lebensmittelindustrie; Mittelpunkt eines klimabegünstigten (Mittelmeerklima) Anbaugebietes; Kurort.

Petrochemie, Gesteinschemie: Disziplin der Geochemie, die sich mit der chemischen Zusammensetzung der Gesteine befasst.

Petrogenese: Teilgebiet der Petrologie; Lehre von der Entstehung der Gesteine.

Petrographie: Teilgebiet der Petrologie; Lehre von der Beschreibung der Gesteine, ihrer mineralogischen und chemischen Zusammensetzung, ihrem Gefüge, ihrem Vorkommen im geologischen Verband.

Petrokrepost: Stadt im Gebiet Leningrad, am Austritt der Newa aus dem Ladogasee; früher Schlüsselburg-, 9000 Einwohner; Werft; Konfektionsbetrieb. 1323 als Festung gegründet; besaß in den russisch-schwedischen Kriegen des 16./17. Jahrhundert große strategische Bedeutung, 1702 von Peter I. erobert; seit Mitte des 18. Jahrhundert vor allem politisches Gefängnis, 1928 Umwandlung in ein Museum. Trotz Besetzung der Stadt durch faschistische Truppen 1941/43 wurde die Festung von der Roten Armee gehalten.

Petroläther, fachsprachlich Petrolether, Gasolin: gereinigtes Leichtbenzin mit einem Siedebereich von 40 bis 70 °C; Verwendung als Extraktionsmittel, zum Beispiel zur Gewinnung von ätherischen Ölen aus Pflanzenteilen, sowie als Lösungsmittel für Harze, Fette und Öle.

Petrolchemie: Gesamtheit der chemisch-technologischen Prozesse, bei denen Bestandteile des Erdöls oder Erdgases zu Zwischen- und Finalprodukten der chemischen Industrie verarbeitet werden. Nicht zur Petrolchemie zählen die Prozesse, die zur Gewinnung von Benzin- und Gasölfraktionen sowie von Kraftstoffen dienen. Ausgangsstoffe für die Petrolchemie sind neben Erdgas in erster Linie Benzin-, Flüssiggas- und Heizölfraktionen des Erdöls. Aus all diesen Stoffen können, zum Beispiel durch Dampfreformierung oder Öldruckvergasung, Synthesegase für Methanol, Ammoniak unter anderem hergestellt werden. Speziell die Benzin- und Flüssiggasfraktionen werden, hauptsächlich durch katalytische Spaltverfahren und Dehydrierungsprozesse, zu Athen, Propen, Butenen, Butadien, Äthin sowie den «BTX-Aromaten» Benzol, Toluol und Xylol verarbeitet. Aus diesen petrolchemischen Primärchemikalien werden durch mannigfache Umwandlungen (Polyreaktionen, Chlorierung, Nitrierung, Sulfochlorierung, Oxydation unter anderem) Plaste, Elaste, Chemiefaserstoffe, Pflanzenschutz-, Farb- und Explosivstoffe, Pharmaka, waschaktive Substanzen und viele weitere Produkte hergestellt. Die petrolchemische Erzeugung der organischen Grundchemikalien ist durchweg ökonomisch günstiger als die Herstellung auf kohlechemischen Weg. Weltweit werden große Anstrengungen unternommen, den Verbrauch von Erdölprodukten für Heizzwecke und für die Kraftstofferzeugung zu reduzieren, um den Rohstoff möglichst umfassend der petrolchemischen Nutzung zuzuführen; es wird gegenwärtig weltweit an der Entwicklung neuer kohlechemischen Verfahren gearbeitet.

Petroleum, Kerosin: die bei Atmosphärendruck zwischen 150 und 300 °C siedende Erdölfraktion. Raffiniertes Petroleum wird als Düsenkraftstoff und als Lösungsmittel eingesetzt; als Leuchtpetroleum hat es nur noch geringe Bedeutung.

Petrologie, Gesteinskunde: Wissenschaft von den Gesteinen, umfasst die Petrographie, die Petrogenese und die Petrophysik; untersucht besonders die physikochemischen Bildungsbedingungen der Gesteine.

Petronius Arbiter, Gaius oder Titus, gestorben 66 nach Christus (von Nero zur Selbsttötung gezwungen), römischer Schriftsteller; Arbiter elegantiae (Schiedsrichter des feinen Geschmacks) am Hof Neros; sein im gesprochenen Volkslatein geschriebener, unvollständig überlieferter Roman «Satyrikon» ist eine witzig-satirische Schilderung und Kritik der sozialen Verhältnisse seiner Zeit (besonders im erhaltenen Kernstück «Das Gastmahl des Trimalchio»).

Petrophysik: Teilgebiet der Petrologie; befasst sich mit der Bestimmung der physikalischen Eigenschaften von Gesteinen, wie Dichte, Porosität, Magnetisierung, Radioaktivität, Schallgeschwindigkeit.

Petropolis: Stadt im Bundesstaat Rio de Janeiro (Brasilien), in der Serra do Mar; 240000 Einwohner; Textil-, chemische, Papier-, Nahrungsmittel-, Getränkeindustrie; Kathedrale.

Petrow: 1. Andrej Pawlowitsch Petrow, geboren 2.9.1930, sowjetischer Komponist; schrieb Orchesterwerke, Opern («Peter I.»), Ballette («Die Erschaffung der Welt»), Bühnen- und Filmmusik und Lieder, zählt zu den führenden sowjetischer Komponisten der Gegenwart.

2. Ilija Petrow, 9.7.1903-18.5.1975, bulgarischer Maler und Graphiker; seit 1941 Professor an der Kunstakademie Sofia; schon in seinem Frühwerk und später auch in seinen Kompositionen mit historischer und zeitgenössische Thematik bekannte er sich zur sozialbetonten realistischen Kunst mit starkem politischen Engagement, eine besondere Stellung in seinem Schaffen nahm die menschliche Figur ein. Petrow war langjähriger Vorsitzender des bulgarischen Künstlerverbandes.

3. Ossip Afanasjewitsch Petrow, 15.11.1807-11.3.1878, russischer Sänger (Bass); wirkte 1830/78 an der Petersburger Oper; gestaltete führende Partien (Iwan Sussanin, Ruslan unter anderem) in Uraufführungen von Opern M. I. Glinkas und M. Mussorgskys.

Petrowsky, Ernst-Ludwig, geboren 10. 12. 1933, Jazzmusiker (Saxophon, Klarinette, Flöte, Komposition); gehört als ständiges Mitglied international besetzter Jazz-Formationen und Leiter verschiedener Bands zu den profiliertesten Repräsentanten des DDR-Jazz, dem er durch seine Gastspiele auf bedeutenden Jazz-Festivals in Europa, Amerika und Asien zu großem internationalem Ansehen verhalf.

Petrow-Wodkin, Kusma Sergejewitsch, 5.11.1878 bis 15.2.1939, russisch-sowjetischer Maler. In seinen Hauptwerken gestaltete er, zum Teil symbolhaft-verallgemeinernd, Themen der Revolution und des Bürgerkrieges («Der Tod des Kommissars», 1928), in denen er die für sein Schaffen charakteristischen Prinzipien vom Aufbau des Bildes im Farbdreiklang und der sphärischen Perspektive anwendete. Petrow-Wodkin schuf ausdrucksstarke Porträts und war unter anderem auch als Buchgestalter und Bühnenbildner sowie als Kunsttheoretiker und Schriftsteller tätig.

Petrus: (griechisch, «Fels») im Neuen Testament Jünger Jesu, war Fischer von Beruf; nach katholischer Überlieferung erster Bischof von Rom, dort gekreuzigt; katholischer Heiliger, mit Schlüssel dargestellt (Himmelspförtner).

Petruschka: Hauptfigur des alten russischen Puppenspiels, seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Heute wird die Bezeichnung Petuschki allgemein für die russischen Handpuppen verwendet. Ballett von I. Strawinsky (1911).

Petschaft: Handstempel zum Siegeln.

Petschenegen: Angehörige vorwiegend turksprachiger Nomadenstämme in Südrussland; drangen seit dem 9. Jahrhundert vom Ural-Wolga-Gebiet bis zur Donau vor und drängten die Ungarn nach Westen ab; nach Niederlagen seit dem 11. Jahrhundert Verschmelzung mit Balkanvölkern.

Pettenkofer, Max von, 3.12.1818-10.2.1901, Hygieniker; 1847/94 Professor und Inhaber des ersten Lehrstuhls für Hygiene in München; wurde durch Einführung des naturwissenschaftlichen Experiments zum Begründer der modernen Hygiene.

Petty, Sir William, 26.5.1623-16.12.1687, englischer ökonomischer Statistiker, Naturwissenschaftler und Arzt; begründete mit der Arbeitswerttheorie die klassische bürgerliche politische Ökonomie; bemühte sich bereits um die quantitative Erfassung ökonomischer Größen und Massenerscheinungen; von K. Marx deshalb «Vater der Statistik» genannt.

Petunie, Petunia: Nachtschattengewächs aus Südamerika mit großen violetten, weißen und rosafarbenen Trichterblüten; beliebte Balkonpflanze mit vielen Zuchtformen.

Petursson, Hallgrimur, um 1614-27.10.1674, isländischer Dichter; verfasste aus pietistische Haltung Kirchenlieder, biblische Lehrgedichte und moralisierende Gedichte.

Petz, (zu «Bernhard») Name des Bären in der Tierfabel.

Petzold, Alfons, 24.9.1882-26.1.1923, österreichischer Lyriker und Erzähler; gehört zu den Wegbereitern der sozialistischen Literatur in Österreich (Gedichtbände «Trotz alledem», 1910; «Der Dornbusch», 1919).

peu a peu: (französisch) nach und nach; allmählich.

Peutingersche Tafel: einzige erhaltene bearbeitete Kopie einer antiken Wegekarte; stellt das Straßennetz zwischen Spanien und Indien dar; geht auf römische Quellen zurück (4. bis 9. Jahrhundert erarbeitet, Neuzeichnung im 13. Jahrhundert); 11 Blätter; benannt nach dem Augsburger Patrizier Konrad Peutinger (1465-1547), der die Karte kaufte.

Pevsner: 1. Pevsner, Antoine, 18.1.1886-12.4.1962, französischer Bildhauer, Maler und Bühnenbildner russischer Herkunft; angeregt vom Kubismus und Orphismus, ging er 1913 zur abstrakten Malerei über, mit seinem Bruder Pevsner 2 veröffentlichte er als eine Variante des sowjetrussischen Konstruktivismus das «Realistische Manifest»; Versuche mit Lichtmodulationen, Kunststoff, Glas und anderen Materialien.

2. Pevsner, Pseudonym Gabo, Naum, 5.8.1890-23.8.1977, englischer Bildhauer russischer Herkunft; Bruder von Pevsner; Vertreter der abstrakten experimentellen Plastik; ausgehend vom analytischen Kubismus, schuf er feingliedrige Kompositionen aus verschiedenen Materialien (Glas, Plaste, Metall).

Peyersche Platten, Peitsche Haufen. Anhäufungen von lymphatischen Gewebe in der Wand des Krummdarmes; benannt nach dem Anatomen Johann Conrad Peyer (1653-1712).

Pfadfinder: Mitglieder sozialdemokratisch orientierter Jugendorganisationen, die zu Naturverbundenheit, Körperertüchtigung, Handfertigkeiten und gegenseitiger Hilfsbereitschaft anhalten; in Deutschland seit 1909, 1933 verboten. Pfadfinder-Organisationen bestehen in über 100 Ländern. Sitz der Zentrale ist London. Die Pfadfinder-Organisationen in einigen sozialistischen Ländern unterstützen das sozialistische Erziehungsziel.

Pfaffenhütchen, Europäisches, Euonymus europaea: zu den Baumwürgergewächsen gehörender heimischer Strauch mit rosenroter, giftiger, einem Priesterhut ähnliche Fruchtkapsel, deren Samen einen orangeroten Samenmantel haben.

Pfahl: ganz oder teilweise im Lockergestein eingebautes stabartiges Bauelement, das eine Last durch Spitzendruck und Mantelreibung in den Baugrund überträgt, zum Beispiel bei Tiefgründungen.

Pfahlbauten: auf Pfahlrosten stehende Wohn- und Wirtschaftsbauten an See- oder Flussufern; im urgeschichtlichen Europa (besonders Jüngstem- und Bronzezeit) meist in der Uferzone auf dem Lande errichtet (Moorbauten); heute noch in Australien, Südamerika und Ozeanien vorkommend.

Pfahlbürger, Schutzbürger, Ausbürger: im mittelalterlichen deutschen Reich Ritter oder auch Bauern mit Bürgerrecht, die aber außerhalb der Stadt wohnten. Die Ausbreitung der Pfahlbürger entzog den Fürsten finanzielle und militärische Leistungen, so dass das Pfahlbürgerrecht im 15. Jahrhundert aufgehoben wurde.

Pfahlrost: Trägerrost aus Holz oder Stahlbeton, der bei Bauwerksgründungen zur Lastübertragung auf die eingerammten Pfähle dient. Beim niedrigen Pfahlrost sind die Pfähle vollständig ins Erdreich eingerammt und greifen meist in das Fundament ein, beim hohen Pfahlrost greifen die Pfähle nur mit ihrem unteren Teil ins Erdreich, der obere steht frei.

Pfahlschuh: Stahlspitze zur Festigung der Spitze eines Rammpfahles.

Pfahlwand: in Reihe dicht nebeneinander abgerammte Stahlbeton- oder Holzpfähle von 25 bis 30 cm Durchmesser zur Böschungssicherung oder Baugrubenumschließung auch im Wasser, heute oft durch Spundwände ersetzt. Moderne Pfahlwände werden durch sich überschneidende Bohrpfähle aus Beton, verrohrt (Clip-Pfahlwand) oder unverrohrt (Benoto-Pfahlwand), hergestellt.

Pfahlzieher: Gerät zum Ziehen von eingerammten Pfählen oder Bohlen einer Spundwand, vielfach Zusatzgerät an einer Ramme.

Pfalz: königliche Wohnstätte im Mittelalter (seit der Karolingerzeit) bis zur Bildung fester Residenzen; umfasste den königlichen Wirtschaftshof mit Landbesitz, Palas und Pfalzkapelle.

Pfälzer Wald: bewaldetes Bergland zwischen Vogesen und Nordpfälzer Bergland; im Kalmit 673 m; nach Osten Steilabfall (Haardt); Hochfläche mit Kuppen, Talmulden und tiefen Tälern; Forstwirtschaft, geringer Ackerbau; Holzindustrie; am Fuß an der Weinstraße Weinbau.

Pfalzgraf: oberster richterlicher Vertreter der deutschen Könige beziehungsweise Verwalter in ihren Pfalzen.

Pfälzischer Erbfolgekrieg: dritter Raubkrieg Ludwigs XIV. 1688/97; begonnen mit dem Vorwand, Erbansprüche seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz zu vertreten; tatsächlich verfolgte er das Ziel, die Vormachtstellung Frankreichs am Rhein zu festigen. Im Frieden zu Rijswijk (20. 9. 1697) musste Ludwig XIV. den Anspruch auf die zuvor von ihm verwüstete Pfalz aufgeben.

Pfand: (französisch) bewegliche Sache, die zur Sicherung einer Forderung durch den Schuldner an den Gläubiger übergeben wird.

Pfandrecht: Sicherung einer Forderung des Gläubigers durch Übergabe einer beweglichen Sache als Pfand durch den Schuldner. Der Gläubiger ist berechtigt, bei Nichterfüllung das Pfand zu verwerten und seine Forderung aus dem Erlös zu begleichen. Das Pfandrechterfordert grundsätzlich die Übergabe der Pfandsache an den Gläubiger (sogenannt Besitz- oder Faustpfand). Sollen Pfandrechte Kreditinstituten, sozialistischen Betrieben oder staatlichen Organen und Einrichtungen eingeräumt werden, genügt eine schriftliche Vereinbarung ohne Übergabe des Pfandes. Es können auch Pfandrechte an Wertpapieren und Forderungen begründet werden beziehungsweise kraft Gesetzes entstehen (gesetzt. Pfandrecht).

Pfändung:

1. Bergbau: Abfangen des Hangenden in brüchigem Gebirge mit Pfandhölzern oder -schienen bis zum Einbringen des endgültigen Ausbaus.

2. Recht: Beschlagnahme einer Sache oder eines Rechts zur Befriedigung einer Forderung. Siehe auch Lohnpfändung.

Pfändungsanordnung: im Zivilprozess Maßnahme zur Durchsetzung vollstreckbarer Zahlungsansprüche durch Pfändung von Arbeitseinkünften oder anderer Forderungen des Schuldners zugunsten des Gläubigers.

Pfannenmetallurgie: moderne metallurgische Verfahren, bei denen durch Zugabe bestimmter Stoffe (zum Beispiel Metalle, Ferrolegierungen, Schlacken, Verbindungen) in der metallischen Schmelze metallurgische Reaktionen ausgelöst werden (zum Beispiel Desoxydieren, Modifizieren, Entschwefeln), die eine Verbesserung der Werkstoffeigenschaften bewirken; erfolgt in der Gießpfanne.

Pfänner: (zu «Pfanne») alte Bezeichnung für Besitzer eines Anteils an einem Salzbergwerk, einer Saline oder einem Siedehaus.

Pfännerschaft: genossenschaftlicher Zusammenschluss der Pfänner.

Pfarrernotbund: 1933 unter Leitung von M. Niemöller entstandene Vereinigung evangelischer Pfarrer, deren Anliegen die Wahrung der Reinheit der kirchlichen Verkündigung war; nahm mutig gegen das faschistische deutsch-christliche Kirchenregime Stellung.

Pfau: 1. Sternbild.

2. Pfau, Pavo cristatus: geselliger Hühnervögel Indiens mit farbenprächtigem Gefieder im männlichen Geschlecht. Die bis 150 cm langen Unterrücken- und Oberschwanzdeckfedern mit den « Pfauenaugen» können zu einem Rad aufgerichtet werden.

Pfauenauge: 1. Kammgarngewebe in Kreppbindung mit der Pfauenfeder beziehungsweise dem Vogelauge ähnliche Musterung; für Anzüge, Kostüme.

2. Falter mit augenähnlichen Flügelflecken, die zur Abschreckung von Feinden dienen (Warnfärbung).

Pfeffer: scharfes Gewürz aus den Früchten des in den Tropen angebauten, kletternden Pfefferstrauches (Piper nigrum; Familie: Pfeffergewächse). Die getrockneten, unreifen Früchte liefern den schwarzen Pfeffer, die reifen, vom Fruchtfleisch befreiten Steinfrüchte den weißen Pfeffer

Pfefferküste: 1. Malabarküste.

2. historische Bezeichnung für den Küstenstreifen Liberias.

Pfefferminze, Mentha piperita: aromatisch duftender Lippenblütler der Gattung Minze mit unscheinbaren Blüten; aus Wasserminze (Mentha aquatica) und Grüner Minze (Mentha spicata) hervorgegangener Bastard, der Pfefferminzöl enthält; als Kulturpflanze und Arzneipflanze verwendet.

Pfefferminzöl: gelbliches, erfrischend minzig riechendes, kühlend schmeckendes, aus Pfefferminzkraut wasserdampfdestilliertes ätherisches Öl; enthält reichlich Menthol und wird zur Aromatisierung von Likören, Süßwaren, Zahnpasten unter anderem verwendet.

Pfeife: Rohr aus Holz oder Metall, in dem durch Anblasen eines elastischen Streifens (Zungenpfeife) oder Wirbelbildung an einer scharfkantigen Schneide (Lippenpfeife) eine Luftsäule zu Schwingungen angeregt wird; verwendet bei Blasinstrumenten und Orgeln. In offenen Pfeife entsteht eine Halbschwingung mit einem Knoten in der Mitte und je einem Schwingungsbauch an beiden Enden, in geschlossenen, gedeckten (gedockten) Pfeife bildet sich eine Viertelschwingung mit einem Knoten am geschlossenen und einem Bauch am offenen Ende der Pfeife Die Frequenz des Grundtons einer Pfeife ist umgekehrt proportional ihrer Länge.

Pfeifenfische, Fistulariidae: Familie bis 2 m langer, sehr gestreckter Bewohner von Korallenriffen mit extrem verlängerter Schnauze und fadenförmig ausgezogener Schwanzflosse. Die Tabakspfeife (Fistularia tabacaria) lebt an der Atlantikküste des tropischen Amerikas.

Pfeifenstrauch, Falscher Jasmin, Philadelphus coronarius: zur Familie der Pfeifenstrauchgewächse gehörender, aus Südosteuropa stammender, häufig angepflanzter Zierstrauch mit großen weißen, stark duftenden Blüten.

Pfeifer: Uwe, geboren 14.2.1947, Maler und Graphiker; 1968/73 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig; sucht in formpräzisen, auch sinnbildlich verdichteten und kritischen Darstellungen Mensch-Umwelt-Beziehungen, besonders der Großstadt, zu erfassen.

Pfeiffer: 1. Hans Pfeiffer, geboren 22.2.1925, Schriftsteller; seit 1985 Direktor des Instituts für Literatur «Johannes R. Becher»; verfasste Schauspiele («Laternenfest», 1958, Anklage gegen die Atomkriegsgefahr; «Schuld sind die anderen», 1961; «Begegnung mit Herkules», 1966; «Salut an alle, Marx», 1976, nach Briefen von K. Marx, F. Engels, J. Marx, zusammen mit G. Kaltofen), den biographischen Roman «Thomas Müntzer» (1975), Hörspiele und Fernsehfilme («Scharnhorst», 1978; «Bebel und Bismarck», 1985) sowie Kriminalromane.

2. Pfeiffer, eigentlich Schwertfeger, Heinrich, vor 1500 bis 27.5.1525, revolutionärer Prediger; Repräsentant des niederen Bürgertums von Mühlhausen, Anhänger T. Müntzers, mit diesem hingerichtet.

Pfeiffersches Drüsenfieber, Infektiöse Mononukleose, Monozytenangina: durch Viren hervorgerufene und durch engen Kontakt oral übertragene gutartige Infektionskrankheit. Kennzeichen sind hohes Fieber, Angina und Befall von Lymphknoten, Leber und Milz. benannt nach dem Internisten Emil Pfeiffer (1846-1921).

Pfeifhasen, Ochotonidae: zu den Hasenartigen gehörende Meerschweinchen große, grau bis gelblichbraun gefärbte, stummelschwänzige Säugetiere, deren Pfeiftöne teils im Ultraschallbereich liegen; leben in Kolonien in den Wüsten, Steppen und Gebirgen Asiens und Nordamerikas.

Pfeil, Friedrich Wilhelm Leopold, 28.3.1783 bis 4.9.1859, Forstwissenschaftler; ab 1821 Direktor der in Berlin gegründeten, 1830 nach Eberswalde verlegten Forstakademie.

Pfeiler: Architektur frei stehende oder an die Wand gebundene architektonische Stütze von rechteckigem, polygonalem oder (im Mittelalter) rundem Querschnitt. Spezifisch gotische Formen sind im Innenraum der Bündelpfeiler als Sammelpunkt der vom Gewölbe herablaufenden Dienste und am Außenbau der Strebepfeiler, der den Gewölbeschub abfängt.

Pfeilervorlage: abschnittsweise Verstärkung in langen und hohen Mauern.

Pfeilgifte: von Volksstämmen, die auf der Kulturstufe von Jägern und Sammlern stehen, zu Jagd- und Kriegszwecken benutzte Gifte, die besonders bei Hautverletzung rasch tödlich oder toxisch wirken, zum Beispiel das indianische Kurare, das afrikanische Ouabain (g Strophanthin) sowie die javanische Pfeilgifte Strychnin und Antiarin.

Pfeilkraut, Sagittaria: Gattung der Froschlöffelgewächse; ausdauernde Sumpf- und Wasserpflanze mit pfeilförmigen Überwasser- und teils schmalen bandförmigen Unterwasserblättern.

Pfeilkreuzbewegung: ungarische faschistische Partei, benannt nach ihrem Abzeichen; Führer Ferenc Szalasi; entstand 1932/38, riss im Oktober 1944 mit Unterstützung der deutschen Faschisten die Regierung an sich, 1945 von der Roten Armee zerschlagen.

Pfeilstern, Barnardscher (nach einem US-amerikanischen Astronomen), Barnards Stern: Stern der Größenklasse 9”5 im Sternbild Schlangenträger mit der größten bekannten Eigenbewegung von 10,3" im Jahr.

Pfeilwürmer, Chaetognatha: arte naher Tierstamm; bis 9 cm lange fischähnliche Wirbellose, deren durchsichtiger Körper seitlich Flossen trägt; leben schwebend und schwimmend im Meer; ergreifen ihre Beutetiere mit neben der Mundöffnung stehenden starken Hakenborsten.

Pfemfert, Franz, 20.11.1879-26.5.1954, Publizist und Verleger; 1911/32 Herausgeber der Zeitschrift «Die Aktion», veröffentlichte antimilitaristische «Verse vom Schlachtfeld» (1914), stand dem Spartakusbund nahe. Pfemfert förderte zahlreiche jüngere Schriftsteller; emigrierte 1933 (unter anderem Paris, New York, Mexiko) und starb im Exil.

Pfennig: 1. als Silbermünze in der Karolingerzeit (Denar) und bis zum 13. Jahrhundert einzige geprägte Münzeinheit, wurde später zur kleinsten Scheidemünze; im 16. Jahrhundert erschienen erstmals Kupferpfennige.

Pferch: eine durch bewegliche Holzzäune abgegrenzte Fläche im Freien, die als Übernachtungsort für Schafe dient.

Pferd: 1,60 bis 1,6-3 m langes, 0,35m breites, von 1,20 bis 1,70 m Höhe verstellbares, ursprünglich dem lebenden Pferd nachgebildetes Turngerät zum Turnen von Stützsprüngen (P.sprung; Pferd für Männer lang-, für Frauen seitgestellt) beziehungsweise für Männer zum Turnen von Schwungübungen (Pauschenpferd).

Pferde, Equidae: Familie der Unpaarhufer und einzige Vertreter der Einhufer mit Pferde, Eseln, Halbeseln und Zebras; hochbeinige, rasch laufende Grasfresser, die sich seit dem frühen Tertiär aus katzen- bis fuchsgroßen, fünfzehigen Vorfahren zu den heutigen Einzellern entwickelt haben; in Herden lebende Steppenbewohner. Das Wildpferde (Urwildpferde, Equus przewalskii) ist in freier Wildbahn wahrscheinlich ausgerottet. Das Przewalski Pferd (Equus ferus przewalskii) mit Stehmähne und dunklem Aalstrich lebt nur noch in Reservaten und Tiergärten. Das Wildpferd ist die Stammform des Hauspferds. Unterschiedliche Umweltbedingungen sowie die künstliche Zuchtwahl führten zur Entstehung der heutigen Formen, die morphologische und physiologische Unterschiede zeigen. Aufgrund des Temperamentes und der Körperform erfolgt eine Einteilung in Vollblut-, Warmblut- und Kaltblutpferde; außerdem werden Kleinpferde unterschieden. Zu den durch besonderes Temperament und leichten hohen Bau gekennzeichneten Vollblutpferd gehören das arabische und englische Vollblut sowie die Traber; es sind in erster Linie Sportpferde. Unter dem Begriff Warmblutpferde sind alle Rassen zusammengefasst, die sich als Reit- und Wagenpferde sowie für den leichten Zug eignen; hier wird noch zwischen Edlem Warmblut und Schwerem Warmblut unterschieden. Das Kaltblutpferd ist ein auf Masse und Starkknochigkeit für den schweren Zug gezüchteter frühreifer Typ mit ruhigem Temperament. Zu den Kleinpferde werden alle Pferde mit weniger als 140 cm Widerristhöhe gerechnet; am bekanntesten sind das Fjordpferde aus Norwegen, das Haflinger Pferde aus Tirol und das Shetlandpony von den Shetlandinseln; siehe auch Tarpan, Huftiere.

Pferdeantilope, Hippotragus equinus: pferdegroßer Paarhufer (Schulterhöhe bis 160 cm) mit langen, quergerillten, kreisbogenförmigen Hörnern in beiden Geschlechtern; Fell braun mit hellen und dunklen Abzeichen am Kopf. Pferdeantilope leben gesellig in Savannen Afrikas südlich der Sahara.

Pferdesport: Gebrauch des Pferdes

a) «unter dem Sattel» (Reitsport) bei Galopprennen, Pferdeleistungsschauen (Reitturnieren), Vielseitigkeitsprüfungen (Military), Reitjagden, -touristik, Reiterspielen, Sportspielen zu Pferde (Polo, Pushball);

b) im Gespann (Fahrsport) bei Trabrennen, fahrsportliche Leistungsprüfungen (Fahrsport im engeren Sinne), Korso- und anderen Fahrten,

c) Leistungsprüfungen von Pferdesportlern (unter anderem Voltigieren).

Pfette: Holz-, Stahl-, Stahlbeton- oder Leichtmetallträger in Dachkonstruktionen parallel zur Traufe und als Auflager für Dachsparren, Dachschalung oder Dachdeckung. Nach der Lage wird sie als Fuß-, First- oder Mittelpfette bezeichnet; nach der statischen Einordnung werden Einfeld-, Gelenk-, unterspannte und Kopfstreben Pfette unterschieden.

Pfifferling, (zu «Pfeffer») Eierschwamm, Cantharellus cibarius: hell- bis dottergelber Hutpilz des Waldes; Hutunterseite mit gegabelten Leisten; essbar, würzig schmeckend.

Pfingsten: (griechisch pentekoste, «der 50. (Tag nach Ostern)») hohes christliches Fest, das an die «Ausgießung des Heiligen Geistes» und zugleich an die Gründung der Kirche erinnert. Im Volksbrauchtum durch gesellige Feste, Frühlingsfeiern, Heischegänge unter anderem gekennzeichnet; in der Arbeiterbewegung traditionelle Zeit für Kundgebungen und gesellschaftlichen Treffen.

Pfingstrose, Paeonia: einzige Gattung der Pfingstrosengewächse; meist Stauden, selten Sträucher mit großen, oft gefüllten weißen, roten oder rosa Blüten, die zahlreiche Staubblätter enthalten. Zierpflanze aus Südeuropa und Asien; oft angebaut die Garten Pfingstrose (Paeonia officinalis).

Pfirsich, (dat., «persischer Apfel») Prunus persica: Steinobstgewächs (Familie: Rosengewächse) aus China mit lanzettlichen Blättern, rosa Blüten und saftigen Steinfrüchten mit samtiger Haut (die Unterart Nektarine hat eine glatte Fruchtschale) und tief gefurchtem Steinkern.

Pfister, Albrecht, gestorben um 1466, Frühdrucker in Bamberg; druckte seit 1460 mit den Typen der 36zeiligen Bibel und verwendete in seinen Druckwerken «Der Ackermann aus Böhmen», «Der Edelstein» (von U. Boner) und in der «Biblia pauperum» erstmals Holzschnitte als Buchillustrationen.

Pfitzner, Hans, 5.5.1869-22.5.1949, Komponist; fühlte sich als Nachfolger der großen deutschen Komponisten des 19. Jahrhundert, verlor sich jedoch, anders als diese, in Resignation und Mystizismus. Davon ist die Mehrzahl seiner heute nur selten aufgeführten Werke (wertvoll unter anderem Opern «Der arme Heinrich», «Palestrina»; Kantaten «Von deutscher Seele», «Das dunkle Reich») bestimmt. Nur in einigen späten Instrumentalwerken (unter anderem «Kleine Sinfonie», 2.Cellokonzert) findet Pfitzner freundlichere, heiterbesinnliche Töne. Seine kunstästhetischen Ansichten verfocht Pfitzner aggressiv, oft mit reaktionär-nationalistische Tendenz. Damit leistete er ungewollt auch der faschistischen Ideologie Vorschub.

Pflanzen: Lebewesen, die meist mit Hilfe von Sonnenenergie (Fotosynthese der grünen Pflanzen) aus anorganischen Stoffen, zum Beispiel Wasser, Kohlendioxid und Mineralsalzen, ihre körpereigenen organischen Substanzen aufbauen; nur wenige Pflanzen, zum Beispiel Pilze, leben dagegen von organischen Verbindungen. Die grünen Pflanzen schaffen durch die Fotosynthese (Assimilation 4) die organische Grundlage für die Existenz von Tier und Mensch. Pflanzen wachsen im Gegensatz zu den Tieren während des gesamten Lebens und haben eine vorwiegend äußere Körpergliederung.

Pflanzenbau: Gesamtheit der Maßnahmen zur Nutzung des landwirtschaftlichen Bodens mit dem Ziel, optimale und sichere Pflanzenerträge durch Pflanzenzüchtung, Fruchtfolgegestaltung, Düngung, Bodenbearbeitung und Pflege der Kulturen zu erreichen. Der Pflanzenbau ist in Verbindung mit Ackerbau ein selbständiges Wissenschaftsgebiet. Siehe auch industriemäßige Pflanzenproduktion.

Pflanzenernährung: Aufnahme anorganischer Nährstoffe, die die Pflanzen zum Wachstum, zum Stoffaufbau, zur Erhaltung ihrer Lebensfunktion und zur Fortpflanzung benötigen, sowie Umwandlung dieser Nährstoffe in körpereigene Substanzen unter Nutzung energiereicher Verbindungen, die mit Hilfe des Sonnenlichtes gebildet werden. Fehlt einer dieser Pflanzennährstoffe, treten mehr oder minder ausgeprägte Mangelsymptome auf, das Wachstum wird reduziert. Die Pflanzenernährung erfolgt vorwiegend über die Wurzeln, die die Nährstoffe aus dem Boden in Wasser gelöst in Ionenform aufnehmen. Der Kohlenstoff wird über die Spaltöffnungen der Blätter aus der Luft aufgenommen. Eine Nährstoffaufnahme durch die Blätter ist in begrenztem Umfang möglich.

Pflanzenfasern: Sammelbegriff für alle aus Pflanzen gewonnenen Fasern, die verspinnbar oder anderweitig textil verarbeitbar sind.

Pflanzenfenster, Blumenfenster, für die Pflege von Zimmerpflanzen hergerichtetes Fenster, dessen technische Einrichtungen günstige Lebensbedingungen für die betreffenden Pflanzenarten gewährleisten.

pflanzenfressende Fischarten: Fische (Gras-, Silber-, Marmorkarpfen), die sich nach dem Brutstadium vorwiegend von pflanzlichen Substanz ernähren.

Pflanzenfresser, Herbivoren, Phytophagen: Tiere, die sich überwiegend von lebender pflanzlicher Substanz ernähren, zum Beispiel Blattwespen, Paarhufer.

Pflanzengeographie, Phytogeographie, Geobotanik: Teilgebiet der Biogeographie, Wissenschaft von der Verbreitung der Pflanzen auf der Erde. Sie gliedert sich in die Arealkunde oder floristische Pflanzengeographie, in die ökologische Pflanzengeographie, in die Vegetationskunde und in die historische Pflanzengeographie.

Pflanzengesellschaft, Phytozönose: umweltabhängige Kombination von Pflanzenarten, die sich miteinander im Wettbewerb befinden. Sie spiegelt die Gesamtheit der sie bedingenden Standortfaktoren wider und kann als Bioindikator dienen (zum Beispiel Ackerunkraut-, Wasserpflanzengesellschaften).

Pflanzenhygiene: Gesamtheit aller Maßnahmen zur Gesunderhaltung einer Pflanzenpopulation durch Ausschaltung aller Schädigungsmöglichkeiten und Förderung aller Nutzwirkungen.

Pflanzennährstoffe: für die Ernährung der Pflanzen unentbehrliche Elemente. Dazu zählen Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, weiterhin die Makronährstoffe Stickstoff, Phosphor, Kalium, Kalzium, Schwefel, Magnesium und Eisen sowie die Mikronährstoffe Bor, Mangan, Kupfer, Molybdän, Zink unter anderem. Außerdem nehmen fast alle Pflanzen Silizium, Natrium und Chlor auf.

Pflanzenquarantäne: Gesamtheit aller staatlichen Maßnahmen zur Verhinderung der Einschleppung oder Einbürgerung von Pflanzenschädlingen und -krankheitserregern sowie Unkräutern bei Einfuhr oder im Transitverkehr von Pflanzen oder pflanzlichen Produkten (äußere Quarantäne) und deren Verbreitung innerhalb eines Landes (innere Quarantäne).

Pflanzenreich: Gesamtheit aller Pflanzen als systematisches Ordnungsprinzip (Systematik). Die Pflanzen werden heute in zahlreiche Abteilungen gegliedert, die sich in die großen Gruppen der Lagerpflanzen (Thallophyten) mit den Algen, Pilzen und Flechten, der Moose (Bryophyten), der Farne (Pteridophyten) und der Samenpflanzen (Spermatophyten) einordnen. Rund 390000 Arten von Pflanzen sind bekannt.

Pflanzenschutz: Gesamtheit aller Maßnahmen zur Bekämpfung von Schaderregern an Kulturpflanzen und von Unkräutern.

Pflanzenschutzmaschinen und -geräte: landtechnische Arbeitsmittel zum Ausbringen chemischer Pflanzenschutzmittel in Form von Granulat, Staub, Flüssigkeit oder Gas zum Schutz der Kulturpflanzen vor Schädlingen, Krankheiten oder konkurrierenden Unkräutern.

Pflanzenwespen, Symphyta: Gruppe der Hautflügler; Vollkerfe ohne Wespentaille; Larven sind als Pflanzenfresser oft schädlich; einzelne Arten zerstören Hölzer, andere erzeugen Gallen oder leben in Pflanzenstengeln.

Pflanzenzüchtung: vom Menschen gelenkte Vermehrung von Pflanzen mit dem Ziel der Leistungserhaltung (Erhaltungszüchtung) und Leistungssteigerung vorhandener sowie Schaffung neuer Arten und Sorten (Neuzüchtung). Ausgangsmaterial für die Pflanzenzüchtung sind heute vorwiegend schon vorhandene Sorten von Nutz- und Zierpflanzen, aber auch Wildformen. Das Zuchtziel kann durch verschiedene Zuchtmethoden erreicht werden, zum Beispiel Auslese aus genetisch ungleichartigem Material (Auslesezüchtung), Kreuzung zur Herstellung von Neukombinationen (Kreuzungszüchtung), Erzielung von Heterosis nach Kombinationsprüfung und Kreuzung von Inzuchtlinien (Heterosiszüchtung, Hybridzüchtung, Inzucht-Heterosis-Züchtung), Auslösung von Mutationen (Mutationszüchtung) und Schaffung von Formen mit erhöhter Chromosomenzahl (Polyploidiezüchtung), sowie den gezielten Austausch von Chromosomen entsprechend ihrem genetischen Wert bei manchen Kulturpflanzen, insbesondere bei Weizen (Substitutionszüchtung). Weitere Möglichkeiten eröffnet die Verwendung und Nutzung haploider und polyhaploider Pflanzen im Züchtungsprozess. Auf diese Weise ist es unter anderem möglich, langwierige Züchtungsvorhaben erheblich abzukürzen. Die Wahl der entsprechenden Zuchtmethode ist abhängig von dem Zuchtziel, der Art der Fortpflanzung, der Art der Nutzung, dem Ausgangsmaterial und der Mutationshäufigkeit der einzelnen Arten. Zuchtziele sind unter anderem Steigerung der Ertragshöhe und -Sicherheit, Resistenz gegen Krankheiten, Schädlinge und Witterungseinflüsse, Qualitätsverbesserung (Backfähigkeit, Öl-, Zucker-, Eiweiß-, Vitamingehalt unter anderem). Moderne Anbau- und Erntemethoden (industriemäßige Produktionsmethoden) fordern weitere Zuchtziele (zum Beispiel festen Kornsitz bei Getreide, Mähdruscheignung).

Pflanzgut: vegetative Vermehrungsorgane und Pflanzenteil von Kulturpflanzen, wie Knollen, Wurzeln, Zwiebeln, Stecklinge, Senker. Der Wassergehalt des Pflanzguts beträgt 75 bis 85% im Gegensatz zum Saatgut mit 10 bis 15%.

Pflanzl, Heinrich, geboren 9.10.1903, österreichischer Sänger (Bass); debütierte 1929 in Bern; gehörte unter anderem 1942/45 der Dresdner und 1945/61 der Berliner Staatsoper an; sang an zahlreichen großen europäischen Opernhäusern; lehrte 1962/73 als Professor am Salzburger Mozarteum.

Pflanzmaschinen: mehrreihige traktorbetriebene Arbeitsmaschinen zum Auspflanzen vegetativer Vermehrungsorgane (zum Beispiel Knollen, Stecklinge) oder Jungpflanzen (Setzlinge). Pflanzensetzmaschinen sind besondere Pflanzmaschinen, die bei Handeinlage das gerichtete, senkrechte Setzen der Jungpflanzen bewirken. Siehe auch Kartoffellegemaschine.

Pflanzverfahren: Forstwirtschaft manuelle oder maschinelle Verfahren zur Ausbringung von Pflanzen in den Boden. Die Pflanzen werden bei beiden Verfahren in einen Spalt oder ein Loch gesetzt; ihre Wurzeln sind nackt oder von Erdbällen umgeben. Siehe auch Pflanzmaschinen.

Pflaster, Emplastrum: Arzneiform, die der Haut aufgelegt oder aufgesprüht wird. Große Bedeutung haben vor allem die industriell hergestellten Kautschukpflaster, die auf geeignete Gewebe oder Folien aufgetragen sind; sie werden vorwiegend als Heftpflaster zum Befestigen von Verbänden oder in Form von Wundpflaster, einem gebrauchsfertigen Schnellverband, verwendet.

Pflasterdecke: Straßendecke aus hartem Naturstein, Holzklötzen, Holzpflaster, Schlackensteinen oder Klinkern, die in ein Sand- oder Mörtelbett über der Packlage eng versetzt und abgerammt werden. Die Fugen werden mit Sand, Zementmörtel oder Bitumen vollgespült oder vergossen.

Pflatschen: einseitiges Behandeln von textilen Flächengebilden mit Farbflöten oder Appreturmitteln.

Pflaume, Prunus domestica: Steinobstgewächs (Familie: Rosengewächse) aus Vorderasien mit grünlich-weißen Blüten und eiförmigen bis rundlichen blauen, rotvioletten, gelben oder grünen Steinfrüchten; Unterarten sind Mirabellen, Renekloden, Zwetschen.

Pflaumenwickler, Grapholita funebrana: braungraue Art der Wickler; die karminrote Larve ist als Pflaumen- oder Kirschmade bekannt; Schädling, zerstört Steinobst.

Pflegeheim: Einrichtung des Sozialwesens für die komplexe Betreuung von Bürgern, die infolge bestimmter Einschränkungen ihres Gesundheitszustandes ständiger Fürsorge bedürfen.

Pflegekennzeichen, Pflegesymbole: graphisch einfache, in den Mitgliedsländern des RGW einheitlich gestaltete Symbole für den Verbraucher und die industrielle Reinigung zum Kennzeichnen von Textilien.

Pflegekind: Minderjähriger, der in Durchführung von Maßnahmen der Organe der Jugendhilfe in einer anderen Familie als der seiner Eltern lebt. Die Aufsicht über seine Erziehung üben die Organe der Jugendhilfe aus. Es können vom Referat Jugendhilfe des Rates des Kreises regelmäßige und einmalige Pflegezuschüsse gewährt werden.

pflegeleichte Textilien: Textilien, die infolge geeigneter Faserstoffzusammensetzung und beziehungsweise oder Spezialveredlung nach dem Waschen leicht trocknen, Form und Maß nicht verändern und nicht knittern, das heißt weder zu bügeln noch zu mangeln sind.

Pflegemaschinen und -gerate: Gruppe verschiedenartiger landtechnischer Arbeitsmittel zur mechanischen Pflanzenpflege durch Bodenbearbeitung und Unkrautbekämpfung zwischen den Reihen der Kulturpflanzen (Vielfachgerät) oder ganzflächig (Egge, Ackerbürste, Walzen), wobei zugleich kranke oder überzählige Pflanzen beseitigt werden können.

Pfleger: ein vom Organ der Jugendhilfe beziehungsweise vom Staatlichen Notariat zur Wahrnehmung einer Pflegschaft eingesetzter Bürger.

Pflegschaft: die im Interesse von Minderjährigen vom Organ der Jugendhilfe, bei Volljährigen vom Staatlichen Notariat angeordnete und beaufsichtigte, durch einen Pfleger ausgeführte Fürsorgetätigkeit mit einem begrenzten Aufgabenkreis; für Minderjährige zum Beispiel bei Verhinderung der Erziehungsberechtigten oder wenn eine Interessenkollision (zum Beispiel bei Aufhebung einer Erbengemeinschaft) vorliegt, oder für Volljährige zum Beispiel, wenn sie infolge körperlicher oder geistiger Gebrechen nicht imstande sind, ihre Angelegenheiten zu besorgen, sowie zur Nachlasssicherung und Erbenermittlung.

Pflicht: (zu «pflegen»)

1. Ethik: gesellschaftlich verbindliche Forderung zu bestimmtem Verhalten. Träger sozialer Interessen (insbesondere Klassen) machen moralische, rechtliche, politische, familiäre und andere Pflichten geltend. Die Pflicht verlangt stets ein Verhalten, das der Bedeutung entspricht, die Verhaltensobjekte (zum Beispiel gesellschaftlich nützliche Arbeit) für den Fordernden haben. Nicht selten werden Interessen konservativer sozialhistorische Kräfte (mit mystischer Begründung) zu «ewigen Pflichten» erklärt. Pflichten stehen im Wechselverhältnis zu Rechten. Im Sozialismus bestimmen die objektiven Interessen der Werktätigen die Grundrichtung sozialer Pflichten (Moral, Recht, Schuld, Verantwortung).

2. Sport: Pflichtübungen.

Pflichtenheft: rechtsverbindliche Zusammenfassung volkswirtschaftlicher und wissenschaftlich-technischer Aufgaben der Forschung und Entwicklung, die zu Erzeugnissen, Verfahren oder Technologien führen; Führungsdokument zur Sicherung hoher schöpferischer Leistungen in Forschung und Entwicklung auf der Basis der zentralen volkswirtschaftlichen Vorgaben und verbindliche Grundlage für die Finanzierung und Stimulierung der wissenschaftlich-technischen Arbeit sowie für die Leistungsbewertung der Forschungs- und Entwicklungskollektive. Im Pflichtenheft sind auszuweisen: die ökonomische Zielstellung mit den wichtigsten Kennziffern zur Leistungs- und Effektivitätsentwicklung (einschließlich Ziele zur Lizenzvergabe) unter Zugrundelegung von Zeitnormativen zur Sicherung kurzer Bearbeitungsfristen; die wissenschaftlichen technischen Aufgabenstellung und das zu erreichende wissenschaftlich-technische Niveau für die Entwicklung des Erzeugnisses, des Verfahrens beziehungsweise der Technologie; die Realisierungsbedingungen (Aufwand nach Arbeitsetappen und Fristen).

Pflichtexemplar: auf Grund gesetzlicher Bestimmungen von Verlagen und anderen publizierenden Einrichtungen unentgeltlich an die zuständigen Bibliotheken abzulieferndes Exemplar einer Veröffentlichung.

Pflichtteil: Geldanspruch in Höhe von zwei Dritteln des Wertes des gesetzlichen Erbteils des Pflichtteilsberechtigten, falls er durch Testament von der Erbfolge ausgeschlossen ist. Der Pflichtteil steht dem Ehegatten stets zu, dagegen Kindern, Enkeln und Eltern des Erblassers nur dann, wenn sie zum Zeitpunkt seines Todes ihm gegenüber unterhaltsberechtigt waren.

Pflichtübungen, Pflicht, in verschiedenen Sportarten vorgeschriebene Übungen; Punktwertung. Siehe auch Kürübungen.

Pflichtwidrigkeit: Verletzung von rechtlichen, beruflichen, moralischen oder anderen Pflichten. Jede Rechtsverletzung ist zugleich eine Pflichtverletzung.

Pflückreife: aus wirtschaftlichen Erwägungen gewählter Pflückzeitpunkt bei Obst während der Ausreife der Frucht, wobei bis zur Genussreife keine äußeren Qualitätsmängel auftreten dürfen.

Pflug: ältestes und wichtigstes Bodenbearbeitungsgerät zum Wenden, Lockern (Krümeln) und Mischen des Bodens, das in vielerlei Bauarten und -formen, Ausrüstungen und Abmessungen angewendet wird. Systematik und Bezeichnung der Pflüge erfolgen nach Werkzeugart als Schar- oder Scheibenpflug, nach Zugmittel als Gespann-, Traktor- oder Kraftpflug, nach der Furchenfolge als Beetpflug (einseitig wendend) oder Kehrpflug (wechselseitig wendend), nach Arbeitstiefe als Schäl-, Saat- oder Tiefpflug. In seiner Arbeitsweise ist der Pflugkörper den Werkzeugen der spangebenden Formung (Drehmeißel, Hobelmeißel) bei Werkzeugmaschinen ähnlich. Die Scheibenpflüge treten in ihrer Bedeutung weit hinter die Scharpflüge zurück. Als älteste historische Belege für die Verwendung des Pflugs gelten sumerische Bilderschriftzeichen aus dem 4. Jahrtausend vor Christus

Pflügen: wendende, lockernde und mischende Bodenbearbeitung mit dem Pflug zum Einarbeiten von Ernterückständen und Dünger sowie zur Unkrautvernichtung. Dabei werden in tiefere Bodenschichten verlagerte Nährstoffe und Feinerdeteilchen wieder nach oben gebracht sowie gute Voraussetzungen für die Durchlüftung, Wasserführung und das Eindringen der Pflanzenwurzeln geschaffen. Um Pflugsohlenbildung zu vermeiden, ist die Tiefe beim Pflügen ständig zu wechseln; Bodenverdichtungen werden durch Untergrundlockerung (zum Beispiel mit Bodenmeißel) beseitigt. Tiefere Bodenschichten (Tiefkultur) werden durch im Laufe der Jahre allmählich tieferes Pflügen erschlossen (Krumenvertiefung). Melioratives Pflügen hat Bedeutung auf trockenen, grundwasserfernen Sandböden und macht den Pflanzenwurzeln tiefere Bodenschichten zugänglich. Man unterscheidet die bis 5 cm tiefe Schälfurche oder Stoppelsturz, die flache Saatfurche (bis 15 cm tief), die normale Saatfurche (bis 20 cm tief), die tiefe Saatfurche (bis 25 cm tief) und die Tieffurche oder Herbstfurche (über 25 cm tief).

Pflugscharbein, Vomer: unpaarer Schädelknochen; bildet einen Teil der knöchernen Nasenscheidewand.

Pforr, Franz, 5.4.1788-16.6.1812, Maler und Graphiker; übersiedelte 1810 mit dem Lukasbund nach Rom. Pforr bestimmte als Vertreter der Nazarener wesentlich die Entwicklung der deutschen Romantik. Er bevorzugte Themen aus der deutschen Geschichte des Mittelalters sowie der Welt der Sagen und Märchen.

Pfortader, Vena portae: Blutgefäß, welches das mit Nahrungsstoffen angereicherte venöse Blut aus dem Magen-Darm-Kanal sowie das venöse Blut der Milz und der Bauchspeicheldrüse der Leber zuführt.

Pfortaderstauung, Pfortaderhochdruck, portale Hypertension: Syndrom mit beeinträchtigtem Durchfluss des Pfortader Blutes durch die Leber infolge verschiedenartiger Abflussbehinderungen, zum Beispiel bei Leberzirrhose, Pfortader- oder Lebervenenthrombose; führt zu druckentlastenden Umgehungskreisläufen wie Krampfadern in der Speiseröhre und Medusenhaupt sowie zu Bauchwassersucht und Milzstauung.

Pförtner, Pylorus: Anatomie Magenausgang.

Pfriemenschwänze: Ordnung der Fadenwürmer; bis 3 cm lang mit spitzem Schwanz; schmarotzen im Darm besonders von Wirbeltieren. Zu den Pfriemenschwänze gehört der Madenwurm.

Pfropfbastard: aus 2 erblich unterschiedlichen Pflanzen durch Pfropfung und nachfolgende Kallus mit Triebbildung entstehende neue Pflanze aus dem Gewebe beider Partner (Chimäre).

Pfropfpolymerisation: chemische, auch technisch durchgeführte Reaktion, bei der an die Hauptketten («Rückgratketten») hochpolymerer Substanzen andersartige, jedoch ebenfalls polymere Seitenketten «aufgepfropft» werden. Die Pfropfpolymerisation erfolgt durch Behandeln des Stammpolymeren mit dem seitenkettenbildenden Monomeren insbesondere in Gegenwart energiereicher Strahlung oder organische Peroxide. Zu den Pfropfpolymerisaten gehören zum Beispiel die ABS-Polymeren.

Pfropfrebe: auf reblausresistenter Unterlage (zum Beispiel Amerikanerreben) veredelte Rebsorte; als Schutz gegen Reblausbefall dürfen in Weinbaugebieten nur Pfropfrebe angepflanzt werden.

Pfründe: ursprünglich die mit einem kirchlichen Amt verbundenen Einnahmen; heute durch innerkirchliche Gehaltsregelungen nahezu abgeschafft.

Pfund: (dat. pondus, «Gewicht») 1. Pfund, Abkürzung Pfd.: alte deutsche Masseeinheit (500 g); seit 1884 gesetzlich nicht mehr zulässig.

2. Pfund, Pfund Sterling, Pound, Pound Sterling, Zeichen £: Währungseinheit in Großbritannien und (mit besonderer nationaler Bezeichnung) in verschiedenen anderen Ländern (Ägypten, Libanon, Malta unter anderem); siehe auch Währung.

Phäaken: in der griechischen Sage glücklich und sorglos lebendes Seefahrervolk auf der Insel Scheria; ihr König Alkinoos nahm den schiffbrüchigen Odysseus auf und brachte ihn in seine Heimat, zur Insel Ithaka.

Phädra, Phaidra, in der griechischen Sage Tochter des kretischen Königs Minos und der Pasiphae, Schwester der Ariadne, vermählt mit Theseus; liebte ihren Stiefsohn Hippolytos und tötete sich selbst nach dessen durch sie veranlassten Tod.

Phädrus, römischer Fabeldichter des 1. Jahrhundert; verfasste um 40 nach dem Vorbild des Äsop in Senaren (sechsgliedrige jambische Verse) abgefasste und in klarer, schlichter Sprache geschriebene Tierfabeln.

Phagozyten, Fresszellen: Zellen, die feste beziehungsweise flüssige Teilchen (zum Beispiel Zelltrümmer, Bakterien, anorganische Substanzen) aufnehmen können und der Abwehr dienen; dazu gehören die weißen Blutzellen, die Bindegewebezellen und die Zellen der Lungenbläschen.

Phakomatosen: Oberbegriff für erbliche Missbildungen und Geschwülste der Haut, des Zentralnervensystems und des Auges mit unterschiedlicher Ausprägung und Lokalisation; die Veränderungen sind entwicklungsgeschichtlich erklärbar, da sich diese Organe aus dem Ektoderm bilden.

Phalaborwa: Stadt im Nordosten von Transvaal (Republik Südafrika), nahe dem Krüger-Nationalpark; 10000 Einwohner; Kupfererzbergbau; Kupferhütte, Düngemittelfabrik.

Phalangen: kurze Röhrenknochen der Finger beziehungsweise Zehen.

Phalanx: (griechisch, «Balken», «Rolle»; Phalangen) dicht geschlossene, tiefgestaffelte Schlachtordnung der in breiter Front aufgestellten Hopliten, flankiert durch Leichtbewaffnete und Reiterei. Die Phalanx war typisch für das Bürgerheer der altgriechischen Polis seit dem 6. Jahrhundert vor Christus

Phallus: Völkerkunde, Religionswissenschaft (erigierter) Penis; plastische Nachbildung in verschiedenen frühen Kulturen als Symbol der Fruchtbarkeit und Zeugungskraft verehrt (Phalluskult).

Pham Tuan, geboren 14.2.1947, erster vietnamesische Kosmonaut; absolvierte vom 23. bis 31.7.1980 als Forschungskosmonaut von Sojus 37 zusammen mit W. W. Gorbatko einen Raumflug mit siebentägigem Aufenthalt an Bord der sowjetischen Raumstation Salut 6.

Pham Van Dong, geboren 1.3.1906, vietnamesischer Politiker; wegen revolutionärer Tätigkeit 1929/36 eingekerkert; wurde 1945 Finanzminister der Demokratischen Republik Vietnam, 1955 Ministerpräsident, 1955/61 war er auch Außenminister; seit 1949 ist er Mitglied des ZK, seit 1951 des Politbüros der Partei der Werktätigen beziehungsweise der KP; seit 1981 ist er Vorsitzender des Ministerrates der SRV.

Phanerozoikum: (dat. griechisch phaneros, «sichtbar», + zoon, «Lebewesen») Zeitraum vom Kambrium bis Quartär, in dem die Tier- und Pflanzenwelt eine deutlich erkennbare Entwicklung durchlief; gegliedert in Paläozoikum, Mesozoikum und Känozoikum-, siehe auch geologische Systeme.

Phanmundshorn: Ort am 38. Breitengrad in Korea. Hier wurde am 27.7. 1953 das Waffenstillstandsabkommen nach dem Vaterländischen Krieg des koreanischen Volkes unterzeichnet. Seit 1972 Verhandlungsort zwischen Vertretern der KDVR und Südkorea.

Phän Genetik: Teilgebiet der Genetik, das sich mit der phänotypischen Merkmalsausbildung auf genetischer Grundlage befasst.

Phänokopie: durch äußere Faktoren entstandenes, nichterbliches Merkmal, das in seinem Erscheinungsbild mit einem auf einer Mutation beruhenden entsprechenden Erbmerkmal weitgehend übereinstimmt.

Phänologie: Wissenschaft, die die Abhängigkeit der jährlich wiederkehrenden Lebensäußerungen pflanzlicher und tierischer Organismen von Klima und Witterung, zum Beispiel Knospung, Blattentfaltung, Frucht und Laubfall bei Pflanzen oder Paarungsbeginn, Zugvogelankunft und Winterschlaf bei Tieren untersucht.

Phänomen: (griechisch, «das Erscheinende») 1. allgemein seltenes, auffallendes Ereignis, außergewöhnliches Vorkommnis; übertragen überragender Geist, Genie.

2. Philosophie: Erscheinung, das sinnlich Wahrnehmbare; von I. Kant im Gegensatz zum Nottmenon, dem nur Gedachten, gebraucht. Siehe auch Wesen und Erscheinung.

Phänomenologie: Lehre von den Erscheinungen; erstmalig von J. H. Lambert gebraucht; bei 1. Kant Lehre von den empirischen Erscheinungen gegenüber der Lehre vom «Ding an sich». G. W. F. Hegel bezeichnete die dialektische Aufwärtsentwicklung des Geistes von sinnlicher Gewissheit zum absoluten Wissen als «Phänomenologie des Geistes» (1807). Mit E. Husserl entwickelte sich die Phänomenologie im 20. Jahrhundert zu einer spätbürgerlichen philosophisch-methodologischen Grundströmung, deren Vertreter sich mit «reinen Wesenheiten» beschäftigen, die, in Ablehnung diskursiven Erkennens, durch intuitives Schauen gewonnen werden. Die Phänomenologie wirkte auf den Existentialismus.

Phänopathien: durch Umwelteinwirkungen entstandene Missbildungen, im Unterschied zu den erblich bedingten Genopathien.

Phänotyp: das durch den genetischen Informationsbestand (Idiotyp) im Zusammenwirken mit der Umwelt geprägte Erscheinungsbild eines Lebewesens.

Phantasie, Einbildungskraft: produktiv-schöpfer. Fälligkeit des Bewusstseins, Elemente des Gedächtnisses sinnlich-anschaulich neu zu kombinieren beziehungsweise zu neuen Vorstellungen und Gedankenverknüpfungen weiterzuentwickeln. Im künstlerischen Produktions- und Rezeptionsprozess bestimmt die Phantasie wesentlich die Widerspiegelung der objektiven Realität im Kunstwerk.

Phantasma: anschauliches inneres Bild; Sinnestäuschung optischer Art, Scheinbild.

Phantasmagorie: Zauber, Truggebilde; optische Darstellung von Scheinbildern (zum Beispiel auf der Bühne).

Phantast: wirklichkeitsfremder Schwärmer; Träumer.

Phantom: 1. Trugbild, Hirngespinst.

2. künstliche Nachbildung eines Organs oder eines Körperteils für den Unterricht.

Phantomschaltung: Schaltung zur Mehrfachausnutzung von Fernmeldeleitungen. Dabei werden 2 Adernpaare (Stammleitungen) unter Verwendung von Überträgern so geschaltet, dass zusätzlich eine

3. Verbindung (Vierer- oder Phantomkreis) zur Fernsprech- oder Fernschreibübertragung entsteht (Vierertelefonie oder -telegrafie). Aus 2 Viererkreisen kann man wiederum eine Phantomschaltung, den Achterkreis, gewinnen (Achtertelefonie oder -telegraf).

Phäochromozytom: Geschwulst des Nebennierenmarks mit gesteigerter Produktion der Hormone Noradrenalin und häufig auch Adrenalin; führt zu ständigem oder anfallsartigem Bluthochdruck (Hochdruck-Krisen), starkem Schwitzen unter anderem

Pharao: (griechisch - hebräisch - ägyptisch, «großes Haus») im alten Ägypten zunächst Bezeichnung für den königlichen Palast beziehungsweise Hof, seit der 18. Dynastie (Mitte 3. Jahrtausend vor Christus) auch für den König; erst seit der 22.Dynastie (10. Jahrhundert vor Christus) wird Pharao als Titel vor dem Namen des Königs gebraucht.

Pharisäer: (hebräisch, «Abgesonderte»)

1. Pharisäer: Vertreter einer religiös-politische Richtung innerhalb des Judentums, etwa Mitte des 2. Jahrhundert vor Christus entstanden; sie forderten strenge Einhaltung des jüdischen Gesetzes und Absonderung von allem kultisch Unreinen; bildeten die Basis für das rabbin. Judentum (seit etwa 70 nach Christus); ihre Gegner waren die Sadduzäer.

2. übertragen Heuchler, hochmütig-scheinheiliger Mensch.

Pharmakodynamik: Lehre vom Zustandekommen der Arzneimittel- und Giftwirkungen. Die Pharmakodynamik analysiert die Angriffspunkte, Reaktionsweisen, Wirkungsbedingungen und -mechanismen der Verbindungen.

Pharmakogenetik, genetische Pharmakologie: Spezialgebiet der pharmakologischen beziehungsweise genetischen Forschung. Die Pharmakogenetik erfasst die Besonderheiten der Arzneimittelwirkungen bei Vorliegen genetischen Variationen im Organismus.

Pharmakognosie, Drogenkunde: Teilgebiet der Pharmazie; beschreibt und erforscht die Drogen pflanzliche und tierischen Ursprungs.

Pharmakokinetik: Lehre von den zeitlichen Abläufen der Arzneimittelaufnahme, -Verteilung und -ausscheidung im Organismus in Abhängigkeit von äußeren und inneren Faktoren. Die Kenntnis der pharmakokinetischen Daten bei einem Arzneimittel und Patienten gestattet eine optimale Dosierung.

Pharmakologie: Wissenschaft, die die Wirkung der Arzneimittel (und Gifte) sowie neu entdeckte chemische Verbindungen und Naturstoffe auf lebende Organismen, isolierte Organe oder Zellen untersucht und daraus Schlussfolgerungen für die praktische Anwendung in der Medizin und zur Verhütung von Vergiftungen zieht.

Pharmakoradiographie: Röntgenuntersuchung bei zusätzlicher Anwendung von Arzneimitteln zur Beeinflussung der Organfunktion (zum Beispiel Magenperistaltik). Die Pharmakoradiographie wird meist als Zweituntersuchung zur Differentialdiagnostik durchgeführt.

Pharmakotherapie: medikamentöse Behandlung von Krankheiten; in Abgrenzung zu operativer oder Psychotherapie.

Pharmazeut: Arzneikundiger, Apotheker, Wissenschaftler auf dem Gebiet der Pharmazie.

pharmazeutisches Zentrum: Einrichtung des staatlichen Gesundheitswesens, die alle Apotheken und Ausgabestellen der ambulanten Arzneimittelversorgung eines Territoriums (zum Beispiel Kreis) umfasst.

Pharmazie: Apothekerkunst, Arzneimittelkunde; Wissenschaft, die alle Kenntnisse und Fertigkeiten umfasst, die sich auf Herkunft, Beschaffenheit, Darstellung, Verarbeitung und Prüfung der Arzneimittel sowie auf die einschlägige Gesetzgebung erstrecken.

Pharos, Pharus: Insel vor Alexandria mit dem ersten über 100 m hohen Leuchtturm, der 299/279 vor Christus durch Sostratos von Knidos erbaut wurde; er galt als eines der Sieben Weltwunder der Antike; stürzte 1326 bei einem Erdbeben ein.

Pharyngal: Rachenlaut; durch Berührung der Zungenwurzel mit der Hinterwand des Rachens (Pharynx) gebildet; kommt im Deutschen nicht vor.

Phase: (französisch -griechisch, «Erscheinung») 1. allgemein Abschnitt eines zeitlichen Ablaufs; Entwicklungsstufe.

2. Astronomie: Beleuchtungsform, jeweilige Lichtgestalt nicht selbstleuchtender Himmelskörper, zum Beispiel Mond, Venus. Beim Zyklus der Phasen des Mondes unterscheidet man die Mondphasen Neumond, erstes Viertel, Vollmond und letztes Viertel (astronomische Zeichen).

3. Chemie: materieerfüllter Raum, innerhalb dessen sich physikalische (zum Beispiel Aggregatzustand, Dichte, Härte) und chemische (zum Beispiel Zusammensetzung, Konzentration) Eigenschaften nicht oder nur stetig ändern. Eine Phase ist allseitig von Phasengrenzflächen umgeben; dabei stellt die Gesamtheit aller Raumgebiete gleicher Eigenschaften nur eine einzige Phase dar, so dass zum Beispiel eine Emulsion von Öl in Wasser ungeachtet der vielen Öltröpfchen nur aus den 2 Phase Öl und Wasser besteht. Verschiedene Aggregatzustände eines Stoffes sind verschiedene Phase Siehe auch intermetallische Verbindung.

4. Schwingungslehre: Charakteristikum für den augenblicklichen Zustand eines schwingenden Systems, bei Sinusschwingungen der zu einer momentanen Auslenkung gehörige Winkel (Phasenwinkel). Phasendifferenz oder Phasenverschiebung heißt der Abstand einander entsprechender Phasen zweier gleichfrequenter Schwingungen oder Wellen, zum Beispiel zwischen Stromstärke und Spannung in einem Wechselstromkreis; siehe auch Gangunterschied. Der Phasensprung ist eine plötzliche Änderung der Phase, zum Beispiel bei Reflexion einer Welle an einem dichteren Medium.

5. statistische Physik: Phasenraum.

Phasenanschnittsteuerung, Anschnittsteuerung: Stellen der Gleich- beziehungsweise Wechselspannung bei Stromrichtern (zum Beispiel Wechselspannungssteller) durch Verschieben des Zündzeitpunktes gegenüber dem Spannungsnulldurchgang.

Phasenbild: die in einem Bildfeld eines fotochemisch bearbeiteten Kinofilms enthaltene fotografische Aufzeichnung. Das Phasenbild ist meist Bestandteil eines kinematographisch zerlegten Bewegungsablaufs; mehrere, sinngemäß zusammengehörige Phasenbilder ergeben eine Phasenbildfolge.

Phasengeschwindigkeit: Geschwindigkeit vf, mit der die Phase (zum Beispiel der Wellenberg) einer sinusförmigen Welle fortschreitet. Hingegen heißt die Geschwindigkeit, mit der sich eine Wellengruppe (zum Beispiel ein abgehackter Wellenzug) ausbreitet, Gruppengeschwindigkeit vt. Sie beschreibt den Energietransport. Für elektromagnetische Wellen im Vakuum ist ve = wp; in Stoffen mit Dispersion gilt dies nicht. Bei Materiewellen entspricht vs der Geschwindigkeit der Teilchen, die der Welle mit der Phasengeschwindigkeit v„ zugeordnet sind. Es gilt vg v„ = cl (c0 Vakuumlichtgeschwindigkeit).

Phasenkontrastverfahren: Mikroskopieverfahren, mit dem Objekte sichtbar werden, die wenig Licht absorbieren, aber die Phase der Lichtwellen ändern; wurde von F. Zernike 1932 entwickelt. Diese für das Auge unsichtbaren Phasenänderungen werden beim Phasenkontrastverfahren in Intensitätsänderungen umgewandelt. Dies geschieht durch eine Platte in der bildseitigen Brennebene des Mikroobjektivs, die das nicht am Objekt gebeugte Licht hinsichtlich Amplitude und Phase verändert.

Phasenraum:

1. Kybernetik: Zustandsraum.

2. statistische Physik: abstrakter Raum, der für jede Orts- und Impulskoordinate eines oder mehrerer Teilchen eine Dimension hat. Phase eines Teilchens ist dabei die Gesamtheit seiner Orts- und Impulskoordinaten. Der Phasenraum eines einzelnen Teilchens (fi-Raum) mit / Freiheitsgraden hat 2/ Dimensionen. Der Phasenraum für ein System aus N Teilchen mit je Freiheitsgrad ep (Gas- oder r-Raum) hat 2Nf Dimensionen. Der physikalische Zustand eines Teilchens oder des Systems in einem bestimmten Zeitpunkt wird durch einen Punkt im entsprechenden Phasenraum dargestellt. Die Gesamtheit der im Laufe der Zeit vom Phasenpunkt durchlaufenen Positionen im Phasenraum heißt Phasenbahn oder -trajektorie.

Phasenschieber: 1. allgemein elektrisches Netzwerk, dessen Ausgangswechselspannung gegenüber der Eingangswechselspannung eine definiert veränderte Phasenverschiebung aufweist. Phasenschieber werden in der Messtechnik, bei einigen Modulatoren und für Abgleichzwecke verwendet.

2. Elektrotechnik: leerlaufende (Blindleistungsmaschine) oder teilbelastete Synchronmaschine, Kondensator oder selten Drossel in elektrischer Energieanlagen zum Verändern der Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung und damit der Blindleistung (Blindleistungskompensation).

Phasenumwandlung: Thermodynamik Übergang zweier Phasen oder Modifikationen ineinander bei bestimmten Werten für Temperatur und Druck, bei dem sich gewisse physikalische Eigenschaften des Stoffes sprunghaft ändern. Bei Phasenumwandlung l. Art sind das die 1. Ableitungen der freien Enthalpie nach dem Druck und der Temperatur, das heißt Volumen und Entropie. Dabei wird eine Umwandlungs- oder latente Wärme aufgenommen oder abgegeben. Beispiele sind Verdampfen, Schmelzen, Sublimation. Bei Phasenumwandlung 2. Art erfahren die 2. Ableitungen der freien Enthalpie, wie spezifische Wärmekapazität und Ausdehnungskoeffizienten, endliche Sprünge, während Entropie und Volumen stetig verlaufen. Beispiele sind der Übergang von normaler zu Supraleitung und der vom Ferro zum Paramagnetismus am Curie Punkt.

Phasenverschiebung: zeitliche Verschiebung von Wechselgrößen; im engeren Sinne die zeitliche Verschiebung zwischen Strom und Spannung um den Phasenwinkel

Phenanthren: ein trizyklische Aren der Formel C14H10. Phenanthren kommt im Steinkohlenteer vor und bildet farblose, blau fluoreszierende Kristalle; F 100,5 °C. Durch den längeren Umgang mit phenanthren haltigem Steinkohlenteer und Ruß kann Hautkrebs, zum Beispiel bei Schornsteinfegern, auftreten.

Phenazin: eine stickstoffheterozyklische Verbindung. Phenazin bildet blass gelbe, schwer wasserlösliche Kristalle; F 171 °C. Vom Phenazin leitet sich eine Gruppe von Farbstoffen ab.

Phenole: organische Verbindungen mit (mindestens) einer unmittelbar am aromatischen Ringsystem gebundenen Hydroxylgruppe. Zu den einwertigen Phenole gehören neben Phenol unter anderem die Kresole, Xylenole und Naphthole; zweiwertig sind zum Beispiel Brenzkatechin, Resorzin und Hydrochinon, dreiwertig Pyrogallol, Phloroglucin und Oxi-Hydrochinon. Alle Phenole sind schwach sauer und bilden mit Basen Phenolate. Die wichtigste Verbindung ist Phenol, C6H5OH. Dieses bildet farblose, durchdringend riechende, leicht wasserlösliche, hautätzende Kristalle; F 41 °C; Kp 182 °C. Es kommt im Stein- und Braunkohlenteer vor, wird jedoch meist synthetisch aus Benzol und Propen gewonnen und zur Herstellung von Phenoplasten, Polyamid Faserstoffen, Weichmachern, Farbstoffen, Desinfektionsmitteln unter anderem verwendet Nach Haut- und Schleimhautkontakt mit Phenol oder Phenoldämpfen können schwere Verätzungen auftreten. Nach Aufnahme in den Körper wirken sie als Nervengift und führen zu Magen-Darm- und Nierenkrankheiten.

Phenolphthalein: kristalliner Triphenylmethanfarbstoff, der als Säure-Base-Indikator mit Farbumschlag von farblos (sauer und schwach alkalisch) nach rotviolett (stark alkalisch) bei pH 8,2 bis 10,0 dient. Phenolphthalein ist in Wasser schwer, in Alkohol leicht löslich. Medizinisch wird Phenolphthalein als Abführmittel verwendet.

Phenoplaste: Zeichen PF (für Phenol-Formaldehyd) aus Phenolen (Phenol, Kresole, Xylenole unter anderem) durch Polykondensation mit Formaldehyd hergestellte Kunstharze (Phenolharze). Die äthanol- und wasserlösliche, schmelzbaren, in alkalischem Milieu erhaltenen Primärprodukte (Vorkondensate) sind durch Erhitzen duroplastisch aushärtbar; die in saurem Milieu erhaltenen Primärprodukte (Novolake) erfordern hierbei formaldehyd-abspaltende Härter, zum Beispiel Hexamethylentetramin. Die Vorkondensate werden als füllstoffhaltige Pressmassen für die Herstellung von Formteilen, insbesondere elektro-technische Artikeln und Autokarosserieteilen, als Bindemittel für Schichtpreßstoffe und in modifizierter Form als Lackharze verwendet.

Phenothiazine: arzneilich verwendete Abkömmlinge des Phenothiazine, einer synthetischen Ringverbindung, die Schwefel und Stickstoff enthält. Durch Substitution am Stickstoffmolekül werden die Wirkungsqualitäten bestimmt. Phenothiazine werden unter anderem verwendet als Neuroleptika und Antihistaminika.

Phenylalanin, Symbol Phe: eine essentielle aromatische Aminosäure. Phenylalanin bildet farb- und geruchlose, wenig wasserlösliche Kristalle und kommt als Baugruppe in vielen Eiweißstoffen vor.

Phenyläthanol, fachsprachlich Phenylethanol: eine farblose, rosenartig riechende Flüssigkeit der Formel C6H5-CH2-CH2OH; Kp 220 °C. Phenyläthanol ist im Rosenöl enthalten, wird synthetisch hergestellt und in der Parfümerie verwendet.

Phenylazetaldehyd, Phenylacetaldehyd: eine farblose, nach Hyazinthen riechende Flüssigkeit der Formel C6H5-CH2-CHO; wird synthetisch hergestellt und in der Parfümerie verwendet.

Phenylendiamin: Sammelname für die 3 aromatische Diamine der Formel C6H4(NH2)2. Ortho- (103 °C), Meta- (62,8 °C) und Para-Phenylendiamin (F 147 °C) sind farblose, kristalline, giftige Verbindungen, die an der Luft allmählich nachdunkeln und insbesondere zur Herstellung von Farbstoffen und Pharmaka verwendet werden.

Phenylessigsäure: eine farblose, kristallisierte, in kaltem Wasser wenig lösliche Substanz der Formel C6H5-CH2-COOH; F 76 °C. Niedere Ester der Phenylessigsäure, beispielsweise Phenylessigsäureäthylester, werden als Honigaroma verwendet.

Phenylgruppe: (griechisch + französisch) die sich vom Benzol ableitende Atomgruppe -CSH5.

Phenylketonurie, Phenylbrenztraubensäure Schwachsinn, Föllingsche Krankheit (nach einem norwegischen Arzt): rezessiv erbliche Störung der Umwandlung von Phenylalanin in Tyrosin. Folge ist eine Schädigung des Zentralnervensystems mit zum Teil schwerem Schwachsinn. Durch systematische Untersuchung aller Neugeborenen (Guthrie-Test) werden Erkrankte sicher erkannt. Durch frühzeitige diätetische Behandlung mit phenylalaninarmen Eiweißhydrolysat kann eine weitgehend normale Entwicklung erreicht werden.

Phidias, bedeutendster griechischer Bildhauer der 2. Hälfte des 5. Jahrhundert vor Christus aus Athen, dessen Ruhm sich unter anderem auf die Goldelfenbeinstatuen der Athena Parthenos und des Zeus von Olympia gründete, die aus Nachbildungen zu rekonstruieren sind. zwischen dem Kasseler Apoll (Kopie), der auf ein Frühwerk des Phidias zurückgeht, und den Westgiebelskulpturen des Parthenon, dessen künstlerischer Leiter Phidias war, liegt die Entwicklung der griechischen Hoch zur Spätklassik.

Philadelphia: Stadt im Südosten des Bundesstaates Pennsylvania (USA), am kanalisierten Delaware; 1,7 Millionen Einwohner (davon 34% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 4,7 Millionen Einwohner; Erdölverarbeitung, Schiff- und Maschinenbau, Metall-, Papier-, Bekleidungs-, Lebensmittel-, chemische, elektrotechnische/elektronische und polygraphische Industrie; Verlage; bedeutender Atlantikhafen, Marinestützpunkt, internationaler und Marineflughafen, -U-Bahn; 2 Universitäten, Colleges, Fachschulen, Akademien; Museen, Theater, Planetarium; Weltausstellung 1876. 1682 von W. Perm als Hauptstadt Pennsylvanias gegründet; Stätte der Unabhängigkeitserklärung (4. 7. 1776) sowie des Verfassungskonvents 1787; Bundeshauptstadt 1790/1800.

Philae: ehemalige Nilinsel im Nassersee. Im römischen Ägypten Hauptkultort der Isis; erhalten sind mehrere Tempel, ein Kiosk des Trajan, koptischen Kirchen unter anderem Infolge ständiger Überflutung der Insel wurden die Tempel ab 1975 auf die Insel Agilkia umgesetzt.

Philanthropie: (griechisch) Menschenfreundlichkeit, individuelle Wohltätigkeit ohne Bekämpfung der sozialen Wurzeln des Elends.

Philanthropismus: fortschrittliche pädagogische Richtung gegen Ende des 18. Jahrhundert, benannt nach der 1774 von J. B. Basedow in Dessau gegründeten Erziehungsanstalt, dem Philanthropin(.um). Der Philanthropismus entsprach durch Betonung von Realien, kaufmännischen Fächern, modernen Fremdsprachen, patriotische und körperliche Erziehung den Bedürfnissen der entstehenden Bourgeoisie und wurde Wegbereiter einer wissenschaftlichen Pädagogik. Hauptvertreter waren J. B. Basedow, J. H. Campe, C. G. Salzmann.

Philaret, eigentlich Fjodor Nikititsch Romanow, um 1555-22.10.1633, russischer Patriarch; 1598 Gegenspieler Boris Godunows, musste 1601 Mönch werden und nahm den Namen Philaret an; seit 1619 Patriarch; führte seit 1619 für seinen Sohn, Zar Michail Fjodorowitsch Romanow, die Regierung.

Philatelie, Briefmarkenkunde: systematisches Sammeln, Erforschen und Auswerten von Postwertzeichen sowie anderen postalischen Materialien, die registrierend (nach dem Vollständigkeitsprinzip anhand eines Kataloges) oder thematisch (in freier Gestaltung) zusammengetragen werden. Hauptsammelarten der registrierenden Philatelie sind Generalsammlung (Sammlung aller Länder), Ländersammlung (Sammlung eines Landes oder einer Ländergruppe), Spezial- oder Forschungssammlung (Typen und Abarten bestimmter Marken oder Abstempelungen), Nebengebiete (zum Beispiel Einschreibnummernzettel), Ganzsachen (Postkarten, Briefumschläge und so weiter mit eingedruckten Wertstempeln), Briefe und Dokumente der Vormarkenzeit (Vor-Altbriefkunde), Motivsammlung (zum Beispiel Sport, Raumfahrt, Gemälde). Die thematische Philatelie (zum Beispiel zur Geschichte der Arbeiterbewegung) ist in illustrativer (Marke illustriert Text) oder in dokumentarischer Form möglich. Sie entwickelt sich zur Hauptform philatelistische Betätigung.

Philemon und Baucis, in der griechischen Sage frommes, glückliches altes Ehepaar in Phrygien; nahmen die unerkannt auf der Erde weilenden Götter Zeus und Heimes gastlich auf, wurden mit gleichzeitigem Tod belohnt und in Eiche und Linde verwandelt.

Philharmonie: (griechisch, «Liebe zur Harmonie») musikalische Institution beziehungsweise Konzertgesellschaft, auch deren Gebäude und Konzertsaal; heute führende Orchestervereinigung mit einem festen Anrechtspublikum; die Mitglieder heißen Philharmoniker, in sozialistischen Ländern sind den Philharmonie oft Chöre, Solisten und Kammerensembles angeschlossen.

Philhellenen: (griechisch, «Griechenfreunde») Bezeichnung derjenigen Ausländer, die 1821/29 den Freiheitskampf der Griechen gegen die türkische Fremdherrschaft und gegen die reaktionäre Heilige Allianz moralisch, politisch und ökonomisch unterstützten. Zu den bekanntesten Philhellenen gehörten J. W. Goethe, W. Müller, V. Hugo, A. S. Puschkin und Lord Byron.

Philiki Eteria: (griechisch, «Freundschaftsbund») 1814 in Odessa gegründete griechische Geheimorganisation zur Vorbereitung und Durchführung des bewaffneten nationalen Befreiungskampfes gegen die türkische Fremdherrschaft; bereitete besonders seit 1817 den koordinierten Befreiungskampf aller Balkanvölker vor.

Philipe, Gérard, 4.12.1922-25.11.1959, französischer Schauspieler, errang in den 50er Jahren große Erfolge am Théâtre National Populaire in Paris (Titelrollen in «Ruy Blas» von V. Hugo, «Cid» von Philipe Corneille, «Der Prinz von Homburg» von H. von Kleist) und im Film («Der Idiot», «Rot und Schwarz», «Fanfan der Husar», «Der Spieler», «Der Staudamm», «Die Abenteuer des Till Ulenspiegel»). Philipe setzte sich aktiv im Friedenskampf ein.

Philipp, Fürsten. Deutscher König: 1. Philipp, Philipp von Schwaben, vor 1178-21.6.1208, Herzog von Schwaben 1196, König seit 1198; Sohn Friedrichs I.; wurde kurz vor dem Sieg über den von Papst Innozenz IH. unterstützten weif. Gegenkönig Otto IV. durch Otto von Wittelsbach aus persönlicher Rache ermordet.

Frankreich: 2. Philipp II. August, 21. 8. 1165-14.7.1223, König seit 1180; eroberte im Kampf gegen den englischen König Johann ohne Land die Normandie sowie große Teile Mittelfrankreichs und behauptete sie durch den Sieg bei Bouvines 1214. Im Innern schuf er ein der Krone ergebenes adliges Beamtentum (Baillis) und setzte die Erbmonarchie durch.

3. Philipp IV., Philipp der Schöne, 1268-29.11.1314, König seit 1285; forderte die staatliche Zentralisation und berief 1302 erstmals die Generalstände ein; im Kampf gegen die universalen Machtansprüche des Papsttums erfolgreich, erzwang er 1309 die Verlegung der päpstlichen Residenz nach Avignon.

Hessen: 4. Philipp I., 13.11.1504-31.3.1567, Landgraf seit 1509, regierte selbständig ab 1518; kämpfte 1522 gegen F. von Sickingen und 1525 gegen die aufständischen Bauern in Thüringen; entschiedener Verfechter der Reformation und einer der Initiatoren (1530) des Schmalkaldisches Bundes; begründete die Universität Marburg (1527).

Makedonien: 5. Philipp II., um 383-336 vor Christus (ermordet), seit 359 Regent und seit 356 König; Vater Alexanders des Großen; durch seinen Sieg bei Chäronea 338 brachte er Theben und Athen in Abhängigkeit und sicherte die makedonische Hegemonie über Griechenland. Sein vermutl. Grab wurde 1977 im unversehrten und prunkvoll ausgestatteten Zustand durch griechische Archäologen in Vergina (75 km westlich von Saloniki) gefunden.

6. Philipp V., 238-179 vor Christus, König seit 222; Feind Roms; war nach seiner Niederlage bei Kynoskephalai 197 genötigt, auf die Hegemonie in Griechenland zu verzichten und ein künftiges Bündnis mit Rom zu akzeptieren.

Spanien: 7. Philipp II., 21.5.1527-13.9.1598, König seit 1556; Haupt der europäischen Gegenreformation; führte verlustreiche Kriege gegen Frankreich und England (1588 Untergang der Armada); versuchte vergeblich, die niederländische Revolution zu unterdrücken; annektierte 1580/81 Portugal. 8. Philipp III., 14.4. 1578-31.3. 1621, König seit 1598; während seiner Herrschaft setzte der Verfall der Hegemonie Spaniens ein; 1609/10 Austreibung der Moriscos. 9. Philipp V, 19.12.1683-9.7.1746, König seit 1700, Begründer der spanischen Linie der Bourbonen; seine Thronfolge löste den Spanischen Erbfolgekrieg aus; erst im Frieden von Utrecht (1713) als König anerkannt.

Philipp II: antike Stadt in Westthrakien; hier siegten 42 vor Christus Antonius und Octavianus über Brutus und Cassius. Unter Anspielung auf die Schlacht bei Philipp II heute sprichwörtlich «Bei Philipp II sehen wir uns wieder», um eine bevorstehende Auseinandersetzung anzudeuten.

Philippinen, Republik der Philippinen: Staat in Südostasien, auf der 7107 Inseln (davon etwa 800 besiedelt) umfassenden Inselgruppe Philippinen des Malaiischen Archipels. Die größten Inseln sind Luzon, Mindanao, Samar, Negros, Palawan, Panay, Mindoro, Leyte, Cebu, Bohol und Masbate, die etwa 95% der Gesamtfläche des Landes einnehmen. Im Osten ist der Archipel vom Stillen Ozean, im Süden von der Sulawesi See und im Westen von der Sulusee und dem Südchinesischen Meer umgeben; administrativ in 12 Regionen und 72 Provinzen untergliedert. Währung ist der Philippinische Peso.

Bevölkerung: Sie setzt sich aus etwa 80 Völkerschaften und Stämmen vom malaiischen und indonesischen Typ, sogenannt Philippinos, sowie geringen Resten der Negritos (Aeta) zusammen. Die stärksten Gruppen sind die Visayas (45%) und die Tagalen (20%); daneben gibt es 1% Chinesen, des weiteren Spanier und Nordamerikaner. Amtssprachen sind Tagalog und Englisch, Verkehrssprache ist Spanisch. 35% der Bevölkerung leben in Städten.

Natur: Oberfläche. Die Inseln sind überwiegend vulkanischen Ursprungs und zu 75% gebirgig. Es gibt noch etwa 20 aktive Vulkane; Erdbeben sind häufig. zwischen den Gebirgsketten, die die Inseln durchziehen (auf Luzon und Mindanao verlaufen mehrere Gebirgszüge parallel zueinander), sowie an den stark gegliederten Küsten erstreckt sich fruchtbares Tiefland. Die höchste Erhebung mit 2 954 m ist der Apo auf Mindanao. Klima. Es ist tropisch. Im Westen bringt der Südwestmonsun von Mai bis Oktober Niederschläge, im Osten fällt die Regenzeit in den Winter. Jährlich treten 3 bis 4 verheerende Wirbelstürme (Taifune) auf. Pflanzenwelt. Trotz jahrzehntelangen Raubbaus sind noch 50% des Landes mit Wald bedeckt. Um bereits eingetretene Störungen an Klima und Wasserhaushalt rückgängig zu machen, wird seit 1977 zielgerichtet (staatliche Kontrollen und Auflagen) aufgeforstet. Die reichen Bodenschätze des Landes werden wegen mangelhafter Verkehrserschließung erst teilweise durch den Bergbau genutzt.

Philippinos, Filipinos: die mehrere Völker umfassende Bevölkerung der Philippinen, die verwandte Sprachen des indonesischen Zweiges der malaiisch-polynesischen Sprachfamilie sprechen; über 46 Millionen; überwiegend Katholiken; eine Sonderstellung nehmen die Negritos und die muslimischen Moros ein.

Philipps, Horst, 29.1.1905-8.11.1962, Meteorologe; 1949/62 Professor an den Universitäten in Berlin und Leipzig; 1950/62 Direktor des Meteorologischen Dienstes der DDR; erforschte den Strahlungs- und Wärmehaushalt der Atmosphäre.

Philippson, Alfred, 1.1.1864-28.3.1953, Geograph; 1904/29 Professor in Bern, Halle und (seit 1911) in Bonn; arbeitete besonders auf dem Gebiet der Geomorphologie und der Geographie der Mittelmeerländer.

Philister: 1. Philister Pi.: im Altertum nichtsemitisches Volk an der Küste Palästinas.

2. übertragen Spießbürger, engstirniger Mensch.

Phillumenie: systematisches Sammeln von Zündholzschachteletiketten u. ä.; besonders in sozialistischen Ländern stark verbreitet.

Philodendron: aus dem tropischen Amerika stammende artenreiche Gattung der Aronstabgewächse, mit ungeteilten oder zerschlitzten Blättern, häufig kletternd, mit Luftwurzeln. Zahlreiche Arten sind beliebte Zimmerpflanzen.

Philokartie: (griechisch + französisch) systematische Sammeln von Ansichtskarten.

Philoktet, Philoktetes, in der griechischen Sage Sohn des Poias, zündete Herakles den Scheiterhaufen auf dem Berge Öta an und erhielt von diesem Pfeil und Bogen; tötete im Trojanischen Krieg Paris durch Pfeilschuss, wonach einem Orakel entsprechend Troja fiel.

Philologie: wissenschaftliche Disziplin, die um die sprachliche, historische, kulturgeschichtliche und gesellschaftliche Interpretation von dokumentarisch genau ermittelten Texten in einer bestimmten Sprache bemüht ist; die Neuphilologie interpretiert die einzelnen modernen Sprachen beziehungsweise ihre überlieferten Texte.

Philon von Alexandria, um 25 vor Christus-50 nach Christus, jüdischer Philosoph; leitete die griechische (Platonische, stoische, neupythagoreische) Philosophie aus dem Alten Testament her und machte sie für die jüdische Theologie nutzbar.

Philosophie: (griechisch, «Weisheitsliebe») theoretisch begründetes System von Anschauungen über das Verhältnis von Materie und Bewusstsein, über die Welt und ihre allgemeinen Gesetzmäßigkeiten, über die Stellung des Menschen in der Welt und seine Möglichkeiten, die Welt zu erkennen und zu verändern. Die Philosophie, eine besondere Form des gesellschaftlichen Bewusstseins, ist Ergebnis der theoretischen Aneignung der Welt durch den Menschen. Zusammen mit sozialökonomischen, gesellschaftspolitischen, ethischen, ästhetischen und anderen Anschauungen bildet jede Philosophie eine Weltanschauung, deren Charakter und Inhalt hauptsächlich durch sie bestimmt wird. Die Philosophie des Marxismus-Leninismus, der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse, ist der dialektische und historische Materialismus. Jede Philosophie widerspiegelt bestimmte Klasseninteressen beziehungsweise Interessen bestimmter. sozialer Gruppen und hat die Aufgabe, Denken und Handeln eine weltanschauliche Orientierung zu geben, die die Menschen befähigt, die geschichtliche Ziele ihrer Klasse beziehungsweise Gruppe möglichst umfassend zu verwirklichen. Die unterschiedlichen, zum Teil unversöhnlich gegensätzliche Interessen der verschiedenen Klassen in der antagonistischen Klassengesellschaft finden ihren Ausdruck in der Existenz verschiedener, gegensätzlicher philosophischen Lehren und im ideologischen Kampf ihrer Vertreter. Die Philosophie entstand erst in den Sklaverei Gesellschaften Indiens, Chinas und Griechenlands und trat an die Stelle der Mythologie. Die antike griechische Philosophie war ein Höhepunkt in der Entwicklung der Philosophie und zugleich Grundlage für die gesamte weitere Entwicklung der Philosophie Europas und des Nahen Ostens. Viele grundlegende Probleme der Philosophie wurden bereits in der Antike formuliert: die Frage nach dem Ursprung der Welt und des Menschen, nach den Ursachen von Bewegung und Entwicklung, nach dem Sinn des Lebens, nach dem Verhältnis von Materie (Natur, Sein) und Bewusstsein (Geist Denken). Es bildeten sich die philosophische Grundrichtungen Materialismus und Idealismus heraus, deren Vertreter von gegensätzlichen Positionen, die gegensätzlichen Antworten auf die Grundfrage der Philosophie entsprechen, um die Lösung der philosophischen Probleme ringen. Der Kampf zwischen diesen beiden Grundrichtungen bestimmt wesentlich den Verlauf der Geschichte der Philosophie, wobei der Materialismus stets mit den Einzelwissenschaften, der Technik und dem praktischen Leben verbunden ist und meist Interessen progressiver gesellschaftlicher Kräfte zum Ausdruck bringt, während der Idealismus direkt oder indirekt in Beziehung zur Religion steht und sehr häufig die Interessen konservativer oder reaktionärer Klassen widerspiegelt. In der Antike wurde auch die Dialektik entwickelt, und zwar als Kunst, Streitgespräche mit dem Ziel des Erkenntnisgewinns zu führen, sowie als naturwüchsig-naive Betrachtungsweise vor allem der Natur. Mit der Verfallsperiode der Sklaverei Gesellschaft begann eine Zeit der Stagnation in der Entwicklung der Philosophie, die, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, während des gesamten Feudalismus andauerte. Der Philosophie wurde die Aufgabe zugewiesen, als «Magd der Theologie» im Rahmen der Scholastik die Glaubenssätze der Religion verstandesmäßig zu begründen und einsichtig zu machen. Zugleich begann eine rund 1500jährige Vorherrschaft der Metaphysik. Philosophen, die die Philosophie von der Theologie befreien wollten oder die Elemente der Dialektik weiterentwickelten, waren der Verfolgung durch die Kirche ausgesetzt. Erst der Kampf der Bourgeoisie gegen die herrschende Feudalklasse um die ökonomische und politische Herrschaft führte zur antischolastischen Ausrichtung der (frühbürgerlichen) Philosophie Den Interessen der Bourgeoisie entsprechend suchte die Philosophie Antwort auf die Frage, wie der Mensch Natur und Gesellschaft rational beherrschen kann. Der in der Antike begonnene Prozess der Differenzierung des ursprünglich einheitlichen Wissens in Philosophie und Einzelwissenschaften wurde durch das Interesse der Bourgeoisie an der Anwendung naturwissenschaftliche Erkenntnisse in der Produktion wesentlich gefordert und gelangte im Kapitalismus zu einem relativen Abschluss. Ihren Höhepunkt erreichte die bürgerliche Philosophie in der klassischen deutschen Philosophie, insbesondere im Materialismus L. Feuerbachs und im deutschen Idealismus, der unter dem Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen und naturwissenschaftliche Erkenntnisse die Dialektik wieder aufnahm und sie in der Gestalt der idealistischen Dialektik G. W. F. Hegels zu ihrem bis dahin höchsten Entwicklungsstand führte. Seither ist die bürgerliche Philosophie im Niedergang begriffen; sie erbringt keinen nennenswerten Erkenntnisfortschritt mehr und ist angesichts der Erfolge der internationalen Arbeiterbewegung und des real existierenden Sozialismus ihrem Wesen nach fortschrittsfeindlich und antikommunistisch. An die klassische deutsche Philosophie knüpfte die Philosophie des Marxismus an, die Philosophie der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei. K. Marx, F. Engels und W. I. Lenin vereinigten Materialismus, Dialektik und die Ideen des Kommunismus und vollzogen mit der Ausarbeitung des dialektischen und historischen Materialismus eine Revolution in der Geschichte der Philosophie Mit der Vereinigung von Materialismus und Dialektik wurde erstmals eine konsequent materialistische Betrachtung nicht nur der Natur, sondern auch der Gesellschaft und ihrer Geschichte ermöglicht. Die marxistisch-leninistische Philosophie bringt das objektive Interesse der Arbeiterklasse an einem gesellschaftlichen Fortschritt zum Ausdruck, der nicht durch Klasseninteressen beschränkt ist; sie dient der Arbeiterklasse unter der Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei bei der Realisierung ihrer historischen Mission, der Errichtung der klassenlosen kommunistischen Gesellschaft. Der Beweis für die Wahrheit und Richtigkeit des Marxismus-Leninismus einschließlich seiner Philosophie ist erbracht durch die Entstehung und Entwicklung der UdSSR als des ersten sozialistischen Staates der Erde und des realen Sozialismus der Gegenwart insgesamt. Die konsequent wissenschaftliche marxistisch-leninistische Philosophie ist wissenschaftlich-philosophische Verallgemeinerung der Erfahrungen der Arbeiterklasse im Klassenkampf und der Erkenntnisse der Wissenschaften. Sie ist wissenschaftlich begründete Orientierung der Arbeiterklasse und dient den Wissenschaften als philosophische Theorie und Methode im Interesse des Erkenntnisfortschritts und der Umsetzung der Erkenntnisse in praktisches Handeln.

philosophische Rechtsschule: bürgerliche Rechtsschule, vertrat, von der Philosophie G. W. F. Hegels ausgehend, in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert gegen die historische Rechtsschule bürgerlicher Grundsätze in Staat und Recht.

Phimose: angeborene oder narbige Verengung der Vorhaut des männlichen Gliedes, deren Zurückstreifen unmöglich wird. Die Behandlung erfolgt operativ.

Pjöngjang: Hauptstadt der KDVR, am Tädonggang; 1,3 Millionen Einwohner; Industrie-, Verkehrs- und Kulturzentrum des Landes mit Eisen- und Buntmetallurgie, Metallverarbeitung, Leicht- (Textil-, polygraphische) und Nahrungsmittelindustrie, nahe Pjöngjang Kernkraftwerk; Verkehrsknoten, internationaler Flughafen, U-Bahn; Universität, Hoch- und Fachschulen, Akademie der Wissenschaften, Theater, Museen. Früher zum Teil versumpft oder starke Überschwemmungen; nach dem Koreakrieg Regulierung des Tädonggang und Entstehung neuer Wohnviertel; bei Kangso alte Königsgräber mit bekannten Wandgemälden. Eine der ältesten koreanischen Städte, seit 1948 Hauptstadt der KDVR.

Phlegma: (griechisch, «Schleim») Trägheit, geistige und körperliche Langsamkeit; Gleichgültigkeit.

Phlegmatiker: (griechisch) nach Hippokrates Temperamentstyp, der emotional schwer ansprechbar ist und langsame Reaktionen zeigt.

Phlegmone, Zellgewebeentzündung: eitrige Entzündung des Zellgewebes mit der Neigung des Ausbreitens in vorgebildeten Gewebespalten, ohne dass lokalisierte Gewebe Einschmelzungen (Abszess) entstehen. Die Behandlung erfolgt durch breite Freilegung, Ruhigstellung und Antibiotikagaben. Bei Pferden tritt die Phlegmone (Einschuss) meist an den Gliedmaßen auf und ist durch rasanten Verlauf gekennzeichnet. Phlegmone können schnell zu Allgemeininfektionen fuhren.

Phlegräische Felder: Hügelland in Unteritalien, westlich von Neapel, mit zahlreichen postvulkanischen Erscheinungen und Kraterseen; bis 140 m hoch; fruchtbarer Verwitterungsboden mit Baumkulturen und Weinbau; Fremdenverkehr.

Phloem: aus Siebsträngen bestehender Teil des Leitbündels beziehungsweise Leitgewebes der Pflanzen.

Phlogistontheorie: chemiegeschichtlich bedeutsame Hypothese, nach welcher bei Verbrennungsprozessen eine Substanz «Phlogiston» entweichen und bei Reduktionen zum Beispiel von «Metallkalken» (Metalloxiden) zum Metall hinzutreten soll; aufgestellt um 1697 von G. E. Stahl. Die Phlogistontheorie wurde durch A. L. Lavoisier widerlegt, spiegelte jedoch erstmals, wenn auch falsch, Zusammenhang und Umkehrbarkeit von Oxydation und Reduktion wider.

Phloroglucin: ein dreiwertiges Phenol. Phloroglucin bildet farblose, wenig wasserlösliche Kristalle von süßem Geschmack (219 °C) und ist Zwischenprodukt zur Herstellung von Farbstoffen und Arzneimitteln.

Phlox, (griechisch, «Flamme») Flammenblume: zu den Himmelsleitergewächsen gehörende, überwiegend staudige Zierpflanzengattung aus Nordamerika mit strahligen weißen, roten oder violetten Blüten in meist großen, endständigen Rispen.

Phnom Penh: Hauptstadt von Kampuchea, am Unterlauf des Mekong, an der Einmündung des Tonle Sap; 480000 Einwohner; Klein- und Mittelbetriebe der Lebensmittel- und Leichtindustrie; Flusshafen für Hochseeschiffe erreichbar, Eisenbahnverbindung nach Norden und Süden, internationaler Flughafen Pochentong; medizinische Hochschule, Lehrerbildungsinstitut; Königspalast (19. Jahrhundert; Museum), auf einem Hügel (Phnom) der Tempelbezirk (15. Jahrhundert) mit einer Pagode.

Phobie: (griechisch) neurotisch-zwanghaft auftretende Furcht vor bestimmten Gegenständen oder Situationen.

Phoenix: das Sternbild Phönix.

Phoenix: Hauptstadt des Bundesstaates Arizona (USA), am Salt River; 790000 Einwohner, als Metropolitan Area 1,3 Millionen Einwohner; Aluminium-, Luft- und Raumfahrt-, elektrotechnische/elektronische Industrie; Verkehrsknoten; Messe; Kongressstadt; Capitol.

Phoenixinseln: Inselgruppe von 8 niedrigen Koralleninseln (darunter Canton und Enderbury) im Stillen Ozean (Polynesien), zu Kiribati gehörend; 55 km2, etwa 1000 Einwohner; Kopra Gewinnung.

Phokäa: altgriechische Handelsstadt in Ionien (Westkleinasien); war an der griechischen Kolonisation beteiligt; Gründung von Massalia (= Marseille) und Alalia (auf Korsika).

Phokylides, griechischer Dichter des 6. Jahrhundert vor Christus; verfasste lehrhafte Sinnsprüche in hexametrischer Form (Gnomen); im 1. Jahrhundert nach Christus wurden Gnomen auf Phokylides Namen gefälscht.

Phomvihane, Kaysone, geboren 13.12.1920, laotischer Politiker; seit 1949 führend im bewaffneten antikolonialen Widerstand; seit Gründung der Laotischen Revolutionären Volkspartei 1955 Generalsekretär ihres ZK, seit 1975 Vorsitzender des Ministerrats.

Phonem: (griechisch) Lauteinheit des sprachlichen Systems, die im konkreten Sprechakt in Sprechlauten realisiert wird; kleinste bedeutungsdifferenzierende sprachliche Einheit, zum Beispiel «s» und «b» in «Sand» und «Band».

Phonetik, Lautlehre: Teilgebiet der Linguistik; beschreibt und erklärt die Hervorbringung, die akustischen Eigenschaften und die Rezeption der Sprechlaute.

Phöniker, Phönizier: altorientalisches semitisches Handels- und Seefahrervolk an der syrischen Küste (Phönikien). Die Phöniker gründeten hier im 2. Jahrtausend vor Christus mehrere Stadtstaaten, die zwischen 1200 und 900 vor Christus ihre Blütezeit hatten; vom 11. bis 8 Jahrhundert vor Christus fand die große phönikische Kolonisation im Mittelmeergebiet statt (unter anderem Gründung Karthagos). Danach verloren die Phöniker ihre Hegemonie als Seefahrervolk an die Griechen und gingen 333/332 im Reich Alexanders des Großen, 321 im Seleukiden Staat und 64 vor Christus im römischen Reich auf.

phönikische Kunst: Kunst der Phöniker an der syrischen Küste (Byblos, Sidon, Tyros) und deren Handelskolonien (Karthago); Blütezeit vornehmlich in der 1. Hälfte des 1. Jahrhundert vor Christus; erwachsen aus reicher einheimischer Tradition (Funde in Ras Schamra), verschmolzen in der phönikischen Kunst viele altvorderasiatische Kunstmotive, die durch die phönikische Handelsbeziehungen nach Westen vermittelt wurden (zum Beispiel sogenannt orientalisierender Stil im 7./6. Jahrhundert vor Christus in Griechenland). Kleinkunst hoher Qualität wie Bronze- und Silberschalen, Keramik, Gläser, Purpurgewebe, Elfenbeinarbeiten.

phönikische Schrift: zur altnordsemitische Gruppe gehörige Buchstabenschrift, vom 13. bis zum 3. Jahrhundert vor Christus belegt. Die in Byblos (Syrien) gefundenen ältesten Inschriften bestehen aus linearen Zeichen einer 22 Konsonanten umfassenden Schrift. Mit der Übernahme ihrer Schriftzeichen durch die Griechen wurde die phönikische Schrift zur Grundlage der griechischen, lateinischen und kyrillischen Schrift.

Phönix: 1. griechische Bezeichnung eines von den Ägyptern in Heliopolis verehrten Vogels, der der Sage nach in langen Zeiträumen (500 Jahre) erschien, später sich auf dem Scheiterhaufen verbrannte und verjüngt wieder auferstand.

2. in der griechischen Sage der greise, treue Lehrer des Achill.

Phonokardiograph: Gerät zur Aufzeichnung des Herzschalles als Phonokardiogramm; meist Zusatzeinrichtung an Elektrokardiographen. Ein Phonokardiograph besteht aus Mikrophon, elektronische Filtern, Verstärkern und Registriereinrichtung.

Phonolith: (griechisch, «Klingstein») grünliches oder bräunliches, saures, siliziumdioxidreiches Ergussgestein; oft plattenförmige Ablagerung.

Phonologie: (griechisch) Lehre von den Phonemen, das heißt den Sprachlauten als Unterscheidungszeichen; die Phonologie untersucht dementsprechend im Gegensatz zur Phonetik die Funktion der Laute im Sprachsystem.

Phonotechnik: Sammelbezeichnung für elektroakustische Geräte für den Heimgebrauch, insbesondere 1 Plattenspieler und Magnettongeräte (vornehmlich Kassettenrecorder) und Zubehör. Phonothek (griechisch): Sammlung von Schallplatten, Tonbändern u. ä.; stehen auch in Bibliotheken zum Abhören beziehungsweise Verleihen bereit.

Phosgen: ein farbloses, sehr giftiges Gas; Kp 8,2 °C. Konzentriertes Phosgen riecht stechend, verdünntes süßlich nach faulendem Obst; die Inhalation führt nach etwa 3 Stunden zu Lungenödem. Phosgen war einer der ersten chemischen Kampfstoffe (1915). Die chemische Industrie stellt Phosgen durch katalytische Reaktion zwischen Kohlenmonoxid und Chlor her und verwendet es als Zwischenprodukt insbesondere zur Herstellung von Polyurethanen.

Phosphatasen: Phosphorsäuremonoester spaltende Enzyme, die nach ihrem pH Optimum in sauren und alkalischen Phosphatasen eingeteilt werden. Phosphatasen sind sowohl für den Zellstoffwechsel als auch für die Verdauung (alkalisches Phosphatasen des Dünndarms) bedeutsam.

Phosphate: Salze und Ester (Phosphorsäureester) der Phosphorsäuren, im engeren Sinne der Orthophosphorsäure, H3P04, im weiteren Sinne auch von wasserärmeren Phosphorsäuren. Bei den Orthophosphate unterscheidet man je nach Neutralisationsgrad primäre Phosphate (Dihydrogen Phosphate), zum Beispiel Natrium- und Kaliumdihydrogenphosphat, sekundäre Phosphate (Monohydrogenphosphate), zum Beispiel Natrium- und Kalziummonohydrogenphosphat beziehungsweise CaHP04, sowie tertiäre Phosphate (Phosphate im engeren Sinne), zum Beispiel Trinatriumphosphat (Natriumphosphat) und Tricalciumphosphat (Kalziumphosphat). Die Alkali- und Ammoniumphosphate sind leicht wasserlöslich; Trinatriumphosphat wird zur Wasserenthärtung verwendet. Ammoniummonohydrogenphosphat und Kaliumdihydrogenphosphat sind in Düngesalzen enthalten. Natriumammoniumhydrogenphosphat wird als «Phosphorsalz» zur chemischen-analytischen Perlreaktion verwendet. Das schwer lösliche Kalziumphosphat ist in dem Mineral Apatit enthalten. Es bildet den Hauptbestandteil der Knochen und Zähne und wird mit Schwefelsäure zu dem Düngemittel Superphosphat aufgeschlossen, welches das wasserlösliche und darum von den Pflanzen verwertbare Kaliumdihydrogenphosphat enthält. Lösungen von Zink- und Mangan Dihydrogenphosphat dienen zum Phosphatieren von Metallen.

Phosphatide, Phospholipide: Fettbegleitstoffe, die sich von den Fetten dadurch unterscheiden, dass eine der 3 Fettsäuren durch Phosphorsäure ersetzt ist, die ihrerseits mit Cholin, Kolamin oder auch Inosit verestert ist. Zu den Phosphatide zählen die Lezithine, Kephaline und die sich vom Sphingosin ableitenden Sphingomyeline.

Phosphatieren: Umwandeln der Oberfläche von Stahl-, Zink- oder Aluminiumteilen durch Behandeln mit phosphorsäure- und phosphathaltigen Lösungen in eine Phosphatschicht zur Verbesserung der Gleiteigenschaften, als Korrosionsschutz oder Haftgrund für Anstriche.

Phosphatmethode: in der archäologischen Feldforschung angewandte Methode zur Bodenanalyse; dient zum Beispiel zur Feststellung urgeschichtliche Siedlungsplätze, da dann eine Phosphatanreicherung im Boden nachweisbar ist.

Phosphide: chemische Verbindungen zwischen Metallen und Phosphor. Die Phosphide haben teils metallischen (zum Beispiel Eisenphosphid), teils salzartigen Charakter. Die salzartigen Phosphide, zum Beispiel Kalziumphosphid werden durch Wasser unter Bildung von Phosphin zersetzt.

Phosphin, Phosphan, Phosphorwasserstoff: ein farbloses, giftiges, brennbares, wenig wasserlösliche, luftbeständiges, fischig-knoblauchartig riechendes Gas der Formel PH3 (Kp -133 °C), von dem sich als Salze die Phosphide ableiten. Diphosphin ist eine farblose Flüssigkeit, die an der Luft sofort entflammt.

Phospholipasen: zusammenfassende Bezeichnung für die Enzyme der Klasse Hydrolasen, die Phosphatide abbauen. Phospholipasen kommen besonders in Leber und Bauchspeicheldrüse sowie in Schlangen- und Bienengift vor.

Phospholipide: alle komplexen Lipide (Fette), die Phosphorsäure in veresterter Form enthalten. Dazu gehören die Glyzerol-Phospholipide und die Sphingosin-Phospholipide (Sphingomyeline). Phospholipide sind wichtige Bestandteile aller biologischen Membranen und kommen besonders reichlich in Gehirn, Leber und Eidotter vor.

Phosphoniumsalze: den Ammoniumsalzen (mit dem Ion NH4+) analog gebaute Verbindungen mit dem Ion PH4+. Die Phosphoniumsalze, zum Beispiel Phosphoniumchlorid, PH4C1, sind wesentlich unbeständiger als die entsprechenden Ammoniumsalze.

Phosphonsäuren: chemische Verbindungen mit der Phosphorsäuregruppe -PO(OH)2 im Molekül. Zu den Phosphonsäuren gehört zum Beispiel Benzolphosphorsäure.

Phosphoproteine: (griechisch) phosphorsäurehaltige Proteine (zum Beispiel Kasein).

Phosphor, (griechisch, «Lichtträger») Symbol P: chemisches Element der Kernladungszahl 15; Atommasse 30,973 76; Wertigkeiten +5, +3, -3. Mineral ist der Apatit, ein Kalziumphosphat mit wechselnden Mengen Kalziumfluorid und -hydroxid; ähnliche Zusammensetzung hat die Grundsubstanz der Knochen und Zähne. Als Bestandteil von Eiweißen, Nukleinsäuren unter anderem ist Phosphor lebensnotwendig. Weißer Phosphor, P4, ist eine gelblichweiße, sehr giftige Substanz, die in Wasser kaum, in Kohlendisulfid reichlich löslich ist; F 44,1 °C; Kp 280 °C; Dichte 1,82 g/cm3. Weißer Phosphor wird an der Luft unter Verbreitung eines knoblauchartigen Geruchs langsam oxydiert, wobei er ein im Dunkeln wahrnehmbares grünliches Licht aussendet; die Selbsterwärmung führt schließlich bei 50 °C zur Entzündung. Man verwendet weißen Phosphor zur Herstellung von Phosphorsäure, Phosphaten und rotem Phosphor Weißer Phosphor ist ein starkes Zellgift, das nach Aufnahme in den Körper zu Erbrechen, Durchfällen, Gelbsucht, Leber- und Nierenschäden, Blutungen der Haut und Schleimhäute sowie Herz-Kreislauf-Schwäche führt. Bei der beruflich bedingten chronischen Vergiftung können Leber- und Knochenschäden auftreten. Roter Phosphor entsteht aus weißem bei 180 °C; er ist amorph und geht (unter Luftabschluss) bei 450 °C in kristallinen violetten Phosphor über. Beide Formen sind unlöslich und in reinem Zustand ungiftig, geruch- und geschmackfrei; sie leuchten nicht und entflammen an der Luft erst bei etwa 440 °C; bei stärkerem Erhitzen unter Luftabschluss spalten sie Dämpfe von weißem Phosphor ab. Roter Phosphor wird für Zündholzreibflächen verwendet. Schwarzer Phosphor (metallisches Phosphor) entsteht aus den anderen Phosphormodifikationen bei 200 °C und 1200 MPa und bildet grauschwarze, metallisch glänzende Kristalle. Alle Phosphorarten verbrennen mit gelber Flamme zu einem weißen Rauch von Phosphorpentoxid. Weißer Phosphor wurde 1669 von dem Hamburger Alchimisten Henning Brand entdeckt, als er auf der Suche nach dem «Stein der Weisen» eingedampften Harn destillierte. Roter Phosphor wurde 1847 von dem österreichischen Chemiker Anton von Schrötter als besondere Form des elementaren Phosphors erkannt.

Phosphor 32: radioaktives Phosphorisotop; sendet ausschließlich Betastrahlen aus (Halbwertszeit 14,3 Tage); wird in Chemie und Medizin als Radioindikator eingesetzt.

Phosphoreszenz: Nachleuchten von Stoffen nach vorheriger Bestrahlung; eine Art der Lumineszenz. Im Gegensatz zur Fluoreszenz ist die Phosphoreszenz durch merkliche Verzögerungszeiten beim An- und Abklingen gekennzeichnet; der der Emission zugrunde liegende Energieübergang erfolgt über metastabile Zwischenzustände in den Grundzustand.

Phosphorhalogenide: chemische Verbindungen zwischen Phosphor und den Halogenen. Phosphortrifluorid und -pentafluorid, PF3 beziehungsweise PF5, sind farblose Gase. Phosphortrichlorid, PC13, ist eine farblose, stechend riechende Flüssigkeit (Kp 74,5 °C), die an der Luft weiße Nebel bildet und sich mit Wasser zu phosphoriger Säure und Chlorwasserstoff umsetzt. Bei Einwirkung von Chlor geht es in Phosphorpentachlorid über, eine weiße Kristallmasse, die bei 164 °C sublimiert und in vielen organischen Verbindungen Sauerstoff gegen Chlor austauscht. Phosphoroxidchlorid, POCl3, eine farblose Flüssigkeit (Kp 105,1 °C), raucht an der Luft und wird durch Wasser zu Phosphor- und Salzsäure zersetzt. Phosphortribromid ist eine farblose Flüssigkeit; Phosphorpentabromid, PBr5, bildet orangefarbene Kristalle.

Phosphoroxide: chemische Verbindungen zwischen Phosphor und Sauerstoff. Phosphorpentoxid, P2Os, ist dimer (Dimerisation) und wird entsprechend der Formel P4O10 auch als Tetraphosphordecaoxid bezeichnet. Es entsteht beim Verbrennen von Phosphor als weiße, geruchlose, bei 360 °C sublimierende, sehr hygroskopische Masse, die sich mit Wasser sehr heftig zu Phosphorsäure vereinigt; es dient als Trockenmittel sowie zur Herstellung von Phosphorsäure und verschiedenen; Säureanhydriden. Das wachsartige Phosphortrioxid, P203 beziehungsweise P406, ist sehr giftig; F 24 °C; Kp 173 °C; es reagiert mit Wasser zu phosphoriger Säure.

Phosphorsauerstoffsäuren: sauerstoffhaltige Säuren des Phosphors. Phosphorsäure, Orthophosphorsäure, H3P04, bildet färb- und geruchlose, hygroskopische Kristalle, ist jedoch meist als zähflüssige 85- bis 95%ige Lösung im Handel. Man verwendet sie zur Herstellung ihrer Salze, der Phosphate (Orthophosphate), insbesondere für Düngemittel, zum Phosphatieren und elektrolytischen Polieren von Metallen sowie als Säuerungsmittel in der Lebensmittelindustrie. Bei stärkerem Erhitzen entsteht über die Zwischenstufe der Diphosphorsäure (Pyrophosphorsäure), H4P207, die glasige, polymere Polyphosphorsäure (Metaphosphorsäure), (HP03). Von der phosphorigen Säure, H2(P03H), die farblose, sehr hygroskopische Kristalle bildet (70,1 °C), leiten sich als Salze und Ester die Phosphite ab. Die Salze der bei 26 °C schmelzenden hypophosphorigen Säure, H(P02H2), heißen Hypophosphite, zum Beispiel das beim stromlosen Vernickeln als Reduktionsmittel verwendete Natriumhypophosphit.

Phosphorsäureester: Substanzen, die formal durch Wasserabspaltung aus einem Molekül Phosphorsäure und einem bis drei Molekülen Alkohol oder Phenol entstehen, zum Beispiel der zu den Alkylphosphaten (P. mit aliphatischen Alkoholen) gehörende farblose, flüssige Phosphorsäuretriethylester. Physiologisch spielen die Phosphorsäureester der Zucker, des Adenins und des Glycerols (Phosphatide) eine wichtige Rolle; weiterhin gehören zu den Phosphorsäureester Insektizide vom Typ Wofatox, Weichmacher und die Phosphorsäureester-Kampfstoffe. Die Giftigkeit vieler Phosphorsäureester beruht auf einer starken Hemmung der Cholinesterase (Cholinesterase Hemmstoffe).

Phosphorsäureester-Kampfstoffe: äußerst stark wirkende Nervengifte vom Typ Tabun, Sarin, Soman und der V-Stoffe. Die Phosphorsäureester-Kampfstoffe rufen durch Hemmung der Cholinesterase eine endogene Acetylcholinvergiftung hervor. Sie eignen sich für den Einsatz als Binärkampfstoffe. Siehe auch chemische Kampfstoffe.

Phosphorsulfide: chemische Verbindungen zwischen Phosphor und Schwefel. Es existieren Tetraphosphortri-, Tetraphosphor-henta-, Tetraphosphorhepta- und Tetraphosphor-Deka-Sulfid der Formeln P4S3, P4S3, P4S7 und P4S10 als gelbe, kristallisierte Substanzen, die an feuchter Luft nach Schwefelwasserstoff riechen. Das Trisulfid eignet sich für Überallzündhölzer; das Deka Sulfid ist Zwischenprodukt für Insektizide und Schmierölzusätze.

Phosphorylase: (griechisch) besonders in Leber und Muskulatur vorkommendes Enzym, das Glykogen mit Hilfe von anorganischen Phosphat zu Glukose-l-phosphat abbaut.

Photiadis, Dimitris, geboren 25.3.1898, griechischer Schriftsteller und Historiker, während des 2. Weltkrieges in Großbritannien in der Emigration, 1948/51 auf die Insel Makronisos verbannt; neben Dramen und Romanen zu Themen aus der Geschichte Neugriechenlands (19. Jahrhundert) Darstellung des griechischen Befreiungskampfes («Die Erhebung von 1821», 4 Bände, 1971/72).

Photios, um 820 um 893, byzantinischer Gelehrter und Politiker, einer der bedeutendsten Vertreter des byzantinischen Humanismus; wandte sich als Patriarch von Konstantinopel (858/67, 877/86) scharf gegen den Primat des Papstes und bereitete das Schisma (1054) vor; gibt in seiner «Bibliothek» Inhaltsangaben, Bewertungen und Auszüge von 280 zum Teil verlorengegangenen antiken Literaturwerken; von seinem «Lexikon», Hilfsmittel für die Lektüre antiker Literatur einschließlich der Bibel, wurde 1959 eine vollständige Handschrift entdeckt.

Photon, Lichtquant: stabiles Elementarteilchen der Ruhmasse Null und mit Spin s = 1, Zeichen y, Quant des elektromagnetischen Feldes, das die elektromagnetische Wechselwirkung zwischen elektrisch geladenen Teilchen vermittelt. Jeder elektromagnetischen Strahlung, zum Beispiel Licht, der Frequenz v entsprechen Photon der Energie E= hv und mit dem Impuls p = hv/c (h Planck-Konstante, c Lichtgeschwindigkeit).

Phrase: 1. allgemein klischeehafte, inhaltsarme Äußerung.

2. Musik: relativ selbständige Tonfolge, die rhythmisch und melodisch eine Einheit bildet und entsprechend interpretierende Verdeutlichung verlangt (Phrasierung); musikalische Gestaltungsmittel, das sich mit einem Motiv oder Teilmotiv decken kann.

Phrasenstrukturgrammatik: Form der generativen Grammatik, wird aber in ihren bekanntesten Versionen (zum Beispiel Konstituentenstrukturgrammatik und Abhängigkeitsgrammatik) nicht zur Satzerzeugung, sondern zur Satzanalyse verwendet.

Phraseologie: (griechisch) Lehre von den phraseologischen Wendungen einer Sprache und ihrer Typologie,

phraseologische Wendung, Phraseologismus, Idiom: feste, formelhafte Wortverbindung (idiomatische Redewendung); zum Beispiel «an der Nase herumführen» für «täuschen».

Phrasierung: sinnvolle Gliederung beim Vortrag eines Musikstückes.

Phratrie: (griechisch, «Bruderschaft») nach L. Morgan und F. Engels Bezeichnung für Geschlechterverbände der zerfallenden Urgesellschaft. Siehe auch Phyle.

Phrenicusexhairese: operative Teilentfernung des Nervus phrenicus am Hals, der das Zwerchfell versorgt; dadurch einseitige Lähmung des Zwerchfells zur Ruhigstellung bei bestehender Lungentuberkulose.

Phrixos und Helle, Kinder des mythischen Königs Athamas, flohen vor ihrer Stiefmutter Ino auf einem goldenen Widder; Helle stürzte über dem Meer ab und ertrank (daher «Hellespont» = Meer der Helle), Phrixos gelangte nach Kolchis und hängte das Fell des geopferten Widders im Hain des Ares auf (Goldenes Vlies).

Phrygien: antike Landschaft in Westkleinasien, benannt nach den im 13. Jahrhundert vor Christus von der Balkanhalbinsel eingewanderten indoeuropäischen Phrygern (Phrygien). Diese gründeten im 8. Jahrhundert vor Christus ein Königreich (der bekannteste König war Midas) mit der Hauptstadt Gordion, das 695 vor Christus durch die Kimmerier vernichtet wurde. Um 600 kam Phrygien unter 1yd., dann persischen Herrschaft, gehörte zum Reich Alexanders des Großen und zu verschiedenen Diadochenstaaten, seit 116 vor Christus zur römischen Provinz Asia. Die Phryger haben vermutlich den Wagen, das Teppichweben und das Stricken erfunden.

Phrygisch: 1. Musik: a) altgriechische Tonart (Leiter d‘-d, abwärts);

b) Kirchentonart (Leiter e-e1, aufwärts).

2. Sprachgenealogie: ausgestorbene indoeuropäische Sprache Kleinasiens, die Beziehungen zu den anderen alten indoeuropäischen Sprachen des Balkangebietes und zum Armenischen zeigt; aus griechischer Überlieferung (7./6. Jahrhundert vor Christus) und römischer Zeit (1./4. Jahrhundert nach Christus) bekannt.

phrygische Kunst: die Kunst im Hochland Kleinasiens im 8. Jahrhundert vor Christus; Fundorte sind Gordion, Midas-Stadt unter anderem; Zeugnisse der Textil- und Kleinkunst (Glasurziegel, Elfenbeinarbeiten), der Burgund Felsarchitektur (sogenannt Grab des Midas) sowie der Plastik lassen neben lokalen Zügen auch assyrische babylonische und altgriechische Einflüsse erkennen; siehe auch altvorderasiatische Kunst.

phrygische Mütze: ursprünglich von den Phrygern getragene kegelförmige Mütze mit nach vom hängender, ausgestopfter Spitze; Vorbild für die Jakobinermütze der Franzos. Revolution.

Phthaleine: synthetische Farbstoffe, die mit den Triphenylmethanfarbstoffen verwandt sind und in der Regel durch Kondensation von Phthalsäureanhydrid mit Phenolen hergestellt werden. Zu den Phthaleinen gehören unter anderem die Rhodamine sowie Phenolphthalein, Fluoreszein und Eosin.

Phthalocyanine: synthetische, hauptsächlich blaue bis grüne, meist kupferhaltige Farbstoffe und Pigmente von hervorragender Temperaturbeständigkeit Lichtechtheit und hoher Farbbrillanz zum Färben von Textilien, Plasten, Papier unter anderem sowie für Druckfarben und Anstrichmittel.

Phthalsäure: eine färb- und geruchlose, kristalline, wasserlösliche Substanz; F 191 °C; die Salze und Ester heißen Phthalate. Phthalsäuredimethylester, Diethylphthalat ist ein Insektenvertreibungsmittel; höhere Ester sind Weichmacher für Plaste. Beim Erhitzen geht Phthalsäure in Phthalsäureanhydrid (131 °C) über, das zur Herstellung von Weichmachern und Farbstoffen (Phthaleine, Phthalocyanine) dient.

pH-Wert: («Wasserstoffgewicht» oder potentia hydrogenii, «Wasserstoffstärke») Zahlenwert des negativen dekadischen Logarithmus der molaren Wasserstoffionenkonzentration. Der pH-Wert ist somit ein Maß für die Alkalität beziehungsweise Azidität einer wässrigen Lösung. Reines Wasser und neutrale Lösungen haben bei 22 °C die Wasserstoffionenkonzentration und demzufolge einen pH-Wert = 7. Saure Lösungen sind durch pH < 7, alkalische durch pH > 7 charakterisiert; je saurer, umso niedriger, je alkalischer, umso höher ist der pH-Wert. Die Ermittlung des pH-Wertes erfolgt durch Messelektroden (Glaselektrode), die näherungsweise Bestimmung durch Indikatoren, insbesondere pH-Indikatorpapier, dessen Farbtönung durch Vergleich mit einer Standardfarbskala den pH-Wert der Lösung anzeigt. In der Medizin wichtiger Parameter für die Körperflüssigkeiten, für Sekretionsprodukte von Drüsen, zum Beispiel des Magen-Darm-Kanals. Durch die Regulation des Säuren-Basen-Gleichgewichtes über die Atmung (Kohlendioxidabgabe) und die Nierentätigkeit (Ausscheidung von Wasserstoffionen mit dem Harn) wird der pH-Wert des Blutes im gesunden Organismus sehr konstant gehalten.

Phyle: griechisch, «Stamm» ursprünglich Bevölkerungseinteilung der altgriechischen Gemeinden, unterteilt in Bruderschaften (Phratrien) und Geschlechter. Mit Hilfe seiner Reformen beseitigte Kleisthenes die Vorherrschaft der Geschlechteraristokratie und schuf territorial gegliederte Phylen.

Phyllit: kristalliner, dünnblättriger, grauer bis grünlicher Schiefer der niedrig temperierten Regionalmetamorphose; Hauptbestandteile sind Serizit und Quarz.

Phylogenese, Stammesgeschichte, Stammesentwicklung: der Prozess, der die gegenwärtigen biologischen Arten entstehen ließ. Phylogenetische Untersuchungen sind die Grundlage, um die Entwicklung von Arten oder anderen biologischen Kategorien in einem Stammbaum abzubilden (Anagenese, Kladogenese).

Physik: Wissenschaft von den Eigenschaften und Zustandsformen, der Struktur und Bewegung (Veränderung) der unbelebten Materie, von den diese Bewegung hervorrufenden Kräften oder Wechselwirkungen und von den dabei unverändert. Größen. Die klassische Physik gliedert sich in Mechanik, Akustik, Thermodynamik, Optik und Elektrodynamik. Die Newtonschen Axiome beziehungsweise die Prinzipien der Mechanik, die Hauptsätze der Thermodynamik und die Maxwellschen Gleichungen für das elektromagnetische Feld bilden in Verbindung mit den Erhaltungssätzen die Grundlagen der klassischen Physik. Durch die Spezielle Relativitätstheorie wird sie auf beliebig bewegte Inertialsysteme erweitert, durch die Allgemeine Relativitätstheorie auf beliebig bewegte Bezugssysteme. Die Quantentheorie erklärt die Erscheinungen in Atomen und bei deren Zusammenwirken in Molekülen und Festkörpern, die Wechselwirkung von Strahlung mit stofflicher Materie und die chemische Bindung. Sie bildet die Grundlage für die Kern- und Elementarteilchenphysik. Die moderne physikalische Forschung kann auf vielen Gebieten nur durch Gemeinschaftsarbeit und mit zum Teil erheblichen technischen Aufwand neue Erkenntnisse gewinnen. Die Physik steht in enger Wechselwirkung mit der Technik. Schwerpunkte gegenwärtiger physikalischer Forschung sind die Elementarteilchenphysik in Verbindung mit der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Kosmologie (einheitliche Theorie der Materie), die Verwirklichung der gesteuerten Kernfusion, die Festkörperphysik, die Molekülphysik, die Physik der Laser, die Tieftemperaturphysik. Die Anwendung physikalischer Methoden und Theorien in anderen Naturwissenschaften führte zu Spezialgebieten wie Astrophysik, Geophysik.

Geschichtliches: Der Begriff Physik stammt aus der Antike und bedeutete Naturlehre. Die Anfänge liegen in der praktischen Nutzung verallgemeinerter Erfahrungen (zum Beispiel Hebel) in vorderasiatischer und ägyptischer Kulturen. Diese wurden in antike naturphilosophische Betrachtungen einbezogen und zu deuten versucht; Experimente wurden nur gelegentlich durchgeführt. Leukipp und Demokrit entwickelten eine materialistische Atomlehre. Wichtige Ergebnisse wurden in der Mechanik, Statik, Hydrostatik (Archimedes) und der Optik (Euklid) erreicht. Islam. Gelehrte sammelten das antike Wissen, konnten es teilweise erweitern und gaben es so auch nach Europa weiter. Im feudalen Europa kam es nur in der Kinetik zu gewissen Fortschritten. Der Umsturz des astronomischen Weltbildes im 16. Jahrhundert gab auch den Anstoß, eine von der Religion unabhängige physikalische Wissenschaft aufzubauen, wesentlich gegründet auf eine experimentell-mathematischen Erfassung der Naturerscheinungen. Als erste physikalische Disziplin bildete sich, angeregt durch praktische Fragestellungen, die klassische Mechanik (G. Galilei, J. Kepler, I. Newton) im 17. Jahrhundert heraus, gefolgt von der Optik (W. Snellius, C. Huygens, I. Newton). Im 18. Jahrhundert wurden wesentliche Grundlagen der Elektrizitäts- und Wärmelehre erkannt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Forderungen der Praxis stärker in physikalischen Untersuchungen einbezogen. Es wurde die analytische Mechanik aufgebaut, die Himmelsmechanik vollendet, die Hydrodynamik und die Anfänge der technischen Mechanik entstanden. Im 19. Jahrhundert wurden die Thermodynamik (Lord Kelvin, R Clausius) und die Elektrodynamik (M. Faraday, J. C. Maxwell) zu den beherrschenden Disziplinen; der Energieerhaltungssatz wurde entdeckt (J. R. Mayer, H. Helmholtz). Eine neue Epoche der Physik wurde seit etwa 1900 mit der Entwicklung der Quanten-, Atom- und Kernphysik sowie der Relativitätstheorie eingeleitet (M. Planck, A. Einstein, E. Rutherford, N. Bohr und viele andere). Die Physik unseres Jahrhunderts eröffnete völlig neue Einsichten in die Struktur des Mikro- und Makrokosmos, wirft dabei aber zugleich eine Fülle grundsätzliche Fragen auf. Entdeckungen wie die der Kernspaltung, des Transistors oder des Lasers sind auch von enormer gesellschaftlich-praktischer Bedeutung; ihre Nutzung erfordert darüber hinaus ein hohes Maß gesellschaftlicher Verantwortung, der sich die Physiker nicht entziehen können.

physikalische Chemie: Teilgebiet der Chemie, das die Wechselwirkungen zwischen physikalischen Erscheinungen (zum Beispiel Druck, Temperatur, Elektrizität, Licht) und chemische Umsetzungen untersucht. Zur physikalischen Chemie gehören zum Beispiel Atomistik und chemische Bindungslehre, Reaktionskinetik, chemische Thermodynamik, Elektro-, Magneto-, Foto-, Mechano- und Kolloidchemie.

physikalische Geodäsie: Teilgebiet der Geodäsie, bestimmt die Erdgestalt als Geoid; neben astronomische und geodätische dienen dazu Messungen der Schwerkraft auf der Erdoberfläche.

physikalische Größe: Merkmal einer physikalischen Erscheinung oder eines Körpers, das qualitativ charakterisiert und quantitativ ermittelt werden kann. Qualitativer Inhalt von physikalischer Größe (Größenarten) sind zum Beispiel Länge, Zeit, Masse. Der Wert einer Größe ist das Produkt aus Zahlenwert und Einheit, zum Beispiel 5 m, 12 kg, 350 W. Die physikalische Größe und der Wert einer Größe dürfen vereinfacht auch als Größe bezeichnet werden.

physikalische Konstanten: Konstanten, die in die mathematische Formulierung der physikalischen Gesetze eingehen und auf die sich viele andere Konstanten, zum Beispiel Materialkonstanten, im Prinzip zurückführen lassen.

physikalisches System: reales materielles Objekt, das von der übrigen Materie zumindest ideell isoliert und unterschieden werden kann, beziehungsweise Summe solcher miteinander in Wechselwirkung stehender Objekte, wobei von den der Messung nicht zugängliche Eigenschaften abstrahiert wird, zum Beispiel Atomkerne, Atome, Festkörper, Flüssigkeiten, Gase, das Planeten- und das Milchstraßensystem. Abgeschlossene physikalische Systeme stehen in keinerlei Wechselwirkung mit ihrer Umgebung; da ihre Gesamtenergie konstant bleibt, heißen sie auch konservativ. Im eigentlichen Sinn sind konservative physikalische Systeme solche, bei denen sich die Kräfte als Gradient eines skalaren Potentials darstellen lassen. Offene oder rheonome physikalische Systeme stehen in ständigem Energie- beziehungsweise Stoffaustausch mit ihrer Umgebung.

Physiognomie: (griechisch) Ausdruck des menschlichen Gesichts.

Physiognomik: Teilgebiet der bürgerlichen Ausdruckspsychologie, sucht von Ausdrucksmerkmalen und -bewegungen des Gesichts Persönlichkeitseigenschaften, besonders der Emotionalität zu erschließen.

Physiokratismus: (griechisch, «Naturherrschaft») das zu Beginn der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert in Frankreich entstandene erste System der klassischen bürgerlichen Ökonomie; erkannte den Ursprung des Mehrwerts in der landwirtschaftlichen (kapitalistischen) Produktion. Der Physiokratismus war eine ideologische Waffe des noch revolutionären Bürgertums im Kampf gegen den Feudalismus. Hauptvertreter: F. Quesnay, A. R J. Turgot.

Physiologie: biologische Disziplin, wichtiges Grundlagenfach der Medizin. Die Physiologie erforscht und beschreibt die Funktionen (Leistungen) lebender Strukturen (Zellen, Organe, Organsysteme, Organismus, Organismus-Umwelt). Sie untersucht Erregungs- und Hemmungsprozesse an den Zellen und zwischen ihnen, das Zusammenwirken der Zellverbände in Organen, der Organe in Organsystemen hinsichtlich des Stoff-, Energie- und Informationstransportes, zum Beispiel im Herz-Kreislauf-System, sowie die Wechselwirkungen zwischen Organismus und Umwelt (Physiologie der Sinnesorgane, Physiologie der höheren Nerventätigkeit). Die Entwicklungsphysiologie behandelt die Gesamtheit aller die Individualentwicklung bedingenden Vorgänge. Die Evolutionsphysiologie befasst sich mit den Funktionen des Organismus unter phylogenetischen Aspekt. Es bestehen enge Beziehungen zu Kybernetik, Sport, Luft- und Raumfahrtmedizin, Arbeitsmedizin, Psychologie und Landwirtschaft. Die Physiologie hat sich in der Mitte des 19. Jahrhundert als selbständige, auf die Naturwissenschaften aufbauende Disziplin entwickelt, während sie bis dahin vor allem funktionell interpretierende Anatomie war.

physiologische Kochsalzlösung: 0,9%ige Lösung von Natriumchlorid in destilliertem Wasser, deren osmotischer Druck dem des Blutplasmas und der Gewebeflüssigkeiten entspricht sowie den relativ hohen Gehalt an Natrium und Chlorid in diesen Körperflüssigkeiten berücksichtigt; kann kurzzeitig als Blutersatz verwendet werden.

Physiotherapie, physikalische Therapie-. Anwendung physikalischer (zum Beispiel mechanische, thermische, elektrische) Reizwirkungen auf den Organismus zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten. Wichtige Verfahren der Physiotherapie sind Bewegungstherapie (Heil-, Krankengymnastik) zur Kräftigung und Lockerung des Bewegungsapparates, Massage, Elektro-, Helio-, Hydro- und Ultraschalltherapie.

Physis: (griechisch) Natur; Körperbeschaffenheit; das Leibliche.

physisch: (griechisch) die Natur betreffend; natürlich, körperlich.

Physostigmin, Eserin: in der Kalabarbohne, dem Samen einer westafrikanischen Schlingpflanze, enthaltenes, sehr giftiges Alkaloid der Formel C)5H2i02N3. Physostigmin bildet schwer wasserlösliche Kristalle und wird in der Augenmedizin zur Behandlung des Glaukoms verwendet.

phytogen: (griechisch) aus Pflanzen entstanden, pflanzlicher Herkunft.

Phyto Gifte: pflanzenschädigende Substanzen. Die Phyto-Gifte dienen zur Unkrautbekämpfung; sie wurden jedoch von den USA in Vietnam auch gegen Menschen und Nutzpflanzen eingesetzt, zum Beispiel 2,4,5-Trichlorphenoxyessigsäure welche mit dem besonders gefährlichen Dioxin verunreinigt war. Phyto Gifte gehören zum Kampfstoffarsenal der NATO. Siehe auch chemische Kampfstoffe.

Phytohormone: pflanzliche Wirkstoffe, die jede Pflanze für ihren eigenen Bedarf selbst erzeugt; äußerst geringe Mengen davon reichen aus, um Wachstums- und Entwicklungsvorgänge zu steuern. Wichtige Phytohormone sind unter anderem Auxine, Gibberelline und Phytokinine.

Phytokinine, Zytokinine: Phytohormone, die die Zellteilung fordern und Alterungsvorgänge in den Geweben hemmen, zum Beispiel das Zeatin aus Maisfrüchten.

Phytol: ein einfach ungesättigter Diterpenalkohol. Phytol, ein farbloses, viskoses Öl, kommt chemisch gebunden im Chlorophyll und in den Vitaminen E und K vor.

Phytoparasiten: auf oder in Pflanzen lebende Parasiten wie Viren, Bakterien, Pilze und Tiere. Unter den Pilzen finden sich viele Erreger von Pflanzenkrankheiten, zum Beispiel Rost- und Brandpilze.

Phytopathologie: (griechisch) Lehre von den Pflanzenkrankheiten.

Phytotron: Klimakammer oder -haus zur Kultivierung von Pflanzen unter kontrollierten und voneinander unabhängig regulierbaren Umweltbedingungen wie Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind unter anderem Phytotron sind automatisch programmgesteuert und für die moderne pflanzenphysiologische Forschung unentbehrlich.

Phytozönologie, Pflanzensoziologie, Vegetationskunde. Lehre von den Pflanzengesellschaften der Erde; untersucht die Vergesellschaftung der Pflanzen und ihre Beziehung zum Standort (Umweltfaktoren). Grundlage der Phytozönologie ist die Kenntnis aller Arten, die in einem bestimmten Vegetationsausschnitt Vorkommen, mit Angaben über quantitatives und qualitatives Auftreten.

Ludolfsche Zahl, Pi (nach einem niederländischen Mathematiker) Verhältnis von Länge und Durchmesser eines Kreises, eine transzendente Zahl, 7r = 3,141 59 ...

Piacenza: Stadt in Oberitalien, in der Region Emilia-Romagna, Verwaltungszentrum der Provinz Piacenza, am Po; 110000 Einwohner; Baustoff-, Düngemittel-, Strickwaren-, Kartonagen-, Knopf- und Lebensmittelindustrie; Erdölraffinerie (in der Umgebung Erdöl- und Erdgasförderung); Handelszentrum; Landwirtschaftsfakultät; Fremdenverkehr. Palazzo Communale (Il Gotico, 1281; gilt als schönstes italienisches Rathaus), Dom (lombardische Romanik) mit Kampanile, Kirchen S. Sisto (vom 9. bis 18. Jahrhundert mehrmaliger Umbau), S. Antonio (romanische Basilika mit gotischer Vorhalle), S. Maria di Campagna (Frührenaissance). Siehe auch Parma.

Piaf, (französisch, «Spatz», «Göre») Edith, eigentlich Edith Giovanna Gassion, 19.12.1915-11.10.1963, französische Chansonsängerin; wurde Ende der 30er Jahre durch zahlreiche Auslandstourneen, Filme unter anderem als «Spatz von Paris» weltbekannt.

Piaffe: Lektion der Hohen Schule; schwungvolle trabartige Tritte auf der Stelle mit erhabener Beinbewegung bei höchster Versammlung.

Piaget, Jean, 9.8.1896-19.9.1980, schweizerischer Psychologe; Begründer der Genfer Schule der Entwicklungspsychologie, schrieb unter anderem «Psychologie der Intelligenz» (1948), «Die Entwicklung des Zahlbegriffs beim Kinde» (1965).

Pianola: Markenname für ein elektrisches Klavier, das mit Hilfe gelochter Papiernotenrollen über Lochkanzellen (Tonkanäle) Musik erzeugt (siehe auch mechanische Musikinstrumente).

Piasten: älteste polnische Dynastie; Könige in Polen 1025/1370, als Fürsten in Masowien bis 1526 und in Schlesien bis 1675.

Piaster: kleinere Währungseinheit verschiedener Länder (Ägypten, Libanon, Sudan, Syrien); siehe auch Währung.

Piatherm: Warenzeichen für Dämmstoffe aus Harnstoff-Formaldehyd-Harz. Piatherm hat geringe Druckfestigkeit, Dichte und niedrige Feuchtebeständigkeit; benannt nach dem Herstellerort Piesteritz.

Piatra Neamt: Stadt in Rumänien (Bezirk Neamp, am Rand der Ostkarpaten in der Moldova, an der Bistrita; 93000 Einwohner; Landmaschinenbau, Holz-, Papier-, Zellulose- und chemische Industrie; Wärme- und Wasserkraftwerk; Theater; bei Piatra Neamt Klöster.

Piaui: Bundesstaat im Nordosten Brasiliens; 250934 km2, 2,1 Millionen Einwohner; 8 Einwohner/km2; Hauptstadt Teresina. Nach Westen und Süden ansteigendes, im Süden niederschlagsarmes Sandsteinplateau hinter einem schmalen Küstenstreifen; noch wenig entwickelter Agrarstaat mit Anbau von Mais, Maniok, Bohnen, Reis, Baumwolle, Zuckerrohr, Bananen, Tabak; in den Trockengebieten des Landesinneren wird extensive Rinderzucht betrieben; in den Städten Verarbeitung von Agrarprodukten sowie Textilindustrie.

Piave: Fluss im Nordosten Italiens; 220 km; entspringt in den Kam. Alpen, durchfließt einen Stausee bei Pieve di Cadore und das Becken von Belluno, mündet in die Adria; Unterlauf schiffbar; schwankende Wasserführung; Kraftwerke.

Picardie: Landschaft im Norden Frankreichs, von der Somme durchflossen; als Wirtschaftsregion 19400 km2, 1,7 Millionen Einwohner; 88 Einwohner/km2 wichtigster Ort Amiens bedeutende Textilindustrie; intensive Landwirtschaft; Fischfang; dichtes Verkehrsnetz.

Picasso, Pablo, 25.10.1881-8.4.1973, spanischer Maler, Graphiker, Plastiker, Bühnenbildner und Kunsthandwerker, seit 1944 Mitglied der KP Frankreichs, wo er lebte; aktiv in der Friedensbewegung, zu deren Symbol 1949 seine «Taube» (1947) wurde. Picasso begann mit melancholischen Bildern aus dem Leben der Armen und der Artisten («Blaue» (1901/05) und «Rosa» Periode (1905/07)). Er versuchte häufig, Tragik, Hässlichkeit und Grausamkeit durch extreme Deformation direkt auszudrücken. Mit dem Bild «Die Mädchen von Avignon» wurde Picasso 1907 zum Begründer des Kubismus, den er in Stillleben und Porträts bis zur völligen Abstraktion weiterentwickelte und durch Verwendung ungewöhnliche Materialien wie Holz und Sand abwandelte. 1918/23 kehrte Picasso zur Figur als Sujet zurück und wandte sich einem neoklassizistischen Stil zu. In den folgenden Jahren stehen gegenstandsnahe und -ferne Gestaltung nebeneinander. Unter dem Eindruck des Spanischen Freiheitskampfes 1936/39, des 2. Weltkrieges und des Krieges in Korea nahm Picasso in humanistischen Kunstwerken Bezug auf seine Zeit («Guernica», 1937; «Blutbad in Korea», 1951; Wandbilder «Krieg» und «Frieden», 1952). Picasso hinterließ ein fast unüberschaubares malerisches und graphisches Werk. Er wirkte in allen Schaffensperioden außerordentlich anregend auf die verschiedensten Künstler.

Periodisierung: 1. allgemeines Festsetzen von Zeitabschnitten.

2. Sport: die Gesetzmäßigkeiten der Leistungsentwicklung berücksichtigende Gliederung eines längeren Trainingszeitraumes (meist 6 oder 12 Monate) in Perioden mit veränderten Zielen und Inhalten (Vorbereitungs-, Wettkampf- und Übergangsperiode), die sich als Zyklus periodisch wiederholen.

periodontale Erkrankungen: Sammelbezeichnung für krankhafte Veränderungen des Zahnhalteapparates (Periodont), die nicht von Zahnmarkerkrankungen ausgehen. Man unterscheidet oberflächliche und tiefe, akute und chronischen Entzündungen (Wurzelhautentzündung). Eine dystroph, und weitgehend entzündungsfreie Erkrankungsform ist die Parodontose, die durch Zahnbettschwund und Alveolarfortsatz-Abbau gekennzeichnet ist und zu Zahnlockerung, -wanderung und Zahnverlust führt. Neben der in mangelnder Mundhygiene zu sehenden Hauptursache periodischer periodontaler Erkrankungen gibt es eine Reihe weiterer exogener und endogener (zum Beispiel Hormonhaushalt, Stoffwechsel)

Picassofisch, Rhinecanthus aculeatus: bis 30 cm langer farbenprächtiger Bewohner der Korallenriffe tropische Meere.

Piccard, Auguste, 28.1.1884-25.3.1962, schweizerischer Physiker und Techniker; Professor in Zürich und Brüssel; unternahm 1931/32 Ballonaufstiege in die Stratosphäre bis in 16 940 m Höhe und erreichte 1953 mit dem von ihm konstruierten Tauchgerät Bathyskaph eine Tiefe von 3150 m. Sein Sohn Jacques (geboren 28. 7. 1922; Tiefseeforscher) stieß 1960 mit einem Bathyskaph bis in 10916 m Tiefe vor.

Piccoli, Michel, geboren 27.12.1925, französischer Schauspieler; trat an Pariser Bühnen auf und entwickelte sich dann im Film zu einem einfühlsamen Darsteller meist komplizierter Charaktere («Die Verachtung», «Tagebuch einer Kammerzofe», «Belle de jour Schöne des Tages», «Die Dinge des Lebens», «Das Mädchen und der Kommissar», «Vincent, François, Paul und die anderen», «Atlantic City», «Sprung ins Leere».

Piccolomini: italienisches Adelsgeschlecht in Siena. Octavio Piccolomini-Pieri, 11.11.1599-11.8.1656, kaiserlicher General im Dreißigjährigen Krieg; verriet Wallenstein und erhielt nach dessen Ermordung (1634) einen Teil seiner Güter.

Piccolo Teatro: «Kleines Theater» 1947 von Piccolo Teatro Grassi und G. Strehler gegründetes Volkstheater in Mailand; erstes Teatro stabile (das heißt staatlich beziehungsweise städtisch subventioniertes Theater mit festem Ensemble) in Italien; wurde durch hervorragende Inszenierungen italienische (C. Goldoni, L. Pirandello) und internationaler Dramatik (W. Shakespeare, A. Tschechow, M. Gorki, B. Brecht) weltberühmt.

Pichincha: Vulkan in Ekuador. In der Schlacht am Pichincha (24.5.1822) errang A. J. de Sucre den für die Unabhängigkeit Ekuadors entscheidenden Sieg über die spanischen Truppen.

Pichler, Picher, Pechler (sämtliche zu «Pech»): Küfer, der das Pichen (Ausstreichen der Fässer mit Pech) besorgt.

Pickel: 1. Pickel, Spitzhacke: leichtes Werkzeug für Erd- und Abbrucharbeiten.

2. volkstümlicher Ausdruck für verschiedene Effloreszenzen, meist für kleine, spitze, gelbliche Eiterbläschen bei Haarbalgentzündung und Akne verwendet.

Pickelhaube: mit Metallspitze versehener Lederhelm; gehörte seit 1842 zur Ausrüstung der preußischen, später (bis 1914/15) auch der deutschen Infanterie.

Pickeln: Lederherstellung Behandeln von Hautblößen mit Lösungen von Salz und Säure (dem Pickel) zur Vorbereitung der Chromgerbung.

Picker: Maschine zum Vorzerkleinern von Alttextilien; besteht hauptsächlich aus Einzugswalzenpaar und mit starken Stahlzähnen bestücktem, Tambour genanntem Maschinenelement.

Pick-me-up-Getränke: anregende Bargetränke gegen «Kater» und überforderten Magen, zum Beispiel Oyster, Sour.

Pick-up-Reaktion: eine direkte Kernreaktion, bei der das einfallende Teilchen Nukleonen aus dem Targetkern herausschlägt und sich mit diesen vereinigt.

Pico de la Neblina: Bergmassiv im Süden Venezuelas nahe der Grenze zu Brasilien; 35 km lang, bis 3100 m hoch; fällt auf der Südseite steil zum Tiefland des Rio Negro ab; in den unteren Gebirgslagen immergrüner tropischer Regenwald, darüber tropischer Bergwald.

Pico della Mirandola, Giovanni, 24.2.1463 bis 17.11.1494, italienischer Philosoph; Vertreter des Neuplatonismus; wollte Judentum, Griechentum und Christentum vereinigen. Der Mensch sei ein Mikrokosmos mit eigener Entscheidungsfreiheit. Mit dem Traktat «Von der Würde des Menschen» (1486) lieferte er einen Beitrag zum Menschenbild des Humanismus-, Pico della Mirandola war Anhänger G. Savonarolas; wurde mit dem Kirchenbann belegt.

Pidgin-English: (englisch, «Geschäftsenglisch») zwischen Europäern und Ostasiaten als Verkehrssprache benutztes vereinfachtes, verstümmeltes und besonders mit chinesischen Sprachelementen vermischtes Englisch; durch den Kolonialismus entstanden, heute in seiner Bedeutung zurückgegangen.

Pidurutalagala: höchster Berg Sri Lankas, im Piduru-Gebirgsmassiv im Süden der Insel Ceylon; 2524 m; aus Gneis bestehend; an den Hängen tropischer Berg- und Regenwald.

Pieck: 1. Arthur, 28.12.1899-13.1.1970, Politiker, Drucker; Sohn von Pieck 2; beteiligte sich während des 1. Weltkriegs an der Organisierung der revolutionären Arbeiterjugend in Berlin, an der Novemberrevolution 1918 und nahm an der Gründung der KPD teil. In den Jahren der Weimarer Republik und nach 1933 im sowjetischen Exil war er im Auftrag der Partei vor allem kulturpolitisch tätig. Als einer der ersten deutschen Kommunisten wurde er im Juli 1941 als Offizier in die Rote Armee aufgenommen; war Teilnehmer der Schlacht um Berlin. Pieck wurde Mitglied des ersten demokratischen Magistrats und trug zur Vereinigung von KPD und SPD in Berlin bei. 1947/49 arbeitete er in der DWK, 1949/55 leitete er das Hauptamt für Personalwesen und Schulung bei der Regierung der DDR, 1955/65 war er maßgeblich am Aufbau der zivilen Luftfahrt der DDR beteiligt. Große Verdienste erwarb er sich auch bei der Gründung und Entwicklung der DSF.

2. Wilhelm, 3.1.1876-7.9.1960, Politiker, Tischler; gehörte zu den hervorragendsten Führern der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert und zu den angesehensten Persönlichkeiten der kommunistischen Weltbewegung. 1895 trat Pieck der Sozialdemokratie bei, seit 1906 arbeitete er als hauptamtlicher Funktionär. 1910 wurde er als Sekretär der Zentralen Parteischule nach Berlin berufen. An der Seite K. Liebknechts und R Luxemburgs kämpfte er gegen den Revisionismus. Pieck war 1916 Mitbegründer der Spartakusgruppe und 1918/19 der KPD, deren Führung er seitdem angehörte. Seit Gründung der Internationalen Roten Hilfe 1922 gehörte er ihrem Exekutivkomitee an; 1925 wurde er Vorsitzender der Roten Hilfe Deutschlands. 1928/43 war er Mitglied des EKKI, seit 1931 seines Präsidiums. 1928/33 war Pieck Abgeordneter des Reichstags, 1929/33 der Berliner Stadtverordnetenversammlung und 1932/33 des preußischen Landtags. 1935 wurde er in Vertretung E. Thälmanns Vorsitzender der KPD. Pieck war maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung des VH. Weltkongresses der KI, der Brüsseler und der Berner Konferenz der KPD sowie an der Gründung und Entwicklung des NKFD beteiligt. Er hatte entscheidenden Anteil an der Herstellung der Einheit der Arbeiterbewegung, an der Formierung der SED zur marxistisch-leninistischen Partei und an der Entstehung und Entwicklung der DDR und gehörte zu den führenden Persönlichkeiten der Volkskongressbewegung. 1946/54 war er gemeinsam mit O. Grotewohl Vorsitzender der SED sowie seit 1949 Präsident der DDR Pieck veröffentlichte unter anderem «Gesammelte Reden und Schriften» (1959ff.).

Piek: der vor dem Kollisionsschott (Vorpiek) und hinter dem Stopfbüchsenschott (Hinter- oder Achterpiek) von Schiffen liegende, nicht für Ladung ausnutzbare Raum, in dem meist Ballastwasser gefahren wird.

Piemont: historische Landschaft in Oberitalien, am oberen Po und Tanaro; als Region 25 399 km2, 4,5 Millionen Einwohner; 180 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Turin; umfasst 5 Provinzen. Von den Westalpen bogenförmig umschlossenes Berg-, Hügel- und Tiefland (obere Poebene); im Gebirge Abbau von Kupfer- und Uranerzen sowie Marmor; Energiegewinnung durch Wasserkraft, im klimabegünstigten Tiefland intensive Landwirtschaft (zum Teil Bewässerungsfelder); Anbau von Getreide, Reis, Futter-pflanzen, Gemüse und Maulbeerbäumen (Seidenraupenzucht); Obst- und Weinbau; Rinder-, Fischzucht; Wasserkraftnutzung begünstigte die Entstehung bedeutender Industriezentren: Turin (Motoren, Autos, Flugzeuge, Maschinen, Chemieprodukte), Biella (Textilien), Ivrea (Schreib- und Rechenmaschinen), Alessandria (Maschinen, Schuhe). Die Grafschaft Piemont stand seit 1418 unter den Herzögen von Savoyen, die 1720 Sardinien erwarben und den Titel König von Sardinien-Piemont annahmen. Um Piemont vollzog sich im Risorgimento die Herausbildung des bürgerlichen Nationalstaates in Italien.

Pieper, (lautmalend) Anthus: weltweit verbreitete Singvögel, am Boden lebende Insektenfresser; von Südgrönland und Westsibirien bis Frankreich lebt der 14 cm lange Wiesenpieper (Anthus pratensis); einziger Singvogel der Randzonen des Südpolargebietes ist der Antarktispieper (Anthus antarcticus). Siehe auch Baumpieper.

Piephacke: durch mechanische Einwirkungen hervorgerufene Anschwellung auf dem Fersenhöcker des Pferdes.

Pier: 1. senkrecht oder schräg zum Kai, das heißt zum Ufer, in ein Hafenbecken führender Damm mit Kranen, Lagerhäusern, Schuppen unter anderem Häufig auch als Bezeichnung für Kai verwendet.

2. soviel wie Landungsbrücke.

Piero di Cosimo, 1462-1521, italienischer Maler; tätig in Florenz; schuf farbenprächtige Gemälde, besonders Heiligen- und Madonnenbilder, sowie Bemalungen italienischer Renaissancetruhen (Cassone-Tafeln) mit starker Helldunkelwirkung.

Pierre: Hauptstadt des Bundesstaates Süddakota (USA), am Missouri, unterhalb des Oahe Reservoirs; 12000 Einwohner; Landwirtschaftsmarkt; Capitol, Museum.

Pierrot: (französisch, «Peterchen») komisch-melancholische Hauptfigur der französischen Pantomime; weiß gekleidet und weiß gepudert, Ende des 17. Jahrhundert in Anlehnung an eine Commedia-dell'arte-Figur geschaffen; erhielt wesentliche Impulse durch Jean-Gaspard Deburau (1796-1846).

Pietà, (italienisch, «Mitleid») Vesperbild: plastische, seltener gemalte Darstellung der trauernden Maria, die den toten Christus auf ihrem Schoß hält; deutsche Bezeichnung nach der Abendandacht (Vesper), da am Karfreitag zu dieser Tageszeit die Kreuzabnahme und Beweinung Jesu erfolgte.

Pietarsaari, Jakobstad: Stadt im Westen Finnlands, am Bottnischen Meerbusen; 21000 überwiegend schwedisch-sprechende Einwohner; Maschinenbau, Holz- und Lebensmittelindustrie; Hafen.

Pietät: Ehrfurcht; dankbares Gedenken; Frömmigkeit.

Pietermaritzburg: Stadt in der Republik Südafrika, Verwaltungszentrum von Natal, nordwestlich von Durban; 180000 Einwohner; Möbel-, Schuh-, Aluminium-, Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten, Flughafen; Universität, Technikum; Theater, Nationalmuseum; botanischer Garten.

Pietismus: Protestant Bewegung des 17./18. Jahrhundert, die nach dem Elend des Dreißigjährigen Krieges die dogmatisch erstarrte Orthodoxie der lutherischen Landeskirchen überwinden wollte; die demokratische Tendenz (tätige Nächstenliebe, lebendiges, vom Gefühl des einzelnen getragenes Gemeindeleben) wurde später durch stärkere Bindung an den preußischen Staat geschwächt und zum Teil zu Introversion gewandelt; Zentren waren Halle (A H. Francke), Württemberg und Herrnhut (mit eigenem Charakter).

Piezoelektrizität: (griechisch piezein, «drücken») Erscheinung, dass elektrische Ladungen auf polaren Kristallen (zum Beispiel Quarz, Ferroelektrika) auftreten, wenn diese durch Zug, Druck oder Biegung mechanisch beansprucht werden (piezoelektrischer Effekt), von den Brüdern J. und Piezoelektrizität Curie 1880 entdeckt. Die Piezoelektrizität wird zum Beispiel im Kristallmikrophon und -tonabnehmer zur Umwandlung mechanischer Schwingungen in elektrischen Spannungen benutzt. Umgekehrt tritt beim Anlegen einer elektrischen Spannung an die Kristallflächen je nach Polarität eine Verlängerung beziehungsweise Verkürzung des Kristalls auf (inverser piezoelektrischen Effekt; 1881 entdeckt). Wechselspannungen entsprechender Frequenz können daher geeignet geschnittene Kristallplatten oder -Stäbe zu Eigenschwingungen anregen; siehe auch Schwingquarz.

Piezometer: Gerät zum Messen der Kompressibilität von Festkörpern oder Flüssigkeiten bei hohen Drücken auf Grund des piezoelektrischen Effekts.

Piezowiderstand: elektronisches Bauelement, dessen elektrischer Widerstand sich bei mechanischer Beeinflussung, zum Beispiel bei Druckbelastung, ändert. Bei Halbleitern ist dieser Effekt besonders groß und wird zum Beispiel in Druckwandlern und Dehnungsmessstreifen genutzt.

Pigalle, Jean Baptiste, 26.1.1714-21.8.1785, französischer Bildhauer, in Pigalles Werk sind Elemente des Rokokos und des beginnenden Klassizismus vereinigt. Hauptwerke sind «Merkur» (1744), Denkmal Voltaires (1776), Grabmal des Marschalls Moritz von Sachsen (1753/76).

Pigmentdruck, Kohledruck-, früher angewandtes Kopierverfahren zum Herstellen farbiger Papierbilder. Ein Negativ wurde auf entsprechend präpariertes Papier kopiert, das anschließende teilweise Auswaschen der Gelatine ergab ein Bild in der Farbe der Pigmente (Kohle, Rötel).

Pigmente: 1. farbige organische Verbindungen in tierischen und pflanzlichen Geweben, deren Konzentration und Verteilung die typischen Färbungen von Organen bestimmen (zum Beispiel Melanine, Chlorophyll, Pteridine).

2. Pigmente, Farbkörper: Farbmittel, zum Beispiel für Anstrichstoffe, die im Gegensatz zu Farbstoffen in den zu färbenden Medien unlöslich sind. Anorganische Pigmente natürlicher Herkunft (zum Beispiel Kreide, Ocker) heißen Erdpigmente, künstliche anorganische Pigmente (Chromgelb, Bleiweiß) werden als Mineralpigmente bezeichnet. Bei organischen Pigmente unterscheidet man Pigmentfarbstoffe (reine, unlösliche Farbstoffe, zum Beispiel die Phthalocyanine) und Farblacke. Aktive Pigmente reagieren chemisch mit bestimmten Bestandteilen der Anstrichbindemittel (meist unter Bildung von Metallseifen) oder mit Gasen beziehungsweise Flüssigkeiten, die in die Anstriche eindringen, und verbessern derart den Korrosionsschutz.

Pigmentpapier: mit angefärbter (pigmentierter) Gelatine einseitig beschichtetes Papier, das, mit einer Dichromatlösung sensibilisiert, zur Übertragung der Kopie auf den Tiefdruckformenzylinder dient.

Pignon, Édouard, geboren 12.2.1905, französischer Maler und Graphiker; gestaltet neben eindrucksvollen Szenen aus dem Leben der Bergarbeiter auch Landschaften und Stillleben in abstrahierender Formensprache und expressiver Farbigkeit; in neueren Arbeiten setzt er sich mit Themen des Krieges auseinander.

Pijet, Georg, geboren 14.2.1907, Schriftsteller; Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller; nach 1933 mehrmals inhaftiert, nahm am antifaschistischen Widerstandskampf teil; schrieb Kinder- und Jugendbücher («Die Straße der Hosenmätze», 1929), Hörspiele («Mietskaserne», 1931; «Treibjagd», 1931; «Pferdejunge Krischan», 1960), Fernsehspiele sowie Anekdoten («Die Bastschuhe und die Diplomaten», 1970; «Die Bombe unterm Bett», 1972).

Pijper, Willem, 8.9.1894-19.3.1947, niederländischer Komponist; hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des niederländischen Musiklebens und die Ausbildung einer jungen Komponistengeneration im 20. Jahrhundert; sein Schaffen umfasst nahezu alle musikalischen Gattungen.

Pik: 1. Pik, Pie (französisch), Pico, Piz, Peak: Bergspitze.

2. Pik, Pique (französisch): zweite Farbe der französischen Spielkarte; deutsche Karte Grün.

pikaresk: (spanisch) schelmisch, spitzbübisch.

Pikee, Piqué (französisch): Doppelgewebe aus Baumwolle, Wolle oder Chemiefasern mit gesteppter, geometrisch gemusterter Oberfläche.

Pikieren:

1. Gartenbau: Verpflanzen von Sämlingen aus Saatbeeten beziehungsweise -gefäßen in Töpfe, Schalen oder Beete; dabei wird der für die Weiterentwicklung der Pflanzen erfordert. Standraum geschaffen.

2. Kürschnerei: Aufkleben oder Aufnähen von textilen Materialien auf die Lederseite der Fellflächen, um deren Formbeständigkeit zu gewährleisten.

pikiert: (französisch) gekränkt; verärgert, gereizt.

Pik Jaya: höchste Erhebung der Zentralkette von Neuguinea, in Irian Jaya (Indonesien); früher Carstensz-Spitze; 5030 m; kleine Gipfelgletscher.

Pik Lenin: höchster Berg im Transalai (Pamir), auf der Grenze zwischen der Kirgisischer und tadschikischer SSR; 7134 m; stark vergletschert.

Pik Pobeda: (russisch, «Gipfel des Sieges») höchster Berg des Tienschan an der sowjetisch-chinesischen Grenze; 7439 m; vergletschert.

Pikrinsäure: eine hellgelbe, kristallisierte, heißwasserlösliche Substanz von bitterem Geschmack; F 122 °C; systematischer Name 2,4,6-Trinitrophenol; Formel C6H2(0H)(N02)3. Pikrinsäure und insbesondere ihre Salze, die Pikrate, sind explosibel.

Pikrit: ein grünlich-schwarzes ultrabasisches Ergussgestein, das neben Olivin vor allem Pyroxen enthält.

Pikten: seit dem 3. Jahrhundert überlieferte Sammelbezeichnung (wahrscheinlich von lateinisch picti, «Bemalte») für die keltische Bewohner Schottlands; sie verschmolzen bis Mitte des 9. Jahrhundert mit den Skoten.

Pila: 1. Wojewodschaft im Nordwesten Polens; 8205 km2, 455000 Einwohner; 55 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Pila 2. Niederungen, von der Notec durchflossen; im Südosten Anteil am Seengebiet Pojezierze Wielkopolskie, im Norden am Seengebiet Pojezierze Pomorskie; zu 40% bewaldet; Steinsalzvorkommen (Wapno). Industrie-Agrar-Gebiet mit Maschinenbau, elektrotechnische (Glühlampen), Holz-, Baustoff-, Glas- und keramische Industrie; Anbau von Weizen, Roggen, Kartoffeln; Viehzucht (Rinder, Schweine, Schafe) und Milchwirtschaft.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Pila 1; 63000 Einwohner; Eisenbahnreparaturwerk, Glühlampenfabrik, Präzisionsinstrumentenbau, Chemiefaserwerk, Flachsverarbeitung, Nahrungsmittelindustrie; Verkehrsknoten; Museum.

Pilaster: flach aus der Wand hervortretender Pfeiler, der wie eine Säule gegliedert ist; dient hauptsächlich der ästhetischen Gliederung der Wand; seit der Antike angewendet; Neubelebung durch Renaissance, Barock und Klassizismus.

Pilatus: zerklüfteter Kalkstock am Vierwaldstätter See (Schweiz), südlich von Luzern; im Tomlishorn 2129 m; Zahnradbahn zur Hotelsiedlung Pilatus Kulm (2070 m).

Pilatus, Pontius, römischer Statthalter in Judäa (26/36); verurteilte nach dem Neuen Testament Jesus zum Tode am Kreuze.

Pilbara: Bergwerksregion in Westaustralien, von der Hamersley Range durchzogen; etwa 445000 km2; beträchtliches Vorkommen von Eisenerz (etwa 90% der australischen Förderung), daneben auch Buntmetallerze, Gold, vor der Küste Erdöl.

Pilchard, Sardina pilchardus: bis 30 cm langer Schwarmfisch des Atlantischen Ozeans, der Nordsee, des Mittelmeeres und des Schwarzen Meeres; Planktonfresser, wichtiger Nutzfisch; die Jugendform wird Sardine genannt.

Pilcomayo: rechter Nebenfluss des Paraguay (Südamerika); 2 500 km; entspringt im Hochland von Bolivien, durchfließt den Gran Chaco als Fremdlingsfluss und mündet bei Asunción; bildet im Unterlauf die Grenze zwischen Paraguay und Argentinien (hier seit 1957 der 2 850 km2 große Pilcomayo-Nationalpark); 400 km schiffbar.

Pilger, Pilgrim: (beide althochdeutsch, «Fremder») Wanderer, der religiöse Andachtsstätten aufsucht und dadurch seine Frömmigkeit bekundet.

Pilgerfahrt der Gnade: Massenerhebung der nach der englischen Reformation vertriebenen Klosterbauern und anderer durch die Einhegungen ihrer Existenzmittel beraubter Bauern 1536/37 in Nordengland; an ihre Spitze stellten sich reaktionäre Adlige und katholischer Priester, um die feudalistischen Verhältnisse zu stabilisieren und den Katholizismus zu restaurieren.

Pilgerväter, Pilgrim Fathers: englischer Puritaner, die 162Ö vor der Verfolgung in England auf der «Mayflower» nach Nordamerika (Massachusetts) emigrierten und dort die Grundlage für die auf bürgerliche Selbstverwaltung beruhenden Neuenglandstaaten schufen.

Pilgram, Anton, um 1460/65-um 1515, Bildhauer und Baumeister der Spätgotik; seit 1495 in Brünn (Brno) tätig, seit 1512 Dombaumeister in Wien; schuf Zierarchitekturen mit realistischen Bildwerken von reichem physiognomischem Ausdruck. Hauptwerke: Orgelfuß (1513) und Kanzel (1515) im Wiener Stephansdom, beide mit Selbstbildnissen des Meisters.

Pilis: Gebirgsstock des ungarischen Mittelgebirges, im Donauknie gelegen; bis 757 m; stark bewaldet (Buchen); Erholungsgebiet.

Pille, Pilula: kleine kugelförmige inzwischen nur noch selten angewendete Arzneizubereitung aus Arznei- und Bindemitteln für den inneren Gebrauch. Im allgemeinen Sprachgebrauch Synonym für die oral einnehmbare Form eines hormonalen Antikonzeptionsmittels.

Pillendreher, Skarabäus, Scarabaeus: 2 bis 4 cm lange, schwarze Mistkäfer südlicher Länder, die aus Dung Kugeln formen und diese in Erdhöhlen als Larvennahrung vergraben. Im alten Ägypten («heiliger Pillendreher») als Symbol des Lebens, des Urgottes Chepre und der Sonne religiös verehrt; in Nachbildungen als Stempelsiegel und Schmuck (Amulett).

Pillenfarn, Pilularia globulifera: auf Sumpf- und Teichböden wachsender, heimischer Wasserfarn mit kriechendem Stengel, fadenförmigen, in der Jugend an der Spitze eingerollten Blättern und verschieden großen männlichen und weiblichen Sporen.

Pillieren: zur Verbesserung der Aussaatmöglichkeiten Saatgut maschinell mit einem Mantel umgeben, zum Beispiel aus Feldspat und Ton, so dass gleich große Kügelchen (Pillen) entstehen.

Pilling-Effekt: missliche Eigenschaft von Synthesefasern in Textilien, infolge Reibbeanspruchungen im Gebrauch auf der Warenoberfläche sehr fest haftende knötchenartige, pillenähnliche Verschlingungen zu bilden, die Kleidungsstücke vorzeitig untragbar machen.

Pillnitz: Stadtteil von Dresden, mit Schlossanlage und Park an der Elbe; seit 1720 unter August dem Starken von M. D. Pöppelmann errichtet: Wasserpalais und Bergpalais im Stil eines ostasiatischen Lustschlosses unter Verwendung von gemalten Chinoiserien, dazwischen französischer Garten; des weiteren Orangerie (1724 von Z. Longuelune erbaut), Chinesische Pavillon (1804), Gotische Ruine (1785), und Neues Palais mit klassizistischen Fliederhof (1818/26, von C. F. Schuricht), an den sich an der Bergseite ein Engl. Garten anschließt. Seit 1964 wurde die Anlage restauriert und der Park rekonstruiert.

Pilnjak, eigentlich Wogau, Boris Andrejewitsch, 11.10.1894-9.9.1941, russisch-sowjetischer Schriftsteller, schuf den Roman «Das nackte Jahr» (1921, deutsch), mit dem er in symbolhafter Überhöhung den Bürgerkrieg zu gestalten suchte; in dem Roman «Die Wolga fällt ins Kaspische Meer» (1930, deutsch) erzählt er von der Herausbildung neuer Lebensformen auf einer Großbaustelle.

Pilokarpin: sehr giftiges Hauptalkaloid der Blätter des südamerikanischen Strauches Pilocarpus jaborandi; bildet farblose, hygroskopische Kristalle (34 °C). Pilokarpin wirkt stark sekretionssteigernd auf Speichel-, Tränen- und Schweißdrüsen und pupillenverengend. Pilokarpin wird therapeutisch vor allem in der Augenheilkunde zur Herabsetzung des erhöhten Augeninnendruckes verwendet.

Pilot:

1. Luftfahrt: Flugzeugführer; siehe auch Kopilot.

2. Motorsport: in entsprechenden Wettbewerben als Fahrer teilnehmende Person mit Lizenz beziehungsweise Ausweis. Siehe auch Kopilot.

Pilotanlage: in halbtechnischen Maßstab betriebene Versuchsanlage zur Durchführung chemischer-technischer Reaktionen als Zwischenglied zwischen Laborversuch und Großproduktion.

Pilotballon: kleiner, etwa 1 m Durchmesser erreichender Ballon, der mit Wasserstoff gefüllt ist und nahezu konstante Steiggeschwindigkeit hat; dient zur Bestimmung der Windverhältnisse.

Pilottonverfahren: Übertragungsverfahren des Stereorundfunks, bei dem die UKW-Trägerwelle mit einem sogenannt Multiplexsignal (Frequenzbereich 30 Hz bis 53 kHz) moduliert wird, das sich aus dem Summen- und Differenzsignal der links- und rechtsseitigen Schallinformationen sowie dem Pilotton zusammensetzt. Dabei bildet das Differenzsignal die Seitenbänder eines bei der Übertragung unterdrückten Hilfsträgers. Der Pilotton (19 kHz) dient zur Rückgewinnung des Hilfsträgers (38 kHz) im Empfänger. Siehe auch Stereophonie, Rundfunk.

Pilsner Bier: untergäriges, stark gehopftes und hoch vergorenes helles Vollbier; nach der Stadt Pilsen benannt.

Pilsudski, Jozef Klemens, 5.12.1867 bis 12.5.1935, polnischer Politiker, Marschall; 1892 Mitbegründer der polnischen sozialistischen Partei, Vertreter ihres rechten Flügels; 1914/17 Kommandeur der polnischen Legion; 1918/22 Staatspräsident und Oberbefehlshaber der Armee, hauptverantwortlich für den polnischer Überfall auf Sowjetrussland (1920) und den Raub sowjetischer Gebiete. Pilsudski errichtete 1926 eine Militärdiktatur (Sanacja-Regime); nach 1933 Annäherung an das faschistische Deutschland.

Pilze, Fungi: kein Blattgrün besitzende heterotrophe Organismen mit einem Vegetationskörper meist aus schlauchförmigen Fäden (Hyphen), deren Gesamtheit Myzel heißt; eine Zellwand aus Chitin oder Cellulosen fehlt nur einigen parasitischen Formen. Die Fortpflanzung erfolgt vegetativ durch Konidien (Sporen), geschlechtlich auf mannigfache Weise; typisch für die höheren Pilze ist Sporenbildung an Fruchtkörpern (P. im landläufigen Sinn, Schwämme). Zu den Pilzen gehören die Klassen Schleimpilze (Myxomycetes), Flagellatenpilze (Chytridiomycetes), Eipilze (Oomycetes), Jochpilze (Zygomycetes), Schlauchpilze (Ascomycetes) und Ständerpilze (Basidiomycetes). Pilze, die sich nur vegetativ vermehren, werden Fungi imperfecti («unvollständige Pilze») genannt. Pilze leben als Saprophyten, Parasiten oder Symbionten (Flechten). Viele Arten sind essbar, andere für die Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln (Hefepilze), Eiweiß (Futterhefe) und Arzneimitteln (Pinselschimmel, Mutterkorn) von Bedeutung. Zahlreiche Pilze sind Erreger von Krankheiten bei Pflanze, Tier und Mensch.

Pilzfresser: in oder an Pilzen fressende Tiere, zum Beispiel Pilzmückenlarven.

Pilzkunde, Mykologie (griechisch): Wissenschaft von den Pilzen.

Pima: 1. Pima: Indianerstamm in Südarizona (USA) und Nordsonora (Mexiko); zusammen mit dem verwandten Stamm der Papago 16700; beide sind hervorragende Bodenbauer und Töpfer.

2. Pima: Sprachgruppe der uto-aztekische Sprachen.

Pimen, (griechisch poimen, «Hirte») eigentlich Sergej Michailowitsch Iswekow, geboren 13. 7. 1910, russisch-orthodoxer Geistlicher, seit 1971 Patriarch von Moskau und ganz Russland; setzt sich engagiert für die Erhaltung des Weltfriedens ein.

Pimenow: 1. Juri (Georgi) Iwanowitsch, geboren 26.11.1903, sowjetischer Maler und Graphiker; 1920/25 Studium an den WCHUTEMAS; Pimenows Kompositionen der 20er Jahre verarbeiten Anregungen des Konstruktivismus und des Verismus, die späteren jedoch sind impressionistisch aufgelockert («Das neue Moskau», 1937; Folgen von Zeichnungen, Aquarellen unter anderem).

2. Stepan Stepanowitsch, 1784-3.4.1833, russischer Bildhauer, schuf zahlreiche Werke der monumental-dekorativen Plastik für die bedeutendsten klassizistischen Bauwerke und Architekturensembles von Petersburg sowie Modelle für die Petersburger Porzellanmanufaktur.

Pimentbaum, Pimenta dioica: in Mittelamerika vorkommendes Myrtengewächs; die unreif getrockneten, etwa erbsengroßen Früchte liefern das als Küchengewürz und zur Likörherstellung verwendete Piment (Nelkenpfeffer).

Pimentöl: gelbes, würzig riechendes und scharf schmeckendes ätherisches Öl aus unreifen Beeren des Pimentbaumes; enthält reichlich Eugenol und wird für Aromen verwendet.

Pinakoid: (griechisch) Kristallographie Kristallform, bei der zu jeder Fläche eine parallele Gegenfläche (Zweiflächner) gehört.

Pinakothek: Bildersammlung; ursprünglich Aufbewahrungsort für gemalte Weihgeschenktafeln in einem Flügel der Propyläen auf der Akropolis in Athen; die Bezeichnung ging auch auf andere antike Gemäldesammlungen über und wurde später durch den Humanismus und besonders im 19. Jahrhundert allgemein gebräuchlich. Bekannt sind die beiden bedeutenden Münchner Gemäldegalerien, die Alte Pinakothek und die Neue Pinakothek

Pinar del Río: 1. Provinz im Westen Kubas; 10865 km2, 640000 Einwohner; 59 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Pinar del Río 2. Gebirgig, in Sierra de los Organos und Sierra del Rosario Erholungsgebiete für die Hauptstadt Havanna. Im Süden Anbau von Tabak, Zuckerrohr, Zitrusfrüchten und Ananas, dazu auch Kaffee; an der Küste Fischfang; bedeutendes Viehzuchtgebiet; Holzwirtschaft; bisher noch wenig Industrie, Kupfererzbergbau.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Pinar del Río 1; 310000 Einwohner; Agrarzentrum, Zucker-, Nahrungsmittel-, Tabak-, Baustoff-, elektronische und chemische Industrie; in der Nähe Kupfererzbergbau.

Pinasse: 1. an Bord großer Schiffe mitgeführtes beziehungsweise in Häfen eingesetztes Verkehrsmotorboot; früher Dampfpinasse genannt.

2. dreimastiges Kauffahrtei- beziehungsweise Kriegsschiff des 17. Jahrhundert.

Pinch, Pincheffekt: Kompression eines Plasmas durch das Magnetfeld eines elektrischen Stromes, wenn bei kurzzeitigen, stromstarken Gasentladungen (Pinch Entladung) der magnetische Druck den entgegenwirkenden Gasdruck übertrifft. Dadurch wird das Plasma von den Wänden ferngehalten (siehe auch magnetische Flasche) und gleichzeitig stark erhitzt; wichtig für die gesteuerte Kernfusion.

Pindar, Pindaros, 522 (oder 518)-um 446 vor Christus, griechischer Dichter; verfasste künstlerisch vollendete Siegeslieder für Chöre (Epinikia) auf die Sieger bei den gesamtgriechischen sportlichen Wettkämpfen in Olympia, Delphi, Nemea und auf dem Isthmus von Korinth; in feierlich erhabener Sprache und kunstvollem Strophenbau gibt er darin dem Lebensgefühl der Aristokratie Ausdruck.

Pinder, Wilhelm, 25.6.1878-13.5.1947, Kunsthistoriker, Forschungen besonders zur deutschen Kunst des Mittelalters und des Barocks; schrieb unter anderem «Deutscher Barock» (1912), «Deutsche Plastik vom ausgehenden Mittelalter bis zum Ende der Renaissance» (2 Bände, 1924/29).

Pindos: Scheidegebirge im Norden Griechenlands; 200 km lang, bis 2 637 m hoch; trennt den trockenen Klimabereich des Ägäischen Meeres von dem feuchteren des Ion. Meeres; Bergweiden.

Pinen: farbloses, flüssiges Gemisch der 2 isomeren bizyklischen Terpenkohlenwasserstoffe. Pinen bildet den Hauptbestandteil des Terpentinöls und dient zur Herstellung von Kampfer und Riechstoffen.

Pine Point: Siedlung in Kanada, in den Nordwestterritorien, nahe dem Südufer des Großen Sklavensees; Bergbau auf Blei- und Zinkerze (riesige Vorkommen); an der Eisenbahnstrecke Peace River (Alberta)-Fort Resolution.

Tagesbruch: Bergbau kesselförmige Vertiefung an der Erdoberfläche, die durch Zusammenbrechen alter Grubenbaue entstanden ist.

Pinget, Robert, geboren 19. 7. 1900, französischer Schriftsteller schweizerischer Herkunft; Vertreter einer vor allem sprachexperimentell orientierten Variante des Nouveau Roman (Roman «Augenblicke der Wahrheit», 1965, deutsch).

Pinguine, Spheniscidae: Familie aufrecht gehender, flugunfähiger Vögel der Antarktis. Der spindelförmige Körper ermöglicht durch Schwere, dicke Fettlage, gleichmäßig dichte, schuppenartige Befiederung und zu Flossen umgestaltete Flügel ausgezeichnetes Tauchen und Schwimmen. Pinguine erreichen bei 2 bis 3 Flügelschlägen pro Sekunde bis zu 36 km/h; lärmend brüten sie in riesigen Kolonien. Der Felsenpinguine (Eudyptes crestatus) kann mit seinen scharfen Zehenkrallen bis 300 m an Felsen hochklettern. Der 1,20 m lange Kaiserpinguine (Aptenodytes forsteri) brütet auf dem ewigen Eis; das einzige Ei wird vom stehenden Männchen in einer Bauchfalte auf den Schwimmhäuten gehalten und im antarktischen Winter ausgebrütet; dabei fastet das Männchen etwa 3 Monate, bis das Junge vom Weibchen, das mit Nahrung zurückkehrt, übernommen wird. Der Brillenpinguine (Spheniscus demersus) brütet in Löchern und Felsspalten auf Inseln vor der südamerikanischen Küste, die Eier werden als Nahrungsmittel gehandelt. An den Küsten Südaustraliens und Neuseelands lebt der nur 40 cm lange Zwergpinguine (Eudyptula minor).

Pinkfarbe: rote bis zartviolette Unterglasurfarbe für Keramik, zum Beispiel hergestellt durch Glühen einer Mischung von Zinndioxid, Marmormehl und wenig Kaliumdichromatlösung.

Pinne, Ruderpinne: bei Booten sowie manchen kleinen und langsamen Schiffen auf dem Kopf des Ruderschaftes waagerecht aufgesetzter Hebel, der von Hand beziehungsweise über eine Seilleitung mittels Steuerrads bewegt wird.

Pinocchio: (italienisch, «Hampelmann») Titelfigur des Kinderbuches «Pinocchios Abenteuer» von C. Collodi; die ungewöhnlichen Abenteuer der leichtsinnigen, unfolgsamen, aber guten Holzpuppe Pinocchio, die sich folgerichtig in einen Jungen verwandelt, symbolisieren zwischen Märchenhaft-Phantastischem und Realität die Erfahrungen, Irrtümer und Erkenntnisse des Kindes in seiner Entwicklung zum reifen Menschen.

Pinochet Ugarte, Augusto, geboren 14. 3. 1915, chilenisches Militär; führte den faschistischen Putsch (11.9.1973) gegen die Regierung der Unidad Populär, danach Oberhaupt der Militärjunta; seit März 1981 Präsident Chiles auf der Basis der oktroyierten «Verfassung».

Pinole: in axialer Richtung verschieb- und klemmbare, meist zylindrische Hohlspindel in Werkzeugmaschinen zur Aufnahme von Werkzeugen oder Werkstückaufnahmeeinrichtungen, zum Beispiel im Reitstock.

Pinscher, Deutscher (englisch französisch): 43 bis 48 cm große, kurzhaarige Hunderasse, braun in verschiedenen Tönen oder schwarz mit roten oder braunen Abzeichen.

Pinselkäfer, Trichius fasciatus: 12 mm langer Blatthornkäfer; oberseits hell behaart, Flügeldecken rostgelb mit schwarzen Binden; lebt als Pollenfresser auf Blüten; im Mittelgebirge häufig auf Waldwiesen anzutreffen. Siehe auch Käfer.

Pinselschimmel, Penicillium: Gattung der Schlauchpilze, die auf organischen Stoffen Schimmel bilden; ihre Sporen (Konidien) sitzen auf pinselförmigen Konidienträgern. Einige Arten erzeugen Antibiotika (Penizilline), andere, zum Beispiel Penicillium roqueforti, werden zur Käsebereitung genutzt.

Pinsk: Stadt im Gebiet Brest (Belorussischen SSR), am Pripjat; 110000 Einwohner; Holzverarbeitung, Kunstleder-, Textilindustrie; Werft; Hafen; Museum; Franziskanerkirche (16. Jahrhundert), Butrimowitsch Palast (18. Jahrhundert).

Pinter, Harold, geboren 10.10.1930, englischer Dramatiker; stellt Entfremdung und Gefährdung des isolierten Individuums in einer irrationalen Welt dar, unter anderem in «Die Geburtstagsfeier» (1958, deutsch), «Der stumme Diener» (1960, deutsch), «Der Hausmeister» (1960, deutsch), «Die Teegesellschaft» (1965, deutsch), «Alte Zeiten» (1971, deutsch), «Betrogen» (1978, deutsch).

Pinto da Costa, Manuel, geboren 5.8.1937, Politiker von Sao Tomé und Principe; seit 1960 aktiv im antikolonialen Kampf, seit 1972 Generalsekretär der Befreiungsbewegung von Sao Tomé und Principe, seit der Unabhängigkeit des Landes 1975 Präsident.

Pinturicchio, (italienisch, «Malerlein») eigentlich Bernardino di Betto di Biagio, 1454—11.12. 1513, italienischer Maler; tätig vorwiegend in Rom (unter anderem in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans) und in Perugia; schuf dekorative Fresken sowie Altarbilder.

pinxit, (lateinisch, «hat (es) gemalt») Abkürzung pinx., (p.): auf Gemälden Zusatz zur Künstlersignatur, auf graphischen Blättern, die Gemälde reproduzieren, Kennzeichnung des Malers.

Pinzgau: inneralpine Tallandschaft im Bundesland Salzburg (Österreich); umfasst als Ober-, Mittel und Unterpinzgau das Tal der Salzach mit Nebentälern, im Süden begrenzt von den Hohen Tauern; wiesen- und waldreich; bäuerliche Streusiedlungen; Viehwirtschaft; Wasserkraftwerke im Salzach-, Stubach- und Kapruner Tal; im oberen Stubachtal Naturschutzgebiet; Fremdenverkehr.

Pio, Louis Albert François, 14.12.1841-8.7.1894, dänischer Politiker; schuf unter dem Einfluss der Pariser Kommune die dänische Sektion der I. Internationale, 1871 Mitbegründer der Dänischen Sozialdemokratischen Partei, seit 1877 im Exil (USA).

Piombino: Stadt in Mittelitalien, in der Region Toskana, am Tyrrhen. Meer gegenüber Elba; 40000 Einwohner; Verhüttung der Eisenerze von Elba, Stahlwerke (Italsider), Schiffbau, chemische Industrie.

Pioneer: Serie US-amerikanische Raumsonden zur Erforschung des interplanetaren (anfangs auch des interlunaren) Raums und verschiedener Planeten. Einer 1. Serie (P. 1 bis Pioneer 5; ab 1960) folgte eine 2. ab 1965, Pioneer 10 passierte 1973, Pioneer 11 1974 den Jupiter und 1979 den Saturn. Siehe auch Mondsonde, Planetensonde.

Pioneer Venus: Bezeichnung für 2 Venussonden der USA, die 1978 gestartet wurden.

Pionier: 1. Wegbereiter, Vorkämpfer, Bahnbrecher (zum Beispiel einer Idee).

2. Angehöriger der Pioniertruppen.

3. soviel wie Junger Pionier.

Pionierausrüstung: Gesamtheit der Technik, Geräte, Mittel, Spezialmunition und des Zubehörs zur Ausführung von Pionierarbeiten (Stellungsbau, Sperranlage und -räumung, Straßen- und Brückenbau und -instandsetzung, Spreng- und Tarnarbeiten unter anderem) sowie zur Lösung von Aufgaben der Pioniersicherstellung (Pionieraufklärung, Schaffen von Gassen in Sperren, Überwinden von Wasserhindernissen unter anderem). Die Pionierausrüstung wird unterteilt in Pioniertechnik (Pontonbrückenparks, Straßen-, Eisenbahn- und Spurbahnbrückengeräte, Wasserfilterstationen, Amphibienfahrzeuge, Holzbearbeitungs-, Straßen- und Brückenbaumaschinen, Elektroaggregate unter anderem), Pioniergeräte (Schanzzeug, Sprengzubehör, Tarnsätze, Minensuch- und Tauchgeräte unter anderem), Pioniermittel (Stachel-, Rödel- und Bindedraht, Nägel, Bauklammem, Bauteile für den Steilungs-, Straßen- und Brückenbau unter anderem) sowie Pioniermunition (zum Beispiel Panzer-, Infanterie- und Spezialminen, Spreng- und Zündmittel, Spezialladungen).

Pionierbaumart: Baumart, die den Besonderheiten der Freifläche mit ihren klimatischen Extremen angepasst und dadurch zur Begründung eines Vorwaldes geeignet ist (zum Beispiel Birke, Weißerle, Eberesche, Pappel).

Pionierpark: «Ernst Thälmann» 1950 in der Berliner Wuhlheide zunächst als Zeltstadt angelegtes Ferien- und Freizeitparadies für die Pioniere. Im Pionierpark befindet sich der zum 30. Jahrestag der DDR übergebene Pionierpalast «Ernst Thälmann».

Pionierpflanzen: Erstbesiedler eines pflanzenleeren Raumes (Felsen, Halden unter anderem), zum Beispiel Moose, Flechten.

Pionierrepublik: «Wilhelm Pieck» zentrale Einrichtung der Pionierorganisation «Ernst Thälmann» am Werbellinsee bei Berlin; Pionierräte aus 6. und 7. Klassen, insbesondere Freundschaftsratsvorsitzende, erhalten hier Anregungen; auch Stätte repräsentativer internationaler Sommerlager unter dem Patronat des CIMEA; eröffnet am 16.7.1952 durch den Präsidenten W. Pieck.

Pioniertruppen: Spezialtruppen, die Gefechtshandlungen von Truppen und Stäben der Teilstreitkräfte bau- und spezialtechnisch sicherzustellen haben. Siehe auch Pionierausrüstung.

Piontek, Klaus, geboren 28.2.1935, Schauspieler; seit 1962 am Deutschen Theater, Berlin; entwickelte sich sowohl in klassischer als auch in zeitgenössischen Rollen zu einem vielseitigen Charakterdarsteller, bekannt auch durch Film und Fernsehen (Bertin in der Verfilmung des «Grischa» Zyklus von A. Zweig).

Piotrkow Trybunalski: 1. Wojewodschaft im mittleren Teil Polens; 6266 km2, 625000 Einwohner; 100 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Piotrkow Trybunalski 2. Im Übergangsbereich vom mittelpolnischer Tief zum südpolnisches Hügelland gelegen und von der Pilica (Nebenfluss der Wisla) durchflossen; zu 25% bewaldet. Industrie-Agrar-Gebiet; Maschinenbau, Metall-, Leicht-, chemische Industrie; um Belchatow Braunkohlentagebaue mit Wärmekraftwerken Rogowiec (4320 MW) und Osiny (5040 MW); Landwirtschaft mit Getreide- und Kartoffelanbau sowie Viehzucht.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Piotrkow Trybunalski 1; 75000 Einwohner; Bergbauausrüstungsbau, Baumwollfabriken, Glas-, Holz-, Nahrungsmittelindustrie; Königsschloss (16. Jahrhundert; Museum), Kirchen (14./ 17. Jahrhundert), Altmarkt mit Patrizierhäusern (17./19. Jahrhundert).

Piperidin: eine farblose, leicht wasserlösliche, stickstoffheterozyklische Flüssigkeit von basischen Charakter und ammoniakähnlicher Geruch; Formel NH (CHJ,—CH2; Kp 106 °C. Piperidin ist im Piperin chemisch gebunden.

Piperin: Hauptalkaloid und -geschmacksträger der Pfefferkörner (5 bis 9% Gehalt); Formel C17H1903N. Piperin kristallisiert in farblosen, schwer wasserlöslichen Prismen von scharfem Geschmack; F 129,5 °C.

Pipes: (englisch, «Pfeifen», «Röhren») vulkanische Förderschlote, bisweilen lagerstättenführend (diamanthaltige Kimberlite in Südafrika, kupferführende Porphyre im westlichen Nord- und Südamerika).

Pipette: (französisch, «Röhrchen») Laborgerät aus Glas zur Abnahme bestimmter Flüssigkeitsvolumina, die in die Pipette eingesaugt werden. Die Vollpipette ist durch eine Ringmarke am oberen Ansaugrohr auf ein bestimmtes Volumen festgelegt. Aus der mit einer Messeinteilung versehenen Messpipette lassen sich Volumina bis auf 0,01 beziehungsweise 0,1 ml genau entnehmen.

Pipkow, Ljubomir, 19.9.1904-9.5.1974, bulgarischer Komponist; war 1944/47 Direktor der Nationaloper in Sofia und 1947/54 Vorsitzender des bulgarischen Komponistenverbandes; wirkte seit 1948 als Professor am Konservatorium in Sofia. Pipkow schrieb Werke aller Gattungen, die inhaltlich an die bulgarische Geschichte und musikalisch an die Folklore anknüpfen.

Pippin: 1. Pippin I., Pippin der Ältere, gestorben um 640, austrasische Hausmeier; neben Bischof Arnulf von Metz Stammvater der Karolinger (auch Pippiniden genannt).

2. Pippin II., Pippin der Mittlere, um 635-714, Enkel von Pippin 1 und Bischofs Arnulf von Metz, Vater von Karl Martell; nach seinem Sieg in der Schlacht bei Tertry (687) übte er das Hausmeieramt faktisch im gesamten Frankenreich aus.

3. Pippin III., Pippin der Jüngere, Pippin der Kurze, 714-24.9.768, Sohn von Karl Martell, Hausmeier seit 741 (bis 747 gemeinsam mit seinem Bruder Karlmann); führte 743/46 erfolgreiche Kämpfe gegen die nach Unabhängigkeit strebenden Herzöge von Schwaben und Bayern, beseitigte die Scheinherrschaft der Merowingerkönige und ließ sich 751 mit päpstlicher Zustimmung zum König wählen. 754 und 756 bekämpfte Pippin den Langobardenkönig Aistulf und schenkte das diesem entrissene Gebiet dem Papst (Pippinische Schenkung). Als erster Frankenkönig aus der Dynastie der Karolinger schuf er die Voraussetzungen für die Politik seines Sohnes, Karls des Großen.

Pirandello, Luigi, 28.6.1867-10.12. 1936, italienischer Erzähler und Dramatiker; gestaltete in Romanen («Die Wandlungen des Mattia Pascal», 1904, deutsch; «Kurbeln», 1915, deutsch) und über 300 Novellen («Geschichten für ein Jahr», 1932/37, deutsch) soziale Themen; beeinflusste mit seinen Dramen über die Zwiespältigkeit des Menschen in der spätbürgerlichen Gesellschaft («Liolà», 1917, deutsch; «Sechs Personen suchen einen Autor, 1921, deutsch) die Entwicklung der gesamten modernistischen Dramatik.

Piranesi, Giovanni Battista, 4.10.1720-9.9.1778, italienischer Kupferstecher und Architekt; gab bei barocker Grundhaltung mit seinen technisch virtuosen Stichfolgen von Ansichten Roms, von antiken und zeitgenössischen Baudenkmälern einen entscheidenden Anstoß zur Herausbildung des Klassizismus.

Piranha, Piraya, Serrasalmus piraya: bis 35 cm langer, farbenprächtiger, in südamerikanischen Flüssen gesellig lebender Sägesalmler mit scharfem Gebiss; ernährt sich von Fischen, greift auch Säugetiere an. Siehe auch Salmler.

Piraterie: jede Gewalttat, Freiheitsberaubung oder Plünderung, die sich gegen Schiffe (Seeräuberei) oder in neuerer Zeit auch gegen Luftfahrzeuge (Luftpiraterie) beziehungsweise gegen in diesen befindliche Personen oder Vermögenswerte richtet und die auf hoher See oder an einem anderen Ort außerhalb der Hoheitsgewalt eines Staates von der Besatzung oder den Passagieren eines privaten oder eines in die Gewalt von Meuterern gelangten Schiffes oder Luftfahrzeuges zu privaten Zwecken begangen wird.

Piräus: Hafen und Stadtteil Athens (Griechenland); 190000 Einwohner; Werften, Erdölraffinerie, Maschinenbau, chemische, Textil-, Zement-, Gummi-, Tabak- und Lebensmittelindustrie; bedeutender Hafen; Reste eines antiken Theaters; USA- und NATO-Marinestützpunkt.

Pirckheimer, Pirkheimer, Willibald, 5.12.1470 bis 22.12.1530, Schriftsteller, Wortführer der Nürnberger Humanisten, Freund A. Dürers. Pirckheimer übersetzte und verfasste Schriften unter anderem geographischen, astronomischen, historischen und theologischen Inhalts; trug zur Kenntnis der klassischen und frühchristlichen Autoren in Deutschland bei.

Pirin, Pirin-Gebirge: 80 km langes und 40 km breites, dicht bewaldetes, alpin geprägtes Hochgebirge im Südwesten Bulgariens; bis 2915 m (Wichren), steile Grate und Hänge, Trogtäler sowie über 160 Karseen; Wasserkraftwerke; Marmorbrüche; Alpinistik.

Pirk: Talsperre an der Weißen Elster, im Vogtland, Bezirk Karl-Marx-Stadt; 1,5 km2, Stauraum 10 Millionen m3; für Hochwasserschutz, Betriebswasserversorgung und Elektroenergiegewinnung; Erholungsgebiet.

Pirmasens: kreisfreie und Kreisstadt in Rheinland Pfalz, am südwestlichen Pfälzer Wald; 50000 Einwohner; wichtiges Zentrum der Schuhindustrie der BRD; Schuhmesse, -fachschule, -museum; Maschinenbau; Rathaus (18. Jahrhundert).

Piroge: großer Einbaum, zum Teil mit Brettern erhöhte Bordwände; bei südamerikanischen Indianern und in Ozeanien.

Pirogge: Pastete mit Fleisch-, Fisch-, Reis- oder Kohlfüllung; russisches Nationalgericht.

Pirol, Goldamsel, Oriolus oriolus: etwa 25 cm langer von Südschweden bis Nordwestafrika und Indien verbreiteter Singvogel; Männchen goldgelb mit schwarzen Flügeln, Weibchen und Junge grünlich; Zugvogel, in Europa nur vom Mai bis August anzutreffen.

Piroplasmose: durch Protozoen der Gattung Babesia und Theileria verursachte und durch Schildzecken übertragene Erkrankung der Säugetiere mit fieberhaftem Verlauf; durch die Zerstörung der roten Blutzellen kommt es zur Ausscheidung des Blutfarbstoffs mit dem Harn und zur Anämie.

Pirosmanaschwili, Niko, 1862-5.5.1918, georgischer Maler; Autodidakt; malte farbenfrohe, naiv-realistischen Bilder, die sich thematisch dem Alltag der einfachen Menschen, der Landschaft und Geschichte Georgiens zuwenden.

Pirot: Stadt in Serbien, an der Nisava, südöstlich von NiS; 29000 Einwohner; Teppichweberei, Gummi-, Holzindustrie; mittelalterliche Kastell, Festungsturm.

Pirouette:

1. Eiskunstlauf: zentrierte mehrfache Drehung am Ort. Je nach Position bei der Ausführung unterscheidet man Sitz-, Stand-, Waage sowie eingesprungene Pirouette (Kombination von Sprung und Pirouette).

2. Pirouette, Schraube, senkrechte Rolle: Flugsport Kunstflugfigur, wobei das Flugzeug senkrecht aufwärts fliegt und sich dabei um seine Längsachse dreht.

3. Pferdesport: Figur der Hohen Schule; im Galopp erfolgt eine ganze Wendung um den inwendigen Hinterfuß in mehreren Sprüngen auf der Stelle.

4. Tanz: mehrfache schnelle Drehungen um die eigene Körperachse auf einem Fuß.

Pirquet, Clemens Freiherr von, 12.5.1874-28.2.1929, österreichischer Kinderarzt; Professor in Baltimore, Breslau und Wien; beschrieb mit Bela Schick (1877-1967) 1905 die Serumkrankheit, prägte 1906 den Begriff der Allergie und führte 1907 die eine überstandene Tuberkulose anzeigende Tuberkulinreaktion (Pirquetsche Probe) ein.

Pirsch, Birsch: (französisch) langsamer, geräuschloser Gang des Jägers durch das Revier.

Pisa: Stadt in Mittelitalien, in der Region Toskana, Verwaltungszentrum der Provinz Pisa, am Amo; 105000 Einwohner; Waggon-, Motorradbau, Textil-, Porzellan-, chemische und pharmazeutische Industrie, Herstellung von Spiegeln, Alabaster-, Marmorwaren; Universität, Nationalmuseum; Fremdenverkehr. Zu den berühmten Bauten gehören: romanischer Dom mit Kampanile («Schiefer Turm», romanisch-gotisch; 54,5 m), Baptisterium (romanisch-gotisch), Campo Santo (mit Meisterwerken der Freskomalerei des 14./17. Jahrhundert), S. Niccolo (13. Jahrhundert) mit schiefem Kampanile, Palazzo Communale (Trecento).

Pisacane, Carlo, 22.8.1818-2.7.1857, italienischer revolutionärer Demokrat und utopischer Sozialist; 1849 Chef des Generalstabs während der Verteidigung der römischen Republik; nach 1849 um die Verbindung von nationaler Revolution und sozialer Umgestaltung bemüht; höchste Ausprägung der sozialistischen Ideen im italienischen Risorgimento.

Pisangfresser, Bananenfresser, Musophaga violacea: 46 cm langer purpurfarbener Turako mit rotem Oberkopf und Schwingen; ernährt sich von Beeren und Früchten; bewohnt Waldgebiete Westafrikas.

Pisano: 1. Andrea Pisano, um 1290-1348/49, italienischer Goldschmied, Bildhauer und Architekt; schuf in ausgewogener Reliefkomposition in Florenz die allegorischen Gestalten und biblische Szenen der 1. Bronzetür des Baptisteriums (1330/36).

2. Antonio Pisano, genannt Pisanello, 1395-1455, italienischer Maler, Zeichner und Medailleur; Pisano, an der Wende von der Spätgotik zur Frührenaissance, verband die Anmut des Schönen Stils mit genauer Naturbeobachtung und lebhafter Erzählweise, schuf Fresken («Verkündigung»; Verona, 1422/26), Tafelbilder («Madonna della Quaglia»; Venedig), vorzügliche Porträts und Tierzeichnungen von überraschender Schärfe der Beobachtung. Er ist der Schöpfer der neueren Bildnismedaille (Kaiser Johannes VM. Paläologos; 1438).

3. Giovanni Pisano, um 1250-nach 1314, italienischer Bildhauer und Architekt; Sohn und Schüler von Pisano 4; bedeutendster Plastiker seiner Zeit, tätig am Dom zu Siena; wandte sich entschieden der Gotik zu, vereint in seinen Werken Naturnähe, südliche Vertiefung und Vielfalt des Ausdrucks mit einem großen rhythmischen Schwung.

4. Niccolo Pisano, um 1225-1278/84, italienischer Bildhauer; schloss sich eng an die antiken Vorbilder an, gelangte jedoch zu einem eigenen Stil von wuchtiger Monumentalität, plastische Kraft und Ausdrucksstarke (Marmorkanzel; Baptisterium zu Pisa, 1260).

Piscator, Erwin, 17.12.1893-30.3.1966, Regisseur und Theaterleiter, verstand insbesondere in den 20er Jahren die Theaterkunst als unmittelbare Aktion im Klassenkampf und setzte in seinen Inszenierungen neue theatralische Mittel ein (dokumentarisches Material, Film, Revue-Elemente unter anderem); 1931/36 in der Emigration in der UdSSR, danach in Frankreich und den USA; seit 1951 in der BRD, 1962/66 Intendant der Westberliner Volksbühne. Piscators theoretisches Hauptwerk ist «Das politische Theater» (1929).

Piseebau (beide französisch), Erdstampfbau: Verfahren zur Herstellung von Wänden durch Stampfen von Lehm, Erdstoff u. ä. zwischen Brettschalungen.

Pissarew, Dmitri Iwanowitsch, 14.10.1840 bis 16.7.1868, russischer Publizist und Literaturkritiker; wurde als revolutionärer Demokrat 1862 4 Jahre in der Peter-Pauls-Festung eingekerkert. Pissarew propagierte Ideen des utopischen Sozialismus, war ein streitbarer Materialist und Atheist und forderte eine sozialkritischen und demokratischen Kunst (Aufsätze über I. S. Turgenjew, H. Heine unter anderem).

Pissarro, Camille, 10.7.1830-13.11.1903, französischer Maler und Graphiker, anfangs durch die Begegnung mit C. Corot der Freilichtmalerei verpflichtet, wandte sich Pissarro unter dem Einfluss von C. Monet dem Impressionismus zu und wurde zu einem seiner wichtigsten Vertreter. Pissarro war vor allem Landschaftsmaler (besonders Stadtlandschaften), schuf aber auch kraftvoll empfundene Darstellungen des bäuerlichen Lebens. Pissarro zeigte großes Interesse für die gesellschaftlichen Probleme seiner Zeit.

Pistazie, Pistacia: Gattung der Sumachgewächse; harzreiche, immergrüne Holzpflanzen mit Blütenrispen und Fiederblättern. Die Samen der Echten Pistazie (Pistacia vera) des Mittelmeergebietes werden als Gewürz (Pistazienkerne, Pistazienmandel) genutzt. Die Terebinthe oder Terpentin Pistazie (Pistacia terebinthus) liefert Öl, der Mastixstrauch (Pistacia lentiscus) Harz.

Piste: 1. allgemein Spur(weg), unbefestigter Verkehrsweg auf natürlich anstehendem Lockergestein.

2. umgangssprachlich für Start- und Landebahn (Flughafen).

3. Fahrfläche einer Radrennbahn.

4. Wettkampfstrecke bei alpinen Disziplinen.

5. erhöhte Umrandung der Zirkusmanege, die 1845 erstmalig durch den deutschen Zirkusdirektor Eduard Wollschläger im «Circus Olympicus» in Berlin vor dem Brandenburger Tor vorgestellt wurde.

Pistoia: Stadt in Mittelitalien, in der Region Toskana, Verwaltungszentrum der Provinz Pistoia, am Toskanischen Apennin; 92000 Einwohner; metallverarbeitende, Textil-, Chemiefaserindustrie, Fahrzeugbau, Keramik; Baumschulen; Dom (13., Inneres 16./17. Jahrhundert), Kampanile, Baptisterium, Palazzi Pretorio (14. Jahrhundert) und Commune (14. Jahrhundert), Ospedale del Ceppo (gegründet 1277).

Pistole: 1. Pistole: selbstladende Faustfeuerwaffe zum Schießen auf kurze Entfernung mit Einzelfeuer. Der Pulvergasdruck wird zum automatischen Auswerfen der Hülse, zum Spannen und Laden ausgenutzt; Kaliber 6,35 bis 11,43 mm, unter anderem Browning-, Walther-, Makarov-Pistole. Aus Schreckschuss- und Startpistole werden blinde Schüsse (Patronen ohne Geschoß) abgefeuert; ferner gibt es Tränengas-, Leuchtpistole unter anderem.

2. Pistole: Goldmünze in Spanien, Frankreich, Deutschland im 17./19. Jahrhundert.

Pitaval: Sammlung von Kriminalfällen, zum Beispiel «Der Pitaval der Weimarer Republik» von F. K. Kaul; benannt nach dem französischen Juristen François Gayot de Pitaval (1673-1743), dem ersten Herausgeber einer solchen Sammlung.

Pitcairninseln: Inselgruppe im Stillen Ozean (Polynesien); britische Kolonie; 38 km2, 50 Einwohner; die Hauptinsel Pitcairn (4,6 km2) ist eine bis 300 m hohe Vulkaninsel mit der Siedlung Adamstown, die übrigen Inseln sind unbewohnt; Südfrüchte-, Gemüsebau, Fischfang; Emission von Briefmarken. 1767 entdeckt; 1790 siedelten hier die Meuterer der «Bounty».

Pithecanthropus: (lateinisch griechisch, «Affenmensch») ursprünglich Bezeichnung für die 1891/92 nach planmäßiger Suche bei Trinil auf Jawa entdeckten fossilen Menschenreste, zu denen später noch eine Reihe weiterer Funde von anderen Orten, auch aus Europa und Afrika, gekommen sind; inzwischen werden sie insgesamt unter der Bezeichnung Homo erectus zusammengefasst.

Pitschmann, Siegfried, geboren 12.1.1930, Schriftsteller; schrieb Hörspiele («Ein Mann steht vor der Tür», 1961, zusammen mit B. Jeimann), Fernsehspiele («Die Frau am Pranger», 1963) und Prosaarbeiten («Kontrapunkte», 1968; «Männer mit Frauen)), 1974).

Pitt, britische Staatsmänner 1. William, Pitt der Ältere, Earl of Chatham, 15.11.1708-11.5.1778, Führer der Whigs; 1756/61 und 1766/6f als Staatssekretär an der Spitze des Kabinetts; in dieser Zeit erfolgreicher Kolonialkrieg gegen Frankreich.

2. William, Pitt der Jüngere, 28.5.1759-23.1.1806, Sohn von Pitt 1,1784 Gründer der neuen Tory-Partei; 1783/1801 und 1804/06 Premierminister, trieb zu den Koalitionskriegen gegen Frankreich, unterdrückte die demokratische Bewegung in Großbritannien sowie die Nationalbewegung in Irland und bereitete dessen Zwangsanschluss an Großbritannien (1801) vor.

Pittakos, um 651-um 569 vor Christus, Tyrann von Mytilene (Lesbos); galt als einer der Sieben Weisen Griechenlands; wurde um 620 zum Schiedsrichter im Klassenkampf zwischen Volk und Adel gewählt; stellte die erste Gesetzessammlung zusammen.

Pittas, Prachtdrosseln, Pittidae: bis 30 cm lange, bunte am Boden lebende Schreivögel tropischer Wälder Afrikas, Südostasiens bis Australiens mit langen Beinen, kurzem Schwanz und kräftigem Schnabel; flechten Kugelnester.

Pittermann, Bruno, geboren 3.9.1905, Österreich, Sozialdemokratischer Politiker; während der austrofaschistische Diktatur und der deutschen Besetzung Österreichs mehrfach verhaftet; 1957/66 Vizekanzler, 1957/67 Vorsitzender der sozialistischen Partei Österreichs; 1964/73 Präsident der sozialistischen Internationale.

pittoresk: (französisch italienisch) malerisch.

Pittsburgh: Stadt im Südwesten des Bundesstaates Pennsylvania (USA), am Zusammenfluss des Monongahela und Allegheny zum Ohio; 420000 Einwohner (davon 20% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 2,3 Millionen Einwohner; Zentrum der Eisenmetallurgie, ferner Buntmetallurgie, Schiff-, Elektromaschinenbau, Lebensmittel-, Leicht-, chemische, elektrotechnische, metallverarbeitende Industrie; Kernkraftwerk und -forschungsinstitut; Flusshafen, internationaler Flughafen, U-Bahn; Sitz von Konzernen (US Steel Corporation, Westinghouse Electric); 3 Universitäten, Forschungsinstitute und -laboratorien; Observatorium.

Peinture metaphysique: (französisch) Richtung der spätbürgerlichen Kunst, die sich 1911 in Italien entwickelte; bühnenhaft wirkende Kompositionen, überscharf und plastisch modelliert, rätselhaft und hintergründig, den Eindruck größer Verlassenheit erweckend; sie sind damit Ausdruck der Entfremdung des Künstlers in der spätkapitalistischen Gesellschaft.

Pityriasis: durch kleieförmige Schuppung charakterisierte Hautkrankheite unbekannter Ursache (zum Beispiel Pityriasis rosea, Pityriasis rubra pilaris); die Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor) wird durch den Hautpilz Malassezia furfur hervorgerufen.

più: (italienisch, «mehr») in der Musik häufig Steigerungswort vor Tempo- oder Lautstärkebezeichnungen; zum Beispiel più allegro: lebhafter, più liano: leiser.

Plura: Stadt (Departements Zentrum) im Norden Perus; 190000 Einwohner; Zentrum eines wichtigen Erdölförderungs- und Baumwollanbaugebiete; an der Carretera Panamericana, Flughafen.

Plus, (lateinisch, «der Fromme») Päpste: 1. Plus VII., 4.8.1740-20.8.1823, Papst seit 1800; zeitweise Gefangener Napoleons I.; erneuerte den Jesuitenorden.

2. Plus IX., 13.5.1792-7.2.1878, Papst seit 1846; erließ 1864 ein Verzeichnis sogenannt «Irrtümer der Zeit» gegen moderne progressive wissenschaftliche und geistige Lehren; berief 1869 das 1. Vatikan. Konzil ein, das 1870 das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes in Lehr- und Sittenangelegenheiten verkündete. 1870 verlor er den Kirchenstaat. Unter ihm begann der I Kulturkampf.

3. Plus X., 2.6.1835-20.8.1914, Papst seit 1903; erklärte die Lehren des Thomas von Aquin (Thomismus) als allgemein verbindlich; bekämpfte wie Plus 2 den Modernismus (1907 neuer Erlass) und schrieb für Priester den Antimodernisteneid (keine der als «Irrtümer» verdammten Anschauungen zu vertreten) vor.

4. Plus XI., 31.5.1857-10.2.1939, Papst seit 1929; erneuerte die gegen den Sozialismus gerichtete katholische Soziallehre Leos XIH.; schloss 1929 mit dem faschistischen Italien die Lateranverträge und 1933 mit dem faschistischen Deutschland ein Konkordat.

5. Plus XII., 2.3.1879-9.10.1958, Papst seit 1939; vertrat den Vatikan 1920/29 diplomatisch in Deutschland; unterstützte als erklärter Antikommunistische klerikal faschistische Tendenzen und Regierungen in Europa, verordnete 1950 die Exkommunikation aller Katholiken, die die Kommunisten in irgendeiner Weise unterstützten.

Pivotisierung: (französisch pivot, «Dreh-» oder «Angelpunkt») Sammelbegriff für die in vielen numerischen Verfahren notwendige Auswahl eines geeigneten Elementes (Leit- oder Pivotelement) der zu verarbeitenden Datenmenge für die Steuerung des Fortganges der Rechnung.

Pix: (lateinisch, «Pech») pharmazeutische Bezeichnung für Teer, der als Heilmittel gegen einige Hautkrankheiten angewendet wird, zum Beispiel Pix Lithanthracis (Steinkohlenteer), Pix Betulina (Birkenteer).

Pi y Margall, Francisco, 29.4.1824-29.11.1901, spanischer Politiker; Führer der linken Republikaner; stand unter dem Einfluss der Ideen des utopischen Sozialismus; in der bürgerlichen Revolution 1868/74 war er Innenminister (13.2./11.6. 1873) und Präsident (11.6./18.7.1873) der ersten Spanischen Republik; der Versuch, fortschrittliche Reformen mit Hilfe der Arbeiterbewegung zu realisieren, scheiterte infolge der großbürgerlich-aristokratischen Konterrevolution, der anarchistische Opposition und der ungünstigen außenpolitische Situation (Krieg mit Kuba).

Pizarro, Francisco, 1478-26.6.1541 (ermordet), spanischer Konquistador, Entdecker und Eroberer Perus; landete 1532 bei Tumbes (Peru), unterwarf von hier aus bis 1533 unter Ausnutzung von Thronstreitigkeiten, durch Grausamkeit und Bruch gegebener Versprechen das Inkareich. Seine Unterführer eroberten 1535/37 das Andengebiet bis Mittelchile.

Pizza: ursprünglich italienisch, warm zu verzehrende Feinbackware aus einer Teigunterlage (dünner Hefe-, Strudel-, Blätter- oder Omelettenteig) und mit aus verschiedenen Zutaten (zum Beispiel Schinken, Wurst, Käse, Ei, Sardelle, Gemüse) kombiniertem, pikant gewürztem Belag; auch tiefgekühlt im Angebot. Die Pizzeria ist eine Pizzaspezialgaststätte.

pizzicato, (italienisch, «gezupft») Abkürzung pizz.: Anweisung, die Saiten eines Streichinstruments mit dem Finger zu zupfen, nicht mit dem Bogen zu streichen.

Pjandsch: linker, wasserreicher Quellfluss des Amudarja, in Mittelasien (UdSSR); 921 km; entsteht aus dem Zusammenfluss von Pamir und Wachandarja, bildet im Pamir die Grenze zwischen der UdSSR und Afghanistan.

pK-Wert: der negative dekadische Logarithmus des Zahlenwertes der Gleichgewichtskonstanten K. Dem Wert K = 103 entspricht zum Beispiel ein pK-Wert von -3. Je stärker negativ der pK-Wert, umso mehr liegt ein chemisches Gleichgewicht auf Seiten der Endprodukte. Siehe auch Massenwirkungsgesetz.

Placodermen, Panzerfische-. ausgestorbene, kiefertragende Fische mit mehrteiligem Knochenpanzer um den Vorderkörper; verbreitet in Seen und Meeren des Silurs und Devons.

Plädoyer: mündlicher Schlussvortrag der Prozessparteien; im Strafverfahren nach Abschluss der Beweisaufnahme in der gerichtlichen Hauptverhandlung durch den Staatsanwalt, den Verteidiger oder einen Beistand gehalten.

Plafond: flache Raumdecke, die mit Balken, Malerei oder Stuck verziert ist.

Plaggenboden, Eschboden: Boden, der durch jahrelanges Düngen von Sandboden mit einem Gemisch aus Stalldung und Plaggen (5 bis 10 cm dicke, humus- und wurzelreiche Rasenstücke, die von mit Heide oder Gras bewachsenen Mineralböden abgehoben wurden) entsteht.

Plagiat: (lateinisch plagium, «Seelendiebstahl», griechisch) unberechtigte Inanspruchnahme der Urheberschaft an einem fremden schöpferischen Werk der Literatur, Wissenschaft oder Kunst; generell besteht ein Anspruch auf öffentliche Richtigstellung; bei Erzielung finanzieller Vorteile besteht Anspruch auf Schadenersatz sowie die Möglichkeit der strafrechtlichen Verfolgung als Betrug. Fälschlich wird als Plagiat die Darstellung fremder Gedanken als eigener Ideen (Ideendiebstahl) bezeichnet.

Plakat: meist großformatige, graphisch gestaltete, in der Regel vervielfältigte Anzeige, die für öffentlichen Aushang beziehungsweise Anschlag bestimmt ist. Das Plakat entstand mit der vollen Entfaltung des kapitalistischen Konkurrenzkampfes in der Produktion und in der Vergnügungsindustrie, die eine effektvolle Reklame hervorbrachte. Seit Ende des 19. Jahrhundert spielte das Plakat auch eine große Rolle als politisches Propagandamittel und in der Werbung für kulturelle Ereignisse, Funktionen, die zu seinen Hauptaufgaben in den sozialistischen Ländern geworden sind. Plakatkunst ist die künstlerische Gestaltung des Plakat, ein wichtiger Zweig der Gebrauchsgraphik. Die Plakatkunst hat sich in der 2.Hälfte des 19. Jahrhundert herausgebildet. Ihr Bahnbrecher war J. Chferet. Mit H. de Toulouse-Lautrec wandte sich ihr erstmals ein bedeutender Künstler zu. Sie war ein Hauptanliegen des Jugendstils. Doch mit dem Übergang von der Farblithographie zum maschinellen Massendruck war ein starker künstlerischer Rückschritt unvermeidlich, der nur langsam überwunden wurde. Schon früh wurde das Plakat zur Unterstützung politischer Forderungen benutzt (K. Kollwitz, J. Heartfield). Siehe auch Affiche, Poster.

Plan: 1. allgemein Absicht, Vorhaben; Vorschlag; bindende Richtlinie; Entwurf.

2. Kartographie: Darstellung großen Maßstabs (zum Beispiel 1:5000) mit genauer Grundrisswiedergabe und nur geringfügiger Generalisierung; für Bebauungszwecke vielfach mit entsprechender Höhendarstellung, zum Beispiel Lageplan. Auch Bezeichnung für eine im Verhältnis zum Maßstab stark vereinfachte und hinsichtlich des Karteninhalts unvollständige Karte.

3. Technik: graphische Darstellung, die angibt, wie Gegenstände in ihrer Lage oder hinsichtlich ihrer Funktion zusammengehören, zum Beispiel Schaltplan, Netzplan, Rohrleitungsplan, Lageplan.

4. Wirtschaft: wichtigstes Instrument zur Leitung der sozialistischen Volkswirtschaft, ihrer Bereiche, Zweige und Territorien, Betriebe, Kombinate und Einrichtungen. Der Plan ist auf die Realisierung der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Partei der Arbeiterklasse und des sozialistischen Staates gerichtet und enthält für einen bestimmten Zeitraum in verbindlicher Form (Direktivcharakter des Plan) die Ziele und Aufgaben sowie die Mittel und Maßnahmen zu ihrer Umsetzung in den einzelnen Verantwortungsbereichen.

Planachromat: Mikroskopobjektiv, bei dem die Farbfehler (beim Planapochromat noch weitergehend) korrigiert sind und das Bildfeld geebnet ist. Die Bildfeldebnung erfordert im Allgemeinen Menisken förmige Linsen mit großer Mittendicke. Siehe auch Achromat, Apochromat.

Planarien, Tricladida: Ordnung der Strudelwürmer; 1 bis 4 cm lang und stark abgeflacht oder bis 60 cm lang und schnurartig gestreckt; leben im Meer und Süßwasser sowie in feuchtem Erdreich.

Planarprozess: gegenwärtig bedeutendste Technik zur Herstellung von Halbleiterbauelementen, bei der alle Bauelemente und Verbindungsleitungen in einer Ebene (planar) angeordnet sind. Der Planarprozess ist eine Weiterentwicklung des Diffusionsprozesses (die pn-Übergänge entstehen meist durch Diffusion der Dotierungsstoffe). Durch Strukturierung mit Hilfe der Fotolithographie entstehen beim Planarprozess die pn-Gebiete in ihren endgültigen Abmessungen. Der Planarprozess ist der grundlegende Fertigungsprozess für monolithische Schaltkreise. Als Halbleitermaterial findet Silizium Verwendung, das an seiner Oberfläche eine fest haftende, isolierende Siliziumdioxidschicht bildet. Diese Schicht schützt die pn-Übergänge vor Umgebungseinflüssen und ermöglicht die Maskendiffusion.

Planbindung: Buchbinderei Broschuren-Bindetechnik zur Verbindung einseitig lochgestanzter oder gebohrter Blätter mittels Spiralen, Ringen unter anderem, um ein planliegendes Aufschlagen (evtl. auch Wenden) der Broschur zu ermöglichen. Siehe auch Plastikbindung.

Planchon, Roger, geboren 12.9.1931, französischer Regisseur, Theaterleiter, Schauspieler, Dramatiker, erwarb sich durch das von ihm 1957 im Lyoner Arbeitervorort Villeurbanne gegründete Theater und seit 1972 als einer der Leiter des Théâtre National Populaire große Verdienste um die Volkstheaterbewegung in Frankreich.

Planck, Max Karl Ernst Ludwig, 23.4.1858-4.10.1947, Physiker; war seit 1885 Professor in Kiel, seit 1889 in Berlin; seit 1912 ständiger Sekretär der Preußischen Akademie der Wissenschaften, 1930/37 Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. Nach Arbeiten vorwiegend zur Thermodynamik, die er in der Nachfolge L. E. Boltzmanns weiter ausbaute, untersuchte Planck seit 1895 die Wärmestrahlung und entwickelte die theoretischen Grundlagen des Strahlungsgesetzes von W. Wien. 1900 legte er das nach ihm benannte Strahlungsgesetz vor und postulierte dabei die Existenz eines elementaren Wirkungsquantums (Planck-Konstante). Damit begründete Planck die Quantentheorie und revolutionierte die klassische Physik. Die grundlegende Bedeutung der Arbeiten A Einsteins zur Relativitätstheorie erkannte er als einer der ersten. Planck beschäftigte sich auch mit philosophischen Fragen der Physik, er war Gegner des Positivismus und vertrat besonders das Kausalitätsprinzip.

Planck-Konstante, (nach M. Planck) Plancksches Wirkungsquantum, Zeichen h: fundamentale physikalische Konstante von der Dimension einer Wirkung, das heißt Energie mal Zeit; gibt die kleinste, bei Wechselwirkungen übertragbare Wirkung an. Siehe auch Quantentheorie.

Plandiskussion: demokratische Erörterung der staatlichen Planaufgaben in Betrieben, Kombinaten und Institutionen der Volkswirtschaft mit dem Ziel, Wege zur Lösung dieser Aufgaben zu bestimmen und Reserven zur Erhöhung der Leistung und der Effektivität zu erschließen. Die Vorschläge und Verpflichtungen der Werktätigen zur Steigerung der Produktion, zur Senkung der Selbstkosten, zur besseren Nutzung der Fonds unter anderem, die zur Lösung der staatlichen Planaufgaben führen, werden in den Planentwurf des jeweiligen Bereichs einbezogen.

Plandokument, Staatsplandokument: von der Volkskammer und vom Ministerrat beschlossener Fünfjahrplan beziehungsweise Jahresvolkswirtschaftsplan. Aus dem Plandokument werden die staatlichen Planauflagen für die Staats- und Wirtschaftsorgane, Kombinate, Betriebe und Einrichtungen abgeleitet. Das Plandokument bildet die Grundlage für die Planabrechnung und Rechenschaftslegung nach Ablauf der jeweiligen Planperiode.

Planentwurf: auf der Grundlage der staatlichen Aufgaben und im Ergebnis der Plandiskussionen erarbeiteter, durch Kennziffern und Normen sowie wechselseitige Plan- und Bilanzabstimmungen begründeter komplexer Entwurf der Betriebe, Kombinate und Einrichtungen sowie der wirtschaftsleitenden Organe und Staatsorgane zum Fünfjahrplan beziehungsweise Jahresvolkswirtschaftsplan. Der mit den Gewerkschaftsleitungen zu beratende Planentwurf ist vor dem übergeordneten Leitungsorgan zu verteidigen. S. a, Planverteidigung.

Planet, Wandelstern-, kugelförmiger, nicht selbstleuchtender Himmelskörper, der die Sonne umläuft. Insgesamt sind 9 Planet bekannt: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Die Planet Merkur bis Saturn können mit dem bloßen Auge beobachtet werden und waren daher bereits im Altertum bekannt. Die Planeten bewegen sich gemäß den Keplerschen Gesetzen in einheitlichem Umlaufsinn auf nahezu kreisförmigen Ellipsenbahnen, die nur wenig gegeneinander geneigt sind. Daher halten sie sich in einem schmalen Gürtel am Himmel, dem Tierkreis, auf. Da Merkur und Venus innerhalb der Erdbahn kreisen (innere Planet), können sie am Himmel einen bestimmten Maximalabstand von der Sonne nicht überschreiten und sind daher nur am Morgen- oder Abendhimmel sichtbar. Die außerhalb der Erdbahn kreisenden Planeten (äußere Planet) bewegen sich während der Opposition rückläufig, da die Erde den Planet «überholt». Nach ihrer chemischen Natur fasst man Merkur, Venus, Erde und Mars zur Gruppe des erdartigen Planeten zusammen. Sie besitzen einen Kern aus einer Eisenlegierung, einen dicken Mantel aus schwerem und eine dünne Kruste aus leichtem Silikatgestein. Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun bilden die Gruppe der jupiterartigen Planet, die aus relativ kleinen Gesteinskernen und ausgedehnten flüssigen Hüllen aus Wasserstoff, Helium und Wasserstoffverbindungen bestehen. Bei dem hohen Druck im Innern von Jupiter und Saturn geht der Wasserstoff in eine metallische Modifikation über. Konvektionsströmungen des metallischen Wasserstoffs erhalten durch einen Dynamomechanismus die starken Magnetfelder dieser beiden Planeten aufrecht. Bei der Erde bewirkt das flüssige Eisen im äußeren Kern den analogen Effekt. Im Gegensatz zu dem erdartigen Planeten strahlen die jupiterartigen mehr Energie ab, als sie von der Sonne empfangen. Während die erdartigen Planet relativ dünne Atmosphären, hauptsächlich aus Kohlendioxid und Stickstoff bestehend, besitzen, weisen die jupiterartigen ausgedehnte, dichte, mit mehreren Wolkendecken durchsetzte, hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium bestehende Atmosphären mit starker dynamischen Aktivität auf. Die jupiterartigen Planeten rotieren trotz ihrer größeren Durchmesser und Massen wesentlich schneller als die erdartigen. Mit Ausnahme des Neptuns besitzen sie Ringsysteme und ausgedehnte, analog dem Planetensystem strukturierte Mondsysteme. Eine genaue chemische Einordnung des äußersten Planet Pluto ist noch nicht möglich. Nach den heutigen Vorstellungen entstanden die Planeten gemeinsam mit der Sonne aus gas- und staubförmiger Materie, die die entstehende Sonne in Gestalt eines flachen rotierenden Nebels, des Sonnennebels, umgab. Sehr wahrscheinlich haben neben der Sonne auch andere planetarischer Nebel (nach dem Aussehen): kleiner, meist rundlicher oder ringförmiger Gasnebel; die abgestoßene Hülle eines Riesensterns, dessen heißer Kern als Zentralkern das Leuchten anregt.

Planetarium: Gerät beziehungsweise Einrichtung zur Darstellung von Lage, Größe und Bewegung der Gestirne. Im mechanischen Planetarium werden die Vorgänge im Planetensystem (Umlauf des Mondes um die Erde, Entstehung der Mondphasen, Umlauf der Planeten um die Sonne) durch mechanische Hilfsmittel dargestellt. Das Projektionsplanetarium gestattet mit einem komplizierten System von Projektoren die Vorgänge am Himmel durch Zeitraffung zusammengedrängt auf einer halbkugelförmigen Projektionsfläche anschaulich darzustellen. Es können praktisch alle mit bloßem Auge sichtbaren Sterne und auch astronomische Koordinatensysteme, Meteorschauer und andere Himmelserscheinungen projiziert werden.

Planetensonde: unbemannter Raumflugkörper, der in die Nähe oder auf die Oberfläche eines Planeten gelangt und Messergebnisse und Foto- beziehungsweise Fernsehaufnahmen auf dem Funkweg zur Erde übermittelt.

Planetensystem: die Gesamtheit der Planeten und Planetoiden; auch gleichbedeutend mit Sonnensystem gebraucht.

Planetentafel: Tafelwerk, dem die Stellung der Planeten am Himmel entnommen werden kann. Berühmte Planetentafel waren die auf Veranlassung König Alfons X. von Kastilien hergestellten Alfonsin. Tafeln. Die von J. Kepler herausgegebenen, Kaiser Rudolf II. gewidmeten Rudolfin. Tafeln waren die ersten genauen, auf der Grundlage des heliozentrischen Weltbildes berechneten Planetentafeln. In neuerer Zeit enthalten die astronomischen Jahrbücher Planetentafel.

Planetoid, Asteroid, kleiner Planet: kleiner Himmelskörper, der die Sonne umläuft und im reflektierten Sonnenlicht leuchtet. Bisher sind die Bahnen von 2125 Planetoid sicher bekannt; ihre Gesamtzahl dürfte jedoch 100000 überschreiten. Die meisten bekannten Planetoiden bewegen sich zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter, im Planetoidengürtel; einzelne Planetoid wurden aber auch in der Nähe der Erdbahn und jenseits der Saturnbahn gefunden. Die größten Planetoid sind planetenartige Himmelskörper mit Durchmessern bis etwa 1000 km, die kleinsten kantige Bruchstücke von weniger als 1 km Durchmesser. Der erste Planetoid, die Ceres, wurde 1801 von dem italienischen Astronomen und Mathematiker Giuseppe Piazzi (1746-1826) entdeckt.

Planetologie: zusammenfassende Bezeichnung für die Planetenwissenschaften, die sich im Ergebnis der direkten Erkundung der Planeten durch die Mittel der Raumfahrt bildeten.

Planfortschreibung: Form der Einbeziehung von notwendigen Planänderungen in den Plan, die sich während der Plandurchführung infolge veränderter Bedingungen der Vorbereitung, Durchführung und Realisierung der Produktion ergeben; findet vor allem auf betrieblicher Ebene Anwendung.

Planica: Hochtal mit bedeutendstem Wintersportzentrum Jugoslawiens, in Slowenien, in den Julischen Alpen, 964 m über dem Meeresspiegel; Sprungschanzen.

planieren: (lateinisch) glätten, einebnen.

Planimeter: spezielles mathematisches Gerät zur experimentellen Flächeninhaltsbestimmung. Bei den mechanischen Planimeter, zum Beispiel beim Polarplanimeter, wird die von einer einfachen geschlossenen Kurve berandete Fläche mit einem Fahrstift umfahren, während eine Integrierrolle den Inhalt anzeigt. Bei fotoelektrischem Planimeter ersetzt ein Lichtstrahl den Fahrstift.

Planimetrie: Geometrie der Ebene, Teil der euklidischen Geometrie; behandelt die Eigenschaften der in einer Ebene liegenden Figuren.

Plankoordinierung: Methode zur Abstimmung der Planziele innerhalb und zwischen den volkswirtschaftlichen Teilbereichen und der gesamten Volkswirtschaft. Ziel der Plankoordinierung ist die Ausarbeitung eines bilanzierten Volkswirtschaftsplanes zur Sicherung einer hohen Effektivität und der Proportionalität der volkswirtschaftlichen Entwicklung. Zugleich ist die Plankoordinierung (Koordinierung der Volkswirtschaftspläne) Hauptmethode zur Organisierung der Zusammenarbeit der Mitgliedsländer des RGW und zur Vertiefung der sozialistischen ökonomischen Integration und hilft, die Potenzen der Mitgliedsländer des RGW so aufeinander abzustimmen, dass sie mit maximalem Effekt für die einzelnen Länder wie für die Sozialist Staatengemeinschaft insgesamt im jeweils folgenden Planzeitraum eingesetzt werden können. Die Plankoordinierung im Rahmen des RGW wird hauptsächlich als Koordinierung der Fünfjahrpläne durchgeführt, da diese Pläne das Hauptinstrument zur Leitung der einzelnen Volkswirtschaften sind.

Plankosten: im Plan vorgegebener Geldausdruck für den laufenden Aufwand an vergegenständlichter und lebendiger Arbeit auf der Grundlage von Kostennormativen und -limiten.

Plankton: Gesamtheit der im freien Wasser (Pelagial) schwebenden tierischer (Zooplankton) und pflanzlichen (Phytoplankton) Kleinorganismen, die keine oder eine im Verhältnis zur Wasserströmung geringe Eigenbewegung besitzen. Das Plankton ist der belebte Teil des Sestons. Unbewegt Planktonorganismen besitzen besondere Schwebeeinrichtungen, die das Absinken verzögern.

Planmethodik: Gesamtheit der Festlegungen zur Ausarbeitung der Pläne für die Entwicklung der Volkswirtschaft und ihrer Teilbereiche. In der Planmethodik werden insbesondere die Planteile, die Plankennziffern, die Bilanzen unter anderem festgelegt. Als verbindliche Rechtsvorschrift zur Planmethodik wird vom Vorsitzenden der Staatlichen Plankommission und dem Minister der Finanzen die Ordnung der Planung der Volkswirtschaft der DDR (Planungsordnung) herausgegeben.

planparallele Platte: optisches Bauelement aus einem homogenen transparenten Stoff (im Allgemeinen Glas) mit 2 parallelen polierten Flächen. Eine planparallele Platte, die beiderseits an den gleichen Stoff grenzt, versetzt einen schräg auftreffenden Lichtstrahl parallel.

Planschelbe: Werkstückspanner für die Aufnahme großer, vorwiegend rotationssymmetrische Werkstücke zur Drehbearbeitung auf einer Plan- (senkrechte Planschelbe) beziehungsweise Karusselldrehmaschine (waagerechte Planschelbe).

Planspiegel: ebene Fläche mit großem Reflexionsgrad durch Belegen mit Metall oder dünnen Interferenzschichten; dient zur Ablenkung von Strahlenbündeln, wobei ein seitenverkehrtes Bild entsteht. Eine gerade Anzahl von Planspiegel, die senkrecht auf einer Ebene stehen, lenkt das Licht auch bei Verdrehungen des in sich starren Spiegelsystems um denselben Winkel ab (zum Beispiel beim 45°-Winkelspiegel um 90"). Tripelspiegel (zum Beispiel die Elemente von Rückstrahlern) bestehen aus 3 Planspiegeln, die die Ecke eines Würfels bilden. Sie reflektieren Strahlen, die alle 3 Planspiegel treffen, in die Ausgangsrichtung. Planspiegelplatten sind planparallele Platten mit rückseitiger Verspiegelung (Haushaltspiegel).

Plansprachen: wissenschaftlicher Terminus für Welthilfssprachen.

Plantage: Anlage zur Erzeugung von Obst, Gemüse und anderen Produkten mehljähriger

Kulturpflanzen, zum Beispiel Erdbeeren, Spargel, in tropischen Ländern von Kakao, Kaffee, Zuckerrohr, Bananen.

Plantagenet, Anjou-Plantagenet: englische Königsdynastie 1154/1399 (Angevin). Der Name Plantagenet leitete sich von der Helmzier (die Ginsterpflanze, lateinisch planta genista) des französischen Herzogs Geoffroy V. von Anjou (1113-1151) ab, der die Tochter Heinrichs I. von England heiratete und dessen Sohn Heinrich (Heinrich 11) den englischen Thron gewann. Die Dynastie spaltete sich im 15. Jahrhundert in die feindlichen Linien Lancaster und York (Rosenkriege).

Plantagenwirtschaft: landwirtschaftliche Großbetrieb (Pflanzung), hauptsächlich in tropischen Gebieten, der durch den vorwiegenden Anbau mehrjähriger Pflanzen in Monokultur (Kaffee, Tee unter anderem) gekennzeichnet ist ln den Kolonien entstanden Plantagenwirtschaft mit dem Raub von Grund und Boden; sie wurden von den Kolonialherren zunächst mit Sklaven, bis in die Gegenwart mit brutal ausgebeuteten Lohnarbeitern betrieben.

Planula: längliche, oft mittels dichter Bewimperung umherschwimmende Larvenform der Nesseltiere.

Planum: eingeebnete Geländeoberfläche, auf die der Unterbau einer Straße (Packlage) oder die Bettung für Gleisanlagen aufgebracht wird, beziehungsweise die als Bauebene eines Objektes dient.

Planung, operative: Planung der Betriebe und Kombinate für Zeiträume von weniger als einem Jahr, zum Beispiel Erarbeitung von Quartals-, Monats-, Wochen-, Tagesplänen. Die Planung dient der Sicherung einer kontinuierlichen Erfüllung der Jahrespläne und der Koordinierung der Tätigkeit aller Bereiche.

Planung der Volkswirtschaft, Volkswirtschaftsplanung: Funktion des sozialistischen Staates, die auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln beruht und der Ausnutzung aller ökonomischen Gesetze des Sozialismus dient. Die Planung der Volkswirtschaft sichert die proportionale und effektive Entwicklung der Volkswirtschaft durch wissenschaftlich begründete Ausarbeitung, Beschlussfassung, Durchführung und Kontrolle der Volkswirtschaftspläne (Fünfjahrpläne und Jahresvolkswirtschaftspläne). Mit Hilfe der Planung der Volkswirtschaft wird die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik auf dem Weg der umfassenden Intensivierung verwirklicht, wobei die Vorzüge des Sozialismus mit den Errungenschaften der wissenschaftlich-technischen Revolution verbunden werden. Die Planung der Volkswirtschaft ist zentrale staatliche Planung auf der Grundlage verbindlicher staatlicher Plankennziffern. Der Planung der Volkswirtschaft dient das sozialistischen Planungssystem, das die Planung auf allen Ebenen und in allen Organen der Leitung der Volkswirtschaft sowie die Zusammenarbeit zwischen diesen im Prozess der Ausarbeitung der Pläne (Plankoordinierung) auf der Grundlage der Planmethodik umfasst. Im Prozess der Ausarbeitung der Pläne (Jahresvolkswirtschaftsplan, Fünfjahrplan) wird in jedem Verantwortungsbereich auf der Grundlage der staatlichen Aufgaben der Planentwurf erarbeitet und vor dem jeweils übergeordneten Organ verteidigt (Planverteidigung). Der Planentwurf der gesamten Volkswirtschaft erhält nach der Beschlussfassung durch die Volkskammer Gesetzeskraft; aus ihm werden die verbindlichen staatlichen Auflagen (staatliche Plankennziffern) für die einzelnen Verantwortungsbereiche abgeleitet. Zu den Planungsprinzipien, die in allen Ländern des RGW bei der Planung der Volkswirtschaft angewandt werden, gehören vor allem die Einheit von Politik und Ökonomie; die Verwirklichung des demokratischen Zentralismus bei der Ausarbeitung, Durchführung und Kontrolle (Plankontrolle) der Pläne; die Einheit von lang-, mittel- und kurzfristiger Planung; die Einheit von materieller und finanzieller Planung; die Einheit von Zweig- und Territorialplanung unter anderem. Die Planung der Volkswirtschaft stützt sich auf Wirtschaftsprognosen, Analysen und die konzeptionelle Planvorbereitung.

Dabei werden wissenschaftliche Methoden und Instrumente, zum Beispiel Bilanzen, angewendet. Im Planungssystem bilden die Vorbereitung, Ausarbeitung, Durchführung und Kontrolle der Erfüllung der Pläne eine untrennbare Einheit, die mit der Initiative der Werktätigen verbunden ist. Die Planung der Volkswirtschaft als Herzstück der Leitung der sozialistischen Volkswirtschaft dient der Durchsetzung des Gesamtwillens der sozialistischen Gesellschaft und der Stärkung der politischen Macht der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten.

Planungszusammenarbeit: Hauptmethode zur Organisation der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen technischen Zusammenarbeit sowie der sozialistischen ökonomischen Integration im RGW. Sie wird vor allem durch die Koordinierung der Pläne der Mitgliedsländer und in bestimmten Bereichen gemeinsamen Interesses durch gemeinsame Planung charakterisiert. Die Planungszusammenarbeit wird durch die zentralen Planungsorgane unter Hinzuziehung der Ministerien und Kombinate geleistet. Sie dient in erster Linie der internationalen sozialistische Arbeitsteilung in wissenschaftlich-technische Entwicklung, der Produktion sowie der Abstimmung der gegenseitigen Warenlieferungen und Leistungen. Die Planungszusammenarbeit ist inhaltlich und zeitlich gekoppelt mit den Planungsarbeiten innerhalb der einzelnen Mitgliedsländer des RGW. Rechtsformen der Planungszusammenarbeit im RGW sind internationale Planvereinbarungen, Protokolle über die Ergebnisse der Fünfjahrplankoordinierungen, Programme der Spezialisierung und Kooperation, langfristige Zielprogramme und abgestimmte Pläne der mehrseitigen Integrationsmaßnahmen.

Planverteidigung: Begründung und Verteidigung des Planentwurfs der Kombinate und Betriebe vor den Leitern der jeweils übergeordneten Organe beziehungsweise der Minister und anderer Leiter zentraler Staatsorgane vor Arbeitsgruppen des Ministerrates oder im Auftrag des Ministerrates vor der Staatlichen Plankommission. Ziel ist, die in den staatlichen Aufgaben ausgedrückten volkswirtschaftliche Erfordernisse mit den konzeptionellen Vorstellungen der Betriebe, Kombinate und wirtschaftsleitenden Organe in Übereinstimmung zu bringen, die Realität der Planung und eine anspruchsvolle Zielstellung des künftigen Planes sowie volkswirtschaftlich effektivste Lösungen zu ermitteln.

Plan Wissenschaft und Technik: Bestandteil der Fünfjahr- und Jahrespläne der Volkswirtschaft als Ganzes (dann als Staatsplan Wissenschaft und Technik bezeichnet) sowie für alle ihre Teilbereiche. Im Plan Wissenschaft und Technik werden die Aufgaben zur Durchsetzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und seiner ökonomischen Wirksamkeit sowie zur Entwicklung des wissenschaftlich-technischen Potentials festgelegt. Der Plan Wissenschaft und Technik nimmt auf Grund der Bedeutung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts als entscheidender Faktor der umfassenden Intensivierung eine zentrale Stellung in den Fünfjahr- und Jahresplänen ein.

Plaque:

1. Mikrobiologie: Löcher im Bakterien- oder Zellrasen, entstanden durch Abtötung der Wirtszellen durch Bakteriophagen oder Viren. Die Plaquemorphologie ist für bestimmte Viren oder Bakteriophagen beziehungsweise deren Mutanten charakteristisch.

2. Stomatologie: Zahnbelag.

Plasencia: Stadt in der spanischen Provinz Caceres (Region Estremadura); Stadtmauer (um 1198) mit 6 Toren und 68 Türmen; Alte Kathedrale (12. Jahrhundert; unvollendet), daran angebaut seit 1498 die ebenfalls unvollendete Renaissancekathedrale (platereske Nordfassade, Hauptaltar von G. Fernández; 1629); gotische Kirchen S. Nicolás und S. Vicente.

Pläsier: (französisch) Vergnügen, Spaß, Unterhaltung.

Plasma:

1. Plasma - Mineralogie: Mineral; Quarz.

2. Plasma - Physik: Zustand der Materie, in dem die Atome oder Moleküle zumindest teilweise in positive Ionen und freie Elektronen aufgespalten sind, wird oft als 4. Aggregatzustand bezeichnet. Zur Erzeugung von Plasma muss Energie zugeführt werden, zum Beispiel durch Erhitzen eines Gases auf mindestens einige 1000 K, was unter anderem auch durch einen elektrischen Strom bewirkt werden kann (siehe auch Zündung). Plasma ist ein elektrischer Leiter. Im Plasma finden vielfältige Stoßprozesse zwischen den Teilchen statt (unter anderem Ionisation, Rekombination, Anregung), wobei Plasmastrahlung ausgesandt wird. Charakteristisch für bestimmte Plasmen sind die durch weitreichende elektrische Kräfte verursachten kollektiven Effekte, an denen viele Teilchen gemeinsam teilnehmen (Schwingungen, Plasmawellen, Instabilitäten). Plasma tritt unter anderem in Flammen, in elektrischen Gasentladungen, in der Ionosphäre und in der Sonne auf; ein großer Teil der Materie des Kosmos befindet sich im Plasmazustand. Siehe auch magnetohydrodynamischer Generator, Kernfusion.

3. Plasma - Physiologie: soviel wie Blutplasma.

4. Plasma - Zellbiologie: soviel wie Protoplasma.

Plasmachemie: Teilgebiet der physikalischen Chemie, das sich mit den chemischen Vorgängen in hochionisierten Gasen (Plasmen) befasst, wie sie zum Beispiel in elektrischen Lichtbögen und Glimmentladungen, aber auch in außerirdischen Räumen vorliegen. In einem Plasma werden durch Elektronenstöße unter Abspaltung von Elektronen Ionen gebildet; Atome und kleinere Atomverbände werden aus größeren abgespalten; hierdurch sowie durch Kombination von Spaltstücken ergeben sich mannigfache Möglichkeiten chemischer Reaktionen. Typisch für die angewandte Plasmachemie sind die Begünstigung stark endothermer Reaktionen, die sehr kurze Verweilzeit im Reaktionsraum und die Notwendigkeit des Abschreckens nach Austritt aus dem Reaktionsraum. Ein wichtiger technischer plasmachemischer Prozess ist die Lichtbogenpyrolyse von Methan zur Herstellung von Äthin.

Plasmaexpander: Blutplasmaersatz- oder Blutvolumenersatzmittel, das hochmolekulare Bestandteile, zum Beispiel Polysacharide (Dextran), Eiweißkörper (Gelatine) oder Polyvinylpyrrolidone, enthält. Plasmaexpander werden bei größeren Blutverlusten angewendet.

Plasmaproteine: Gesamtheit der im Blutplasma vorhandenen Eiweiße (Albumine und Globuline), die vielfältige Funktionen zum Beispiel bei der Gerinnung, der Immunabwehr und dem Transport von Substanzen im Blut erfüllen.

Plasmastrahlung: von Plasmen ausgesandte elektromagnetische Strahlung (vom Infrarot bis ins Röntgengebiet). Rekombinations- und Bremsstrahlung liefern ein kontinuierliches Spektrum, Übergänge zwischen den diskreten Energieniveaus der Atome und Ionen ein Linienspektrum; wird in Gasentladungs-Lichtquellen ausgenutzt.

plasmatische Vererbung, extrachromosomale Vererbung: Vererbungsvorgänge, die durch zytoplasmatische (außerhalb des Kerns lokalisierte) Erbanlagen bedingt werden.

Plasmatriebwerk: zum Antrieb von Raketen angewendetes elektrodynamisches Triebwerk (kein Raketentriebwerk im engeren Sinne); der Antriebsstrahl wird dadurch erzeugt, dass ein aufgeheiztes Gas (Plasma) durch elektrische und magnetische Kräfte beschleunigt wird.

Plasmawellen: periodische Bewegungen von Teilchen und Feldern in Plasmen mit einer Vielfalt von Typen und Eigenschaften, zum Beispiel Raumladungs-, ionenakustische, magnetohydrodynamische und elektromagnetische Wellen. Plasmawellen zeigen meist Dispersion und abklingende oder anwachsende Amplituden (Instabilität); auch nichtperiodische Störungen können im Plasma auftreten.

Plasmazellen: Zellen, die vorwiegend im Knochenmark Vorkommen und ein tiefblaues Zellplasma mit exzentrisch gelegenem Kern aufweisen. Plasmazellen entwickeln sich aus lymphatischen Zellen und synthetisieren Antikörper. Sie sind zum Teil auch in der Nähe von Entzündungsherden anzutreffen.

Plasmid: Genetik DNS-Struktur, die zusätzlich zum Kernäquivalent der Bakterien beziehungsweise zu den Chromosomen im Kern der Eukaryoten vorliegen kann. Plasmid können autonom existieren und sich replizieren (Replikation), sie tragen Zusatzinformationen, die für den Wirtsorganismus unter Normalbedingungen nicht lebensnotwendig sind, ihm aber unter bestimmten Bedingungen einen selektiven Vorteil verschaffen können (zum Beispiel Resistenz, Fähigkeit zur Verwertung ungewöhnlicher Substrate). Einige (konjugierende Plasmid) können den eigenen Transfer und den anderer genetischer Strukturen bewirken (Konjugation). Medizinisch von Bedeutung sind Resistenzplasmid, die Resistenz der Wirtszelle gegenüber Antibiotika oder anderen Pharmaka bewirken.

Plasmin, Fibrinolysin: Enzym des Blutplasmas, das aus einer im Blut vorhandenen inaktiven Vorstufe (Plasminogen) gebildet wird und Fibrin abbaut. Plasmin ist für den Abbau von Fibringerinnseln in der Bluthahn sowie Fibrinausfällungen in den Geweben nach Entzündungen von Bedeutung.

Plasmodesmen, Interzellularbrücken: sehr feine Zytoplasma Fäden, die durch die Zellwand pflanzlicher Zellen hindurchgehen und somit das Zytoplasma benachbarter Zellen verbinden. Plasmodesmen können über die ganze Zellwand verteilt sein oder gebündelt durch die Tüpfel verlaufen.

Plasmodium: 1. vegetativer Zustand der 1 Schleimpilze; vielkernige, nackte Protoplasmamasse, die langsame amöboide Kriechbewegungen ausführen kann. Ein Plasmodium kann viele Millionen Kerne enthalten.

2. Haemosporidia.

Plasmogamie: Verschmelzung des Zellplasmas einer weiblichen und einer männlichen Geschlechtszelle. Die Plasmogamie geht der Karyogamie voraus.

Plasmon:

1. Genetik: Gesamtheit der Gene von Eukaryoten, die nicht auf den Chromosomen lokalisiert sind. Derartige Erbträger sind zum Beispiel in den Plastiden (Plastom) und den Mitochondrien (Chondriom) lokalisiert.

2. Physik: ein Quasiteilchen; Energiequant der Raumladungs-Plasmawellen in Metallen und Plasmen.

Plasmotyp: Gesamtheit der nicht chromosomengebundenen genetische Information einer Zelle oder eines Organismus.

Plasmozytom, Myelom, plasmolytisches malignes Non-Hodgkin-Lymphom, Kahlersche Krankheit (nach einem tschechischen Internisten): bösartige Wucherung von Plasmazellen im Knochenmark mit Bildung abartiger Eiweißkörper, diffusen oder herdförmigen Knochenzerstörungen, Blutarmut und Nierenschädigung.

Plastbeton: Spezialmörtel hoher Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Rohdichte (2,3 t/m3) aus Sand, Kies oder Schlacke und einem Harz als Bindemittel zur Herstellung von Rohren, Fußböden unter anderem sowie zur Reparatur von Betonteilen. Plastikzuschlagbeton besteht aus Zementmörtel mit Schaumpolystyrol als Zuschlagstoff.

Plastikbindung, Plastbindung: Buchbinderei

a) Broschüren Bindetechnik, bei der lose Blätter mittels Plastikkamms, -spirale o. ä. verbunden werden, um ein planliegendes Aufschlagen der Broschur zu ermöglichen; siehe auch Planbindung;

b) so viel wie Plastikeinband.

Plaste: vollsynthetisch oder durch Umwandlung von Naturprodukten hergestellte makromolekulare organisch-ehem. Werkstoffe; auch noch Kunststoffe, zum Teil auch Kunstharze genannt. Die vollsynthetische Plaste werden durch Polyreaktionen aus niedermolekularen Substanzen, den Monomeren (zum Beispiel Athen, Vinylchlorid, Formaldehyd, Phenole, Melamin), hergestellt, die aus Erdöl, Erdgas oder Kohle leicht zugänglich sind; eine Naturstoffumwandlung ist zum Beispiel die Veresterung von Zellulose. Nach ihrem Verhalten beim Erwärmen teilt man die Plaste in Thermo- und Duroplaste ein. Thermoplaste sind wegen ihres linearen Molekülbaues reversibel thermisch verformbar, während sich Duroplaste infolge stark ausgeprägter räumlicher Vernetzung beim Erhitzen chemisch zersetzen, ohne vorher zu schmelzen. Plaste haben eine niedrige Dichte (0,8 bis 1,5 g/cm3). Die leichte Formgebung bei verhältnismäßig niedrigen Temperaturen unter Wegfall von Nachbearbeitungen ermöglicht eine wirtschaftliche Massenfertigung. Durch Kombination der Plaste untereinander oder mit Füllstoffen, Weichmachern, Stabilisatoren unter anderem lassen sich die Eigenschaften weitgehend variieren; manche Plaste lassen sich verschäumen. Plaste haben gute mechanische Eigenschaften, sie sind wasser- und korrosionsfest, elektro- und wärmeisolierend, schwer entflammbar, leicht färbbar und größtenteils gesundheitlich unbedenklich. Nachteilig ist ihre im Allgemeinen geringe Wärmebeständigkeit. Der Name «Plaste» wurde gewählt, weil diese Werkstoffe bei der Verformung zum Fertigprodukt einen plastischen Zustand durchlaufen; siehe auch Duroplaste, Thermoplaste.

Plastiden: zur Pigmentbildung befähigte Organellen pflanzliche Zellen vor allem autotroph lebender Pflanzen. Zu den Plastiden gehören die Chloroplasten, bei grünen Pflanzen durch den Besitz von Chlorophyll Orte der Fotosynthese; die Chromoplasten, durch ihren Gehalt an Karotin und Xanthophyll gelb bis rot (Färbung von Blüten, Früchten unter anderem), nicht der Fotosynthese dienend; die Leukoplasten, farblose Organellen, die zum Teil bei Belichtung in farbstoffführende Plastiden übergehen können, kommen vor allem in Epidermiszellen und (unterirdische) Speicherorganen vor.

Plastik:

1. Plastik, Bildhauerkunst, Skulptur, Bildnerei: die Kunst körperhaften (dreidimensionalen) Gestaltens in Stein, Holz, Bronze, Ton und anderen Werkstoffen. Bei voller Körperlichkeit wird von Voll- oder Rundplastik gesprochen; dagegen ist das Relief an eine Fläche gebunden. Verschiedene Zeiten bevorzugten eine farbige Behandlung der Plastik (Antike, Mittelalter). Unmittelbar aus dem Material herausgearbeitet wird in der Regel Holz-, Stein- und Elfenbeinplastik. Eine Möglichkeit des Gestaltens in Stein ist das Arbeiten nach einem originalgroßen Modell, das in Ton angefertigt wird. Von diesem erfolgt ein Abguss in Gips. Die Maße werden mit der Kopiermaschine auf den Stein übertragen. Bei Metall erfolgt der Guss mittels Sand- oder Wachsform nach Gipsmodell. Geschichtliches. Plast. Gestalten ist fast allen Völkern seit Jahrtausenden geläufig. Es finden sich klein Plastik Figuren bereits in der Jungsteinzeit. Monumentalität erreichte zuerst die Plastik in Ägypten und im Vorderen Orient im 3. Jahrtausend vor Christus Diese blockhafte Monumentalität wurde in der griechischen Antike überwunden, deren klassischer Realismus für die römische Kunst, die Renaissance und den Klassizismus zum direkten Vorbild wurde. Nachdem die freie Statuarik im frühen Mittelalter wieder architektonischer Gebundenheit wich, entstanden in der Spätgotik Werke von großartiger Wirklichkeitsnähe. Außerordentliche Bedeutung hat die Plastik auch in Ostasien und im indischen Kulturbereich. Neue Themen der Plastik in der Renaissance sind die Gestalt des Menschen, sein Bildnis, das Reiterdenkmal. Der Barock erstrebte Dramatik und Übersteigerung, was der Klassizismus ablehnte. Der Eklektizismus des 19. Jahrhundert wurde erst Ende des Jahrhunderts durch die impressionistische Lebendigkeit der Plastik von A. Rodin, andererseits durch die denkmalhaften Arbeitergestalten C. Meuniers überwunden. Beide begründeten jeweils eine Richtung der neueren Plastik. Einen hervorragenden Platz nimmt die Plastik innerhalb der sozialistischen Kunst ein. Sie dient nicht nur der allgemeinen ästhetischen Verwirklichung des sozialistischen Menschenbildes, sondern erhält auch bei der Gestaltung von Mahn- und Gedenkstätten sowie neuer Stadtanlagen bedeutsame Aufgaben.

2. Medizin: plastische Operation zur Korrektur zum Beispiel von Fehl- und Missbildungen, Gesichtsentstellungen und funktionsbehindernden Narbenzügen.

Plastilina: Knetmasse zum Modellieren; enthält Wachse, Kalziumkarbonat und Farbstoffe.

plastisch: körperhaft, räumlich wirkend (nicht flächenhaft); anschaulich; formbar,

plastische Rohstoffe: bei Wasseraufnahme verformbare tonige und tonig-schluffige Gesteine, wie Ton und Kaolin, die zur Herstellung keramischer Produkte (zum Beispiel Töpferware, Schamottesteine, Steingut) verwendet werden.

plastischer Sprengstoff, früher Plastikbombe: knetbarer, von Hand formbarer Sprengstoff, der in Hohlräume gedrückt, an ein Objekt geklebt oder als Wurfgeschoß benutzt werden kann. Die ursprünglich aus 88 % Hexogen und 12 % Vaseline bestehenden plastische Sprengstoffe wurden durch Zufügung von anderen Sprengstoffen sowie von Aluminiumpulver, hochviskosen Ölen und thermoplastischen Kunststoffen weiterentwickelt. Die plastischen Sprengstoffe gehören zur Ausrüstung der Pioniertruppen und anderer militärischer Einheiten.

Plastizieren: Überfuhren von Plasten oder Elasten durch Einwirkung von Wärme sowie gleichzeitig von Scherkräften in den plastischen, einer Schmelze vergleichbaren Zustand, der ein Warmformen (zum Beispiel durch Extrudieren) erlaubt.

Plastizität: Eigenschaft von Festkörpern, sich unter der Einwirkung äußerer Kräfte bleibend zu verformen, bevor Bruch eintritt. Die Plastizität der Kristalle wird durch die Erzeugung und Bewegung von Versetzungen (Gleiten) hervorgerufen, wobei die Kristallstruktur nicht zerstört wird, sondern nur Gitterfehler entstehen oder wandern. Die Plastizität ermöglicht die mechanische Formgebung von Metallen.

Plastizitätsgrenze: Wassergehalt bindiger Lockergesteine beim Übergang vom plastischen zum halbfesten Zustand. An der Plastizitätsgrenze wird die mit der Hand auf saugfähiger Unterlage gerollte plastische Lockergesteinsprobe (3 mm Durchmesser) bröcklig; bei der früher bestimmten Ausrollgrenze war die Probe 4 mm dick.

Plastiklagenholz: Lagenholz, bei dem sich im gesamten Querschnitt ausgehärteter Plastikklebstoff befindet; die Einzellagen (Furniere) sind höchstens bis 10 % verdichtet.

Plastow, Arkadi Alexandrowitsch, 31.1.1893 bis 12.5.1972, Sowjet Maler und Graphiker, schuf vorwiegend Darstellungen zu Leben und Arbeit der Kolchosbauern (Gemäldezyklus «Menschen im Kolchos») sowie Illustrationen zur russischen Literatur.

Plastron: 1. ursprünglich stählerne Brustplatte am Harnisch des Ritters, später gestreifter oder verzierter Brusteinsatz an Hemden und Blusen.

2. Krawatte in besonderer Schnittform, die so gebunden wird, dass sich die Krawattenenden diagonal überkreuzen.

Plastikuhr: Gebrauchsuhr aus Material hoher Verschleißfestigkeit; Gehäuse und Werkteile bestehen hauptsächlich aus Plasten (zum Beispiel Meladur, Acryl unter anderem für Gehäuse; Delrin unter anderem für Uhrwerkteile).

Platää: altgriechische Stadt in Böotien; hier siegten 479 vor Christus während der Perserkriege die durch Pausanias und Aristides geführten Griechen über die Perser unter Mardonios und die Thebaner.

Platane, Platanus: zu den Platanengewächsen gehörender hoher Laubbaum mit großen gelappten Blättern, hängenden stachligen Fruchtkugeln und glatter, gelblich marmorierter Borke; Zier-, Allee- und Parkbaum.

Plateau: verhältnismäßig ebenes Hochland beziehungsweise zertaltes Tafelland in größerer Meereshöhe, das nicht immer abhängig vom Schichtenbau des Untergrundes entstanden ist, bei größeren Ausmaßen der Massenerhebung die Höhengrenzen leicht nach oben verschiebt und dessen Klima häufig etwas kontinentaler als das plateauloser Gebirge gleicher Höhe ist; zum Beispiel Hochland von Anatolien, spanisch Meseta, Colorado-Plateau.

Plateau: Bundesstaat im zentralen Teil Nigerias; 58030 km2, 3,3 Millionen Einwohner; 57 Einwohner/km2; Hauptstadt Jos.

Platen-Hallermünde, August Graf von, 24.10.1796-5.12.1835, Dichter; ging 1826 aus Widerwillen gegen die feudalabsolutistischen deutschen Zustände ins Exil nach Italien; seine Dichtungen bezeugen bürgerlich-demokratische Gesinnung und literarische Traditionsbezüge zu Antike, Orient, Klassik und Romantik; schrieb unter anderem formvollendete «Ghaselen» (1821), «Sonette aus Venedig» (1825), bildstarke Balladen («Das Grab am Busento»); dem polnischen Freiheitskampf widmete er seine «Polenlieder» (1830/31). In satirischen Verskomödien wendete sich Platen-Hallermünde unter anderem gegen den zeitgenössischen Theaterbetrieb und die romantische-triviale «Schicksalsdramatik» («Die verhängnisvolle Gabel», 1826).

Platereskenstil: (spanisch plateresco, «silberschmiedeartig») Dekorationsstil in Spanien und seinen überseeischen Besitzungen von Ende des 15. Jahrhundert bis Mitte des 16. Jahrhundert Sein Hauptmerkmal ist die Verwendung maurischer und gotischer Formen sowie solcher der italienischen Frührenaissance, die als feingliedriges Ornamentwerk die Fassaden der Bauten überziehen. Als frühestes Beispiel gilt das Portal des Colegio de Santa Cruz (1480/82) des Goldschmieds Platereskenstil Diez.

Platin, Symbol Pt: chemisches Element der Kernladungszahl 78; Edelmetall; Atommasse 195,08; Wertigkeiten +2, +4, seltener +6 unter anderem; F 1769 °C; Kp 3 827°C; Dichte 21,45 g/cm3; kommt in der Natur gediegen und im Gemisch mit anderen Platinmetallen vor. Platin ist silberglänzend, weich (durch Legierung mit Iridium härtbar), sehr gut formbar und chemisch sehr beständig. Es löst sich in Königswasser und wird bei höherer Temperatur unter anderem auch von Chlor, Fluor, geschmolzenem Aluminium, Kohlenstoff und Alkaliperoxiden angegriffen. In feinverteilter Form (Platinmohr, Platinschwamm, Platinasbest) absorbiert es bis zum 100fachen seines Volumens Wasserstoff. Man verwendet Platin für Laborgeräte, Katalysatoren, Elektroden, elektrische Kontakte, Schmuckwaren unter anderem Platin wurde im 16. Jahrhundert von spanischen Goldsuchern in Kolumbien entdeckt und «platina» (kleines Silber) genannt. Es wurde 1750 von britischen Naturforschern, insbesondere dem Mediziner William Brownrigg (1711-1800) und dem Physiker William Watson (1715-1787), als «eigentümliche Metall» und damit als chemisches Element erkannt.

Platine:

1. Fertigungstechnik: gewalztes Halbzeug, das zur Herstellung von Blechen, insbesondere Feinblechen, auf Blockwalzwerken oder speziellen Platinen Walzwerken weiter ausgewalzt wird. Kreisförmige Platinen bezeichnet man als Ronden.

2. Textiltechnik: Hilfswerkzeug zur Maschenbildung an Strick-, Wirk- und Nähwirkmaschinen.

3. Uhrentechnik: Werkplatte.

Platinieren: Aufbringen einer Platinschicht auf ein Grundmetall aus dekorativen Gründen, zur Erhöhung der Korrosionsbeständigkeit oder für spezielle elektrochemische Zwecke. Platinieren erfolgt durch Plattieren oder Elektrolysieren aus einem komplexen platinsalzhaltigen Elektrolyten.

Platinmetalle: die zur 8.Nebengruppe des Periodensystems gehörenden Edelmetalle Ruthenium, Rhodium, Palladium (leichte Platinmetalle) und Osmium, Iridium, Platin (schwere Platinmetalle).

Platinverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Platin. Die meisten Platinverbindungen sind stark komplex. Platin(VI)-fluorid, PtF6, bildet dunkelrote Kristalle; F 61,3 °C. Die feste, braune, hygroskopische Hexachloroplatin(IV)-säure, Platinchlorwasserstoffsäure entsteht beim Auflösen von Platin in Königswasser. Aus der Lösung lässt sich durch Salmiaksalz Ammoniumhexachloroplatinat(IV), sogenannt «Platinsalmiak», als zitronengelber, kristalliner Niederschlag fällen, der sich beim Glühen zu schwarzem, feinverteiltem Platin zersetzt. Bariumtetrazyanoplatinat ergibt auf Röntgenbildschirmen die grüne Fluoreszenz.

Platitude: Plattheit, Seichtheit; Gemeinplatz.

Platon, Plato (lateinisch), 427-347 vor Christus, griechischer Philosoph; Schüler des Sokrates, Gründer der Akademie zu Athen. Platon stellte die Begriffe und Ideen als das wahre Sein dar, als ewige Formen, Urbilder und Ursachen aller materiellen Dinge; er schuf damit das erste System des objektiven Idealismus. Da die Dinge der Erfahrungswelt das Allgemeine und Wesentliche nicht direkt repräsentieren, müssen die Ideen Erinnerungen der Seele an die vor ihrer irdischen Existenz geschauten Formen sein (Anamnesis). Platons Ideenlehre diente dazu, das vom Elitedenken seiner aristokratischen Klassenposition aus geprägte Modell der Sklaverei Gesellschaft (weise Herrscher, tapfere Krieger, gehorsame Bauern und Gewerbetreibende) durch ewige Normen zu festigen. Große Bedeutung für den Fortschritt des wissenschaftlichen Denkens erlangten Platons Überlegungen unter anderem zur Dialektik, zum Verhältnis von Sprache, Denken und Sein sowie zum Verhältnis von Einzelnem und Allgemeinem. Platon erkannte die politische Bedeutung der Erziehung im Sinne der herrschenden Klasse; er trat für gleiche Erziehung beider Geschlechter ein, maß der Wissenschaft eine große Rolle in der Erziehung bei und forschte nach Grundelementen der Psychologie. Seine meisterhaften Dialoge (zum Beispiel «Symposion» (Das Gastmahl), «Phaidon», «Politeia» (Der Staat), «Phaidros», alle deutsch) regten bis in die Neuzeit viele Denker an.

platonische Körper, regelmäßige konvexe Körper: Körper, die nur von den Flächen paarweise kongruenter regelmäßiger konvexer Polygone begrenzt werden und in deren Ecken jeweils gleich viele Seitenflächen Zusammentreffen. Es gibt nur 5 platonische Körper: 1 Tetraeder, Hexaeder, Oktaeder, Pentagondodekaeder und Ikosaeder. Zu einem platonischen Körper lässt sich eine Kugel finden, auf der alle Ecken des platonischen Körpers liegen, und eine weitere dazu konzentrische Kugel, die alle Begrenzungsflächen des platonischen Körper von Innen berührt. Die platonischen Körper spielen in der griechischen Naturphilosophie, vor allem bei Platon, eine bedeutende Rolle.

platonische Liebe: (nach Platon) Liebe zweier Menschen verschiedenen Geschlechts ohne sinnliches Begehren; eine Umdeutung des platonischen Begriffs des Eros (Streben nach den Ideen des Wahren, Schönen und Guten).

Platonow, Andrei Platonowitsch, 1.9.1899 bis 5.1.1951, russisch-sowjetischer Schriftsteller; schuf vor allem Erzählungen, in denen er alltägliche Erlebnisse sowjetischer Menschen mit großem psychologischen Einfühlungsvermögen gestaltete und zu anregenden ethisch-philosophischen Fragestellungen gelangte (deutsche Sammlung «In der schönen und grimmigen Welt», 1969); deutsche Sammlung seiner literaturkritischen Aufsätze «Gedanken eines Lesers» (1979).

Platte: Geologie Großscholle der Lithosphäre, die sich wahrscheinlich als starre Masse horizontal bewegt und mit anderen Platte längs Zonen seismische, tektonische und magmatische Aktivität kollidieren (Kollision) kann.

Platte: rechter und größter Nebenfluss des Missouri in den USA; 500 km; entsteht aus der Vereinigung der im Felsengebirge entspringenden Quellflüsse North Platte und South Platte bei der Stadt North Platte; im Einzugsgebiet der Quellflüsse mehrere Stauseen.

Platten, Fritz, 8.7.1883-22.4.1942, schweizerischer Arbeiterführer; seit 1911 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz und 1915/16 der Zimmerwalder Linken; organisierte 1917 Lenins Reise von der Schweiz nach Russland. Platten nahm am Gründungskongress der KI teil und war Mitbegründer der KP der Schweiz.

Plattenbalken: Stahlbetonbalken mit oben an betonierter Platte. Die Aufnahme von Druckkräften durch die Platte ermöglicht, die Balkenhöhe zu verringern.

Plattenbau: Montagebau mit oberflächenfertigen tragenden Wandelementen aus Stahlbeton, die mit den Deckenelementen ein räumliches Tragwerk bilden.

Plattenspeicher: soviel wie Magnetplattenspeicher (magnetomotorischer Speicher).

Plattenspieler: elektroakustisches Gerät zur Wiedergabe der auf Schallplatten gespeicherten Musik und beziehungsweise oder Sprache. Vom Laufwerk (Elektromotor und Getriebe) wird der Plattenteller mit konstanter, meist umschaltbarer Drehzahl angetrieben. Der schwenkbare Tonarm trägt am vorderen Ende das Abtastsystem, dessen Abtastspitze (Saphir oder Diamant) in der spiralförmigen Schallplattenrille geführt wird und den rasch schwankenden Rillenauslenkungen folgt. Diese Schwingungen werden in elektrische Wechselspannungen umgewandelt, verstärkt und von einem Lautsprecher (bei Stereoplattenspieler von) als Schall abgestrahlt.

Plattentektonik, Plate tectonics: aus der mobilistischen Vorstellung der Ozeanbodenweitung hervorgegangene Theorie der Neuen Globaltektonik, nach der die Lithosphäre in eine Anzahl großer Platten aufgeteilt ist, die zueinander großräumige Bewegungen durchführen.

Plattenwand: 5 bis 10 cm dicke Trennwand aus großformatigen Gasbeton-, Gips- oder Faserplatten mit Bewehrung.

Plattenwerk: Produktionsstätte der Betonindustrie für Bauelemente des Montagebaus. Im offenen Plattenwerk, verwendet als ortsveränderliches oder fliegendes Baustellen-Plattenwerk, erfolgt die Fertigung nach dem Aggregatfließ- oder Standverfahren, eventuell mit Dampfgruben oder -hauben, unter freiem Himmel. Im geschlossenen oder ortsfesten Plattenwerk mit einer Leistung bis 250000m3/Jahr wird vorwiegend nach dem Fließ- beziehungsweise zusätzlich im Standverfahren mit Dampfkammern in Hallen produziert Hierzu gehören Lager und Silos für Zuschlagstoffe und Zement, Mischanlage, Fertigungshalle, Stahllager mit Halle für Bewehrungsfertigung, Fertigteillager, Werkstätten, Kesselhaus, Verwaltungs- und Sozialgebäude.

Platter, Thomas, 10.2.1499-26.1.1582, humanistischer Gelehrter und Verleger der Werke bedeutender Humanisten; Verfasser einer aus Protestant. Haltung erwachsenden, als Zeitzeugnis wertvollen Selbstbiographie in alemannischer Mundart.

Platterbse, Lathyrus: artenreiche Gattung der Schmetterlingsblütler mit Fiederblättern und häufig langer Blattranke; in schattigen Wäldern die Frühlingsplatterbse (Lathyrus vernus); an Wegen und auf Äckern die rot blühende Knollen- oder Erdnuss-Platterbse (Lathyrus tuberosus), auf Wiesen die gelb blühende Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis). Eine häufige Zierpflanze ist die Duftende Platterbse, Gartenwicke oder Duftwicke (Lathyrus odoratus).

Plattfische, Pleuronectiformes: vorwiegend bodenbewohnende Knochenfische des Meeres mit flachem, sich asymmetrisch entwickelndem Körper; liegen dem Grund meist mit ihrer linken (Schollen) oder rechten (Butte) Seite auf, von der das Auge allmählich auf die dem Untergrund angepasste dunklere Oberseite wandert; Nutzfische. Siehe auch Flunder, Heilbutt, Seezunge.

Plattfuß: Fuß ohne Gewölbe (Fußsenkung); kann angeboren oder durch Muskel- und Bänderschwäche, chronischen Überbelastung und (seltener) durch Lähmung oder Verletzung bedingt sein.

Plattieren:

1. Fertigungstechnik: Überziehen eines Metalls mit einem zweiten, meist edlerem Metall auf mechanischen oder thermischen Wege (zum Beispiel durch Walzen oder Gießen). Dabei können Diffusionserscheinungen und Gefügeänderungen auftreten. Die mechanischen Eigenschaften (zum Beispiel Festigkeit) des entstehenden Verbundwerkstoffes werden vom Grund- und Überzugsmetall, das chemische Verhalten nur vom Überzugsmetall bestimmt Plattiert werden Halbzeuge (Bleche) oder fertige Werkstücke (zum Beispiel Reaktionsgefäße der chemischen Industrie). Häufig erfolgt aus materialökonomischen Gründen das Plattieren unlegierter Stähle mit korrosionsbeständigen legierten Stählen.

2. Wirkerei: Überdecken eines (Grund-) Fadens durch einen zweiten (Plattier-) Faden, zum Beispiel zur Qualitätserhöhung, Verschönerung des Aussehens oder um eine unterschiedliche Vorder- und Rückseite zu erhalten.

Plattwanzen, Cimicidae: Familie der Landwanzen mit abgeflachtem Körper; schmarotzen an Vögeln und Säugetieren (zum Beispiel Bettwanze); Larven und Vollkerfe saugen Blut und übertragen Infektionskrankheiten.

Plattwürmer, Plathelminthes: Stamm oft stark abgeplatteter, zum Teil sehr langgestreckter Tiere; Darm endet blind ohne After oder fehlt; Zwitter mit vielfach parasitische Lebensweise. Hierzu gehören Strudel-, Saug- und Bandwürmer.

Platt-Zusatz, Platt-Amendment: der kubanischen Verfassung von 1901 eingefügte, von USA-Senator Orville Hitchcock Platt (1827-1905) formulierte Klausel, die Kuba faktisch zum Protektorat der USA machte. Der Platt-Zusatz wurde am 29.5.1934 im Gefolge der revolutionären Ereignisse von 1933 aufgehoben.

Platy, Xiphophorus maculatus: 4 cm langer, lebendgebärender Zahnkarpfen mittelamerikanisches Süßgewässer, Aquarienfisch mit zahlreichen, meist farbenprächtigen Zuchtformen.

Platzangst: neurotische Angst vor dem Überschreiten eines größeren, freien Platzes.

Plauen: Stadtkreis im Bezirk Karl-Marx-Stadt, an der Weißen Elster, ökonomisches und kulturelles Zentrum des Vogtlandes; 78000 Einwohner; Bau von Werkzeug-, Druck- und Textilmaschinen, Metallleichtbau, Glühlampen-, Kabel-, Gardinen-, Spitzenherstellung, Bekleidungs-, chemische Industrie; Verkehrsknoten; Fachschule für Ökonomie, Musikschule; Theater, Vogtlandmuseum; Plauener Spitzenfest (Juni); spätgotisches Johannis-, barocke Lutherkirche, Altes Rathaus (1508), Nonnenturm (Rest der ehemaligen Stadtbefestigung). Bei Plauen die Talsperren Pirk und Pöhl. 1122 erstmals urkundlich erwähnt; erhielt im 13. Jahrhundert Stadtrechte. Seit dem 15. Jahrhundert Herausbildung bedeutender Textilproduktion. Mit der industriellen Revolution entstand in Plauen eine starke Arbeiterbewegung.

Plautus, Titus Maccius, um 250-184 vor Christus, römischer Komödiendichter; seine nach dem Vorbild der attischen neuen Komödie (Menander) verfassten, durch lebendige Handlungsführung, volkstümlicher, urwüchsigen Humor, Situationskomik und kraftvolle, frische Sprache bühnenwirksamen Intrigen-, Rühr-, Verwechslungs- und Charakterstücke zeigen trotz des hellenistischen Milieus Bezug zur römischen Gesellschaft der Zeit («Amphitruo»; Gespensterkomödie «Mostellaria»).

Plavka, Andrej, 18.11.1907-11.7.1982, slowakischer Lyriker und Erzähler, setzte in seiner Lyrik die realistischen Tradition fort (Auswahl «Quellen», 1972). In weiteren Versbänden suchte er im Heimatgefühl den Schlüssel zur Geschichtsepoche; Höhepunkt ist der als «slowakische Rhapsodie» bezeichnete Band «Testament» (1972). Seine das nationale Schicksal widerspiegelnden Lebenserinnerungen erschienen unter den Titeln «Der dürstende Liebhaber» (1971) und «Der volle Kelch» (1976). 1969/82 Vorsitzender des slowakischen Schriftstellerverbandes.

Playback: (englisch, «Rückspielen») besondere Art der Nachsynchronisation einer Tonfilmaufnahme. Während der Bildaufnahme wird die vorher aufgezeichnete Tonaufnahme (meist Musik) über Lautsprecher wiedergegeben; die Schauspieler (Sänger o. ä.) haben sich in Bewegungen und Gesten entsprechend zu verhalten. Anwendung findet das Playback auch beim Fernsehen besonders bei Shows, Opern unter anderem

Playboy: ein Parasitendasein führender jüngerer, wirtschaftlich unabhängiger Mann der spätbürgerlichen Gesellschaft, der nur verschwenderisch seinem Vergnügen nachgeht.

Plaza Huincul: Ort in Argentinien, westlich von Neuquen, am Fuße der Anden; Zentrum eines Erdöl- und Erdgasfördergebietes mit Raffinerie und Pipeline; Eisenbahnknoten.

Scheinmittel, Placebo: mit einem echten Arzneimittel in Aussehen, Geschmack und Geruch übereinstimmende Zubereitung, jedoch ohne dessen Wirkstoff. Plazebo werden unter anderem bei der Werterprobung eines (neuen) Arzneimittels eingesetzt, um die wirklich vorhandenen pharmakodynamischen Wirkungen von den Scheinwirkungen abzugrenzen. Der Placeboeffekt beruht auf suggestiver Wirkung. Siehe auch Blindversuch.

Plazenta, Mutterkuchen: vom Embryo und der Gebärmutter der höheren Säugetiere und des Menschen gebildetes Organ, in dem der mütterliche und der kindliche Blutkreislauf in engem Kontakt stehen, ohne direkt ineinander überzugehen. Die Plazenta dient dem Nährstoff- und Gasaustausch zwischen Mutter und Keimling sowie der Hormonbildung; sie wird nach der Geburt ausgestoßen (Nachgeburt).

Plazet, Placet, (lateinisch, «es gefällt») seit dem Mittelalter vom Staat (Landesherrn) beanspruchtes Recht der Zustimmung zu Erlassen von Kirchenbehörden; Mittel der Staatsaufsicht über Religionsgemeinschaften.

plazieren, placieren:

1. allgemein aufstellen; unterbringen; einen Platz anweisen.

2. Sportspiele: den Ball genau Zuspielen beziehungsweise unerreichbar für den Gegner ins Feld (Tor) spielen. sich plazieren: im Wettkampf einen vorderen Platz erringen.

Platzierung: nach Abschluss eines Wettkampfes erreichte Einstufung im Klassement.

Plebejer: 1. im alten Rom die Angehörigen der Plebs, der nichtadligen Masse des römischen Volkes. Zu den Plebejer gehörten Bauern, Handwerker und Proletariat. Sie erkämpften sich im sogenannt Ständekampf (5./Anfang 3. Jahrhundert vor Christus) die gleichen politischen Rechte wie die Patrizier. Die reichsten Plebejer verschmolzen danach mit den Patriziern zur Nobilitat.

2. die untersten Schichten der Bewohner der mittelalterlichen Städte, zumeist ökonomisch unselbständig und häufig ohne volles Bürgerrecht (vor allem Handwerksgesellen, Tagelöhner, verarmte Handwerksmeister, Dienstboten). Das nahezu besitzlose und politisch rechtlose Vorproletariat, Vorläufer des modernen Industrieproletariats, ging aus den Plebejer hervor.

Plebiszit: 1. im alten Rom Volksbeschluss der Plebejer in den Tributkomitien.

2. Staatsrecht in Verfassungen vorgesehene Möglichkeit der Volksabstimmung, zum Beispiel über bedeutsame Gesetzentwürfe.

3. Völkerrecht: Abstimmung der Bevölkerung eines Gebietes über dessen Zugehörigkeit zu einem bestimmten Staat beziehungsweise über den Zusammenschluss von Staaten oder die Bildung eines selbständigen Staates. Siehe auch Volksabstimmung.

Plebs: Gesamtheit der römischen Plebejer, in der römischen Spätantike Bezeichnung für das niedere Volk allgemein.

Plechanow, Georgi Walentinowitsch, 11.12.1856 - 30.5.1918, russischer Philosoph; Theoretiker und Führer der russischen und internationalen Arbeiterbewegung; brach 1883 mit der Volkstümler Ideologie, wurde Marxist und organisierte in der Schweiz die Gründung der Gruppe «Befreiung der Arbeit». Gemeinsam mit W. Lenin kämpfte er gegen «legalen Marxismus», Ökonomismus und Bernsteinschen Revisionismus. Nach 1903 ging Plechanow zum Menschewismus (Opportunismus) über, vertrat jedoch bis zum Ende seines Lebens den dialektischen und historischen Materialismus. Plechanow wies nach, dass erst Marx und Engels das philosophische und historische Denken auf eine wissenschaftliche Grundlage stellten und dabei das gesamte theoretische Erbe kritisch verarbeiteten. Plechanow betonte besonders den gesetzmäßigen Charakter der Geschichte, die schöpferische Rolle der Volksmassen und die Bedeutung der Persönlichkeit. In ästhetischen Arbeiten analysierte Plechanow den Widerspiegelungscharakter der Kunst.

Pléiade: (griechisch, «Siebengestirn») Gruppe humanistische französische Autoren des 16. Jahrhundert (J. du Bellay, E. Jodeile, Pléiade de Ronsard unter anderem), die mit ihren an antiken beziehungsweise italienischen Vorbildern orientierten Werken die Literatur der französischen Spätrenaissance einleiteten.

Pleinair: (französisch, eigentlich «Freiluft») Freilichtmalerei; heute vor allem eine meist von Künstlerverbänden organisierte Zusammenkunft von bildenden Künstlern zu gemeinsamer Arbeit (in der Regel mit der Möglichkeit der Arbeit in der Landschaft; für Bildhauer auch direkt im Steinbruch) und geistigem Austausch.

Pleiotropie, Polyphänie: Beeinflussung verschiedener, scheinbar voneinander unabhängiger phänotypische Merkmale durch ein genannt

Pleistozän, veraltet Diluvium: älterer Abschnitt des Quartärs, in dem weite Gebiete der nördlichen Halbkugel von Inlandeismassen mehrfach bedeckt waren, mit Wechsel von Kalt- und Warmzeiten. Zeugnisse ehemaliger Vereisungen sind Grund- und Endmoränen, Sander und Urstromtäler. Im Norden der DDR sind 3 Eisbedeckungen nachweisbar (Elster-, Saale-, Weichselkaltzeit), in den Alpen werden unterschieden die Günz-, Mindel-, Riß- und Würmkaltzeit. Eiszeiten gab es auch in früheren Abschnitten der Erdgeschichte, zum Beispiel im Permokarbon (Südhalbkugel), Präkambrium (Nordamerika, Skandinavien). Die verfestigten Moränen älterer Eiszeiten werden als Tillite bezeichnet.

Plejaden, in der griechischen Sage die 7 Töchter des Atlas und der Pleione; von Orion verfolgt wurden von Zeus als Sternbild (Siebengestirn) an den Himmel versetzt.

Plejaden, (nach den Sagengestalten) Siebengestirn: offener Sternhaufen im Sternbild Stier. Je nach Augenschärfe sind 6 bis 9 Sterne ohne Fernrohr zu sehen. Die Plejaden sind etwa 150 pc von der Sonne entfernt. Siehe auch Sternhaufen. Plektenchym Flechtgewebe.

Plektron, Penna: Stäbchen oder Plättchen zum Anreißen der Saiten bei Zupfinstrumenten.

Plenterhieb: (zu Plenter (Blender), «Licht wegnehmender Baum») Hiebsart, bei der die Bäume einzelstamm- bis gruppenweise in ungleichmäßiger Verteilung entnommen werden. Die analog entstehende natürliche Verjüngung führt zu ungleichaltrigen und mehrschichtigen Waldaufbau (Plenterwald).

Plenum: Gesamtheit der Mitglieder einer Körperschaft, eines Gremiums oder Kollegiums, zum Beispiel eines Parlaments, Parteivorstandes oder Gerichts.

Plenzdorf, Ulrich, geboren 26.10.1934, Schriftsteller; schrieb Filmszenarien («Männer ohne Bart», 1971; «Kennen Sie Urban?», 1971; «Die1 Legende von Paul und Paula», 1973), Stücke («Die neuen Leiden des jungen W.», 1972) und Erzählungen («Legende vom Glück ohne Ende», 1979).

Pleonasmus: (griechisch, «Überfluss») Verbindung von Wörtern verschiedener Wortart, von denen eines wegen teilweiser Bedeutungsübereinstimmung überflüssig ist, zum Beispiel weißer Schimmel. Siehe auch Tautologie.

Pleoptik: Behandlungsform des Schielens durch Übung des schwachsichtigen Auges. Die Pleoptik dient zur Vermeidung der Schielschwachsichtigkeit oder deren Besserung; erfolgversprechend ist sie im Kindesalter.

Plesiosaurus: räuberisch lebendes, bis 3 m langes Meeresreptil des Mesozoikums mit flossenförmigen Beinen, meist sehr langem Hals und kleinem Kopf.

Plethron: altgriechische Längeneinheit, 1 Plethron = 100 Fuß = 30,83 m; als Flächeneinheit 104 Quadratfuß = 950m2.

Plethysmographie: Medizin Registrierung von schnellen Volumenschwankungen von Gliedmaßen, zum Beispiel des Fingers, oder auch des ganzen Körpers (Fingerplethysmographie, Ganzkörperplethysmographie). Die Schwankungen beruhen auf Füllungsunterschieden der Blutgefäße durch die Herz- und Atemtätigkeit. Sie sind unter anderem vom Zustand der Blutgefäße und deren nervaler Beeinflussung abhängig.

Pleuelstange, Pleuel (zu bleuen, «schlagen»), Schubstange, Treibstange: Maschinenelement zur Kraftleitung bei einem Schubkurbeltrieb von der Kurbel- oder Exzenterwelle zum Kreuzkopf, Tauchkolben beziehungsweise Pressenstößel; dabei wird die rotierende Bewegung der Welle in eine hin- und hergehende Bewegung umgewandelt.

Pleuradruck: der zwischen dem Lungen- und dem Rippenfell (Pleura pulmonalis beziehungsweise parietalis) bestehende, auf dem Einwärtszug der elastische Lungengewebe beruhende Unterdrück gegenüber dem Luftdruck. Bei ruhiger Atmung pendelt der Pleuradruck zwischen -0,3 und -1,0 kPa (bei Einatmung). besonders bei flacher Einatmung spielt der Zug des Brustkorbes eine unterstützende Rolle für die Entstehung des Pleuradrucks.

Pleureuse: im 15. Jahrhundert Schulterumhang; im 18. Jahrhundert schwarze Spitzenmanschette der Trauerkleidung; um 1900 Hut- und Fächergarnierung aus geknüpften Straußenfedern.

Pleurolyse: operatives Lösen von Verwachsungen der Lungenoberfläche (Pleura) von der Wand des Brustkorbs mit dem Ziel, tuberkulöse Herde der Lunge ruhigzustellen oder die Lunge selbst freilegen zu können.

Plewen, Pleven: Bezst im Norden Bulgariens; 135000 Einwohner; petrolchemisches Kombinat, Maschinenbau, Metallverarbeitung, Zement-, Lebensmittel-, Textil-, Glas- und keramischer Industrie; Theater, historisches Museum, Gedenkstätten zur Erinnerung an den Russischen Türkischen Krieg 1877/78. Eine der ältesten bulgarischen Städte; im 19. Jahrhundert ein Zentrum der nationalen Befreiungsbewegung; im Russisch-Türkischen Krieg 1877/78 kapitulierte die Festung Plewen im Dezember 1877 nach sechsmonatiger Belagerung durch russische und rumänische Truppen; das war ein wesentlicher Schritt zur Befreiung Bulgariens von der osmanischen Fremdherrschaft.

Plexus: Geflecht; netzartige Verbindung von Blutgefäßen oder Nerven.

Plievier, Theodor, 12.2.1892-12.3.1955, Schriftsteller, emigrierte 1933 in die UdSSR, kehrte 1945 mit der Roten Armee zurück; ging 1947 in Westdeutschland auf antikommunistische Positionen über, schrieb unter anderem die antimilitaristischen Tatsachenromane «Des Kaisers Kuli» (1929), «Der Kaiser ging, die Generäle blieben» (1932) sowie den antifaschistischen Roman «Stalingrad» (1945).

Plinius: 1. Gaius Plinius Secundus (Maior), Plinius der Ältere, 23-24.8.79 (gestorben beim Vesuvausbruch), römischer Offizier, Beamter und Schriftsteller; schuf eine systematisch angeordnete Enzyklopädie der Naturwissenschaften («Naturalis historia» (Naturgeschichte), 37 Bücher).

2. Gaius Plinius Caecilius Secundus (Minor), Plinius der Jüngere, 61 oder 62 um 113, römischer kaiserlicher Beamter und Schriftsteller, Neffe von Plinius 1; erhalten sind eine Dankrede an Trajan («Panegyricus») sowie 10 Bücher «Briefe»; die Bücher 1 bis 9 sind literarische Briefe, die Themen des sozialen und kulturellen Lebens der Zeit behandeln, unter anderem die Schilderung des Vesuvausbruchs; das 10 Buch enthält den Brief-wechsel des Plinius als Statthalter mit Kaiser Trajan.

Plinthe: Fußplatte von Säulen, Pfeilern, Postamenten und Statuen.

Plissee: Stoff mit dicht angeordneten, gleichmäßig verlaufenden gewebten, genähten oder eingepressten (plissierten) Falten.

Plissezkaja, Maja Michailowna, geboren 20.11.1925, Sowjet Tänzerin und Choreographin; seit 1943 Solistin (1952 Primaballerina) am Bolschoi-Theater; hervorragende Interpretin klassischer und neuerer Rollen; choreographierte «Anna Karenina», «Die Möwe» und andere Ballette.

Plitvicer Seen: Kette von 16 Karstseen auf 7,2 km Länge in Kroatien, durch 3 m bis 50 m hohe Wasserfälle und Stromschnellen verbunden, inmitten eines Buchenhochwaldes; insgesamt 1,9 km2; 20 Grotten; Nationalpark (191,7 km2); starker Fremdenverkehr.

Plock: 1. Wojewodschaft im mittleren Teil Polens; 5117 km2, 505000 Einwohner; 99 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Plock 2 umfasst Teile der nördlichen Nizina Mazowiecka, von der mittleren Wisla durchschnitten; im Westen und Süden Seenlandschaften; Industrie Agrar-Gebiet; Erdölverarbeitung, Maschinenbau, Metallverarbeitung, Nahrungsmittel-, elektrotechnische Industrie; Weizen-, Kartoffel-, Zuckerrübenanbau, Obstbau und Viehzucht.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Plock 1, an der Wisla; 110000 Einwohner; Zentrum der Erdölchemie an der Erdölleitung «Freundschaft»; Landmaschinenbau, Werft für Binnenschiffe, Nahrungsmittel-, Holz-, Textilindustrie; Flusshafen; Theater, Museen, Zoo; Domhügel mit Burg und romanischer Kathedrale.

Ploidiemutation: (griechisch + lateinisch) Mutationsform, bei der der arttypische Chromosomenbestand um einzelne Chromosomen (Aneuploidie) oder ganze Chromosomensätze (Polyploidie) vermehrt oder vermindert ist.

Plombe: 1. veraltete, unsachgemäße Bezeichnung für eine Zahnfüllung (Füllung).

2. Metall- oder Plastikstück, das Schnur- oder Drahtenden miteinander verschließt; dient als Sicherungssiegel, zum Beispiel im Zollwesen.

Plotin, Plotinos, um 205-270, griechischer-römischer Philosoph; Begründer und Hauptvertreter des Neuplatonismus, der auf die christliche Theologie, aber auch auf die klassische deutsche Philosophie einwirkte. Seine Ästhetik, nach der der Künstler nicht die Dinge, sondern deren Ideen nachahmt, war einflussreich.

Plötze, Rotauge, Rutilus rutilus: bis 25 cm langer Karpfenfisch mit rötlichen Augen und Flossen; in Binnengewässern Mittel- und Nordeuropas, auch im Brackwasser der Ostsee; Speise- und Köderfisch.

Plowdiw, Plovdiv: Bezst im südlichen Zentralteil Bulgariens, in der oberen Thrakischen Tiefebene, beiderseits der Mariza, eine der ältesten Städte der Balkanhalbinsel und zweitgrößte bulgarische Stadt; 370000 Einwohner; Industriezentrum mit Nichteisenmetallurgie (Blei, Zink), Maschinen- und Fahrzeugbau, Textil- und Bekleidungs-, Glas-, Schuh-, Lebensmittelindustrie; Handelszentrum (internationale Messe), Verkehrsknoten, Flughafen; Universität, 4 Hochschulen; Theater, Sinfonieorchester, Nationalbibliothek, Museen; Fernsehzentrum; Altstadt (Museumsinsel); antikes Theater. ursprünglich thrakischer Siedlung, um 340 vor Christus von Philipp ü. von Makedonien als Philippopolis gegründet; 814 erstmals bulgarisch; im Mittelalter wechselnd unter byzantinischer und bulgarischer Herrschaft; 1364/1877 türkisch. Seit dem 16. Jahrhundert Plowdiw genannt, gelangte bald zu kultureller und ökonomischer Bedeutung. 1878/85 Hauptstadt der Provinz Ostrumelien.

Pludra, Benno, geboren 1.10.1925, Schriftsteller; schrieb Kinderbücher («Sheriff Teddy», 1956; «Haik und Paul», 1956; «Lütt Matten und die weiße Muschel», 1963; «Die Reise nach Sundevit», 1965; «Tambari», 1969; «Trauermantel und Birke», 1978; «Insel der Schwäne», 1980).

Pluhar, Zdenek, geboren 16.5.1913, tschechischer Schriftsteller; schildert in dem Roman «Wenn du mich verlässt» (1957, deutsch) Jugendliche, die ihren Platz im Leben bestimmen müssen. Die Suche nach einem sinnerfüllten Leben steht im Mittelpunkt der antifaschistische Erzählung «Die Glas-dame» (1972), des Tatsachenromans «Die Bronzespirale» (1953, deutsch) und der Lebensbilanz «Endstation» (1971).

Plume: nach mobilistische Vorstellung zylindrischer Aufwärtsstrom von Erdmantelmaterial, der sich in der Asthenosphäre ausbreitet und dazu beitragen kann, dass Lithosphären-Schollen in Bewegung gesetzt werden (Hypothese der Convection plumes). Andererseits sollen Plumes in der Lage sein, Platten für längere Zeit über dem Erdmantel festzulegen (stationäre Kontinente). Die Kappen der Plumes werden als Hot spots bezeichnet.

Plummersche Lösung: Jodjodkaliumlösung, die aus 5 Teilen Jod, 10 Teilen Kaliumjodid und Wasser besteht; benannt nach dem US-amerikanischen Internisten Henry Stanley Plummer (1875-1936). Die Plummersche Lösung wird in steigender Dosierung während der Vorbereitungsphase vor Schilddrüsenoperationen bei Basedowkranken verabfolgt, um operationsbedingten, mitunter lebensgefährliche Krisen vorzubeugen.

Plumpbeutler, Wombats, Vombatidae: kurzbeinige, plumpe Beuteltiere mit ständig nachwachsenden Zähnen; meist nachtaktive Pflanzenfresser, die unterirdischen Baue graben; leben im südlichen Australien.

Plumpudding: in England besonders zu Weihnachten beliebter, im Wasserbad gegarter kuchenartiger Pudding aus schwerem Teig mit wenig Mehl, dafür mehr Zucker, Rosinen («plums») und anderen Trockenfrüchten, Fett, Eiern, Gewürzen, Brotkrumen. Plumpudding wird mit Rum übergossen und angezündet serviert.

Plundergebäck: Feinbackware von blättriger Struktur aus Plunderteig (gezogener Hefeteig).

Plural, Mehrzahl: Teilkategorie des grammatischen Numerus, benennt mehrfach Vorkommendes; stilistisch auch auf eine Person beziehbar («Wir, August von Sachsen, ...»; Pluralis modestiae, Plural der Bescheidenheit: «In unserer Abhandlung wollen wir untersuchen ...»).

Pluraletantum: nur im Plural vorkommendes Wort, im Deutschen zum Beispiel Leute, Masern.

Pluralismus: 1. idealistisches Weltbild, das den inneren Zusammenhang der Dinge und die Einheit der Welt leugnet Pluralistisch sind Weltanschauungen, die, im Gegensatz zum Monismus, die Wirklichkeit als eine Vielfalt selbständiger, nicht aufeinander zurückführbarer Wesenheiten bestimmen (Pragmatismus, Personalismus, Positivismus unter anderem).

2. politische Konzeption, der zufolge die antagonistischen Widersprüche des staatsmonopolistischen Kapitalismus ein «freies Spiel» gleichberechtigter, miteinander versöhnbarer Interessen darstellen (Theorie von der pluralistischen Gesellschaft). Der seinem Charakter nach konterrevolutionäre Pluralismus dient damit der Verschleierung der ökonomischen und politischen Herrschaft des Monopolkapitals sowie dessen Angriff auf die politische Macht der Arbeiterklasse in den sozialistischen Ländern. Der Revisionismus versucht durch die Forderung nach einem «pluralistischer Marxismus», die Einheit und Geschlossenheit des Marxismus-Leninismus anzugreifen.

Plüsch: herkömmlich samtartiges Gewebe mit hohem (über 2 mm), von der Kette gebildetem Pol, wobei die Polnoppen geschlagen oder geschnitten sein können. Gegenwärtig wird Plüsch auch durch Stricken, Wirken, Nähwirken und Beflocken hergestellt. Siehe auch Samt Plusquamperfekt (lateinisch) n, vollendete Vergangenheit: Tempus des Verbs; drückt meist Vorzeitigkeit zu einer anderen Handlung in der Vergangenheit aus.

Plutarch, um 46 nach 119, griechischer Schriftsteller, neben vergleichenden Lebensbeschreibungen über jeweils einen berühmten Griechen und einen diesem ähnlichen Römer («Parallelbiographien», zum Beispiel über Alexander den Großen und Cäsar) populärwissenschaftliche Schriften («Moralia») über ethische, politische, psychologische, pädagogische Probleme, Fragen der Lebensführung, der Religion unter anderem

Pluto, Pluton, griechischer Gott der Reichtum spendenden Erdentiefe, mit Hades gleichgesetzt; ihm entspricht der römischen Dis Pater.

Pluto: (nach dem Gott) sonnenfenster Planet Pluto hat von allen Planeten die exzentrischste und am stärksten gegen die Ekliptik geneigte Bahn. Deren Perihel liegt innerhalb der Neptunbahn. Pluto besteht wahrscheinlich aus Wasserstoffverbindungen; an seiner Oberfläche wurde Methanschnee nachgewiesen. Die Rotationsdauer des Pluto ist genauso groß wie die Umlaufzeit seines Mondes Charon. Pluto, der möglicherweise ein ehemaliger Neptunmond ist, wurde auf Grund von Berechnungen nach 50jähriger Suche 1930 entdeckt.

Plutokratie: (griechisch) Geldherrschaft im Staat; im alten Griechenland als Gegensatz zur Herrschaft des Kriegerstandes.

Pluton: magmatische Tiefengesteinskörper von teilweise riesigem Ausmaß, der innerhalb der Erdkruste erstarrt ist; zum Beispiel umfasst der durch Abtragung der ehemals darüber liegenden Gesteinsmassen bloßgelegte Brocken-Pluton (Harz) 135 km2.

Plutonismus: (nach dem Gott Pluto) 1. eine von dem britischen Geologen James Hutton (1726-1797) begründete Lehre, dass neben dem Wasser besonders die magmatischen Schmelzflüsse der Tiefe bei der Bildung der Gesteine und bei der Gestaltung der Kruste entscheidend sind. Siehe auch Neptunismus.

2. alle magmatischen Vorgänge, die sich in der Erde abspielen.

Plutonium: (nach dem Planeten Pluto) Symbol Pu: in der Natur nur in Spuren vorhandenes, künstlich hergestelltes, radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 94. Plutonium ist ein silbergraues, unedles Metall; F 641 °C; Dichte 19,7 g/cm3; längste Halbwertszeit 83 Millionen Jahre (Pu 244). Das durch langsame Neutronen spaltbare Pu 239 wird in Brutreaktoren technisch hergestellt (gegenwärtiger Weltvorrat 30 bis 401) und wie Uran 235 zur Erzeugung von Kernenergie verwendet. Die kritische Masse beträgt etwa 20 kg. Plutonium ist +2- bis +6wertig. Plutonium(IH)- und Plutonium(IV)-fluorid, PuF3 beziehungsweise PuF4, sind wie die Fluoride der Seltenerdmetalle und des Thoriums schwerlöslich, während Plutonylnitrat wie Uranylnitrat mit Äther aus wässriger Phase extrahierbar ist. Plutonium (IV)-oxid, Pu02, ist ein gelbgrünes Pulver, das rotbraune Plutonium (VI)-Fluorid, PuF6, siedet bei 62 °C. Plutonium wurde erstmals 1940 in Berkeley (USA) von G. T. Seaborg und Mitarbeitern hergestellt.

Plutos, griechischer Gott des Reichtums, der in der Frühzeit in landwirtschaftlichen Produkten bestand (sein Name ist sprachlich verwandt mit Pluto(n)).

Pluvialzeit: (lateinisch pluvialis, «regnerisch») Regenzeit: ein den Eiszeiten gleichlaufender Prozess in den nicht vereisten Gebieten (Tropen und Subtropen); gekennzeichnet durch erhöhte Niederschläge, verstärkte Erosion, höheren Wasserstand der Seen und verstärkte Ausdehnung der Gebirgsgletscher.

Plymouth: 1. Stadt im Südwesten Englands (Großbritannien), in der Grafschaft Devon, auf einer Halbinsel am Plymouth Sound; 240000 Einwohner; Marinewerft; chemische, Elektro-, Bekleidungs- und feinmechanische Industrie; Werkzeug- und allgemeiner Maschinenbau; Fischfang; Militär- und Passagierhafen (Autofähre nach Frankreich); Hochschule für Schiffsmaschinenbau, Technikum; Kunstgalerie.

2. Stadt, Verwaltungszentrum der Insel Montserrat (Kleine Antillen), an der Westküste; 3 200 Einwohner; Exporthafen für Baumwolle und tropische Früchte.

Pilsen: Stadt in der CSSR, Verwaltungszentrum des Westböhmischen Bezirkes, am Zusammenfluss von Mze, Radbuza, Hlava und Slava zur Berounka; 170000 Einwohner; Maschinenbauzentrum der CSSR, besonders Schwermaschinen- und Schienenfahrzeugbau (Skoda-Werke «W. I. Lenin»), ferner Stahlwerke, elektrotechnische, chemische, Glas-, Baustoff-, Bekleidungs- sowie Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie (Zentrum der Brauindustrie der CSSR «Pilsner Urquell»); Verkehrsknoten; Hochschulen; Kernreaktor für Forschungszwecke; Oper; gotische Bartholomäuskirche (1300/1444). Die Stadt steht unter Denkmalschutz. Um 1295 gegründet, durch günstige Lage an der Handelsstraße nach Nürnberg rasche Entwicklung; 1419/20 Zentrum des radikalen Flügels der Hussitenbewegung, dann der Reaktion; 1468 in Pilsen die erste böhmischen Druckerei; seit dem 19. Jahrhundert Industriezentrum mit starker Arbeiterbewegung.

Pneumatik: (griechisch pneuma, «Atem») 1. allgemein Lehre vom Verhalten und der Bewegung von Gasen (meist Luft).

2. Teilgebiet der Technik, das sich mit der Erzeugung von Druckluft (Verdichter) und deren technische Nutzung für das Betreiben pneumatischer Mess-, Steuer- und Regelgeräte sowie pneumatische Antriebe (zum Beispiel Arbeitszylinder, pneumohydraulischer Antrieb, pneumatischer Motor) befasst. Vorteile der Pneumatik sind Einfachheit der Geräte, gute Speicher- und Transportfähigkeit der Druckluftenergie, Einsetzbarkeit in aggressiver, explosibler oder strahlungsgefährdeter Umgebung, einfache und stufenlose Veränderung der Leistungskenngrößen (Kraft, Drehmoment, Geschwindigkeit, Drehzahl) der bis zum Stillstand überlastbaren Antriebe. Die Pneumatik besitzt große Bedeutung in der Automatisierungstechnik, für Druckluftwerkzeuge, Bremseinrichtungen in Schienen- und Straßenfahrzeugen, in der Farb- und Metallspritztechnik, Fördertechnik unter anderem

3. Verkehrstechnik: Bereifung.

pneumatisch: (griechisch) die Luft, das Atmen betreffend; mit Luft(druck) betrieben.

pneumatische Förderer: Strömungsförderer, die Feststoff mit Hilfe eines Gases (meist Luft, selten Stickstoff) in Rohrleitungen transportieren, die in beliebiger räumlichen Linienführung verlegt sein können. Man untergliedert den pneumatischen Förderer:

a) nach der Aufnahmeart des Gutes in Sauganlagen, die das Gut vom Haufwerk selbsttätig aufnehmen, und in Druckanlagen, denen das Gut von anderen Förderern oder aus Bunkern zugeführt und mit Schleusen in die Druckleitung eingebracht wird;

b) nach der Höhe des aufzuwendenden Förderdruckes in Niederdruck-, Mitteldruck- und Hochdruckanlagen;

c) nach der Bewegungsform des Feststoffes im Förderrohr in Anlagen mit Flugförderung, bei der das Gut (Späne, Getreide, Sand, Zement) durch die Leitung fliegt, mit Fließförderung, bei der sich mit Gas aufgelockerter Staub flüssigkeitsähnlich im Rohr bewegt, und mit Schubförderung, bei der Strähnen (zum Beispiel Staub), Pfropfen (zum Beispiel feuchter Formsand) oder ein geschlossener Gutstrang (zum Beispiel Beton) durch die Leitung gleiten. Im weiteren Sinne gehören zu den pneumatischen Förderer auch die in Silofahrzeuge für Zement und Futtermittel, in Dungstreuer u. ä. eingebauten pneumatischen Entleerungseinrichtungen.

pneumatische Knochen, pneumatisierte Knochen: Schädelknochen mit luftgefüllten und von Schleimhaut ausgekleideten Hohlräumen; stehen mit der Nasenhöhle oder der Paukenhöhle in Verbindung.

pneumatischer Motor: druckluftbetriebener Motor mit drehender beziehungsweise schwenkend oder geradlinig hin- und hergehender Antriebsbewegung. Ausführungsarten sind Druckluftkolbenmotoren und Druckluftturbinen. Pneumatischer Motor werden zum Beispiel als Antriebe für Winden, Spills, Druckluftwerkzeuge u. ä. eingesetzt.

pneumatolytische Phase: der Bildungsbereich von Mineralen aus Fluida mit vorwiegend überkritisches Wasser zwischen etwa 550 und 400 °C; meist an den Erstarrungsablauf granitischen Magmen gebunden.

Pneumohydraulik: Kombination der Hydraulik und Pneumatik in einer Anlage, angewendet zum Beispiel in Spannvorrichtungen und insbesondere in pneumohydraulischen Vorschubantrieben. Hierbei werden die Vorteile der einzelnen Prinzipien ausgenutzt, indem die Hydraulik die Kraft- oder Bewegungserzeugung und die Pneumatik die Steuerfunktionen übernimmt.

Pneumologie, Pulmologie: Lehre von den Funktionen und Erkrankungen der Lungen; im engeren Sinne Spezialdisziplin der inneren Medizin.

Pneumolyse: Freilegen eines Lungenflügels oder -Lappens aus den Verwachsungen mit dem Brustfell beziehungsweise dem Nachbarlappen, um seine Funktion wiederherzustellen oder ihn entfernen zu können.

Pneumothorax, Kurzwort Pneu: Luftansammlung im Brustfellraum durch Verletzung der Brustkorbwand von außen (offener Pneumothorax) oder durch spontanes oberflächliches Einreißen der Lunge an dünnwandigen Stellen (meist Rand Emphysemblasen). Spontanpneumothorax führt zum Zusammenfallen (Kollaps) von einzelnen oder mehreren Lungenlappen.

pn-Übergang: Übergangszone zwischen einem p- und einem n-leitenden Gebiet in einem Halbleiter, in der sich eine Sperrschicht ausbildet, deren Breite zum Beispiel von der am Kristall anliegenden Spannung abhängt; Grundlage für die Wirkung vieler Halbleiterbauelemente.

Po: größter Strom Italiens; 652 km, Einzugsgebiet 75000 km2; entspringt in den Cottischen Alpen, durchfließt als Gebirgsfluss Piemont, von Turin an als Tieflandfluss die von einem Kanalnetz durchzogene Poebene (46000 km2) nach Osten und mündet in 5 Armen in die Adria, in die er sein Delta jährlich bis zu 80 m vorschiebt. Die Nebenflüsse (von links Dora Riparia, Dora Baltea, Ticino, Adda, Oglio, Mincio; von rechts Tanaro) führen viel Wasser zu und werden zur Energiegewinnung genutzt. Die durch starke Schuttführung und geringes Gefälle verursachten Ablagerungen führen zur ständigen Erhöhung des Flussbettes. Deshalb wurde der Po ab Piacenza in Dämme gefasst, die immer wieder aufgestockt werden müssen (Flussbett im Unterlauf zum Teil 10 m über dem bebauten Land). Trotzdem kommt es bei Starkregen häufig zu Überschwemmungen. Die fruchtbare Poebene liefert hohe Erträge an Weizen, Reis, Mais, Zuckerrüben, Obst und Gemüse. Auch gibt es kleinere Vorkommen an Erdgas.

Pobedonoszew, Konstantin Petrowitsch, 2.6.1827-23.3.1907, ross. Politiker; Anhänger der zaristischen Selbstherrschaft, Gegner jeglicher liberaler Reformen; 1880/1905 Ober-Prokuror des Heiligen Synods (oberstes Organ der russisch-orthodoxen Kirche).

Pochette: Taschengeige: Tanzmeistergeige des 17./18. Jahrhundert, die sich in die Fracktasche stecken ließ; meist mit schmalem, bootsförmigem Schallkörper.

Pocken: 1. Pocken, Blattern (mittelhochdeutsch, beide «Blasen»), Variola (lateinisch, «Knötchen»; auch Variolen): durch Pockenviren hervorgerufene und durch Tröpfchen-, Staub- und Schmierinfektion übertragene sehr ansteckende, gefährliche Infektionskrankheit mit initialem hohem Fieber und typischer Hautausschlag, unter anderem in Form eitriger Bläschen mit zentraler Einziehung («Pockennabel») und späterer Vernarbung. Wirkungsvolle Vorbeugung durch konsequente Schutzimpfung. Pockenfreiheit der Welt seit 1979 dank eines weltweiten Pockenbekämpfungsprogramms der Weltgesundheitsorganisation. Durch Pockenviren kommen Erkrankungen bei allen Tieren vor. Die Verlaufsform bei Haustieren ist meist leicht (Hautveränderungen). Vogelpocken treten unter anderem bei Hühnern, Tauben und Puten auf und können bei Hinzutreten von Sekundärkeimen schwere Allgemeinstörungen verursachen.

2. durch Pilze hervorgerufene, auf Menschen nicht übertragbare weißliche Oberhautwucherungen bei Karpfen, Schleien und anderen Fischarten.

Podalgie: (griechisch) Fußschmerzen, insbesondere auf Grund statischer Fehlbelastung.

Podebrady, Jiri von, 23.4.1420 bis 22.3.1471, Verweser (seit 1452) und König (seit 1458) von Böhmen; letzter nationaler König; Repräsentant der Utraquisten; plante einen Bund europäischen Mächte, der Zwistigkeiten friedlich regeln sollte.

Podest: im eigentlichen Sinn Treppenabsatz oder horizontale Gehfläche zwischen 2 Treppen- oder Rampenläufen; im weiteren Sinne erhöhte Standfläche.

Podhale: von Kalksteingebirgszügen gegliederte Hochbeckenlandschaft in den Westkarpaten, im Süden Polens; im Süden von Hoher Tatra, im Norden von den Beskiden und im Osten von den Pieniny eingerahmt und vom Dunajec durchflossen; bedeutendes Erholungs-, Kur- und Wintersportgebiet (Zakopane, Nowy Targ); reiche Folklore der Goralen; Almwirtschaft

Podium: erhöhte Fußbodenfläche gegenüber dem Zuschauer- beziehungsweise Hörerraum (für Schauspieler, Musiker, Redner); Bühne.

Podolsk: Stadt im Gebiet Moskau; 210000 Einwohner; Maschinen-, Kesselbau, Zementproduktion, Buntmetallurgie; Leninmuseum.

Podsol: (russisch, «Aschenboden») Bleicherde: anhydromorpher Bodentyp mit einem meist sandigen Bleichhorizont über einem dunkelbraunen Anreicherungshorizont (Orterde); weist unter Wald eine Decke aus Rohhumus auf.

Poe, Edgar Allan, 19.1.1809-7.10.1849, US-amerikanischer Dichter und Literaturkritiker; Begründer der modernen Kurz- und Detektivgeschichte mit «Der Doppelmord in der Rue Morgue» (1841, deutsch), der Erzählung «Hinab in den Maelström» (1841, deutsch), der phantastischen Schauergeschichte «Die Wassergrube und das Pendel» (1845, deutsch) unter anderem Seine Gedichte zeichnen sich durch virtuoses Wort- und Klangspiel aus («Der Rabe», 1845, deutsch): Seine ästhetischen Ansichten sind dem L’art-pour-l’art-Prinzip verpflichtet.

Poel: in der Wismarbucht der Ostsee; 37 km2, 2700 Einwohner; Gemeinden Kirchdorf, Malchow und Fährdorf; Badestrand (Schwarzer Busch); Leuchtturm; Pflanzenzucht; Fischerei.

Poelaert, Jozef, 21.3.1817-3.11.1879, belgischer Architekt; schuf besonders in Brüssel repräsentative, dem Historismus verpflichtete Bauwerke, darunter den neubarocken Justizpalast (1866/83) als größtes bürgerliches Bauwerk des 19. Jahrhundert in Belgien.

Poelzig, Hans, 30.4.1869-14.6.1936, Architekt Kunsthandwerker, Bühnenbildner und Maler, 1920 Mitglied der Novembergruppe; einer der bedeutendsten Vertreter der rationalen Richtung der deutschen Architektur um 1900. Er wandte sich vom Historismus ab und gelangte in seinen Zweck- und Gemeinschaftsbauten zu einer konstruktiven, klaren Gliederung, die er durch individuell geformte plastische Elemente bereicherte.

Poem:

1. Literatur: größere (auch zyklische) lyrische Dichtung mit oft ausgeprägt epischen Zügen; besonders in der russischen und sowjetischen Literatur vertreten.

2. Musik: sinfonische Dichtung.

Poeta laureatus: «lorbeergekrönter Dichter», Ehrentitel in der griechischen-römischen Antike und vom 12. Jahrhundert bis in das 18./19. Jahrhundert in vielen europäischen Ländern; mit abnehmender Bedeutung.

Poetik: Lehre von der Dichtkunst (den literarischen Gattungen, Genres und Formen); Teildisziplin der Literaturtheorie; in früheren Jahrhunderten die Lehre vom poetischen Schaffen und den Regeln der Dichtung (Aristoteles, M. Opitz).

poetische Lizenz: dichterische Freiheit, in künstlerische Absicht von Detailwahrheiten oder dem allgemeinen Sprachgebrauch abzuweichen.

Poggendorff, Johann Christian, 29.12.1796 bis 24.1.1877, Physiker; wirkte in Berlin; arbeitete über Elektrizität und Magnetismus, gründete 1824 die «Annalen der Physik und Chemie» und gab seit 1863 das bis heute weitergeführte «Biographisch-Literarische Handwörterbuch der exakten Naturwissenschaften» heraus.

Pogodin, eigentlich Stukalov, Nikolai Fjodorowitsch, 16.11.1900-19.9.1962, russisch-sowjetischer Dramatiker; gestaltete in den Dramen «Mein Freund» (1932, deutsch) und «Aristokraten» (1934, deutsch) Probleme des sozialistischen Aufbaus. Die Persönlichkeit W. I. Lenins steht im Mittelpunkt der Stücke «Der Mann mit dem Gewehr» (1937, deutsch), «Das Glockenspiel des Kreml» (1940, deutsch) und «Schlussakkord» (19S8, deutsch).

Pogradec: Stadt und Kurort im Inneren Albaniens, am Südende des Ohridsees; 12000 Einwohner; Nickelerzbergbau.

Pogrom: (russisch, «Zerstörung») Hetze, Gewalttätigkeiten gegen einen unterdrückten Bevölkerungsteil, zum Beispiel im Mittelalter und im faschistischen Deutschland gegen Juden, in den USA gegen Afroamerikaner.

Poikilodermie: Hautkrankheit mit vielartigen Erscheinungen (Hyper- und Depigmentierungen, Gefäßerweiterungen, Atrophien, Verhärtungen); kann zum Beispiel nach Röntgenbestrahlungen auftreten, manchmal auch angeboren.

Poincare: 1. Henri, 29.4.1854-17.7.1912, französischer Mathematiker, Physiker und Philosoph; gab fundamentale Beiträge zur Funktionentheorie, zur Theorie der Differentialgleichungen, Topologie, Himmelsmechanik, Kosmogonie unter anderem und erkannte als einer der ersten die Bedeutung der Relativitätstheorie. Poincare erlangte auch Bedeutung für die Wissenschaftstheorie. Er gilt als Begründer des Konventionalismus; W. I. Lenin kritisierte seine Philosophie in «Materialismus und Empiriokritizismus».

2. Raymond, 20.8.1860—15.10.1934, französischer Politiker; 1912/29 wiederholt Ministerpräsident, 1913/20 Staatspräsident; einer der Initiatoren der Intervention in Sowjetrussland; setzte 1923 die französische Besetzung des Ruhrgebietes durch.

Point: Punkt, Spitze; Stich (im Kartenspiel), Auge (im Würfelspiel).

Pointe: (französisch) Spitze; Höhepunkt bei Witz, Anekdote und so weiter; Überraschungseffekt.

Pointe-Noire: Stadt (Regionszentrum) in der VR Kongo, am Atlant Ozean; 250000 Einwohner; kongolesisches Wirtschaftszentrum mit chemischer, Holz-, Fischverarbeitungsindustrie; Erdölraffinerie; Werft; Hochsee-, Fischereihafen, internationaler Flughafen; Museum, Zoo; bei Pointe-Noire Erdöl- und Erdgasförderung.

pointiert: (französisch) scharf zugespitzt, geistreich.

Poise: (nach einem französischen Arzt und Physiker) Zeichen P: veraltende Maßeinheit der dynamischen Viskosität (amtlich seit 1.1. 1980 ungültig); 1 P = 0,lPa-s.

Poisson, Denis, 21.6.1781 bis 25.4.1840, französischer Physiker und Mathematiker; grundlegende Arbeiten zum Beispiel zur Potentialtheorie, zu Elastizität und Wärmeleitung und zur Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Poissonsche Zahl: (nach S. D. Poisson) Verhältnis der relativen Querkontraktion zur relativen Längenänderung bei einachsiger Zugbeanspruchung im elastischen Verformungsbereich, Zeichen ft; liegt zwischen 0 und 0,5.

Poitier, Sidney, geboren 20.2.1927, US-amerikanischer Filmschauspieler; wurde zum ersten und bisher einzigen farbigen Star im US-amerikanischen Film, spielte unter anderem in «Die Saat der Gewalt», «Flucht in Ketten», «Porgy und Bess»; trat seit Anfang der 70er Jahre auch als Regisseur hervor («Buck und der Prediger», gemeinsam mit H. Belafonte).

Poitiers: Stadt im Westen Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Vienne, am Clain; 80000 Einwohner; metallverarbeitende, Elektro-, Textil-, chemische und Schuhindustrie; Universität (gegründet 1431), meteorologisches Observatorium; Museum, Kunstgalerie; Notre-Dame-la-Grande (11./12. Jahrhundert), gotische Kathedrale Saint-Pierre (12./16. Jahrhundert).

Pojezierze Kaszubskie, Kaschubische Seenplatte: seen- und waldreiches, hügeliges Endmoränengebiet des Baltischen Landrückens im Norden Polens, östlicher und höchster Teil des Pojezierze Pomorskie; bis 329 m; verbreitet Folklore; bedeutendes Erholungs- und Touristengebiet («Kaschubisch Schweiz»).

Pojezierze Mazurskie, Masurische Seenplatte, Masuren: seen- und waldreiches, hügeliges Endmoränengebiet im Nordosten Polens, Teil des Baltischen Landrückens; bis 312 m; durch den Unterlauf der Wisla vom Seengebiet Pojezierze Pomorskie getrennt; die Seen (darunter die größten polnische Seen Jezioro Sniardwy und Jezioro Mamry) sind teilweise durch Wasserwege untereinander verbunden; wichtiges Erholungs- und Touristengebiet; Binnenfischerei.

Pojezierze Pomorskie: seen- und waldreiches, hügeliges Endmoränengebiet im Norden und Nordwesten Polens, Teil des Baltischen Landrückens, zwischen Wisla und Oder; in ihrem östlichen und zugleich höchstem Teil, dem Pojezierze Kaszubskie, bis 329 m ansteigend; Erholungs- und Touristengebiet.

Pojezierze Suwalskie: wald- und seenreiches, hügeliges Endmoränengebiet im Nordosten Polens, nahe der Grenze zur UdSSR, vielfach als Teil des Pojezierze Mazurskie verstanden; bis 289 m; die zahlreichen Seen sind durch Abflüsse und den Kanal Augustowski untereinander verbunden; zunehmend für Erholung und Tourismus erschlossen.

Pokal: 1. Kunst kelchartiges Trinkgefäß aus Edelmetall oder Glas, bestehend aus Fuß, Schaft, Trinkschale und meist einem Deckel; seit dem 15. Jahrhundert als Prunk- und Ziergefäß verwendet.

2. Pokal, Cup, Coupe: Sport beliebig gestalteter Siegespreis in bestimmten, meist periodisch ausgetragenen Wettkämpfen, die (in Mannschaftswettbewerben) meist nach dem Pokalsystem ausgetragen werden.

Pokalsystem, K.-o.-System: Austragungsmodus für Turniere und Pokalwettbewerbe zur schnelleren Gesamtsiegermittlung. Die Verlierer einer Spielrunde scheiden aus.

Pökeln: Haltbarmachen von Fleisch mit Pökelsalz, einem Gemisch aus Kochsalz mit 0,5 bis 0,6 % Natriumnitrit-Zusatz.

Poker: Kartenglücksspiel mit 52 Blatt (französische Karte) für beliebig viele Teilnehmer, die je 5 Karten erhalten.

Pokorny, Karel, 18.1.1891-14.2.1962, tschechischer Bildhauer; 1945/62 Professor an der Prager Akademie der bildenden Künste; wandte sich besonders seit den 20er Jahren sozialen Themen zu.

Pokrowski: 1. Boris Alexandrowitsch, geboren 23.1. 1912, sowjetischer Opernregisseur; seit 1954 Professor am Staatlichen Institut für Bühnenkunst in Moskau; wirkt seit 1943 als Regisseur (seit 1952 Chefregisseur) am Bolschoi-Theater in Moskau und ist durch Gastinszenierungen auch international bekannt geworden.

2. Michail Nikolajewitsch, 29.8.1868-10.4.1932, Sowjet Historiker; seit 1905 Bolschewik; seit 1918 Stellvertreter des Volkskommissars für Volksbildung der RSFSR; er verfasste die ersten marxistischen Gesamtdarstellungen zur russischen Geschichte und erwarb sich große Verdienste bei der Herausbildung der marxistischen Historiographie in der UdSSR.

pokulieren: (dat.) bechern, zechen.

Pol:

1. Pol - Analysis: besondere Stelle z0 einer regulären Funktion/(z) (Funktionentheorie), für die bei Annäherung von z an der Betrag 1 von /(z) unbeschränkt wird; zum Beispiel hat /(z) = z 1 bei z0 = 1 einen Pol. S.a. Laurent-Entwicklung.

2. Pol - Astronomie: Punkt, an dem die Drehachse eines Himmelskörpers die Oberfläche durchstößt (im Norden Nordpol, im Süden Südpol). Die verlängerte Drehachse der Erde, die Himmelsachse, definiert an der Himmelskugel den Himmelsnordpol beziehungsweise Himmelssüdpol. Die Pole haben vom Äquator einen Winkelabstand von 90°. entsprechend ordnet man auch anderen astronomisch wichtigen Großkreisen Pole zu, zum Beispiel Pole der Ekliptik, galaktische Pole (siehe auch Koordinatensystem 1). Außerdem besitzen Himmelskörper mit Magnetfeld, zum Beispiel Erde, Merkur, Jupiter und Saturn, auch magnetische Nord- und Südpole (siehe auch Magnetpole).

3. Pol - Elektrotechnik: Anschlussklemme von Stromquellen; am Pluspol herrscht Mangel, am Minuspol Überschuss an Elektronen.

4. Pol - Geographie: einer der beiden Punkte, durch den bei der Rotation der Erde um sich selbst die Erdachse die Erdoberfläche durchstößt und der das Zentrum der Polargebiete darstellt. Während der Nordpol sich im Arktischen Ozean befindet, liegt der Südpol auf dem antarktischen Festland 2804 m über dem Meeresspiegel. Die Pole wanderten im Laufe der Erdgeschichte; der Nordpol lag vor 600 Millionen Jahren vermutlich inmitten des Stillen Ozeans nahe dem heutigen Äquator.

5. Pol - Geometrie: ein Punkt ausgezeichneter Lage oder von besonderer Bedeutung; in einem Polarkoordinatensystem zum Beispiel der Ursprung.

6. Pol - Physik: Quelle (Nordpol) beziehungsweise Senke (Südpol) der magnetischen Feldlinien.

7. Pol - Textiltechnik: an der Oberseite textiler Flächengebilde aus besonders hochwertigen Faserstoffen senkrecht angeordnete Fadenschlingen oder Faserbüschel (Polnoppen).

Polabisch, Elbslawisch: Sprache ausgestorbener westslawischer Bevölkerung am Unterlauf der Elbe (altslawisch: Laba); von den benachbarten Deutschen wurde das Polabisch Wendisch genannt.

Polanica-Zdroj: Kur- und Erholungsort in Polen (Wojewodschaft Walbrzych), in einem Talkessel der Sudety; 8000 Einwohner; Mineralbad; Glasindustrie; Kurpark, Theater, Wintersportplatz (380 m über dem Meeresspiegel).

Polarbahn: Umlaufbahn von Raumflugkörpern, deren Bahnneigungswinkel genau oder annähernd 90° beträgt. Polarbahn haben große Bedeutung für Erderkundungs- und Wettersatelliten, da aus ihnen aus entsprechend Höhe innerhalb eines Tages die nahezu lückenlose Erfassung der Erdoberfläche in angenäherter Draufsicht möglich ist.

Polarfront, Arktikfront: atmosphärische Grenzfläche der mittleren Breiten, die relativ kalte Polarluft von relativ warmer subtropischer Luft (Tropikluft) trennt und an der es bevorzugt zu Zyklonenbildung kommt.

Polarfronttheorie: Lehre von der Entstehung der Frontalzonen, die besonders die Zyklonen der gemäßigten Breiten als Wirbel zweier verschiedener Luftmassen an der Polarfront auffasst

Polargebiete: die um die geographischen Pole der Erde gelegenen Land- und Meeresräume, in denen infolge des tiefen Standes der Sonne deren Strahlungskraft gering ist (Polarnacht). Polargebiete weisen äußerst kalte und lebensfeindliche Klimate auf. Das Gebiet um den Nordpol bezeichnet man als Arktis, das um den Südpol als Antarktis.

Polarimetrie: Bestimmung der Konzentration gelöster optisch aktiver Substanzen (zum Beispiel Zucker) durch Messung der Drehung der Schwingungsebene polarisierten Lichtes, mit dem die Lösung durchstrahlt wird.

Polarisation: 1. Polarisation, elektrochemische Polarisation: physikalische Chemie durch elektrischen Strom bewirkte Änderung des Elektrodenpotentials, zum Beispiel durch chemische Veränderung der Elektrodenoberfläche (ehem. Polarisation) oder durch Konzentrationsänderungen im angrenzenden Elektrolytbereich (Konzentrationspolarisation) Die Polarisation führt meist zu einer unerwünschten Gegenspannung, wird jedoch bei der Polarographie analytisch ausgenutzt.

2. Wellenoptik: Eigenschaft einer transversalen Welle, bestimmte Schwingungszustände zu enthalten. Bei linearer Polarisation einer elektromagnetischer Welle (zum Beispiel Lichtwelle) schwingt die elektrische Feldstärke in einer raumfesten Schwingungsebene, die magnetische Feldstärke in der dazu senkrechten Polarisationsebene. Bel zirkularer Polarisation läuft die Spitze des Feldstärkevektors auf einem Kreiszylinder, bei elliptischer Polarisation auf einem elliptischen Zylinder um. Linear polarisiertes Licht wird mit Polarisatoren erzeugt, zum Beispiel Polarisationsprismen oder Interferenzschichtsysteme. Flächenpolarisatoren (Polarisationsfilter) sind planparallele Kristallplatten oder Folien aus dichroitischen Stoffen (zum Beispiel Turmalin), bei denen einer der beiden durch Doppelbrechung erzeugten und linear polarisierten Strahlen stark absorbiert wird (Dichroismus bei optisch einachsigen Kristallen). Analysatoren dienen dem Nachweis von polarisiertem Licht. Zirkular und elliptisch polarisiertes Licht wird mit Phasenplatten (doppelbrechende planparallele Kristallplatten) erzeugt, in denen die 2 senkrecht zueinander linear polarisierten Wellen eine Phasendifferenz erfahren.

Polarisationsmikroskop: Spezialmikroskop, mit dem an geeigneten Präparaten von Kristallen, natürlicher Mineralen und Gesteinen sowie synthetischen Produkten optischer Untersuchungen im polarisierten Durchlicht ausgeführt werden können. Ein zusätzlich eingebauter Opakilluminator als Planglas- beziehungsweise Prismen Illuminator ermöglicht Untersuchungen im reflektierten Auflicht.

Polarisationsprisma: Prisma aus optisch einachsigem Kristall zur Erzeugung linear polarisierten Lichtes auf Grund der Doppelbrechung. Das Nicolsche Prisma besteht aus 2 Kalkspat Teilen, die mit Kanadabalsam verkittet sind. An der Kittschicht wird der ordentliche Strahl totalreflektiert, so dass nur der linear polarisierte außerordentliche Strahl hindurchgeht.

Polarität: 1. allgemein Gegensätzlichkeit; das Vorhandensein zweier Pole.

2. Philosophie: gegensätzliche, konträre Struktur der Dinge und Erscheinungen.

Polarjahr: Bezeichnung für international abgestimmte Jahre verstärkter geographischer, meteorologischer, ozeanographischer und geophysikalischer Erforschung der Polargebiete, besonders der Arktis. Das erste Internationale Polarjahr wurde 1882/83 unter Beteiligung von 10 Staaten mit 15 festen Stationen in der Arktis, das zweite Internationale Polarjahr 1932/33 von 15 Staaten mit 200 Stationen allein in der Arktis durchgeführt. Die Forschungen wurden im Rahmen des Internationalen Geophysikalischen Jahres 1957/58 fortgesetzt.

Polarkoordinaten: spezielle Koordinaten in der Ebene oder im Raum, dort auch Kugelkoordinaten genannt. Ein Polarkoordinatensystem besteht aus einer Halbgeraden s, der Polarachse, mit Anfangspunkt 0, dem Pol des Polarkoordinatensystems. Die Polarkoordinaten eines Punktes P sind die Länge r der Strecke OP und die Größe cp des orientierten Winkels zwischen s und OP.

Polarkreise: im Gradnetz der Erde die Breitenkreise in 66° 33° nördliche Breite und südliche Breite, die die Polarzonen mit Polarnacht und -tag von den gemäßigten Zonen abgrenzen und über denen die Sonne während der Wintersonnenwende auf der jeweiligen Halbkugel gerade den Horizont berührt.

Polarlicht: besonders in den Polargebieten als Nord- beziehungsweise Südlicht auftretende, bis zu einigen Stunden anhaltende Leuchterscheinung in der Hochatmosphäre. Das Polarlicht entsteht durch das Eindringen starker solarer Partikelstrahlung in etwa 75 bis 500 km Höhe; Gasteilchen werden durch sie zum Leuchten angeregt.

Polarnacht: die Zeit, in der die Sonne länger als 24 Stunden unter dem Horizont bleibt; tritt im Winter der jeweiligen Halbkugel in der Polarzone ein; erreicht an den Polen die Dauer von einem halben Jahr. Der Polarnacht entspricht im Sommer der jeweiligen Halbkugel der Polartag, an dem die Sonne länger als 24 Stunden über dem Horizont bleibt. Die Ursache der Polarnacht beziehungsweise des Polartages ist die Neigung der Erdachse gegen die Ekliptik.

Polarographie: elektrochemische Analysenmethode, der die Aufnahme einer Stromstärke Spannungs-Kurve während der Elektrolyse der Untersuchungslösung zugrunde liegt. Als Kathode (Indikatorelektrode) dient meist eine (durch Abtropfen ihre Oberfläche ständig erneuernde) Quecksilbertropfelektrode, als zugehörige Anode (Bezugselektrode) in der Regel Quecksilber auf dem Boden des Elektrolysiergefäßes. Die Polarographie eignet sich zur qualitativen und zugleich quantitativen Bestimmung zahlreicher Kationen und Anionen sowie einiger Organ. Verbindungen. Im einfachsten Fall wird bei stetig steigender Gleichspannung der Verlauf der Stromstärke registriert. Es entsteht eine stufenförmige Stromstärke-Spannungs-Kurve (Polarogramm), wobei die Anzahl der Stufen der Anzahl der reduzierbaren Ionenarten entspricht, während aus der Höhe der Stufen deren Konzentration ermittelt wird. Die Art der vorhandenen Ionen ist aus dem Spannungs- beziehungsweise Potentialwert (Halbwellenpotential) ersichtlich, bei dem der Übergang von einer Stufe zur anderen erfolgt Aufgrund ihrer Empfindlichkeit wird die Polarographie vielfach in der Spurenanalytik eingesetzt.

Polaron: ein Quasiteilchen, das aus einem Elektron im Festkörper und der durch das Elektron hervorgerufenen und sich mitbewegenden Gitterdeformation besteht

Polarstern, Nordstern, Polaris: hellster Stern im Sternbild Kleiner Bär. Seine Helligkeit schwankt zwischen 2“1 und 2”3. Er steht gegenwärtig weniger als 1° vom Himmelsnordpol entfernt. Siehe auch Sternkarte.

Polder: im weiteren Sinne unter dem Meeres-, See- oder Flusswasserspiegel liegende und zum Schutz gegen Überflutung eingedeichte Landfläche; im engeren Sinne in den Niederlanden und Ostfriesland eingedeichtes Marschland, nördlich der Elbe als Koog (Kog) bezeichnet.

Pol der relativen Unzugänglichkeit: 1. abgelegenster Punkt Antarktikas, im Osten des Kontinents, bei 82°06' südliche Breite und 54°58' östlicher Länge; 3 719 m überm Meer, 1350 km von allen Küsten entfernt; erstmalig von E. Tolstikow 1958 aufgesucht.

2. abgelegenster Punkt in der Arktis, in der Beaufortsee des Arktischen Ozeans, bei 83°40' nördlicher Breite und 170° westlicher Länge; erstmalig von H. Wilkins 1927 mit dem Flugzeug aufgesucht

Poldistanz: Winkelabstand eines Gestirns vom Himmelspol; siehe auch Koordinatensystem.

Polemik: (meist) publizistisch ausgetragener Meinungsstreit; literarische Fehde.

Polen: mechanisches Spülen eines dünnflüssigen Metallbades durch die aus eingeführten, feuchten Holzstämmen frei werdenden Gase oder Dämpfe, um Verunreinigungen zu oxydieren beziehungsweise gelöste Gase auszuspülen.

Polen: Staat im 0sten Mitteleuropas; grenzt im Norden an die Ostsee.

Bevölkerung: Im Verlauf der sozialistischen Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg stieg die Anzahl der Einwohner von 1946 bis 1986 von 23,9 auf 37,5 Millionen an. Somit wurde die Einwohnerzahl von 1938 (34,8 Millionen) überschritten. Der natürliche Bevölkerungszuwachs liegt bei jährlich etwa 0,9 %. Nur 1,3 % der Bewohner gehören nationalen Minderheiten an. Amtssprache ist Polnisch Am dichtesten bevölkert sind die Wojewodschaften Lódi, Warschau, Katowice und Kraków, am geringsten die im Bereich des Pojezierze Mazurskie gelegenen Wojewodschaften Lomza und Suwalki. Der Anteil der Stadtbevölkerung erreicht gegenwärtig 60 % (1946 nur 32 %). Von der Bevölkerung sind etwa 25 % im Kindes- (bis 14 Jahre), 64% im erwerbsfähigen und 11% im Rentenalter. Von den Erwerbstätigen sind etwa 30 % in der Industrie, 8 % im Bauwesen, 30 % in der Landwirtschaft, 6 % im Verkehrs- und Nachrichtenwesen und 7 % im Handel tätig. Etwa 6 % der im Sozialist Sektor Beschäftigten haben eine Hochschul-, 23 % eine Ober- und Fachschulbildung. Natur

Oberfläche: Sie hat überwiegend Tieflandcharakter; 71 % der Landesfläche liegen unter 200 m, 26 % bei 200 bis 500 m und nur 3 % über 500 m. Obwohl Tiefland überwiegt, ist die Oberfläche infolge eiszeitlicher Überformung sehr abwechslungsreich Sie wird in 6 west-östlich verlaufende naturgeographischen Zonen untergliedert. Von Norden nach Süden sind dies:

a) schmaler Streifen tiefgelegener Küstenebenen (Ausgleichsküste) mit ausgedehnten Niederungen im Mündungsgebiet von Oder und Wisla;

b) Zone der Seenplatten (Pojezierze Mazurskie unter anderem) im Bereich hügeliger Moränen des Baltischen Landrückens;

c) Zone fruchtbarer Binnenlands Niederungen (etwa 50% des Territoriums), die von Urstromtälern durchzogen werden (Nizina Wielkopolska unter anderem);

d) Zone der Hochflächen, Mittelgebirge und erzreichen Hügelländer (Sudety, Wyzyna Krakowsko Czestochowska, Wyzyna Malopolska, Wyzyna Lubelska unter anderem);

e) Zone des Vorkarpatenbeckens;

f) Karpaten mit Tatra (Rysy, mit 2499 m höchster Berg Polens), der Hochbeckenlandschaft Podhale, den Beskiden und dem Karpatenvorland.

Klima: Es ist gemäßigt und gehört zum Übergangsgebiet vom maritimen Typ im Nordwesten zum kontinentalen im Osten und Südosten.

Gewässer: Das Flussnetz wird vor allem durch die Wisla mit ihren Nebenflüssen Dunajec, San, Wieprz, Pilica, Bug/Narew sowie durch die Oder mit ihren Zuflüssen Warta/Notec, Bebr unter anderem gebildet; 99,7 % der Oberfläche werden zur Ostsee entwässert Niedrige Wasserscheiden erleichtern die Verbindung der Flüsse durch Kanäle. Polen besitzt etwa 9300 Seen (größer als 1ha), am größten sind Jezioro Sniardwy und Jezioro Mamry. Die größten Stauseen hegen am San, Dunajec, an der Wisla und Nysa Klodzka.

Böden: Es überwiegen mäßig fruchtbare Böden, die Düngung, Melioration und andere agrotechnische Maßnahmen erfordern. Nördlich der Linie Legnica-Wroclaw-Lublin dominieren Böden aus eiszeitlichem Material (Sand, Ton, Lehm), in den Niederungen anmoorige Böden, die nach Entwässerung fruchtbar werden, südlich dieser Linie Verwitterungsböden; Teile des Karpatenvorlandes haben Lößbedeckung mit heute fruchtbarem Ackerland. Pflanzen- und Tierwelt. Die Flora Polens gehört zur mitteleuropäischen Zone der Laub- und Mischwälder, insgesamt sind 28 % der Landesfläche bewaldet; 80 % sind Nadel- und 20 % Laubwald; vielfach Flach-, seltener Hochmoore. Die Fauna wird durch Tierarten der Laub- und Mischwälder bestimmt; Hauptvertreter sind Hirsch, Reh, Wildschwein sowie mehrere Waldvogelarten; in den Karpaten Gebirgs- und Hochgebirgsarten (Gemse, Murmeltier, Luchs, Braunbär). Flora und Fauna werden in 14 Nationalparks geschützt. Bodenschätze. Polen hat ein reiches Naturdargebot an Brenn- und mineralischen Rohstoffen, die teilweise erst unter der Volksmacht entdeckt und durch den Bergbau erschlossen wurden; Steinkohle im GOP, besonders im Revier Rybnik (Gas-Koks-Kohle), bei Walbrzych und Nowa Ruda; neue Steinkohlebecken wurden in den Wojewodschaften Lublin und Biala Podlaska entdeckt und zum Teil bereits erschlossen; Braunkohle um Turoszów, in Zentralpolen (Konin) und bei Belchatów unweit von Lodi; große Torflager im Norden und NO; Schwefel bei Tarnobrzeg und Grzybów südöstlich von Kielce; Kupfererze im Raum Legnica-Glogów-Lubin; Blei- und Zinkerze am Nordostrand des GOP, besonders bei Olkusz; Eisenerze (durchschnittlich 30 % Fe-Gehalt) im Raum Czestochowa-Wielun, Kielce und Leczyca; Erdöl im Karpatenvorland (Krosno/Jaslo) und im Becken von Sandomierz; im Karpatenvorland auch beachtliche Erdgasvorkommen (Gebiet Lubaczów-Przemyél), ferner in den Wojewodschaften Poznan und Zielona Gòra, bei Ostrów Wielkopolski und im Seengebiet Pojezierze Pomorskie; reiche Steinsalzlager im Karpatenvorland (Wieliczka, Bochnia), Inowroclaw und Klodawa; ferner Vorkommen von Baryt, Magnesit, Kaolin, Marmor und Baustoffen; zahlreiche Mineralquellen, besonders in den Sudety und Karpaten.

Geschichte: Seit dem 6./7. Jahrhundert zeigten sich bei den slawischen Stämmen, die das Territorium des heutigen Polen besiedelten, Ansätze zur Herausbildung frühfeudaler Verhältnisse. Im 8./9. Jahrhundert entstanden die ersten slawischen Stammesfürstentümer bei den Wislanen und später bei den Polanen im Warta-Notec-Becken. Die Herrscher der Polanen begründeten das älteste polnische Fürstenhaus, die Dynastie der Piasten, und Großpolen (Wielkopolska) wurde zum Zentrum des entstehenden polnischen Staates. Der erste historisch nachweisbare Fürst war Mieszko l., der 966 zusammen mit dem Adel das Christentum nach dem lateinischen Ritus annahm. Sein Sohn, Boleslaw I. Chrobry, dehnte die Westgrenzen Polens bis zur Oder- und Spreemündung und zur Lausitz aus, im Osten entriss er der Kiewer Rus die Westukraine. Im Jahre 1000 errichtete er das Erzbistum Gniezno. Die weitere Entwicklung des Feudalismus führte zur Schwächung der königlichen Zentralgewalt und zum verstärkten Einfluss der Magnaten. Boleslaw III. Krzywousty unternahm 1138 den Versuch, durch das Senioratsstatut (der älteste Piast wurde jeweils Großfürst) die inneren Kämpfe und die feudale Zersplitterung einzuschränken. Doch 1157 musste Boleslaw IV. die Lehnshoheit des. Heiligen römischen Reiches unter Friedrich Barbarossa anerkennen. Nachdem 1226 Konrad von Masowien den Deutschen Ritterorden zur Unterwerfung der Pruzzen ins Land gerufen hatte, kam es zur Bildung des aggressiven Ordensstaates. Trotz feudaler Zersplitterung war Polen im 12. und 13. Jahrhundert durch eine rasche Entwicklung der Wirtschaft und Kultur gekennzeichnet. Der im 13 Jahrhundert einsetzende Einigungsprozess der polnischen Teilfürstentümer fand unter Kazimierz IH. Wielki (1333/70) seinen Abschluss. 1386 schlossen sich Litauen und Polen in Personalunion (Vertrag von Krewo) zusammen. Die vereinigten polnisch-litauisch-russischen Heere errangen bei Grunwald 1410 einen Sieg über den Deutschen Ritterorden, der 1466 endgültig unterworfen wurde. Polen wurde einer der bedeutendsten Staaten Mittel- und Osteuropas. Im 16. Jahrhundert verwandelte sich Polen in eine Adelsrepublik (Rzeczpospolita szlachecka), in der Schlachta und Magnaten um die Vorherrschaft kämpften. In den Städten gediehen Handel und Gewerbe; Blütezeit der Renaissancekultur. Der Expansionsdrang der polnischen Feudalen nach Osten führte 1569 zur Bildung der Lubliner Union mit Litauen. Der einsetzende ökonomische Aufschwung Polens stärkte die Macht des Adels und führte Anfang des 17. Jahrhundert erneut zum Verfall der Zentralgewalt. Eine politische, ökonomische und soziale Krise, verstärkt durch ständige Kriege gegen Russland, Schweden und die Türkei, erfasste Polen Es kam zu Kosakenerhebungen 1648/54 unter B. Chmelnizki und einem Bauernaufstand 1651 unter Kostka Napierski. Jan HI. Sobieski (1674/96), der die Türken 1683 bei Wien vernichtend schlug, versuchte erfolglos, Polen zu stabilisieren. Polen wurde im 18. Jahrhundert immer mehr zum Objekt der Machtkämpfe europäischen Fürstenhäuser. 1697 erwarb August H., Kurfürst von Sachsen, die polnische Königskrone und verwickelte Polen in den nordischen Krieg; unter Augustin kam es zum polnischen Thronfolgekrieg 1733/35 (Auseinandersetzung zwischen Russland und Österreich einerseits sowie Frankreich und Spanien andererseits um den polnischen Thron). Das von Cliquenkämpfen zerrissene Land verfiel völlig, der Sejm wurde beschlussunfähig. 1764 kam mit Hilfe Russlands Stanislaw II. August Poniatowski auf den Thron. Ab Mitte des 18. Jahrhundert begannen sich kapitalistische Verhältnisse zu entwickeln, aber heftige Kämpfe zwischen den einzelnen Fraktionen der herrschenden Klasse schwächten Polen weiter, wobei sich die Magnaten mit dem russischen Zarismus verbündeten. Auf Betreiben Preußens kam es 1772 zur 1. Teilung Polens, das fast ein Drittel seines Territoriums an Preußen, Russland und Österreich verlor. In diese Zeit fiel die Blüte der Aufklärung in Polen mit S. Staszic. Mit der Edukationskommission (1773) entstand das erste Bildungsministerium Europas. Die progressiven und patriotischen Kräfte berieten auf dem Vierjährigen Sejm (1788/91) eine Reihe Reformen und setzten diese sowie am 3. 5. 1791 eine fortschrittlichen Verfassung gegen den Widerstand der Magnaten durch. 1793 erfolgte die 2. Teilung Polens durch Preußen und Russland; die Reformen wurden rückgängig gemacht. Der Aufstand unter T. Kosciuszko 1794 gegen die Teilungen scheiterte, war aber von großer Bedeutung für die europäische revolutionäre Bewegung. Mit der nach der Niederschlagung des Aufstandes erfolgten 3. Teilung 1795 war Polen restlos unter seine Nachbarn Russland, Österreich und Preußen aufgeteilt. Ein Teil des polnischen Adels orientierte sich in der Folgezeit auf den russischen Zaren Alexander I., die patriotischen Kräfte, die in der Emigration lebten, auf Frankreich. Sie kämpften unter J. H. Dsbrowski in der polnischen Legion auf Seiten Napoleons I. Dieser bildete 1807 aus den von Preußen und Österreich annektierten polnischen Gebieten das von ihm abhängige Großherzogtum Warschau, in dem die Leibeigenschaft aufgehoben wurde. Nach dem Sturz Napoleons I. schuf der Wiener Kongress 1815 das Königreich Polen (Kongresspolen) in Personalunion mit Russland; Galizien kam zu Österreich, Krakow wurde Freistaat (1846 jedoch auch von Österreich annektiert); in Großpolen entstand das preußische Großherzogtum Posen. Die polnische Frage wurde für lange Zeit zu einem Kernproblem der internationalen Beziehungen und die polnische Befreiungsbewegung zu einem wichtigen Element der gesamteuropäischen revolutionären Bewegung.

Der Kampf des polnischen Volkes um nationale Unabhängigkeit führte 1830/31 zum Aufstand gegen die soziale und nationale Unterdrückung durch den Zarismus. Auf Grund der Schwäche der polnischen Bourgeoisie hatte der Adel die führende Rolle. Nach seinem Misslingen sammelten sich die Konservativen und Liberalen in der «Großen Emigration» um A. I. Czartoryski, die revolutionär-demokratische Kräfte in der polnischen demokratischen Gesellschaft um J. Lelewel. 1848/49 beteiligten sich zahlreiche polnische Freiheitskämpfer (J. Bern, L, Mieroslawski, A. Mickiewicz, H. Dembinski) an den revolutionären Bewegungen in Deutschland, Österreich, Ungarn und Italien. Charakteristisch für die revolutionäre Bewegung in Polen wurde in zunehmendem Maße das Bündnis mit den revolutionären Kräften Russlands. 1863/64 kam es unter Führung der «Partei der Roten» (niedere Schlachta, Intelligenz, Stadtarmut, Teile der Bauernschaft) erneut zum Aufstand: Er scheiterte infolge der reaktionären Zielsetzung der am; Aufstand Beteiligten «Partei der Weißen» (Großgrundbesitzer, Schlachta, Bourgeoisie). Nach seiner Niederschlagung setzte in Kongresspolen eine Zeit schärfster Russifizierungs-Maßnahmen ein und in den von Preußen annektierten Gebieten eine brutale Germanisierungspolitik.

Im Ergebnis der durch den Aufstand und die ökonomische Entwicklung erzwungenen Aufhebung der Leibeigenschaft (Bauernreform von 1864) setzte sich der Kapitalismus im Königreich Polen rasch durch. Es entstanden die großen Industriezentren Górnicza, Lòdi, Warschau sowie die Bergwerks-, Metall- und Hüttenindustrie. In den 70er Jahren des 19. Jahrhundert begann sich die revolutionäre Arbeiterbewegung herauszubilden. Die ersten Streiks und Gewerkschaftsorganisationen, Arbeiterzeitungen und illegalen Zirkel bereiteten die Gründung Sozialist Organisationen vor. 1882 entstand die erste marxistische polnische Arbeiterpartei, das Große Proletariat, 1888 das ü. Proletariat und 1889 der Bund polnischer Arbeiter. 1892 wurde die polnische Sozialistische-Partei (polnisch Abkürzung PPS) gegründet, die in sich gespalten war und unter reformistischen Einflüssen der damaligen Sozialdemokratischen Parteien Westeuropas stand. 1893 bildete sich die Sozialdemokratie des Königreiches Polen und Litauens (polnisch Abkürzung SDKPiL). Zu ihren hervorragenden Vertretern gehörten unter anderem R. Luxemburg, J. Marchlewski, F. Dzierzynski, Leo Jogiches-Tyszka. In den anderen Teilungsgebieten entstand der PPS nahestehende Sozialist Parteien. Gegen Ende des Jahrhunderts bildeten sich auch bürgerliche Parteien wie 1897 die nationaldemokratische Partei, die sich zu einer konservativen, nationalistischen Partei entwickelte. Die revolutionären Erhebungen 1905/07 im Königreich Polen waren Bestandteil der russischen Revolution und erfassten alle Teilungsgebiete. Sie griffen auf die Bauernschaft sowie auf Schüler und Studenten über. Unter dem Einfluss der revolutionären Ereignisse schritt der Polarisierungsprozess in der polnischen Gesellschaft voran. Es vertiefte sich der Konflikt innerhalb der PPS, und 1906 entstand die PPS-Linke, die sich der SDKPiL, deren Einfluss wuchs, annäherte. Gewerkschaftsorganisationen bildeten sich. Die polnische Bourgeoisie orientierte sich teils auf Russland und die Entente, teils zusammen mit der reformistischen PPS (J. Pilsudski) auf die Mittelmächte. Nur die SDKPiL und die PPS-Linke standen auf einer Internationalist Position und erstrebten revolutionäre Veränderungen. Im Sommer 1915 besetzten deutsche und österreichisch-ungarische Truppen das Königreich Polen; die Okkupanten proklamierten am 5.11. 1916 ein angeblich selbständiges Königreich. Unter dem Einfluss der Februarrevolution 1917 in Russland erlebte die revolutionäre Bewegung in Polen einen neuen Aufschwung.

Der Sieg der Großen sozialistischen Oktoberrevolution und die Niederlage Deutschlands und Österreich Ungarns im 1. Weltkrieg ermöglichten dem um seine nationale Befreiung kämpfenden polnischen Volk die Errichtung eines unabhängigen Staates. Der Rat der Volkskommissare bestätigte am 15.11.1917 die «Deklaration der Rechte der Völker Russlands», die das Recht jeder Nation auf Selbstbestimmung bis zur Lostrennung und Bildung eines eigenen Staates verkündete. In einem Dekret vom 29.8. 1918 wurden alle vom zaristischen Russland geschlossenen Verträge über die Teilungen Polens annulliert und das unbestreitbare Recht des polnischen Volkes auf Unabhängigkeit Und Einheit anerkannt. Die Entente sah sich zum Handeln herausgefordert. USA-Präsident T. W. Wilson musste in das Vierzehn-Punkte-Programm die Bildung eines selbständigen polnischen Staates aufnehmen. Am 7. li. 1918 wurde in Lublin die Provisorische Regierung unter I. Daszynski (PPS) gebildet, die ein demokratisches Programm entwickelte, die revolutionären Arbeiter und Bauern aber nicht zur Abwehr der Reaktion und zur Umsetzung dieses Programms aufrief. Die Wiedererrichtung des selbständigen Staates erfolgte unter Führung der polnischen Bourgeoisie. Durch harte Klassenkämpfe konnten die Arbeiterräte jedoch Teilerfolge bei der Durchsetzung sozialer Forderungen (Achtstundentag, Mieterschutz, Krankenversicherung) erreichen, die sich im Entwurf der bürgerlich-demokratischen Verfassung von 1921 widerspiegelten. Die am 16.12.1918 durch den Zusammenschluss von SDKPiL und PPS-Linke gegründete Kommunistische Arbeiterpartei Polens (ab 1925 KP) führte einen opferreichen Kampf gegen die zunehmend antidemokratische Innenpolitik und die reaktionäre Außenpolitik. Polen beteiligte sich an der Intervention gegen Sowjetrussland und sicherte sich 1921 im Frieden zu Riga die Annexion Westbelo-Russlands und der Westukraine. Im Mai 1926 unternahm J. Pilsudski unter der Losung der «Sanierung» (Sanacja) einen Staatsstreich und errichtete eine Militärdiktatur (Sanacja-Regime). 1935 wurde eine neue reaktionäre Verfassung beschlossen, die das Parlament dem Präsidenten unterstellte und dem Senat auf Kosten des Sejms größere Rechte einräumte. Die KP entwickelte, gestützt auf die Volksfrontkonzeption des VH. Weltkongresses der KI, eine breite Bündnispolitik und nahm Einfluss auf die Streiks und Bauerndemonstrationen 1936/37. Die im Sommer 1938 vom EKKI auf Grund später (1956) als falsch erkannter Anschuldigungen beschlossene Auflösung der KP komplizierte die Lage der Arbeiterbewegung. Die polnischen Kommunisten setzten ihren Kampf auch nach Auflösung der Partei fort

Am 1.9. 1939 überfiel das faschistische Deutschland Polen, das von seinen Bündnispartnern Frankreich und Großbritannien keine Unterstützung erhielt. Die deutschen Faschisten teilten das Land in das Generalgouvernement und die «eingegliederten Gebiete». Während des Krieges verlor Polen 6 Millionen Menschen, die der systematischen Vernichtung durch die Faschisten zum Opfer fielen. Im besetzten Polen entwickelte sich die antifaschistische Widerstandsbewegung, die zunehmend bewaffnete Partisanenaktionen einschloss, jedoch politisch gespalten blieb. Zahlreiche bewaffnete Einheiten, unter anderem die Armia Krajowa (Landesarmee) und die Bataliony Chlopskie (Bauernbataillone) standen unter dem Einfluss der bürgerlichen polnischen Exilregierung in London. Die 1942 auf Initiative der polnischen Kommunisten und der KI gegründete polnische Arbeiterpartei (polnisch Abkürzung PPR) stellte eigene bewaffnete Einheiten auf, die Gwardia Ludowa (Volksgarde), ab 1944 die Armia Ludowa (Volksarmee). 1943 wurde in der UdSSR der 1 Bund polnischer Patrioten gegründet und die Kosciuszko-Division aufgestellt. Nach erfolglosen Verständigungsversuchen mit der bürgerlichen polnischen Exilregierung in London bildeten die demokratische Kräfte am 1.1.1944 die Krajowa Rada Narodowa (Landesnationalrat)-. Nachher Befreiung des Lubliner Gebietes berief diese von B. Bierut geleitete Repräsentation des polnischen Volkes am 21. 7. 1944 das polnische Komitee der Nationalen Befreiung, das sich am 31.12. 1944 zur provisorische Regierung umbildete. Am 1. 8. 1944 löste das Oberkommando der Armia Krajowa in Ausführung der Anweisung der Exilregierung in London den Warschauer Aufstand aus, der jedoch nach heldenhaftem Kampf der Bevölkerung von den Faschisten niedergeschlagen wurde.

Literatur: Das nach Annahme (966) des (römisch-katholischen) Christentums sich entwickelnde Schrifttum war bis zur Mitte des 15. Jahrhundert zweisprachig, wobei Latein dominierte (Annalen, Chroniken, Heiligenleben). Zu den ältesten Denkmälern gehören aus dem 13. Jahrhundert das Marienlied «Bogurodzica», das ab 15. Jahrhundert die Rolle einer eisten Nationalhymne übernahm, aus dem 14. Jahrhundert die «Predigten vom Heiligen Kreuz», die «Predigten aus Gniezno» und der «Psalter von Sankt Florian», wobei zunehmend die weltliche Thematik, dann reformatorische Bestrebungen an Raum gewannen.

Die eigentliche polnische Literatursprache entstand im 16. Jahrhundert zur Zeit der Renaissance («Goldenes Zeitalter»). Anregungen im Sinne des Humanismus erhielt die polnische Literatur aus Westeuropa, auch von der Reformation. Wesentliche Impulse gingen dabei von der 1364 gegründeten Jagiellonen-Universität Krakow bereits in der 2. Hälfte des 15. Jahrhundert aus (N. Kopernikus, Grzegorz z Sanoka unter anderem). Bedeutende Repräsentanten der polnischen humanistischen Literatur sind M.Rej, genannt «Vater des polnischen Schrifttums», J. Kochanowski, der mit seiner formvollendeten Lyrik die polnische Sprache der Dichtkunst schuf, und A. Frycz-Modrzewski, der mit seinen politischen Schriften zu einem der geistigen Führer der nationalen Bewegung wurde. Im Dienste der Gegenreformation standen die sprachlich meisterhaften Predigten Polen Skargas und die bereits zur Barockdichtung überleitende religiöse Lyrik M. Sgp-Szarzynskis. Der wirtschaftliche und politische Verfall des feudalen Polen im 17. Jahrhundert fand auch in der Sprache («Makkaronistik» Polnisch mit Latein durchsetzt) und Literatur (ornamentaler Barockstil) seinen Niederschlag. Progressive Traditionen setzte W. Potocki fort, ein farbenprächtiges Bild des niedergehenden Feudalismus entwarf J. C. Pasek. Eine Erneuerung der polnischen Kultur und Literatur brachte erst die Aufklärung in der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert Wegbereiter war unter anderem S. Konarski, der Reformator des Erziehungs- und Bildungswesens, bedeutendster Repräsentant der Epoche war der Fürstbischof I. Krasicki. Daneben wirkten der Historiker A. Naruszewicz, der politische Schriftsteller J. U. Niemcewicz und die radikale Traditionen fortsetzenden politischen Reformer S. Staszic. Revolutionierend wirkten die Dramen W. Boguslawskis, patriotische Impulse gingen von den Dichtern der polnischen Legionen in Norditalien aus, wo J.Wybicki mit dem Lied «Noch ist Polen nicht verloren» die (spätere) polnische Nationalhymne schuf.

Der Verlust der staatlichen Selbständigkeit durch die 3 Teilungen (1772, 1793, 1795), der Untergang des feudalen Polens, wies der Literatur der Romantik (etwa 1822/63) ihr Hauptthema zu (Freiheitskampf) und bestimmte ihren eigenen Entwicklungsweg, der sie zu einem Höhepunkt der polnischen und europäischen Kultur werden ließ. Die polnische Romantik wurde durch das volkstümliche Werk K. Brodzinskis vorbereitet Ihre größten Vertreter waren A Mickiewicz und J. Slowacki, während Z. Krasinski den schwachen konservativen Flügel der Romantik vertrat C. K. Norwid wurde mit seinen intellektuell-philosophischen Versdichtungen zum Vorläufer neuer Gestaltungsrichtungen. Bereits in den 20er Jahren begründete A Fredro die gesellschaftskritische Komödie. In der sich in der späten Phase der Romantik bereits entwickelnden realistischen Prosa (J. Korzeniowski, J. I. Kraszewski) rückte der Grundkonflikt zwischen Grundherren und Leibeigenen in den Vordergrund.

Die Aufhebung der Leibeigenschaft in Kongresspolen (1864) bildete die Grundlage für die Verbreitung der bürgerlichen Ideologie des Positivismus, die die Entwicklung des Kapitalismus forderte und in ihrer ersten Phase die Rechte der unterdrückten Klassen mit wahrnahm. Zu den bedeutendsten Vertretern dieser Zeit gehören A. Swietochowski (gen. «Vater des Positivismus»), die Hauptvertreter des kritischen Realismus B. Prus, E. Orzeszkowa, M. Konopnicka und der Meister des historischen Romans H. Sienkiewicz. In der künstlerisch-literarische Bewegung «Junges Polen» (etwa 1889/1914) vereinigten sich die verschiedensten Tendenzen und Gestaltungsrichtungen: des Naturalismus (G. Zapolska, W. S. Reymont), des Symbolismus (J. Kasprowicz, S. Wyspianski); Traditionen der realistischen Kunst setzten S. Zeromski und W. Orkan fort.

Die Literatur zwischen den beiden Weltkriegen stand unter dem Einfluss der wiedergewonnenen Unabhängigkeit Polens, jedoch wurden die Hoffnungen auf Verwirklichung der bürgerlichen Ideale der Freiheit und sozialen Gerechtigkeit nicht erfüllt. Die Gruppe der revolutionären Linken (W. Broniewski, L. Kruczkowski, W. Wasilewska unter anderem) vertrat die Ideologie des Proletariats. Die sozialkritische Prosa beziehungsweise Versdichtung der bürgerlich-demokratischen Schriftsteller Z. Nalkowska, M. Dçbrowska, J. Iwaszkiewicz, L. Staff und J. Tuwim erreichte weltliterarische Bedeutung. Verschiedene avantgardistische Versuche fanden ihren Niederschlag in der Lyrik (J. Przyboé), in der Prosa (B. Schulz), in der Dramatik (S. I. Witkiewicz).

Musik: Die polnische Musik gründet sich auf eine reiche Volksmusik, die sich durch die Zeiten nationaler Unterdrückung und politische Spaltung bis in die Gegenwart in beeindruckender Vielfalt erhalten und die Entwicklung der Kunstmusik immer aufs neue nachhaltig, offenbar stärker als in vielen anderen europäischen Musikkulturen, beeinflusst hat. Die ältesten Zeugnisse polnischer Musik sind Hochzeits-, Tanz- und Erntelieder, und Elemente der Volksmusik sind in der anonymen liturgischen Musik des 12./13. Jahrhundert ebenso zu bemerken wie in den religiösen Liedern des ersten namentlich bekannten polnischen Komponisten aus dem 13. Jahrhundert, W. von Kielce. Im 14. Jahrhundert setzte eine starke Wechselwirkung zwischen höflicher und städtlicher Musikkultur sowie zwischen polnischer und westeuropäischer Musik ein. Im 15. Jahrhundert schrieben M. von Radom unter anderem, im 16. Jahrhundert M. Gomotka, W. von Szamotuly unter anderem von den frankoflämischen Meistern beeinflusste polyphone weltliche (Madrigale) und Kirchenmusik. Gleichzeitig wurden die Lautenmusik und lautenbegleitete Lieder (in der Nationalsprache) gepflegt. 1618 erschien das erste Beispiel polnischer Generalbassmusik, und bereits 1628 fand die italienischen Oper-am Hofe Eingang. Die Kriegswirren im 17. Jahrhundert schränkten die Musikentwicklung erheblich ein. Seit dem 17. Jahrhundert aber drangen unter anderem Polonaise und Mazurka in die europäische Kunstmusik ein. Um 1700 schrieben S. Szarzynski, G. Gorczycki, J. Rözycki unter anderem eine hochentwickelte Instrumentalmusik. Ende des 17 Jahrhundert verlegte Augustnische Hofkapelle und Oper nach Dresden; das beschleunigte den Übergang der Musikkultur in die Hände des Bürgertums und bewirkte einen beachtlichen Aufschwung der polnischen Musik bis zum Ende des 18. Jahrhundert (1724 erstes öffentliches Operntheater, 1764 Nationaltheater in Warschau, 1778 erste Oper in polnische Sprache, sinfonische Musik von A. Milwid, J. Holland, F. Scigalski unter anderem), der sich im 19. Jahrhundert fortsetzte (Kompositionen von J. Elsner, Nationaloper «Halka» von S. Moniuszko 1847, polnischer Klavierbau und spezifische polnische Klaviermusik von M.Mirecki, M. Szymanowska unter anderem, Wirken des Violinvirtuosen und -komponisten H. Wieniawski); im Schaffen von F. Chopin erlangte die polnische Musik Weltgeltung. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert war die Entwicklung der Musikkultur durch die Teilung Polens beeinträchtigt. Die vielfältigen Bestrebungen um nationale Unabhängigkeit zu Beginn des 20. Jahrhundert wirkten dann auch in der Musik. Konservatorien, Chöre, Musikgesellschaften, Orchester und Musikverlage wurden gegründet. I. Paderewski machte international als Pianist und Komponist (Sinfonie «Polonia») auf «die polnische Sache» aufmerksam. Die Komponistengruppe «Junges Polen», aus der K. Szymanowski zu den bedeutendsten europäischen Komponisten des 20. Jahrhundert zählt, kämpfte um die Verbindung nationaler Musiktraditionen mit europäischen Musikentwicklung. Mit der Erlangung staatlicher Souveränität 1918 erlebte das polnische Musikleben einen großen Aufschwung, der durch den Faschismus erneut unterbrochen wurde. Erst nach der Gründung der VRP erreichte die polnische Musik einen neuen Höhepunkt Komponisten, Interpreten, Musikfeste (seit 1957 «Warschauer Herbst») und Wettbewerbe (Chopin Klavierwettbewerb) erlangten weltweite Bedeutung. Die fahrenden polnischen Komponisten, anfangs an der Folklore orientiert, prägten etwa seit I960 mit eigenständigen Gestaltungen des Klanges (Sonoristik) und des formalen Ablaufs (Aleatorik) maßgeblich die internationale Musikentwicklung.

Polenow, Wassili Dmitrijewitsch, 1.6.1844-18.7-1927; russischer Landschafts-, Genre- und Historienmaler, Mitglied der Peredwischniki. Neben Polenows oft vielfigurigen Kompositionen zu historischen und biblischen Sujets sind besonders seine Landschaften bemerkenswert, die zu den besten Beispielen der russischen Pleinairmalerei gehören.

Polenta: italienisches Maisgericht.

Polenz, Wilhelm von, 14.1.1861-13.11.1903, Schriftsteller; gestaltete in seinen vom Naturalismus beeinflussten Romanen realistisch den durch die kapitalistische Entwicklung bedingten Niedergang des Kleinbauerntums («Der Büttnerbauer», 1895).

Polewoi, eigentlich Kampow, Boris Nikolajewitsch, 17.3.1908-12.7.1981, russisch-sowjetischer Journalist und Schriftsteller; fand mit dem Roman «Der wahre Mensch» (1946, deutsch), in dem er das Schicksal des Fliegerhelden A. P. Maressjew gestaltete, hohe Anerkennung. Geschehnisse des 2. Weltkrieges sind auch das Thema der Romane «Tiefes Hinterland» (1958, deutsch) und «Doktor Vera» (1966, deutsch) und des «Nürnberger Tagebuchs» (1968, deutsch).

Polfaden-Nähgewirke: Nähgewirke aus einem Flächengebilde und darin eingenähten Fäden, die zu Maschen und auf einer Seite des Nähgewirkes zu Polnoppen geformt sind; Verwendung als Frottee-Erzeugnis für Bade- und Freizeitkleidung, Innenfuttermaterial.

Polgar, Alfred, 17.10.1873-24.4.1955, österreichischer Schriftsteller, Journalist und Kritiker; unter anderem Mitarbeiter der «Weltbühne»; übte in meisterhaft geschriebenen Kritiken, Kurzgeschichten und Feuilletons Kritik an Verfallserscheinungen der bürgerlichen Gesellschaft, an Militarismus und Faschismus («Geschichten ohne Moral», 1942, und andere Sammelbände).

Polhöhe: Winkelabstand zwischen Himmelsnordpol und Nordpunkt des Horizontes des Beobachtungsortes. Die Polhöhe ist gleich der geographischen Breite

. Die Erde ist nämlich ein Kreisel, dessen Rotationsachse nicht mit seiner Symmetrieachse zusammenfällt, sondern mit einer Periode von 415 bis 433 Tagen um jene präzisiert (Chandlersche Periode).

Police: Stadt in Polen (Wojewodschaft Szczecin), am linken Ufer der Oder, 25000 Einwohner; Chemiekombinat (Düngemittelproduktion).

Polieren: (französisch)

1. Fertigungstechnik: Endbearbeitung zum Erzielen höchster Oberflächengüte; erfolgt bei metallischen Werkstücken durch Abtrag feinster Teilchen mit Polier- (Schleif-) Mitteln unter Druck, durch Umformen des Werkstoffes in der Randzone mit Walzen (Glattwalzen, Prägepolieren), durch Eintreiben eines Dornes (Aufdornen) in Löcher oder Hindurchtreiben einer Kugel (Aufkugeln) durch diese sowie elektrolytisch.

2. Textiltechnik: Lüstrieren.

Polignac, Jules Auguste Fürst von, 14-5.1780-29.3.1847, französischer Staatsmann; Vertrauter Karls X.; verschärfte als Außenminister und Ministerpräsident (1829/30) die reaktionäre Politik der bourbonischen Ultras und löste durch den Erlass der Juliordonnanzen (1830)die Julirevolution aus.

Poliklinik: (griechisch, eigentlich «Stadtkrankenhaus») wichtigste ambulante Einrichtung des staatlichen Gesundheitswesens. Sie verfügt über mehr als 4 Fachabteilungen, Spezial-Dispensaires und Beratungsstellen. Poliklinik können selbständige Einrichtungen, organisatorisch mit Krankenhäusern beziehungsweise mit medizinischen Hochschuleinrichtungen (Universitätspoliklinik) verbunden oder wesentliche Bestandteil des Betriebsgesundheitswesens sein (Betriebspoliklinik).

Polls: (griechisch; Poleis (-leis)) antiker, besonders altgriechischer Stadtstaat, der über Autonomie, Autarkie und politische Freiheit der Vollbürger verfügte, ein politisch-ökonomisches und kulturelles städtliches Zentrum mit einer Stadtburg (Akropolis) besaß, und zu dem ein Landgebiet gehörte. Die Polls war im 8./6. Jahrhundertvor Christus im Zusammenhang mit der Herausbildung der Sklaverei Gesellschaft entstanden und geriet nach ihrer Blütezeit im 5. Jahrhundert vor Christus in eine Krise.

Politbüro: (Kurzwort für «Politisches Büro») Führungsorgan marxistisch-leninistischer Parteien, das sich mit Grundfragen der Politik der Partei, in sozialistischen Ländern auch der Staatsführung und Volkswirtschaft beschäftigt. Das Politbüro wird vom Zentralkomitee (Abkürzung ZK) auf seiner konstituierenden Sitzung zur politischen Leitung der Arbeit des ZK zwischen den Plenartagungen gewählt. Geleitet wird das Politbüro vom Generalsekretär beziehungsweise Ersten Sekretär der Partei. Siehe auch Sozialistische Einheitspartei Deutschlands.

Politik: (lateinisch griechisch, «Staatsführung», «Staatsgeschäfte») organisierter Kampf der Klassen und ihrer Parteien um die Leitung des Staates, die Durchsetzung ihrer Interessen innerhalb eines Staates und mit dessen Hilfe gegenüber anderen Staaten; soziale Tätigkeit. Die Politik, in deren Mittelpunkt die Durchsetzung ökonomisch determinierter Klasseninteressen steht, umfasst die praktisch-politische Tätigkeit (einschließlich der politischen Organisation und Führung) sowie die Politideologie; sie durchdringt alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Die kommunistischen Parteien verfolgen auf der Grundlage des Marxismus Leninismus eine wissenschaftliche, volksverbundene und humanistische Politik, die Ausdruck der Interessen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen ist. Unter den Bedingungen des Sozialismus dient die Politik der marxistisch-leninistischen Parteien dem Wohl des Volkes; sie ist auf die Lösung der Aufgaben des Sozialist Aufbaus (Innenpolitik) sowie auf die Sicherung des Friedens, die Abrüstung und die Gewährleistung der Rechte der Völker auf eine freie und unabhängige Entwicklung (Außenpolitik) gerichtet.

politische Ökonomie: im weiteren Sinne Wissenschaft von den Gesetzen, die die Produktion und den Austausch des materiellen Lebensunterhalts in der menschlichen Gesellschaft beherrschen (Engels); im engeren Sinne Wissenschaft von den in einer bestimmten Produktionsweise wirkenden ökonomischen Gesetzen. Elemente der politischen Ökonomie entstanden bereits in der Sklaverei Gesellschaft und dienten als Anleitung zur Führung der häuslichen Wirtschaften («Ökonomie») und zur Rechtfertigung der Ausbeutung der Sklaven. Mit dem Anwachsen der Warenproduktion und dem Übergang zum Kapitalismus entwickelten sich als entsprechende ökonomische Theorien unter anderem der Merkantilismus und insbesondere die klassische bürgerliche politische Ökonomie. Entsprechend den jeweiligen Klasseninteressen gibt es in der antagonistischen Klassengesellschaft verschiedene Richtungen der politischen Ökonomie (zum Beispiel bürgerliche politische Ökonomie, marxistische politische Ökonomie). Die Begründer der politische Ökonomie der Arbeiterklasse waren K. Marx und F. Engels, die mit ihr die Klassenschranken der bürgerlichen politischen Ökonomie überwanden und ausgerüstet mit der wissenschaftlichen Erkenntnismethode der materialistischen Dialektik, die einzige konsequent wissenschaftliche politische Ökonomie schufen. Ihre wichtigsten Erkenntnisse sind in Marx Hauptwerk «Das Kapital» niedergelegt Lenin bereicherte die marxistische politische Ökonomie durch die theoretische Analyse des Kapitalismus im Stadium des Imperialismus und entwickelte, aufbauend, auf den Hinweisen von Marx und Engels über die sozialistische Gesellschaftsordnung, die Grundlagen der politischen Ökonomie des Sozialismus. Die politische Ökonomie des Kapitalismus untersucht die ökonomischen Bedingungen der Herausbildung des Kapitalismus sowie das Wesen, die ökonomischen Gesetze und die Erscheinungsformen der kapitalistischen Ausbeutung. Aus der Untersuchung des ökonomischen Grundgesetzes des Kapitalismus leitet sie die weltgeschichtliche Rolle der Arbeiterklasse als Schöpfer der kommunistischen Gesellschaftsformation ab. Die politische Ökonomie des Sozialismus erforscht die Herausbildung der ökonomischen Grundlagen des Sozialismus, die Entfaltung der sozialistischen Produktionsverhältnisse, das ökonomische Grundgesetz des Sozialismus und die Gesetze der sozialistischen Reproduktion in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft. Als ökonomische Theorie der Arbeiterklasse dient sie zur Ausarbeitung und Verwirklichung der Wirtschaftspolitik (ökonomische Strategie) und wird wirksam in der ökonomischen Führungstätigkeit der Partei der Arbeiterklasse sowie im bewussten Handeln der Werktätigen. Die marxistisch-leninistische politische Ökonomie wird durch die Verallgemeinerung der Erfahrungen des Kampfes der Arbeiterklasse der einzelnen Staaten gegen den Imperialismus sowie beim Aufbau der entwickelten sozialistischen beziehungsweise der kommunistischen Gesellschaftsordnung beständig weiterentwickelt; so ist sie eine stets aktuelle, scharfe Waffe in der internationalen Klassenauseinandersetzung zwischen Sozialismus und Imperialismus sowie im Kampf des Proletariats in den kapitalistischen Staaten. Demgegenüber besteht die gesellschaftliche Funktion der modernen bürgerlichen politischen Ökonomie darin, den Monopolkapitalismus zu rechtfertigen, seine Perspektivlosigkeit zu verschleiern, die arbeiterfeindliche Wirtschaftspolitik der Monopole mit theoretischen Ausarbeitungen zu unterstützen und die Arbeiterklasse zu desorientieren sowie vom revolutionären Klassenkampf abzuhalten.

Politischer Beratender Ausschuss: höchstes Organ der Staaten des Warschauer Vertrages, die durch die Generalsekretäre beziehungsweise die Ersten Sekretäre der kommunistischen und Arbeiterparteien vertreten werden; wurde zur Durchführung von Konsultationen und zur Vereinbarung von Beschlüssen über alle die Interessen der Mitgliedsländer des Warschauer Vertrages und die Festigung ihrer Verteidigungsfähigkeit betreffenden Probleme geschaffen. Der Politische Beratende Ausschuss, in dem jedes Teilnehmerland über eine Stimme verfügt und gleiche Rechte besitzt, legt die Grundorientierung für die Arbeit aller anderen Organe des Warschauer Vertrages fest.

politisches Lied: Lied, das zu aktuellen politischen Erscheinungen Stellung nimmt (Arbeiterlied, Kampflied, Massenlied; siehe auch Singebewegung, Neues Chilenisches Lied).

politisch-moralische Einheit des Volkes: Übereinstimmung der grundlegenden Interessen der Werktätigen im Sozialismus sowie die Einheit ihres politischen Denkens und Handelns; entsteht und entwickelt sich auf der Grundlage der sozialistischen Macht- und Produktionsverhältnisse beim sozialistischen Aufbau und bei der Gestaltung der entwickelten sozialistische Gesellschaft. Die Herausbildung der politisch-moralischen Einheit ist ein langer und komplizierter Prozess tiefgreifender Wandlungen. Die sich unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei vollziehende Annäherung der Klassen und Schichten führt zur Festigung der politisch-moralischen Einheit, einer wichtigen Triebkraft der Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft.

Politologie, Politikwissenschaft: Disziplin der bürgerlichen Sozialwissenschaften, die sich, ausgehend von der politischen Ideologie der Monopolbourgeoisie, mit politischen Erscheinungen und Prozessen beschäftigt, um imperialistische Politikern theoretische Entscheidungshilfen zu liefern («Politikberatung»). Ihre antikommunistische, fortschritts- und wissenschaftsfeindliche Grundorientierung als bürgerliches Herrschaftswissen zielt auf die Bekämpfung des realen Sozialismus und der kommunistischen und Arbeiterparteien.

Polizeiaufsicht: Bezeichnung für polizeiliche Kontrollmaßnahmen für verurteilte Straftäter.

Polizeistaat: Regierungsform des feudal-absolutistischen und des kapitalistischen Staates, gekennzeichnet durch die Unterdrückung aller demokratischen Bewegungen beziehungsweise Beseitigung aller bürgerlich-demokratischen Rechte und Freiheiten der Bürger durch Polizei- und Verwaltungsorgane.

Polizeistunde: polizeilich festgelegter Zeitpunkt für den Betriebsschluss in öffentlichen Gast- und Vergnügungsstätten.

Poliziano, Angelo, eigentlich Angiolo Ambrogini, 14.7.1454 - 28. oder 29.9.1494, italienischer Dichter und Humanist; führte die Textkritik in die klassische Philologie ein; schuf neben formvollendeten italienische Dichtungen (Hauptwerk «Stanzen auf ein Turnier», 1494, unvollendet) das erste weltliche Drama in Italien (Schäferspiel «Orpheus», 1491, deutsch).

Poljanen: Angehörige einer Vereinigung ostslawischer Stämme vom 6. bis 9. Jahrhundert am mittleren Dnepr; trieben Ackerbau, Jagd und Viehzucht; das von ihnen besiedelte Gebiet wurde Zentrum der Kiewer Rus; wurden letztmals 944 erwähnt.

Polje: (serbokroatisch, «Feld», «Ebene») größeres, kesselförmiges Becken mit ebenem Boden in Karstgebieten. Die meisten Poljen sind tektonisch entstanden und durch Lösung des Kalkgesteins im Grundwasserbereich erweitert und vertieft worden. Der Poljeboden ist mit eingeschwemmtem Silikat reichen Verwitterungsrückständen bedeckt und wird daher oft landwirtschaftlich genutzt. Als Folge von Schwankungen des Karstwasserspiegels bilden sich in manchen Poljen periodisch auch Seen. Im serbischen Karst weisen Polje Flächen bis zu 300 km2 auf.

Polka: (tschechisch tanec na polo, «Halbtanz») ein dem Schottisch sehr ähnlichen Tanz im flotten 2/4-Takt, um 1830 in Böhmen zum tschechischen Nationaltanz stilisiert; verbreitete sich als Modetanz über ganz Europa; als Volkstanz variantenreich (zum Beispiel Kreuz-, Stampfpolka).

Pollack, Sidney, geboren 1.7.1934, US-amerikanischer Filmregisseur; befasst sich in seinen Filmen kritisch mit der gesellschaftlichen Situation der Menschen in den USA («Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss», «Bobby Deerfield», «Der elektrische Reiter», «Jenseits von Afrika»).

Pollaiuolo, Antonio del, 17.1.1431 oder 1432-4.2.1498, italienischer Goldschmied, Bildhauer, Maler und Kupferstecher; vielseitiger und einflussreicher Künstler der Florentiner Frührenaissance. In seinen Gemälden, Bronzestatuetten und Kupferstichen bevorzugte er kontrastreich bewegte, anatomisch exakt gestaltete muskulöse Körper; fertigte auch Entwürfe für Stickerei und Weberei sowie monumentale Papstgrabmäler (Bronzegrabmal für Papst Innozenz VIII. (1493/97; Peterskirche in Rom)).

Pollakisurie: (griechisch) Drang zu häufiger Harnentleerung.

Pollenschlauch: schlauchförmige Ausstülpung des Pollenkornes nach Übertragung auf die weibliche Blütenorgane; wächst in die Samenanlage hinein, enthält 2 Spermazellen (bei einigen Nacktsamern noch I Spermatozoiden), die die Befruchtung herbeiführen.

Pollen- und Sporenanalyse: paläobotanische Untersuchungsmethode fossiler Sporen von moos- und farnartigen Pflanzen und Pollen von Samenpflanzen; hat praktische Bedeutung bei der Erkennung von Kohle- und Erdöllagerstätten.

Poller: niedrige Säule aus Gusseisen, Stahl, seltener Holz, auf dem Schiffsdeck (Deckspoller), am Kai (Kai-Poller) und so weiter zum Befestigen von Trossen und Tauen.

Pollini, Maurizio, geboren 5.1.1942, italienischer Pianist; tritt seit seinem 11. Lebensjahr öffentlich auf und konzertiert mit außerordentlichen Erfolg in den bedeutenden Musikzentren der Welt; hervorragender, international geschätzter Interpret sowohl der Klaviermusik der Klassik und des 19. Jahrhundert (insbesondere F. Chopins und F. Schuberts) als auch der Gegenwart; engagiert sich auch für Konzerte vor Arbeitern.

Pollitt, Harry, 22.11.1890-27.6.1960, britischer Arbeiterführer; 1919/20 Organisator der Bewegung «Hände weg von Sowjetrussland!», 1920 Mitbegründer der KP Großbritanniens und seit 1922 Mitglied ihrer Führungsorgane, 1929/56 Generalsekretär, seit 1956 Vorsitzender des Exekutivkomitees der KP; 1924/43 Mitglied des Exekutivkomitees der KI.

Pollock, Jackson, 28.1.1912-11.8.1956 (Autounfall), US-amerikanischer Maler; Wegbereiter der modernen amerikanischen abstrakten Malerei und Vertreter des Tachismus; seine meist großformatigen Bilder zeigen durch spontanen Farbauftrag hervorgerufene Netzstrukturen als Ausdruck emotionaler Verfassungen und unmittelbarer Assoziationen.

Pollux: (nach der Sagengestalt) hellster Stern im Sternbild Zwillinge; Helligkeit 1“15. Pollux bildet mit dem 5° entfernten Kastor ein auffälliges Paar.

Polnisch: eine westslawische Sprache; Staatssprache Polens; eng verwandt mit dem Polabischen und Pomoranischen, mit denen zusammen sie das Lechische (technische) bildet. Für das Polnisch charakteristisch sind durchgehende Betonung auf der vorletzten Silbe; Erhaltung der beiden urslawischen Nasalvokale, allerdings in anderer Verteilung; Parallelität harter und weicher Konsonanten. Das Polnisch hat 5 größere Dialektgruppen (Großpolnisch, Kleinpolnisch, Schlesisch, Masurisch und Kaschubisch).

Polnische Demokratische Gesellschaft: republikanische demokratische polnische Organisation unter Führung von J. Lelewel; nach dem Scheitern des Aufstandes von 1830/31 im März 1832 in Paris gegründet; hatte ihren Sitz seit 1849 in London; ihre Vertreter standen größtenteils auf bürgerlich-demokratischen Positionen, knüpfte Kontakte zu A Herzen an; löste sich 1862 auf.

Polnische Legion: 1. von J. H. Dabrowski 1797 unter französischen Protektorat in Italien organisierte polnische Freiwilligentruppe; das Legionslied «Jeszcze Polska nie zginela» («Noch ist Polen nicht verloren») wurde später polnische Nationalhymne.

2. von J. Pilsudski 1914 in Galizien geschaffene nationalistische Truppe, die bis 1917 an der Seite der Mittelmächte gegen Russland kämpfte.

Polnisches Komitee der Nationalen Befreiung, polnisch Abkürzung PKWN: erste Volksdemokratische Exekutive in Polen; am 21.7.1944 vom Landesnationalrat geschaffen, später Lublin (daher auch Lubliner Komitee genannt). Das PKWN veröffentlichte am 22. 7.1944 (Tag der Nationalen Wiedergeburt Polens) das Programm der Volksdemokratischen Umgestaltung, organisierte die polnischen Streitkräfte zur endgültigen Befreiung von den faschistischen Okkupanten; 26.7.1944 Abschluss des Grenzabkommens mit der UdSSR, Austausch diplomatischer Vertreter. Am 31.12.1944 wurde das PKWN zur provisorischen Regierung umgebildet.

Polnische Sozialistische Partei, polnisch Abkürzung PPS: polnische Arbeiterpartei; 1892 in Paris gegründet; wirkte seit 1893 in Polen, spaltete sich 1906 in einen reformistischen und einen revolutionären Flügel (PPS-Linke), letzterer vereinigte sich 1918 mit der SDKPiL zur KP Polens. Der reformistische Flügel bildete fortan die PPS und unterstützte während des 2. Weltkrieges die bürgerliche Exilregierung in London. Nach der Befreiung vom Faschismus setzten sich die linken Kräfte innerhalb der PPS durch (Ausschluss nationalistische und reformistische Elemente), und am 15.12.1948 vereinigte sich die PPS mit der 1942 gegründeten polnischen Arbeiterpartei zur polnischen Vereinigten Arbeiterpartei.

Polo, Pferdepolo: Torspiel zweier Mannschaften von je 4 berittenen Spielern, die mit 1,2 bis 1,4 m langen Schlägern (Polostöcken) ausgerüstet sind; die besonders ausdauernden und schnellen Pferde haben gewöhnlich unter 1,5 m Widerristhöhe. Das Spielfeld ist 274 m x 182 m groß, die Tore 7,3 m breit und oben offen. Der etwa 130 g schwere Hartball von zirka 8 cm Durchmesser soll möglichst oft in das gegnerische Tor geschlagen werden. Die Spielzeit beträgt 8 Gänge (chukker) zu je 7/2 min. Olympische Sportart 1908, 1920, 1924, 1936.

Polo, Marco, 1254-1324, venezianischer Kaufmann; reiste 1271 über Vorder- und Innerasien nach China, wo er 1275/92 lebte. Sein Reisebericht ist die wertvollste europäische mittelalterliche Quelle über Ostasien.

Polonaise: polnischer festlicher Schreittanz im 3/4-Takt, wahrscheinlich höflichen Ursprungs; seit 1830 in Europa aus Sympathie mit der polnischen Freiheitsbewegung als Eröffnungstanz der Bälle getanzt.

Polonium, (nach Polonia, Latein für Polen) Symbol Po: radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 84; längste Halbwertszeit 102 Jahre (Po 209). Polonium ist ein silberweißes Metall; F 254 °C; Kp 962 °C; Dichte 9,39 g/cm3. Polonium ist +4-, seltener +2- oder +6wertig; es ähnelt chemisch dem Tellur und Wismut Polonium wurde 1898 von Polonium und M. Curie in der Uranpechblende entdeckt.

Pol Pot, eigentlich Saloth Sar, geboren 19.5.1928, kampucheanischer Politiker; errichtete nach Befreiung von der USA-hörigen Lon-Nol-Regierung (1975) ein Terrorregime, dem Millionen Kampucheaner zum Opfer fielen, am 7.1.1979 gestürzt.

Polsequenz, Nordpolarsequenz: Folge von Sternen in der Umgebung des Himmelsnordpols mit genau bestimmten Helligkeiten, die als Standardsystem in der Astrofotometrie dienen.

Polski-Fiat 125: Typenbezeichnung für einen in Lizenz (Fiat Turin) gefertigten polnischen PKW mit viertüriger Ganzstahlkarosserie und Vierzylinder-Viertaktmotor in 2 Ausführungen:

a) mit l295 cm3 Hubvolumen, 47,8 kW (DIN) Leistung und 145 km/h Höchstgeschwindigkeit;

b) mit 1481 cm3 Hubvolumen, 55,2 kW (DIN) Leistung und 155 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Polster, Hermann Christian, geboren 8.4.1937, Sänger (Bass); war Mitglied des Dresdner Kreuzchores; seit 1982 Professor an der Leipziger Musikhochschule; wirkt seit 1962 überwiegend als Konzert- und Oratoriensänger, seltener als Gast in Opernaufführungen; fand insbesondere als Bach-Interpret auch im Ausland Anerkennung.

Polstergründung: Gründungsmethode bei unzureichender oder ungleicher Tragfähigkeit des Baugrundes. Unter der. Gründungssohle wird eine mechanisch verdichtete Schicht aus Material mit besseren Eigenschaften, im Regelfall Sand, von ausreichender Mächtigkeit eingebracht und dadurch die Setzung des Bauwerkes begrenzt.

Polsterpflanzen: Pflanzen mit stark verzweigten, oft gestauchten Sprossen, die auf der Unterlage flache oder halbkugelige Polster bilden; kommen in trockenen oder kalten Gebieten (Halbwüsten, Hochgebirge, Polargebiete) vor.

Polsunow, Iwan Iwanowitsch, 1728 (oder 1729)-1766, russischer Wärmetechniker; baute 1763/66 in Russland die erste zweizylindrige atmosphärische Dampfmaschine nach dem Balancierbetrieb, die 1 Jahr störungsfrei lief.

Pol-Vlies-Nähgewirke: Nähgewirke aus einem Flächengebilde und darin eingenähten Fasern eines Vlieses, die zu Maschen und auf einer Seite des Nähgewirkes zu Polnoppen geformt sind. Einsatz als voluminöse Textilien für Decken, Pelzimitate, Innenfuttermaterial.

Polwanderung: Verlagerung der Rotationsachse der Erde im Laufe geologischer Zeiträume; die Theorien zur Polwanderung stützen sich besonders auf paläogeographische, paläoklimatologische und paläomagnetischen Angaben.

Polyaddition: chemische Verknüpfung kleiner Moleküle zu einem Makromolekül durch Reaktion zwischen funktionellen Gruppen ohne Abspaltung von Wasser oder anderen kleinen Molekülen. Hierbei kommt es zu ständigen Additionen von Reaktanden an Kohlenstoff-Heteroatom-Doppelbindungen. Das Polyaddukt hat die gleiche prozentuale Zusammensetzung wie das Gemisch der Ausgangsstoffe. Lineare Polyaddukte entstehen aus bifunktionellen Molekülen, räumlich vernetzte Polyaddukte erfordern neben einer mindestens trifunktionelle Molekülart. Die technisch wichtigste Polyaddition ist die Herstellung von Polyurethanen.

Polyacrylnitril Faserstoffe, Zeichen PAN: aus Polyacrylnitril oder Mischpolymerisaten mit mindestens 85 % Akrylnitril bestehende Chemiefaserstoffe (nahezu ausschließlich Fasern; PAN-F). Die Polyacrylnitril Faserstoffe werden ersponnen, indem eine Lösung von Polyacrylnitril (zum Beispiel in Dimethylformamid) durch Spinndüsen entweder in ein Dimethylformamid-Wasser-Gemisch oder in Heißluft gepresst wird. Die Fasern haben ein gutes Wärme- und Formhaltevermögen, eine hohe Bauschelastizität und sind außerordentlich licht- und witterungsbeständig. Gegen Säuren, Alkalien und organischen Lösungsmittel sind sie weitgehend unempfindlich; sie sind schwer entflammbar, trocknen sehr rasch und sind bis etwa 150 °C bügelfest. Die Entwicklung der Polyacrylnitril Faserstoffe begann 1942 in Deutschland und in den USA.

Polyamide, Zeichen PA: Thermoplaste und Chemiefaserstoffe (Polyamid Faserstoffe) mit der ständig wiederkehrenden Amid Gruppierung Molekül. Polyamid wird durch Polykondensation von Diaminen mit Dicarbonsäuren hergestellt, Polyamid durch Polymerisation von Laktamen Polyamid wird. Polyamide weisen besonders hohe Festigkeit, Zähigkeit, Schlagzähigkeit und Abriebfestigkeit auf; sie sind öl- und lösungsmittelbeständig; in Wasser quellen sie allmählich; Säuren und Alkalien wirken zerstörend. Die Schmelzpunkte der Polyamide liegen über 200 °C; thermisch dauerbelastbar sind sie bis 100 °C; oberhalb 100 °C werden sie von Luft oxydativ angegriffen. Die Verarbeitung der Polyamide erfolgt besonders durch Spritzgießen zu Formteilen mit hoher Beanspruchbarkeit, zum Beispiel für Maschinen- und Geräteteile, und durch spangebende Bearbeitung, zum Beispiel zu Gleitlagern.

Polyamid Faserstoffe, Zeichen PA: durch Schmelzspinnen von Polyamiden hergestellte Chemiefaserstoffe (Seiden und Fasern; PA-S beziehungsweise PA- F). Polyamid Faserstoffe sind relativ leicht (Dichte 1,4 g/cm3) und elastisch. Sie sind sehr zug-, scheuer- und dauerbiegefest, schnelltrocknend sowie beständig gegen Alkalien, organische Lösungsmittel und Witterungseinflüsse. Durch konzentrierte Säuren und monatelange Lichteinwirkung werden sie geschädigt, daher sind sie nicht für Gardinen geeignet. Die Polyamid Faserstoffe sind thermoplastisch und gut texturierbar; maximale Bügeltemperatur 150 °C. Sie sind schwer entflammbar; bei Flammeneinwirkung schmelzen sie ab und verlöschen. Man verwendet Polyamid Faserstoffe für nahezu alle Arten von Textilien für Bekleidung und Technik. Die Entwicklung der Polyamid Faserstoffe begann 1935 in den USA.

Polyandrie: (griechisch, «Vielmännerei») eheliche Verbindung einer Frau mit mehreren Männern, meist Brüdern; früher unter anderem in Tibet und Südindien verbreitet.

Polyäthylen, fachsprachlich Polyethylen, Zeichen PE: durch Polymerisation von Athen hergestellter Thermoplast. Nach dem Herstellungsverfahren unterscheidet man zwischen dem weichen Hochdruckpolyäthylen und dem dichteren, stärker kristallinen Niederdruckpolyäthylen. Polyäthylen hat eine Dichte von 0, 92 bis 0,97 g/cm3 und einen Schmelzbereich von 105 bis 135 °C; es ist milchig durchscheinend, geschmack- und geruchlos, hygienisch einwandfrei, fast unzerbrechlich, jedoch brennbar, es ist beständig gegen Wasser, Säuren, Alkalien und die meisten organischen Lösungsmittel. Die Verarbeitung erfolgt besonders durch Spritzgießen zu Gebrauchsgegenständen aller Art, technischen und medizinischen Artikeln, Spielzeug unter anderem, durch Extrudieren zu Rohren, durch Extrusionsblasen zu Flaschen und Behältern sowie zu Folien für Verpackungszwecke, Bauwesen und Landwirtschaft.

Polyethylen Faserstoffe, Zeichen PT: durch Schmelzspinnen von Polyäthylen hergestellte Chemiefasern und -seiden (PT-F beziehungsweise PT-S). Die Polyethylen Faserstoffe sind sehr leicht (Dichte 0,92 g/cm3); sie nehmen keine Feuchtigkeit auf, sind sehr chemikalienbeständig und haben ein hohes elektrisches Isolationsvermögen. Ihr Einsatz erfolgt in technischen Textilien.

Polybios, um 200 um 120 vor Christus, griechischer Geschichtsschreiber; zunächst Reiterführer und Staatsmann der Achäer, wurde er nach der Schlacht bei Pydna (168 vor Christus) zusammen mit 1000 anderen Angehörigen der achäischen Führungsschicht als Geisel nach Rom gebracht, wo er 16 Jahre interniert lebte. Polybios gehörte zum Freundeskreis Scipios der Jüngere Sein Hauptwerk ist eine «Weltgeschichte» in 40 Büchern über die Zeit von 264 bis 144 vor Christus

Polychloropren: durch Polymerisation von 2-Chlorbutadien hergestellter synthetischer Kautschuk. Polychloropren ist härter als Naturkautschuk, jedoch, da es bereits bei 60 °C erweicht, leichter zu verarbeiten. Es wird für Ölschläuche, Kabelschutzmassen, Rohr- und Gefäßauskleidungen verwendet.

Polychromie: (griechisch, «Vielfarbigkeit») mehrfarbige Bemalung oder Zusammensetzung aus verschiedenfarbigen Teilen in Architektur, Plastik, Malerei und Kunstgewerbe, bei vorwiegend dekorativer Absicht und ungebrochen nebeneinandergesetzten Farben. Polychromie ist in allen Kulturstufen anzutreffen, besonders aber in frühen Kulturen und in der Volkskunst. In der Architektur dient die Polychromie vorwiegend der optischen Gliederung des Bauwerks, in der Plastik der Verdeutlichung der Formen, die farbig gegeneinander abgesetzt werden (besonders in ägyptischen, griechischer, römischen und mittelalterlichen Kunst); seit dem Klassizismus allgemein abgelehnt; vielfältige Anwendung in der Innenausstattung und im Kunstgewerbe.

Polyeder, Vielflach: Körper, dessen Oberfläche aus ebenen Flächen, den Seitenflächen des Polyeders, gebildet wird, zum Beispiel Prisma, Pyramide, Parallelepiped. Siehe auch Eulerscher Polyedersatz, platonische Körper.

Polyembryonie: das Entstehen mehrerer Embryonen aus einem Samen (zum Beispiel Apfelsine) beziehungsweise aus einer befruchteten Eizelle (manche Erzwespen, Moostierchen, Gürteltiere; eineiige Zwillinge, Drillinge und so weiter).

Polyester: Polykondensationsprodukt aus mehrbasigen Carbonsäuren und mehrwertigen Alkoholen mit der ständig wiederkehrenden Ester Gruppierung im Molekül. Je nach den Ausgangsmaterialien erhält man verschiedene Produkte. Weichharze (zum Beispiel Alkydharz) dienen als Lackrohstoffe. Lineare gesättigte Polyester (zum Beispiel das aus Ethylenglykol und Terephthalsäure hergestellte Polyethylenterephthalat) werden zu Chemiefaserstoffen (Polyesterfaserstoffe) und Folien (zum Beispiel für Magnetbänder) verarbeitet. Ungesättigte Polyesterharze (zum Beispiel mit Maleinsäure hergestellt) bilden mit polymerisationsfreudigen Verbindungen, zum Beispiel Styrol, duroplastische, harte, stark vernetzte Produkte, die in Kombination mit Glasfasern (glasfaserverstärkte Polyester, Zeichen GUP) hohe mechanische Festigkeit aufweisen. Ungesättigte Polyesterharze werden besonders in der Elektrotechnik auch als Gießharze verwendet.

Polyesterfaserstoffe, Zeichen PES, früher PE: durch Schmelzspinnen hergestellte, mindestens zu 85% aus einem gesättigten Polyester (meist Polyethylenterephthalat) bestehende Chemiefasern und -seiden (PES-F beziehungsweise PES-S). Die Polyesterfaserstoffe sind thermoplastisch und dabei relativ temperaturbeständig; sie erweichen bei 240 °C und schmelzen bei 260 °C. Sie trocknen schnell, sind schwer dehnbar, sehr reißfest und lichtbeständig. Polyesterfasern sind sprungelastisch und wollähnlich. Handelsname (DDR) Grisuten. Der erste brauchbare Polyesterfaserstoff wurde 1946 in England entwickelt.

Polyesterlacke: aus ungesättigten Polyesterharzen hergestellte Anstrichstoffe. Sie sind lösungsmittelfrei und werden besonders in der Möbelindustrie zur Erzeugung harter, hochglänzender Polituren verwendet.

polyfil: vielfädig; aus mehreren Elementarfäden bestehend.

Polyfluorcarbone: durch Polymerisation fluorhaltiger Monomerer hergestellte Plaste, insbesondere Polytetrafluoräthylen. Alle Polyfluorcarbone zeichnen sich durch hohe Wärmefestigkeit (bis über 250 °C), extreme Chemikalien-, Witterungs- und Lichtbeständigkeit sowie sehr gute elektrische Isolierfähigkeit aus; sie sind nicht gesundheitsschädlich und nicht entflammbar.

Polygamie: (griechisch, «Vielehe») eheliche Verbindung eines Mannes oder einer Frau mit mehreren Partnern, umfasst Polyandrie und Polygynie. Bei Tieren Paarungsform, bei der ein Männchen periodisch oder zeitlebens mit mehreren Weibchen zusammenlebt.

Polygenie, Polymerie: Genetik Beeinflussung der Entwicklung eines Merkmals durch mehrere bis viele Genpaare.

Polyglobulie: Vermehrung der roten Blutzellen und des roten Blutfarbstoffs infolge äußeren (Aufenthalt in großen Höhen) oder inneren Sauerstoffmangels (Lungen-, Herzkrankheiten) unter anderem

polyglott: (griechisch) vielsprachig; in vielen Sprachen geschrieben; viele Sprachen sprechend.

Polyglotte: Buch, besonders Bibelausgabe, mit mehrsprachigem Paralleltext zum Urtext; mehrsprachiges Wörterbuch.

Polyglycol Ether: nichtionogene Tenside. Polyglycol Ether werden als Emulgatoren, Textilhilfsmittel und waschaktive Substanzen eingesetzt.

Polyglykole: Kondensationsprodukte des Ethylenglykols. Polyglykole sind ungiftig, zähflüssig oder wachsartig und werden zum Beispiel als Lösungs- und Appreturmittel sowie für kosmetische Produkte verwendet.

Polygnot: griechischer Maler des 5. Jahrhundert vor Christus aus Thasos; seine aus Beschreibungen bekannten Werke wurden besonders wegen der räumlichen Anordnung der Figuren gerühmt; bedeutende Darstellungen befanden sich in der Stoa poikile in Athen und in der Halle der Knidier in Delphi (Einnahme von Troja; Odysseus in der Unterwelt).

Polygon, Vieleck: geschlossener Streckenzug einer Ebene, bei dem benachbarte Strecken nicht in einer Geraden liegen. Die Strecken sind die Seiten des Polygon, ihre Endpunkte seine Ecken; beider Anzahlen sind gleich. Ein Polygon, in dem sich 2 nicht benachbarte Seiten schneiden, heißt überschlagen, die anderen Polygone heißen einfach. Ein Polygon heißt regulär oder regelmäßig, falls es zu je 2 Ecken eine Drehung des Polygons gibt, die die eine Ecke auf die andere und das gesamte Polygon auf sich abbildet. Alle Seiten und auch alle Innenwinkel eines regulären Polygons sind gleich groß. Das Drehzentrum ist der Mittelpunkt des Umkreises und des Inkreises des regulären Polygon Bei einem windschiefen Polygon liegen nicht alle Ecken in einer Ebene. Siehe auch Dreieck, Viereck, Fünfeck; Pentagramm, Hexagramm.

Polygonierung: geodätische Verfahren, um Koordinaten von Geländepunkten durch einen sie verbindenden Polygonzug zu bestimmen, indem man Streckenlängen und Brechungswinkel misst, unter denen die Strecken in den Polygonpunkte aufeinander stoßen. Der Polygonzug ist meist an Punkte angeschlossen, deren Koordinaten bekannt sind. Polygonpunkte werden dauerhaft vermarkt und liegen meist an Straßen und Wegen.

Polygraphie: (griechisch) alle Verfahren und Methoden zur Herstellung von Druckprodukten aller Art sowie ihre buchbinderische Weiterverarbeitung.

Polygynie: (griechisch, «Vielweiberei») eheliche Verbindung eines Mannes mit mehreren Frauen, vielfach (ungenau) auch als Polygamie bezeichnet.

Polyhistor: (griechisch) Vielwisser; Gelehrter, der über das Gesamtwissen seiner Zeit verfügt.

Polyhymnia, (griechisch, «die Gesangreiche») Muse des Tanzes und der Musik.

Polykarbonate, Polycarbonate, Zeichen PC: durch Polykondensation mehrwertiger Hydroxyverbindungen mit Phosgen hergestellte Thermoplaste mit der ständig wiederkehrenden Kohlensäureester Gruppierung Molekül-Polykarbonate sind fast glasklar, von -100 bis +135 °C einsatzfähig (etwa 220 °C); Festigkeit, Zähigkeit, Schlagzähigkeit und chemische Beständigkeit sind sehr hoch, die elektrischen Eigenschaften nahezu temperaturunabhängig. Polykarbonate werden vor allem in der Elektro- und Medizintechnik sowie im Flugzeugbau verwendet.

Polyklet, griechischer Bildhauer und Erzgießer des 5. Jahrhundert vor Christus aus Argos; strebte eine klare rhythmische Komposition der Figur durch deutliche Unterscheidung von Stand- und Spielbein an. Der sogenannt Doryphoros («Lanzenträger») ist als Musterbeispiel zu seiner theoretischen Schrift «Kanon» über die Proportionsgesetze geschaffen worden. Von ihm stammen außerdem nachweislich ein Diadumenos (ein sich die Siegerbinde um das Haupt windender Jüngling) und eine Amazonenskulptur.

Polykondensation: chemische Verknüpfung kleiner Moleküle zu einem Makromolekül unter Abspaltung von Wasser oder anderen kleinen Molekülen. Das Polykondensat hat eine andere prozentuale Zusammensetzung als das Gemisch der Ausgangsstoffe. Lineare Polykondensate entstehen aus bifunktionellen Molekülen, vernetzte Polykondensate erfordern neben einer bi eine mindestens trifunktionelle Molekülart. Durch Polykondensation werden zum Beispiel Polyester, Pheno- und Aminoplaste hergestellt. Oft wird die Polykondensation unterbrochen, und die erhaltenen Vorkondensate werden zu Pressmassen und Schichtpreßstoffen verarbeitet.

Polykrates, gestorben 522 vor Christus (gekreuzigt), etwa seit 538 Tyrann von Samos; betrieb im Interesse des städtlichen Demos eine expansive Handels- und Eroberungspolitik, förderte Dichtkunst und Bauwesen. Nach einem Aufstand der mit Sparta verbündeten Aristokratie wurde Polykrates durch die Perser hingerichtet.

Polymastigina: farblose Geißeltierchen mit 4 und mehr Geißeln. Polymastigina sind meist Darmparasiten bei Wirbellosen (zum Beispiel Termiten) und bei fast allen Wirbeltieren (auch beim Menschen).

Polymenorrhoe: zu häufige, in zu kurzen Abständen auftretende Regelblutung; meist durch hormonelle Störungen bedingt

polymer: in Makromolekülen vorliegend, die durch Polyreaktionen zwischen gleich- oder verschiedenartigen Einzelmolekülen (den monomeren Substanzen) entstanden sind.

Polymerisation: chemische Verknüpfung kleiner Moleküle (der Monomeren) zu einem Makromolekül (dem Polymer) unter Aufrichtung von Mehrfachbindungen oder Aufspaltung ringförmiger Atomverbände. Das Polymerisat hat die gleiche prozentuale Zusammensetzung wie das entsprechende Monomer. Bei der Homopolymerisation verwendet man nur eine Monomerenart, bei der Ko-Polymerisation (Mischpolymerisation) wird ein Monomeren Gemisch polymerisiert. Bei der Polymerisation ungesättigter Verbindungen gehen 7r-Bindungen des Monomeren in verknüpfende o-Bindungen über. Der Polymerisationsgrad n gibt an, wie viel Monomere im Durchschnitt zum Polymeren zusammengetreten sind. Eine Polymerisation unter Ringspaltung ist zum Beispiel die Polymerisation von s-Kaprolaktam zu Polykaprolaktam. Bei der Polymerisation unterscheidet man die Startreaktion, die Kettenwachstumsreaktionen und die Kettenabbruchsreaktion. Die Startreaktion erfolgt unter Einfluss von Wärme, Strahlung, Ultraschall oder durch Zusatz von Polymerisationsinitiatoren, zum Beispiel Dibenzoylperoxid. Bei der Blockpolymerisation (Massepolymerisation) erstarrt das Monomer zu einem eventuell geformten Polymeren Block. Lösungs- und Fällungspolymerisation finden in einer Lösung des Monomeren statt, wobei das Polymer gelöst bleibt beziehungsweise als Pulver ausfällt. Die Emulsionspolymerisation wird mit einem emulgierten Monomeren in einer emulgator- und katalysatorhaltigen Lösung durchgeführt, wobei primär ein Latex entsteht, während bei der Suspensionspolymerisation die Dispergierung des unlöslichen Monomeren emulgatorfrei durch starkes Rühren erfolgt; das Emulsionspolymerisat wird als feines Pulver, das Suspensionspolymerisat in Form von Perlkörnchen isoliert Siehe auch Pfropfpolymerisation.

Polymerisationsklebstoffe: Lösungen von Harzen, Kautschuk oder Polyvinylverbindungen in polymerisationsfähigen Flüssigkeiten (Styrol unter anderem) zum Kleben dichter, für Lösungsmitteldämpfe undurchlässiger Materialien, insbesondere Plaste.

polymetallisch: sind Vererzungen mit Anreicherungen mehrerer Metalle.

Polymethacrylsäureester, Polymethacrylsäureester, Polymethacrylate: durch Polymerisation von Acrylsäureestern entstehende Thermoplaste, insbesondere Polymethacrylsäuremethylester (Polymethylmethacrylat, Zeichen PMMA). Polymethacrylsäureester sind fest, hart, gut spangebend bearbeitbar und beständig gegen Wasser, Säuren, Alkalien, aliphatische Kohlenwasserstoffe und Alkohole; von aromatischen Kohlenwasserstoffen, Estern und Ketonen werden Polymethacrylsäureester angegriffen beziehungsweise gelöst. Polymethacrylsäureester lassen sich glasklar durchsichtig herstellen («organisches Glas»). Weiterhin dienen sie als Formmasse für Zahnprothesen sowie als Lackharze.

polymorph: (griechisch) vielgestaltig, verschiedengestaltig.

Polymorphie: (griechisch, «Vielgestaltigkeit») Eigenschaft einzelner chemischer Verbindungen, in morphologisch und strukturell verschiedenen Kristallarten aufzutreten.

Polymorphismus: Vielgestaltigkeit der Individuen einer Art oder eines Tierstocks; auch Verschiedengestaltigkeit der Individuen staatenbildender Insekten. Die unterschiedlichen Formen, zum Beispiel der Termiten, sind in Morphen (Kasten), wie Arbeiter und Soldaten differenziert.

Polyneikes, in der griechischen Sage Sohn des Ödipus und der Iokaste, Bruder der Antigone.

Polynesien: (griechisch, «Vielinselland») weitverstreute Inselwelt im Stillen Ozean, zwischen 30° nördliche und 30° südliche Breite, östlich von Melanesien und Mikronesien; 25 480 km2 und 2 Millionen Einwohner (besonders Einwanderer aus Asien, Australien, Amerika; Polynesier); nach der Lage unterteilt in Mittel-Polynesien mit Tonga-, Cook-, Samoa-, Manihiki-, Phönix-, Tokelau Inseln, Fanning Insel, Wallis und Futuna, Tuvalu-Inseln, die Insel Niue sowie einem kleinen Teil der Fidschiinseln; Ost-Polynesien mit Gesellschafts-, Marquesas-, Tuamotu-, Pitcaim-, Tubuai Inseln und Osterinsel sowie Nord-Polynesien mit den Hawaii-Inseln, Midwayinseln, Wake und anderen verstreut liegenden kleinen Inseln. Polynesien umfasst die unabhängigen Staaten Westsamoa, Tonga, Tuvalu sowie Teile Kiribatis, integrierte Gebiete Chiles (Osterinsel) und der USA (Hawaii-Inseln); mehrere Inseln stehen unter Kolonialherrschaft oder in Abhängigkeit Frankreichs, der USA, Großbritanniens und Neuseelands. Polynesien besteht aus Vulkan- oder Koralleninseln (Atollen), die je nach Luv- oder Leeseite von Regenwald, Savanne oder Grasland bedeckt sind; tropisches Seeklima. Vorherrschend ist die Nutzung der Kokospalme (Kopra Gewinnung), auf Plantagen Anbau von Süd- und Zitrusfrüchten, Zuckerrohr, Kakao, Kaffee, Tee; entwickelter Fremdenverkehr. Zahlreiche Inseln werden von den USA als Militärstützpunkte (zum Beispiel Hawaii, Wake) beziehungsweise von Frankreich als Kernwaffenversuchsgelände (Mururoa Atoll) missbraucht

Polynesier: hellhäutige, glatthaarige Bevölkerung Polynesiens; einschließlich der Maori und Fidschianer etwa 800000; Bodenbauer, Fischer und früher bedeutende Seefahrer (Ausleger- und Doppelboote); zu Beginn der Kolonialzeit weiter vorangeschrittene Auflösung der Urgesellschaftsordnung als bei den übrigen ozeanischen Völkern; ausgeprägte gesellschaftliche Differenzierung: Oberschicht mit erblicher Würde und zahlreichen Privilegien (Häuptlinge, Adel), Bauern, Fischer und Unfreie («Sklaven»); den Göttern und vergöttlichten Ahnen dienende hierarchisch organisierte Priesterkaste (siehe auch Tabu); Zerstörung der traditionellen Kultur und Gesellschaft bereits im 19. Jahrhundert durch Kolonialismus und Missionswesen.

Polynom: (griechisch) ein mehrgliedriger mathematischer Ausdruck, dessen Glieder nur durch die beiden Rechenoperationen Addition und Subtraktion miteinander verknüpft sind, zum Beispiel a— b+ c+ d. insbesondere bezeichnet man einen zweigliedrigen Ausdruck als Binom und einen dreigliedrigen als Trinom. In der Algebra ist ein Polynom ein aus konstanten Größen, die allgemeine oder bestimmte Zahlen sein können, und aus Unbestimmten gebildeter ganzrationaler Ausdruck. Die Konstanten nennt man die Koeffizienten des Polynoms. Als Nullstellen oder Wurzeln eines solchen Polynoms bezeichnet man diejenigen Zahlenwerte xb der Unbestimmten x, für die das Polynom den Wert Null annimmt. Für die Polynomwurzelbestimmung gibt es neben den allgemeinen Methoden der Nullstellenbestimmung eine Reihe spezieller Verfahren.

Polynomapproximation: spezielle Form der Approximation einer Funktion y=f(x). Die Näherung wird als Polynom eines gegebenen Grades gesucht. Je nach dem verwendeten Näherungsbegriff gehören dazu die Interpolation und die Fourier- beziehungsweise Tschebyschow-Approximationen. Polynomapproximation wird häufig als Vorstufe anderer Näherungsprozesse, wie der Integration oder der Lösung von Differentialgleichungen, angewendet

Polyolefine: durch Polymerisation von Alkenen («Olefinen») hergestellte Thermoplaste, zum Beispiel Polyäthylen, -propylen und -butylen.

Polyolefinfaser Stoffe: Sammelname für. Polyäthylen- und Polypropylen Faserstoffe.

Polyoxymethylen, Zeichen POM: durch katalytische Polymerisation von Formaldehyd hergestellter Thermoplast. Wegen seiner Härte, Zugfestigkeit, Lösungsmittel- und Formbeständigkeit bis 100 °C wird Polyoxymethylen vor allem als Konstruktionswerkstoff an Stelle von Buntmetallen eingesetzt.

Polyp: (lateinisch griechisch, «Vielfuß»)

1. Medizin: gestielte Schleimhautgeschwulst; kommt unter anderem im Magen, Darm und in der Gebärmutter vor; mehrere Polyp (Polyposis) finden sich vorwiegend im Darmbereich.

2. Zoologie: festsitzende Form der Nesseltiere mit schlauchförmigem Körper, Stockbildung durch Knospung, besonders bei marinen Arten; typisch sind die Süßwasserpolyp; siehe auch Hydra, Qualle.

Polypeptide: aus einer großen Zahl von Aminosäuren zusammengesetzte 1 Peptide.

Polyphem, in der griechischen Sage einer der Zyklopen, Sohn des Poseidon; von Odysseus geblendet, da er einige seiner Gefährten gefressen hatte.

Polyphenylenoxid, Zeichen PPO: durch oxydative Kupplung von 2,6-Dimethylphenol gewonnener Thermoplast. Das erst zwischen 215 und 260 °C erweichende Material weist zwischen -170 und +190°C eine ausgezeichnete Zugfestigkeit, gute Schlag- und Kerbschlagfestigkeit sowie einen hohen Elastizitätsmodul auf. Da es bei 125 °C sterilisiert werden kann, wird Polyphenylenoxid vorzugsweise in der Medizintechnik eingesetzt, ferner für Heißwasserarmaturen und in der Elektrotechnik.

Polyphonie: Vielstimmigkeit im Sinne mehrerer melodisch und rhythmisch gleichberechtigter kontrapunktisch geführter Stimmen, wobei sich die Harmonik der Stimmführung unterordnet oder sich aus ihr ergibt

Polyploidie: Verdopplung beziehungsweise Vervielfachung des Chromosomensatzes; polyploid sind Zellen, Gewebe oder Organismen, die 3 (triploid), 4 (tetraploid) oder mehr komplette Chromosomensätze an Stelle von normalerweise 2 (diploid) enthalten. Die Chromosomensätze können völlig homolog (Autopolyploidie) oder verschieden sein. Für die landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung sind polyploide Pflanzen von Bedeutung; bei Tieren können Gewebe polyploid sein.

Polypragmasie: wissenschaftlich unbegründete gleichzeitige oder schnell wechselnde Anwendung verschiedener Behandlungsarten oder zahlreicher Arzneimittel.

Polypropylen, Zeichen PP: durch Polymerisation von Propen hergestellter Thermoplast. Polypropylen weist im Vergleich zu Polyäthylen verbesserte mechanische und thermische Eigenschaften, insbesondere Formbeständigkeit, auf; es ist zwischen -30 und +150°C einsetzbar und somit kochfest. Die Verarbeitung erfolgt meist durch Spritzgießen zu technischen Formteilen hoher Beanspruchbarkeit; auch als Chemiefaserstoff wird Polypropylen angewandt.

Polypropylen Faserstoffe, Zeichen PP: aus stereospezifischen Polypropylen oder Mischpolymerisaten mit mindestens 85% Propen bestehende Chemiefasern und -seiden (PP-F beziehungsweise PP-S). Polypropylen Faserstoffe sind sehr leicht (Dichte 0,90 bis 0,94 g/cm3), hydrophob und chemikalienbeständig: sie werden für Teppiche und technische Textilien (Seilwerk, Netze unter anderem) eingesetzt.

Polyptychon: Vieltafelbild, ursprünglich ein Flügelaltar mit mehr als 2 Flügeln.

Polyreaktionen: chemische Reaktionen, bei denen aus monomeren Molekülen polymere Moleküle gebildet werden. Zu den Polyreaktionen gehören insbesondere Polyaddition, Polykondensation und Polymerisation.

Polyrhythmik: Gleichzeitigkeit verschiedener rhythmischer Abläufe.

Polysaccharide: makromolekulare Kohlenhydrate, deren Moleküle durch Enzyme oder verdünnte Säuren in viele (10 bis etwa 1 Millionen) Monosaccharid Moleküle zerlegt werden können. Wichtige Polysaccharide sind Amylose, Amylopektin (beide in Stärke enthalten), Glykogen und Zellulose.

Polysäuren: 1. Säuren, deren Anionen Mehrkernkomplexe mit 2 oder mehreren Atomen von gleichen oder verschiedenen (Heteropolysäuren) säurebildenden Elementen darstellen. Isopolysäuren werden von Metallen und Nichtmetallen gebildet, während die Zentralatome von Heteropolysäuren meist aus Nichtmetallen bestehen. Liganden können (neben Sauerstoff) Säurereste von Isopolysäuren, insbesondere Vanadium-, Molybdän- und Wolfnus-Säure, sein, wobei noch unterschiedliche Mengen Wasser gebunden sind, zum Beispiel Dodeka Wolframatophosphorsäure mit 24 Molekülen Kristallwasser («Phosphorwolframsäure»).

2. Säuren mit sehr vielen ionisierbaren Atomgruppen in einem Makromolekül, zum Beispiel Polystyren-Sulfonsäure.

Polysemie: (griechisch) Mehrdeutigkeit von Morphemen, Wörtern oder größeren sprachlichen Einheiten, zum Beispiel «Gebiet» für ein bestimmtes Territorium oder Sphäre, Teilbereich (einer Wissenschaft o. ä.).

Polyspermie: (griechisch) Bezeichnung für das Eindringen mehrerer Spermien in ein Ei, wobei nur ein Spermium die Befruchtung vollzieht; kommt regelmäßig bei den dotterreichen Eiern von Haifischen und Reptilien vor.

Polystyrol, fachsprachlich Polystyren, Zeichen PS: durch Polymerisation von Styrol hergestellter Thermoplast. Polystyrol ist hart und spröde, leicht färbbar, brennbar, Dichte 1,05 g/ cm3; es erweicht bei etwa 90 °C; gegen Wasser, Alkalien und schwache Säuren ist es beständig; von den meisten organischen Lösungsmitteln und starken Säuren wird es angegriffen. Polystyrol ist besonders geeignet für die. Verarbeitung durch Spritzgießen zu Verpackungsbehältern, Haushaltartikeln unter anderem. Durch Extrudieren werden aus Polystyrol hochwertige Elektroisolierfolien hergestellt. Eine erhebliche Bedeutung in der Bau-, Verpackungs- und Kälteindustrie hat Schaumpolystyrol als Isolierstoff. Mischpolymerisate aus Styrol, Acrylnitril und Butadien haben gegenüber Polystyrol verbesserte mechanische Eigenschaften (ABS-Polymere). Das chemische Grundgerüst des Polystyrols ist in vielen Ionenaustauschern enthalten.

Polysulfide: Salze der Polysulfane. Es existieren hauptsächlich Alkali-, Erdalkali- und Ammonium-Polysulfide. Die Kaliumpolysulfide, K2S2 bis K2S6, gelbe bis rote Massen, sind in der «Schwefelleber» enthalten, die beim Schmelzen von Kaliumkarbonat mit Schwefel entsteht und zur dekorativen Schwarzbraunfärbung von Kupfer und Silber dient

Polysyndeton: Verknüpfung gleichgeordneter Ausdrücke durch Wiederholung derselben Konjunktion, zum Beispiel «Und es wallet und siedet und brauset und zischt» (Schiller). Siehe auch Asyndeton.

Polytechnikum: in einigen sozialistischen Staaten Bezeichnung für technische Fachschule.

polytechnisches Kabinett: betriebt. Ausbildungsstätte für den polytechnischen Unterricht der Klassen 7 bis 10.

Polytetrafluorethylen, Zeichen PTEE: durch Polymerisation von Tetrafluorethylen gewonnener, zu den Polyfluorcarbonen gehörender Plast. Die mechanischen Eigenschaften des Polytetrafluoräthylen bleiben zwischen -90 und +250 °C nahezu unverändert; es ist gegen Salpetersäure, Königswasser, Flusssäure und alle organischen Lösungsmittel beständig und in dieser Hinsicht Gold und Platin zum Teil fiberlegen. Polytetrafluoräthylen wird zum Beispiel im chemischen Apparatebau dort, wo höchste Korrosionsbeständigkeit gefordert wird, sowie zur antiadhäsiven Oberflächenbeschichtung, zum Beispiel bei Koch- und Bratgeräten, verwendet. Wegen seines hohen Erweichungspunktes (um 325 °C) erfolgt die Verarbeitung von Polytetrafluoräthylen vor allem durch Kaltpressen und Sintern; die Dichte beträgt 2,1 bis 2,3 g/cm3.

Polytheismus: Glaube an mehrere Götter, die unterschied! Wirkungsbereiche besitzen. Siehe auch Monotheismus.

Polytonalität: gleichzeitige Verwendung verschiedener Tonarten in verschiedenen Stimmen.

Polytrope: Kurve, die (polytropischen) Zustandsänderungen eines Gases beschreibt, die dem Gesetz der Form pV" = const. zwischen Druck p und Volumen V gehorchen; n ist der Polytropenexponent. Spezielle Polytrope sind zum Beispiel Isothermen für n 1 und Adiabaten für n = #(Poissonsches Gesetz).

Polyurethane, Zeichen PUR: durch Polyaddition von mehrwertigen Isocyanaten (zum Beispiel Diisocyanaten) mit mehrwertigen Alkoholen (zum Beispiel Diolen) oder anderen Hydroxylgruppen haltigen Verbindungen (zum Beispiel Polyäther- und Polyesteralkoholen) hergestellte Plaste und Elaste mit der ständig wiederkehrenden Urethangruppierung -NH-CO-O im Molekül. im Allgemeinen werden die Komponenten von den Herstellern als Polyurethansysteme getrennt geliefert und von den Verarbeitern unter gleichzeitiger Formung zur Reaktion gebracht. Durch Variation der Ausgangsstoffe und durch Zusätze lassen sich thermoplastische, gummielast und duroplastische Massivwerkstoffe und Schäume sowie Lack- und Klebharze herstellen, deren Eigenschaften auf der Verwendungszweck abgestimmt sind (siehe auch Polyurethan-Elastomer-Faserstoffe). Etwa 85 % der Polyurethane werden als Weich- und Hartschäume verwendet. Die kompakten thermoplastischen und gummielastischen Polyurethane sind sehr zäh und verschleißfest, gegen organische Lösungsmittel beständig und bis 110 °C wärmebeständig.

Polyurethan-Elastomer-Faserstoffe, Zeichen PU, auch PUR: aus Polyurethan bestehende gummielastische Chemiefaserstoffe (hauptsächlich Seiden; PUS). Die Polyurethan-Elastomer-Faserstoffe werden ersponnen, indem die Lösung eines «segmentierten», das heißt aus biegsamen («weichen») und steifen («harten») Segmenten bestehenden Polyurethans in Dimethylformamid durch Spinndüsen in Heißluft oder Wasser gepresst werden. Typisch für Polyurethan-Elastomer-Faserstoffe ist die hohe Reißdehnung (bis 800%), verbunden mit raschem Erholungsvermögen nach Deformationen. Polyurethan-Elastomer-Faserstoffe sind beständig gegen Schweiß, Öle, Fette und chemische Reinigung; sie erweichen bei 175 °C und schmelzen bei 250 °C; ihre Dichte beträgt 1,10 bis 1,18 g/cm3; Anwendung zum Beispiel für Mieder-, Strumpf- und Badetextilien. Die Polyurethan-Elastomer-Faserstoffe wurden 1958 in den USA entwickelt.

Polyurethanlacke, Kurzwort PUR-Lacke: Anstrichstoffe, die unter Bildung eines Polyurethans erhärten. Die meisten Polyurethanlacke bestehen aus zwei vor der Anwendung zu mischenden Bestandteilen, einer (bei Lackfarben pigmentierten) Polyolkomponente und einer als «Härter» bezeichneten Isocyanatkomponente. Beim Trocknen reagieren beide in relativ kurzer Zeit unter Bildung eines licht- und chemikalienbeständigen, haftfesten Anstrichfilms von (bei entsprechend Typen) dauerhaftem Oberflächenglanz.

Polyvinylalkohol, Zeichen PVAL: wasserlösliche Thermoplast gewonnen durch Verseifung von Polyvinylazetat Polyvinylalkohol wird insbesondere zur Herstellung treibstoff-, öl- und lösungsmittelfester Schläuche und Dichtungen sowie als Emulgator und Schutzkolloid in Kosmetik und Pharmazie verwendet

Polyvinylacetat, Zeichen PVAC: durch Polymerisation von Vinylazetat hergestellter Thermoplast. Polyvinylacetat hat je nach Polymerisationsgrad einen Erweichungspunkt zwischen 45 und 125 °C; es ist sehr gut mit Weichmachern verträglich, zeigt eine hervorragende Haftfestigkeit auf Grundmaterialien aller Art, ist wasserbeständig und vermag große Mengen Pigmente und Füllstoffe zu binden. Polyvinylacetat wird in Form von Lösungen oder Dispersionen zur Herstellung von Latexfarben, Lacken, Kunstleder, Wachstuch, Klebstoffen, Spachtelmassen, Faserbindemitteln und ähnlichem verwendet; auch wird es zu Polyvinylalkohol verseift

Polyvinylchlorid, Zeichen PVC: durch Polymerisation von Vinylchlorid hergestellter Thermoplast. Polyvinylchlorid erweicht bei etwa 75 bis 80 °C und spaltet oberhalb 130 °C unter Dunkelfärbung Chlorwasserstoff ab; es ist beständig gegen Wasser, Alkalien, verdünnte Säuren und Benzin; aromatische Kohlenwasserstoffe wirken quellend bis lösend. Polyvinylchlorid ist schwer entflammbar und von guter elektrischer Isolierfähigkeit. Die Verarbeitung erfolgt mit oder ohne Weichmacher als PVC-weich beziehungsweise PVC-Hart zu Halbzeugen (Platten, Folien, Profile, Rohre, Borsten) und Formteilen, zum Beispiel durch spangebende Bearbeitung, Warmformen, Kalandrieren, Extrudieren, Spritzgießen, Schweißen, Kleben. Die durch Verreiben von Polyvinylchlorid Pulver mit Weichmachern und anderen Zusätzen entstehenden Polyvinylchlorid Pasten werden durch Tauchen, Gießen und Streichen verarbeitet; letzteres wird insbesondere zur Textilbeschichtung bei der Kunstlederproduktion angewandt. Auch für die Herstellung von Schaumstoffen und Chemiefaserstoffen wird Polyvinylchlorid verwendet. In der Weltplastikproduktion steht Polyvinylchlorid an erster Stelle.

Polyvinylchlorid Faserstoffe, Zeichen PVC: aus (zum Teil nachchloriertem) Polyvinylchlorid oder Mischpolymerisaten mit mindestens 85% Vinylchlorid bestehende Chemiefaserstoffe, meist Fasern (PVC-F). Polyvinylchlorid Faserstoffe werden ersponnen, indem zum Beispiel eine Lösung von Polyvinylchlorid in Azeton durch Spinndüsen in ein Wasser-Azeton-Gemisch gepresst wird. Polyvinylchlorid Faserstoffe sind nicht brennbar, sehr säure-, alkali- und verrottungsfest; sie haben ein hohes Wärmerückhaltevermögen und laden sich leicht elektrostatisch auf. Die Wasseraufnahme ist gering; die Dichte beträgt etwa 1,4 g/cm3. Polyvinylchlorid Faserstoffe erweichen bei 70 °C und sind empfindlich gegenüber organische Lösungsmitteln. Man verwendet Polyvinylchlorid Faserstoffe für nicht entflammbare Textilien (in Theatern, Fahrzeugen unter anderem), für rheumalindernde Wäsche sowie für technische Zwecke.

Polyvinylidenchlorid, Zeichen PVDC: durch Polymerisation von Vinylidenchlorid hergestellter Thermoplast der Formel (-CH2-CCl2-)„; ähnelt dem Polyvinylchlorid, ist aber weniger wärme- und chemikalienfest, dagegen äußerst beständig gegenüber Wasser und Wasserdampf.

Polyzythämie, Rotblütigkeit: Blutkrankheit mit Vermehrung der roten Blutzellen, des roten Blutfarbstoffs, der Gesamtblutmenge sowie der weißen Blutzellen und der Blutplättchen.

Pomaken: Bezeichnung für die im 16./17. Jahrhundert zum Islam bekehrten Bulgaren, die jedoch die bulgarische Sprache beibehielten.

Pombal, Sebastiao José de Carvalho e Melo, Marquis von, 13.5.1699-8.5.1782, portugiesischer Staatsmann; bedeutender Vertreter des aufgeklärten Absolutismus, Erster Minister Josés I. (1750/77); führte zahlreiche Reformen durch (unter anderem Vertreibung der Jesuiten 1759, Förderung von Manufakturen, Bau von über 800 weltlichen Schulen); unter Maria I. 1777 gestürzt und vom Hof verbannt

Pomeranze, Bitterorange, Citrus aurantium: Rautengewächs des tropischen Asien mit ungenießbaren Früchten, die ebenso wie die der im Mittelmeergebiet angebauten Unterart Bergamotte ätherische Öle liefern.

Pomeschtschiki: in Russland Inhaber eines Pomestje; später allgemeine Bezeichnung für Gutsbesitzer.

Pomestje: Dienstgut in Russland; von Großfürst Iwan HI. von Moskau Ende des 15. Jahrhundert als Entlohnung für Kriegsdienste eingeführte Form des feudalen Landbesitzes, die im Unterschied zur Wotschina weder erblich noch verkäuflich war, im 17. Jahrhundert begann eine allmähliche Angleichung beider Formen.

Pomilio-Celdecor-Verfahren: Kunstwort, nach dem Erfinder und einer britischen Firma): Verfahren zur Herstellung von Zellstoff und Halbzellstoff durch chemischen Aufschluss von Stroh und grasartigen Pflanzen; dem Kochen mit Natronlauge folgt eine Chlorbehandlung.

Pommersfelden: Gemeinde in Oberfranken (Bayern); in der Nähe Schloss Weißenstein; unter J. Dientzenhofer barocker Neubau (1711/16), ein von 2 Flügeln flankierter Schlossbau, im Mittelpavillon das zweiläufige Treppenhaus von J. L. von Hildebrandt, Marstall und Park 1714/18 von M. von Welsch (ab 1786 wurde der Park zu einem Engl. Garten umgestaltet). Im Schloss Gemäldegalerie in barocker Hängung und prunkvolles Spiegelkabinett.

Pomologie: (lateinisch + griechisch) Obstkunde; im engeren Sinne Obstsortenkunde.

Pomona: (lateinisch, zu poma, «Baumfrüchte») römische Göttin des Obstes und der früchtetragenden Bäume.

Pomoranen: (slawisch, «Küstenbewohner») im Mittelalter den Polen verwandte westslawische Stammesgruppe in Pomorze, die von eingewanderten deutschen Siedlern weitgehend assimiliert wurde, ihre unvermischten Nachkommen sind die Kaschuben im Pojezierze Kaszubskie, deren Sprache (heute ein polnischer Dialekt) von etwa 100000 Menschen gesprochen wird.

Pomoranisch, Ostseeslawisch: von einigen Forschern verwendete Sammelbezeichnung für die kaschubische Dialektgruppe der polnischen Sprache und das Slowinzische.

Pomorie: Stadt im Osten Bulgariens (Bezirk Burgas), auf einer Felseninsel im Schwarzen Meer, 15 km nördlich von Burgas; 13000 Einwohner; Hafen; Meersalzgewinnung, Fischfang und -Verarbeitung, Weinkelterei und -brennerei; internationaler Kurort (Heilschlammkuren).

Pomorje: alte russische Bezeichnung für das Gebiet am Onegasee und Weißen Meer, an Dwina, Onega, Mesen, Petschora, Kama und Wjatka.

Pomorze: historisches Gebiet in Polen, umfasst die Pojezierze Pomorskie und die polnische Ostseeküste bis zur Wisla-Mündung. Der östliche Teil war Ende des 12. Jahrhundert bis 1294 selbständiges Herzogtum (Pommerellen), das 1308/09 unter die Herrschaft des Deutschen Ritterordens geriet und 1466 wieder zu Polen kam; 1772 und 1793 (1. und 2. Teilung Polens) von Preußen annektiert, wurde es 1920 wieder polnisch. Der westliche Teil wurde Anfang des 12. Jahrhundert selbständiges Herzogtum (Pommern), das auch weite Gebiete westlich der Oder umfasste. Im 13. Jahrhundert begann die deutsche Kolonisation.

Pomp: (französisch griechisch) Prunk, Prachtentfaltung, Schaugepränge.

Pompa, Pompe: Umzug, Festzug, Prozession; kultischer Aufzug zu einer oder mit einer Gottheit.

Pompadour: nach der Marquise de Pompadour benannte kleine Beuteltasche; kam in der Mitte des 18. Jahrhundert auf.

Pompadour, Jeanne Antoinette Poisson, Marquise de, 29.12.1721-15.4.1764, einflussreiche Mätresse Ludwigs XV. von Frankreich.

Pompeji: antike Stadt am Golf von Neapel, die 79 nach Christus durch einen Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurde. Die Ausgrabungen seit der 1. Hälfte des 18. Jahrhundert, planmäßig seit 1860 durchgeführt, legten etwa 60 % der Stadt frei (Straßen, Plätze, Läden, Privathäuser, öffentliche Gebäude wie Tempel, Thermen, Hallen und Theater). besonders interessant sind gut erhaltene Wandmalereien. Untersuchungen, z: B. der technischen Anlagen (Wasserleitung unter anderem), werden fortgesetzt; 1980 wurden Teile der Stadt durch Erdbeben stark beschädigt.

Pompejus, Pompeius, altrömisches plebejisches Geschlecht: 1. Pompejus, Gnaeus Pompeius Magnus, 29.6.106-28.9.48 vor Christus (ermordet), römischer Feldherr und Staatsmann; im Interesse aristokratische Kreise erstrebte er die Alleinherrschaft; kämpfte erfolgreich gegen die Reste des Spartacus Heeres, die Seeräuber im Mittelmeer und Mithridates VI. Eupator, schloss 60 mit Cäsar und Crassus das 1. Triumvirat.

2. Pompejus, Sextus Pompeius Magnus, 73-35 vor Christus (hingerichtet), römischer Feldherr, Sohn von Pompejus 1; kämpfte in Spanien und Afrika gegen Cäsar, bedrohte die Angehörigen des 2. Triumvirats.

Ponape: Hauptinsel einer Gruppe von 25 Inseln der Karolinen; im Stillen Ozean (Mikronesien); 347 km2, 22000 Einwohner; 63 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Kolontar; Ponape ist Teil des von den USA verwalteten UN-Treuhandgebietes Pazifische Inseln, von den USA widerrechtlich den Bundesstaaten von Mikronesien eingegliedert; vulkanischen Ursprungs und bis 865 m hoch; sehr fruchtbar, Reste alter Siedlungen.

Ponce: Stadt im Süden Puerto Ricos; 190000 Einwohner; Verarbeitung von Agrarprodukten, Erdölraffinerie, chemische, metallverarbeitende und Textilindustrie.

Poncho: viereckiger, ärmelloser Überwurf mit Ausschnitt; Wetter- und Kälteschutz, insbesondere der indianischen Bevölkerung des Andengebietes.

Pond: (pondus, «Gewicht») Zeichen p: veraltende Maßeinheit der Kraft (amtlich seit 1.1.1980 ungültig); 1 p = 9,806 65 mN.

Ponderabilien: genau bestimmte, fassbare, wägbare Dinge, Körper, Stoffe.

Ponderation: die harmonisch ausgeglichene Erscheinung einer Statue; wird erreicht durch gleichmäßige Verteilung der Körperschwere beziehungsweise der Gewandung und durch Auswägen der Bewegungen, am vollkommensten im Kontrapost.

Pondicherry: Unionsterritorium an der Ostküste (Koromandelküste) Indiens; 480 km2, 600000 Einwohner; 1250 Einwohner/km2; Hauptstadt Pondicherry; Zentrum des indischen Erdnussanbaus, ferner Anbau von Reis, Kokospalmen, Kaschunüssen, Zuckerrohr; Textilindustrie; Hafen.

Pongau: inneralpine Beckenlandschaft im Bundesland Salzburg (Österreich), östliche Fortsetzung des Pinzgaus, am Salzachknie zwischen Lend und Werfen; wichtigster Ort Sankt Johann im Pongau; Wasserkraftwerke; Fremdenverkehr, besonders im Gasteiner Tal.

Poniatowski, Jozef Fürst, 7.5.1763-19.10.1813, polnischer General; Teilnehmer am Kosciuszko-Aufstand 1794; befehligte in französischen Diensten 1809 ein polnisches Heer gegen Österreich und 1812 ein Korps der Armee Napoleons I. gegen Russland; ertrank nach der Völkerschlacht bei Leipzig in der Weißen Elster.

Ponnelle, Jean-Pierre, geboren 19.2.1932, französischer Bühnenbildner und Musiktheaterregisseur, erregte internationales Aufsehen mit pantomimische-choreographische Operninszenierungen; im Zentrum seines Bemühens stehen dabei die Werke W. A. Mozarts.

Ponor, Katavothre (griechisch, «Abgrund») Schluckloch: schlotartiger Hohlraum im Karst, in dem ein Gewässer versinkt, unterirdisch weiterfließt und an anderer Stelle eine Karstquelle bildet.

Pont-Aven, Schule von: französische Künstlergruppe; bildete sich seit 1886 in Pont Aven (Bretagne) um Pont-Aven Gauguin und strebte einen formvereinfachenden Stil an, womit sie bedeutsam für die Entwicklung der Künstlergruppe der Nabis und des Symbolismus wurde.

Pontianak: Stadt (Provinzzentrum) in Indonesien, an der Westküste der Insel Kalimantan; 300000 Einwohner; Leichtindustrie, Werft; 2 Universitäten; Übersee-, Flughafen.

Pontifex: (lateinisch, «Oberpriester») Mitglied des höchsten altrömisches Priesterkollegiums (Vorsteher war der Pontifex maximus); später Titel des römischen Kaisers, seit dem 5. Jahrhundert des Papstes.

Pontifikat: Amtstätigkeit und -dauer des Papstes.

Pontisches Gebirge: nördliches Randgebirge Kleinasiens, längs der Küste des Schwarzen Meeres; 1000 km lang, bis 150 km breit, höchste Erhebung mit 3 932 m. Das im Jungtertiär gefaltete, aus kristallinen Gesteinen, Kalken und Andesiten aufgebaute und erdbebengefährdete Pontisches Gebirge besteht aus 2 annähernd parallelen, durch Flüsse tief zerschnittenen Hauptketten, die durch eine Längstalfurche getrennt werden. Der westliche Teil besitzt Mittelgebirgs- (Bithynische Gebirge), der östliche Hochgebirgsformen. Die steil zum Schwarzen Meer abfallende Nordseite empfängt reichlich Niederschläge und ist bewaldet, auf der Südseite Steppen und Wüstensteppen; Buntmetallerz- und Steinkohlenvorkommen.

Pontisches Reich: altes Königreich im Nordosten Kleinasiens, das nach den Diadochenkriegen 280 vor Christus entstand und unter Mithridates VI. Eupator seine höchste politische und wirtschaftliche Macht erlebte. Das Pontische Reich widersetzte sich lange und erbittert der römischen Eroberung; wurde schließlich 65 vor Christus unterworfen und römische Provinz; 40 vor Christus bis 64 nach Christus nochmals selbständiges, aber von Rom abhängiges Königreich.

Ponto, Erich, 14.12.1884-4.2.1957, Schauspieler, wirkte 1914/47 in Dresden, danach in Stuttgart als vielseitiger (oft zum Skurril-Komischen tendierender) Charakterdarsteller, wurde auch durch Gastspiele in Berlin (zum Beispiel bei der Uraufführung der «Dreigroschenoper» 1928) und zahlreiche Filmrollen bekannt.

Pontok: bienenkorb- oder kuppelförmige Hütte südafrikanischer Völker.

Ponton: einfacher, meist rechteckiger geschlossener Glattdeckschwimmkörper, zum Beispiel für Schwimmkrane, -rammen und Behelfsbrücken.

Pontoppidan, Henrik, 24.7.1857 bis 1.8.1943, dänischer Schriftsteller; Hauptvertreter des klassischen kritischen Realismus in der dänischen Literatur. In frühen, noch naturalistisch gefärbten Erzählungen («Dorfbilder», 1883, deutsch) schilderte er als erster dänischer Schriftsteller das soziale Elend der Landbevölkerung. Hauptwerke Pontoppidans sind die Romane «Das gelobte Land» (1891/95, deutsch), «Hans im Glück» (1898/1904, deutsch) und «Das Totenreich» (1912/16, deutsch), die ein breitangelegtes Panorama der dänischen Gesellschaft von etwa 1880 bis zum 1. Weltkrieg bieten; ferner die Memoiren «Unterwegs zu mir selbst» (1943).

Pontormo, Jacopo, 24. oder 25.5.1494-1557 (2.1. begraben), italienischer Maler, Hauptmeister des Florentiner Manierismus; schuf ekstatisch erregte Figurenszenen auf Tafelbildern und Fresken sowie psychologisch vertiefte, eindrucksvolle Bildnisse.

Pontos Euxeinos: (griechisch, «gastfreundliches Meer») Pontus Euxinus: im Altertum Name des Schwarzen Meeres.

Pontrjagin, Lew Semjonowitsch, geboren 3.9.1908, sowjetischer Mathematiker, lieferte grundlegende Untersuchungen über Topologie, Differentialgleichungen und zur Gruppentheorie.

Pontus Konferenz: Konferenz der Signatarmächte des Pariser Vertrages von 1856, tagte Januar/März 1871 in London. Russland erlangte das Recht, wieder eine Kriegsflotte im Schwarzen Meer (lateinisch Pontus Euxinus) zu unterhalten; die Durchfahrt der Meerengen (Bosporus, Dardanellen) durch Kriegsschiffe blieb von der Zustimmung der Türkei abhängig.

Pony: (englisch französisch) 1. Pony: kurzgeschnittenes, in die Stirn gekämmtes Haar.

2. Pony: kleinste Rasse unter den Kleinpferden, weist nur eine Widerristhöhe von 85 bis 110 cm auf; am verbreitetsten ist das auf den Shetlandinseln gezüchtete Shetlandpony.

Ponza Inseln, Pontinische Inseln: italienische Inselgruppe im Golf von Gaeta (Tyrrhen. Meer), vor der Küste Latiums; bestehend aus Ponza (7,5 km2) und 5 kleineren Inseln; 3 700 Einwohner; Fischerei, Fremdenverkehr.

Pool: 1. höhere Form des Kartells, bei der auch die Profite aller Mitglieder nach einem gemeinsam festgelegten Schlüssel aufgeteilt werden.

2. zeitweiliger Zusammenschluss von Kapitalisten zur Durchführung spekulativer Geschäfte oder Finanzmanipulationen.

3. Vereinbarung zwischen Fluggesellschaften über das gemeinsame Betreiben von Fluglinien sowie die Verteilung der Kosten und Gewinne.

Poole: Stadt im Süden Englands (Großbritannien), am Kanal, an der Poole Bay-, 120000 Einwohner; Töpfereien, Boots- und Maschinenbau, chemische Industrie, Hafen; Badeort; Segelregatten.

Pool Malebo: seenartige Erweiterung des Zaire vor dem Durchbruch durch die Niederguineaschwelle, an der tiefsten Stelle des Zairebeckens; Westteil zur VR Kongo, Ostteil zu Zaire; früher Stanley Pool; Seefläche 825 km2, bis 16 m tief.

Pool-System:

1. Judo, Ringen: Wettkampfmodus, bei dem die Athleten einer Gewichtsklasse in 2 Gruppen eingeteilt werden und innerhalb einer Gruppe jeder gegen jeden kämpft. Durch die Reihenfolge ergeben sich «echte» Endkämpfe zwischen den Gleichplatzierten beider Gruppen.

2. Fechten: Einteilung der Fechter in Runden zu jeweils 6, von denen die 3 oder 4 Erstplatzierten bis zum Direktausscheid die nächste Runde erreichen.

Poop: Aufbau (meist mit Wohnräumen) im Heckbereich von Schiffen.

Poopo-See: Salzwassersee in Südamerika, im Hochbecken des Altiplano, in den bolivianischen Kordilleren; 3694 m über dem Meeresspiegel, 2800 km2, fast 100 km lang, bis 50 km breit, nur bis 3 m tief; Zufluss über den Desaguadero aus dem Titicacasee; entwässert episodisch in den Lago de Coipasa.

Popanz: Schreckgestalt, Trugbild; Vogelscheuche.

Pop-art: (englisch pop «Knall», auch Kurzwort für popular art, englisch, «volkstümliche Kunst») Hauptströmung der spätbürgerliche Kunst der 60er Jahre, die als Reaktion auf die Lebensformen in der imperialistischen Gesellschaft entstand. Die Art ihrer Reflexion auf soziale Erscheinungen (Konsumdrang, Idol-Verehrung, Bedürfnis nach trivialer Unterhaltungskunst) und die Abkehr vom Dogma der abstrakten Kunst brachte ihr eine gewisse Volkstümlichkeit, bot jedoch auf Grund ihres unkritischen Charakters der Manipulation durch die herrschende Klasse breiten Raum (Hauptvertreter in den USA A. Warhol, R. Lichtenstein).

Pope: niederer Geistlicher, besonders der russisch-orthodoxen Kirche; fälschliche Bezeichnung für alle Priester der orthodoxen Kirche; seit dem 19. Jahrhundert Schimpfwort für den russisch-orthodoxen Geistlichen.

Alexander Pope, 21.5.1688-30.5.1744, englischer Dichter und Essayist; Hauptvertreter des englischen Klassizismus; sein Hauptwerk ist das satirische Versepos «Der Lockenraub» (1714, deutsch); schrieb ferner das aufklärerischen Lehrgedicht «Versuch über den Menschen» (1733/34, deutsch), übersetzte Homer und gab die Werke W. Shakespeares heraus.

Popeline: feingeripptes Gewebe aus Baumwolle, Wolle und Chemiefasern in Leinwandbindung; für Oberkleidung verwendet.

Popescu, Dumitru Radu, geboren 19.8.1935, rumänischer Schriftsteller; gestaltet in Novellen, Bühnenstücken und Romanen («F», 1969; «Königliche Jagd», 1973, deutsch; «Der Narr mit der Blätterkrone», 1973, deutsch) das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft unter Verarbeitung phantastischer, grotesker und absurder Elemente.

Popescu-Gopo, Ion, geboren 11.5.1923, rumänischer Spiel- und Zeichenfilmregisseur; fand mit Zeichenfilmen wie «Kurze Weltgeschichte», «Homo sapiens» internationale Anerkennung; schuf die Spielfilme «Die gestohlene Bombe», «Der weiße Mohr», «Faust XX», «Eine phantastische Komödie», «Maria und Mirabella».

Popkow, Wiktor, 9.3.1932-12.11.1974, sowjetischer Maler; in seinen gedanklich vielschichtigen Gemälden, die die Auseinandersetzung der Nachkriegsgeneration mit dem Thema Krieg widerspiegeln, stellt er eindringlich die Frage nach der Verantwortung des Menschen in der Gegenwart.

Popmusik: (englisch populär music, «populäre Musik») ursprünglich rein kommerzielle Kategorie, die 1944 durch die US-amerikanische Branchenzeitschrift «Billboard» für ihre Auflistung der meistverkauften Schallplatten eingeführt worden war. Inzwischen hat dieser Begriff einen, wenn auch unscharfen, mehr spezifischen Inhalt bekommen und bezeichnet die Synthese der neuen musikalischen Möglichkeiten der Rockmusik mit dem traditionellen Schlager unter anderem. Ein typischer Vertreter der Popmusik in diesem Sinne ist die schwedische Gruppe ABBA.

Popocatepetl: (aztekisch, «rauchender Berg») tätiger Vulkan am Südrand des Hochlandes von Mexiko, zweithöchster Berg Mexikos; 5 452 m; Kraterdurchmesser 800 m; ab 4 300 m von Firn- und Gletschereis bedeckt; letzter Ausbruch 1932.

Popovici, Titus, geboren 16.5.1930, rumänischer Schriftsteller; gestaltete in den Romanen «Der Fremdling» (1955, deutsch) und «Der große Durst» (1958, deutsch) Konflikte und Schicksale im und nach dem 2. Weltkrieg in Rumänien; trat auch als Drehbuch- und Bühnenautor hervor («Passacaglia», 1960; «Die Macht und die Wahrheit», 1972).

Popow:

1. Alexander Stepanowitsch Popow, 16.3.1859 bis 13.1.1906, russischer Physiker, Pionier der Funktechnik; verwendete erstmalig eine Antenne.

2. Leonid Iwanowitsch Popow, geboren 31.8.1945, sowjetischer Kosmonaut; absolvierte vom 9. 4. bis 11.10.1980 als Kommandant von Sojus 35/Salut 6 zusammen mit W. W. Riumin einen Langzeit Raumflug an Bord der Raumstation Salut 6 (Gesamtflugzeit 184d 20h 12min). Siehe auch Salut 2, Sojus 1.

3. Oleg Konstantinowitsch Popow, geboren 31.7.1930, sowjetischer Zirkusartist; entwickelte die Clownerie modernen Stils durch Einbeziehung art ist. Elemente in Entrees, die oft aktuelle politische Satire enthalten.

Popowa, Ljubow Sergejewna, 6.5.1889 bis 25.5.1924, russisch-sowjetische Malerin, Graphikerin, Bühnenbildnerin und Textilgestalterin; studierte in Moskau und Paris; schuf Gemälde, Bühnenbilder für das Meyerhold-Theater sowie Plakate, Holzschnitte und Textilentwürfe; setzte sich nach 1917 für die neue Industrieformgestaltung ein.

Poppe, Eberhard, geboren 12.9.1931, Jurist, Staats- und Rechtstheoretiker; seit 1965 Professor für Verfassungstheorie und Staatsrecht und 1971/77 Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; seit 1971 Abgeordneter der Volkskammer, schrieb unter anderem «Grundrechte des Bürgers in der sozialistischen Gesellschaft» (1980), «Politische und persönliche Grundrechte in den Kämpfen unserer Zeit» (1984).

Pöppelmann, Matthäus Daniel, 3.5.1662 bis 17.1.1736, Baumeister; seit 1686 im Dienst des Dresdner Hofes, 1718 Oberlandbaumeister, zahlreiche ingenieurtechnischen Bauten; trug mit seinen Hauptwerken (Zwinger seit 1711, Schloss Pillnitz seit 1720, Umbau Jagdschloss Moritzburg seit 1723) entscheidend zur Ausbildung eines sächsischen Barocks bei. Er verband, vornehmlich auf die Gestaltung des Äußeren gerichtet, bewegte Kraft mit zurückhaltender Schlichtheit unter harmonische Einbeziehung plastischer Dekoration.

Popper, Sir Karl Raimund, geboren 28.7.1902, britischer Philosoph, Logiker und Sozialtheoretiker österreichischer Herkunft; kritisierte, dem Wiener Kreis nahestehend, dessen logischer Positivismus, die Reduzierung der Philosophie auf Sprachanalyse und die traditionellen Methodenlehren. Sein antidialektische «kritischer Rationalismus» fordert insbesondere die ständige Fehlerkontrolle (Falsifikation) von Theorien. Seine Kritik am «Historizismus», die die Existenz objektiver Entwicklungsgesetze der Gesellschaft leugnet, richtet sich besonders gegen den dialektischen und historischen Materialismus. Poppers Philosophie ist antikommunistisch orientiert. Er propagiert eine neoliberalistische «Theorie der offenen Gesellschaft», die das kapitalistische System nicht in Frage stellt; es soll durch «Stückwerktechnik» und «Sozialtechnik der Einzelprobleme» verbessert werden. Diese Theorie wird als eine der ideologischen Richtungen in der Sozialdemokratie genutzt.

Poeppig, Eduard, 16.7.1798-4.9.1868, Zoologe, Amerikaforscher, seit 1833 Professor in Leipzig. Nach Reisen durch Kuba und Pennsylvanien (1822/25) forschte er seit 1827 in den Andenländern und durchquerte 1831/32 den gesamten Kontinent auf dem Amazonas.

populär: (französisch) volkstümlich; allgemeinverständlich.

Populären: Anhänger der sich in der 2. Hälfte des 2. Jahrhundert vor Christus herausbildenden römischen «Volkspartei»; waren Gegner der Optimaten («Senatspartei»); beabsichtigten als einsichtige Vertreter der herrschenden Klasse, den durch die Krise erschütterten Sklavenhalterstaat der späten Republik durch Kompromisse und Zugeständnisse an die Masse der römischen Bürger zu stabilisieren.

Popularphilosophie: Richtung der bürgerlichen Philosophie im 18. Jahrhundert, die den Rationalismus G. W. Leibniz und C. Wolffs mit dem Sensualismus J. Lockes zu verschmelzen suchte. Ihre Vertreter (unter anderem M. Mendelssohn, F. Nicolai) gaben den Ideen der Aufklärung eine allgemein verständliche, populäre Form. Sie bekämpften die Kirche und deren Dogmen.

populärwissenschaftliche Literatur: Literatur zur Verbreitung wissenschaftliche Kenntnisse unter fachwissenschaftlich nicht vorgebildeten Lesern. Kriterien der populärwissenschaftlichen Literatur auf marxistisch-leninistische Grundlage sind Sozialist Parteilichkeit, Wissenschaftlichkeit und Massenwirksamkeit; sie stellt vorzugsweise weltanschaulich besonders bedeutsame Grundfragen der Natur- und Gesellschaftswissenschaften dar. Sie berücksichtigt aktuelle Wissenschaftsprobleme und -debatten. In der DDR wird die Verbreitung der populärwissenschaftlichen Literatur besonders gefördert durch die Tätigkeit der URANIA sowie durch Veröffentlichungen im Urania-Verlag.

populärwissenschaftlicher Film: Filmgattung, die vor allem Fakten, Erkenntnisse oder Erscheinungen aus Wissenschaft, Natur und Technik sowie aus der materiellen Produktion und dem persönlichen oder gesellschaftlichen Leben allgemeinverständlich darstellt; meist Kurzfilm von 300 bis 600 m länge (10 bis 20 Min. Spieldauer).

Population: 1. allgemeine Bevölkerung.

2. Population, Sternpopulation: Astronomie Untersystem innerhalb eines Sternsystems, in dem Objekte, die hinsichtlich Alters, chemische Zusammensetzung, räumliche Anordnung und Bewegungsverhaltens ähnlich sind, zusammengefasst werden. Heute unterscheidet man meist 5 Population Die gleichen Population wie im Milchstraßensystem wurden auch in extragalaktischen Sternsystemen beobachtet

3. Biologie: Fortpflanzungsgemeinschaft, für deren Mitglieder die reale Möglichkeit zur Paarung besteht Population werden somit von Individuen einer Art, die nahe beieinander auf begrenztem Raum leben, gebildet. Population der gleichen Art stehen meist im genetischen Austausch.

4. Pflanzenzüchtung: ein Bestand von Pflanzen mit verschiedenen Idiotypen (Kreuzungspopulation).

Populismus, Populisme: literarische Strömung in Frankreich, von L. Lemonnier mit dem «Manifest des populistischen Romans» (1930) programmatisch begründet Mit der Beschreibung alltäglicher Vorgänge aus dem Volksleben sollte ein Gegengewicht zum Intellektualismus der bürgerlichen Literatur geschaffen werden; jedoch von einem kleinbürgerlichen Volksbegriff ausgehend, vermochte der Populismus keinen Anschluss an den Realismus zu finden.

Populus Romanus: (lateinisch, «das römische Volk») Gesamtheit der Bürger im alten Rom.

Poren: feine Öffnungen, Kanäle oder Hohlräume an der Oberfläche oder im Inneren fester Körper, zum Beispiel Speichergesteine, Schaumstoffe; beim Menschen Öffnungen von Kanälchen oder Hohlräumen, zum Beispiel Ausführungsgänge von Schweißdrüsen auf der Haut.

Porenvolumen: Gesamtheit des luft- und wassergefüllten Hohlraumsystems in Böden und Lockersedimenten.

Porkkala: schmale Landzunge an der Südküste Finnlands, westlich von Helsinki; 393 km2. Nach dem sowjetisch-finnischen Waffenstillstandsabkommen 1944 (bekräftigt im Pariser Friedensvertrag 1947) für 50 Jahre von der UdSSR gepachtet; 1955 vorzeitig zurückgegeben.

Pörkölt, Pörkelt: geschmorte Stückchen von Rind-, Kalb-, Schweine-, Hammel-, Wildfleisch mit Paprika, anderen Gewürzen und zum Teil saurer Sahne (dem Gulasch ähnlich), aber auch von Geflügel, Fisch, Ei, Blumenkohl; Gericht der ungarischen Küche.

Porlinge, (zu «Pore»): in Holz lebende Hutpilze mit meist ungestielten, fleischigen oder korkartigen Fruchtkörpern; erregen Holzfäule; an alten Stümpfen der Laubhölzer wächst der ungenießbare Schmetterling-Porlinge (Coriolus versicolor) und an lebenden und toten Laubbäumen der jung essbare Schwefel-Porlinge (Polypilus sulphureus).

Porphin: in Form dunkelroter Blättchen kristallisierende Verbindung mit 4 heterozyklisch gebundenen Stickstoffatomen. Vom Porphin leiten sich als Eisenderivat der rote Blutfarbstoff Hämoglobin und als Magnesiumderivat der grüne Pflanzenfarbstoff Chlorophyll ab; das metallfreie Grundgerüst findet sich nach Ringöffnung in den Gallenfarbstoffen.

Porphyr: weitverbreitetes rötliches Ergussgestein des Paläozoikums; enthält größere Einsprenglinge von Quarz und Feldspat in feinkörniger oder dichter Grundmasse.

Porphyrie: angeborene oder erworbene Störung in der Struktur des roten Blutfarbstoffs (Eisen-(II)-protoporphyrin Stoffwechselstörung), die mit Anreicherung (in Knochen, Zähnen) und vermehrter Ausscheidung (Harn, Kot) von Stoffwechselprodukten der Porphyrinsynthese verbunden ist; lokalisiert in der Leber (akute und chronischen hepatischen Porphyrie) oder in den roten Blutzellen (erythropoetische Porphyrie). Bei Haustieren kommt es durch Störungen des Porphyrin Stoffwechsels zu Braunfärbung von Skelettknochen und Zähnen.

Porphyrine: Naturfarbstoffe, die sich vom Porphin ableiten. Die Moleküle können ein zentrales Metallatom komplex gebunden enthalten und sind dann als prosthetischen Gruppen von Proteinen von biologischer Bedeutung.

Porphyrios, um 232-302, griechischer Philosoph; Schüler Plotins, dessen neuplatonische Werke er herausgab und neben denen Platons und Aristoteles kommentierte.

Porree, Winterlauch, Allium porrum: zu den Liliengewächsen im weiteren Sinne gehörende, aus dem Mittelmeergebiet stammende Gemüsepflanze, deren Schaft als Kochgemüse genutzt wird.

Porridge: Mehl-, Flocken- beziehungsweise Grützebrei, besonders von Hafer, in England übliche Frühstückskost.

Porsche, Ferdinand, 3.9.1875 - 30.1.1951, Ingenieur und Unternehmer; konstruierte viele Kraftwagentypen.

Porsenna, etruskischer König aus Clusium (Chiusi). Nach der Überlieferung belagerte er 507 vor Christus die Stadt Rom, fand sich aber, nachdem er Beispiele von Tapferkeit bei den Römern sah, zum Frieden bereit

Porst, Ledum: Heidekrautgewächs mit unterseits rostrot-filzigen Blättern und stark duftenden, weißen Blüten; der Sumpfporst (Ledum palustre; unter Naturschutz), ein immergrüner Strauch der Torfmoore, wurde getrocknet als Mottenkraut verwendet

Porta, Giacomo della, 1537 oder 1541-1602 oder 1604, italienischer Architekt; Schüler Michelangelos und Vignolas; Wegbereiter der römischen Barockarchitektur, war führend beteiligt an den großen Bauunternehmen Roms im letzten Drittel des 16. Jahrhundert (1575/84 Fassade der Jesuitenkirche il Gesu, 1573/1602 Bauleitung der Peterskirche).

Portales, Diego, 15.6.1793-6.6.1837, chilenischer konservativer Politiker, schuf zwischen 1820 und 1830 die institutionelle Basis für die Herrschaft der Agraroligarchie und des Handelskapitals; 1830/31 war er Innenminister, 1835 Kriegs- und Marineminister; wurde bei einer gegen ihn gerichteten Militärrevolte erschossen.

Portamento: Musik - allmähliches Hinüberschleifen von einem Ton zum anderen.

Portativ: kleine tragbare Orgel ohne Pedal; die linke Hand bedient den Blasebalg, die rechte spielt; vom 12. bis 16. Jahrhundert besonders in weltlicher Musik verwendet.

Port Cartier: Stadt in Kanada, im Osten der Provinz Quebec, am Nordufer des Sankt-Lorenz-Stromes, südwestlich von Sept-Iles; 3700 Einwohner; Eisenerzexporthafen (seit 1961); südliche Endstation der Eisenbahn von Gagnon (Eisenerzbergbauzentrum).

Portefeuille: 1. allgemein Brieftasche, Aktenmappe.

2. Staatsrecht: Ressort beziehungsweise Geschäftsbereich eines Ministers; ein Minister ohne Portefeuille ist ein Minister mit Sitz und Stimme im Kabinett, aber ohne eigenen Amtsbereich.

Port Elizabeth: Stadt in der Kapprovinz (Republik Südafrika), an der Algoa Bucht (Indischer Ozean); 495000 Einwohner; Maschinen-, Kfz-Bau, chemische, Zement-, Leicht-, Lebensmittelindustrie; Hochseehafen, internationaler Flughafen; Universität, Technikum; Theater, Museum mit Ozeanarium und Schlangenfarm; Seebad; Fort Frederick (1799).

Porten, Henny, 7.1.1890-15.10.1960, Schauspielerin; eine der ersten bedeutenden und populären deutschen Filmschauspielerinnen; wirkte seit 1907 in den «Tonbildern» mit, hatte große Erfolge im Stumm- und Tonfilm («Rose Bernd», «Kohlhiesels Töchter»); spielte zuletzt bei der DEFA in «Carola Lamberti Eine vom Zirkus» und «Das Fräulein von Scuderi».

Porter, auch obergäriges, stark gehopftes, dunkles Starkbier mit 18 % Stammwürzegehalt.

Porter: 1. Cole, 9.6.1893-15.10.1964, US-amerikanischer Komponist; hatte mit Liedern und Schlagern (u. a. «Night and Day», «Wunderbar») zu denen er auch die Texte schrieb (unter anderem «Kiss me, Kate», «Can-Can»), außerordentlicher Erfolg.

2. Katherine Anne, 15.5.1894-18.9.1980, US-amerikanische Schriftstellerin und Journalistin; schrieb psychologisch ausgefeilte, sprachlich disziplinierte Geschichten und den allegorischen, den Faschismus kritisierenden Roman «Das Narrenschiff» (1962, deutsch).

Port Gentil: Stadt (Regionszentrum) in Gabun, südöstlich von Kap Lopez, im Ogooue-Delta; 165000 Einwohner; Erdölraffinerie, Holzverarbeitung, Textil-, Lebensmittelindustrie-Hochseehafen, internationaler Flughafen; in der Nähe Erdöl- und Erdgasförderung.

Port Harcourt: Hauptstadt des Bundesstaates Rivers, im Süden Nigerias, im Nigerdelta am Bonny River; 245000 Einwohner; Metall-, Zement-, vielseitige Leicht- und Lebensmittelindustrie, Kfz-Montage, Aluminiumwerk; Zentrum eines Erdölfördergebietes; bei Port Harcourt, Erdölraffinerie; Hochseehafen, Flughafen; TU.

Portici: Stadt in Unteritalien, in der Region Kampanien, am Golf von Neapel; 80000 Einwohner; chemische und Lebensmittelindustrie; Hafen; landwirtschaftliche Schule; Seebad; südöstlich von Portici das antike Herculaneum.

Portier: (französisch) Pförtner, Hauswart; Hausbesorger.

Portikus: monumentaler Portalvorbau in Form eines von Säulen gestützten antiken Tempelgiebels; wurde von der griechischen Baukunst ausgebildet und seit der italienischen Renaissance bis ins 19. Jahrhundert häufig zur architektonischen Betonung der Hauptfassade angewendet.

Portinari, Candido, 29.12.1903-7.2.1962, brasilianischer Maler und Graphiker; bedeutendster realistischer Maler seines Landes; Pionier der engagierten Monumentalmalerei im Sinne der realistischen mexikanischen Wandmalerei (Wandbild «Krieg und Frieden» für UNO-Sitz in New York, 1955). Mitglied der KP Brasiliens, hervorragend in der Friedensbewegung tätig.

Portio: Teil, Anteil; häufig als Kurzform für Portio vaginalis cervicis (in die Scheide hineinragender Gebärmutterteil) verwendet.

Port Kelang: Stadt an der Westküste Malaysias; früher Port Swettenham, 110000 Einwohner; wirtschaftliche Einheit mit dem 35 km entfernten Kuala Lumpur; verarbeitende Industrie, Hochseehafen.

Port Kembla: Stadtteil von Wollongong, an der Ostküste Australiens, in Neusüdwales; 8000 Einwohner; Stahlwerk, Kupferraffinerie, Maschinenbau, Metall-, Textil-, Düngemittelindustrie; Hochseehafen.

Portland: 1. Stadt im Süden Englands (Großbritannien), auf 11 km2 großer felsiger Halbinsel im Kanal; 12000 Einwohner; Kalksteinbrüche (Herstellung von Portlandzement); Schloss (16. Jahrhundert).

2. Stadt im Norden des Bundesstaates Oregon (USA), an der Mündung des Willamette in den Columbia; 370000 Einwohner, als Metropolitan Area 820000 Einwohner; Eisen-, Blei- und Aluminiummetallurgie, Holz-, elektronische, chemische Industrie; bedeutender Pazifikhafen der USA; alljährliche internationale Viehausstellung mit Rodeo; 2 Universitäten, Medizinfachschulen.

3. Stadt im Südosten des Bundesstaates Maine (USA), 62000 Einwohner; Schiffbau, Zellstoff-, Holz-, polygraphische Industrie, Fischfang; Verlage; Hafen, Pipeline nach Montreal (Kanada); Universität.

Portlandvase: antike Glasamphora aus dem frühen 1. Jahrhundert vor Christus, einst im Besitz der Herzogin von Portland, heute britisches Museum, London; bestehend aus dunkelblauem, weiß überfangenem Glas, aus dem bisher nicht restlos gedeutete Reliefdarstellungen ausgearbeitet sind.

Port Louis: Hauptstadt und Haupthafen von Mauritius, am Indischen Ozean; 160000 Einwohner; Lebensmittel- (Zucker, Fischprodukte, Tabak), elektronische Industrie; Museum; Fremdenverkehr.

Port Moresby: Hauptstadt von Papua-Neuguinea, im südöstlichen Teil von Neuguinea, am Golf von Papua der Korallensee (Stiller Ozean) gelegen; 130000 Einwohner; Hochseehafen, internationaler Flughafen; Universität.

Porto: 1. früher die vom Empfänger der Postsendung einzuziehende Beförderungsgebühr, siehe auch Franko, Nachgebühr, Postgebühren.

2. umgangssprachlich für Beförderungsgebühr einer Postsendung.

Porto: Stadt im Norden Portugals, Verwaltungszentrum des Distrikts Porto, am Douro; 330000 Einwohner, mit Vororten 1,5 Millionen Einwohner; Textil-, Leder-, Schuh-, Kautschuk- und keramischer Industrie, Erdölraffinerie; Weinkellereien (Portwein), Fischfang; nordwestlich von Porto der Seehafen Leixoes, Rohstoffimport, Wein- und Korkexport; internationaler Flughafen; hohe Brücken über den Douro, darunter eine 1877 von dem französischen Ingenieur A G. Eiffel erbaute Eisenbahnbrücke (354 m); Universität, Portweininstitut; gotische Kathedrale (12./18. Jahrhundert), Kirche dos Clerigos mit 75 m hohem Glockenturm. Porto war römisch (Portus Cale, dann Portocale, daraus «Portugal»), ab Anfang des 5. Jahrhundert suebisch, 540/716 westgotisch, danach bis Anfang des 11. Jahrhundert (mit Unterbrechung) maurisch; 1808 Aufstand gegen napoleonischen Invasion, Ausgangspunkt der bürgerlich-liberalen Revolution 1820/23.

Porto Alegre: Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Sul (Brasilien), auf einer Landenge am Nordende der Patos-Lagune; 1,1 Millionen Einwohner; Schiffbau, Erdölraffinerie, Nahrungsmittel-, Leicht-, Metall-, chemische Industrie; wichtiger Überseehafen, Flughafen; 2 Universitäten, Bibliothek.

Port of Spain: Hauptstadt von Trinidad und Tobago, an der Westküste Trinidads; 56000 Einwohner; als Agglomeration 250000 Einwohner; Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum des Landes; Erdölraffinerien, Schiffswerft, Papier-, Baumwoll- und Nahrungsmittelindustrie; Haupthafen des Landes, internationaler Flughafen Piarco; Hochschule für tropische Landwirtschaft, Polytechnikum, Nationalmuseum und Nationalgalerie.

Porto Novo: Hauptstadt von Benin (Cotonou), an einer Lagune des Golfs von Guinea; 210000 Einwohner; Verarbeitung landwirtschaftliche Produkte, Seifenherstellung, polygraphische Industrie; Fischereihafen.

Porto Velho: Stadt im Westen Brasiliens, Verwaltungszentrum des Bundesterritoriums Rondonia, im Süden des Amazonasbeckens; 135000 Einwohner; Handelsplatz für Walderzeugnisse, Flusshafen am Madeira, Flughafen.

Port Pirie: Stadt m Südaustralien, am Spencer Golf (Indischer Ozean); 15000 Einwohner; Bleihütte, Hochseehafen (Erzbahn von Broken Hill).

Porträtfotografie: Genre der gewerbsmäßigen und künstlerischen Fotografie, in dem das Antlitz des Menschen Bildgegenstand ist. Während in der gewerbsmäßigen Fotografie besonders die Ähnlichkeit von Abgebildetem und Bild (zum Beispiel Passfoto) sowie soziale Selbstdarstellung wichtig sind, steht in der künstlerischen Fotografie die Widerspiegelung subjektiver Eindrücke und Empfindungen des Fotografen im Vordergrund, werden individuelle und gesellschaftliche Wertungen des Abgebildeten zum Bildanliegen.

Port Said, arabisch Bur Said: Stadt Gouvernorat in Ägypten, am Mittelmeer, am Nordende des Suezkanals; 320000 Einwohner; Hochseehafen, Werft; Baumwoll-, Fischverarbeitung; Salinen; Sitz der Suezkanalverwaltung; Flughafen; Seebad. Freihafen (Eldorado für ausländische Kapitalanlagen).

Portsmouth: 1. Stadt im Süden Englands (Großbritannien), am Kanal, auf der Insel Portsea, nordöstlich der Insel Wight; 180000 Einwohner; Schiff- und Flugzeugbau, elektrotechnischen und elektronische Industrie; am Meeresarm Spithead Militär- und Handelshafen mit großem Trockendock; Autofähre nach Frankreich; im Stadtteil Southsea Seebad; im Dock als Museumsschiff die «Victory» (Lord Nelsons Flaggschiff aus der Schlacht von Trafalgar); Kathedrale (12. Jahrhundert); Geburtsort von C. Dickens (Museum).

2. Norfolk.

Port Sudan, arabisch Bur Sudan: Stadt (Regionszentrum) im Osten der Republik Sudan, am Roten Meer; 210000 Einwohner; Erdölraffinerie, Baumwollverarbeitung, Palmöl-, Meersalzgewinnung; einziger sudanesischer Hochseehafen; Baumwollhandel; bei Port Sudan internationaler Flughafen.

Portugal, Portugiesische Republik: Staat in Südwesteuropa; umfasst den Westteil der Pyrenäenhalbinsel, die Azoren (1400 km westlich Portugals) und Madeira (850 km südwestlich Portugals) im Atlantik; in t8 Distrikte und 2 autonome Regionen gegliedert; Währung ist der Portugiesische Escudo.

Bevölkerung: Sie besteht fast nur aus Portugiesen, die Amtssprache ist Portugiesisch, Analphabetentum ist besonders auf dem Lande noch verbreitet. Der Anteil der Stadtbevölkerung nimmt zu, etwa ein Drittel der Einwohner lebt in den Agglomerationen von Lissabon und Porto; viele Rückkehrer aus den ehemaligen afrikanischen Kolonien; Abwanderung aus dem Landesinnern in die Küstenstädte; niedriger Lebensstandard der Werktätigen, hohe Inflationsrate und Arbeitslosigkeit (etwa 15 % der Erwerbstätigen); viele Portugiesen arbeiten dauernd oder zeitweilig im Ausland.

Natur: Im Norden und Süden reicht die sich nach Westen abdachende iberische Hochfläche (Meseta) bis zur Küste des Atlantiks, den mittleren Teil nimmt die kahle, eiszeitlich überformte Serra da Estrela mit dem 1991 m hohen Malhao ein, der das mittelportugiesische Hügelland vorgelagert ist. Die hafenreiche Küste weist Kliffe, Ebenen und Mündungstrichter auf. Erdbebengefährdung. Das Klima ist im Allgemeinen mild und wird vom Atlantik beeinflusst, die Niederschläge nehmen von Norden nach Süden ab. Der Süden leidet häufig unter langanhaltenden sommerlichen Trockenperioden. Hauptflüsse sind Tejo, Douro und Guadiana, ihre Wasserführung ist schwankend; zahlreiche Staudämme. Die natürliche Vegetation besteht besonders im Norden aus sommergrünen Wäldern, im Süden wächst heute Macchie.

Geschichte: Seit dem Paläolithikum bewohnt im 7. Jahrhundert vor Christus Ansiedlung keltischer Stämme. Die seit dem 4./3. Jahrhundert nachweisbaren lusitanischen Stämme leisteten im Keltiberischen Krieg 197/179 und beim Aufstand des Viriathus 147/139 den vorrückenden Römern heftigen Widerstand, danach verstärkte Romanisierung und besonders im Süden, Entwicklung der Sklaverei Gesellschaft; unter Kaiser Augustus Bildung der römischen Provinz Lusitania. Anfang des 5. Jahrhundert nach Christus siedelten sich Sueben an. Der Feudalismus entwickelte sich vor allem im weniger romanisierten Norden relativ langsam; 713/18 erfolgte die arabisch-maurische Eroberung, im 9. Jahrhundert setzte im Norden die Reconquista ein, 1095 wurde Portugal Grafschaft und 1139 Königreich unter der Dynastie Burgund. Afonso I. (1139/85) eroberte 1147 mit Hilfe eines Kreuzzugsheeres Lissabon. 1249/50 wurde Algarve im Süden den Mauren entrissen und damit die Reconquista in Portugal beendet. Der Feudalismus entwickelte sich regional differenziert, eine breite Schicht persönlich freier Bauern nördlich des Tejo, Großgrundbesitz im S. Im 12./13. Jahrhundert Aufblühen der Städte und Erstarken der Königsgewalt; 1290 wurde in Lissabon eine Universität gegründet (1307 nach Coimbra verlegt). Mit dem Erlöschen des Hauses Burgund 1383 in Portugal wollte ein Teil des Hochadels Portugal Kastilien anschließen und unterstützte die einrückenden Kastilier. Städte, mittlerer und niederer Adel sowie Bauern schlossen sich dagegen um den Großmeister des Ordens von Avis zusammen, den die Cortes zunächst als Regenten (1383/85), dann als König (Joao I., 1385/1433) proklamierten. Die Kastilier wurden 1385 bei Aljubarrota geschlagen, danach festigte sich die Königsmacht rasch gegen den Widerstand des Hochadels. Im 15./16. Jahrhundert bildete sich der Absolutismus heraus. Der letzte große Aufstandsversuch des mit Kastilien verbündeten Hochadels 1483/84 wurde von Joao H. (1481/95) niedergeworfen. Unter Manuel I. (1495/1521) Glanzzeit des Absolutismus, wirtschaftliche und kulturelle Blüte, Höhepunkt der geographischen Entdeckungsreisen und Errichtung eines portugiesischen Kolonialimperiums in Asien (Indien, Ceylon, Maluku, Südarabien), Afrika (Goldküste, Kongo, Angola, Mozambique) und Amerika (Brasilien). Seit Mitte des 16. Jahrhundert allmählicher Wirtschaftsverfall und Niedergang frühkapitalistische Elemente, was durch die Annexion Portugals durch Spanien 1580/81 noch beschleunigt wurde. Ein Volksaufstand am 1.12.1640 in Lissabon stürzte die spanische Herrschaft. Unter Joao IV. (1640/56) begann die Abhängigkeit von England, die der Lissabonner Vertrag («Bündnis auf ewig») und der Methuen Vertrag (beide 1703) verfestigten. Unter José I. (1750/77) und seinem Ersten Minister Pombal erfolgten weitreichende Reformen im Geiste des aufgeklärten Absolutismus, 1759 wurden die Jesuiten vertrieben; ab 1777 wurden unter Maria I. die meisten Reformen wieder zurückgenommen. Nach der Besetzung Portugals durch napoleonische Truppen 1807 floh die königliche Familie nach Brasilien, im Juni 1808 leitete ein Volksaufstand die Unabhängigkeitsrevolution von 1808/10 ein. Die Franzosen wurden mit britischer Hilfe vertrieben, doch blieb Portugal bis 1820 durch britische Truppen besetzt. Mit einem Militäraufstand in Porto am 24.8.1820 begann die bürgerlich-liberale Revolution von 1820/23 (Verfassung von 1822, Abschaffung feudaler Privilegien und der Inquisition). 1822 löste sich Brasilien von Portugal, 1823 wurde die Verfassung nach einem konterrevolutionären Putsch beseitigt. Gegen den konservativ-liberalen Klassenkompromiss von 1826 (Verfassungscharta) revoltierte 1828 die feudalklerikale Reaktion unter Dom Miguel, der sich zum absoluten König proklamierte (bis 1834). Die Liberalen behaupteten sich nur auf der Azoreninsel Terceira, 1832 landeten sie in Portugal und siegten über Miguel im Bürgerkrieg von 1832/34. Die Latifundien von Feudaladel und Kirche wurden beseitigt und durch bürgerlichen Großgrundbesitz abgelöst. Die Septemberrevolution von 1836 brachte linke Liberale (Septembristen) an die Macht; sie restaurierten die Verfassung von 1822 (bis 1838 in Kraft). Die Innenpolitik wurde bestimmt von Kämpfen zwischen Anhängern der Charta von 1826 und Septembristen, deren Kompromiss in der Diktatur Saldanhas (1851/56) und der Zusatz-akte (5.7.1852) zur Charta von 1826 seinen Niederschlag fand. Die Entwicklung des Kapitalismus verlief langsam und in Abhängigkeit von Großbritannien; 1875 erfolgte die Gründung einer kurzlebigen sozialistischen Partei. Der Militäraufstand vom 4.10.1910 mündete, von den Volksmassen Lissabons unterstützt in die bürgerliche Revolution von 1910/11 ein; am 5.10.1910 wurde die Republik verkündet. Es folgten bürgerliche Reformen (Trennung von Staat und Kirche, Verbot religiöser Orden, Enteignung des Kirchenbesitzes, Streikrecht 8-Stunden-Arbeitstag für Arbeiter). Portugal nahm 1916/18 auf Seiten der Entente am 1. Weltkrieg teil. 1921 wurde die KP gegründet. Ein reaktionärer Staatsstreich vom 28. 5. 1926 leitete die Diktatur des Generals A. Carmona und die Faschisierung ein. Ministerpräsident A. Salazar (1932/68) proklamierte Portugal 1933 in Nachahmung des faschistischen Italiens zum «Korporativstaat». Im Spanischen Freiheitskampf 1936/39 unterstützte Portugal die Francofaschisten. Im 2. Weltkrieg bis 1943 neutral, geriet Portugal unter den Einfluss der USA (Stützpunkte auf den Azoren seit 1944); 1949 Beitritt zur NATO. Im Dezember 1961 befreite Indien die portugiesischen Kolonialenklaven Goa, Daman und Diu. Ministerpräsident M. Caetano (1968/74) führte die faschistische Diktatur mit flexibleren Methoden fort, konnte aber den Befreiungskampf der Völker Angolas, Mozambique und Portugiesisch-Guineas sowie die wachsende Opposition, unter anderem in den Streitkräften, nicht brechen.

Architektur: Unter spanischen und französischen entstandene romanische Bauten sind die Kathedralen in Porto, Lissabon und Coimbra; bezeichnend für die Ordensbaukunst ist die 16eckige wehrhafte Kirche der Templer in Temar und die 100 m lange dreischiffige Halle der Zisterzienser in Alcobaca, die wie die Kathedrale in Evora den Durchbruch gotischer Formen anzeigt Zu den hervorragendsten Zeugnissen der Gotik zählen der Klosterkomplex Alcobaca und die Klosterkirche S. Maria da Vitoria in Batalha von A. Domingues (1385/1402). Eng verknüpft mit dem nationalen Aufschwung und dem damit wachsenden Reichtum des Landes hat die Kunst Höhepunkt unter Manuel I. mit dem sogenannten Manuelin. Bedeutendste Vertreter waren D. Boytac (S. Jesus in Setúbal, Batalha, Coimbra, Lissabon), F. de Arruda (Torre Belém in Lissabon), J. de Castilho (Tómar, Alcobaja, Belém). In Castilhos spätem Schaffen gewannen Renaissancezüge Gewicht, die dann bei D. de Torralva (Hauptkreuzgang des Christusklosters in Tómar, seit 1554) vorherrschend wurden. Nach Annexion des Landes durch Spanien (1580/81) setzte sich italienischer Einfluss stärker durch. Seit Wiedergewinnung der Unabhängigkeit (1640) wurden Bauaufgaben von Bedeutung Ausländern, die sich am französischen und italienischen Barock orientierten, übertragen (so der den Escorial an Größe übertreffende Palast in Mafra dem Deutschen J. Ludovice; dem Italiener N. Nazoni die Kirche S. Pedro dos Clérigos in Porto, die wie die klassizistische Kirche Bom Jesus do Monte in Braga von C. L. Ferreira da Cruz Amarante Vorbild für Kirchen in Brasilien wurde). Hervorragendste Schöpfung des Rokokos ist der Palast in Queluz (M.V. de Oliveira und J. B. Robillon). Von den nach dem Erdbeben von 1755 begonnenen Städtebau!. Veränderungen in Lissabon ist die Umbauung des zum Tajo hin offenen Platzes Praca do Comercio interessant. Beeinflusst vom Eklektizismus des 19. Jahrhundert entstanden das Nationaltheater, das Rathaus und der Kongresspalast. Die moderne Architektur Portugals wird durch öffentliche Gebäude und neue Stadtviertel Lissabons und Portos repräsentiert Hervorragendes technisches Bauwerk ist die Brücke über den Tajo (60er Jahre).

Malerei: Wie die im Mittelalter bemerkenswerte Plastik, die seit dem 17. Jahrhundert ihre Originalität verlor und im 19. Jahrhundert hauptsächlich vom französischen Geschmack beeinflusst wurde, hatte auch die Malerei, deren früheste nachweisbare Persönlichkeit im 15. Jahrhundert N. Gonsalves ist, nur eine begrenzte Blütezeit. Bedeutende Maler des 16. Jahrhundert waren V. Fernandes (gen. Gräo Vasco), G. Lopes, J. Affonso, die Romanisten F. de Hollanda und C. Lopes. Das 17. und 18. Jahrhundert standen unter dem Einfluss Italiens, während sich die Maler des-19 Jahrhundert Frankreich anschlossen (Morgado de Setúbal, D. Ä. de Sequeira). Realist Bestrebungen widerspiegeln die Landschafts- und Genrebilder A Carvalho da Silva Portos und J. Marques da Silva Oliveiras sowie die Porträts M. A. Lupis. Vertreter der realistischen Bewegung im 20. Jahrhundert, beeinflusst von C. Bordalo Pinheiro, sind der Landschaftsmaler A. Manta, die Porträtisten E. Malta und H. de Medina sowie C. Fernández und J. Vital Branco Malhöa; in der Plastik A Duarte, S. Barata Feyo und J. Martins Correira. Eine Abhängigkeit von der Pariser Schule zeigen die kubistische Malerei A de Sousa Cardosos und die C. Botelhos. Als Repräsentantin modernistische Strömungen trat die Malerin und Graphikerin M. H. Vieira da Silva hervor, deren vom Abstraktionismus beeinflussten Graphiken gleichwohl eine gesellschaftskritische Tendenz eigen ist, die sich unter den Bedingungen des faschistischen Regimes in Portugal nur bei wenigen Künstlern konstatieren ließ. Ein Teil von ihnen wendete sich der nationalen Geschichte zu (A. de Freitas); Menschen aus dem Volk gestaltete in seinen Wandbildern R. Ribeiro. Seit 1947 gibt es eine neorealistische Strömung (Graphiker J. Pomar). Nach dem Sturz der Diktatur stellten zahlreiche Künstler ihre Arbeit in den Dienst der progressiven Bewegung.

Literatur: Älteste Zeugnisse der portugiesischen Literatur sind Minnelieder (12./14. Jahrhundert) sowie eine an den Interessen des Adels orientierte Historiographie. Im 15. und 16. Jahrhundert entwickelten sich eine volkstümliche plebejische Richtung mit F. Lopes (Historiographie) und G. Vicente (Drama) sowie eine adlige Richtung, die mit B. Ribeiro die Hirtendichtung in die portugiesische Literatur einführte. F. Sá de Miranda und vor allem der Nationaldichter L. Vaz de Camoes gelangten zu einem Ausgleich beider Richtungen, der in der 2. Hälfte des 16. Jahrhundert den Höhepunkt der älteren portugiesischen Literatur darstellte (Nationalepos «Lusiaden» von Camoes). Gegen Ende des 16. Jahrhundert löste sich mit dem Ruin der portugiesischen Gesellschaft die Literatur von volksverbundenen Positionen, suchte adlige Lebensideale ohne Bezug auf soziale Probleme zu gestalten und verfiel bald dem Formalismus (F. Rodrigues Lobo, F. M. de Melo). Seit der Mitte des 17. Jahrhundert setzte sich der Geist des Katholizismus (A Vieira) sowie die fruchtlose Beschwörung der großen nationalen Vergangenheit durch. Die Aufklärung orientierte sich vorwiegend auf eine Bildungsreform (L. A de Verney) sowie die Entwicklung von Handel und Gewerbe; gelegentlich wurde Kritik an Adel und Kirche geübt (F. X. de Oliveira, M. A. da Silva de E9a). In diesem Geiste entwickelte sich auch die arkad. Lyrik (M. M. de Barbosa du Bocage). Die Romantik wurde zunächst von einer an der Entwicklung der Landwirtschaft interessierten Bourgeoisie getragen und verband die Kritik an Adel und Kirche mit der Verherrlichung der mittelalterlichen vorabsolutistische Gesellschaft, Nach 1850 bildeten sich kleinbürgerlich-demokratische Tendenzen heraus. Mit C. Castelo Branco begann die Entwicklung des modernen Romans. Gegen 1870 setzten sich bürgerlich-demokratische Kräfte durch, J. M. Esa de Queirös gelang der Durchbruch zum realistischen Roman; A. M: de Guerra Junqueiro folgte in seiner Lyrik den! Vorbild V. Hugos; T. Braga erforschte Literaturgeschichte und Folklore; J. D. Ramalho Ortigao entwickelte die Literaturkritik.

Um 1890 erfolgte unter dem Eindruck der Auswirkungen des heranreifenden Imperialismus der Übergang zur modernen Literatur. Die Lyrik orientierte sich auf den französischen Symbolismus (E. de Castro) und folgte danach im Ganzen der Entwicklung der Lyrik in Frankreich (F. A. N. Pessoa), Das Theater verfiel. Roman und Erzählung hingegen erfuhren eine beachtliche Entwicklung, in der sich hauptsächlich die Einengung aller Entwicklungsmöglichkeiten für die kleinbürgerlichen Schichten und das Bauerntum spiegelte. J. V. Fialho de Almeida unter anderem, vor allem aber M. Torga und A Ribeiro verherrlichten die urwüchsige Integrität der bäuerlichen Bevölkerung abgelegener, rückständiger Gegenden. J. M. Ferreira de Castro sowie die Vertreter der antifaschistischen Opposition (S. Gomes, F. Namora, L. Penedo unter anderem) entwickelten seit 1940 mit dem Neorealismus eine international bedeutsame Strömung, die durch eine den demokratischen Traditionen Portugals verbundene Grundposition geprägt, im Allgemeinen sozialkritisch-realistisch war und ansatzweise bis zum sozialistischen Realismus vorstieß. In den 50er Jahren erreichte sie ihren Höhepunkt. Danach löste sie sich auf; einige Autoren verstärkten die-Rezeption existentialistische Positionen, andere wandten sich der Gestaltung weltanschauliche Probleme der internationalen Entwicklung seit dem 2. Weltkrieg zu. Vorwiegend jüngere Autoren (U. Tavares Rodrigues) verbanden die stärkere Orientierung auf psychologischer Vertiefung mit heftiger Gesellschaftskritik und riefen indirekt zum Kampf gegen die faschistische Diktatur auf. Die Entwicklung seit 1974 spielt in der portugiesischen Literatur eine wachsende Rolle. Die große Mehrheit der Künstler und Kulturschaffenden vertritt fortschrittliche Positionen.

Portugiesisch: zur iberoromanischen Sprachgruppe der romanischen Sprachen zählende Sprache, der selbständige Charakter geht auf die Reconquista zurück, die auch zur sprachlichen Aufgliederung der Pyrenäen-Halbinsel führte; ältere Texte stammen vom Ende des 12. Jahrhundert Portugiesisch wird in Portugal, Galicien, auf den Azoren, in Brasilien und in den ehemaligen portugiesischen Kolonien gesprochen (hier teilweise zur Staatssprache erklärt).

Portwein: (englisch port-wine, nach der portugiesischen Stadt Porto) schwerer portugiesischer Dessertwein aus Rotwein- oder Weißweinkeltertrauben mit einem Volumenanteil an Alkohol von 22%. Der durch Weindestillatzusatz in der Gärung gestoppte Jungwein wird mindestens 2 Jahre abgelagert

Porzellan: keramischer Werkstoff aus einer glasigen Grundmasse mit eingeschlossenen feinen Mullit-, gelegentlich auch Quarzkristallen. Die Herstellung erfolgt aus einer wasserhaltigen Mischung von Kaolin, feingemahlenem Sand und Feldspat, die durch Drehen, Strangpressen, Nasspressen oder Gießen zu Gegenständen geformt wird. Diese werden anschließend getrocknet, bei etwa 900 °C verglüht, glasiert und danach fertiggebrannt. Die meisten europäischen Porzellangegenstände bestehen aus Hartporzellan, das aus einer Mischung von etwa 50 % Kaolin, 25 % Feldspat und 25 % Sand gefertigt wird. Der Glatt- oder Fertigbrand erfolgt hier bei 1360 bis 1400 °C. Weichporzellan enthält mehr Feldspat und wird bei etwa 1300 °C gebrannt Biskuitporzellan ist ein unglasiertes Weichporzellan für Figuren. Porzellan hat einen rein weißen, dichten, durchscheinenden Scherben. Bei glasiertem Hartporzellan beträgt die Zugfestigkeit etwa 30 bis 50 MPa, die Druckfestigkeit 450 bis 550 MPa und die elektrische Festigkeit 150 bis 300 kV/cm. Von Säuren, außer von Flusssäure, wird es nicht angegriffen, bei Raumtemperatur ist es auch gegen verdünnte Laugen beständig. Porzellan ist ein häufig verwendeter Werkstoff für Gebrauchsgeschirr und Ziergegenstände, wobei oft eine Dekoration mit Aufglasur- oder Unterglasurfarben erfolgt. Es wird unter anderem in der Elektrotechnik für Isolatoren, in der chemischen Industrie für Behälter und Apparate verwendet. Geschichtliches. Als Ursprungsland des Porzellans gilt China, das die Porzellanherstellung zu höchster Vollkommenheit entwickelte (besonders Song-Dynastie und 17./18. Jahrhundert). Chinesisches Porzellan wurde seit früher Zeit exportiert (Funde aus der Zeit 618/907 in Samarra am Tigris (Irak)). Es gelangte nach Japan, wo sich seit Beginn des 17. Jahrhundert eine bedeutende Porzellanindustrie entwickelte. Der Name geht auf M. Polo zurück, der es auf einer Chinareise Ende des 13. Jahrhundert kennenlernte und mit einer Meeresschneckenart (Porzellanschnecken) verglich. Nachdem seit dem frühen Mittelalter Einzelstücke bereits nach Europa gelangt waren, brachten die Portugiesen seit 1518 chinesisches Porzellan als kostbare Handelsware in größeren Mengen mit. Seitdem versuchten sich die verschiedensten europäischen Länder in der Nachahmung. Aber erst 1709 gelang J. F. Böttger, nach gemeinsamen Versuchen mit E. W. Graf von Tschirnhaus, durch Entdeckung des Kaolins die Nacherfindung des Porzellans 1710 entstand in Meißen die erste europäischen Manufaktur. Weitere Gründungen folgten bald: 1717 Wien, 1744 Petersburg, 1751 Worcester, 1771 Neapel, 1779 Kopenhagen. Die Porzellanerzeugnisse sind seit dem 18. Jahrhundert durch Porzellanmarken gekennzeichnet, die ihre Formen verschiedentlich änderten.

Porzellanschnecken, Cypraeoidea: Meeresschnecken, deren 1 bis 10 cm große, meist eiförmige, prächtig gefärbte Schalen mit glänzendem Schmelzüberzug versehen sind. Viele Arten haben einen großen Sammlerwert, andere sind von kulturhistorischer Bedeutung. Als Zierat und Zahlungsmittel sind vor allem Kaurischnecken bekannt.

Posada, José Guadalupe, 2.2.1851-20.1.1913, mexikanischer Graphiker. Seit 1887 als Illustrator für die oppositionelle Presse tätig, schuf er etwa 15000 Drucke, die dem Volk die revolutionären Ereignisse seiner nationalen Vergangenheit nahebrachten und weite Verbreitung fanden. Posada ist der eigentliche Begründer der revolutionär-demokratischen Richtung in der neuen mexikanischen Kunst.

Posadas: Stadt (Provinzzentrum) im Nordosten Argentiniens, am Paraná; 140000 Einwohner; Holzverarbeitung, Teefabriken (Mate); Flusshafen am Paraná gegenüber von Encarnación (Paraguay), Flughafen; Landwirtschaftsschule.

Posamenten: durch Drehen, Zwirnen, Umwinden, Flechten, Klöppeln oder Weben hergestellte Schmaltextilien (Borten, Fransen, Quasten, Schnüre unter anderem), zum Ausputz von Textilien.

Posaune: 1. Metallblasinstrument mit Kesselmundstück und weichem, füllendem Klang; die zylindrische Schallröhre verläuft in 2 U-Bogen, wovon einer ausziehbar ist («Zugposaune»), Die Posaune entstand im 15. Jahrhundert Ab 16. Jahrhundert wurde sie in verschiedenen Größen (als ganzer Posaunenchor) gebaut, heute ist sie meist nur als Tenor- und Tenor-Baß-Posaune in Gebrauch. Die 1839 entwickelte, picht ausziehbare Ventilposaune wird nur noch im Blasorchester verwendet.

2. Orgelregister, fülligste Zungenstimme (8-Fuß im Manual, 16- und 32-Fuß im Pedal).

Pose: gekünstelte Haltung; auf Wirkung berechnetes Gebaren.

Poseidon, griechischer Gott des Meeres und aller Gewässer (römisch Neptun), Bruder des Zeus und des Hades; bärtig und mit Dreizack dargestellt.

Poseidonios, um 135-51 vor Christus, griechischer Philosoph; Vertreter der Stoa. Seine Lehre vom mystischen Zusammenhang aller Dinge im Kosmos hat stark weitergewirkt.

Position: Stellung, Lage; Standort; Einzelposten; (philosophischen) Standpunkt; Bejahung.

soziale Position: Stellung eines Individuums in der sozialstrukturellen Gliederung der Gesellschaft. Neben der Klassenposition sind berufliche, familiäre und Alterspositionen wichtig; soziale Positionen sind mit Interessen und bestimmten Verhaltensweisen verbunden. Siehe auch soziale Rolle.

Positionen: im klassischen Ballett die 5 Grundhaltungen der Füße (neben- und voreinander) bei völliger Auswärtsdrehung, gestreckten Knien und gleicher Gewichtsverteilung auf beide Füße.

Positionieren: Einstellen beweglicher Teile, zum Beispiel von Bearbeitungswerkzeugen, Bestückungseinrichtungen oder Werkstücken, in exakt vorgegebene Stellungen. Das Positionieren kann manuell, halb- oder vollautomatisch erfolgen.

positiv: bejahend, zutreffend; tatsächlich, bestimmt.

Positiv:

1. Fotografie: Kopie von einem fotografischen Negativ auf Film, Platte oder Papier, die dem Original entsprechende Helligkeitsstufen (Schwarzweißmaterial) oder Farben (Farbmaterial) aufweist.

2. Positiv: Musik kleine transportable Stand- oder Tischorgel für weltlichen oder kirchlichen Gebrauch, als Solo wie auch als Begleitinstrument benutzt, mit einem Manual, wenigen Registern, meist ohne Pedalwerk; Blütezeit 15. bis 18. Jahrhundert; seit etwa 1930 durch die Orgelbewegung wiederbelebt.

positives Recht: Bezeichnung der bürgerlichen Rechtslehre für die Gesamtheit des geltenden Rechts.

Positivismus: im weiteren Sinne bürgerliche Denkhaltung, die sich bei der Beschreibung und Analyse der Erscheinungen in Natur und Gesellschaft allein auf Fakten beschränkt und jegliche philosophisch-theoretische Wesenserkenntnis und Verallgemeinerung als «metaphysikverdächtig» ablehnt, im engeren Sinne bürgerliche philosophische, soziologische und wissenschaftstheoretische Richtung, die sich im 19. Jahrhundert herausgebildet hat (A. Comte) und durch J. S .Mill und H. Spencer sowie den deutschen Empiriokritizismus weiterentwickelt wurde. Im 20. Jahrhundert schufen M. Schlick und der Wiener Kreis (O. Neurath, H. Feigl, R. Carnap unter anderem) den logischen Positivismus (auch Neupositivismus oder Neopositivismus genannt). Auf dessen Entwicklung nahmen L. Wittgenstein und B. Russell entscheidenden Einfluss. Der Positivismus tritt mit dem Anspruch auf, gegen alle philosophische Spekulation und Weltanschauungsmetaphysik eine wissenschaftliche Weltauffassung zu begründen. Er verneint aber jede Möglichkeit, zu einer Wesenserkenntnis der Gegenstände zu gelangen, hält Aussagen über das Wesen der Dinge für theoretisch unmöglich und betrachtet sie zudem als nutzlos für die menschliche Praxis. Trotz unterschiedlicher theoretischer und methodologischer Positionen stimmen alle Vertreter des Positivismus darin überein, dass sich positivistisches Denken engstens an die Theorienbildung und die Methodologie der Naturwissenschaften anschließen muss, was letztlich zur Negation der Eigenständigkeit der Philosophie und zur Auflösung ihrer Probleme in die der Einzelwissenschaften führt. Erkenntnis beschränkt der Positivismus auf das äußere Beschreiben und logischen Ordnen der in den Sinnen gegebenen Tatsachen; ihre Aufgabe bestehe nicht in der Erforschung der objektiven Realität. Der extrem empiristische Positivismus ist in seinem Wesen subjektiv-idealistisch und agnostizistisch. Der Neupositivismus beschränkt die Aufgabe der Philosophie auf eine logische Analyse der Sprache der Wissenschaft, die nur auf Beobachtung gegründete Erfahrungssätze enthalten dürfe; er strebt eine Einheitswissenschaft an, die sich mathematischer und logischer Methoden bedient.

Positron: Antiteilchen des Elektrons, von dem es sich nur durch entgegengesetzte Ladung (und magnetischer Moment) unterscheidet, Zeichen e+; wurde 1928 von Positron Dirac vorhergesagt und 1932 von C. D. Anderson in der kosmischen Strahlung entdeckt. Siehe auch Antiteilchen, Leptonen.

Positronium: gebundener Zustand eines Elektrons mit seinem Antiteilchen, dem Positron; zerfällt durch Paarvernichtung nach 10"10s beziehungsweise 10"7 s in 2 beziehungsweise 3 Photonen.

Positur: (dat., «Stellung») auf Wirkung berechnete, herausfordernde Haltung.

Posse: volkstümlicher, meist derbkomische Genre der Komödie; oft im Dialekt (Lokalposse) vor allem im österreichischen Volkstheater des 19. Jahrhundert (J. N. Nestroy) vertreten.

Possessionsbauern: (possessio, «Besitz») im 18. /19. Jahrhundert Kategorie leibeigener Bauern in Russland, die nach einem Gesetz Peters I. (1721) bestimmten Manufakturen «zugeschrieben» waren; oft alle Bewohner eines Dorfes. Durch die Aufhebung der Leibeigenschaft 1861 wurden die Possessionsbauern rechtlich frei und damit Lohnarbeiter.

Possessivpronomen: besitzanzeigendes Fürwort, zum Beispiel mein, dein, sein.

Pößneck: Kreisstadt im Bezirk Gera, in der Orlasenke; 18000 Einwohner; Wälzlagerfertigung, polygraphisches Werk (größter Buchhersteller der DDR), Leder-, Lederwaren-, Süßwaren-, Brauindustrie; historische Altstadt mit spätgotischem Rathaus und Bartholomäuskirche sowie Stadtmauerresten mit Weißem Turm (1453).

Posochin, Michail Wassiljewitsch, geboren 13.12. 1910, sowjetischer Architekt; seit 1960 Hauptarchitekt Moskaus. Seine meist in Zusammenarbeit mit A. A. Mndojanz entstandenen Bauten (Kongresspalast im Moskauer Kreml, 1960/61) zeichnen sich durch funktionsgerechte Gestaltung, moderne Konstruktionen und Materialien aus.

postalisch: die Post betreffend; postamtlich, postdienstlich; Post.

Postament, Piedestal: Sockel oder Unterbau für Säulen, Statuen, Bildwerke, Ziervasen u. ä.

Postanweisung: Geldübermittlungssendung der Post und Bezeichnung für den benutzten Vordruck. Bei der telegrafischen Postanweisung ist die Höhe des Betrages nicht begrenzt.

Posten: 1. allgemein Stelle, Anstellung, Amt.

2. Sport: Orientierungslauf.

Poster: Bezeichnung für eine freie, oft dekorative künstlerische Arbeit, die sich der Ausdrucksmittel des Plakates bedient; erscheint in Massenauflage. Mit der Pop-art in den USA entstanden, wurde es durch die Propagierung falscher Leitbilder in kapitalistischen Ländern häufig zur Manipulation der Jugend benutzt. Das Poster gewinnt in der sozialistischen Gesellschaft als populäre Kunstäußerung immer mehr an Bedeutung. Aktuelle politische und kulturelle Themen, Lyrik, Kunstwerke, Naturdetails unter anderem wurden zu seinen Darstellungsgegenständen. Poster sind deshalb beliebt als Zimmerschmuck, zur Wanddekoration von Klubs u. ä. Siehe auch Plakat.

Postfach: Fach zum Aufbewahren von Postsendungen bis zur Abholung durch den Empfänger oder dessen Beauftragten. Voraussetzung ist, dass der Empfänger eine Postabholerklärung hinterlegt hat. Das Postfach ist im Unterschied zum Postschließfach gebührenfrei.

post festum: (lateinisch, «nach dem Feste») hinterher, zu spät.

Postgebühren: allgemeine Bezeichnung für Post- und Fernmeldegebühren, die die Deutsche Post für ihre Leistungen o. ä. von den Postkunden beansprucht. Außer Gebühren für Dienstleistungen erhebt die Deutsche Post Verwaltungsgebühren (Mahngebühren u. ä.), Gebühren für das Erteilen von Genehmigungen und für das Betreiben genehmigungs- oder anmeldepflichtiger Post- und Fernmeldeanlagen sowie Einrichtungs- und Änderungsgebühren.

postgraduales Studium: abgeschlossenem Studium und Praxiseinsatz folgendes Zusatzstudium zur weiteren Qualifizierung von Kadern mit Hoch- beziehungsweise Fachschulbildung.

Posthörnchen, Spirula spirula: bis 5,5 cm langer Kopffüßer, der pelagisch in warmen Meeren in 250 bis 1750 m Tiefe lebt. Das Posthörnchen hat als einzige Art der zehnarmigen Kopffüßer eine gekammerte, spiralige Schale, die das Hinterende umgreift und einen Schwimmapparat bildet.

Posthörnchenwurm, Spirorbis granulatus: winzige Art der meeresbewohnenden Vielborster mit posthornartig gewundener Kalkröhre von nur 2 bis 3 mm Durchmesser; sitzt flach angeheftet an Tang, Seegras, Steinen und so weiter

Posthornschnecken, Tellerschnecken, Planorbidae: weltweit verbreitete, in Teichen und Seen lebende Wasserlungenschnecken mit spiralig aufgerollten Schalen. Posthornschnecken besitzen roten Blutfarbstoff (Hämoglobin).

posthum: soviel wie postum. posthypnotischer Auftrag: in der Hypnose gegebener, erst im Wachzustand auszuführender Auftrag, von dem der Betreffende in der Regel bis zur Ausführung nichts weiß.

postieren: aufstellen, hinstellen.

Postillion: Kutscher eines Postfuhrwerks, auch Schwager genannt; seit dem 17. Jahrhundert bis 1925.

postindustrielle Gesellschaft, nachindustrielle Gesellschaft: Begriff der bürgerlichen Sozialtheorie, mit dem als Folge der wissenschaftlich-technischen Revolution eine «Dienstleistungsgesellschaft» behauptet wird, für die nicht die Herstellung von Gütern, sondern Wissen und Können entscheidend sei; leugnet die realen gesellschaftlichen Verhältnisse, insbesondere die gesellschaftlichen Entwicklungsgesetze; dient der Verteidigung des staatsmonopolistischen Kapitalismus und der Verleumdung des Sozialismus und Kommunismus. S. a. Industriegesellschaft.

postlagernd, poste restante: Vermerk auf Postsendungen, die beim Bestimmungspostamt aufbewahrt und am Schalter ausgehändigt werden sollen.

Postleitzahl: Kode oder Kennung für Teile einer Postanschrift; dient der Rationalisierung (Mechanisierung und Automatisierung) der Brief- und Kleingutbearbeitung; in der DDR 1964 eingeführt.

postmortal: nach dem Tod, zum Beispiel postmortale Veränderungen an Organen oder Zellen.

postnatal: nach der Geburt.

Postregal: Recht zur Einrichtung und zum Betrieb von Postanstalten; ist heute in allen Ländern Vorrecht staatlicher Postverwaltungen (Postvorrecht, Postmonopol).

Postscheck: formgebundener Auftrag des Postkunden an sein Postscheckamt, dem Benannten oder Überbringer einen bestimmten Betrag zu Lasten seines Kontos zu zahlen.

Postscheckkonto: Konto zum Erfassen der Gut- und Lastschriften sowie zum Ausweisen des Guthabenbestandes des Postscheckdienst-Teilnehmers. Zur Einrichtung und Führung von Postscheckkonto bei der Deutschen Post ist zwischen dem Kontoinhaber und dem für seinen Sitz oder Wohnsitz zuständigen Postscheckamt ein Kontovertrag auf unbestimmte Zeit abzuschließen.

Postscheck- und Postspargirodienst: Zweig der Deutschen Post mit der Aufgabe, Postscheckkonten und Postspargirokonten zu fuhren und den bargeldlosen und halbbaren Zahlungsverkehr für diese Konten wahrzunehmen. Die Postscheck- und Postspargirokonten werden bei den Postscheckämtern geführt.

Postschließfach: mit Sicherheitsschloss versehenes Fach zur Aufbewahrung abzuholender Sendungen in Postämtern; wird Postabholern gegen Mietgebühr vertraglich überlassen.

Postsendung: Sammelbegriff für Gegenstände, die der Post zum Befördern übergeben werden. Briefsendungen: Briefe, Postkarten, Drucksachen, Wirtschaftsdrucksachen, Postwurfdrucksachen, Blindensendungen; Kleingutsendungen: Päckchen, Wirtschaftspäckchen, Pakete, Wirtschaftspakete; Geld Übermittlungssendungen: Postanweisungen, Zahlkarten, Einzahlungsaufträge, Zahlungsanweisungen.

Postsparbuch: dokumentarischer Nachweis eines Sparers über ein bestehendes Rechtsverhältnis zur Teilnahme am Postsparkassendienst sowie über das Guthaben des Sparers.

Postsparkassendienst: postalische Einrichtung für den Postsparkassenverkehr in der Form des Buchsparens. Die Postsparkonten werden beim Postsparkassenamt Berlin geführt.

Postulat: notwendige logische, methodische oder erkenntnistheoretische Voraussetzung (Annahme oder Forderung), die nicht oder noch nicht bewiesen werden kann. Postulat sind die Grundbausteine vieler mathematischer oder physikalischer Theorien, zum Beispiel die Bohrschen Postulat (Atom).

postum: 1. allgemein nachgeboren; nachgelassen; nach dem Ableben erfolgt.

2. Geologie: einem älteren regionalen oder lokalen Strukturelement folgend.

Postumus, Marcus Cassianus Latinus, gestorben 268 nach Christus (erschlagen); Gegenkaiser Roms in Gallien; Begründer (260) des von Rom unabhängigen Gail. Sonderreiches, das bis 274 bestand. Postumus war ein Vertreter der ökonomisch erstarkten Provinzialaristokratie; gliederte Britannien und Spanien vorübergehend seinem Herrschaftsbereich an und leitete den Schutz der Rheingrenze gegen Germaneneinfälle.

Postmeldegeheimnis und Fernmeldegeheimnis, Briefgeheimnis: verfassungsmäßig verbürgtes Grundrecht zum Schutz der persönlichen Sphäre und des Geheimnisses der der Post zur Beförderung oder Übermittlung anvertrauten Nachrichten. Es ist den Mitarbeitern der Deutschen Post zum Beispiel untersagt, unbefugt vom Inhalt verschlossener Postsendungen oder von Nachrichten Kenntnis zu nehmen, den Inhalt von offenen Postsendungen oder von Nachrichten anderen mitzuteilen sowie bekanntzugeben, wer Anlagen der Deutschen Post benutzt. Eine Verletzung des Postmeldegeheimnis und Fernmeldegeheimnis zieht strafrechtliche oder verwaltungsrechtliche Verantwortlichkeit nach sich. Das Postmeldegeheimnis und Fernmeldegeheimnis darf nur auf gesetzliche Grundlage eingeschränkt werden, wenn es die Sicherheit des sozialistischen Staates oder eine strafrechtliche Verfolgung erfordern.

Postmeldewesen und Fernmeldewesen: Volkswirtschaftszweig, dessen Aufgabe in der Befriedigung von Bedürfnissen der Bevölkerung, der Wirtschaft, des Staatsapparates und anderer Einrichtungen des öffentlichen Lebens hinsichtlich Nachrichtenbeförderung und -Übermittlung, Beförderung von Kleingutsendungen (Kleingutverkehr), Vertrieb von Presseerzeugnissen (Postzeitungsvertrieb) sowie anderer Leistungen (zum Beispiel Geldübermittlung) besteht. Träger des Postmeldewesen und Fernmeldewesen ist in der DDR die Deutsche Post.

Postverteilanlage: Anlage auf Postämtern zur maschinellen, zum Teil automatische Verteilung von Postsendungen (Briefverteilanlage, Paketverteilanlage). Nach Eingabe der Postleitzahl mittels Tastatur erfolgt durch Fördermittel die Zuordnung der Sendung je nach Bestimmungsort oder Zustellbezirk. Die automatische Zeichenerkennung führt zur vollautomatischen Postverteilanlage, auch mit Echtheitserkennung der Frankierung unter anderem.

Postvorrecht: das alleinige Recht der Deutschen Post, Post- und Fernmeldeanlagen zur materiell-technisch gesicherten Durchführung des Post- und Fernmeldeverkehrs zu errichten und zu betreiben sowie fortlaufend erscheinende Presseerzeugnisse zu befördern und zu vertreiben. Die Bestimmungen zum Postvorrecht sind, einschließlich entsprechender Ausnahmen, im Gesetz über das Post- und Fernmeldewesen geregelt.

Postwertzeichen: Wertzeichen (Briefmarken, Stempelaufdrucke) zum Verrechnen der Gebühren für die Postbeförderung (Freimachen von Postsendungen) sowie für andere Leistungen der Post. Siehe auch Briefmarke.

Potamologie, Flusskunde: Hydrologie der Flüsse.

potent: mächtig; vermögend; leistungsfähig; zeugungsfähig.

Potentat: Machthaber, regierender Fürst.

Potential: 1. allgemein Leistungsvermögen, Wirkungsfähigkeit.

2. Physik: eine skalare, vektorielle oder tensorielle Funktion einer oder mehrerer physikalischen Größen (wie Ortskoordinaten, Temperatur), aus der sich durch partielle Differentiation andere physikalische Größen (wie Kraft, Druck) ableiten lassen. Als Potential im engeren Sinne bezeichnet man die potentielle Energie eines physikalischen Systems. Der Potentialbegriff entstammt der Mechanik; für einen Massenpunkt in einem Kraftfeld F(r) existiert ein Potential q>, wenn die Arbeit J F(r) dr, n die zur Lageänderung des Massenpunktes verrichtet werden muss, vom Weg unabhängig ist, der bei der Lageänderung von rt nach r2 durchlaufen wird. Auch für andere Gebiete der Physik werden Potentiale definiert. Der Wert des Potential liegt neben seiner oft physikalisch anschauliche Bedeutung darin, dass statt der Kenntnis zum Beispiel der Vektorfunktion F nur die der skalaren Funktion q> benötigt wird. Allg. existiert ein Potential nur für wirbelfreie Felder, das heißt im Beispiel des Kraftfeldes, dass das Integral F dr über einen beliebigen geschlossenen Weg verschwinden muss. Ein skalares Potential ist dann definiert als das Wegintergral von einem beliebig wählbaren Aufpunkt r0 zum Aufpunkt r; die Feldgröße F ist der negative Gradient von (r). Die Flächen

Potentialbarriere: Potentialwall-, wallartiger Verlauf der Kurve, die die funktionale Abhängigkeit des Potentials eines Teilchens von seinem Ort angibt. Siehe auch Coulomb-Barriere, Tunneleffekt.

Potenzfunktion:

1. Mathematik: zunächst die für jede natürliche Zahl n durch y = x" erklärte Funktion der Variablen x. Durch entsprechende Definitionen (siehe auch Potenz 3) wird die Potenzfunktion y = x für jeden ganzzahligen Exponenten g und die V. y = xr für jede rationale Zahl r erklärt. Schließlich wird die Potenzfunktion für eine beliebige reelle Zahl a und x > 0 definiert.

2. Physiologie: Abhängigkeit des Zusammenhangs überschwelliger Reizintensitäten (I) mit den vom Subjekt möglichst genau geschätzten (skalierten) Wahrnehmungsstärken (W), unter Berücksichtigung der Art des Sinnes (Geschmack, Geruch, Gehör, Gesicht unter anderem). Durch Abtragen der Reizintensitäten und der skalierten Wahrnehmungsstärken in einem doppelt logarithmischen Koordinatenkreuz erhält man eine Gerade, deren Steilheit über der Abszisse durch einen Exponenten n bestimmt ist. Dieser hängt von der Sinnesqualität ab. Formel der Potenzfunktion W = K -1° (K ist eine Konstante).

potenzieren: (lateinisch) erhöhen, steigern, verstärken.

Potenzierung: 1. soviel wie Wirkungsverstärkung.

2. Verdünnung eines homöopathischen Arzneistoffs.

Potenzmenge: bezüglich einer gegebenen Menge M das Mengensystem aller Teilmengen von M; besteht M aus n Elementen, so besteht die Potenzmenge von M aus 2" Elementen; zum Beispiel ist die Potenzmenge von M = (a, b, c) die Menge (0, (a), (b), (c), (a, b), (a, c), (b, c), M).

Potenzreihe: Reihe der Form, in der die Konstanten a„ die Koeffizienten, z0 der Entwicklungspunkt heißen und z eine reelle oder komplexe Veränderliche bedeutet Zu jeder Potenzreihe gibt es genau eine reelle Zahl r > 0, den Konvergenzradius, so dass die Potenzreihe für z z01 < r konvergiert und für z z01 > r divergiert (siehe auch Reihe). Die durch die Potenzreihe für gegebene Funktion ist regulär (Funktionentheorie), umgekehrt kann eine in einem Gebiet G reguläre Funktion in jedem Punkt z0 von G in eine Potenzreihe entwickelt werden. Siehe auch Kosinusreihe, Sinusreihe.

Potenzrest: Begriff der Zahlentheorie. Eine zu der natürlichen Zahl m teilerfremde ganze Zahl a heißt n-ter Potenzrest nach dem Modul m, falls die Kongruenz xP = a (mod m) eine Lösung hat.

Potgieter, Everhardus Johannes, 27.6.1808-3.2.1875, niederländischer Schriftsteller; war mit seiner kritischen und publizistischen Tätigkeit in der Zeitschrift «De Gids», mit seiner erzählenden Prosa (Allegorie «Jan Jannetje und ihr jüngstes Kind», 1842) und Versdichtungen einer der bedeutenden Vertreter der bürgerlich-liberalen Strömung der niederländischen Romantik.

Potjomkin, Grigori Alexandrowitsch Fürst, 24.9.1739-16.10.1791, russischer Staatsmann und Generalfeldmarschall; Günstling Jekaterinas II.; übte nach 1770 bestimmenden Einfluss auf die Politik Russlands aus, förderte die wirtschaftliche Erschließung der Südukraine und der Krim.

Potjomkin: (nach G. A Potjomkin) Panzerkreuzer der russischen Schwarzmeerflotte, auf dem im Juni 1905 ein Matrosenaufstand ausbrach, der die erste revolutionäre Massenaktion in den zaristischen Streitkräften darstellte. Thema eines Films von S. M. Eisenstein («Panzerkreuzer Potjomkin», 1925).

Potjomkinsche Dörfer: zur Täuschung über die Lage der russischen Bauern 1787 von G. A Potjomkin angeblich angelegte künstliche Dorffassaden; übertragen Blendwerk.

Potomac: Fluss in den USA, vorwiegend Grenzfluss zwischen den Bundesstaaten West Virginia, Virginia und Maryland; 464 km; entsteht mit 2 Quellflüssen im Großen Appalachental, mündet mit langem Ästuar in die Chesapeake Bay; schiffbar bis Washington.

Poto-Poto-Peintres, Abkürzung (P.P.P.): Ateliergemeinschaft im Stadtteil Poto-Poto von Brazzaville (VR Kongo), 1951 von Poto-Poto-Peintres Lods gegründet; brachte in dekorativ-flächiger Malerei vor allem Werke im Stil altafrikanischer Felsbilder hervor und förderte begabte Künstler (J. Zigoma, N. Ondongo unter anderem).

Potosi: Stadt (Departements Zentrum) im Westen Boliviens, 4070 m über dem Meeresspiegel, am Fuße des 4 862 m hohen Cerro Rico de Potosi (Silberberg); 100000 Einwohner; Bergbauzentrum (Zinn-, Blei-, Silber-, Kupfererz), Hütten-, Leichtindustrie; Universität; zur spanischer Kolonialzeit Zentrum der Silberproduktion in Südamerika.

Potpourri: «Allerlei» aus beliebten Melodien frei zusammengesetztes unterhaltsames Musikstück.

Potrerillos: Ort im Nordosten Chiles, am südlichen Rand der Wüste Atacama, 2 900 m über dem Meeresspiegel; 7000 Einwohner; Kupfererzbergbau und -Verhüttung, Export über den Hafen Chanaral westlich von Potrerillos; Flughafen.

Potentiometrie, potentiometrische Titration: maßanalytische Verfahren, das auf der Messung des elektrischen Potentials einer in die Analysenlösung eingebrachten Indikatorelektrode während der Titration beruht. Der Endpunkt der Titration wird durch eine sprunghafte Änderung des Elektrodenpotentials angezeigt

Potenz: 1. allgemein Macht, Leistungsfähigkeit; innewohnende Kraft.

2. Biologie: geschlechtliche Fähigkeit; Manneskraft.

Potsdam: 1. flächenmäßig größter Bezirk; 12 568 km2, 1,12 Millionen Einwohner; 89 Einwohner/km2; Bezirksstadt Potsdam 2 im Norden im Bereich der Südabdachung des Nördlichen Landrückens und im Bereich des südlichen Landrückens (Fläming) wellig-hügelig, in der Mitte flache Niederungszonen im Bereich der Urstromtäler (Havelländische Luch, Rhinluch), von Havel (Seen), Rhin, Dosse und anderen Flüssen durchflossen, dazwischen höhergelegene Platten (Teltow, Zauche). Etwa ein Drittel der Bezirksfläche, besonders der Nordteil, ist bewaldet; wasserreichster Bezirk der DDR Industrie-Agrar-Bezirk; Industrie besonders um Berlin (P. 2, Teltow, Wildau, Oranienburg, Hennigsdorf) und an der unteren Havel (Brandenburg, Rathenow, Premnitz) konzentriert; Metallurgie (Brandenburg, Hennigsdorf), Maschinen- (Wildau, Potsdam 2, Brandenburg, Luckenwalde, Pritzwalk), Fahrzeugbau (Ludwigsfelde, Hennigsdorf), elektrotechnischer/elektronischer (Teltow, Neuruppin, Zehdenick), optische (Rathenow), chemische (besonders Chemiefaserproduktion in Premnitz), Textil- (Brandenburg, Luckenwalde, Wittstock), verbreitet Baustoff-, Holz- und Lebensmittelindustrie; Kernkraftwerk bei Rheinsberg. Landwirtschaft auf 51 % der Fläche, davon 72 % Ackerland. Vorwiegend Anbau von Kartoffeln (Sandböden); Milchtierzucht in den Niederungen (meliorierte Moorböden), Obstbau und Gemüseanbau um Werder und Gransee; Forstwirtschaft. Erholungswesen in den Wald-Seen-Gebieten um Neuruppin-Rheinsberg, Königs Wusterhausen und Potsdam 2-Werder sowie im Fläming. Durch den Bezirk führen wichtige Eisenbahnlinien und Autobahnen nach Berlin, durch Berliner Reichsbahnaußenring beziehungsweise Autobahnring miteinander verbunden; bedeutende Wasserstraßen; internationaler Flughafen Berlin-Schönefeld.

2. Bezirksstadt und Stadtkreis, in waldreicher Umgebung, an der seenartig erweiterten Havel; 140000 Einwohner; ökonomisches, wissenschaftlich-kulturelles und touristisches Zentrum von Potsdam 1; Industrie besonders in Potsdam Babelsberg und im Südosten der Stadt (Investkomplex Rehbrücke) mit Maschinenbau, Herstellung von Schallplatten, Schlössern, dentaltechnischen und chemischen pharmazeutischen Erzeugnissen sowie Textilindustrie, Elektrogeräte-, Orgelbau, Glas-, Holz-, Lebensmittel-, Bau- und Baustoffindustrie; Raw; Eisenbahnknoten, Binnenhafen; Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft, Pädagogische Hochschule «Karl Liebknecht», Hochschule für Film und Fernsehen, Ingenieur-, Fachschulen, wissenschaftliche Institute, astrophysikalisches Observatorium mit Sternwarte (Einsteinturm), Hauptwetterdienststelle des Meteorologischen Dienstes der DDR mit Hauptobservatorium; Bibliotheken, Archive, Museen; DEFA-Filmstudios, Hans-Otto-Theater, Planetarium; jährlich Parkfestspiele in Sanssouci; botanischer Garten, Sportstadien, Naherholungseinrichtungen; neugestaltetes Stadtzentrum und Wiederaufbau historischer Bauten; Stadthalle, Interhotel Potsdam; neue Wohngebiete am Stadtrand. Innenstadt mit Bauten des Barocks und Klassizismus großenteils im 2. Weltkrieg zerstört; erhalten blieben unter anderem Französische Kirche (G. W. von Knobelsdorff), Brandenburger und neugotischer Nauener Tor, Teile des Holland. Viertels (Mitte 18. Jahrhundert), Einsteinturm (E. Mendelsohn). Beim Neuaufbau des Stadtzentrums wurden wiederhergestellt: Nikolaikirche (F. Gilly und F. Schinkel), Altes Rathaus und Knobelsdorffhaus (jetzt Kulturhaus), Marstall, historische Straßenzüge. Am Rand der Stadt Schloss und Park I Sanssouci, Schlösser Cecilienhof und Babelsberg. 993 als slawische Siedlung erwähnt; seit dem 12. Jahrhundert Sitz eines Burgvogtes; 1345 als Stadt genannt. Unter Friedrich Wilhelm I. wurde Potsdam 1713 Garnisonsstadt, 1721 Bau der Neustadt; unter Friedrich ll. weiterer Ausbau zur Residenzstadt, Zentrum des preußischen Militärstaates. Potsdam war Tagungsort der Potsdamer Konferenz. 1945 wurde Potsdam Hauptstadt des Landes Brandenburg, 1952 Bezirksstadt.

Potsdamer Edikt: Erlass des Kurfürsten Friedrich Wilhelm vom 8. 11. 1685; bot den nach der Aufhebung des Edikts von Nantes aus Frankreich flüchtenden Hugenotten die Ansiedlung in Brandenburg-Preußen an. Die Einwanderung von etwa 20000 Hugenotten (besonders Kaufleute sowie Handwerker, die über handwerkliche Fertigkeiten zur Aufnahme neuer Produktionen verfügten) forderte die ökonomische Entwicklung des Landes.

Potter, Paulus, 1625 (getauft 20.11.) 1654 (begraben 17.1.), holländischer Maler, vorwiegend in Amsterdam tätig; bedeutendster Tiermaler des 17. Jahrhundert

Pottier, Eugène, 4.10.1816-6.11.1887, französischer Lyriker und Politiker, aktive Teilnahme an der Pariser Kommune; förderte mit seinen «Französischen Revolutionsliedern» (1887, deutsch) den Prozess der politischen Bewusstwerdung der Arbeiterklasse, welcher er mit der «Internationale» (1871) ihr Kampflied gab.

Pottwale, Physeteridae: Zahnwale mit asymmetrische, große Hohlräume umschließendem Schädel, die das ölige Walrat enthalten. Der Pottwale (Physeter catodon) frisst Tintenfische; Männchen bis 20 m, Weibchen bis 13 m lang und bis über 100 t schwer; der Zwergpottwale (Kogia breviceps) wird nur bis 4 m lang. Pottwale sind weltweit verbreitet.

Poularde: kastrierte Masthenne; heute auch Bezeichnung für Junghühner spätreifer Rassen beiderlei Geschlechts, die vor Beginn der Geschlechtsreife geschlachtet werden.

Poulenc, Francis, 7.1.1899-30.1.1963, französischer Komponist; gehörte nach dem 1. Weltkrieg der Groupe des Six an und wurde ein Hauptvertreter des Neoklassizismus. Sein vielseitiges Schaffen ist erfolgreich um Massenwirksamkeit bemüht und umfasst Werke aller Gattungen.

Poulsen, Valdemar, 23.11.1869-23.7.1942, dänischer Physiker; erfand 1898 ein Magnettonverfahren und 1903 den Poulsen Sender zur Erzeugung elektromagnetische Wellen mittels Lichtbogen.

Pound, Zeichen lb (lateinisch libra, «Waage», «Pfund»): anglo-amerikanische Masseeinheit, 1 Avoirdupois Pound (lb, lb avdp) = 16 oz = 0,453 59 kg; für Edelmetalle 1 Troy Pound (lb tr) = 12 oz tr = 0,373 24 kg.

Pound, Ezra Loomis, 30.10.1885-1.11.1972, US-amerikanischer Dichter und Kritiker; Mitbegründer der Imagisten; beeinflusste durch seine elitäre, kosmopolitische Dichtung («Cantos», 1925/37) und Stiltheorien die moderne Dichtung; war ein Fürsprecher des Faschismus.

Pour le mérite: (französisch, «für das Verdienst») hoher preußischer Orden 1740/1918 (seit 1810 ausschließlich für militärische Verdienste). Die 1842 gestiftete Friedensklasse Pour le mérite für Wissenschaften und Künste wird in der BRD seit 1952 wieder verliehen.

Poussin, Nicolas, 15.6.1594-19.11.1665, französischer Maler; neben C. Lorrain der bedeutendste und einflussreichste französischer Maler des 17. Jahrhundert; von 1624 bis zu seinem Tod vorwiegend in Rom tätig. An der Antike und den Werken Raffaels, Tizians, A. Carraccis und Domenichinos geschult, zeichnet sich sein Werk, das historische und mythologische Themen sowie Landschaften umfasst, durch Klarheit der Komposition, Gedankentiefe des Inhalts und ein durch Lokalfarben bestimmtes Kolorit aus. Seine heroischen Landschaften waren vorbildwirkend für die Malerei des 18. Jahrhundert.

Powell, Cecil Frank, 5.12.1903-9.8.1969, britischer Physiker, arbeitete zur Kern- und Elementarteilchenphysik; entdeckte 1947 das Pion in der kosmischen Strahlung; war 1962/69 Vorsitzender der Weltföderation der Wissenschaftler.

Powerplay: (englisch, «Kraftspiel») Eishockey Einschnürung der verteidigenden Mannschaft in deren Verteidigungsdrittel durch die angreifende Mannschaft.

Powerslide: («Kraftgleiten») im Automobilsport (Renn- und Rallyesport) eine zum schnellen Durchfahren von Kurven angewandte Fahrtechnik, wobei das Heck des Fahrzeuges durch auftretende Zentrifugalkraft nach außen rutscht. Durch Gegenlenken bleibt das Fahrzeug unter Kontrolle.

Powest: in der altrussischen Literatur Bezeichnung für verschiedene epische Genres (Erzählung, Bericht, Chronik); seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich die Powest als episches Genre, das zwischen Erzählung und Roman steht, wobei keine scharfen Grenzlinien zwischen den Genres gezogen werden.

Poyang See, Poyang Hu: Süßwassersee in China, im Norden der Provinz Jiangxi; mit dem Chang Jiang verbunden, dient während der Hochwasserführung als Rückhaltebecken, wodurch große jahreszeitlich bedingte Schwankungen in der Flächenausdehnung auftreten (zwischen 2700 und 5070 km2); bei Hochwasser bis 20 m tief; Binnenfischerei.

Poynting-Vektor, nach einem britischen Physiker: Vektorprodukt S = Ex H aus elektrische und magnetische Feldstärke E beziehungsweise H, gibt die Energiestromdichte (die Intensität) einer elektromagnetische Welle an.

Poznan: 1. Wojewodschaft im mittleren Teil Polens; 8151km2, 1,28 Millionen Einwohner; 157 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Poznan 2. umfasst Teile der seenreichen Nizina Wielkopolska und wird von der Warta durchflossen; zu 20% bewaldet. Industrie Agrar-Gebiet; Maschinen- und Fahrzeugbau, Metallverarbeitung, elektrotechnischer, chemische, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie; umfangreiche Landwirtschaft mit Ackerbau (Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben, Raps, Gemüse) und bedeutende Viehzucht (besonders Schweine).

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Poznan 1, an der Warta; 570000 Einwohner; bedeutendes polnisches Wirtschafts- und Kulturzentrum; Werkzeug-, elektrotechnische/elektronische Industrie, Landmaschinen-, Diesellokomotiv- und Waggon-, Motorenbau, Metallverarbeitung (Kugellager, Gießerei), chemische und pharmazeutische, Konfektions-, Leder-, Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten, Fluss- und Flughafen; internationales Handelszentrum (P.er Messe); Universität, mehrere Akademien und Hochschulen; Theater, Staatliche Philharmonie, berühmte Chöre (unter anderem Poznaner Knaben- und Männerchor), Museen; Festival polnischer Musik (P.er Frühling); botanischer und zoologischer Garten. Gotischer Dom St. Peter und Paul (jetziger Bau 1346/1428, mit Grabmälern unter anderem aus der Vischer-Werkstatt), weitere spätgotischen Kirchen, barocke Dominikanerkirche (ursprünglich spätgotisch) und Jesuitenkirche, bedeutendes Rathaus der Spätrenaissance (von G. mB. di Quadro 1550/60), historistische Bauten des 19. Jahrhundert, zahlreiche Wohnsiedlungen des 20. Jahrhundert. Im 9./10. Jahrhundert slawischer Wehrburg mit bedeutender Handwerker- und Kaufmannssiedlung; seit 968 Bischofssitz, 1253 Stadtrecht, bis 1296 Residenz der Piasten. Durch günstige Lage an Handelswegen erlangte Poznan im 15./16. Jahrhundert eine hohe Blüte. Nach der 2.Teilung Polens 1793 zu Preußen (Posen); 1918 wieder polnisch, 1939 vom faschistischen Deutschland annektiert, im Februar 1945 befreit.

Pozner, Vladimir, geboren 5.1.1905, französischer Romancier und Journalist; gestaltete in realistischen Romanen und Reportagen Probleme des Kampfes gegen Krieg und Faschismus («Die Irrfahrt», 1942, deutsch; «Spanien, erste Liebe», 1965, deutsch; «Abstieg in die Hölle», 1980, deutsch).

Pozzuolanerde: (nach Pozzuoli, dem Fundort) frühere Bezeichnung für Puzzolanerde.

Pozzuoli: Stadt in Unteritalien, in der Region Kampanien, am Golf von Neapel; 70000 Einwohner; Büromaschinenbau; Fischerei; Hafen; Serapeum (Tempel), Amphitheater, nordöstlich von Pozzuoli die Solfatara di Pozzuoli (Vulkankrater).

ppm: (Abkürzung für partes per millionem (lateinisch), beziehungsweise parts per million, englisch, «Teile je Million»): Zeichen für die Einheit Millionstel von Verhältnisgrößen; 1 ppm = 10~6.

Präambel: Einleitung, Einführung; Rechtsvorschriften oder Verträgen vorangestellte und zum verbindlichen Text gehörige Einführung in Sinn, Zweck und Ziel des Dokuments.

Präanimismus: Glaube von in der Urgesellschaft lebenden Völkern an eine unpersönliche, magische Kraft in der gesamten Natur, ohne Scheidung von Körper und Seele; nach bürgerlicher Theorie Ursprung der Religion. Siehe auch Animismus.

Pracht, Erwin, geboren 22.2.1925, Literaturwissenschaftler und Ästhetiker; Professor an der Humboldt Universität zu Berlin; arbeitet vor allem über erkenntnistheoretische Fragen der marxistisch-leninistischen Ästhetik sowie zur Geschichte und Theorie des Realismus und des sozialistischen Realismus im Besonderen.

Prachtfinken, Estrildidae: finkenähnliche, bis meisengroße Singvögel der Tropen, die Kugelnester bauen. Viele Arten werden als Käfigvögel gehalten und gezüchtet, zum Beispiel der australischen Zebrafink (Taeniopygia guttata); in Höhlen brütet die 11 cm lange australische Gouldamadine (Chloebia gouldiae), Männchen mit rotem Kopf und schwarzem Kinn, ernährt sich von Sämereien; ursprünglich auf Jawa und Bali, heute an vielen Stellen Südostasiens und Ostafrikas eingebürgert der weißbäckige, graue Reisvogel (Padda oryzivora), der in Reiskulturen oft großen Schaden anrichtet.

Prachtkäfer, Buprestidae: Käferfamilie mit zum Teil prächtigen metallisch schimmernden Arten zwischen 5 und 40 mm Länge; Käfer auf Blößen an Stämmen und Blüten; Larven fressen meist in Hölzern, zum Teil schädlich.

Prädestinationslehre: Lehre von der Vorherbestimmung (Prädestination) des Menschen von Ewigkeit her durch einen persönlichen Gott (im Unterschied zum persönlichen Fatum) zur Seligkeit oder Verdammnis; Hauptvertreter sind Augustinus, M. Luther, J. Calvin.

Prädikat: 1. allgemein Beurteilungsergebnis, Zensur, Titel, Rangbezeichnung.

2. Prädikat, Satzaussage: Grammatik Satzglied, das die Tätigkeit oder den Zustand des Subjekts angibt; mit diesem gemeinsam Grundbestand des Satzes, zum Beispiel Du «kommst» zu mir.

3. in der modernen Logik gemeinsamer Oberbegriff für Eigenschaften und Beziehungen. Zu jedem Prädikat gehört eine feste Anzahl von Argumenten oder Leerstellen; die einstelligen Prädikat sind die Eigenschaften, die n-stelligen Prädikat mit n g 2 die Beziehungen zwischen je n Objekten. Die logischen Beziehungen zwischen Prädikaten untersucht die Prädikatenlogik. In der traditionellen Logik heißt der das Merkmal angebende Bestandteil eines Urteils Prädikat; in dem Urteil «Keine Eiche ist ein Nadelbaum» zum Beispiel ist der Begriff Nadelbaum das Prädikat

Prädikatenlogik: Theorie der Prädikate beliebiger Stellenzahl, ihrer Verknüpfung mittels Aussagenverbindungen, ihrer Quantifizierung und des logischen schließens mit Prädikaten. Die Prädikatenlogik der 1. Stufe untersucht nur Prädikate, deren Argumente sich auf Gegenstände beziehen, die Prädikatenlogik höherer Stufen auch Prädikate, deren Argumente sich selbst wieder auf Prädikate beziehen, zum Beispiel Beziehungen zwischen Eigenschaften oder Eigenschaften von Beziehungen. Die Argumente werden im Allgemeinen durch Variable angezeigt, die Individuen- oder Subjekts Variable heißen, wenn sie für Gegenstände stehen. Die Prädikatenlogik ist eine Erweiterung der Aussagenlogik. Die Menge der allgemeingültigen Ausdrücke der Prädikatenlogik der 1. Stufe ist noch axiomatisierbar, aber nicht mehr entscheidbar. Die Menge der allgemeingültigen Ausdrücke der Prädikatenlogik höherer Stufen ist auch nicht mehr axiomatisierbar.

Prädikativum: Grammatik Prädikatsnomen; nominaler Bestandteil, der zusammen mit der Kopula als Prädikat fungiert, zum Beispiel: Er ist «Künstler»; Er ist «aufdringlich».

Prädiktor-Korrektor-Prozess: Kombination von 2 Differenzenverfahren zum Zwecke der Genauigkeitssteigerung, meist bei numerischer Lösung von Differentialgleichungen, wobei das Ergebnis des 1. Verfahrens (Prädiktor = Vorhersager) als Startnäherung für das 2. Verfahren (Korrektor) verwendet wird.

prädisponiert: vorausbestimmt; veranlagt, anfällig.

Prado: («Wiese») 1. öffentliche Parkanlage in spanischen Städten.

2. spanisches Nationalmuseum in Madrid (Museo Nacional del Prado), das seinen Namen nach dem Park erhielt, in dem Karl III. es 1785/87 errichten ließ. Die berühmte Gemäldegalerie enthält besonders Werke spanischer (El Greco, D. Velázquez, F. de Goya), italienische (Tizian), holländischer (H. Bosch) und flämischer Meister (P. Prado Rubens).

Prado, Jorge del, geboren 15.8.1910, peruanischer Arbeiterführer, seit 1929 Mitglied der KP; wiederholt verhaftet oder im Exil (Bolivien, Brasilien); seit 1965 Generalsekretär des ZK der KP.

Präeklampsie: Vorstufe einer Eklampsie bei Schwangeren; Kennzeichen sind Eiweißausscheidung, Ödeme, Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Schwindel. Die Präeklampsie kann unbehandelt in eine Eklampsie übergehen.

Praetorius: 1. Johannes, 22.10.1630 bis 25.10.1680, Schriftsteller; griff vielfältig Volksüberlieferungen auf (zum Beispiel Blocksberg Sagen); seine Werke sind eine wichtige Quelle für die Folkloreforschung.

2. Michael, 15.2.1571 oder 1572-15.2.1621, Komponist, Organist, Kapellmeister und Musiktheoretiker, einer der bedeutendsten Musiker seiner Zeit mit umfangreichem kompositorischen Schaffen, dem fast stets der Protestant. Choral zugrunde liegt. Sein theoretisches Sammelwerk «Syntagma musicum» (3 Teile; 1615/20) unterrichtet umfassend über Musikwissen, Musizierpraxis und Instrumente seiner Epoche.

Präfekt, (dat., «Vorsteher») Chorpräfekt, ein den Kantor von Schul- und Kirchenchören als Hilfsdirigent vertretender älterer Chorschüler (zum Beispiel des Thomaner- oder Kreuzchores).

Präferenten: Pflanzen und Tiere, die einen bestimmten Lebensraum bevorzugen, aber auch ähnliche Biotope besiedeln.

Präfix, Vorsilbe: Wortbildungsmorphem am Anfang des Wortstammes beziehungsweise Wortes, zum Beispiel «be»stehen.

Präformationslehre: idealistisch-metaphysische Entwicklungstheorie bis Mitte des 18. Jahrhundert, nach der die Entwicklung der Organismen nicht durch Neubildung aus dem Keim erfolgt, sondern durch «Auswicklung» bereits vorgebildeter Lebewesen.

Prag, tschechisch Praha-, Hauptstadt der CSSR, der tSR und Verwaltungszentrum des Mittelböhmischen Bezirkes, inmitten des Böhm. Beckens in einem weiträumigen Talkessel beiderseits der Vltava; als Verwaltungseinheit Hauptstadt Prag 1,19 Millionen Einwohner; wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der CSSR Prag bildet die größte Bevölkerungs- und Industrieballung des Landes und erzeugt über 10 % der nationalen Industrieproduktion; führende Zweige sind der Maschinen- (besonders Schwer- und Werkzeugmaschinen) und Fahrzeugbau (unter anderem Autos, Lokomotiven, Straßenbahnen), ferner elektrotechnische/elektronische, feinmechanische, chemische, pharmazeutische, polygraphische, Textil-, Leicht-, Lebensmittelindustrie; wichtigster Verkehrsknoten, U-Bahn (seit 1974), internationaler Flughafen Ruzyne, Beginn der Vltava-Schifffahrt; neben der berühmten Karls-Universität 2 Akademien (Wissenschaft, Kunst), zahlreiche Hoch- und Fachschulen, wissenschaftliche Institute, Bibliotheken, 22 ständige Theater, 2 Opernhäuser, Kulturpalast, 19 Museen sowie Philharmonie und Konservatorium; alljährlich im Mai internationales Musikfestival «P.er Frühling». Filmateliers (Barrandov), Rundfunk- und Fernsehzentrum, botanischer und zoologischer Garten; in den Randgebieten neue Wohn- und Industriegebiete, besonders im Norden und Süden der Stadt. Prag ist reich an kirchlichen und weltliche Bauten seit dem frühen Mittelalter; über der mittelalterlichen und barocken Kleinseite links des Flusses der Burgbezirk (Hradschin) mit Burg (mehrere Bebauungen seit dem 9. Jahrhundert), gotischer Veitsdom (begonnen 14. Jahrhundert, Bauunterbrechung Anfang 15. Jahrhundert, beendet 19./20. Jahrhundert), barocker Loretokirche, Stift Strahov unter anderem; rechts des Flusses die Altstadt: gotische Karlsbrücke mit romanischem und gotischem Brückenturm und barocken Skulpturen (ab 14. Jahrhundert), gotisches Altstädter Rathaus (1410), zahlreiche gotische (Teynkirche) und barocke Kirchen (Nikolauskirche, Anfang 18. Jahrhundert), mittelalterliche und barocke Paläste (Clam-Gallas-Palais am Altmarkt, Anfang 18. Jahrhundert). 1348 kam als Neugründung die sogenannte Neustadt hinzu, die mit ihren großen Plätzen (Wenzelsplatz, Karlsplatz) und Bauten aus der Zeit vom 14. bis 19. Jahrhundert berühmt wurde; im 19./20. Jahrhundert entstanden zahlreiche neuere Stadtteile. Unter den Burgen Vysehrad und Hradschin entwickelte sich frühzeitig ein Marktort, in dem sich Handwerker und Kaufleute niederließen. 973 wurde Prag Bistum, 1344 Erzbistum. Aus der Handwerker- und Kaufleutesiedlung entstand 1220 die Altstadt Prag, 1257 die Kleinseite. Während der Blütezeit Prags im 14. Jahrhundert (Sitz Kaiser Karls IV.) 1348 Gründung der Neustadt und der Universität. Anfang des 15. Jahrhundert Wirkungsort von J. Hus und nach 1419 eines der Zentren der hussitischen Bewegung. Der 2. Prager Fenstersturz 1618 war der Anlass für den Dreißigjährigen Krieg. In der Schlacht am Weißen Berge vor den Toren der Stadt unterlagen 1620 die böhmischen Protestanten dem kaiserlichen Heer. Der rasche industrielle Aufschwung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert führte in Prag zu einer hohen Konzentration der Arbeiterklasse (1878 Gründung der Tschecho-slawischen Sozialdemokratische Arbeiterpartei im Vorort Brevnov). 1912 schloss die VI. Gesamtrussische Parteikonferenz der SDAPR in Prag die Menschewiki aus der Partei aus. 1918/39 war Prag Hauptstadt der bürgerlichen CSR und 1921 Gründungsort der KP der Tschechoslowakei. Der Maiaufstand und die Befreiung durch die Rote Armee am 9. 5. 1945 beendeten die faschistische Besetzung. Im Februar 1948 scheiterte in Prag der konterrevolutionäre Putschversuch.

Prägen: (zu «brechen»)

1. Buchbinderei: Verzieren von Buchdecken mit Reliefs mittels Pressen Unterschieden werden Färb-, Gold-, Folien-, Blindprägung (ohne Farbe, Blattgold oder Folie).

2. Fertigungstechnik: Druckumformen von Werkstoff zwischen reliefartigen Stempeln, bei denen sich wechselseitig jeweils entweder Erhöhungen und Vertiefungen (Hohlprägen, Formstanzen, keine Änderung der Werkstoffdicke) beziehungsweise Erhöhungen oder Vertiefungen (Voll-, Formprägen, Änderung der Werkstoffdicke) gegenüberstehen, oder zwischen reliefartigen Walzen (Prägewalzen).

3. Textilveredlung: Einprägen von Mustern in Textilien mittels erhitzter Walzen, hauptsächlich unter Druck mittels Prägekalanders.

Prager Manifest: Dokument des Emigrationsvorstandes der SPD in Prag, veröffentlicht 1934. Das vor allem von R. Hilferding verfasste Prager Manifest setzte sich mit einigen Fehlern der Sozialdemokratischen Politik in der Weimarer Republik auseinander und rief zum gemeinsamen Kampf aller Hitlergegner gegen den Faschismus auf. Die meisten rechten Führer sagten sich bald von ihm los, nur wenige Linke verstanden es als Richtschnur im Kampf um die Einheits- und Volksfront.

Prager Operation: letzte Operation der Roten Armee im 2. Weltkrieg in Europa (Mai 1945). Mit Stößen aus dem Raum Dresden und Ostrava-Brno auf Prag befreiten die sowjetischen Truppen die Tschechoslowakische Republik vollständig und verhalfen dem am 5. 5. ausgebrochenen Volksaufstand in Prag zum Sieg; am 9.5. erreichten sowjetische Panzerspitzen die Stadt.

Prager Typus: Bezeichnung frühslawische Keramik (7./6. Jahrhundert vor Christus); meist unverzierte handgeformte Töpfe; benannt nach dem ersten Fundort.

Pragmatik: Teilgebiet der Semiotik; untersucht die Wirkungen von Zeichen in der Kommunikation.

Pragmatik, linguistische: Bereich der Sprachwissenschaft, der die Wirkung der Sprache auf den Menschen und den optimalen Einsatz sprachlicher Mittel zur Erreichung bestimmter Ziele zum Gegenstand hat (Sprachwirkungsforschung); interdisziplinär betrieben, da auch psychologische, soziologische und andere Faktoren der Kommunikation zu berücksichtigen sind.

Pragmatische Sanktion: grundsätzliche Regelung bedeutender Staatsangelegenheiten, besonders die Pragmatische Sanktion Karls VI. von 1713 über die Zulässigkeit weiblicher Erbfolge (Maria Theresia) für den unteilbaren habsburgischen Besitz.

Pragmatismus: subjektiv-idealistische und agnostizistische Richtung der spätbürgerlichen Philosophie, insbesondere in den USA. Der Pragmatismus leugnet den objektiven Charakter der Wahrheit; ihr Kriterium sei der Erfolg menschlicher Handlungen, das heißt letztlich die Nützlichkeit. Die Praxis wird subjektivistisch als Erfolg oder Misserfolg von Handlungen verstanden. Die Existenz objektiver Gesetzmäßigkeit wird geleugnet. Vertreter des Pragmatismus sind unter anderem C. S. Peirce, F. C. S. Schiller, W. James, J. Dewey. Der Pragmatismus weist Berührungspunkte zur Lebensphilosophie und zum Positivismus auf.

Prahm: ungedecktes, kastenförmiges, flachgehendes Wasserfahrzeug für Arbeitszwecke (zum Beispiel Baggerprahm, Hebeprahm) oder für die Schubschifffahrt (dann meist mit Abdeckung).

Prähominiden: ausgestorbene Formengruppe eines urtümlichen menschlichen Typs, aus der stammesgeschichtlich die Euhomininen hervorgegangen sind. Stellte man früher die ganze Gruppe der Australopithecinen zu den Prähominiden, so wird neuerdings nur noch der Homo habilis (auch unter der Bezeichnung Australopithecus habilis) hierzu gerechnet.

Prahova: linker Nebenfluss der Ialomita, in Rumänien; 183 km; entspringt im Bucegi Gebirge (Südkarpaten) und durchfließt Muntenia.

Prairial: (französisch, «Wiesenmonat») der 9. Monat des Revolutionskalenders. Am 1. Prairial (20.5.) 1795 brach in Paris ein Aufstand der Sansculotten gegen den Thermidor-Konvent aus, der die sozialen Errungenschaften aus der Zeit der Jakobinerdiktatur liquidiert hatte. Der Aufstand wurde am

4. Prairial (23.5.) durch den Einsatz von Militär niedergeschlagen.

Präjudiz: 1. Vorurteil, vorgefasste Meinung.

2. Entscheidung eines Rechtsstreits, die für den Ausgang eines anderen verbindlich oder richtungweisend ist.

3. nachteilige Folge, die einem Prozessbeteiligten durch Unterlassen einer notwendigen Prozesshandlung entsteht.

Präkambrium: gesamter vor dem Kambrium liegender Zeitraum der Erdgeschichte, der in Katarchaikum, Archaikum, Proterozoikum und Riphäikum gegliedert wird. Zur Gliederung werden Diskordanzen als Folgen von tektonischen Vorgängen (präkambrische Kontinentaldrift, Gebirgsbildungen) verwendet, da fossile Lebensspuren fehlen oder selten sind.

Präkanzeröse: Gewebeveränderung mit den Zeichen eines Krebsvorstadiums.

Präkeramikum: keramiklose Frühphase der Jungsteinzeit; in Vorderasien, Südostasien, Südamerika und auf der Balkanhalbinsel nachgewiesen (in das 9./7.Jahrt. vor Christus datiert).

Prakrit: Bezeichnung für eine Anzahl mittel-indischen Sprachen. Ardhamagadhi ist die Sprache der kanonischen Jaina-Literatur ff Jainismus). In den klassischen Sanskritdramen werden Personen niederer sozialer Schichten durch die Verwendung von Prakrit Sprachen charakterisiert.

praktikabel: durch-, ausführbar, handhabbar, brauchbar, zweckmäßig.

Praktikabel: a) zerlegbares und zusammenklappbares Podest ähnliches Bauelement standardisierter Abmessungen, das einzeln oder als Baugruppe bei Filmaufnahmen zum Aufstellen der Scheinwerfer dient;

b) zerlegbarer Bühnenpodest Aufbau; Dekorationsteil auf der Bühne oder in Filmszenen, der im Spiel betreten werden kann (zum Beispiel Felsstück, Brücke).

Praktikant: ein sich auf die Praxis seines Berufes Vorbereitender; Anwärter; Teilnehmer an einem Praktikum.

Praktikum: Unterweisung und Übung der Studierenden in der praktischen Anwendung des Gelernten; wichtiger Bestandteil der Studienpläne aller Fachrichtungen der Universitäten, Hoch- und Fachschulen der DDR. In Abhängigkeit vom Ausbildungsziel finden Praktika in Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben, Bildungsinstitutionen, staatlichen, kulturellen und medizinischen Einrichtungen statt.

praktisch: auf die Praxis, Wirklichkeit bezogen; zweckmäßig, nützlich; geschickt; ausübend; tatsächlich, so gut wie.

praktizieren: eine Sache betreiben; als Arzt, als Rechtsanwalt tätig sein.

Praktizismus: engstirniges, spontanes, theoretische Fundierung mangelndes Handeln; Betreiben technisch-organisatorische Aufgaben unter Vernachlässigung der politisch-ideologischen Arbeit.

Prälat: höherer römisch-katholischer Geistlicher, in Süddeutschland auch Bezeichnung für evangelische Geistliche mit besonderen Amtsbefugnissen.

Präliminarien: Einleitung; Vorverhandlungen; vorläufige Übereinkünfte bei Verträgen (besonders bei Friedensverträgen).

Praline: kleinstückiges Schokoladenkonfekt mit verschiedenen Füllungen; benannt nach dem französischen Marschall du Plessis-Praslin (1598-1675).

Prallhang: steiler Hang in der konkaven Außenseite einer Fluss- beziehungsweise Talkrümmung gegenüber dem flachen Gleithang. Der Prallhang wird durch die verstärkte Seitenerosion wegen der Stromstrichverlagerung an die Flussaußenseite ständig unterschnitten. Die Hangabtragung ist am Prallhang dadurch intensiver.

Prallmühlen: vielgestaltiger Typ einer Feinzerkleinerungsmaschine. Prallmühlen unterscheiden sich unter anderem durch die Anordnung der Rotorwelle (vertikal oder horizontal), die Ausbildung des Rotors (Schlagstiftrotor oder Schleuderrad) und den bevorzugten Weg des Gutes durch den Mahlraum (radial oder axial). Sie erfordern wegen der Festigkeitszunahme des Aufgabegutes mit abnehmender Korngröße Prallgeschwindigkeiten von 60 bis 300 m/s. Eingesetzt werden Prallmühlen vor allem in der chemischen und Lebensmittelindustrie.

Präludium, Prélude: frei ausgeführtes, aber auch streng thematisch einleitendes Instrumentalstück; in selbständiger Form auch als Phantasiestück, Charakterstück oder Toccata (F. Chopin unter anderem).

Prämedikation: das Verabreichen von spezifischen Medikamenten als Vorbereitung auf Narkose und Operation.

Prämie: 1. Prämie, Leistungsprämie-. Geldbetrag (oder Sachwert), der für hervorragende individuelle oder kollektive Leistungen im sozialistischen Wettbewerb als materieller Anreiz zur Erfüllung und gezielten Überbietung der staatlichen Planaufgaben an Werktätige gezahlt wird. Siehe auch Prämienformen.

2. Prämie, Versicherungsprämie: Versicherungsbeitrag.

Prämienanleihe: Anleihe mit voller Kapitalrückzahlung plus ausgeloster Prämie bei oder neben relativ niedriger Verzinsung.

Prämiensystem: Festlegungen bei der Anwendung von Prämienlohnformen. Wesentliche Bestandteile eines Prämiensystem sind genaue Charakteristik der Arbeit mit der Anzahl der notwendigen Arbeitskräfte und Festlegung ihrer Aufgabenbereiche, die Beschreibung der zu beeinflussenden Faktoren, die Bedingungen für die Höhe der zu erreichenden Lohnprämie sowie ihre Staffelung und die Berechnung des ökonomischen Nutzens, der durch die Anwendung des Prämienlohnes eintritt.

Prämienvereinbarung: Festlegung der Bedingungen und der Höhe von Zielprämien für die termin- und qualitätsgerechte Erfüllung volkswirtschaftlich bedeutungsvoller Forschungs-, Entwicklungs-, Projektierungs- und Rationalisierungsaufgaben sowie anderer wichtiger Zielstellungen des Planes, die entscheidend zur beschleunigten Durchsetzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts beitragen.

Prämienzeitlohn: Lohnform, bei der der Zeitlohn durch Prämiensysteme ergänzt wird.

Prämisse: (lateinisch, «das Vorausgeschickte») jede der Voraussetzungen, aus deren Gesamtheit ein logischer Schluss gezogen wird; auch die erste der verknüpften Aussagen bei einer Implikation. Siehe auch Schlussregel.

Prämonstratenser: (dat., nach dem Gründungsort Premontre, südwestlich von Laon) nach Verfassung und Arbeitsgebiet (Landkultivierung, Ackerbau, Viehzucht, Gartenbau) den Zisterziensern ähnlicher kirchlicher Orden; gegründet 1120 von dem Wanderprediger Norbert von Xanten (um 1080-1134; seit 1126 Erzbischof von Magdeburg), fand rasche Verbreitung; seine Klöster wurden bald Stützpunkte der feudalen Ostexpansion.

pränatal: (dat.) vor der Geburt.

Pränataldiagnostik: Untersuchungen zur Erfassung von vorwiegend genetisch bedingten Missbildungen und Stoffwechselerkrankungen bei dem noch ungeborenen Kind. Die Pränataldiagnostik beruht in erster Linie auf dem Nachweis von Veränderungen der Chromosomen und auf biochemischen Untersuchungen an den im Fruchtwasser (Amniozentese) befindliche kindliche Zellen.

Prandtauer, Jakob, 15. oder 16.7.1660-16.9.1726, österreichischer Architekt; wurde vor allem mit seinem den landschaftlichen Gegebenheiten genial angepassten Hauptwerk, dem Neubau des Stifts Melk an der Donau (1702/14), neben Fischer von Erlach zum wichtigsten Klosterbaumeister des Barocks in seinem Land.

Prandtl, Ludwig, 4.2.1875-15.8.1953, Ingenieur und Physiker, wirkte in Göttingen, begründete durch zahlreiche Arbeiten über Aero- und Hydrodynamik die moderne Strömungslehre.

Pranger: Schandpfahl, an den im Mittelalter wegen einer entehrenden Straftat Verurteilte gebunden und zur Schau gestellt wurden.

Präparat: 1. etwas kunstgerecht Vor-, Zubereitetes (zum Beispiel Arznei).

2. aus biologischen Objekten (Tiere oder Pflanzen beziehungsweise deren Teile) hergestelltes dauerhaftes Demonstrationsmittel zu Lehr- und Forschungszwecken.

Präposition, Verhältniswort: unbeugbare Wortart, regiert den Kasus des Substantivs («auf» dem Tisch).

Präpositiv: notwendig mit einer Präposition verbundener Kasus, zum Beispiel im russischen Kasussystem vorhanden.

Präraffaeliten: («Anhänger der italienischen Maler vor Raffael»), Pre-Raphaelite Brotherhood: Vereinigung britischer Maler, Bildhauer und Schriftsteller, die 1848 von G. C. Rossetti, W. H. Hunt, J. E. Millais unter anderem gegründet wurde. Die Präraffaeliten wollten die Kunst des Viktorianischen Zeitalters reformieren durch Rückgriff auf die Vorläufer Raffaelscher Kunst. Sie forderten sorgfältiges Naturstudium, seelische Vertiefung, Finden neuer Kompositionsprinzipien anhand des Studiums der Frührenaissance. Themenbereiche ihrer Kunst waren neben der altenglischen Geschichte und Literatur auch religiöse Darstellungen. Einen wichtigen Beitrag leisteten sie zur Erneuerung des Kunstgewerbes. Auch auf die Dichtkunst bezogen sich ihre Reformbestrebungen.

Prärie: baumlose Grassteppe in Nordamerika; gekennzeichnet durch periodisch auftretende Dürrezeiten und häufiges Feuer; Viehweide, auf besserem Boden (Schwarzerde) Ackerbau.

Präriehunde: tagaktive murmeltierähnliches Nagetiere mit etwa 30 cm Kopf-Rumpf-Länge, kurzem Schwanz und gelblichsandfarbenem Fell; leben gesellig in weitverzweigten unterirdischen Bauen in Steppengebieten Nordamerikas; halten Winterschlaf.

Prärieindianer: verschiedenen Sprachgruppen angehörende nomadisierende oder halbnomadische Indianer, die nach Übernahme des Pferdes von Europäern die nordamerikanische Prärien bevölkerten (17./18. Jahrhundert, unter anderem Dakota, Cheyenne, Comanche, Blackfeet, Pawnee, Kiowa); ihre Lebensweise, Kultur und Wirtschaft wurden durch die Büffeljagd bestimmt; die Vernichtung der Büffelherden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert entzog ihnen die Lebensgrundlage, Reste leben seither in Reservationen.

Prasad: 1. Jaishankar, 24.1.1889-22.2.1937, indischer Lyriker, Dramatiker und Erzähler, schrieb in Hindi; Mitbegründer des Chayavad (Neuromantik), glorifizierte in seinen Werken die große Vergangenheit Indiens, so in den Dramen «Das Skelett» (1929), «Chandragupta» (1931), in dem Roman «Der Schmetterling» (1934) unter anderem

2. Rajendra, 3.12.1884-28.2.1963, indischer Politiker und Jurist; seit 1911 Mitglied der Kongresspartei, einer der engsten Mitarbeiter Gandhis und Führer der Partei in Bihar. 1934,1939 und 1947/48 Präsident der Kongresspartei, 1942/45 in britischer Haft, 1950/62 Staatspräsident.

Präsapiens Gruppe: fossile Menschenfeinde, die etwa 150000 bis 350000 Jahre zurückreichen. Der Präsapiens war der unmittelbare Vorfahre des Homo sapiens sapiens, wies jedoch noch eine Reihe von primitiven Merkmalen auf. Wichtige Fundorte von Vertretern der Präsapiens-Gruppe sind unter anderem Steinheim und Swanscombe (Südengland).

Präsens, Gegenwart: Tempus des Verbs, steht in Beziehung zur Zeitstufe der Gegenwart (unterschiedliche Anwendungsbereiche).

präsent: anwesend, gegenwärtig; zur Hand.

Präsent: Geschenk, Gabe.

Präsentation: Vorzeigung, Vorstellung; Abgabe; Vorlegung (eines Wechsels unter anderem).

Präsenz: Gegenwart, Anwesenheit; gegenwärtige Gesamtheit der Anwesenden, augenblickliche Stärke (zum Beispiel eines Heeres).

Präsenzbibliothek: Bibliothek, die ihre Bestände nur zum Gebrauch in ihren Räumen zur Verfügung stellt und nicht verleiht (zum Beispiel die Deutsche Bücherei in Leipzig), im Gegensatz zur Ausleihbibliothek.

Praseodym, fachsprachlich Praseodymium, Symbol Pr: chemisches Element der Kernladungszahl 59; Seltenerdmetall; Atommasse 140,9077; Wertigkeiten + 3, seltener +4, +2; F 935 °C; Dichte 6,77 g/ cm3. Praseodym ist silberweiß und ziemlich reaktionsfähig; die meisten Praseodym Verbindungen, zum Beispiel Praseodymoxid, Pr203, sind von grüner Farbe. Praseodymoxid wurde (neben Neodymoxid) erstmals 1885 von C. Auer von Welsbach durch Zerlegung des bis dahin für einheitlich gehaltenen Didymoxids hergestellt.

Präserve: Halbkonserve, die durch verschiedene Verfahren, zum Beispiel Salzen, Säuern, Pasteurisieren, für einen begrenzten Zeitraum haltbar gemacht wurde. Präserve müssen mit der Aufschrift «Zum alsbaldigen Verbrauch bestimmt!» und «Kühl lagern!» gekennzeichnet sein.

Präsident: Staatsoberhaupt einer Republik; Vorsitzender wichtiger staatlicher oder gesellschaftlicher Körperschaften (zum Beispiel eines Gerichts, einer Akademie) beziehungsweise von Vereinigungen.

Präsidialregierung: in bürgerlichen Staaten die vom Präsidenten (dem Staatsoberhaupt) eingesetzte Regierung, die sich, im Widerspruch zu den Grundsätzen des bürgerlich-demokratischen Parlamentarismus, nicht auf eine Parlamentsmehrheit stützen kann.

Präsidialrepublik: bürgerliche Regierungsform, bei der im Gegensatz zur parlamentarischen Republik eine stärkere verfassungsmäßige Trennung zwischen Legislative und Exekutive erfolgt. Die vollziehende Gewalt obliegt einem Präsidenten, der im Allgemeinen gleichzeitig Regierungschef ist und meist direkt gewählt wird. Präsident und Regierungsmitglieder sind vom Vertrauen des Parlaments unabhängig. Präsidialrepublik sind die USA und in modifizierter Form viele andere Staaten, besonders in Südamerika.

Präsidium: Vorsitz, Leitung; mit dem Vorsitz und der Leitung von wichtigen Staatsorganen, Tagungen, Kongressen, Versammlungen u. a. beauftragtes Kollektivorgan.

prästabilieren: vorausbestimmen; vorher festlegen.

präsumtiv: mutmaßlich, voraussichtlich; wahrscheinlich.

Prätendent: jemand, der Ansprüche auf ein Amt oder ein Recht, vor allem auf einen Thron, geltend macht.

Prätention, Prätension: Anspruch, Anmaßung; Dünkel.

Präteritum, Imperfekt, Vergangenheit: Tempus des Verbs, steht in Beziehung zur Zeitstufe der Vergangenheit.

präterpropter, Abkürzung pp.: ungefähr, etwa.

Prato: Stadt in Mittelitalien, in der Region Toskana; 160000 Einwohner; Maschinenbau, Leder- und Textilindustrie; Pinakothek; Dom (Fassade gotisch), Kastell (13. Jahrhundert), Kirchen und Paläste.

Pratolini, Vasco, geboren 19.10.1913, italienischer Erzähler und Drehbuchautor; einer der Hauptvertreter des Neorealismus; gestaltete in oft autobiographischen chronikartigen Romanen Probleme des Großstadtproletariats von Florenz («Die aus Santa Croce», 1944; «In den Straßen von Florenz», 1963; beide deutsch), die Anfänge des Faschismus und den Widerstandskampf der Arbeiter («Chronik armer Liebesleute», 1947, deutsch) sowie den Weg der Florentiner Arbeiterklasse 1875/1945 (Romantrilogie «Eine italienische Geschichte», 1955/66, teilweise deutsch).

Prätor: in der römischen Republik zuerst Bezeichnung für die beiden Konsuln (Staatsoberhäupter); seit 367 vor Christus für den höchsten Richter, der nach Ablauf der Amtszeit Provinzstatthalter (Pro Prätor) wurde.

Prätorianer: in der römischen Kaiserzeit die Angehörigen der kaiserlichen Leibgarde; 312 nach Christus von Konstantin I. aufgelöst.

Prats Gonzales, Carlos, 2.2.1915 bis 30.9.1974, chilenisches Militär; unterstützte die Unidad Popular-Regierung (1972/73 Innenminister, 1973 Verteidigungsminister); nach dem faschistischen Putsch im argentinischen Exil Opfer eines politischen Attentats.

Prättigau: 40 km lange Tallandschaft im Osten der Schweiz (Kanton Graubünden), unterhalb des Rätikon; von der Landquart zum Rhein entwässert; Grünlandwirtschaft, Obstbau; Wasserkraftwerke.

Prau: hochseetüchtiges Schiff der Indonesier mit 1 oder 2 Auslegern und einem Mast mit viereckigem Segel.

Prävalenz: 1. allgemein Vorrang, Übergewicht; Überlegenheit; das Vorherrschen.

2. Medizin: Bestand Erkrankter. Die Prävalenz gibt an, wie oft eine Krankheit bei Personen zu einem gegebenen Zeitpunkt (Punktprävalenz) oder in einer gegebenen Zeitperiode (Periodenprävalenz) vorkommt.

präventiv: vorbeugend, verhütend; zuvorkommend.

Präventivmedizin: Teil der Gesamtmedizin, der sich mit der Krankheitsvorbeugung, Gesundheitsforderung und -erziehung befasst. Zu den Aufgaben gehören die primäre Prävention (Maßnahmen zur Senkung der Zugangshäufigkeit von Erkrankungen), die sekundäre Prävention (Reduzierung der Bestandsrate von Erkrankungen) und die tertiäre Prävention (günstige Beeinflussung chronischen Restzustände von Erkrankungen).

Präventivmittel: vorbeugendes Mittel, besonders Arzneimittel; Empfängnisverhütungsmittel.

Praxis: (dat. griechisch, zu prattein, «machen», «tun») Philosophie die gegenständliche materielle Tätigkeit des Menschen, der gesellschaftlichen Prozess der materiellen Umgestaltung der objektiven Realität; umfasst in erster Linie die Produktionstätigkeit, die grundlegende Form der Praxis, und die unmittelbare Veränderung materieller gesellschaftlicher Verhältnisse, sodann materielle Tätigkeit in Politik, Wissenschaft, Kultur und anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, die objektive Realität unmittelbar verändert. In der Praxis wirkt der Mensch mit Hilfe der Theorie zielgerichtet und verändernd auf die Umwelt ein und verändert sich selbst. Die Praxis ist Grundlage, wichtigste Triebkraft und Ziel aller Erkenntnis sowie höchstes Kriterium der Wahrheit.

Praxiteles, griechischer Bildhauer des 4. Jahrhundert vor Christus aus Athen; Sohn von Kephisodot d. Ä.; berühmt vor allem durch seine Meisterschaft der Marmorbehandlung. Von seinen Werken sind in Kopien erhalten unter anderem Aphrodite von Knidos (Original etwa 340/330 vor Christus), Apoll Sauroktonos (Eidechsentöter); der Hermes von Olympia gilt als Original.

Präzedenzfall: Musterfall; vorangegangener Fall, der für die (rechtliche) Beurteilung späterer, gleicher oder ähnlicher Fälle von Bedeutung ist.

Präzession:

1. Astronomie: Verlagerung der Schnittpunkte zwischen Himmelsäquator und Ekliptik längs der Ekliptik. Die Kraftwirkungen von Mond und Sonne auf den Äquatorwulst der Erde, die als Kreisel aufgefasst werden kann, dessen Achse um 23°26' gegen die Senkrechte auf der Erdbahnebene geneigt ist, bewirken, dass die Rotationsachse der Erde den Präzessionskegel in 25 800 Jahren, dem sogenannt Platon. Jahr, einmal umläuft; infolgedessen durchläuft zum Beispiel der Nordpol des Äquators am Sternhimmel in dieser Zeit einen Kreis. Die Präzession wurde um 130 vor Christus von Hipparch entdeckt.

2. Physik: Kreisel.

Präzipitate: Geochemie Sedimente, die durch Ausfällung gelöster Elemente entstehen, zum Beispiel Natrium- und Kaliumchlorid oder Kalzium- und Magnesiumkarbonat.

präzis: (französisch) genau; treffend; knapp, bündig.

Präzisionsmessgerät: Messgerät mit einer Fehlerklasse besser als 0,5 (abhängig von der jeweiligen Messgröße). Siehe auch Betriebsmessgerät.

Präzisionsuhr: Uhr aus hochwertigem Material mit hohen Gebrauchswerteigenschaften, wie lange Lebensdauer, geringer Wartungsaufwand, und zuverlässigen, präzisen Zeitmessergebnissen bei geringstmöglicher Gangunsicherheit.

Preczang, Ernst, 16.1.1870-22.7.1949, Schriftsteller und Verleger; Mitbegründer und langjähriger Leiter der «Büchergilde Gutenberg», die zur Verbreitung bedeutender sozialkritische und sozialistische Literatur auch unter den Arbeitern beitrug; ab 1933 im Schweizer Exil; schrieb Gedichte, Kurzprosa und Dramatik über das Leben der Werktätigen («Im Strom der Zeit», 1908).

Preda, Marin, 5.8.1922-16.5.1980, rumänischer Schriftsteller; gestaltete in tiefempfundenen Novellen und Romanen das Leben im rumänischen Dorf vor und nach dem 2. Weltkrieg («Schatten über der Ebene», 1955/67, Band 1 deutsch) sowie das Verhältnis von Individuum und sozialistische Gesellschaft, so in «Die Verschwender» (1962, deutsch), «Der Einsame» (1972, deutsch) und «Das meistgeliebte Erdenwesen» (1980).

Predmost: bedeutende Fundstelle der jüngeren Altsteinzeit (etwa 30000/20000 vor Christus), unter anderem Venusstatuetten; bei Pferov (CSSR) gelegen.

Préférence: Kartenspiel französischen Ursprungs für 3 Personen mit 32 Karten; der Sieger muss wenigstens 6 Stiche machen.

Pregolja: Fluss im Gebiet Kaliningrad; 187 km; mündet bei Kaliningrad in die Wisla-Bucht der Ostsee; im Unterlauf schiffbar, durch Kanal mit dem Neman verbunden.

Preis: 1. staatliche oder gesellschaftliche Auszeichnung für hervorragende Leistungen auf verschiedenen Gebieten, die an Einzelpersonen oder Kollektive verliehen wird; zur staatlichen Auszeichnung gehören eine Medaille, eine Urkunde und eine Geldzuwendung; einige Preis werden in mehreren Klassen verliehen (in der Regel Klassen UI, H, I); staatliche Preis sind unter anderem Nationalpreis der DDR, Architekturpreis, Kunstpreis der DDR, während zum Beispiel der Kunstpreis des FDGB eine gesellschaftliche Auszeichnung ist. Siehe auch Ehrentitel, Medaille 2, Orden 2, staatliche Auszeichnungen.

2. in Geld ausgedrückter Wert einer Ware. Die Gestaltung der Preis beruht im Sozialismus auf 3 entscheidenden Merkmalen:

a) Der Wert ist das Gesetz der Preis Er bringt die Einheit von Wertproduktion und Wertrealisierung zum Ausdruck,

b) Der Preis ist im Sozialismus ein planmäßiger Preis (sozialistischer Planpreis). Seine Bildung und Entwicklung wird vom sozialistischen Staat geplant, analysiert und kontrolliert.

c) Im Preis kreuzen sich alle grundlegenden politischen und ökonomischen Probleme des sozialistischen Staates. Mit Hilfe des Preises verwirklicht zum Beispiel der sozialistische Staat die aus dem ökonomischen Grundgesetz abgeleitete Hauptaufgabe. Das kommt besonders in der Politik stabiler Verbraucherpreis für Waren des Grundbedarfs der Bevölkerung zum Ausdruck. Zugleich wird der Preis zum Erreichen des Ziels der Hauptaufgabe durch Beeinflussung der verschiedenen Faktoren der sozialistischen Intensivierung eingesetzt. Im Sozialismus werden die Preise auf der Grundlage der Wirkungsweise der ökonomischen Gesetze planmäßig gebildet. Ihre Bestimmungsgrundlage ist der gesellschaftlich notwendige Arbeitsaufwand, der sich im Ergebnis der Wertmodifikation als Schwankungszentrum der konkrete Preis herausbildet (Preis typ). Erfordernisse der Realisierung, wie sie in Angebot und Nachfrage, der Erzeugnis Substitution, den Gebrauchseigenschaften, sozialen Belangen u. ä. zum Ausdruck kommen, können zu Wert-Preis-Abweichungen führen. Die Dynamik in den Bedingungen von Produktion und Realisierung erfordert, die Preise planmäßig mit ihnen in Übereinstimmung zu halten. Dem dient die Preisplanung, die zugleich Effektivitätsrechnungen für künftige Zeiträume gestattet. Die tendenzielle Übereinstimmung der Preis mit dem gesellschaftlich notwendigen Arbeitsaufwand ist eine wesentliche Grundlage für die planmäßige Ausnutzung der Preisfunktionen. Grundfunktion des Preises im Sozialismus ist die Messfunktion. Sie wird ergänzt durch die Stimulierungs- und Verteilungsfunktion. In der Messfunktion dient der Preis vor allem Effektivitätsberechnungen. Als ökonomischer Hebel wirkt der Preis vor allem in Übereinstimmung mit dem gesellschaftlich notwendigen Arbeitsaufwand oder aber auch durch Wert-Preis-Abweichungen. Die Verteilungsfunktion des Preises wird bei der im Zusammenhang mit der planmäßigen Preisbildung erfolgenden Verteilung des Nationaleinkommens sowie der Berücksichtigung sozialer Belange im Preis deutlich.

Preisabschlag: Verminderung des Preises auf Grund preis- oder vertragsrechtlicher Bestimmungen.

Preisantragsverfahren: entsprechenden Bestimmungen unterliegender Prozess der Ausarbeitung, Beantragung und Prüfung von Preisen sowie deren Bekanntgabe und Dokumentation. Ein Preisantragsverfahren ist für jedes Erzeugnis notwendig, da alle Preise eine gesetzliche Grundlage haben müssen, außer wenn die Betriebe zur selbständigen Festsetzung von Preisen (fast ausschließlich Industriepreise) berechtigt sind.

Preisauszeichnung: Preisangabe für Waren oder Leistungen auf der Verpackung, dem Etikett, Preisschild beziehungsweise Preisverzeichnis. Die Preisauszeichnung ist Pflicht der Hersteller und Handelsbetriebe.

Preisbindung: verbindliche Festlegung der Abgabe- beziehungsweise Weiterverkaufspreise durch kapitalistische Produzenten. Preisbindung ist ein Mittel der monopolistischen Preispolitik, um höchstmögliche Profite zu sichern.

Preiselbeere, Vaccinium vitis idaea: immergrünes Heidekrautgewächs mit ledrigen Blättern, rosafarbenen oder weißen glockigen Blüten und roten, essbaren Beeren; kalkmeidend, vorwiegend in Nadelwäldern.

Preiskalkulation: Berechnung der für die Herstellung eines Erzeugnisses kalkulationsfähigen Kosten und des normativen Gewinns. Sie erfolgt entsprechend zentral vorgegebenen Richtlinien. Die Kalkulation mit Planwerten dient der Preisbildung bei neuen Erzeugnissen, die Nachkalkulation der Kontrolle der Kostenentwicklung. Die Preiskalkulation dient der Aufstellung von Kalkulationspreisen.

Preisklauseln: in kapitalistischen Ländern gebräuchliche preisrechtliche Sicherung in Preisangeboten, Kauf- und Lieferverträgen beziehungsweise -bedingungen. Dazu gehören

a) Preisänderungsklauseln (enthalten Bedingungen, unter denen der Anbieter zur Preis-änderung bereit ist, zum Beispiel Rabatt-, Zins- und Mengenklauseln);

b) Preisinhaltsklauseln (grenzen zwischen Vertragspartnern Transport-, Verpackungs-, Garantie- und andere Kosten ab);

c) Vorbehaltsklauseln (dienen vor allem der finanziellen Sicherung des Anbieters zum Beispiel bei instabilen Währungsverhältnissen).

Preislied: bei den germanischen Stämmen gepflegte Form der Lobpreisung zeitgenössische Helden (zum Beispiel Ludwigslied); im Hochmittelalter (zum Beispiel Walther von der Vogelweide) Lied, das Personen oder Personengruppen rühmt.

Preisminderung: angemessene Herabsetzung des Kaufpreises wegen Mängeln der Ware im Rahmen der Ansprüche aus der Garantie.

Preisnachlass: umgangssprachlich für Preisabschläge und Preisminderungen; früher auch Bezeichnung für Skonto und Rabatt.

doppeltes Preisniveau: Preishöhe einer Warengesamtheit, die für gleiche Erzeugnisse verschieden festgelegt wird. In der DDR gab es zum Beispiel ein doppeltes Preisniveau (bis in die 60er Jahre) für landwirtschaftliche Produkte (Erfassungs- und Aufkaufpreis) sowie (bis 1958) für rationierte und frei verkauft. Konsumgüter.

Preisobergrenze: Aufwandsbegrenzung für neue Erzeugnisse in der Vorbereitungsphase; wird aus internationalen Vergleichen, technisch-ökonomischer Vergleichen mit bereits produzierten Erzeugnissen oder direkten Nutzens Ermittlungen abgeleitet.

Preissanktion: frühere Bezeichnung für eine Vertragsstrafe, die bei Vertragsverletzungen ohne Prüfung der Abwendbarkeit der zugrunde liegenden Vertragsverletzung zu zahlen war.

Preisschleuderei: Form der Preisunterbietung in kapitalistischen Ländern zur Absatzförderung, zu der die Waren unter den allgemeinen üblichen Preisen (zum Schleuderpreis) angeboten werden. Die Preisschleuderei ist nicht mit dem Dumping gleichzusetzen, da die Preisschleuderei bei Klein- und Mittelbetrieben oft Ausdruck wirtschaftliche Notlage ist.

Preißler, Helmut, geboren 16.12.1925, Lyriker; schuf Gedichtsammlungen («Stimmen», 5 Teile, 1957/61; «Sommertexte», 1968; «Glück soll dauern», 1971; «Meine Sehnsucht: Der Mensch», 1976; «Erträumte Ufer», 1979; «Mein erstes Leben», 1983), Kantaten, Nachdichtungen.

Preisstellung; Abgrenzung der Transport- und Verpackungskosten zwischen Lieferer und Abnehmer. Die Preisstellung ist Bestandteil jeder Preisvorschrift. Gebräuchliche Transport-Preisstellung sind zum Beispiel «ab Werk verladen», «frei Versandstation verladen», «frei Empfangsstation», «frei Verkaufsstelle». Die Verpackungspreisstellung drückt aus, welche Verpackungskosten mit dem Preis abgegolten sind.

Preisstopp: staatlich angeordnete Begrenzung der Preisentwicklung. Preisstopp im Kapitalismus soll im Zusammenhang mit anderen ökonomischen Zwangsmaßnahmen als eine Form des Preisdiktats zur Vermeidung weiteren inflationistischen Preisanstiegs dienen und ist in der Regel mit Lohnstopp, Produktionsauflagen, Rationierung und anderen Zwangsmaßnahmen verbunden, die den ökonomischen und politischen Interessen der Ausbeuterklassen dienen.

Preisstützung, staatliche: zur Sicherung der Stabilität der Preise, insbesondere der Verbraucherpreise, vorgenommene planmäßige Zuführung von Haushaltmitteln an die Herstellerbetriebe. Im Kapitalismus dient die staatliche Preisstützung vor allem der Bereicherung der Monopole.

Preistyp: Existenzform des Wertes in seiner einfachen oder modifizierten Form, wie er aus der Wirkungsweise der ökonomischen Gesetze resultiert. Man unterscheidet Wertpreis (einfache Warenproduktion), Produktionspreis (Kapitalismus der freien Konkurrenz), Monopolpreis (Imperialismus) und sozialistischen Planpreis (Sozialismus).

Preisverstoß: Verletzung der Preisbestimmungen, vor allem durch Fordern oder Vereinnahmen höherer als der gesetzlich zulässigen Preise und durch Verletzung der Preisnachweispflicht; Ordnungswidrigkeit oder Straftat je nach Schwere des Preisverstoßes.

Preiswerk: Entwicklungsstufe des Handwerks, bei der der Handwerker im Unterschied zum Lohnwerk das Rohmaterial liefert.

prekär: (französisch) unsicher; heikel, schwierig.

Prellball: Rückschlagspiel zweier Mannschaften von je 3 bis 5 Spielern. Das Spielfeld ist in der DDR 9 m x 18 m groß und durch ein in 40 cm Höhe über dem Fußboden gespanntes Netz halbiert. Der Hohlball (ein Volleyball) ist bei jedem Schlag nach «unten» zu spielen und muss bei jedem Schlag (jeder Abgabe) auf den Boden geprellt werden. Gegner. Fehler zählen als Punkte. Spielzeit 2 x 10 min.

Preller, Friedrich d. Ä, 25.4.1804-23.4.1878, Maler; lebte 1828/31 in Rom, unternahm seit 1859 wiederholt Reisen nach Italien; wandte sich, beeinflusst durch J. AKoch, dem Thema der heroischen Landschaft zu und wurde in Neapel zu Odyssee-Zyklen inspiriert; schwankte stilistisch zwischen romantisierendem Realismus und idealisierendem Klassizismus.

Prellung: Körperverletzung nach stoßartigem Einwirken einer stumpfen Gewalt ohne Durchtrennung der Haut und ohne schwerere Verletzungen.

Premanand, 1636-1734, indischer Bhakti-Dichter, schrieb in Gujarati; seine Werke behandeln Episoden aus dem Leben des Gottes Krishna oder beruhen auf Sagen und alten Überlieferungen («Erzählungen über Nala», «Das Leben Sudams», «Draupadis Gattenwahl»). Sie zeichnen sich durch realistische Darstellung, dramatische Spannung und gefühlvolles Pathos aus. Viele seiner melodischen Gedichte sind heute noch sehr beliebt.

Premchand, eigentlich Dhanpat Rai, 31.7.1880-8.10.1936, indischer Erzähler, schrieb in Hindi und Urdu; gilt als der Begründer des kritischen Realismus in der Hindi-Literatur und war der erste Präsident der 1936 gegründeten «Vereinigung fortschrittlicher Schriftsteller Indiens». Er verfasste 15 Romane («Nirmala», 1925/26, deutsch; «Das Kuhopfer», 1936), 225 Erzählungen (dt. Auswahlbände «Eine Handvoll Weizen», 1959, «Der Brunnen des Thakur», 1961), 4 Dramen sowie literarisches Essays, die den indischen Unabhängigkeitskampf widerspiegeln.

Premiere: erste Aufführung einer Inszenierung (Theater, Film o. ä.).

Premierminister, Prime Minister: in einigen Ländern Bezeichnung für den Ministerpräsidenten.

Premysl II. Otakar, Ottokar II., um 1230-26.8.1278, König von Böhmen seit 1253; erwarb 1251/69 die Gebiete Österreich, Kärnten, Krain und Steiermark; in der Auseinandersetzung um sie wurde er von Rudolf I. von Habsburg auf dem Marchfeld besiegt und getötet.

Premysliden: nach dem sagenhaften Stammvater Piemysl: tschechisches Adelsgeschlecht; herrschten seit dem 9. Jahrhundert zunächst als Herzöge, seit 1085 (seit 1212 erbliche Königswürde) als Könige von Böhmen, 1306 im Mannesstamm erloschen.

Prenzlau: Kreisstadt im Bezirk Neubrandenburg, am Abfluss der Ücker aus dem Unteruckersee, Hauptort der Uckermark; 24000 Einwohner; Maschinen-, Armaturenbau, Zuckerfabrik, Trockenmilchwerk, Brauerei, Holz-, elektronische Industrie; Getreidewirtschafts-, Binnenfischereibetrieb; Bahnknoten; medizinische Fach-, Agraringenieurschule; Theater, Museum; neues Stadtzentrum; Marienkirche (13./14. Jahrhundert; zerstört im 2. Weltkrieg, im Wiederaufbau), Steintor (Volkssternwarte).

Preolit: Dachdeckungsmaterial aus bitumengetränktem und mit Sand bestreutem Glasvlies in Schindelform.

Prepaktverfahren: Herstellungsmethode für hochwertigen Beton mit minimalem Schwindmaß, besonders in klimatisch ungünstigen Gebieten. In ein gut verdichtetes Gemisch aus grobem Kies und Sand wird ein geschmeidiger Feinmörtel gepresst, so dass eine dichte Verkittung bei geringstem Mörtelverbrauch erzielt wird.

Préparation: Sammelbezeichnung für alle vorbereitenden Handlungen der Fechter für Angriff oder Abwehr. Die Préparation soll den Gegner ausforschen, sein Verhalten beeinflussen (Bedrängung) und ihn über eigene Absichten täuschen.

Preradovic, Petar, 19.3.1818-18.8.1872, kroatischer Dichter, einer der bedeutendsten Lyriker des Illyrismus mit patriotischen und Liebesgedichten in vollendeter sprachlicher Form. Philosoph, und religiöse Reflexionen enthält das Versepos «Die ersten Menschen» (1862) und die große Ode «Die Berufung des Slawentums» (1865).

Prerov: Kreisstadt in der CSSR (Nordmährischer Bezirk), inmitten des fruchtbaren Hornomoravsk oval; 48000 Einwohner; Düngemittel-, Plastikherstellung, Maschinenbau, Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie.

Presbyter: (lateinisch griechisch, «der Ältere») 1. urchristliche Gemeindeleiter (davon Priester abgeleitet).

2. in evangelischen Kirchen die Mitglieder des Kirchenvorstandes beziehungsweise Gemeindekirchenrates, die im Presbyterium (Kollegium der Presbyter) zusammengefasst sind.

Presbyterianer: Gruppe des englischen Protestantismus, die eine demokratische Gemeindeordnung nach kalvinistischen Vorbild erstrebte; 1560 als Staatskirche in Schottland entstanden, später über ganz England, Irland und Nordamerika verbreitet; verkörperte im 17. Jahrhundert die politische Opposition des Bürgertums und des verbürgerlichten Adels gegen den Feudalabsolutismus, rechter Flügel der Puritaner während der bürgerlichen Revolution 1640 in England.

Presbyterianische Kirchen: vom Kalvinismus geprägte Protestant. Kirchen in England, Schottland, Irland und Nordamerika; im Reformierten Weltbund u.a. Protestantische Kirchen zusammengeschlossen.

Preseren, France, 3.12.1800-8.2.1849, slowenischer Dichter, volksverbundener Romantiker von besonderer Bedeutung für die slowenische nationale Wiedergeburt; Meister kunstvoller lyrischer Formen («Sonettenkranz», 1833/34).

Preslaw: Stadt in Bulgarien, südwestlich von Schumen. Zweite Hauptstadt (893/972) des ersten Bulgarenreiches. 971 erstmals von Byzanz erobert; unter türkischer Herrschaft (14./19. Jahrhundert) verfallen. Seit 1927 systematische Ausgrabungen; heute zum Teil restauriert.

Presley, Elvis, 8.1.1935-16.8.1977, US-amerikanischer Sänger und Gitarrist; Rock ’n’ Roll-Interpret mit einer Gesamtauflage an Schallplatten von mehreren hundert Millionen, spielte in etwa 35 Filmen; wurde 1956 mit «Heartbreak Hotel» weltweit bekannt und zu einem Idol der amerikanischen und westeuropäischen Jugendlichen, das in einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß kommerziell verwertet wurde.

Presov: Kreisstadt in der CSSR (Ostslowakische Bezirk), nördlich von Kosice; 69 500 Einwohner; Elektrogeräte- und Präzisionsmaschinenbau, Leicht-, Lebensmittelindustrie; zentrales Forschungsinstitut der Metallurgie (Zentrum für Entwicklung von Industrierobotern); Flughafen; Kulturzentrum der ukrainischen Minderheit.

Pressburg: soviel wie Bratislava. Im Frieden zu Pressburg vom 26.12.1805 musste Österreich nach der vernichtenden Niederlage bei Austerlitz Venetien, Tirol, Vorarlberg, den Breisgau, Dalmatien und andere Gebiete an Frankreich abtreten und erhielt dafür Salzburg.

Presse:

1. Fertigungstechnik: Maschine zum Erzeugen einer Druckwirkung, die im Gegensatz zum Maschinenhammer nicht schlagartig, sondern stetig zunehmend auftritt. Nach der Art des Stößelantriebes werden mechanische und hydraulische Presse unterschieden. Bei mechanischer Presse wird die Energie eines angetriebenen Schwungrades für die Druckwirkung genutzt. Dabei durchläuft der Stößel bei weggebundenen Presse (Exzenter-, Kurbel-, Kniehebelpresse) stets eine festliegende untere Stellung. Bei arbeitsgebundenen Presse (zum Beispiel Reibspindelpresse) kommt der Stößel nach Aufzehren des Arbeitsvermögens im Schwungrad zum Stillstand. Bei hydraulischer Presse wird die Presskraft mittels Hydraulikflüssigkeit (meist Öl oder Wasser) durch Pumpen und druckübersetzende Kolben sowie Zylinder oder spezielle Druckspeicher (Akkumulatoren) erzeugt. Presse werden meist für Verfahren der Blech- und Massivumformung eingesetzt.

2. Journalistik: ursprünglich Bezeichnung für Druckpressen und davon abgeleitet, für die gesamte durch sie hergestellte Literatur, heute Gesamtheit des Zeitungs- und Zeitschriftenwesens. Die Presse ist als politische ideologische Institution Instrument gesellschaftlicher Kräfte im Klassenkampf (Massenmedien). Wichtigste technische Grundlage für das Entstehen der Presse war die Erfindung des Buchdrucks. Erste Wochenzeitungen erschienen 1609 in Straßburg und Wolfenbüttel; Vorbild einer konsequent revolutionären Presse ist die «Neue Rheinische Zeitung», herausgegeben 1848/49 von K. Marx und F. Engels. Die «Iskra», 1900 von W. I. Lenin gegründet, war erstes Organ einer Presse neuen Typs. Als kollektiver Agitator, Propagandist und Organisator mit enger Verbindung zu den Massen ist die sozialistische Presse in den sozialistischen Ländern ein wichtiges bewusstseinsbildendes Instrument; in kapitalistischen Ländern wird der größte Teil der Presse von den Monopolen beherrscht (Manipulation).

Pressefest: Volksfest sozialistischer Zeitungen mit kulturellen und sportlichen Veranstaltungen, Ausstellungen und Aussprachen zwischen Redakteuren und Lesern; seit 1954 von ND und den SED-Bezirkszeitungen jährlich einmal veranstaltet. Pressefest werden auch von Sozialist Zeitungen anderer sozialistischer Länder wie auch kapitalistische Länder durchgeführt.

Pressekonferenz: Informationsveranstaltung für geladene Journalisten anläßlich eines politisch bedeutsamen Ereignisses; einberufen durch eine Institution beziehungsweise Person gemäß staatlicher Regeln.

Pressen:

1. Buchbinderei: das Verzieren von Buchdecken mittels Prägefolie unter anderem in Prägepressen; auch der Vorgang selbst. Siehe auch Prägen.

2. Textilveredlung: Erzeugen einer dichten Oberfläche und eines gewissen Glanzes auf textilen Flächengebilden mittels Mulden- oder Spanpresse.

3. Werkstoffkunde: Umformen beziehungsweise Verdichten von Werkstoffen unter (hohem) Druck; zum Beispiel werden in der Plastikverarbeitung Duroplaste in Form von Pressmassen verpresst. Bei Temperaturen von 150 bis 170 °C und Drücken bis 50 MPa werden die Pressmassen in beheizten Pressen plastisch verformt und zugleich ausgehärtet. Zum Pressen werden im Allgemeinen hydraulischen Kolbenpressen (bis 105kN Presskraft) mit elektrisch beheizten Presswerkzeugen verwendet. Zur Produktion kleinerer Pressteile in großen Serien werden Pressautomaten, auch in Rundläufer-Bauart, eingesetzt.

Pressezentrum: nationale oder internationale, von staatlichen oder gesellschaftlichen Organen für ständig oder zeitweise eingerichtete Institution zur Förderung der journalistischen Arbeit insbesondere ausländische Korrespondenten bei besonderen Anlässen (Jahrestage, Messen, Parteitage).

Pressgaskondensator: Hochspannungstechnik Kondensator bis 1 MV mit koaxialen Elektrodenzylindern in gasgefülltem Isolierstoffgefäß und etwa IMPa Druck, der eine sehr konstante Kapazität und geringen Verlustfaktor aufweist.

pressieren: (französisch) drängen, treiben; eilig sein.

Pressdeckung, Pressing: Basketball enge Manndeckung der gegnerischen Mannschaft auf dem gesamten Spielfeld nach eigenem Ballverlust.

Presskopf: in Schweinemagen gefüllte Sülzwurst aus Schweinekopf, Eisbein und Schwarten.

Presslagenholz: über 10 % verdichtetes Lagenholz.

Pressmagnet: aus ferromagnetischen metallischen oder oxidkeramischen Pulvern von 1 bis 100 |im Korngröße mit Isolier- und Bindemitteln unter hohem Druck und hoher Temperatur gepresster Magnetkörper für Kleinmaschinen und Messgeräte; aus Barium Ferrit Pulver mit Elasten und Gummi entsteht sogenannter Magnetgummi.

Pressmassen, Pressstoffe: Gemische aus Duroplast Vorkondensaten (meist Phenol-, Harnstoff-, Melamin- oder Polyesterharz) mit organischen oder anorganischen Füllstoffen (Holzmehl, Zellstoff, Textilfasern und -Schnitzel, Gesteinsmehl, Glas- und Asbestfasern) in Verhältnissen von 3:7 bis 6:4. Der Füllstoff ist in den Pressmassen von gleicher Bedeutung wie die als Bindemittel wirkende Harzkomponente, da er entscheidend mechanische Festigkeit, thermische Beständigkeit, Feuchtigkeitsaufnahme, Kriechstromfestigkeit und andere Eigenschaften der hergestellten Formteile bestimmt. Aus Pressmassen werden durch Pressen sowohl Massenartikel (Verpackungsdosen, Armaturen- und Bedienteile, Elektroinstallationsmaterial unter anderem) als auch komplizierte technischen Formteile (zum Beispiel Gehäuse für Telefonapparate) hergestellt; hierbei erfolgt unter Wärme- und Druckeinwirkung die Aushärtung der Harzkomponente.

Pressung: Ausatmungsbewegung bei geschlossener Stimmritze. Dadurch entsteht ein Überdruck im Brustraum mit Verminderung des Blutrückstromes zum Herzen. Wird die Menge des erfordert. Schlagvolumens unterschritten, so kann es zu kurzfristiger Durchblutungsstörung des Gehirns mit «Schwarzwerden vor den Augen» kommen. Pressung ist bei speziellen Kraftübungen, zum Beispiel Gewichtheben, nicht zu vermeiden.

Pressvollholz, Pressholz: mit über 20 MPa bei 130 bis 160 °C in einer, oder rechtwinklig zueinander in 2 Richtungen senkrecht zur Faserrichtung verdichtetes Holz; verwendet zum Beispiel für Isolierteile, Griffe u. ä. in der Elektrotechnik.

Prestes, Luis Carlos, geboren 3. 1.1898, brasilianischer Arbeiterführer, Militär; in den 20er Jahren Führer einer kleinbürgerlich-revolutionären Bewegung «Junger Offiziere» (Tenentismo); leitete 1924 einen Militäraufstand und 1924/27 den Kampf der Kolonne Prestes; danach Übergang auf proletarischen Positionen; seit 1934 Mitglied der KP, 1943/80 deren Generalsekretär; wiederholt in der Illegalität.

Prestige: gesellschaftliches Ansehen; kann Personen, Gruppen von Menschen, Funktionen, Berufen, Tätigkeiten unter anderem zukommen. Im Kapitalismus wird das Prestige manipuliert; in der sozialistischen Gesellschaft ist es abhängig von Leistungen für die Gesellschaft, die allgemein anerkannt werden.

prestissimo: (italienisch) Musik mit äußerster Schnelligkeit.

presto: Musik sehr schnell.

Preston: Stadt im Westen Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Lancashire, am Ribble; 100000 Einwohner; Maschinen-, Flugzeug- und Fahrzeugbau; Kunstfaserfabrik; Seehafen; Lateinschule (gegründet 1550); Kunstgalerie.

Pretiosen: kostbarer Schmuck; Geschmeide.

Pretoria: Hauptstadt der Republik Südafrika (Regierungssitz) und Verwaltungszentrum von Transvaal, 1365 bis 1450 m über dem Meeresspiegel; 560000 Einwohner; Eisenmetallurgie; außerdem Zement-, chemische, Metallindustrie; Verkehrsknoten, 15 km südlich internationaler Flughafen; Akademien, 2 Universitäten, Observatorium; Museen; Zoo.

Pretzsch, Pretzsch an der Elbe: Stadt im Kreis Wittenberg, Bezirk Halle, am Nordrand der Dübener Heide; 3000 Einwohner; Kur- und Erholungsort mit Eisenmoorbad; Renaissanceschloss (1571/74; Kinderheim), Barockbauten.

Preuß, Hugo, 28.10.1860-9.10.1925, Staatsrechtslehrer und Politiker; Hauptgestalter der Weimarer Verfassung.

Preußen: ursprünglich Land der Pruzzen; während der feudalen Ostexpansion im 13. Jahrhundert vom Deutschen Ritterorden erobert, wobei die slawische Bevölkerung unterdrückt und vielfach ausgerottet wurde. Der Ordensstaat erlitt 1410 in der Schlacht bei Grunwald eine vernichtende Niederlage durch ein polnisch-russisches litauisches Heer und musste 1466 die polnische Lehnshoheit anerkennen. 1525 wurde das Gebiet weltliches Herzogtum, das 1618 Brandenburg zufiel und 1660 im Frieden von Oliva Souveränität erlangte. 1701 wurde das Herzogtum Brandenburg-Preußen zum Königtum Preußen erhoben. Seit dem 18. Jahrhundert entwickelte sich Preußen zum Militärstaat und Zentrum des reaktionären militaristischen Junkertums mit Durchsetzung der ostelbischen Gutsherrschaft und territorialer Ausdehnung durch den Raub Schlesiens und von Gebieten Polens. Die Niederlage im Krieg gegen Frankreich 1806/07, durch die Preußen mehr als die Hälfte seines Territoriums verlor (Tilsit), ebnete den Weg für bürgerliche Reformen als Voraussetzung für die Teilnahme am Befreiungskrieg 1813/14 an der Seite Russlands. Durch den Wiener Kongress 1814/15 wurden das Rheinland, Westfalen und Teile Sachsens preußisch. Die Entwicklung der industriellen Zentren Oberschlesien und Rheinland zwang zur Lösung herangereifter wirtschaftlicher Probleme (Bildung des Deutschen Zollvereins 1834). Nach der Revolution im März 1848 verbündete sich die preußische Bourgeoisie mit den Junkern. 1871 wurde unter Führung Preußens der deutsche Nationalstaat in Form des Kaiserreiches geschaffen. Nach dem Sturz der Hohenzollerndynastie durch die Novemberrevolution 1918 wurde Preußen Freistaat; nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus durch die Sowjetarmee und die anderen Armeen der Antihitlerkoalition wurde durch das Gesetz des Alliierten Kontrollrats in Deutschland vom 25.2.1947 der Staat Preußen aufgelöst.

Preußenfisch, Dascyllus aruanus: bis 10 cm langer Korallenbarsch mit 3 schwarzen Querbinden auf weißem Grund; bewohnt Korallenriffe im Roten Meer und an den Küsten des Indischen und Stillen Ozeans; wird in Meeresaquarien gehalten.

Preußischer Bund: 1440 von 53 preußischen Landadligen und 19 Städten gegründeter Bund zur Durchsetzung der ständ. Mitbestimmung gegenüber dem Deutschen Ritterorden; stellte sich 1454 unter polnischem Schutz.

Preußisches Allgemeines Landrecht: preußisches Gesetzbuch von 1794, stark feudalistisch durchsetzt. Es regelte kasuistisch fast alle Rechtsgebiete; seine zivilrechtlichen Regelungen galten im größeren Teil Preußens bis 1900 (Inkrafttreten des BGB).

Preußisch/Österreichisch-Dänischer Krieg: dynastische Krieg Preußens und Österreichs 1864 gegen Dänemark um den Besitz der Herzogtümer Schleswig und Holstein. Im Frieden von Wien 1864 musste der dänische König die Herzogtümer abtreten. Die Friedensbedingungen ermöglichten Preußen, Österreich zu provozieren und seinen Ausschluss aus dem Deutschen Bund vorzubereiten.

Preußisch-österreichischer Krieg: Krieg 1866 zwischen Preußen (und einigen norddeutschen Staaten) und Österreich (im Bündnis mit Sachsen, Hannover, Bayern, Württemberg, Baden unter anderem) um die Vorherrschaft in Deutschland. Nach der Entscheidungsschlacht bei Königgrätz (3. 7. 1866) musste Österreich der Auflösung des Deutschen Bundes, der Annexion von Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt am Main durch Preußen sowie der staatlichen Neugestaltung Deutschlands ohne Österreich zustimmen (Norddeutscher Bund). Der Krieg beendete den preußisch-österreichischen Dualismus.

Prévert, Jacques, 4.2.1900-11.4.1977, französischer Lyriker und Drehbuchautor, zunächst Surrealist; ab 1930 stark politisch engagiert (unter anderem in der Résistance), seit 1944/45 einer der volkstümlichsten Lyriker Frankreichs («Gedichte und Chansons», 1946, teilweise deutsch); schrieb auch Drehbücher («Die Liebenden von Verona», 1948) und Chansons.

Prévost d'Exiles, Antoine-François, genannt Abbé Prévost, 1.4.1697 bis 23.11.1763, französischer Romancier; Herausgeber der Zeitschrift «Le Pour et le Contre» (1733/40); Verfasser zahlreicher sensualistischer Romane, von denen «Manon Lescaut» (1733, deutsch) wegen seines sozialen Realismus und seiner psychologischen Darstellungskunst weltliterarische Bedeutung erlangte.

Prévost-Paradol, Lucien Anatole, 8.8.1829-11.7.1870 (Selbsttötung), französischer Schriftsteller und Journalist; seit 1851 Mitarbeiter des «Journal des Débats»; verfasste unter anderem eine Lobrede auf Bernardin de Saint-Pierre (1850), politisches und literarisches Essays (1859/63).

Prey, Hermann, geboren 11.7.1929, Sänger (Bariton) der BRD; debütierte 1952 in Wiesbaden; seit 1953 Mitglied der. Hamburger Staatsoper; ist als ausgezeichneter Opern-, Lied- und Oratoriensänger in den internationalen Musikzentren erfolgreich.

Preyer, William Thierry, 4.7.1841-15.7.1897, Psychologe und Physiologe; Begründer der Kinderpsychologie, schrieb unter anderem «Die Seele des Kindes» (1882), «Die geistige Entwicklung in der ersten Kindheit» (1893).

preziös: (französisch) kostbar, veraltet geziert, geschraubt.

Priamel: kurze Form der Spruchdichtung, der Gnome und dem Epigramm ähnlich. Die Priamel häuft einander ähnelnde. Begriffe, die im Schlussvers scherzhaft oder satirisch pointierend in einen allgemeinen Begriff (allgemeines Urteil) münden. Aus volkspoetischen, oft improvisierten Formen der mittelalterliche Dichtung entwickelt, wurde die Priamel zu einer beliebten Form bei den Meistersingern (H. Rosenplüt, H. Folz unter anderem); im 17. Jahrhundert von Dichtern wie F. von Logau gepflegt.

Priamos, in der griechischen Sage König von Troja, Vater von 50 Söhnen und Töchtern (zum Beispiel Hektor, Paris, Kassandra); löste im Trojanischen Krieg den Leichnam des gefallenen Hektor bei Achilles aus.

Priapeen: in der Antike kleine scherzhafte Gedichte voll derber Erotik.

Priapismus: (griechisch, nach Priapos) andauernde, schmerzhafte Versteifung des Penis ohne geschlechtliche Erregung; besonders bei organischer Rückenmarkerkrankungen, aber auch aus vielen anderen Ursachen.

Priapos: im antiken Volksglauben personifizierter Ausdruck der Fruchtbarkeit, später zur Gottheit geworden; meist mit übergroßem Phallus als Sinnbild der Geschlechtskraft dargestellt.

Pribislaw: 1. gestorben 1150, Fürst der slawischen Heveller, trat zum Christentum über und nahm den Namen Heinrich an, machte den Askanier Albrecht den Bären zum Erben seines Landes.

2. gestorben 1178, Sohn des Abodritenfürsten Niklot, Fürst von Mecklenburg; kämpfte gegen Heinrich den Löwen, erhielt aber von diesem 1167 das Erbe seines Vaters als feudales Lehen zurück.

Prichard, Katharine Susannah, 4.12.1883-2.10.1969, australische Schriftstellerin; schrieb sozialkritische Dramen, Romane und Erzählungen und trat für die Gleichberechtigung der Frau, die Rechte der Ureinwohner und die Interessen des Proletariats ein; das Diamant- und Goldfieber in Australien schildert sie in «Schwarzer Opal» (1921, deutsch), «Goldrausch» (1946, deutsch), «Die goldene Meile» (1948, deutsch); schrieb auch Gedichte und die Autobiographie «Kind des Sturms» (1963).

Priel: bei Ebbe noch länger wasserführende grabenartige Rinne unterschiedlicher Breite im Watt einer Gezeitenküste.

Prießnitz, Vincenz, 5.10.1799-28.11.1851, Heilpraktiker, ursprünglich Landwirt; entwickelte auf Grund praktischer Erfahrungen für die verschiedensten Krankheitszustände eine Kaltwasserbehandlung; nach ihm wird eine kalte, feuchte Kompresse Prießnitz Umschlag genannt.

Priester: (griechisch presbyteros, «der Ältere») durch die Priesterweihe in sein Amt berufener Geistlicher der römisch-katholischen, orthodoxen und anderer Kirchen; in der evangelischen Kirche nur durch Ordination beauftragte Pastoren. Siehe auch Presbyter 1.

Priestley: 1. John Boynton Priestley, 13.9.1894 bis 14.8.1984, englischer Schriftsteller, Dramatiker und Kritiker; schrieb kritisch-realistische Romane («Die guten Gefährten», 1929, deutsch; «Verdunkelung in Gretley», 1942, deutsch; «Saturn über dem Wasser», 1961, deutsch; «Du bist in einem alten Land», 1967, deutsch) und psychologisch vertiefte Dramen («Gefährliche Kurve», 1932, deutsch; «Ein Inspektor kommt», 1946, deutsch).

2. Joseph Priestley, 13.3.1733-6.2.1804, britischer Philosoph und Naturforscher, Vertreter des Deismus. Nach Priestley ist der Materie Aktivität und Bewegung eigen. Die Kirche erklärte er als Feindin der Wahrheit. Priestley fing als erster Gase über Quecksilber auf und hatte dadurch großen Anteil an ihrer Erforschung; so entdeckte er unabhängig von C. W. Scheele 1774 den Sauerstoff. Er schrieb u. a. eine Geschichte der Elektrizitätslehre und der Optik.

Prignitz: flachwelliges Gebiet zwischen Elbe, Löcknitz, nördlicher Landrücken und Dosse, in den Bezirken Schwerin und Potsdam; im Nordwesten Ackerbau, im Südosten überwiegend Kiefernwald; Nahrungsmittel-, Holz-, Baustoffindustrie.

Prigogine, Ilya, geboren 25.1.1917, belgischer Physiker und Physikochemiker; bedeutende Leistungen zur Thermodynamik irreversibler Prozesse und ihrer Anwendung in Chemie und Biologie.

Prilep: Stadt in Makedonien, in der Pelagonija; 65000 Einwohner; Werkzeugmaschinenbau, Tabakindustrie; Handelszentrum; Verkehrsknoten; orientalische Altstadt.

prima, Abkürzung pa., Zeichen Ia: erstklassig, von bester Qualität.

Primadonna: (italienisch, «erste Dame»; PI. -donnen)

a) führende Sängerin besonders in der Oper;

b) Gesangsstar.

primär: (französisch) wesentlich; ursprünglich; anfänglich.

Primäraffekt: erstes wahrnehmbares Stadium bestimmter Infektionskrankheiten, zum Beispiel bei Syphilis und Tuberkulose.

Primärenergie: Gesamtheit der Primärenergieträger (Energieträger), aus denen Gebrauchsenergie in anwendungsgerechter Form erzeugt wird (Elektrizität, Dampf, Heißwasser, Koks, Kraftstoff u. ä.).

Primärkreis: Stromkreis in Transformatoren, Asynchronmaschinen unter anderem, der die Energie aufnimmt Gegensatz Sekundärkreis, der die Energie abgibt.

Primärmetall: aus Erz oder Erzkonzentraten erzeugtes, noch nicht gebrauchtes Metall, im Unterschied zum Sekundärmetall (Sekundärrohstoff). Primärschulen Sekundarschulen.

Primärton: während der Filmbildaufnahme am Drehort aufgenommene Schallereignisse, die zum Beispiel wegen Störgeräuschen für die endgültige Bild-Ton-Kopie nicht geeignet sind. Der Primärton dient als Vorlage für das Nachsynchronisieren.

Primas: (lateinisch; «der Erste, Oberste») in einigen Ländern Ehrenbezeichnung für den ersten Bischof einer Kirche mit besonderen Rechten.

Primasprit: zur Bereitung von Spirituosen geeigneter rektifizierter Äthylalkohol mit einem Volumenanteil an Alkohol von etwa 96 %; frei von anderen Alkoholen (sogenannt Fuselölen) und ohne Nebengeruch oder -geschmack. Siehe auch Äthanol.

Primaticcio, Francesco, 30.4.1504-um 1570, italienischer Maler und Architekt; war seit 1532 an der Ausgestaltung von Schloss Fontainebleau in Frankreich beteiligt; als vielseitiger Dekorateur des Manierismus führte er den Stil Parmigianinos weiter und wurde zum Hauptmeister der Schule von Fontainebleau.

prima vista: (italienisch, «auf den ersten Blick») Musik vom Blatt (spielen).

Prime: a) 1. Stufe der diatonischen Tonleiter,

b) als Intervall Einklang.

Primelgewächse, Primulaceae: Familie krautiger Pflanzen mit radiären, meist fünfzähligen Blüten und Kapselfrüchten; oft ausdauernde Rosettenpflanzen zum Beispiel die Gattung Primel (Primula). Heimische, im Frühjahr gelbblühende Arten sind die Waldprimel (Primula elatior) und die Wiesenprimel (Primulaceae veris), auch Himmelschlüssel oder Schlüsselblumen (u. N.) genannt, in den Alpen die gelbblühende Aurikel (Primula auricula). Die Gartenprimel (P. hortensis) ist eine Zierpflanze.

Primelkrankheit: durch Überempfindlichkeit gegen bestimmte Primelarten hervorgerufene, meist im Gesicht und an den Händen auftretende Hautentzündungen.

Primer: (englisch «Grundierer») Präparat, das vor dem Anstrichstoffbeschichten von Metallteilen als Haftgrundvermittler aufgetragen wird und durch Reaktion mit der Metalloberfläche eine gute Haftfestigkeit des Anstrichs gewährleistet.

Primgeiger, Primarius: der 1. Geiger eines Streichquartetts oder Kammermusikensembles.

primitiv: im Urzustand, ursprünglich; einfach, dürftig; geistig gering entwickelt.

Primitivismus: Haltung in der spätbürgerlichen Kunst seit der Jahrhundertwende, die durch die Hinwendung zur Kunst der Naturvölker als Reflexion auf die Entfremdungserscheinungen der gesellschaftlichen Wirklichkeit gekennzeichnet ist. In den Bemühungen um Harmonie zwischen Mensch und Umwelt sollte die Bildsprache der frühen Kulturen der Humanisierung der kapitalistischen Gesellschaft dienen. Fördernd wirkte der Primitivismus für das Verständnis der außereuropäischen und prähistorischen Kulturen. Er entdeckte die Ursprünglichkeit der Kinderzeichnungen und rückte die naiven, eigenwillig-poetischen Darstellungen von Laienmalern (zum Beispiel H. Rousseau) in den Blickpunkt. Selbst konnte er aber mit seinen bewusst vereinfachenden Bildschöpfungen keine Breitenwirkung erreichen.

Primitivorgane: Vorstufen der histologisch differenzierten Organe der Tiere; ursprünglich eine Bezeichnung für die beiden primären Keimblätter 2 (Ekto- und Entoderm).

Primo de Rivera y Orbaneja, Miguel, 8.1.1870-16.3.1930, spanischer General und Politiker; errichtete am 13.9. 1923 eine Militärdiktatur, die 1930 unter dem Druck der Volksmassen zusammenbrach.

Primogenitur: in den meisten Monarchien Alleinerbfolge des ältesten Sohnes; besonders im späteren Mittelalter; gelangte teilweise auch für adligen und bäuerlichen Grundbesitz zur Anwendung.

Primorje, Küstenregion-. Region im Süden des Fernen Ostens der RSFSR, östlich des Ussuri, am Japanischen Meer; 165 900 km2, 2,11 Millionen Einwohner; 13 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Wladiwostok-, Gebirgsland (Sichote-Alin, bis 1855 m), zu 74 % bewaldet; im Südwesten Chankaniederung; Bergbau (Kohle, Buntmetallerze), Buntmetallurgie, Holzverarbeitung, Fischfang sowie Maschinen- und Schiffbau; Getreide- (Weizen, Mais), Futterpflanzen-, Sojabohnenanbau sowie Pelztier- und Renzucht; umfangreiche Hafenwirtschaft (Wladiwostok, Nachodka, Wostotschny).

Primus: Klassenerster (in bürgerlicher Schulen).

Primus inter pares: Erster unter (den im Rang) Gleichen.

Primzahl: natürliche Zahl, die keine von 1 und ihr selbst verschiedene natürliche Zahl zum Teiler hat, zum Beispiel 2, 3, 5, 7, 11, 13, 19, 23, ... Alle anderen natürlichen Zahlen außer der 1 heißen zusammengesetzte Zahlen. Die Zahl 1 wird weder zu diesen noch zu den Primzahlen gerechnet. Die Primzahlen spielen eine grundlegende Rolle bei der Untersuchung der Teilbarkeit der natürlichen Zahlen. Sie stellen eine multiplikative Basis für alle natürlichen Zahlen dar. Jede zusammengesetzte Zahl ist, abgesehen von der Reihenfolge, nur in einer Weise als Produkt von Primzahlpotenzen darstellbar. Diese Tatsache wird als Fundamentalsatz der elementaren Zahlentheorie bezeichnet. Eine solche Darstellung nennt man Zerlegung in Primfaktoren oder Primzahlenzerlegung. Es gibt unendlich viele Primzahl Ein Beweis dafür findet sich bereits in den «Elementen» Euklids. Die größte derzeit bekannte Primzahl ist 2216051-1. Siehe auch Mersennesche Primzahlen.

Primzahlzwillinge: zwei Primzahlen, deren Differenz 2 ist. Die kleinsten Primzahlzwillinge sind (3, 5), (5, 7), (11, 13), (17, 19).

Prince of Wales: («Fürst von Wales») seit 1301 Titel der englischen beziehungsweise britischer Thronfolger; damit sollte ursprünglich der Eindruck erweckt werden, dass das von England annektierte Wales einen eigenen Fürsten hat.

Prince-of-Wales-lnsel: Insel im kanadisch-arktischen Archipel, zu Kanada gehörend; 33338 km2, unbewohnt; bis 240 m über dem Meeresspiegel; aus glazial überformten paläozoischen Gesteinen aufgebaut; spärliche Tundrenvegetation.

Princeps: 1. in der römischen Republik der erste der Senatsliste (Princeps senatus).

2. in der römischen Kaiserzeit bis Ende des 3. Jahrhundert ein Titel der Kaiser.

Prince Rupert: Stadt in Kanada, im Westen der Provinz Britisch-Kolumbien, an der Mündung des Skeena in den Stillen Ozean; 17000 Einwohner; Fischfang und -Verarbeitung, Zellstoffindustrie; eisfreier Hafen, Fährverkehr, Flughafen; Museum (Indianerschnitzereien).

Princip, Gavrilo, 30.6.1894-29.4.1918, bosnische Gymnasiast; Anhänger der großserbischen nationalistischen Bewegung; erschoss am 28.6.1914 in Sarajevo den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und gab damit den aggressiven deutschen und österreichischen Kräften den Anlass für den 1. Weltkrieg.

Principe: eine der Hauptinseln von Sao Tomé und Principe, im Golf von Guinea; 128 km2, 10000 Einwohner; Hauptort und -hafen Santo Antonio; vulkanische Entstehung und bis 948 m hoch; im Süden tropischer Regenwald; Kakao, Kaffee und Kopra.

Printe: kräftig gewürzter, durch Kandiszuckersplitter meist mehr oder weniger harter Pfeffer- beziehungsweise Lebkuchen.

Prinz: Sohn aus fürstlicher Familie, Titel des nichtregierenden Glieds einer fürstlichen Familie; weibliche Form Prinzessin.

Prinz-Eduard-Insel: Insel und Provinz im Südosten Kanadas, im südlichen Sankt-Lorenz-Golf; 5 657 km2, 120000 Einwohner; 21 Einwohner/km2; Hauptstadt Charlottetown. Kleinste, aber am dichtesten bevölkerte Provinz Kanadas; hügelig, bis 142 m hoch, stark gegliederte Küste, zum Teil Steilküste; gemäßigtes Seeklima; 45 % Waldbedeckung, meist Laubwald. Hauptwirtschaftszweig ist die Landwirtschaft mit Futterpflanzen-, Getreide- und Kartoffelanbau (Kartoffelexport), Viehzucht und Milchwirtschaft; Fischfang und -Verarbeitung, Hummer- und Austernfang; an der Nordküste Naturschutzpark mit 40 km Strand; Fremdenverkehr.

Prinz-Eduard-Inseln: 2 unbewohnte vulkanische Inseln im südlichen Indischen Ozean; einschließlich zahlreicher Klippen 413 km2; seit 1947 unter Verwaltung der Republik Südafrika.

Prinzgemahl: Ehemann einer regierenden Fürstin; hat nicht die Rechte eines Monarchen.

Prinzip: Ursprung, Grundlage; allgemeiner Grundsatz, der als Leitfaden dient.

Prinzipal: («der Erste») 1. Prinzipal: früher Lehrherr; Geschäftsinhaber, Geschäftsleiter.

2. Prinzipal: Leiter einer wandernden Theatertruppe im 17./18. Jahrhundert; in seiner Tätigkeit abhängig vom Privileg des jeweiligen Landesherrn.

3. Prinzipal: Hauptregister der Orgel, bestehend aus offenen Lippen- (Labial-)Pfeifen aus einer Zinnlegierung in zylindrischer Form; bestimmend für den typischen Orgelklang. Mit Prinzipal wurden ursprünglich die Orgelpfeifen wegen ihrer Stellung vom, im Prospekt, bezeichnet, erst später wurde Prinzipal zum Begriff für die führende Hauptstimme.

Prinzipat: Form der altrömische Monarchie unter äußerlicher Verwendung republikanischer Institutionen in der Zeit von Augustus bis Diokletian; auch frühe Kaiserzeit genannt. Die Macht des Kaisers beruhte auf der Vereinigung der wichtigsten Magistraturen in seiner Hand (Volkstribun, Konsul auf Lebenszeit, Princeps senatus, Zensor, Inhaber der obersten militärischen und zivilen Gewalt).

Prinzipien der Mechanik: den Newtonschen Axiomen entsprechende Aussagen, aus denen die Bewegungsgleichungen für freie und gebundene Systeme abgeleitet werden können. Bei den Differentialprinzipien werden benachbarte Augenblickszustände verglichen. Bei den Integralprinzipien wird das Verhalten des Systems während endliche Zeiten für benachbarte (variierte) Bahnkurven betrachtet; dabei nimmt ein Integral von der Dimension einer Wirkung einen Extremwert an, man nennt sie daher Wirkungs-, Extremal- oder Variationsprinzipien. Virtuelle Verrückungen Sri sind kleine, momentane Lageänderungen der Massenpunkte, die mit den bestehenden Bindungen verträglich, sonst aber beliebig sind. Das d’Alembertsche Prinzip (Prinzip der virtuellen Arbeit) lässt sich auch dann anwenden, wenn wegen des Vorhandenseins von Bindungen (Nebenbedingungen) die Newtonschen Axiome nicht mehr gelten und Zwangskräfte Z, = m, a, F, auftreten. Dabei ist F, die äußere Kraft, die auf den Massenpunkt der Masse mt wirkt. Die Zwangskräfte verrichten bei virtuellen Verrückungen keine Arbeit. Anschaulich bedeutet dies, dass die Zwangskräfte senkrecht auf allen möglichen virtuellen Verrückungen stehen. Im Spezialfall der Statik (alle Beschleunigungen a,= 0) kann Gleichgewicht nur dann herrschen, wenn die virtuelle Arbeit SA der Kräfte Ff verschwindet, 6.4 = £ F,5r, = 0. Das Hamiltonsche Prinzip der kleinsten Wirkung als grundlegendes Integralprinzip der Mechanik betrachtet eine Wirkungsfunktion S= Lit, das Zeitintegral über die Lagrange-Funktion L=TV, wobei die kinetische und V die potentielle Energie des Systems ist. Von allen durch momentane Variation der Koordinaten sich ergebenden Bahnkurven der Massenpunkte wird diejenige vom System wirklich durchlaufen, für die S ein Extremum, im Allgemeinen ein Minimum, ist, das heißt, für die die 1.Variation von S verschwindet, SS = 0. Das Hamiltonsche Prinzip ist weit über die Mechanik hinaus, auch in der modernen physikalischen Forschung, von Bedeutung. Siehe auch Fermatsches Prinzip.

Prinzregent: die Regentschaft stellvertretend führendes Mitglied eines Herrscherhauses.

Prior: (lateinisch, «der Obere») Vorsteher eines Klosters der Bettelorden; Stellvertreter des Abtes in größeren Klöstern.

Priorin: Hausoberin in bestimmten weiblichen Orden der römisch-katholischen Kirche (zum Beispiel Dominikanerinnen).

Priorität: (lateinisch) Vorrang, Vor(zugs)recht.

Prioritätsfahrer: von der Internationalen Automobilsportföderation eingestufte Rallyefahrer, die bei internationalen Rallyes vor dem übrigen Teilnehmerfeld starten. Voraussetzung ist eine entsprechende Platzierung (1. bis 5. Platz) bei internationalen Titelkämpfen.

Prioritätsregel: international verbindliche Regel der Taxonomie, wonach nur die seit C. von Linné älteste veröffentlichte wissenschaftliche Benennung für Pflanzen (ab 1753) und Tiere (ab 1758) gültig ist

Pripjat: rechter Nebenfluss des Dnepr, in der Belorussischen und Ukraine; 761 km; entspringt nordwestlich von Kowel, durchfließt die Polessje, mündet in den Kiewer Stausee; wichtige Nebenflüsse sind Styr (von rechts) und Jasselda (von links); zum Teil schiffbar, durch Dnepr-Bug-Kanal mit Wisla und Dnepr-Nejman-Kanal mit der Schtschara verbunden.

Prischwin, Michail Michailowitsch, 4.2.1873 bis 16.1.1954, russisch-sowjetischer Schriftsteller; schrieb in Reisebüchern, Tier- und Jagdgeschichten, Erzählungen und Romanen über die Beziehung des Menschen zur Natur, so zum Beispiel in «Die Kette des Kastschej» (1927/54, deutsch), «Shen-Schen» (1933, deutsch), «Der Sonnenspeicher» (1945, deutsch), «Nordwaldlegende» (1954, deutsch) und «Der versunkene Weg» (1957, deutsch).

Priscian, Priscianus, römischer Grammatiker zu Beginn des 6. Jahrhundert; Lehrer in Konstantinopel; sein Hauptwerk «Grammatische Unterweisungen» ist die vollständigste Darstellung der lateinischen Grammatik und des Sprachgebrauchs.

Prise: (französisch, «das Genommene») 1. kleine Menge, die man mit 2 Fingern greifen kann.

2. im Seekrieg von einer kriegführenden Partei völkerrechtsgemäß beschlagnahmtes Handelsschiff (beziehungsweise dessen Ladung) eines feindlichen oder neutralen Eigentümers, wenn das Schiff (oder seine Ladung) in einen Blockadebruch verwickelt ist beziehungsweise die Ladung _ Kriegskonterbande darstellt. Siehe auch Konterbande.

Prisma:

1. Geometrie: Zylinder, dessen Grundfläche ein Polygon ist. Die Mantelfläche besteht aus Parallelogrammen, im geraden Prisma aus Rechtecken.

2. Kristallographie: Kristallform mit 3 oder mehr Flächen, deren Kanten parallel verlaufen; man unterscheidet

a) 3-, 4-, 6-, 8- oder 12seitige Prismen, deren Flächen parallel liegen;

b) Prismen mit 4 Flächen parallel zur a-, b- oder c-Achse (rhombisches Kristallsystem);

c) ein Prisma, das aus 2 spiegelsymmetrischen Flächen mit parallelen Gegenflächen besteht, die zu keiner kristallographischen Achse parallel verlaufen.

3. Optik: Bauelement aus einem transparenten Stoff (im Allgemeinen Glas), das mindestens 2 nichtparallele brechende Flächen (Dispersionsprisma) oder brechende und reflektierende Flächen (Reflexionsprisma) hat. Beim Dispersionsprisma bilden die brechenden Flächen miteinander den brechenden Winkel y. Es zerlegt weißes Licht durch zweimalige Brechung in die Spektralfarben. Beim symmetrischen Strahlenverlauf liegt die Minimalablenkung die aus n sin = sin —-— folgt. Nach Messung von <5m und y kann die Brechzahl n des Prisma berechnet werden. Bei kleinem y spricht man von einem Keil, er hat die Ablenkung <5 = (n 1) y. Aus Prismen Kombinationen bestehen die Geradsichtprismen und die Prismen zur Ablenkung ohne Farbaufspaltung (zum Beispiel achromatischer Keil). Reflexionsprismen wirken wie Planspiegelkombinationen und planparallele Platten.

Prismatoid: (griechisch) Polyeder, dessen sämtliche Ecken in 2 parallelen Ebenen liegen; zum Beispiel kann die Grundfläche viereckig, die Deckfläche dreieckig sein.

Prismenfernrohr, Feldstecher: verkürztes Keplersches (Doppel-)Fernrohr, bei dem totalreflektierende Prismen ein höhen- und seitenrichtiges Bild erzeugen.

Prismenmethode: Kristallographie sehr genaue Methode zur Bestimmung der Lichtbrechung. Bei symmetrischem Lichtdurchgang durch ein Prisma erreicht der Ablenkungswinkel seinen geringsten Wert. Neben diesem Winkel muss noch der brechende Winkel des Prismas bestimmt werden.

Pristina: Verwaltungszentrum von Kosovo; 70000 Einwohner; Baumwoll-, Lebensmittel-, keramische, chemische Industrie, Elektrogerätewerk; Nickelkombinat; Kunstgewerbe; Agrarzentrum von Kosovo polje; Universität; Theater, Museen.

Pritchett, Sir Victor Sawdon, geboren 16.12.1900, englischer Schriftsteller; schrieb Romane und Kurzgeschichten in realistischer Tradition (C. Dickens) über das Leben einfacher, meist kleinbürgerliche Leute, teils exzentrisch überhöht und mit humoristischer Note («Gesammelte Erzählungen», 1982); in deutscher Auswahl erschienen «Das rote Motorrad» (1959) und «Das Doppelbett» (1972). Pritchett war auch als Literaturkritiker tätig («Der lebende Roman», 1946, deutsch).

Pritt, Denis Nowell, 22.9.1887-23.5.1972, britischer Jurist; marxistischer Zeithistoriker; 1933 Vorsitzender des Londoner Gegenprozesses zum Reichstagsbrandprozess, 1949/60 Präsident, seitdem Ehrenpräsident der Internationalen Vereinigung demokratischer Juristen, 1951/69 Präsident des britischen Friedenskomitees und Mitglied des Büros des Weltfriedensrates; verteidigte (seit 1910) zahlreiche Kämpfer für nationale Unabhängigkeit, Frieden und Sozialismus.

Pritzwalker Massiv, Ostelbisches Massiv: geologischer Körper unbekannter Art im tieferen Untergrund einer sich im Norden der BRD, DDR und Polens hinziehenden Senke, der sich durch eine Schwereanomalie und erhöhte Magnetisierung abzeichnet.

privat: persönlich, einzelnen zugehörig; nicht öffentlich; außerberuflich, im häuslichen Bereich; vertraulich.

Privateigentum: Form des Eigentums an Produktionsmitteln, die Privatpersonen oder privaten Gesellschaften gehören. Es bildet die ökonomische Grundlage der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen sowie der Teilung der Gesellschaft in antagonistischen Klassen. In der Gegenwart existiert das Privateigentum vorwiegend in 2 Formen: als Privateigentum der einfachen Warenproduzenten, das auf eigener Arbeit beruht, und als kapitalistische Privateigentum, welches das Ergebnis angeeigneten Mehrwerts ist. Im Sozialismus existiert Privateigentum einfacher Warenproduzenten im begrenzten Umfang.

privatim: (lateinisch) nicht amtlich; vertraulich.

Privatindustrie: Industrie auf der Grundlage von Privateigentum an Produktionsmitteln.

Privatisierung: Überführung (bei Reprivatisierung Rückführung) von Produktionsmitteln (Betrieben) aus dem Eigentum kapitalistischer Staaten (beziehungsweise kommunaler Behörden) in privatkapitalistischer, meist monopolistischer Eigentum.

Privatschulen: in der antagonistischen Klassengesellschaft von Einzelpersonen, Gesellschaften oder Kirchen unterhaltene nichtöffentlichen Schulen, die spezifischen Zielen und Interessen der herrschenden Minderheit bei der Heranbildung ihres Nachwuchses dienen.

Privatversicherung: veraltete Bezeichnung für alle Formen der Sach-, Haftpflicht- und Personenversicherung.

Privatwirtschaft: Wirtschaftsform, bei der sich die Produktionsmittel in Privateigentum befinden. Die Privatwirtschaft ist vorwiegend (mit Ausnahme der Form der einfachen Warenproduktion, die zum Beispiel in der DDR im Handwerk und im Einzelhandel besteht) mit der Ausbeutung von Menschen verbunden. Sie reicht im Imperialismus, stark differenziert, von Monopolunternehmen bis zu den in ihrer Existenz mehr und mehr bedrohten Mittel- und Kleinbetrieben.

Privileg, Privilegium: Vor-, Sonderrecht (zum Beispiel einer Person, Klasse); im Mittelalter feiert. Form der Urkunde.

Prizren: Stadt in Jugoslawien, in Kosovo; 42000 Einwohner; Kunsthandwerk; Textilindustrie, Weinkeltereien; orientalische Altstadt mit bedeutenden Baudenkmälern (zahlreiche Moscheen, Kirche von 1307 mit 5 Kuppeln).

pro anno, Abkürzung (p. a) aufs Jahr, jährlich.

probabel: wahrscheinlich, glaubwürdig, annehmbar.

Probabilismus: Ethik besonders von Jesuiten ausgearbeitete Lehre von der Rechtfertigung eines Verhaltens durch wahrscheinliche (probable) moralische Gründe, auch durch Autoritäten.

probat: (dat.) erprobt; bewährt; vortrefflich.

Probebelastung: Verfahren zur Prüfung des Tragverhaltens eines Bauteils anhand von Messungen zum Beispiel der Durchbiegung bei verschiedenen Laststufen (ein- oder zweifache Verkehrslast) beziehungsweise bei Belastung bis zum Bruch.

Probebetrieb: Nachweis der vertragsmäßig vereinbarten Funktions-, Nutzungs-.und Leistungsfähigkeit eines fertiggestellten Investitionsvorhabens oder Teilvorhabens unter Betriebsbedingungen. Für den Probebetrieb ist der Generalauftragnehmer beziehungsweise der Investitionsauftraggeber verantwortlich.

Probezeit: arbeitsvertragliche Vereinbarung zur Feststellung der Eignung des Werktätigen für eine Arbeitsaufgabe, die im Falle der Nichteignung eine kurzfristige Lösung des Arbeitsrechtsverhältnisses zulässt.

Probierhengst: Hengst beziehungsweise Schafbock (Probierbock), der nicht decken, sondern nur die Paarungsbereitschaft der weiblichen Tiere in einer Herde ermitteln soll.

Probierkunde: Lehre von der qualitativen und quantitativen Untersuchung geförderter Erze und Minerale zum Bestimmen des Metallgehaltes und zum Festlegen des anzuwendenden Schmelzverfahrens. Früher, vor der Entwicklung der Chemie zur Wissenschaft, war die Probierkunde eine auf Erfahrung gegründete Kunst (Probierkunst)-, ein häufiges Verfahren war die Lötrohranalyse.

Problem: 1. allgemein unentschiedene, noch zu lösende (schwierige) Frage oder Aufgabe; Fragestellung; Forschungsaufgabe.

2. Methodologie: Stufe des Erkenntnisprozesses, auf der das Wissen über einen Bereich der Wirklichkeit nicht genügt, um ein durch die Praxis gefordertes Ziel zu erreichen, und der Wissensmangel auf algorithmischen Wege nicht zu beheben ist. Ein formuliertes Problem enthält Aussagen, die die objektive Problemsituation und Bedingungen der Lösung des Problem erfassen, sowie Fragen, die das Wissensdefizit kennzeichnen.

problematisch: (dat. griechisch) fraglich, zweifelhaft, ungewiss.

Probleme des Friedens und des Sozialismus: internationale Zeitschrift der kommunistischen und Arbeiterparteien für Theorie und Information; erscheint monatlich seit 1958 in Prag; wird heute in 40 Sprachen herausgegeben, deutschsprachige Ausgabe in Berlin.

Probst, Reinhard, geboren 30.5.1934, Metalloge; Professor für Schweißtechnik; 1969/75 Direktor der Sektion Technologie der metallverarbeitenden Industrie, seit 1976 Rektor der TH «Otto von Guericke» Magdeburg; zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen. Kandidat des ZK der SED.

Prochaska, Prohaska, Eleonore, 11. 3. 1785-5.10.1813, Patriotin; schloss sich im Befreiungskrieg 1813 unter dem Namen August Renz dem Freikorps Lützows an; wurde im Gefecht an der Göhrde am 16.9. 1813 schwer verwundet.

Prodöhl, Günter, geboren 29.5.1920, Schriftsteller; schrieb Kriminalromane, Tatsachenbücher, die Fernsehserien «Blaulicht» und «Kriminalfälle ohne Beispiel» sowie mehrere Bühnenstücke.

pro domo: (lateinisch, «für das (eigene) Haus») für sich selbst; in eigener Sache.

Prodromalstadium: Vorläuferstadium; den Krankheitsausbruch einleitendes Stadium mit mäßigen, uncharakteristische Krankheitserscheinungen.

Produkt: 1. allgemein Erzeugnis; Ertrag; Ergebnis.

2. Mathematik: Ergebnis einer Multiplikation.

3. politische Ökonomie: materielles Ergebnis produktiver Arbeit, dessen Gebrauchswert als Produktionsmittel oder Konsumtionsmittel menschlicher Bedürfnisse befriedigt. Unter den Bedingungen der Warenproduktion nehmen Produkt die Form von Waren an.

Produktenaustausch: gelegentlicher Austausch von Arbeitsergebnissen auf der Grundlage der Arbeitsteilung und des Gemeineigentums an den Produktionsmitteln und Produkten ohne ihre Verwandlung in Waren; geht historisch der Warenzirkulation voraus, von der er im Ergebnis der Entstehung des Privateigentums an Produktionsmitteln und der Entwicklung der Warenproduktion abgelöst wird.

Produktenwert: der gesamte in einem Produkt verkörperte Wert; setzt sich aus dem im Produktionsprozess übertragenen Wert der Produktionsmittel und dem Neuwert zusammen.

Produkt für die Gesellschaft: Teil des notwendigen Produkts, der aus Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen u. ä. besteht und das Mehrprodukt im Sozialismus; dient der individuellen Konsumtion der nicht produktiv Tätigen, der gesellschaftlichen Konsumtion und der Akkumulation.

Produkt für sich: Teil des notwendigen Produkts, das die in der materiellen Produktion Beschäftigten in direkter Abhängigkeit von der Quantität und Qualität der für die Gesellschaft geleisteten Arbeit zur Befriedigung ihrer materiellen und kulturellen Bedürfnisse, in der Hauptsache in Form des Arbeitslohnes, erhalten.

produktgebundene Stützung: für einzelne Erzeugnisse und Leistungen mit der Preisbildung festgelegte, aus dem Staatshaushalt an die Herstellerbetriebe aller Eigentumsformen gezahlte Zuwendung in differenzierter Höhe zur Aufrechterhaltung stabiler, niedriger Verbraucherpreise und Tarife für die Bevölkerung.

Produktion: Erzeugung, Förderung, Herstellung materieller Güter. Die materielle Produktion ist Grundlage des Lebens der Gesellschaft, ein Prozess der Wechselbeziehungen zwischen Gesellschaft und Natur (Produktionsprozess). Die Produktion ist die entscheidende und bestimmende Phase der Reproduktion; mit ihr wird der Reproduktionsprozess immer wieder von neuem begonnen. Die Produktion ist zugleich produktive Konsumtion, indem sie Produktionsmittel und Arbeitskraft verbraucht. Die Produktion hat stets gesellschaftlichen Charakter und erfolgt jeweils unter ganz bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen, zum Beispiel kapitalistische Produktion, sozialistische Produktion. Unter den Bedingungen der Warenproduktion ist der Produktionsprozess die Einheit von Arbeits- und Wertbildungs- (einfache und sozialistische Warenproduktion) beziehungsweise Arbeits- und Verwertungsprozess (kapitalistische Produktionsweise). Im Arbeitsprozess wird durch die konkrete Arbeit ein neuer Gebrauchswert erzeugt und die in den verbrauchten Produktionsmitteln vergegenständlichte Arbeit (alter Wert) auf das neue Produkt übertragen und so erhalten. Im Wertbildungsprozess wird durch die abstrakte Arbeit neuer Wert (Neuwert) geschaffen. Das Ziel der kapitalistischen Produktion ist die Verwertung des vorgeschossenen Kapitals, die Produktion von Mehrwert, den sich die Eigentümer der Produktionsmittel, die Kapitalisten, unentgeltlich aneignen. Dadurch schlägt der Wertbildungsprozess in den Verwertungsprozess um. Demgegenüber ist der sozialistischen Produktionsprozess auf die immer vollständigere Befriedigung der wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Werktätigen und die allseitige Entwicklung ihrer Persönlichkeit gerichtet. Siehe auch Produktion, individuelle.

individuelle Produktion: die auf Nutzung von persönlichen Eigentum beruhende, über die hauptsächliche berufliche Tätigkeit hinausgehende beziehungsweise im Rahmen der Familie betriebene Produktion von Genossenschaftsbauern, Arbeitern der sozialistischen Landwirtschaft, Kleingärtnern und Kleintierhaltern.

Produktionsabfalltextilien: textile Abfälle, die bei der Gewinnung und Verarbeitung von Faserstoffen bis zum fertigen Textilerzeugnis anfallen.

Produktionsarbeiter: Arbeitskräfte, die in den produzierenden Einheiten des Betriebes für die Durchführung des technologischen Prozesses eingesetzt sind (Produktionsgrundarbeiter) beziehungsweise diese Arbeiten durch Ausführung von Reparaturen, Transporten und sonstigen Hilfsleistungen unterstützen (Produktionshilfsarbeiter) sowie Beschäftigte produktionsvorbereitender Bereiche für den Betrieb von Versuchs- und Pilotanlagen, die ausschließlich oder überwiegend für geplante industrielle Warenproduktion eingesetzt sind (einschließlich Nullserienfertigung).

Produktionsbedingungen: Arbeitskräfte und Produktionsmittel (Arbeitsgegenstände und Arbeitsmittel) als persönliche und sachliche Voraussetzungen jegliche Produktion.

Produktionsbiologie: Teilgebiet der Synökologie, in dem Stoff- und Energieumsatz in Ökosystemen Gegenstand der Untersuchung sind, das heißt, die in Raum- und Zeiteinheit gebildete organische Substanz (Biomasse) einer Lebensgemeinschaft wird untersucht. Primärproduktion erfolgt bei der Assimilation grüner Pflanzen (Produzenten). Konsumenten leben direkt oder indirekt von Produzenten, Reduzenten mineralisieren die gebildete organische Substanz.

Theorie der Produktionsfaktoren: auf J. B. Say zurückgehende bürgerliche Vulgärökonomische Lehre, mit der die wissenschaftliche Arbeitswert- und Mehrwerttheorie widerlegt werden soll. Ihre Vertreter behaupten, dass der Wert einer Ware durch die produktive Leistung der drei sogenannten Produktionsfaktoren Kapital, Boden und Arbeit hervorgebracht wird und Zins (Profit), Grundrente und Arbeitslohn die gerechte Entschädigung der Eigentümer dieser Produktionsfaktoren seien. Auf diese Weise versuchen die bürgerlichen Apologeten, die tatsächliche Quelle des Mehrwerts, die Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die Kapitalisten und Großgrundbesitzer, zu verschleiern.

Produktionsfonds: produktive Fonds in Form von Arbeitsmitteln und Arbeitsgegenständen einschließlich Halbfabrikate, die in der Produktionsphase im Kreislauf der Fonds fungieren. Durch das Zusammenwirken der Produktionsfonds mit der lebendigen Arbeit in der Produktionsphase entsteht ein neuer Gebrauchswert, und zugleich wird der in den Produktionsfonds vergegenständlichte Wert auf das neu geschaffene Produkt übertragen. Nach der Art ihres Umschlages gliedern sich die Produktionsfonds in Produktionsgrundfonds (Produktionsgebäude, Ausrüstungen, Maschinen unter anderem) und Produktionsumlauffonds (Roh- und Hilfsstoffe, Halbfabrikate, unvollendete Produktion unter anderem). Die Produktionsgrundfonds nehmen während mehrerer Produktionsperioden am Arbeitsprozess teil, wobei ihr Wert nur sukzessiv, entsprechend ihrem Verschleiß, auf das neue Produkt übertragen wird; der Wert der Produktionsumlauffonds dagegen geht restlos in den Wert des neu geschaffenen Produkts ein. Die rationelle Nutzung der Produktionsfonds und die Erhöhung ihrer Effektivität sind grundlegende Merkmale der Intensivierung der Produktion.

Produktionsgenossenschaft: Betriebsform, in der Bauern, Handwerker oder Gewerbetreibende freiwillig zur kollektiven Arbeit auf der Grundlage des genossenschaftlichen Gemeineigentums an den Produktionsmitteln zusammengeschlossen sind. Die genossenschaftliche Organisation der Arbeit führt im Vergleich zur individuellen Produktion zu höherer Rationalität und Effektivität. Siehe auch Genossenschaft.

Produktionsgenossenschaft des Handwerks, Abkürzung PGH: sozialistische Genossenschaft in der DDR zur wirksamen Erfüllung der dem Handwerk gestellten Aufgaben bei Dienst- und Reparaturleistungen für die Bevölkerung. Sie wird durch den freiwilligen Zusammenschluss von Handwerksbetrieben gebildet und beruht auf dem genossenschaftlichen Eigentum und der genossenschaftlichen Organisation der Arbeit. Mitglieder der PGH können Handwerker und Gewerbetreibende, die in die Handwerks- oder Gewerberolle eingetragen sind, sowie deren Beschäftigte und mithelfende Ehegatten sein.

Produktionsinstrumente, Arbeitsinstrumente: mechanisches Arbeitsmittel (Maschinen u. ä.), Werkzeuge, Anlagen, mit deren Hilfe materielle Güter erzeugt werden; wichtigster Teil der Arbeitsmittel. Die Produktionsinstrumente bilden das «Knochen- und Muskelsystem der Produktion» (Marx), von ihrer technischen Entwicklung hängt wesentlich die Steigerung der Arbeitsproduktivität und das Niveau der gesellschaftlichen Arbeitsteilung ab.

Produktionskapazität: höchstmögliches Leistungsvermögen einer Produktionseinheit oder eines Betriebes an bedarfsgerechten Erzeugnissen, das in einem bestimmten Planzeitraum durch das günstigste Zusammenwirken und die rationellste Nutzung von Arbeitsmitteln, -gegenständen und -kräften erreicht werden kann. Die Produktionskapazität ist grundsätzlich in bestimmten Naturaleinheiten (Stück, Tonnen u. ä.) auszudrücken. In Ausnahmefällen (zum Beispiel bei breitem Sortiment) können Hilfsgrößen verwendet werden (zum Beispiel Wert der Warenproduktion, Maschinenstunden).

Produktionskosten, gesellschaftliche: Wertausdruck der zur Erzeugung eines Produktes verausgabten gesellschaftlich notwendigen Arbeit. Die gesellschaftlichen Produktionskosten umfassen den Wert der zur Produktion einer Ware verausgabten Produktionsmittel und den neugeschaffenen Wert. Dem Kapitalisten erscheinen als Produktionskosten einer Ware nur die Aufwendungen an Kapital, die er für ihre Produktion verausgaben muss (Kostpreis). Der Mehrwert gilt nicht als Kostenbestandteil, da er unentgeltlich angeeignet wird. Im Sozialismus bringen die gesellschaftlichen Produktionskosten den Arbeitsaufwand zum Ausdruck, den die Gesellschaft für die Produktion einer Ware verausgaben muss.

Produktionsmittel: Gesamtheit der Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstände, mit denen der Mensch materielle Güter herstellt. Die jeweilige Form des Eigentums an den Produktionsmittel bestimmt den Charakter der Beziehungen der Menschen untereinander in der Produktion; im Kapitalismus dienen sie als Kapital der Ausbeutung von Lohnarbeitern, im Sozialismus als stofflichen Inhalt der gesellschaftlichen Produktionsfonds beziehungsweise der Produktion zur Befriedigung der Bedürfnisse der gesamten Gesellschaft.

Produktionsmittelhandel: Zweig des Binnenhandels, der an der Zirkulation der Produktionsmittel beteiligt ist; in der Regel Bindeglied zwischen Produktion und produktiver Konsumtion, teilweise aber auch dem Konsumgüter-Einzelhandel (zum Beispiel Lacke und Farben, Papier, Kfz-Ersatzteile).

Produktionspreis: Summe von Kostpreis plus Durchschnittsprofit; im Kapitalismus die verwandelte Form des Warenwertes.

Produktionsprinzip: sozialistisches Leitungsprinzip, nach dem die Wirtschaft nach objektiv gegebenen Zweigen (daher auch Zweigprinzip genannt) geleitet wird. Das Produktionsprinzip in der Industrie der DDR verwirklicht sich als Leitung nach dem Gesichtspunkt der Gleichartigkeit, Vergleichbarkeit oder arbeitsteiligen Aufeinanderfolge der Technologie beziehungsweise der Erzeugnisse von Betrieben durch genau voneinander in ihrer Verantwortlichkeit abgegrenzte wirtschaftsleitende Staatsorgane. Das Produktionsprinzip muss durch das Territorialprinzip ständig ergänzt werden. Siehe auch Produktions- und Territorialprinzip.

Produktionssphäre: Bereich der menschlichen Tätigkeit, der den überwiegenden Teil der Produktion und Reproduktion der materiellen Lebensbedingungen jeder Gesellschaft umfasst. Zur Produktionssphäre werden alle Zweige der Volkswirtschaft gezählt, die im Unterschied zum Beispiel zur Zirkulation vorwiegend Gebrauchswerte erzeugen; zu ihr gehören Industrie, Bauwesen, Land- und Forstwirtschaft sowie das produzierende Handwerk und das Verkehrswesen.

Produktionsstämme: Bakterien- oder Pilzkulturen, die bestimmte, biologisch aktive, ökonomisch verwertbare Produkte erzeugen; in der Nahrungsmittelindustrie zum Beispiel Hefepilze, in der pharmazeutischen Industrie zum Beispiel Antibiotikabildner.

Produktionsstruktur: durch gesellschaftliche Arbeitsteilung, Spezialisierung, Kooperation und Kombination entstandene «qualitative Gliederung und quantitative Proportionalität» (Marx) der materiellen Produktion der Volkswirtschaft eines Landes in verschiedene Wirtschaftszweige (Industrie, Landwirtschaft, Bau-, Transport- und Nachrichtenwesen unter anderem), Industriebereiche (zum Beispiel chemische Industrie, Metallurgie, Baumaterialienindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Elektronik/Gerätebau, Leichtindustrie), Industriezweige (zum Beispiel Metallwarenindustrie, Glas- und feinkeramische Industrie, Schuhwarenindustrie), Kombinate sowie Industriebetriebe bis hin zur Erzeugnisstruktur. Innerhalb des Produktionsprozesses ist die Produktionsstruktur in Produktionsstufen, Hauptproduktionsprozesse, Hilfs- und Nebenprozesse gegliedert. Bedingt durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt, unterliegt die Produktionsstruktur einer ständigen Veränderung.

Produktionsstufe: durch gesellschaftliche Arbeitsteilung entstandener, relativ selbständiger Produktionsabschnitt des betrieblichen beziehungsweise volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozesses. Produkte einer Produktionsstufe können in einem Kombinat über mehrere Produktionsstufe weiterverarbeitet werden oder über die Zirkulation in den Produktionsprozess nachgelagerter Produktionsstufe anderer Betriebe eingehen.

Produktionsprinzip und Territorialprinzip: Organisationsprinzip, das auf der Grundlage des demokratischen Zentralismus und in Verbindung mit dem Grundsatz «Ein Betrieb eine Gewerkschaft» zur Gestaltung des gewerkschaftlichen Organisationsaufbaus angewendet wird. Es ermöglicht, den gewerkschaftlichen Organisationsaufbau an die vom arbeitsteiligen Prozess bestimmte Wirtschaftsstruktur und an die politisch-territoriale Gliederung in der DDR anzugleichen. entsprechend dem Produktionsprinzip und Territorialprinzip ist der FDGB in Industriegewerkschaften und Gewerkschaften und in territoriale Organisationsbereiche (Bezirke und Kreise) gegliedert.

Produktionsverbrauch: Bestandteil des gesellschaftlichen Gesamtprodukts, der wertmäßig den materiellen Verbrauch von Arbeitsmitteln (Maschinen, Ausrüstungen, Gebäude) und Arbeitsgegenständen (Rohstoffe, Material, Energie, Halbfabrikate unter anderem) bei der Herstellung materieller Güter und bei materiellen Dienstleistungen (Nettoprodukt) im Verlauf eines Jahres ausdrückt. Der Produktionsverbrauch stellt den größten Posten des gesellschaftlichen Gesamtprodukts dar. Seine Ökonomisierung ist ein Erfordernis der umfassenden Intensivierung der Produktion und ein entscheidender Faktor für das Wachstum des Nationaleinkommens.

Produktionsverhältnisse: die Beziehungen, die die Menschen untereinander in der Produktion, im Austausch und bei der Verteilung materieller Güter eingehen. Die Produktionsverhältnisse sind die jeweils grundlegenden gesellschaftlichen Verhältnisse; sie äußern sich in den Formen des Eigentums an den Produktionsmitteln, in der darauf beruhenden gesellschaftlichen Stellung sowie den Beziehungen der Klassen und sozialen Schichten in der Produktion und in den Formen der Verteilung der Produkte. Die Produktionsverhältnisse entwickeln sich in untrennbarem Zusammenhang und gegenseitiger Abhängigkeit von den Produktivkräften; die Einheit beider bildet die Produktionsweise. Ihrem Charakter nach sind zu unterscheiden Produktionsverhältnisse der Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe (Urgesellschaft, Sozialismus, Kommunismus) und Produktionsverhältnisse der Herrschaft und Unterordnung, verbunden mit der Ausbeutung von Menschen durch Menschen (Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus). Die Gesamtheit der Produktionsverhältnisse einer Gesellschaft bildet ihre ökonomische Basis, auf der sich ein entsprechender politischer, juristischer und ideologischer Überbau erhebt.

Produktionsverlagerungsvertrag: Wirtschaftsvertrag über die Einstellung der Produktion von Erzeugnissen oder Leistungen durch den abgebenden Partner und die Übernahme in die Produktion des anderen. Die Produktionsverlagerung wird zur Rationalisierung und besseren Bedarfsdeckung vorgenommen.

Produktionsvorbereitung: Gesamtheit der betrieblichen Vorarbeiten zur Gewährleistung eines rationellen und qualitätsgerechten Produktionsablaufes. Die Produktionsvorbereitung umfasst die Produktionsvorbereitung der Arbeitskräfte (Qualifizierung) und die technische Produktionsvorbereitung letztere gliedert sich in konstruktive Produktionsvorbereitung (Festlegung der Erzeugnis Beschaffenheit), technologische Produktionsvorbereitung (Festlegung der Herstellungsverfahren, Arbeitsmittelbereitstellung, Arbeitskräfteeinsatz) und organisatorische Produktionsvorbereitung (Festlegung des zeitlichen Ablaufes der Produktion und deren materielle Sicherstellung).

Produktionswagen: Motorsport in einem bestimmten Zeitraum in größerer Zahl hergestellter identischer Wagen, der für den öffentlichen Verkauf bestimmt ist und nach Homologierung an Wettbewerben teilnehmen kann. Produktionswagen gehören zur Kategorie I; Gruppe N, A oder B. Siehe auch Wettbewerbsfährzeug.

Produktionsweise: Art und Weise der Produktion und des Austausches der von der Gesellschaft zum Lebensunterhalt erzeugten materiellen Güter; die dialektische Einheit von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, deren Wechselbeziehungen die Entwicklung der Produktionsweise als Ganzes bewirken. Im Unterschied zu den sich ständig entwickelnden Produktivkräften sind die Produktionsverhältnisse relativ stabil; aus Entwicklungsformen und Triebkräften werden sie dadurch früher oder später zu Fesseln für die Produktivkräfte und müssen durch neue, dem erreichten Stand der Produktivkräfte entsprechende Produktionsverhältnisse ersetzt werden (Gesetz der Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte). In den auf Privateigentum an Produktionsmitteln beruhende Produktionsweise treten diese Widersprüche im Klassenkampf zutage. Die jeweils fortschrittliche, mit der modernen Produktion verbundene Klasse löst diesen Widerspruch durch revolutionäre Beseitigung der alten und Schaffung neuer Produktionsverhältnisse, die die Entwicklung der Produktivkräfte fördern. Im vom Klassenantagonismus freien Sozialismus werden Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse im Interesse der gesamten Gesellschaft bewusst und planmäßig entwickelt. In den materiellen Lebensbedingungen der Gesellschaft kommt der Produktionsweise die entscheidende Bedeutung zu. Sie bestimmt damit auch die soziale Struktur der Gesellschaft und in letzter Instanz ihre politische und ideologische Anschauungen und Einrichtungen. Mit der Veränderung der Produktionsweise ändert sich daher die gesamte ökonomische, soziale und politische Struktur der Gesellschaft. Die Geschichte der Menschheit kennt folgende Produktionsweise, die einander ablösen: die Produktionsweise der Urgesellschaft, die asiatische Produktionsweise, die Produktionsweise der Sklaverei Gesellschaft, des Feudalismus, des Kapitalismus lind des Kommunismus, dessen erste Phase der Sozialismus ist. In der gegenwärtigen historischen Periode vollzieht sich der revolutionäre Prozess der Ablösung der kapitalistischen durch die sozialistische Produktionsweise im Weltmaßstab.

Produktionszeit, Produktionsperiode-, der Zeitraum vom Eintritt der Arbeitsgegenstände in die Produktionssphäre bis zum Ausstoß der Fertigerzeugnisse.

Produktivität: Ergiebigkeit, Leistungsfähigkeit, besonders der menschi Arbeit; siehe auch Arbeitsproduktivität.

Produktivkräfte: Gesamtheit der subjektiven und gegenständlichen Faktoren des Produktionsprozesses und deren Zusammenwirken bei der Produktion materieller Güter, in erster Linie die Menschen (als wichtigste Produktivkraft) mit ihren Produktionserfahrungen und Arbeitsfertigkeiten sowie die von ihnen bei der Produktion materieller Güter eingesetzten Produktionsmittel, besonders die Produktionsinstrumente; auch die Organisation des Produktionsprozesses und die Arbeitsteilung sind wesentliche Produktivkräfte. Im 20. Jahrhundert hat die Wissenschaft als Produktivkraft wachsende Bedeutung erlangt. Der jeweils erreichte Entwicklungsstand der Produktivkräfte zeigt, in welchem Maße die Menschen die Natur beherrschen. Produktivkräfte sind das revolutionäre Element im gesellschaftlichen Produktionsprozess. Siehe auch Produktionsweise.

Produktivlöhne: leistungsorientierte Löhne und Gehälter, bei denen auf der Grundlage einer richtigen Eingruppierung der Arbeitsaufgaben nach der Arbeitsklassifizierung die Lohnhöhe von der Erfüllung der als Leistungsmaß vorgegebenen Leistungskennziffern beziehungsweise Leistungskriterien bestimmt wird. Produktivlöhne charakterisieren das Grundprinzip der leistungsorientierten Lohnpolitik, dass höhere Löhne höhere Leistungen zur Voraussetzung haben müssen und dass mit der Lohngestaltung auf weitere Leistungssteigerungen orientiert wird. Produktivlöhne sind demgemäß die Grundlöhne der Produktionsarbeiter und die darauf aufbauenden Prämienlöhne sowie die Gehälter der Meister mit leistungsorientierten Gehaltsprämien und der Hoch- und Fachschulkader mit leistungsorientierten oder aufgabengebundenen Gehaltszuschlägen.

Produzentenvereinigung: Institution rohstoffgewinnender Entwicklungsländer, die den beteiligten Ländern helfen soll, eine ihren Interessen gemäße Produktions- und Preispolitik für die jeweiligen agrarischen oder mineralischen Rohstoffe durchzusetzen, zum Beispiel die Organisation erdölexportierender Länder.

profan: (lateinisch) unkirchlich, weltlich; alltäglich.

profanieren: (lateinisch) entweihen, missbrauchen.

Profi, Kurzwort für Professional, Berufssportler: Sportler, der seine sportliche Leistungsfähigkeit einem Manager (Unternehmen) verkauft.

Profil: 1. allgemein Seitenansicht; charakteristisches Erscheinungsbild.

2. Architektur: der beim Querschnitt eines Architekturgliedes sich ergebende Umriss. Die Gesamtheit der Profil, zum Beispiel einer Fassade, heißt Profilierung.

3. Bildniskunst: Seitenansicht des Kopfes (Profilbildnis); bei Halbseitwärtsdrehung spricht man von Halbprofil und bei nur geringer Wendung aus der strengen Profilansicht vom Betrachter fort von verlorenem Profil

4. Fertigungstechnik: strangförmiges Halbzeug verschiedener Querschnittsform aus Stahl (Profilstahl), Bunt-, Leichtmetall, Plast Gummi (Profilgummi für Fensterdichtungen), Glas unter anderem Werkstoffen.

5. Geographie, Kartographie: Darstellung eines senkrechten Schnittes durch die Geosphäre oder einen ihrer Teile auf topographische Grundlage; dient zur Veranschaulichung der Höhenverhältnisse (meist stark überhöht wiedergegeben), wird auch als morphologische Profil und bei Erweiterung durch zusätzliche geographische Elemente (Pflanzendecke, Nutzungsformen) als Kausalprofil bezeichnet.

6. Geologie: senkrechter Schnitt durch die Erdkruste, in dem die Lagerungsverhältnisse der Gesteine sichtbar werden. Es werden natürliche und künstliche Profil unterschieden. Konstruierte Profil sind gedachte Schnitte durch die Erdkruste.

7. Luftfahrt: im engeren Sinne Querschnitt von Flugzeugtragflächen, im weiteren Sinne auch des Leitwerks sowie von Luftschrauben.

Profilfaserstoffe: Chemiefaserstoffe, die aus speziell geformten Spinndüsenöffnungen ersponnen werden und somit zum Beispiel einen stern- oder kleeblattförmigen, drei- oder rechteckigen Querschnitt, auch Hohlprofil, aufweisen. Je nach dem Profil ergeben sich besserer Glanz und Griff, geringere Pillneigung, Glitzereffekte und andere Vorteile. Als Seiden hergestellte Profilfaserstoffe heißen Profilseiden.

Profilfutterpflanze: Vertreter einer Pflanzenart, die unter bestimmten Anbaubedingungen Höchsterträge bringt und industriemäßige Produktionsverfahren zulässt (zum Beispiel Zuckerrübe).

Profilieren: (französisch und italienisch) Herstellen kaltgebogener Profile aus Bandstahl auf Profilieranlagen. Ausgangsmaterial für das Profilieren sind warm- oder kaltgewalzte Bleche, Bänder oder Streifen.

profiliert: (französisch und italienisch) geformt; scharf Umrissen, markant, hervorstechend.

Profit: verwandelte Form des Mehrwerts und ökonomischen Haupttriebkraft der kapitalistischen Produktionsweise. Der Profit erscheint als Ergebnis der Tätigkeit des Kapitals und verhüllt dadurch die Ausbeutung der Lohnarbeiter durch die Bourgeoisie. Der Bruttoprofit ist der Gesamtprofit des fungierenden Kapitalisten vor der Teilung in Zins und Unternehmergewinn, der Nettoprofit. Gesamtprofit nach Abzug aller Zinsschulden, Pacht- und Steuerzahlungen. Extraprofit ist der durch technisch vollkommenere Betriebe, durch koloniale Ausbeutung und Monopolbildung erzielte überdurchschnittlichen Profit. Maximalprofit ist der von Monopolen angestrebte Höchstprofit. Die absolute Größe des Profits ist die Profitmasse. Ihre Entwicklung ist bestimmt durch die Entwicklung der Mehrwertmasse. Das Verhältnis der Profitmasse zum vorgeschossenen Gesamtkapital ist die Profitrate (p) nach der Formel, Mehrwert (m) m P konstantes (c) + variables Kapital (v) c + v. Die Profitrate drückt die Rentabilität des angelegten Kapitals aus; sie verschleiert die Quelle des Mehrwerts, die Ausbeutung der Lohnarbeiter. Faktoren, die die Höhe der Profitrate bestimmen, sind die Mehrwertrate, die organische Zusammensetzung des Kapitals sowie die Umschlaggeschwindigkeit des Kapitals und die Ökonomie der Produktionsmittel. Die zweigweise unterschiedlicher Profitraten wurden im vormonopolistischen Kapitalismus durch die Konkurrenz der Kapitale um die günstigste Anlagesphäre zur Durchschnittsprofitrate ausgeglichen, so dass gesetzmäßig die Kapitalisten verschiedener Zweige mit gleichgroßen Kapitalen gleichhohen Profit, den Durchschnittsprofit, erhielten. Das Streben nach Erhöhung der Masse und der Rate des Profits zwingt das Kapital, moderne Produktionsmittel und -verfahren anzuwenden; mit diesem technischen Fortschritt steigt die organische Zusammensetzung sämtlicher Kapitale, und es entsteht die Tendenz des Sinkens der Profitrate (Gesetz des tendenziellen Falls der Durchschnittsprofitrate). Diesem Widerspruch zwischen Profitbedürfnis und technischer Fortschritt wirkt die Bourgeoisie vor allem durch erhöhte Ausbeutung, verstärkten Raubbau an den natürlichen Grundlagen der Produktion (zum Beispiel Vernachlässigung des Umweltschutzes) und durch Monopolbildung entgegen. Die kapitalistischen Monopole erzielen Monopolprofit, indem sie das Produktionsfeld durch das Niederkonkurrieren anderer Kapitalisten, durch Kapitalexport, Imperialist Eroberungskriege und Hochrüstung ausweiten, die Ausbeutung der Lohnarbeiter verstärken, die freie Konkurrenz ausschalten und durch Festlegung von Monopolpreisen ihren Extraprofit stabilisieren. Im Interesse der Profitsicherung legen die Monopole der gesamten Gesellschaft einen Tribut auf. Im staatsmonopolistischen Stadium des Imperialismus konzentriert der Staat große Teile der Einkommen der Werktätigen über die Steuer- und Preispolitik im Staatshaushalt und verteilt sie über Steuergeschenke, Subventionen und Investitionen zugunsten der Monopole Um beziehungsweise finanziert davon unprofitable, aber für die Kapitalverwertung erforderliche Zweige der Infrastruktur sowie die Rüstung. Auf diese Weise wirkt der imperialistische Staat auf Kosten der Werktätigen dem tendenziellen Fall der Profitrate entgegen.

pro forma: (lateinisch) der Form wegen; zum Schein.

Profoß, Profos: früher Verwalter der militärischen Gerichtsbarkeit; Strafvollstrecker.

profund: tief; tiefgründig; gründlich.

Profundal: Lebensraum der lichtlosen Bodenregion in größeren Tiefen von Binnenseen. Siehe auch Benthal.

Progenie: (griechisch) Vorbiss (Kieferanomalien).

Progesteron, Corpus-luteum-Hormon, Gelbkörperhormon: im Gelbkörper und in der Plazenta gebildetes weibliche Keimdrüsenhormon; wichtigster Vertreter der Gestagene. Progesteron ist ein Steroid. Es bewirkt die Einbettung des befruchteten Eies in die Uterusschleimhaut, verhindert während der Schwangerschaft die Reifung weiterer Follikel und regt die Aktivierung der Milchdrüsen an.

Prognathie, Vorkiefrigkeit: am Schädel von Affen und Mensch das schnauzen artige Vorspringen von Kiefer und vorderen Zähnen; findet sich besonders bei urtümlichen Menschenrassen, aber auch als Kieferanomalie (angeboren oder erworben). Zum Unterschied von den prognathen Schädeln gibt es bei Menschen die orthognathen Schädel, bei denen die Kiefer nicht vor- oder zurückweichen und die vorderen Zähne gerade (senkrecht) stehen (Orthognathie).

Prognose: wissenschaftlich begründete Voraussage über bis dahin nicht bekannte (besonders künftige) natürliche oder gesellschaftliche Sachverhalte. insbesondere der Grad der Kenntnis der objektiven Gesetzmäßigkeiten und konkreten Bedingungen bestimmt den Zuverlässigkeitsgrad der Prognose Eine wissenschaftlich begründete gesamtgesellschaftliche Prognose gibt der Marxismus-Leninismus. Siehe auch Futurologie.

Programm: (dat. griechisch, «öffentliche schriftliche Bekanntmachung»): 1. allgemein Arbeits-, Festplan; Vortragsfolge.

2. Rechentechnik: in einer Programmiersprache abgefasste Folge von Instruktionen für die Arbeit eines Rechenautomaten. Programm regeln die Datenein- und -ausgabe sowie die Ausführung der notwendigen Rechenschritte. Die Instruktionen eines Programms werden im Allgemeinen der Reihe nach abgearbeitet. In Abhängigkeit von Bedingungen lassen sich jedoch Programmverzweigungen realisieren, durch die die Programmfortsetzung an einer anderen Stelle und speziell die Gestaltung von Programmzyklen erreicht werden können. Meist enthalten Programm sogenannt Unterprogramm, die in sich abgeschlossene Teilverfahren beschreiben und im Rahmen des gesamten Rechenablaufs beliebig oft ausführbar sind. Jedes Programm muss zur Ausführung durch den Rechenautomaten in die Maschinensprache übersetzt werden (siehe auch Programmiersprache).

programmatisch: (dat. griechisch) einem Grundsatz entsprechend; richtungweisend; zielsetzend.

Programmbibliothek: 1. Gesamtheit aller für kompatible Rechenautomaten aufgestellten Programme, die in der DDR in der Regel über Programm- und Projektzentralen nutzbar sind.

2. Gesamtheit von Programmen, die im Massenspeicher eines Rechenautomaten abgelegt sind. Wegen des schnellen Zugriffs werden dafür besonders Wechselplatten- und Diskettenspeicher verwendet. Eine Programmbibliothek beinhaltet das Betriebssystem und Anwendungsprogramme in unterschiedlichen Bearbeitungszuständen.

Programmgenerator: Programmsystem für die automatische Erzeugung anderer Programme, zum Beispiel CDL (Compiler Description Language), ein Programmgenerator zur Erzeugung von Übersetzungsprogrammen.

Programmiersprache: Mittel zum Formulieren von Programmen für Rechenautomaten. Die Definition von Programmiersprache gliedert sich in Syntax (formaler Aufbau) und Semantik (inhaltliche Festlegungen). Bei konkreten Rechenautomaten sind meist anlagenspezifische Einschränkungen zu beachten. Es gibt Programmiersprache unterschiedlichen Niveaus. Das niedrigste Niveau weist die dem Rechner unmittelbar verständliche Maschinensprache auf. Für besonders schnelle und kurze Programme findet die Assemblersprache (Maschinensprache) Verwendung, die eine maschinenabhängige symbolische Formulierung gestattet. Überwiegend verwendet man jedoch höhere, maschinenunabhängige Programmiersprache Entsprechende Programme werden durch Übersetzungsprogramme in die Maschinensprache übersetzt, entweder als Ganzes durch einen Kompiler (Compiler) oder Instruktion für Instruktion durch einen Interpreter während der Programmausführung. Wichtige Programmiersprache dieser Klasse sind PL/1 (Programming Language) mit relativ universellem Anwendungsgebiet, BASIC (Beginner’s All Purpose Symbolic Instruction Code), FORTRAN (Formula Translator), ALGOL (Algorithmic Language) 60, ALGOL 68 für mathematische und naturwissenschaftlich-technische Probleme und COBOL (Common Business Oriented Language) für ökonomische Datenverarbeitung. Als Dialogsprache hat sich besonders APL (A Programming Language) und auch BASIC durchgesetzt. Hier wird während der Programmausführung der Mensch-Maschine-Dialog gewährleistet Gegenwärtig verbreiten sich die Programmiersprache PASCAL und Ada, die ein verbessertes Niveau bieten und insbesondere zur Entwicklung von Betriebssystemen geeignet sind. Ein besonderer Zweig sind spezielle Fachsprachen, sogenannt problemorientierte Programmiersprache, die einen stark eingeschränkten Anwendungsbereich haben, jedoch sehr effektive Problemformulierungen erlauben (zum Beispiel die Simulationssprache GPSS). Fachsprachen werden oft interpretierend und relativ selten kompilierend verarbeitet.

programmiertes Lernen: didaktisch, lerntheoretisch und fachmethodologisch begründetes Lernen auf der Grundlage von Lehrprogrammen. Wichtige Merkmale sind Selbständigkeit des Aneignungsprozesses, ständige Aktivität des Lernenden und laufende Rückmeldung des Lernergebnisses (Erfolgserlebnis), Anpassung des Lernprozesses an individuelle Besonderheiten (Lerntempo, Vorkenntnisse).

Programmierung: (dat. griechisch)

1. politische Ökonomie: im staatsmonopolistischen Kapitalismus der Versuch, wirtschaftspolitische Zielstellungen des Monopolkapitals durch gesamtstaatliche Programme lang- oder mittelfristig durchzusetzen. Die Programmierung stellt eine Form der Anpassung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse an den Entwicklungsstand der Produktivkräfte dar und ist Ausdruck der Verflechtung der Macht der Monopole mit der Macht des imperialistischen Staates im Interesse monopolistischer Herrschaftssicherung und der Profitmaximierung.

2. Rechentechnik: Erarbeitung eines Programms für einen Rechenautomaten. Die Programmierung baut auf der Problemanalyse auf, bei der die anstehende Aufgabe hinreichend vielseitig untersucht und das notwendige Rechenverfahren (Algorithmus) entwickelt wird. Bei komplizierten Aufgaben erfolgt weiterhin eine Gliederung des Algorithmus in Teilschritte nebst Festlegung ihrer Reihenfolge. Als Darstellungsmittel werden meist Programmablaufpläne benutzt. Für die Programmierung selbst finden die Assemblersprache (Maschinensprache) des Rechenautomaten oder rechnerunabhängige Programmiersprachen Verwendung. Zur Programmierung gehören ferner Programmerprobung und -dokumentation. Durch Programmgeneratoren gelingt teilweise eine Automatisierung der Programmierung

Programmplanung: Planungsmethode, mit der sozialen, wissenschaftlich-technischen ökonomischen oder territorialen Aufgaben mit hohem Verflechtungsgrad komplex geplant werden, unabhängig von der leitungsmäßigen Verantwortung. Die Ergebnisse der Programmplanung sind Programme oder Konzeptionen mit orientierendem oder Direktivcharakter für die Entwicklung einzelner Bereiche in der Volkswirtschaft oder für die Zusammenarbeit im RGW.

Programmschnitt, Repetierschnitt: Polygraphie bei Schnellschneidemaschinen das Schneiden von Streifen unterschiedlicher Breite nach einem zuvor auf Magnetband oder in einen Mikrorechner eingegebenen Programm, das automatisch und ohne manuelle Hilfe die automatische Vorschubvorrichtung der Schneidemaschine steuert.

Programmspeicher: Speicher (meist Halbleiterspeicher) zur Aufbewahrung von Programmen für Mikrorechner (Betriebssystem-Speicher) und Spezialrechner oder spezielle Steuergeräte.

Programmsteuerung: Steuerung eines material-, energie- beziehungsweise informationsverarbeitenden Systems mit Hilfe eines Programms 2. Programmsteuerung wird bei EDVA unmittelbar sowie bei Werkzeugmaschinen und bei der Steuerung von Produktionsprozessen mittelbar über Mikro- oder Prozessrechner angewandt Siehe auch Ablaufsteuerung, Zeitplansteuerung.

Programmunterbrechung: Abbruch der Ausführung eines Programms in einem Rechenautomaten infolge eines Unterbrechungssignals (Interrupt) sowie der Organisation der späteren Fortsetzung. Inzwischen wird das Interrupt-Behandlungsprogramm ausgeführt, das bei einem Prozessrechner zum Beispiel die Eingabe neuer Messgrößen realisiert.

Programmmusik: nicht auf bestimmte Formen festgelegte Gattung der Instrumentalmusik, die ein beliebiges Sujet (aus der Natur, der Gesellschaft, dem menschlichen Denken und Fühlen, der Philosophie, Dichtung, Malerei) mit spezifisch musikalische Mitteln abzubilden sucht, wobei der Komponist in der Regel seine musikalische Mitteilung durch Verbalisierung, musikalische Zitate, Intonationen (Liedhaftes, Marschartiges) stereotypisierte klangliche Ausdruckscharaktere (Hornquinten: Jagd, Holzbläser: Hirtenmilieu) konkretisiert. Dabei verwendete Tonmalerei, zum Beispiel in der Programmsinfonie bei H; Berlioz und der sinfonischen Dichtung bei B. Smetana, F. Liszt, R. Strauss, aber auch die Ideenprogrammatik in den Sinfonien L. van Beethovens und D. D. Schostakowitschs bereicherten die musikalischen Ausdrucksmittel beträchtlich.

Programmwerkzeug: Werkzeug, bei dem mehrere Schneiden oder Schneidengruppen zur Bearbeitung verschiedener Formen und Abmessungen eines Werkstückes kombiniert werden, so dass die sonst mit Normalwerkzeugen und mehreren Arbeitsstufen herzustellenden Formen in einem Durchgang bearbeitet werden können (zum Beispiel Stufenbohrer).

Progress: (russisch «Fortschritt») Serie unbemannter, seit 1978 eingesetzter sowjetischer Raumflugkörper (spezielle Variante von Sojus) zum Transport von Nachschub an Nahrungsmitteln, Ausrüstungsgegenständen, Forschungsmaterialien und Treibstoff zu Raumstationen und zum Abtransport verschlissener Gegenstände; siehe auch Erdsatellit, künstlicher.

progressiv: fortschrittlich; fortschreitend, sich entwickelnd, sich steigernd.

progressive Universalpoesie: von F. Schlegel 1798 im «Athenäum» (Fragment 116) gegebene Bezeichnung für die romantische Poesie (romanartige, eine Vielfalt von Gestaltungselementen einschließende und bewusst die Gattungsgrenzen sprengende Literatur).

Prohibition: Verbot, Verhinderung; insbesondere staatliches Verbot von Herstellung, Einfuhr, Ausfuhr und Verkauf bestimmter alkoholischer Getränke (zum Beispiel USA 1920/33, Norwegen 1916/27).

Projekt: 1. allgemein Plan; Entwurf; Vorhaben.

2. Wirtschaft: Dokumentation, die die funktionelle, konstruktive, technische, technologische, bautechnische, gestalterische, ökonomische und organisatorische Lösung einer Investitions- oder einer anderen wissenschaftlich-technisch-ökonomischen Aufgabe beinhaltet.

Projektant: Auftragnehmer für die Durchführung von Projektierungsaufgaben. Als Projektant fungieren insbesondere die General- und Hauptauftragnehmer und -betriebe sowie spezielle Projektierungseinrichtungen der Bereiche oder Industriezweige.

Projektierung: Erarbeitung von funktionellen, konstruktiven, gestalterischen, bautechnologischen und ökonomischen Unterlagen für Gebäude und bauliche Anlagen zur Vorbereitung und Durchführung von Investitionen mit den Phasen Investitionsvorentscheidung (für Sonderfälle), grundfondswirtschaftliche Untersuchungen, Aufgabenstellung, Grundsatzentscheidung, Ausführungsprojektierung. Die traditionelle Projektierung wird immer mehr rationalisiert durch Spezialisierung der Projektierung, Kennzahlenarbeit, Angebotsprojektierung, internationale wissenschaftlich-technischen und ökonomischen Zusammenarbeit und durch andere Verfahren. Voraussetzung für die Projektierung ist eine exakte Aufgabenstellung und deren Begutachtung durch die zuständigen staatlichen Stellen. Moderne Projektierungsmethoden sind die Katalogprojektierung als Ausarbeitung und Anwendung von Katalogen für Baustoffe, -elemente und -gruppen des Roh- und Ausbaus und für komplette Typenbauwerke des Wohn-, Gesellschafts- und Industriebaus; die Typenprojektierung als Ausarbeitung und Anwendung standardisierter Projektunterlagen für Gebäudekategorien; die Optimal Projektierung als Auswahl der besten Lösung nach Variantenvergleichen unter Einsatz der EDV; die Modellprojektierung als maßstabgerechte zwei- (mit Modellschablonen) oder dreidimensionale (mit Modellschablonen) Darstellung von Bau- und Ausstattungsteilen; die Fotomodellprojektierung als fotografische Aufnahme der Modellschablonen beziehungsweise -elemente und Zeichner. Ergänzung der Fotos. In der Projektierung wendet man verstärkt rechnergestützte mathematische und graphische Methoden an, um den Projektierungszeitraum zu verkürzen.

Projektion: 1. allgemeiner Entwurf.

2. Geometrie: Abbildung einer räumlichen Figur durch projizierende Geraden (auch Projektionsstrahlen genannt) auf eine Ebene, die Projektionsebene; auch das entstehende Bild heißt Projektion, zuweilen Riß. Bei Zentralprojektion oder Perspektive gehen alle projizierenden Geraden durch einen Punkt, das Projektionszentrum, den Augenpunkt; bei Parallelprojektion sind diese Geraden parallel, bei Orthogonalprojektion treffen sie orthogonal auf die Projektionsebene. Siehe auch Axonometrie, darstellende Geometrie.

3. Psychologie: unbewusste oder nur zum Teil bewusste Tendenz, eigene Vorstellungen und Gefühle anderen Personen und Situationen zuzusprechen.

Projektiv: licht- oder elektronenoptisches System, das ein Zwischenbild in die Bildebene abbildet, zum Beispiel beim Projektionsmikroskop.

projektive Geometrie: Teilgebiet der Geometrie, in dem Eigenschaften von Figuren untersucht werden, die bei Projektionen ungeändert bleiben, zum Beispiel das Doppelverhältnis von 4 Punkten. Durch Einführung uneigentliche, unendlich ferner Punkte bekommen je 2 in einer Ebene liegende Geraden einen Schnittpunkt, werden zum Beispiel Hyperbel und Parabel zu geschlossenen Kurven und können durch Projektion auf einen Kreis abgebildet werden.

Projektor: 1. Projektor, Bildwerfer, Stehbildwerfer, Projektionsapparat, optisches Gerät zum Erzeugen eines reellen vergrößerten Bildes eines (ebenen) Gegenstandes mittels Objektivs auf einer Bildwand. Unterschieden werden Diaprojektor (Diaskop) für Dias; Epiprojektor (Episkop) für Aufsichtbilder im Format A 5 und größer, Epidiaskop als kombiniertes Gerät für Dia- und Epiprojektion; Schreibprojektor (Overheadprojektor) ähnlich dem Diaprojektor, bei dem während der Projektion auf Folien geschrieben werden kann. Das Lesegerät zum Auswerten von Mikrofilmen und der Stereoprojektor sind im Prinzip Diaprojektor.

2. Projektor, Filmprojektor, Kinofilmprojektor, Laufbildwerfer: optisches -elektromechanisches Gerät zur Wiedergabe fotografischer, auf Kinofilm gespeicherter Phasenbilder von Bewegungsvorgängen. Die wichtigsten Teile des Projektors sind das Laufwerk, das Abbildungssystem, die Tonabtasteinrichtung, der Antriebsmotor und verschiedene Bedienelemente. Unterschieden werden

a) stationäre und transportable Projektor

b) Theater-, Koffer- und Heimprojektor sowie

c) Projektor entsprechend den verschiedenen Filmformaten.

Proklamation: (französisch) öffentliche Bekanntmachung, feierliche Verkündigung; (meist politischer) Aufruf.

Proklos, 410-485, griechischer Philosoph; gab dem Neuplatonismus ein abgeschlossenes System. Neben mystischen Spekulationen sind von ihm wertvolle astronomische-mathematische Kommentare überliefert.

Prokofjew: 1. Iwan Prokofjewitsch, 4.2.1758 bis 22.2.1828, russischer Bildhauer; erweist sich in seinen emotional aufgefassten Figuren, Gruppen, Reliefs, Terrakotten und Porträts als ein Vertreter des empfindsamen Klassizismus in Russland.

2. Sergej Sergejewitsch, 23.4.1891-5.3.1953, sowjetischer Komponist, Pianist und Dirigent; war Schüler von R. M. Glier, N. A. Rimski-Korsakow unter anderem; lebte seit 1918 in den USA, in Deutschland und vor allem in Frankreich, kehrte 1932 in seine Heimat zurück. Als einer der hervorragendsten und vielseitigsten Komponisten seiner Generation bereicherte er nahezu alle musikalischen Genres mit Meisterwerken und beeinflusste den Stil vieler jüngerer Komponisten. Bekannt wurden vor allem seine Ballette («Romeo und Julia», «Aschenbrödel»), Opern («Krieg und Frieden», «Die Geschichte eines wahren Menschen», «Die Liebe zu den drei Orangen»), Instrumentalkonzerte (insbesondere die Klavierkonzerte), die «Klassische Sinfonie», das musikalische Märchen «Peter und der Wolf», Kammer- und Klaviermusik sowie Lieder und Filmmusik.

Prokonsul: in der römischen Republik Statthalter einer Provinz, in der Kaiserzeit einer Senatsprovinz, der mit den Befugnissen eines Konsuls ausgestattet und meist vorher selbst Konsul gewesen war.

Prokop der Große, Prokop der Kahle, um 1380 bis 30.5.1434, tschechischer Priester; nach dem Tode J. Zizka von Trocnov seit 1426 Führer des Taboriten Heeres; in der Schlacht bei Lipany gefallen.

Prokopfquote: Kennziffer, die die Produktion oder den Verbrauch eines Erzeugnisses oder einer Erzeugnis Gesamtheit in das Verhältnis zu einer bestimmten Anzahl von Personen setzt. Prokopfquoten werden berechnet zum Beispiel zur Einschätzung des wirtschaftlichen Potentials wie Stahlproduktion in kg je Einwohner.

Prokopios von Kaisareia, (griechisch, zu Cäsarea in Palästina) um 500-565, byzantinischer Historiker; seine 3 Geschichtswerke bilden die wichtigsten Quellen für die Epoche Justinians I. Die 8 Bücher «Über die Kriege» schildern die Kämpfe mit Persern, Wandalen und Ostgoten. Panegyrisch äußert sich Prokopios von Kaisareia über «Die Bauwerke» des Kaisers, den er andererseits als Vertreter der Senatspartei in der erst nach seinem Tode veröffentlichten «Anekdota» (Geheimgeschichte) auf das heftigste angreift.

Prokrustes, in der griechischen Sage Unhold, der bei ihm einkehrende Wanderer durch Verstümmelung oder Streckung in eine Bettstelle (Prokrustesbett) einpasste; von Theseus auf die gleiche Weise getötet.

Proktitis: (griechisch) Entzündung der Mastdarmschleimhaut.

Proktologie: Teilgebiet der Gastroenterologie; Lehre von den Funktionen und Erkrankungen des Enddarms (Mastdarm, After).

Prokura: (italienisch, eigentlich «das Sorgetragen») die in einem privaten Betrieb einem Angestellten (Prokurist) erteilte und im Handelsregister einzutragende Vollmacht, alle laufend vorkommenden Geschäfte vornehmen zu können. Der Prokurist zeichnet mit dem Zusatz (p.p. per procura; in Vollmacht).

Prokurator: (lateinisch) im römischen Recht Beauftragter, insbesondere für die kaiserliche Finanzverwaltung; auch Statthalter kleiner Provinzen.

Prokyon, Procyon (lateinisch griechisch, «Vorhund»): hellster Stern im Sternbild Kleiner Hund; Helligkeit 0:36.

Prolaps, Vorfall: Heraustreten von Organen oder Organteilen, zum Beispiel der Gebärmutter, des Mastdarms, einer Bandscheibe.

Prolegomena: (griechisch; Sing. -menon) einleitende Vorbemerkungen; Vorwort, Vorrede; Einführung.

Prolepse: betonte Anfangsstellung (Vorwegnahme) eines Satzgliedes und seine Wiederaufnahme durch ein Pronomen beziehungsweise Adverb; zum Beispiel - Der Plan wie wird er gemeistert?

Proletariat, Großes, I. Proletariat: erste polnische sozialistische und internationalistische Arbeiterpartei, 1882 von L. Warynski gegründet, 1885/86 durch die zaristische Polizei zerschlagen; von M. Kasprzak und L. Kulczycki als II. Proletariat 1888 neu organisiert, 1892 wieder zerschlagen.

Proletarii: (dat. proles, «Nachkommen» (als ihr einziges Vermögen)) im alten Rom die gemäß der Verfassung des Servius Tullius (6. Jahrhundert vor Christus) die unterste Besitzgrenze nicht erreichenden Bürger; waren von der politischen Mitbestimmung in der Volksversammlung ausgeschlossen und damit weder Steuer noch heeresdienstpflichtig. Seit der Heeresreform des Marius (105 vor Christus) stellten die Proletarii die Hauptmasse des Söldnerheeres. Sie waren die unterste parasitäre Schicht innerhalb der freien Bürgerschaft, das antike Lumpenproletariat. Sie erhielten vom Staat regelmäßig panem et circenses.

proletarische Hundertschaften: Schutz- und Wehrorganisation der deutschen Arbeiterklasse 1920/23 (Verbot); durch die KPD auf Basis der proletarischen Einheitsfront zur Abwehr der wachsenden faschistischen Gefahr und Unterstützung revolutionärer Aktionen geschaffen, schützte Arbeitereigentum, Streiks und Demonstrationen. Siehe auch Roter Frontkämpferbund,

proletarisch-revolutionäre Kunst: Kunst der revolutionären Arbeiterklasse in der Periode des Kampfes gegen die herrschende Bourgeoisie. Ihre qualitative Besonderheit gegenüber der sozialkritischen Kunst des demokratischen Bürgertums gründet sich auf die sozialistische Parteilichkeit. Die proletarisch-revolutionäre Kunst ist kein Stil, sondern ein Ausdruck dessen, dass sich Künstler eng mit dem Kampf des revolutionären Proletariats verbunden fühlen. Vorstufen der proletarisch-revolutionären Kunst bildeten sich bereits in verschiedenen Strömungen der bürgerlichen Kunst des 19. Jahrhundert heraus. Nicht wenige Künstler stellten in dieser Phase des Übergangs zum Imperialismus und der Vorbereitung der sozialistischen Revolution ihre Kunst in den Dienst der Arbeiterklasse und gelangten so zu einer neuen, sozialistisch orientierten Kunst. Die soziale Lage der Arbeiterklasse bestimmte zunehmend die Themenbereiche der Kunst (Arbeitsdarstellungen, Industriebild, Streik, Demonstration unter anderem). Mit dem Ziel der Massenwirksamkeit entwickelte die proletarisch-revolutionäre Kunst eine expressive, oft aggressive Bildsprache und nutzte unterschiedlichste Gestaltungsverfahren und Techniken (besonders auch Graphik). Seit dem Sieg der Oktoberrevolution erweiterte sich das Wirkungsfeld der proletarisch-revolutionären Künstler wesentlich. Im engen Bündnis mit der KPD schufen sie 1928 mit der Gründung der Asso die organisatorische Basis, die sie vor allem auch zum Kampf gegen den Faschismus befähigte. Die proletarisch-revolutionäre Kunst hatte große Bedeutung im antifaschistischen Widerstand und gehört zu den grundlegenden Traditionen des sozialistischen Realismus. Vertreter der proletarisch-revolutionären Kunst in Deutschland waren unter anderem K. Kollwitz, O. Nagel, H. und L. Grundig, A. Frank, H. Vogeler, O. Griebel, W. Lachnit.

proletarisch-revolutionäre Literatur: die um 1924/35 in engem Zusammenhang mit dem von der KPD geführten Kampf entstandene Literatur der revolutionären Arbeiterklasse; zeichnet sich aus durch sozialistischen Ideengehalt, künstlerische Eroberung neuer Wirklichkeitsbereiche und Streben nach gesellschaftlich aktivierender Funktion. Mit der proletarisch-revolutionären Literatur, in der sich das Leninsche Prinzip der Parteilichkeit durchsetzte, entwickelten sich der sozialistischen Realismus in der deutschen Literatur sowie Anfänge einer sozialistischen deutschen Nationalliteratur. Zentrum der proletarisch-revolutionären Literatur war der Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller.

Proletkult: Kurzwort für proletarskaja kultura, «proletarische Kultur», russische linksradikale Richtung innerhalb der sozialistischen Kulturrevolution in Sowjetrussland; von Lenin wegen ihrer Lösung von der kommunistischen Bewegung und Unterschätzung kultureller Traditionen wie bürgerlicher Kultur 1920 scharf kritisiert. Siehe auch Kulturerbe.

Proliferation: Gewebewucherung (Zellvermehrung und Kapillarsprossung) im Rahmen einer chronischen Entzündung.

Prolin, Symbol Pro: eine heterozyklische Aminosäure der Formel (C4H8N)-COOH; kommt in vielen Eiweißen, besonders in Gelatine und Leim, vor.

Prolog: Vor-, Einleitungsrede; einleitendes Vorspiel (zum Beispiel in Goethes «Faust») oder Erzählstück. Siehe auch Epilog.

Prolongation: Verlängerung (zum Beispiel einer Frist); Aufschub, Stundung (einer Forderung).

pro memoria, Abkürzung (p.m.): zum Gedächtnis, zur Erinnerung.

Promemoria: Denkschrift; Eingabe.

Promenade: baumbestandener, repräsentativer Spazierweg.

promenieren: Spazierengehen; auf und ab gehen.

Prometheus, («Vorausdenker») in der griechischen Sage Sohn des Titanen Iapetos und der Klymene, Bruder von Epimetheus, Atlas und Menoitius; schuf nach der Überlieferung die Menschen, stahl für sie vom Himmel das Feuer und ermöglichte damit Handwerk und Künste; wurde deshalb zur Strafe an den Kaukasus geschmiedet, dort fraß ihm ein Adler die ständig nachwachsende Leber ab, bis Herakles den Adler tötete. Prometheus wurde zum Symbol des aufbegehrenden Kämpfers und Menschenfreundes.

Promethium, (nach Prometheus) Symbol Pm: künstliches radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 61; Seltenerdmetall; F 1168 °C; Dichte 7,22 g/cm3; längste Halbwertszeit 18 Jahre (Pm 145). Promethium wurde 1947 von J. A. Marinsky unter anderem (USA) in Kernspaltprodukten entdeckt.

Prominenz: Größe; Gesamtheit führender beziehungsweise hervorragender Persönlichkeiten.

Promotion: (dat., «Beförderung») nach vorangegangenen vorgeschriebenen Qualifizierungen (unter anderem Vertiefung der Kenntnisse in Marxismus-Leninismus, Ablegung von Sprachkundigen Prüfungen) Verfahren der Einreichung, Annahme und öffentliche Verteidigung der Dissertation zur Erlangung eines der akademischen Grade «Doktor». Besondere Verdienste in Wissenschaft, Technik, Politik, Kultur können mit der Ehrenpromotion zum Dr. h.c. gewürdigt werden.

prompt: schnell bereit; sofort, rasch; pünktlich; schlagfertig.

Promptgeschäft: im Warenbörsengeschäft Abschluss, bei der umgehenden Leistung zu erfolgen hat.

Pronation: Anatomie a) Einwärtsdrehung des Unterarmes und der Hand, so dass der Daumen einwärts, der Handteller nach unten zeigt;

b) am Fuß Senkung des inneren Fußrandes und Anhebung der Zehen im Unterschied zur Supination.

Pronoia: (griechisch, «Fürsorge», «Verwaltung») byzantinische Form des Lebens; bestand in einer zunächst befristeten, seit dem 13. Jahrhundert erbliche kaiserliche Überlassung von Land «zur Verwaltung» (einschließlich der Einkünfte) für geleistete beziehungsweise zu leistende, besonders militärische, Dienste. Die Bauern waren aber nicht an das Land gebunden; die Pronoia trug zum weiteren Ruin der kleineren Grundeigentümer bei.

Pronomen, Fürwort: Wortart, Nomen mit Verweisfunktion; deklinierbar (unterschiedlich in den einzelnen Arten); Gebrauch im Satz wie Substantive (Personalpronomen) oder Adjektive (Possessivpronomen).

Pronominaladverb: (lateinisch) Umstandsfürwort, zum Beispiel wozu.

prononciert: (französisch) deutlich ausgesprochen; stark betont; scharf ausgeprägt

Prontosil: erstes therapeutisch brauchbares Sulfonamid, dessen antibakterielle Wirkung 1935 von G. Domagk nachgewiesen wurde. Die chemotherapeutisch wirkenden Sulfonamide wurden aus den synthetischen Azofarbstoffen entwickelt.

Propädeutik: (griechisch) vorbereitende Einführung in eine Wissenschaft, ein Studium oder eine Aufgabe.

Propan: Alkan der Formel QHj. Propan ist ein farb- und geruchloses, brennbares, wasserunlösliches Gas; Kp -44,5 °C; das technische Produkt riecht schwach benzinartig. Propan ist schwerer als Luft; entsprechende Gemische sind explosibel. Propan wird aus Erdöl oder als Nebenprodukt der Braunkohlenteerhydrierung gewonnen; es kommt, häufig im Gemisch mit Butan, druckverflüssigt (800 kPa) in Stahlflaschen mit linksgängigem Gewinde in den Handel und dient als «Flüssiggas» zum Heizen.

Propanol, Propylalkohol: farblose, brennbare, mit Wasser mischbare Flüssigkeit von Ethanol artigem Geruch; Formel C3H7OH; Kp 97,2 °C. Es wird zur Unterscheidung von Isopropanol auch als n-Propanol (Normal-Propanol) bezeichnet und hauptsächlich als Lösungsmittel verwendet.

Propeller-Turbinen-Luftstrahltriebwerk, Abkürzung PTL-Triebwerk: Gasturbinenflugzeugtriebwerk, das einen Teil (etwa 90 %) seiner Leistung als Wellenleistung an eine Luftschraube abgibt; der Rest wird zur Beschleunigung der durchgesetzten Gasmasse in der Schubdüse zur Erzeugung von Schubkraft aufgewendet.

Propen, Propylen: Alken der Formel CH3-CH=CH2. Propen ist ein farbloses, mit gelber, rußender Flamme brennendes, kaum wasserlösliche Gas; Kp -47,7 °C. Propen ist eines der wichtigsten petrolchemischen Primärprodukte; es wird durch katalytische Spaltprozesse aus Benzinen und anderen Kohlenwasserstoffgemischen gewonnen und insbesondere zu Acrylnitril, Isopropanol, Kumol, Azeton, Glyzerol und Polypropylen verarbeitet.

Properz, Sextus Propertius, um 47-um 15 vor Christus, römischer Elegiendichter, gehörte zum Kreise des Maecenas; erhalten sind 4 Bücher Elegien, in denen er mit echter, starker Empfindung Glück und Leid seiner Liebe zu Cynthia besingt.

Prophet: Seher, Künder, Ekstatiker; Prophet gelten in verschiedenen Religionen als Übermittler des göttlichen Willens und als Ankündiger zukünftiger Ereignisse; besonders bekannt wurden die israelitischen jüdischen Propheten des Alten Testaments und die von ihnen überlieferten Schriften.

Prophylaktika: Vorbeugungsmittel; zum Beispiel Vitamin D zur Verhinderung der Rachitis oder Desinfektionsmittel und Antibiotika zur Vermeidung von Wundinfektionen.

Prophylaxe: Vorbeugung; im Gesundheitsschutz die Gesamtheit aller Maßnahmen, die das Auftreten von Krankheiten verhindern oder sie zum frühestmöglicher Zeitpunkt zu erkennen und zu behandeln gestatten. Hierzu gehören unter anderem Gesundheitserziehung, festgesetzte Schutzimpfungen, ständige Überwachung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung durch Beratungen und Reihenuntersuchungen. Der sozialistische Gesundheitsschutz sichert die Einheit von Prophylaxe, Diagnostik, Therapie, Metaphylaxe und Rehabilitation. In der sozialistischen Gesellschaft wird die Prophylaxe in der Tätigkeit der Ärzte und anderer Mitarbeiter des Gesundheitswesens immer stärker ausgebaut

Propionsäure, Propansäure: eine farblose, stechend sauer riechende Flüssigkeit; F -22 °C; Kp 141,3 °C; die Salze und Ester heißen Propionate-, Natrium- und Kalziumpropionat werden zur Konservierung von Brot und anderen Lebensmitteln verwendet.

Proportion: 1. allgemein Größen-, Maßverhältnis; Gleich-, Ebenmaß.

2. Mathematik: Gleichung zwischen Verhältnissen, also Quotienten, positiver Zahlen, zum Beispiel a: b = c: d. a und d heißen Außenglieder, b und c Innenglieder. In jeder Proportion ist das Produkt ad der Außenglieder gleich dem Produkt bc der Innenglieder.

Proportionalität: objektive ökonomische Erfordernisse des Wachstums der sozialistischen Volkswirtschaft, tun eine planmäßige, dynamische, kontinuierliche und harmonische Entwicklung des arbeitsteiligen Reproduktionsprozesses zu gewährleisten. Ihre Einhaltung verlangt, entsprechend dem Gesetz der planmäßigen proportionalen Entwicklung der Volkswirtschaft, die ständige, bewusste Herstellung und Aufrechterhaltung der erfordert. Volkswirtschaft Proportionen in und zwischen den Zweigen der gesellschaftlichen Produktion. Die Proportionalität wird mit Hilfe des Volkswirtschaftsplanes gewährleistet, in dem die für die Entwicklung der Volkswirtschaft erfordert. Proportionen festgelegt werden. Siehe auch Gesetz der planmäßigen proportionalen Entwicklung der Volkswirtschaft.

Proportionalschrift: von der üblichen Schreibmaschinenschrift mit konstantem Buchstabenabstand abweichende Schriftform, bei der der von den Typenhebeln gesteuerte Buchstabenabstand entsprechend deren Breite unterschiedlich ist. Das Schriftbild gleicht fast einer gesetzten Schrift.

Proportionslehre: die Lehre von der Harmonie der Teile eines Kunstwerks untereinander und zum Ganzen; Ausgangspunkt fast jeder Proportionslehre sind die Größenverhältnisse der Teile des menschlichen Körpers zueinander. Diese suchte man in einem Kanon festzulegen, um danach die menschliche Idealgestalt zu bilden. Nach der Antike (Polyklet) wurde das Studium der Proportionen in der Renaissance wieder aufgenommen (L. B. Alberti, Leonardo da Vinci, A. Dürer). Bedeutung hat die Proportionslehre besonders auch für die Baukunst (Goldener Schnitt, Quadratur).

Proporz: Verteilung der Mandate nach dem Stimmenverhältnis, das heißt entsprechend der Anzahl der bei Proportionalwahlen (Verhältniswahlen) für jede Gruppe (Partei) abgegebenen Wählerstimmen.

Proprätor: im alten Rom ehemaliger Prätor, der als Statthalter in eine Provinz geschickt wurde. In der Kaiserzeit war der Proprätor Verwalter einer kaiserlichen Provinz ohne militärisches Kommando.

Propst: (dat., «Vorgesetzter») in der römisch-katholischen und evangelischen Kirche oberster Geistlicher eines Domkapitels, Stifts oder eines mehrere Gemeinden umfassenden Kirchengebiets (Propstei) mit unterschiedlichen Befugnissen.

Propyläen: antike griechische Eingangstore; die bedeutendsten Propyläen sind die der Akropolis. von Athen, durch Mnesikles 437/432 vor Christus erbaut. Ihr unregelmäßiger Grundriss erklärt sich durch nachträgliche Planänderung.

Propyläen, Die: 1798/1800 von J. W. Goethe und dem Maler und Kunstschriftsteller H. Meyer (1760-1832) bei Cotta herausgegebene Kunstzeitschrift mit Beiträgen (besonders zur bildenden Kunst) von Goethe, Schiller, W. von Humboldt, H. Meyer.

Propylenoxid: eine zu den Epoxiden gehörende farblose, wasserlösliche, sehr leicht verdampfende, äußerst feuergefährliche Flüssigkeit der Formel CH2-0-CH-CH3; Kp 35 °C. Propylenoxid ist unter anderem Zwischenprodukt für die Herstellung vieler Polyurethane.

pro rata: nach Verhältnis, anteilmäßig.

Prorektor: Stellvertreter des Rektors einer Universität oder Hochschule, verantwortlich für die gesamte Hochschule beziehungsweise für bestimmte Aufgabenbereiche (in der DDR in der Regel Prorektor für Gesellschaftswissenschaften, Prorektor für Naturwissenschaften, Prorektor für Medizin, Prorektor für Erziehung und Ausbildung).

Prorokow, Boris Iwanowitsch, 9.5.1911 bis 19.9.1972, sowjetischer Graphiker; arbeitete als Pressezeichner und Karikaturist (unter anderem für «Krokodil») sowie als Plakatkünstlerische Hauptwerke sind seine Folgen von Zeichnungen zu bedeutsamen politischen Themen.

Prosa: die nicht durch metrische Mittel gebundene mündliche und schriftliche Rede; kann rhythmisch gegliedert sein. Unter Prosa versteht man auch die Erzählkunst (Roman, Novelle unter anderem) allgemein.

prosaisch: nüchtern, phantasiearm (die Bedeutung geht auf das 18. Jahrhundert zurück, als der Kunstwert von Prosa wenig anerkannt wurde).

Prosektur: Abteilung für Leichenuntersuchungen in kleineren Krankenhäusern; wird vom Prosektor geleitet. In größeren Krankenhäusern und medizinische Hochschuleinrichtungen gibt es pathologische Institute mit erweiterter Aufgabenstellung, zum Beispiel Gewebeuntersuchungen von Operationsmaterial.

Proselyt: (griechisch, «Hinzugekommener») Neubekehrter, von einer Religion, Partei 0. ä. zu einer anderen Übergetretener.

proskribieren: ächten, verbannen; für vogelfrei erklären.

Proskurin, Pjotr Lukitsch, geboren22.1.1928, russisch-sowjetischer Schriftsteller, schrieb über die Entwicklung des Dorfes in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg (Roman «Bittere Gräser», 1964); schuf Erzählungen (dt. Sammlung «Die sechste Nacht», 1970) und die Romane «Schicksal» (1972, deutsch) und «Heilig sei er, dein Name» (1977/78, deutsch), in denen er ein breites Bild der Geschichte des Landes von den dreißiger Jahren bis in die Gegenwart zeichnet.

Proskynese: (griechisch) kniefällige Verehrung, rituelles Sich-zu-Boden-Werfen.

Prosodie: (griechisch, «Zugesang»)

1. Metrik: Lehre von der Sprachbehandlung im Vers; im Deutschen nach dem akzentuierenden Versprinzip.

2. Musik: das Wort-Ton-Verhältnis, die Deklamation der Wörter im musikalischen Zusammenhang, zum Beispiel mit Hilfe des Rhythmus und der Tonhöhenunterschiede.

Prospekt: 1. Werbeschrift, Preisliste.

2. großzügig angelegte, repräsentative Straße in der UdSSR.

3. Stadtansicht in streng perspektiver Form.

4. Schauseite der Orgel, meist aus Prinzipalpfeifen bestehend; oft im Zeitstil künstlerisch gestaltet.

5. bemalte Rückwand der im 17. Jahrhundert entstandenen Kulissenbühne, die räumliche Wirkungen betonen soll; in modifizierter Form als Bühnenhorizont auch in der modernen Bühnenraumgestaltung benutzt.

Prospektion: Aufsuchen von Lagerstätten mittels geologischer, geophysikalische und bergmännische Methoden; siehe auch Erkundungsgeologie, ökonomische Geologie.

prosperieren: gedeihen, blühen; vorankommen.

Prosperität, Prosperity: Aufschwungsphase im kapitalistischen Krisenzyklus.

Prostaglandine: Gruppe von ungesättigten Fettsäurederivaten; hochwirksame, hormonähnliche Stoffe, die auf Enzyme und die glatte Muskulatur wirken und zum Beispiel bei Bluthochdruck und Asthma bereits therapeutische Anwendung finden.

Prostata, Vorsteherdrüse: etwa walnussgroße Drüse des Mannes, deren Sekret dem Samen beigemischt wird; liegt unter der Harnblase und umschließt den Anfangsteil der Harnröhre.

Prostatahypertrophie: im Alter häufig auftretende Vergrößerung der die hintere männliche Harnröhre umgebenden Drüsen mit Behinderung der Harnentleerung aus der Blase.

Prostatitis: Entzündung der Prostata; verursacht unter anderem durch Bakterien und Trichomonaden.

prosthetische Gruppe: nichtproteinartige niedermolekulare Gruppe in zusammengesetzten Proteinen (zum Beispiel Häm-Gruppe in Hämoproteinen). Relativ fest an ein Enzym gebundene Koenzyme werden auch als prosthetische Gruppe bezeichnet.

Proszenium: Vorbühne zwischen Vorhang und Rampe in Theatern mit traditioneller Guckkastenbühne; baukünstlerisch gestaltete Umrahmung der Bühnenöffnung. Seitlich befindet sich die Proszeniumsloge, früher auch Bühnenlaube genannt.

Protagonist: (griechisch) Hauptdarsteller in der altgriechischen Tragödie; heute zur Kennzeichnung des Helden eines Dramas gebraucht.

Protagoras, um 485-415 vor Christus, griechischer Philosoph; Haupt der Sophistik. Der aufgeklärte und religiös indifferente Protagoras erklärte den Menschen zum eigentlichen Bezugspunkt («Der Mensch ist das Maß aller Dinge.») und erkannte die Geschichtlichkeit und Relativität sozialer Normen.

Protaktinium, Symbol Pa: radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 91. Protaktinium ist ein sehr seltenes, luftbeständiges Metall; F1560 °C; Dichte 15,4 g/cm3; längste Halbwertszeit 3, 25 • 104 Jahre (Pa 231). Protaktinium wurde 1918 von O. Hahn und L. Meitner (Deutschland) sowie fast gleichzeitig von F. Soddy und J. Cranston (Großbritannien) entdeckt

Protamin: stark basische, schwefelfreie Eiweißverbindung, die aus Fischsperma gewonnen wird. Protamin wird medizinisch als Antidot bei der Heparin Überdosierung verwendet.

Proteasen: Gruppe der hydrolytisch wirkenden Enzyme, die die Peptidbindung in Proteinen aufspalten. Zu den Proteasen gehören Proteinasen (zum Beispiel Pepsin, Trypsin) und Peptidasen.

protegieren: begünstigen, fordern.

Proteinbiosynthese, Proteinsynthese, Eiweißsynthese: Aufbau von Proteinen nach der in der DNS verschlüsselten genetischen Information. Im ersten Schritt, der Transkription, wird die Boten-RNS (mRNS) gebildet, die die Information eines oder mehrerer Gene enthält. Im zweiten Schritt, der Translation, werden an den Ribosomen entsprechend der Nukleotidsequenz der m-RNS Proteine mit spezifischen Aminosäuresequenz synthetisiert.

Proteine, Eiweiße: aus Aminosäuren zusammengesetzte Makromoleküle mit vielfältigen Funktionen in allen Organismen. Proteine bestehen aus linearen Ketten, wobei verschiedene Aminosäurebausteine durch Peptidbindungen verknüpft sind. Diese Polypeptidketten bilden räumliche Strukturen aus, die sich in mehrere Strukturelemente durch Strukturebenen eingliedern lassen. Die Raumstruktur ist für die Funktionstüchtigkeit der Proteine von entscheidender Bedeutung, ihre Zerstörung (Denaturierung) geht meist mit dem Verlust der Funktion der Proteine einher. Ein Proteinmolekül kann aus einer einzelnen Polypeptidkette (monomere Proteine) oder mehreren, meist geradzahligen Ketten (oligomere Proteine) bestehen. Die Einteilung der Proteine erfolgt nach ihrer Herkunft, Struktur oder Funktion. Neben einfachen Proteinen unterscheidet man zusammengesetzte Proteine (Proteide), die zum Beispiel Metalle, Phosphorsäure und Kohlenhydrate gebunden enthalten.

Proteinurie, Eiweißhamen, Albuminurie (dat + griechisch): krankhafte Eiweißausscheidung (besonders Albumine) im Harn; vorwiegend bei akuten und chronischen Nierenerkrankungen, zum Beispiel Nephrose, vorkommend.

Protektion: Gönnerschaft; Begünstigung; Förderung; Schutz.

Protektionismus: System der staatlichen Wirtschaftspolitik im Kapitalismus zur Sicherung der Profite der eigenen Bourgeoisie gegen ausländische Konkurrenz, zum Beispiel durch Abschirmung des Binnenmarktes mit Hilfe einfuhrbehindernder Zollmauern (Schutzzölle), durch mengenmäßige Einfuhrbeschränkungen (Importkontingente) oder totale Einfuhrverbote (Prohibitivsystem).

Protektorat: 1. allgemein Schirm-, Schutzherrschaft; Ehrenvorsitz.

2. Völkerrecht: Form umfassender Abhängigkeit eines Staates von einem anderen. Der unter Protektorat stehende Staat überlässt (meist unfreiwillig) dem anderen die Ausübung seiner souveränen Rechte und verliert de facto seine Selbständigkeit. Das Protektorat war eine verbreitete Form imperialistische Unterdrückungs- und Ausbeutungspolitik insbesondere in der Phase der territorialen Aufteilung der Welt unter die Kolonialmächte; heute völkerrechtswidrig.

Protektorat Böhmen und Mähren: durch Erlass A. Hitlers vom 16.3.1939 geschaffenes Okkupationsregime in den am 14./15.3.1939 von faschistischen deutschen Truppen besetzten Teilen der Tschechoslowakei. Die politische Macht war in der Hand des deutschen Reichsprotektors konzentriert, die Protektoratsregierung, Vertreter der kollaborierenden tschechischen Großbourgeoisie, war nur nominell autonom. Das deutsche Monopolkapital beherrschte die Wirtschaft und stellte sie in den Dienst des Krieges. 300000 Patrioten wurden ermordet.

Proteolyse: hydrolytische Spaltung von Peptidbindungen in Proteinen. Die enzymatisch durch Proteasen katalysierte Proteolyse liefert Peptide und Aminosäuren. Bei der chemischen Hydrolyse durch Säuren oder Laugen werden Eiweiße zu Aminosäuren aufgespalten.

Proterandrie, Protandrie (beide griechisch): Vormännlichkeit; Reifung der männlichen vor den weiblichen Geschlechtsprodukten bei zwittrigen Tieren und Pflanzen. Der umgekehrte Fall wird als Proterogynie bezeichnet. Durch Proterandrie wird vielfach die Selbstbefruchtung ausgeschlossen.

Proterozoikum, Erdfrühzeit: Frühzeit der Entwicklung des Lebens, Äon zwischen Riphäikum und Archaikum; siehe auch geologische Systeme.

Protest: 1. allgemein Einspruch, Widerspruch, Verwahrung.

2. Prozessrecht: Rechtsmittel des Staatsanwalts gegen kreisgerichtliche und erstinstanzliche Urteile der Bezirksgerichte; ausgenommen sind Ehescheidungsurteile. Der beim jeweils übergeordneten Gericht eingelegte Protest führt zur Überprüfung des angefochtenen Urteils.

3. Wechselrecht: amtliche Beurkundung für Regress Zwecke, dass der Verpflichtete nicht gezahlt hat.

Protestantismus: Bezeichnung für die aus der Reformation im 16. Jahrhundert hervorgegangenen evangelischen Kirchen; entstand nach der «Protestation» der evangelischen Reichsstände auf dem Reichstag zu Speyer 1529 (Einspruch gegen das Verbot kirchliche Neuerungen, insbesondere gegen die Aufhebung des Beschlusses zur freien Religionsausübung von 1526).

protestieren: Einspruch einlegen, widersprechen; sich verwahren, Verwahrung einlegen; (Wechsel) zurückweisen.

Proteus, in der griechischen Sage weissagender Meeresgott; besaß die Fähigkeit, verschiedene Gestalten anzunehmen; übertragen wandelbarer, wetterwendischer Mensch.

Prothese: künstlicher Ersatz von Gliedern, Organen, Organteilen, zum Beispiel von amputierten Gliedabschnitten, Gefäßen, Gelenken (Endoprothese), Augen; Zahnersatz.

Prothetik: Kunst des Ersatzes fehlender Körperteile durch Prothesen. In der Stomatologie wichtiges Teilgebiet, das sich mit dem Ersatz verlorengegangener Zähne, Zahn- und Kieferanteile beschäftigt, um Ästhetik, Kau- und Sprechfunktion wiederherzustellen. Siehe auch Zahnersatz.

Protisten: zusammenfassende Bezeichnung für mehrere Gruppen relativ niedriger Lebewesen. im Allgemeinen rechnet man dazu die mit echten Zellkernen ausgestatteten Einzeller (Protisten im engeren Sinne) sowie die Prokaryoten.

Protobulgaren: Turkstämme, die ursprünglich im Gebiet des Kaukasus, des Kasp. und Schwarzen Meeres siedelten; im 4./6. Jahrhundert unter Herrschaft der Hunnen und Awaren; unter Asparuch gründeten die im Donaugebiet eingedrungenen Protobulgaren 681 gemeinsam mit slawischen Stämmen das 1. Bulgarenreich.

Prokaryoten, Prokaryonten: Sammelbezeichnung für Bakterien und Blaualgen, die sich von den Eukaryoten unter anderem durch das Fehlen echter Zellkerne unterscheiden.

Protokoll: Niederschrift; schriftlicher Bericht über Verlauf und Gegenstand von Sitzungen, Verhandlungen, Vernehmungen unter anderem. Ein nach gesetzlicher Vorschrift gefertigtes Protokoll hat zum Beispiel im Ermittlungs- und im gerichtlichen Verfahren einen bestimmten Beweiswert.

Protomonadina: farblose Geißeltierchen mit 1 oder 2 Geißeln, die parasitisch oder freilebend verkommen. Letztere sind zum Teil wichtige Leitformen verschmutzter Gewässer, zum Beispiel Bodo putrinus.

Proton: 1. Zeichen p: stabiles Elementarteilchen aus der Familie der Baryonen mit Ruhmasse = 1,672 65 • 10-27 kg, Spinquantenzahl s = 4 positiver Elementarladung und magnetischen Moment (Kernmagneton). Das Proton ist wie das Neutron Bestandteil des Kerns. Protonen werden durch Ionisation von Wasserstoff erzeugt und in Beschleunigern auf hohe Energie gebracht, zum Studium der starken Wechselwirkung benutzt. Siehe auch Nukleon.

2. Proton: Bezeichnung für eine schwere sowjetische Rakete, die 1965/68 als Trägerrakete für Proton Erdsatelliten, später auch zum Start von Salut Raumstationen und Planetensonden der 2. Generation eingesetzt wurde.

3. künstlicher Erdsatellit.

Protonenmagnetometer: Messgerät für Magnetfelder, insbesondere für die Totalintensität des Erdmagnetfeldes; beruht auf der vom Magnetfeld abhängigen Präzessionsfrequenz von Protonen.

Proton-Proton-Reaktion, Kurzwort p-p-Reaktion, H-H-Reaktion (zu «Wasserstoff»): Folge von Kernfusionsreaktionen, bei der schrittweise aus 4 Wasserstoffkernen (Protonen) ein Heliumkern aufgebaut wird; Prozess der Energiefreisetzung im Inneren der Sonne und der sonnenähnliche Zwergsterne.

Protoplasma: Gesamtheit aller lebenden Bestandteile pflanzlichen und tierischen Zellen. Das Protoplasma ist in Kernplasma und Zytoplasma mit Zellorganellen differenziert.

Protoplast: kleinste lebende Einheit, die aus dem Zellkern, dem Zytoplasma mit seinen Zellorganellen und der sie umgebenden Zellmembran besteht. Der Protoplast der Pflanze entspricht der Zelle im Tierreich.

Protoporphyrin: wichtiger Vertreter der Porphyrine. Der Eisenkomplex des Protoporphyrin ist die prosthetische Gruppe der Hämoproteine.

Protorenaissance, Vorrenaissance: antikisierende Strömung in der Architektur und Plastik des 11./13. Jahrhundert in Italien und Südfrankreich; Hauptbeispiele in der Toscana sind die Kirche S. Miniato al Monte bei Florenz und Plastiken des N. Pisano; in Südfrankreich die Kirchen St-Trophime und St-Gilles.

Protostern: Vorstufe eines Sterns; Teil einer interstellaren Wolke, der sich unter der Wirkung der eigenen Gravitation verdichtet, wobei die Temperato im Zentrum so lange ansteigt, bis thermonukleare Reaktionen beginnen, womit der Protostern zum Stern geworden ist.

Prototyp: 1. allgemein Urbild; Vorbild, Muster.

2. Motorsport: weitgehend in Einzelanfertigung hergestellter, als zweisitziger, zweitüriger Roadster oder Coupé gefertigter Rennsportwagen für Langstreckenrennen. Prototyp gehören zur Kategorie II, Gruppe C.

Protozoen: 1. Mikrobiologie: Einzeller.

2. Zoologie: Urtiere.

Protozoologie: Teilgebiet der Zoologie, welches sich mit den Urtieren (Protozoen) befasst.

Protrusion: Biss- und Kieferanomalie mit Vorverlagerung von Zähnen und Kieferanteilen.

Protuberantia: Vorwölbung, flache Erhebung an Knochen.

Protz: vorwüchsiger, oft schlecht geformter Baum im Dickungsalter, bei Laubhölzern auch Wolf genannt.

Protze: früher der (meist zweirädrige) Vorderwagen bespannter Geschütze; enthielt Munition.

Proudhon, Pierre Joseph, 15.1.1809 bis 19.1.1865, französischer kleinbürgerlicher Sozialist und Anarchist. Sein Buch «Was ist das Eigentum?» (1840, deutsch) brandmarkt Kapital und Großgrundbesitz als Diebstahl (fremder Arbeit). Gegen den Kommunismus verteidigte Proudhon das individualistische Ideal einer dezentralisierten Gesellschaft unabhängiger Kleinproduzenten; er empfahl geldlosen Warenaustausch und zinslosen Kredit für Produktionsmittel. Proudhon wandte sich gegen organisierten Klassenkampf und proletarische Staatsmacht. K Marx wies im «Elend der Philosophie» (1847) das Reaktionär-Utopische des Proudhonismus nach.

Proust, Marcel, 10.7.1871-18.11.1922, französischer Romancier, Begründer des spätbürgerlichen Modernismus; sein siebenteiliger Roman «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» (1913/27, deutsch) zeigt auf der Grundlage autobiographische Elemente die gesellschaftlich Dissoziationsprozesse und intellektuell-künstlerischen Rückzugstendenzen in die Subjektivität.

Proustit: (nach einem französischen Chemiker) Lichtes Rotgültigerz: Mineral, Silberthio-Arsenit; Kristallsystem trigonal, Härte 2,5, Dichte 5,57 g/cm3; steilpyramidale Kristalle, in frischem Zustand zinnoberrot durchscheinend, wird am Licht schwarz. Wichtiges hydrothermales Silbererz; Vorkommen wie Pyrargyrit.

Provence: historisches Gebiet im Südosten Frankreichs, am Mittelmeer, östlich der Rhone; umfasst Teile der Wirtschaftsregion Provence-Alpes-Cote d’Azur, 31400 km2, 3,97 Millionen Einwohner; 126 Einwohner/km2; wichtigster Ort Marseille; die Bewohner (Provenzalen) sprechen eine eigenständige romanische Sprache (Provenzalisch); Bauxit- und Braunkohlenforderung, Steinbrüche; Industriekonzentration an der Küste (Marseille, Fos-sur-Mer, Toulon); Anbau von Wein, Oliven, Zitrusfrüchten, Frühgemüse und Blumen; Zucht von Rindern und Schafen; Seebäder; Reste römischer Bauten.

Provenienz: 1. allgemein Herkunft, Ursprung.

2. Pelzbearbeitung: Bezeichnung für das Herkunftsgebiet von Pelzfellen. Felle einer Provenienz haben gleiche Abzugs- und Konservierungsmerkmale, weisen gleiche Qualitätseigenschaften auf, zum Beispiel Nuancen der Haarfärbung, Zeichnung und Größe.

Proviant: Vorrat an Nahrungsmitteln, besonders als Verpflegung für eine Reise u. ä.; Mundvorrat.

Providence: Hauptstadt des Bundesstaates Rhode Island (USA), am Atlantischen Ozean; 160000 Einwohner, als Metropolitan Area 800000 Einwohner; Erdöl- und Gummiverarbeitung, Schmuckwaren-, Textil-, Schuh-, Werkzeugindustrie, Maschinenbau; Hafen; Universität; Museen, Capitol.

Provinz: 1. im alten Rom ursprünglich der Geschäftsbereich eines Oberbeamten, später Verwaltungsbezirk eines Statthalters in den unterworfenen Gebieten außerhalb Italiens.

2. Landesteil, größerer Verwaltungsbezirk, in manchen Staaten größere administrativ-territoriale Einheit.

Provinzialismus: Sprachwissenschaft nur mundartlich gebrauchter Ausdruck, einem bestimmten Sprachgebiet eigentümliche Wendung.

Provision: anteilmäßige Vergütung für die Besorgung von Geschäften oder Dienstleistungen; üblich besonders im Außenhandel und im innerstaatlichen Kommissionshandel.

Provisor: («Fürsorger») Verwalter; früher nicht selbständiger Apotheker mit staatlicher Prüfung.

Provisorium: vorläufige Einrichtung, Regelung; behelfsmäßiger Zustand.

Provo: Stadt im Bundesstaat Utah (USA), am Ostufer des Utahsees; 74000 Einwohner; Stahlwerk, Textil-, elektronische Industrie; Universität, Clark-Bibliothek.

Provokation: Herausforderung, Aufwiegelung; Anstiftung zu Handlungen mit nachteiligen Folgen.

Proxima Centauri: (lateinisch, «nächster (Stern) des Zentauren») mit 4,3 ly Entfernung der Sonne am nächsten stehender Stern, im Sternbild Zentaur; Helligkeit 11:3. Proxima Centauri bildet mit Alpha Centauri ein Dreifachsystem.

proximal: der Rumpfmitte näher liegend.

Prozedur: Behandlungsweise; langwieriges Verfahren.

Prozent: («für hundert») Zeichen %: Einheit für Verhältnisgrößen; 1 % = l/l00.

Prozess: 1. allgemein Entwicklung, Geschehen, gesetzmäßig verlaufender Vorgang.

2. Kybernetik: zeitliche Veränderung in einem System einschließlich der auf dieses einwirkenden Eingangssignale, der in ihm ablaufenden Vorgänge und der austretenden Ausgangssignale; in der Steuerungstechnik zuweilen das Objekt der Steuerung. Unter Prozessanalyse versteht man die (analytische) Modellbildung für einen Prozess

3. Recht: gesetzlich geregeltes gerichtliches Verfahren zur Entscheidung von Zivil-, Familien- und Arbeitsrechtssachen (Zivilprozess) sowie von Strafsachen (Strafprozess).

Prozessbeauftragter: Person, die auf Grund eines Gerichtsbeschlusses im Zivilprozess die Interessen einer Prozesspartei wahrzunehmen hat, weil die Prozesspartei dazu zum Beispiel wegen Handlungsunfähigkeit oder nachweislich unbekannten Aufenthalts selbst nicht in der Lage ist.

Prozessfähigkeit: Fähigkeit, einen Zivilprozess selbst oder durch einen selbst beauftragten Vertreter zu führen. Prozessfähig ist jeder, der im Sinne des Zivilrechts handlungsfähig ist; daher sind Minderjährige und Entmündigte im Allgemeinen nicht prozessfähig; für sie handeln im Prozess ihre gesetzlichen Vertreter.

Prozessfotografie: Sammelbegriff für die in Forschung, Planung, Kontrolle und Produktionsprozessen genutzten fototechnischen Verfahren. Die Prozessfotografie umfasst unter anderem Fotoprojektierung, Fotozeichnen und Strömungsanalyse; sie wird zum Beispiel bei der Herstellung von Leiterplatten, gedruckten Schaltungen und integrierten Schaltkreisen angewendet.

Prozession: feierlicher Umzug von Gläubigen.

Prozessionsspinner, Thaumetopoeidae: Schmetterlingsfamilie mit 3 mitteleuropäischen Arten, deren Raupen gesellig in Gespinstnestern leben und bei Nahrungsmangel in langen Reihen hintereinander (Prozession) zu neuen Futterplätzen wandern; ihre Haare rufen zum Teil gefährliche Hautentzündungen hervor.

Prozessmesstechnik, Betriebsmesstechnik, Industrielle Messtechnik. Verfahren und Einrichtungen zur Messung der für die optimale Führung von (Produktions-) Prozessen benötigten Größen; Voraussetzung für die Prozessautomatisierung. Die eingesetzten Geräte müssen eine hohe Zuverlässigkeit auch bei erschwerten Einsatzbedingungen aufweisen. Bei Geräten der Labormesstechnik bestehen geringere Forderungen hinsichtlich der Einsatzbedingungen.

Prozessparteien: die an einem Zivilverfahren unmittelbar Beteiligten, deren Angelegenheiten das Gericht regeln soll (Kläger und Verklagter, Antragsteller und Antragsgegner, Gläubiger und Schuldner).

Prozessrechner: Rechenautomat, der Einrichtungen zur automatischen Erfassung (Messgeräte) und Ausgabe (Stellglieder) von Prozessinformationen besitzt und sowohl Gerate als auch programmtechnisch für Echtzeitverarbeitung ausgelegt ist. Das Einsatzgebiet reicht von der optimalen Führung technologischer Prozesse (zum Beispiel Erdöldestillation) bis zur Steuerung spezieller Abläufe zum Beispiel in Messautomaten, Werkzeugmaschinen und Industrierobotern. Prozessrechner werden auch durch Rechnersysteme realisiert, wobei einzelne, speziellen Aufgaben zugeordnete Prozessrechner durch einen übergeordneten Zentralrechner gesteuert und kontrolliert werden. Im Offline-Betrieb ist der Prozessrechner nicht mit dem Prozess gekoppelt, die Daten werden durch Zwischenträger oder von Hand eingegeben. Im Online-Betrieb besteht Prozesskopplung, wobei im Open-loop-Betrieb Eingriffe in den Prozess nach besonderem Entscheid und im Closed-loop-Betrieb direkt durch den Prozessrechner erfolgen.

Prozesssteuerung: Verfahren zur Führung technologische Prozesse mit Mikro- oder Prozessrechnern durch Einwirkung auf die Prozessvariablen. Die Prozesssteuerung gliedert sich in Messwerterfassung und -Verarbeitung sowie Ausgabe von Stellinformationen. Ist ein Prozessmodell bekannt, lässt sich meist eine Prozessoptimierung programmieren, die Grundlage für eine Optimal Steuerung ist. Bei Veränderung der Prozessumgebung macht sich eine Modellmodifikation erforderlich.

Prozessurteil: Urteil im Zivilprozess, das nicht in der Sache selbst entscheidet, sondern wegen fehlender Sachurteilsvoraussetzungen die Klage als unzulässig abweist. Siehe auch Sachurteil.

Prozessvertretung: Vertretung im Zivilprozess. Der Vertreter nimmt die Prozesshandlungen im Namen und mit Wirkung für und gegen den Vertretenen vor. Die Prozessvertretung beruht entweder auf dem Gesetz, zum Beispiel bei Prozessunfähigen, oder auf einer Prozessvollmacht.

Prozessvollmacht: Zivilprozessrecht die von einer Prozesspartei, einem Rechtsanwalt oder einer anderen Person erteilte Befugnis, Prozesshandlungen und Rechtsgeschäfte im Namen und mit Wirkung für oder gegen den Vollmachtgeber vorzunehmen.

Przewalski, Nikolai Michailowitsch, 12.4.1839-1.11.1888, russischer Asienforscher; forschte 1868/69 im Ussuri Gebiet; unternahm 1870/85 vier große Forschungsreisen nach Innerasien, untersuchte eingehend die Gobi, die Dsungarei, das Tsaidam- und das Tarimbecken (1877 Entdeckung des Lopnor) und Nordost-Tibet; nach ihm wurde die von ihm entdeckte Wildpferdart benannt.

prüde: (französisch) zimperlich; spröde.

Prudentius, Aurelius Prudentius Clemens, 348 bis nach 405, lateinischer Dichter, verband in seinen Werken antike Kultur mit christlichen Glauben; verfasste lyrische Gedichte, Hymnen auf Märtyrer, Lehrgedichte zur Trinitätslehre («Apotheosis») und Sündenlehre («Hamartigenia») sowie die erste allegorische Dichtung «Kampf um die Seele».

Prud'hon, Pierre Paul, 4.4.1758 bis 14.2.1823, französischer Maler; seit 1789 in Paris tätig. Vom weichen Helldunkel Correggios und Leonardo da Vincis angeregt, bewahrte er innerhalb der klassizistischen Strömung der französischen Malerei die Anmut des Rokokos und bereitete der Romantik den Weg.

Prüfautomat: automatisch oder halbautomatisch arbeitende Messanlage zur Kontrolle technischer Daten von Erzeugnissen, zum Beispiel elektronische Bauelementen. Der Einsatz von Prüfautomat erfolgt bei großen Stückzahlen, wenn beispielsweise statistische Methoden ungeeignet sind, oder eine 100%ige Prüfung erforderlich ist. Die Prüfergebnisse können für Sortierzwecke genutzt (zum Beispiel Sortierung von Schichtwiderständen nach Toleranzbereichen ihrer Widerstandswerte) oder, über Drucker ausgedruckt, im Prüfautomat oder in anderen geeigneten Speichern gespeichert beziehungsweise zur Anzeige gebracht werden.

Prüfgenerator: elektronisches Gerät, das sinus- oder impulsförmige Signale für Prüf- und Servicezwecke erzeugt. Siehe auch Generator.

Prüfmittel: alle Mess- und Hilfsmittel der Prüftechnik; mit ihnen wird eine Eigenschaft am Prüfling (Prüfgegenstand) maßlich oder nichtmaßlich bestimmt.

Prüfschema: Schema, das die Reihenfolge, das Verfahren und die Genauigkeit der Übertragung der Einheit vom genauesten Normal (Primärnormal) auf andere Normale bis zu den Arbeitsmessmitteln für eine gegebene Größe und in einem gegebenen Bereich festlegt.

Prüfspannung: in Standards festgelegte (Prüfwechsel- und Prüfstoß-) Spannung zum Nachweis beziehungsweise zur Ermittlung des Isoliervermögens bei elektrotechnischen Erzeugnissen.

Prüftechnologie: Teil der Technologie, der zur Gewährleistung einer qualitätsgerechten Produktion für alle im gesamten betriebt. Reproduktionsprozess erfordert. Prüfungen an Roh- und Werkstoffen, Zwischen- und Fertigprodukten die Prüfobjekte, -häufigkeiten, -mittel, -umfange und -methoden plant und festlegt. Siehe auch Gütesicherung, statistische Qualitätskontrolle.

Prüf- und Messfilme, Testfilme. Filme, die zur Qualitätskontrolle und Justierung filmtechnische Geräte dienen. Die Überwachung der Übertragungseigenschaften der Geräte erfolgt subjektiv durch Prüffilme und objektiv durch Messfilme mittels Messung wichtiger Parameter.

Prüfzeichen, Kontrollzeichen: Datenverarbeitung aus einer Datenmenge nach einer eindeutigen Vorschrift abgeleitete Zusatzinformation zur Kontrolle der Gültigkeit von Daten, zum Beispiel nach einer Übertragung. Gebräuchlich sind Prüfbit (Parity Bit), Prüfbyte und Prüfziffer.

Prunariu, Dumitru, geboren 27.9.1952, erster rumänischer Kosmonaut; absolvierte vom 14. bis 22.5.1981 als Forschungskosmonaut von Sojus 40 zusammen mit L. I. Popow einen Raumflug mit siebentägigem Aufenthalt an Bord der sowjetischen Raumstation Salut 6; siehe auch Interkosmos, Salut, Sojus.

Prurigo: Sammelbegriff für Hautkrankheiten, die durch Bildung meist juckender Knötchen charakterisiert sind, die als Folge von Sonnenlicht («Sonnen-Prurigo»), allergischen oder unbekannten Ursachen auftreten.

Pruritus, Juckreiz-, Hautjucken; hautspezifische Empfindung, die lokalisiert oder generalisiert bei verschiedensten Hautkrankheiten, allergischen und inneren Erkrankungen auftritt.

Prus, Boleslaw, eigentlich Aleksander Glowacki, 20.8.1847-19.5.1912, polnischer Schriftsteller; bedeutendster Vertreter des polnischen kritischen Realismus; sein Roman «Die Puppe» (1890, deutsch) vermittelt ein umfassendes Bild des gesellschaftlichen Lebens seiner Zeit und ist Zeugnis der tiefen Krise bürgerlich-liberalen Denkens. Mit der Frauenemanzipation beschäftigt sich Prus in dem Roman «Die Emanzipierten» (1893, deutsch), der historischen Roman «Pharao» (1897, deutsch) brachte ihm Weltruhm. In vielen Erzählungen und Novellen bewies er sein Empfinden für soziales (besonders Kindern zugefügtes) Unrecht.

Prussiate: (nach Prussia, lateinisch für Preußen) komplexe Zyanoferrate, die neben 5 Zyanogruppen eine weitere Atomgruppe als Ligand enthalten. Natriumpentacyanonitrosylferrat II), Natriumnitroprussid, früher auch Nitroprussidnatrium genannt, bildet dunkelrote, wasserlösliche Kristalle.

Prut, Pruth: linker Nebenfluss der unteren Donau, Grenzfluss (716 km) zwischen Rumänien und Moldauischer SSR; 950 km; entspringt in den Waldkarpaten (Ukraine), durchfließt in einem überwiegend steilwandigen und gewundenen Tal das Hochland der Moldova, mündet unterhalb Gala(i; gemeinsamer sowjetisch-rumänischer Hydroenergiekomplex Stinca-Costeti (130 MW).

Pruzzen: baltischer Volksstamm östlich der unteren Weichsel (Wisla); im 10. Jahrhundert erstmals erwähnt; seit 1231 vom Deutschen Ritterorden unterworfen und bis zum 15. Jahrhundert fast ausgerottet; die Reste gingen in den deutschen Siedlern auf. Der Name des Stammes ging als Preisen auf das Gebiet zwischen Neman und unterer Wisla, 1701 auch auf das Königtum Preußen über.

Przemysl: 1. Wojewodschaft im Südosten Polens; 4437 km2, 390000 Einwohner; 88 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Przemysl 2. Im Süden Teile des Karpatenvorlandes und der Ostbeskiden, im Zentrum des Sandomierz Beckens Tieflandes, im Norden des Roztocze; etwa ein Drittel der Fläche bewaldet. Agrar-Industrie-Gebiet mit Getreide-, Kartoffel-, Zuckerrüben-, Ölfruchtanbau, Rinder-, Schweine-, Pferdezucht sowie Nahrungsmittel-, Glas-, Holz-, Textil- und elektrotechnischer Industrie; im Karpatenvorland Erdgasgewinnung (um Przemysl 2, Jaroslaw, Lubaczow); umfangreicher Tourismus.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Przemysl 1, am San; 63000 Einwohner; elektrotechnische/elektronische, Nahrungsmittel-, Holz-, Textilindustrie; bei Przemysl Erdgasgewinnung; Theater, Museen; eine der ältesten polnischen Städte mit zahlreichen Baudenkmälern, unter anderem Königsschloss (17. Jahrhundert) und Kathedrale (15. Jahrhundert). Bei Przemysl polnisch-sowjetische Güterumschlagsstation Zurawica Medyka (Wechsel der Spurbreite).

Przybyszewski, Stanislaw, 7.5.1868-23.11.1927, polnischer Romancier und Dramatiker; schloss sich während seines Studiums in Berlin der deutsch-skandinavischen Boheme an (A. Strindberg, R. Dehmel); übernahm in Krakow (1898) die Redaktion der modernistischen Zeitschrift «Zycie» (Leben), veröffentlichte hier das Manifest «Confiteor» (1899), in dem er sich zur L’art-pour-l’art-Konzeption bekannte. Einige Frühwerke («Totenmesse», 1893; «Vigilien», 1895), die er in deutscher Sprache geschrieben hatte, übersetzte er selber ins Polnische. Er gehörte später zu den Initiatoren des polnischen Expressionismus.

PS: 1. Polystyrol.

2. Zeichen für Pferdestärke (Leistungseinheit).

3. PS, (P. S.) Postskript.

Psalmen: im antiken Vorderen Orient Einzelstücke religiöser Lyrik in sehr unterschiedlichen literarischen Gattungen (Lieder, Gebete, Hymnen, Klagen, Bekenntnisse unter anderem); besonders bekannt sind die 150 Psalmen im Psalter des Alten Testaments.

Psalmodieren: formelhaftes, einstimmiges und vorwiegend um einen Ton sich bewegendes rezitierendes Singen; gründet sich auf die ursprüngliche Singweise der Psalmen.

Psalterium: mittelalterliches Zupfinstrument, dessen über einen meist trapezförmigen Schallkörper gespannte Saiten mit einem Plektron oder mit den Fingern angerissen werden.

Psammetich, altägyptische Könige der 26. Dynastie: 1. Psammetich, herrschte 663/609 vor Christus, begründete die 26. Dynastie (von Sais); nach der Befreiung von der assyrischen Oberherrschaft stellte er die Unabhängigkeit Ägyptens wieder her. Dies ermöglichte eine letzte schwache Blüte ägyptischer Kultur.

2. Psammetich II., herrschte 594/588 vor Christus; unternahm einen Kriegszug nach Nubien.

3. Psammetich III., herrschte 526/525 vor Christus, letzter König der 26. Dynastie; unterlag 525 in der Schlacht bei Pelusium gegen den Perserkönig Kambyses II., Ägypten wurde persische Satrapie.

Psellos, Konstantinos, Mönchsname Michael, 1018 um 1096/97, Gelehrter und Staatsmann; bedeutendster byzantinischer Philosoph; leitete die Hochschule in Konstantinopel; verfasste ein Geschichtswerk (Chronographie) über die Zeit von 976 bis 1078, das eine wertvolle Quelle für die Geschichte von Byzanz ist.

Pseudarthrose: Falschgelenk; bei ausbleibender Verknöcherung nach Knochenbrüchen sich bildende Verbindung beider Knochenfragmente mit mehr oder weniger ausgeprägter Beweglichkeit, die gelenkähnlichen Strukturen entwickeln kann.

Pseudodemenz: vorgetäuschter Schwachsinn, meist zweckbedingt, zum Beispiel bei Hysterie oder bei Untersuchungshäftlingen.

Pseudohermaphroditismus: Scheinzwitterbildung, das heißt Zwittrigkeit der äußeren Geschlechtsmerkmale bei normal entwickelten Keimdrüsen (genetisch reingeschlechtig). Die äußeren Geschlechtsorgane eines männlichen Tieres können unvollkommen ausgebildet sein und ähneln denen eines Weibchens (Androgynie) oder umgekehrt (Gynandrie).

Pseudonym: angenommener Name, Deckname, meist eines Autors oder Künstlers; seit der Antike bekannt.

Pseudopelletierin: Hauptalkaloid der Rinde des Granatapfelbaumes; Formel C9H15ON. Pseudopelletierin ist giftig und bildet farblose, leicht wasserlösliche Kristallblättchen; F54°C; Kp 246 °C.

Pseudopodien, Bewegung und Nahrungsaufnahme dienende Zellfortsätze der Wurzelfüßer und mancher Geißeltierchen, zum Beispiel bei Amöben.

Pseudosphäre: durch Drehung einer Traktrix um ihre Asymptote entstehende Drehfläche. Die Geometrie auf der Pseudosphäre ist die ebene hyperbolische Geometrie. Siehe auch nichteuklidische Geometrie.

Pseudosymmetrie: vorgetäuschte Symmetrie bei Kristallen:

a) bei bestimmten Kombinationen können zum Beispiel Pinakoide mit Prismen im rhombischen System pseudohexagonale Symmetrie Vortäuschen;

b) bei Ähnlichkeit der kristallographischer Parameter kann zum Beispiel ein monokliner Kristall pseudorhombisch sein, wenn ß nahezu 90° ist;

c) bei Zwillingsbildungen erscheint zum Beispiel ein verzwillingter rhombischer Aragonit pseudohexagonal. Siehe auch Kristallsystem.

Pseudotuberkulose, Rodentiose: durch das Bakterium Yersinia pseudotuberculosis hervorgerufene Erkrankung bei Nagetieren und Vögeln. Die Pseudotuberkulose kann in seltenen Fällen auf den Menschen übertragen werden. Die sich im Verlauf der Erkrankung entwickelnden entzündlichen Herde in Milz, Leber, Lunge und anderen Organen ähneln denen der Tuberkulose. Eine prophylaktische Nagerbekämpfung ist wichtig.

Psilomelan, Hartmanganerz, Schwarzer Glaskopf-, barium- und wasserhaltiges Manganoxid; Härte 5 bis 6, Dichte 4,7 g/cm3, kryptokristallin, nierig-traubig, schwarz; Vorkommen in der Oxydationszone manganreicher Lagerstätten.

Psilophyten, Nacktpflanzen: Urlandpflanzen mit einfacher Morphologie und Anatomie; Vorkommen vom Unter- bis Mitteldevon.

Psilocybin: in mexikanischen Rauschpilzen enthaltenes Alkaloid. Psilocybin ist giftig und bildet feine, weiße Kristallnadeln; F etwa 225 °C; erzeugt Rauschzustände und Sinnestäuschungen.

Psychagogik: psychologische Hilfe durch Ratschläge, Vermittlung von Kenntnissen, Appell an Einsicht und Selbsterziehung sowie durch das Setzen von Zielen; von Bedeutung besonders in der Arbeit mit Kindern und bei der Beratung behinderter Erwachsener.

Psychalgie: psychogene, nicht organisch bedingte Schmerzen an beliebigen Körperstellen.

Psycharis, Johannes, französischer Jean Psichari, 15.5.1854—30.9.1923, griechischer Sprachreformer, seit 1884 Hochschullehrer in Paris; seine lehrhafte Erzählung «Meine Reise» (1888) gab den Auftakt zum Kampf um die Durchsetzung der griechischen Volkssprache als Fundament einer volksverbundenen Literatur.

Psychasthenie: ungenügende psychische Belastbarkeit mit schneller geistiger Ermüdbarkeit, oft mit Stimmungsschwankungen verbunden.

Psyche: 1. Gesamtheit der auf Hirntätigkeit beruhenden, objektive Realität widerspiegelnden (psychischen) Funktionen und Eigenschaften, über die das Verhalten reguliert wird.

2. Psyche, Anima, Seele: besonders in schöngeistiger Literatur gebrauchte Bezeichnung für Bewusstsein, Empfinden, Gefühl, Wesen, geistiger Mittelpunkt (Seele). Die Bedeutung «Atem», «Hauch» der Wörter Psyche und Anima weist darauf hin, dass in antiken mythologischen Vorstellungen Psyche so viel wie Lebenshauch bedeutete, der beim Tode den Körper verlässt, woran vielfach religiöse Vorstellungen anknüpften.

Psyche (griechisch; «Seele»), in der griechischen Sage Geliebte des Eros.

Psychiatrie: Lehre von der Entstehung, Erkennung und Behandlung aller psychischen Krankheitsformen und Störungen. Zu den Krankheitsformen gehören Psychosen, abnorme Verhaltensweisen und Reaktionen (Neurose) sowie charakterliche Abwegigkeiten (Psychopathie).

Psychoanalyse: («Seelenzergliederung») 1. von S. Freud und J. Breuer entwickeltes psychotherapeutisches Verfahren, das psychische Störungen (Neurosen) durch Bewusstmachen der ursächliche (unbewussten) Komplexe zu heilen trachtet.

2. von S. Freud aus der Psychoanalyse 1 entwickelte, unwissenschaftliche Konzeption der Persönlichkeitstheorie, die er später zu einer spekulativen Kulturtheorie und Weltanschauung ausweitete, in der er die Libido, später auch den «Todestrieb», zur universellen Triebkraft menschlichen Verhaltens und der historischen-kulturellen Entwicklung erhob.

Psychodiagnostik: Untersuchung psychischer Eigenschaften einzelner Menschen und Kollektive; dient wissenschaftlich begründeten Entscheidungen hinsichtlich Bildung, Entwicklung, Förderung und Einsatz von Menschen. Psychodiagnostisches Verfahren sind unter anderem Exploration, Beobachtung, Test, Auswertung von Fragebögen.

Psychogenie: reaktive Entstehung von Organfunktionsstörungen auf psychischen Weg, zum Beispiel durch starke Gemütsbewegungen.

Psychogifte: natürliche und synthetische Substanzen, die bei Mensch und Tier Angst, Verwirrtheit und anderweitig nervenbedingt anormales Verhalten auslösen; zum Beispiel Lysergsäurediethylamid (LSD) und Meskalin. Einige Psychogifte gehören zu den chemischen Kampfstoffen (zum Beispiel der BZ-Stoff der NATO, ein Piperidyl Benzilat).

Psychologie: Wissenschaft, die mittels Beobachtung und Experiment die Gesetzmäßigkeiten der Regulation des Verhaltens (Handeln) von Organismen, besonders des Menschen, die psychischen Erscheinungen und Prozesse (Wahrnehmen, Erinnern, Denken, Fühlen) sowie die psychischen Merkmale der Persönlichkeit (Fähigkeiten, Charakter, Interessen, Motivationen) erforscht. Mit den allgemeinen Gesetzen der Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen sowie ihrer Umsetzung in Entscheidungen und Handlungen befasst sich die allgemeine Psychologie Die individuellen Varianten der Regulation erforscht die Persönlichkeitspsychologie, die genetischen Fragen die Entwicklungspsychologie und die interpersonellen Aspekte des Verhaltens die Sozialpsychologie Bedürfnisse der gesellschaftlichen Praxis führten zur Herausbildung der Arbeits- und Ingenieurpsychologie, der pädagogischen Psychologie, der klinischen Psychologie, der Gerichtspsychologie. Weiterhin entwickelten sich psychologische Disziplinen, die besondere psychologische Aspekte des menschlichen Lebens untersuchen, zum Beispiel die Sprach-, Kunst- und Sexualpsychologie.

psychologische Beratung: Anwendung psychologischer Erkenntnisse im Gespräch mit dem Ziel, Hilfsbedürftigen neue Einsichten zu vermitteln und Anstöße zur Verhaltens- und Erlebensänderung zu geben (unter anderem Erziehungs-, Berufs-, Ehe-, Sucht-, Familienberatung).

psychologische Kriegsführung: planmäßige Einwirkung imperialistische Mächte auf das Denken und Fühlen der Bevölkerung anderer, vor allem sozialistische Staaten oder auf antiimperialistische Bewegungen mit dem Ziel, diese zu demoralisieren. Als spezifisch imperialistische Form des ideologischen Klassenkampfes und Bestandteil imperialistischer Aggression und Aggressionsvorbereitung bedient sich die psychologische Kriegsführung sowohl der Verbreitung von Lügen und anderer Formen der sogenannt ideologische Diversion als auch vielfältiger Methoden der Drohung, des physischen Terrors, der Sabotage und auf die seelische Zermürbung von Streitkräften und Bevölkerung gerichteter militärischer Operationen.

Psychologismus: unwissenschaftlicher Versuch, Gegenstände anderer Wissenschaften, insbesondere gesellschaftliche Erscheinungen, mit Hilfe der Psychologie zu erklären.

Psychopathie: (griechisch) anlagemäßige beziehungsweise konstitutionelle charakterliche Anomalie des Gefühls-, Willens- und Trieblebens.

Psychopathologie: Lehre von den Ursachen und Erscheinungsformen psychischer Erkrankungen.

Psychopharmaka: Arzneimittel, die die psychischen Funktionen des Organismus beeinflussen. Seit 1952, als die Wirkung des Chlorpromazins (Propaphenin) entdeckt wurde, erfolgte eine gezielte Entwicklung und Ausweitung dieser Arzneimittelgruppe. Die Klassifizierung kann nach verschiedenen Gesichtspunkten (chemisch, pharmakologisch, klinisch) erfolgen. Bewährt hat sich die Einteilung nach den Wirkungsqualitäten. Die dämpfenden Psychopharmaka bezeichnet man als Psychosedativa oder Psycholeptika. Zu ihnen gehören die Neuroleptika (Neuroplegika) und Tranquilizer (Ataraktika). Zu den aktivierenden Psychopharmaka gehören die Psychoanaleptika und die Psychodysleptika (Halluzinogene). Die Psychoanaleptika umfassen die Antidepressiva, die Psychostimulanzien und die Thymeretika. Therapeutisch genutzt werden nur die Psychosedativa und -analeptika. Die Einführung der Psychopharmaka in die Medizin stellt einen großen Fortschritt und eine echte Bereicherung des Arzneimittelschatzes dar. Psychopharmaka werden aber auch missbräuchlich benutzt.

psychophysiologische Funktion: analytische-synthetische Hirnleistung, die zugleich neurophysiologisch und psychologisch (als «Erleben») in Erscheinung tritt (zum Beispiel Gedächtnisfunktionen).

Psychoprophylaxe: Maßnahmen zur Vorbeugung psychische oder körperliche Störungen beziehungsweise Krankheiten mit Hilfe systematischer Aufklärung, Berufs-, Ehe- und Sexualberatung, Verbesserung des Arbeitsklimas und Beseitigung milieuschädigender Faktoren. Während der Schwangerschaft ist die Psychoprophylaxe Methode zur Vorbereitung auf eine schmerzarme Entbindung durch Aufklärung über die Schwangerschafts-, Geburts- und Wochenbettvorgänge sowie durch Gymnastik, Entspannungs- und Atemübungen.

Psychose: psychische Krankheit mit endogener oder exogener Ursache. Endogene Psychose sind Schizophrenie, manisch-depressive Krankheitsbilder. Eine organisch-pathologische Ursache konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Bei den exogenen Psychosen (symptomatische Psychose) liegt eine nachweisbare organische Erkrankung des Gehirns oder anderer Organe beziehungsweise des ganzen Körpers vor, zum Beispiel progressive Paralyse. Weitere Ursachen sind Infektionskrankheiten und Schwangerschaft.

Psychotherapie: Behandlung von Krankheitszuständen, bei deren Entstehung und Entwicklung die gestörten Wechselbeziehungen zwischen Person und Umwelt eine wesentliche Rolle spielen. Psychotherapeutische Methoden sind zum Beispiel zielgerichtete Aussprachen, Gruppenpsychotherapie, autogenes Training und Hypnose.

Ptah, ägyptischer Stadtgott von Memphis; Weltschöpfer, Beschützer von Kunst und Handwerk.

Ptahhotep, ägyptischer Wesir des Pharao Isis um 2450 vor Christus; fiktiver Verfasser der ältesten erhaltenen, an seinen Sohn gerichteten Weisheitslehre.

Pteridine: Gruppe bizyklischer stickstoffhaltiger Naturstoffe, zu deren Vertretern die Folsäure sowie zahlreiche tierischer Pigmente (zum Beispiel Leukopterin) gehören.

Pteridophyten: farnlaubige, fossile Pflanzen; können entweder Farne oder Farnsamer sein; Form der Blättchen (Fiederchen), Art der Äderung und der Wedel-Aufbau dienen zur Unterscheidung; typisch für Carbon bis Rotliegendes.

Pterodactylus: kurzschwänziger, taubengroßer Flugsaurier in Oberjura und Kreide.

Pterosaurier, Flugsaurier: fledermausähnliche, sperlingsgroße bis riesige Reptilien des Mesozoikums; Flughaut zwischen Hinterbeinen und extrem verlängertem 4. Finger der Vorderbeine. Pterosaurier werden in langschwänzige (zum Beispiel Rhamphorhynchus) und kurzschwänzige (zum Beispiel Pterodactylus) Typen unterschieden. Pteranodon war mit über 8 m Spannweite das größte Flugtier.

Ptolemäer, Lagiden: makedonisches griechisches Herrschergeschlecht im alten Ägypten (323/30 vor Christus), begründet von Ptolemaios (Sohn des Lagos), einem der Feldherrn Alexanders des Großen.

Ptolemaios, um 367/366-283 vor Christus, einer der Feldherren und Diadochen Alexanders des Großen, seit 323 Satrap, proklamierte sich 305 als Ptolemaios I. Soter (Retter) zum König; trat nach dem Tod Alexanders für die Reichsteilung ein, baute Ägypten zu einem straff organisierten Staat aus; seine Residenz Alexandria wurde zum wirtschaftlichen, geistigen und religiösen Mittelpunkt Ägyptens (Gründung des Museions).

Ptolemäus, Ptolemaios, Claudius, um 90-um 160, g