Lexikon O

Oaxaca: Hauptstadt des Bundesstaates Oaxaca im Süden Mexikos, 1550 m über dem Meeresspiegel; 140000 Einwohner; Leicht- und Nahrungsmittelindustrie; bedeutender Indianermarkt, Fremdenverkehrszentrum; Universität; erdbebengefährdet.

OBC-Schiff, Ore-Bulk-Container-Carrier: Massengutschiff für die wechselweise Beförderung von Erz und anderem Schüttgut sowie von Containern im Laderaum und als Decksladung.

Obduktion:

1. Geologie: an einigen Kollisionsstellen von Platten (Plattentektonik) Überschiebung von Teilen der ozeanischen Kruste auf Kontinent Länder.

2. Medizin: Sektion.

Obduration: (lateinisch) Verhärtung, zum Beispiel der zirrhotischen Leber.

Obedkultur: kupferzeitliche Kultur Mesopotamiens (2.Hälfte des 5.Jahrt. vor Christus) mit archäologisch fassbarer sozialer Differenzierung; benannt nach Teil Alobed (Südirak).

Obelisk: vierkantiger, frei stehender Steinpfeiler, der sich nach oben verjüngt; altägyptisches Kultsymbol des Sonnengottes; diente später dekorativen Zwecken.

Obenaus, Fritz, 9.12.1904-20.1.1980, Hochspannungstechniker; 1951/68 Professor an der TU Dresden; führte grundsätzliche Untersuchungen zum physikalischen Mechanismus des Überschlags an Isolator Oberflächen, zur Bewegung des Lichtbogens und zur mechanischen Beanspruchung keramische, besonders der Langstabisolatoren durch.

Oberägypten: Bezeichnung für die Niloase in Ägypten oberhalb von Kairo bis zur Grenze der Republik Sudan.

Oberammergau: Gemeinde in Bayern, in Oberbayern, an der Ammer; 5000 Einwohner; Kurort; Holzschnitzerei; Museum; Pfarrkirche 18. Jahrhundert; Passionsspiele (seit 1634).

Oberbau: Geologie über stark deformiertem Untergrund (Unterbau, Tiefbau) liegender, wenig mechanisch beanspruchter Gesteinskomplex.

Oberbaumesswagen: schienengebundenes Messfahrzeug mit speziellen Messeinrichtungen zur Messung der Gleislage (Längshöhenlage, Querhöhenlage, Gleisrichtung und Spurweite) während der Fahrt. Die Messwerte werden maßstäblich auf einen Gleismessstreifen aufgezeichnet, der eine zuverlässige Beurteilung der Gleislage ermöglicht.

Oberbefehlshaber Ost, Kurzwort Ober-Ost: während des 1. Weltkrieges 1914 geschaffene deutsche oberste Befehlsstelle auf dem östlichen Kriegsschauplatz, war gegenüber der Obersten Heeresleitung relativ selbständig.

Oberboden: an der Oberfläche liegender humoser A-Horizont.

Oberbürgermeister, Abkürzung OB, OBM: Dienstbezeichnung des Vorsitzenden des Rates eines Stadtkreises beziehungsweise des Magistrats der Hauptstadt der DDR, Berlin. Siehe auch Bürgermeister.

Oberer See: Süßwassersee in Nordamerika, größter der 5 Großen Seen; der größere südliche Teil gehört zu den USA, der kleinere nördliche zu Kanada; 183 m über dem Meeresspiegel, 83 300 km2, 625 km lang, 260 km breit, bis 308 m tief; Buchten- und Inselreich; mit dem Huronsee durch den Saint Marys River verbunden; wichtigste Häfen in den USA Duluth, Superior, Two Harbors, Ashland, in Kanada Port Arthur.

Oberflächenanästhesie: Form der zeitweiligen Schmerzausschaltung; wird durch äußere Auftragung (Spray, Salbe oder andere) bestimmter Lokalanästhetika erreicht.

Oberflächenbehandlung: Sammelbegriff für technologische Verfahren zur gezielten Veränderung von Werkstoffoberflächen, zum Beispiel durch metallische und anorganische Überzüge, chemische und elektrochemische Behandlung oder organische Beschichtung. Oberflächenbehandlung erfolgt meist zum Zweck des Korrosionsschutzes.

Oberflächeneffekte: Sammelbegriff für Vorgänge an Halbleiteroberflächen, denen besondere Bedeutung in der Halbleitertechnik zukommt. Die Anlagerung bestimmter Fremdatome führt zur Oberflächenleitfähigkeit, nicht leitfähigen Materials zur Oberflächenpassivierung.

Oberflächenenergie: potentielle Energie der Moleküle in der Oberfläche einer Flüssigkeit. Die auf die Fläche bezogene Oberflächenenergie (spezifische Oberflächenenergie) ist der Oberflächenspannung gleich.

Oberflächenintegral: Verallgemeinerung des bestimmten Integrals für Funktionen f(x, y, z), die auf einer Fläche im Raum erklärt sind. Wird die Fläche in n Teilstücke F, mit dem Flächeninhalt A Fi zerlegt und auf jedem Teilstück ein Punkt P gewählt, so konvergieren für eine stetige Funktion die Zwischensummen zum Beispiel die Massendichte der Fläche F ist, so ist S die Gesamtmasse der Fläche.

Oberflächenpassivierung: physikalische und chemische Beeinflussung von Halbleiteroberflächen zum Schutz gegen unerwünschte Leitfähigkeit, zum Beispiel das Aufbringen einer Siliziumdioxidschicht auf die Halbleiteroberfläche beim Planarverfahren.

Oberflächenrauheit: Beschaffenheit einer Werkstückoberfläche; messbare Abweichung von dem geometrisch idealen Profil, abhängig vom Fertigungsverfahren und technolog. Parametern. Die Rauhtiefe A, ist der Abstand des höchsten Punktes zum tiefsten Punkt, die mittlere Rauheit Rz der mittlere Abstand zwischen den 5 höchsten und 5 tiefsten Punkten des Istprofils, der Mittenrauhwert R„ der arithmetische Mittelwert der absoluten Beträge der Abstände des Istprofils vom mittleren Profil, gemessen jeweils innerhalb der Rauheitsbezugsstrecke.

Oberflächenregel: Regel für den annähernd proportionalen Zusammenhang des Energieumsatzes des Organismus mit seiner Oberfläche; beim Erwachsenen etwa 170 kJ/m2 • h in körperlicher Ruhe.

Oberflächenspannung: Quotient aus der Arbeit, die zur Vergrößerung der Oberfläche einer Flüssigkeit erforderlich ist, und der Oberflächenzunahme; SI-Einheit N/m. Sie tritt auf, weil die Oberflächenmoleküle durch die zwischenmolekularen Kräfte eine resultierende Kraft erfahren, die ins Innere der Flüssigkeit gerichtet ist. Die Oberflächenspannung nimmt bei steigender Temperatur und durch Zusatz von Wasch- oder Spülmitteln ab.

Oberflächenvorbehandlung, Untergrundvorbehandlung: Behandlung der Metalle vor dem Aufbringen von Korrosionsschutzschichten. Verfahren der Oberflächenvorbehandlung sind Reinigen und Entfetten, Beseitigen der Korrosionsprodukte (zum Beispiel bei Eisenlegierungen durch Entrosten und Entzundern) und Nachbehandeln der gesäuberten Metalloberflächen (zum Beispiel Passivieren durch Phosphatieren). Das Entfernen der Korrosionsprodukte erfolgt chemisch durch Beizen oder mechanisch durch Strahlen, rotierende Bürsten unter anderem

Oberflächenwasser: an der Geländeoberfläche abfließendes, nicht in den Boden eindringendes Niederschlagswasser.

Oberflächenzeichen: technisches Zeichnen standardisierte Kennzeichnung der bei der Fertigung zu erreichenden Oberflächenrauheit, die durch Vergleich mit Vergleichsnormalen geprüft oder gemessen wird.

Oberguineaschwelle: von Inselbergen überragte Rumpffläche in Westafrika, nördlich und nordwestlich der Küste des Golfes von Guinea; im Westen bis 1538 m (Fouta Djalon), im 0 bis 1780 m (Jos-Plateau); Abdachung nach Norden flach, nach Süden steil.

Obergurgl: höchstgelegenes österreichisches Kirchdorf (1927 m über dem Meeresspiegel) im oberen Ötztal in den Ötztaler Alpen (Tirol); etwa 120 Einwohner; Touristenstützpunkt, Wintersportplatz; alpine Forschungsstation.

Oberhain: Erholungsort (511-620 m über dem Meeresspiegel) im Kreis Rudolstadt, Bezirk Gera, im Thüringer Schiefergebirge, nahe dem Schwarzatal; 1000 Einwohner; Landwirtschaftsbetriebe. Zu Oberhain gehören die Ortsteile Barigau, Unterhain, Mankenbach.

Oberhof: im Mittelalter Mutterstadt (zum Beispiel Lübeck, Magdeburg) einer Stadtrechtsfamilie, an deren Gericht sich die Tochterstädte um Rechtsbelehrung, Urteil oder Berufung wandten.

Oberhof: Stadt im Kreis und Bezirk Suhl, auf umwaldeter Wiesenhochfläche zum Thüringer Wald; 2600 Einwohner; Höhenluftkurort, Wintersportplatz (806 m über dem Meeresspiegel); Interhotel «Panorama»; Kunsteisrodelbahn, Schanze am Rennsteig (im Kanzlergrund), Thüringen-, Jugend-, Pionierschanze. Bei Oberhof botanischer Garten der Hochgebirgsflora (Rennsteiggarten).

Oberitalien: der nördliche Teil Italiens mit den Regionen Piemont, Aostatal, Ligurien, Lombardei, Trentino-Alto-Adige, Venetien, Friaul-Julisch Venetien, Emilia-Romagna; im Norden von Alpen, im Süden vom Golf von Genua, nördliche Apennin und Golf von Venedig begrenzt; 119879 km2, 25,7 Millionen Einwohner; 214 Einwohner/km2; wirtschaftlich am höchsten entwickelter Teil Italiens mit intensiver Landwirtschaft (besonders in der Poebene) und bedeutender Industrie; dichtes Verkehrsnetz.

Oberländer, Adolf, 1.10.1845-29.5.1923, Zeichner und Maler; phantasievolle Zeichnungen und treffsichere Karikaturen (seit 1863 für die «Fliegenden Blätter») ließen ihn neben W. Busch zu einem der beliebtesten Humorzeichner werden.

Oberlicht: im Dach ausgesparte Fläche zur Raumbeleuchtung bei großer Gebäudetiefe. Größe, Anzahl und Ausbildung der Oberlichter sind abhängig von der Dachkonstruktion, Raumnutzung und der erforderlichen Beleuchtungsstärke. Das First-Oberlicht ist mit schrägliegender Verglasung in Richtung des Firstes angeordnet. Das Laternen-Oberlicht hat senkrechtstehende Verglasung. Das Raupen-Oberlicht ist quer zur Längsrichtung zwischen den Bindern angeordnet. Oberlicht aus Glasstahlbeton (Glasprismen in Stahlbetonrippen) werden in die Dachneigung von Massivdächern eingebaut.

Obermaschinerie: Theater über dem Bühnenboden liegender Teil der maschinellen Bühneneinrichtung mit beweglichen Beleuchtungsstegen, Vorhang, Prospektzügen, Flugwerken, Rundhorizont, Schnürboden, Rauchabzug.

Oberon, (französisch germanisch) Auberon (französisch), Alberon (germanisch), Feenkönig in altfranzösischen Dichtungen («Huon de Bordeaux» unter anderem); in die mittelhochdeutsche Dichtung als Alberich übernommen; Gestalt und Sagenstoff mehrfach künstlerisch gestaltet (unter anderem W. Shakespeare: «Ein Sommernachtstraum»; C. M. Wieland: Verserzählung «Oberon», Vorlage für C. M. von Webers gleichnamige Oper).

Oberösterreich: österreichisches Bundesland beiderseits der Donau, im Nordwesten an die BRD, im Norden an die CSSR grenzend; 11979 km2, 1,27 Millionen Einwohner; 105 Einwohner/km2; Hauptstadt Linz: umfasst unter anderem das Mühlviertel, das Donautal zwischen Inn und Enns, das hügelige Alpenvorland mit dem Innviertel und das seenreiche Salzkammergut mit Höllengebirge, Totem Gebirge und Dachstein (2 995 m). Förderung von Braunkohle, Salz, Kaolinen, Erdgas und Erdöl; Wasserkraftgewinnung an Inn, Enns, Donau; starke Industrialisierung; Eisen-, Stahl-, chemische Industrie in Linz, Aluminiumhütte in Braunau-Ranshofen, Maschinen-, Fahrzeugbau in Steyr, ferner Papier-, Holz-, Zellstoff-, Textil-, Glas- und keramische Industrie. Im Alpenvorland Weizen-, Zuckerrüben- und Obstanbau; bedeutende Viehzucht; Holzwirtschaft (über ein Drittel der Landesfläche waldbedeckt). Fremdenverkehr.

Oberpfälzer Wald: nördlicher Teil des Böhmerwaldes, zwischen Further Senke und Fichtelgebirge, als Cesky les auf das Gebiet der CSSR übergreifend; aus kristallinen Gesteinen aufgebaut; einförmige Hochfläche (600 m über dem Meeresspiegel) mit bewaldeten Kuppen (Entenbühl, 936 m; Cerchov, 1042 m); Gewinnung von Feld-, Flussspat, Kaolin, Quarz; Wasserkraftwerke; dünn besiedelt.

Oberrheinische Tiefebene, Oberrheinebene, Oberrheingraben-. im Tertiär entstandener Grabenbruch zu beiden Seiten des Obenheins (Deutschland, Frankreich) mit annäherndem Nord-Süd-Verlauf, zwischen Vogesen und Pfälzer Wald (linksrheinisch) sowie Schwarzwald und Odenwald (rechtsrheinisch); 300 km lang (Basel-Mainz), 30 bis 50 km breit (im Norden Erweiterung zwischen Rhein-Main-Ebene), in der südlichen Oberrheinischen Tiefebene der Kaiserstuhl (ehemaliger Vulkan); klimatisch mildes, zum Teil fruchtbares, dicht besiedeltes, für den mitteleuropäischen Nord-Süd-Verkehr wichtiges Gebiet; feuchte Rheinniederung mit trockenen Niederterrassen (Tabak, Spargel, geringer Ackerbau), fruchtbares, lößbedecktes Hügelland am Gebirgsrand (Obst, Wein, Hopfen, Gemüse, Getreide); Kaliabbau im oberen Elsaß; Industriekonzentrationen um Basel, Mulhouse, Strasbourg, Mannheim/Ludwigshafen; Kernkraftwerke; Häfen; historische Städte wie Mainz, Speyer, Worms; Bäder am südlichen Ostrand (Baden-Baden, Bad Dürkheim unter anderem).

Oberschale: hochwertiges Fleischteil der Keuleninnenseite vom Rind (Braten-, Rouladenfleisch) beziehungsweise Kalb (Schnitzelfleisch).

Oberschönau, Kurort: Gemeinde im Kreis Schmalkalden, Bezirk Suhl, im Thüringer Wald; 1200 Einwohner; Werkzeug-, Kleineisenindustrie; Ferienort (500 bis 540 m über dem Meeresspiegel); Wintersport.

Oberschwingung: sinusförmige Schwingung, deren Frequenz ein ganzzahliges Vielfaches der Frequenz der Grundschwingung ist; siehe auch Klang.

Oberstdorf: Marktort in Bayern, in Schwaben, in den Allgäuer Alpen (813 m über dem Meeresspiegel); 11000 Einwohner; heilklimatischer und Kneippkurort; Wintersportplatz, Skiflugschanze, Eisstadion; Fremdenverkehr.

Oberth, Hermann, geboren 25.6.1894, Wissenschaftler; durch grundlegende Arbeiten zur Raketen- und Raumfahrttechnik einer der Begründer der modernen Raumfahrtforschung.

Oberweißbach: Stadt im Kreis Neuhaus, Bezirk Suhl, auf einer Hochfläche im Thüringer Schiefergebirge; 2000 Einwohner; Kleinglühlampenproduktion; Rinderaufzucht; Ferienort (570 m über dem Meeresspiegel); Wintersport; Gedenkstätte F. Fröbels (in Oberweißbach geboren), Fröbelturm; Oberweißbacher Bergbahn (1360 m lange Standseilbahn) von Obstfelderschmiede (340 m über dem Meeresspiegel) im Schwarzatal nach Lichtenhain (663 m über dem Meeresspiegel).

Oberzug: waagerechter Träger, der oberhalb weitgespannter Bauteile, zum Beispiel der Deckenbalken, angeordnet ist. Die Bauteile sind mit dem Oberzug fest verbunden und werden von diesem getragen. Siehe auch Unterzug.

Obhut: rechtliches Verhältnis zu hilfsbedürftigen Personen beziehungsweise zu Jugendlichen, das eine besondere Verantwortung für diese begründet. Verletzungen der Obhutspflicht durch Belassen in hilfloser Lage beziehungsweise Missbrauch zu sexuellen Handlungen sind strafbar.

Obihiro: Stadt in Japan, auf der Insel Hokkaido (Präfektur Hokkaido), in der Tokachi-Ebene, östlich von Sapporo; 155000 Einwohner; Landmaschinenbau, Nahrungsmittelindustrie; landwirtschaftliche Hochschule.

Objekt: (lateinisch, «das Entgegengeworfene»)

1. allgemein Gegenstand oder Ziel des Denkens und Handelns; Planvorhaben; Wertgegenstand, besonders Grundstück; für die Allgemeinheit geschaffene Einrichtung (zum Beispiel Verkaufsstelle, Gaststätte).

2. Objekt, Satzergänzung - Grammatik: Satzglied, das das Prädikat in seiner Bedeutung ergänzt; das Verb bestimmt Kasus oder präpositionale Verbindung; Einteilung erfolgt in Genitiv-, Dativ-, Akkusativ-, Präpositionalobjekt beziehungsweise danach, ob das Objekt direkt von der Handlung betroffen ist (direktes Objekt = Akkusativobjekt) oder nicht (indirektes Objekt = andere Arten).

3. Philosophie: Kategorie, die zusammen mit der des Subjekts 2 Seiten der praktischen wie theoretischen Tätigkeit des Menschen widerspiegelt. Das Objekt ist der vom Subjekt unabhängige Gegenstand, auf den die aktive Tätigkeit des Subjekts, die Erkenntnis und Praxis gerichtet ist. Alle Dinge und Zusammenhänge der Wirklichkeit können zum Objekt der Erkenntnis und Praxis werden.

objektiv: dem Objekt angehörend; außerhalb des Bewusstseins, unabhängig vom Subjekt; sachlich, vorurteilsfrei.

Objektiv: einstufig abbildendes optisches System mit vom Anwendungszweck abhängiger Bildgüte. Bei zusammengesetzten optischen Instrumenten ist das Objektiv dem Objekt zugewandt (Mikroskopobjektiv, Fernrohrobjektiv). Foto- und Projektionsobjektiv bilden ein großes Objektfeld mit großer Öffnung ab. Sie stellen im Allgemeinen I Anastigmate dar. In der Fototechnik ist das Objektiv in einfachster Ausführung eine einzelne Linse (meist aus Glas, neuerdings auch aus Kunststoff), gewöhnlich jedoch (für mittlere und hochwertige Objektiv) ein System von etwa 3 bis 8 Linsen, um Abbildungsfehler möglichst gering zu halten und ein hohes, in Linien je mm angegebenes Auflösungsvermögen (Wiedergabevermögen von Bildeinzelheiten) zu erzielen. Maßgeblich für die erste Blendenzahl (siehe auch Blendenreihe) eines Objektiv ist das Öffnungsverhältnis (Lichtstärke), das sich durch das Verhältnis der wirksamen Öffnung zur Brennweite des Objektiv ergibt (zum Beispiel 18 mm wirksame Öffnung zu 50 mm Brennweite = 1:2,8 oder kurz 2,8). Bei Wahl einer größeren Blendenzahl vergrößert sich die Schärfentiefe. Die Kamera ist in der Grundausstattung mit einem Normalobjektiv (Standardobjektiv) mit einer Brennweite von etwa der Negativdiagonalen und einem Bildwinkel zwischen 40 und 51° ausgerüstet. Hochwertige Kameras sind mit Wechselobjektiven (Wechseloptik) versehen; das Normalobjektiv lässt sich gegen Objektiv anderer Brennweiten auswechseln, wenn Motive größer (längere Brennweite) oder kleiner (kürzere Brennweite) abgebildet werden sollen (der Abbildungsmaßstab ändert sich proportional der Brennweite). Ein Fernobjektiv hat lange Brennweite (Bezeichnung Teleobjektiv, wenn die Baulänge kürzer als die Brennweite ist); ein Weitwinkelobjektiv hat kurze Brennweite und einen Bildwinkel zwischen 52 und 82°. Spezialobjektiv sind unter anderem Spiegelobjektiv mit Spiegeln und Linsen zur Bilderzeugung und Brennweiten von 500 bis 1000 mm; Fisheye Objektiv mit extrem weitem Bildwinkel (>1800, Varioobjektiv (Zoomobjektiv, Gummilinse, Transfokator) mit stetig verändert. Brennweite. J. M. Petzval errechnete 1840 ein lichtstarkes Porträt- und Landschaftsobjektiv (Orthoskop). C. v. Steinheil konstruierte 1865 ein symmetrisches Doppelobjektiv (Periskop) und 1866 das praktische verzeichnungsfreie achromatische Aplanat. Der Mitarbeiter von E. Abbe P. Rudolph entwickelte 1902 den bis zum Rand scharf zeichnenden Anastigmaten Tessar.

Objektivismus: mit dem Anspruch auf Objektivität, «wertfreie Sachlichkeit» und «Überparteilichkeit» auftretender, Parteilichkeit und Wissenschaftlichkeit einander entgegenstellender methodischer Grundsatz und Wesenszug der bürgerlichen Ideologie. Der Objektivismus ignoriert undialektisch die historischen Entwicklungsgesetze und reduziert die Betrachtung der Gesellschaft auf die Beschreibung von Erscheinungen, ohne deren Wesen aufzudecken. Damit führt er als Ausdruck bürgerlicher Parteilichkeit zur Rechtfertigung kapitalistischer Verhältnisse.

Objektivität: Eigenschaft von Aussagen, die objektive Realität adäquat, das heißt so, wie sie wirklich ist, ohne Rücksicht auf (subjektive) Meinungen, Wünsche und Vorurteile widerzuspiegeln; auch Prinzip wissenschaftlicher Forschung. Im eigentlichen Sinn Eigenschaft wahrer Aussagen und Theorien, unabhängig vom aussagenden Subjekt wahr zu sein (Wahrheit).

Objektivprisma: Glasprisma, das vor das Objektiv eines astronomischen Fernrohrs gesetzt wird, um anstelle der Sterne deren Spektren, zum Beispiel auf einer Fotoplatte, abzubilden.

Objektlohn: vorwiegend in der Bauindustrie und bei Montagearbeiten auf der Grundlage von Komplexnormen angewandte Form des kollektiven Stücklohns, bei der sich Brigaden gegenüber der Betriebsleitung vertraglich verpflichten, für eine festgelegte Lohnsumme eine bestimmte Arbeit termin- und qualitätsgerecht fertigzustellen.

Objektsatz: Objekt in Form eines Nebensatzes; kann sein

a) Nebensatz in Kernform: Ich bemerke, «du warst gekommen»;

b) Relativsatz: «Wen man liebt», soll man ehren;

c) indirekter Fragesatz: Weißt Du, «wie viel Gäste kommen?»;

d) Konjunktionalsatz: Ich hoffe, «dass sie kommt.»

Objektsprache: natürliche oder künstliche Sprache, in der über Objekte, die nicht selbst Ausdrücke dieser Sprache sind, gesprochen wird. So gehört der Satz «Leipzig ist eine Stadt» der Objektsprache an, der Satz « besteht aus 7 Buchstaben» jedoch der Metasprache (nicht die Eigenschaft eines Objektes, sondern eines Wortes wird angegeben), eine Vermengung beider führt zu semantischen Antinomien.

Objektträger: Glasplatte zur Aufnahme mikroskopischer Präparate, die im allgemeinen mit einem Deckglas abgedeckt werden.

Objektumfang, Leuchtdichteumfang, Kontrastumfang: Fotografie Helligkeitsverhältnis der dunkelsten zur hellsten Stelle eines Aufnahmeobjekts. Bei (normalen) Landschaften beträgt der Objektumfang 1:30 bis 1:1000, bei Porträts bis 1:100. Siehe auch Schwärzungskurve.

Oblate: blattartig dünne Dauerbackware aus ungesäuertem und ungesüßtem, dünnflüssigem, hellem Mehlteig, ohne Lockerungsmittel; als Back- (Lebkuchenunterlage) oder Tafeloblate und überzogene beziehungsweise gefüllte Oblate (zum Beispiel Pischinger-Oblate).

obligat: 1. allgemein verbindlich, unerlässlich.

2. Musik: Bezeichnung für eine selbständig geführte Instrumental- oder Vokalstimme, die nicht weggelassen werden darf.

Obligation: 1. Verpflichtung, Schuldverhältnis.

2. Wertpapier (Schuldverschreibung), in dem sich der Aussteller zu einer Zahlung an den Benannten oder häufiger an den Inhaber (Inhaberschuldverschreibung) verpflichtet; meist erfolgt Verzinsung. Obligation dienen hauptsächlich der Kreditaufnahme und -vergäbe in kapitalistischen Ländern und im Außenhandel der DDR. Siehe auch Inhaberpapier, Orderpapier.

obligatorisch: (lateinisch) verbindlich, verpflichtend,

obligatorischer Unterricht: Pflichtunterricht; der für alle Schüler und Studenten eines bestimmten Schultyps verbindlichen, in der Regel auf einheitlichen Lehrplänen basierende Unterricht. Siehe auch fakultativer Unterricht.

Obligo: Verbindlichkeit, Haftung, Gewähr. Die Klausel ohne Obligo (ohne Gewähr) schließt die Haftung für die Richtigkeit von Angaben aus.

Obliteration: Medizin Verödung von Hohlräumen, Gängen und Gefäßen, zum Beispiel infolge von Entzündung oder Arterienverkalkung.

Oblomowtum: Begriff, der geistige Trägheit, patriarchalische Rückständigkeit sowie sozialen Parasitismus kennzeichnet; von dem Namen des Helden aus dem Roman «Oblomow» (1859, deutsch) von I. A Gontscharow abgeleitet. Die gesellschaftliche Bedeutung des Oblomowtum wurde von N. A. Dobroljubow in dem Aufsatz «Was ist Oblomowtum?» (1859, deutsch) dargelegt; der Terminus Oblomowtum wurde häufig von W. I. Lenin gebraucht.

Obnorski, Wiktor Pawlowitsch, 23.11.1852 bis 17.4.1919, russischer Revolutionär; gründete 1878 mit S. N. Chalturin den Nordbund russischer Arbeiter; 1880 zu 10 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Oboe: (französisch, «hoch klingendes Holz») dreiteiliges Holzblasinstrument leicht konischer Bohrung in Sopranlage, mit Doppelrohrblatt, kleiner Stürze, Tonlöchern und Klappen; um 1660 vermutlich von J. de Hotteterre und M. Philidor aus dem Diskant-Bomhart entwickelt. Aus den anfänglich 2 Klappen wurden Anfang des 18. Jahrhundert 4 und im ersten Drittel des 19. Jahrhundert 13 Klappen. Im 19. Jahrhundert erhielt die Oboe einen komplizierten Klappenmechanismus nach deutschem (warmer, voller Klang) und dem bis heute gültigen französischen System (scharfer, dünner Klang). Seit dem Ende des 17. Jahrhundert ist die Oboe als Kammermusik- und Orchesterinstrument, aber auch für solistisch-konzertante Aufgaben weit verbreitet. Eine Terz tiefer steht die Oboe d’amore, eine Quinte tiefer das Englischhorn.

Oboe da caccia: (italienisch - französisch, «Jagdoboe») Altoboe mit birnenförmigem Schallbecher um 1700; Vorläufer des Englischhorns.

Oboe d'amore: (italienisch - französisch, «Liebesoboe») Oboe in tiefer Lage mit birnenförmigem Schallbecher; um 1720 entstanden.

Obolus: 1. Obolus (griechisch): kleine altgriechische Silber- oder Kupfermünze; wurde den Toten in den Mund gelegt als Fährlohn für Charon zur Überquerung des Unterweltflusses Acheron; übertragen kleiner Geldbetrag, Spende, Almosen.

1. Obolus: ein Apothekergewicht

2. Obolus: vom Kambrium bis Ordovizium nachgewiesene Gattung der schlosslosen Armfüßer mit kalkig-phosphat., runder Schale.

OBO-Schiff, Ore-Bulk-Oil-Carrier: Massengutschiff für die wechselweise Beförderung von Erz und anderem Schüttgut (Frachtschiff) oder von Erdöl (Tanker) im Laderaum.

Obote, Apollo Milton, geboren 1925, ugandischer Politiker; 1959 Mitbegründer des Volkskongresses von Uganda; 1962 erster Ministerpräsident Ugandas, seit 1966 auch Präsident; Obote wurde 1971 durch Staatsstreich gestürzt und ging ins Exil (Tansania), im Mai 1980 Rückkehr nach Uganda und nach Wahl im Dezember 1980 erneut Präsident Obote wurde im Juli 1985 nach einem Militärputsch aller Ämter enthoben.

Obraszow, Sergej Wladimirowitsch, geboren 5.7.1901, sowjetischer Puppenspieler und Regisseur; gründete 1931 das Zentrale Staatliche Puppentheater in Moskau, das unter seiner Leitung und durch Gastspielreisen zu einem Theater mit großer internationaler Ausstrahlungskraft wurde.

Obrecht, Jacob, 22.11.1450 oder 1451-1505, franko-flämischer Komponist; bedeutender Vertreter der Niederländischen Schule; schrieb Messen und Motetten, häufig über weltlich Cantus firmus, bevorzugte dabei in seinem klangvollen Satz melodische Sequenzbildungen.

Obregon, Alvaro, 17.2.1880-17.7.1928 (ermordet), mexikanischer General; kämpfte in der Revolution auf Seiten V. Carranzas, den er 1920 stürzte; 1920/24 Präsident, stellte 1924 diplomatische Beziehungen zur UdSSR her.

O'Brien, James, Pseudonym Bronterre O’Brien, 6.2.1805(?)-23.12.1864, irischer Publizist; verband den politischen Kampf der Chartisten mit kommunistischen sozialen Forderungen, die durch eine Volksrevolution verwirklicht werden sollten; entwickelte nach Niederlage der Chartistenbewegung (1848) einen «sozialen Reformplan» und bildete innerhalb der Chartistenbewegung die reformistische «Nationale Reformliga».

O'Brien-Technik: (nach einem US-amerikanischen Leichtathleten) gegenwärtig meistangewendete Kugelstoßtechnik. Die Kugel ruht auf dem Mittelhandknochen der Hand an der Schlüsselbeingrube; mit dem Rücken zur Stoßrichtung, am hinteren Rand des Stoßkreises stehend, wird durch Senken des gehobenen Schwungbeines und Beugen des Standbeines die Angleitbewegung eingeleitet, die in die Stoßauslage führt, aus der durch Strecken der Beine und des Stoßarmes die Kugel ausgestoßen wird.

Obrok: im zaristischen Russland jährliche Natural- oder Geldabgabe der Leibeigenen an die Gutsherren (Grundzins); von Mitte des 18. Jahrhundert bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft 1861 überwiegend in Geldform.

Obrutschew: 1. Sergej Wladimirowitsch, 3.2.1891-29.8.1965, sowjetischer Geologe und Asienforscher; Sohn von Obrutschew 2; unternahm 1917/33 mehrere Expeditionen nach Sibirien, entdeckte 1917 das Tunguska-Becken und 1926 das Tscherskigebirge; bestimmte den Kältepol bei Oimjakon.

2. Wladimir Afanasjewitsch, 28.9.1863 bis 19.6.1956, sowjetischer Geologe und Geograph; erforschte die Geologie vor allem von Nord- und Zentralasien und beschäftigte sich intensiv mit lagerstättengeologischen Fragen, der Entstehung des Löß und Problemen des Dauerfrostbodens. Mitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR.

Observanz: bürgerliches Recht Gewohnheitsrecht, das durch längere Zeit ausgeübtes und gebilligtes Verhalten entstanden ist (zum Beispiel im Nachbarrecht).

Observation: Kriminalistik gezielte Beobachtung, zum Beispiel im Zusammenhang mit Fahndungen sowie der Verhinderung, Aufdeckung und Aufklärung von Straftaten.

Observatorium: Einrichtung auf der Erdoberfläche, unter Tage, im Meer oder im Weltraum für astronomische (Sternwarte), meteorologische, geophysikalische oder ozeanologische Beobachtungen. Bedeutende Observatorien in Deutschland sind zum Beispiel in Tautenburg (astronomisches Observatorium), Potsdam (meteorologisches Observatorium), Niemegk (erdmagnetischen Observatorium), Moxa (seismologische Observatorium), Collm (seismologische und Ionosphären-Observatorium), Kühlungsborn (Ionosphären-Observatorium) und Zingst (maritimes Observatorium).

Obsession: Zwangsvorstellung; Handlung, die mit Angsterlebnissen verbunden ist.

Obsidian: kieselsäurereiches, glasiges Gestein (wasserfreies Rhyolith Glas) vorwiegend dunkler Farbe; entsteht bei raschem Erstarren von Lava.

obskur: dunkel; unbekannt; verdächtig.

Obskurantismus: wissenschaftsfeindliches Streben nach Verdunkelung objektiver Sachverhalte und nach Massenverdummung; von der bürgerlichen Aufklärung bekämpft; heute ein Wesenszug der imperialistischen Ideologie.

obsolet: veraltet, nicht mehr dem heutigen Stand der Wissenschaft entsprechend; zum Beispiel obsolete Heilmittel.

Obst: (althochdeutsch, eigentlich «Zukost») essbare Früchte beziehungsweise Samen (Nüsse) mehrjähriger Gewächse der gemäßigten Zone; im engeren Sinne nur diejenigen Früchte, die schon im rohen Zustand vom Menschen verzehrt werden können, wie Kern- (Apfel, Birne), Stein- (Kirsche, Pflaume, Pfirsich, Aprikose), Schalen- (Walnuss, Haselnuss), Beerenobst (Erd-, Johannis-, Stachel-, Brom-, Himbeere). Früchte nicht in Kultur genommener Pflanzen sind Wildobst, solche aus tropischen und subtropischen Gebieten Südfrüchte.

Obstbau: Obstproduktion; Zweig der Landwirtschaft, der mit dem Gemüsebau und Zierpflanzenbau zum Gartenbau zusammengefasst wird. In Klein- und Siedlergärten als Selbstversorger-Obstbau; an verkehrsarmen Straßen und Wegen als Straßen-Obstbau von abnehmender Bedeutung. Auf dem Weg der Kooperation Herausbildung der industriemäßigen Obstproduktion, die durch Konzentration der Flächen (geschlossene Obstbaugebiete), Spezialisierung der Betriebe und den komplexen Einsatz moderner Technik gekennzeichnet ist.

Obstbaumkrebs: holzzerstörende Krankheit, verursacht durch den Pilz Nectria galligena. Die Bekämpfung ist durch Ausschneiden und Vernichten der befallenen Teile möglich.

Obstbrand: aus vergorenem Obst oder -saft (Kern-, Stein- oder Beerenobst) hergestellter Edelbrand, zum Beispiel Kirschwasser, Slibowitz, mit einem Volumenanteil an Alkohol von 45 %.

Obsterntemaschine: traktorgezogene Aufsattel-, Anbau- beziehungsweise selbstfahrende Maschine oder Maschinensystem zum Abtrennen, Auffangen und Fördern von Früchten des Baum- und Strauchobstes sowie der Erdbeere. Meist nach dem Prinzip der Stamm- oder Astvibration arbeitend.

Obstgeist, Geist: aus unvergorenem Frischobst durch Ansetzen mit Primasprit und Destillieren hergestellte Spirituose, zum Beispiel Himbeer-, Brombeer-, Aprikosen-, Schlehengeist.

Obsthecke: aus Niederstämmen gebildete Hecke mit höhenbegrenztem, in der Längsrichtung gefördertem Kronengerüst und freier oder streng systematische Anordnung der Gerüstäste.

obstinat: starr-, eigensinnig, widerspenstig; hartnäckig.

Obstkraut: ohne Zuckerzusatz geleeartig eingedickter Saft aus Äpfeln (Apfelkraut) oder Birnen (Birnenkraut), als Brotaufstrich zum Beispiel im Rheinland üblich.

Obstruktion: Störung, Widerstand; Versuch einer Gruppe, in Versammlungen und besonders in bürgerlichen Parlamenten Beschlüsse zu verhindern beziehungsweise zu verschleppen, zum Beispiel durch Herbeifuhren der Beschlussunfähigkeit.

Obturation: Verstopfung von Hohlräumen, zum Beispiel Darm, Bronchien, Gefäße (Embolie, Thrombose).

Obturator: Verschlusskörper aus Kunststoff zur Abdeckung von Gaumendefekten; wird angewendet, wenn eine operative Korrektur nicht möglich ist.

O-Bus, Kurzwort für Oberleitungsomnibus, Trolleybus: elektrisch betriebenes, geräuscharm und abgasfrei fahrendes öffentlichen Personennahverkehrsmittel, das an eine aus 2 Fahrdrähten bestehende Fahrleitung, jedoch nicht an Schienen gebunden ist.

O'Casey, Sean, 30.3.1880-18.9.1964, irischer Dramatiker und Essayist; begründete das irischen revolutionäre Volksdrama mit lebensnahen Stücken voller Tragik und Komik, so «Der Schatten eines Kämpfers» (1923, deutsch), «Juno und der Pfau» (1924, deutsch), «Der Pflug und die Sterne» (1926, deutsch), «Stern der Verheißung» (1940, deutsch), «Purpurstaub» (1940, deutsch), «Rote Rosen für mich» (1942, deutsch), «Kikeriki» (1949, deutsch), «Ein Freudenfeuer für den Bischof» (1955, deutsch). Unter dem Einfluss von E. Toller und G. Kaiser verfasste er die teils oder gänzlich expressionistische Antikriegsdramen «Der Preispokal» (1929, deutsch) und «Der Park» (1934, deutsch). Eine sechsbändige Autobiographie (1939/54, 2 Bände deutsch) spiegelt Leben und Zeit wider. Sein reichhaltiges, der irische Folkloretradition und dem sozialen und nationalen Befreiungskampf tief verpflichtetes Schaffen zählt zum sozialistischen Realismus.

Ocenas, Andrej, geboren 8.1.1911, slowakischer Komponist; fand in seinem umfangreichen Schaffen, von der slowakischen Folklore ausgehend, immer mehr zu einer ausdrucksstarken, modernen Musiksprache, die von humanistischen Ethos bestimmt ist; seit 1978 Vorsitzender des Tschechoslowakischer Komponistenverbandes.

Ochlokratie: (griechisch, «Herrschaft der Menge», «Pöbelherrschaft») erstmalig von Polybios verwendeter abfälliger Ausdruck für die radikale Sklavenhalterdemokratie.

Ochotskisches Meer: Randmeer des Stillen Ozeans, zwischen asiatischen Festland, Kamtschatka und Kurilen; 1,603 Millionen km2, bis 3 521m tief; Salzgehalt 33 bis 34 %o; fast 8 Monate eisbedeckt; nebelreich; Fischfang; Tidenhub bis 13 m.

Ochrana, Ochranka: berüchtigte zaristische Geheimpolizei zur Unterdrückung der revolutionären Bewegung in Russland, 1866 aus den Polizei-Ermittlungsorganen Nikolais I. hervorgegangen, arbeitete mit Spitzeln und Provokateuren; nach der Februarrevolution 1917 aufgelöst.

Ochs, Peter, 20.8.1752-19.6.1821, schweizerischer Politiker, Jurist; Anhänger der Franzos. Revolution und Führer der Revolutionspartei in der Schweiz; entwarf 1797/98 die Verfassung der Helvetischen Republik; proklamierte am 12.4.1798 in Aarau die Helvetische Republik, 1799 durch die Gemäßigten gestürzt.

Ochsenauge: 1. Ochsenauge, französisch: Architektur - rundes oder ovales Dachfenster, häufig an Barockbauten.

2. Botanik: Rindsauge.

3. Ochsenauge, Kuhauge, Epinephele jurtina: Zoologie - dunkelbrauner Augenfalter mit blauem Augenfleck; Spannweite bis 40 mm; Raupe an verschiedenen Gräsern.

Ochsenfrosch, Rana catesbeiana: zu den Echten Fröschen gehörender 20 cm langer und 600 g schwerer Froschlurch mit grob marmorierter Haut; bewohnt Teichlandschaften des östlichen Nordamerikas; seine Schenkel gelten als Delikatesse. Siehe auch Indischer Ochsenfrosch, Südamerikanischer Ochsenfrosch.

Ochsenius, Carl, 9.3.1830-9.12.1906, Geologe; entwickelte in Fortführung der Gedanken C. Lyells seine Barrentheorie über die Bildung von Salzlagerstätten und erläuterte sie am Beispiel der Kara-Bogas-Gol (Lagune des Kaspischen Meeres).

Ochsenzunge, Anchusa: Gattung der Borretschgewächse mit blauen Blüten; als Ruderalpflanze die Gebraucht. Ochsenzunge (A. officinalis), als Zierpflanze die Italienische Ochsenzunge (Anchusa italica).

Ockeghem, Johannes, um 1425-6.2.1496, Komponist; bedeutendster Vertreter der Niederländischen Schule zwischen G. Dufay und J. Desprez; wirkte seit etwa 1450 am französischen Hof; schrieb Messen, Motetten, Chansons.

Ocker: vorwiegend aus Ton und Eisen(III)-oxidhydrat bestehendes Erdpigment. Je nach Zusammensetzung unterscheidet man Hell-Ocker, Dunkel-Ocker, Braun-Ocker, Gelb-Ocker; durch Brennen entsteht Rot-Ocker; Mischungen mit Chromgelb werden als Chrom-Ocker bezeichnet. Ocker wird als licht- und wasserbeständiges Pigment für Wachstuch, Linoleum, Papier, Plaste sowie für Anstrichstoffe verwendet.

Ockergrabkultur: spätjungsteinzeitliche bis bronzezeitlicher Kultur (3./2. Jahrtausend vor Christus) zwischen Karpaten und Ural; wird in Gruben-, Katakomben- und Holzkammergrabkultur unterteilt. Ökonomische Grundlage der Ockergrabkultur waren Viehzucht und Bodenbau; benannt nach den aus kultischen Gründen mit Ockererde bestreuten Toten.

O'Connor: 1. Feargus Edward, 18.7.1794-30.8.1855, irischer Publizist; führendes Mitglied der irische Repeal-Bewegung und ab 1838 des kleinbürgerlich-radikalen Flügels der britischen Chartistenbewegung; bejahte den bewaffneten Kampf gegen das Kapital, vertrat seit 1845 zunehmend erfolglose sozialutopisch-reformistische Projekte.

2. Frank, eigentlich Michael O’Donovan, 17.9.1903-10.3.1966, irischer Schriftsteller; stellte in Kurzgeschichten soziale Probleme einfacher Menschen in Irland realistisch dar; als Auswahlsammlungen erschienen deutsch «Er hat die Hosen an» (1957), «Und freitags Fisch» (1958), «Die lange Straße nach Ummera» (1959), «Bitterer Whisky» (1962), «Ein Mann von Welt» (1969). Er schrieb ferner den Roman «Die Reise nach Dublin» (1932, deutsch).

Octavia, um 61-11 vor Christus, Schwester des Kaisers Augustus; in 2. Ehe mit Mark Anton verheiratet, der sie 36 wegen seiner Hochzeit mit Kleopatra VII. verstieß.

Oakland: Stadt im Bundesstaat Kalifornien (USA), am Ostufer der San Francisco Bay; 340000 Einwohner (davon 36% Afroamerikaner); Erdölraffinerie, Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektro-, Textil-, Lebensmittel-, chemische Industrie; Hafen, internationaler Flughafen, Brücke (12 km) nach San Francisco; Museum; Parks.

Oak Ridge: Stadt im Nordosten des Bundesstaates Tennessee (USA), westlich von Knoxville; 30000 Einwohner; Kernforschungszentrum, Kernkraftwerk, elektronische Industrie, Herstellung von radioaktiven Arzneimitteln; Kernenergiemuseum.

Oase: (lateinisch griechisch ägyptisch) an Wasser (Grundwasser oder Flussläufe) gebundenes Vegetationsgebiet in der Wüste; dicht besiedelt.

Oates, Joyce Carol, geboren 16.6.1938, US-amerikanische Schriftstellerin; schildert in zahlreichen sozialkritischen Romanen («Jene», 1969, deutsch; «Im Dickicht der Kindheit», 1976, deutsch) und Kurzgeschichten (dt. Sammlung «In der Region von Eis», 1985) mit sensiblem Einfühlungsvermögen die destruktiven Folgen des amerikanischen Alltags auf ihre zumeist weiblichen Gestalten.

Oda, Nobunaga, 1534-1582 (ermordet), japanischer Staatsmann, Daimyo; unterwarf die Hälfte aller japanischen Provinzen; förderte die Beseitigung der feudalen Zersplitterung und die Entstehung einer starken Zentralgewalt.

Odalisken: europäischen oderkaukasische Sklavinnen im ehemaligen Sultans Harem, aus deren Reihen der türkischen Sultan seine Frau wählte.

Ode: (griechisch, «Gesang») antiken Strophen nachgebildete, metrisch strenge und reimlose feierlich-erhabene Gedichtart preisender Tendenz. Das Vorbild antiker Oden-dichter wie Pindar und Horaz wirkte nachhaltig unter anderem auf die klassische deutsche Literatur (A. Gryphius, F. G. Klopstock, J. W. Goethe, F. Hölderlin unter anderem) ein; in der sozialistischen deutschen Lyrik von J. R. Becher, V. Braun und H. Czechowski verwendet.

Ödem, Wassersucht: Gewebequellung; eindrückbare, schmerzlose, diffuse Schwellung, besonders in Haut und Unterhaut, infolge krankhaft gesteigerter Flüssigkeitsansammlung in den Gewebespalten; beruht auf Stauungen des Blut- und Lymphabflusses, auf Eiweißmangel (Hungerödem), auf Schädigung der Kapillarwand unter anderem

Ödemkrankheit, Colienterotoxämie: durch die Toxine bestimmter Kolibakterien hervorgerufene Erkrankung bei Absatzferkeln und Kälbern; Kennzeichen sind Ödeme an Augenlidern, Kopf und Nabel, oftmals begleitet von nervösen Störungen. Eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika ist notwendig.

Odenathus, Septimius, gestorben 266 (ermordet), römischer Klientelfürst von Palmyra; Gatte Zenobias; wurde 261 von Gallienus zum Oberbefehlshaber im Orient ernannt, eroberte 262/66 Mesopotamien; 265 von Gallienus zum Augustus erhoben.

Odense: Stadt in Dänemark, Verwaltungszentrum des Amtes Fünen, auf der Insel Fünen; 170000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau, Elektro-, Lebensmittel-, Textilindustrie; Hafen; Universität, Hochschulen; Freilichtmuseum; romanische Frauenkirche (12. Jahrhundert), gotische St.-Knuds-Kirche (12./13. Jahrhundert), Geburtshaus von H. C. Andersen.

Odenwald: Mittelgebirge zwischen Kraichgau und unterem Main; bis 626 m (Katzenbuckel); Steilabfall im Westen zur Oberrheinischen Tiefebene (Bergstraße), nach Osten Waldhochfläche; Ackerbau (Roggen); Steinbrüche; Fremdenverkehr; Naturpark.

Odeon: (PL Odeen) Odeion (griechisch; PI. Odeia), Odeum (lateinisch; PL Odeen): Gebäude für musikalische Veranstaltungen im antiken Griechenland; vom Odeon des Perikles aus klassischer Zeit wurden die Grundmauern ausgegraben, aus dem 2. Jahrhundert nach Christus ist das Odeon des Herodes Atticus in Athen gut erhalten.

Oderbruch: ebener, fruchtbarer, waldloser, kultivierter, seit dem 18. Jahrhundert meliorierter Talabschnitt links der mittleren Oder, zwischen Lebus im Süden und Oderberg im Norden, im Bezirk Frankfurt; etwa 640 km2; Anbau von Zuckerrüben, Weizen, Futterpflanzen, Gemüse; Viehzucht.

Oder-Havel-Kanal: Wasserstraße von der Havel zur Oder; 82,8 km; für Schiffe bis 10001; Schiffshebewerk Niederfinow (zur Oder) und Schleuse Lehnitz (zur Havel).

Oder-Neiße-Grenze: deutsch-polnische Staatsgrenze an der Oder und Lausitzer Neiße; in Übereinstimmung mit dem Potsdamer Abkommen wurde die seit 1945 bestehende Oder-Neiße-Grenze am 6. 7.1950 durch den Vertrag von Zgorzelec zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen endgültig markiert. Sie ist eine Grenze des Friedens und der Freundschaft und ein wichtiges Element der kollektiven Sicherheit in Europa. Ihre Unantastbarkeit wird von allen Staaten des Warschauer Vertrages garantiert. Die Regierung der BRD erkannte erst 1972 ihre Gültigkeit an.

Odets, Clifford, 18.7.1906-14.8.1963, US-amerikanischer Dramatiker und Drehbuchautor; schrieb mit «Warten auf Lefty» (1935, deutsch) ein proletarisch-revolutionäres Streikdrama mit Agitpropelementen sowie sozialkritischen Dramen wie «Wach auf und singe!» (1935, deutsch) und «Golden Boy» (1937, deutsch); verfiel später dem kommerzialisierten Kunstbetrieb.

Odeur: (französisch) Duft, Wohlgeruch.

Odin, in der nordischen Mythologie Haupt der Asen und höchster Gott (germanisch Wodan).

odiös: (französisch) gehässig; unausstehlich; verhasst.

Ödipus, (griechisch, «Schwellfuß») in der griechischen Sage Sohn des Königs Laios von Theben und der Iokaste; wegen eines Orakels (er werde den Vater töten und die Mutter heiraten) mit durchbohrten Füßen ausgesetzt und vom korinthischen König Polybos aufgezogen; erschlug dennoch unwissentlich seinen Vater, befreite Theben durch Lösung des Rätsels der Sphinx und heiratete ahnungslos seine Mutter; zur Strafe blendete er sich später selbst, irrte, von seiner Tochter Antigone geleitet, umher und starb in Attika. Der Ödipus Stoff fand kulturgeschichtlich große Nachwirkung (dramatische Bearbeitungen unter anderem von Sophokles, Seneca, P. Corneille, H. von Hofmannsthal, J. Cocteau).

Ödipuskomplex: (nach der Sagengestalt) in der Psychoanalyse unbewusste, verdrängte sexuelle Neigung des Kindes zum andersgeschlechtlichen Elternteil.

Odium: (lateinisch) Hass; Feindschaft; Makel.

Ödland: für die Landwirtschaft im Allgemeinen nicht nutzbares Gelände, wie Flugsandtrockenrasen und Zwergstrauchheiden.

Odoaker, 433-15.3.493, germanischer Heerführer, Söldnerführer in römischen Diensten; setzte 476 den weströmischen Kaiser Romulus Augustulus ab und ließ sich zum König ausrufen; von den Ostgoten unter Theoderich geschlagen und ermordet.

Odobescu, Alexandru, 23.6.1834 bis 10.11.1895 (Selbsttötung), rumänischer Schriftsteller und Historiker; seit 1874 Professor für Archäologie an der Universität Bukarest; setzte mit locker-elegant verfassten Betrachtungen über Kunst und Natur in «Falsche Abhandlung zur Jagd» (1874) neue stilistische Maßstäbe; schrieb auch historische Novellen («Fürst Mihnea, der Böse», 1857, deutsch).

Odojewski, Alexander Iwanowitsch, 8.12.1802 bis 22.10. (nach anderen Angaben 27.8.) 1839, russischer Lyriker; wurde wegen seiner Teilnahme am Dekabristenaufstand (1825) nach achtjähriger Zwangsarbeit in Sibirien 1837 als Soldat in den Kaukasus geschickt. W. I. Lenin übernahm aus seinem Gedicht «Antwort auf Puschkins Sendschreiben» (1875, deutsch) die Worte «Aus dem Funken (russisch iskra) wird die Flamme schlagen» als Epigraph für die Zeitung «Iskra».

Ödometer: (griechisch) Prüfgerät für das Druckverhalten von Erdstoffen bei behinderter Seitenausdehnung. Eine zylindrische Probe wird zwischen Filterplatten eingebaut und stufenweise be- oder entlastet. Mit Ödometer Prüfungen werden Berechnungswerte für das Setzungsverhalten eines Baugrundes erhalten.

Odontom: (griechisch) gutartige, durch Fehlbildung von Zahnanlagen entstandene Geschwulst mit unterschiedlichen Gewebeaufbau.

Odorologie: Geruchskunde; naturwissenschaftlich-technisches Gebiet der Kriminalistik, das sich mit der Untersuchung von Gerüchen zum Zwecke der Identifizierung von Personen befasst.

Odysseus, Ulixes, Ulysses, in der griechischen Sage tapferer, erfindungsreicher griechischer Held, Sohn des Laertes, König von Ithaka. Im Kampf um Troja zeigte er durch Klugheit und List Auswege aus schwierigen Situationen (Bau des hölzernen Pferdes, Danaer, Raub des Palladions). Seine abenteuerreiche zehnjährige Rückkehr von Troja zu seiner Frau Penelope schildert Homers Epos «Odyssee», darüber hinaus wurde der Stoff seit der Antike in der bildenden Kunst, in der Weltliteratur (unter anderem G. Hauptmann, J. Joyce, N. Kazantzakis, L. Feuchtwanger, W. Jens) und Musik (Opern von C. Monteverdi, C. Gounod) oft gestaltet. Siehe auch Kalypso, Kirke, Lotophagen, Nausikaa, Phäaken, Scylla und Charybdis, Telegonos.

Oehlenschläger, Adam Gottlob, 14.11.1779—20.1.1850, dänischer Schriftsteller, seit 1809 Professor der Ästhetik in Kopenhagen; Hauptvertreter der dänischen Romantik; verarbeitete in Gedichten und Dramen Stoffe aus der nordischen Sagenwelt; in der dramatischen Bearbeitung des Märchens «Aladdin oder Die Wunderlampe» (1805, deutsch) gestaltete er Glücks- und Geniebegriff der Romantik.

Oelfken, Tami, 25.6.1888-7.4.1957, Schriftstellerin und Pädagogin; suchte Prinzipien sozialistischer Pädagogik zu verwirklichen («Freie Schulgemeinde», 1928/34); 1936/39 emigriert, im faschistischen Deutschland Verfolgungen ausgesetzt; schrieb die antifaschistische Komödie «Der Zauberer Zett» (1939), Romane («Tine», 1949) und die poetischen Tagebuchaufzeichnungen «Fahrt durch das Chaos» (1946, 1955 unter dem Titel «Das Logbuch»).

Oersted, (nach H. C. Orsted) Zeichen Oe: veraltete Maßeinheit der magnetischen Feldstärke im CGS-System (Maßsystem); 1 Oe = (103/4 7r) A/m = 79,578 A/m.

Oeser, Adam Friedrich, 17.2.1717-18.3.1799, Maler, Radierer und Bildhauer, seit 1764 Direktor der neugegründeten Leipziger Akademie. Von größerer Bedeutung als seine eigene künstlerische Tätigkeit ist Oesers Wirken als Theoretiker des Klassizismus, das nachhaltig J. J. Winckelmann und J. W. Goethe beeinflusste.

Oestreich, Paul, 30.3.1878-28.2.1959, Pädagoge und Schulpolitiker; Vorkämpfer einer demokratischen Schulreform; 1919 Mitbegründer des «Bundes entschiedener Schulreformen), 1949 wegen fortschrittlicher Haltung seines Amtes als Hauptschulrat von Westberlin enthoben.

Oeynhausen, Bad: Stadt in Nordrhein-Westfalen, im Ravensberger Hügelland; 44000 Einwohner; Mineralheilbad mit kohlendioxidhaltiger Kochsalztherme; Maschinenbau; Museen.

O'Faolain, Sean, geboren 22. 2. 1900, irischer Schriftsteller, schildert in Romanen und Kurzgeschichten realistisch irische Leben, meist in Verbindung mit dem Befreiungskampf gegen Großbritannien, an dem er selbst teilgenommen hatte («Ein Nest voll kleiner Leute», 1933, deutsch; «Der Einzelgänger», 1936, deutsch; «Komm heim nach Irland», 1940, deutsch; «Die Iren», 1949; «Die Hitze der Sonne», 1967; «Und wieder», 1979). deutsch Auswahl von Erzählungen «Sünder und Sänger» (1976), «Trinker und Träumen) (1980), «Lügner und Liebhaben) (1980).

Ofen:

1. Astronomie: soviel wie Chem. Ofen (Sternbild).

2. Wärmetechnik: Einrichtung zum Erzeugen und Verwerten von Wärme; durch Umwandlung der chemischen Energie von Brennstiften (Stein- und Braunkohle, Koks, Torf, Holz, Öl, Gas) oder elektrisch (Elektroofen) erhitzter feuerfester Raum. Heizungsöfen geben die Wärme durch ihre Außenwände an die Raumluft ab; Industrieöfen übertragen die in ihnen erzeugte Wärme an das eingebrachte Gut entsprechend der vorgesehenen Wärmebehandlung. Metallurg. Öfen dienen zum Verhütten und Aufbereiten von Erzen, als Schmelz- und Glühöfen für Metalle und Legierungen.

Ofenreise: Betriebszeit eines metallurgischen Ofens ohne Generalreparatur.

Off Beat: (englisch, «weg vom Taktschlag») synkopierende Akzentverschiebung ursprünglich afrikanischer Herkunft beim Melodievortrag im Jazz und in afroamerikanischen Folklore.

Off-Broadway-Theater: Bezeichnung für Tendenzen im US-amerikanischen Theater, die auf eine Überwindung des stagnierenden Geschäftstheaters (Broadway-Theater) hinzielen. Das Off-Broadway-Theater umfasst Berufs- und Amateurtheater, schließt politisch engagierte und dekadente Kunstkonzeptionen ein. Seit den 60er Jahren bezeichnen sich die radikal gegen das bestehende Theatersystem gerichteten Gruppentheater (zum Beispiel Living Theatre) als Off-off-Broadway-Theater. Seit Mitte der 70er Jahre sind beide Richtungen wieder weitgehend in das Geschäftstheater integriert.

Offenbach, Jacques, 20.6.1819 bis 5.10.1880, französischer Komponist deutscher Herkunft. Nach und neben zahlreichen Einaktern («Bouffonerien») für sein 1855 eröffnetes Theater «Bouffes Parisiens» schuf er unter anderem mit «Orpheus in der Unterwelt» (1858), «Die schöne Helena» (1864), «Ritter Blaubart» (1866) die klassische parodistisch-zeitkritische Pariser Operette; ferner die Oper «Hof Einanns Erzählungen» (1881). Seine mehr als 100 Werke erweisen ihn als einen Meister musikalischen Esprits mit melodischer Erfindungsgabe und rhythmischen Schwung.

Offenbarung: in vielen Religionen behauptete und geglaubte Selbstbekundung der Gottheit oder Mitteilung von Glaubensinhalten durch Mittler (Engel, Propheten), im Christentum zum Beispiel Jesus. Offenbarungsreligionen sind oft intolerant im Anspruch auf absolute Gültigkeit ihrer Lehre.

Offenbarungseid: in manchen Rechtsordnungen geregelter und meist vor Gericht zu leistender Eid zur Versicherung der Richtigkeit von Auskünften, Rechnungslegungen oder Vermögensverzeichnissen.

Offene Häfen: chinesische Häfen, die auf Druck kapitalistische Mächte infolge der Opiumkriege für den Handel geöffnet und zum Teil verpachtet wurden, zum Beispiel 1842 Xianggang (Hongkong; an Großbritannien), Guangzhou, Shanghai unter anderem, 1858 Nanjing, Hankou, 1860 Tianjin, 1895 Chongqing, Hangzhou unter anderem Seit 1891 waren alle bedeutenden chinesischen Häfen offene Häfen.

Offene Handelsgesellschaft, Abkürzung OHG: nicht rechtsfähige Kapitalgesellschaft, die unter gemeinschaftliche Firma der Gesellschafter am Rechtsverkehr teilnimmt. Für ihre Verbindlichkeiten haften das Gesellschaftsvermögen und die Gesellschafter persönlich.

offene Menge: Punktmenge eines metrischen oder topologischen Raumes, die nur aus inneren Punkten besteht, also keinen Randpunkt hat; zum Beispiel ist eine Kreisfläche ohne ihre Kreislinie eine offene Menge.

Offenendspinnverfahren, Kurzwort OE-Spinnverfahren, Luftwirbelspinnen: hochproduktives Spinnverfahren, bei dem an ein rotierendes «offenes» Garnende (einzeln oder in Gruppen) im Luftstrom fortlaufend Fasern zur weiteren Garnbildung angelagert werden.

offenes System:

1. Biochemie: Bezeichnung für ein System, das mit der Umgebung Masse und Energie austauscht und damit die Fähigkeit zum Entropieexport besitzt. Alle Lebewesen sind offene Systeme.

2. physikalisches System.

Offensiver Angriff.

öffentliche Hand: Gebietskörperschaft in ihrer Eigenschaft als wirtschaftliche Unternehmer oder im Hinblick auf ihr Vermögen.

Offshore Feld: (englisch offshore, «vor der Küste») Bereich von der Brandungszone der Küste bis zum seewärtigen Rand des Kontinentalschelfs (etwa bis 200 m Meerestiefe), in dem Bodenschätze (besonders Erdöl) gewonnen werden.

Offshore-Rennen: (englisch offshore, «vor der Küste») mit Motorbooten im offenen Meer ausgetragene Langstreckenwettbewerbe. Europa- und Hemisphären Meisterschaften.

O'Flaherty, Liam, 28.8.1896 bis 8.9.1984, irischer Schriftsteller; in sozialkritischen Romanen und Erzählungen mit naturalistischen Zügen irischer Menschen der unteren Schichten und ihren Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung («Die Nacht nach dem Verrat», 1925, deutsch; «Verdammtes Gold», 1929, deutsch; «Hungersnot», 1937, deutsch; <(Aufstand», 1951; «Die Rache des Hausierers», 1976). deutsch Auswahl von Erzählungen: «Schattenbilder» (1949), «Der Stromer» (1975), «Armut und Reichtum» (1976), «Tiergeschichten» (1979).

Ogaden: Landschaft im Südosten von Äthiopien; umfasst den binnenländischen Teil der Somali Halbinsel und besteht aus einem 900 bis 1000 m über dem Meeresspiegel gelegenen Hochland unter wüstenhaftem Klima; dürftige Strauchvegetation; Wanderviehzucht. Ogaden war 1977/78 Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen mit Somalia, das mit imperialistischer Unterstützung versucht hatte, Ogaden zu annektieren.

Ogasawara Inseln, Ogasawara Shoto (Joto), Bonin Inseln: Inselgruppe im Westen des Stillen Ozeans, etwa 950 km südlich der Bucht von Tokio, zu Japan gehörend; 105 km, etwa 200 Einwohner; bestehen aus 94 vulkanischen Inseln und Korallenriffen; die nördlichen Inseln bilden die Muko-, die mittleren die Chichi- und südlich die Naha Gruppe.

Ogata Korin, 1658—2.6.1716, japanischer Maler; schuf kühn komponierte, dekorative Bilder mit Figuren, Blumen und Landschaften als Motive, wobei ihm als Bildträger häufig Faltschirme dienten.

Oghusen: früher in den Steppenzonen Mittelasiens lebende westtürkische Viehzüchter, aus denen sich turkmenische Stämme herausbildeten.

Ogino, Kyusaku, März 1882-1.1.1975, japanischer Gynäkologe: stellte mit H. Knaus die Lehre von der Periodizität der weiblichen Fruchtbarkeit auf, mit der sich das Konzeptionsoptimum berechnen lässt (Knaus Ogino-Methode).

Ogonjok: (russisch, «Das Flämmchen») Sowjet illustrierte politisch-literarische Wochenschrift; erscheint in Moskau, gegründet 1923.

Ogooué, (französisch) Ogowe: Hauptstrom von Gabun; 1200 km; entspringt der Niederguineaschwelle im Süden der VR Kongo, mündet mit einem Delta (Erdöl-, Erdgasgewinnung) in den Atlantischen Ozean; im Ober- und Mittellauf Stromschnellen und Wasserfälle, im Unterlauf schiffbar, Holzflößerei.

O'Higgins, Bernardo, 20.8.1776 bis 24.10.1842, Führer der Unabhängigkeitsbewegung Chiles gegen Spanien; Mitorganisator der erfolglosen Erhebung von 1810/14, errang gemeinsam mit J. de San Martin 1817/18 entscheidende Erfolge gegen die Spanier, 1818/23 Director Supremo mit diktatorischen Vollmachten.

offizinell, offizinal: Pharmazie Bezeichnung für alle im jeweils gültigen Arzneibuch aufgeführten Substanzen.

offiziös: (französisch) halbamtlich, nicht amtlich verbürgt; indirekt von einer staatlichen Stelle ausgehend, beeinflusst, veranlasst.

Öffner: Spinnerei Maschine zum Auflockern (Ballenöffner) und Vorreinigen von Fasern.

Öffnungsblende, Aperturblende: Blende innerhalb eines zentrierten optischen Systems, die für die Abbildung eines im Endlichen liegenden Achsenpunktes den Öffnungswinkel (Winkel zwischen den äußeren Randstrahlen), für die Abbildung eines im Unendlichen liegenden Achsenpunktes den Durchmesser des Lichtbündels und damit den erfassten Lichtstrom bestimmt; in Kameras als kontinuierlich verstellbare Irisblende. Der hinter der Ö. liegende Teil des optischen Systems erzeugt als Bild der Ö. die Austrittspupille, der vor ihr liegende Teil die Eintrittspupille. Das Verhältnis aus Durchmesser der Eintrittspupille und Brennweite ist das Öffnungsverhältnis (siehe auch Objektiv).

Ohio: 1. linker, wasserreichster Nebenfluss des Mississippi, im Osten der USA; 1578 km; entspringt mit 2 Quellflüssen (Allegheny, Monongahela), die sich bei Pittsburgh vereinigen, im Alleghenygebirge, mündet bei Cairo (Illinois) südöstlich von Saint Louis; geringes Gefalle, deshalb im Frühjahr Hochwasserführung mit häufigen Überschwemmungen; Nebenflüsse links Tennessee, Kentucky, rechts Wabaet; bis Pittsburgh schiffbar; 2 Kanäle zum Eriesee.

2. Ohio, Abkürzung (O.): Bundesstaat im Nordosten der USA, südlich des Eriesees; 107044 km2, 10,8 Millionen Einwohner (davon 9 % Afroamerikaner); 101 Einwohner/km2; Hauptstadt Columbus. Fruchtbares, zum Teil eiszeitlich überformtes, bis 472 m hohes Hügelland; gemäßigtes Klima; hauptsächlich von rechten Nebenflüssen des Ohio 1 entwässert; Grundwasserreichtum. Einer der führenden Industriestaaten der USA mit bedeutender verarbeitender Industrie (Stahl-, Zement- und chemische Industrie, Maschinen- und Fahrzeugbau); Hauptzentren: Cleveland, Toledo. Hochentwickelte Landwirtschaft mit Anbau von Mais, Sojabohnen, Weizen, Futterpflanzen, Gemüse, Zuckerrüben, Kartoffeln, Tabak, Obstbau; Produktion von Rind- und Schweinefleisch, Geflügel; Milchwirtschaft. Umfangreicher Bergbau auf Steinsalz, Steinkohle (z.T. im Tagebau). Schifffahrt auf dem Eriesee und dem Ohiol; Wright-Patterson-Luftwaffenbasis. 1682 als Teil Louisianas von Frankreich beansprucht, aber seit 1749 von Virginia und Pennsylvania aus besiedelt; im Ergebnis des britischen-französischen Kolonialkrieges (1755/63) 1763 an Großbritannien abgetreten; seit 1803 17. Bundesstaat der USA.

Ohm, Georg Simon, 16.3.1789-6.7.1854, Physiker; fand um 1826 das nach ihm benannte Gesetz für den elektrischen Stromkreis und 1843 das Ohmsche Gesetz der Akustik (oft fälschlich H. Helmholtz zugeschrieben), nach dem das menschliche Ohr einen Klang als Summe sanfter Teiltöne wahrnimmt.

Ohmgebirge: kleinere, aus Kalkstein aufgebaute, bewaldete Horstscholle im Untereichsfeld, nördlich von Worbis; bis 535 m (Birkenkopf).

Ohmmeter: (nach G. S. Ohm) meist tragbares, in Ohm(werten) kalibriertes Messgerät mit eingebauter Trockenbatterie zur Messung elektrischer Widerstände.

Ohmsches Gesetz: (nach G. S. Ohm) Gesetz, nach dem der Quotient aus der an einem Leiter liegenden elektrischen Spannung U und der Stromstärke I eine Konstante ist, die als elektrischen Widerstand R bezeichnet wird. Es gilt nur unter bestimmten Bedingungen, insbesondere konstanter Temperatur. Ein analoges Gesetz gilt für magnetische Kreise. Siehe auch elektrische Leitfähigkeit.

Ohnmacht: plötzlicher, flüchtiger Bewusstseinsverlust infolge Mangeldurchblutung des Gehirns.

Ohr: Organ des Gehör- und Gleichgewichtssinnes; die Unterteilung erfolgt in 3 Abschnitte: äußeres Ohr mit Ohrmuschel, äußerem Gehörgang und Trommelfell; Mittelohr mit Paukenhöhle, Gehörknöchelchen, Muskeln, Ohrtrompete und Nebenhöhlen; Innenohr oder Labyrinth.

Ohratalsperre: Stauwerk im Kreis Gotha, Bezirk Erfurt, an der Ohra, am Nordrand des Thüringer Waldes, bei Luisenthal; 0,9 km2, Stauraum 17,5 Millionen m3; Wasserzufuhr durch Stollen (über 18 km) von den Flüssen Zahme und Wilde Gera sowie Hasel; zur Trinkwasserversorgung und zum Hochwasserschutz im Raum Gotha-Erfurt-Arnstadt-Weimar-Jena; Elektroenergieerzeugung.

Ohr-Augen-Ebene, Frankfurter Horizontale: durch den tiefsten Punkt des linken knöchernen Augenhöhlenrandes und die obersten Punkte der beiden äußeren knöchernen Gehörgangs Öffnungen verlaufende Bezugsebene für anthropologische Untersuchungen und Abbildungen des Kopfes beziehungsweise Schädels.

Ohrenrobben, Otariidae: Familie gesellig lebender Wasserraubtiere mit kleinen äußeren Ohren und langen Vordergliedmaßen; die Hintergliedmaßen können unter den Körper gestellt werden und ermöglichen hopsendes Laufen an Land; die langen Zehen sind durch Schwimmhäute verbunden; gewandte Schwimmer; vorwiegend in kalten Meeren. Zu den Ohrenrobben gehören Seebären und Seelöwen.

Ohrenschmalz, Cerumen: gelblich-braunes Sekret der Ohrenschmalzdrüsen, vermischt mit Talg, abgeschilferten Epidermis Schüppchen und Staubteilchen im äußeren Gehörgang.

Ohrmazd, Ahura Mazda (beide «weiser Herr»), oberster Gott im Zoroastrismus, der Gott des Guten, der Wahrheit und Reinheit, der durch seine Geisteskräfte die Welt regiert und mit seinen Gläubigen den Kampf gegen die Welt des bösen Geistes (Ahriman) führt.

Ohrmuschelstil: Ornamentstil, der zusammen mit dem eng verwandten Knorpelwerk in Deutschland und den Niederlanden zwischen 1580 und 1680 verbreitet war; benannt nach den teigigen, knorpeligen Formen, die an eine Ohrmuschel erinnern, darin zuweilen groteske, in das Ornament übergehende Figuren. Spätgotisches Formgefühl wirkt in diesem frühbarocken Ornament nach.

Ohrsieb: elektronische Filterschaltung (Frequenzbewertungsfilter) zur angenäherten Nachbildung der Kurven gleicher Lautstärke zum Beispiel in Messgeräten, mit denen Geräusche oder Lärm gehörrichtig gemessen werden sollen. Siehe auch Schallpegelmesser.

Ohrspeicheldrüse, Parotis: größte Mundspeicheldrüse des Menschen, liegt beiderseits vor dem äußeren Ohr; das Sekret dient durch den Gehalt an Enzymen dem Beginn der Verdauung der aufgenommenen Nahrung.

Ohrwürmer, Dermaptera: Insektenordnung mit über 1000 bis 5 cm langen Arten; Vorderflügel stark verkleinert, darunter vielmals gefaltete Hinterflügel; zu Zangen umgebildete Schwanzborsten dienen als Waffe (für den Menschen harmlos) und zum Nestbau. Ohrwürmer leben lichtscheu und feuchtigkeitsliebend von organischen Zerfallsstoffen; die Weibchen treiben Brutpflege.

Ohrzwang, Otitis externa: Entzündung des äußeren Gehörgangs; spezielle Erkrankung bei Hunden in Form eines nässenden, juckenden, zum Teil eitrigen Ekzems; verursacht durch Parasiten (Milben), Fremdkörper, Nässe, Schmutz und bakterielle Infektionen. Die Behandlung erfolgt medikamentös, in chronischen Fällen operativ.

OIML: (Abkürzung für Organisation Internationale de Métrologie Légale, französisch) internationale Organisation für gesetzlicher Metrologie; gegründet 1955, Sitz Paris; ihre Aufgaben sind Vereinheitlichung von normativ-technischen Dokumenten für international abgestimmte Forderungen an Messmittel sowie der Terminologie metrologische Begriffe, Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Metrologie. Die OIML umfasst eine Internationale Konferenz, ein Komitee (französisch Abkürzung CIML) und ein Büro (französisch Abkürzung BIML) für gesetzlicher Metrologie. Die Aufgaben werden von Sekretariaten in den Mitgliedstaaten bearbeitet.

Oise: rechter Nebenfluss der Seine im Nordosten Frankreichs; 502 km; entspringt in den belgischen Ardennen, mündet nordwestlich von Paris; von Compiegne ab schiffbar; das Tal ist Leitlinie des Verkehrs und wichtiger Industriestandort.

Oistrach: 1. David Fjodorowitsch, 30.9.1908 bis 24.10.1974, sowjetischer Violinist und Dirigent; wirkte seit 1934 (1939 Professor) am Moskauer Konservatorium und zählt zu den bedeutendsten Violinisten des 20. Jahrhundert

2. Igor Dawidowitsch, geboren 27.4.1931, sowjetischer Violinist; Sohn und Schüler von Oistrach 1; konzertiert seit 1948 mit Erfolg in der UdSSR und im Ausland.

Oita: 1. Präfektur in Japan, im Nordosten der Insel Kyushu; 6331 km2,1,2 Millionen Einwohner; 190 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Oita 2; bis auf die Küste in der wirtschaftlichen Entwicklung zurückgeblieben; überwiegend landwirtschaftliches Gebiet (Reis-, Gemüseanbau, Viehzucht); in Städten junge Industrieansiedlungen.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Oita 1, an der Bucht von Beppu; 360000 Einwohner; Stahlkombinat, Erdölverarbeitung, Petrolchemie, Maschinenbau; Fischereihafen, Flughafen.

Oite: Kalkgebirge im mittleren Griechenland, westlich von Lamia, bis 2152 m hoch.

Abkürzung für ohne Jahr: o. J. das heißt ohne Angabe des Erscheinungsjahres einer Druckschrift; auch mit siehe auch (sine anno) bezeichnet.

Okapi, Okapia johnstoni: Kurzhalsgiraffe der zentralafrikanischen Regenwälder des Kongogebietes mit bis 40 cm langer, sehr bewegliche Greifzunge, großen Ohren und 2 kleinen Hörnern im männlicher Geschlecht; vorwiegend Laubfresser; erst 1901 entdeckt.

Okara, Gabriel Gbaingbain, geboren 21.4.1921, nigerianischer Schriftsteller; gestaltet illusionslos die sich zuspitzenden Klassengegensätze der kapitalistisch orientierten Gesellschaft Nigerias (Roman «Die Stimme», 1964, deutsch); daneben sozial bedeutsame Lyrik, geschöpft aus volkstümlichen Traditionen.

Okarina: (italienisch, «Gänschen») kugel- oder eiförmige Gefäßflöte aus Ton mit Schnabelmundstück und 8 bis 10 Grifflöchern; nach urgeschichtlichen und außereuropäischen Vorbildern um 1860 von G. Donati geschaffen; Volksmusikinstrument.

Okayama: 1. Präfektur in Japan, im Süden der Insel Honshu, an der Japanischen Inlandsee; 7086 km2, 1,9 Millionen Einwohner; 268 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Okayama 2; chemische, Eisen- und Stahlindustrie, Fahrzeugbau, Textilindustrie.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Okayama 1; 550000 Einwohner; Zentrum der Baumwollindustrie, Maschinenbau; bedeutender Landschaftsgarten (Korakuen-Park).

Okeanos, Oceanus: in der griechischen Sage Titan; nach altgriechischen Vorstellungen Weltstrom, der die Erdscheibe umfließt.

Oken, eigentlich Ockenfuß, Lorenz, 1.8.1779 bis 2.8.1851, Naturforscher und Philosoph; lehrte als einer der führenden Naturphilosophen der Romantik die Identität von Gott und Universum sowie die fortschreitende Entwicklung aller Organismen bis zum Menschen; vertrat unabhängig von Goethe die Wirbeltheorie der Schädelbildung. Oken förderte die liberale und demokratische Studentenbewegung (Burschenschaften).

Okigbo, Christopher, 16.8.1932-Herbst 1967, nigerianischer Lyriker; gab, zunächst vom europäischen Impressionismus beeinflusst, der sich herausbildenden neuen westafrikanischen Dichtung in englischer Sprache Eigenständigkeit, thematische Relevanz und spezifischer Rhythmik (Zyklus «Himmelspforte», 1962). Okinawa: 1. Insel im Westen des Stillen Ozeans, größte der zu Japan gehörenden Riukiu Inseln; 1254 km2, 820000 Einwohner; Hauptort und -hafen Naha; im Norden meist gebirgig (bis 498 m über dem Meeresspiegel), im Süden Flach- und Hügel Sand, die Küste ist zum größten Teil von Korallenriffen umgeben; bei subtropischen Klima Anbau von Zuckerrohr, Bananen, Ananas und Bataten; bedeutende Fischereiwirtschaft. Im 2. Weltkrieg nach heftigen Kämpfen vom 1. 4. bis Ende Juni 1945 von US-amerikanischen Truppen erobert und anschließend zu einer Großbasis für den Luftkrieg gegen Japan ausgebaut. Seit Kriegsende unterhalten die USA auf Okigbo weiterhin Militärstützpunkte.

2. Präfektur in Japan, umfasst Okigbo 1 und andere Riukiu Inseln; 2 249 km2, 1,1 Millionen Einwohner; 489 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Naha; überwiegend Landwirtschaft, wenig industrialisiert (Nahrungsmittelindustrie).

Okkasion: veraltet günstige Gelegenheit; Anlass; Gelegenheitskauf.

Okkasionalismus: idealistische philosophische Lehre des 17. Jahrhundert, die eine Wechselwirkung zwischen Körper und Geist ablehnt und das Übereinstimmen beider durch ein sich bei Gelegenheit (occasio) vollziehendes Eingreifen Gottes erklärt; untauglicher Versuch, den philosophischen Dualismus zu überwinden. Hauptvertreter: Malebranche, Geulincx.

Okklusion: (lateinisch, «Einschließung»)

1. Meteorologie: Front zwischen 2 Luftmassen, die durch das Auftreffen der Kaltluft der Zyklonen Rückseite auf die Kaltluft der Vorderseite gebildet wird. Die Okklusion ist ein spätes Entwicklungsstadium eines Tiefdruckgebietes.

2. Stomatologie: natürlicher Zahnreihenschluss (Schlussbiss), der durch das regelrechte Ineinandergreifen der oberen und unteren Zähne charakterisiert ist.

Okkultismus: abergläubische oder betrügerische Beschäftigung mit Hellsehen, Spiritismus, Telepathie und dergleichen, die auf angeblich übersinnliche Kräfte zurückgefühlt werden; erfolgt oft in kommerziellem oder politischem Interesse.

Okkupation, Occupatio bellica: teilweise oder vollständige militärische Besetzung fremden Territoriums durch Streitkräfte eines oder mehrerer Staaten; völkerrechtlich nur zulässig im Rahmen rechtmäßiger militärischer Gewaltanwendung, das heißt im Rahmen einer Selbstverteidigung gegen Aggression, eines Befreiungskrieges, als Sanktion wegen Aggressionsverbrechen oder unter der Autorität des Sicherheitsrates der UN.

Oklahoma, Abkürzung Okla.: Bundesstaat im Südwesten des Zentralteils der USA; 181186 km2, 3 Millionen Einwohner (davon 7% Afroamerikaner); 17 Einwohner/km2; Hauptstadt Oklahoma City. Von Osten nach Westen ansteigende Ebene, im Osten und Südosten Ausläufer des Ozark Plateaus und der Ouachita Mountains, bis 811 m hoch; warmgemäßigtes Kontinentalklima; im Westen Steppe; Hauptflüsse: Arkansas, Canadian. Bergbau auf Erdöl, Erdgas, Steinkohle, Zink-, Blei-, Kupfer- und Silbererz; Helium- (1. Stelle der USA) und Hydroenergiegewinnung. Die Landwirtschaft produziert Weizen, Baumwolle, Hirse, Erdnüsse, Mais, Gemüse; Viehhaltung; Milchwirtschaft. Erdöl-, fleisch-, holzverarbeitende, Zement-, Transportmittel-, Textilindustrie; Maschinenbau; zahlreiche Erdölleitungen; Schiffsverkehr auf dem Arkansas zum Golf von Mexiko; Tourismus.

Oklahoma City: Hauptstadt des Bundesstaates Oklahoma (USA), am North Canadian; 400000 Einwohner, als Metropolitan Area 640000 Einwohner; Erdölförderung im 1650 km2 großen Stadtgebiet; Erdölverarbeitung, Erdölmaschinen- und Flugzeugbau, Mühlen-, Fleisch-, Holz-, Textil-, Stahl-, chemische Industrie; Universität, Medizin. Forschungsinstitut; Indianermuseum.

Oknos, in der griechischen Sage Gestalt der Unterwelt; flocht ein Strohseil, das am anderen Ende immer wieder von einem Esel gefressen wurde.

Ökogeographie: Teilgebiet der Ökologie, befasst sich mit der territorialen Verbreitung von Pflanzen und Tieren auf ökologischer Grundlage; wichtige Basis für Planung von Maßnahmen des Umweltschutzes.

Ökologie: Teilgebiet der Biologie; Wissenschaft, die sich mit den Wechselbeziehungen zwischen den Organismen und ihrer Umwelt befasst. Die Umwelt schließt dabei abiotischen Umweltfaktoren (zum Beispiel Temperatur, Feuchtigkeit, Licht, Niederschläge, Wind, Bodenbeschaffenheit) und biotischen Umweltfaktoren (Nahrung, Feinde, Bevölkerungsdichte, Einfluss von Pflanzen, Tieren und Menschen) ein. Die Autökologie untersucht den Einfluss der verschiedenen Faktoren auf den Einzelorganismus beziehungsweise die einzelne Art; die Demökologie oder Populationsökologie erforscht die Entwicklung der Populationen einer Art unter bestimmten Umwelteinflüssen, während bei der Synökologie die Wechselbeziehungen von Lebensgemeinschaften (Biozönosen) und Ökosystemen zu ihrer Umwelt Gegenstand der Untersuchung sind. Zur Synökologie gehören auch die Populationsdynamik, Biozönologie oder Biozönotik, Produktionsbiologie und Ökogeographie. Die Landschaftsökologie (Geo Biozönologie) befasst sich mit dem Beziehungsgefüge der verschiedenen Organismen ganzer Landschaften untereinander und zu ihrer Umwelt, sie bildet eine wichtige Grundlage der Landschaftsgestaltung. Die Humanökologie untersucht die Beziehungen zwischen den menschlichen Populationen und dem Ökosystem, dem sie angehören.

ökologische Isolierung: Vorkommen von nahe verwandten Arten in verschiedenen ökologischen Nischen des gleichen Lebensraumes, zum Beispiel Arten, deren Tag- und Nachtaktivität, Jahresaktivität, Nahrungswahl oder Standortansprüche unterschiedlich sind.

ökologische Nische: Bezeichnung für Stellung beziehungsweise Lebensbereich einer Art im Ökosystem.

ökologische Potenz: der für ein Lebewesen ohne Schaden ertragbare Bereich eines Umweltfaktors.

ökologische Streubreite, Anbaubreite: Anpassungsfähigkeit einer Sorte an verschiedene Umweltbedingungen.

Ökologismus: bürgerliche ideologische Strömung, die das Verhältnis zwischen Mensch und natürlicher Umwelt losgelöst von der Produktionsweise betrachtet und Umweltschäden als unvermeidliche Folge des wissenschaftlich-technischen Fortschritts erklärt. Der Ökologismus ist Ausdruck der Unfähigkeit des Kapitalismus, die Beziehungen zur Umwelt konsequent auf die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen der Gesellschaft auszurichten und am Wohl der Werktätigen zu orientieren. Siehe auch Ökologie.

Ökonom: Wirtschaftler, Wirtschaftswissenschaftler.

Ökonometrie: Richtung der bürgerlichen Vulgärökonomie, die um die Vereinigung von bürgerlicher ökonomischer Theorie, Statistik und mathematischen Methoden bemüht ist Durch vorrangige Erfassung quantitativer ökonomischer Beziehungen zwischen volkswirtschaftlichen Größen dient die Ö. als Instrument des staatsmonopolistischen Kapitalismus.

Ökonomie: 1. rationelle Verwendung der gesellschaftlichen Arbeit in Form von Arbeitszeit, Produktionsmitteln, Geld unter anderem

2. Wirtschaft, Wirtschaftlichkeit

3. die Wirtschaftswissenschaften und deren Disziplinen; siehe auch politische Ökonomie.

Ökonomie des Nachrichtenwesens, Ökonomie des Post- und Fernmeldewesens. Disziplin der Sozialist Wirtschaftswissenschaft, die die Wirkungsbedingungen der ökonomischen Gesetze im Nachrichtenwesen untersucht Sie analysiert unter anderem die Prozesse der Nachrichtenbeförderung und -Übertragung im Wirtschaftszweig Post- und Fernmeldewesen mit dem Ziel, die gewonnenen Erkenntnisse für die Erhöhung der Effektivität des Nachrichtenverkehrs einschließlich seiner Leitung und Planung einzusetzen.

Ökonomie des Transportwesens, Transportökonomie-. Disziplin der sozialistischen Wirtschaftswissenschaft, die die Wirkung der ökonomischen Gesetze im Transportwesen untersucht, praxiswirksame Methoden zur Ausnutzung dieser Gesetze sowie der entsprechenden Bedingungen in diesem Wirtschaftszweig erforscht und damit zur Erhöhung der Effektivität des Transportwesens beiträgt.

Ökonomik: 1. gebräuchliche Bezeichnung für die Produktionsweise oder die ökonomische Struktur einer Gesellschaftsordnung (zum Beispiel Ökonomik des Kapitalismus, Ökonomik des Sozialismus).

2. Kennzeichnung eines konkreten Wirtschaftsorganismus der Volkswirtschaft eines Landes.

3. Wissenschaftliche Analyse der Entwicklung einzelner Wirtschaftszweige (Industrie, Landwirtschaft, Handel, Transport unter anderem) und territorialer Produktionskomplexe sowie Charakteristik ihrer Entwicklungsprobleme.

ökonomische Geologie: Teilgebiet der Geologie, das sich mit den allgemeinen ökonomischen Grundfragen der optimalen mineralischen Rohstoffversorgung der Volkswirtschaft (Suche, Erkundung, Bewertung, Vorratsberechnung) befasst.

ökonomisches Gesetz: wesentlicher, notwendiger, innerer, allgemeiner und sich wiederholender kausaler Zusammenhang innerhalb und zwischen den Erscheinungen und Prozessen der «Produktion und des Austausches des materiellen Lebensunterhalts in der menschlichen Gesellschaft» (F. Engels). Ökonomisches Gesetz sind, bestimmt durch die Produktions- und Eigentumsverhältnisse, die Bewegungsformen der Produktivkräfte. Sie existieren objektiv und unabhängig vom Willen der Menschen (wie Naturgesetze); im Unterschied zu Naturgesetzen jedoch setzen sie sich, vielfach miteinander verflochten, komplex im ökonomischen Handeln der Menschen durch. Neben allgemeinen ökonomischen Gesetz, die in allen oder mehreren Produktionsweisen wirken (zum Beispiel Gesetz der Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte, Wertgesetz), gibt es spezifische ökonomische Gesetze, die nur bestimmten Produktionsweisen eigen sind (Mehrwertgesetz im Kapitalismus, Gesetz der planmäßigen proportionalen Entwicklung der Volkswirtschaft im Sozialismus unter anderem). Außerdem gibt es noch ökonomische Gesetze, die nur in bestimmten Entwicklungsphasen einer Produktionsweise wirken (zum Beispiel das Gesetz der Monopolpreisbildung im Imperialismus). Die Produktionsverhältnisse prägen die spezifischen Wirkungsformen der allgemeinen ökonomischen Gesetze in der jeweiligen Produktionsweise. So wirken die Gesetze der Warenproduktion im Kapitalismus weitgehend spontan und anarchisch, während sie im Sozialismus Bestandteil einer planmäßigen1 und proportionalen Entwicklung der gesamten Wirtschaft sind. Die Wirkung der im Sozialismus objektiv existierenden ökonomischen Gesetze verbindet sich mit ihrer bewussten Ausnutzung durch die Arbeiterklasse und alle Werktätigen.

ökonomisches Grundgesetz: objektives ökonomisches Gesetz, das das Wesen einer bestimmte Produktionsweise und ihre Entwicklungstendenzen bestimmt; es bringt deren Ziel und die Mittel zu seiner Verwirklichung zum Ausdruck. Jede Produktionsweise hat ihr spezifisches Grundgesetz. Das ökonomische Grundgesetz des Kapitalismus ist das Mehrwertgesetz (Mehrwert). Das ökonomische Grundgesetz des Sozialismus besagt, dass die Produktion dem Wohle der Werktätigen, des ganzen Volkes zu dienen hat und nennt als Ziel aller Arbeit die immer bessere Befriedigung der wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Werktätigen sowie die allseitige Entwicklung des Menschen der sozialistischen Gesellschaft. Die Mittel dazu sind die ständige Entwicklung und Vervollkommnung der Produktion auf der Grundlage des wissenschaftlichen technischen Fortschritts und der immer produktiveren gesellschaftlich nützliche Arbeit. Die planmäßige und proportionale Entwicklung der Wirtschaft schafft günstige Bedingungen für eine rasche Entfaltung der Produktivkräfte; in dieser Richtung wirkt auch die sozialistische ökonomische Integration.

Ökosystem: Grundbegriff der Ökologie; bezeichnet das Beziehungsgefüge in einer Organismengemeinschaft (Zönose) beziehungsweise zwischen ihr und ihrer Lebensstätte (Zonotop).

Ökotypen: erblich fixierte, umweltbedingte Varianten beziehungsweise Rassen einer Art, die Anpassungen an bestimmte Standortsverhältnisse zeigen.

Okoumé: leichtes, aber festes afrikanisches Laubholz; Verwendung zur Furnierherstellung, im Schiffbau, Inneneinbau und Möbelbau.

Oksanen, Aulikki, geboren 19.7.1944, firm. Schriftstellerin; setzt sich in ihrem vielseitigen Schaffen vor allem für Frieden, Fortschritt und Solidarität ein, so in Gedichten («In wessen Reihen stehst du?», 1970) und in dem Roman «Die große Schwester und der kleine Bruder» (1973, deutsch); Deutsch Auswahl ihrer Erzählungen «Alle diese kultivierten Verbrechen» (1981).

Oktaeder: (griechisch, «Achtflächner») von 8 kongruenten gleichseitigen Dreiecken begrenzter platonischer Körper in Form einer quadratischen Doppelpyramide mit 12 Kanten und 6 Ecken, in denen je 4 Seitenflächen zusammenstoßen; auch Kristallform, wobei durch die Ecken vierzählige Drehachsen gehen.

Oktalsystem: Stellenwert-Zahlensystem mit der Basis 8, das der übersichtlichen Darstellung von Dualzahlen dient, wobei 3 Dualziffern zu einer Oktalziffer zusammengefasst werden. Eine dreistellige Oktalzahl genügt somit für die Darstellung eines Bytes.

Oktan, Octan: im weiteren Sinne Bezeichnung für die 18 Alkane der Formel C8Hi8; im engeren Sinne n-Oktan (Normal-Oktan) eine farblose, brennbare, wasserunlösliche Flüssigkeit von schwach zitronenähnlicher Geruch; Kp 125,7 °C. Oktane sind in Benzinen und Dieselölen enthalten. Das wichtigste verzweigtkettige Oktan ist Isooctan.

Oktanol, Octanol: im weiteren Sinne Sammelname für die 89 Alkanole; im eigentlichen Sinn n-Oktanol (Normal-Oktanol) eine farblose, brennbare, wenig wasserlösliche Flüssigkeit von schwach zitronenähnlicher Geruch; Kp 194,5 °C.

Oktant:

1. Astronomie: Sternbild.

2. Geometrie: jeder der 8 Teile, in die der Raum zerlegt wird durch die 3 Koordinatenebenen, die von je 2 Achsen eines kartesisches Koordinatensystems bestimmt werden.

Oktave: a) 8. Stufe der diatonischen Tonfolge mit demselben Namen wie der Ausgangston;

b) Intervallabstand von 8 Stufen;

c) der von Grundton und Oktave begrenzte Tonraum mit der Gesamtheit der darin befindlichen Töne, wobei der Oktav Ton zugleich Abschluss und Beginn eines neuen Oktavraums sein kann. Im diatonischen Tonsystem unterscheidet man 7 Oktave: Subkontra-, Kontra-, große, kleine, eingestrichene, zweigestrichene, dreigestrichene, viergestrichene Oktave;

d) Bezeichnung für oktavierende Orgelregister.

Oktett: Komposition für 8 Soloinstrumente; auch Ensemble von 8 Instrumentalsolisten oder Sängern.

Oktober, (dat., «der achte Monat») Gilbhart, Weinmond: 10. Monat des Jahres, mit 31 Tagen; vor Einführung des Julián. Kalenders der 8. Monat.

Oktoberbahn, Murmanbahn, Kirow-Bahn: 1914/16 erbaute Eisenbahnstrecke von Murmansk nach Leningrad mit mehreren Zweigstrecken; 1451km; Nordabschnitt elektrifiziert.

Oktoberdekrete: Bezeichnung für die ersten Dekrete der Sowjetmacht nach dem Sieg der Oktoberrevolution, vor allem für das Dekret über den Frieden und das Dekret über den Grund und Boden, die vom II. Gesamtrussischer Sowjetkongress auf Vorschlag Lenins am 26. beziehungsweise 27.10. (8. beziehungsweise 9.11.) 1917 angenommen wurden.

Oktoberedikt: Verordnung, die die feudale Erbuntertänigkeit (Leibeigenschaft) der preußischen Bauern aufhob und ihnen persönlichen Freiheit gab; wurde von liberalen preußischen Reformern unter Leitung des Reichsfreiherrn vom und zum Stein gegen den Widerstand großer Teile des Feudaladels durchgesetzt und am 9.10.1807 erlassen. Das Oktoberedikt leitete in Preußen die bürgerliche Umwälzung auf dem Lande ein, ohne die feudalen Ausbeutungsverhältnisse anzutasten. Siehe auch Regulierungsedikte.

Oktobermanifest: am 17.10.1905 unter dem Druck des gesamtrussischen Oktoberstreiks von Zar Nikolai II. erlassenes Manifest, das die Einberufung einer gesetzgebenden Staatsduma und mehrere bürgerliche Grundrechte ankündigte; von den Bolschewiki als betrügen Manöver auf dem Höhepunkt der Revolution 1905/07 entlarvt.

Oktoberrevolution, Große Sozialistische: erste siegreiche proletarische Revolution der Weltgeschichte. Nach der Februarrevolution 1917 in Russland, die den Zarismus stürzte und das Land in eine Republik verwandelte, traten die Bolschewiki aus der Illegalität hervor und strebten unter den Bedingungen der Doppelherrschaft danach, die revolutionäre Massenbewegung aus dem bürgerlich-demokratische Stadium in die sozialistische Phase hinüberzuleiten (Lenins Aprilthesen). Mit der Niederschlagung der Julidemonstration in Petrograd riss die russische Bourgeoisie die Alleinherrschaft an sich, eine friedliche Überleitung der Revolution in sozialistischen Bahnen war nicht mehr möglich. Der VI. Parteitag der SDAPR(B) 26.7-/3.8. (8./16.8.) 1917 orientierte auf den bewaffneten Aufstand. Im September errangen die Bolschewiki durch die Niederschlagung des Komilowputsches in vielen Sowjets die Mehrheit; die Provisorische Regierung des Sozialrevolutionärs A. F. Kerensky wurde isoliert. Am 24./25.10. (6./7.11.) 1917 erhoben sich in Petrograd revolutionäre Arbeiter, Bauern und Soldaten unter Führung der Bolschewiki. Der Sturz und die Verhaftung der Provisorischen Regierung bedeuteten den Machtwechsel und den Sieg der sozialistischen Revolution. Der gesamtrussische Sowjetkongress am 25./27.10. (7./9.11.) 1917 verkündete die Gründung der Sowjetrepublik und nahm die Dekrete über den Frieden sowie über den Grund und Boden an; er nominierte den Rat der Volkskommissare unter Vorsitz Lenins. In den folgenden Monaten siegte die Revolution in ganz Russland; in Teilen des Landes, darunter in Moskau, kam es im Kampf um die Macht zu schweren bewaffneten Auseinandersetzungen mit den gestürzten Klassen. Die Annahme der ersten Verfassung Sowjetrusslands durch den V. gesamtrussische Sowjetkongress (10.7.1918) vollendete die politische Revolution. In der Oktoberrevolution vereinigten die Bolschewiki die revolutionäre Bewegung der Arbeiter und armen Bauern für die Diktatur des Proletariats mit der demokratischen Bewegung für Frieden, dem Streben der Bauern nach Grund und Boden und mit der nationalen Befreiungsbewegung der nichtrussischen Völker. Die Oktoberrevolution durchbrach die Front des Weltimperialismus, leitete die Ära des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus ein. Sie besitzt in ihren Grundzügen allgemeingültige Bedeutung.

Oktobristen: Mitglieder des 1905 gegründeten «Verbandes vom 17. Oktober», einer konterrevolutionären Partei der russischen Großbourgeoisie und Großgrundbesitzer; unterstützten das reaktionäre Regime P. A. Stolypins, traten nach der Februarrevolution 1917 der Provisorischen Regierung bei, gehörten nach der Oktoberrevolution zur Konterrevolution; Führer A. I. Gutschkow, M. W. Rodsjanko.

Oktogon: (griechisch, «Achteck») Zentralbau mit achteckigem Grundriss, zum Beispiel Aachener Münster, Wasserschloss in Wilhelmshöhe bei Kassel; im weiteren Sinne eine achteckige Grundrissform.

oktroyieren: (französisch) aufdrängen; etwas aufzwingen; aus höherer Machtbefugnis anordnen.

Okular: einstufig abbildendes optisches System mit vom Anwendungszweck abhängiger Bildgüte. Mit dem Okular wird bei subjektiven optischen Instrumenten (optische Geräte) ein reelles oder virtuelles Zwischenbild wie mit einer Lupe betrachtet; das Okular ist also dem Auge zugewandt.

Okularmikrometer: planparallele Platte mit Maßeinteilung, die in der objektseitigen Brennebene eines Mikroskop Okulars angebracht ist. Mit dem Okularmikrometer können Strecken im Objekt gemessen werden. Das Okularmikrometer wird mittels einer bekannten Teilung in der Objektebene des Mikroskops, dem Objektmikrometer, geeicht.

Ökumene:

1. Geographie: bewohnte oder wirtschaftlich nutzbar gemachte Erde im Gegensatz zur unbewohnten oder nicht genutzten Erde (Anökumene); in der Antike der bekannte Erdkreis.

2. Religion: Gesamtheit der christlichen Kirchen, besonders die ökumenische Bewegung, das heißt die im Ökumenischen Rat der Kirchen (Weltkirchenrat; Sitz Genf) zusammengeschlossenen nichtkatholischen christlichen Kirchen und Konfessionen.

okzipital: zum Hinterhaupt gehörend, dieses betreffend oder in dessen Richtung liegend.

Öland: Insel vor der Südostküste Schwedens, durch den Kalmarsund vom Festland getrennt; 1344 km2, 22000 Einwohner; aus paläozoischen Kalken aufgebaut; 135 km lang, jedoch nur bis zu 15 km breit; wichtigster Ort Borgholm (Schlossruine); Kalkabbau, Zement- und Zuckerindustrie; intensive Landwirtschaft (Hackfrüchte, Gemüse; Rinder); Fischerei; Brücke über den Kalmarsund (6070 m).

Olaus Petri, eigentlich Olof Petersson, 6.1.1493 bis 19.2.1552, schwedischer Reformator; war beteiligt an der Bibelübersetzung (1526), verfasste Kirchenlieder, religiöse, juristische und historische Schriften und gab 1536 ein evangelisches Gesangbuch heraus.

Olav, Olaf, norwegische Könige: 1. Olav I. Tryggvason, 969-1000, König seit 995; konnte Norwegen wieder einigen, führte das Christentum ein.

2. Olav II. Haraldsson, um 995-29.7.1030, König 1016/28; setzte die Einigung des Landes fort, beschleunigte die Feudalisierung; verlor sein Land 1028 im Kampf gegen Knud von Dänemark.

3. Olav V., geboren 2.7.1903, König seit 1957; verließ Norwegen bei der faschistischen Okkupation 1940, war nach Rückkehr 1945 kurze Zeit Regent.

Ölbaumgewächse, Oleaceae: Holzgewächse gemäßigter bis subtropischer Gebiete; Blüte mit vierblättriger, verwachsener Krone und 2 Staubblättern; benannt nach dem immergrünen Ölbaum (Olea europaea), Charakterbaum und Nutzpflanze (Olive) des Mittelmeergebietes mit ledrigen Blättern; weitere Ö. sind Esche, Flieder, Forsythie, Jasmin, Liguster.

Olbernhau: Stadt im Kreis Marienberg, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im oberen Erzgebirge, an der Flöha; 12300 Einwohner; Blechwalzwerk, Spielwaren-, Fahrzeug-, Möbel-, Holz-, Glasveredlungs-, Lebensmittelindustrie; Volkskunst; Heimatmuseum, technisches Museum «Althammer» (1537). Nordwesten von Olbernhau Saidenbachtalsperre.

Olbers, Wilhelm, 11.10.1758-2.3.1840, Arzt und Astronom; Entdecker von 6 Kometen sowie der Planetoiden Pallas (1802) und Vesta (1807); formulierte um 1825 das nach ihm benannte Paradoxon.

Olberssches Paradoxon: (nach W. Olbers) Bezeichnung für den Widerspruch zwischen der Dunkelheit des Nachthimmels und der Annahme eines unendlich ausgedehnten, nicht expandierenden Weltalls. In solch einem Weltall müsste sich von der Erde aus gesehen in jeder Richtung mindestens ein Stern befinden, und der Himmel müsste auch nachts taghell leuchten. Im expandierenden Weltall jedoch wird das Licht aus sehr weit entfernten Sternsystemen durch die Rotverschiebung aus dem sichtbaren Spektralbereich verschoben, so dass es keinen Beitrag zum sichtbaren Licht des Nachthimmels liefert.

Olbracht, Ivan, eigentlich Kamil Zeman, 6.1.1882-30.12.1952, tschechischer Schriftsteller; Vertreter des sozialistischen Realismus mit dem Roman «Anna, das Mädchen vom Lande» (1928, deutsch), den Reportagen «Bilder aus dem zeitgenössischen Russland» (1920/21) und «Der vergitterte Spiegel» (1930, deutsch) sowie der Ballade «Der Räuber Nikola Schuhaj» (1933, deutsch). In dem Schlüsselroman «Der Schauspieler Jesenius» (1919, deutsch) und in Aufsätzen nimmt Olbracht zur Beziehung zwischen Kunst und Gesellschaft Stellung.

Olbrychski, Daniel, geboren 27.2.1945, polnischer Schauspieler; einer der führenden Darsteller bei Bühne («Hamlet» unter anderem) und Film («Zwischen Feuer und Asche», «Das Birkenwäldchen», «Die Hochzeit», «Sintflut», «Das gelobte Land», «Die Mädchen vom Wilkohof»); spielte auch in Ungarn, Italien und Frankreich.

Oldenbarnevelt, Jan van, 25.9.1547-13.5.1619, niederländischer Staatsmann; Vertreter der ständisch-republikanischen Partei und Vorkämpfer der niederländischen Unabhängigkeit; schloss 1609 den Waffenstillstand mit Spanien; wegen angeblichen Hochverrats hingerichtet.

Oldham: Stadt im Westen Englands (Großbritannien), in der Großstadtgrafschaft Greater Manchester, nordöstlich von Manchester; 100000 Einwohner; Baumwollindustrie; Maschinen-, Textilmaschinen- und Kfz-Bau; TH; Museen.

Oldowan: Geröllgerätekultur des frühen Pleistozäns in Afrika; benannt nach dem Fundort, der Oldoway Schlucht.

Oldoway Schlucht, 35 km langes Schlucht System am Südostrand der Serengeti, im Norden von Tansania; Fundstätte (1913, 1960) von menschlichen Skeletten (Zinjanthropus boisei und Homo habilis, Alter bis 1,75 Millionen Jahre). Südlich bei Laetoli 1974 Funde von 3,4 Millionen Jahre alten Skeletten, vermutlich der Gattung Homo.

Old red: (englisch, «altes Rot») kontinentale Fazies vorwiegend rot gefärbter klastische Sedimente (Konglomerate, Sandsteine, Arkosen), die als Abtragungsprodukte des Kaledonischen Gebirges über weite Teile Nordeuropas verbreitet sind; bildet den sogenannt Old-red-Kontinent (Roter Kontinent).

Öldruckregler: Einrichtung zur selbsttätigen Konstanthaltung des Öldruckes beim Betrieb einer Maschine oder Anlage, zum Beispiel in Hydraulikanlagen.

Öldruckvergasung: Erzeugung von Synthesegas (Kohlenmonoxid-Wasserstoff-Gemisch) durch kontinuierliche Partialoxydation von Kohlenwasserstoffen mit einem Sauerstoff-Wasserdampf-Gemisch als Vergasungsmittel bei 1300 bis 1500 °C und 2 bis 4 MPa. Das einstufige Verfahren erfordert eine aufwendige Mess-, Regel- und Sicherheitstechnik sowie die Bereitstellung von reinem Sauerstoff. Der Vorteil der Öldruckvergasung ist der flexible Brennstoffeinsatz (Erdgas, Benzin, Heizöl).

Oldtimer: im weiteren Sinne Verkehrsmittel, dessen serienmäßige Fertigung vor Jahrzehnten eingestellt wurde, das aber als Museums- oder Liebhaberstück originalgetreu funktionstüchtig gehalten wird. im engeren Sinne Sammelbegriff für auch als Veteranenfahrzeuge bezeichnete Zwei-, Drei- und Vierradfahrzeuge, die vor 1950 hergestellt wurden und deren Motoren durch Dampf, Diesel- oder Vergaserkraftstoff angetrieben werden. Oldtimer werden in 3 Kategorien unterteilt: I bis einschließlich Baujahr 1923; H bis einschließlich Baujahr 1933; III ab Baujahr 1934. Wertungselemente für sportliche Wettbewerbe sind Fahrzeugbewertung (Originalität und Erhaltungszustand), Zuverlässigkeitsfahrt und Sonderprüfungen.

Old Vic, eigentlich Old Victorian Theatre: Londoner Theater, gegründet 1818; wurde unter Leitung von L. Baylis (1874-1937) seit 1914 zur Pflegestätte der Werke W. Shakespeares; zeitweilig (1963/76) Sitz des englischen Nationaltheaters; 1981 aus finanziellen Gründen geschlossen.

Öle: unscharf abgegrenzte Sammelbezeichnung für mehr oder weniger viskose, organisch-chemische, meist wasserunlösliche Flüssigkeiten mit einer Dichte unter 1 g/cm3. Nach der chemischen Zusammensetzung unterscheidet man insbesondere fette, ätherische, Mineral- und Silikon-Ö.

Oleander, Nerium Oleander: zu den Hundsgiftgewächsen gehörender giftiger Strauch des Mittelmeergebietes mit ledrigen, länglichen Blättern und weißen, roten oder gelben Blüten; Zier- und Arzneipflanze.

Oleg, gestorben 912 oder 922, Großfürst von Kiew seit 882; herrschte seit 879 in Nowgorod, erhob Kiew zur Hauptstadt und begründete damit die Kiewer Rus als Staat; zog 907 oder 911 erfolgreich gegen Byzanz und erzwang einen für die Russen vorteilhaften Vertrag.

Olein: 1. flüssiger Anteil des Fettsäuregemisches, das bei der Verseifung von Fetten entsteht und zum größten Teil als Ölsäure besteht.

2. Sammelbezeichnung für die Glycerol Ester der Ölsäure, zum Beispiel Tri-Olein.

Öler: Vorrichtung zur kontinuierlichen, meist regelbaren Schmierölzuführung zu Lagerstellen. Tropf- und Dochtöler arbeiten drucklos, Drucköler bis zu höchsten Drücken.

Ölfruchtarten: landwirtschaftliche Kulturpflanzen (Ölpflanzen), deren Samen beziehungsweise Früchte zur Ölgewinnung genutzt werden, zum Beispiel Raps, Rübsen, 01lein, Senf, Ölkürbis; auch Wildpflanzen wie Ölbaum und Palme in tropischen und subtropischen Gebieten.

Olga, um 890-969, Großfürstin von Kiew, Frau Igors, nach dessen Tod (945) Regentin; reiste 955 oder 957 nach Byzanz und nahm das Christentum an.

Öl Holz: durch Tränken zerstreut poriger Hölzer (zum Beispiel Birke, Ahorn, Rotbuche, Pappel) mit Öl vergütetes Vollholz; für selbstschmierende Lager. Siehe auch Holzvergütung.

Olifant, «Elefant» (= Elfenbein); nach dem Hifthorn Rolands in der Karlssage): mittelalterliches Jagd- oder Kriegshorn aus Elfenbein, meist mit reichem geschnitztem Dekor, älteste erhaltene Beispiele aus dem 10. Jahrhundert; genaue Herkunft umstritten, einige Stücke zeigen Stilcharakteristika der süditalienische, byzantinische oder islamische Kunst.

Oligarchie: (griechisch, «Herrschaft der Wenigen») in den altgriechischen Poleis die politische und wirtschaftliche Herrschaft einer kleinen Gruppe von Aristokraten mit dem Ziel, die Demokratie zu beseitigen beziehungsweise einzuschränken; im Kapitalismus Herrschaft privilegierter Minderheiten (zum Beispiel Finanzoligarchie).

Oligodynamie: das Wirksamwerden an sich unterschwelliger Konzentrationen von Arzneimitteln infolge besonders starker Anreicherung an bestimmten biologischen Strukturen. So haben zum Beispiel einige in fester Form in Wasser gelegte Schwermetalle eine hemmende Wirkung auf das Bakterienwachstum.

Oligomenorrhoe: (griechisch) zu seltene Menstruation; beruht auf einer Regulationsstörung der Eierstöcke.

oligomer: (griechisch) aus wenigen (im Allgemeinen 2 bis 10) gleich- oder ungleichartigen Grundmolekülen aufgebaut, zum Beispiel Oligosaccharide oder Oligopeptide.

Oligomerie: (griechisch) Reduzierung der Segmentzahl bei den Gliederfüßern (zum Beispiel bei Springschwänzen).

Oligoplex: (griechisch) Mischung von organischen und mineralischen Wirkstoffen sowie Pflanzenauszügen in homöopathischer Dosierung.

Oligopol: (griechisch) nach der bürgerlichen neoliberalen Wirtschaftslehre Bezeichnung einer Marktsituation, bei der wenige Anbieter den Markt beliefern und jeder von ihnen einen erheblichen Teil des Angebots deckt (Angebotsoligopol) beziehungsweise wenige Nachfrager das ganze Angebot kaufen (Nachfrageoligopol). Hauptaufgabe dieser Theorie ist es, die monopolistische Beherrschung der Wirtschaft und das Wesen des Monopols zu leugnen.

Oligosaccharide: Kohlenhydrate, deren Moleküle durch Enzyme oder verdünnte Säuren unter Wasseraufnahme in 2 bis etwa 10 Monosaccharid Moleküle zerlegt werden können; je nach deren Anzahl unterscheidet man Di-, Tri-, Tetrasaccharide und so weiter

oligotroph: nährstoffarm; oligotroph sind Gewässer mit geringer Zufuhr an Pflanzennährstoffen und daher mit geringer Bioproduktion. Oligotrophe Pflanzen wachsen auf nährstoffarmen Böden.

Oligurie: Verminderung der täglichen Harnausscheidungen auf Mengen unter 500 ml; bedingt durch starke Schweißabsonderung, Durchfälle, besonders aber bei akutem und chronischen Nierenversagen und akuten Nierendurchblutungsstörungen.

Oliva: soviel wie Oliwa, Stadtteil von Gdansk. Der am 3.5.1660 im Kloster Oliva geschlossene Frieden beendete den schwedischen-polnischen Krieg. Dem brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm wurde endgültig die Souveränität über das bisher unter polnischer Lehnshoheit stehende Herzogtum Preußen zugesprochen.

Olive:

1. Bautechnik: Basküle, Einreiber.

2. Botanik: ölreiche blaue oder schwarze, pflaumenähnliche Steinfrucht des Ölbaumes (Olea europaea); liefert Olivenöl. Siehe auch Ölbaumgewächse.

Olivenöl: aus dem Fruchtfleisch der Olive kalt- oder warmgepresstes oder extrahiertes, gelbes fettes Öl, das hauptsächlich aus Glycerol Estern der Ölsäure besteht. Olivenöl wird als Speiseöl, für medizinische Zwecke und als Schmieröl verwendet.

Olivier: 1. Johann Heinrich Ferdinand von Olivier, 1.4.1785-11.2.1841, Maler und Graphiker; reiste seit 1815 wiederholt nach Salzburg, wo er die Landschaft dieser Gegend als Sujet entdeckte. Olivier, der enge Beziehungen zum Kreis um C. D. Friedrich und P. Runge unterhielt, leistete mit seiner Kunst einen wesentlichen Beitrag zur romantischen Landschaftsmalerei.

2. Olivier, Lord Laurence Kerr, geboren 22.5.1907, englischer Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter; erwarb sich auf der Bühne (unter anderem am Old Vic) und beim Film besondere Verdienste um die Interpretation der Werke W. Shakespeares; inszenierte unter anderem die Verfilmungen von «Hamlet», «Heinrich V.» und «Richard III.»; leitete 1963/73 das britischen Nationaltheater, dessen größtes Gebäude seinen Namen trägt.

3. Olivier, Woldemar Friedrich von, 23.4.1791-5.9.1859, Maler; Bruder von Olivier 1; Schüler der Wiener Akademie, Teilnahme an den Befreiungskriegen 1813/14,1818/22 in Rom (Mitglied der Nazarener); malte italienische Landschaften mit figürlicher Staffage und religiöse Historienbilder.

Olivin: Mineral, Magnesium-Eisen-Silikat; Mischkristallreihe zwischen Fayalit (Eisensilikat) und Forsterit (Magnesiumsilikat); Kristallsystem rhombisch, Härte 6,5 bis 7, Dichte 3,27 (Forsterit) bis 4,20 g/cm3 (Fayalit), flaschengrün, verbreitet in basischen und ultrabasischen Magmatiten (Gabbro, Basalt, Peridotit) und in Meteoriten. Olivin in Schmucksteinqualität ist Chrysolith. Vorkommen als Einschluss in vielen Basalten.

Ölkäfer, Meloidae: Käferfamilie, deren Körpersaft Kantharidin enthält und bei Berührung als gelbe ölige Flüssigkeit austritt; die Larven schmarotzen in den Nestern von Bienen. Bis 2 cm lang die Spanische Fliege (Lytta vesicatoria), auch Blasen- oder Pflasterkäfer genannt, die früher für medizinische Zwecke viel gesammelt wurde. Als Maiwurm werden die schwerfälligen Meloe-Arten mit abgestützten Flügeldecken und dickem Hinterleib bezeichnet, die am Boden kriechen.

Ölkuchen: Ölsaatenrückstand, der nach dem hydraulischen Abpressen des Öls anfällt und noch etwa 4 bis 10% Fett enthält; eiweißreiches Futtermittel. Siehe auch Expeller, Extraktionsschrot.

Öllacke: vorwiegend aus trocknenden Ölen bestehende, sikkativhaltige Anstrichstoffe für lufttrocknende Innen- und Außenanstriche. Mit steigendem Harzzusatz nimmt die Wetterbeständigkeit ab, die Trockenzeit wird verkürzt, Härte und Glanz nehmen zu. Pigmentierung ergibt farbige Öllacke (Ölfarben).

Ollenhauer, Erich, 27.3.1901-14.12.1963, Politiker der BRD; 1918 Mitglied der SPD, seit 1933 Mitglied des Parteivorstands; 1933/45 Emigration (Prag, Paris, London); seit 1952 Vorsitzender der SPD und ihrer Bundestagsfraktion; 1963 Präsident der sozialistischen Internationale. Ollenhauer vertrat rechtsopportunistische Auffassungen und hatte maßgeblichen Anteil am Godesberger Programm von 1959.

Ölmalerei: Malerei mit Farben, deren Bindemittel Öl ist (Lein-, Mohn- oder Nussöl) und die daher langsam trocknen, also länger streichfähig bleiben als zum Beispiel Aquarell- oder Temperafarben. Die Ölmalerei ermöglicht sowohl deckenden als auch lasierenden Farbauftrag, sie gestattet das Über- und Nebeneinandermalen der Farben ohne Ineinanderlaufen. Früher selbst vom Künstler angerieben, sind die Farben heute in Tuben gebrauchsfertig im Handel. Der Malgrund (hauptsächlich Leinwand, daneben Holz-, auch Kupfertafeln, Pappe, Pressplatten) wird meist vorher grundiert. Die Farben werden danach entweder schichtenweise über einer jeweils getrockneten Untermalung (lasierend) oder mit ihren endgültig gewünschten, auf der Palette gemischten Farbwerten nebeneinander (alla prima) aufgetragen. Zum Schutz gegen Veränderungen der Farbschichten (Rissbildung, Nachdunkeln) erhält das Bild einen luftabschließenden durchsichtigen Firnis Überzug. Die Technik der Ölmalerei war bereits in der Antike bekannt. Die Brüder van Eyck unternahmen jedoch vermutlich als erste den Versuch, ihrem Temperabindemittel Öl oder Öl-Firnis beizugeben und die Ölmalerei auf die Tafelmalerei anzuwenden. Die Temperamalerei allmählich verdrängend, wurde die Ölmalerei zur bevorzugten Technik der europäischen Malerei und im 19./20. Jahrhundert auch außerhalb Europas übernommen.

Olmeken: präkolumbische Indianergruppen an der mexikanischen Golfküste. Die Olmeken Kultur (ab etwa 600 vor Christus) gilt als älteste historische Kultur Altmexikos. Bedeutende Zentren waren La Venta, San Lorenzo, Tres Zapotes; typisch sind riesige Menschenköpfe aus Basalt, Stelen, Altäre, Figuren von Jaguar-Menschen sowie Kleinplastiken (realistische Jadefiguren).

Olmütz: soviel wie Olomouc. Im Vertrag von Olmütz (O.er Punktation) zwischen Österreich und Preußen vom 29.11.1850 musste Preußen unter dem Druck des Zaren der Wiederherstellung des Deutschen Bundes zustimmen und den Versuch, nach der Revolution von 1848/49 einen kleindeutschen Bundesstaat unter seiner Hegemonie zu schaffen (Unionspolitik), aufgeben.

Olomouc: Kreisstadt in der ÖSSR (Nordmährischer Bezirk), am Mittellauf der Morava, im Zentrum des fruchtbaren Beckens von Olomouc; 100000 Einwohner; Maschinenbau (unter anderem Reaktorausrüstungen), Leder sowie Nahrungs- und Genussmittelindustrie; Verkehrsknoten; Universität, pädagogische Hochschule; wertvolle kulturhistorische Bauwerke (unter anderem gotischem Dom, Rathaus mit astronomischer Uhr). Im 11. Jahrhundert erstmals erwähnt, 1063 wurde ein Bistum errichtet (seit 1777 Erzbistum), 1250 Stadtrecht, 12./17. Jahrhundert Hauptstadt Mährens; 1573 Universität gegründet, 1855 aufgelöst und 1946 neu gegründet.

Ölpalme, Elaeis guineensis: Fiederpalme des tropischen Westafrikas mit bis 5 m langen Blättern und roten bis violetten pflaumengroßen Steinfrüchten, deren Fleisch das orangefarbene Palmöl (Palmbutter, -fett) und deren Samen das wertvollere weiße oder gelbliche Palmkernöl liefern. Die gereinigten Öle werden zur Margarineherstellung verwendet. Hauptanbau in Nigeria, aber auch in Brasilien und Indonesien kultiviert.

Ölpest: Bezeichnung für auf der Meeresoberfläche, im Meerwasser oder auf dem Meeresboden beziehungsweise -strand, besonders auf den Hauptschifffahrtsstraßen und in den Erdölfördergebieten im Schelfbereich, als Ölfilm und auch in Kugelform verbreitete Mengen von Mineral- oder Erdöl sowie ihrer Neben- und Abprodukte. Ein Ölbelag auf den Kiemen von Fischen kann deren Erstickungstod bewirken; bei Wasservögeln verklebt Öl das Gefieder, macht es wasserdurchlässig und die Vögel flug- und schwimmunfähig. Um der Ölpest zu begegnen, wurde 1973 (1978 ergänzt) ein internationales Abkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe (MARPOL) beschlossen. Die MARPOL Convention trat im Oktober 1983 in Kraft, zunächst in der Anlage 1, Öl. Eine bewährte Bekämpfungsmöglichkeit der Ölpest ist das Eingrenzen und Abschöpfen beziehungsweise Abpumpen der Ölschicht.

Ölsardine: Vollkonserve aus entköpften, an gepökelten Sardinen in Öl (häufig Olivenöl).

Ölsäure: eine ungesättigte Fettsäure. Ölsäure ist eine farblose, ölige, wasserunlösliche, an der Luft allmählich ranzig werdende und verharzende Flüssigkeit; F14 bis 16 °C; die Salze und Ester heißen Oleate. Ölsäure kommt als Glycerid in fast allen pflanzlichen und tierischen Ölen und Fetten vor, insbesondere in Olivenöl und Fischtran; sie ist der Hauptbestandteil des Oleins. Ölsäure wird zur Herstellung von Schmälz Ölen und anderen Textilhilfsmitteln verwendet.

Ölschiefer, Brennschiefer, bitumenreiches, dunkles Sediment flacher Meere und Binnenseen, aus dem Schieferöl und Gas gewonnen wird; Lagerstätten unter anderem in den USA.

Olsztyn: 1. Wojewodschaft im Nordosten Polens; 12327 km2, 710000 Einwohner; 58 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Olsztyn 2. umfasst Teile der seenreichen Pojezierze Mazurskie und ist zu 30 % waldbedeckt; Nahrungsmittelindustrie, Land- und Elektromaschinenbau, Reifenproduktion, Holz- und Textilindustrie; Getreide-, Kartoffel-, Futterpflanzenanbau, Milch- und Fleischtierzucht; Fischwirtschaft; bedeutendes Touristengebiet.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Olsztyn 1, in den Pojezierze Mazurskie, an der Lyna; 140000 Einwohner; Autoreifenwerk, Maschinenbau, Nahrungsmittel-, Holz-, Baustoffindustrie; Eisenbahnknoten; landwirtschaftliche Hochschule; Theater, Raumflugplanetarium; historische Altstadt mit gotischer Burg (15. Jahrhundert; Masur. Museum), Rathaus (17./18. Jahrhundert), Kathedrale (15./16. Jahrhundert) und gotischem Stadttor. Um die 1348 vom Deutschen Ritterorden errichtete Burg entstand ein Marktort, der 1353 Stadtrecht (Allenstein) erhielt; gehörte zum Preußischen Bund, kam nach dem 2. Thorner Frieden 1466 zu Polen, war wichtiges Handelszentrum und Wirkungsstätte von N. Kopernikus. Nach der 1.Teilung Polens (1772) kam Olsztyn zu Preußen. Nach dem 1. Weltkrieg war es wichtiges Zentrum einer starken polnische Volksbewegung gegen die Germanisierungspolitik Preußens; während des 2. Weltkrieges zu 50% zerstört, im Januar 1945 durch die Rote Armee befreit.

Olt: linker Nebenfluss der Donau in Rumänien; 737 km; entspringt in den Ostkarpaten, durchfließt das Burzenland, die Senke von Fägäras, durchbricht die Südkarpaten in einem Engtal; Wasserkraftwerkskaskade im Bau.

Olten: Industriestadt im Norden der Schweiz (Kanton Solothurn), an der Aare; 19000 Einwohner; Eisenbahnwerkstätten, Maschinen-, Fahrzeugbau, vielseitige Leichtindustrie; Museen.

Oltenia: Landschaft in Rumänien, zwischen Südkarpaten und Donau, bis zum Olt im Osten; von 300 m bis auf 15 m in breiten Stufen abfallend; durch Flusstäler (Jiu, Drincea) in einzelne Platten gegliedert; Hauptort Craiova-, Förderung von Erdöl, -gas, Braunkohle, vielfältige Industrie; intensive Landwirtschaft, besonders im Süden mit Bewässerung; waldarm; im Süden Sanddünengebiete.

Ölweide, Elaeagnus: Gattung der Ölweidengewächse mit silberglänzenden Blättern und wohlriechenden, gelben Blüten; Ziersträucher.

Olymp, Olympos: höchstes Gebirge Griechenlands, zwischen Thessalien und Makedonien; bis 2917 m; viergipfelig und bewaldet; Fernweidewirtschaft; Nationalpark; nach Homer Sitz der griechischen Götter (Olympier).

Olympia: 1. Olympia: Kultstätte des höchsten griechischen Gottes Zeus Olympios in Elis auf dem Peloponnes. Seit dem frühen 1. Jahrtausend vor Christus Ort der altgriechischen Olymp. Spiele bis zu deren Verbot im 4. Jahrhundert vor Christus Seit Ende 19. Jahrhundert deutsche Ausgrabungen in Olympia Der heilige Hain (Altis) umschließt neben dem ältesten Tempel Heraion (7. Jahrhundert vor Christus; im Sockelgeschoß erhalten) Schatzhäuser, Stadion, Palästra und Gymnasion sowie als bedeutendsten Bau den dorischen Zeustempel (um 460vor Christus; durch Erdbeben zerstört), dessen Skulpturenschmuck neben einzelnen Baugliedern größtenteils erhalten ist.

2. Olympia: Hauptstadt des Bundesstaates Washington (USA); 27000 Einwohner; Sägewerke, Fischverarbeitung, Landmaschinenbau; Austernzucht; Pazifikhafen; Museum.

Olympiade: 1. a) Zeitspanne von 4 aufeinander folgenden Jahren, im ersten Jahr einer Olympiade moderner Zeitrechnung finden die Spiele der Olympiade statt;

b) umgangssprachlich (aber falsch) für Olymp. Spiele.

2. Wettstreit von Schülern insbesondere auf mathematischen, naturwissenschaftlichen, sprachlichen und künstlerischen Gebiet zur Förderung besonderer Fähigkeiten und Talente außerhalb des Unterrichts, zum Beispiel Mathematik-Olympiade, Russisch-Olympiade, künstlerischer Wettstreit («Galerie der Freundschaft»), Olympiade werden auf territorialer, nationaler und internationaler Ebene durchgeführt.

Olympiakämpfer: bei Olymp. Spielen startender Wettkämpfer, der Staatsbürger des Landes (Territoriums) sein muss, dessen Olympiamannschaft er angehört. Er kann nur bei Anerkennung der IOC-Regeln und der der für ihn zuständigen internationalen Föderation starten.

Olympias, 375-316 vor Christus (hingerichtet), Tochter des Molosser Königs Neoptolemos I., Frau Philipps II. von Makedonien und Mutter Alexanders des Großen; 337 von Philippinische verstoßen, wurde sie nach dessen Ermordung (336) der Mittäterschaft bezichtigt.

Olympionike: a) Olympiasieger,

b) umgangssprachlich (aber falsch) für Olympiakämpfer.

olympische Bewegung: alle Aktivitäten, Mittel und Maßnahmen (Hauptform Olymp. Spiele), die mit der Durchsetzung und Propagierung der olympischen Idee verbunden sind.

olympische Demonstrationssportarten, olympische Rahmenwettbewerbe: außerhalb des offiziellen Programms Olymp. Spiele ausgetragene Wettkämpfe in maximal 2 Sportarten, die bereits vom IOC anerkannt sind, aber noch nicht zum olympischen Programm gehören.

olympische Flagge: weiße Fahne mit 5 verschiedenfarbigen ineinander hängenden Ringen (olympische Ringe; sind gleichzeitig olympisches Symbol), die die Erdteile (im herkömmlichen Sinne), die Farben der Ringe dagegen die Vielfalt der Länder (Staatsflaggen) symbolisieren.

olympische Flamme, olympisches Feuer: in offener Schale während der Olymp. Spiele brennende, in Olympia entzündete und durch den olympischen Fackellauf in die Olympiastadt gebrachte Flamme als Kennzeichen der Hauptwettkampfstätte.

olympische Idee: Zusammenfassung der den Olympismus bestimmenden Grundgedanken und Grundsätze wie Frieden, Demokratie, Gleichberechtigung aller Menschen und Völker, gegenseitige Achtung der Völker und Nationen.

olympische Norm, Olympianorm: von den zuständigen internationalen Föderationen festgelegte Mindestleistungen, die in einigen Sportarten von den Olympiakämpfern in einem bestimmten Zeitraum vor den Olymp. Spielen erfüllt werden müssen, um über den üblichen Status hinaus (1 Olympiakämpfer je Mannschaft und Wettbewerb) starten zu können.

olympische Preise: Medaillen und Diplome bei Olympischen Spielen. Die Sieger erhalten eine Gold-, die 2. eine Silber- und die 3. eine Bronzemedaille und ebenso wie die 4. bis 8. ein Diplom (modifiziert bei Einzel- und Mannschaftswettbewerben einschließlich Sportspielen).

olympische Prinzipien: in den Regeln des IOC als Grundprinzipien gekennzeichnete Bestimmungen, wie Zielstellung der Olympischen Spiele, Teilnahmerecht, Rolle und Verantwortung des IOC bei der Ausschreibung und Vergabe der Spiele, Gültigkeit der olympischen Symbole und Embleme des IOC und der NOK.

olympische Regeln: vom IOC beschlossenes Regelwerk mit Durchführungsbestimmungen und Instruktionen. Es enthält die Grundprinzipien, Aussagen zum IOC, Festlegungen zu den NOK, Richtlinien für die Olympischen Spiele und das olympische Protokoll. Änderungen sind nur auf IOC-Sessionen möglich.

olympischer Eid: von einem Sportler (einer Sportlerin) des Gastgeberlandes seit 1920 gesprochenes Gelöbnis aller Olympiakämpfer. Seit 1968 gibt es auch einen olympischen Eid für Kampfrichter und Offizielle.

Olympischer Orden: 1974 gegründete Vereinigung; eine Gemeinschaft lebender, dem IOC nicht als aktive Mitglieder angehörender Persönlichkeiten, die sich um den Olympismus besonders verdient gemacht haben.

olympisches Dorf: bei Olympischen Spielen für die Öffentlichkeit gesperrter Wohnbereich für die Mitglieder (Olympiakämpfer und Offizielle) der Olympiamannschaften, offiziell erstmals 1932 eingerichtet.

olympisches Emblem: die Verbindung des olympischen Symbols mit einem anderen kennzeichnenden Merkmal. Es kann im Rahmen olympischer Aufgaben mit Genehmigung des IOC benutzt werden.

Olympische Sommerspiele: umgangssprachliche, aber nicht korrekte Bezeichnung für Spiele der Olympiade (Olympische Spiele).

Olympische Spiele: 1. Olympische Spiele des Altertums: gesamt griechische kultische Festspiele zu Ehren des Zeus, mit sportlichen Wettbewerben, nachweislich von 776 vor Christus bis 393 nach Christus alle 4 Jahre im letzten Jahr einer Olympiade in Olympia ausgetragen.

2. nach der olympischen Charta Sammelbegriff für Spiele der Olympiade und Olymp. Winterspiele, im ersten Jahr einer Olympiade durchgeführte bedeutendste Veranstaltung des internationalen Sports zwischen Sportlern der Länder beziehungsweise Territorien, deren NOK und deren Sportart vom IOC anerkannt sind. 1894 von P. de Coubertin ins Leben gerufen und seit 1896 im Vierjahreszyklus in vorher bekannt gegebenen, aus dem olympischen Programm ausgewählten Sportarten ausgetragen; im gleichen Jahr wie die Spiele der Olympiade seit 1924 Olympische Winterspiele in den Wintersportarten; nach 1992 in verändertem Rhythmus. Die Durchführung der Spiele ist in olympischen Regeln festgelegt.

olympisches Programm: autorisierte Zusammenstellung der Wettkämpfe bei Olymp. Spielen in den vom Organisationskomitee ausgewählten und vom IOC bestätigten Sportarten. Mindestens 15 der in den Regeln des IOC geführten olympischen Sportarten müssen im Programm der Spiele enthalten sein. Das Programm der Olympischen Winterspiele kann die anerkannten Wintersportarten enthalten. Es wird vom IOC nach Entscheidung für eine Bewerberstadt festgelegt und kann dann nicht mehr verändert werden.

olympisches Symbol: die ein- oder mehrfarbig gestalteten olympischen Ringe. Die Nutzung des olympischen Symbols für kommerzielle oder werbetechnische Zwecke ist untersagt. Jeder Gebrauch muss vom IOC vorher genehmigt werden; siehe auch olympische Flagge.

Olympismus: von P. de Coubertin geprägter Begriff zur umfassenden Kennzeichnung der von ihm angestrebten Einheit der olympischen Idee und der olympischen Bewegung mit ihren humanistischen Zielen sowie ihrem institutionellen und organisatorischen «Räderwerk».

Olynthos: griechische Stadt auf der Halbinsel Chalkidike; 480vor Christus zeitweilig von den Persern erobert; war Mitglied des 1. Att. Seebundes. Olynthos wurde 348 vor Christus durch Philipp H. von Makedonien zerstört.

Ölzeug: wasserabweisende Schlechtwetterkleidung der Seeleute und Fischer aus dichtem, festem, mit Leinölmischung getränktem Stoff; heute überwiegend durch Kleidung aus Plast beziehungsweise Elast ersetzt.

Omaha: Stadt im Bundesstaat Nebraska (USA), am Westufer des Missouri; 310000 Einwohner; Lebensmittelindustrie, Bleierzverhüttung, Landmaschinenbau; Erdölraffinerie; Getreidehandel; 2 Universitäten, Colleges; im Süden Luftwaffenbasis (Kommandozentrale der US-amerikanischen nuklearen Waffen).

Omaijaden: Kalifendynastie (661/750), die auf Omaija, den Ahnherrn einer Unterabteilung der Koreisch in Mekka, zurückgeht, durch Muawiya Ibn Abi Sufjan begründet; verlegte den Schwerpunkt des arabischen-islamischen Reiches von Medina nach Damaskus und versuchte, die Kalifenwürde erblich zu machen. Die Omaijaden Kalifen dehnten das Arabische Reich im Osten, Nordosten und Westen aus; regierten, gestützt auf die arabische Stammesaristokratie und die feudalen Großgrundbesitzer. Die Omaijaden wurden 750 von den Abbasiden gestürzt.

Oman, Sultanat Oman: Staat im Südosten der Arabischen Halbinsel; grenzt im Norden an den Golf von Oman, im Osten und Süden an das Arabische Meer; zum Teil strittige Grenzen im Südwesten zur VDR Jemen, im Westen zu Saudi-Arabien und im Nordwesten zu den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zu Oman gehört als Exklave die äußerste Spitze der Halbinsel Musandam. Administrativ in 38 Verwaltungsbezirke gegliedert. Etwa 90 % der Bevölkerung sind Araber, daneben Belutschen, Perser, Inder, Pakistaner unter anderem Amtssprache ist Arabisch; extrem hoher Analphabetenanteil. Währung ist der Rial Omani.

Natur: Der Nordosten wird vom Omangebirge (Al-Hadjar), das im mittleren Teil (Dschebel al-Achdar) 2980 m erreicht, durchzogen. Die aus dem Omangebirge heraustretenden Wadis führen nach Südwesten und enden in abflusslosen Senken und Salzpfannen. Den Westen und Süden nimmt die Arabische Tafel ein. Wüstenhaftes Klima bei relativ hoher Luftfeuchtigkeit und Niederschlägen unter 100 mm/Jahr, im Südosten feuchtheiß; keine ständig fließenden Gewässer. Im Westen Ausläufer der Sandwüste Rub al-Khali, im Norden Domsavanne bis Halbwüstenvegetation. Wirtschaft. Oman ist ein rückständiges Agrarland mit feudalen Eigentumsverhältnissen sowie Überresten der Gentilordnung; seit den 70er Jahren zunehmend kapitalistischen Wirtschaftsformen. Über 60 % der Bewohner sind in der Landwirtschaft tätig, die mit äußerst primitiven Produktionsmethoden arbeitet; zum Teil noch Naturalwirtschaft. Die mittelalterlichen Bewässerungsanlagen sind größtenteils verfallen. Hauptanbaukulturen sind Datteln, Zitrusfrüchte, Granatäpfel, Getreide, Luzerne, Tabak und Gemüse. Hauptanbaugebiete sind die Küstenzone und Oasen im Süden des Landes. Nomadisierende Viehhaltung, vor allem Kamele, Ziegen und Schafe. An den Küsten bedeutender Fischfang mit rückständigen Methoden. Eine moderne Industrie existiert nicht. In handwerklich arbeitenden Betrieben werden unter anderem Stoffe, Möbel, Haushalts- und Kunstgegenstände hergestellt. An der Erdölförderung (seit 1967) im Nordwesten nahe der Grenze zu den VAE besonders durch britische und französische Monopole ist der Staat seit 1974 mit 60 % beteiligt. Von den Fördergebieten verläuft eine Pipeline zum neuerbauten Erdölhafen Mina Al-Fahal bei Maskat. Die reichen Bodenschätze (Chrom-, Nickel-, Eisen- und Manganerz) sollen zunehmend erschlossen werden; im Nordwesten Omans Erschließung von Kupfervorkommen. Verkehr. Es gibt keine Eisenbahn. Seit 1970 wurde mit dem umfassenden Ausbau der Infrastruktur durch Nutzung der Erdöleinnahmen begonnen; etwa 1760 km asphaltierte Straßen. Haupthäfen Mina Kabus (bei Matra) und Raisut (bei Salala), Erdölhafen Mina Al-Fahal, kleinere Fischereihäfen befinden sich in Matra, Al-Suhar; internationaler Flughafen As-Sib.

Handel: Der Außenhandel Omans wird durch den Erdölexport gekennzeichnet. Exportiert werden außerdem traditionelle Landesprodukte wie Zitrusfrüchte, Granatäpfel, Datteln, Dörrfisch, Häute, Felle und Tabak.

Umfangreiche Importe umfassen vor allem Getreide, Kaffee, Zucker, Tee, Baumwollgewebe, Zement und Industriegüter. Wichtigste Handelspartner sind die Vereinigten Arabischen Emirate, Großbritannien, Japan, die BRD und die USA. Geschichte. Vom 7. bis Anfang des 11. Jahrhundert gehörte Oman zum arabischen Kalifat. 1506 wurde ein Teil Omans (Maskat) von Portugiesen erobert, die um 1650 von arabischen Stämmen vertrieben wurden. Im 17./18. Jahrhundert erweiterten die feudalen Herrscher zeitweise den Einfluss. Omans. als Handelsmacht und dehnten die direkte Herrschaft bis an die Küsten von Persien, Indien und Ostafrika aus. 1798 begann die britische Ostindische Kompanie mit dem Aufbau von Faktoreien. Handelsverträge von 1839 und 1845 mit Großbritannien führten zu erheblichen britischen Positionsgewinnen. 1891 schloss der Sultan von Oman einen Vertrag mit Großbritannien, der zur Errichtung der Protektoratsherrschaft führte. 1913 rief der Imam der schiitischen Sekte der Ibaditen im Innern des Landes einen von Großbritannien und dem Sultan von Oman unabhängigen Staat aus. Im Vertrag von As-Sib am 25.9.1920 erkannte Großbritannien die innere Selbständigkeit des Imamats an. Neue Verträge zwischen dem Sultan von Maskat und Großbritannien (1939 und 1951) festigten die Abhängigkeit Omans vom britischen Imperialismus. 1965 nahm in der Provinz Dhofar der nationale Befreiungskampf gegen das von Großbritannien abhängige Regime des Sultans von Oman bewaffneten Charakter an. Am 23. 7. 1970 wurde Sultan Said Ibn Taimur durch seinen Sohn Kabus Ibn Said gestürzt. Die seither von Kabus eingeleiteten begrenzten Reformmaßnahmen dienen dem Ziel, den progressiven Kräften des Landes wirksam zu begegnen und die Positionen der herrschenden Dynastie zu erhalten. Das reaktionäre Regime unterhält enge Beziehungen zu Saudi-Arabien und zu imperialistischen Staaten, insbesondere den USA und Großbritannien, denen es unter anderem auch militärische Stützpunkte zur Verfügung stellt. Die progressiven Kräfte Omans operieren unter Führung der illegalen Volksfront für die Befreiung Omans.

Oman, Golf von: Meeresteil des Arabischen Meeres (Indischer Ozean), zwischen Arabischer Halbinsel und Belutschistan; bis 3 694 m tief; durch die Straße von Hormus mit dem Persischen Golf verbunden.

Omangebirge: in einzelne Bergmassive und Tafelberge aufgelöstes Gebirge im Südosten der Arabischen Halbinsel, hauptsächlich in Oman; über 650 km lang, im mittleren Teil (Dschebel al-Achdar) bis 2 980 m hoch; meist aus Kalkstein und kristallinen Schiefern aufgebaut; im Westen Halbwüsten und baumarme Trockensavanne, im Osten Feuchtsavanne mit laubabwerfenden Wäldern.

Omar Chajjam, 18.5.1048-4.12. 1131 (nach anderen Quellen um 1021/22-1122), persischer Mathematiker, Astronom und Dichter; reformierte den muslimischen Kalender, beherrschte die Lösung quadratischer und lieferte eine geometrische Theorie zur Lösung kubischer Gleichungen, schrieb das zu seiner Zeit beste Werk über Algebra. Mit seinen Vierzeilern; mehrere deutsche Auswahlbände, unter anderem «Durchblättert ist des Lebens Buch», 1962), die inhaltlich vom mystischen bis zum epikureischen Gedankengut reichen und in viele Sprachen übersetzt wurden, ging er in die Weltliteratur ein.

Omar Ibn al-Khattab, um 592-3.11.644, seit 634 zweiter Kalif, Gefährte Muhammads; bedeutender Staatsmann; machte durch die Eroberung von Syrien, Mesopotamien, Persien und Ägypten das Kalifat zum Großreich.

Ombré: in textilen Flächengebilden Musterung (zum Beispiel Streifen) vom dunkelsten bis zum hellsten Farbton in einer oder mehreren Farben, jeweils ohne scharfe Abgrenzungen allmählich ineinander übergehend.

Omdurman, Umm Durman: Stadt in der Republik Sudan, am linken Ufer des Nils und Weißen Nils, Teil von Groß-Khartum; 530000 Einwohner; Textil-, Metallindustrie; Handelszentrum; muslimische Hochschule; Theater, -historisches Museum; Grabmal von Muhammad Ahmad Ibn Abdallah (Mahdi).

Omelett, Omelette: kurzgebackene süße oder pikante Speise aus geschlagenen Eiern, oft gefüllt (zum Beispiel mit Fleisch, Konfitüre).

Omen: «Vorzeichen» guter oder schlechter Bedeutung.

Ömer Seyfettin, 28.2.1884-6.3.1920, türkischer Schriftsteller; wirkte wie auch Ziya Gökalp für die Befreiung der türkischen Sprache von persischen und arabischen Wortgut. In seinen satirischen Erzählungen setzte er sich mit Traditionalismus, religiösem Fanatismus und blindem Nachahmen europäischen Lebensformen auseinander,

ominös: (französisch) von (böser) Vorbedeutung, bedenklich; anrüchig, zweifelhaft.

Omnibushof, Autobushof: bauliche Anlage für ankommende, wartende und abfahrende Autobusse mit Bussteigen, Bereitstellungsplatz und Verkehrshaus.

omnipotent: allmächtig; einflussreich.

Omnium: Bahnradsport aus mehreren Disziplinen zusammengesetzter Einzel- oder Mannschaftswettbewerb mit Punktvergabe für die jeweiligen Platzierungen.

Omphale, in der griechischen Sage Königin von Lydien, kaufte Herakles als Sklaven, tauschte mit ihm die Kleider und ließ ihn unter anderem auch Frauenarbeit verrichten. Herakles bei Omphale wurde zur Symbolfigur des Pantoffelhelden.

Omutninsk: Stadt im Gebiet Kirow; 30000 Einwohner; Hüttenwerk (1773 gegründet; Qualitätsstahl); Lebensmittel-, Holzverarbeitungsindustrie.

Onassis, Aristoteles Sokrates, 15.1.1907-15.3.1975, griechischer Großkapitalist; Eigentümer einer der größten kapitalistischen Handelsflotten; maßgeblich beteiligt an zahlreichen weiteren Schifffahrtsgesellschaften. sowie (bis 1975) Eigentümer der griechischen Luftverkehrsgesellschaft Olympic Airways.

Ondes Martenot: (französisch, «Martenot-Wellen») elektronisches Tasteninstrument für einstimmiges Spiel in verschiedenen Klangfarben; die Tonerzeugung erfolgt durch Kopplung zweier Hochfrequenzgeneratoren. Ondes Martenot wurden um 1928 von dem französischen Musikpädagogen und Radiotechniker M. Martenot konstruiert; werden in moderner französischer Musik verwendet.

Ondit: (französisch, eigentlich «man sagt»): Gerücht, Gerede, das Hörensagen.

Onega Bucht: Vorsprung des Südwestteiles des Weißen Meeres; 185 km lang, bis 100 km breit und bis 36 m tief; zahlreiche Inseln und Sandbänke; Einmündung des Weißmeer-Ostsee-Kanals.

O'Neill, altes irisches Adelsgeschlecht in Ulster:

1. Hugh, Earl of Tyrone, um 1540-20.7.1616; Neffe von O'Neill 2; kämpfte 1594/1603 als Führer eines irischen Volksbündnisses mit spanischer Unterstützung gegen die englische Landkonfiskationen in Nordirland, 1607 floh er nach Rom.

2. Shane, um 1530-2.6.1567; seit 1565 Führer eines irischen Aufstandes gegen die Engländer; er wurde getötet und sein Grundbesitz beschlagnahmt.

O'Neill, Eugene Gladstone, 16.10.1888 bis 27.11.1953, US-amerikanischer Dramatiker; schrieb zunächst realistische Kurzdramen und 1920/24 Stücke mit sozialer Thematik, in denen er expressionistische Stilmittel benutzte («Der haarige Affe», 1922, deutsch; «Alle Kinder Gottes haben Flügel», 1924, deutsch), später experimentelle, oft mystizistische, psychoanalytisch beeinflusste Dramen («Trauer muss Elektra tragen», 1931, deutsch). In den letzten Dramen zeigte sich Pessimismus gegenüber der als dekadent erkannten bürgerlichen Gesellschaftsordnung («Eines langen Tages Reise in die Nacht», 1956, deutsch).

Onestep: (englisch, «Einschritt») schneller marschartiger Gesellschaftstanz im 2/4-Takt; kam um 1910 aus den USA nach Europa; volkstümlich Schieber genannt.

Onitsha: Stadt im Südosten Nigerias, im Bundesstaat Anambra, am linken Ufer des Niger (1,4 km lange Brücke); 220000 Einwohner; Textil-, Schuh-, Möbel-, Lebensmittelindustrie; Handelszentrum; Flusshafen, Straßenknoten.

Onkel Sam, Uncle Sam: scherzhaft-spöttische Bezeichnung für den US-Amerikaner und die USA seit etwa 1812; wahrscheinlich von den Initialen U.S Am. (United States of America) auf Regierungseigentum abgeleitet.

Onkologie: Lehre von den Geschwülsten, insbesondere ihren bösartigen Formen, befasst sich mit Ursachen, Entstehung, Eigenschaften und Verbreitung der Geschwülste (experimentelle Onkologie) sowie ihrer Vorbeugung, Früherkennung, Behandlung und Nachsorge (klinische Onkologie). Siehe auch Krebs.

Onomasiologie: (griechisch) Lehre von den sprachlichen Bezeichnungen für bestimmte Erscheinungen; siehe auch Semasiologie.

Onomastik: (griechisch) Namenkunde, -forschung; untersucht Personen-, Völker- und Ortsnamen.

Ontario: Provinz im mittleren Teil Kanadas, zwischen der Hudsonbucht und den Großen Seen; 1068587 km2, 8,6 Millionen Einwohner (1% Indianer); 8 Einwohner/km2; Hauptstadt Toronto. Im Norden an der Hudsonbucht, im Süden an den Großen Seen und am Sankt-Lorenz-Strom Tiefland, sonst Hügelland; am Nordufer des Oberen Sees bis 646 m hoch. Im Süden gemäßigtes Kontinentalklima, nach Norden zunehmend kälter und niederschlagsärmer, dichtes Flussnetz, zahlreiche Glazialseen und Anteil an den Großen Seen. Grundmoränenböden, meist mit Nadelwald, im Süden mit Mischwald bestanden, im Norden Waldtundra. Wirtschaftlich wichtigste Provinz Kanadas, die in der verarbeitenden Industrie und im Bergbau führend ist und über eine bedeutende landwirtschaftliche Produktion und Waldwirtschaft verfügt Hauptzweige sind die Eisenmetallurgie, Erdölverarbeitung, der Automobil-, Maschinen- und Flugzeugbau, die Leicht-, Elektro-, chemische, Lebensmittel- und Baumaterialienindustrie. Im Bergbau werden Nickel-, Kupfer-, Zink-, Eisenerz sowie Uranoxid, Gold-, Silbererz und Platin in zum Teil weltbedeutenden Fundorten gefördert; führend in der Energiegewinnung Kanadas mit hohen Anteilen der Hydro- und Kernenergie. Die landwirtschaftliche Produktion wird nur von den 3 Prärieprovinzen übertroffen. Sie liefert Sojabohnen (führend), Mais, Tabak unter anderem; Fleisch- (Rinder, Schweine, Geflügel) und Pelztierzucht, Milchviehzucht; Milchwirtschaft. Auf Toronto ausgerichtetes Verkehrsnetz; Große Seen und Sankt Lorenz-Seeweg sind wichtige Wasserstraßen auch für Seeschiffe; Haupthäfen Thunder Bay, Hamilton. Ontario gehörte seit dem 17. Jahrhundert zu Neufrankreich und wurde 1763 britisch, nach 1782 von «Loyalisten» aus den USA besiedelt; hatte 1791/1840 als Oberkanada Gouverneur und Parlament, seit 1867 Provinz Kanadas.

Ontariosee: Süßwassersee in Nordamerika, östlichster und kleinster der 5 Großen Seen; teils zu Kanada, teils zu den USA gehörend; 75 m über dem Meeresspiegel, 18760 km2, 310 km lang, 85 km breit, bis 226 m tief; durch den Niagara und den Wellandkanal mit dem Eriesee, durch den Eriekanal mit dem Hudson verbunden; entwässert über den Sankt-Lorenz-Strom zum Atlantischen Ozean; wichtigste Häfen in Kanada sind Toronto, Hamilton, Cobourg, in den USA Rochester.

Keimesgeschichte: Teilgebiet der Entwicklungsgeschichte, das die Entwicklung des Individuums vom Keimzellenstadium bis zum natürlichen Tod umfasst. Man unterscheidet 4 Stadien: Embryonalstadium (Keimesentwicklung), Jugendstadium (von der Geburt bis zum Beginn der Geschlechtsreife), Reifestadium (Zeit der Geschlechtsreife und Fortpflanzung) und Altersstadium (mit Ausfallerscheinungen). Siehe auch Phylogenese.

Ontologie: objektiv-idealist Lehre vom Seienden als solchem. Die Ontologie verselbständigt das ideelle, geistige Sein und interpretiert es als Sphäre «reiner Wesenheiten». Sie negiert den dialektischen-materialistischen Materiebegriff und sucht die Grundfrage der Philosophie zu umgehen. Hauptvertreter sind N. Hartmann, G. Jakoby. Gelegentlich wird der Ontologie-Begriff in der marxistisch-leninistische Philosophie unexakt zur Bezeichnung des materialistisch aufgefassten Seins verwendet.

o. O.: Abkürzung für ohne Ort, das heißt ohne Angabe des Druck- oder Erscheinungsortes einer Druckschrift; auch mit s. l. (sine loco) bezeichnet.

Oogamie: Fortpflanzung der Vielzeller durch Eibefruchtung. Der unbeweglichen weiblichen Gamet (Eizelle) wird vom beweglichen männliche Gameten (Samenzelle) aufgesucht, besamt und befruchtet

Oogenese, Eibildung: Entwicklung der weiblichen Geschlechtszellen bei Tieren und Mensch. Die Ureizellen (Oogonien) vermehren sich im Eierstock durch Mitose (Vermehrungsperiode) und wachsen durch Dotterbildung zu Oozyten heran (Wachstumsperiode). Menschliche Oozyten sind dotterarm. Aus jeder Oozyte gehen durch 2 Reifeteilungen eine Eizelle und 3 (oder nur) Richtungs- oder Polkörperchen hervor.

Oolemma: primäre Eihülle; von der Eizelle abgeschiedene strukturlose Membran (Dottermembran).

Ooiden: («Eierstein») Sedimentgestein (Gefügebezeichnung) aus konzentrisch-schaligen bis erbsengroßen, durch ein Bindemittel verkitteten Kügelchen (Ooiden), meist aus Kalk- oder Eisenverbindungen; zum Beispiel Kalk-Ooiden (Rogen-, Erbsenstein), Eisen-Ooiden (Minette), Kiesel-Ooiden.

opak: (lateinisch, «schattig») undurchsichtig, getrübt; Glasuren und Emails werden durch Zugabe von Trübungsmitteln, zum Beispiel Zinnoxid, opak.

Opal: Mineral; gelförmiges Siliziumdioxid mit wechselndem Wassergehalt; Härte 5,5 bis 6, Dichte 1,9 bis 2,5 g/cm3; dichte, glasartige Massen, Quellausscheidungen, Verwitterungsbildungen; durchscheinend mit unterschiedlichen Farbspiel; Edelopal blau, Feueropal orangerot, Hyalit oder Glasopal wasserklar, Milchopal milchweiß; Vorkommen in Dubnik, in Mexiko und Australien.

Opaleszenz: (zu «Opal») farbiges Schillern eines durchscheinenden Stoffes durch Beugung des Lichtes an kleinen Teilchen des Stoffes, zum Beispiel Opal.

Opanke: aus der Sandale südosteuropäische Völker entwickelter Schuh ohne Brandsohle, dessen hochgewalkte Sohle an den Schaft angeflochten ist.

Oparin, Alexander Iwanowitsch, 3.3.1894-21.4.1980, sowjetischer Biologe und Biochemiker, gelangte bei seiner Forschung über die Entstehung des Lebens auf der Erde zu dem Ergebnis, dass Leben nicht als plötzlichen Zufallsakt, sondern als Produkt einer langen «ehem. Evolution» in einem Urmeer mit zahlreichen organischen Stoffen entstand.

Op-art: (Kurzwort für optical art, englisch, «optische Kunst») Strömung der spätbürgerlichen Kunst, die sich um 1960 konsolidierte; stellt auf der Bildfläche abstrakte Farbe-Licht-Beziehungen her und rechnet mit dem sich bewegenden Betrachter, dem sich das Ineinandergleiten der Farben unter anderem im Vorüberschreiten erschließt. Typisch ist ein die Fläche organisierendes Raster- oder Gitterwerk. Hauptvertreter sind V. Vasarely, J. Albers unter anderem

Opazität:

1. Fototechnik: selten benutztes Maß für die Lichtundurchlässigkeit einer fotografischen Schicht; Zeichen Opazität. Die Opazität ist gegeben durch das Verhältnis der auffallenden Intensität, zur durchgelassenen.

2. Papierherstellung: Maß für die Lichtundurchlässigkeit (Undurchsichtigkeit) von Papier, das Verhältnis des Remissionsgrades eines einzelnen Blattes über einer schwarzen Unterlage zum Remissionsgrad desselben Blattes über einem so dicken Blattstapel vom gleichen Papier, dass kein Licht hindurchtritt. Angabe in Prozent. Hohe Opazität ist für Schreib- und Druckpapiere gefordert. Siehe auch Transparenz.

Oper: dramatische Kunstwerk, dessen Handlung durch instrumentalbegleiteten Gesang und Aktion auf einer Bühne dargestellt wird, wobei die Einheit und das Zusammenwirken von Wort und Musik, dramatische Handlung und szenische Realisierung von vornherein konzipiert sind. Die Bezeichnung Oper setzte sich erst um 1650 durch, nachdem sich die neue Kunstform bereits um 1600 konstituiert hatte. Als Vorformen der Oper gelten vielfältige mit Musik gekoppelte theatralische Darstellungen. Im Verlauf der langen Entwicklung erhielt die Oper in den einzelnen europäischen Ländern, ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Funktion entsprechend, verschiedenartige Aussage und Gestalt. Am Ende des 17. Jahrhundert hatte die voll entwickelte italienische Opera seria ihren Siegeszug durch ganz Europa angetreten. Zu diesem ernsten, auch dekorativprunkvollen Operntyp entstand mit der Opera buffa, die die französische Opéra comique, das deutschsprachige Singspiel und andere Formen nach sich zog, ein heiteres Gegenstück, das eng mit der bürgerlichen Emanzipation verbunden war. In Perioden progressiver gesellschaftlicher und nationaler Entwicklung erhielt in der Folgezeit stets auch die Oper neue Entwicklungsimpulse. Zugleich erfolgte eine immer stärkere Differenzierung (unter anderem auch zur Operette und zum Musical).

Opera buffa: heiter-volkstümlicher Typ der italienischen Oper neapolitanischen Ursprungs, eng verbunden mit der bürgerlichen Emanzipation; entwickelte sich am Ende des 17. Jahrhundert als Gegenstück zur Opera seria, zum Teil als unterhaltsame Einlage während deren Aktpausen; griff unter anderem auf Gestalten der Commedia dell’arte zurück. Hauptvertreter sind G. B. Pergolesi, G. Paisiello, D. Cimarosa.

Opéra comique: spezifisch französische Form der Opera buffa mit gesprochenem Dialog und nur zum Teil heiter komischer Inhalt; wurde 1752 von J. J. Rousseau («Le Devin du Village») begründet. Hauptvertreter sind A. E. M. Grétry, F. A. Boieldieu, D. F. E. Auber, A. Adam.

Opéra-Comique: berühmtes Pariser Opernhaus mit wechselhafter Geschichte, gegründet 1715; zeitweilig mit der Comédie-Italienne zusammengeschlossen;, 1898 Eröffnung des jetzigen Baues, in dem vorwiegend französisches-heiteres Repertoire geboten wurde bis zur Schließung nach 1970. Uraufführungstheater von J. Offenbachs «Hoffmanns Erzählungen» (1881), C. Debussys «Pelléas et Méusande» (1902), M. Ravels «Spanischer Stunde» (1907) unter anderem

Opera seria: ernste, häufig repräsentativprunkvolle Hauptform der italienischen Oper in der

3. Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert; musikalisch durch die Folge Rezitativ-Da-capo-Arie bestimmt.

Operation: 1. allgemein Unternehmung; Verfahren; zielgerichtete menschliche Handlung.

2. Mathematik: n-stellige Verknüpfung in einer Menge M, die gewissen n-Tupeln von Elementen von Ai je ein weiteres Element von M zuordnet; zum Beispiel die Addition und die Division in der Menge der reellen Zahlen.

3. Medizin: Chirurg. Eingriff zur Heilung krankhafter Prozesse. Um an den Krankheitsherd zu gelangen, muss das über ihm liegende Gewebe mit einem Skalpell, Laserstrahl unter anderem durchtrennt werden. Nach gründlicher Diagnostik und Stellen der Operationsindikation wird der Patient über die durchzuführende Operation aufgeklärt. Voraussetzungen zur Operation sind Operationssaal mit entsprechendem Instrumentarium und Geräten, speziell ausgebildetes Personal, strenge Aseptik, sterile Operationskleidung (Gummihandschuhe, Mantel, Mundtuch, Mütze und Schuhe) und Narkose mit der Möglichkeit der Überwachung der Körperfunktionen.

4. Militärwesen: koordinierte Kampfhandlungen von operativen und operativ-strategischer Vereinigungen (Armee, Front), meist von mehreren Teilstreitkräften. Eine Operation ist durch gleichzeitige oder aufeinanderfolgende Gefechte und Schlachten (im modernen Krieg auch Kernwaffenschläge) gekennzeichnet. Man unterscheidet Angriffs- und Verteidigungsoperation Siehe auch Kriegskunst.

Operationseinwilligung: Zustimmung des Patienten zu einem vom Arzt beabsichtigten operativen Eingriff. Auf sie kann nur verzichtet werden, wenn sich der Patient in einem Zustand befindet, der seine Entscheidungsfähigkeit ausschließt.

Operationsforschung, Unternehmensforschung, Operations Research, mathematische Methoden in der Ökonomie: wissenschaftliche Disziplin, die die zweckmäßigsten Organisationsformen zielgerichteter Tätigkeit, insbesondere die Leitung und Planung von Prozessen der Wirtschaft und Wissenschaft sowie im Militärwesen untersucht. Die Operationsforschung strebt optimale Lösungen für die entsprechenden Prozesse und Probleme an und dient vor allem der Entscheidungsvorbereitung. Hierzu verwendet sie mathematische Modelle, insbesondere Optimierungsmodelle (siehe auch mathematische Optimierung) und Ablaufmodelle (siehe auch Netzplantechnik, Simulation). Eine Untersuchung der Operationsforschung verläuft in den Phasen Problemanalyse, Modellentwicklung, Ausarbeitung eines Lösungsverfahrens, Programmierung des Verfahrens für eine EDVA, Modelltest, Einführung und Nutzung des Modells in der Praxis.

Operationsverstärker, Abkürzung OV, Rechenverstärker: universell ersetzbarer integrierter Schaltkreis der analogen Schaltungstechnik, der durch äußere Beschaltung unterschiedliche Übertragungscharakteristiken annehmen kann. Der Operationsverstärker ist ein mehrstufiger Gleichspannungsverstärker, der in elektronischen Gleich- und Wechselspannungsschaltungen sowie in der analogen Rechentechnik zur Realisierung mathematischer Operationen angewendet wird. Neben den Verstärkungskenngrößen sind die Offsetgrößen, auch Versatzgrößen genannt (geringfügige Versetzung des Stroms (Offsetstrom) oder der Spannung (Offsetspannung)), charakteristisch. Durch spezielle Beschaltungen kann eine Offsetkompensation vorgenommen werden.

Operationsverweigerung: nicht erteilte Zustimmung des Patienten zu einem vom Arzt bei ihm vorgesehenen operativen Eingriff.

operativ: weitschauend und planvoll tätig; unbürokratisch; unmittelbar wirksam.

Operator:

1. Genetik: DNS-Sequenz bei Bakterien, die den Genen vorangestellt sein kann. Durch Wechselwirkung mit dem Repressor erfolgt an ihm die Regulation der Aktivität des folgenden DNS-Abschnittes.

2. Mathematik: Vorschrift A, die einem Element x eines abstrakten Raumes X eindeutig ein Element y desselben oder eines anderen Raumes zuordnet, in Zeichen y = Ax. Ist X ein linearer Raum, so heißt A ein linearer Operator. Der Differentialoperator, der jeder differenzierbaren Funktion die Funktion Af= df/dt zuordnet, ist ein linearer Operator Bildet ein Operator Funktionen auf reelle Zahlen ab, so heißt dieser Operator ein Funktional. Bei einer Funktionaltransformation bildet ein Operator Funktionen auf Funktionen ab.

Operette: musikalisches Bühnenwerk mit heiterem (häufig satirischen-persiflierendem), unterhaltsamem Grundcharakter, gesprochenem Dialog und unkomplizierten (meist von Lied, Chanson und Tanz beeinflussten) musikalischer Formen; entwickelte sich im 18. Jahrhundert aus der Opéra comique. In Paris (F. Hervé, J. Offenbach, C. Lecocq) und in Wien (F. von Suppé, J. Strauß, K. Millöcker, C. Zeller) bildeten sich (unter Einbeziehung nationaler Traditionen populären Theaters) zwischen 1850 und 1870 selbständige Operettenzentren heraus. Ein drittes Zentrum nach 1900 in Berlin (P. Lincke, J. Gilbert, W. Kollo) offenbart bereits Tendenzen kleinbürgerlicher Verflachung. In den letzten Jahrzehnten ist die Operette weitgehend vom Musical abgelöst worden.

Opfer:

1. Religion: Kulthandlung, die ursprünglich der «Speisung» der Götter oder Geister diente (mit Agrarprodukten, Tieren, seltener auch Menschen), später der Versöhnung, Bitte, Verehrung und Danksagung; nahm im Verlauf der Entwicklung immer mehr symbolischen-abstrakten Charakter an und drückte sich in der inneren Hingabe aus.

2. Schach: freiwillige Hingabe einer (oder mehrerer) Figur(en) zwecks späterer positioneller Vorteile beziehungsweise Beschleunigung der Mattführung.

Opfer des Faschismus: die Millionen Männer, Frauen und Kinder aus zahlreichen Ländern, die dem Mordterror des faschistischen deutschen Imperialismus zum Opfer fielen. Der jährlich im September begangene Gedenktag für die Opfer des Faschismus ist Mahnung, eine Wiedergeburt des Faschismus niemals zuzulassen.

Opferfunde: Funde in Mooren, Seen, Höhlen; zum Beispiel Teile der Jagdbeute, Produktionsinstrumente, später auch Haustiere, Keramik, Schmuck, Waffen und Menschen, die geopfert wurden; Anfänge bereits in der Altsteinzeit.

Opferstock: Behälter aus Holz oder Metall mit Spalt zum Einwurf von Geld (Opfer) für kirchliche Zwecke.

Ophikleide: hornartiges Blasinstrument mit fagottartig-geschlungenem Rohr und Chromat Klappenmechanik; wurde 1817 von J. Halary in Paris aus dem Basshorn entwickelt; um 1850 durch die Tuba verdrängt.

Ophir: im Alten Testament genanntes sagenhaftes Goldland zur Zeit König Salomos; seine Lage ist umstritten, man vermutet es unter anderem an den südlichen Küsten des Roten Meeres oder in Simbabwe (Monomotapa).

Ophrydium: Gattung koloniebildender Wimpertierchen; Ophrydium versatile kommt in grünen Gallertklumpen bis zu Faustgröße in klaren Seen vor.

Opiate: Morphin und morphinähnlich wirkende natürliche, halb- und vollsynthetische Stoffe, die insbesondere wegen ihrer stark schmerz-lindernden Wirkung therapeutisch verwendet werden. Die Opiate unterliegen der Suchtmittelverordnung. Opiumalkaloide, die nicht morphinähnlich wirken (Papaverin), gehören nicht zu den Opiaten.

Opisthotonus: anhaltender schmerzhafter Krampf der Rückenmuskulatur mit Rückwärtsbeugung des Nackens und Rückens; besonders bei Tetanus und Gehirnhautentzündung vorkommend.

Opitz, Martin, 23.12.1597-20.8.1639, Literaturtheoretiker, Schriftsteller und Übersetzer; Förderer der deutschen Sprache und Nationalliteratur. Sein «Buch von der deutschen Poeterey» (1624) sollte helfen, eine den anderen europäischen Literaturen ebenbürtige deutschsprachige Literatur zu schaffen. Mit seinen Regeln bestimmte es die Literatur bis ins 18. Jahrhundert Opitz forderte regelmäßig alternierende, die Wortbetonung wahrende Verse und erhob den französischen Alexandriner (abgesehen vom Lied) zum maßgeblichen Vers. Er bemühte sich auch um die gesellschaftliche Anerkennung des Dichters. Opitz schrieb episch gehaltene, national mahnende «Trostgedichte in Widerwärtigkeit des Krieges» (1620/21, gedruckt 1633) sowie den ersten deutschen Operntext («Dafne», 1627; Musik von H. Schütz).

Opium: (lateinisch griechisch opos, «Pflanzensaft») durch Anschneiden der unreifen Samenkapseln von Schlafmohn gewonnener, getrockneter Milchsaft; enthält Morphin, Kodein, Papaverin, Narkotin und andere Alkaloide. Opiumzubereitungen werden vorwiegend als schmerzstillende Mittel verwandt. Opium unterliegt der Suchtmittelgesetzgebung, die den Missbrauch verhüten soll.

Opiumkriege: Kriege Großbritanniens (und Frankreichs) zur gewaltsamen Öffnung des chinesischen Marktes für die kapitalistische Mächte. Der 1. Opiumkrieg (1840/42), dessen Anlass die Vernichtung von 20000 Kisten britischen Opiums durch Lin Zexu war, endete infolge der kapitulanten-haften Politik der Qing-Dynastie und der Unterdrückung des Volkswiderstandes mit einer Niederlage Chinas (Vertrag von Nanjing, 1842). Der 2. Opiumkrieg (1856/60), der durch den sogenannt Arrow-Zwischenfall (Verhaftung britischer Matrosen bei der Suche nach Opium auf der «Arrow») ausgelöst wurde, zwang China zur Annahme der Verträge von Tianjin (1858) und Peking (1860).

Opole: 1. Wojewodschaft im Südwesten Polens; 8535 km2, 995000 Einwohner; 117 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Opole 2. Im Osten Aufwölbungen der Wyzyna Slaska, im zentralen Teil Oderniederung, im Südwesten Teile der Ostsudeten mit Vorland; von Oder und ihren Nebenflüssen Mala Panew und Nysa Klodzka durchflossen; waldreich. Industrie-Agrar-Gebiet mit chemischer, Baustoff-, Nahrungsmittelindustrie, Maschinenbau, Textil-, Schuhindustrie, Elektroenergieerzeugung und Hüttenindustrie; Viehzucht, Getreide-, Kartoffel-, Zuckerrübenanbau und Obstbau; Touristengebiete in den Ostsudeten und an den Stauseen der Odernebenflüsse.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Opole 1, an der Oder; 120000 Einwohner; Zementwerke, Maschinenbau, Nahrungsmittel-, Textil-, Möbelindustrie; Eisenbahnknoten, Flusshafen; 2 Hochschulen; Theater, Museen, Zoo; historische Altstadt (Markt mit Rathaus im italienischen Stil (1936), gotische Kathedrale unter anderem). Nordöstliches Erholungs- und Wassersportgebiet am Turawa-Stausee (22 km2) der Mala Panew.

Opossum: Fell des in Amerika lebenden Opossum (Beutelratten) und des in Australien beheimateten Fuchskuskus (Kletterbeutler). Amerikanisches Opossum ist langhaarig mit wenig Unterwolle, silbergrau bis schwarzbraun. Australisches Opossum hat dichte weiche graufarbige Wolle mit schwarzer Spitze und kurzes steifes Grannenhaar.

Oppenheimer, J. (Julius) Robert, 22.4.1904 bis 18.2.1967, US-amerikanischer Physiker; leitete die Entwicklung und Herstellung der ersten Atombombe. Er lieferte bedeutende Beiträge unter anderem zur relativistischen Quantentheorie und über kosmische Strahlung; wandte sich gegen die Entwicklung der Wasserstoffbombe.

Oppidum: befestigte, stadtähnliche Siedlung der Kelten der letzten beiden Jahrhunderte vor Christus (zum Beispiel Steinsburg bei Römhild in Thüringen); war politischer, ökonomischer und religiöser Mittelpunkt, verbreitet von Frankreich bis in das mittlere Donaugebiet.

Opponierbarkeit, Gegenstellvermögen: Möglichkeit, den Daumen den übrigen Fingern gegenüberzustellen (zu opponieren); bedingt durch, besondere Gelenkkonstruktion und Muskelanordnung. Durch Opponierbarkeit wird die Hand beim Menschen und bei verschiedenen Tieren zur Greifhand.

opportun: (lateinisch) genehm, passend, angebracht; zweckmäßig, günstig.

Opportunismus: prinzipienloses Verhalten, Preisgabe von Grundsätzen zugunsten von Augenblickserfolgen; im engeren Sinne politische und ideologische Strömung in der Arbeiterbewegung, die in der Abkehr vom Klassenstandpunkt den Einfluss der Bourgeoisie widerspiegelt. Der Opportunismus ist eine Variante bürgerl. Politik und Ideologie, die in der Arbeiterbewegung unter Ausnutzung kleinbürgerlicher Elemente (im Imperialismus der Arbeiteraristokratie) wirkt und in der Gegenwart darauf hinausläuft, die Arbeiterbewegung in das Herrschaftssystem der imperialistischen Bourgeoisie zu integrieren beziehungsweise zur bürgerlichen Ideologie zu fuhren. Opportunismus bedeutet damit Abkehr vom Marxismus-Leninismus und Verzicht auf die sozialistische Revolution. Neben dem rechten Opportunismus (Reformismus, Revisionismus, Sozialreformismus) existiert ein linker Opportunismus (kleinbürgerlich, zum Linksradikalismus führendes Abenteurertum, Dogmatismus, Sektierertum). Beiden Richtungen ist Antikommunismus wesenseigen. Im Kampf um Frieden und sozialen Fortschritt tritt die kommunistische Weltbewegung für die Aktionseinheit aller Strömungen der Arbeiterbewegung ein. Unter den heutigen Bedingungen der Bedrohung der Menschheit durch ein atomares Inferno im Gefolge der Politik der aggressivsten imperialistische Kreise erweist sich eine Koalition des Realismus und der Vernunft im Interesse der Sicherung des Friedens auch mit opportunistischen Kräften als real möglich. Eine antileninistische Richtung des Opportunismus in der Arbeiterbewegung Russlands war der Menschewismus. Er richtete sich gegen die Grundsätze der Partei neuen Typs, gegen die Hegemonie der Arbeiterklasse in der bürgerlich-demokratischen Revolution und gegen das Hinüberwachsen der bürgerlich-demokratischen in die sozialistische Revolution.

Opposé: (französisch) Bezeichnung für textile Flächengebilde und Kleidung mit im Farbton stark abweichendem, kontrastierendem Aussehen.

Opposition: 1. allgemein Gegensatz, Gegnerschaft, Widerspruch, Widerstand.

2. Astronomie: Konstellation.

3. Fechten: bestimmte, von der gegnerischen Klingenlage beeinflusste Fauststellung, um Mitstöße bei Angriffen und Riposten zu vermeiden.

4. Politik: Widerstand bestimmter politischer Gruppen gegen die Regierung oder eine herrschende Partei in bürgerlichen Staaten; eine parlamentarische Opposition bilden im bürgerlichen Parlament vertretene Parteien, die nicht an der Regierung beteiligt sind. Das Auftreten bürgerlicher Oppositionsparteien dient der Vortäuschung demokratischer Willensbildung und ist daher nur eine Scheinopposition, da die bestehenden imperialistischen Machtverhältnisse unberührt bleiben. Demgegenüber zielt eine echte Opposition auf die Beseitigung der Macht des Monopolkapitals durch parlamentarischen oder außerparlamentarischen Kampf.

5. Schach: Gegenüberstehen der beiden Könige mit einem oder mehreren Feldern Abstand.

Oppression: (lateinisch) Bedrückung, Unterdrückung.

Opritschnina: (russisch, «ausgesondertes Land») Landesteile, die von Iwan IV. Wassiljewitsch seit 1565 zur Schwächung der Opposition der Teilfürsten und des Hochadels von zarentreuen Kleinadligen (Opritschniki) besiedelt und unter eigene Verwaltung gestellt wurden; gleichzeitig spezielle Herrschaftsform und Machtapparat Iwans IV.; 1572 wieder aufgehoben.

Optativ, Wunschform: Grammatik Modus des Verbs; in den modernen indoeuropäischen Sprachen durch den Konjunktiv wiedergegeben, zum Beispiel im Deutschen «Möge er kommen!».

Optical Character Récognition, Abkürzung OCR, optische Zeichenerkennung: Erfassung und Verarbeitung schriftlich fixierter Texte zur Dateneingabe in eine EDVA ohne direkte menschliche Tätigkeit; ein mit speziellen Schriftzeichen (OCR-Schrift) beschriftetes Blatt oder ein Mikrofilm wird von einer optoelektronischen Zeichenerkennungseinrichtung (Zeichenleser) gelesen und der Text in die Maschinensprache einer EDVA zum Beispiel zur Steuerung einer Fotosetzmaschine übersetzt.

optieren: (dat.) sich erklären; siehe auch Option.

Optik: Gebiet der Physik, das sich mit den Wirkungen und Anwendungen der optischen Strahlung (Ultraviolett, sichtbares Licht, Infrarot) befasst. Die aus dem elektromagnetischen Wellencharakter des Lichtes folgenden Erscheinungen werden in der Wellenoptik behandelt, deren Grundlage die Maxwellschen Gleichungen beziehungsweise das Huygenssche Prinzip sind. Die geometrische oder Strahlenoptik ist die Näherung der Wellenoptik für sehr kleine Wellenlängen. Sie bedient sich des Modells der Lichtstrahlen und fußt auf dem Fermatschen Prinzip sowie dem Malusschen Satz. Der Quantencharakter des Lichtes liegt der Quantenoptik zugrunde, die die Wechselwirkung quantisierter Strahlungsfelder mit stofflicher Materie untersucht. Die physiologische Optik befasst sich mit der Physiologie der Sehwahrnehmung. Die technische Optik behandelt die Anwendung der Optik zur Lösung von Aufgaben der Informations- und Messtechnik, der Licht- und Beleuchtungstechnik sowie die Entwicklung optischer Bauelemente und Systeme.

Optikator: (dat. griechisch) Feinzeiger nach dem Mykator-Prinzip mit Torsionsband, das einen Spiegel trägt, der bei zu messender Längenänderung gedreht wird und dabei einen Lichtpunkt auf einer Skale auslenkt; Skalenwert 0,1 oder 0,2 LIM optimal: sehr gut, bestmöglich.

Optimal Steuerung: Steuerstrategie, die einem Gütekriterium bezüglich der gesteuerten Größen unter Beachtung vorliegender Beschränkungen einen minimalen Wert erteilt, zum Beispiel die Steuerung der Antriebsmotoren einer Lokomotive, so dass der Zug eine gegebene Strecke in gegebener Zeit mit minimalem Energieverbrauch zurücklegt.

Optimalen: («die Besten») im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus Selbstbezeichnung von Angehörigen des römischen Amtsadels und der Senatspartei im Unterschied zu den Populären. Zur Aufrechterhaltung ihrer Privilegien führten die Optimalen blutige Bürgerkriege gegen die Populären.

Optimeter: Firmenbezeichnung für einen mechanischen-optischen Feinzeiger, bei dem die Messbolzenbewegung über einen Kippspiegel zu einer im Okular sichtbaren Skalenverschiebung führt; Skalenwert 1 um.

optimierte Nahrung, Warenzeichen ON: Bezeichnung für handelsübliche Lebensmittel, die Diätzwecken dienen und zur gesunden Ernährungsweise beitragen. Ein farbiger Punkt (auf dem Etikett) kennzeichnet die Zielgruppen beziehungsweise Eigenschaften: rot = Sucrosin (Diabetiker), grün = energiereduziert, gelb = fürs Kind, blau = salzarm.

Optimierung: 1. Kybernetik Bestimmung der Lösung einer Aufgabe (zum Beispiel Entwurf oder Steuerung eines Systems) derart, dass eine für die Bewertung des Ergebnisses gegebene Zielfunktion unter Berücksichtigung vorliegender Beschränkungen einen bestmöglichen Wert (Maximum beziehungsweise Minimum) annimmt. Das hat nur Sinn, wenn mehr als eine zulässige Lösung existiert. Bei der Optimierung von Steuerungssystemen unterscheidet man statische Optimierung, die Bestimmung einer (zeitunabhängigen) Steuerung, die das stationäre Verhalten optimiert, und dynamische Optimierung, die Bestimmung eines zeitabhängigen Steuerungsverlaufs (oder einer Entwicklungsstrategie), die ein über das Zeitintervall der Optimierung erstrecktes Gütekriterium optimiert. Bei Mehrziel- oder Polyoptimierung sind für eine Aufgabe gleichzeitig mehrere, qualitativ verschiedene Gütekriterien beziehungsweise Zielfunktionen gegeben. Optimierungs- oder Suchverfahren sind Algorithmen zur schrittweisen numerischen Lösung einer Optimierungsaufgabe beziehungsweise Optimalsteuerungen für Probleme, die keine analytische Lösung zulassen.

Optimierungsmodell: mathematisches Modell eines industriellen oder Wirtschaftlichen Prozesses, eines technologischen Komplexes oder einer technische Konstruktion, wofür mittels der mathematischen Optimierung die bezüglich eines vorgegebenen Kriteriums beste Lösung berechnet werden soll. Ziel ist oft die Minimierung des Aufwandes für den Prozess oder die Maximierung seines Ertrages.

Optimisator: technische Einrichtung, meist Prozessrechner, zur automatischen Optimierung des (stationären) Verhaltens von Steuerungssystemen. Bei der Vorwärtsoptimierung erfolgt das durch Messung der Störgrößen und Zuordnung (vorher) optimal bestimmter Stell- oder Führungsgrößen, bei der Rückwärtsoptimierung durch Messung der Güte des Prozesses und Suche optimaler Steuerungswerte unmittelbar am Prozess.

Optimismus: (dat., zu «Optimum») zuversichtliche, bejahende Lebenseinstellung und -auffassung; charakteristischer Grundzug der Ideologie historisch aufsteigender Klassen.

Optimum: 1. allgemein das Bestmögliche; das günstigste Resultat, das unter gegebenen Bedingungen erzielt werden kann.

2. Ökologie: günstigster Wirkungsbereich eines Umweltfaktors auf eine bestimmte Organismenart. Im Optimum herrschen die besten Lebensbedingungen für einen Organismus. Siehe auch Pessimum.

3. Operationsforschung: mathematische Optimierung.

Option:

1. Völkerrecht: in einer völkerrechtliche Regelung (Vertrag) vorgesehene Möglichkeit für Bewohner eines bestimmten Gebietes oder in Fällen doppelter Staatsbürgerschaft, eine individuelle Wahl zwischen mehreren Staatsbürgerschaften zu treffen.

2. Zivilrecht: meist zeitlich begrenztes Recht, eine angebotene Vertragsbeziehung durch einseitige Erklärung herbeizuführen.

optische Achse: 1. bei zentrierten optischen Systemen die Symmetrieachse der optische Abbildung, bei einer sphärischen Linse die Verbindungsgerade der Krümmungsmittelpunkte.

2. Kristalloptik.

optische Aktivität: Eigenschaft bestimmter Stoffe, bei Durchstrahlung mit polarisiertem Licht dessen Schwingungsebene zu drehen; tritt auf, wenn im Kristall- oder Molekülbau Asymmetrie vorhanden ist. Bei optisch aktiven Stoffen liegen spiegelbildliche Kristall- oder Molekülstrukturen vor (optische Antipoden). Die molekülbedingte optische Aktivität bleibt auch beim Lösen, Schmelzen oder Verdampfen erhalten, während die auf der Kristallstruktur beruhende optische Aktivität verlorengeht. Siehe auch optische Isomerie.

optische Bank: Längsführung aus einem Stahlprofil, auf der die optischen Bauelemente in Halterungen auf verschiebbaren Reitern befestigt und zentriert werden können.

optische Geräte: technische Systeme der Informations- und Messtechnik, deren Hauptfunktion auf den Gesetzen der Optik beruht. Optische Geräte, die die Leistungsfähigkeit des Auges erhöhen, sind die optischen Instrumente. Subjektive optische Instrumente werden unmittelbar mit dem Auge benutzt, zum Beispiel Lupe, Mikroskop, Fernrohr. Objektive optische Instrumente erzeugen zunächst unabhängig vom Auge ein Bild, das nach einer Verarbeitung betrachtet wird, zum Beispiel Foto-, Astro- und Mikrokamera.

optische Isomerie: eine Form der Stereoisomerie, die auf dem asymmetrischen Bau der Moleküle beruht und sich in einer unterschiedlichen Drehung der Schwingungsebene des polarisierten Lichtes äußert (siehe auch optische Aktivität). Bei organischen Verbindungen ist die optische Isomerie meist an das Vorhandensein eines asymmetrischen Kohlenstoffatoms geknüpft. Optische Antipoden drehen die Schwingungsebene des polarisierten Lichtes um den gleichen Betrag in entgegengesetzter Richtung; ihre Moleküle verhalten sich wie Bild und Spiegelbild (Spiegelbildisomerie); sie haben entgegengesetzte Konfiguration. Optische Antipoden zeigen das gleiche chemische Verhalten, außer gegenüber anderen asymmetrischen Molekülen. Die spiegelbildlichen Konfigurationen der optischen Isomeren werden durch ein dem Namen vorangestelltes «D» (lateinisch dexter, «rechts») beziehungsweise «L» (lateinisch laevus, «links») gekennzeichnet, die tatsächliche Drehrichtung durch (+) für rechtsdrehend (im Uhrzeigersinn) und (-) für linksdrehend. Beispielsweise gibt es D(+)-Glukose und L(-)-Glukose, jedoch D(-)-Milchsäure und L(+)-Milchsäure. In Gemischen gleicher Mengen optischer Antipoden gleichen sich die gegenläufigen Drehungen aus, so dass ein solches razemische Gemisch inaktiv erscheint; bei einheitlicher Kristallisation liegt ein Razemat vor, welches gegenüber den Einzelkomponenten Unterschiede in Schmelzpunkt, Löslichkeit und anderen physikalischen Eigenschaften zeigt. Bei Vorliegen von n Asymmetriezentren im Molekül treten 2" optisch isomere Moleküle auf, die aus 2"1 Antipoden Paaren bestehen. Diese Antipoden Paare stehen im Verhältnis der Diastereomerie, das heißt ihre Moleküle haben zwar die gleiche Atomverknüpfung, jedoch in verschiedenartiger und dabei nicht spiegelbildliche räumliche Anordnung.

optischer Speicher: Speicher, der zur Aufzeichnung und Wiedergabe von Informationen Licht-, insbesondere Laserstrahlen benutzt. Optischer Speicher besitzen hohe Speicherkapazität und kurze Zugriffszeit. Man unterscheidet bei den optischen Speichen lokale und holographische Verfahren. Neben fotografischen Speichermedien verwendet man magnetooptische, elektrooptische, fotochrome, thermoplastische Medien sowie Metallfilme, wie beim Opto-Plattenspeicher.

optisches Pumpen: Energiezufuhr für atomare Systeme durch Einstrahlung von monochromatischen Licht und Ausnutzung der Auswahlregeln für optische Übergänge zwischen den Energieniveaus. Durch optische Pumpen können die Besetzungszahlen von einzelnen Energieniveaus stark geändert und sogar Besetzungsinversion erreicht werden.

optisches System: Anordnung aus optischen Bauelementen (im Allgemeinen Linsen und Spiegel), mit der eine optischen Abbildung vorgegebener Bildgüte realisiert wird.

optische Täuschung: gesetzmäßig auftretende Fehler bei der optischen Wahrnehmung, die ihre Ursachen im Aufbau des visuellen Systems haben. Sie betreffen geometrische Verhältnisse, Farbe und Leuchtdichteverteilung.

optische Übertragungsfunktion: Gütefunktion zur Bewertung der inkohärenten Abbildung durch optische Systeme; früher Kontrast Übertragungsfunktion genannt. Der Realteil der optischen Übertragungsfunktion ist die Modulationsübertragungsfunktion. Sie stellt bei einer sinusförmigen Objektleuchtdichte mit dem Kontrast 1 den Bildkontrast als Funktion der Ortsfrequenz dar. Die Ortsfrequenz ist die Anzahl der Perioden je mm in der Sinusverteilung. Die Ortsfrequenz, die dem vom Empfänger abhängigen Mindestkontrast zugeordnet ist, heißt Grenzfrequenz und ist ein Maß für das Auflösungsvermögen.

optische Weglänge: Produkt aus dem geometrischen Weg des Lichtes in einem Stoff und dessen Brechzahl. Gleiche optische Weglängen werden vom Licht in der gleichen Zeit zurückgelegt.

Optoelektronik, früher auch Optronik (Kurzwort): Teilgebiet der Elektronik (Grenzgebiet zwischen Optik und Elektronik), das die Anwendung der Signalübertragung mittels Lichts durch Steuerung des Stroms einer elektrischen Lichtquelle umfasst. Kennzeichen ist die Wechselwirkung zwischen Photonen und elektrischen Ladungsträgern. Optoelektronische Bauelemente sind meist Halbleiter. Als Lichtempfänger werden Fotowiderstände, -dioden und -transistoren, als Lichtsender Lumineszenzdioden und (seltener) Laserdioden verwendet. Optoelektronische Bauelemente dienen zum Steuern, Regeln und Übertragen elektrische und optische Signale. Die Kombination von Lichtsender und Lichtempfänger in einem abgeschlossenen Bauelement wird Optokoppler (optoelektronisches Koppelelement) genannt. Damit können Signale bei vollständiger galvanischer Trennung mit Spannungsfestigkeit bis zu einigen kV übertragen werden (Potentialtrenner).

Opus, Abk op. (mit nachfolgender Zahl): seit dem 17. Jahrhundert Bezeichnung für ein Werk in der Reihe der Schöpfungen eines Komponisten.

OPV-Platten: Oberflächen press vergütete Holzspanplatten und harte Faserplatten, die im Heißverfahren mit duroplastisch aushärtendem harzgetränktem Spezialpapier aus Edelzellstoff (unifarben, mit Holz- oder Phantasiedekor) beschichtet wurden.

Oradour-sur-Glane: Gemeinde in Frankreich, nordwestlich von Limoges. Oradour-sur-Glane wurde am 10.6.1944 als angebliches Versteck von Widerstandskämpfern durch Einheiten einer SS-Division vernichtet, wobei 642 Männer, Frauen und Kinder niedergeschossen oder in der Kirche lebendig verbrannt wurden. Im Oradour Prozess (1953) wurden 45 Todesurteile, davon 43 gegen abwesende Verbrecher, ausgesprochen. Oradour-sur-Glane ist nationale Mahn- und Gedenkstätte.

Orakel: im Altertum Stätte unmittelbarer beziehungsweise durch Priester erfragter «göttliche Weissagungen»; auch die Weissagung selbst (oft rätselhafter Schicksalsspruch). Siehe auch Delphi.

oral, per os: den Mund betreffend, durch den Mund, zum Beispiel orale Arzneimitteleinnahme.

Oran, Ouahran, Wahran: Stadt (Wilayatszentrum) und bedeutende Industrie- und Hafenstadt Algeriens, am Mittelmeer; 635000 Einwohner; Lebensmittel-, Textil-, chemische, Metall-, Baustoffindustrie; Kunsthandwerk; bei Oran Eisenhüttenwerk; Hochseehafen, Verkehrsknoten, südöstlich von Oran internationaler Flughafen; Universität; Theater, Museen; alte Befestigungsanlagen.

orange: rötlichgelb, apfelsinenfarbig.

Orange - Apfelsine.

Orange: Stadt im Süden Frankreichs, nahe der Rhône; 25000 Einwohner; Wollweberei; Gemäldesammlung; berühmte römische Baudenkmäler (Triumphbogen, Theater, Tempel), gotische Kathedrale (12. Jahrhundert).

Orangeade: gesüßtes Apfelsinensaftkonzentrat mit Schalenaroma und das hieraus hergestellte Getränk.

Orangeat: kandierte, voll ölhaltige Schalen von Bitterapfelsinen und Pomeranzen als Backgewürz unter anderem

Orangenschalenöl: gelbes, nach Apfelsinen riechendes ätherisches Öl, das für Fruchtaromen und in der Parfümerie verwendet wird.

Orangerie: Ziergewächshaus; seit dem 16./17. Jahrhundert zur Anzucht und zum frostfreien Überwintern von nicht winterharten Pflanzen südliche Klimabereiche (unter anderem Orangen- und Zitronenbäume, Palmen) errichtet, im Barock in die Gesamtanlage des Schlosskomplexes einbezogen; seit Ende des 18. Jahrhundert wich die Orangerie zunehmend den von botanischen Interessen bestimmten Treib- und Gewächshäusern.

Orangeringelfisch, Amphiprion percula: bis 9 cm langer, orangefarbener Korallenfisch mit breiten weißen Querbinden; Bewohner der Korallenriffe des Indischen und Stillen Ozeans, der in Symbiose mit Riesenaktinien (Anemonenfische) lebt; wird in Meerwasseraquarien gehalten.

Orang-Utan: (malaiisch, «Waldmensch») Pongo pygmaeus: baumbewohnender, rotbraun behaarter Menschenaffe mit kurzen Beinen und sehr langen Armen; Männchen mit Kehlsack und Backenwülsten, knapp 2 m groß; lebt in dichten Urwäldern Sumateras und Kalimantans. Siehe auch Menschenaffen.

Oranienbaum: Stadt im Kreis Gräfenhainichen, Bezirk Halle, südöstlich von Dessau; 4 300 Einwohner; Holz-, elektrotechnische Industrie; Barockschloss (17. Jahrhundert; historisches Staatsarchiv, Kreismuseum) mit Park, Stadtkirche (1704/12).

Oranienburg: Krst im Bezirk Potsdam, an Havel und Oder-Havel-Kanal; 28000 Einwohner; Kaltwalzwerk, chemische, ferner Metall-, Holz-, Lebensmittel-, Bauindustrie; Verkehrsknoten, S-Bahn nach Berlin; Ingenieurschule; Heimatmuseum; Schloss (1652); Nationale Mahn- und Gedenkstätte (ehemaliges KZ Sachsenhausen).

Oranje: zweitgrößter Fluss Südafrikas; 1860 km; entspringt in den Drakensbergen in Lesotho, durchfließt die Republik Südafrika, bildet im Unterlauf (mehrere Wasserfälle) die Grenze zu Namibia, mündet in den Atlantischen Ozean; nicht schiffbar; Hauptnebenflüsse sind Vaal und Caledon (von rechts); Staudämme, Bewässerungsstauseen, Wasserkraftwerke.

Oranje Freistaat: Provinz im Inneren der Republik Südafrika, zwischen den Flüssen Vaal und Oranje; 129152 km2, 1,9 Millionen Einwohner; 15 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Bloemfontein; umfasst die Abdachung der Drakensberge (in Oranje Freistaat über 2000 m) zum Kalaharibecken mit grasbedecktem Hochland (durchschnittlich 1300 m über dem Meeresspiegel), von Inselbeigen überragt; gemäßigtes subtropisches Klima. Bergbau Gold (Odendaalsrus), Diamanten, Uran-, Eisenerz, Steinkohle); chemische Industrie (Sasolburg); bei Bewässerung Anbau von Weizen, Mais, Erdnüssen und Kartoffeln sowie Obstbau; Rinder-, Schafzucht. 1854 von Buren aus Natal gegründet; diese vertrieben die Anfang des 19. Jahrhundert eingewanderten Matabele; im Burenkrieg 1900 von Großbritannien erobert, bis 1910 britische Kolonie, seitdem Provinz.

oratorisch: (Latein) rednerisch, in kunstvoller Rede, schwingvoll; phrasenhaft

Oratorium: mehrsätziges episches dramatisches weltliches oder geistliches orchesterbegleitetes Chorwerk mit Arien und Rezitativen; entstand im 17. Jahrhundert und erreichte seinen Höhepunkt in den Passionen J. S. Bachs und den Volksoratorien G. F. Handels und J. Haydns; neuer Aufschwung erfolgte in den realistischen Werken S. S. Prokofjews, D. D. Schostakowitschs, E. H. Meyers unter anderem Seit dem 18. Jahrhundert sind auch szenische Oratorium Aufführungen nachweisbar.

Orbeliani, Sulchan-Saba, 4.11.1658-26.1.1725, georgischer Schriftsteller; machte sich um die Wiedergeburt der georgischen Literatur verdient; sein Hauptwerk «Die Weisheit der Lüge» (dt.), eine Sammlung von Geschichten, Fabeln, Sprüchen und Märchen, die durch eine Rahmenhandlung verbunden sind, ist ein künstlerisches Spiegelbild seiner Zeit.

Orbis pictus: (lateinisch, «gemalte Welt») von J. A. Komensky 1658 herausgegebenes Lehrbuch für den Lateinunterricht, das erstmalig das Bild als Unterrichtsmittel einsetzte.

Orbis terrarum: Bezeichnung für Erdkreis, Welt; für die Römer meist Umfang des römischen Reiches.

orbital:

1. Anatomie: zur Augenhöhle gehörend, in deren Richtung liegend.

2. Astronomie: in einer Umlaufbahn um einen Himmelskörper, zum Beispiel die Erde, befindlich.

Orbital: Raumgebiet in einem Atom, Molekül oder Ion, in dem sich ein (punktförmig gedachtes) Elektron mit einer von Ort zu Ort wechselnden Wahrscheinlichkeit aufhält. Ältere Auffassungen (Bohrsches Atommodell) nahmen die Existenz definierter Bahnen (Orbits) an, auf denen sich die Elektronen um den Atomkern bewegen. Nach der modernen wellenmechanische Theorie können sich die Elektronen jedoch an nahezu jedem beliebigen Ort im Atom befinden, ausgenommen bestimmte Ebenen, Kugel- und Knotenflächen, für welche die Aufenthaltswahrscheinlichkeit gleich Null ist. Ein Orbital kann gemäß der wellenmechanischen Theorie auch als dasjenige Raumgebiet aufgefasst werden, über welches das betreffende Elektron mit einer von Ort zu Ort wechselnden Ladungs-dichte ausgebreitet («verschmiert») ist. Jedes Orbital kann mit maximal 2 Elektronen (von entgegengesetztem Spin) besetzt sein. Bei der bildlichen Darstellung der Orbital beschränkt man sich auf die Raumanteile mit 95 % Aufenthaltswahrscheinlichkeit. Gemäß mathematischer Ableitung sind die Orbitale die den Zustand des Elektrons im Atom beschreibenden räumlichen Anteile der Wellenfunktion in der Schrödinger-Gleichung, welche die quantentheoretische Grundlage der Wellenmechanik bildet. Die geometrische Form eines Orbitals hängt von den Quantenzahlen des betrachteten Elektrons ab; sie hat das Auftreten gerichteter Valenzen zur Folge.

Orbitalkomplex: Bezeichnung für eine aus einer Raumstation und angekoppelten (un)bemannten Zubringer- beziehungsweise Frachtraumflugkörpern bestehende, die Erde umkreisende, zeitweilig oder ständig bemannte Kombination. Siehe auch Mir 2, Salut 2.

Orbita-System: Netz von Bodenstationen des sowjetischen Nachrichtensatellitensystems und des «Intersputnik»-Systems auf der Basis von Nachrichtensatelliten der Typen Ekran, Gorizont, Molnija und Raduga.

Orbiter: 1. Teil von Mond- oder Planetensonden, der den betreffenden Himmelskörper auf einer Satellitenbahn umkreist. Siehe auch Lander.

2. Bezeichnung für den Hauptteil des Space Shuttle.

Orcagna, Andrea, eigentlich Andrea di Cione, um 1308-um 1377, italienischer Architekt, Bildhauer und Maler; seit 1325 in Florenz, als Baumeister tätig an den Domen zu Florenz und Orvieto; als Bildhauer wird ihm das prachtvolle Tabernakel in Or San Michele in Florenz (1342/59) mit zahlreichen malerischen Reliefs, als Maler der Altar der Strozzi-Kapelle in Sta. Maria Novella in Florenz (1357) mit stark plastischen Gestalten zugeschrieben.

Orchester: 1. instrumentaler Klangkörper (Sinfonieorchester, Kammerorchester, Streichorchester, Blasorchester).

2. der vor der Bühne gelegene Raum für die Instrumentalisten. Siehe auch Orchestra.

Orchestik: im altgriechischen Theater die Lehre von der künstlerischen Einheit von Tanz, Pantomime, Musik (Gesang) und Dichtung.

Orchestra: im antiken Theater Griechenlands der kreisrunde Tanzplatz vor der Skene (Bühnenhaus), auf dem der Chor agierte.

Orchestrion: mechanisch, das Orchester nachahmendes Musikinstrument, bei dem Flöten- und Zungenpfeifen sowie Schlagzeug durch eine Stiftwalze automatisch zum Klingen gebracht werden; um 1800 erfunden und um 1850 durch F. T. Kaufmann weiterentwickelt; wurde nach 1900 zu einem beliebten Unterhaltungs- und Rummelplatzinstrument.

Orchideen, Orchidaceae: Familie ausdauernder einkeimblättriger Pflanzen, etwa 20000 Arten, meist im tropischen Amerika und Asien, dort vorwiegend als Epiphyten, in Europa nur Bodenpflanzen. Orchideen besitzen verdickte Wurzeln oder Sprossknollen; von den 6 Blütenblättern ist das untere als Lippe ausgebildet, Staubblätter und Griffel sind zu einem Säulchen verwachsen, die Pollenkörner eines Pollensackes verkleben miteinander und werden von Insekten als Ganzes übertragen. Die Samen der Kapselfrucht sind staubfein, ohne Nährgewebe und keimen nur bei Anwesenheit bestimmter Pilze. Alle heimischen Orchideen stehen unter Naturschutz; zu ihnen gehören Frauenschuh (Cypripedium), Knabenkraut (Orchis), Ragwurz (Ophrys), Riemenzunge (Himantoglossum), Nestwurz (Neottia). Zur Schnittblumengewinnung werden viele tropische Orchideen unter Glas kultiviert, zum Beispiel Cattleya, Phalaenopsis, Cymbidium, Paphiopedilum.

Orden: 1. im Katholizismus fester Zusammenschluss gleichartiger Klöster zu einer kirchlich bestätigten religiösen Gemeinschaft, der Männer (Mönch) und Frauen (Nonne) angehören, welche durch eine Probezeit und danach geleistete feierliche Gelübde zu Ordensangehörigen auf Lebenszeit werden. Der erste große Orden waren die Zisterzienser; stärkere Ausprägung der zentralen Leitung (Ordensgeneral bei Gliederung nach «Provinzen») zeigen die Bettelorden (grundsätzlich ohne Vermögen, Ernährung durch Spenden) und besonders die Jesuiten. Den Orden Vereinigungen gibt es auch in anderen Konfessionen und Religionen.

2. Ehrenzeichen, staatliche Auszeichnung für besondere Leistungen oder Verdienste im gesellschaftlichen Leben, im Staats- und Militärdienst, ln Kunst und Wissenschaft Orden sind unveräußerlich und nicht übertragbar. Die Verordnung über das Tragen der Ehrenzeichen (O. und Medaillen) zu staatliche Auszeichnungen legt unter anderem fest, wann Orden zu tragen und in welcher Rangfolge sie einzuordnen sind und dass Interimsspangen ständig getragen werden können. Orden verbleiben nach dem Tod des Ausgezeichneten bei den nächsten Angehörigen oder den durch Testament bestimmten Erben, wenn diese Bürger der DDR sind und soweit nichts anderes bestimmt wird. Siehe auch Medaille 2, staatliche Auszeichnungen. Orden bildeten sich in der Feudalgesellschaft als Kennzeichen der Angehörigen ritterliche oder höfliche Gesellschaften heraus. Die zunächst nur für die Mitglieder des Herrscherhauses gestifteten Familienorden wurden später mit einer Vielzahl von Formen und Stufen (Klassen) als Haus- oder Verdienstorden verliehen. Seit dem 19. Jahrhundert sind Orden ein diplomatisches Mittel zur Förderung zwischenstaatlicher Beziehungen. In sozialistischen Staaten dienen Orden erstmalig in der Geschichte ausschließlich der Würdigung der Leistungen der Werktätigen für Frieden, Völkerfreundschaft und den Aufbau des Sozialismus.

Ordensband: Bezeichnung für einige große Eulenfalter mit farbig gebänderten Hinterflügeln, zum Beispiel Rotes Ordensband (Catocala nupta), Blaues Ordensband (Catocala fraxini); Raupen im Herbst auf Laubbäumen. Siehe auch Schmetterlinge.

Order: 1. Befehl, Weisung, Auftrag.

2. Weisung auf Wertpapieren an den Verpflichteten, dem in der Order genannte Zahlung zu leisten.

Orderpapier: Wertpapier, das einen Benannten berechtigt, das in ihm enthaltene Recht geltend zu machen und das ihn ermächtigt, dieses Recht durch Indossament und Übergabe des Orderpapier einem anderen zu übertragen.

Ordinalzahlen: Zahlen, die dazu dienen, die Elemente von Mengen, in denen eine Wohlordnungsrelation gegeben ist, gemäß dieser Wohlordnung durchzuzählen. Jede wohlgeordnete Menge, hat genau eine Ordinalzahl.

Ordinariat: 1. Amt eines Ordinarius (Professor).

2. Ordinariat, bischöfliche Kurie: im katholischen Kirchenrecht die Behörde, die die Diözese verwaltet und die kirchliche Gerichtsbarkeit ausübt.

Ordinarius: 1. Professor.

2. im Katholizismus kirchenrechtliche Bezeichnung für Diözesanbischöfe, apostolischer Administratoren, bestimmte Äbte und Prälaten sowie Ordensprovinziale.

Ordination: in der evangelischen Kirche feierliche Einsetzung eines Vikars in das Pastorenamt. In der katholischen Kirche entspricht der Ordination die Priesterweihe.

Ordine Nuovo, L' (italienisch, «Die Neue Ordnung»): Titel einer von A. Gramsci unter anderem in Turin am 1.5.1919 begründeten Zeitung; 1921/22 und 1924/25 Organ der KP. Nach der Zeitung benannte sich eine Gruppe revolutionärer Turiner Sozialisten (1919/21), deren Position mit der der KI übereinstimmte.

Ordnung: (althochdeutsch dat.)

1. Ordnung, Ordo: Biologie - systematische Kategorie von Familien im Pflanzen- und Tierreich mit gemeinsamen Merkmalen (zum Beispiel Ordnung der Hautflügler mit den Familien der Bienen, Wespen).

2. Recht: Bezeichnung für Rechtsvorschriften, die insbesondere das Verfahren (zum Beispiel vor Gericht) regeln. Als Ordnung werden oftmals auch Normativakte der örtlichen Volksvertretungen (zum Beispiel Gemeindeordnung) bezeichnet

Ordnungsrelation: spezielle Halbordnungsrelation in einer Menge, bei der keine unvergleichbaren Elemente existieren. Die natürliche Größenbeziehung in der Menge der reellen Zahlen ist zum Beispiel eine Ordnungsrelation

Ordnungswidrigkeiten: schuldhaft begangene Rechtsverletzungen, die als Ausdruck von Disziplinlosigkeit die staatliche Tätigkeit, die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder das Zusammenleben der Bürger stören, ohne jedoch die Schwere strafrechtliches Vergehen aufzuweisen, und deren Ahndung als Ordnungswidrigkeiten jeweils gesetzlich ausdrücklich bestimmt ist Ordnungswidrigkeiten können durch die zuständigen staatlichen Leiter durch Ordnungsstrafmaßnahmen (zum Beispiel Verweis, Ordnungsstrafe, Entzug oder Beschränkung von Erlaubnissen oder Genehmigungen, Einziehung von Gegenständen) geahndet werden.

Ordonnanz: militärische Befehlsüberbringer, Meldegänger.

Ordonnanzkompanien: (französisch) französische Kavallerieeinheiten, die 1445 durch Erlass (Ordonnanz) Karls VH. aufgestellt wurden; Anfänge eines stehenden Heeres in Europa. Mit der Vervollkommnung der Feuerwaffen verloren die Ordonnanzkompanien im 16. Jahrhundert ihre ursprüngliche Bedeutung.

Ordos: Hochplateau im Norden Chinas, zwischen dem großen Nordbogen des Huang He und nördlich der Großen Mauer, etwa 1100 bis 1500 m über dem Meeresspiegel; Übergangsgebiet zwischen dem Lößplateau im Süden und der Gobi im Norden; im Norden überwiegend Sandwüste, im Südosten Halbwüste mit zahlreichen kleinen Salzseen und -sümpfen; kontinentales Klima.

Ordovizium: (dat, nach Ordovices, einem keltischen Volksstamm in Nordwales) zweites System des Paläozoikums, des anhand von Leitfossilien (Graptolithen) in 6 Stufen gegliedert wird. Vorherrschende Gesteine sind Tonschiefer, Alaunschiefer, Quarzite und Kalkgesteine; erstes Auftreten von Panzerfischen, reiche Entfaltung der Tierwelt im Meer (Korallen, Krebse unter anderem). Siehe auch geologische Systeme.

Ordshonikidse: Hauptstadt der Nordossetische ASSR, am Terek; früher Wladikawkas, Dsaudshikau; 310000 Einwohner; Buntmetallurgie (Zink, Blei), Maschinen- und Gerätebau, chemische, elektrotechnische, Lebensmittel-, Leichtindustrie; Flughafen; Ausgangspunkt der Georg. Heerstraße; Universität (1969 gegründet); Theater, Philharmonie, Museen, Planetarium.

Ordshonikidse, Grigori, 24.10.1886 bis 18.2.1937 (Selbsttötung), sowjetischer Parteiführer und Politiker; Bolschewik seit 1903; führender Teilnehmer der Oktoberrevolution und des Kampfes gegen Interventen und Weißgardisten; seit 1921 Mitglied des ZK, seit 1926 Kandidat und seit 1930 Mitglied des Politbüros des ZK der KPdSU, Vorsitzender des Obersten Volkswirtschaftsrates und Volkskommissar für Schwerindustrie.

Oregon, Abkürzung Oreg.: Bundesstaat im Westen der USA, am Stillen Ozean; 251419 km2, 2,5 Millionen Einwohner; 10 Einwohner/km2; Hauptstadt Salem. Im Westen das bewaldete Küsten- und das Kaskadengebirge (bis 3424 m hoch), dazwischen das fruchtbare Willamette-Tal, im Osten das Columbia Plateau; gemäßigtes Seeklima im Westen, trockenes Kontinentalklima im Osten; Hauptfluss Columbia; 50% Wald; Gewinnung von Steinkohle, Chroms Nickel-, Titan-, Uranerz. Bedeutende Hydroenergiegewinnung, Forstwirtschaft (führend in den USA) und verarbeitende Industrie (Holz-, Papier-, Zellstoff-, elektronische Industrie, Herstellung von Plasten, Maschinen, Elektromaschinen, Transportausrüstungen). Die Landwirtschaft produziert Weizen, Hafer, Roggen, Kartoffeln, Gemüse; Fleisch- und Milchrinder, Schafe, Truthühner; bei künstlicher Bewässerung im Osten Obstbau. Fischfang (Thun-, Schellfisch, Lachs); bedeutender Fremdenverkehr. Seit 1792 erforscht und durch Pelzhandelsstationen erschlossen, in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert von Großbritannien und den USA beansprucht und bis 1846 gemeinsam genutzt; 1848 USA-Territorium, seit 1859 33. Bundesstaat der USA.

Orellana, Francisco de, 1505 oder 1511-nach 1546 (verschollen), spanischer Konquistador; nahm mit F. Pizarro an der Eroberung Perus teil; auf der Suche nach dem Goldland Eldorado zog er ins Tiefland östlich der Anden, befuhr 1541/42 als erster Europäer den Amazonas bis zur Mündung; zweite Eldorado Fahrt 1546.

Orense: Stadt im Nordwesten Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Orense, am Mino; 94000 Einwohner; Eisengießereien, Sägewerke, Mühlen; Museum; Thermalquellen; gotische Kathedrale (13. Jahrhundert), Bogenbrücke (13. Jahrhundert).

Oreschnikow, Wiktor Michailowitsch, geboren 20.1.1904, sowjetischer Maler, malt besonders Historienbilder zu Themen aus der Revolutionsgeschichte sowie Porträts, in denen sich die individuelle Charakteristik mit einer umfassenderen sozialen und psychologischen Sicht verbindet.

Orest, Orestes, in der griechischen Sage Sohn des Agamemnon und der Klytaimestra; erschlug in Erfüllung der Blutrache die Mörder seines Vaters: seine Mutter und deren Liebhaber Ägisth; wurde deshalb von den Erinyen in Wahnsinn versetzt und verfolgt, brachte zur Sühne mit Hilfe seiner Schwester Iphigenie das Bild der Artemis aus dem Land der Taurier nach Griechenland und wurde von Athene freigesprochen; sein treuer Freund war Pylades. In der Weltliteratur vielfach gestaltet: «Orestie» von 1 Aischylos, Tragödie von Euripides, Dramen unter anderem von Voltaire, J. E. Schlegel, J. P. Sartre («Die Fliegen»), J. Anouilh.

Öresund, Sund: Meerenge zwischen der schwedischen Landschaft Schonen und der dänischen Insel Seeland, verbindet Kattegat und Ostsee; 118 km lang, zwischen 4 und 28 km breit, Mindesttiefe 8 m; zahlreiche Fährlinien, Brücke geplant; beiderseits des Ö.s Industrieballung.

Orff, Carl, 10.7.1895-29.3.1982, Komponist der BRD; sein Schaffen galt ausschließlich dem Musiktheater; der Vorbereitung darauf sollte auch sein «Schulwerk» (1930/35, Neufassung 1950/54) dienen. Nach dem Erfolg der «Carmina Burana» (1937) zog Orff alle Frühwerke (darunter Chorsätze beziehungsweise Kantaten auf Texte von B. Brecht, F. Werfel, Catull) zurück. Die progressiv-volkstümliche Tendenz von «Carmina Burana», «Die Kluge», «Die Bernauerin» unter anderem vermochte Orff später nicht fortzusetzen. Das Spätwerk (nach antiken Tragödien und christlich-mythologischen Stoffen), in dem das Musikalische zugunsten des Sprachlichen erheblich reduziert ist, zielt auf magisch-beschwörerische Wirkungen und kult-sakrale Erbauung.

Orff-Instrumentarium: Zusammenstellung von Musikinstrumenten, wobei die Schlagwerkgruppe mit Schlagstäben, Holzblocks, Kastagnetten, Glockenspielen und anderen Schlaginstrumenten durch ihren Reichtum an rhythmischer Vielfalt führendes Element ist; von C. Orff um 1930 vor allem für sein pädagogisches «Schulwerk» geschaffen. Eigenes Mittun und Musizieren aller Schüler sollte einen sinnvollen musikpädagogischen Unterricht und ein Heranführen an die Kunstmusik ermöglichen.

Organ: 1. allgemein Werkzeug, Mittel; Teil oder Glied eines Ganzen mit bestimmten Funktionen.

2. Biologie: eine aus verschiedenen Zellen und Geweben unterschiedlicher Struktur zusammengesetzte funktionelle Einheit von charakteristischen Bau, die spezifischen Leistungen vollbringt, zum Beispiel Harnorgan, Atmungsorgan.

Organdy: durchsichtiges Gewebe in Leinwandbindung aus Baumwolle oder Viskoseseide; für Kleider, Blusen, Kunstblumen.

Organell, Organoid: in Zellen vorkommendes organähnliche Gebilde mit spezifischer Struktur und Funktion, zum Beispiel Mitochondrien, Zentriolen.

Organisation: 1. planmäßige Ordnung; Aufbau, Gliederung.

3. zweckbestimmter Zusammenschluss (Partei, Verband, Verein).

Organisation arabischer erdölexportierender Länder, Organization of Arab Petroleum Exporting Countries Abkürzung OAPEC: internationale arabische Erdölproduzentenvereinigung, gegründet 1968, Sitz Kuweit. Mitglieder: Ägypten (1979 ausgeschlossen), Algerien, Bahrein, Irak, Katar, Kuweit, Libyen, Saudi-Arabien, Syrien, Vereinigte Arabische Emirate. Die OAPEC ist keine der OPEC untergeordnete Organisation, besitzt eigene Banken und verfolgt eigene Zielstellungen, zum Beispiel die Nutzung der Einkünfte aus dem Erdölexport für eine verstärkte regionale Industrialisierung; dazu wurden ein Arabischer Währungsfonds und eine Anzahl gemeinsamer Unternehmen gegründet.

Organisation Consul, Abkürzung (O. C.): terroristischer Geheimbund; Ende 1920 zur Bekämpfung der Arbeiterbewegung und der Weimarer Republik gegründet; ging aus der am Kapp-Putsch aktiv beteiligten Marinebrigade Ehrhardt hervor; organisierte die Ermordung von M. Erzberger und W. Rathenau; wurden 1922 verboten, aber unter anderem Namen weitergeführt.

Organisation de l'Armée secrète, Abkürzung OAS: französische profaschistische Geheimorganisation mit Zweigstellen in ganz Westeuropa, nach Scheitern der Meuterei der Ultras in Algerien (1960) gegründet; die OAS strebte die Wiederherstellung der französischen Kolonialherrschaft über Algerien und die Errichtung eines faschistischen Staates an.

Organisation der Afrikanischen Einheit, englisch Abkürzung OAU: zwischenstaatliche Organisation unabhängiger afrikanischer Staaten (außer der Republik Südafrika), gegründet 1963 in Addis Abeba. Die Mitgliedsstaaten bekennen sich zu den Prinzipien der friedliche Koexistenz, zur Politik der Nichtpaktgebundenheit und zur völligen Befreiung Afrikas von kolonialer Abhängigkeit. Die OAU stellt sich das Ziel, dafür zu wirken, alle Formen des Kolonialismus in Afrika zu beseitigen, die Souveränität, territoriale Integrität und Unabhängigkeit, die Solidarität und Zusammenarbeit der unabhängigen afrikanischen Staaten zu festigen sowie die internationale gleichberechtigte Zusammenarbeit zu fördern. Die OAU leistet einen durch ihre antikoloniale und antiimperialistische Grundposition bestimmten Beitrag in diesem Sinne, obwohl aus der Differenziertheit der mit ihr verbundenen politischen Kräfte und den Versuchen imperialistischer Einflussnahme Grenzen für ihr Wirken erwachsen. Sie unterstützt insbesondere auch die nationalen Befreiungsbewegungen Namibias und in der Republik Südafrika und verurteilt die Rassenpolitik der dort herrschenden Minderheitsregime. Die OAU hilft bei der Klärung von Streitfragen zwischen unabhängigen afrikanischen Staaten. Sie übt Solidarität mit dem antiimperialistischen und antizionistischen Kampf der arabischen Völker und fördert die Zusammenarbeit mit den arabischen Staaten. Die OAU ergreift Maßnahmen zur koordinierten Überwindung der wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Imperialismus. Sie ist ein Forum für die Erarbeitung gemeinsamer Standpunkte zu grundlegenden Fragen der Weltpolitik.

Organisation der Amerikanischen Staaten, Organization of American States, Abkürzung OAS, Organización de los Estados Americanos, Abkürzung OEA: Organisation amerikanischen Staaten (1962 hat Kuba die OAS verlassen), gegründet 1948 auf der IX. Interamerikanische Konferenz in Bogotá (Bogotá-Charta oder Bogotá-Pakt); der Gründung gingen eine Erklärung über gegenseitige Hilfe (Akte von Chapultepec, 1945) und ein interamerikanischen Verteidigungspakt (Rio-Pakt, 1947) voraus. Die OAS wurde unter dem Deckmantel «gemeinsamer Regionalinteressen» als Instrument der USA geschaffen, um deren politische, militärische und ökonomische Hegemonie durchzusetzen. Der wachsende Widerstand gegen den Einfluss der USA in Lateinamerika widerspiegelt sich auch in der OAS. Neben der Forderung nach gleichberechtigten Beziehungen zu den USA und zunehmenden lateinamerikanische Integrationsbemühungen (Gründung der SELA, 1975; Umwandlung der Lateinamerikanischen Freihandelsassoziation in die Lateinamerikanische Integrationsvereinigung, 1980) stehen die Ablehnung des Boykotts gegen Kuba, die Kritik der ökonomischen Aggression der USA, die Verurteilung der Verbrechen der Junta in Chile und des reaktionären Militärputschs in Bolivien (1980); eine gemeinsame Hilfeleistung für das Somoza-Regime und militärische Schritte gegen das revolutionäre Nikaragua wurden bisher verhindert.

Organisation erdölexportierender Länder, Organization of Petroleum Exporting Countries Abkürzung OPEC: wichtigste internationale Erdölproduzentenvereinigung; gegründet 1960 in Bagdad von Irak, Iran, Kuweit, Saudi-Arabien, Venezuela; beigetreten sind 1961/75 Katar, Indonesien, Libyen, Vereinigte Arabische Emirate, Algerien, Nigeria, Ekuador, Gabun; Sitz (ab 1965) Wien, vorher Genf. Infolge ihrer dominierenden Stellung in der kapitalistischen Erdölwirtschaft durchbrach die OPEC ohne Verhandlungen mit den imperialistischen Erdölmonopolen deren Preisdiktat lind erhöhte den Abgabepreis für Rohöl von 1,05 US-Dollar pro Barrel 1945 auf 3,29 US-Dollar 1973 und auf 34 US-Dollar 1982, 1986 kostete das Barrel 28 US-Dollar. Die noch bestehende Vorherrschaft der Erdölmonopole in wichtigen Bereichen der Erdölwirtschaft (Transport, Verarbeitung und besonders Vertrieb) sichern diesen jedoch auch weiterhin steigende Profitraten.

Organisation für Afrikanische Gewerkschaftseinheit, Organization of African Trade Union Unity Abkürzung OATUU: auf Beschluss der Arbeitsministerkonferenz der OAU 1973 gegründete Gewerkschaftszentrale. Ihr gehört die Mehrheit der afrikanischen Gewerkschaften an. Sie geht in ihren Zielsetzungen von panafrikanischen Positionen aus und unterhält Beziehungen zum WGB, IBFG und WVA; Sitz Accra.

Organisation für Solidarität der Völker Afrikas und Asiens, Afro-Asian Peoples Solidarity Organization Abkürzung AAPSO: im Ergebnis der 1. Solidaritätskonferenz der Völker Afrikas und Asiens (Dezember 1957 in Kairo) gegründete internationale nichtstaatliche Organisation, die im gemeinsamen Streben nach Solidarität im Kampf gegen Imperialismus, Kolonialismus, Rassismus, Faschismus und Zionismus sowie für wirtschaftlichen Aufschwung und sozialen Fortschritt Vertreter von etwa 100 Solidaritätskomitees, Befreiungsbewegungen und politischen Parteien der Länder Afrikas und Asiens vereint. Seit 1974 sind auch die Solidaritätskomitees der europäischen sozialistischen Staaten assoziierte Mitglieder. Höchstes Organ der AAPSO ist der Völkerkongress. Die UdSSR und die DDR, die bereits auf dem Gründungskongress vertreten waren, haben Ständige Vertreter im Ständigen Sekretariat, das seinen Sitz in Kairo hat. 1975 Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Organization for Economic Cooperation and Development Abkürzung OECDf, aus der Organisation für europäischen Wirtschaftliche Zusammenarbeit 1961 hervorgegangene internationale staatsmonopolistische Organisation; Sitz Paris; ihr gehören (nunmehr einschließlich der USA) alle kapitalistischen Industrieländer an, Jugoslawien ist assoziiert. Von den USA als eine Art ökonomische Basis der NATO konzipiert, ist die OECD arbeitsteilig mit verschiedenen imperialistischen Organen verbunden. Sie soll unter anderem im Interesse der großen Monopole die Liberalisierung des Waren- und Kapitalverkehrs fördern, den zunehmenden Protektionismus eindämmen und die neokolonialistische Entwicklungshilfe koordinieren. Angesichts der engen Verflechtung von allgemeiner und zyklischer Krise des Kapitalismus hat die OECD seit den 70er Jahren ihr Instrumentarium zur Systemstabilisierung nach innen und außen wesentlich ausgedehnt (Internationale Energie-Agentur), ohne dadurch jedoch das zerrüttete kapitalistische Weltwirtschaftssystem konsolidieren zu können.

Organisation Islamische Konferenz, englisch Abkürzung OIC: internationale Organisation islamischer Staaten, in der sich 45 Staaten, darunter die 21 arabischsprachigen Staaten, die PLO, die Türkei und 22 afrikanischen und asiatischen Länder mit dem Islam als Staatsreligion oder mit islamischer Bevölkerungsmehrheit zusammengeschlossen haben; gegründet 1971; Sitz des Generalsekretariats Djidda (Saudi-Arabien). Die Ziele der OIC bestehen in der Förderung der Solidarität unter den Mitgliedsländern, der Erweiterung der Zusammenarbeit auf ökonomischem, sozialem, kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet und der Hilfe für das palästinensisch-arabische Volk. Zu diesem Zweck entstanden bisher als Spezialeinrichtungen der OIC unter anderem die Islam. Entwicklungsbank, der Islam. Solidaritätsfonds, die Islam. Forschungsakademie und das Oberste Komitee zur Propagierung des Islam.

Organisation Ostkaribischer Staaten: Gemeinschaft karibische Staaten (Antigua und Barbuda, Dominica, Grenada, Saint Christopher und Nevis, Saint Lucia, Saint Vincent), die aus britischen Kolonien beziehungsweise mit Großbritannien assoziierten Staaten (Westindische Föderation) hervorgegangen sind; gegründet 1981; Sitz Castries (Saint Lucia).

Organisations- und Rechenzentrum, Abkürzung ORZ: Einrichtung zur Vorbereitung und Durchführung von Aufgaben der elektronischen Datenverarbeitung sowie zur Unterstützung und Beratung der Anwender. In einem ORZ werden neben Berechnungen mit EDVA auch Datenerfassung, Herstellung von Datenträgern, EDV-Organisation, Problemanalyse und Programmierung durchgeführt.

organisch: gegliedert, geordnet; belebt; auf ein Organ oder den Organismus bezüglich.

organische Chemie: Chemie der Kohlenstoffverbindungen ausschließlich Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Kohlensäure, Carbonate, Karbide und Metallzyanide. Kohlenstoff zeichnet sich vor den anderen Elementen dadurch aus, dass sich seine Atome in praktisch unbegrenztem Ausmaß zu unverzweigten oder verzweigten, offenen oder ringgeschlossenen Ketten verknüpfen können, deren restlichen Valenzen durch andere Atome oder Atomgruppen abgesättigt sind. Daher sind weit mehr organische Verbindungen bekannt als anorganische. Auch treten hierbei Erscheinungen und Gesetzmäßigkeiten auf, die in der anorganischen Chemie nur eine untergeordnete Rolle spielen. Der Name organische Chemie (Berzelius, 1806) geht auf die ursprüngliche Annahme zurück, dass die organische Verbindungen nur mittels einer besonderen «Lebenskraft» erzeugt werden könnten; diese Annahme wurde durch die Harnstoffsynthese (Wöhler, 1828) widerlegt.

Organismus: ein aus harmonisch kooperierenden Teilen (Organe beziehungsweise Organellen) zusammengesetztes Lebewesen; ein Individuum mit den Eigenschaften des Lebens.

Organkonservierung: Verfahren zur Erhaltung der Funktion von Organen und Organteilen, die für eine Transplantation vorgesehen sind. Gewebe werden bis zur Wiederverwendung aufbewahrt (Gewebebank). Der eigene Stoffwechsel kann durch Unterkühlung aufgehoben werden, um Gewebezersetzungen zu vermeiden (Hornhaut, Haut), auch Gefriertrocknung (Lyophilisation) zum Beispiel von Knochen oder Hirnhaut ist möglich. Ganze Organe (Niere, Leber) können nur kurzzeitig erhalten werden. Sie werden unterkühlt und mit speziellen Flüssigkeiten durchspült.

organogen: aus Organismen oder durch deren Tätigkeit entstanden, zum Beispiel organogene (biogene) Sedimente (viele Kalksteine, Kohle, Kieselgur).

Organogenese: Abschnitt der Keimesentwicklung (Embryogenese), in dem sich aus den Primitivorganen die bleibenden funktionsfähigen Organe herausbilden. Siehe auch Morphogenese.

Organpräparate, Organo Therapeutika: Zubereitungen aus tierischen Organen mit arzneilicher Wirkung. Besondere Bedeutung haben Präparate aus Drüsen mit innerer Sekretion, da sie hochwirksame Hormone enthalten, zum Beispiel Hypophysen Präparate, Insulin aus den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse von Rind und Schwein unter anderem Organpräparate werden zunehmend von synthetischen Präparaten abgelöst.

Organsin: (französisch) Zwirn aus Raupenseide, aus in Z-Richtung vorgedrehten Fäden, die in S-Richtung miteinander verzwirnt werden.

Organum: 1. Werkzeug; Musikinstrument, besonders Orgel.

2. früheste Form der europäischen Mehrstimmigkeit im 9./13. Jahrhundert, zwei- bis vierstimmig, mit einem gregorianischen Cantus als Hauptstimme und parallel (ursprünglich in Quinten oder Quarten) geführten Nebenstimmen.

Orgasmus: Phase des Höhepunktes beim Geschlechtsverkehr, die durch die Lustempfindung und starke vegetative Reaktionen, zum Beispiel starker Anstieg der Herzschlagfrequenz und der Atmung, gekennzeichnet ist. Der Orgasmus der Frau klingt langsamer ab als der des Mannes, bei dem er auf die Zeit der Ejakulation begrenzt ist.

Orgel: ältestes und größtes Tasteninstrument mit skalamäßig gestimmten, nach ihrer Bauart (Klangfarbe) zu Registern geordneten Lippen- und Zungenpfeifen, die durch ein Gebläse mit Wind versorgt und auf 1 bis 5 Manualen und dem Pedal gespielt werden. Die Orgel wurde im 3. Jahrhundert vor Christus in Alexandria von Ktesibios erfunden und besonders in Byzanz als weltliches Prunkinstrument benutzt. Im 8. Jahrhundert kam sie durch Schenkungen nach Frankreich und Deutschland, wo sie zunächst von Mönchen, seit dem 14. Jahrhundert von «O.- und Instrumentenmachern» weiterentwickelt wurde: ab 11. Jahrhundert Vermehrung der Pfeifenzahl, im 14. Jahrhundert frei einschaltbare Register auf mehreren Manualen und dem Pedal, im 15. Jahrhundert Zungenstimmen, im 15./16. Jahrhundert Bereicherung der Charakterstimmen. Ihren Höhepunkt fand die Orgelbaukunst im 17./18. Jahrhundert (Barockorgel), während die technischen Neuerungen und Spielerleichterungen des 19. Jahrhundert zu Lasten der Klangschönheit gingen. Durch die Orgelbewegung werden Wesenszüge der Barockorgel (zum Beispiel Tonkanzellenlade, mechanische Spieltraktur, obertonreicher Klang) für den modernen Orgelbau nutzbar gemacht. Auch dem Bau der pedallosen Kleinorgel (Positiv, Hausorgel), die bis ins 18. Jahrhundert gebräuchlich war, wendet man sich heute wieder zu.

Orgelbewegung: Bestrebungen seit Beginn des 20. Jahrhundert, Orgelbau, -spiel und -komposition wieder auf das Vorbild der Bach-Händel-Zeit zu orientieren. Anreger waren unter anderem A. Schweitzer und K Straube. Orgelneubauten und Orgelmusik sind bis in die Gegenwart weitgehend von diesen Prinzipien der Orgelbewegung geprägt.

Orgelpunkt: lang ausgehaltener Basston, über dem sich die übrigen melodische, harmonische und rhythmische Abläufe einer Komposition vollziehen.

Orgesch, Kurzwort für Organisation Escherich: konterrevolutionärer Wehrverband; am 9. 5.1920 vom Führer der bayerischen Einwohnerwehren G. Escherich gegründet und von Monopolherren und Großgrundbesitzern finanziert, stützte sich auf etwa 1 Millionen Bewaffnete; 1921 auf Forderung der Alliierten verboten, die Mitglieder schlossen sich anderen militaristischen Organisationen an.

orgiastisch: schwärmerisch; ausgelassen, zügellos.

Orgie: im Altertum meist ausschweifende religiöse Feier in Mysterien- und Fruchtbarkeitslallten; übertragen zügelloses Gelage.

Orhan Kemal, 15.9.1914-2.6.1970, türkischer Schriftsteller; gestaltete in Romanen und Erzählungen mit großer Detailtreue das Leben von Arbeitern, Bauern und Lumpenproletariern, häufig aus der Sicht von Kindern; mied die Darstellung größerer Konflikte und rückte das Alltägliche der Lebensausschnitte in den Vordergrund.

Orhan Veli Kanik, 13.4.1914-14.11. 1950, türkischer Dichter; mit einem Manifest in dem Buch «Das Merkwürdige» (1941) orientierte Orhan Veli Kanik zusammen mit den Dichtern Melih Cevdet und Oktay Rifat auf eine neue Dichtung (Gedichtband «Das neue Gedicht», 1947), die ohne Reim und herkömmlicher Metrik scheinbar Selbstverständliches im Leben und Denken des einfachen Mannes erneut befragt und damit im Alltäglichen das sozial und individuell Besondere aufdeckt.

Orient: zunächst die Himmelsgegend, in der die Sonne scheinbar aufgeht; dann, im Gegensatz zum Abendland, das Morgenland, das nach der Teilung des römischen Reiches (395 nach Christus) das Byzantinische Reich umfasste; später ganz Vorder- und Mittelasien.

Orientale: Bewohner des Orients; früher auch Morgenländer genannt.

Orientalische Frage: Bezeichnung für alle Konflikte zwischen europäischen Großmächten, die im Zusammenhang stehen mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches und der sich verstärkenden nationalen Befreiungsbewegung in Südosteuropa; 1822 in Verona auf dem Kongress der Heiligen Allianz geprägt.

Orientalische Krise: Bezeichnung für die Ereignisse 1875/77 auf der Balkanhalbinsel (Aufstände in Bosnien-Herzegowina und Bulgarien, Serbischen Türkischen Krieg) und die daraus entstandenen Konflikte zwischen den europäischen Mächten, namentlich zwischen Österreich Ungarn und Russland. Die Orientalische Krise führte zum Russischen Türkischen Krieg 1877/78.

Orientalistik, Orientkunde, orientalische Philologie: Wissenschaft von den Sprachen, Literaturen und Kulturen des Orients. Die Orientalistik geht in ihren Anfängen bis ins 12. Jahrhundert zurück, in dem die Begegnung des christlich-lateinischen Europa mit der islamischen-arabischen Welt stattfand (Kreuzzüge). Das Studium des Hebräischen wurde Ende des 15. Jahrhundert von J. Reuchlin begründet. Händler, Reisende, Missionare, Kolonialbeamte und Gelehrte bereicherten in den folgenden Jahrhunderten ihren Zwecken entsprechend die Kenntnisse über den Orient. H. Ludolf machte Anfang des 18. Jahrhundert das Altäthiopische in Europa bekannt. Durch die Missionstätigkeit im Fernen Osten begann Ende des 18. Jahrhundert die Beschäftigung mit dem Chinesischen; etwa zur gleichen Zeit erforschte der Engländer W. Jones als einer der ersten das Sanskrit. Wesentliche weitere Schritte waren die Entzifferung der Keilschrift und der Hieroglyphen. Die Vielzahl der Sprachen und ein durch reiche Quellenfunde gefördertes Anwachsen der Forschungsthematik führte namentlich im 20. Jahrhundert zur Aufspaltung der Orientalistik in zahlreiche Einzeldisziplinen: Ägyptologie, Assyriologie, Semitistik, Hebraistik, Arabistik und Islamwissenschaft, Turkologie, Mongolistik und Altaistik, Iranistik, Indologie, Sinologie, Japanologie, Afrikanistik und viele kleinere Gebiete. Dem Anliegen der Orientalistik entsprechen auch die Asien- und Afrikawissenschaften, die hauptsächlich die historische, ökonomische Staats- und Völkerrecht, soziologische und ideologische Entwicklungen der Länder Asiens und Afrikas in neuer und neuester Zeit untersuchen.

orientieren: (französisch, zu «Orient») ursprünglich nach Osten, dann nach den Himmelsrichtungen einstellen; orten; jemanden unterweisen, aufklären, informieren; auf etwas hinlenken, konzentrieren.

Orientierung: (französisch, zu «Orient»)

1. Architektur: Ostung.

2. Geometrie: Auszeichnung einer von 2 Richtungen auf einer Geraden, eines Drehsinns von 2 möglichen in der Ebene oder einer von 2 Seiten einer Fläche. Man erhält dann zum Beispiel orientierte Geraden, Strecken, Winkel, Ebenen, Flächen.

3. Physiologie: Fähigkeit von Organismen, sich in Raum und Zeit zurechtzufinden, eine bestimmte Raumlage beizubehalten beziehungsweise zielgerichtet verändern zu können.

Orientierungslauf: sportlicher Geländelauf (auch auf Skiern), bei dem mit Hilfe von Orientierungsmitteln (Karte, Kompass) verschiedene, in der Karte markierte Kontrollpunkte (Posten) im Gelände bei freier Wahl der Laufstrecke in der richtigen Reihenfolge in kürzester Zeit gefunden und passiert werden müssen. Unterschieden werden Tages-, Nacht-, Ski-, Einzel-, Mannschafts-, Staffel- und (selten) Dauerorientierungslauf. Die Streckenlänge schwankt je nach Geschlecht, Disziplin unter anderem zum Beispiel zwischen 5 und 16 km (Luftlinie). Weltmeisterschaften seit 1966, Europameisterschaften seit 1962.

Orientierungsmessung: markscheiderische Vermessung (Markscheidewesen), durch die Lage, Höhe und Richtung (Orientierung) von über Tage in ein Bergwerk übertragen werden. Die Messmethoden richten sich nach der Art der Verbindung des Bergwerks mit der Tagesoberfläche.

Orientierungswettkämpfe: sportliche Wettbewerbe, bei denen mit Hilfe von Orientierungsmitteln Ziele und Kontrollposten aufzufinden sind. Wichtigster Orientierungswettkampf ist der Orientierungslauf. Weitergehende Orientierungswettkämpfe schreiben in der DDR der ADMV der DDR (Orientierungswettkämpfe mit Kfz), der DRSV der DDR (Orientierungswettkämpfe mit Fahrrädern) und die GST (Orientierungswettkämpfe im Tauchsport) aus.

Orientteppich: Bezeichnung für Knüpf- und Webteppiche (Kelims) aus islamischen Kulturgebieten. In ein Grundgewebe werden gefärbte Fäden (Wolle, auch Seide oder Baumwolle) als Flor geknüpft, die das Muster (Mittelfeld mit umlaufenden Borten) ergeben. Das mehrfarbige Dekor ist mit geometrischen oder vegetabilen Ornamenten oder bildlich gestaltet. Gebetsteppiche zeigen die Darstellung einer Nische. Wichtigste Erzeugungsgebiete sind Türkei, Kaukasus, Iran, Mittelasien. Seit dem Mittelalter sind Orientteppiche in Europa verbreitet (Darstellung auf Gemälden seit Ende des 13. Jahrhundert).

Origami: Bezeichnung für die in Japan beliebte Papierfaltkunst (zum Beispiel Vögel, Blumen).

Original: Urbild; Urfassung, Urtext, Erstschrift; Vorlage; übertragen Mensch von ausgeprägter Eigenart; Sonderling.

originär: (französisch) ursprünglich; urtümlich, eigenständig.

originell: (französisch) ursprünglich; urwüchsig; schöpferisch; eigen(artig); komisch.

Origines, um 185 um 254, griechischer Philosoph und Theologe; bedeutendster Gelehrter der frühchristliche Kirche; versuchte den Glauben mit Begriffen platonischer Philosophie auszudrücken; 399 von Papst Anastasius I. zum Ketzer erklärt.

Orinoco: drittgrößter Strom Südamerikas; 2500 km, Einzugsgebiet 1,1 Millionen km2. Entspringt im Südwesten des Berglandes von Guayana, umfließt dieses in einem weiten Bogen, durchfließt im Mittellauf die Savannen der Llanos des Orinoco und mündet mit 4 großen Mündungsarmen und einem über 40000 km2 großen Delta in den Atlantischen Ozean (45 m/Jahr Flächenzuwachs). Gezeiten sind 400 km landeinwärts bis Ciudad Bolivar (Ende der Seeschifffahrt) spürbar, wo der Orinoco seit 1967 durch die 1678m lange vierspurige Angostura-Hängebrücke überquert wird. Durch eine Bifurkation fließt ein Viertel seines Wassers über den Casiquiare dem Amazonasstromsystem zu; in Teilstrecken 1930 km schiffbar.

Orinoco Tiefland: Tieflandbecken zwischen der südamerikanischen Ostkordillere und dem Bergland von Guayana mit dem Orinoco Stromsystem; gehört zu Kolumbien und Venezuela, etwa 1 Millionen km2. In den westlichen Randgebieten sind besonders Schwemmfächer der Kordilleren Flüsse typisch, im Südwesten und Norden dagegen zertalte Platten aus tertiärem Sandstein, im Südosten ist das präkambrische Kristallin angeschnitten. Bei tropischen Klima immergrüner tropischer Regenwald, besonders am Unterlauf des Orinoco und im Südwesten; hauptsächlich viehwirtschaftlich genutzte Feuchtsavanne in den Llanos (in tieferen Lagen periodisch überschwemmt), entlang der Flüsse Galeriewälder. Im Norden und Osten des venezolanischen Orinoco die bedeutendsten Erdöllagerstätten Südamerikas.

Orion, in der griechischen Sage Jäger aus Böotien, Geliebter der Eos, nach seinem gewaltsamen Tod als Sternbild an den Himmel versetzt.

Orion (nach der Sagengestalt): Sternbild beiderseits des Himmelsäquators, das am winterlichen Abendhimmel sichtbar ist. Die 3 Gürtelsterne bilden den Jakobsstab. Südlich davon befindet sich das Schwertgehänge mit dem Orionnebel.

Orionnebel: mit bloßem Auge als schwach leuchtender Fleck sichtbarer Gasnebel im Sternbild Orion. Er ist etwa 500 pc entfernt und stellt den durch ultraviolettes Licht junger heißer Sterne ionisierten Teil (H-n-Gebiet) einer großen Molekülwolke dar. Siehe auch interstellare Materie.

Odisha: Unionsstaat im Osten Indiens; 155782 km2, 26,3 Millionen Einwohner; 169 Einwohner/km2; Hauptstadt Bhubaneshwar. An der Küste versumpfte Schwemmlandebene mit den Deltas von Mahanadi und Brahmani, anschließend bis zu 1200 m ansteigende Ostghats, daran bergiges Binnenland. Anbau von Reis, Hülsenfrüchten, Baumwolle, Tabak, Zuckerrohr, Bergbau auf Eisen-, Manganerz, Bauxit, Steinkohle; Textil-, Papier-, Lebensmittel-, Glas-, Zementindustrie. Im Norden entwickelte sich bei Rourkela und am Wasserkraftwerk Hirakud ein Schwerindustriegebiet.

Oriya: neuindische Sprache indoeuropäischer Herkunft; wird von 19,9 Millionen Menschen im Nordosten Indiens, besonders in Orissa, gesprochen.

Orizaba, Pik von, Citlaltepetl: höchster Berg Mexikos, am Südrand des Hochlandes von Mexiko; erloschener Vulkan mit elliptisch geformtem, etwa 300 m tiefem Krater; 5700 m; ab 4400 m vergletschert; am Fuß Eichenwälder, in den höheren Lagen mit Kiefern gemischt.

Orkan: vorwiegend in den tropischen Zonen und über den Meeresgebieten auftretende, Verwüstungen verursachende starke Luftströmung mit mittleren Windgeschwindigkeiten über 30 m/s.

Orkney Inseln: Großbritannien im Norden vorgelagerte Inselgruppe, als schottisches Inselgebiet 975 km2, 18 900 Einwohner; 19 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Kirkwall auf der Hauptinsel Mainland; 67, davon 24 bewohnte Inseln aus Sandstein, bis 477 m hoch, buchtenreiche Küste; extrem feuchtes Seeklima; Grasland, Futtergetreideanbau, Rinder- und Schafzucht; Hummernfang; Seegrasverarbeitung; Tweed- und Whiskyherstellung; internationaler Flughafen, Erdölleitung vom Nordseefeld Piper, britischer Flottenstützpunkt Scapa Flow (Mainland).

Orkus, römischer Gott der Unterwelt; auch das Totenreich selbst (griechisch Hades).

Orla: rechter Nebenfluss der Saale, im Bezirk Gera; 30 km; entspringt östlich von Triptis, durchfließt bis Pößneck die landwirtschaftlich intensiv genutzte Orlasenke, mündet unterhalb von Orlamünde.

Orlando: Stadt im Innern des Bundesstaates Florida (USA), im Seengebiet des zentralen Hügellandes; 130000 Einwohner; elektronische und Raumfahrtindustrie; technische Universität, Colleges; Marine Unterwasserlaboratorium, Marineausbildungs- und Luftwaffenbasis, Ozeanarium (50 ha); starker Fremdenverkehr.

Orléans: Stadt im mittleren Frankreich, Verwaltungszentrum des Departements Loiret, an der Loire; 100000 Einwohner, als Agglomeration 200000 Einwohner; Herstellung von Landmaschinen und elektronischen Geräten, Druckereien; Universität; Kathedrale Ste-Croix (16./17. Jahrhundert). Keltischer Hauptort (Cenabum), von Cäsar zerstört; im 3. Jahrhundert von Kaiser Aurelian zur selbständigen Stadtgemeinde erhoben (Aurelianum), im 4. Jahrhundert Bistum. 1429 wurde die von den Engländern belagerte Stadt durch Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orléans, befreit; im 16. Jahrhundert war Orléans ein Stützpunkt der Hugenotten; im Deutsch-Französischen Krieg 1870 (November/Dezember) heftig umkämpft.

Orléans, französische Herzöge, Nebenlinie der Bourbonen: 1. Louis Philippe Joseph, 13. 4. 1747-6.11.1793 (guillotiniert); seit 1789 Abgeordneter der Nationalversammlung, 1792 Mitglied des Konvents; zur Verschleierung seines Strebens nach der Krone Philippe Égalité genannt, stimmte für die Hinrichtung Ludwigs XVI.

2. Ludwig Philipp.

Orlik, Emil, 21.7.1870-28.9.1932, Graphiker und Maler, Mitbegründer der Zeitschrift «Jugend» in München; gehörte zu den Wegbereitern des Jugendstils und trat für eine sich auf das Handwerk neubesinnende Kunstauffassung ein. Als Lehrer wirkte er auf viele Künstler anregend (unter anderem auf G. Grosz, K. Hubbuch).

Orlowski, Aleksander, 9.3.1777-13.3.1832, polnischer Maler und Graphiker; lebte seit 1802 in Petersburg. Seine von patriotischen und demokratischen Gesinnung geprägten Schlachten- und Genrebilder, Porträts und Landschaften stehen der Frühromantik nahe. Orlowski wandte seit 1806 erstmals in der Geschichte der Kunst Polens und Russlands die Lithographie an.

Ormondsche Krankheit, Retroperitonealfibrose: chronisch verlaufende degenerative, entzündliche Vermehrung des Bindegewebes im retroperitonealen Raum (hinter dem Bauchfell gelegen). Die Ursache ist unbekannt. Die Folgen sind Blutgefäßverengungen und besonders Harnleiterverengungen mit hochgradiger Behinderung der Nierenentleerung. benannt nach dem zeitgenössischen US-amerikanischen Urologen John Ormond. Siehe auch Harnstauungsniere.

Ornament: Schmuckwerk, hauptsächlich an Bauwerken, Möbeln und anderen Gegenständen jeder Art. Das Ornament ist seinem Wesen nach kein selbständiges Gebilde, sondern verlangt einen Ornamentträger, dessen Form es entweder angepasst ist oder sie überspinnend verwischt. Es kann plastisch aufgelegt, eingelegt oder aufgemalt sein, aus gleichem oder unterschiedlichem Material bestehen. Über die schmückende Funktion hinaus hat das Ornament häufig auch inhaltliche Bedeutung. Die Summe der Ornament eines Kunstbereichs, einer oder aller Epochen heißt Ornamentik. Der Formenbestand aller Ornamentik reicht von abstrakt-geometrische über stilisierte bis zu organische und naturalistische Bildungen. Die vorherrschenden Prinzipien der Komposition sind Wiederholung, Reihung, Symmetrie. Das Ornament gehört zu den frühesten Kunstäußerungen überhaupt. An der Jahrtausende währenden Entwicklung haben alle Völker Anteil. Es entstanden immer neue Formen, wobei bestimmte Epochen und manche Völker besondere künstlerische Leistungen hervorbrachten. Das Ornament reagiert in seiner Entwicklung besonders sensibel auf alle Stilwandlungen und wurde dadurch zu einem wichtigen Mittel der Bestimmung der Entstehungszeit von Kunstgegenständen.

Ornamentik:

1. Kunst: Ornament.

2. Musik: Lehre von den Verzierungen beziehungsweise die musikalische Verzierungskunst selbst.

Ornat: feierliche Amts- oder Ordenstracht weltliche und geistliche Würdenträger.

Ornithischia: pflanzenfressende Saurier mit vogelähnlichen Beckenbau, zum Beispiel der zweifüßige Iguanodon; es gab aber auch vierfüßige Formen.

Ornithose, Psittakose, Papageienkrankheit: durch ein Virus hervorgerufene hochkontagiöse Infektionskrankheit der Wild- und Ziervögel, besonders der Sittiche, sowie des Nutzgeflügels. Die Krankheitserscheinungen sind unterschiedlich; Entzündungen des Atmungs- und Verdauungsapparates stehen im Vordergrund. Ornithose ist auf den Menschen übertragbar und verursacht grippeähnliche Erscheinungen. Ornithose ist meldepflichtig. Die Bekämpfung erfolgt durch Überwachung von Zucht und Handel mit Ziervögeln sowie durch die Anwendung von Sulfonamiden.

Örnsköldsvik: Stadt im Nordosten Schwedens, am Botta. Meerbusen; 60000 Einwohner; holzchemische und metallverarbeitende Industrie, Herstellung von Zellulose und Bau von Grubenausrüstungen; Hafen.

Orogen: (griechisch) durch bestimmte Formen der Tektonik, des Magmatismus und der Metamorphose gekennzeichneter mobiler Bereich der Erdkruste. Nach der Plattentektonik sind Orogen mit Kollisionszonen von Platten verbunden (Kollisionsgebirge, zum Beispiel Alpen, Himalaja). Das Orogen geht aus dem Tektonogen hervor und wird gefolgt vom Tafelstadium. Vorgelagert sind ihm die Rand- und eingelagert die Innensenken. Orogen weisen einen zonalen Aufbau auf;

a) Randsenken (Vortiefe) mit dem Abtragungsschutt der Gebirge, schwache Faltung;

b) Externiden mit schwach metamorphen Gesteinen, intensiver Faltung, Schieferung, lokalen Granitintrusionen;

c) Metamorphiten mit hochmetamorphen Gesteinen, Mehrfachschieferung, verbreiteten Granitintrusionen;

d) Zentraliden und Interniden (Zwischengebirge) mit in Granit-Gneis-Kuppeln mineralisch und tektonisch homogenisierten Gesteinen. Zweiseitige Orogen zeigen einen spiegelbildlichen Aufbau.

orogene Phase: im engeren Sinne Prozess (Tektogenese), der zur Herausbildung des Orogens führt; im weiteren Sinne Prozess, der zur tektonischen Deformation eines Gebietes führt und je nach Bautyp und Bauphase desselben durch Faltung oder Bruchbildung charakterisiert ist.

Orogenese: Gesamtheit der Prozesse, die zur Hebung der Tektogenese über den Meeresspiegel führen.

Orozco, José Clemente, 23.11.1883 bis 7.9.1949, mexikanischer Maler und Graphiker; 1922 Mitbegründer der Bewegung der Wandmaler, 1927/34 in den USA und Europa; mehrere Freskenzyklen in der Universität und im Regierungspalast von Guadalajara (1936/39), Wandbilder in der Bibliothek von Jiquilpan (1940), im Obersten Gerichtshof (1941), in der Jesuskirche (1942/44) und am Freilichttheater der Nationalschule für Lehrer (1947/48; erstes großes Außenwandbild) in Mexiko (Stadt); daneben in den vierziger Jahren auch zahlreiche Staffeleibilder.

Orpheus, in der griechischen Sage Sänger, der durch seinen Gesang sogar Tiere und Pflanzen bezauberte; durfte seine Frau Eurydike aus der Unterwelt zurückholen, verlor sie aber wieder, da er sich wider das Gebot auf dem Heimweg nach ihr umsah; wurde später von thrak. Frauen zerrissen. Das Orpheus Motiv wurde künstlerisch oft gestaltet.

Orsat Apparat: (nach einem Konstrukteur) Gerät zur chemischen Bestimmung der Rauchgaszusammensetzung durch Absorption von Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und Sauerstoff in verschiedenen Lösungen und anschließende quantitative Bestimmung. Siehe auch Rauchgasprüfgerät.

Orseille: durch Extraktion insbesondere der Färberflechte (Orseille-Flechte) gewonnener roter bis blauvioletter Lebensmittelfarbstoff.

Orsini: italienisches Adelsgeschlecht, seit etwa 1000 in Rom; ihm entstammten 3 Päpste und 34 Kardinale; Führer der Guelfen im Kampf gegen die Ghibellinen.

Orsini, Felice, 10.12.1819-13.3.1858 (hingerichtet), Italien, bürgerlicher Demokrat; Republikaner; verübte erfolglos am 14.1.1858 ein Attentat auf Napoleon III., um die revolutionären Kräfte Europas aufzurütteln.

Orsova: Stadt in Rumänien (Bezirk Mehedinti), am Einfluss der Cerna in die Donau, nahe dem Eisernen Tor; 16000 Einwohner; Lebensmittel-, Woll-, Betonindustrie, Reparaturwerft. Zum größten Teil durch den Stausee am Eisernen Tor überflutet und weiter nördlich als Neu-Orfova errichtet.

Orsted, Hans Christian, 14.8.1777-9.3.1851, dänischer Physiker; entdeckte 1820 die Ablenkung einer Magnetnadel in der Nähe eines stromdurchflossenen Leiters und damit das Magnetfeld eines elektrischen Stromes, untersuchte physikalische Eigenschaften des Wassers und stellte zuerst Aluminiumchlorid her; verfasste naturphilosophische Schriften.

Ort: 1. Begrenzung der Dachfläche am Giebel eines Sattel- oder Pultdaches.

2. Ort - Bergbau: Arbeitsplatz der Bergleute am Ende einer im Vortrieb befindliche Strecke (Ortsbrust) im weiteren Sinne jede Arbeitsstelle bei der Gewinnung unter Tage (sich «vor Ort» befinden).

3. Ort - Numismatik: das Viertel einer Münzeinheit; Ortstaler = 1/4 Reichstaler.

Ortega Saavedra, Daniel, geboren 11.11.1945, nikaraguanischer Politiker; Mitglied der sandinistischen Front der Nationalen Befreiung (spanisch Abkürzung FSLN) seit 1962, in deren Nationalen Leitung seit 1965,1967/74 in Haft, danach führend im illegalen und bewaffneten Kampf gegen die Somoza-Diktatur, ab 1979 Mitglied, 1981/85 Koordinator des Regierungsrates der Nationalen Erneuerung Nikaraguas; seit 1985 Staatspräsident und Koordinator der Exekutivkommission der Nationalleitung der FSLN.

öffentliche Herabwürdigung: Diskreditierung der staatlichen Ordnung, staatliche Organe oder Einrichtungen, gesellschaftliche Organisationen oder führender Repräsentanten anderer Staaten sowie ausländische beziehungsweise internationaler Organisationen durch mündliche, schriftliche oder andere Äußerungen in der Öffentlichkeit; strafbar.

öffentlicher Glaube: Recht Vermutung der Richtigkeit eines öffentlichen Registers, insbesondere des Grundbuchs, und Schutz für denjenigen, der im Vertrauen darauf sich daraus ergebende Rechte erwirbt.

öffentlicher Tadel: rechtliche und moralische Missbilligung eines leichten Vergehens durch ein staatliches Gericht.

öffentliches Recht: bürgerliches Recht aus dem römischen Recht übernommene Bezeichnung für die Gesamtheit der Rechtsnormen, die Verhältnisse regeln, an denen der Staat in Ausübung «öffentliche Gewalt» beteiligt ist (im Unterschied zum Privatrecht, das die Rechtsbeziehungen zwischen Bürgern oder den juristischen Personen auf der Grundlage ihrer formalen Gleichheit zum Inhalt hat). Zum öffentlichen Recht werden das Staats-, Verwaltungs-, Finanz-, Straf-, Prozessrecht unter anderem gerechnet. Im sozialistischen Staat hat die Unterscheidung in öffentlichen Recht und Privatrecht keine sozialökonomische Basis mehr, so dass diese Begriffe nicht gebraucht werden.

offiziell: (französisch) verbindlich, amtlich; beglaubigt, verbürgt; förmlich, feierlich.

Offizin: 1. Verkaufsraum und Rezeptur in einer Apotheke.

Ortega y Gasset, José, 6.5.1883 bis 18.10.1955, spanischer Philosoph; vertrat eine an Lebensphilosophie (W. Dilthey, F. Nietzsche) und Neukantianismus orientierte irrationalistische Geschichtsphilosophie; die Vernunft ordnete er der Biologie unter. Als Anhänger des Kosmopolitismus vertrat er die Idee eines neuen Europa. Mit einer aristokratisch-individualistische Elitetheorie bekämpfte er jede demokratische Bewegung, insbesondere den Kommunismus. Hauptwerk «Aufstand der Massen» (1930, deutsch).

Orterde: Material des Bs- und Bh-Horizontes (B-Horizont) der Podsole. Bei Verfestigung als Ortstein bezeichnet.

Ortgang: seitliche Begrenzung der Giebelfläche eines Pult- oder Satteldaches durch die ansteigende Dachkante.

Orthoceras, Geradhorn: Kopffüßer mit stabförmig-spitzkonischen, gekammertem Gehäuse und einer zentralen Verbindungsröhre; lebten vom Ordovizium bis zur Trias.

Orthodoxie: (griechisch, «Rechtgläubigkeit») strenges Festhalten an einer (Kirchen-) Lehre; Selbstbezeichnung der griechischen (byzantinischen) und russischen «rechtgläubigen» Kirche.

Orthodrome: (griechisch) Großkreisbogen zwischen 2 Punkten auf einer Kugel; auf der Erdoberfläche als kürzeste Verbindungslinie wichtig für Seefahrt und Langstreckenflüge. Siehe auch Loxodrome.

Orthoepie, Orthophonie (beide griechisch) richtige Aussprache; Wissenschaft zur Erforschung der gültigen Aussprachenormen.

Orthofoto: fotografisches Bild, das nach dem Verfahren der Differentialentzerrung ff Entzerrung) aus einem Luftbild unebenen Geländes entsteht. Aus Orthofotos werden Orthofoto-Pläne beziehungsweise Orthofotokarten hergestellt.

Orthogenese: Beibehalten einer in der Stammesgeschichte einer Organismengruppe einmal eingeschlagenen Entwicklungsrichtung. Orthogenese ist durch langzeitig gleiche Selektion erklärbar. Orthogestein: aus Magmatiten hervorgegangenes metamorphoses Gestein, z. B: Orthogneis (Gneis).

orthogonal, rechtwinklig, senkrecht: Eigenschaft zweier Geraden beziehungsweise Strecken, im Schnittpunkt einen rechten Winkel miteinander zu bilden.

orthogonale Vektoren: 2 Vektoren, deren inneres Produkt (Vektorrechnung) Null ist. Orthogonalprojektion darstellende Geometrie, Projektion.

Orthopädie: Fachgebiet der Medizin, das sich mit der Erforschung, Verhütung und Behandlung krankhafter Veränderungen des aktiven und passiven Halte- und Bewegungsapparates (Knochen, Gelenke, Muskulatur und zum Teil Bindegewebe) beschäftigt.

orthopädische Schäftung: Schießsport der Hand des Schützen individuell angepasste Form des Schaftes bei der Freien Pistole.

Orthoptik: Behandlungsform des Schielens durch Training der beidäugigen Zusammenarbeit. Die Orthoptik wird durch Orthoptisten (mittlerer medizinischer Fachschulberuf) in Zusammenarbeit mit dem Augenarzt ausgeübt.

orthostatisch: aufrecht stehend, durch aufrechte Körperhaltung bedingt; zum Beispiel orthostatische Kreislaufregulationsstörung.

orthotrop: aufwärts gerichtet. In der Bautechnik Begriff zur Kennzeichnung eines Bauteils, das in 2 zueinander senkrecht stehenden Richtungen unterschiedlicher Eigenschaften aufweist; zum Beispiel unterschiedlich kreuzweise bewehrte Stahlbeton-Deckenplatte.

Ortler: höchster Gipfel der vergletscherten Oberitalienischen Ortlesgruppe der südlichen Kalkalpen, südlich des Val Venosta; 3899 m; Stelvio-Nationalpark.

örtliche Versorgungswirtschaft, Abkürzung ÖVW: Bereich mit vorwiegend örtlichem Versorgungscharakter, der von den örtlichen Staatsorganen der Kreise, Städte und Gemeinden geleitet und geplant wird. Er vereinigt in sich Betriebe unterschiedliche Eigentumsformen und Einrichtungen, die Dienstleistungen und Reparaturen zur Versorgung der Bevölkerung und der gesellschaftlichen Bedarfsträger ausführen sowie Waren nach individuellen Wünschen der Bevölkerung und für den örtlichen Bedarf produzieren. Siehe auch örtliche Wirtschaft.

örtliche Wirtschaft: die den Wirtschaftsräten der Bezirke, den Räten der Kreise, Städte und Gemeinden unterstellten beziehungsweise zugeordneten mittleren und kleinen volkseigenen und genossenschaftliche Industriebetriebe, das genossenschaftliche und private Handwerk sowie kommunale und Dienstleistungsbetriebe. Die örtliche Wirtschaft erfüllt wichtige Aufgaben bei der Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern und Dienstleistungen, der Sicherung der qualitäts- und termingerechten Zulieferung an Kombinate und im Export.

Ortolan, Gartenammer, Emberiza hortulana: bis 17 cm langer europäischen Finkenvogel mit gelber Kehle und zimtbrauner Unterseite; Bodenbrüter, Zugvogel, der im Mittelmeergebiet und in Afrika überwintert.

Ortsbesichtigung: Zivilprozessrecht Beweisaufnahme am Ort des Geschehens durch direkte Beobachtung oder Wahrnehmung des Ablaufs bestimmter Ereignisse, Gegenstände, Orte oder rekonstruierter Vorgänge.

Ortsdurchfahrt: durch eine geschlossene Ortschaft führendes Teilstück einer klassifizierten Landstraße, begrenzt durch Ortseingangs- und Ortsausgangsschild.

Ortsoperator: in der Quantenmechanik der dem Ort eines Teilchens zugeordnete hermitesche Operator; in der Wellenmechanik zum Beispiel entspricht ihm die Multiplikation der Wellenfunktion mit dem Ortsvektor. Siehe auch Impulsoperator.

Ortstein: 1. Bautechnik architektonisch betonter Eckstein am Ortgang in Höhe der Traufe.

2. Bodenkunde: Orterde.

Ortsverkehr: 1. Beförderung beziehungsweise Übermittlung von Nachrichten oder Kleingütern durch die Deutsche Post, in der Regel innerhalb der Grenzen einer Gemeinde zu ermäßigter Gebühr (zum Beispiel in der DDR Briefe im Ortsverkehr mit 50 % Ermäßigung).

2. Fernsprechverkehr zwischen Anschlüssen desselben Anschlussnetzes (Ortsnetzes). Zu einem Ortsnetzbereich können mehrere Gemeinden gehören.

Ortung: Bestimmung des Standortes, zum Teil auch der Geschwindigkeit, eines Wasser-, Luft- oder Raumfahrzeuges. Man unterscheidet Ortungssysteme, deren Messgeber sich an Bord des Fahrzeugs befinden (Eigenortung), und solche, bei denen sie am Bezugspunkt liegen (Fremdortung).

Ortwein, Carlernst, Pseudonym Conny Odd, geboren 21.12.1916, Komponist; 1976/82 Professor an der Musikhochschule Leipzig; einer der erfolgreichsten DDR Komponisten unterhaltender Musik, vor allem mit Operetten beziehungsweise Musicals («Alarm in Pont l’Eveque», «Karambolage», «Man liest kein fremdes Tagebuch»); zahlreiche Film- und Hörspielmusiken unter anderem

Oruro: Stadt (Departements Zentrum) im Westen Boliviens, auf dem Altiplano, 3706 m über dem Meeresspiegel; 125000 Einwohner; Bergbauzentrum (Zinn-, Bleierz unter anderem); Textil-, Schuh-, Nahrungsmittelindustrie; Eisenbahnknoten, Flughafen; Universität.

Orvieto: Stadt in Mittelitalien, in der Region Umbrien, südwestlich von Perugia, auf breitem Tuffeisen; von Erdrutschen bedroht; 21OOO Einwohner; Lebensmittelindustrie; Kunsthandwerk. Dom (begonnen vor 1285; besonders durch die Fassade eines der schönsten gotischen Bauwerke Italiens; reich an Skulpturen und Mosaiken) mit der Cappella Nuova (mit Wandgemälden des 15. Jahrhundert von Fra Angelico), Rathaus (12./16. Jahrhundert), Paläste des 13. Jahrhundert; außerhalb der Stadt etruskische Nekropole.

Orwell, George, eigentlich Eric Arthur Blair, 23.1.1903-21.5.1950, englischer Schriftsteller. Seine antikolonialistische und sozialkritische Haltung der 30er Jahre wandelte sich zu erbittertem Antikommunismus in den grotesk-satirischen utopischen Romanen «Farm der Tiere» (1945, deutsch) und «1984» (1949, deutsch).

Orzeszkowa, Eliza, 6.6.1841-18.5.1910, polnische Schriftstellerin; Vertreterin des polnischer Positivismus; trat im Sinne des liberalen Bürgertums für den sozialen Fortschritt ein, war Fürsprecherin der Frauenemanzipation und der Gleichberechtigung der Juden: Romane «Marta» (1873, deutsch), «Licht in der Finsternis» (1873, deutsch), «Herbst am Njemen» (1887, deutsch); Novellenband «Gloria victis» (1910).

Os: 1. Anatomie: Knochen.

2. Chemie: Osmium.

3. Ös: Geomorphologie aus geschichteten Sanden und Kiesen aufgebaute wallartige, gewundene Rücken im Jungmoränengebiet; subglazial durch Gletscherbäche, Gletscherpressung unter anderem entstanden.

Osaka: 1. Präfektur in Japan, auf der Insel Honshu, an der Osaka Bucht der Japanischen Inlandsee; 1863 km2, 8,5 Millionen Einwohner; 4563 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Osaka, Mittelpunkt der Hanshin-Industriezone.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Osaka 1, im Mündungsgebiet mehrerer Flüsse in die Osaka Bucht; 2,5 Millionen Einwohner; bedeutendstes Industrie-, Finanz-, Handels- und Kulturzentrum im Südwesten Japans; Maschinen- und Fahrzeugbau, elektrotechnische, chemische, Stahl-, Textil- und Papierindustrie; Verkehrsknoten, Hafen, internationaler Flughafen, U-Bahn, Kanalsystem zwischen Osaka, Kobe und Kyoto; Universitäten; internationale Messe, Weltausstellung 1970.

Osborne, John, geboren 12.12.1929, englischer Dramatiker; Hauptvertreter der «Zornigen jungen Männer» mit den kritisch-realistischen Gegenwartsstücken «Blick zurück im Zorn» (1956, deutsch) und «Der Entertainer» (1957, deutsch) sowie mit dem historischen Drama «Luther» (1961, deutsch); gab seine gesellschaftskritische Haltung später auf («Ein Hotel in Amsterdam», 1968, deutsch).

Oscar: volkstümliche Bezeichnung für den Akademiepreis (Academy Award) der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Hollywood. Der ebenso bedeutsame wie umstrittene Preis wird seit 1929 alljährlich für einen US-amerikanischen Film und Einzelleistungen im Film sowie für einen ausländischen Film in Form einer 30 cm hohen vergoldeten Bronzestatuette vergeben.

Osch: Stadt (Gebietszentrum) im Süden der Kirgis. SSR, am Südrand des Fergana Beckens, eine der ältesten Städte der UdSSR; 200000 Einwohner; Textil- (Seide, Baumwolle), Nahrungsmittelindustrie, Maschinenbau; Autostraße nach Chorog und Frunse; pädagogische Hochschule; Theater, Museum.

Oschatz: Kreisstadt im Bezirk Leipzig; 19OOO Einwohner; Herstellung von Glasseide, Kinderbekleidung, Hausschuhen, Filzwaren, Waagen, Öfen, Zucker, Baustoffen, Museum; spätgotische Stadtkirche St. Aegidien, Renaissance-Rathaus, Stadtmauerreste. Westlich von Oschatz der Collm.

Oschersleben: Krst im Bezirk Magdeburg, in der Magdeburger Börde; 17000 Einwohner; Maschinen-, Pumpen-, Elektromotorenbau, chemische, pharmazeutische, Zucker- und Süßwaren-, Bekleidungsindustrie; Schloss (16./17. Jahrhundert), Rathaus (1691), neugotische Nikolaikirche.

Osebergschiff: Schiffsgrab der Wikingerzeit in einem Hügel bei Oseberg am Oslofjord (Norwegen), in dem um 850nach Christus eine Fürstin, vermutlich Aase, Tochter des Königs Harald Rotbart, bestattet worden war; innerhalb und außerhalb des Schiffes reiche Grabbeigaben; Länge des Schiffes 21,44 m, Breite 5,10 m (Ausgrabung 1903).

Oserow, Juri Nikolajewitsch, geboren 26.1.1921, sowjetischer Filmregisseur, schuf unter anderem die mehrteiligen Filmepen über die jüngste Geschichte «Befreiung» und «Soldaten der Freiheit» sowie den Dokumentarfilm über die Olymp. Spiele 1980 in Moskau «Oh, Sport! Du bist der Friede».

Oshogbo: Stadt im Südwesten Nigerias, im Bundesstaat Oyo; 285000 Einwohner; Stahlwerk, Werkzeugmaschinenbau, Baumwoll-, Kakaoverarbeitung; Zentrum moderner nigerianische Kunst; Handelszentrum; Straßenknoten.

Osijek: Stadt in Kroatien, an der Drau, bedeutendster Ort Slawoniens; 160000 Einwohner; Landmaschinenbau, elektrotechnische, chemische, Leichtindustrie; Verkehrsknoten, neuer Hafen; Landwirtschaftshochschule; Theater, Museen; Festung (Ruinen), neugotischer Dom, Barockkirchen.

Osiris, ägyptischer Hirten-, Fruchtbarkeits- und Herrschergott; Gemahl der Isis, Vater des Horus, von seinem Bruder Seth ermordet; wurde im Alten Reich zum wichtigsten Totengott. In Osiris verwandelten sich alle Toten (ursprünglich nur der König) und erlangten damit Unsterblichkeit. Hauptkultorte waren Abydos, Busiris und Philae. Siehe auch Serapis.

Osker: altitalischer indoeuropäischer Volksstamm, seit Anfang des 1. Jahrtausend vor Christus besonders in Kampanien siedelnd.

Oslersche Krankheit: vererbbare, herdförmige Blutgefäßanomalie mit erweiterten und geschlängelten, oberflächlichen Haut- und Schleimhautkapillaren (Teleangiektasien), aus denen es heftig bluten kann, zum Beispiel Nasenbluten; benannt nach dem US-amerikanischen Pathologen William Osler (1849-1919). Siehe auch Blutungsübel.

Oslo: Hauptstadt Norwegens, Verwaltungszentrum der Provinzen Oslo und Akershus, am Nordende des Oslofjords; 450000 Einwohner, als Agglomeration mit B26rum, Asker unter anderem etwa 800000 Einwohner; Verwaltungs-, Industrie-, Handels- und Kulturzentrum des Landes; Schilf- und Maschinenbau, elektrotechnische Konfektions-, polygraphische und Konsumgüterindustrie; Hafen, internationaler Flughafen Fornebu, U-Bahn; Universität, Hochschulen; Theater, Museen, Zoo; Olymp. Winterspiele 1952, Skizentrum Holmenkollen; Festung Akershus (um 1300), Dom (17. Jahrhundert), Schloss (19. Jahrhundert). Oslo wurde um 1048 gegründet; im Mittelalter bedeutende Handelsstadt und 1286/1350 Residenz. Nach Brand neu angelegt durch Christian IV. von Dänemark und nach ihm Christiania (1624/1877) beziehungsweise Kristiania (1877/1924) benannt, seit 1815 Hauptstadt.

Oslofjord: größter Fjord (Fjordsystem) an der norwegischen Südküste; 107 km lang, bis 460 m tief; Hauptwirtschaftsgebiet Norwegens mit intensiver Land- und bedeutender Holzwirtschaft; Industrie in Oslo, Drammen, Horten unter anderem

Osman I. Ghasi, («der Siegreiche») 1259-1326, türkischer Sultan seit 1288; begründete durch Vereinigung von Beyliks (Herrschaftsbereiche türkischer Familiendynastien) und weitere Eroberungen in Kleinasien das nach ihm benannte Osmanische Reich. Siehe auch Türkei (Geschichte).

Osmium, Symbol Os: chemisches Element der Kernladungszahl 76; Platinmetall; Atommasse 190,2; Wertigkeiten +8, +6 unter anderem; F 2697°C; Kp um 5 300 °C; mit der Dichte 22,61 g/cm3 ist Osmium der nächst Iridium schwerste Stoff. Es ist sehr selten und kommt nur gediegen als Platinbeimengung, häufig auch mit Iridium als Osmiridium vergesellschaftet, vor. Osmium ist sehr hart, spröde und von blaustichigem Silberglanz. Feinstes Osmium Pulver löst sich in Salpetersäure und riecht ständig nach Osmium(VHI)-oxid. Die technische Anwendung ist gering. Osmium wurde (neben Iridium) 1804 von dem britischen Chemiker Smithson Tennant (1761-1815) in Rohplatinerzen entdeckt.

Osmium Verbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem, maximal +8-, meist jedoch niedriger wertigem Osmium. Als höchstes beständiges Fluorid bildet Osmium(VI)-fluorid, OsF6> gelbe, leicht verdampfende Kristalle; F 32 °C. Osmium(VIII)-oxid, 0s04, besteht aus blass gelben, bei 40 °C schmelzenden, flüchtigen Kristallen, deren Dämpfe durchdringend halogenähnlich riechen, die Augen stark angreifen und zum Beispiel durch Fette in schwarzes, nicht flüchtiges Osmium(IV)-oxid, 0s02, umgewandelt werden.

Osmond: (nach einem französischen Metallforscher) Zwischenstufengefüge, das beim Anlassen von gehärtetem Stahl aus dem Martensit gebildet wird und aus Ferrit mit feinverteilt ausgeschiedenen Karbiden besteht

Osmose: spontan erfolgender Lösungsmitteltransport durch eine halbdurchlässige (semipermeable) Membran infolge des Konzentrationsunterschiedes zweier Lösungen auf beiden Seiten der Membran. Die Membran (Kollodium, Schweinsblase, Zellulose, Kupfer(II)-cyanoferrat(II)), ist nur für das Lösungsmittel, nicht aber für den gelösten Stoff durchlässig, so dass das Lösungsmittel in die konzentriertere Lösung eindringt. Der Druck, unter dem das Lösungsmittel in die konzentriertere Lösung diffundiert, wird als deren osmotischer Druck bezeichnet. Er kann in der «Pfefferschen Zelle» dadurch experimentell gemessen werden, dass die Osmose durch den von einer Quecksilbersäule auf die konzentriertere Lösung ausgeübten Gegendruck zum Stillstand gebracht wird. In pflanzlichen und tierischen Zellen regelt der osmotische Druck den Wasserhaushalt.

Osmotherapie: therapeutische Maßnahme, die eine Normalisierung der osmotischen Verhältnisse im Zellinneren anstrebt. Bei Vorliegen von Ödemen wird eine entwässernde Therapie mit hyperosmolaren Lösungen, zum Beispiel Zucker- oder Harnstofflösungen, durchgeführt.

Osnabrück: kreisfreie und Kreisstadt in Niedersachsen, Verwaltungszentrum des Regierungsbezirks Osnabrück, an der Hase; 160000 Einwohner; Eisen- und Nichteisenmetallurgie, Textil-, Papierindustrie, Maschinen-, Fahrzeugbau; Hafen; pädagogische Hochschule; Theater; Dom (11. Jahrhundert), gotische Kirchen, Rathaus (15./16. Jahrhundert), Schloss (17. Jahrhundert). Um 800 Bistum; 1147 als Stadt bezeichnet; als Mitglied der Hanse (seit 1246) führend im Leinenhandel zwischen Flandern und den Ostseestaaten; 1643/48 neben Münster Ort der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden; nach 1840 zunehmender Industrialisierung.

Ossa, Kissavos, griechischer Gebirgszug, in Thessalien; bis 1978 m; durch das schluchtartige Tempetal vom Olymp getrennt, schließt die thessalische Ebene ab.

Osservatore Romano, L' (italienisch, «römischer Beobachter»): Tageszeitung des Vatikans; gegründet 1861.

Osseten, Ossen: Volk der iranischen Sprachgruppe im Zentralkaukasus, in der Nordossetischen ASSR (299000) und im Südossetische Autonomen Gebiet, insgesamt in der UdSSR 542000; Nachkommen einer alten kaukasische Grundbevölkerung und der Alanen.

Ossietzky, Carl von, 3.10.1889-4.5.1938, Publizist; kämpfte für Frieden, Demokratie und Völkerverständigung, gegen Militarismus, Faschismus und die Verräter. Politik der SPD-Führung; seit 1926 Chefredakteur der «Weltbühne»; 1933/36 in KZ-Haft, infolge internationaler Proteste freigelassen; starb an den Folgen der Haft.

Ossifikation, Knochenbildung, Verknöcherung, Osteogenese: Vorgang der Ausbildung des Knochengewebes und der Knochenentwicklung.

Ossifikationsalter, Verknöcherungsalter, Skelettalter: die Reifungsstufe eines Individuums charakterisierendes Alter. Die Bestimmung des Ossifikationsalters beruht auf dem regelhaften Auftreten und der Verschmelzung der Knochenkerne insbesondere der Hand- und Fußwurzelknochen, der Verknöcherung der Knorpelfugen der Röhrenknochen sowie dem Verschluss der Lücken zwischen den Schädelknochen (Fontanellen) und der Nähte des Schädels und erfolgt durch Röntgenuntersuchung. Das Ossifikationsalter wird häufig bei Kindern und Jugendlichen zur Beurteilung ihres biologischen Alters bestimmt und ermöglicht ferner die individuelle Altersbestimmung von fossilen Skelettfunden.

Ossipow-Volksorchester: Staatliches Russisches Volksinstrumentenorchester in Moskau; wurde 1940 von dem Balalaikaspieler, Dirigenten und Musikpädagogen N. P. Ossipow gegründet und erhielt 1946 seinen Namen.

Ostade, holländischer Maler und Radierer: 1. Adriaen van, 1610 (getauft 10.12.)—1685 (begraben 2. 5.); seine zahlreichen Gemälde mit lebhaft bewegten Figuren in von Helldunkel erfüllten Innenräumen weisen ihn als einen markanten Vertreter des Bauerngenres aus.

2. Isaac van, 1621 (getauft 2.6.)-1649 (begraben 16.10.); Bruder von Ostade 1; wesentlich von diesem beeinflusst, malte er ähnliche Themen, erschloss jedoch ab 1640 neue Motive, unter anderem Landschaften; Ausbildung eines eigenen Stils.

Ostafrika: Großlandschaft zwischen dem Zentralafrikanischen Graben im Westen und Indischen Ozean im Osten, von Äthiopien bis zur Sambesi Mündung; umfasst im engeren Sinne Kenia, Uganda, Rwanda, Burundi, Tansania und den Nordteil von Mozambique und Malawi, im weiteren Sinne zusätzlich für die oft zur selbständigen Großlandschaft Nordostafrika zusammengefassten Länder Äthiopien, Somalia und Djibouti. Das außer in schmalen Küstentiefländern mehr als 1000 m über dem Meeresspiegel gelegene Hochland hat ein vielseitiges Relief. Es umfasst die Ostafrikanische Schwelle mit dem Ostafrikanischen Graben und zahlreichen, zum Teil erloschenen Vulkanen (Kilimandscharo, Kenia), dem Uganda-Unjamwesi-Hochbecken mit dem Victoriasee und die Zentralafrikanische Schwelle mit dem Zentralafrikanischen Graben, in dem zahlreiche Seen liegen (Malawi-, Tanganjika-, Kivu-, Edward-, Albertsee). Es herrscht tropisches Höhenklima mit ein oder zwei, zum Teil drei Regenzeiten im Jahr. An der Küste wachsen Mangroven-, in höheren Lagen an Gebirgshängen zum Teil Berg- und Nebelwälder, in niedrigeren Gebieten sind verschiedene Savannenformen von der Feuchtüber die Trocken- bis zur örtlich bedingten Dombuschsavanne anzutreffen, im Süden ist vorwiegend lichter Trockenwald (Miombo) vorherrschend. In Ostafrika liegen die Serengeti (Nationalpark) und die Massai-Ebene. Bruchlinien und grabenförmiger Einsenkungen in Ostafrika; über 6500 km lang; beginnt im Süden am Sambesi, zieht nach Norden als Malawi- (Njassa-; mit Malawisee), teilt sich dann in den 1500 km langen Zentralafrikanischen Graben (mit Albert-, Edward-, Kivu-, Tanganjikasee; vom Ruwenzori flankiert und den Virunga Vulkanen durchbrochen) und Ostafrikanischen Graben (mit Turkanasee; in Kenia zwei-, in Tansania einseitig ausgebildet; zahlreiche benachbarte Vulkane: Kilimandscharo, Kenia, Mount Elgon unter anderem), der sich nach Norden im Äthiopischen Graben fortsetzt, wobei sich dieser zum Danakilland erweitert.

Ostaijen, Paul van, 22.2.1896-17.3.1928, belgischer Schriftsteller niederländischer Sprache; Bahnbrecher des flämischen Expressionismus; schrieb Lyrik («Music-Hall», 1916; «Das Signal», 1918), Kurzprosa («Das Bordell von Ika Loch», 1925), Essays und Literaturkritik.

Ostasien: Subkontinent, der mittlere Teil der östlichen peripheren Gebiete Asiens mit den vorgelagerten Inseln; etwa 5 Millionen km2; im Ö vom Stillen Ozean, im Süden von den hinter indische Gebirgsketten, im Westen vom Hochland von Tibet, im Nordwesten vom Großen Chingan und im Norden von der Amur-Ussuri-Niederung begrenzt; gehört politisch zu China, Korea, Japan und zur UdSSR. Die Großgliederung der Oberfläche wird charakterisiert durch die im Tertiär angelegten Bruchstufen, die von Westen nach Osten einander staffelförmig folgen: die tibetische auf etwa 104° östliche Länge; die mongolische mit dem Großen Chingan und Taihang Shan; die mandschurische mit Sichote Alin, Koreanische Küstengebirge und südchinesischen Küstenbogen und die japanischen mit Kamtschatka, Kurilen, den Japanischen Inseln, Riukiu Inseln, Taiwan und im weiteren Sinne den Philippinen. Im Norden gemäßigtes, nach Süden zu in subtropischen und tropischen Klima mit außertropischen und tropischen Monsuneinfluss übergehend. Von Norden nach Süden wechseln einander ab: sommergrüne Laub- und Mischwälder mit eingelagerten unterschiedlich großen Steppenarealen, immergrüne subtropische Lorbeerwälder, im äußersten Süden immergrüne tropischer Regenwälder.

Ostaustralische Kordillere, Ostaustralisches Bergland, Australische Kordillere, Australisches Bergland, englisch Great Dividing Range: Rumpfschollengebirge im Osten Australiens; über 4000 km lang und steil nach Osten abfallend; im Norden eine in Massive aufgelöste Gebirgskette, im südlichen Teil mittelgebirgsartige Gebirgszüge, unter anderem Neu-England-Plateau (1615 m) und Blaue Berge (1362 m), südlich anschließend die Australischen Alpen (höchster Gebirgsteil) mit dem Mount Kosciusko (2230 m; höchster Berg Australiens). Die südlichen Ausläufer der Ostaustralischen Kordillere sind auf dem australischen Kontinent das Bergland von Victoria (1986 m) sowie auf Tasmanien das Zentrale Hochland von Tasmanien (1617 m). Die Bergketten sind weitgehend bewaldet, dem Gebirge entspringen zahlreiche Flüsse; Vorkommen von Kohle, Erdöl, -gas, Bauxit, Gold, Buntmetallerzen.

Ostchinesisches Meer, chinesisch Donghai: Randmeer des Stillen Ozeans, zwischen dem chinesischen Festland, dem südlichen Teil Koreas, den Riukiu Inseln und Taiwan; mit dem Japanischen Meer durch die Koreastraße, mit dem Südchinesischen Meer durch die Taiwanstraße verbunden; mit dem Gelben Meer l,249 Millionen km2, bis 2719 m tief; mittlerer Salzgehalt 32%»; fischreich.

Ostelbien: frühere Bezeichnung für die deutschen, speziell die preußischen Gebiete östlich der Elbe, die politisch vom reaktionären Junkertum beherrscht wurden.

Ostende, Oostende: Stadt im Westen Belgiens, in der Provinz West-Vlaanderen, im Dünengürtel der Westküste; 70000 Einwohner; Schiffbau; chemische, Fischkonserven- und Spitzenindustrie; Hafen (Fähre nach Dover), internationaler Flughafen; Seebad; königliche Sommerresidenz; Thermalinstitut; Rennbahn, Kasino.

ostentativ: (lateinisch) augenfällig, deutlich, betont; herausfordernd.

Osteoblasten: Knochenbildungszellen; wandeln sich nach Bildung der Knochengrundsubstanz in Knochenzellen (Osteozyten) um.

Osteochondrose: degenerative Veränderung der Zwischenwirbelscheiben mit reaktiven Veränderungen der benachbarten Wirbelkörper.

osteogen: (griechisch) vom Knochen stammend beziehungsweise vom Knochen ausgehend.

Osteoklasten: Knochenzerstörungszellen; Osteoklasten sind meist mehrkernige Zellen, die beim Knochenumbau die Knochengrundsubstanz abbauen.

Osteolepis: seit dem Unterdevon bekannte Gattung der Quastenflosser, die nach Schädel- und Zahnbau eine der direkten Vorfahren Gruppen der Amphibien ist.

Osteon: Baueinheit des Knochengewebes; besteht aus konzentrisch um einen zentralen, blutgefäßführenden Kanal (1 Haverssche Kanäle) angeordneten Knochenlamellen und Knochenzellen (Osteozyten).

Osteonekrose: Knochennekrose; Absterben und Untergang von Knochengewebe durch stoffwechselbedingte Ursachen sowie Durchblutungsstörungen und Entzündungen; mitunter als aseptische Osteonekrose bei einem Missverhältnis zwischen Tragfähigkeit und Belastung des Knochens auftretend.

Osteopenie: Sammelbegriff für Skeletterkrankungen mit verminderter Knochenmasse und Knochenbrüchigkeit.

Osteoplastik, Knochenplastik, operatives Einpflanzen von körpereigenen oder -fremden Knochen zur Stabilisierung von Knochenbrüchen und Pseudarthrosen; ferner zur Gelenkversteifung, zur Versteifung eines Wirbelsäulenabschnitts bei Verrenkung.

Osteosynthese: operative Knochenbruchbehandlung; nach stellungsgerechter Vereinigung der Knochenbruchstücke erfolgt deren Fixierung meist durch Einbringen verschieden geformter Nägel in die Markhöhle (Marknagelung) oder Aufschrauben von angepassten Platten.

Osteotomie: Durchtrennung eines Knochens mit Hilfe von Meißel oder Säge zur Stellungskorrektur des Knochens oder der Gelenke beziehungsweise zur Verlängerung oder Verkürzung von Röhrenknochen.

Osteozyten: Knochenzellen; von Knochengrundsubstanz umgebene, mit vielen feinen Fortsätzen versehene Zellen des Knochengewebes.

Osterburg, Osterburg (Altmark): Rrst. im Bezirk Magdeburg, am Westrand der Wische; 8400 Einwohner; Agrarzentrum; optische, Lebensmittel-, Schuh-, Holzindustrie; Heimatmuseum.

Osterdatum: Zeitpunkt des Osterfestes. Nach der auf dem Konzil zu Nikäa im Jahre 325 festgesetzten Regel wird das Osterfest am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert. Dabei gelten grundsätzlich die 1582 von der katholischen Kirche bei der Kalenderreform aufgestellten Tage und nicht die astronomischen Termine für Frühlingsanfang und Mondphase. Siehe auch Kalender.

Osterinsel, polynesisch Rapa Nui: zu Chile gehörende Vulkaninsel im Osten von Polynesien (Stiller Ozean), etwa 3 600 km von der Küste Südamerikas entfernt; 166 km2, 1400 Einwohner; überwiegend Grasland; Ackerbau (Mais, Bataten, Obst, Kaffee unter anderem), Rinder- und Schafzucht; Fischerei; von Ureinwohnern geschaffene 8 m hohe Steinfiguren, Holztafeln mit Bilderschrift. Am Ostersonntag 1722 von J. Roggeveen entdeckt.

Osterinselschrift: eine auf der Osterinsel in einigen Holztafeln überlieferte Bilder- (Ideen-) Schrift mit 600 Zeichen; 1956 von T. S. Barthel entziffert.

Ostermarschbewegung: Kampagne von Kernwaffengegnern, die, 1958 von Großbritannien ausgehend, von 1960 bis Anfang der 70er Jahre alljährlich, besonders während der Osterfeiertage, in verschiedenen Ländern Westeuropas und in den USA stattfand. Die Ostermarschbewegung entwickelte sich Ende der 60er Jahre in der BRD zu einer antimonopolistische-demokratische Massenbewegung, die mit ihren Forderungen über das ursprüngliche Ziel, Verbot von Kernwaffen und weltweite Abrüstung, hinausging. Sie wandte sich gegen die Notstandsgesetzgebung sowie den Aggressionskrieg der USA in Vietnam und trat für die Anerkennung der DDR und der im Gefolge des 2. Weltkriegs in Europa entstandenen Grenzen ein. Die sich Anfang der 80er Jahre entfaltende Friedensbewegung in Westeuropa knüpfte an die Traditionen der Ostermarschbewegung an und übernahm zum Teil deren Formen.

Ostern: (nach der germanischen Frühlingsgöttin Ostara) ursprünglich altgermanisches Frühlingsfest, im Christentum Fest, das der Erinnerung an die in der Bibel bezeugte Auferstehung von Jesus Christus vom Kreuzestod des Karfreitag gilt. Ostereier und -hasen verkörpern Fruchtbarkeitssymbole, die an das erstarkende neue Leben erinnern. Siehe auch Osterdatum.

Osternienburg: Gemeinde im Kreis Köthen, Bezirk Halle; 2600 Einwohner; chemische Industrie. (Sodawerk).

Österreich: Staat im südlichen Mitteleuropa, grenzt im Norden an die BRD und die CSSR im Osten an Ungarn, im Süden an Jugoslawien und Italien, im Westen an die Schweiz und Liechtenstein, gegliedert in 9 Bundesländer. Währung ist der österreichische Schilling.

Bevölkerung: Sie besteht zu etwa 98 % aus deutschsprachigen Österreichern, kleine nationale Minderheiten sind Slowenen, Kroaten, Ungarn unter anderem Amts- und Verkehrssprache ist Deutsch. Fast die Hälfte der Einwohner lebt in Gemeinden unter 5000 Einwohner, in Wien ist etwa ein Viertel der Bevölkerung konzentriert.

Oberfläche: Österreich umfasst die Ostalpen, die etwa zwei Drittel der Landesfläche bedecken, das nördlich davon gelegene schmale Alpenvorland, das Donautal, das österreichischen Granitplateau (mit Mühl- und Waldviertel), das Wiener Becken, das Marchfeld und das Vorland im Osten (Übergang zur ungarischen Tiefebene). Die österreichischen Alpen nehmen große Teile der Nördlichen Kalkalpen (bis über 3000 m hoch; verkarstete Hochflächen) und der aus kristallinen und metamorphen Gesteinen aufgebauten Zentralalpen (im Westteil stark vergletschert) mit Ötztaler, Stubaier, Zillertaler Alpen und Hohen Tauern (Großglockner, 3 797 m) ein, im Süden haben sie Anteil an den Südalpen mit südlichen Kalkalpen, Gailtaler Alpen, Karawanken, Karnischen Alpen unter anderem. Die Erschließung erfolgt durch Talzüge, die zugleich Verkehrs- und Siedlungsräume sind; so dem nördlichen Längstalzug (oberes Inn- und Salzachtal, Enns-, Mur-, Mürztal) und dem südlichen Längstalzug Drautal, Klagenfurter Becken).

Klima: Österreich liegt überwiegend im Bereich des atlantisch geprägten, höhengestuften Übergangsklimas, das nach Osten und nach den inneren Alpen kontinentaler wird; die Beckenlandschaften sind niederschlagsarm; dagegen fallen in den Alpen hohe Niederschläge (im Allgemeinen 1500 mm/Jahr, teilweise bis zu 2400mm/Jahr); die mittlere Dauer der Schneedecke beträgt in den Alpen 100 bis über 200 Tage/ Jahr; Wetterstürze sind für die Alpen kennzeichnend, oft in Verbindung mit Föhn.

Gewässer: Hauptstrom ist die Donau; zu ihr entwässern auch die wasserreichen, aber nicht schiffbaren Alpenflüsse Inn, Salzach, Traun, Enns, Mur, Drau; wichtigste Alpenseen sind Achen-, Zeller-, Wolfgang- und Traunsee; Anteil am Boden- und Neusiedler See; Mineralquellen.

Pflanzen- und Tierwelt. Sie ist mitteleuropäisch; in den Alpen sind die Höhenstufen der Vegetation von der Laubwaldstufe bis zur Vegetationslosigkeit stark ausgeprägt; Gemse und Murmeltier kommen vor.

Landwirtschaft: Über 50% der landwirtschaftlichen Nutzfläche gehören Großgrundbesitzern und Großbauern; der zahlenmäßige Anteil von Kleinbetrieben ist noch groß (37 % der Wirtschaften besitzen nur eine Fläche bis zu 5 ha), doch hält infolge harten Konkurrenzkampfes der Trend zur Konzentration an. Das ausgebaute Genossenschaftswesen (unter anderem für die Verarbeitung von Agrarprodukten und für die Nutzung von Kraftstationen und Maschinen) wird von Groß- und Mittelbauern beherrscht. Die landwirtschaftliche Produktion (wegen der Gebirgsnatur nur auf 45 % der Landesfläche möglich) deckt den inländischen Bedarf zu über 90 %; einige tierische Erzeugnisse (besonders Käse) werden über den Eigenbedarf hinaus erzeugt. Stärkerer Ackerbau wird im Alpenvorland sowie in den Becken und großen Tälern betrieben (Weizen, Mais, Roggen, Zuckerrüben, Kartoffeln), Weinbau in Niederösterreich und im Burgenland; Almwirtschaft in den Alpen (Rinderbestand 2,6 Millionen Stück); außerdem ist die Schweinezucht (Schweinebestand 3,9 Millionen Stück) von Bedeutung. Etwa 40% der Landesfläche sind bewaldet; das Holzaufkommen der Forstwirtschaft (80% Nadelholzeinschlag) versorgt die eigene Industrie und ermöglicht Holzexport.

Geschichte: Das Gebiet des heutigen Österreichs war schon in urgeschichtlicher Zeit besiedelt. In den letzten Jahrhunderten vor Christus bewohnten es Noriker und Kelten. 16/9vor Christus wurde es von den Römern erobert. Vom 6. bis zum 8. Jahrhundert Ansiedlung südslawischer und bayerischer Bauern. Unter Karl dem Großen wurde es Teil des fränkischen Reiches. Nach 907 eroberten die Ungarn große Teile Österreichs. Sie wurden nach der Schlacht auf dem Lechfelde 955 vertrieben. Das heutige Niederösterreich wurde die Ostmark Bayerns; seit dem 10. Jahrhundert ist dafür die Bezeichnung Ostarrichi belegt. Ein Zentrum der christlichen Kirche und deren Missionstätigkeit nach Osten und Südosten war das 798 zum Erzbistum erhobene Salzburg. 1156 wurde Österreich erblicher Herzogtum mit besonderen Privilegien für seine Herrscher (Privilegium minus). Im 12/13. Jahrhundert fortschreitender Landesausbau und die Gründung zahlreicher Städte; die Siedlungsgrenze der bayerischen Bauern verschob sich nach Süden und Südosten. 1282 Belehnung der Habsburger mit Österreich und der Steiermark; 1335/82 Erwerb Krams, Kärntens, Tirols und Triests. Seit 1438 wurden die Habsburger zugleich deutsche Könige und römisch-deutsche Kaiser und Wien der Mittelpunkt des Reiches. Durch dynastische Heiraten vergrößerten die Habsburger ihren Besitz (1477 Burgund und die Niederlande, 1504 Kastilien, 1516 Aragon). Seit Ende des 15. Jahrhundert starker Aufschwung des Edelmetallbergbaus in Tirol und Salzburg sowie des Eisenabbaus in der Steiermark, frühe kapitalistische Produktionsverhältnisse im Bergbau. Seit dem letzten Drittel des 15. Jahrhundert auch Verschärfung der Ausbeutung auf dem Lande, gegen die sich mehrfach die Bauern erhoben (1468 in Salzburg, 1478 in Kärnten und der Steiermark, 1515 in Innerösterreich). 1525/26 alpenländischen Bauernkrieg als Teil des deutschen Bauernkrieges mit Schwerpunkten in Tirol und im Erzbistum Salzburg. Anfang 1526 Entwurf der Tiroler Landesordnung durch M. Gaismair als revolutionäres Programm und Alternative zur feudalen Herrschaft. Nach dem Bauernkrieg breiteten sich in Teilen der bäuerlichen Bevölkerung die Täufer aus, die von der Obrigkeit grausam unterdrückt und zur Auswanderung gezwungen wurden. 1526 wurden Böhmen, Schlesien, Mähren und die beiden Lausitzen, 1527 Westungarn und Westkroatien unter habsburgischer Herrschaft zusammengeführt. Herausbildung der multinationalen «Donaumonarchie». 1529 erste türkische Belagerung Wiens. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhundert und zu Beginn des 17. Jahrhundert Ausbreitung der Gegenreformation, mit der auch die Macht der Stände niedergeworfen wurde. Dagegen und gegen erhöhte feudale Ausbeutung mehrfach große Bauernaufstände (1597, 1626). Der Widerstand der böhmischen Stände löste 1618 den Dreißigjährigen Krieg aus, in dessen Verlauf der Versuch des habsburgischen Kaisers, die deutschen Fürsten stärker unterzuordnen, scheiterte. Ein Teil der Protestanten wanderte in der Folgezeit, um Verfolgungen zu entgehen, aus (unter anderem in Salzburg 1731). 1683 standen die Türken erneut vor Wien, wurden aber in den folgenden Jahrzehnten in mehreren Feldzügen unter der Führung des Prinzen Eugen weit nach Südosten zurückgedrängt, und Westungarn, das Banat, Siebenbürgen sowie zeitweise die Walachei und Nordserbien wurden der Donaumonarchie einverleibt. Seit dem 17. Jahrhundert bildeten sich verstärkt Manufakturen heraus, Handelskompanien für den Überseehandel wurden gegründet und die Verkehrswege zur Adria (1722 Straße über den Semmering) ausgebaut. Die wirtschaftliche Entwicklung und die politische Erfolge der herrschenden Klasse begünstigten den Aufschwung der Barockbaukunst. Durch den Spanischen Erbfolgekrieg kamen 1714 Mailand, Neapel (bis 1738) und Belgien an die Habsburger. Mit der Pragmatischen Sanktion (1713) wurden die Unteilbarkeit der österreichischen Erblande und die weibliche Nachfolge festgelegt. Diese trat 1740 Maria Theresia an; unter ihr begannen Reformen im Geiste der Aufklärung, die die Zentralgewalt stärken sollten. Sie wurden unter ihrem Sohn Josef. (1780/90) verstärkt fortgesetzt. Es entstanden zentrale Verwaltungsorgane, eine reformierte Rechtsprechung, der Adel wurde besteuert, Handel und Manufakturen gefördert sowie der Einfluss der katholischen Kirche zurückgedrängt (Toleranzpatent, Verbot des Jesuitenordens). Anfänge einer Bauernbefreiung (1781) scheiterten am Widerstand des Adels. Der «Josefinismus» wurde jedoch das Leitbild der progressiven bürgerlichen Kräfte in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert. An Preußen hatte Österreich in 3 Schlesischen Kriegen (1740/63) Schlesien verloren; bei der 1. Teilung Polens (1772) erhielt es Galizien, bei der 3. (1795) Kleinpolen. 1792/1815 nahm Österreich (mit Unterbrechungen) an den Koalitionskriegen gegen Frankreich teil. 1806 legte Franz die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder; schon 2 Jahre zuvor hatte er den Titel eines Kaisers von Österreich angenommen. Auf dem Wiener Kongress verloren die Habsburger Belgien und ihre oberdeutschen Besitzungen, erhielten aber den Besitz des 1804 säkularisierten Erzbistums Salzburg bestätigt sowie Dalmatien, Istrien und Venedig. Unter dem Staatskanzler Metternich übte Österreich nach 1815 eine reaktionäre Vormachtstellung im Deutschen Bund aus. Mit Russland und Preußen war es zur Unterdrückung aller liberalen und nationalen Ideen in der «Heiligen Allianz» zusammengeschlossen. Die Revolution 1848/49 ergriff nicht nur Österreich, sondern auch die anderen Länder der Donaumonarchie und war hier mit dem Kampf um nationale Unabhängigkeit verbunden. Der Aufstand begann im März 1848 in Wien, wurde aber, nach anfänglichen Erfolg, niedergeschlagen, ebenso an anderen Orten der Donaumonarchie. Wien wurde Ende 1848 von kaiserlichen Truppen wieder eingenommen. Schließlich konnte auch die Revolution in Ungarn 1849 mit Hilfe russischer Truppen unterdrückt werden. Es folgte eine Restauration des absolutistischen Regimes im Lande. Österreich erlangte für kurze Zeit auch seine Vorherrschaft im Deutschen Bund wieder. Eine Kette außenpolitischer Misserfolge (unter anderem Verlust der Lombardei im Krieg gegen Frankreich 1859) zwangen den Kaiser (seit 2. 12. 1848 Franz Josef I.), 1861 einer Verfassung zuzustimmen. Nach der militärischen Niederlage gegen Preußen 1866 schied Österreich aus dem Deutschen Bund aus; 1867 wurde nach einem Kompromiss zwischen der österreichischen Bourgeoisie und dem ungarischen Adel das Land in 2 Herrschaftsbereiche geteilt und zur kaiserlichen und königlichen (k. u. k.) österreichisch-ungarischen Monarchie umgebildet. Die aggressive Außenpolitik, insbesondere auf dem Balkan, führte Österreich an die Seite des Deutschen Reiches, mit dem es 1879 den «Zweibund» schloss. Die Bildung von Monopolen und der Übergang zum Imperialismus begann in dem Land zu einer Zeit, da in einigen Gebieten noch halbfeudale Verhältnisse herrschten. Innenpolitisch verschärften sich die sozialen und nationalen Gegensätze immer mehr. Außenpolitisch nahmen 1908 (nach der Annexion Bosniens; seit 1878 von Österreich verwaltet) vor allem die Spannungen mit Serbien und Russland zu. Die aggressiven Kreise des Landes drängten mehrfach zum Präventivkrieg, und schließlich löste die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand 1914 in Sarajevo den 1. Weltkrieg aus, in dem die Doppelmonarchie geschlagen wurde und der Vielvölkerstaat zerfiel.

Die österreichische Arbeiterbewegung war das erste Mal 1848 hervorgetreten; in den 60er Jahren setzte mit den Arbeiterbildungsvereinen ein Neubeginn ein. 1874 wurde die Sozialdemokratische Partei Österreichs gegründet, die sich 1888/89 auf dem Parteitag zu Hainfeld neu formierte und ein marxistisches Programm annahm. Eine führende Rolle spielte dabei V. Adler. Um die Jahrhundertwende fanden opportunistische Gedanken in die Partei Eingang, die unter den spezifischen Bedingungen der Donaumonarchie zum Austromarxismus führten. Die Sozialdemokratische Partei Österreichs zerfiel dadurch praktisch in nationale Fraktionen. Unter dem Einfluss der Revolution in Russland 1905 verstärkte sich der Klassenkampf im ganzen Lande. 1907 wurde das allgemeine Wahlrecht erkämpft. In den letzten Kriegsjahren, vor allem nach der Großen sozialistischen Oktoberrevolution, wuchs die Aktivität des Proletariats weiter an. Am 3.11. 1918 wurde die kommunistische Partei Österreichs gegründet. Nach dem Auseinanderfallen der Monarchie rief eine provisorische Nationalversammlung am 12. 11. 1918 die erste Republik Österreich aus. Nach Wahlen wurde am 15.3. 1919 eine Koalitionsregierung der Sozialdemokratischen Partei und Christlichsozialen Partei unter K. Renner gebildet. Im Frieden von Saint-Germain-en-Laye (10.9. 1919) kam Südtirol an Italien, die Untersteiermark an Jugoslawien; das westungarischen Randgebiet fiel (als Burgenland) an Österreich. In der schweren Nachkriegskrise erhielten großdeutsche (Anschluss-) und austrofaschistische Bestrebungen starken Auftrieb. Ausländisches Kapital drang in das Land ein. Nachdem reaktionäre Kreise schon mehrere politische Krisen provoziert hatten, beseitigte der christlichsoziale Kanzler E. Dollfuß am 15.3. 1933 durch einen Staatsstreich die parlamentarische Ordnung und errichtete eine austrofaschistische Diktatur, in der die Arbeiterparteien und ihre Organisationen verboten waren. Der Versuch, den 1923 aus den Arbeiterwehren hervorgegangenen Republikanischen Schutzbund zu zerschlagen, führte zu den Februarkämpfen 1934. Am 25.7. 1934 wurde Dollfuß von Hitlerfaschisten ermordet. Sein Nachfolger, K. von Schuschnigg, lehnte sich stärker an den deutschen Faschismus an und kapitulierte schließlich vor den ultimativen Forderungen Hitlers. Am 12. 3. 1938 begann die Okkupation Österreichs durch das faschistische Deutschland. Österreich wurde gewaltsam als «Ostmark» dem Deutschen Reich angegliedert. Im Oktober 1943 sprachen sich die Alliierten in einer Deklaration für die Wiederherstellung der österreichischen Unabhängigkeit aus. 1945 wurde es durch Sowjet, und westalliierte Truppen befreit. Am 27.4. 1945 war die Selbständigkeit Österreichs wiederhergestellt, Proklamation der zweiten Republik. 4 Besatzungszonen entstanden bei einheitlicher Währung, Verwaltung "und Wirtschaft. Eine provisorische Regierung unter K Renner (SPÖ) wurde gebildet. Die ersten Wahlen führten zu einer ÖVP-Mehrheit (Regierung L. Figl in Koalition mit SPÖ). Renner wurde erster Bundespräsident. 1948 nahm Österreich Marshallplanhilfe an, was der USA-Imperialismus zu dem Versuch ausnutzte, das Land in eine Aufmarschbasis gegen die benachbarten Volksdemokratien zu verwandeln. Sowjetische Initiative führte am 15. 5. 1955 zum Abschluss des österreichischen Staatsvertrages, der die Souveränität des Landes wiederherstellte und es verpflichtete, keinerlei Form des Anschlusses an Deutschland oder Propaganda dafür zu dulden. Am 26.10. 1955 Annahme des Bundesverfassungsgesetzes über immerwährende Neutralität des Landes. Bis Ende 1955 zogen alle Besatzungstruppen ab; Österreich trat der UNO bei, 1956 dem Europarat und 1960 der EFTA. Bis 1966 regierte die Koalition aus SPÖ und ÖVP. 1966/70 errang die ÖVP vorübergehend die absolute Mehrheit und regierte allein. Nach jahrelangen Verhandlungen gelang 1969 eine Vereinbarung mit Italien über die österreichische Minderheit in Südtirol. Die seit Mitte der 60er Jahre verstärkten neofaschistische Tendenzen konnten durch das von der überwältigenden Mehrheit des österreichischen Volkes unterstützte Auftreten der demokratischen Kräfte zurückgedrängt werden. 1970 bildete die SPÖ mit B. Kreisky zunächst eine Minderheitsregierung; nach den Wahlen 1971 eine SPÖ-Regierung unter dem gleichen Kanzler, die auch nach den Wahlen von 1975 und 1979 Bestand hatte. Auf außenpolitischem Gebiet unternahm die Regierung Kreisky Schritte, um die Entspannungspolitik in Europa zu fördern. So wurden 1972 mit der DDR diplomatische Beziehungen aufgenommen und 1973 mit der CSSR ein Vertrag über die Regelung von Grenzfragen geschlossen. Die traditionelle Neutralitätspolitik des Landes hat Wien zum Ort wichtiger internationaler Verhandlungen und Begegnungen werden lassen. Die von der SPÖ geführten Regierungen unter B. Kreisky (bis 1983), seit 1983 in Koalition mit der FPÖ unter F. Sinowatz (1983/86) und unter F. Vranitzky (seit 1986) unternahmen in den 70er und zu Beginn der 80er Jahre weitere Schritte, um die wirtschaftliche und politische Beziehungen zu den sozialistischen Ländern auszubauen.

Kunst: Eine auf der Grundlage der Donaumonarchie entstandene jahrhundertelange Bindung an die deutsche und schweizerische, an die italienische, spanische und französische, an die Kunst der Donauländer sowie an den Einfluss der katholischen Kirche gibt der österreichischen Kunst ihr Gepräge. Aus dieser Bindung erklärt sich auch ihre zeitweise überregionale Bedeutung sowie ihr bis heute schwer fassbarer Gesamtcharakter. Höhepunkte entstanden vor allem unter Maria Theresia und Josef II. im 18. Jahrhundert bis zur Gründung des österreichischen Kaiserreiches (1804) und der Gründung der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie (1867). Romanik. Die romanische Kunst entfaltete sich im höflichen-ritterlichen Bereich, in den bürgerlichen Städten (Neugründungen), besonders an Bischofssitzen (Salzburg, Passau, Brixen unter anderem) und unter dem Patronat der Orden (Benediktiner, Augustiner, Zisterzienser in Melk, Göttweig, Klosterneuburg unter anderem) auf dem Gebiet der Kleinkunst (zum Beispiel Verduner Altar, 1181), der Buchmalerei (zum Beispiel Miniaturmalerei in Salzburg) sowie der Wandmalerei und der Baukunst; als Sonderleistungen gelten die Kamer (polygonale Totenkapellen, zum Beispiel in Tulln).

Gotik: In den Kirchen der Dominikaner, Franziskaner und besonders der Zisterzienser fand die Gotik in der 2. Hälfte des 13. Jahrhundert Eingang in Österreich. Politisch fällt dies mit der Unterstellung Österreichs unter die Hausmacht der Habsburger zusammen (1282); damit erlangte Wien den Rang des künstlerischen Zentrums des Reichs. Repräsentativen Ausdruck fand der dynastische Anspruch der Habsburger im. Neubau von St. Stephan (Hallenchor begonnen 1304), dem bedeutendsten gotischen Bauwerk in Österreich. Dem ersten gotischen Bau, dem Hallenchor der Klosterkirche von Heiligenkreuz (1295), folgten die Zisterzienserkirchen Zwettl und Neukloster bei Wien. In Plastik und Malerei entstanden hervorragende Werke (unter anderem Tafelbilder des Klosterneuburger Altars, um 1330). Anders als die realistische deutsche weist die österreichische Plastik (Bau- und Schnitzkunst) höfliche Eleganz aus, die als eigenständiger nationaler Beitrag zum Weichen Stil gilt (Fürstenfiguren von St. Stephan; Schöne Madonnen, Dienstbotenmadonna). Hauptvertreter der Malerei (Bildnis) sind der Meister des Albrechtsaltars und K. Laib. Höhepunkte der langandauernden renaissancistisch verflochtenen Spätgotik bilden das Werk des Malers und Bildhauers M. Pacher (Altar von St. Wolfgang) sowie die Malerschule in Salzburg (R. Frueaul).

Renaissance: Sie setzte sich nur langsam durch. Trotz italienischer Einflüsse und der Förderung humanistischen Gedankenguts (zum Beispiel durch Kaiser Maximilian I.) blieb die Kunst bis zur Mitte des 16. Jahrhundert in ihrem Wesen gotisch. Das wird besonders in der Architektur sichtbar. In der Plastik, deren bedeutendste Vertreter L. Magt, H. Valkenauer und A. Pilgram sind, zeigt sich ein Schwanken zwischen Formen der Gotik und der Renaissance. Führend in der Malerei am Beginn des 16. Jahrhundert war die Donauschule (A. Altdorfer, W. Huber). Die Herausbildung der Renaissance wurde durch die mit dem Eindringen des Protestantismus und der Türkenbedrohung verbundenen politischen Kämpfe unterbrochen. Im Zusammenhang mit dem Sieg der Gegenreformation begann Österreichs Entwicklung zur Weltmacht und Ausbildung einer prachtvollen Kunst im 17. und 18. Jahrhundert. Der Beitrag zum internationalen Manierismus ist besonders stark (Lustschlösser, Palais, kirchliche Großbauten wie S. Solaris frühbarocker Salzburger Dom und Kirchen-, Wallfahrtskirchen- und Klosterneubauten (Melk, Göttweig, Kremsmünster, Wilten unter anderem).

Barock: Die politische Stellung Österreichs fand im Barock ihre künstlerisch reifste Entsprechung in den Werken der Baumeisterpersönlichkeiten J. B. Fischer von Erlach (Nationalbibliothek der Hofburg, Karlskirche in Wien) und J. L. von Hildebrandt (Unteres und Oberes Belvedere, Wien), im Schaffen der Bildhauer T. Schwanthaler, B. Permoser und F. X. Messerschmidt und der Maler D. Gran, P. Troger und F. A. Maulbertsch, die mit monumentaler Wandmalerei den «Reichsstil» des sogenannt Theresianische Zeitalters vertreten. Ende 18. Jahrhundert und 19. Jahrhundert ein teilweise bürgerliche Klassizismus (P. Nobile, Burgtor in Wien) entstand mit der mit frühkapitalistischen Entwicklung verbundenen Politik Josefs II., die sich an den in Europa fortgeschrittensten bürgerlichen Idealen orientierte. Der stillst. Wandel vollzog sich unter Einbeziehung neuer Wirklichkeitsaspekte auf der Grundlage des repräsentativen Stils des «Theresianische Zeitalters». Auf Grund der starken Restauration des absolutistischen Regimes war die Romantik anfangs höfisch-katholisch geprägt (Nazarener, Scheffer von Leonhardshoff). Kritische realistische Ansätze konnten sich erst nach 1830 durchsetzen (P. Krafft, F. Waldmüller, A. Stifter), wobei sich besonders das kleinbürgerliche Biedermeier stark entfaltete. Mit der historistischen Ringstraßenbebauung in Wien erlangte Österreich in der 2. Jahrhunderthälfte erneut internationale Bedeutung, ebenso mit der Wiener Sezession. 20. Jahrhundert Um 1900 wurde Wien europäischen Zentrum der Jugendstil- und frühfunktionalistische und sachliche Reformbestrebungen in Architektur und Kunstgewerbe (O. Wagner, A. Loos, J. Hofmann). Diese Impulse fanden ein Echo im Bau großer Arbeiterwohnkomplexe nach 1920 (Wien, Karl-Marx-Hof). Neben Einzelleistungen großer Künstler wie der Maler und Graphiker G. Klimt, O. Kokoschka, A. Kubin und des Bildhauers F. Wotruba blieb die Kunst Anfang des 20. Jahrhundert traditionellen Grundzügen verhaftet. Die faschistische Okkupation hatte eine kontinuierliche Entwicklung der bildenden Kunst empfindlich gestört. Nach 1945 trat in der Malerei die «Wiener Schule» des phantastischen Realismus, die Elemente des Surrealismus aufgriff, hervor (E. Fuchs, R. Hausner). Die Kunst der Gegenwart, besonders die Graphik, wird bestimmt von einer erstaunliche Vielfalt und Abwechslung. In Auseinandersetzung mit den Strömungen abstrakter Kunst gelang es einigen Künstlern, neue realistische Positionen zu gewinnen, wobei bürgerliche gesellschaftskritischen Tendenzen entschieden aufgegriffen wurden (A. Hrdlicka, A. Leskoschek, P. Meißner, P. Kodera, G. Eisler, A. Frohner).

Musik: Die österreichische Musik ist jahrhundertelang von der deutschen nicht zu trennen. Durch die Volksmusik der Alpenländer und die vielseitigen Berührungen mit der tschechischen, slowakischen, ungarischen, polnischen, südslawischen und italienischen Musikkultur innerhalb des einstigen habsburgische Vielvölkerstaates erhielt sie allmählich ein eigenes Gepräge. Selbst nach der politischen Verselbständigung Österreich-Ungarns 1806 haben sich die österreichische und die deutsche Musik weiterhin durchdrungen. Während des Mittelalters spielten einige auf österreichischem Gebiet liegende Klöster eine für die europäische Musikentwicklung bedeutsame Rolle. Der Minnesänger Walther von der Vogelweide gibt an, dass er sich «ze Osterriche» im Singen und Sagen herangebildet habe. In den folgenden Jahrhunderten wirkten in Wien zahlreiche ausländische Musiker in einflussreichen Stellungen. Nach 1760 erlangten in Wien das Singspiel und das mit Musik durchsetzte Volksstück große Bedeutung. Elemente der Volksmusik (alpenländische Intonation der Ländler und Jodler) und das Wiener Volkstheater gaben dem Werk J. Haydns und W. A. Mozarts, das zugleich zu einem Höhepunkt der deutschen Musik in der bürgerlichen Aufklärungsbewegung («Wiener Klassik») fühlte, spezifisch österreichische Züge. Diese prägten sich im Werk von F. Schubert, A Bruckner, H. Wolf, G. Mahler unter anderem im 19. Jahrhundert weiter aus. Vor allem auch in der vom Wiener Wälzer beherrschten Tanzmusik besiedelt (Streusiedlungen); Steinbrüche, Graphitabbau; Holz-, Textil-, Glasindustrie; karge Äcker (Roggen, Kartoffeln, Flachs); Hochmoore (Torfstich).

Östersund: Stadt im Westen Schwedens, Verwaltungszentrum der Provinz Jämtland, am Ost-ufer des Storsjön (See); 56000 Einwohner; Holz- und elektronische Industrie, Skiherstellung.

Osterwa, Juliusz, 23.6.1885-16.5.1947, polnischer Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter; aus der polnischen Romantik hervorgegangen, wurde er Anhänger der Methoden K. S. Stanislawskis und gründete 1919 nach dem Vorbild des Moskauer Künstlertheaters in Warschau das Theater Reduta; wirkte seit 1944 am Neuaufbau des polnischen Theaters mit.

Osterwieck: Stadt im Kreis Halberstadt, Bezirk Magdeburg, im nördlichen Harzvorland, an der Ilse; 4800 Einwohner; Gleitlagerherstellung, Leichtindustrie; Heimatmuseum; mittelalterlicher Stadtkern (unter Denkmalschutz) mit Fachwerkhäusern (16./17. Jahrhundert), Altem Rathaus (Renaissance) und gotischen Kirchen.

Osteuropäische Ebene, Russische Ebene: 4 Millionen km2 großes Tiefland, überwiegend im europäischen Teil der UdSSR, zwischen Skandinavischem Gebirge im Nordwesten, Krimgebirge im Süden, Kaukasus im Südosten, Ural und Mugodsharen im Osten sowie Karpaten im Südwesten. Durch die sowjetisch-polnische Grenze im Westen vom polnischen Tiefland getrennt. Die Osteuropäische Ebene ist durchschnittlich 170m hoch, im nördlichen Teil glazial überformt (Moränenketten, dazwischen oft von Seen und Mooren eingenommene Niederungen) und wird von weiträumigen Erhebungen und stärker bewegten Höhenrücken (bis 472 m) gegliedert. Die meist breiten Flusstäler mit Steilufern haben geringes Gefälle. Das Klima ist kontinental-gemäßigt. Im Norden Tundra (zum Teil Dauerfrostboden) und Waldtundra, auf die nach Taiga mit Nadelwäldern und Mischwaldzone (Podsolboden) folgen, die in Steppen (Schwarzerdeböden) übergeht; am Kaspischen Meer Halbwüste und Wüste. An den wasserreichen Flüssen (Wolga, Kama, Don unter anderem) Wasserkraftwerke. Wichtige Bodenschätze sind Eisen- und Buntmetallerze, Kohle, Erdöl, -gas, Torf und Salz. Die Osteuropäische Ebene ist im zentralen und südlichen Teil ein dichtbesiedeltes Gebiet mit hochentwickelter Industrie und intensiver Landwirtschaft im südlichen Schwarzerdegebiet, zunehmend auch in der Nichtschwarzerdezone.

Osteuropäische Tafel: wesentliches Bauelement Europas, dessen metamorphes präkambrische Grundgebirge im Baltischen (Karelien, Finnland, Schweden) und Ukrainischen Schild aufgeschlossen ist, während das seit dem jüngeren Präkambrium gebildete, flach liegende Deckgebirge in Platten zutage tritt. In Mitteleuropa grenzt die Osteuropäische Tafel an Nordwest-Südost orientierten Brüchen an die jüngere Westeuropäische Tafel. Siehe auch Fennosarmatia.

Ostexpansion, feudale: Bezeichnung für die Eroberungspolitik deutscher Feudalherren vor allem in den ursprünglich slawischen Gebieten östlich der Elbe. In der ersten Etappe der feudale Ostexpansion (10. Jahrhundert) wurden die Gebiete bis zur Oder vom deutschen Adel unter Führung des Königtums erobert, die dort lebenden slawischen Stämme der Abodriten, Lutizen und Sorben zur Tributleistung gezwungen. Die zweite Etappe (12./14. Jahrhundert) unter Führung deutscher Territorialfürsten beseitigte die seit 983 (großer Slawenaufstand) wiedererlangte Selbständigkeit der meisten westslawischen Stämme und führte unter anderem zur Errichtung der 1 deutschen Herrschaft in Brandenburg, Mecklenburg sowie im Gebiet der Pruzzen. Der feudalen Expansion der Fürsten und Ritter folgten Kaufleute (Städtegründungen, zum Beispiel 1143 Lübeck). Die westslawischen Stämme erlitten durch das brutale Vorgehen der deutschen Ritter schwere Verluste. Um die Renteneinkünfte zu steigern, rief der Adel deutsche Siedler in die eroberten Gebiete (Ostkolonisation). Die in diesen Gebieten entstehenden Territorien begünstigten die Zersplitterung in Deutschland.

Ostfeste: zusammenfassende Bezeichnung für die aus den 3 Erdteilen Europa, Asien und Afrika gebildete östliche Landmasse und den sich über die Inselbrücke des Malaiischen Archipels im Südosten anschließenden Erdteil Australien; größte Ost-West-Ausdehnung dieser zusammenhängenden Landmasse bei etwa bei 50° nördliche Breite. Für Ostfeste wird auch der Begriff «Alte Welt» (ohne Australien) im Unterschied zu Westfeste oder «Neue Welt» (Amerika) gebraucht.

Ostfranken, ostfränkisches Reich: Osthälfte des ehemaligen fränkischen Großreiches nach dem Vertrag von Verdun (843), aus dem sich bis zum Ende des 2. Jahrzehnts des 10. Jahrhundert der frühfeudale deutsche Staat entwickelte.

Ostfriesland: Küstengebiet in Niedersachsen, zwischen Dollart und Jadebusen, mit vorgelagerten Ostfriesischen Inseln; wichtigster Ort Emden, Rinderzucht, Ackerbau, Küstenfischerei. Von Karl dem Großen nach einem Aufstand der Friesen 784 erobert, gehörte es seit 870 zum ostfränkischen Reich. Nach dessen Auflösung bildeten sich zahlreiche kleine Herrschaften. Im 15. Jahrhundert hatte sich das Geschlecht der Cirksena (1464 Reichsgrafen) durchgesetzt. 1744 fiel Ostfriesland an die Niederlande, 1810 an Frankreich, 1815 an Hannover, 1866 wieder an Preußen; 1919 Freistaat. Seit 1946 gehört Ostfriesland zum Bundesland Niedersachsen.

Osthilfe: seit 1928 gewährte staatliche Subventionen zur Entschuldung und finanziellen Sanierung der ostelbischen Junker aus den Steuern der Arbeiter und Bauern. Die Subventionen erreichten bis zum Abschluss der Osthilfe im Jahre 1936 2,5 Mrd. Mark.

Ostia: Stadtteil Roms, nahe der Mündung des Tiber; Seebad. Ende des 4. Jahrhundert vor Christus zur Sicherung des römischen Handels gegründeter Hafen des antiken Roms; bedeutende Handelsmetropole; in der Kaiserzeit Haupthafen Roms und Flottenstützpunkt. Liegt heute durch Strandverschiebung 7 km landeinwärts.

Ostinato: (italienisch, «hartnäckig») immer wiederkehrendes, melodisch wie rhythmisch gleichbleibendes Motiv, meist im Bass (Basso ostinato).

Ostindien: frühere Bezeichnung für Vorder- und Hinterindien sowie den Malaiischen Archipel.

Ostindische Kompanien, Ostindienkompanien: staatlich privilegierte Gesellschaften für den Handel mit Indien und dem übrigen Südostasien, seit Beginn des 17. Jahrhundert in verschiedenen europäischen Ländern gegründet. Die britischen Ostindischen Kompanien erhielt 1600 Handelsprivilegien, 1661 Hoheitsrechte (Gesetzgebung, Truppenhaltung, Münzprägung) für die eroberten Gebiete Indiens, dehnte im 18./19. Jahrhundert die Herrschaft über ganz Indien und Burma aus; als maßlose Ausbeutung und Korruption die britische Herrschaft gefährdeten, wurde 1858 die britischen Ostindischen Kompanien aufgelöst und Indien britische Kronkolonie.

Ostium: (lateinisch) Eingang oder Mündung von Hohlorganen.

Ostkarpaten, rumänisch Carpatii Orientali: östlicher Teil des Karpatenbogens in Rumänien, bis zum Prahovatal (Predeal-Pass). Die Ostkarpaten sind im Osten überwiegend aus Sandstein (Flysch) aufgebaut, mit Mittelgebirgsformen, im zentralen Teil kristalline Gebirgsmassive mit den höchsten Gipfeln über 2000 m (Rodna Gebirge mit dem 2 303 m hohen Pietrosu-, Bistrita-Gebirge), im westlichen Innenbogen eine Kette vulkanischer Gebirgszüge (Caliman-, Gurghiu-, Harghita-Gebirge). Das Vrancea-Gebirge ist Ausgangspunkt von Erdbeben (zum Beispiel März 1977). Zahlreiche Gebirgssenken; von Mure, Olt, Siret und seinen Nebenflüssen Putna, Trotu, Bistrita entwässert. Die Pässe schließen sich meist an Engtäler an, 4 davon werden von Eisenbahnen überquert. Überwiegend Nadelwälder; Holzwirtschaft; Erdöl-, Braunkohlen-, Salzförderung, Baustoffgewinnung; Mineralquellen; Wasserkraftwerke; Kurorte Borsec, Borsa.

Östlich-orthodoxe Kirche: Gesamtheit der nach der Lösung der orientalischen Kirchen von der byzantinischen Reichskirche auf dem Konzil zu Chalkedon (451) bei Byzanz (das heißt unter dem ökumenischem Patriarchat von Konstantinopel) verbliebenen oder von hier aus missionierten Kirchen. Nach eigenständiger Entwicklung erfolgte 1054 die offizielle Trennung von der römisch-katholischen Kirche. Zur östlicher chalkedonischen Orthodoxie gehören heute 15 autokephale (unabhängige) Landeskirchen (russisch-orthodoxe, griechisch-orthodoxe unter anderem).

Ostpreußen: historische Bezeichnung für das Gebiet zwischen Wisla und Neman.

Ostrakismos, Scherbengericht: im antiken Athen Volksversammlungsbeschluss über die zehnjährige Verbannung bedeutender, aber staatsgefährdender Politiker (ohne Verlust von Bürgerrechten und des Vermögens); erforderlich waren 6000 Stimmen, auf Tonscherben geschrieben.

Ostrava, Moravska Ostrava: Stadt in der CSSR, Verwaltungszentrum des Nordmährischen Bezirkes, nahe der Grenze zu Polen; 330000 Einwohner; Zentrum des größten Steinkohlenreviers der CSSR und der Brennstoff- und Hüttenindustrie, als «Eisernes Herz der Republik» bezeichnet; sozialistischer Satellitenstädte als Wohnsiedlungen. Eisenhüttenkombinat im südlichen Stadtteil Vitkovice als größter Industriebetrieb des Landes, im südöstlichen Stadtteil Kunice Hüttenwerk «Nova Huta Klementa Gottwalda»; ferner Maschinenbau, Chemie-, Baustoff-, Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie; Verkehrsknoten, Flughafen; Hochschule für Bergbau und Metallurgie; Oper, Philharmonie.

Östrogene, Estrogene, Follikelhormone: Gruppe weiblicher Sexualhormone (Östradiol, Östriol, Östron). Östrogene sind Steroidhormone, die in Eierstock, Plazenta und Nebennierenrinde gebildet werden. Sie bewirken Ausbildung und Erhaltung der sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale. Während des Menstruationszyklus zeigt der Östrogenspiegel im Blut einen charakteristischen Verlauf mit einem Konzentrationsmaximum etwa am 12. Tag des Zyklus.

Ostroumowa-Lebedewa, Anna Petrowna, 17.5.1871-5.5.1955, russisch-sowjetische Graphikerin; bevorzugte in ihrem Schaffen (neben Lithographie und Linolschnitt) den Farbholzschnitt und das Aquarell und schuf in diesen Techniken oft ganze Zyklen von Stadtansichten, unter denen die-von Leningrad und seiner Umgebung besonders hervorstechen.

Ostrowski: 1. Alexander Nikolajewitsch, 12.4.1823-14.6.1886, russischer Dramatiker; seine ästhetischen Anschauungen formten sich unter dem Einfluss des Gogolschen kritischen Realismus und der Ideen der revolutionären Demokraten. Mit annähernd 50 Schauspielen schuf Ostrowski die Grundlage des klassischen Spielplans des russischen Theaters. Werke wie die Tragödie «Gewitter» (1859, deutsch) und die Komödien «Tolles Geld» (1870, deutsch), «Der Wald» (1871, deutsch) sowie «Wölfe und Schafe» (1875, deutsch) wirkten als aufrüttelnde Anklage gegen den Zarismus und den in Russland aufkommenden Kapitalismus.

2. Nikolai Alexejewitsch, 29.9.1904-22.12.1936, russisch-sowjetischer Schriftsteller. Obwohl er nach schweren Verwundungen im Bürgerkrieg teilweise gelähmt war und allmählich erblindete, schuf Ostrowski mit selbstloser Hingabe den Roman «Wie der Stahl gehärtet wurde» (1932/34, vollständig 1935, deutsch), der bei der Formung des Bewusstseins junger Revolutionäre in der ganzen Welt eine bedeutende Rolle gespielt hat. Der mit 3 Bänden geplante Roman «Die Sturmgeborenen» (1936, deutsch) blieb unvollendet.

Ostrow Wielkopolski: Stadt in Polen (Wojewodschaft Kalisz); 65000 Einwohner; Maschinenbau, Leichtindustrie; Eisenbahnknoten; südöstlich, bei Odolanow, Erdgasförderung.

Ostrumelien: historische Bezeichnung für den südöstlichen Teil Bulgariens. Vom Ende des 14. Jahrhundert bis 1878 unter türkischer Herrschaft, wurde Ostrumelien 1878 autonome türkische Provinz. Nach dem Aufstand 1885 kam es unter die Regentschaft des bulgarischen Fürsten und ist seit 1908 Bestandteil Bulgariens.

Ostsajan: 1000 km langes Gebirgssystem in Südsibirien zwischen Jenissej im Westen und Baikalsee im Osten; bis 3491m (Munku-Sardyk); vorherrschend Mittelgebirgscharakter; zum großen Teil mit Gebirgstaiga bedeckt; Glimmer-, Bauxit-, Graphit-, Phosphorit-Vorkommen.

Ostsee: Baltisches Meer. Randmeer des Atlantiks, über die Nordsee mit ihm verbunden; von den Ostseeländern Schweden, Finnland, UdSSR, Polen, DDR, BRD und Dänemark umgeben; Fläche 422000 km2; Nord-Süd-Ausdehnung 1500 km, Ost-West-Ausdehnung 700 km; mittlere Tiefe 53 m, größte Tiefe 459 m (Landsorttief) nördlich von Gotland; Wassertemperaturen im Sommer zwischen +13°C im Norden und +18 °C im Westen; in strengen Wintern Vereisung für mehrere Wochen, in den Meerbusen für 3 bis 4 Monate; Salzgehalt von Westen nach Osten von 20 %a auf 2 % abnehmend; gegliedert in Kattegat, Belt-, Arkona-, Bornholm-, Gotlandsee, Rigaer, Finnische und Bottnische Meerbusen; Buchten besonders im Süden (Kieler, Mecklenburger, Oderbucht, Bucht von Gdansk); Meerengen zwischen Kattegat und der eigentlichen Ostsee (Öresund, Großer und Kleiner Belt); kaum Gezeiten. Die Ö. ist geologisch jung; sie ist durch die ausräumende Arbeit des Inlandeises und Meeresspiegelanstieg entstanden; ihr Boden ist durch Schwellen und Becken gegliedert. Die zahlreichen Inseln (Alandinseln, Saaremaa, Hiiumaa, Gotland, Öland, Bornholm, Seeland, Fünen, Lolland, Fehmarn, Rügen, Usedom, Wolin unter anderem) sind Festlandsreste. Bedeutende Flüsse wie Oder, Wisla, Neman, Düna, Newa unter anderem führen der Ostsee Süßwasser zu; am Grund fließt in geringen Mengen Salzwasser aus der Nordsee ein. Der Fischreichtum ist beträchtlich, angelandet werden vor allem Hering, Sprotte, Dorsch, Plattfisch und Aal. Die Ostsee ist ein wichtiger Verkehrsträger. zwischen den Anliegerstaaten besteht ein starker Fährverkehr; dem. schnelleren Zugang zum Atlantik dient der Nord-Ostsee-Kanal; zahlreiche Seebäder. Der Verschmutzung der Ostsee soll durch gemeinsame Anstrengungen der Anliegerstaaten begegnet werden.

Ostsee-Schwarzmeer-Schifffahrtsweg: geplante Binnenwasserstraße in der UdSSR vom Dnepr über Pripyat, Jasselda, Schtschara und Neman; etwa 2430 km; über Dnepr-Bug-Kanal Anschluss zur Wisla; Sicherung der Fahrwassertiefe durch Stauanlagen und Stauseen.

Ostserbisches Gebirge: Kalksteinberggruppen in Jugoslawien, an der bulgarischen Grenze; bis 1923 m (Besna Kobila); Kupfererz- (Bor, Majdanpek), Eisenerz-, Bleierz-, Steinkohlen-, Braunkohlen- (Zajecar), Phosphat- und Salzbergbau.

Ostsibirischer Wirtschaftsbezirk: wirtschaftsräumliche Einheit im asiatischen Teil der RSFSR; 4,12 Millionen km2, 8,66 Millionen Einwohner (71% in Städten); 2 Einwohner/km2. Wichtigste Wirtschaftszweige im Unionsmaßstab der UdSSR sind Brennstoffindustrie, Elektroenergieerzeugung, Buntmetallurgie, chemische, Maschinenbau-, Holz- und Zelluloseindustrie sowie die Pelztierjagd. Hauptindustriezentren sind Krasnojarsk und Irkutsk.

Ostsibirische See: flaches Randmeer des Arktischen Ozeans vor der Küste Nordostsibiriens zwischen den Neusibirischen Inseln im Westen und der Wrangelinsel im Osten; 913000 km2, bis 915 m tief; Salzgehalt im Norden bis 30 %o; den größten Teil des Jahres eisbedeckt; Küstenfischerei.

Ostslawisch: a) Sammelbezeichnung für die russische, ukrainische und belorussische Sprache, denen in der Gliederung der slawischen Sprachen die süd- und die westslawischen Sprachen gegenüberstehen;

b) im historischen Sinne die sich aus dem Gemeinslawischen etwa seit Mitte des 1. Jahrtausend nach Christus herauslösende Sprache der russischen Stämme und der Kiewer Rus; existierte bis zum 14. Jahrhundert, das heißt bis zur Bildung der russischen, ukrainischen und belorussischen Sprache.

Ostslowakischer Bezirk: Verwaltungseinheit der CSSR, der Ostteil der SSR; 16191 km2, 1,4 Millionen Einwohner; 87 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Kosice. Vorwiegend waldreiches Gebirgsland mit Anteil an der Hohen Tatra, dem Slowakischen Erzgebirge sowie den westlichen Waldkarpaten; Niederungsgebiete im Südosten und teilweise im Süden am Homed. Der östliche Teil der Slowakei war in kapitalistischer Zeit ein stark unterentwickeltes Gebiet nach 1945 planmäßiger Aufbau einer leistungsfähigen sozialistischen Wirtschaft; wichtigste Industriestandorte Kosice (Ostslowakischer Eisenhüttenkombinat), Presov, Poprad, Humenn6; neben der vielseitig entwickelten Leichtindustrie zunehmend Maschinenbau und chemische Industrie. Ausgedehnte Weide- und Wiesenwirtschaft mit Rinder- und Schafhaltung, besonders in den Gebirgsgegenden; intensiv betriebene Forstwirtschaft Erholungsgebiete mit zum Teil international bekannten Bädern und Kurorten.

Oststeirisches Hügelland: von Mur, Raab und Feistritz zerschnittenes Hügelland in der Steiermark (Österreich); ertragreiche Landwirtschaft (Weizen, Mais, Hopfen, Obst, Wein); Basaltsteinbrüche; Braunkohlenforderung.

Ostung, Orientierung: vorherrschende Ausrichtung sakraler Gebäude in West-Ost-Richtung, der alten Gebetsrichtung der christlichen Gemeinde, unter Anordnung des Heiligtums, Altars oder Chores im Ostabschluss. Allerdings wurde diese Orientierung keineswegs immer genau eingehalten; prinzipielle Abweichungen sind jedoch erst nach dem Mittelalter häufiger.

Ostwald, Wilhelm, 2.9.1853-4.4.1932, Chemiker. Ostwald studierte in Dorpat (Tartu), war 1881/87 Professor für Chemie am Polytechnikum Riga und 1887/1906 Professor für physikalische Chemie an der Universität Leipzig. Er begründete mit S. Arrhenius und J. H. van’t Hoff die physikalische Chemie, die er in Lehre, Forschung und Publikation organisierte. Seine Forschungen erstreckten sich unter anderem auf chemische Affinität elektrolytische Dissoziation, Elektrochemie, Theorie der Lösungen, Reaktionskinetik und Katalyse. Er fand 1888 das nach ihm benannte Ostwaldsche Verdünnungsgesetz und entwickelte um 1908 das technischen Verfahren der Ammoniakoxydation (Ostwaldverfahren) zur Herstellung von Salpetersäure; in den letzten Jahren seines Lebens schuf er in Großbothen bei Leipzig die Grundlagen der messenden Farbenlehre. Ostwald vertrat bei vielen Problemen atheistischer und materialistischer Positionen, betrachtete jedoch die Energie als Ursubstanz, der allein das Prädikat Realität zukomme, und wurde daher von Lenin scharf kritisiert. Als Vorsitzender des «Monistenbundes» wandte er sich gegen die Bevormundung der Wissenschaft durch die Kirche. Durch seine Herausgabe von «Ostwalds Klassikern der exakten Wissenschaften», etwa 200 Originalarbeiten hervorragender Gelehrter, erwarb er sich große Verdienste um die Geschichte der Naturwissenschaften. Eine Ostwald-Gedenkstätte befindet sich in Großbothen.

Oswald von Wolkenstein, 2.5.1367 (oder 1377) bis 2.8.1445, Minnesänger aus Tirol; seine Lyrik (Liebesgedichte, Minne-, Zechlieder) markiert innerhalb der deutschsprachigen Literatur den Übergang zur Literatur der Frührenaissance.

Oszillator:

1. Oszillator, Steuergenerator: Elektronik Schaltung zur Erzeugung ungedämpfter harmonischer Schwingungen (harmonische Oszillator) beziehungsweise periodische Impulssignale (Impulsoszillator).

2. Physik: schwingungsfähiges System (zum Beispiel Pendel, Dipol, Molekül). Siehe auch harmonischer Oszillator.

Oszillatorschaltung: eine Schaltungsanordnung zur Erzeugung von ungedämpften, meist harmonische Schwingungen. Die Einteilung der Oszillatorschaltung erfolgt nach ihren Wirkprinzipien, zu erzeugenden Schwingungsformen, Frequenzen, eingesetzten Bauelementen und Anwendungsbereichen.

Oszillograph: Gerät zur Beobachtung und fotografischer Registrierung des zeitlichen Verlaufs elektrischer Ströme und Spannungen. Beim Schleifen- oder Lichtstrahl-Oszillograph wird mit Hilfe einer Messschleife ein Lichtstrahl ausgelenkt und seine Spur auf bewegtem Fotopapier aufgezeichnet (siehe auch Linienschreiber). Zur Beobachtung insbesondere schnell verändert. Vorgänge mittels einer Elektronenstrahlröhre dient das Elektronenstrahloszilloskop.

Otaru: Stadt in Japan, auf der Insel Hokkaido, nordwestlich von Sapporo, am Japanischen Meer; 180000 Einwohner; Werft, fischverarbeitende Industrie; Haupthafen von Hokkaido, Fischereihafen.

Otero: 1. Blas de, geboren 15.3.1916, spanischer Lyriker; seine Dichtung zeigt zunehmende Behandlung sozialer und politischer Fragen («Spanien singt für Kuba», 1962).

2. González Lisandro, geboren 4.6.1932, kubanischer Schriftsteller, gestaltet hauptsächlich die kubanische Gesellschaft der 40er/50er Jahre und den Anschluss jugendlicher Helden an die revolutionäre Bewegung (Romane «Schaler Whisky», 1963; «Wehe dir, große Stadt», 1973; beide deutsch).

Otero Silva, Miguel, 26.10.1908-28.8.1985, venezolanischer Schriftsteller, gestaltete den Kampf des venezolanisches Volkes (Romane «Fieber», 1939; «Der Tod des Honorio», 1963; «Ich weine nicht», 1972; alle deutsch) und historische Themen (Roman «Lope de Aguirre, Fürst der Freiheit», 1979, deutsch).

Otfried von Weißenburg, elsässischer Mönch, erster namentlich bekannter deutschsprachiger Dichter, verfasste zwischen 863 und 871 in südrheinfränkischen Mundart eine Evangelienharmonie, die erste deutsche Versdichtung mit durchgängigen Endreimen.

Othämatom: Bluterguss im Bereich der Ohrmuschelvorderseite, als kissenartige prallelastische Vorwölbung in Erscheinung tretend; nicht schmerzhaft.

Othello: Titel- und Hauptheld einer Tragödie von W. Shakespeare, dem als Quelle vor allem die Novelle «Hecatommithi» (1565) des Italieners Giraldi Cinthio diente.

Otho, Marcus Salvius, 28.4.32-16.4.69 (Selbsttötung), römischer Kaiser seit 15.1.69; als Statthalter in Lusitanien beteiligte sich Otho 68 am Aufstand des Vindex und Galba gegen Nero. Von seinen Truppen zum Kaiser proklamiert, ließ er Galba umbringen. Otho unterlag Vitellius in der Schlacht bei Bedriacum.

Oti: linker Nebenfluss des Volta, in Ghana; über 500 km lang; entspringt in Benin als Pendían der Oberguineaschwelle, durchfließt Togo und Ghana, mündet in den Voltastausee; Fischfang.

Otitis externa:

1. Medizin: Entzündung der Gehörgangshaut, flächenhaft oder umschrieben (Gehörgangsfurunkel).

2. Veterinärmedizin: Ohrzwang.

otogene Komplikationen: Ausbreitung von Entzündungen des Mittelohrs auf benachbarte Bereiche und Entwicklung selbständiger Krankheitsbilder. Es können Mastoiditis, Sinusthrombose, Labyrinthitis, Fazialisparese, Eiterdurchbrüche sowie Hirnhautentzündung und Hirnabszesse auftreten.

Otomi: zur Urbevölkerung des Hochlandes von Mexiko zählendes indianisches Volk, das durch die Nahua-Stämme (Tolteken, Azteken) verdrängt wurde; Jäger und Bodenbauer; heute nur noch etwa 300000.

Otoneurologie: (griechisch) Lehre über den Vestibularapparat und der mit ihm verbundenen Hirnbereiche einschließlich der speziellen Untersuchungstechniken.

Otosklerose: vererbbare Erkrankung der knöchernen Labyrinthkapsel im Schläfenbein; gekennzeichnet durch herdförmige Knochenneubildungen, die die normale Steigbügelbeweglichkeit blockieren und eine zunehmende Schalleitungsschwerhörigkeit zur Folge haben. Das Innenohr wird ebenfalls geschädigt. Die Ursache der Otosklerose ist noch unbekannt.

Otoskop: (griechisch) Spezialinstrument zur schnellen und vereinfachten Untersuchung des Trommelfells.

Otrebski: Bodenabschnitte, die die russischen Bauern nach Aufhebung der Leibeigenschaft 1861 den Gutsbesitzern abtreten mussten. Durch diesen Bodenraub wurden die Bauern gezwungen, zu härtesten Bedingungen Boden von den Gutsbesitzern oder den Kulaken zu pachten; die Rückgabe der Otrebski war eine Hauptforderung der Bauern in der Revolution 1905/07.

Otrokovice: Stadt in der CSSR (Südmährischer Bezirk), westlich von Gottwaldov; 17000 Einwohner; größtes Reifenwerk der CSSR, Maschinenbau und Textilindustrie.

Otsowisten: («Abberufung») Anhänger einer dem Anarchismus nahestehenden linksopportunistischen Strömung in der russischen Sozialdemokratie, besonders 1907/11. Die Otsowisten wollten auf legale Formen der politischen Arbeit und auf die Massenarbeit der Partei verzichten; 1909 als Gruppe aus der SDAPR ausgeschlossen.

Ottawa: 1. Ottawa: Fluss im Südosten Kanadas, größter Nebenfluss des Sankt-Lorenz-Stroms; 1271 km; entspringt im Hügelland der Kanadischen Seenplatte, mündet bei Montreal. Ottawa und linker Nebenfluss Gatineau sind zur Energiegewinnung mehrfach aufgestaut (Carillon, 655 MW); auf den letzten 400 km schiffbar; Kanal zum Ontariosee.

2. Hauptstadt von Kanada, in der Provinz Ontario, am Ottawa 1; 300000 Einwohner, als Metropolitan Area 720000 Einwohner; Verwaltungs-, Verkehrs- und Kulturzentrum des Landes; Holz-, Papier-, polygraphische Industrie; Binnenhafen (Kanal zum Ontariosee); seit 1969 offiziell zweisprachige Stadt (Französisch, Englisch); 3 Universitäten (2 zweisprachige, 1 englischsprachige), zahlreiche wissenschaftliche Institute, Nationalgalerie, -bibliothek, -museum und nationales Kunstzentrum; Parlamentsgebäude.

Otter, («Wassertier») Lutrinae: dem Wasserleben angepasste Marder mit gestrecktem Körper, kurzen Beinen, Schwimmhäuten zwischen den Zehen und kräftigem Schwanz. An eurasischen Gewässern der Fischotter (Lutra lutra); in Küstengewässern des nördlichen Stillen Ozeans der Meer- oder Seeotter (Enhydra lutris), dessen braunes bis schwarzbraunes Fell besonders wertvoll ist.

Ottergerät: torpedoförmiges Minenräumgerät, das, von Schiffen nachgeschleppt, die Halteseile von Ankertauminen zerschneidet.

Ottern, (noter (irrtümlich weggefallenes n) mittelhochdeutsch nater, «Natter») Vipern, Viperidae: Schlangenfamilie mit 2 durchbohrten Giftzähnen im Oberkiefer, die bei geschlossenem Maul umgelegt werden können; meist flacher, dreieckiger Kopf, plumper Rumpf und kurzer Schwanz. Otterngift wirkt hauptsächlich hämo- beziehungsweise histolytisch, es findet zur Herstellung verschiedener Medikamente Verwendung. Ottern sind meist lebendgebärend, fressen Nagetiere, Eidechsen, Lurche unter anderem. In Eurasien kommen die Kreuzotter, in Südeuropa Sandotter und Wiesenotter sowie die Aspisviper vor. Die über 1,5 m lange asiatisch-nordafrikanische Levanteottern (Vipera lebetina) kommt auch auf einigen Ägäischen Inseln vor. Attraktiv gefärbt ist die 1,6 m lange asiatische Kettenviper; Wüstenbewohner von Mittel- und Vorderasien bis Nord- und Zentralafrika ist die 60 cm lange Sandrasselottern oder Efa (Echis carinatus), die durch Schuppenreibung Geräusche erzeugt. Die Puffottern (Bitis arietans), Gabunviper (B. gabonica) und Nashornviper (B. nasicornis) haben einen massigen Körper und sind zum Teil über 1,5 m lang, sie besitzen bis 4 cm lange Giftzähne.

Ottmer, Carl Theodor, 19.1.1800-22.8.1843, Architekt; seit 1829 besonders in Braunschweig tätig; Vertreter des Spätklassizismus. Hauptwerke: Singakademie in Berlin (1827; heute Maxim-Gorki-Theater), Hauptbahnhof in Braunschweig (1845), Bayrischer Bahnhof in Leipzig (1842).

Otto: 1. Hans, 10.8.1900-24.11.1933 (von den Faschisten ermordet), Schauspieler, besonders Interpret klassischer Rollen in Gera, Hamburg und seit 1930 am Staatstheater Berlin. Otto war Mitglied der KPD, Vorsitzender des Arbeiter-Theater-Bundes im Bezirk Berlin und leitender Funktionär der Revolutionären Gewerkschaftsopposition; siehe auch Hans-Otto-Wettbewerb.

2. Hans Otto, geboren 29.9.1922, Organist und Cembalist; wirkte 1949/68 in Dresden; ist seit 1968 Domorganist in Freiberg, seit 1985 Organist der Konzerthalle «G. P. Telemann» in Magdeburg; Konzertreisen führten ihn durch Europa und die USA

3. Herbert Otto, geboren 15.3.1925, Schriftsteller; schrieb «Die Lüge» (1956, Roman über Sowjet Kriegsgefangenschaft), Gegenwartsromane über die Entwicklung des Sozialismus («Zeit der Störche», 1966; «Zum Beispiel Josef», 1970; «Die Sache mit Maria», 1976; «Der Traum vom Elch», 1983) sowie Reportagen und Erzählungen.

4. Nikolaus August Otto, 14.6.1832-26.1.1891, Ingenieur; erfand 1867 mit E. Langen die erste wirtschaftlich arbeitende Gasverbrennungskraftmaschine und konstruierte 1876 den Ottomotor, der das Vorbild für den gesamten weiteren Verbrennungsmotorenbau gab.

Otto, Fürsten. Deutsche Könige und römische Kaiser: 1. Otto der Große, 23.11.912-7.5.973, König seit 936, Kaiser seit 962; Sohn Heinrichs I.; es gelang ihm mit seiner Innenpolitik, gestützt besonders auf die geistlichen Feudalherren (Reichskirchensystem), den frühfeudalen deutschen Staat zu festigen. Er trieb Eroberungspolitik gegenüber den Slawen und in Italien (951 König von Oberitalien) und besiegte die Ungarn auf dem Lechfeld (955) entscheidend. Infolge der frühen Stärkung der deutschen Zentralgewalt erlangte Otto eine hegemoniale Stellung unter den Herrschern in West- und Mitteleuropa; förderte besonders das Erzbistum Magdeburg.

2. Otto ll., 955-7.12.983, König seit 961, Kaiser seit 967; Sohn von Otto l.; regierte erst nach dem Tode seines Vaters; erlitt 982 bei Cotrone (Crotone, Italien) eine schwere Niederlage gegen die Araber. Otto war seit 972 mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu verheiratet

3. Otto III., 980-23.1.1002, König seit 983, Kaiser seit 996; Sohn von Otto 2; bis 991 übte seine Mutter Theophanu, bis 994 seine Großmutter Adelheid die Regentschaft für ihn aus; kämpfte seit 996 meist in Italien und um Rom, das er zur Residenz eines theokratischen Universalreichs machen wollte.

4. Otto BV., 1175/76 oder 1182-19.5.1218, Gegenkönig Philipps von Schwaben seit 1198, Kaiser seit 1209; Welfe, Sohn Heinrichs des Löwen; konnte sich trotz päpstlicher Unterstützung nicht gegen die Partei durchsetzen; nach der Ermordung Philipps (1208) erneut gewählt, wurde 1212/14 durch Friedrich II. verdrängt (Schlacht bei Bouvines).Bayern: 5. Otto, Graf von Northeim, gestorben 11.1.1083, reicher sächsischer Feudalherr, Herzog 1061/70; stand auf der Seite der Fürstenopposition gegen Heinrich IV.

6. Otto, Otto I. von Wittelsbach, um 1120-11.7.1183, Herzog seit 1180; wurde nach dem Sturz Heinrichs des Löwen von Friedrich I. Barbarossa mit Bayern belehnt, das seitdem bis 1918 bei den Wittelsbachern verblieb.

Meißen: 7. Otto, Otto der Reiche, vor 1030-18.2.1190, Markgraf seit 1156; förderte den Freiberger Silberbergbau.

Pfalz: 8. Otto, Otto Heinrich, Ottheinrich, 10.4.1502 bis 12.2.1559, Kurfürst seit 1556; führte 1556 die Reformation in der Pfalz ein.

Ottobeuren: Benediktiner-Abtei in Baden-Württemberg, gegründet 764, seit 1711 barocker Neubau von gewaltigen Ausmaßen. Ab 1748 unter Leitung von J. M. Fischer Bau der Klosterkirche (Chor und Aufriss), in der sich Langhaus- und Zentralbau glänzend verbinden.

Ottomotor: (nach N. A. Otto) Verbrennungsmotor mit elektrischer Zündung (Fremdzündung) des Kraftstoff-Luft-Gemisches. Man unterscheidet Ottomotor mit äußerer (Vergasermotoren) und Ottomotor mit innerer Gemischbildung (Zuführung des Kraftstoffes in den Verbrennungsraum durch Einspritzpumpe). Die Verteilung des Zündstromes (bei Mehrzylindermotoren) auf die Zündkerzen der einzelnen Zylinder geschieht in regelmäßiger Folge mittels besonderer Vorrichtungen (Verteiler).

ottonische Kunst: deutsche Kunst zur Zeit der sächsische Kaiser (Liudolfinger oder Ottonen; 919/1024); spätantike und byzantinische Anregungen werden gemeinsam mit karolingische Traditionen selbständig verarbeitet die Grundformen des romanischen Stiles bilden sich heraus: flachgedeckte, oft stützenwechselnde Basiliken mit Krypta, Westwerk oder Doppelchor (Gernrode, St. Cyriakus, begonnen um 959; Hildesheim, St. Michael, begonnen 1010); Großplastik in Holz (Kölner Dom, Gerokreuz), Stuck und Stein; Bronzeplastik (Bernwardinische Kunst); Goldschmiedekunst (Paris, Baseler Antependium); Elfenbeinschnitzereien; ausdrucksstarke Buchmalerei aus den Klöstern Reichenau (Evangeliar Ottos III., Perikopenbuch Heinrichs H.), Trier (Registrum Gregorii), Fulda und St. Gallen; Reste von Wandmalereien (Reichenau Oberzell, St. Georg).

Otto-Peters, Luise, 26.3.1819-13.3.1895, eine Führerin der bürgerlichen Frauenbewegung, Schriftstellerin; gründete 1849 die erste deutsche Frauenzeitung; 1865 war sie Mitbegründerin und lange Zeit Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins; schrieb unter anderem «Schloss und Fabrik» (3 Bände, 1846).

Ottoscher Kreisprozess: (nach N. A. Otto) Kreisprozess, bei dem folgende Zustandsänderungen nacheinander stattfinden:

a) Ansaugen des Kraftstoff-Luft-Gemisches und anschließende adiabatische Kompression;

b) isochore Erwärmung (Zündung und Verbrennung) des Gemisches;

c) adiabatische Expansion;

d) Ausstößen der verbrannten Gase in die Atmosphäre. Der Ottoscher Kreisprozess ist eine idealisierte Form der im Ottomotor ablaufenden thermodynamischen Vorgänge. Siehe auch Kreisprozess, Dieselscher Kreisprozess.

Otto von Bamberg, um 1062-30.6.1139, Bischof von Bamberg seit 1102; war kurze Zeit Kanzler Heinrichs IV.; 1124/25 und 1128/29 als Missionar in Pommern. Otto von Bamberg war Neugründer beziehungsweise Erneuerer von etwa 25 Klöstern und Stiften.

Otto von Freising, um 1114/15-22.9.1158, Bischof von Freising seit 1138; Bruder Konrads III.; seine zwischen 1143 und 1146 geschriebene Weltchronik und seine etwa ein Jahrzehnt später entstandenen «Gesta Friderici» (Taten Friedrichs) gehören zu den wichtigsten historischen Quellen für die frühe Stauferzeit, deren bedeutendster Geschichtsschreiber er war.

Otwock: Stadt in Polen (Wojewodschaft Warschau); 47000 Einwohner; Kur- und Erholungsort inmitten ausgedehnter Wälder; Kernforschungsinstitut mit dem ersten polnischen Kernreaktor; geophysikalisches Observatorium.

Ötztal: rechtes Seitental des Inns in Tirol (Österreich); 40 km lang, durchflossen von der Ö.er Ache, mit mehreren Talstufen; gabelt sich im oberen Teil in Venter und Gurgler Tal mit der höchstgelegenen Dauersiedlung des Landes (Obergurgl, 1927 m überm Meer, 120 Einwohner); Zugänge zu den vergletscherten Ötztaler Alpen (Wildspitze, 3774 m); im breiteren unteren Teil fruchtbar (Mais, Weizen, Obst; Viehzucht); Fremdenverkehr (Sölden, Schwefelbad Längenfeld).

Ouagadougou, Wagadugu: Hauptstadt von Burkina, zwischen Weißem und Rotem Volta; 300000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Holz-, Baumwoll-, Lederindustrie; Verkehrsknoten am, Endpunkt einer Eisenbahnlinie von Abidjan; südöstlich von Ouagadougou internationaler Flughafen; Universität, ethnologisches Museum.

Oujda: Stadt (Provinzzentrum) im Nordosten Marokkos; 470000 Einwohner; Metall-, Lebensmittelindustrie; Handelszentrum; Straßenknoten; mauerumwehrte Altstadt mit Kasbah und vielen Moscheen. Bei Oujda Bergbau (Steinkohle, Buntmetalle) und Stahlwerk.

Oulu, Uleaborg: Stadt im Westen Finnlands, Verwaltungszentrum der Provinz Oulun, an der Mündung des Oulujoki in den Bottnischer Meerbusen; 95000 Einwohner; Holz-, Zellulose-, chemische (Stickstoff, Chlor) Industrie; Wasserkraftwerk; Hafen; Universität.

Oulujoki: Fluss im mittleren Finnland; 100 km; entspringt im Höhenzug Maanselkä, mündet in den Bottnischen Meerbusen; entwässert den Oulusee (900 km2), Wasserkraftwerke; Flößerei.

Outokumpu: Stadt im mittleren Finnland, am Nordrand der Finn. Seenplatte; 10000 Einwohner; bedeutende Buntmetalllagerstätte (Pyrit mit Kupfer, Zink, Kobalt, Nickel), Bergbau und Erzaufbereitung.

Ouvertüre: (französisch, «Eröffnung») a) instrumentale Einleitungsmusik zu größeren Instrumental oder Vokalkompositionen (Oper, Operette, Oratorium, Ballett), auch zu Schauspielen. Die Ouvertüre entwickelte sich im 17. Jahrhundert aus vielfältigen Eröffnungsmusiken (zum Beispiel Intrada, Sinfonia) zu 2 dreiteiligen Werktypen, französische Ouvertüre mit der Gliederung langsam schnell langsam und zur italienischen Ouvertüre mit der Gliederung schnell langsam schnell;

b) im 18. Jahrhundert Bezeichnung für die mit einer französischen Ouvertüre eingeleitete Orchestersuite;

c) seit dem 19. Jahrhundert die Aneinanderreihung beliebter Operettenmelodien in der Potpourri-Ouvertüre;

d) im 19./20. Jahrhundert die musikalisch selbständige Konzertouvertüre.

Ovarialinsuffizienz: ungenügende Leistung der Eierstöcke; Wachstum, Reifen und Platzen des Follikels sind gestört. Dadurch treten unregelmäßige Menstruationen auf. Die Ovarialinsuffizienz kann Sterilität zur Folge haben. Man unterscheidet die primäre Ovarialinsuffizienz (die Eierstöcke sprechen auf die adäquate Stimulierung, die hypophysären Gonadotropine, nicht an) und die sekundäre Ovarialinsuffizienz (leistungsfähige Eierstöcke werden von der Hypophyse nicht adäquat stimuliert).

Ovarialzyklus: Menstruationszyklus: mit der Geschlechtsreife einsetzende, sich rhythmisch wiederholende, in Phasen verlaufende Vorgänge in Eierstöcken und Gebärmutter von etwa 28tägiger Dauer. Nach der Menstruation reift in der Follikelphase (zwischen dem 6. und 15. Tag) unter dem Einfluss des in der Hypophyse gebildeten follikelstimulierenden Hormons in einem der beiden Eierstöcke ein Follikel (eitragendes Bläschen) zum Graafschen Follikel heran. Die in den Eierstöcken gleichzeitig gebildeten Östrogenen Hormone bewirken ein synchrones Wachstum der Gebärmutterschleimhaut (Proliferationsphase) und eine Rückinformation an die Hypophyse (Rückkopplungsmechanismus). Unter dem Einfluss von hypophysärem Luteinisierungshormon platzt schließlich der Graafsche Follikel (etwa zwischen dem 11. und 15.Tag), so dass die frei werdende Eizelle durch den Eileiter in die Gebärmutter gelangen kann. In der folgenden Corpus-luteum-Phase (Zeit vom Eisprung bis etwa 27. Tag) bildet sich der gesprungene Follikel in eine Hormondrüse, den Gelbkörper, um. Das Gelbkörperhormon bewirkt (der Corpus-luteum-Phase synchron) eine Auflockerung und Nährstoffanreicherung in der Gebärmutterschleimhaut (Sekretionsphase) zwecks eventueller Aufnahme eines befruchteten Eies. Hat keine Befruchtung stattgefunden, gehen Gelbkörper und Ei zugrunde. Die sekretorisch umgewandelte Schleimhaut wird unter Blutung (Menstruation) etwa am 28. Tag abgestoßen.

Ovation: Huldigung; Beifallssturm.

Overall: einteiliger Anzug, ursprünglich Arbeitskleidung.

Overbeck, Johann Friedrich, 3.7.1789-12.11.1869, Maler; gründete 1809 mit F. Pforr in Wien den Lukasbund, übersiedelte 1810 nach Rom und war dort der Hauptmeister der Nazarener. Overbeck widmete sich vornehmlich der religiösen Malerei, schuf aber auch verinnerlichte Bildnisse und zartempfundene Zeichnungen.

Overhauser-Effekt: (nach einem US-amerikanischen Physiker) Polarisierung von Atomkernen durch die Sättigung der Elektronenresonanz. Der Overhauser-Effekt tritt insbesondere bei der Doppelresonanz in der Hochfrequenzspektroskopie auf.

Overijssel: Provinz im Osten der Niederlande; 3 926 km2, 1,0 Millionen Einwohner; 255 Einwohner/km2; Marschen, Polder; Grünland, Milchviehwirtschaft, Ackerbau; im Osten das Geestland Twenthe mit dem Textilindustriegebiet um Enschede; außerdem metallverarbeitende, Farben-, Nahrungsmittel-, elektrotechnische Industrie; wichtige Wasserstraßen (Ussel, Kanäle).

Ovid, Publius Ovidius Naso, 20.3.43 vor Christus-um 18 nach Christus (in der Verbannung), römischer Dichter, verfasste Liebeselegien («Heroldes» (Liebesbriefe von Heroinen der griechischen Sage), «Ars amandi» (Liebeskunst), «Remedia amoris» (Heilmittel gegen die Liebe)). Die «Metamorphosen» sind Verwandlungssagen in Hexametern; die «Fasti» sind ein römischer Festkalender (bis Juni reichend). In der Verbannung in Tomis (Constanza; seit 8 nach Christus) schrieb Ovid unter anderem «Tristia» (Klageelegien) und «Briefe vom Pontos».

Oviedo: Stadt im Norden Spaniens, Zentrum der Region Asturien und Verwaltungssitz der Provinz Oviedo, inmitten eines bewässerten Beckens; 185000 Einwohner; Mittelpunkt des asturischen Steinkohlen- und Eisenerzbergbaus; Zement-, chemische, Tabakindustrie; Maschinenbau; Universität (seit 1598). Hervorragende Bauwerke aus der Zeit Ramiros I. von Asturien (842/50) sind die Königshalle (heute wiederhergestellt als Aula Regia, zuvor seit 848 Kirche S. Maria de Naranco) und S. Miguel de Liño; S. Julián de los Prados (romanische Basilika), Kathedrale (begonnen 820, Hauptbauzeit 1348/1556, großartiges Werk der spanischen Gotik, reiche Ausstattung), Gebäude der Universität (17. Jahrhundert), Bischofspalast (16./18. Jahrhundert). Das römische Ovetum wurde 757/62 durch Asturien neu gegründet, war 793/924 Hauptstadt Asturiens. 1934 Zentrum des asturischen Bergarbeiteraufstandes, im Spanischen Freiheitskampf 1936/39 hart umkämpft.

Oviparie: Form der geschlechtlichen Fortpflanzung, bei der unbefruchtete Eier abgelegt werden, die nach (bei vielen Wirbellosen, Fischen und Lurchen) oder im Moment der Eiablage (zum Beispiel bei Spinnen, Insekten) befruchtet werden.

Ovoviviparie: Vermehrung durch Ablage befruchteter Eier, die mehr oder weniger weit entwickelte Keimlinge (bei manchen Wirbellosen, Kriechtieren und Vögeln) oder schon vollausgebildete Larven oder Jungtiere (bei manchen Würmern, Wanzen, Schlangen) enthalten.

Ovulation, Follikelsprung, Eisprung: Freiwerden eines reifen Eies durch Platzen des Graafschen Follikels; erfolgt etwa zwischen 11. und 15.Tag des Ovarialzyklus und wird von manchen Frauen als schmerzhaft infolge Bauchfellreizung empfunden (Mittelschmerz). Siehe auch Konzeptionsoptimum. Ovulationshemmer: Wirkstoffe, die über eine Hemmung im Zwischenhirn gelegener Zentren die Entwicklung und Abgabe befruchtungsfähiger Eizellen aus dem Eierstock verhindern; werden vorwiegend als hormonale Antikonzeptionsmittel in Form von Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten verwendet.

Ovulationssynchronisation: terminliche Gleichschaltung des Eisprungs bei einer Tiergruppe durch biotechnische Maßnahmen.

Owen: 1. Sir Richard Owen, 20.7.1804-18.12.1892, britischer Anatom und Paläontologe; untersuchte als erster eingehend zahlreiche, meist fossile, Tiere (Moa, Archaeopteryx, Gürteltiere, Schnabeltier unter anderem) und zog allgemeine Schlüsse; entwickelte die ~anatomischen Begriffe «Homologie» und «Analogie».

2. Robert Owen, 14.5.1771-17.11.1858, britischer utopischer kommunistischer Owen kämpfte vom Standpunkt der materialistischen Milieutheorie für neue Eigentums- und Verteilungsverhältnisse («Das Buch über die neue moralische Welt», 1836/37, deutsch). In seiner Baumwollspinnerei New Lanark (1800/29) erreichte er höhere Rentabilität dank mustergültiger sozialer und kultureller Lebensbedingungen. 1819 initiierte er das erste moderne Arbeiterschutzgesetz, 1817 ein Arbeitersiedlungsprogramm. Obwohl sich seine Erwartungen nicht erfüllten, kommunistische Musterkolonien (ab 1825) sich nicht bewährten, ebenso wenig der 1832/34 auf Gewerkschaften und Genossenschaften gestützte Versuch, den Arbeitern ihren Anspruch auf ihr Produkt über eine Warenaustauschbörse zu sichern, verneinte Owen zeitlebens den ökonomischen wie politischen Klassenkampf und verfocht beharrlich den Weg der Aufklärung und Überzeugung durch praktisches Beispiel. Er trat für gemeinsamen Unterricht der Geschlechter und dessen Ausdehnung auf die armen und arbeitenden Bevölkerungsschichten ein. Den Unterricht verband er mit produktiver Arbeit der Kinder und Gymnastik.

Owen-Falls-Staudamm: Stauwerk in Uganda, am Victorianil, bei Jinja; erhöht den Wasserspiegel des Victoriasees um 1 m (= 69 Md. m3 Stauwasser); Kraftwerk (150 MW; Elektrizitätsexport nach Kenia).

Owens, James Cleveland (gen. Jesse), 12.9.1913 bis 31.3.1980, US-amerikanischer Leichtathlet; gewann 1936 bei den Olymp. Spielen 4 Goldmedaillen; setzte in den 30er Jahren durch überragende Weltrekorde im Sprint und Weitsprung neue Leistungsmaßstäbe.

Owerri: Hauptstadt des Bundesstaates Imo, im Südosten Nigerias, im östlichen Nigerdelta; 30000 Einwohner; landwirtschaftliches Handelszentrum; Ölmühle; Straßenknoten.

Owetschkin, Walentin Wladimirowitsch, 22.6.1904-27.1.1968, russisch-sowjetischer Schriftsteller, trat seit 1929 mit Skizzen und Erzählungen hervor; mit einem Aufschwung des Genres der Skizze in den 50er Jahren ist insbesondere sein Zyklus «Frühlingsstürme» (1952/56, deutsch) verbunden, mit dem er unmittelbar in die öffentliche Diskussion über die Entwicklung der sowjetischen Landwirtschaft eingriff.

Owrag: (russisch; Owragi oder Owrags) durch Bodenerosion entstandene tiefe und steilhängige Schlucht im Löß, deren Weiterbildung durch erosionshemmende Meliorationen und Bepflanzung der Hänge verhindert wird. Siehe auch Balka.

Oxalieren: chemisches Verfahren zum Aufbringen einer gut haftenden Schmiermittelträgerschicht auf die Oberfläche legierter Stähle vor deren Kaltumformung durch Behandlung mit Oxalatlösungen.

Oxalessigsäure: ein zentraler Metabolit des Zellstoffwechsels, Zwischenprodukt des Zitronensäurezyklus, der Glukoneogenese und des Aminosäurestoffwechsels.

Oxalsäure: eine färb- und geruchlose, wasserlösliche Substanz; die Salze und Ester heißen Oxalate. Oxalsäure kristallisiert mit 2 Molekülen Kristallwasser, die bei 101,5 °C abgegeben werden; F (wasserfrei) 189,5 °C. Oxalsäure und lösliche Oxalate sind giftig (Störung des Kalkstoffwechsels); sie kommen in ungefährlicher Menge in Sauerklee, Sauerampfer, Spinat, Rhabarber und anderen Pflanzen vor. Kleesalz dient zur Entfernung von Rost- und Blutflecken.

Oxenstierna, Axel, 16.6.1583 bis 28.8.1654, schwedischer Staatsmann; seit 1612 Reichskanzler Gustavs II. Adolf, nach dessen Tod er als Mitglied der Vormundschaftsregierung für Königin Christine die schwedische Großmachtpolitik fortsetzte.

Oxer: Pferdesport aus 2 Ricks mit dazwischen gestellter Hürde bestehendes Hindernis. Der Oxer erfordert einen Hochweitsprung des Pferdes.

Oxford: Stadt im mittleren England (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Oxfordshire, an der Themse (in Oxford Isis genannt); 110000 Einwohner; Kfz-, Karosserie-, Flugzeug-, Möbel-, elektrotechnische und polygraphische Industrie; Bootsbau; Verlage; berühmte Universität (gegründet um 1167), Sternwarte, Bibliotheken, Museen; Fremdenverkehr. Kathedrale (12. Jahrhundert), zahlreiche historische Bauten der Colleges und Bibliotheken: St. Edmund Hall (13. Jahrhundert), Christ Church (16./20. Jahrhundert), Merton (1264), Magdalen (1458) und New College (Ende 14. Jahrhundert); Sheldonian Theatre (1664/69; C. Wren). Seit dem 8. Jahrhundert angelsächsischen und normannischen Residenzort; Anfang des 12. Jahrhundert königliche Freibriefe, seit Gründung der Universität eines der geistigen Zentren Englands; im 13. Jahrhundert Tagungsort mehrerer Ständeversammlungen; 1541 anglikanischer Bistum, in der bürgerlichen Revolution Hauptstadt der Royalisten (1642/46).

Oxfordbewegung: durch Oxforder Theologen im 19. Jahrhundert begründete katholisierende Reformbestrebungen innerhalb der anglikanische Kirche (Ritualismus).

Oxide: Verbindungen zwischen chemischen Elementen (oder bestimmten Atomgruppen) und Sauerstoff. Während Nichtmetalloxide (und Metalloxide mit etwa 6- bis 8wertigem Metall) im Allgemeinen bei gewöhnlicher Temperatur gasförmig oder leicht flüchtig sowie säurebildend sind, liegen bei den Metalloxide niederer Wertigkeitsstufen feste, mehr oder weniger hoch schmelzende, basenbildende Substanzen vor. Die Oxide entstehen durch Verbrennung der Elemente oder aber auch durch Hitzezersetzung von Hydroxiden, Carbonaten, Nitraten unter anderem. Das in der Natur häufigste Oxid ist Wasser.

Oxidhydrate: Metallhydroxide mit unbestimmtem Wassergehalt; zum Beispiel enthält durch Alkalilaugen aus wässriger Kupfersalzlösung ausgefälltes Kupferhydroxid mehr Wasser gebunden und wird dann exakter als Kupferoxidhydrat bezeichnet.

Oxidkeramik: Werkstoffe, die wie Keramik geformt und gesintert werden, aber völlig oder nahezu frei von Siliziumdioxid sind. Oxidkeramik besteht aus schwer schmelzbaren Metalloxiden, besonders aus Aluminiumoxid, Magnesiumoxid, Berylliumoxid oder Zirkon(IV)-oxid und auch aus Doppeloxiden, zum Beispiel Aluminium-Magnesium-Oxid. Die Pulver werden in der Regel mit Wasser angemacht, dem man Säuren, organische Kolloide und ähnliches zugesetzt hat; die Formgebung erfolgt danach durch Gießen oder Pressen. Die oxidkeramischen Erzeugnisse werden als hochfeuerfeste Werkstoffe, elektrische Isolierstoffe (Zündkerzen) und als Werkzeug oder Schneidstoff (Schneidkeramik) zum Spanen verwendet.

Oxime: chemische Verbindungen mit der Gruppe =N-OH im Molekül. Von Aldehyden leiten sich Aldoxime der Formel R-CH=NOH, von Ketonen Ketoxime ab. Die Oxime kristallisieren gut.

Oxidationsmittel: (griechisch; Sing. Oxidans); einige von ihnen werden als Desinfektionsmittel verwendet, zum Beispiel Wasserstoffperoxid.

Oxydate: Geochemie Sedimente, die bei hohem Oxydationspotential abgelagert wurden. Zu den Oxydaten zählen wirtschaftlich wichtige Lagerstätten mit Eisen- oder Manganoxiden.

Oxidation: im engeren Sinne chemische Reaktion eines Stoffes mit Sauerstoff oder einer sauerstoffabgebenden Substanz (Oxidationsmittel), in vielen Fällen auch Abgabe von Wasserstoff. im weiteren Sinne bedeutet Oxidation den Entzug von Elektronen aus Atomen, Molekülen oder Ionen, so dass sich deren Oxidationszahl in positivem Sinne ändert. Die Oxidation im weiteren Sinne erfolgt durch Einwirkung einer elektronenaufnehmenden Substanz (Oxidationsmittel im weiteren Sinne) oder auch bei elektrochemischen anodischen Vorgängen; sie ist stets mit einer Reduktion gekoppelt. Siehe auch Reduktions-Oxidation-Reaktion. Die biologische Oxidation dient der Energiegewinnung in der Zelle und ist im weiteren Sinne die vielstufige Oxidation der Naturstoffe in lebenden Organismen; im eigentlichen Sinn die stufenweise Oxidation des Wasserstoffs mit Sauerstoff zu Wasser in der Atmungskette.

Oxidationsfarbstoffe: auf dem Färbegut durch Oxidation von Vorprodukten (besonders aromatische Amine und Aminophenole) erzeugte Farbstoffe, zum Beispiel Anilinschwarz. Die Oxidationsfarbstoffe werden zum Färben von Pelzwerk, als Haarfärbemittel und in der Farbenfotografie verwendet.

Oxidationsgraben: ringförmig angeordnetes, einfaches Belebungsschlammbecken, in dem Abwasser mit Hilfe rotierender Walzen im Kreislauf gehalten und gleichzeitig belüftet wird.

Oxidationsteich: für die biologische Abwasserreinigung geeigneter Teich. Die Oxidation von organischen Substanzen wird durch den bei der Fotosynthese der Algen erzeugten Sauerstoff unterstützt.

Oxidationszahl: die positive oder negative Ladung, die den Atomen eines Moleküls oder eines Ions zugeschrieben werden müsste, wenn diese Atome rein heteropolar gebunden, also als Ionen, vorliegen würden. Bei Ionen sind Oxidationszahl und Ionenladung identisch. Die Atome freier Elemente haben die Oxidationszahl Null. Die Summe aller Oxidationszahl beträgt in einem Neutralmolekül Null, in einem Molekül- oder Komplexion ist sie mit dem Wert der elektrischen Ladung des betreffenden Ions identisch. Für die Festlegung der Oxidationszahl gelten folgende (in nachstehender Reihenfolge anzuwendende) Regeln: Die Atome freier Elemente haben die Oxidationszahl Null; Metalle, Bor und Silizium erhalten in ihren Verbindungen positive Oxidationszahl; für Fluor gilt der Wert -1, für Wasserstoff +1, für Sauerstoff -2.

Oxidationszone, die obere, von der Erdoberfläche bis zum Grundwasserspiegel reichende Verwitterungszone bei Erzlagerstätten; oft durch Eisenverbindungen rot gefärbt und im Bergbau auch als eiserner Hut bezeichnet.

oxidative Phosphorylierung: Synthese von ATP aus ADP und anorganischen Phosphat mit Hilfe der bei Oxydationsreaktionen frei werdenden Energie. Siehe auch Atmungskettenphosphorylierung.

Oxidoreduktasen: Klasse von Enzymen, die Redoxreaktionen, meist unter Beteiligung von Koenzym gebundenem Wasserstoff, katalysieren.

Oxymoron: Verbindung sich widersprechender Begriffe (beredtes Schweigen, ernst-heiter).

oxyphile Elemente: Geochemie - chemische Elemente, die bevorzugt mit Sauerstoff Verbindungen eingehen, zum Beispiel Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium, Silizium.

Oxytocin: im Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns) gebildetes und im Hypophysenhinterlappen gespeichertes Hormon. Chemisch ist es ein Polypeptid. Oxytocin bewirkt eine Kontraktion der Gebärmutter und regt die Milchabsonderung an. Oxytocin wird vor allem in der Geburtshilfe (Geburtseinleitung, bei Wehenschwäche) verwendet.

Oxyuriasis: harmlose Erkrankung durch Befall des Darmes mit Madenwürmern.

Oyashio, Kurilen-Strom (nach der sowjetischen Inselkette): kalte, südwärts gerichtete Meeresströmung im Nordwestpazifik.

Oybin, Kurort: Gemeinde im Kreis Zittau, Bezirk Dresden, im Zittauer Gebirge, am Fuß des bewaldeten, von Burg- und Klosterruinen gekrönten Sandsteinfelsens Oybin (518 m); 1400 Einwohner; Erholungsort, Wintersportplatz (393 m über dem Meeresspiegel).

Oyo: 1. Bundesstaat im Südwesten Nigerias; 37 705 km, 8,4 Millionen Einwohner; 223 Einwohner/km2; Hauptstadt Ibadan.

2. Stadt im Südwesten Nigerias, im Bundesstaat Oyo; 155000 Einwohner; Baumwollweberei, Lederindustrie; Kunsthandwerk; Handelszentrum. Einst Hauptstadt des Yoruba Reiches (Yoruba).

Oyono, Ferdinand, geboren 14.9.1929, kamerunischer Schriftsteller und Diplomat; kritisch-realistische satirische Romane über die antikoloniale Stimmung am Vorabend der Unabhängigkeit («Flüchtige Spur», 1956, deutsch; «Der alte Mann und die Medaille», 1956, deutsch).

Oyster: (englisch, «Auster») alkoholarmes, scharf gewürztes Bargetränk aus Eigelb, Tomatenketchup, Worcestersoße, Zitronensaft, Spirituosen unter anderem; ein Pick-me-up-Getränk.

Ozaena, Stinknase: chronischen, mit Gewebeschwund verbundene Entzündung der Nasenschleimhaut, ursächlich nicht geklärt; Kennzeichen der Ozaena sind Borkenbildung und übler Geruch.

Ozark Plateau: Bergland in den USA, zwischen den Unterläufen von Arkansas und Missouri; 400 bis 500m überm Meer, in den Boston Mountains bis 823 m hoch; an den Rändern aus Kalk und Sandstein (Schichtstufen), im Innern aus Granit und Porphyr aufgebaut; teilweise stark bewaldet; Abbau von Blei-, Zink-, Eisenerz und Baryt

Ozeanarium: ein Seewasseraquarium (Aquarium) sehr großen Ausmaßes, das der Anschauung, Forschung und Zucht von Robben, Delphinen und großen Meeresfischen dient.

Ozeanbodenweitung, Sea floor spreading: von den ozeanischen Rücken ausgehende kontinuierliche Weitung der Ozeanböden. Durch den Aufstieg basischen Magmen aus dem oberen Mantel wird ozeanische Kruste geschaffen, die die jeweils älteren Einheiten seitwärts abdrängt und dabei auch die randlichen Kontinente bewegt beziehungsweise unterfährt sowie zur Gliederung des ozeanischen Raumes und zur Bildung von Ozeanbecken beiträgt.

Ozeanien: zusammenfassende Bezeichnung für die Inselwelt in den niedrigen und mittleren Breitenlägen des Stillen Ozeans, etwa zwischen Philippinen, Neuguinea und Australien im Westen und dem amerikanischen Doppelkontinent im Osten; mit Neuguinea, aber ohne Neuseeland knapp 1 Millionen km2 Inselfläche, verteilt auf einem Areal des Stillen Ozeans von etwa 70 Millionen km2; 7 Millionen Einwohner (Papua, Melanesier, Mikronesier, Polynesier, Filipinos, Asiaten, Europäer); gegliedert in einen inneren Gürtel mit Melanesien und in einen äußeren Gürtel mit Mikronesien und Polynesien.

Ozeaninsel, Banaba: Insel westlich der Gilbertinseln im Stillen Ozean (Mikronesien), zu Kiribati gehörend; 5,2 km2, 300 Einwohner; Phosphatabbau (Vorräte nahezu erschöpft).

ozeanische Becken: zwischen ozeanischen Rücken und Subduktionszonen gelegene tektonisch und magmatisch relativ ruhige Areale von rund 5000 m Wassertiefe.

ozeanische Rücken, ozeanische Rifte, ozeanische Schwellen: untermeerische «Gebirge», die sich in den Ozeanen über Zehntausende von Kilometern erstrecken (Weltsystem ozeanische Rücken). Die seismisch und im Zentralbereich auch vulkanisch aktiven, und durch hohen Wärmefluss ausgezeichneten Rücken erscheinen als submarine, aus basischen Material aufgebaute, zusammenhängende Aufregungen (Riftsystem), die sich 3 bis 4 km über die umgebende Tiefsee erheben, aber nur an wenigen Stellen (Island, Azoren) über den Meeresspiegel herausragen. Die Entwicklung der ozeanische Rücken steht in engstem Zusammenhang mit der Ozeanbodenweitung.

Ozeanisierung: Umformung ursprünglich kontinentaler Kruste in ozeanische infolge Aufdringens basisch-basaltische Schmelze aus dem oberen Mantel der Erde (Grundprozess der Aktivierungstheorie von W. W. Beloussow).

Ozeanologie, Ozeanographie (beide dat. griechisch), Meereskunde: Wissenschaft, die sich mit den Bewegungsvorgängen im Meer, mit der räumlichen und zeitlichen Verteilung der Eigenschaften des Meerwassers und deren Einfluss auf die im Meer lebenden Organismen, mit den Wechselbeziehungen zwischen den Wassermassen und der Lufthülle über dem Meer und der Erde darunter sowie mit der Form und dem Aufbau der Ozeanbecken befasst.

Ozelot, Leopardus pardalis: mittel- und südamerikanische, geschickt kletternde Kleinkatze mit Fleckenzeichnung; Kopf-Rumpf-Länge 100 cm, Schwanz 40 cm; Pelz begehrt.

Ozon, energiereiche Modifikation des Sauerstoffs der Formel 03 (Trisauerstoff). Ozon ist ein hellblaues, stechend riechendes, chemisch äußerst reaktionsfähiges Gas (-193°C, Kp -111 °C), das noch in großer Verdünnung an seinem «elektrischen» Geruch wahrnehmbar ist. Es entsteht in Luft oder Sauerstoff zum Beispiel durch elektrische Entladungen (Lichtbogen, Funken) oder Ultraviolettstrahlung (zum Beispiel bei künstlichen Höhensonne); findet als Luft- und Wasserdesinfektionsmittel Anwendung.

Ozonschicht: mit Ozon angereicherte Schicht der Stratosphäre in etwa 20 bis 30 km (Maximum in 22 bis 25 km) Höhe; schirmt die für die Lebewesen schädlicher UV-Strahlung ab und ist wichtig für den Wärmehaushalt der Atmosphäre.