Lexikon F

Fabel: (französisch dat. fabula, «Erzählung») 1. in einem epischen oder dramatischen literarischen Werk zum Ausdruck kommen der Grundplan (Grundstruktur), der die für den Hauptkonflikt wesentliche Personen und Handlungsstränge umfasst; enthält in vielfältiger Ausprägung bereits die ideologisch-künstlerischen Absichten des Dichters.

2. Kleinform der Epik, die zur Erläuterung einer moralischen, oder philosophischen These ein gleichnishaftes Geschehen, meist aus dem Dasein der Tiere, vorfuhrt (Tierfabel). Starken Einfluss auf die neuere Fabeldichtung hatte die Fabel des griechischen Sklaven Äsop (6. Jahrhundert vor Christus).

Fabeltiere: in der Natur nicht vorkommende Phantasiewesen aus dem Bereich des Volksglaubens (Drache 3, Greif, Sphinx, Cherub, Seraph).

Faber du Faur, Friedrich von, 2.12.1786-22. 3.1855, Bergingenieur; verbesserte entscheidend den Hochofen- und Kupolofen Betrieb; erzeugte und verwendete als erster Generatorgas und nutzte seit 1831 die Hochofengichtgase zum Vorwärmen des Gebläse Windes.

Fabian Society: englische, «Gesellschaft der Fabier»): Gesellschaft kleinbürgerlicher Intellektueller in Großbritannien, die gegen den wissenschaftlichen Sozialismus die reformistische Theorie des allmählichen Hineinwachsens in einen bürgerlichen «Sozialismus» vertreten; gegründet 1883/84; benannt nach dem römischen Feldherrn Fabius Maximus Cunctator (der «Zauderen»). Die Fabian Society gehört der Labour Party als Gründermitglied kollektiv an; sie ist das Zentrum der rechten Partei- und Gewerkschaftsführer und blieb «der vollendete Ausdruck des Opportunismus und einer liberalen Arbeiterpolitik» (Lenin). Bekannte Mitglieder waren unter anderem S. und B. Webb, G. das heißt Cole, H. G. Wells, zeitweise G. B. Shaw.

Fabrikation: industriemäßige Herstellung von Erzeugnissen (Fabrikate).

Fabrik: auf Maschinenarbeit beruhende Produktionsstätte zur Herstellung von Waren.

Fabrikgesetzgebung: erste gesetzliche Regelungen der Arbeitsbedingungen in den entwickelten Ländern im 19. Jahrhundert.

Fabrikmutterschiff: großes Schiff, auf dem der von Fischereischiffen (zum Beispiel Zubringertrawlern) übergebene Fang am Fangplatz sowie auf der Rückfahrt zum Anlandehafen (Transport- und -Verarbeitungs-Schiff) zu Filet, Konserven, Fischöl, -mehl verarbeitet wird und das gleichzeitig für die dazugehörende Fangflottille als Basisschiff, das heißt zur technischen und Treibstoffversorgung der Fangschiffe sowie zur Betreuung ihrer Besatzungen dient.

Fabritius, Carel, 27.2.1622-12.10.1654, holländischer Maler, Schüler Rembrandts; verband großzügige Maltechnik mit kühlem Kolorit; sein bedeutendster Schüler ist Vermeer van Delft.

Facette: 1. Polygraphie: abgeschrägte Kante von Druckplatten (Ätzungen, Gravuren, Stereos, Galvanos) für den Buchdruck, die zu deren Befestigung auf der Unterlage durch Aufnageln oder mittels Facettenhalter dient.

2. Stomatologie: Verkleidungskörper aus Keramik oder Kunststoff, der dem Zahnersatz ein natürliches Aussehen verleiht.

Fach: Weberei durch Heben und Senken der Kettfäden gebildeter Zwischenraum zum Einträgen des Schussfadens.

Facharbeiter: Werktätiger mit abgeschlossener Ausbildung in einem Ausbildungsberuf, der die Facharbeiterprüfung bestanden hat, ein Facharbeiterzeugnis besitzt oder dem auf Grund seiner Kenntnisse und Erfahrungen die Qualifikation als Facharbeiter zuerkannt wurde.

Fachen: Zusammenfuhren von mindestens 2 Fäden zum Vorbereiten des Zwirnens.

Fächer: Gerät zum Zufächeln von Luft zur Kühlung, auch zum Abwehren von Insekten; mancherorts als Zeichen der Würde, zeremonielles Requisit oder moderner Zierat in Gebrauch. Schon früh im Orient, in Indien, China und Japan, später in Griechenland und Italien verwendet, seit dem 16. Jahrhundert auch in Frankreich und Deutschland. Künstlerisch besonders wertvolle Fächer entstanden im 18. Jahrhundert.

Fächerfische, Istiophoridae: schwertfischähnliche, langgestreckte Makrelenartige mit extrem langem Oberkiefer und sehr hoher 1. Rückenflosse; bis 4 m lange, räuberisch lebende Hochseefische; wertvolle Speisefische.

Fächerflügler, Kolbenflügler, Strepsiptera: artenarme Insektenordnung; lebendgebärend mit vollständiger Verwandlung; Entwicklung der Larven erfolgt parasitisch im Hinterleib anderer Insekten; Männchen mit einem ausgebildeten hinteren und einem verkümmerten vorderen Flügelpaar; Weibchen larvenähnlich, stets ungeflügelte sowie ohne Beine und Mundwerkzeuge.

Fachlehrersystem: Erteilung des Fachunterrichts an allgemeinbildenden Schulen durch Lehrer, die für die jeweiligen Unterrichtsfächer im (Allgemeinen) theoretisch und praktisch speziell ausgebildet sind; beim Klassenlehrersystem unterrichtet ein Lehrer in einer Klasse alle oder die Mehrzahl der Fächer.

Fachunterricht: Vermittlung des in den Lehrplänen festgelegten Unterrichtsstoffes in selbständigen, aber koordinierten Unterrichtsfächern, die den hauptsächlichen Wissenschaftsdisziplinen beziehungsweise Bereichen der gesellschaftlichen Wirklichkeit entsprechen. Der Fachunterricht, der in der Schule für alle Schüler nach obligatorischen Fachlehrplänen erteilt wird, ermöglicht hohe Wissenschaftlichkeit und Effektivität des Unterrichts.

Fachwerk: a) handwerkliche Holzbauweise besonders im 16./17. Jahrhundert, bei der die Geschoßaußen- und -innenwände aus einem zimmermannsmäßig abgebundenen Gerippe aus senk- und waagerechten sowie schrägen Hölzern bestehen, die mit Mauerziegeln oder Flechtwerk mit Lehm ausgefacht sind; der Skelettbau aus Stahl oder Stahlbeton ist eine Weiterentwicklung des Fachwerkbaues.

b) Bezeichnung für das Stabnetzwerk von Fachwerkträgern.

Facies: Anatomie a) das Gesicht der Säugetiere und des Menschen;

b) Bezeichnung für die Außenfläche eines Organs oder Körperteils.

Fackel, Die: von April 1899 bis Februar 1936 von K. Kraus herausgegebene, ab 1912 von ihm allein verfasste kulturkritische Zeitschrift; in den Sonderheften 1918/19 erschien die Erstfassung der Antikriegstragödie «Die letzten Tage der Menschheit».

Fackellilie, Kniphofia: Gattung afrikanischer Liliengewächse mit hohem traubigem Blütenstand und orangeroten oder gelblichen Einzelblüten; dekorative Gartenstaude.

Fackeltanz: in der Urgesellschaft magischer Tanz mit brennenden Fackeln gegen Krankheit und für Fruchtbarkeit; später bei Griechen und Römern Ehren- und Hochzeitstanz; seit dem Mittelalter Repräsentationstanz der Feudalgesellschaft; vom 16. bis 19. Jahrhundert auch Volkstanz in vielen deutschen Landschaften.

Facultas docendi: (lateinisch, «Lehrerlaubnis») vom wissenschaftlichem Rat einer Universität oder Hochschule an Wissenschaftler verliehener Qualifikationsnachweis über die Befähigung, auf einem bestimmten Berufungsgebiet als Hochschullehrer tätig sein zu können.

Faden: 1. Metrologie: a) alte Längeneinheit (Tiefenmaß) der Seefahrt verschiedenen Betrages (zwischen 1,62 und 2,20 m), in Großbritannien als Fathorn mit 8288 m noch gültig;

b) alte norddeutsche Einheit des Volumens von Holz (zwischen 1,7 und 4,5 m3)

2. Textiltechnik: Oberbegriff für Vorgarn, Garn, Seide, Zwirn, Schnur.

Fadenfische: zu den Labyrinthfischen gehörende Vertreter Südostasiens der Gattungen Trichogaster, Colisa unter anderem mit fadenförmig verlängerten Bauchflossen; hierzu gehören viele beliebte, farbenprächtige Aquarienfische, wie Mosaikfadenfische (Trichogaster leeri) oder Zwergfadenfische. (Colisa lalia).

Fadenglas: Glas, das aus gefärbten Glasfäden besteht, die in Bündeln vereinigt und in farbloses Glas eingeschmolzen sind. Durch Drehen beim Ziehen entstehen spiralige Muster.

Fadenkreuz: in der objektseitigen Brennebene von Okularen angebrachte Platte, die rechtwinklig gekreuzte feine Striche enthält. Das Fadenkreuz dient zum Fixieren von Punkten, zum Visieren und zur Festlegung der optischen Achse.

Fadenlagen-Nähgewirke: textiles Flächengebilde, das aus längs- und quer- oder nur quergelegten Fadensystemen besteht und durch Übernähen mit Fäden (Nähfäden) verfestigt wird.

Fadenleitelemente: Formkörper aus verschleißfester Korund Keramik mit glatter Oberfläche zum Führen von Textil-, Glas- oder Metallfaden.

fadenloses Binden: Sammelbezeichnung für Klebebinden, Planbindung, Plastikbindung unter anderem.

Fadenmolch, Triturus helveticus: bis 9 cm langer heimischer Schwanzlurch; Oberseite blassbraun, Bauchmitte leuchtend orange oder gelb; die Männchen tragen während des Wasseraufenthaltes einen Faden am Schwanzende.

Fadensiegeln: buchbinderisches Verfahren, bei dem vor dem letzten Falzgang auf der Falzmaschine Spezialheftfäden durch den Falz gestochen und mit den Enden am Falzrücken aufgesiegelt werden.

Fadenverbundstoff: textiles Flächengebilde aus Fäden, die in Form von Fadenschichten oder -gelegen mechanisch oder adhäsiv verfestigt werden; zum Beispiel Malimo (mechanisch), Kridee (adhäsiv).

Fadenwürmer, Nematoden, Nematoda: Klasse der Schlauchwürmer; meist spindel- bis fadenförmige Tiere von weniger als 1 mm bis 1 m Länge; leben frei im Wasser und in feuchter Erde oder parasitisch in Pflanzen, Tieren oder Menschen; hierzu zählen unter anderem Älchen, Hakenwurm, Madenwurm, Spulwürmer, Trichine.

Fadenzähler: Lupe zur Kontrolle der Druckform beziehungsweise zum Bestimmen der Kett- und Schussfadenzahl bei Geweben.

Fagott: Holzblasinstrument in Basslage, mit Doppelrohrblatt, leicht konisch, U-förmig geknickter Schallröhre und S-förmigem Anblasrohr, entstanden im 16. Jahrhundert. Das Fagott ist etwa 2,50 m lang und besteht aus Ahorn; der Tonumfang reicht von GAB bis es2 (P); der Klang ist in der Tiefe warm und voll, in der Höhe etwas gepresst und näselnd. Eine Oktave tiefer klingt das Kontrafagott mit 3- bis 4mal U-förmig geknickter Schallröhre, das nach verschiedenen Versuchen (seit Anfang 17. Jahrhundert) 1877 von W. Heckei gebaut wurde.

Fähe: weibliches Tier von Fuchs, Dachs, Marder, Iltis und Wiesel.

Fähigkeiten: anatomisch-physiologische und psychische Voraussetzungen für die Ausübung nützl. Tätigkeit des Menschen. Die Fähigkeiten umfassen die Befähigung des Menschen, Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben sowie anzuwenden, und drücken sich im gesamten Wissen und Können des Menschen, in seinem Arbeitsvermögen aus. Fähigkeiten entwickeln sich im Prozess des Erwerbs und der Anwendung der Kenntnisse und Fertigkeiten und werden durch planmäßige Bildung und Erziehung besonders gefördert.

Fahlerde: Bodentyp, der durch einen tonarmen Et-Horizont (E-Horizont) über einem tonreicheren Bt-Horizont (B-Horizont) gekennzeichnet ist. Typisch für Fahlerde sind der fahle Oberboden und die dunkelbraunen Tonhäutchen auf den Gefügekörpern (Bodengefüge) des Unterbodens. Fahlerde sind vorwiegend auf lehmigen und schluffigen (Löß) Substraten verbreitet.

Fahlerze: (bergmännische Bezeichnung nach dem «fahlen» Glanz) Mineralgruppe; Kupferantimonsulfide (Tetraedrit, Antimon-Fahlerze) beziehungsweise Kupferarsensulfide (Tennantit, Arsen-Fahlerze), lokal mit Silbergehalten (Freibergit)-, häufig Mischkristalle; Farbe grauschwarz, Härte 3 bis 4, Dichte 4,6 bis 5,2 g/cm3; nicht spaltbar; Vorkommen auf hydrothermalen Gängen, besonders bei Freiberg, Clausthal unter anderem.

Fahlleder: pflanzlich-synthetisch gegerbtes, stark gefettetes Rindoberleder mit fahler, unbestimmter Farbe für schweres Schuhwerk.

Fahndung: strafprozessuale Maßnahme

a) zur Ergreifung eines flüchtigen Beschuldigten oder Angeklagten, gegen den ein Haftbefehl vorliegt oder die Voraussetzungen für den Erlass eines Haftbefehles gegeben sind; die Fahndung kann in Form eines Steckbriefes erfolgen;

b) zur Feststellung des Verbleibs von Sachen.

Fahne: (althochdeutsch fano, «Tuch») 1. ein- oder mehrfarbiges, zum Teil mit Sinnbildern versehenes Zeug Stück, an einer Stange befestigt (im Gegensatz zum Banner). Fahnen wurden bereits im Altertum als Feld- und Kampfzeichen verwendet. Im alten deutschen Reich gab es die Reichsfahne (weißes Kreuz auf rotem Feld). Internationale Fahne sind zum Beispiel die rote Fahne der revolutionären Arbeiterbewegung, die weiße Fahne als Zeichen der Bereitschaft zur Unterhandlung oder Kapitulation, die Fahne des Internationalen Roten Kreuzes, die Fahne der UN.

2. Botanik: Schmetterlingsblütler.

3. Geometrie: ebenes Orientierungselement, bestehend aus einer Halbebene bezüglich einer Geraden g und einer Halbgeraden auf g; dient zum Beispiel zur Festlegung eines Drehsinns.

4. Fahne, Korrekturfahne, Fahnenabzug: Polygraphie der Korrekturabzug von noch nicht zu Seiten umbrochenem Schriftsatz, meist auf langen, schmalen Papierblättern.

5. Zoologie: Bestandteil der Vogelfeder; Gesamtheit der symmetrisch oder asymmetrisch am Schaft angeordneten Äste und Strahlen; siehe auch Feder.

Fahnenflucht: das Verlassen oder Nichtaufsuchen der Truppe oder Dienststelle beziehungsweise eines sonst vorgesehenen Einsatz- oder Aufenthaltsortes mit dem Ziel der Wehrdienstentziehung; strafbar. Siehe auch Desertion.

Fahnenkronen: einseitig entwickelte Baumkronen infolge meist aus einer Richtung wehender Winde (besonders im Küstengebiet und in exponierten Gebirgslagen).

Fahrausweis: Beförderungspapier (Fahrkarte, Fahrschein, Flugschein) im Personenverkehr, das die Berechtigung zur Beförderung ausweist und vom Reisenden (Fahrgast) zu lösen ist. Der Fahrausweis hat rechtlich die Bedeutung einer Urkunde über Inhalt und Tatsache des Abschlusses eines Beförderungsvertrages und in kommerzieller Hinsicht einer Abfertigungsunterlage (für Buchung und Abrechnung).

Fahrbahn: befestigte Straßenfläche zur Abwicklung des Verkehrs. Grundelement der Fahrbahn ist die Spur von 2,5 bis 3,0 m Breite für den ruhenden beziehungsweise haltenden Verkehr (Standspur, Haltespur) und geschwindigkeitsabhängig von 3,0 bis 3,75 m Breite für den fließenden Verkehr (Fahrspur). Die meisten Straßen haben eine zweispurige Fahrbahn, die durch Zusatzspuren ergänzt werden kann (zum Beispiel Kriechspur im Gebirge für langsame Fahrzeuge).

Fährbett: besonders ausgebaggerte, durch Dalben eng begrenzte, mit Schwimmbrücke versehene Anlegestelle für Fährschiffe.

Fahrdienst: Bezeichnung für die Tätigkeit der Beschäftigten des Transportwesens, die auf Verkehrsmitteln Dienst tun, zum Beispiel Autobusfahrer, Zugbegleitpersonal.

Fähre: Schiff oder Ponton zum Übersetzen von Personen und Landfahrzeugen über relativ kurze Gewässerstrecken, wobei die Fahrzeuge über Bug-, Heck- oder Seitenrampen auf die Fähre gelangen. Fähre verkehren im Pendelverkehr als Personenfähre, Kraftwagenfähre, Eisenbahnfähre (Trajekt), Trailer-Fähre oder als kombinierte Kraftwagen-Passagierfähre.

Fahren: 1. jedes Fortbewegen der Bergleute im Bergwerk, auch das Ein- und Ausfahren.

2. Inbetriebsetzen (Anfahren) und -halten einer chemischer, metallurgischer oder anderer technischer Anlage.

Fahren auf Sicht: Eisenbahnbetriebsdienst als Aushilfsmaßnahme zulässige Betriebsweise, bei welcher der Triebfahrzeugführer keine Signale von ortsfesten Betriebsstellen erhält, sondern sich, ähnlich dem Straßenbahnbetrieb, mit der Geschwindigkeit seines Zuges nach dem Abstand zum vorausfahrenden Zug und nach seinen Bremsmöglichkeiten richtet. Es besteht dabei keine Verständigung zwischen den Zugmeldestellen.

fahrende Leute, Fahrende, fahrendes Volk: seit dem Mittelalter Bezeichnung für alle heimatlos umherziehenden Personen, insbesondere Jahrmarktsunterhalter aller Art, auch Spielleute (fahrende Sänger) und fahrende Schüler (Vagantendichtung). Die fahrenden Leute waren vogelfrei, das heißt aller Rechte beraubt.

Fahrenheit, Daniel Gabriel, 24.5.1686 bis 15.9.1736, niederländischer Glasbläser und Physiker deutscher Abstammung; konstruierte zuverlässig arbeitende Quecksilberthermometer mit einer nach ihm benannt Temperaturskala (1716). Siehe auch Grad Fahrenheit.

Fahrerausweis: für die Teilnahme an entsprechend nationalen Motorsportwettbewerben (für Ausweisfahrer) erforderliche, vom zuständigen Motorsportverband für Fahrer und Beifahrer ausgestellte Zulassung. Erfolgreiche Ausweisfahrer erhalten eine Fahrerlizenz.

Fahrerflucht: umgangssprachlich für strafrechtlich relevantes Unterlassen der erforderlichen und mögliche Hilfeleistung nach einem Verkehrsunfall beziehungsweise der Beseitigung des durch den Unfall hervorgerufenen Gefahrenzustandes für den Verkehr.

Fahrerlager: bei Motorsportveranstaltungen ein für das Publikum nicht zugänglicher, abgeschlossener, markierter Abstellplatz mit sanitären und technischen Einrichtungen, der den Teilnehmern die Vorbereitung auf den Wettbewerb ermöglicht.

Fahrerlaubnis: von der Volkspolizei erteilte Erlaubnis zum Führen eines Kfz auf öffentlichen Straßen. Sie wird durch einen Führerschein und einen dazugehörigen Berechtigungsschein nachgewiesen.

Fahrerlizenz: für die Teilnahme an Motorsportwettbewerben (für Lizenzfahrer) erfordert., von den zuständigen Motorsportverbänden an Fahrer und Beifahrer nach Qualifikations- beziehungsweise Leistungsnormen als nationale oder internationale Lizenz ausgestellte Zulassung. Siehe auch Fahrerausweis.

Fahrerwechsel: in bestimmten Motorsportwettbewerben gemäß Ausschreibung gestatteter, an den Boxen vorzunehmender Fahrertausch.

Fahrgastschiff: ausschließlich zum Befördern von Fahrgästen eingerichtetes Schiff. Je nach dem Einsatzgebiet unterscheidet man Binnen-, Kästen- und Hochseefahrgastschiff. Letztere haben eine der Fahrgastzahl (bis zu 2000 und mehr) entsprechend Anzahl Kabinen und Wirtschaftsräume sowie vor allem zahlreiche Gesellschaftsräume. Seit Ende der 50er Jahre ist die Fahrgastlinienschifffahrt auf Grund der Konkurrenz des Luftverkehrs stark rückläufig. Hochseefahrgastschiffe werden nur noch für Urlaubskreuzfahrten eingesetzt, mit hohem Komfort bei relativ geringer Geschwindigkeit. Für den Personenschnellverkehr werden auch Tragflächenschiffe und Luftkissenschiffe eingesetzt, auf Binnengewässern auch Katamaran Fahrgastschiff.

Fahrgestell, Chassis: alle zur Fortbewegung eines Kfz erforderlichen Teile. Bei Rahmenbauweise lässt sich das selbständige Fahrgestell in das Fahrwerk (Rahmen, Radaufhängung, Räder, Federung, Bremsen und Lenkung) und das Triebwerk (Motor, Kraftübertragungsteile) unterteilen. Kfz mit selbsttragender Karosserie haben kein selbständiges Fahrgestell.

Fahrlässigkeit: 1. Strafrecht: Grundart der Schuld; verantwortungslose Entscheidung zu einem Tun oder Unterlassen, das durch die Verletzung von Rechtspflichten ungewollt gesellschaftswidrige Folgen bewirkt; eine Art des Verschuldens bei Rechtsverletzungen, insbesondere bei Straftaten.

2. Zivilrecht: Verletzung allgemein zu stellender Anforderungen aus mangelnder Sorgfalt, Leichtfertigkeit, Gleichgültigkeit oder aus ähnlichen Gründen; die Schadenersatzpflicht eines Bürgers entfällt im Allgemeinen, wenn Vorsatz oder Fahrlässigkeit nicht vorliegen.

Fahrleitungssystem: Gesamtheit aller Leitungen von der Einspeisestelle (Unterwerk) bis zu den Triebfahrzeugen bei Straßen-, S-, U-Bahnen, O-Bussen und elektrischen Traktion bei Eisenbahnen als Bestandteil der Bahnstromanlage (-system). Außer den Fahrleitungen gehören zum Fahrleitungssystem auch alle Einrichtungen zum Aufhängen und Befestigen, wie Maste, Leitungsträger, Isolatoren und Schutzeinrichtungen. Die Einspeisung erfolgt mit Gleichstrom 600 V bei Straßenbahnen, 750 V oder 1200 V bei U-, S- und Grubenbahnen, 600 V (vereinzelt 1000 V) bei Obussen sowie mit Wechselstrom 15 kV, 16% Hz beziehungsweise 25 kV, 50 Hz bei Vollbahnen.

Fahrmotor: Elektromotor zum Antrieb von Fahrzeugen und beweglichen Geräten. Fahrmotor sind Gleichstrom Reihenschluss- oder Wechselstrom-Reihenschlussmotoren vorwiegend für 16% Hz, neuerdings auch für 50 Hz sowie auch (Drehstrom-) Asynchronmotoren. Ein spezieller Fahrmotor ist der Linearmotor, zum Beispiel für Luftkissen- und Magnetkissenbahnen.

Fahrplan: langfristig vorbereitete Betriebsgrundlage von Verkehrsverwaltungen. Man unterscheidet zwischen öffentlichen Fahrplan (Kursbuch, Taschenfahrplan, Aushangfahrplan, Güterkursbuch) und Dienstfahrplan (Bildfahrplan; wichtigste Betriebsgrundlage der Eisenbahn).

Fahrrad, früher Veloziped: zweirädriges, meist einsitziges beziehungsweise als Tandem auch zweisitziges, durch Muskelkraft über einen Tretkurbelmechanismus angetriebenes Straßenfahrzeug. Vorläufer waren Draisine (1817) und Hochrad (1850), das heutige Niederrad wird seit 1879 gebaut.

Fahrschalter, Kontroller: Steuerschalter, zum Beispiel Walzenschalter, zum Anlassen und Steuern der Elektromotoren (Fahrmotoren) bei Elektrofahrzeugen und Bahnen. Siehe auch Meisterwalze.

Fahrschule: Einrichtung zur Ausbildung von Kfz Führern. Die Ausbildung umfasst Verkehrsrecht, Kfz-Technik und praktischen Fahren unter Aufsicht eines Fahrlehrers. Nach bestandener Prüfung erhält der Fahrschüler eine Fahrerlaubnis.

Fahrsport: sportlicher Gebrauch des Pferdes vor einem Kutschwagen («im Gespann»). Im Turniersport unterscheidet man Material-, Eignungs- und Dressurprüfungen für Wagenpferde, Eignungsprüfungen für Gespanne, Geschicklichkeitsfahren, Fahrerprüfungen und Dauerfahren. Siehe auch Trabrennen.

Fahrsteig, Rollweg: Bandförderer mit Gleitbahn oder besonders dicht aufeinander folgenden Tragrollen zur Beförderung von Personen in horizontaler oder leicht geneigter (maximal 10°) Richtung, zum Beispiel in Bahnhöfen, auf Flugplätzen.

Fahrstraße: Eisenbahnsicherungswesen der für eine Zugfahrt durch die Gleise und Weichen eines Bahnhofs hergestellte Fahrweg. Die richtig gestellten Weichen werden durch den Fahrstraßenhebel festgelegt und elektrisch verschlossen, bis die Zug- oder Rangierfahrt stattgefunden hat.

Fährte: Bodenabdrücke der Tritte von Schalenwild und Trappe; bei Hase, Kaninchen und Raubwild Spur, bei Federwild Geläuf genannt

Fährtenhund: abgerichteter Hund, meist Deutscher Schäferhund, der unter Aufsicht eines Fährtenhund-Führers zum Verfolgen eines Menschen (zum Beispiel bei der Aufklärung einer Straftat) anhand des hinterlassenen Gemisches von Geruchskomponenten (Individual- und Bodengeruch) eingesetzt wird.

Fahrtgebiet, Relation ausschlich oder bevorzugte Route eines Linienfrachtschiffes zwischen einem Lade- und Löschhafen beziehungsweise innerhalb einer ökonomisch-geographischen zusammengehörenden Gruppe von Lade- und Löschhäfen, zum Beispiel Kontinent-Südamerika/Westküste-Fahrtgebiet. Die Fahrtgebiete der einzelnen Liniendienste sind meist durch Vereinbarungen international abgegrenzt und bilden ökonomisch einen gesonderten Seefrachtenmarkt.

Fahrtmesser: Gerät, das die Geschwindigkeit eines Luftfahrzeugs gegenüber der umgebenden Luft anzeigt. Man unterscheidet Staudruckmesser mit Staurohr (Prandtl Rohr) und Saugdüsenmesser mit Messdüse (Venturirohr) als Messeinrichtung, die die Geschwindigkeit entsprechend dem Über- beziehungsweise Unterdrück gegenüber dem atmosphärischen Druck angeben. Sehr schnelle Flugzeuge sind mit einem Mach-Meter ausgerüstet, das die Eigengeschwindigkeit des Flugzeugs im Verhältnis zur Schallgeschwindigkeit in Luft anzeigt. Mach-Meter und Fahrtmesser werden mitunter kombiniert verwendet.

Fahrtrainer: mit den Bedienungselementen eines Kraftwagens ausgestattetes Gerät, auf dem Fahrschüler vor der ersten praktischen Fahrstunde mittels simulierter Verkehrssituationen (Filmwiedergabe) mit Grundfertigkeiten der Fahrzeugführung vertraut gemacht werden.

Fahrtreppe, Rolltreppe: Sonderbauart des Gliederbandförderers für den Massenverkehr von Personen, bei der das Tragorgan als Stufe ausgebildet ist, die einerseits im Gelenk des Zugmittels gelagert und andererseits durch Rollen in Führungsbahnen abgestützt ist. Dadurch wird die ständig waagerechte Stellung der Stufe erreicht. Zur Sicherheit der Benutzer sind Seitenwände mit synchron umlaufenden Gummihandläufen vorhanden.

Fahrtrichtungsanzeiger: paarweise symmetrisch an Kfz angebrachte lichttechnische Einrichtung zur Anzeige einer vorgesehenen Fahrtrichtungsänderung.

Fahrtüchtigkeit: Sammelbegriff für Fahrfertigkeit, Fahrtauglichkeit (körperliche und geistige Eignung) und Verkehrszuverlässigkeit (soziale Einordnungsbereitschaft).

Fahrwasser: Bezeichnung für jeden von Schiffen benutzbaren Wasserweg, dessen Verlauf ganz oder teilweise durch Seezeichen kenntlich gemacht, durch Uferschutzbauten oder durch das Ufer selbst zu erkennen ist. Als Fahrrinne bezeichnet man den tiefsten Teil eines Fahrwassers geringer Tiefe (Fluss, See, Haff, Bodden u. ä.), der oft durch Baggern auf der notwendigen Tiefe gehalten werden muss.

Fahrwerk: 1. Kraftfahrzeugtechnik: Fahrgestell.

2. Luftfahrt: hochbeanspruchte Teile an einem Luftfahrzeug, die zu seiner Fortbewegung auf dem Boden, Wasser oder Schnee und Eis dienen. Das Fahrwerk muss gleichzeitig die Wirkung des Landestoßes und der Roll- beziehungsweise Gleitstöße durch Federung und Dämpfung vermindern sowie die Landestrecke durch Bremswirkung verkürzen. Es besteht aus mehreren Fahrwerkbeinen, die einziehbar oder starr am Rumpf beziehungsweise an den Tragflächen angebracht sind. Nach der Anordnung der Fahrwerkbeine unterscheidet man Heckrad-, Bugrad- und Tandemfahrwerk. An den Fahrwerkbeinen befinden sich Räder, bootsähnlicher Schwimmer, Kufen oder (selten) Raupen. Segelflugzeuge haben zumeist ein einziehbares, bremsbares Rad.

Fahrzeugbegrenzung: senkrecht zur Gleisachse gemessene Fläche, die von Schienenfahrzeugen eingenommen werden darf; kleiner als die Lichtraumumgrenzung.

Fahrzeughalter: derjenige, auf dessen Namen ein Kraft-, Wasser- oder Luftfahrzeug zugelassen ist und der es in der Regel auch auf eigene Rechnung in Gebrauch hat.

Fairbanks: Stadt im Inneren des Bundesstaates Alaska (USA); 13 300 Einwohner; Gold- und Steinkohlenbergbau; Endpunkt der Bahn von Seward am Stillen Ozean und der Alaska Straße von Kanada und den USA, internationaler Flughafen; Universität, Landwirtschafts- und Bergbauhochschule; in der Nähe Luftstützpunkt der Armee.

Fair Deal, «gerechter Anteil» nach dem 2. Weltkrieg von US-Präsident Harry S. Truman propagierter Grundsatz einer liberalisierten internationalen Wirtschaftspolitik, die vorgab, durch Überwindung der Zollschranken zwischen den imperialistischen Staaten jeder Nation einen «gerechten Anteil» an den Wirtschaftsgütern verschaffen zu wollen. In Wirklichkeit diente die Politik des Fair Deal der Unterwerfung anderer Länder unter die Herrschaft der US-Monopole.

Fairfax, Thomas, Baron Fairfax of Cameron (durch Erbe), 17.1.1612-12.11.1671, englischer General; in der bürgerlichen Revolution war er 1645/50 Oberbefehlshaber des Parlamentsheers; als Exponent der Großbourgeoisie unterstützte er 1660 die Rückkehr der Dynastie Stuart.

Fairness: den Wettkampfbestimmungen entsprechend, sportlich einwandfreies Verhalten, regelgemäße Kampfesweise. fair: sportlich einwandfrei.

Fair play: erstrebte sittliche Grundhaltung im Sport (Spielregeleinhaltung, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft unter anderem).

Fakir: (arabisch, «der Arme») Angehöriger religiös-asketischer Sekten (besonders in Indien); durch starke geistige Konzentration ist der Fakir gegenüber Schmerzen relativ unempfindlich.

Fakir Baykurt, eigentlich Tahir Wett, geboren 30. 6.1929, türkischer Schriftsteller; beschreibt in seiner Prosa passiven Protest und organisierten Kampf gegen soziale Ungleichheit in Dorf und Stadt, zum Beispiel in dem Roman «Die Rache der Schlangen» (1958, deutsch), der mit «Das Leben der Irazca» (1961) und «Legende von Kara Ahmet» (1977) eine Trilogie bildet.

Faksimile: (lateinisch, «mach (es) ähnlich») originalgetreue, meist fotomechanisch hergestellte Nachbildung historisch oder künstlerisch wertvoller Handschriften, Druckwerke, Bilder und so weiter; bei Namensunterschriften auch durch Stempel hergestellt.

Faksimiledruck: weitgehend vorlageähnliche Wiedergabe von Handschriften, Gemälden u. ä. durch ein Druckverfahren; besonders geeignet ist der Lichtdruck.

3. a. Reprint.

Fakt, Faktum: (nachweisbare) Tatsache, Gegebenheit, Ereignis, Geschehnis.

Faktis: (Kunstwort) durch Schwefelung fetter Öle gewonnene weiche, elastische Substanz. Als Bestandteil von Kautschukmischungen erleichtert Faktis die Verarbeitung; im Radiergummi bewirkt er die starke Abreibfähigkeit.

faktisch: tatsächlich, wirklich.

Faktor: 1. allgemein bewirkende Kraft; mitwirkender Umstand.

2. Mathematik: Multiplikation.

Faktoranalyse: mathematisch-statistische Methode zur Untersuchung von Beziehungen, die zwischen abhängigen Merkmalen bestehen. Die Faktoranalyse führt diese Merkmale auf gewisse gemeinsame Ursachenkomplexe, die sogenannte Faktoren, zurück.

Faktotum: («mach alles!») vielseitige Hilfskraft, «Mädchen für alles».

Fakultät: 1. Hochschulwesen: eine Gruppe von Wissenschaftsgebieten umfassender Bereich der Universität oder Hochschule, geleitet vom Dekan.

2. Mathematik: das Produkt 1-2-3 ... (n 1) n aller natürlichen Zahlen von 1 bis zu einer Zahl n, wird mit n! bezeichnet; zum Beispiel ist 4! = 1 • 2 • 3 • 4 = 24. besonders festgesetzt werden 0! = 1 und 1! = 1. Siehe auch Gammafunktion.

fakultativ: beliebig, freiwillig, wahlfrei (zum Beispiel ein fakultatives Unterrichtsfach).

fakultativer Unterricht: ergänzend zum obligatorischen Unterricht freiwillig belegte Unterrichtsfächer; vor allem in der Oberstufe und Abiturstufe der allgemeinbildenden Oberschule sowie an Hoch- und Fachschulen üblich (zum Beispiel fakultativer Unterricht in einer 2. Fremdsprache ab Klasse 7).

Falaises: (französisch, «Klippen») bis zu 130 m hohe Kreidesteilküste der am Kanal liegenden Landschaften Normandie und Picardie; wissenschaftliche Bezeichnung für alle Steilküsten und für steile Landstufen im Allgemeinen (auch aus anderen Gesteinen).

Falange: (griechisch, «Schlachtreihe») faschistische Partei in Spanien. Ende der 20er Jahre entstanden rechtsradikale Gruppierungen, die sich 1931 zu den Juntas de Ofensiva Nacional-Sindicalista (JONS) zusammenschlossen und 1934 mit der 1933 gegründet Falange Española vereinigten. Die Falange war am 18.7.1936 am Putsch gegen die Republik beteiligt. Unter Einbeziehung der monarchistischen Kräfte (Traditionalisten) wurde 1937 die Einheitsfalange als einzige legale Partei des Franco-Regimes gebildet; 1977 aufgelöst.

Falbe: graugelbes Pferd, häufig mit Aalstrich; Mähne und Schweif sind dunkel.

Falconet, Etienne Maurice, 1.12.1716 bis 24.1.1791, französischer Bildhauer; 1766 nach Petersburg berufen, schuf er dort sein Hauptwerk: das monumentale, von dramatischer Bewegung erfüllte Reiterstandbild Peters I.

Falkberget, eigentlich Lillebakken, Johan Petter, 30.9.1879-5.4.1967, norwegischer Schriftsteller; schrieb unter M. Gorkis Einfluss Romane und Novellen über das Schicksal norwegischer Bergleute («Fimbulwinter», 1911, deutsch; «Brandopfer», 1917, deutsch), ferner die großen historischen Romanzyklen «Im Zeichen des Hammers» (1927/33, deutsch), «Brot der Nacht» (1940/59, deutsch) sowie Gedichte und Märchen.

Falken, Falconidae: fast weltweit verbreitete Familie spitzflügeliger, schnell fliegender Greifvögel; die Echten Falken (Falco) kennzeichnet der «Falkenzahn», eine Ausbuchtung des Oberschnabels; heimisch unter anderem der Baumfalken (F. subbuteo), der fliegend Vögel und Insekten erbeutet; siehe auch Turmfalke, Wanderfalke.

Falkenberg, Falkenberg (Elster): Stadt im Kreis Herzberg, Bezirk Cottbus; 7100 Einwohner; Eisenbahnknoten; Holzverarbeitung, Elektrogerätebau, Schuh-, Baustoffindustrie; Agrarbetriebe.

Falkenhayn, Erich von, 11.9.1861-8.4.1922, General; 1913/15 preußischer Kriegsminister; während des 1. Weltkriegs September 1914/August 1916 Chef des Generalstabes des Feldheeres, 1916/18 Armeeführer auf dem rumänischen, türkischen und russischen Kriegsschauplatz; versuchte 1916 bei Verdun eine Kriegsentscheidung zu erzwingen.

Falkensee: Stadt im Kreis Nauen, Bezirk Potsdam, Gartenstadt auf 43 km2; 24000 Einwohner; Landmaschinen-, Transformatorenbau, Schmuckwaren-, Textil-, Lebensmittel-, Möbel-, Plastikindustrie; Agrarbetriebe; Heimatmuseum; S-Bahn nach Berlin.

Falkenstein, Falkenstein im Vogtland: Stadt im Kreis Auerbach, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im östlichen Vogtland, an der Göltzsch; 12000 Einwohner; Gardinen-, Spitzen-, Bekleidungsindustrie, Armaturenbau; Tiergarten; Schloss (Heimatmuseum), Stadtkirche (1869), Rathaus (1901/03). Bei Falkenstein Göltzsch-Talsperre (0,13 km2; Stauraum 1,2 Millionen m3).

Falklandinseln, Malwinen: britische Kolonie im südlichen Atlantik, südöstlich der Küste Argentiniens; 12173 km2, 2000 Einwohner, 0,2 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Stanley; besteht aus einer dem südamerikanischen Festlandssockel aufsitzenden Inselgruppe, die von 2 Hauptinseln und 200 kleinen, unbewohnten Inseln gebildet wird. Den Falklandinseln verwaltungsmäßig zugeordnet sind die sogenannte Dependenzen Südgeorgien und Südsandwichinseln. Die Inseln Westfalkland (5413 km2) und Ostfalkland (6760 km2) sind durch den Falklandsund getrennt und bauen sich aus Sedimentgesteinen auf. Die Falklandinseln sind felsige, baumlose Inseln, die bei gemäßigt kühlem Seeklima nur Torfmoor und Heideflächen aufweisen. Das Klima ermöglicht in geringem Maße Ackerbau (Hafer, Kartoffeln). Die Wirtschaft wird ganz von der Schafzucht bestimmt. In wenigen Großbetrieben werden über 600000 Schafe gehalten. Diese Großbetriebe sind hauptsächlich im Besitz ausländischer Gesellschaften, das betrifft auch die Fleischverarbeitung. Weiterhin von Bedeutung ist der Fischfang; Stanley ist Walfangstützpunkt. Fast der gesamte Nahrungsmittelbedarf muss durch Einfuhren gedeckt werden. Die Falklandinseln wurden von den Engländern Davis (1592) und Hawkins (1594) entdeckt. 1763 gründeten Franzosen Port Louis, 1765 Engländer Port Egmont. 1767/70 wurden Briten und Franzosen durch die Spanier vertrieben. 1820 nahm Argentinien die Falklandinseln in Besitz, die 1833 von Großbritannien annektiert wurden. Seitdem werden die Falklandinseln von einem britischen Gouverneur verwaltet. Argentinien, das die Rückgabe der Falklandinseln verlangt, besetzte sie April/Juni 1982. Im 1. Weltkrieg versenkten in der Schlacht bei den Falklandinseln am 8.12.1914 britische Seestreitkräfte das deutsche Ostasiengeschwader.

Falknerei, Beize, Beizjagd: Jagd mit Greif- (Beiz-) Vögeln, meist Falken (Falkenbeize) oder Habichten.

Fall: 1. Grammatik: soviel wie Kasus.

2. Physik: Bewegung eines Körpers unter dem Einfluss der Schwerkraft. Im Vakuum fallen alle anfangs ruhenden Körper, unabhängig von ihrer Masse und Form, gleich schnell; die Bewegung ist gleichmäßig beschleunigt (freier Fall). Fallgeschwindigkeit v und Fallstrecke s sind mit der Fallbeschleunigung g und der Fallzeit t über die Fallgesetze v = gt, s = gf2/2 verknüpft. Solange der Luftwiderstand gering ist, weicht der Fall in Luft nur wenig vom freien Fall ab. Der Luftwiderstand wächst mit v zunächst linear, dann quadratisch an, bis der Körper mit konstanter Geschwindigkeit vs sinkt; für einen Menschen der Masse 70 kg wird v 55 m/s nach etwa 400 m erreicht.

Fall, Leo, 2.2.1873-16.9.1925, österreichischer Komponist; war zu seiner Zeit einer der erfolgreichsten Operettenkomponisten («Der fidele Bauen), «Die Dollarprinzessin», «Die Rose von Stambul», «Madame Pompadour» unter anderem).

Falla, Manuel de, 23.11.1876-14.11.1946, spanischer Komponist; lebte aus Protest gegen das faschistische Franco-Regime seit 1939 in der Emigration. E. entwickelte auf der Basis spanischer Folklore eine virtuos farbige Musik (unter anderem Ballette «Liebeszauber», «Der Dreispitz», sinfonische Dichtung «Nächte in spanischen Gärten»),

Fallada, Hans, eigentlich Rudolf Ditzen, 21.7.1893 bis 4. 2.1947, Schriftsteller. Fallada gestaltete in Romanen den Existenzkampf des Kleinbürgers unter kapitalistischen Verhältnissen, «Kleiner Mann was nun?» (1932), «Wer einmal aus dem Blechnapf frisst» (1934), «Wolf unter Wölfen» (1937). Von einem isoliert kämpfendem Ehepaar im Widerstand gegen den Faschismus erzählt «Jeder stirbt für sich allein» (1947). Fallada schrieb auch Kindererzählungen («Hoppel Poppel, wo bist du?», 1936; «Geschichten aus der Murkelei», 1938) und Autobiographisches («Damals bei uns daheim», 1941).

Fallbeschleunigung, Erdbeschleunigung, Schwerebeschleunigung, Zeichen g (griechisch «Erde»): Beschleunigung, die ein auf der Erde frei fallender Körper im System der rotierenden Erde erfährt. Die Fallbeschleunigung setzt sich zusammen aus der Gravitationsbeschleunigung (Gravitation) der Erde und der infolge der Erdrotation auftretenden Beschleunigung durch Coriolis-Kraft (geschwindigkeitsabhängig) und Zentrifugalkraft (von geographischer Breite abhängig). Als Norm-Fallbeschleunigung eines ruhenden Körpers gilt der Wert g = 9,80665 m/s2. Die Fallbeschleunigung hat ihren größten Wert an der Erdoberfläche an den Polen (9,832 m/s2) und ihren kleinsten am Äquator (9,780 m/s2). Im Bereich der Erdoberfläche verringert sie sich um 3,09 • IO-6 m/s2 je Meter Erhebung des Beobachtungspunktes.

Falle: einfacher Türverschluss; ein einseitig an der Tür drehbar befestigter Eisen- oder Holzhebel rastet mit dem freien Ende in einen Haken der Türzarge ein (hebende Falle), oder es greift ein verschiebbarer Riegel in eine Blechhalterung der Türzarge ein (schließende Falle).

Fällen: Trennen des stehenden Stammes vom Stock (Wurzelstock mit Stammrest) mittels Säge (Motorsäge) oder Fällschere und gerichtetes Fallen im Schlag. Bäume von über 20 cm Durchmesser erhalten vor dem Fällen einen Fallkerb (keilförmiger Ausschnitt am Stammfuß), der im Zusammenhang mit Bruchstufe (Höhendifferenz zwischen Schnittebene und unterem waagerechtem Schnitt des Fallkerbs) und Bruchleiste (vor dem Bruch bestehende, scharnierartig wirkende Verbindungsstelle zwischen Stamm und Stock) das Einhalten der vorbestimmten Fallrichtung gewährleistet sowie ein Aufreißen und Zurückgleiten des Stammes beim Fallen verhindert.

Fallennest: zur Feststellung der Legeleistung des Geflügels konstruiertes Nest, bei dessen Betreten eine Klappe betätigt wird, die den Ausgang versperrt.

fallieren: zahlungsunfähig werden, in Konkurs geraten.

Fallières, Clément Armand, 6.11.1841 bis 21. 6.1931, französischer Politiker der gemäßigten bürgerlichen Linken; als Präsident der Republik (1906/13) vollzog er die endgültige Trennung von Kirche und Staat. Mit der Aufhebung des auf Fälschungen beruhenden Urteils beendete Fallières 1906 die Dreyfus Affäre.

Fälligkeit: Zeitpunkt, zu dem oder bis zu dem der Schuldner seine Leistung zu erbringen hat.

Fallreep: meist auf beiden Seiten in Höhe des Oberdecks von Schiffen angebrachte, außenbords herablassbare Treppe zum an- und von Bord gehen am Kai sowie aus Booten beziehungsweise in Boote.

Fallrinne: im Winkel a zur Horizontalen geneigte Rinne zur Führung einer Kugel, die unter dem Einfluss der Schwerkraft abrollt; die Kugel erfährt die gegenüber der Fallbeschleunigung g geringere Beschleunigung a = g sin a; von G. Galilei zum Studium der Fallgesetze verwendet. Siehe auch geneigte Ebene.

Fallrohr: senkrechter Rohrstrang aus Metall, PVC, Keramik unter anderem, durch den das Regenwasser beziehungsweise Abwasser aus Bad, WC, Küche der Kanalisation zugeführt wird.

Fällschere: hydraulisch betätigte, handgeführte Hebelschere zum Fällen von Bäumen geringen Stammdurchmessers; betrieben durch ein mobiles motorhydraulisches Aggregat.

Fallschirm: aus mehreren Stoffbahnen (Naturseide, Baumwolle oder Chemiefaserstoff) bestehender Schirm zum Abspringen beziehungsweise Absetzen von Personen (Sprung- oder Rettungsfallschirm) oder Lasten (Lastenfallschirm) aus Luftfahrzeugen; verringert die Fallgeschwindigkeit von 50 auf 5 m/s. Der Fallschirm wird durch Ziehen einer Leine geöffnet, die beim manuellen Fallschirm in einem von Hand zu betätigenden Ring am Gurtzeug, beim automatischen Fallschirm im Rumpfinneren des Luftfahrzeuges befestigt ist. Nach der Anordnung des Gurtzeugs und der Anbringung des gepackten Fallschirms am Körper unterscheidet man Brust-, Rücken- und Sitzfallschirm. Der Fallschirm wurde erstmals von Leonardo da Vinci erwähnt; siehe auch Bremsschirm.

Fallschirmsport: sportlich betriebener Absprung mit Fallschirm aus speziellen Flugzeugen in verschiedenen Disziplinen mit unterschiedlichen Wettbewerbsgedanken. Es werden Einzel- und Gruppensprünge, Tages- und Nachtsprünge, Höhen-, Ziel-, Figuren- und Formationssprünge, entweder mit sofortiger, meist mit verzögerter Fallschirmöffnung unterschieden. Sprünge ins Wasser haben abnehmende Bedeutung. Vorwiegend in den Alpenländern erlangen sogenannt Para-Ski-Wettkämpfe, eine Kombination von Zielsprung und Skiabfahrtslauf, Popularität. Weltmeisterschaften seit 1951, Europameisterschaften seit 197S.

Fallstreifen: aus einer Wolke in Form vertikal oder schräg herabhängender Schleppen ausfallender Niederschlag, der den Erdboden infolge Verdunstung nicht erreicht.

Fallstudie: sozialwissenschaftliche Methode zur Erforschung von Merkmalen an Einzelfällen (Personen, Gruppen, Ereignissen). Die Fallstudie soll das Typische im Struktur-, Wirkungs- und Entwicklungszusammenhang besonders genau aufdecken. Sie dient der Voruntersuchung, oft auch der Veranschaulichung oder Präzisierung der Ergebnisse soziologischer Massenerhebungen.

Fällungspolymerisation: Polymerisation in Lösungsmitteln, in denen das Monomere löslich, das Polymere unlöslich ist und darum als Pulver oder Gel ausfällt. Durch Filtrieren oder Zentrifugieren wird es isoliert.

Fallwild: durch Krankheit und Nahrungsmangel unter anderem umgekommenes Wild; für den menschlichen Genuss untauglich.

Fallwind: abwärts gerichtete Luftströmung im Lee von orographischen Hindernissen (Gebirgen); warme und trockene Fallwind treten als Föhn, kalte Fallwind als Bora oder Gletscherwind auf.

Fallwurf: Handball spezieller Torwurf mit (Sprungfallwurf) oder ohne Absprung, um sich dem Eingreifen des gegnerischen Abwehrspielers zu entziehen und näher an das gegnerische Tor zu gelangend Siehe auch Sprungwurf.

Falschbeurkundung: Herstellen, herstellen lassen oder gebrauchen einer inhaltlich falschen Urkunde eines Staats- oder Wirtschaftsorgans, eines Notars oder einer gesellschaftlichen Organisation zur Täuschung im Rechtsverkehr; strafbar.

falsche Aussage: vorsätzlich falsche oder unvollständige Aussage als Zeuge, Sachverständiger oder Prozesspartei beziehungsweise falsche Übersetzung als Dolmetscher vor Gericht, dem Notar, der Seekammer oder dem Patentamt; strafbar. Bestraft wird auch, wer einen anderen zu einer unbewusst falschen Aussage verleitet.

Falsche Mehltaupilze, Peronosporales: saprophytisch, häufiger parasitisch lebende Eipilze, die in den Interzellularen der Gewebe der befallenen Pflanzen ein Pilzmyzel ausbilden. Sporangien Träger dringen durch die Epidermis nach außen und überziehen die Wirtspflanze mit einem Schimmelrasen (Mehltau). Die Falschen Mehltaupilze sind bekannt als Schädlinge zahlreicher Wild- und Kulturpflanzen, unter anderem von Kartoffel (Kraut- und Knollenfäule) und Tabak (Tabakblauschimmel); der Falsche Mehltau des Weinstocks (Erreger Plasmopara) führt zur Blattfallkrankheit und zum Einschrumpfen der Beeren, zur Lederbeerenkrankheit. Siehe auch Echte Mehltaupilze.

Falschfarbenfotografie: fotografische Aufzeichnen der unterschiedlichen (unsichtbaren) Infrarotreflexionen gleichfarbiger Objekte durch nicht dem Objekt entsprechend Farben mittels Falschfarbenfilms. Der Film weist mindestens 2 verschieden sensibilisierte Schichten auf, von denen eine infrarotempfindlich ist; er wird farbentwickelt.

Falschheit: Eigenschaft einer Aussage, die sie genau dann besitzt, wenn sie nicht mit dem behaupteten Sachverhalt übereinstimmt. In der zweiwertigen Logik kann jede Aussage nur entweder wahr oder falsch sein.

Falschmeldung: 1. Journalistik: soviel wie Ente; siehe auch Manipulation.

2. Strafrecht: unrichtige oder unvollständige Angaben wider besseres Wissen durch Staats- oder Wirtschaftsfunktionäre in Berichten, Meldungen oder Anträgen an Staats- oder Wirtschaftsorgane, um Mängel zu verdecken, Genehmigungen für wirtschaftlich bedeutende Vorhaben zu erlangen oder zum Nachteil der Volkswirtschaft wirtschaftliche Vorteile für Betriebe oder Dienstbereiche zu erwirken; strafbar.

Fälschung: Herstellung unechter, Verfälschung echter, Verwendung von unechten oder verfälschten Urkunden (Urkundenfälschung) oder Geldzeichen (Geldzeichenfälschung, im Allgemeinen Sprachgebrauch auch Falschmünzerei genannt) zur Täuschung im Rechtsverkehr; strafbar.

Falsett: durch Brustresonanz verstärkte, modulationsfähige männliche Kopfstimme, die in der Höhe über den normalen Stimmumfang hinausreicht; besonders von Tenören angewandt. Siehe auch Fistelstimme.

Falsifikat: (lateinisch) Fälschung, etwas Gefälschtes.

Falsifikation: Wissenschaftstheorie Feststellung der Falschheit einer Hypothese, indem mindestens eine der aus ihr folgenden Aussagen als falsch nachgewiesen wird.

Falstaff, Sir John, dramatische Figur bei Shakespeare («Heinrich IV.», «Die lustigen Weiber von Windsor»), danach in Opern von 0.Nicolai und G. Verdi; verkörpert den untergehenden Feudaladel, trägt aber auch Züge einer Volksgestalt.

Faltblattstruktur: Raumstrukturelement bei Proteinen.

Faltboot: aus Gerüst und Haut bestehendes, nur noch im Freizeit- und Erholungssport verwendetes, zerlegbares Boot zum Paddeln, Rüdem und Segeln; mitunter mit Motor ausgestattet.

Falte: durch horizontale und vertikale Kräfte verursachte Deformation ehemals horizontaler Gesteinsschichten; der nach oben gerichtete Teil der Falte wird als Sattel (Antiklinale), der nach unten gerichtete Teil als Mulde (Synklinale) bezeichnet.

Faltengebirge: herausgehobener Teil der Erdkruste, der nach älterer Auffassung ein Geosynklinalstadium durchläuft und danach unter extremer Einengung und horizontalem Druck gefaltet wird. Nach neueren Auffassungen entstehen Faltengebirge durch Kollision von Kontinentalschollen (Neue Globaltektonik).

Faltenwespen, Vespidae: Familie der Stechwespen mit meist schwarz-gelb gezeichneten Arten. Charakteristisch sind die in der Ruhe längsgefalteten Flügel; Widerhaken am Stachel fehlen, wodurch ein Zurückziehen oder erneutes Stechen möglich ist. Faltenwespen leben einzeln in kleinen Nestern. Wenige Arten sind staatenbildend und bauen sogenannt Papiernester aus zerkautem Holz.

Faltung: Geologie Vorgang der Bildung von Falten durch Pressung. Man unterscheidet echte Faltung und je nach Festigkeit harmonische Faltung (gleichmäßig reagierende Gesteinsserien) und disharmonische Faltung (unterschiedliches Gesteinsmaterial).

Faltwerk: Flächentragwerk großer Steifigkeit aus dünnen, gefalteten Platten oder Scheiben. Faltwerke eignen sich besonders für Überspannung großer Stützweiten bei Hallen.

Falun: Stadt im mittleren Schweden, Verwaltungszentrum der Provinz Kopparberg, in der Landschaft Dalarna; 50000 Einwohner; historisch bedeutender Bergbau auf Kupfer (seit 11. Jahrhundert), heute noch Schwefelkies-, Zink- und Bleierzabbau; chemische Industrie, Maschinen- und Waggonbau; Bergbauschule; Museum, Wintersportzentrum.

Falz: 1. Bautechnik: rechtwinklige Vertiefung (Aussparung) an Brettkanten, Dachziegeln unter anderem zum Übereinandergreifen.

2. Polygraphie:

a) alle Stellen im Buch, an denen das Material gefaltet worden ist oder wie ein Scharnier bewegt werden kann;

b) Gelenklinie an der Einbanddecke zwischen Rückeneinlage und Buchdeckel;

c) schmale Streifen zum Ankleben von Tafeln unter anderem;

d) Verdickung am Buchblockrücken, verursacht durch das Falzen und das Heftmaterial.

Falzen: 1. Fertigungstechnik: formschlüssiges Fügeverfahren zum unlösbaren Verbinden dünner Blechteile. Die Ränder werden ein- oder mehrfach abgebogen, miteinander verhakt und zusammengedrückt. Die entstehende Längs- oder Rundnaht, der Falz, kann durch Beilegen von Dichtmitteln oder Verlöten abgedichtet werden. Falzen wird angewendet zur Herstellung von Rohren, Kästen u. ä., in der Verpackungsindustrie zur Herstellung von Konservendosen mit automatischen Maschinensystemen.

2. Lederherstellung: Egalisieren der Dicke von Leder durch spanabhebende Bearbeitung der Aasseite.

3. Polygraphie: ein- oder mehrmaliges, in bestimmter Reihenfolge manuell oder mittels Falzmaschine vorgenommenes Falten von Papierbogen auf ein gewünschtes Format.

Falzmaschine: Buchbinderei Maschine zum Falzen von Druckbogen. Nach dem Arbeitsprinzip unterscheidet man taktgebundene, für dünne Papiere geeignete Messer- (Schwert-) Falzmaschine. Taschen- (Stauch-) und kombinierte Falzmaschine, die Messer- und Taschenfalzmaschine in sich vereinen.

Fama: bei den Römern das personifizierte Gerücht.

Famagusta: Stadt (Distriktzentrum) auf Zypern, an der Ostküste; 50000 Einwohner; Lebensmittel-, Textilindustrie; bis 1974 Haupthafen und Touristenzentrum des Landes; Mittelpunkt eines bedeutenden Apfelsinen- und Baumwollanbaugebietes; mittelalterliche Baudenkmale; in der Nähe Ruinen von Salamis. Vor 1974 in griechischen und türkischen Sektor geteilt, seitdem unter türkisch-zyprischer Administration.

Familienauslese: Pflanzenzüchtung bei Fremdbefruchtern die Auslese von Einzelpflanzen Nachkommenschaften.

Familienerziehung: Erziehung der Kinder in der Familie durch Eltern, Geschwister unter anderem Familienangehörige. Sozialistische Familienerziehung ist durch Vorbild und verantwortungsbewusste Erfüllung der Erziehungspflichten der Eltern, durch sinnvolle Freizeitgestaltung und durch enge Zusammenarbeit der Familie mit der Schule unter anderem Erziehungsträgern gekennzeichnet.

Familiennamen: erbliche Zunamen, die die ursprünglich Personennamen ergänzen und in die Funktion eines Vornamens bringen. Familiennamen kamen im 8. Jahrhundert in oberitalienischen Städten auf und setzten sich bis zum 16. Jahrhundert allgemein durch. Familiennamen entstanden unter anderem als Ableitung aus dem Rufnamen des Vaters (wie Petersen (-sen = sohn)), aus dem Namen der Wohngegend, beziehungsweise des Herkunftsortes oder -landes (zum Beispiel Busch, Nürnberger, Schwab) oder gehen auf den Beruf (zum Beispiel Böttcher) oder ein besonderes Merkmal des Namensträgers zurück (zum Beispiel Kurz). Im Humanismus (15./16. Jahrhundert) entstanden latinisierte beziehungsweise gräzisierte Familiennamen (zum Beispiel Agricola = Bauer). Erst seit dem 17. Jahrhundert werden Familiennamen auch in ihrer Schreibung allmählich festgelegt, aber noch im 19. Jahrhundert gab es verschiedene Schreibungen. Siehe auch Vornamen, Gentilname.

Familienplanung: Anliegen, das auf eine den gesellschaftlichen Erfordernissen Rechnung tragende, den Wünschen der Ehepartner entsprechend (Kinderwunsch, Berufsausbildung, Wohnbedingungen unter anderem), bewusste Gestaltung des Aufbaus einer Familie, gerichtet ist.

Familienrecht: Gesamtheit der Rechtsnormen, die die Stellung der Familie in der Gesellschaft, ihre Aufgaben und Förderung und die Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern bei der Gestaltung des Familienlebens zum Gegenstand haben; kodifiziert vor allem im Familiengesetzbuch. Das sozialistische Familienrecht wird durch die Gleichberechtigung von Mann und Frau, durch die Einheit von persönlichen und Vermögensbeziehungen und durch die gesellschaftliche Förderung der Familie, insbesondere bei der Erziehung der Kinder, charakterisiert.

famos: (lateinisch, «berühmt») umgangssprachlich großartig, prächtig, patent.

Famulus: (dat., «Diener») in der Klinik tätiger Medizinstudent; erfahrener Student als Helfer des Hochschullehrers (Hilfsassistent).

Fanal: (französisch griechisch) Feuerzeichen; übertragen Vorankündigung von Ereignissen.

Fanal: anarchistisch orientierte linke Monatsschrift, 1926/32 von E. Mühsam in München herausgegeben; mehrfach verboten.

Fanarioten: reiche griechische Kaufleute, Bankiers und Reeder im Stadtteil Fanar von Istanbul, aus deren Reihen jahrhundertelang die hohe Geistlichkeit und die hohen Beamten des Osmanischen Reiches sowie die Hospodaren in der Moldova und der Walachei hervorgingen; 1821/29 unterstützten sie den Befreiungskampf der Griechen.

Fanatismus: unduldsamer Eifer, blinde Begeisterung.

Fandango: leidenschaftlicher spanischer Volks- (Werbe-) Tanz im Dreiertakt mit Gitarren- und Kastagnettenbegleitung; seit 17. Jahrhundert Nationaltanz.

Fanfani, Amintore, geboren 6.2.1908, italienischer Politiker; 1954/63 mehrmals und 1982/83 Ministerpräsident; als Außenminister (1965, 1966/68) war er um eine eigenständigere imperialistische Außen- und Wirtschaftspolitik Italiens bemüht; 1954/59 und 1973/75 Sekretär der christlich-demokratische Partei, seit 1976 Vorsitzender des Nationalrats der Partei.

Fanfare: meist ventillose Trompete zum Blasen von Dreiklangsignalen, die ebenfalls Fanfare genannt werden.

Fangbaum: frisch gefällter Nadelbaum zum Anlocken von Borkenkäfern. Nach Beendigung der Eiablage und vor Ausschlüpfen der Jungkäfer wird der Fangbaum entrindet und die Rinde begiftet oder verbrannt. Das Schlagen von Fangbäumen ist die wichtigste, standardisierte Prognose- und Bekämpfungsmethode für den Buchdrucker (Großer Achtzähniger Fichtenborkenkäfer) und einige verwandte Arten.

Fangedamm: Baukonstruktion zur zeitweiligen Wasserumleitung oder zur Trockenlegung einer Baugrube in einem Gewässer; als Erddamm, Spundwand oder Staumauer ausgeführt.

Fangeinrichtung, Fangschaltung: Schaltung in Fernsprechzentralen zum Feststellen des Ursprungs von (zumeist unerwünschten) Anrufen. Ein Fernsprechteilnehmer, dem eine Fangeinrichtung zugeordnet wurde, kann durch vorgeschriebenes Verhalten verhindern, dass die Verbindung beim Auflegen des Anrufers getrennt wird; danach kann aus dem Wählerzustand die Rufnummer des Anrufers ermittelt werden.

Fanggraben: etwa 25 cm tiefer, steilwandiger Graben, der in Abständen Fanggruben enthält, in denen sich auf dem Boden wandernde Schädlinge, wie Rübenderbrüßler, Luzerne Rüssler unter anderem fangen; dient auch dem Schutz vor einwandernden Schädlingen, zum Beispiel Feldmäusen, in Hackfruchtmieten; neuerdings durch den Fangschlitz ersetzt.

Fanggürtel, Madenfalle-, um den Stamm der Obstbäume angebrachte Wellpappstreifen oder Strohseile, in denen sich Insektenlarven (zum Beispiel Larven des Apfelwicklers, Obstmaden) verpuppen beziehungsweise Insekten verstecken können, die dann durch Verbrennen der Fanggürtel vernichtet werden.

Fanglomerat: Ablagerung von unsortiertem, nur wenig gerundetem Lockermaterial; durch episodischen Transport über kurze Strecken entstanden; flächenhaft vor allem in den semiariden Gebieten auftretend.

Fango: Mineralschlamm aus heißen Quellen (zum Beispiel Battaglia) mit großem Wärme- und Wasserbindungsvermögen; Anwendung erfolgt zu Heilzwecken in Form von kalten, körperwarmen oder heißen Schlammbädern und -Packungen bei chronischen, entzündlichen und rheumatischen Erkrankungen.

Fangpflanzen: Köderpflanzen, die meist in Streifen ausgesät werden, um damit Schädlinge von Kulturpflanzen abzulenken. In den Fangpflanzen nisten sich die Schädlinge ein und werden zu gegebener Zeit mit ihnen vernichtet. Fangpflanzen sind bedeutsam für den Warndienst.

Fangschlitz: 5 bis 7,5 cm breiter, bis 18 cm tiefer Schlitz im Boden zum Fangen wandernder Schädlinge.

Fangschrecken, Mantodea: Insektenordnung mit 2000 meist tropischen und subtropischen Arten; 1 bis 16 cm lang und mit 2 Paar flach anliegenden Flügeln. Fangschrecken sind Jäger, die ihre Beute (andere Insekten) mit den gezähnten Schenkeln und einklappbaren Schienen der Vorderbeine ergreifen. Im südlichen Mitteleuropa die Gottesanbeterin.

Fangschuss: aus der Nähe abgegebener Schuss zum Töten angeschossenen Wildes.

Fang- und-Gefrier-Schiff: großes Fischereischiff, auf dem der Fang an Bord unverarbeitet in Paketen tiefgekühlt wird. Fang- und-Gefrier-Schiff sind ausschließlich Heckfänger (-trawler), deshalb oft (unkorrekt) als Frosttrawler bezeichnet.

Fang-und-Verarbeitungs-Schiff: großes Fischfangschiff, auf dem der Fang sofort verarbeitet (filetiert, tiefgekühlt, konserviert) wird; meist ein Trawler, deshalb auch als Fabriktrawler bezeichnet. Übernahme des Fanges auch von anderen Fangschiffen.

Fangvorrichtung: 1. Fördertechnik: Sicherheitseinrichtung bei Aufzügen und Förderanlagen; Sperrklinken, die beim Überschreiten der zulässigen Fördergeschwindigkeit (Seilriss, Versagen des Antriebes o. ä.) den Absturz des Fahrkorbes verhindern.

2. Luftfahrt: Vorrichtung zum Abfangen von Flugzeugen am Ende der Landebahn (zum Beispiel durch Gummiseile), vor allem auf Flugzeugträgern und bestimmten Flugplätzen. Die Fangvorrichtung arbeitet mechanisch oder hydraulisch.

Fangzähne, Fänge: die Eckzähne der Raubtiere.

Fanning-Insel, (nach dem Entdecker) Tabuaeran: Atoll der Linieninseln im Pazifik (Mikronesien), zur Republik Kiribati gehörig; 31 km2, 420 Einwohner; Kopra-Gewinnung.

Fant: unreifer, wenig ernst zu nehmender eitler Bursche.

Fantasie: a) Instrumentalstück in freier Form; b) im 16. Jahrhundert vorwiegend virtuose, polyphone Instrumentalkomposition mit der Entwicklungstendenz (im 17. Jahrhundert) zum Capriccio, Präludium, Ricercar und zur Toccata.

Fao, AI-: Stadt im Süden Iraks, nahe der Mündung des Schatt al-Arab; 15000 Einwohner; Endpunkt von Pipelines aus Nordrumaila und Zubair sowie der sogenannt strategische Pipeline von Haditha; Erdölhafen. Zerstörungen im Verlauf der irakisch-iranischen militärischen Auseinandersetzungen seit 1980.

Farabi, Abu Nasr Muhammad al-, um 870-950, arabischer Philosoph, Mathematiker und Arzt. Farabi verband aristotelische und neuplatonische Auffassungen; im «Buch der Ringsteine» vertritt er einen zum Materialismus neigenden sensualistischen Standpunkt. Seine Aristoteles-Kommentare beeinflussten Ibn Sina. In zahlreichen Schriften widmete sich Farabi der Gesellschaftstheorie. Farabi verfasste zahlreiche Schriften zur Musik, die lange Zeit die arabische Musiktheorie bestimmten und in lateinischen Übersetzungen großen Einfluss auf die Musiklehre im mittelalterlichen Europa hatten.

Farad: (nach M. Faraday) Zeichen F: SI-Einheit der elektrischen Kapazität; 1F = 1C/V = 1 s/fl.

Faraday, Michael, 22.9.1791 bis 25.8.1867, britischer Physiker und Chemiker; entdeckte die elektromagnetische Induktion (1831) und den nach ihm benannt Effekt. Faraday studierte quantitativ elektrolytische Vorgänge, die Druckverflüssigung von Gasen und wandte sich zahlreichen technischen Problemen zu (Stahlzusammensetzung, optische Gläser, Leuchttürme). Von größter Bedeutung für die Entwicklung der Elektrodynamik wurden die von Faraday entwickelten Vorstellungen über die Kraftlinien und seine Nahwirkungstheorie. 1825 entdeckte Faraday das Benzol.

Faraday-Effekt: 1845 von M. Faraday entdeckte Erscheinung, dass die Schwingungsebene linear polarisierten Lichtes beim Durchgang durch einen Stoff um den Winkel a = VdH gedreht wird, wenn ein Magnetfeld in Ausbreitungsrichtung des Lichts auf den Stoff wirkt. V ist die stoffabhängige Verdetsche Konstante, d durchstrahlte Schichtdicke, H magnetische Feldstärke.

Faraday-Käfig: (nach M. Faraday) Raum, der vollständig mit einer geerdeten metallischen Abschirmung (massiv oder gitterartig) umgeben ist, durch die elektromagnetischen Felder nicht hindurchtreten können. Der feldfreie Innenraum wird für empfindliche elektrische und magnetische Messungen benutzt.

Faraday-Maxwellsche Theorie: auf der Feldauffassung von M. Faraday fußende, von J. C. Maxwell mathematisch formulierte makroskopische Theorie, die alle elektrische und magnetische Erscheinungen einschließlich des Lichtes auf miteinander verkettete elektrische und magnetische Felder zurückführt. Siehe auch Maxwellsche Gleichungen.

Faradaysche Gesetze der Elektrolyse: von M. Faraday 1833/34 experimentell gefundene Beziehungen zwischen der bei Elektrolysen erforderliche Elektrizitätsmenge und der umgesetzten (zum Beispiel abgeschiedenen) Stoffmenge. Nach dem J. Faradaysche Gesetze der Elektrolyse G. ist die Stoffmenge der Elektrizitätsmenge proportional (Proportionalitätsfaktor = elektrochemischer Äquivalent). Nach dem 2. Faradayschen Gesetze verhalten sich die durch eine beliebige Elektrizitätsmenge umgesetzten Stoffmengen wie deren Grammäquivalente.

Faradisation: (nach M. Faraday) Verfahren der Elektrotherapie unter Anwendung von niederfrequentem Wechselstrom, insbesondere zur Behandlung peripherer Nervenlähmungen.

Farantouri, Maria, geboren 28.11.1947, griechische Sängerin (Mezzosopran); lebte während der militärfaschistischen Diktatur (1967/74) im Exil; politisch engagierte Interpretin der Brecht-Vertonungen von H. Eisler und K. Weill sowie der Lieder von V. Jara, M. Theodorakis unter anderem.

Faras: chemischer Bischofssitz im Norden Sudans (antiker Name Pachoras), seit 1967 durch Nasser See überflutet; religiöses und kulturelles Zentrum Nubiens im Mittelalter. Im Zuge einer UNESCO-Aktion führten polnische Archäologen 1961/64 Grabungen durch, wobei aufsehenerregende Wandmalereien aus dem 8. bis 12. Jahrhundert freigelegt und gerettet wurden.

Farbauszug: fotografisch mittels Farbauszugsfilters angefertigtes Teilfarbennegativ oder -diapositiv (Strich, Halbton oder Raster) nach mehrfarbigen Vorlagen zur Herstellung von Druckformen für den Farbendruck. Die bei der Aufnahme in den Strahlengang der Reproduktionskamera eingeschalteten durchsichtigen Farbauszugsfilter sind komplementärfarbig zum anzufertigenden Farbauszug (Grundfarben Gelb, Purpur, Zyan). Bezeichnung des Farbauszug entweder nach vorgesehener Druckfarbe oder verwendetem Farbauszugsfilter.

Farbband: ein- oder zweifarbiger Farbträger für schreibende Büromaschinen. Das Farbband ist für mehrmalige Verwendung als Gewebefarbband (aus Baumwolle, Seide, Chemiefaser) und für einmalige Verwendung als Kohlepapier-Farbband (Kohle-, Carbonband) ausgeführt.

Farbbücher, Buntbücher, politische Dokumentationen, die offiziell von einem Parlament, einer Regierung oder gesellschaftlichen Organisationen der Öffentlichkeit vorgelegt werden; nach der Farbe des Einbandes benannt, zum Beispiel Weißbuch, Rotbuch, Grünbuch.

Farbe: 1. Strahlung eines schmalen Bereichs des elektromagnetischen Spektrums. Quasimonochromatisches Licht (das heißt Licht einer Wellenlänge X) stellt eine reine Spektralfarbe dar. Bezogen auf den Gesichtssinn ist Farbe eine durch den objektiv gegebenen Farbreiz ausgelöste subjektive Empfindung (siehe auch Farbwahrnehmung). Der physiologische Farbreiz ist durch die Farbreizfunktion festgelegt. Darin bedeuten Sx die spektrale Energieverteilung der einen Körper treffenden Strahlung und ßx den Remissions- beziehungsweise Transmissionsgrad des Körpers. Bunte Farben sind durch Farbton, Sättigung und Helligkeit, unbunte Farbe (Schwarz, Grau und Weiß) nur durch die Helligkeit gekennzeichnet. Der Farbton charakterisiert die qualitative Seite (Rot, Gelb, Grün, Blau und so weiter), die aber auch im Rahmen der Farbmetrik (1 Farbenlehre) durch Maßzahlen quantifizierbar ist. Die Sättigung kennzeichnet den Grad der Farbigkeit im Vergleich zum gleich hellen Grauton. Die Helligkeit wird als Verhältnis der Leuchtdichte einer farbigen Fläche zur Leuchtdichte des sogenannten Normalweiß angegeben. Bei der additiven Farbmischung (zum Beispiel beim Farbfernsehen) werden Farbreize überlagert. Die Farbreize können dem Auge gleichzeitig oder in schneller Folge angeboten werden. Im letzteren Fall muss die Flimmerfrequenz überschritten sein. Komplementär-, Gegen- oder Ergänzungsfarbenpaare (zum Beispiel Gelb-Violettblau, Purpur Grün) mischen sich additiv zu Grau oder Weiß. Die Komplementärfarbe entsteht auch, wenn eine Farbe aus dem Spektrum entfernt wird. Die Gesetze der additiven Farbmischung beruhen darauf, dass das Farbensehen trichromatisch ist. Jede Farbvalenz F kann aus 3 Bezugsfarbe X, Y, Z, die nicht durch Mischung auseinander erzeugbar sind, hergestellt werden: F = XX+YY+ZZ. X, Y und Z sind die Mischungsanteile. Subtraktive beziehungsweise multiplikative Farbmischung tritt ein, wenn die spektrale Zusammensetzung des Lichtes beim Durchgang durch Stoffe verändert wird (zum Beispiel beim Mehrschichten-Farbfilm). Die Transmissionsgrade der einzelnen Stoffe multiplizieren sich dabei. In der Umgangssprache ist Farbe ein Mittel zur Farbgebung von Gegenständen, das Farbstoffe in geeigneten Suspensionen oder Lösungen enthält (zum Beispiel Anstrichfarbe). In der bildenden Kunst ist die Farbe ein vielseitiges Gestaltungsmittel, das starke ästhetische Erlebnisse vermitteln kann. In Architektur, Plastik und Kunstgewerbe wird sie vorwiegend schmückend verwendet (Polychromie), sowohl durch die Eigenfarbigkeit der Werkstoffe (Inkrustation 2, Intarsia) als auch durch Aufträgen von Farbstoffen. In der Malerei ist die Farbe selbst formgebendes Element. Nach den verschiedenen Maltechniken und Bindemitteln werden Öl-, Guasch-, Tempera-, Pastell-, Leim-, Wachs-, Aquarell-, Acrylfarben unter anderem, nach der Dichte ihres Auftrags Lasur- und Deckfarben unterschieden.

2. Unterscheidungsmerkmal der Spielkarten (Eicheln, Herzen, Kreuz, Schellen unter anderem).

Färbeapparat: Vorrichtung zum Färben unbewegter Garne in bewegter Farbflotte (Flotte).

Farbechtheit: Widerstandsfähigkeit von Färbungen und farbigen Drucken auf Textilien gegen Einwirkungen, denen sie bei der Herstellung und im Gebrauch ausgesetzt sind.

Färbemaschine: 1. Lederherstellung: programmierbarer Apparat zum Färben von Ledern mit synthetischen Farbstoffen.

2. Textiltechnik: Vorrichtung zum Färben bewegter Textilien in unbewegter Farbflotte.

Färben: Behandeln von Textilien jedes Verarbeitungszustandes in wässriger Farbstofflösung oder -suspension und Färbehilfsmitteln auf Färbemaschinen oder -apparaten.

Farbendruck, Mehrfarbendruck, früher Chromo-Druck: Illustrationsdruck zur färb- und tonwertähnliche Wiedergabe farbiger Halbtonvorlagen, wobei durch Zusammendruck gerasterter Farbplatten in den Grundfarben Purpur, Gelb, Zyan (Drei-Farbendruck) und Schwarz (Vier-Farbendruck) zusammen mit dem Weiß des Bedruckstoffes alle Mischfarben erzeugt werden.

Farben dünner Blättchen: bei der Interferenz von Lichtwellen, die durch Aufteilung einer Lichtwelle an den Grenzflächen dünner Schichten entstehen, auftretende Mischfarben (Komplementärfarben zu den jeweils ausgelöschten Farben). Farben dünner Blättchen sind zum Beispiel die Anlassfarben bei Stahl und die Farben auf dünnen Ölschichten.

Farben-Helligkeits-Diagramm: Zustandsdiagramm der Sterne, Sonderform des Hertzsprung-Russell-Diagramms, in dem die scheinbare Helligkeit über dem Farbenindex aufgetragen ist. Das Farben-Helligkeits-Diagramm wird insbesondere für Sternhaufen aufgestellt.

Farbenlehre: Wissenschaft von der Wechselbeziehung zwischen den physikalischen Eigenschaften des Farbreizes, dem Auge und dem Farbeindruck. Die Farbenlehre erfordert Erkenntnisse der Physik, der Physiologie und der Psychologie des Sehvorganges. Die Kennzeichnung der Farbmerkmale nach physikalischen Gesichtspunkten wird in der niederen Farbmetrik vorgenommen, in der jede Farbvalenz durch die Mischungsanteile dreier Bezugsfarben bestimmt ist (siehe auch Farbe). In der höheren Farbmetrik wird der Farbreiz in Beziehung zur Farbwahrnehmung gesetzt.

Farbenplastik: auf der physiologischen und psychologischen Farbwirkung beruhende Raumvorstellungen in der kartographischen Reliefdarstellung (rote und gelbe Farbtöne für Nähe, blaue und grüne für Ferne).

Farbensehen: Fähigkeit zur Wahrnehmung von Farben. Im gesamten Spektralband des für den Menschen sichtbaren Lichtes (elektromagnetische Wellen der Länge zwischen 380 und 780 nm) können etwa 150 Farbtöne unterschieden werden. Dabei ist im Grün- (um 500 nm) und im Rotbereich (um 620 nm) die Unterscheidungsfähigkeit am besten (2 nm). Für das Farbensehen sind die in der Netzhaut befindlichen lichtempfindlichen zapfenförmigen Zellen (Fotorezeptoren) notwendig, die auf bestimmte Wellenlängen ansprechen (Orange-, Grün- und Blauzapfen). Aus der Mischerregung zweier oder aller 3 Zapfentypen ist entsprechend einer additiven Farbmischung die Vielfalt der Farbempfindungen, etwa 500000 (Dreikomponententheorie von Helmholtz), erklärbar. Farbkontraste und farbige Nachbilder erscheinen in der Komplementärfarbe. Die Wahrnehmung von Farben beruht auf komplexen Mechanismen, an denen das ganze Sehsystem vom Auge bis zur Hirnrinde beteiligt ist. Bei Funktionsausfall aller Zapfentypen liegt totale Farbenblindheit vor (sehr selten). Farbenfehlsichtigkeiten (Rot-Grün-Unterscheidungsschwäche unter anderem) sind relativ häufig. Störungen des Farbensehens sind geschlechtsgebunden (Männer 8 %, Frauen 0,5 %) und rezessiv vererbbar.

Farberden: meist Verwitterungsbildungen von Mineralen und Gesteinen, als natürlichen Farbstoffe abgebaut, zum Beispiel Ocker, Grünerde und Kreide.

Färberfrosch, Dendrobates tinctorius: baumbewohnender Froschlurch des tropischen Amerikas; sein Hautsekret benutzten die Indianer als Pfeilgift, sein Blut zum Färben von Federn.

Färberpflanzen: früher zur Farbstoffgewinnung angebaute Pflanzen, zum Beispiel der Waid, dessen Blätter blauen Farbstoff enthalten, die roten Farbstoff liefernde Krappwurzel (Färberröte) und der Saflor, aus dessen Blüten ebenfalls roter Farbstoff (Carthamin) gewonnen wurde.

Färbeverfahren: Methode in der biologischen beziehungsweise histologische Technik zur Sichtbarmachung bestimmter Bestandteile-von Mikroorganismen, Zellen oder Geweben mit Hilfe von Farbstoffen.

Farbfilm: 1. Fotografie Mehrschichtenfilm zum Erzielen farbiger Durchsichts- oder Aufsichtsbilder;

a) Farbumkehrfilm ergibt nach dem Entwickeln farbrichtige Dias und ist auf 2 Beleuchtungsarten (Tageslichtfilm für Tages- und Blitzröhrenlicht, Kunstlichtfilm für Fotolampen) abgestimmt;

b) Farbnegativfilm ergibt etwa komplementärfarbige Negative zur Herstellung farbiger Dias und Papierbilder und ist für beide Beleuchtungsarten anwendbar. Bei Farbfilm (zum Beispiel ORWOCOLOR, ORWOCHROM) entstehen die Farben durch subtraktive Farbmischung mittels dreier übereinander gegossener, besonders sensibilisierter Silberbromidschichten, in denen beim Entwickeln die farbigen Teilbilder entstehen. Beim ORWO-Farbfilm enthält jede Schicht einen Farbstoffbildner, der die Komplementärfarbe zur Farbempfindlichkeit der Schicht bildet (von oben blauempfindlich: gelb; grünempfindlich: purpur; rotempfindlich: blaugrün). Farbumkehrfilm wird zuerst in einem Schwarzweißentwickler (Erstentwicklung), nach diffuser Zweitbelichtung in einem Farbentwickler entwickelt; beim Farbnegativfilm entstehen bei der Farbentwicklung die der Vorlage etwa komplementären Farben; siehe auch Film.

2. Filmtechnik Film, der durch die Wiedergabe von bunten und unbunten Bildelementen eine größere Wirklichkeitsnahe und gegebenenfalls eine tiefere künstlerische Aussage als der Schwarzweißfilm ermöglicht. Kinofilme werden jetzt fast ausschließlich als Farbfilm gedreht, auch beim Fernsehen setzt sich der Farbfilm immer mehr durch. Siehe auch Film.

Farbfotografie: fotografische Technik, bei der die Farben des Objektes in der Aufnahme dem Objekt sehr ähnlich wiedergegeben werden. Siehe auch Farbfilm.

Farbholz: tropische Holzarten, zum Beispiel Blau-, Gelb-, Rotholz, deren Kernholz zur Gewinnung technisch verwertbarer Farbstoffe dient.

Farbkorrektur: Farbfotografie teilweise erfordert. Maßnahme, um farbrichtige Fotos zu erhalten. Die Farbkorrektur erfolgt bei der Aufnahme mittels Colorfilter, die die Farbtemperatur der Beleuchtung ändern beziehungsweise im Negativ-Positiv-Prozess mittels Kopierfilter, die das Kopierlicht einfärben. Siehe auch Farbstich.

Farblacke: organisch-chemische Pigmente für Anstrichstoffe, Tapetenfarben unter anderem, hergestellt aus Farbstofflösungen durch Ausfällen (Verlocken) zum Beispiel mit Bariumchlorid in Gegenwart eines anorganischen Substrates (Bariumsulfat, Aluminiumhydroxid unter anderem) oder durch inniges Vermahlen unlösliche organische Farbstoffe (Phthalocyanine unter anderem) mit dem Substrat.

Farblichtmusik: eine Musik, die versucht, Farbwirkungen und Klänge miteinander in Beziehung zu setzen; beruht auf einem spezifischen Zusammenwirken von Gehör- und Gesichtssinn (Farbenhören, Töne sehen). Dieses kann verschiedenartig auftreten:

a) die Farben werden gleichzeitig mit Musik wahrgenommen beziehungsweise

b) zur gehörten Musik vorgestellt;

c) die vorgestellte Musik verbindet sich mit einer wahrgenommenen Farbe;

d) die Vorstellungen von Musik und Farbe verbinden sich. Derartige Erscheinungen der Synästhesie treten oft zusammen mit dem absoluten Gehör auf. Systematische Bemühungen, Farbe und Musik miteinander zu verbinden, sind seit der Antike bis in die Gegenwart nachweisbar. Farblichtspiele und Lichtorgeln (in Diskotheken) sind in der Gegenwart gebräuchliche Wirkungsfaktoren.

Farbsatz: Polygraphie alle nach der gleichen farbigen Vorlage gewonnenen, einer geschlossenen Folge angehörenden Teilfarbennegative, -dias, -kopien, -druckplatten oder -druckformen. Der Farbsatz entspricht der Anzahl der für den Druck vorgesehenen Farben. Siehe auch Farbauszug, Farbendruck.

Farbspritzen: Verfahren zum Aufträgen von Anstrichstoffen mittels einer Farbspritzpistole. Die Zerstäubung des Anstrichstoffes geschieht beim hydraulischen Farbspritzen, indem der Anstrichstoff durch hydrostatischen Druck durch eine Düse gepresst und entspannt wird; beim pneumatischen Farbspritzen erfolgt die Zerstäubung mittels Druckluft bis 0,1 MPa als Niederdruck und mit 0, 1...0,6MPa als Hochdruck-Farbspritzen. Hydraulische Farbspritzen ist hochproduktiv und Nebenarm. Das Farbspritzen kann mit kalten oder erhitzten Anstrichstoffen als Kalt- oder Beißspritzen durchgeführt werden.

Farbstich: fehlerhaftes Überwiegen einer Farbe im Farbfoto durch falsche Farbtemperatur der Beleuchtung, Entwicklungsfehler, unzureichende Kopierfilterung unter anderem Farbstich sind im Negativ-Positiv- beziehungsweise Kopierprozess korrigierbar.

Farbstoffe: Substanzen, die die natürliche Färbung von Pflanzen und Tieren bewirken (Naturfarbstoffe, wie Anthozyane, Karotinoide, Porphyrine) oder zum Färben anderer Materialien dienen. Letztere werden heute nahezu ausschließlich synthetisch hergestellt. Der erste synthetische Farbstoff war Anilinschwarz (F. Farbstoffe Runge, 1834); in größerem Umfang wurde zuerst Mauvein verwendet (W.H. Perkin, 1856). Die synthetische Farbstoffe (früher Teerfarbstoffe, Anilinfarben) werden aus aromatischen Zwischenprodukten gewonnen, die früher ausschließlich aus Steinkohlenteer, neuerdings auch aus Braunkohlenschwelteer und Erdöl hergestellt werden. Farbige Organ. Verbindungen enthalten konjugierte Doppelbindungen, deren ji-Elektronen leicht beweglich sind. Dies wird durch die Kombination bestimmter Atomgruppen, der Chromophore (zum Beispiel die Carbonylgruppe yC=0, die Azogruppe -N=N-), mit carbo- oder heterozyklischen aromatischen Kernen (zum Beispiel Benzol, Naphthalin, Anthrazen) zu einem Chromogen erreicht (O. N. Witt, 1876). Die Farbintensität wird durch Auxochrome (zum Beispiel kernständige Hydroxyl- und Aminogruppen) verstärkt, die zugleich färbe technisch wichtige Eigenschaften (zum Beispiel das Aufziehvermögen) hervorrufen. Nach ihrer chemischen Struktur bezeichnet man die synthetischen Farbstoffe zum Beispiel als Azofarbstoffe, Anthrachinon Farbstoffe, indigoide Farbstoffe, Triphenylmethanfarbstoffe. Im Gegensatz zu den unlöslichen Pigmenten ziehen die Farbstoffe aus einer-Lösung oder Dispersion (Farbflotte) auf das Färbegut (Faserstoffe, Pelzwerk, Leder, Al-Oxydschichten unter anderem) auf und dringen in das Material ein, wo sie adsorptiv (substantive Farbstoffe), gelöst (Dispersionsfarbstoffe), durch Salzbildung (basische Farbstoffe, Säurefarbstoffe), Atom- (Reaktivfarbstoffe) oder Komplexbindung (Beizenfarbstoffe) gebunden werden. Unlösliche Farbstoffe werden vor dem Färben in eine lös). Form gebracht (Küpenfarbstoffe, Schwefelfarbstoffe); manche Farbstoffe werden erst auf dem Faserstoff gebildet (Entwicklungsfarbstoffe, Oxydationsfarbstoffe). Farbstoffe werden auch in Tinten, Stempelfarben unter anderem verwendet und spielen zum Beispiel in der Farbfotografie, bei Lichtpausverfahren u. ä. eine große Rolle.

Farbtemperatur: Temperatur, die ein schwarzer Körper annehmen muss, um die gleiche Farbe wie der zu kennzeichnende Strahler zu haben; Zeichen Tf, SI-Einheit Kelvin (K). Bei Entladungslampen wird die ähnlichste Farbtemperatur angegeben. Siehe auch Strahlungstemperatur.

Farbtemperaturmesser: Fototechnik Gerät zum Bestimmen der Farbtemperatur der Beleuchtung beziehungsweise des notwendigen Konversionsfilters bei Farbaufnahmen.

Farbwahrnehmung: durch einen Farbreiz ausgelöster psychischer Prozess (siehe auch Farbe, Farbensehen). Die Farbwahrnehmung wird zum Beispiel von Art und Stärke der Beleuchtung, vom Umfeld, von der Raumbeziehung und vom Zustand des visuellen Systems beeinflusst. Nur bei konstanter Beleuchtung ist die Farbe eines Gegenstandes konstant. Allerdings ist das Auge in der Lage, Veränderungen von Lichtart und Beleuchtungsstärke bis zu einem gewissen Grade auszugleichen (chromatische Adaptation).

Farbwechsel: Fähigkeit zur schnellen Änderung der Färbung von unbehaarten Hautpartien, indem auf hormonalem (einige Fischarten) oder nervösem Weg (Chamäleon) die oberflächliche Durchblutung und beziehungsweise oder die Verteilung von Pigmentstoffen verändert werden. Auslösend wirken spezielle, für die gegebene Tierart überlebenswichtige Reize, zum Beispiel Auftauchen von Feinden (Schutzreaktion), eines Geschlechtspartners (Anlocken), Änderung der Sonneneinstrahlung. Beim Menschen ist der (durchblutungsbedingte) Farbwechsel rudimentär in Form des Errötens oder Erblassens erhalten. Langsam, über Tage und Wochen sich vollziehender, oft saisonabhängiger Farbwechsel beruht auf Bildung oder Abbau von Pigmenten (morphologische Farbwechsel).

Farbwiedergabeindex: Maß für die Übereinstimmung des Farbeindrucks von Objekten bei Beleuchtung mit einer Lichtquelle und mit einer Bezugslichtart bei verschiedenen Körperfarben. Bei völliger Übereinstimmung hat der Farbwiedergabeindex den Wert 100.

Farbzeichen: Lichtsignal zur Verkehrsregelung auf Straßenverkehrsanlagen. Farbzeichen für den Straßenverkehr zeigen die Farben Rot oder Grün sowie Gelb (allein oder zusätzlich). Spezielle Farbzeichen für Straßenbahnen sind weiß.

Farce: 1. allgemein Lächerlichkeit; Verhöhnung.

2. Dramatik: ursprünglich derb-komisches Zwischenspiel im französischen geistlichen Drama des Mittelalters (seit dem 13. Jahrhundert), später selbständige Theaterform, die dem Fastnachtsspiel vergleichbar war. Die Tradition der Farce hat im klassischen Theater Frankreichs (zum Beispiel bei Molière) und anderer romanischer Länder weitergewirkt. im weiteren Sinne wird der Begriff Farce häufig für alle Formen derbkomischen trivialen Theaters benutzt.

3. Lebensmitteltechnik:

a) Füllung für eine Fleisch-, Geflügel-, Fisch- oder Gemüsespeise;

b) Bezeichnung für die zerkleinerte Brühwurstgrundmasse (Brät).

Farel, Guillaume, 1498-13.9.1565, schweizerischer Reformator, erster Führer der Reformation in Genf; gewann 1536 Calvin für diese Stadt.

Farge, Yves, 19.8.1889-30.3.1953 (verunglückt), französischer Politiker, leitete im 2. Weltkrieg den antifaschistischen Widerstandskampf in Südfrankreich; Mitglied des Weltfriedensrates (ab 1950).

Färinger, Färöer: Bewohner der Färöer-Inseln, Sprache Färöisch; 38000; Nachkommen einer im 9. Jahrhundert eingewanderten norwegischen Bevölkerung; Bauern und Schafzüchter, heute auch Fischer mit modernsten Fangmethoden.

Farkas: 1. Bertalan, geboren 2.8.1949, erster ungarischer Kosmonaut; absolvierte vom 26.5. bis 3.6.1980 als Forschungskosmonaut von Sojus 36 zusammen mit W. N. Kubassow einen Raumflug mit 6tägigem Aufenthalt an Bord der sowjetische Raumstation Salut 6; siehe auch Interkosmos, Salut, Sojus.

2. Ferenc, geboren 15.12.1905, ungarischer Komponist; einer der vielseitigsten ungarischen Komponisten der Gegenwart, dem in allen musikalischen Genres (insbesondere in Bühnenwerken) unterhaltsame, volkstümliche Stücke gelungen sind.

3. Károly, 1843-16.2.1907, ungarischer Arbeiterführer, Metallarbeiter; Beauftragter der I. Internationale für Ungarn; gründete 1870 die erste Arbeiterkrankenversicherung in Ungarn, gab 1873 die Arbeiter-Wochen-Chronik (dt. und ungarisch) heraus und unterstützte L. Frankel bei der Organisierung der Allg. Arbeiterpartei Ungarns 1880; vertrat in der ungarischen Arbeiterbewegung gegenüber den Lassalleanern die marxistische Richtung.

Farm: 1. kapitalistisch bewirtschafteter landwirtschaftlicher Betrieb, besonders in englischsprachigen Ländern.

2. Spezialbetrieb für Aufzucht und Haltung einer Tierart (Geflügelfarm, Pelztierfarm).

Farmerbünde, englisch Farmers Grange: Organisationen der Landwirte der USA die aus der nach dem Bürgerkrieg 1861/65 entstandenen kleinbürgerlichen Granger-Bewegung hervorgingen; forderten unter anderem Abschaffung der Schutzzölle und Verstaatlichung der Transportmittel. Die Farmerbünde gehörten mehrfach zur Massenbasis für politische Bewegungen, die sich gegen das Zweiparteiensystem der Monopole richteten.

Farne, Filicatae, Filicopsida: Klasse der Farnpflanzen; krautige oder baumförmige Pflanzen, meist auf dem Lande, einige auch in Sümpfen oder auf dem Wasser vorkommend; charakteristisch sind die meist großen, in der Jugend an der Spitze eingerollten Blätter; bei den fertilen Blättern (Sporophylle) befinden sich an deren Unterseite die zu Häufchen vereinigten Sporenkapseln (Sporangien). Den phylogenetische Übergang von primitiven Farnpflanzen zur Klasse der Filicatae vermitteln die Erstfarne; siehe auch Farnpflanzen.

Farnese: italienisches Adelsgeschlecht; Alessandro, forderte als Papst Paul III. (1534/49) den Ausbau der Peterskirche in Rom; unter ihm höchste Machtentfaltung der Farnese; sein Urenkel Alessandro von Parma (27.8.1545-3.12.1592) war Feldherr; seit 1578 Statthalter Spaniens in den Niederlanden. Aus dem chemischen Kunstbesitz der Farnese stammen unter anderem die berühmten Antiken Farnes. Herakles (römisch Kopie nach Lysipp) und Farnes. Stier (Marmorgruppe um 50 vor Christus), beide jetzt in Neapel (Nationalmuseum). Auf dem Gelände der Villa Farnesina in Rom (Renaissancebau mit Fresken von Raffael) wurde eine antike Villa aus der Zeit des Kaisers Augustus ausgegraben, deren hervorragende Stuckreliefs (Rom, Thermenmuseum) den augusteischen Klassizismus repräsentieren.

Farnesol: (Kunstwort) ein azyklisches Sesquiterpen Alkohol der Formel C1SH250H. Farnesol ist eine farblose, nach Maiglöckchen riechende Flüssigkeit, die in ätherischen Ölen vorkommt. Der Pyrophosphorsäureester des Farnesol ist ein Zwischenprodukt der Biosynthese der Steroide und Karotinoide.

Farnpflanzen, Pteridophyta: Abteilung grüner Pflanzen mit charakteristischen Wechsel zwischen einer sich geschlechtlich (Gametophyt, auch als Vorkeim oder Prothallium bezeichnet) und einer sich ungeschlechtlich (Sporophyt, die eigentlich Farnpflanzen) fortpflanzenden Generation. Aus einer Spore geht der unscheinbare, die Geschlechtsorgane (männliche Antheridien und weibliche Archegonien) tragende Vorkeim hervor, der nach Befruchtung der Eizelle im Allgemeinen abstirbt. Bei einigen Farnpflanzen sind ein kleiner, männlicher und ein größerer, weiblicher Vorkeim ausgebildet. Aus der Eizelle entwickelt sich als selbständige Pflanze der reich gegliederte Sporophyt mit echten Wurzeln und Leitbündeln; er ist zum Teil reich beblättert und krautig oder baumförmig. Eine systematische Einteilung erfolgt nach der Beblätterung. Die fast nur fossil aus dem Silur und Devon bekannten Ur- oder Nacktfarne (Psilophytatae) sind noch wurzellos und haben gabelig verzweigte Stengel, die zum Teil noch blattlos sind, und endständige Sporophyllstände; die Bärlappe (Lycopodiatae; zum Beispiel Bärlapp, Moosfarn, Brachsenkraut) sind krautig und kleinblättrig, die baumartigen Formen sind ausgestorben; von den kleine, quirlständige Blätter besitzenden Schachtelhalmen (Equisetatae) existiert nur noch die Gattung Schachtelhalm; für die Farne (Filicatae) sind im Allgemeinen große Blätter (Wedel) typisch, ihre Hauptentwicklung lag im Paläozoikum.

Farnsamer, Samenfarne, Pteridospermae (griechisch pteris, «Farn», + sperma, «Same») niederste Klasse der Nacktsamer, deren Vertreter ab Unterkarbon Vorkommen, besonders im Carbon und Perm verbreitet waren und im Mesozoikum ausgestorben sind. Sie gleichen äußerlich Farnen, besitzen aber Samenanlagen.

Färöer, dänisch fareeme («Schafsinseln»), färöisch Feroya: Inselgruppe im Atlantischen Ozean zwischen Schottland und Island; als autonomes Gebiet zu Dänemark gehörig; 1399 km2; 44000 Einwohner, meist färöisch sprechende Färinger, 31 Einwohner/km2; in 7 Syssel (Bezirke) eingeteilt; Verwaltungszentrum Tórshavn auf Stroma (Streymoy); 17 bewohnte Basaltinseln sowie Schären und Holme, Reste eines abgetragenen, zerschnittenen vulkanischen Plateaus mit Hochflächen, Bergen bis 882 m und Fjorden; feuchtes und windreiches ozeanisches Klima; Haupterwerb Fischfang (vor allem Kabeljau und Hering) und -Verarbeitung, ferner Schafhaltung, Kartoffelanbau; etwas Braunkohleabbau, kleine Werften. Im 9. Jahrhundert von norwegischen Normannen besiedelt; wurden 1035 norwegisch und 1380 zusammen mit Norwegen mit Dänemark vereinigt, wo sie auch nach der Trennung Norwegens von Dänemark (1814) verblieben. 1854 erhielten die Färöer beschränkte Autonomie, die 1948 bei Beibehaltung der Union mit Dänemark erweitert wurde. Langjährige Koalitionsregierungen unter Führung der Sozialdemokratischen Partei scheiterten an wirtschaftspolitischen Gegensätzen und wurden 1981/85 von einer bürgerlichen Koalition unter P. Ellefsen (Zusammengehörigkeitspartei) abgelöst; 1985 Bildung einer Koalitionsregierung unter A. Dam (Sozialdemokratischen Partei).

Farquhar, George, 1678-29.4.1707, irischer Dramatiker; schrieb satirische Komödien, unter denen das Antikriegsstück «Der Werbeoffizier» (1706, deutsch auch «Mit Pauken und Trompeten») und «Des Stutzers List» (1707, deutsch auch «Glücksritter») durch Realismus, Gesellschaftskritik und Bühnenwirksamkeit herausragen.

Färse, Kalbe, Sterke: zuchtreifes weibliches Rind.

Fasanen, Phasianinae: in Waldgebieten, an Flussläufen und im Gebirge lebende Hühnervögel; Männchen meist bunt, oft langschwänzig, Weibchen unscheinbar braun. Der Jagdfasan (Phasianus colchicus) wurde im ausgehenden Mittelalter in Mitteleuropa eingebürgert. In zoologischen Gärten ist häufig der Goldfasan (Chrysolophus pictus) und der Silberfasan (Lophura nycthemera) anzutreffen.

Fasces: mit Lederriemen umschnürte Rutenbündel, die im antiken Rom als Zeichen höchster Amtsgewalt von den Liktoren den Konsuln unter anderem hohen Beamten vorangetragen wurden. Im Feldlager steckte in den Fasces ein Beil als Symbol für die Macht des Feldherrn über Leben und Tod seiner Soldaten. Die italienischen Faschisten verwendeten die Fasces mit Beil als Zeichen ihrer diktatorischen Herrschaft.

Fasch: 1. Carl-Friedrich, 18.11.1736-3.8.1800, Komponist und Dirigent; Sohn von Fasch 2; gründete 1791 die Berliner Singakademie, mit der er J. S. Bachs Werke aufführte und wegweisend für die Entwicklung des deutschen Chorgesangs wurde. Faschs Nachfolger war C. Zelter.

2. Johann Friedrich, 15.4.1688-5.12.1758, Komponist; seit 1722 Hofkapellmeister in Zerbst; schrieb Suiten, Sinfonien, Kantaten unter anderem, die auch von J. S. Bach geschätzt wurden.

Faschismus: (italienisch, zu «Fasces») in der ersten Etappe der allgemeinen Krise des Kapitalismus entstandene politische Bewegung und staatliche Herrschaftsform, zu der die reaktionärsten Teile des Monopolkapitals Zuflucht nehmen, wenn ihre Klassenherrschaft nicht mehr mit den Methoden der bürgerlichen Demokratie aufrechterhalten werden kann. Der Faschismus an der Macht ist «die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals» (Dimitroff). Der Faschismus wurde zuerst in Italien errichtet (1922); eine äußerst brutale Form nahm er in Deutschland an (1933/45; Weltkrieg, zweiter, Konzentrationslager, Potsdamer Abkommen); in Chile beseitigte er gewaltsam die fortschrittliche Regierung der Unidad Popular (1973). In den 70er Jahren wurde nach schweren Kämpfen die faschistische Herrschaft in Griechenland, Portugal, Spanien beseitigt. Der Faschismus zerstört die bürgerlich-parlamentarische Demokratie und entwickelt einen hemmungslosen, grausamen Terror gegen alle demokratischen und fortschrittlichen Kräfte des Volkes. Sein Hauptangriff richtet sich gegen die Arbeiterklasse und ihre revolutionäre Partei. Seine Herrschaft ist gekennzeichnet durch wachsende Ausbeutung und Unterdrückung der Werktätigen, durch Kriegsvorbereitung, Massenausrottung fortschrittlicher Kräfte im eigenen Land und Aggression gegen andere Völker. Kernstück seiner antihumanen Ideologie ist der Antikommunismus und Antisowjetismus, der mit Chauvinismus, Revanchismus, sozialer Demagogie und Rassismus verbunden ist. Seit Beginn der dritten Etappe der allgemeinen Krise des Kapitalismus entwickelte sich in vielen kapitalistischen Ländern Europas wie in den USA auf derselben sozialökonomischen Basis der Neo-Faschismus. Er ist Bestandteil des staatsmonopolistischen politischen Herrschaftssystems und Stoßtrupp der extrem reaktionären finanzkapitalistischen Kreise gegen gesellschaftlichen Fortschritt und Humanismus, insbesondere gegen Sozialismus und Demokratie. Der Neo-Faschismus sucht sich mittels raffinierterer Demagogie und bedingter Einordnung in die bestehenden parlamentarischen beziehungsweise konstitutionellen Formen des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems den neuen Bedingungen der weltpolitischen Entwicklung und der Klassenauseinandersetzungen in den einzelnen Ländern anzupassen (unter anderem Verharmlosung der Verbrechen des Hitler-Faschismus) insbesondere die militärischen-industriellen Komplexe der imperialistische Länder sehen in der Förderung des Neo-Faschismus einen Ausweg aus der Krise des staatsmonopolistischen Systems auf Kosten der Werktätigen. Der Kampf gegen Faschismus und Neo-Faschismus ist Bestandteil des Kampfes für Frieden, Sozialismus und Demokratie. Entscheidende Waffe gegen Faschismus ist die Aktionseinheit der Arbeiterklasse und das Bündnis aller friedliebenden und demokratischen Kräfte (Bündnispolitik).

faschistoid: dem Faschismus ähnlich, faschistische Züge aufweisend.

Faschodakrise: Konflikt zwischen Großbritannien und Frankreich 1898/99; wurde von Frankreich mit der Besetzung des sudanischen Ortes Faschoda ausgelöst, war Ausdruck der zwischen beiden Ländern bestehenden Interessengegensätze in der Kolonialpolitik. Im Ergebnis diplomatischen Verhandlungen musste Frankreich im März 1899 formell auf seinen Anspruch auf Sudan verzichten.

Fase: durch Abschrägen (Anfasen, Fasen) einer scharfen Kante entstandene Fläche relativ geringer Breite; meist an Werkstücken, aber auch an Werkzeugen.

Faser: schmiegsamer, haarähnlicher Körper, der im Gegensatz zu einem Elementarfaden beziehungsweise einer Monofilseide eine begrenzte Länge aufweist und im Allgemeinen textil verarbeitbar ist. Natürliche Faser sind zum Beispiel Baumwolle, Wolle, Jute, Asbest; Chemiefasern werden durch Zerschneiden von Elementarfadensträngen hergestellt

Faserband: linienförmiges, verzugsfähiges Fasergebilde (meist ohne Drehung) aus in Längsrichtung orientierten Fasern. Nach der verwendeten Verarbeitungsmaschine unterscheidet man zum Beispiel Konverter-, Krempel- und Kardenband.

Faserbandstricken: Herstellen von Foltextilien (zum Beispiel Pelzimitate) auf speziellen Großrundstrickmaschinen durch Verstricken von Faserbändern.

Faserbaustoffe: Verbundwerkstoff aus mineralischen oder organischen Fasern mit oder ohne Zusatzstoff und abgebundenem Bindemittel, zum Beispiel Glagit, Glakresit, Asbest- und Holzbeton, Sokalit.

Faserbindung: bei der Blattbildung auf dem Papiermaschinensieb entstehende, für die Papierfestigkeit maßgebliche Bindung von Faser zu Faser, wird neben mechanischen Bindungskräften hauptsächlich durch zwischenmolekulare Kräfte hervorgerufen.

Faserholz: Nutzholz von 1 bis 4 m Länge der Holzarten Fichte, Tanne, Kiefer, Rotbuche, Pappel, Espe, Birke unter anderem zur Gewinnung von Holzschliff oder Zellstoff.

Faserorientierung: Anordnung der Fasern längs oder quer zur Arbeitsrichtung beziehungsweise wirr (zufallsmäßig). Im Vlies gibt sie einen Anhaltspunkt über die zu erwartende Festigkeitsverteilung, zum Beispiel im Vliesstoff.

Faserpflanzen, Gespinstgewächse: Kulturpflanzen, deren Stengel zur Fasergewinnung genutzt werden, zum Beispiel Hanf, Faserlein.

Faserplatte: Platte aus Holz- oder anderen Pflanzenfasern, hergestellt meist unter Zusatz von Duroplasten; beim Trocknen des Faservlieses entstehen poröse Isolier- oder Dämmplatten, beim Pressverfahren (Verdichten und Trocknen) mitteldichte oder harte Faserplatte.

Faserschichtglas: zwischen 2 am Rand fest verkitteten Scheiben eingefügte Lage sich kreuzender Glasfasern; bewirkt gute Lichtverteilung sowie Wärmedämmung und wird für Spezialzwecke verwendet.

Faserstoff: längenbegrenztes (Faser) oder -unbegrenztes (Elementarfaden, Monofilseide), fadenförmiges, schmiegsames, textil verarbeitbares Gebilde mit einer im Verhältnis zum Durchmesser sehr großen Länge. Man unterscheidet Natur- und Chemie Faserstoffe. Siehe auch ultrafeine Faserstoffe.

Faserstoffbrennprobe: einfache Methode zur Unterscheidung von Faserstoffen durch Einbringen in eine Flamme. Wolle bläht sich auf und Unterlässt einen knotenartigen Kohlerest; Geruch nach verbranntem Horn. Seide (Raupenseide) bläht sich zu einem Klümpchen auf und riecht wie Wolle. Baumwolle verbrennt rasch mit Brandgeruch; hellgraue Asche. Azetatseide schmilzt und verbrennt; weiße Asche; Essiggeruch. Viskosefaserstoff verbrennt wie Baumwolle. Polyacrylnitril Faserstoff (Wolpryla) schmilzt ohne anfängliche Entflammung leimartig zusammen, wobei sich kleine, ständig aufplatzende Bläschen bilden; pyridin-ähnlicher Geruch. Polyesterfaserstoff (Grisuten) entflammt schwer; Faserstoff schmilzt zusammen; Vinylchlorid Faserstoff schmort ohne Entflammung unter Schwarzfärbung; dabei unangenehm brenzliger Geruch.

Faserverbundstoff, Vliesstoff: textiles Flächengebilde vorwiegend aus Faservliesen, das mechanisch und beziehungsweise oder adhäsiv verfestigt wird; zum Beispiel Malivlies (mechanisch), Runotex (adhäsiv).

Fass: 1. Geometrie: Körper.

2. Messwesen: alte deutsche Volumeneinheit (Hohlmaß) verschiedenen Betrages, zum Beispiel in Bayern für Bier, in Hamburg für Wein 8,7 hl, für Getreide 0,53 hl.

Fassade: Schauseite eines Bauwerks; im eigentlichen Sinne die oft besonders reich gestaltete Vorderseite; doch wird auch von Hinter-, Garten-, Hof-, Seiten- und Giebelfassade gesprochen.

FAS-Seifen: (Kurzwort) zur Körperpflege dienende Waschmittel auf Fettalkoholsulfat Basis, die auch in hartem Wasser gute Reinigungswirkung zeigen.

Fassen: Rugby das regelgerechte Umklammern und Zufallbringen des balltragenden Gegners. Ein am Boden liegender gefasster Spieler muss sich nach den Regeln sofort vom Ball trennen.

Fasslichkeit: didaktisches Prinzip, das vom Lehrer das Berücksichtigen der jeweiligen Leistungsfähigkeit der Schüler bei den unterrichtlichen Anforderungen verlangt. Faßlichkeit im Unterricht der sozialistischen Schule schließt das bewusste Überwinden von Schwierigkeiten durch die Schüler ein und ist auf das ständige Weiterentwickeln ihrer Leistungsmöglichkeiten gerichtet.

Fassmaler: handwerksmäßig arbeitender Maler, der die meist von anderen Meistern geschnitzten Holzskulpturen in Farben «fasste». Dazu wurde der Holzkern mit einem Malgrund aus Gips, Kreide, oft zusätzlich Leinwand überzogen, auf den Farben und Vergoldung aufgetragen wurden. Fassmaler gab es bis zum Barock. Im 15. Jahrhundert, der Blütezeit des Schnitzaltars, erlangten sie besondere Bedeutung.

Fasson: Form, Zuschnitt; Art und Weise des Lebensstils.

Fassung: Bemalung oder Vergoldung eines Holzbildwerks; siehe auch Fassmaler.

Fast, Howard Melvin, geboren 11.11.1914, US-amerikanischer Schriftsteller; schrieb historische Romane («Die letzte Grenze», 1941, deutsch; «Spartacus», 1951, deutsch), näherte sich, auch theoretisch, dem sozialistischen Realismus («Literatur und Wirklichkeit», 1950, deutsch). Zeitweise wurde er wegen seiner progressiven Haltung in den USA verfolgt, gab jedoch 1957 diese fortschrittlichen Positionen auf.

Fasten: 1. Physiologie: eingreifende, unter ärztlicher Anleitung und nur zeitlich begrenzt durchzuführende diätetische Maßnahme; als Vollfasten (völliger Nahrungsentzug) oder Saftfasten.

2. Religion: in der katholischen und orthodoxen Kirche geübter Brauch, sich aus sittlich-religiösen Beweggründen befristet völlig beziehungsweise teilweise dem Genuss bestimmter Speisen zu enthalten. Die (katholische) Fastenzeit dauerte seit dem Mittelalter 40 Tage (von Aschermittwoch bis Ostern).

Fastl, eigentlich Dies fasti (lateinisch, «die erlaubten Tage»): im antiken Rom urspr. Katalog der Gerichtstage, an denen der Prätor Recht sprechen durfte, und der für juristische und politische Tätigkeit verbotenen Tage (Dies nefasti). Später nahmen die Fastl Kalendercharakter an.

Fastigium: Spitze, Steigung; Höhepunkt einer Krankheit, insbesondere des Fiebers.

Fastnacht, Fasching: seit dem Mittelalter die Zeit des Frohsinns bis Aschermittwoch vor dem vorösterlichen Fasten der Kirche, insbesondere der Fastnachtsdienstag. Die traditionelle, von kirchlichen Ordnungen weitgehend unabhängige Fastnacht ist charakterisiert durch Maskenumzüge, Heischegänge, durch Spiele und Tänze. zum Teil altüberliefert sind Sonderformen der Fastnacht, zum Beispiel der Frauen (Weiberfastnacht, Burkert) und der Schiffer (im Elbsandsteingebirge). Vielerorts treten gegenwärtig dazu eigens ins Leben gerufene Fastnachtvereine in Erscheinung. Siehe auch Karneval.

Fastnachtsspiel: volkstümlicher, an Bräuche der Urgesellschaft (Frühlingsfest, Winteraustreiben) und die komischen Personen liturgische Spiele anknüpfende Theaterform, die in Knittelversen derbe Szenen aus dem bürgerlichen und bäuerlichen Alltag darstellt; erste Form des weltlichen Theaterspielens in Deutschland, seit dem 14. Jahrhundert; Verfasser meist anonym. Im 15. Jahrhundert blühte das Fastnachtsspiel besonders in Nürnberg (H. Rosenplüt, H. Folz); es erreichte seinen Höhepunkt mit H. Sachs, in dessen Fastnachtsspielen soziale Satire (Aberglaube und so weiter) und frühbürgerlichen Selbstbewusstsein am stärksten ausgeprägt sind. Erst im 17. Jahrhundert wird das Fastnachtsspiel durch das aufkommende Berufstheater verdrängt.

Faszie: bindegewebige Umhüllung von Muskeln oder Muskelgruppen sowie von Organen.

Fatah, al-: einflussreichste palästinensische Widerstandsorganisation innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), 1959 gegründet; ihre Mitglieder sind vorwiegend kleinbürgerlicher Herkunft. Ziel der Fatah ist ein demokratischer Palästinenserstaat, in dem Christen, Muslime und Juden friedlich nebeneinander leben. Die bewaffneten Kräfte der Fatah wurden unter dem Namen al-Assifa (Sturm) bekannt.

Fatalismus: philosophische Anschauung, nach der alles Geschehen in der Welt mit absoluter Notwendigkeit vorherbestimmt und der Mensch einem unabwendbaren Schicksal (Fatum) unterworfen sei; kann zu schicksalsgläubiger Passivität wie fanatische Aktivität führen.

Fatum: (lateinisch, «Spruch») in der antiken Mythologie das von den Göttern verhängte, unabwendbare Schicksal.

Fauchet, Claude, 1744-31.10.1793, französischer Geistlicher und Revolutionär; gründete 1789/90 gemeinsam mit N. de Bonneville den Cercle social und propagierte soziale und politische Gleichheit (unter anderem Ackergesetz). Er schloss sich den Girondisten an; wurde von den Jakobinern hingerichtet.

Faulbaum, Pulverholz, Rhamnus frangula: in Europa und Westasien beheimatetes Kreuzdomgewächs feuchter Wälder mit grünlichweißen Blüten und roten, später schwarzvioletten giftigen Steinfrüchten; die Rinde wird als Abführmittel verwendet; aus dem Holz gewann man früher Holzkohle, die zur Herstellung von Schwarzpulver (Schießpulver) diente.

Faulbrut: ansteckende, meldepflichtige Erkrankung der Bienenbrut in 2 Formen, der bösartigen Faulbrut und der gutartigen Faulbrut.

Faulkner, William Harrison, 25.9.1897 bis 6.7.1962, US-amerikanischer Schriftsteller; seine erzähltechnisch und stilistisch komplizierten, mit der Bewusstseinsstromtechnik experimentierenden Romane enthüllen die tiefgehenden Verfallserscheinungen im Süden der USA, machen jedoch eine gewisse zwiespältige Position Faulkners deutlich: Ablehnung des Rassismus, aber zum Teil patriarchalisch-herablassende Haltung gegenüber dem Freiheitskampf der Afroamerikaner («Licht im August», 1932, deutsch; Trilogie «Das Dorf», 1940, deutsch, «Die Stadt», 1957, deutsch, «Das Haus», 1959, deutsch; «Griff in den Staub», 1948, deutsch). Seine antimilitaristische Haltung prägt den kunstvoll gebauten Antikriegsroman «Eine Legende» (1954, deutsch).

Faulmann, Karl, 24.6.1835-28.6.1894, Stenograf; einer der bedeutendsten Stenografie Fachleute nach F. X. Gabelsberger; Systemverfasser, Schöpfer der einheitlichen Auslautvokalisation, die die gesamte deutsche Stenografie Entwicklung beeinflusste.

Fäulnis: Abbau von stickstoffhaltiger organischer Substanz vor allem von Eiweißen durch Fäulnisbakterien (zum Beispiel Putrifikus) unter Ausschluss von Sauerstoff. Aus den Eiweißbausteinen, den Aminosäuren, entstehen, im Unterschied zum normalen Abbau, Phenol, Kresol, Fettsäuren, Methan und Ammoniak (Fäulnisgeruch).

Faulschlamm, Sapropel: am Grunde schlecht durchlüfteter Meere und Seen gebildetes, toniges Sediment, das durch organische Stoffe und feinverteilte Schwermetallsulfide dunkel gefärbt ist (unter anderem im Schwarzen Meer); durch Diagenese Bildung von zum Teil abbauwürdigen Kupferschiefern.

Faultiere, Bradypodidae: baumbewohnende, sehr langsame Zahnarme Südamerikas, die fast ihr ganzes Leben mit dem Rücken nach unten hängend verbringen; nur die Kotabgabe erfolgt am Erdboden. Etwa 50 cm lang wird das Dreifinger-Faultiere oder Ai (Bradypus tridactylus); das größere Zweifinger-Faultiere oder Unau (Choloepus didactylus) hat nur 2 Finger. Faultiere besitzen sichelartige Hangelkrallen.

Faulung: bei Sauerstoffmangel verlaufender Abbau organischer Substrate. In der Abwasserreinigung wird die Faulung insbesondere für die Schlammbehandlung eingesetzt. Durch pH-Steuerung wird die übelriechende Schwefelwasserstoff-Fäulnis unterbunden und die Bildung von methanreichem Biogas gefordert.

Faun, Faunus (dat.), römischer Gott der Fruchtbarkeit, schützte Viehzucht und Ackerbau (griechisch Pan) auch in der Mehrzahl (Fauni) vorkommend (Waldgeister).

Fauna: Artenbestand der Tiere eines bestimmten geographischen Gebietes, beziehungsweise die Tierwelt allgemein.

Faure, Edgar, geboren 18.8.1908, französischer Politiker (Radikalsozialistischer Partei); 1943/44 Mitglied des Nationalrates der Résistance, 1945 Mitglied der französischen Delegation beim Nürnberger Prozess. Faure war mehrmals Minister in verschiedenen Ressorts, als Ministerpräsident (1955/56) verantwortlich für die Verschärfung des Kolonialkrieges in Algerien; 1973/78 Präsident der Nationalversammlung.

Fauré, Gabriel, 12.5.1845-4.11.1924, französischer Komponist; schuf vor allem Kammermusik und Lieder, ferner 2 Sinfonien, die Oper «Pénélope», Kirchenmusik unter anderem.

Faust, Johannes, Doktor Faust, wahrscheinlich Georg Zabel, um 1480-um 1540, Arzt, Astrologe und Alchimist; wurde im Zeitalter der Renaissance und Reformation zum Symbol schrankenlosen menschlichen Erkenntnisdranges. Im 1587 anonym erschienenen Volksbuch «Historia von D. Johann Fausten» erscheint erstmalig das Motiv des Teufelspaktes. C. Marlowe dramatisierte den Fauststoff; Puppenspiele (seit 1746) bewahrten ihn. Spätere Bearbeitungen unter anderem von G. E. Lessing, Müller, M. Klinger, C. Grabbe, N. Lenau, H. Heine; weltliterarische Bedeutung haben Goethes «Faust» und T. Manns «Doktor Faustus».

Faustball: auf einem Hartplatz betriebenes Rückschlagspiel zweier Mannschaften von je 5 Spielern. Der 320 bis 380 g schwere Lederhohlball von 62 bis 68 cm Umfang ist mit der Faust oder dem Unterarm derart über eine in 2 m Höhe gespannte Leine zu schlagen, dass der Gegner den Ballwechsel nicht regelgerecht fortsetzen kann. Die Spielzeit beträgt 2x15 min. Der Ball darf nacheinander von höchstens 3 Spielern einer Mannschaft geschlagen werden. zwischen jedem Schlag ist eine Bodenberührung erlaubt. Gegner. Fehler zählen als Punkt. Weltmeisterschaften seit 1968, Europameisterschaften seit 1965.

Faustkeil: meist aus Feuerstein gearbeitetes, ovales, dreieckiges oder mandelförmiges Universalwerkzeug der älteren Altsteinzeit.

Fauvismus: Bezeichnung für eine spätbürgerliche Richtung der französischen Malerei zu Beginn des 20. Jahrhundert, deren Vertretern (H. Matisse, A. Derain, M. Vlaminck, G. Braque, A. Marquet, R. Dufy unter anderem) von dem Kunstkritiker L. Vauxcelles der Spottname «fauves» (die Wilden) beigelegt wurde. Sie bevorzugten kräftige, reine Farben, die sie in flächig-dekorativer Anordnung ausdruckssteigernd einsetzten. Ihren Protest gegen die Enge der bürgerlichen Umwelt verknüpften sie mit der Suche nach dem Ursprünglichen, ohne sich des utopischen Charakters ihrer Vorstellungen bewusst zu werden. Der deutsche Expressionismus ist die Parallelerscheinung zum Fauvismus.

Fauxbourdon: (französisch, «falscher Bass») Satztechnik des 15. Jahrhundert; ein 2stimmig notierter Satz, in dem Oberstimme (Cantus firmus) und Unterstimme in Sexten und Oktaven laufen; wird ergänzt durch eine quartparallele Mittelstimme.

Fauxpas: (französisch, «Fehltritt») ungeschicktes Benehmen; Taktlosigkeit.

Favorit: 1. allgemein Günstling, Liebling.

2. Sport: Wettkampfteilnehmer mit größten Siegesaussichten. Siehe auch Außenseiter.

Favus, Erbgrind: durch bestimmte Trichophyton-Arten verursachte, übertragbare Erkrankung vorwiegend der Kopfhaut; Befall von Haaren, Nägeln und Körperhaut ist möglich; keine Erbkrankheit, jedoch meist familiäre, schon im Säuglingsalter übertragene Infektion. Der Favus (Wabengrind) tritt aus unterschiedlichen Ursachen bei Haustieren, besonders Hühnern, auf.

Fawkes, Guy, 1570-31.1.1606 (hingerichtet), englischer Verschwörer, unternahm als Werkzeug der katholischen Feudalreaktion 1605 die Pulververschwörung gegen König Jakob I.

Fayalit: (nach der Azoreninsel Fayal) Mineral; Olivin.

Fayence: (französisch, nach Faenza) kunstgewerbliche Tonwaren mit porösem Scherben aus kalkhaltigem Töpferton, mit deckender weißer Zinnglasur und farbiger Dekoration. Von den Babyloniern (Zinnglasur) über die Perser und Araber nach Spanien gebracht, kam die Fayence über den Ausfuhrhafen Palma de Mallorca nach Italien (Faenza), wo man diese Ware, im eigenen Land bald vollkommen hergestellt, Majolika nennt. Holland nahm die Fayenceproduktion Mitte des 17. Jahrhundert auf; die Erzeugnisse des Hauptherstellungsortes Delft (Delfter Fayence) bestimmten den Stil der deutschen Fayence Um 1800 wurde die Fayence durch das in der Herstellung billiger gewordene Porzellan und Steingut verdrängt.

Fazenda: landwirtschaftlich, überwiegend auf Ackerbau orientierter Großbetrieb in Brasilien, in dem die Landarbeiter vom Besitzer oder Pächter in halbfeudaler Abhängigkeit gehalten werden.

Fazialis, Nervus facialis: der VII. Gehirnnerv, der die mim. Muskulatur des Gesichts versorgt.

Fazialislähmung: Schädigung des Gesichtsnervs (Nervus facialis), die teilweisen oder totalen Ausfall der mim. Gesichtsmuskulatur zur Folge hat (herunterhängender Mundwinkel, unvollständiger Augenlidschluss); tritt bei Erkrankungen der Ohrspeicheldrüse, des Ohres, des Hirnstammes und bei Schädelbrüchen auf.

Fazialiszeichen, Chvostek'sches Zeichen: mechanische Übererregbarkeit motorischer Nerven, insbesondere des Fazialis, zum Beispiel bei Tetanie; benannt nach dem Wiener Arzt Franz Chvostek (1835-1884).

Fazies: (lateinisch, «Gesicht») Gesamtheit der Merkmale eines geologischen Körpers.

Fazilität: Leichtigkeit; Freundlichkeit; Willfährigkeit.

Feature: Genre des Hörrundfunks, das, dem Hörbild und der Hörfolge verwandt, in dramatisierter journalistisch-künstlerischer Form unterhaltsame historische, aktuelle, wissenschaftliche, soziale unter anderem Probleme erörtert, Kenntnisse vermittelt und Zusammenhänge herausarbeitet.

Febres Cordero, Léon, geboren 9.3.1931, ekuadorianischer Politiker; seit 1973 Präsident des Verbandes der Industriekammern Ekuadors, seit 1979 Abgeordneter der Christlich-Sozialen Partei, 1984 als Kandidat der konservativen Parteienkoalition Front für den Nationalen Wiederaufbau zum Staatspräsidenten gewählt.

Februar, Feber: zweiter Monat des Jahres, mit 28, in Schaltjahren mit 29 Tagen; benannt nach dem altrömischen Reinigungs- und Sühnefest Februa.

Februarerlasse 1890: 2 sozialpolitische Erlasse Wilhelms II. vom 4.2.1890. Der 1.Erlass schlug die Einberufung einer internationalen Konferenz über Arbeiterschutz vor. Der 2. Erlass kündigte den Ausbau der Versicherungsgesetzgebung und der Gesetze über Arbeiterschutz (Maximalarbeitstag, Schutz der Frauen, Verbot der Kinderarbeit) an. Die Februarerlasse 1890 waren eine Reaktion auf den Kampf der Arbeiterbewegung und sollten die Sozialdemokratie isolieren. Einige angekündigte Maßnahmen wurden durch die Gewerbeordnungsnovelle von 1891 realisiert.

Februarkämpfe, Schutzbundaufstand: Erhebung der österreichischen Arbeiter (11./16.2.1934) gegen die klerikal-faschistische Diktatur Dollfuß, geführt vom Republikanischer Schutzbund, von der im Mai 1933 verbotenen KPÖ aktiv unterstützt. Nach der Niederschlagung der Erhebung wurden alle Arbeiterorganisationen verboten.

Februarrevolution: 1. französische bürgerlich-demokratische Revolution von 1848/51. Sie war das Ergebnis einer ökonomischen, politischen und institutionellen Krise des Julikönigtums. In der sogenannten Bankettbewegung (1847/48) wurden bürgerlich-liberale, kleinbürgerlich-demokratische und utopisch-kommunistische Alternativen zur Herrschaft der Finanzaristokratie entwickelt. Die Februarrevolution begann am 24.2.1848 mit Arbeiteraufständen in Paris. Hauptinhalt der. Etappe der Revolution (24.2./4.5.1848) war der Sturz Louis Philippes, die Ausrufung der Zweiten Republik, die Errichtung der Provisorischen Regierung, der 2 Vertreter der Arbeiterbewegung angehörten, und die Erringung bürgerlich-demokratische Grundrechte und Freiheiten (unter anderem allgemeines Wahlrecht für Männer, Recht auf Arbeit als Verfassungsgarantie). Von A. Blanqui geführte Demonstrationen der Arbeiter (17.3., 16.4.1848) gegen die zunehmend arbeiterfeindliche Politik wurden unterdrückt. Zu Beginn der 2. Etappe (4.5./26.6.1848) unterlag das von den Bauern isolierte und von der Großbourgeoisie provozierte Proletariat dem kontenevolutionären Gegenangriff. Die Niederlage der revolutionären Arbeiterbewegung in der Junischlacht (23./26.6.) besiegelte das Schicksal der Revolutionen in den europäischen Staaten und das der Zweiten Republik. In der 3. Etappe (26.6.1848/2.12.1851) vollzog sich in Frankreich der Übergang zur monarchistisch verbrämten großbürgerlichen Militärdiktatur. Mit Hilfe der Bauernstimmen gewann Louis Bonaparte die Präsidentenwahlen (10.12.1848); die Wahlen zur Gesetzgebenden Nationalversammlung (13.5.1849) endeten ebenfalls mit einer Niederlage der demokratischen und republikanischen Bewegung. Durch Staatsstreich erklärte sich Louis Bonaparte am 2.12.1851 zum Diktator; am 2.12.1852 ließ er sich als Napoleon III. zum Kaiser der Franzosen ausrufen.

2. zweite bürgerlich-demokratische Revolution in Russland vom 25. bis 28.2. (10./13.3.) 1917. Die Februarrevolution ging aus der revolutionären Bewegung der Arbeiter, Bauern und Soldaten Russlands gegen den imperialistischen Krieg und gegen die Verelendung großer Bevölkerungsteile hervor; im Januar 1917 begannen in vielen Städten Massenstreiks, die bald politischen Charakter annahmen; am 26.2. wuchs in Petrograd der Generalstreik in einen bewaffneten Aufstand hinüber. Die Februarrevolution stürzte unter Führung des Proletariats und bei maßgeblichem Einfluss der Bolschewiki den Zarismus, Nikolai II. dankte ab. Nach anfänglicher Alleinherrschaft der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten entstand durch die Bildung der bürgerlichen Provisorischen Regierung unter Ministerpräsident Fürst Lwow die Doppelherrschaft der Bourgeoisie und der Arbeiter und Bauern. Die Februarrevolution erfüllte die Forderungen des Volkes nach Frieden, Brot, Boden und Freiheit nicht, doch entstanden die Voraussetzungen zum Übergang des revolutionären Prozesses in die sozialistische Etappe. Siehe auch Oktoberrevolution, Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (Geschichte).

fec.: Abkürzung für fecit ((er) hat (es) gemacht); bei Kunstwerken oft hinter dem Namen (Signatur) des Künstlers.

Fechten: Zweikampfsportart, bei der angestrebt wird, den Gegner mit einer Waffe regelgerecht zu treffen, ohne selbst getroffen zu werden. Es wird zwischen Stoßwaffen Florett und Degen sowie dem Säbel als Hieb- und Stoßwaffe unterschieden. Fechter kämpfen mit allen angeführten Waffen, Fechterinnen mit Florett und zukünftig (im Modernen Fünfkampf bereits jetzt) auch mit Degen. Die Fechtbahn ist 14m lang und 1,80...2,00m breit. Die Fechtkleidung besteht aus Fechtanzug, -maske, -handschuhen, Ellbogenschützern (bei Säbel); Frauen tragen einen Brustschutz. Beim Fechten mit elektroautomatischen Treffermeldern (Degen und Florett) wird beim Florettfechten außerdem eine die gültige Trefffläche bedeckende, metallisierte Weste getragen. Die Kampfzeit beträgt beim Rundensystem für alle Waffen 6 min oder 5 ausgeteilte Treffer, bei internationalen Turnieren oder Meisterschaften ab Runde der letzten 32 beziehungsweise 16 gibt es Direktausscheidungen (10 ausgeteilte Treffer oder 12 min (Männer), 8 Treffer oder 10 min (Frauen)). In allen Disziplinen werden Einzel- und Mannschaftswettkämpfe (jeweils 4 Fechter; Jeder gegen Jeden der anderen Mannschaften) ausgetragen. Die gültige Trefffläche ist unterschiedlich, Florett und Säbel sind sogenannt konventionelle Waffen: jeder gegnerische Angriff muss vor dem eigenen pariert werden. Unentschiedene Kämpfe gehen bis zum nächsten Treffer, im Finale ist eine 2-Treffer-Differenz nötig; bei Degen erleiden beide Fechter eine Niederlage. Olymp. Sportart seit 1896, Weltmeisterschaften seit 1922, Europameisterschaften seit 1981.

Fechtstellung: vom Fechter eingenommene typische Körperhaltung, die ihm große Beweglichkeit und stabiles Gleichgewicht, dem Gegner jedoch nur geringe Angriffsfläche bietet.

Fechttempo: Zeitmaß beim Fechten, entspricht der Ausführungsdauer einer einfachen Aktion.

Feddersen, Berend Wilhelm, 26.3.1832 bis 1.7.1918, Physiker; wies 1859 gedämpfte elektrische Schwingungen nach, daher Mitbegründer der Funktechnik.

Feder: 1. Feder, Penna: Anatomie - nur bei Vögeln vorkommende Hornbildungen der Oberhaut. Die Feder besteht aus Federkiel (Federachse) und Federfahne. Der hautnahe, runde Teil des Kiels (Spule) steckt in einer Hauttasche (Federbalg) und enthält während des Wachstums blutreiches Gewebe, der restliche, markhaltige Abschnitt (Schaft) ist kantig und trägt.

2. Feder, Federspund: Holztechnik - lose, dünne Holzleiste oder fest an der Mitte einer Brettschmalfläche vorstehende Zunge; Gegenstück einer Nut, welche die Feder aufnimmt.

3. Maschinenbau: Maschinenelement aus elastischem Werkstoff zur Stoßdämpfung, Energiespeicherung, Kraftmessung, Massesteuerung, Verspannung, Schwingungstilgung sowie zum Kraftausgleich. Man unterscheidet nach der Werkstoffart des federnden Elements Luft-, Stickstoff-, Flüssigkeits-, Gummi-, Messing-, Stahlfeder; nach der Beanspruchungsart Zug-, Druck-, Biege-, Schub-, Torsions- und Kompressionsfeder; nach der Formgebung Blatt-, (Paket-), Schrauben-, Kegel-, Ring-, Teller-, Scheiben-, Spiralfeder; nach der Verwendungsart Dämpfungs- (Stoßdämpfer-), Trag-, Zug-, Puffer-, Kraftmess-, Kontakt-, Verspannungs-, Rückhol-, Kraftspeicher-, Tonfeder.

Federball, Badminton: tennisähnliches Rückschlagspiel zwischen Einzelspielern und Doppeln. Ein 4,7 bis 5,5 g schwerer Korkball mit Federkrone ist mit einem etwa 250 g schweren Federballschläger derart über das in 1,524 m Höhe gespannte Netz zu schlagen, dass der Gegner den Ballwechsel nicht regelgerecht fortsetzen kann. Gegner. Fehler zählen bei eigenem Aufschlag als Punkt, eigene Fehler ergeben Aufschlagwechsel; Sieg nach 2 Gewinnsätzen (Männer und Doppel bei 15 Punkten, Frauen bei 11). Weltmeisterschaften seit 1977, Europameisterschaften seit 1968.

Federbein: Bauelement, besonders bei Krafträdern, bei dem in einer Hülse eine Schraubenfeder mit dem darin angeordneten Stoßdämpfer kombiniert ist.

Federer, Heinrich, 7.10.1866-29.4.1928, schweizerischer Schriftsteller deutscher Sprache; Vertreter der um die Jahrhundertwende entstehenden Heimatliteratur, die Schicksale einfacher Menschen idyllisch verklärte, zum Beispiel «Berge und Menschen» (Roman, 1911), «Unter südlichen Sonnen und Menschen» (Novellen, 1926).

Federfressen: krankhafter Zustand beim Geflügel, besonders bei intensiv gehaltenen Tieren, der durch gegenseitiges Federauszupfen und -ausfressen gekennzeichnet ist. Als Ursache kommen zum Beispiel Mineralstoffmangel und Bewegungsarmut in Betracht.

Federgelenk: Lagerelement aus draht- oder bandförmigem Federstahl Quarz oder anderem elastische Werkstoff, der auf Biegung oder Torsion beansprucht wird. Das Federgelenk ist besonders für kleine Schwenk- und Drehbewegungen geeignet.

Federgras, Stipa: Gattung der Süßgräser, charakteristisch für die Halbwüsten der nördlichen Erdhalbkugel; heimisch zum Beispiel das Echte Federgras (S. pennata; unter Naturschutz), mit federartig behaarten Grannen.

Federmotten: Schmetterlinge zweier nicht näher miteinander verwandter Familien. Echte Federmotten (Pterophoridae) mit vielen heimischen Arten; beide Flügelpaare der Vollinsekten sind durch 1 bis 5 tiefe Einschnitte in federartige, an der Wurzel verbundene Teile zergliedert. Geistchen (Alucitidae), für deren mottenartige Falter tiefe Schnitte in den Flügeln charakteristisch sind, die stets jeden Flügel in 6 Zipfel unterteilen; Flügelspanne bis 15 mm.

Federstahl: Stahl, der gemäß seinem Einsatz eine hohe Elastizitätsgrenze besitzt, damit der Bereich der elastischen Verformung möglichst groß ist; wird erreicht durch Kaltverformung oder Vergüten. Legierungselemente sind besonders Silizium und Chrom, für warmfesten Federstahl Wolfram und Molybdän (zum Beispiel Ventilfedern in Verbrennungsmotoren).

Federsteife, Federkonstante, Direktionskraft, Richtgröße: die im Hookeschen Gesetz F= kx auftretende Konstante k, wobei x die Auslenkung aus der Ruhelage und F der Betrag der Kraft ist, die der Auslenkung entgegenwirkt.

Federsystem: Anordnung von mehreren Federn in einem Gerät oder einer Baugruppe, um die Gesamtfedercharakteristik den gegebenen Forderungen anzupassen. Die Federn können in Reihe oder parallel geschaltet werden, auch der «verzögerte» Einsatz von parallelgeschalteten Federn wird angewendet (zum Beispiel in Kontaktfedersätzen).

Federung: elastische Verbindung zwischen den Achsen und dem Rahmen beziehungsweise Aufbau eines Fahrzeugs, die harte Fahrbahnstöße in Verbindung mit den Stoßdämpfern in weiche, schnell abklingende Schwingungen verwandelt. Die bisher bei Kraftwagen übliche mehrschichtige Blattfederung ist zunehmend durch die Schrauben-, Drehstab- (Torsions-) und Luftfederung ersetzt. Bei Krafträdern werden Teleskopfederung oder die Schwinge (Schwinghebel) eingesetzt. An der Federung ist neben den eigentlichen Federelementen auch die Bereifung beteiligt.

Federweißer: perlender, durch Hefe noch getrübter Jungwein, der unmittelbar nach der Gärung getrunken wird.

Fee: weiblich, meist schöne, hilfreiche Märchengestalt; Wort und Vorstellung entstammen den altfranzösische Contes de fées (Feenmärchen), die auf keltische und antike Wurzeln deuten.

Feederschiff: («zuführen», «füttern»): kleines Containerschiff für den Zubringer- und Verteilerdienst zwischen den Endpunkthäfen der Überseeliniencontainerschiffe und zwischen Häfen mit geringem Containerangebot.

Feeling: («Gefühl», «Erregung») in Jazz und Rockmusik Vortragsstil, der durch ein besonderes Einfühlungsvermögen des Interpreten in die Musik bestimmt wird.

Fegefeuer: nach katholischer Lehre Läuterungsort (lateinisch Purgatorium) für die Seelen Verstorbener.

Fegen: Entfernen des Bastes durch Reiben des Gehörns oder Geweihs (Rehbock, Hirsch) an Bäumen und Sträuchern.

Feh: Fell des sibirischen Eichhörnchens; Winterfell dicht und seidig mit bräunlichem grauem bis blaugrauem Rücken und weißer Wamme.

Fehderecht, Faustrecht: im Mittelalter Recht des Feudalherrn, streitige Ansprüche mit Waffengewalt durchzusetzen.

Fehlboden: Lage aus Brettschwarten oder Leichtbauplatten in den Balkenfächern zur Aufnahme der Deckenfüllstoffe und als Unterlage für Parkettfußböden; auf seitlich an die Balken genagelte Latten aufgelegt oder in die in Balken eingestemmten Schlitze eingeschoben (Einschub).

Fehler: 1. Mathematik: Abweichung eines Näherungswerts vom wahren Wert, zum Beispiel zwischen der Zahl rr und dem Näherungswert 3,14159. In der numerischen Mathematik versteht man unter Fehler die Differenz zwischen dem Ist-Wert x, ÿ, ä, ... und dem Soll-Wert x, y, a, ... einer Größe. Besteht zwischen den Soll-Werten x und a zweier Größen eine exakte Beziehung x =f(a) und wird der Ist-Wert der Ausgangsgröße durch ein numerisches Verfahren vermöge x-=f(ä) aus dem Ist Wert der Eingangsgröße berechnet, dann setzt sich der Ausgangsfehler <5(x) := x x aus dem durch Fehlerfortpflanzung entstehenden eingangsbedingten Fehler = f(a) /(a), dem Verfahrensfehler und dem bei der Ausführung der Rechnung (Runden) entstehenden Zusatzfehler zusammen. Neben Methoden der determinierten oder statistischen Fehlerschätzung sind die Intervall- und die Rasterarithmetik zur Fehlererfassung wichtig.

2. Tennis: einen Punkt für den Gegner (ausgenommen Aufschlag) ergebende Spielsituation: mehrmalige Bodenberührung des Balles in einer Spielfeldhälfte, Verschlagen des Balles (ins Netz, über die Spielfeldgrenzen), 2maliges Schlagen des Balles durch eine Partei hintereinander, Doppelfehler beim Aufschlag, Nichterreichen eines regelgerecht geschlagenen Balles.

Fehlerarten: alle Störungen in elektrischen Geräten und Anlagen, die zur Gefährdung von Mensch und Tier sowie zur Zerstörung der Anlagen führen können. Durch Beschädigung der Isolation entsteht ein Isolationsfehler. Wird dadurch der Isolationswiderstand erheblich vermindert, kommt es zu einem Schluss (zum Beispiel Erdschluss). Bei einem Körperschluss tritt eine leitende Verbindung zwischen spannungsführenden Teilen des Betriebsstromkreises unter anderem leitfähigen Teilen (Gehäuse und so weiter) auf. Auf solchen Wegen fließt ein Fehlerstrom. Eine Fehlerspannung entsteht zwischen den nicht zum Betriebsstromkreis gehörenden Teilen oder zwischen ihnen und der Bezugserde (zum Beispiel dem Erdreich). Kann die Fehlerspannung von Mensch oder Tier überbrückt werden, spricht man von Berührungsspannung. Damit letztere nicht unzulässig hoch wird, werden Schutzmaßnahmen getroffen.

Fehler einer Messung, Messfehler: gemessener Wert minus richtigen Wert der Messgröße. Nach dem Bezugswert unterscheidet man absoluten Fehler einer Messung (angegeben in Einheiten der Messgröße) und relativen Fehler einer Messung (Verhältnis des absoluten Fehlers einer Messung zum richtigen Wert der Messgröße). Der Fehler einer Messung besteht aus einem systematischen Anteil, der sich bei Wiederholung der Messung unter gleichen Bedingungen nicht ändert, und einem Anteil, das heißt der Differenz des gemessenen Wertes zum Mittelwert aus einer großen Zahl von Messungen. Der Beitrag zum Fehler einer Messung durch das Messmittel (Messmittelfehler) ist Anzeige beziehungsweise Nennwert minus richtiger Wert; Ursachen sind mangelhafte Justierung, Reibung unter anderem Siehe auch Beobachtungsfehler.

Fehlergrenzen: die für eine Messmittelbauart unter festgelegten Anwendungsbedingungen zugelassenen Extremwerte für den Fehler. Für ein Strommessgerät der Klasse 0,2 sind zum Beispiel die Fehlergrenzen 0,2 % vom Skalenendwert bei 10 bis 30 °C.

Fehlerklasse, Genauigkeitsklasse, Klasse: für Messgeräte festgelegte Klasseneinteilung nach dem höchstzulässigen Fehler, dessen Einhaltung vom Hersteller zu garantieren ist; meist unter festgelegten Nennbedingungen in Prozentzahlen auf den Skalenendwert bezogen.

Fehlerordnung: ein wichtiges Maß p für die Genauigkeit eines von einem kleinen Parameter (Schrittweite h) abhängigen Näherungsverfahrens zur Berechnung einer Größe, das durch Vergleich des Fehlers in Abhängigkeit von h mit einer Potenz gewonnen wird.

Fehlfarben: Zigarren (auch Zigarillos oder Stumpen), deren Deckblätter eine ungleichmäßige oder vom Sortiment abweichende Farbe aufweisen.

Fehlgeburt, Abort: Abgang einer Frucht mit Nachgeburt (mit einem Gewicht unter 1000 g) ohne nachweisliche Lebenszeichen (Herzschlag, Atmung). Unvollständige Fehlgeburt (inkompletter Abort) ist eine Fehlgeburt, bei der Teile der Frucht oder Nachgeburt nicht ausgestoßen werden; vollständige Fehlgeburt (kompletter Abort) Abgang der Frucht und der gesamten Nachgeburt. Siehe auch Frühgeburt, Totgeburt.

Fehling, Jürgen, 1.3.1885-14.6.1968, Regisseur; 1922/44 am Berliner Staatstheater, 1945/52 in Westberlin und in München tätig. Fehlings Inszenierungen zeichneten sich durch hohen Stilwillen, Detailgenauigkeit und emotionale Kraft, aber auch weltanschaulich durch einen Hang zu Irrationalismus und Pessimismus aus.

Fehlingsche Lösung: Lösung zum Nachweis von Zucker (zum Beispiel im Harn) unter anderem reduzierenden Verbindungen, insbesondere Aldehyden. Fehlingsche Lösung wird unmittelbar vor der Anwendung aus Kupfersulfatlösung und alkalischer Seignettesalzlösung gemischt; bei Zusatz einer reduzierenden Lösung scheidet sich aus der ursprünglich tiefblauen Lösung ziegelrotes Kupfer(I)-oxid ab; benannt nach dem Chemiker Hermann von Fehling (1812-1885).

Fehlschicht: Fernbleiben des Werktätigen von der Arbeit an einem Arbeitstag (Arbeitsschicht) ohne Genehmigung und ohne gesellschaftlich gerechtfertigte Gründe (unentschuldigt); ist eine Verletzung der Arbeitsdisziplin und hat zum Teil Rechtsverluste zur Folge.

Fehlschluss: Logik - Schluss, der die Gesetze der Logik verletzt und bei dem aus wahren Prämissen (irrtümlich oder bewusst) auf eine falsche Konklusion geschlossen wird.

Fehlsichtigkeit, Ametropie: zusammenfassende Bezeichnung für Anomalien des Auges, bei denen die Brechkraft des Auges nicht auf die Achsenlänge abgestimmt ist. Die Fehlsichtigkeit wird durch Sammel-, Zerstreuungs- oder Zylindergläser korrigiert. Der Ausgleich erfolgt durch Brillen oder Haftschalen. Bei Übersichtigkeit (Hyperopie) ist die Brechkraft im Verhältnis zur Achsenlänge zu gering und muss durch Sammellinsen korrigiert werden. Bei Kurzsichtigkeit (Myopie) ist die Brechkraft relativ zur Achsenlänge zu groß und muss durch Zerstreuungsgläser reduziert werden.

Fehlstart, Frühstart: Start von Teilnehmern vor dem Startzeichen, hat je nach Sportart beim 1., 2. oder 3. Fehlstart Disqualifikation zur Folge.

Fehlversuch: Gewichtheben ungültiger Versuch, wenn die Hantel nicht oder nicht regelgerecht zur Hochstrecke gebracht, der Boden mit Knie oder Gesäß berührt beziehungsweise die vorgeschriebene Zeit von 2 oder 3 min zwischen Aufruf und Abheben der Hantel überschritten wird.

Feierabendarbeit: freiwillige bezahlte Tätigkeit außerhalb des Arbeitsrechtsverhältnisses unter Verantwortung der örtlichen Organe oder der Betriebe; ist nur für bestimmte gesellschaftlich besonders wichtige Arbeiten zugelassen (zum Beispiel Bauarbeiten an Wohn- und Gesellschaftsbauten), bedarf der Zustimmung durch den Betrieb des jeweiligen Werktätigen und wird nach besonders festgelegten Stundensätzen vergütet.

Feierabendheim: Einrichtung des Sozialwesens für die komplexe Betreuung von Bürgern im höheren Lebensalter.

Feierabendziegel: Dachziegel, die außerhalb des gewöhnlichen Arbeitsgangs besonders verziert wurden (seit dem 16. Jahrhundert).

Feierschicht: Arbeitstag (Schicht), an dem auf Weisung der kapitalistischen Unternehmensleitung alle oder bestimmte Werktätige nicht arbeiten dürfen und (besonders in Ländern mit schwach entwickelter Arbeiterbewegung) auch keinen Lohn beziehungsweise nur eine Pauschalabfindung erhalten. Durch Feierschicht, eine verschleierte Form der Arbeitslosigkeit, werden Krisenlasten auf die Werktätigen abgewälzt.

Feiertagsarbeit: Arbeit eines Werktätigen an einem gesetzlichen Feiertag. Feiertagsarbeit ist planmäßig zur Versorgung und Betreuung der Bevölkerung, bei ununterbrochenem Produktionsablauf und zur Ausführung volkswirtschaftlich besonders wichtiger Aufgaben zulässig; nicht im Arbeitszeitplan festgelegte Feiertagsarbeit unterliegt den Vorschriften für Überstunden. Für Feiertagsarbeit wird ein Zuschlag von 100% des Tariflohnes gezahlt; das gilt nicht für Werktätige, die für Feiertagsarbeit entsprechend Freizeit erhalten (zum Beispiel Betriebsleiter, leitende Mitarbeiter und Werktätige mit besonders hoher Verantwortung).

Feigenbaum, Ficus carica: im Mittelmeergebiet beheimatetes und in klimatisch ähnlichen Gebieten (Südafrika, Australien, Kalifornien) kultiviertes, bis 10 m hohes, Strauch- oder baumförmiges Gehölz mit großen, lappigen, sommergrünen Blättern, dessen getrocknete Fruchtstände als Feigen bezeichnet werden; alte Kulturpflanze; siehe auch Gummibaum.

Feigenkaktus, Opuntia ficus-indica: im Mittelmeergebiet verwilderte, vermutlich aus Mexiko stammende Kakteenart mit dicken, scheibenförmigen, verzweigten Sprossgliedern, kräftigen Domen und essbaren, feigenähnlichen Früchten. Neuerdings wurde auch eine dornenlose Kultursorte gezüchtet. Siehe auch Kakteen.

Feilen: spannendes Fertigungsverfahren, das im Allgemeinen manuell ausgeführt wird. Dabei wird das Werkzeug, die Feile, unter Druck hin- und her bewegt, wodurch die Spanabnahme erfolgt. Seltener werden Feilmaschinen (Hub- oder Bandfeilmaschinen), zum Beispiel im Werkzeug- und Vorrichtungsbau, eingesetzt. Die Feile besteht aus dem Feilenblatt mit dem sogenannt Hieb, das heißt den in einer bestimmten Teilung eingehauenen oder -gefrästen zahlreichen Zähnen, und der Angel zur Befestigung im Griff (Heft) oder in der Maschine. Man unterscheidet die Einhieb- und Doppelhieb- (Kreuzhieb-) Feile für die Metallbearbeitung und die Raspel (mit großer Teilung) für die Holzbearbeitung. Die Feilen bestehen aus Werkzeugstahl. Der Feilenkörper kann auch (statt der Zähne) mit einem Schleifmittel belegt sein (Schmirgel- oder Diamantfeile). Nach der Hiebteilung unterscheidet man Schrupp- (Arm-, Vor-, Bastard-) Feilen sowie Schlichtfeilen verschiedener Feinheit (Halb-, Doppel-, Feinschlichtfeile). Nach der Querschnittsform unterscheidet man Flach-, Vierkant-, Dreikant-, Messer-; Schwert-, Barett-, Rund-, Halbrund-, Vogelzungenfeile unter anderem, nach der Größe Arm-, Hand-, Schlüssel-, Nadelfeile unter anderem.

Feilenfische, Monacanthus: oft bizarr gestaltete Drückerfische warmer Meere.

Feime, Feimen, Dieme Diemen, Miete, Schober (oberdeutsch), Staken (niederdeutsch, zu «stechen»): im Freien aufgeschichteter Stroh-, Getreide- oder Heuhaufen mit nach außen abfallender geometrischer Form, die das Ablaufen der Niederschläge gewährleistet.

Feinbackwaren: Erzeugnisse, die sich von Backwaren (zum Beispiel Brot) durch wertbestimmende Zusätze unterscheiden. Feinbackwaren enthalten mindestens 10 Masseteile Zucker und beziehungsweise oder Fett auf 90 Masseteile Mehl im Fertigprodukt. Feinbackwaren sind zum Beispiel Kuchen, Kleingebäck, Torte.

Feinboden, Feinerde: durch Siebung gewonnene Feinfraktion des Bodenmaterials, die nur Teilchen mit einem Korndurchmesser unter 2 mm enthält. Siehe auch Bodenskelett.

Feinen: Reinigen (Desoxydieren und Entschwefeln) von Stahl im Elektroofen nach dem Frischen mittels reduzierender Schlacke.

Feingehalt: Anteil des reinen Edelmetalls an tausend Teilen der Gesamtlegierung (%). Gold- und Silberwaren werden auch durch Feingehaltstempelzeichen markiert. Nach den alten Feingehaltsangaben entsprechen bei Gold 24 Karat und bei Silber 16 Lot dem reinen Edelmetall. Siehe auch Münze 1.

Feingerätetechnik, Feinwerktechnik, Feintechnik, früher Feinmechanik, Präzisionsmechanik: Konstruktion und Herstellung von Geräten, Kleinmaschinen und Automaten, zum Teil hoher Präzision und großer Empfindlichkeit; zum Beispiel Messgeräte, Büromaschinen, Kameras.

Feingewicht: die in Gramm ausgedrückte Masse des Edelmetalls in einer bestimmten Menge Legierung.

Feinguss: nach dem Modellausschmelzverfahren in keramischen Formen erzeugte Gussteile großer Maßgenauigkeit und Oberflächengüte.

Feinheit: Größenart der Textiltechnik, Zeichen Tt. Für Faserstoffe, -bänder, Fäden und Tauwerk der Quotient aus Masse und Länge in Einheiten des Tex-Systems (1 tex = 10-i kg/m). Man schreibt die Feinheit bei Seiden und Zwirnen mit Angabe der Anzahl der Einzelfäden, zum Beispiel 50 tex bei Seide der Feinheit 50 tex aus 5 Elementarfäden oder 50 tex bei Zwirn aus 2 Fäden der Feinheit 50 tex, bei Tauwerk in ktex. Die Feinheitsbezeichnungen metrischer Nummer und Denier sind nicht mehr zu verwenden.

Feinrippmaschine: Großrundstrickmaschine für feingerippte Unter- und Obertrikotagen.

Feinschmieden, Rundkneten: Schmiedeverfahren zur Herstellung genauer, voller oder hohler langer, konischer oder abgesetzter Werkstücke mit symmetrischen Querschnitt, zum Beispiel Wellen, Gewehrläufe; erfolgt mit 3 oder 4 universellen Werkzeugen (Hammerbacken), die das rotierende oder ruhende, zwischen Zangen gehaltene Werkstück bei axialem Vorschub auf speziellen Maschinen kontinuierlich umformen.

Feinsprit: gereinigter, das heißt nochmals rektifizierter und über Aktivkohle filtrierter Primasprit.

Feinstellgetriebe: zum präzisen Einstellen von Geräteteilen oder Baugruppen dienendes Getriebe, das vorwiegend zum Ausrichten auf eine Gebrauchs- oder Arbeitslage bei Inbetriebnahme eines Gerätes oder zum Einstellen eines anderen Arbeitspunktes dient. Feinstellgetriebe müssen eine möglichst große Übersetzung (langsame Bewegungsübertragung) bei großer Einstellgenauigkeit und Spielfreiheit sowie Leichtgängigkeit und Gleichmäßigkeit der Bewegungsübertragung aufweisen und verschleißarm und unempfindlich gegen äußere Einflüsse sein. Oft ist gleichzeitig Grob- und Feinverstellung möglich.

Feinstruktur: Physik die Erscheinung, dass die meisten Spektrallinien nicht aus einer einzelnen (Singulett), sondern aus 2 (Dublett), 3 (Triplett) oder mehreren (Multiplett) eng benachbarten Linien bestehen. Die Feinstruktur wird durch die verschiedenen Einstellmöglichkeiten des Elektronenspins bezüglich des magnetischen Bahnmoments verursacht. Die Wechselwirkung mit dem Kernspin bewirkt eine weitere, noch feinere Aufspaltung der Spektrallinien, die Hyperfeinstruktur. Als Feinstrukturkonstante wird die von A. Sommerfeld bei der relativistische Behandlung der Feinstruktur eingeführte Konstante bezeichnet; e Elementarladung, h Planck-Konstante, c Lichtgeschwindigkeit.

Feinzeiger: anzeigendes Längenmessgerät, bei dem der Messbolzenweg durch ein geeignetes Übersetzungsglied vergrößert auf einer Skale analog oder nach entsprechend Umsetzung digital angezeigt wird. Man unterscheidet mechanischer, optischer, pneumatischer, elektrischer beziehungsweise elektronischer Feinzeiger.

Felber Tauern: Pass in den Hohen Tauern (Österreich); 1652 m; zwischen Mittersill in Salzburg und Matrei in Osttirol; seit 1967 Felber-Autotunnel (5,3 km), auch von der transalpinen Pipeline Triest-Ingolstadt benutzt.

Feld: 1. Landwirtschaft:

a) allgemein so viel wie gepflügter Boden;

b) größere, durch Wege, Wassergräben, Dämme, Straßen, Gleise, Wiesen und Wald begrenzte Ackerfläche, die einen Schlag oder mit verschiedenen Fruchtarten bestellte Schläge umfassen kann.

2. Physik: Gesamtheit der allen Punkten des leeren oder stofferfüllten Raumes zugeordneten Werte einer physikalischen Größe, der Feldgröße. Der Feldbegriff ist fundamental für die gesamte Physik. Nach der mathematischen Natur der Feldgrößen unterscheidet man skalare Feld (zum Beispiel Temperatur, Massendichte), Vektorfeld (Kraft, elektrische oder magnetische Feldstärke), Tensorfeld (mechanische Spannung in elastisch verformten Körpern) und Spinorfeld. Vektorfelder spielen in der Physik eine besondere Rolle; sie können anschaulich dargestellt werden mit Hilfe von Feldlinien, orientierten Linien, deren Tangente in jedem Raumpunkt die Richtung und deren Dichte den Betrag der dort wirkenden Feldgröße angeben. Die graphische Darstellung der Feldlinien wird Feldbild genannt. Die Feldlinien eines Kraftfeldes heißen Kraftlinien-, dabei ist die Feldstärke bestimmt durch die Kraft, die das Feld in einem betrachteten Raumpunkt auf eine Einheitsquelle ausübt. Je nach der Struktur eines Vektorfeld unterscheidet man zwischen Quellenfeld (die Feldlinien haben ihren Ursprung in sogenannt Quellen und enden in sogenannt Senken; zum Beispiel elektrisches Feld in der Umgebung von 2 ungleichnamigen elektrischen Ladungen) und Wirbelfeld (Feldlinien sind in sich geschlossen; zum Beispiel magnetische Feld um einen stromdurchflossenen Leiter); in allgemeinem Feld treten sowohl Quellen als auch Wirbel auf. Wirbelfreie Vektorfeld können mathematisch hergeleitet werden aus einem skalaren Potential. Ein beliebiges Feld heißt homogen, wenn jedem Raumpunkt die gleiche Feldgröße zugeordnet ist (zum Beispiel elektrisches Feld im Innern eines Plattenkondensators), andernfalls heißt es inhomogen. Felder (insbesondere auch das elektromagnetische) sind wie stoffliche Materie eine Erscheinungsform der Materie; der Feldbegriff steht in engem Zusammenhang mit dem Begriff des Teilchens, zum Beispiel sind die Photonen die Quanten des elektromagnetischen Felds; siehe auch Feldtheorie.

3. Sport: a) Spielfeld, Spielplatz;

b) in einem Geschwindigkeitswettbewerb geschlossen zusammenliegender großer oder größter Teil der Wettkämpfer (im Radsport Hauptfeld).

c) bei Rennen über längere Strecken alle Teilnehmer.

Feldabwehr; Volleyball ein- oder beidhändige tiefe Abwehr gegnerische Angriffsschläge, die den Block passiert haben.

Feldbahn: schnell verlegbare schmalspurige Schienenbahn, zum Beispiel in der Bauindustrie.

Feldberg: 1. Schwarzwald.

2. Stadt im Kreis Neustrelitz, Bezirk Neubrandenburg, in der waldreichen Feldberger Seen- und Endmoränenlandschaft am Haussee; 3 200 Einwohner; Erholungsort (Erholungsheime, Campingplätze, Jugendherberge, Wassersport); Hans-Fallada-Haus im Ortsteil Carwitz.

Feldblende: Blende, durch die der abgebildete Teil der Objektebene (das Objektfeld) bestimmt wird. Die Bilder der Feldblende im Objekt- beziehungsweise Bildraum heißen Eintritts- beziehungsweise Austrittsluke. Eine Feldblende, die in der Objekt-, Bild- oder einer Zwischenbildebene liegt, begrenzt das Bildfeld (das dem Objektfeld entspricht) scharf. Beim Betrachten optischer Bilder mit dem Auge heißt das Bildfeld auch Gesichtsfeld; siehe auch Öffnungsblende.

Feldeffekt: Änderung der elektrischen Leitfähigkeit einer Halbleiterplatte infolge eines elektrischen Querfeldes, durch das an der Halbleiteroberfläche Ladungen influenziert werden.

Feldelektronenemission, Feldemission: Austritt von Elektronen aus Festkörperoberflächen unter Einwirkung sehr hoher elektrischen Feldstärken. Dadurch wird das Potential im angrenzenden Vakuum für die Elektronen so abgesenkt, dass sie den Festkörper durch Tunneleffekt verlassen können. Bei der inneren Feldelektronenemission in Halbleitern oder Isolatoren werden gebundene Elektronen (Valenz- oder Störstellenelektronen) durch die Wirkung eines starken elektrischen Feldes freigesetzt, so dass sie für den Stromtransport verfügbar werden.

Feldelektronenmikroskop: von dem Physiker E. W. Müller 1937 entwickeltes Gerät, mit dem die Kristallstruktur einer feinen Metallspitze (Krümmungsradius etwa 0,1 um) durch austretende Elektronen infolge Feldelektronenemission auf einem Leuchtschirm abgebildet wird; Vergrößerung etwa 10, Auflösungsvermögen 1,5 um. Siehe auch Feldionenmikroskop.

Feldfieber, Schlammfieber, Wasserfieber: durch Leptospiren (Schraubenbakterien) hervorgerufene und meist durch Mäuse übertragene grippeartige seltene Infektionskrankheit; vorwiegend nach Arbeiten auf überschwemmtem Land.

Feldgendarmerie: in Preußen und im imperialistischen Deutschland Militärpolizei; im 2. Weltkrieg berüchtigt durch ihre Brutalität.

Feldgrille: schwarze, 25 cm lange heimische Grillenart; gräbt Erdröhren, die sie bei Gefahr aufsucht; die Männchen zirpen mit den Oberflügeln. Siehe auch Springschrecken.

Feldhäcksler: traktorbetriebene oder selbstfahrende Halmfuttererntemaschine, die das Erntegut entweder mäht (Mähhäcksler) oder aus dem Schwad aufnimmt (Aufsammel Häcksler), zerkleinert und auf zugeordnete Transportfahrzeuge wirft oder bläst.

Feldheuschrecken, Acrididae: Überfamilie der Springschrecken mit kurzen Fühlern und kräftigen Sprungbeinen; zirpen durch Reiben einer gezähnten Schrillleiste der Hinterbeine an einer vorspringenden Ader der Vorderflügel; meist Pflanzenfresser; hierzu auch die europäischen Sandheuschrecken (Oedipoda) und die schädlichen Wanderheuschrecken tropischer und subtropischer Gebiete. Siehe auch Springschrecken.

Feldhühner, Perdicinae: bodenbewohnende Hühnervögel mit kurzem Schwanz; hierzu unter anderem das Steinhuhn (Alectoris graeca) mit gelb-schwarz quergewellten Körperseiten, ein Bewohner eurasischer Gebirge. Siehe auch Rebhuhn.

Feldionenmikroskop: Weiterentwicklung des Feldelektronenmikroskops (E. W. Müller, 1951), umgekehrt wie dieses gepolt und mit einem Gas von geringem Druck gefüllt. Die Gas Atome werden an der Emissionsspitze ionisiert, die positiven Ionen fliegen zum Leuchtschirm und bilden dort die Struktur der Spitze mit einem Auflösungsvermögen bis zu 0,1 nm ab.

Feldkapazität: bodenkundlicher Kennwert für die Wassermenge, die ein Boden unter natürlichen Verhältnissen 2 bis 3 Tage nach einer ausreichenden Wassersättigung und bei Verhinderung der Verdunstung festzuhalten vermag. Die Feldkapazität wird in Vol.-% oder mm angegeben und meist auf 1 m Bodentiefe bezogen.

Feldkirch: Stadt in Vorarlberg (Österreich); im Walgau, beim Durchbruch der 111 zum Rheintal; 24000 Einwohner; bedeutende Textilindustrie, ferner Gerätebau, Holz-, Flachglasindustrie; Fachschulen; mittelalterliches Stadtbild, Schattenburg (12. Jahrhundert, jetzt Museum), gotische Pfarrkirche (15. Jahrhundert), Patrizierhäuser (15./16. Jahrhundert) mit Erkern und Laubengängen.

Feldküche, scherzhaft Gulaschkanone: fahrbares Großkochgerät des Verpflegungsdienstes, meist auf Einachsanhänger.

Feldmark, Gemarkung: die Gesamtfläche der landwirtschaftlich nutzbaren Grundstücke einer Gemeinde (Gemeindeflur) oder eines landwirtschaftlichen Großbetriebes.

Feldmaus, Microtus arvalis: kurzschwänzige Wühlmaus der Äcker und Wiesen Europas (ohne Skandinavien und britische Inseln) bis Nordchinas; vermehrt sich durch Frühreife sehr stark (bis 13 Junge, Tragzeit 20 Tage, im Sommer alle 3 Wochen ein Wurf möglich); Schädling landwirtschaftlicher Kulturen.

Feldpost: Zweig des Postwesens, durch den in Kriegszeiten Postverbindungen zwischen der Truppe und der Zivilbevölkerung sowie zwischen den Truppenteilen hergestellt wurden.

Feldrandbehandlung: Behandlung des Feldrandes mit Pflanzenschutzmitteln; Pflanzenschutzmaßnahme, die den gesamten Schlag gegen den Befall von einwandernden Schädlingen schützen kann. Die Feldrandbehandlung ist eine kostensparende Rationalisierungsmaßnahme gegenüber der Ganzflächenbehandlung, Feldsalat Rapünzchen.

Feldspate: Gruppe gesteinsbildender Minerale, Kalium-Aluminium- (Orthoklas) und Natrium-Kalzium-Aluminium-Silikate (Plagioklase); Kristallsystem monoklin und triklin; Härte 6 bis 6,5; Dichte 2,5 bis 2,76 g/cm3. Die trinklinen Plagioklase bilden eine lückenlose Mischkristallreihe: Anorthit (Kalkfeldspat; Kalzium-Aluminium-Silikat, weiß-grau, in basischen Gesteinen); mit zunehmendem Natriumgehalt folgen Bytownit, Labrador (blau-grün schillernd), Andesin (in sauren und intermediären Magmatiten und Metamorphiten), Oligoklas und schließlich Albit (Natronfeldspat, Natrium-Aluminium-Silikat; weiß-grünlich). Der monokline Orthoklas oder Kalifeldspat besitzt demgegenüber meist rötliche Farbtöne und bildet vielfach Zwillinge nach verschiedenen Gesetzen (Karlsbader Zwilling, Bavenoer Zwilling). Bei Temperaturen >900 °C bildet sich der weiße Sanidin, bei Abkühlung entsteht der milchig trübe Mondstein (Schmuckstem); ein trikliner Orthoklas ist der Mikroklin (Amazonenstein oder Amazonit; grün); hydrothermaler Orthoklas ist der Adular (glasklar). Alle Feldspate zeigen ausgezeichnete Spaltbarkeit, sie sind mit etwa 50 Masseprozent die verbreitetsten Silikate der Erdkruste, 60% davon finden sich in Magmatiten, 30 % in Metamorphiten und 10 % in Sedimenten (zum Beispiel Arkosen). Feldspatverwitterung führt zur Kaolinbildung. Pegmatit. Orthoklase sind wichtige Rohstoffe für die Glas- und Porzellanindustrie.

Feldstiefmütterchen, Viola arvensis: Veilchengewächs mit cremefarbenen, im Schlund Chromgelb gefleckten, gespornten Blüten und gekerbten Blättern; häufiges Unkraut auf sandig-lehmigen Böden und entsprechend Ruderalstandorten.

Feldtheorie: Beschreibung der physikalischen Realität, insbesondere auch der Wechselwirkung von Teilchen, mit Hilfe von Feldgrößen, die Feldgleichungen genügen. Jede speziell-relativistische Feldtheorie ist eine Nahwirkungstheorie, da sich alle Wirkungen nur mit endlicher Geschwindigkeit (Lichtgeschwindigkeit) ausbreiten; so wird die Kraftwirkung zwischen 2 Raumpunkten vermittels des Feldes zeitlich nacheinander über alle dazwischenliegenden Punkte übertragen. Die Feldtheorie erlangt in der relativistischen Physik große Bedeutung. Jedem Raumpunkt werden die zur Beschreibung der betreffenden Erscheinung notwendigen Feldgrößen zugeordnet, deren raum-zeitliche Änderungen durch die Feldgleichungen (partielle Differentialgleichungen) beschrieben werden. In der klassischen Feldtheorie findet der Teilchenaspekt der Materie keine befriedigende Erklärung. Durch die Quantisierung der klassischen Feldtheorie (siehe auch Quantenfeldtheorie) lässt sich dieser Teilchenaspekt und die Wechselwirkung erfassen. Einige wichtige Feldtheorie sind die Maxwellsche Theorie des elektromagnetischen Feldes und die Diracsche Theorie des Elektron-Positron-Feldes. Es ist bisher nicht gelungen, eine einheitliche Feldtheorie aufzustellen, die aller wechselwirkenden Materie nur ein einziges Feld zuschreibt und aus der die bekannten Felder (zum Beispiel elektromagnetische Feld, Gravitationsfeld) als Spezialfälle resultieren. Siehe auch Elementarteilchen, Fernwirkungstheorie.

Feldschießen und Jagdschießen: Disziplin des Bogenschießens; in wechselndem Gelände verteilte 3-Ring-Scheiben von 15 bis 60 cm Durchmesser sind aus unterschiedlichen (zu schätzenden) Entfernungen von 5 bis 60 m zu beschießen.

Feldverdrängung, Flussverdrängung: durch Wirbelströme in elektrischen Leitern hervorgerufene Veränderung der Feld- und damit der Stromverteilung. Die Leiterform wird der Feldverdrängung angepasst (Hohlleiter, lamellierte Leiter). Die Feldverdrängung wird beim Stromverdrängungsläufer der Asynchronmaschine ausgenutzt.

Feldverweis, Hinausstellung, Platzverweis: in Torspielen Ausschluss eines Spielers vom Spiel nach (mehrfachem) grobem Foul, Schiedsrichterbeleidigung unter anderem, der verwiesene Spieler darf gewöhnlich nicht ersetzt werden. Im Eishockey, Handball unter anderem sind Feldverweis für eine bestimmte Zeitdauer (Zeitstrafen) üblich.

Feldwaage, magnetische Feldwaage: auf dem Waageprinzip beruhendes mechanisch-optisches Magnetometer zur relativen Bestimmung der Vertikal- oder Horizontalkomponente des Erdmagnetfeldes. Man unterscheidet Feldwaage, bei denen das auf einen Magneten wirkende Drehmoment durch die Schwerkraft (Schneidenwaage nach A Schmidt) oder durch Verdrillung eines gespannten Metallfadens (Torsionswaage nach G. Fanselau) ausgeglichen wird.

Felge: 1. Fahrzeugbau: bei Fuhrwerken der äußere kreisförmige Teil des Holzrades; bei Fahrrädern, Kfz und gummibereiften Anhängefahrzeugen der Radkranz, der die Bereifung aufnimmt.

2. Gerätturnen: Element mit Rückwärtsdrehung des Körpers um Breitenachsen und gleichzeitigem Strecken der Hüft- und Schultergelenke.

Fell: behaarte tierische Haut, die nach der Veredlung zur Herstellung von Pelzgegenständen verwendet wird. Man unterscheidet Sommer-, Übergangs- und Winterfelle.

Fellachen: (arabisch Fallah, «Bauer») die sesshafte bäuerliche Bevölkerung in den arabischen Ländern (besonders im Niltal und in Mesopotamien).

Felonie: treulose Handlung, Verrat; im Feudalismus Verweigerung der Lehnstreue des Vasallen gegenüber seinem Lehnsherrn.

Felsenbein, Petrosum: Teil des Schläfenbeins; härtester Abschnitt der Schädelknochen; bildet die knöcherne Hülle für das Hör- und Gleichgewichtsorgan.

Felsenbeinbruch: Knochenbruch an der Schädelbasis, speziell des Felsenbeins; mitgeschädigt sind häufig Hör- und Gleichgewichtsfunktion; der Gesichtsnerv oder das Mittelohr. Kennzeichen des Felsenbeinbruchs sind Blutung aus dem Ohr, Schwerhörigkeit oder Taubheit, Schwindel und Fazialislähmung.

Felsenbirne, Amelanchier ovalis: strauchförmiges, 1 bis 3 m hohes Rosengewächs mit wenigblütigen, weißen Blütentrauben und haselnussgroßen, blauschwarzen, essbaren Früchten; in Trockengebüschen und Felsenwäldern vorkommend, selten.

Felsengebirge, Rocky Mountains: östlicher Zweig der nordamerikanischen Kordilleren, der aus zahlreichen Einzelketten besteht und sich vom Yukon durch den Westen Kanadas und der USA bis zum Rio Grande del Norte erstreckt; über 4 500 km lang, 80 bis 700 km breit. Höchste Erhebungen sind in den USA der Mount Elbert (4 399 m) und in Kanada der Mount Robson (3 954 m). Das Felsengebirge wurde Ende der Kreidezeit bis Anfang Tertiär gefaltet und emporgehoben; es besteht im Kern aus paläozoischen Gesteinen, die besonders im mittleren Teil von vulkanischen Gesteinen durchsetzt werden; nur kleine Flächen, vor allem im kanadischen Teil, sind vergletschert. Das Gebirge bildet nahezu in seiner gesamten Länge die Wasserscheide zwischen dem Atlant, und dem Stillen Ozean und ist Quellgebiet bedeutender Flüsse Nordamerikas, wie Missouri, Rio Grande del Norte und Colorado. Die kanadischen und die nördlichen Ketten in den USA weisen zum Teil dichten Nadelwald auf, der nach Süden zunehmend von Steppenarealen durchsetzt wird. Das Felsengebirge ist reich an Bodenschätzen, insbesondere Stein- und Braunkohle, Erdöl, Buntmetall-, Gold- und Uranerz.

Felsenspringer, Machilidae: Familie der Borstenschwänze; leben in Geröll und Felsspalten an Flechten, wärmeliebend, springen mit der mittleren Schwanzborste.

felsitisch: (Kunstwort) ist das Gefüge mancher Rhyolithe, deren Grundmasse aus sehr feinkörnigen, mikroskopisch oft nur schwer bestimmbaren Mineralen (meist Quarz und Feldspat) besteht.

Felszeichnungen, Felsbilder: an Felswänden eingepickte beziehungsweise eingeritzte oder gemalte Darstellungen von Menschen, Tieren, Waffen, Geräten, Schiffen, die meist kultische Bedeutung haben. Felszeichnungen kommen seit der jüngeren Altsteinzeit (Höhlenmalerei) vor, häufiger jedoch in der Jüngstem- und Bronzezeit; von im Zustand der Urgesellschaft lebenden Völkern sind Felszeichnungen noch bis in die jüngste Vergangenheit hinein geschaffen worden.

Felton, Monica, 23.9.1906-3.3.1970, britische Friedenskämpferin (Labour Party); wegen ihrer Teilnahme an einer Studienreise der IDFF nach Korea (1951) und wahrheitsgemäßer Schilderung der Greueltaten der US-Armee wurde sie verhaftet und erst durch internationale Protestwelle befreit.

Feme, Femgericht: im Mittelalter Sondergericht zur Aburteilung mit dem Tode bedrohter Verbrecher; tagte meist geheim.

Femelhieb: Hiebsart in der Forstwirtschaft für bestimmte Baumarten (zum Beispiel Buche, Tanne), bei der die Bäume nicht gleichzeitig auf der ganzen Fläche, sondern Gruppen- bis horstweise innerhalb eines Waldbestandes entnommen werden zum Zweck einer langfristigen natürlichen Verjüngung, die allmählich die ganze Fläche erfasst.

Fememorde: Bezeichnung für politische Morde, die in den ersten Jahren der Weimarer Republik von rechtsradikalen Geheimverbänden und innerhalb der Schwarzen Reichswehr gegen politische Gegner und «unzuverlässige» Angehörige dieser Organisationen heimlich beschlossen und durch dazu bestimmte Personen ausgeführt wurden. Von progressiven Kräften konnten über 400 solcher sich an Formen mittelalterlicher Justiz anlehnender Fememorde nachgewiesen werden.

Femininum: Grammatik - weibliches Geschlecht; weibliches Substantiv.

Feminismus: 1. vielgestaltige bürgerliche Richtung der gegenwärtigen Frauenbewegung in kapitalistischen Ländern. Statt Sozialökonomische und politische Ursachen macht der Feminismus biologischen und psychischen Eigenschaften des Mannes für die Unterdrückung der Frau im Kapitalismus verantwortlich; die Emanzipation der Frau wird als ein hauptsächlich psychisches und sexuelles Problem dargestellt.

2. Medizin: Auftreten weiblicher Eigenschaften (körperlich und psychisch) bei Männern; besonders bei Homosexuellen.

Femur: 1. Oberschenkelbein, längster Röhrenknochen des Menschen.

2. drittes Beinglied der Spinnen und Insekten.

Fenchel, Foeniculum vulgare: aus dem Mittelmeergebiet stammendes Doldengewächs mit feinzerteilten Blättern und gelben Blüten; Gewürz- und Arzneipflanze. Die ätherischen Öle des Fenchels wirken gering schleimlösend und blähungstreibend. Medizinisch wird Fenchel vorwiegend als Tee angewendet.

Fenchelöl: ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation zerquetschter Fenchelsamen gewonnen und als Aromastoff sowie in der Pharmazie verwendet wird.

Fender: (englisch - französisch, «Stoßfänger») elastischer Gegenstand, als Holzleiste (Scheuerleiste), dickes Kork- oder Faserstoffkissen, Gummireifen u. ä. zum Schutz der Bordwand von Wasserfahrzeugen beim Anlegen und Liegen an der Kaimauer verwendet.

Fen District: (englisch, «Moorgebiet») ehemaliges Moorgebiet im Osten Englands, an der Nordseeküste, westlich und südlich des Meerbusens The Wash; 4500 km2; weite, tiefliegende, fruchtbare Marschen, die durch Regulierung des Wasserhaushalts dem Ackerbau (Weizen, Zuckerrüben) erschlossen wurden.

Fénelon, François de Salignac de La mothe-, 6. 8.1651-7.1.1715, französischer Geistlicher und Schriftsteller. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen die «Fabeln» (1716), «Totengespräche» (1712, deutsch); insbesondere mit dem Erziehungsroman «Die Abenteuer des Telemach» (1699, deutsch) übte Fénelon scharfe Kritik am Absolutismus und wirkte damit objektiv im Sinne der Aufklärung.

Fenier, Fenier-Bruderschaft: irischer nationalistischer Geheimbund zur Erringung der Unabhängigkeit Irlands, benannt nach Finn; 1858 von irischen Emigranten in den USA gegründet, auf die britische Inseln ausgedehnt. Nach ergebnislosen Aufständen (besonders 1867) und infolge sektiererischer Politik verloren sie nach 1870 an Einfluss.

Fennek, Wüstenfuchs, Fennecus zerda: zierlicher, nachtaktiver, bis 40 cm langer Fuchs mit großen Augen und Ohren; lebt gesellig in Wüsten und Halbwüsten Nordafrikas.

Fennomanen: Bezeichnung für die Mitglieder der Finn. Partei, der aus der nationalen Bewegung in der 2.Hälfte des 19. Jahrhundert hervorgegangenen Interessenvertreterin der finnischen Bourgeoisie und Intelligenz. Die Fennomanen erwarben sich Verdienste um die Gleichberechtigung der finnischen Sprache gegenüber der schwedischen und die Entwicklung einer finnischen Nationalkultur. Gegner der Svekomanen; 1899 Spaltung in Alt- und Jungfinnen.

Fenster: 1. Fenestra: Anatomie - Bezeichnung für eine Öffnung in einem Organ, die meist durch Bindegewebe vollständig oder unvollständig verschlossen ist.

2. Bautechnik: verglaste Rahmenkonstruktion zum Verschluss einer Wandöffnung und zur natürlichen Belichtung und Belüftung von Räumen. Die Fensteröffnung wird unten begrenzt durch die Fensterbrüstung, oben durch den Fenstersturz, seitlich durch die Fensterleibung. Das Holzfenster besteht aus dem Blendrahmen oder der Zarge, dem Fensterbreit (Lateibrett) und den verglasten Fensterflügeln. Kämpfer und Fensterpfosten (Setzholz) bilden das Fensterkreuz. Fensterarten sind Einfachfenster, Mehrfachfenster oder Doppelfenster. Beim Verbundfenster liegen die Fensterflügel übereinander und sind gegenseitig verriegelt, beim Kastenfenster sind 2 Blendrahmen mit einem kastenartigen Futter verbunden. Je nach Art der Öffnung der Fensterflügel unterscheidet man Dreh-, Wende-, Kipp-, Klapp- und Schwingflügelfenster. Beim Faltfenster werden die Rahmenflügel zusammengefaltet und nach einer Seite verschoben. Beim Schiebefenster sind die Fensterflügel vertikal oder horizontal verschiebbar. Stahl-, Plast- und Aluminiumfenster sind aus geschliffenen Spezialprofilen zusammengeschweißt. Beim Aluminium-Holz-Verbundfenster besteht der äußere Fensterrahmen aus Aluminium, der innere aus Holz.

3. Geologie: im Faltengebirge durch Erosion freigelegter Ausschnitt der Unterlage einer Überschiebungsdecke (Decke), zum Beispiel das Unterengadiner Fenster der Ostalpen.

Fensterrose: kreisförmiges, durch steinernes Maßwerk unterteiltes, mit Glasmalerei ausgefülltes gotisches Fenster, besonders an West- und Querhausfassaden der Kirchen; ein Sonnen- und Christussymbol.

Ferguson: Adam, 20.6.1723 bis 22.2.1816, schottischer Moralphilosoph und Historiker; leitete die Klassenunterschiede aus den Besitzverhältnissen ab, fasste den Menschen als soziales Wesen auf und verband seine Ethik mit einer Theorie des gesellschaftlichen Fortschritts.

Ferkel: junges Schwein bis zur Beendigung des 2. Lebensmonats. Bis zum Absetzen von der Sau als Saugferkel, nach dem Absetzen als Absetzferkel bezeichnet. Fremden Sauen angesetzte Ferkel heißen Ammenferkel.

Ferkelgrippe: weit verbreitete infektiöse Erkrankung der Atmungsorgane bei Ferkeln und Jungschweinen; als Ursache sind Mykoplasmen und Chlamydien anzusehen. Die Bekämpfung erfolgt durch hygienische Maßnahmen und Chemotherapie.

Ferkelruhr: Sammelbegriff für alle Formen von Durchfallerkrankungen bei Ferkeln. Erreger sind vor allem Kolibakterien, aber auch Viren. Die Ferkelruhr verursacht hohe Verlustraten.

Ferkelruß: durch Staphylokokken hervorgerufene infektiöse Hautkrankheit der jungen Schweine; über den gesamten Körper breitet sich ein krustös nässendes Ekzem aus.

Fermat, Pierre de, 17.8.1601 bis 12.1.1665, französischer Mathematiker; begründete neben R. Descartes die analytische Geometrie, mit B. Pascal die Wahrscheinlichkeitsrechnung, leistete Bedeutendes zur Zahlentheorie und lieferte wichtige Beiträge zur Infinitesimalrechnung.

Fermate: Haltezeichen n, das den Noten- oder Pausenwert verlängert.

Fermatscher Satz, kleiner (nach P. de Fermat): Satz der Zahlentheorie, der besagt, dass ap'1 1 durch p teilbar ist, wenn p eine Primzahl und a eine nicht durch p teilbare ganze Zahl ist.

Fermatsches Prinzip: (nach P. de Fermat) Extremalprinzip für den Lichtweg L = nl (n Brechzahl, geometrischer Weg) oder die Laufzeit des Lichtes. Der tatsächliche Lichtweg zwischen 2 Punkten hat, verglichen mit (nur theoretisch) möglichen Nachbarwegen, einen Extremwert, im Allgemeinen ein Minimum. Das ist gleichbedeutend mit einer extremalen Laufzeit. Das Fermatsche Prinzip ist die Grundlage der geometrischen Optik.

Fermatsche Vermutung, großer Fermatscher Satz: von P. de Fermat aufgestellte Behauptung, dass die Gleichung x" + y = z" für ganze Zahlen n >2 keine ganzzahligen positiven Lösungen x, y, z hat. Für alle n < 125000 ist die Fermatsche Vermutung bestätigt, ein allgemeiner Beweis fehlt jedoch bis heute trotz der Anstrengungen vieler großer Mathematiker der letzten 300 Jahre.

Fermatsche Zahl: (nach P. de Fermat) eine Primzahl p der Form p = 22 + 1 (fc = 0, 1, 2, 3, ...). Die kleinsten Fermatschen Zahlen sind 3, 5, 17, 257, 65537. Dies sind die einzigen bekannten Fermatschen Zahlen. Es sind gegenwärtig aber auch nur 46 Werte von k, für die 22‘ + 1 keine Primzahl ist, wirklich bekannt. Schon L. Euler wies nach, dass 22’ + 1 den Teiler 641 hat. Ein regelmäßiges n-Eck lässt sich genau dann mit Zirkel und Lineal konstruieren, wenn n Produkt einer Zweierpotenz und verschiedener Fermatscher Zahlen ist.

Fermentation: 1. Lebensmitteltechnik: durch Enzymeinwirkung (z. B, Gärung) hervorgerufene Veränderung pflanzlicher Rohstoffe (zum Beispiel Tabak, Tee); wird bei Lebensmitteln zur Verbesserung von Geschmack, Farbe und so weiter angewendet.

2. Mikrobiologie: Kultivierung von Mikroorganismen zur Gewinnung von Nähr- und Wirkstoffen, zum Beispiel Hefe, Enzyme, Antibiotika.

Fermente: veraltete Bezeichnung für Enzyme.

Fermenter: tankartiger Behälter, in dem durch Massenzüchtung Mikroorganismen oder ihre Stoffwechselprodukte hergestellt werden können. Die im Fermenter ablaufenden mikrobiologische Reaktionen erfordern Maßnahmen zur Verhinderung der Ansiedlung unerwünschter Mikroorganismen sowie eine exakte Regelung von Temperatur, Belüftung und Nährstoffdosierung. Man verwendet Fermenter hauptsächlich für die Erzeugung von Antibiotika, Vitaminen und Futterhefen.

Fermi, Enrico, 29.9.1901-28.11.1954, US-amerikanischer Physiker italienischer Herkunft; emigrierte 1939 nach den USA. Fermi entwickelte unter anderem die Fermi-Dirac-Statistik (1926), eine Theorie des Betazerfalls (1934), entdeckte 1934 Kernumwandlungen durch Neutronenbeschuss und arbeitete über Elementarteilchen. Am 2.12.1942 setzte Fermi in Chicago den ersten Kernreaktor der Welt in Betrieb. Fermi war auch an der Entwicklung der Atombombe beteiligt.

Fermi-Energie: (nach E. Fermi) Energieparameter E der Fermi-Dirac-Statistik, die die Verteilung n(E) eines Systems von Fermionen (zum Beispiel Elektronen) auf ein gegebenes Energiespektrum beschreibt. Die Fermi-Energie stellt damit bei der Temperatur T = 0 K die obere Besetzungsgrenze dar, die für Metalle innerhalb eines Energiebandes, für Halbleiter und Isolatoren aber in der verbotenen Zone liegt. Siehe auch Bändermodell.

Fermion, Fermi-Teilchen (nach E. Fermi): Teilchen mit halbzahliger Spinquantenzahl; eine Gesamtheit von Fermion genügen dem Pauli-Prinzip und der Fermi-Dirac-Statistik. Die Leptonen, Baryonen und alle Kerne mit ungerader Massenzahl sind Fermion.

Fermium: (nach E. Fermi) Symbol Fm: künstliches radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 100; das beständigste Isotop ist Fm 257 (Halbwertszeit 100,5 Tage). Fermium ist ein unedles Metall; es wurde erstmals 1952 in den Produkten der Explosion einer Kernfusionsbombe entdeckt (USA).

Fernandes, Vasco, Grão Vasco, um 1480-um 1543, portugiesischer Maler; für 1512/42 ist seine Tätigkeit in Viseu belegt, wo er für die Kirchen des Ortes zahlreiche hervorragende Altartafeln schuf (heute meist im Museum de Grão-Vasco). Sein Gesamtwerk weist starke Anklänge an die niederländische Malerei auf.

Fernbedienung: Betätigung von Geräten, Maschinen, Anlagen unter anderem technische Einrichtungen aus mehr oder weniger großer Entfernung mit Hilfe mechanischer, elektrische (elektronische), hydraulisches oder pneumatisches Verfahren. Eine Fernbedienungsanlage besteht aus Sender und Empfänger für den Bedienungsbefehl, einem Verstärker und der Stelleinrichtung zur Befehlsausführung. Anwendung der Fernbedienung erfolgt in industriellen Anlagen (zum Beispiel in der Kraftwerks-, Reaktor- und Verfahrenstechnik sowie im Maschinenbau), im Verkehrswesen (F. von Signal- und Sicherungsanlagen im Schienen- und Straßenverkehr), im Nachrichtenwesen (F. von Sendern sowie von Übertragungs- und Vermittlungseinrichtungen in der Fernmeldetechnik) und in anderen Bereichen.

Fernerkundung, Geofernerkundung: Verfahren, mit dem Informationen über die Erdoberfläche von Flug: beziehungsweise Raumflugkörpern aus gewonnen werden. Herkömmliche Verfahren arbeiten mit Luftbildmesskammern, Fernseh- und Multispektralkameras. Elektron. Systeme arbeiten aktiv oder passiv. Bei aktiven Systemen, zum Beispiel Radar, werden elektromagnetische Wellen, zum Beispiel Mikrowellen, zur Erde gesendet und die reflektierte Strahlung registriert. Passive Systeme registrieren die von der Erdoberfläche ausgehende Strahlung in bestimmten Spektalbereichen, zum Beispiel im infraroten (Thermographie), oder in verschiedenen Kombinationen (multispektrale Aufnahmen). Die Fernerkundung hat unter anderem Bedeutung für den Umweltschutz und die Lagerstättenerkundung.

Fernfeld: elektromagnetisches Feld in einem Gebiet, dessen Abstand von der Sendeantenne groß gegenüber den Antennenabmessungen ist; im Fernfeld nehmen elektrische und magnetische Feldstärke linear mit der Entfernung von der Sendeantenne ab.

Ferngas: zur Versorgung entfernt liegender Orte von einer zentralen Erzeugungs- beziehungsweise Förderstätte über Hochdruckleitungen geliefertes Kokerei-, Stadt-, Gicht- oder Erdgas.

Fernmeldeanlage: technische Einrichtung zur Nachrichtenübermittlung im Fernmeldenetz (Netz 6); insbesondere sogenannt Endeinrichtung, wie Fernsprechapparat beziehungsweise Fernschreiber.

Fernmesstechnik, Telemetrie: Verfahren und Einrichtungen zur Umwandlung (zum Beispiel durch Modulation) und Übertragung (auf Kabel-, Lichtleiter- oder Funkstrecken) von Messwertsignalen zum Zwecke der zentralen Überwachung räumlich dezentralisierter Messstellen; Anwendung zum Beispiel in Industrie, Meteorologie, Nachrichtennetzen, Raumfahrt, Medizin, im Verkehrswesen und militärischen Bereich.

Fernrohr: 1. Fernrohr, Teleskop: optisches Instrument zur visuellen Beobachtung weit entfernter Objekte unter einem größeren Sehwinkel als mit unbewaffnetem Auge. Fernrohr bestehen aus dem sammelnden Objektiv (Linse oder Spiegel) und dem Okular, das beim astronomischen oder Keplerschen Fernrohr sammelnd ist. Mit ihm wird das in der Brennebene entstehende reelle, umgekehrte Bild wie mit einer Lupe betrachtet. Beim holländischen oder Galileischen Fernrohr entsteht kein reelles Zwischenbild; das zerstreuende Okular erzeugt im Unendlichen ein aufrechtes Bild. Die Vergrößerung der Fernrohre bei großer Objektweite ergibt sich als Verhältnis aus der objektseitigen Brennweite des Objektivs und der bildseitigen Brennweite des Okulars. Fernrohr sind afokale optische Systeme. Terrestrische Fernrohre sind astronomische Fernrohre mit Linsen- oder Prismensystemen zur Höhen- und Seitenaufrichtung der Bilder. Fixsterne werden im Fernrohr als Zerstreuungsscheiben mit größerer scheinbarer Helligkeit abgebildet. Eine große scheinbare Helligkeit beziehungsweise ein hohes Auflösungsvermögen erfordern große Objektivdurchmesser; siehe auch Prismenfernrohr, Refraktor, Spiegelteleskop.

2. Sternbild.

Fernröntgenbild: Röntgenbild des Schädels unter Verwendung von Orientierungsmarken und Justiereinrichtungen. Bei weitgehender Parallelität der Strahlen entstehen verzerrungsfreie, reproduzierbare und nahezu standardisierbare Schädelaufnahmen mit Weichteildarstellung, die ein wichtiges diagnostisches Hilfsmittel zur Beurteilung von Dysgnathien und Kieferanomalien sind.

Fernschach: Schachpartie zwischen Spielern an verschiedenen Orten; Übermittlung der Züge auf dem Postweg mittels sogenannt Fernschachkarten. Weltmeisterschaften seit 1953, Europameisterschaften seit 1965. Fernschreiber, Fernschreibmaschine: elektrisches Gerät zur Übertragung von Schriftzeichen, das ähnlich wie eine Schreibmaschine bedient wird. Die einzelnen Zeichen werden sendeseitig im Fernschach als Fünferkombination aus 2 Elementen (zum Beispiel Strom kein Strom) verschlüsselt (kodiert) und leitungsgebunden oder per Funk (Funk-Fernschach) zum Empfänger übertragen; hier werden die gesendeten Zeichen mittels Fernschach ausgedruckt. Der Gleichlauf von sende- und empfangsseitigem Fernschach wird durch zusätzliche Start- und Stoppimpulse erzwungen. Im Allgemeinen wird das Internationale Telegrafenalphabet Nr. 2 verwendet. Außer zur Nachrichtenübertragung dient der Fernschach auch als Ein- und Ausgabegerät für EDVA.

Fernschreibmehrkampf: nachrichtensportlicher Einzelwettkampf, der sich aus Leistungsschreiben (maximale Anschlagzahl bei geringster Fehlerquote; Zeit 10 min), Fernschreibbetriebsdienst (Bewertung von Fehlern) und anderen wehrsportliche Disziplinen zusammensetzt.

Fernsehaufnahmeröhre, Bildspeicherröhre: spezielle Elektronenstrahlröhre, die in der Fernsehkamera das optische Bild unter Ausnutzung des Fotoeffektes in elektrisches Signal umwandelt. Jede Fernsehaufnahmeröhre besitzt 3 Grundbausteine: fotoelektrische Schicht (zur Umwandlung des auf sie projizierten Lichtbildes in einen Elektronenstrom), Speicherplatte (zur kapazitiven Speicherung der Elektronen und damit des Ladungsbildes) und Abtasteinrichtung (zur zeilenweisen Abtastung des Ladungsbildes durch einen Elektronenstrahl). Die Lichtintensität jedes Bildpunktes (bei Farb-Fernsehaufnahmeröhre die einer Farbkomponente) wird so in eine elektrische Spannung umgewandelt und zeitlich nacheinander entsprechend der Fernsehnorm übertragen. In älteren Ausführungsformen der Fernsehaufnahmeröhre ((Super-, Riese/-) Ikonoskop) wurden schnelle Elektronen zur Abtastung der Speicherplatte benutzt, nachteilig war die erforderliche hohe Beleuchtungsstärke. Bei Abtastung mit langsamen Elektronen wird eine wesentlich höhere Empfindlichkeit erzielt, was im Orthikon(oskop) und Superorthikon ausgenutzt wird. Während die genannt Fernsehaufnahmeröhre eine Fotokathodenschicht (zur Ausnutzung des sogenannt äußeren lichtelektrischen Effekts) aufweisen, hat das Vidicon (auch Resistron, Endikon genannt) eine lichtempfindliche Halbleiterschicht (zur Ausnutzung des sogenannt inneren lichtelektrischen Effekts), die zu einer gewissen Trägheit der Fernsehaufnahmeröhre führt (Anwendung unter anderem beim industriellen Fernsehen); in verbesserter Ausführung (Plumbicon) ist es insbesondere für Farbfernseh-Studiokameras geeignet, wobei geringes Volumen und geringe Masse entscheidende Vorteile sind.

Fernsehaufzeichnung: Speichern von Fernsehprogrammen

a) auf Kinofilm (optische Fernsehaufzeichnung);

b) auf Magnetband mittels Videorecorders (Fernsehaufzeichnung des elektrischen Fernsehsignals);

c) auf Bildplatten (Fernsehaufzeichnung des kodierten elektrischen Fernsehsignals); b) und c) auch für Heimgebrauch.

Fernsehdramatik: Sammelbegriff für die verschiedenen Formen der für das Fernsehen geschaffenen dramatischen Werke, insbesondere Fernsehfilm (einschließlich Fernsehroman) und Fernsehspiel, sowie für die fernsehgemäßen Bearbeitungen literarischer unter anderem Vorlagen. Die Fernsehdramatik verschaffte der epischen-dramatischen Kunst eine bis dahin nicht gekannte Breiten- und Tiefenwirkung. Sie einen bedeutenden Anteil an der literarischen Eroberung der neuen gesellschaftlichen Wirklichkeit und der Gestaltung des Menschenbildes.

Fernsehempfänger: Gerät zum Empfang und zur Wiedergabe von Fernsehsendungen. Die mit den Bild-, Ton- und Synchronsignalen modulierten Rundfunkwellen werden von der Antenne aufgenommen und über Kabel, gegebenenfalls zusätzlich über eine Gemeinschaftsverstärkeranlage, dem Fernsehempfänger zugeführt. Nach einer Vorverstärkung werden die VHF- beziehungsweise UHF-Schwingungen durch Mischung in den Zwischenfrequenzbereich umgesetzt, verstärkt und anschließend demoduliert. Weiterhin erfolgt eine Trennung der Bild-, Ton- und Synchronsignale; das Bildsignal (Videosignal) dient zur Helligkeitssteuerung der Bildröhre, das Tonsignal wird dem Lautsprecher zur Tonwiedergabe zugeführt und die Synchronsignale steuern die Ablenkschaltungen in der Weise, dass Zeilen- und Bildwechsel im Fernsehempfänger mit denen in der Fernsehkamera synchron erfolgen. Beim Farbfernseh-Empfänger übernimmt ein Dekoder die Rückgewinnung der 3 Farbkomponentensignale Rot, Grün und Blau, mit denen die Farbfernsehröhre ausgesteuert wird.

Fernsehen, Television, Abkürzung TV: 1. Fernsehen, Fernsehrundfunk: drahtlose Übertragung von Bildern bewegter und unbewegter Objekte mit zugehörigem Begleitton für einen großen, mit entsprechend Empfangsgeräten ausgestatteten Teilnehmerkreis. Mittels Fernsehaufnahmeröhre(n) in der Fernsehkamera werden bei zeilenweiser Abtastung (nach CCIR Norm 25mal je Sekunde 625 Zeilen) die Bilder in elektrische Signale umgewandelt, verstärkt, durch die ebenfalls elektrische Ton- und Synchronsignale ergänzt und über Kabel- oder Richtfunkverbindungen einem Fernsehsender zugeführt. Hier werden die Bild- und Synchronsignale im Bild-, die Tonsignale im Tonsender je einem Träger (siehe auch Rundfunkwellen) aufmoduliert und als elektromagnetische Wellen ausgestrahlt. Empfang und Wiedergabe erfolgen im Fernsehempfänger. Während beim Schwarz-Weiß- Fernsehen das Bildsignal nur Helligkeitswerte überträgt, enthält es beim Farbfernsehen Helligkeits- und Farbinformationen. Die Farbsignale charakterisieren die roten, blauen und grünen Teilbilder, die in 3 Fernsehaufnahmeröhren der Farbfernsehkamera erzeugt und zur Wiedergabe mit Farbfernsehröhren (Bildröhre) benötigt werden. Da sich die für das Fernsehen verwendeten Ultrakurz- und UHF-Wellen lichtähnlich ausbreiten, werden die Sendeantennen auf Bergen oder Türmen errichtet. Fernsehsendungen werden als Direkt- (Live-) Sendungen (aus Theatern, Stadien, Fernsehstudios) oder als gespeicherte Programme (Fernsehaufzeichnung) übertragen. Internationaler Programmaustausch über Intervision unter anderem Siehe auch Kabelfernsehen. Das Fernsehen entwickelte sich zu einem bedeutenden Instrument der politisch-ideologischen Leitung der Gesellschaft und Mittel der sozialen Kommunikation. Es verbindet Elemente der Presse (insbesondere der Bildpresse), des Theaters, Films und Hörfunks zu einer neuen publizistischen und künstlerischen Einheit und hat eigenständige Formen entwickelt. In seiner Komplexität politischer, ökonomischer, pädagogischer, wissenschaftlicher und kultureller Wirkungsbereiche ist das Fernsehen am engsten mit dem Hörfunk verwandt, zu dessen Informationsschnelligkeit und territorial unbegrenzter akustischer Wirkung die visuelle Anschauung im Fernsehen hinzu tritt. Das Fernsehen, das als publizistische Instrument Ende der dreißiger Jahre des 20. Jahrhundert aufkam, entwickelte sich entscheidend erst nach Ende des 2. Weltkrieges; es erlangte als Massenmedium eine ständig wachsende Bedeutung. Ende 1966 waren in 75 Ländern insgesamt 200 Millionen Fernsehgeräte registriert, 1978 378 Millionen in 132 Ländern.

2. Fernsehen, industrielles Fernsehen, technisches Fernsehen: Fernsehbildübertragung für technische oder wissenschaftliche Zwecke, wenn die direkte Beobachtung erschwert (zum Beispiel Flammenüberwachung), gefährlich (zum Beispiel Kernstrahlung) oder unmöglich ist (zum Beispiel kosmische Objekte in der Raumfahrt), mehrere entfernte Objekte zentral beobachtet (zum Beispiel Verkehrsüberwachung) oder kleine Objekte einem großen Zuschauerkreis zugänglich gemacht werden müssen (zum Beispiel Übertragung von Operationen oder Experimenten in Hörsäle).

Fernsehfilm: für das Fernsehen hergestellter Film, bei dessen Produktion nicht die Fernsehelektronik, sondern die Filmtechnik (Aufnahme- und Bearbeitungstechnik) angewandt wird. Zu unterscheiden sind der Fernsehfilm mit Spielhandlung als eine Form der Fernsehdramatik und der Dokumentar- Fernsehfilm. Der Fernsehfilm mit Spielhandlung weist gleiche Gestaltungsmittel wie der Spielfilm auf, nutzt aber besonders Nah- und Großaufnahmen. Im mehrteiligen Fernsehfilm (Fernsehroman) werden die Entwicklung eines Helden oder komplizierte historische Prozesse in epischer Breite dargestellt.

Fernsehgroßprojektion, Fernsehkino: Darstellung von Fernsehbildern auf Großflächen mittels spezieller lichtstarker Bildröhre und optischer Projektion auf eine Schirmfläche.

Fernsehkamera: Gerät zur Bildaufnahme beim Fernsehen. Zur Fernsehkamera gehören folgende Teile: Objektiv (Revolverkopf- oder Varioobjektiv), Sucher (zur Bildausschnittwahl und Schärfeeinstellung durch den Kameramann), 1 (bei Schwarzweiß-Fernsehkamera) oder 3 (bei Farb-Fernsehkamera) Fernsehaufnahmeröhren, Vorverstärker (für das elektrische Bildsignal), Teile des Ablenk- und Speisegerätes sowie Einrichtungen zur Fernbedienung.

Fernsehnorm: für ein Fernsehübertragungssystem maßgebende technische Bedingungen, wie Zeilenzahl, Anzahl der Teilbilder je Sekunde, Modulationsart, Videobandbreite, Frequenzabstand von Bild- und Tonträger, Parameter des Farbsystems bei Farbfernsehnorm (zum Beispiel Farbträgerfrequenz, Kompatibilität) unter anderem. Der Programmaustausch bei unterschiedlicher Fernsehnorm erfordert Fernsehumsetzer.

Fernsehspiel: für das Fernsehen geschaffenes Werk, dessen Dramaturgie der des Theaters verwandt ist; die Handlung konzentriert sich meist auf wenige Personen und Orte. Fernsehspiel werden im Studio produziert und mit elektronischen Kameras aufgenommen und aufgezeichnet, gelegentlich auch direkt gesendet.

Fernsehstudio: klimatisierter und schallgedämmter Raum mit aufnahme- und bühnentechnischen Einrichtungen zur Aufnahme von Fernsehsendungen. Man unterscheidet Ansage-Fernsehstudio, aktuelles Fernsehstudio, Fernsehstudio für Live-Sendungen und Vorproduktionsfernsehstudio.

Fernsehumsetzer: 1. Fernsehumsetzer, Normenwandler: technische Einrichtung, die die Umwandlung eines Fernsehprogramms in eine andere Fernsehnorm vornimmt.

2. Fernsehumsetzer, Fernsehkanalumsetzer: technische Einrichtung, die ein Fernsehprogramm empfängt und in einem anderen Kanal ausstrahlt.

Fernsprechapparat, Fernsprecher, Teilnehmerstation, Telefon: Endeinrichtung im Fernmeldenetz (Netz 6) zur Übermittlung von Gesprächen. Der Fernsprechapparat besteht aus den elektroakustischen Wandlern (Mikrophon und Fernhörer) zur Umwandlung der Schall in elektrischer Schwingungen und umgekehrt, dem Haken- oder Gabelumschalter zum Sprechkreisaufbau in der Anschlussleitung, dem Nummern- beziehungsweise Tastenschalter zur Bildung der Wählimpulse sowie dem Wecker zur Rufübermittlung. Im Orts- und Selbstwählfernverkehr wird durch den Wählvorgang über die Vermittlungsstellen im Netz ein automatischer Verbindungsaufbau zum angerufenen Teilnehmer ausgelöst. Zur Erfüllung besonderer Aufgaben wird der Fernsprechapparat mit Zusatzeinrichtungen versehen (zum Beispiel Münz-, Vermittlungs-, Vorzimmer-Fernsprechapparat).

Fernsprechverkehr: technische Realisierung von Gesprächen zwischen räumlich getrennten Fernsprechteilnehmern mittels Fernmeldeeinrichtungen (Fernsprechapparate, Leitungen und Kabel, gegebenenfalls Richtfunkverbindungen und Anlagen der Multiplextechnik, Fernsprechzentralen, Verstärker sowie zugehörige Stromversorgungseinrichtungen).

Fernsprechzentrale: Wählvermittlungsstelle zum handbedienten oder (meist) automatischer Verbindungsaufbau zwischen den Teilnehmern des Fernsprechnetzes. Man unterscheidet zwischen Vermittlungsstellen mit unmittelbar angeschlossenen Teilnehmerleitungen (Orts- und Endämter, Nebenstellenvermittlungen) und solchen, an die nur Verbindungs- und beziehungsweise oder Fernleitungen angeschlossen sind (Netzknoten-, Fernwähl-, Fernämter). Häufig sind beide Arten von Vermittlungsstellen im gleichen Gebäude beziehungsweise Raum untergebracht. Siehe auch Vermittlungstechnik.

Fernsteuerung: Art der Steuerung, durch die ein Eisenbahnzug oder -triebwagen von einem Führerstand im Steuerwagen, das heißt von der Lokomotive getrennt, sicher über die Strecke gebracht wird.

Fernsteuerungstechnik: Zweig der Steuerungstechnik, der die Beeinflussung beziehungsweise Auslösung entfernter Vorgänge (zum Beispiel in unbemannten Flugkörpern) mittels (meist elektrische) Signale beinhaltet.

Fernstudium: Form der Ausbildung von Werktätigen an Universitäten, Hoch- und Fachschulen mit dem Ziel der Ablegung des Diploms beziehungsweise des Staatsexamens ohne Unterbrechung der beruflichen Tätigkeit (auch als Abendstudium). Anleitung für das Fernstudium, das dem Direktstudium gleichwertig ist, erfolgt durch Lehrkräfte der immatrikulierenden wissenschaftlichen Einrichtungen vor allem mit Hilfe von Fernstudienmaterialien und Konsultationen.

Fernwärmeversorgung: auf Kraft-Wärme-Kopplung und auf Heizwerken aufbauende Heizungsform für Industrie-, Gesellschafts- und Wohnbauten, wobei die im Dampfkraftprozess anfallende Abwärme nicht über Kühlsysteme an die Umgebung abgeführt, sondern über Wärme Überträger und Rohrleitungen an die Heizverbraucher abgegeben wird. Der Wärmetransport erfolgt im Allgemeinen in Druckleitungen in Form von Heißwasser beziehungsweise Dampf. Druck und Temperatur sind je nach den gegebenen Bedingungen gestaffelt und durch Optimierungsrechnung fixiert.

Fernwettkampf: sportlicher Wettbewerb, meist mit Punktwertung, zwischen Teilnehmern an verschiedenen Orten.

Fernwirktechnik, Telemechanik: Oberbegriff für Verfahren und Einrichtungen der Fernmess-, Fernsteuerungs- und Fernregelungstechnik. Die Fernwirktechnik ist Bestandteil der Automatisierungstechnik und dient der Erzeugung, Übertragung, Verarbeitung und Nutzung von Fernwirksignalen zwecks zentraler Überwachung, Steuerung und Regelung räumlich dezentralisierter technischer oder technologischer Einrichtungen.

Fernwirkungstheorie: physikalische Theorie, nach der sich die Kraftwirkung zweier physikalischen Systeme aufeinander (zum Beispiel 2 sich anziehende Massen oder 2 elektrische Ladungen) augenblicklich über beliebig große Entfernungen hin ausbreitet. Die Fernwirkungstheorie wurde durch die Nahwirkungstheorie (Feldtheorie) überwunden; statischer oder langsam veränderlicher Felder lassen sich jedoch mit ihr beschreiben.

Ferrara: Stadt in Oberitalien (Region Emilia Romagna), Verwaltungszentrum der Provinz Ferrara, am unteren Po; 155000 Einwohner; petrolchemische, Kunststoff-, Seifen-, Holz- und Nahrungsmittelindustrie; Verkehrsknoten; Universität (seit 1391); Museum. Dom (12./14. Jahrhundert) mit Kampanile (15. Jahrhundert), gotisches Kastell (Backstein), zahlreiche Renaissancekirchen und -paläste. Ferrara kam 1208 an die Este, war im 15. und 16. Jahrhundert ein Mittelpunkt der italienischen Renaissance; Hochburg des Risorgimento, seit 1860 beim Königreich Italienische Geburtsort von Savonarola.

Ferraris, Galileo, 31.10.1841-7.2.1897, italienischer Physiker und Elektrotechniker, Begründer der praktischen Wechselstromtechnik, wies auf die Bedeutung des Drehstroms hin, gab unter anderem ein nach ihm benannt Messinstrument an.

Ferraris-Motor: (nach G. Ferraris) elektrischer Kleinstmotor, der nach dem Induktionsprinzip wie die Asynchronmaschine arbeitet, anstelle der Läuferwicklung aber einen leitfähigen Hohlzylinder aufweist und als Stellmotor sowie im Ferraris-Messwerk von Induktionszählern eingesetzt wird.

Ferredoxine: (Kunstwort) Gruppe der einfachen Eisen-Schwefel-Proteine. Im Stoffwechsel übernehmen Ferredoxine Funktionen als Elektronenüberträger zwischen Enzymsystemen.

Ferrimagnetismus: Erscheinung, dass sich in bestimmten Festkörpern (Spinell, Granat) die Elementarmagnete verschiedener benachbarter Gitterbausteine antiparallel zueinander einstellen, so dass sich die (ungleichen) magnetischen Momente der verschiedenen Untergitter teilweise kompensieren. Ferrimagnetika verhalten sich unterhalb der Neel-Temperatur nach außen wie Ferromagnetika, oberhalb davon paramagnetisch. Siehe auch Ferrite.

Ferrit: Gefügeart in Eisenlegierungen, die unterhalb von 911 °C beständig ist und aus kubisch-raumzentrierten Kristallen des a-Eisens beziehungsweise des a-Eisenmischkristalls besteht.

Ferritin: eisenspeicherndes Protein in Leber, Milz, Darmmukosa und Knochenmark.

ferritischer Stahl: Stahl, der von der Erstarrung aus der Schmelze bis zur Abkühlung auf Raumtemperatur ohne Gefügeumwandlung als Ferrit vorliegt. Der Bereich des sonst bei höheren Temperaturen vorliegenden Austenits wird bei Raumtemperatur durch Legieren mit mindestens 13% Chrom erreicht. Ferritisches Stahl ist korrosions- und mit über 20% Chrom zunderbeständig.

Ferritkern: magnetisches Bauelement auf Ferritbasis mit im Allgemeinen ringförmiger Gestalt; wird in der digitalen Technik als Schalt- und Speicherelement mit 2 stabilen Zuständen (positive und negative remanente Magnetisierung) eingesetzt.

Ferroelektrizität, Seignette-Elektrizität (nach einem französischen Apotheker): Eigenschaft bestimmter Stoffe (Tartrate (zum Beispiel Seignettesalz), Phosphate, Titanate, Bleizirkonate), ihre elektrische Polarisation nach Abschalten des verursachenden elektrischen Feldes beizubehalten. Ferroelektrika sind daher das elektrische Analogon zu den ferromagnetischen Stoffen und zeigen wie diese Hysterese. Sie sind piezoelektrisch (Piezoelektrizität) und haben hohe relative Dielektrizitätskonstanten, die von Temperatur und elektrische Feldstärke abhängen. Bei einer stoffspezifischen Temperatur, dem Curie Punkt, verschwindet die Ferroelektrizität Ferroelektrika werden zum Beispiel für Kondensatoren großer Kapazität, für Piezobauelemente und elektrooptischer Wandler verwendet. Siehe auch Dielektrikum.

Ferrolegierungen: Eisenvorlegierungen mit großem Anteil anderer Metalle hauptsächlich zur Herstellung von Stählen und Gusseisen; die wichtigsten sind Ferromangan (20 bis 90 % Mangan), Ferrosilizium (bis 90% Silizium), Ferrochrom (bis 90 % Chrom), Ferroaluminium (10 bis 20 % Aluminium), Ferromolybdän (bis 85 % Molybdän), Ferrovanadin (bis 80 % Vanadin), Ferrotitan (bis 45 % Titan).

Ferromagnetismus: Eigenschaft bestimmter Stoffe, der Ferromagnetika (zum Beispiel Eisen, Kobalt, Nickel), in einem Magnetfeld eine um mehrere Zehnerpotenzen größere Magnetisierung zu erfahren als dia- oder paramagnetische Stoffe. Die Magnetisierung hängt außer von der Feldstärke auch von der Vorbehandlung des Stoffes ab (siehe auch Hysterese). Oberhalb einer bestimmten Temperatur, dem Curie-Punkt, verhalten sich diese Stoffe paramagnetisch. Der Ferromagnetismus ist keine Eigenschaft einzelner Atome, sondern tritt nur in Festkörpern auf, in denen die Parallelstellung der magnetischen Momente der Atome energetisch begünstigt ist. Ein Ferromagnetikum besteht aus einer Vielzahl von Domänen (Weißsche Bezirke) von 1 (jm Durchmesser, die spontan in einer von Domäne zu Domäne wechselnden Vorzugsrichtung magnetisiert sind. Ein äußeres Magnetfeld dreht die Magnetisierung beziehungsweise klappt sie bei genügender Stärke diskontinuierlich in Feldrichtung ((Barkhausen-Sprünge), so dass in dem vorher als Ganzes unmagnetischer Stoff eine makroskopische Magnetisierung entsteht.

Ferroskop: geophysikalisches Nachweisgerät für verborgene Eisenmassen. Das Ferroskop beruht auf elektromagnetische Induktion und Verstimmung eines Schwingungskreises mit beweglicher Sonde und Vergleichsspule. Die Tiefenreichweite beträgt einige Dezimeter.

Ferrocen, Ferrozen: eisenorganische Verbindung der Formel Fe(C5H5)2. Ferrocen ist orangefarben, kristallin, sehr beständig und in organischen Lösungsmitteln löslich; F173 °C. Die Ferrocen Moleküle haben «Sandwich-Struktur», das heißt das Metallatom beziehungsweise -ion liegt zentral zwischen zwei parallel übereinander gelagerten, flächigen Ringmolekülen, im vorliegenden Fall vom Cyclopentadien, C5H5. Analog gebaute Verbindungen sind auch von anderen Metallen bekannt (Metallocene).

Ferse: hinterer Teil des menschlichen Fußes. Die knöcherne Grundlage bildet das Fersenbein (Calcaneus), der größte Fußwurzelknochen.

Fersensporn, Calcaneusspom: domartiger Auswuchs am Fersenbein im Bereich einstrahlender Sehnen (Achillessehne, Fußsohlenband) als Überlastungsfolge.

Fertigbauteil: in Vorfertigungsbetrieben in Serie hergestelltes Bauelement für das industrielle Bauen.

Fertigerzeugnis, Fertigware: absatzfähiges materielles Ergebnis des Produktionsprozesses, das aus betriebseigenem oder zur Verfügung gestelltem Material hergestellt wurde. Siehe auch Erzeugnis.

Fertiggericht: industriell hergestelltes tischfertiges Gericht; als Steril- oder Gefrierkonserve gehandelt.

Fertiggewicht: Nettoverbrauch an Material für die Herstellung eines Erzeugnisses beziehungsweise für das Erbringen einer Leistung.

Fertigkeiten: Komponenten der bewussten Tätigkeit des Menschen, seiner Bewegungsformen und seiner Handlungen, die ohne aktive Kontrolle durch sein Bewusstsein verlaufen können. Die Reaktivierung der Bewusstseinskontrolle erfolgt erst im Bedarfsfall bei Fehlern im Bewegungsablauf. Fertigkeiten kennzeichnen das Können des Menschen, werden empirisch oder systematisch durch praktische Tätigkeit und durch Übung erworben.

Fertigrasen: mehr oder minder große Rasenstücke (Rasensoden, -bahnen oder -matten), die mit ihrem Hauptwurzelhorizont abgeschält wurden und als Bauteile für Grünanlagen einsetzbar sind. Siehe auch Rasen.

Fertigungsanstrich: überschweißbare Grundierung, die während des Fertigungsprozesses aufgetragen und nach Fertigstellung der Erzeugnisse zum Anstrichsystem komplettiert werden kann.

Fertigungsart: Art und Weise der Herstellung von Erzeugnissen. Grundsätzlich werden unterschieden nach dem Anteil der individuellen Arbeitskraft handwerklicher Fertigung und maschinelle Fertigung, nach dem Produktionsumfang gleicher Erzeugnisse Einzel-, Serien- und Massenfertigung, wobei die Grenzen zwischen der Fertigungsart unscharf sind. In einem Industriebetrieb können für unterschiedliche Erzeugnisse mehrere Fertigungsart nebeneinander bestehen. Von der Fertigungsart hängen Struktur und Organisation der Produktionseinrichtungen ab.

Fertigungshilfsstoffe: Substanzen aller Aggregatzustände, die ein technisches Verfahren unterstützen oder ermöglichen. Fertigungshilfsstoffe für die spanende und spanlose Metallbearbeitung sind Fluids (Metallbearbeitungs Fluids), Emulsionen (zum Beispiel Bohröl, Schneidflüssigkeiten), Öle (zum Beispiel Schleif- und Schneidöle), Pasten (zum Beispiel Schleif- und Polierpasten), Fette und Festschmierstoffe. Fertigungshilfsstoffe für Gefügeumwandlungen sind Härte- und Vergütungsflüssigkeiten (zum Beispiel Härteöl). Fertigungshilfsstoffe für Elektroerosiv Bearbeitung heißen Elektroerosiv Flüssigkeiten.

Fertigungsmaß: Maß, das für die Fertigungsvorbereitung, Fertigung und Prüfung von Erzeugnissen notwendig ist, und für das auch die zulässige Toleranz angegeben werden muss. Werden das in der technischen Zeichnung enthaltene Fertigungsmaß und die Toleranz nicht eingehalten, ist das Erzeugnis unbrauchbar.

Fertigungsmaterial: das zur Herstellung eines Erzeugnisses direkt verbrauchte Grund- und Hilfsmaterial.

Fertigungsmittel: alle im Fertigungsprozess benötigten und zu seiner Rationalisierung dienenden Werkzeugmaschinen, Vorrichtungen (Werkstück- und Werkzeugspanner), Werkzeuge, speziellen Prüfmittel (Prüfvorrichtungen, Lehren), Zuführ- und Handhabeeinrichtungen unter anderem, die entweder handelsüblich sind oder für den jeweiligen Bedarfsfall besonders konstruiert und hergestellt werden.

Fertigungsprinzip: grundlegende Organisationsform des Fertigungsprozesses, der zufolge die Fertigungseinrichtungen (Maschinen, Anlagen unter anderem) und Arbeitsplätze in bestimmter Weise räumlich angeordnet sind (räumliche Struktur). Bei der verfahrensspezialisierten Fertigung (Werkstattprinzip) sind die Fertigungseinrichtungen und Arbeitsplätze gleichartiger Fertigungsverfahren zur Bearbeitung verschiedener Arbeitsgegenstände räumlich zusammengefasst. Bei der gegenstandsspezialisierten Fertigung (Gegenstands-, Erzeugnisprinzip) sind die Fertigungseinrichtungen und Arbeitsplätze verschiedener Fertigungsverfahren zur Bearbeitung gleichartiger Arbeitsgegenstände räumlich zusammengefasst und organisatorisch miteinander verkoppelt, wobei zwischen Nest-, Reihen- und Einzelplatzstruktur unterschieden wird. Mit wachsender Automatisierung bildet sich als modernes Fertigungsprinzip die zentrale integrierte Fertigung (Abkürzung ZIGF) heraus. Ihr Kennzeichen ist die unmittelbare Verkettung (Integration) zwischen Haupt- und Hilfsprozessen unter dem Aspekt einer durchgängigen Automatisierung.

Fertigungsprozess: Gesamtheit der unmittelbar aufeinander folgenden Arbeitsvorgänge zur geplanten, schrittweisen Veränderung der geometrische Form, Abmessungen, Werkstoffeigenschaften und Oberflächenbeschaffenheit eines Arbeitsgegenstandes durch Anwendung der Fertigungstechnik.

Fertigungstechnik: Gesamtheit aller materiellen Elemente (Werkzeugmaschinen, Vorrichtungen, Werkzeuge) und aller Verfahren, die zur Fertigung geometrisch bestimmter, mechanisch nutzbarer fester Körper verschiedenster Art dienen.

Fertigungsverfahren: Gesamtheit der Verfahren, mit denen eindeutig definierte Körper geschaffen und schrittweise in Richtung auf ihren Fertigzustand verändert werden. Ihrem Charakter entsprechend werden die zahlreichen Fertigungsverfahren nach bestimmten Merkmalen in die Hauptgruppen Urformen, Umformen, Trennen, Fügen, Beschichten, Stoffeigenschaftsändern eingeteilt. Die Hauptgruppen Urformen und Umformen wurden früher unter dem Begriff spanloses Formen, die Hauptgruppen Beschichten und Stoffeigenschaftsändern unter der Bezeichnung Veredeln zusammengefasst. Das Trennen wurde mitunter als spannendes Formen dem spanlosen Formen gegenüber gestellt.

Fertigungszelle: durch zahlreiche Zusatzaggregate komplettierte automatische Werkzeugmaschine, die einen mehrschichtigen Betrieb ohne Bedienung ermöglicht und modular in größere automatisch arbeitende Fertigungssysteme eingegliedert werden kann. Zur automatischen Funktion gehören außer der Programmschalt- und Steuereinrichtung die Werkstück-, Werkzeug-, Messzeug-, Vorrichtungs- und Fertigungshilfsstoff Bereitstellung, die Handhabung innerhalb der Fertigungszelle (zum Beispiel mit Industrieroboter) sowie die Ausgabe der Fertigungsabfallstoffe und -hilfsstoffe. Messsysteme und Sensoren zur Qualitätskontrolle, Betriebsdatenerfassung und Fehlerdiagnose bei Störungen und Havarien sind dabei unentbehrliche Ergänzungen. Siehe auch modulare Bauweise.

Fessel: Teil des Huftierfußes; liegt im Bereich des obersten Zehengelenkes (Fußgelenk, beim Pferd auch Köte genannt) und des ersten Zehengliedes (Fesselbein).

Festfressen: Maschinenbau durch Festkörperreibung bei Ölmangel eintretendes Kaltverschweißen der Kontaktflächen relativ zueinander bewegter Maschinenteile; führt zu schweren Maschinenschäden.

Festigkeit: Widerstand, den ein Werkstoff seiner Trennung entgegensetzt; abhängig von der Belastungsart (Zug-, Druck-, Biege-, Scher-, Verdrehfestigkeit) und vom zeitlichen Verlauf der Beanspruchung (statische und dynamische Festigkeit), Siehe auch Festigkeitsprüfung.

Festigkeitslehre: Teilgebiet der technischen Mechanik, dessen Aufgabe es ist, für einen belasteten Körper gegebener Gestalt den Spannungszustand zu bestimmen. Die Festigkeitslehre liefert die Berechnungsgrundlagen für die Dimensionierung von Bauteilen unter Berücksichtigung der geforderten Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Ausgehend von den angreifenden Kräften und den maximal zulässigen Spannungen, werden die erfordert. Querschnittsflächen berechnet.

Festigkeitsprüfung: Teilgebiet der Werkstoffprüfung zur Bestimmung der Werkstoffkennwerte, deren Kenntnis die Voraussetzung für die Berechnungsmethoden der Festigkeitslehre bildet und die Kontrolle der in Werkstoffstandards geforderten Eigenschaften gewährleistet. Bei der statischen Festigkeitsprüfung wird die Beanspruchung langsam gesteigert oder konstant gehalten. Häufigstes Verfahren dafür ist der Zugversuch (Zerreißversuch), bei dem ein in eine Prüfmaschine eingespannter Probestab einer gesteigerten Zugkraft bis zum Bruch ausgesetzt wird. Ermittelt werden die Zugfestigkeit, die Fließgrenze (beim Zugversuch als Streckgrenze bezeichnet), die Bruchdehnung (nach Zusammensetzen der Probenteile gemessene Längenänderung, bezogen auf die vor dem Versuch markierte Messlänge in %) und die Brucheinschnürung (an der Bruchstelle eingetretene Querschnittsänderung, bezogen auf den Ausgangsquerschnitt in %). Der Verlauf des Zugversuches wird im Beanspruchungs-Dehnungs-Diagramm dargestellt. Beim Druckversuch werden prismatische oder zylindrische Probekörper zwischen den Druckplatten einer Prüfmaschine stetig zunehmender Druckbeanspruchung ausgesetzt. Bei spröden Werkstoffen (Beton, Ziegel, Gusseisen mit Lamellengraphit) ist die Beanspruchung im Augenblick des Bruches die Druckfestigkeit. Bei zähen Werkstoffen kommt es nicht zum Bruch; für diese wird nur die Fließgrenze ermittelt. Weitere analoge Verfahren zur Ermittlung der entsprechend Festigkeiten sind Biegeversuch, Scherversuch, Verdreh- (Torsions-) Versuch und Zeitstandversuch. Die dynamische Festigkeit wird im Dauerschwingversuch und Schlagversuch ermittelt.

Festigungsgewebe: Dauergewebe der Pflanzen aus Zellen mit verstärkten, oft verholzten Wänden; verleiht der Pflanze Biege-, Druck-, Stand- und Zugfestigkeit. Wirtschaftliche Bedeutung haben zum Beispiel Holz und die Fasern von Flachs und Hanf.

Festkörper: Stoff im kondensierten Zustand, der eine feste Gestalt und ein festes Volumen besitzt. Der Existenzbereich der Festkörper wird nach höheren Temperaturen hin begrenzt durch den Übergang in den flüssigen Aggregatzustand. In Festkörper führen die Bausteine (Atome, Moleküle oder Ionen) kleine Schwingungen um fixierte Gleichgewichtslagen aus. Man unterscheidet kristalline Festkörper (Kristall) mit regelmäßiger, streng periodische Anordnung von amorphen Festkörpern (amorphe Stoffe) mit regelloser Anordnung der Bausteine. Wegen ihrer mechanischen, elektrischen und magnetischen Eigenschaften finden Festkörper Anwendung als Werkstoffe, zum Beispiel im Maschinenbau, in der Elektrotechnik und Elektronik. Besondere Bedeutung haben die Halbleiter als Werkstoffe der Mikroelektronik.

Festkörperlaser: optisch gepumpte Laser, bei denen als aktives Medium dielektrischer Kristalle dienen, die mit bestimmten Fremdionen in geringer Konzentration dotiert sind. Am meisten verwendet wird Rubin (Aluminiumoxid mit dreiwertigen Chromionen), der als Stab im Festkörperlaser eingesetzt wird.

Festkörperphysik: Teil der Physik, der die Struktur und die physikalischen Eigenschaften der Festkörper untersucht. Eine der wichtigsten Aufgaben der Festkörperphysik besteht in der Klärung des Zusammenhangs zwischen physikalischen Eigenschaften und Realstruktur der Festkörper, das heißt in der Untersuchung des Einflusses der Gitterfehler auf die physikalischen Eigenschaften mit dem Ziel, Festkörper mit gewünschten Eigenschaften herzustellen, zum Beispiel technische Stähle, Halbleiter oder Supraleiter. Wichtige Forschungsrichtungen der Festkörperphysik sind Tieftemperatur-, Halbleiter-, Hochdruckphysik, die Physik dünner Schichten, der Laser und Maser, des Festkörpermagnetismus.

Festkörperschaltkreis: Mikroelektronik eine vollständige Schaltung darstellende integrierte Anordnung gemeinsam gefertigter aktiver und passiver Bauelemente auf oder (beziehungsweise und) in einem Halbleitersubstrat. Siehe auch Integrationsgrad.

Festkörperspurendetektor: kernphysikalisches Nachweisgerät. Geladene schwere Teilchen (zum Beispiel Alphateilchen, Spaltbruchstücke) hinterlassen beim Durchgang in Festkörpern (Kristalle, Gläser oder Plaste) Spuren, die zunächst unsichtbar sind, jedoch durch eine geeignete Entwicklung (Ätzung) sichtbar gemacht werden können.

Festlandsockel: 1. Festlandsockel, Kontinentalsockel: Geologie - der unter dem Meeresspiegel liegende Rand der Kontinente, der sich von der Küste bis etwa 200 m Wassertiefe erstreckt.

2. Festlandsockel, Kontinentalschelf: Völkerrecht - Meeresboden und Untergrund der Unterwassergebiete außerhalb der Territorialgewässer, dessen Naturschätze zu erforschen und auszubeuten zu den Hoheitsrechten des jeweiligen Küstenstaates gehört. Der Festlandsockel darf nicht weiter als entweder 350 Seemeilen seewärts der Küstenlinie oder bis zu 100 Seemeilen jenseits der 2500-m-Wassertiefenlinie festgelegt werden.

Festmeter, Zeichen fm: traditionelle forstwirtschaftliche Maßeinheit für das Holzvolumen von Bäumen und Waldbeständen beziehungsweise von aufgearbeitetem Rohholz. 1 fm = 1 m3 fester Holzsubstanz. Heute durch die SI-Einheit Kubikmeter abgelöst.

Festnahme, vorläufige: strafprozessuale Zwangsmaßnahme, die bei Vorliegen der Voraussetzungen für den Erlass eines Haftbefehls oder wenn Gefahr im Verzüge ist, durch Staatsanwalt oder Untersuchungsorgan getroffen wird. Wenn der Täter auf frischer Tat angetroffen oder verfolgt wird und der Flucht verdächtig ist oder seine Personalien nicht sofort festgestellt werden können, ist eine vorläufige Festnahme auch durch jeden Bürger zulässig. Siehe auch Verhaftung.

Feston: Ornament in Form einer bogenförmigen Hängegirlande aus Blüten, Blättern, Früchten, oft von Bändern umwunden; ursprünglich in der Antike in natürliche Form als Gebäudedekoration verwendet, Wiederverwendung als plastische Dekorationsform besonders in Renaissance, Barock und Klassizismus.

Festpreis: einheitlicher und für einen längerfristigen Zeitraum unverändert. Preis für Erzeugnisse in einer bestimmten Ausführung.

Festpunkt: Anschlusspunkt für geodätischen Aufgaben, der im Gelände dauerhaft vermarkt und nach Lage und Höhe bestimmt ist, zum Beispiel ein trigonometrischer Punkt.

Festscheibe: Riemenscheibe einer Transmission mit Flachriemen, die mit der Welle fest verbunden ist und zur Übertragung der Riemenkräfte auf die Welle dient. Die Befestigung auf der Welle erfolgt meist mit Passfeder oder Ringfederspannelement. Die Losscheibe ist im Gegensatz dazu drehbar auf der Welle gelagert und dient zur Aufnahme des Flachriemens bei Abschaltung der anzutreibenden Maschine.

Festschrift: Publikation zum Jubiläum einer gesellschaftlichen Institution (Jubiläumsschrift) oder zu Ehren einer bedeutenden Persönlichkeit und bestimmter Ereignisse.

Feststellungsklage: Klage im Zivilprozess, mit der eine Entscheidung darüber begehrt wird, ob ein bestimmtes Rechtsverhältnis besteht oder nicht, oder ob eine Urkunde echt oder unecht ist. Eine Feststellungsklage ist nur zulässig, wenn eine Leistung noch nicht verlangt werden kann und ein rechtliche Interesse an alsbaldiger Feststellung besteht, zum Beispiel Klage auf Feststellung der Vaterschaft.

Festung, veraltet Feste, Veste: stark befestigter, zur Rundumverteidigung eingerichteter, militärisch bedeutender Ort (oft Stadt); soll stärkster Feuereinwirkung und langer Belagerung (Blockade) standhalten. Mit Einführung der Kernwaffen verloren die Festungen ihre ursprüngliche Bedeutung.

Festungshaft: besondere Form der Freiheitsstrafe im Deutschland.

fetal: (lateinisch) zur Leibesfrucht (Fetus) gehörig.

Fete: Fest; Gastmahl, Festschmaus.

Fethiye: Stadt im Südwesten der Türkei, am Mittelmeer; 18000 Einwohner; Ausfuhrhafen für Chrom- und Manganerz des benachbarten Berglandes, Verkehrsknoten.

Fetischismus: 1. politische Ökonomie: die Tatsache, dass in der Warenproduktion eine Verkehrung des Subjekt-Objekt-Verhältnisses besteht, das heißt nicht die Menschen beherrschen die von ihnen hergestellten Produkte, sondern sie werden von ihnen beherrscht. Die Bewegungen der Tauschverhältnisse der Waren, des Kapitals, der Beschäftigung, des Lohnes, des Profits, des Zinses (Waren-, Geld-, Kapital-, Zinsfetischismus) und der Grundrente erscheinen als geheimnisvolle Naturgesetze, die sich der Beeinflussung durch die Lohnarbeiter und die Kapitalisten entziehen («Geld regiert die Welt»). Der Fetischismus ist jedoch eine Erscheinungsweise der auf dem Privateigentum beruhenden ökonomischen Gesetze.

2. Psychologie: abnormes Sexualverhalten (Perversion); Körperteile und Gegenstände des Geschlechtspartners (Haare, Kleidungsstücke) werden zum Gegenstand sexueller Erregung und Befriedigung.

3. Völkerkunde: Glaube an geheimnisvolle, übernatürliche Kräfte natürlicher oder künstlicher lebloser Gegenstände (Fetisch; übertragen so viel wie Talisman), die bei manchen Naturvölkern kultisch verehrt werden.

Fetographie: röntgenologische Darstellung des noch ungeborenen Kindes nach Einbringen eines fettlöslichen Kontrastmittels in das Fruchtwasser, wodurch die Körperoberfläche des Feten im Röntgenbild sichtbar wird. Die Fetographie dient in Risikofällen dem Nachweis grober Missbildungen des Kindes.

Fetopathie: Schädigung der Leibesfrucht nach Abschluss der Organentwicklung, das heißt nach dem 3. Schwangerschaftsmonat; verursacht durch Infektionen, Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind sowie Stoffwechselstörungen.

Fetoskopie: direkte Betrachtung des Feten mit einem stabförmigen optischen Instrument (Fetoskop), das durch die Bauchdecke der Mutter in die Gebärmutter eingeführt wird. Die Fetoskopie dient in Risikofällen dem Nachweis grober Missbildungen des Kindes.

Fettaldehyde: Aldehyde, die durch Reduktion von Fettsäuren hergestellt werden können. Manche Fettaldehyde, wie Nonanal (Nonylaldehyd, C8H17CHO) und Decanal (Decylaldehyd, H19CHO) riechen in konzentriertem Zustand unangenehm, in starker Verdünnung hingegen blumig-frisch und werden in der Parfümerie verwendet.

Fettalkohole: Alkohole, die sich durch Oxydation in Fettsäuren überführen lassen, zum Beispiel Dodecanol (Laurylalkohol, C12HJ5OH; F 24 °C) und Oktadecanol (Stearylalkohol, F 59 °C). Die Fettalkohole sind farblose Öle oder Feststoffe; sie werden technisch durch Hochdruckhydrierung von Fettsäuren beziehungsweise deren Estern gewonnen und zur Herstellung waschaktiver Substanzen verwendet.

Fette: feste bis flüssige, tierische, pflanzliche oder synthetische Produkte, die hauptsächlich aus Gemischen von Fettsäureglyzeriden (Estern des Glycerols mit Fettsäuren) bestehen. Meist sind alle 3 Hydroxylgruppen des Glycerols mit je einem Fettsäuremolekül verestert (Triglyzeride). In festen Fetten sind überwiegend gesättigte Fettsäuren (zum Beispiel Stearin- und Palmitinsäure, C17H35COOH beziehungsweise C15H31COOH) gebunden, in flüssigen Fetten (fetten Ölen) ein- oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren (zum Beispiel Öl-, Linol- und Linolensäure, C17H33COOH beziehungsweise C17H31COOH beziehungsweise C17H29COOH). Die fetten Öle unterteilt man je nach ihrer Eigenschaft, allmählich zu erstarren, in nichttrocknende (zum Beispiel Olivenöl), halbtrocknende und trocknende Öle (zum Beispiel Leinöl). Die Trockenfähigkeit ist umso stärker ausgeprägt, je stärker ungesättigt die gebundenen Fettsäuren sind. Durch Hydrierung lässt sich der ungesättigte Charakter mehr oder weniger stark verringern, so dass fette Öle in feste Fette übergehen (Fetthärtung). Die Naturfette sind Bestandteile tierische und pflanzliche Zellen und kommen auch in der Milch vor; sie werden vorwiegend durch Ausschmelzen, Auspressen und Extrahieren gewonnen. Pflanzenfette finden sich besonders in den Samen und im Fruchtfleisch. Die natürliche Fette enthalten neben den Fettsäureglyzeriden stets Begleitstoffe (Lipoide), zum Beispiel Phosphatide, Vitamine, Stearine, Carotine. Glyceride und Lipoide werden unter der Bezeichnung Lipide zusammengefasst. Die Fette haben eine Dichte von etwa 0,9 g/cm3. Sie sind unlöslich in Wasser, können jedoch in Gegenwart von Emulgatoren (zum Beispiel durch Wasch- und Spülmittel) emulgiert werden. Leicht lösen sich die Fette in Benzin, Benzol und Trichloräthylen (chemische Reinigung). Man verwendet die Fette und fetten Öle vorwiegend als Nahrungsmittel (Energienutzwert etwa 37,6 kJ/g), für Anstrichstoffe sowie zur Herstellung von Glyzerol und Seife.

Fettes Volk, Popolo grosso: die sogenannte sieben «alten» Zünfte, Zusammenschlüsse vermögender Bürger in oberitalienischen Stadtstaaten seit Ende des 13. Jahrhundert gegen Adel und Volksbewegung; Ausdrucksform frühkapitalistischer Beziehungen in Italien. Gegen das Fette Volk richtete sich 1378 der Aufstand der Ciompi in Florenz. Siehe auch Mageres Volk.

Fettfleckenkrankheit: Krankheit der Bohne, hervorgerufen durch das Bakterium Pseudomonas phaseolicola. Auf den Blättern, Hülsen und Samen treten hellgrüne, durchscheinende Flecke auf, die sich bei feuchtem Wetter mit weißlichem, bakterienhaltigem Schleim überziehen. Später werden sie braun, die zerstörten Gewebeteile sinken ein. Bekämpfung durch Verbrennen kranker Pflanzenteile, Verwenden gesunden Saatgutes, Anbau resistenter Sorten.

Fettgewebe: Art des Bindegewebes; Verband von Fettzellen, die durch Einlagerung von Fetttröpfchen in Retikulumzellen entstehen. Das Fettgewebe enthält das dem Fettstoffwechsel dienende Speicherfett oder das druckelastische Polster bildende Baufett.

Fetthärtung, Ölhärtung: Umwandlung flüssiger Fette (fetter Öle, Trane) in feste oder halbfeste Produkte durch Hydrierung. Hierbei leitet man bei etwa 200 °C und 200 kPa Wasserstoff durch flüssiges Fett, das feinverteiltes schwarzes Nickel als Katalysator enthält. Dadurch werden die in den Fetten gebundenen ungesättigten Fettsäuren in erforderlichem Ausmaß in gesättigte beziehungsweise weniger ungesättigte umgewandelt. Stärkere Hydrierung führt zu Hartfett, schwächere zu Weichfett; letzteres dient zur Herstellung von Margarine und Seife.

Fetthenne, Sedum: Gattung der Dickblattgewächse mit fleischigen Blättern und roten, gelben oder weißen Blüten; heimisch zum Beispiel die Große Fetthenne (S. maximum) oder der leuchtend gelbblühende Scharfe Mauerpfeffer (S. acre). Die Rosenwurz (S. rosea) ist eine auffällige Hochgebirgs- und Steingartenpflanze; viele Zierpflanzen.

Fetti, Feli, Domenico, um 1588/89-1624, italienischer Maler, tätig in Mantua und Venedig; durch die unkonventionelle Wahl seiner Sujets, besonders der kleinformatigen, als Genreszenen ausgebildeten Parabeln, wurde Fetti zu einem Wegbereiter realistischer Strömungen in der Malerei des 17. Jahrhundert.

Fettlicker: (englisch fatliquor, «Fettflüssigkeit») Lederherstellung wässrige Fettemulsion zum Fetten (Lickern) von Leder.

Fettmännchen: im 16./18. Jahrhundert niederrheinische, massenhaft geprägte Münze mit geringem Silbergehalt zu 8 Heller.

Fettreif: bei Schokolade auftretender grauer Belag von auskristallisierter Kakaobutter, der das Aussehen, nicht aber die geschmackliche Qualität beeinträchtigt.

Fettsäurekondensationsprodukte: synthetische grenzflächenaktive Substanzen der Formel R-CO-X, wobei R-COein Fettsäureradikal und X eine hydrophile Gruppe bedeuten. Fettsäurekondensationsprodukte sind zum Beispiel Acylamid-Sulfonate. Sie dienen als Waschmittel für Wolle und Seide sowie zur hautschonenden Körperpflege; auch finden sie Verwendung als Emulgatoren und zum Dispergieren von Farbstoffen.

Fettsäuren: Carbonsäuren, deren Glycerinester den Hauptbestandteil der Fette und fetten Öle bilden. Wichtige gesättigte Fettsäuren sind zum Beispiel Stearinsäure (Oktadekansäure) und Palmitinsäure (Hexadecansäure); zu den ungesättigten Fettsäuren gehören Ölsäure (Octadecensäure, sowie die mehrfach ungesättigten Fettsäuren mit Vitamincharakter («Vitamin F») Linolsäure und Linolensäure. Die Fettsäuren werden durch Verseifung von Fetten oder durch Paraffin-Oxidation gewonnen und zur Herstellung von waschaktiven Substanzen, Fettalkoholen sowie Kerzen verwendet.

Fettschweiß: bei Schafen Absonderungen der Schweiß- und Talgdrüsen, die auf der Haut eine Verbindung eingehen; dabei wird ein Teil des Talges zum Fettschweiß verseift. Fettschweiß wird in Wollwäschereien gewonnen und zur Herstellung von Salben und kosmetischen Artikeln verwendet.

Fettspaltung: hydrolytische Zerlegung von Fetten in freie Fettsäuren (beziehungsweise deren Salze, die Seifen) und Glyzerol. Die Fettspaltung erfolgt technisch durch Autoklaven Spaltung (mit Wasserdampf von 170 °C und 0,8 bis 1,0 MPa während 6 bis 10 Stunden), Säurespaltung (mit konzentrierter Schwefelsäure bei 110 °C während 1 bis 2 Stunden), Reaktivspaltung (mit Wasserdampf in Gegenwart spezieller aromatischer Sulfonsäuren) und alkalische Spaltung (Verseifung durch Kochen mit Natronlauge).

Fettsucht, Adipositas, Obesitas: abnorme Ansammlung von Körperfett mit entsprechend vermehrter Körpermasse infolge konstitutioneller Disposition, endokriner und Zwischenhirn-Erkrankungen sowie durch zu reichliche Nahrungsaufnahme (Mastfettsucht). Die Fettsucht fordert die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das Auftreten eines Diabetes mellitus.

Fetus, Fötus: Leibesfrucht; der sich im Mutterleib der Säugetiere entwickelnde Embryo. Beim Menschen wird er vom 3. Monat an als Fetus bezeichnet.

Fetzenfische, Phyllopteryx: den Seepferdchen verwandte Büschelkiemer mit bizarren Körperanhängen, die als Tarnung im Pflanzengewirr dienen; leben in den Meeren um Australien.

Feuchtblatt: äußerer Geschlechtsteil des weiblichen Schalenwildes.

Feuchten: das bei den Flachdruckverfahren erforderliche Benetzen der Druckformoberfläche mit Feuchtmittel, um

a) beim Stein-, Zink- und Offsetdruck die bildfreien Stellen farbfrei zu halten,

b) beim Lichtdruck ein fein abgestuftes Quellrelief zu erhalten.

Feuchtigkeitsschutz: konstruktive und technische Maßnahmen des Bautenschutzes gegen schädliche Einwirkung von Feuchtigkeit und Wasser auf Bauwerke und Bauteile. Der Feuchtigkeitsschutz dient der Gebrauchswerterhaltung der Bauwerke und der Verbesserung der Bauhygiene. Feuchtigkeitsschutzmaßnahmen sind Sperrungen, Dränage, Wärmeschutz und Verhinderung von Kondensatbildung an Wandflächen und Bauteilen unter anderem.

Feuchtwanger, Lion, 7.7.1884-21.12.1958, Schriftsteller, später Theaterkritiker; studierte in München und Berlin; seit 1933 im Exil, Mitbegründer der Emigrantenzeitschrift «Das Wort», lebte ab 1941 in Kalifornien. Feuchtwanger erlangte weltweite Anerkennung mit historischen humanistischen-antifaschistischen Romanen, «Die hässliche Herzogin Margarete Maultasch» (1923), «Jud Süß» (1925), «Josephus»-Trilogie (1932/1942), «Die Füchse im Weinberg» (1947/48), «Goya» (1951), «Narrenweisheit oder Tod und Verklärung des Jean-Jacques Rousseau» (1952), «Die Jüdin von Toledo» (1955), «Jefta und seine Tochter» (1957). Eine direkte Auseinandersetzung mit dem Faschismus stellt die «Wartesaal»-Trilogie dar («Erfolg», 1930; «Die Geschwister Oppermann», 1933; «Exil», 1940). Feuchtwanger schrieb auch Dramen, Erzählungen, Essays und schuf Nachdichtungen.

feudal: («Vieh», «Vermögen») das Lehnswesen betreffend; adlig, junkerlich; aristokratisch; umgangssprachlich vornehm, herrschaftlich.

feudale Abgaben: an den Feudalherrn beziehungsweise die Kirche zu entrichtende Tribute (Zehnt, Rente) der leibeigenen und abhängigen Bauern. Die feudalen Abgaben erfolgten in Natural- (Agrar- und Handwerksprodukten) oder in Geldform. Letztere wurde Ende des 17. Jahrhundert in Europa mit Ausbreitung der kapitalistischen Warenproduktion zur Hauptform.

Feudalgutstaat: Frühform des Feudalstaates (im Allgemeinen identisch mit einer Grundherrschaft), bei dem die inneren Funktionen, die der Sicherung der Klassenherrschaft des Adels dienten, von den Grundherren in ihren jeweiligen Herrschaftsbereichen weitgehend selbständig und unabhängig wahrgenommen wurden. Siehe auch Immunität 2.

Feudalherr: Vertreter der herrschenden Klasse im Feudalismus, der Eigentümer des Grund und Bodens war und von der Ausbeutung der abhängigen Bauern (Fron und Zins) lebte; übte die Gerichtsbarkeit über den Bauern aus. Feudalherr waren die Fürsten, die Vertreter des mittleren und niederen Adels und die grundbesitzende Geistlichkeit.

Feudalismus: ökonomische Gesellschaftsformation, die auf dem Eigentum der Feudalherren (Adel, Kirche) am größten Teil des Grund und Bodens und ihrer beschränkten Verfügungsgewalt über die hörigen und leibeigenen Bauern beruht. Die Klasse der Bauern, die Frondienste (Arbeitsrente) zu leisten, Naturalabgaben (Naturalrente) und später finanzielle Leistungen (Geldrente) zu entrichten hatte, wurde von der Klasse der Feudalherren ausgebeutet und unterdrückt. Neben dem feudalen Eigentum existierte im Feudalismus das individuelle Eigentum der Bauern und Handwerker an Produktionsmitteln. Der Feudalstaat diente der Erhaltung der Macht der Feudalklasse, der Unterdrückung der Bauern und Handwerker. Die herrschende Ideologie war die Religion. In den Feudalgesellschaften Europas spielte die Kirche eine besondere Rolle. Mit ihrem riesigen Grundbesitz, ihrer gut organisierten Hierarchie und ihrem geistigen Einfluss war sie die größte wirtschaftliche, politische und ideologische Macht des Feudalismus. Die christliche Religion diente dazu, den Feudalismus als gottgewollt zu rechtfertigen. Infolge der Entwicklung der Arbeitsteilung, des Anwachsens der Ware-Geld-Beziehungen und des Entstehens neuer Märkte erfuhren die Städte einen Aufschwung. In ihnen konzentrierten sich Handwerker und Kaufleute; Kooperation und Manufaktur bildeten sich heraus. Die Entwicklung der kapitalistischen Warenproduktion zersetzte die feudale Naturalwirtschaft. Die entstandene Bourgeoisie entwickelte sich zur führenden Klasse im Kampf gegen den Feudalismus und eroberte in der bürgerlichen Revolution die politische Macht. Sie stützte sich hierbei auf alle revolutionären, antifeudalen Kräfte des Dritten Standes.

Feuer: 1. Militärwesen: Hauptform des physischen Einwirkens auf den Gegner im bewaffneten Kampf; ausgeführt mit herkömmlichen Feuerwaffen, Raketenkernwaffen oder anderen Massenvernichtungsmitteln, soll das Feuer die gegnerischen Streitkräfte vernichten oder niederhalten.

2. Pyrotechnik: durch Flammenbildung gekennzeichnete Form der Verbrennung.

Feueraltäre: Kultstätten der Zoroastrier in Iran, meist auf Bergen oder Terrassen, auf denen die heiligen Feuer brannten.

Feuerbach: 1. Anselm Feuerbach, 12.9.1829-4.1.1880, Maler; Neffe von Feuerbach 3; einer der bedeutendsten Vertreter der Deutschrömer. Er übersiedelte nach mehreren Italienaufenthalten 1876 nach Venedig. Die Begegnung mit der italienischen Renaissance und der Antike bestimmte seine Hinwendung zu einer idealistischen Malerei, die nicht unbeeinflusst von neubarocken Gestaltungsprinzipien blieb. Motivisch bevorzugte Feuerbach Darstellungen zur antiken Mythologie, die Wiedergabe von Bildnissen und Landschaften.

2. Johann Paul Anselm Ritter von Feuerbach, 14.11.1775 bis 29.3.1833, Philosoph und Jurist; Gegner der historischen Rechtsschule; Vertreter genauer Anwendung des positiven Rechts gegen feudale Willkür; Schöpfer des bayerischen Strafgesetzbuchs von 1813.

3. Ludwig Feuerbach, 28.7.1804-13.9.1872, Philosoph; Sohn von Feuerbach 2; ursprünglich Anhänger Hegels, ging er später zu einem im Prinzip anthropologische Materialismus über. Von dieser Position kritisierte er die grundlegenden Dogmen der christlichen Religion sowie die idealistische Philosophie. In seinem Hauptwerk, «Das Wesen des Christentums» (1841), deckte er die psychologischen Wurzeln der Religion auf, indem er das «Geheimnis der Theologie in der Anthropologie» fand. Infolge des ahistorischen Grundzuges seines Materialismus vermochte er nicht zu den sozialen Ursachen der Religion vorzudringen. Neben der christlichen Religion bekämpfte er vor allem den als «rationale Theologie» verstandenen objektiven Idealismus Hegels, ohne jedoch die erkenntnistheoretische Bedeutung der Hegelschen Dialektik zu erfassen. Die Natur begriff Feuerbach als einen gesetzmäßigen materiellen Prozess und den Menschen als ein notwendiges Produkt desselben. Sein letztlich metaphysischer Standpunkt führte ihn zur idealistischen Betrachtung der Geschichte, deren Triebfeder er in der Veränderung des religiösen Bewusstseins sah. Zugleich konzipierte er mit der These, dass durch Verstand, Willen und Gefühl sich die harmonische Beziehung zum anderen Menschen realisiere, eine neue Religion. Der Materialismus Feuerbachs, der ideologisch die bürgerliche Revolution mit vorbereitete, wurde zu einer wichtigen theoretischen Quelle des Marxismus-Leninismus.

Feuerbachscher Kreis: (nach einem Mathematiker) Kreis bezüglich eines Dreiecks, der durch die Seitenmitten, die Höhenfußpunkte und die Mitten der oberen Höhenabschnitte geht; existiert zu jedem Dreieck. Sein Mittelpunkt liegt auf der Eulerschen Geraden durch Höhenschnittpunkt H, Schwerpunkt und Umkreismittelpunkt U und hat von H und U gleichen Abstand. Der Feuerbachscher Kreis berührt Inkreis und Ankreise des Dreiecks.

Feuerbestattung, Einäscherung: seit dem Ende der Jungsteinzeit weitverbreitete Sitte der Totenbestattung. Die Feuerbestattung erfolgt in 800 bis 1000 °C heißer Luft bis zum vollständigen Zerfall der Knochensubstanz. Voraussetzungen für die Feuerbestattung sind das Vorliegen des Bestattungsscheines und die Bestätigung durch den Krematoriums Arzt.

Feuerbeton, Feuerfestbeton: Mischung aus gekörnter Schamotte oder Korund unter anderem sowie Tonerdeschmelz- oder Portlandzement, die sich wie Beton vergießen lässt, bei normaler Temperatur hydraulisch erhärtet, thermisch hochbelastbar ist (1200 bis 1700 °C) und extremen Temperaturwechsel verträgt; verwendet zum Beispiel beim Bau von Industrieöfen.

Feuerbohrer: Gerät der in der Urgesellschaft lebenden Stämme und Völker zum Erzeugen von Feuer; ein hölzerner Stab wird in der Vertiefung eines Holzstücks so lange gequirlt, bis glimmendes Holzmehl erzeugt ist, das den bereitliegenden Zunder in Brand setzt.

Feuerdorn, Pyracantha coccinea: immergrüner, dorniger Zierstrauch (Rosengewächs) aus Südeuropa und Vorderasien, mit weißen Blüten in reich blutigen Blütenständen und leuchtend feuerroten Früchten.

feuerfeste Baustoffe: keramische Werkstoffe mit Kegelfallpunkten (Umfallen der Pyrometerkegelspitze) von 1500°C (feuerfest), 1700°C (hochfeuerfest) und 2000°C (höchstfeuerfest); zum Beispiel Schamotte-, Silika-, Korund-, Magnesitsteine.

Feuerkäfer, Pyrochroidae: Familie der Käfer mit 3 heimischen Arten. Die flachen, breiten Larven leben unter Rinde von Milben und kleinen Insekten. Die 1 bis 2 cm großen Käfer sind schwarz oder rot gezeichnet, sie sind Blütenbesucher. Der Rote Feuerkäfer (Pyrochroa coccinea) ist häufig an Waldrändern zu finden.

Feuerkitt: feuerfester Mörtel aus Schamotte- oder Magnesiapulver und Wasserglas mit Tonzusatz zur Ausmauerung von Industrieöfen.

Feuerkolben, Arisaema: Gattung der Aronstabgewächse; Knollenpflanze der subtropischen Gebiete; Blütenstand von einem bauchigen, netzförmigen oder lang geschwänzten, farbig gestreiften Hochblatt umgeben; Kalthaus- und Parkstauden.

Feuerkreuzler: französischer faschistischer Frontkämpferbund, 1928 gegründet, 1936 von der Volksfrontregierung aufgelöst. Die Feuerkreuzler arbeiteten später offen mit den faschistischen deutschen Okkupanten zusammen.

Feuerland: Archipel an der Südspitze Südamerikas mit der Hauptinsel Feuerland und zahlreichen kleineren Inseln, vom Festland durch die Magalhäesstraße getrennt; 73646km2, 17OOO Einwohner; 0,2 Einwohner/km2; der größere westliche Teil gehört zu Chile, der kleinere östliche zu Argentinien. Im Westen und Süden zieht sich die Hauptkordillere hin, die im Monte Yogan bis 2469 m aufragt; sie ist stark vergletschert, wobei die Talgletscher an der durch Fjorde stark gegliederten Küste oft das Meeresniveau erreichen. Bei ozeanischem kühlgemäßigtem Klima relativ dichte, oft von Mooren durchsetzte Buchenbestände in den unteren Gebirgslagen; im Nordosten und Osten, im Bereich der flachwellige Patagón. Tafel, ausgedehnte steppenartige Grasländer. Die Schafzucht ist mit über 4 Millionen Tieren der profilbestimmende Wirtschaftszweig, ferner Holzwirtschaft, Erdöl- und Erdgasförderung.

Feuerländer: die 3 südlichsten, kulturell und sprachlich verschiedenartigen Indianerstämme Südamerikas; Yahgan und Alakaluf nomadisierten mit Kanus entlang der Küste Feuerlands und der südlichen patagonische Inseln (Fang von Fischen und Robben, Sammeln von Vogeleiern und Muscheln); die Ona (im Innern Feuerlands) jagten mit Pfeil und Bogen Guanakos, Kleinwild und Vögel; Ende des 19. Jahrhundert von Goldsuchern und. Schafzüchtern verfolgt und durch organisierte Jagden europäischen Einwanderer nahezu ausgerottet (um 1975 vollständiges Aussterben).

Feuerleichtstein: sehr poröser feuerfester Stein, der in Industrieöfen und Feuerungen zur Wärmeisolierung eingebaut wird.

Feuerlöschanlage: Gesamtheit der stationären technischen Mittel für die Brandbekämpfung, die in ausreichender Menge gespeichertes oder aus anderen Versorgungssystemen zugeführtes Feuerlöschmittel aus speziellen Löschmittelauswurfvorrichtungen abgeben. Nach der Art der Auslösung der Feuerlöschanlage wird unterschieden zwischen automatischer Feuerlöschanlage (mit selbsttätiger Auslösung) und manueller Feuerlöschanlage (mit Handauslösung). Die Feuerlöschanlagen werden nach den zur Anwendung kommenden Feuerlöschmitteln in Wasser-, Schaum-, Kohlendioxid-, Stickstoff-, Dampf-, Halon- und Pulver-Feuerlöschanlage unterschieden.

Feuerlöschgerät: von Hand tragbares oder fahrbares Gerät für die Brandbekämpfung, das nach Inbetriebnahme Feuerlöschmittel abgibt (Kübelspritze, Handfeuerlöscher, fahrbare C02- und Pulverfeuerlöschgeräte). Feuerlöschgerät sind in Gebäuden, Räumen und Objekten jederzeit funktionsfähig und zugänglich bereitzustellen beziehungsweise werden von den Feuerwehren mitgeführt.

Feuerlöschmittel: feste, flüssige oder gasförmige Stoffe, die wegen ihrer chemischen und physikalischen Eigenschaften (Kühlung, Stickeffekt, antikatalytische Wirkung) zum Löschen eines Brandes geeignet sind. Zu den wichtigsten Feuerlöschmittel gehören Wasser, Netzwasser, Schaum, Löschpulver, Halone und Kohlendioxid.

Feuerlöschverfahren: Art und Weise der Anwendung von Feuerlöschmitteln mit den dazu erforderlichen Geräten, Anlagen unter anderem technischen Mitteln zur Bekämpfung von Bränden. Nach den zur Anwendung kommenden Feuerlöschmitteln werden Wasser-, Schaum-, Pulver-, Halon- und Gaslöschverfahren unterschieden.

Feuersalamander, Salamandra salamandra: bis 20 cm langer, schwarz-gelber Schwanzlurch feuchter Berglandschaften Mittel- und Südeuropas. Siehe auch Lurche.

Feuerschiff: in Hafenzufahrten, auf oder neben Untiefen unter anderem gefährliche Stellen verankertes Schiff (meist ohne Antrieb, zum Teil auch unbemannt) mit Leuchtfeuer als Ansteuerungs- beziehungsweise Warnzeichen; zunehmend durch Leuchttürme ersetzt.

Feuerton: keramischer Werkstoff aus einer schamottehaltigen Grundmasse mit Tonbindung und einem Überzug aus weißer Engobe.

Feuerung: Einrichtung zur optimalen Verbrennung fester, flüssiger oder gasförmiger Brennstoffe in Dampferzeugern, Gasturbinen, Industrie- und Heizungsöfen. Feuerung für feste Brennstoffe (Kohle, Holz, Torf) richten sich nach Feuerungsleistung und Brennstoffart. Für kleine Leistungen werden Planroste verwendet. Mittlere Leistungen werden mit mechanischen Rosten, zum Beispiel Schrägroste für Rohbraunkohle oder Wanderroste für Braunkohlenbriketts und Steinkohle, verwirklicht Kohlenstaub-Feuerung, bei denen die Kohle in Schläger- oder Ventilatormühlen gemahlen und über Brenner der Brennkammer zugeführt wird, sind für große Leistungen geeignet. Feuerung für flüssige Brennstoffe (zum Beispiel Heizöl) erhalten ihren Brennstoff durch Zerstäuber Brenner (Rotations-, Injektor- oder Druckzerstäubung) und Feuerung für gasförmige Brennstoffe (Generator-, Gicht-, Erdgas) durch Mischbrenner, deren Konstruktion von der Gasart bestimmt wird. Die notwendige Verbrennungsluft erhalten die Feuerung entweder ungeregelt über entsprechend Öffnungen oder geregelt über Lüfter Gebläse. Die Zugerzeugung zur Abfuhr der entstehenden Rauchgase erfolgt durch Schornstein und Saugzuggebläse.

Feuerversicherung: Versicherungsformen zum finanziellen Ausgleich von Schäden (Zerstörung oder Beschädigung von Gebäuden oder bewegliche Sachen) durch Brand, Blitzschlag und Explosion sowie von Trümmerschäden durch Luftfahrzeuge.

Feuerwachturm: 20 bis 30 m hoher, früher aus Holz, heute aus Stahl und Beton errichteter Beobachtungsturm, der mit einer Peileinrichtung und einem Telefon ausgerüstet ist. Von diesen Türmen aus werden die Wälder in Monaten mit Waldbrandgefahr überwacht. Siehe auch Waldbrand.

Feuerwaffen: Kampfmittel, bei denen die Beschleunigung des Geschosses durch die Ausdehnung komprimierter Gase erfolgt (Raketen, Artillerie- und Schützenwaffen).

Feuerwalzen, Pyrosomida: Ordnung der Manteltiere, die bis zu 4 m lange Tierstöcke aus vielen Einzelorganismen bilden und durch besondere lichtausstrahlende Zellen Meeresleuchten hervorrufen; leben in allen wärmeren Meeren. Siehe auch Manteltier.

Feuerwanzen, Pyrrhocoridae: Familie der Wanzen; heimisch nur 2 Arten; häufig die rot-schwarz gezeichnete, wärmeliebende, gesellig an Linden lebende Pyrrhocoris apterus.

Feuerwehr: zur Brandverhütung, -bekämpfung, Beseitigung von Gemeingefahren und zur Hilfeleistung ausgebildete und ausgerüstete Einheiten. Zur Feuerwehr gehören das Organ Feuerwehr (die Hauptabteilung Feuerwehr im Ministerium des Innern, die Abteilungen Feuerwehr in den dem Ministerium des Innern nachgeordneten Dienststellen sowie die Kommandos Feuerwehr in Städten und Betrieben), die örtlichen freiwilligen Feuerwehr, die den örtlichen Räten unterstehen, und die betriebt. Feuerwehr (freiwillige und Berufsfeuerwehr), die den Leitern der Betriebe, Kombinate und Einrichtungen beziehungsweise Vorsitzenden der Genossenschaften unterstellt sind. Die Mitarbeit in der freiwilligen Feuerwehr ist ehrenamtliche Tätigkeit.

Feuerwehrtechnik: Gesamtheit der Feuerwehrfahrzeuge, -anhänger, Aggregate, Geräte, Ausrüstungen und technischen Vorrichtungen der Feuerwehr. Die Feuerwehrtechnik ist mobiler Teil der Brandschutztechnik. Der Umfang und die Ausstattung mit Feuerwehrtechnik werden durch die Spezifik des Ausrücke Bereiches der Feuerwehren bestimmt.

Feuerwerkskörper: chemische-technische Erzeugnisse für zivile und militärische Zwecke, die abgebrannt, verschwelt, abgeschossen oder durch Treibsätze (Raketenantriebe) aktiviert werden; siehe auch Pyrotechnik.

Feuerwiderstand: Widerstandsfähigkeit von Baukonstruktionen gegen Feuer und Wärme für eine bestimmte Zeitspanne, während der diese Bauteile ihre Standfestigkeit unter Belastung beibehalten und eine Brandübertragung verhindern.

Feuerzangenbowle: Krambambuli (Studentensprache, zu «Kranewit», «Wacholder»), alkoholisches Heißgetränk, das mit dem Abbrennen (Abschmelzen) eines mit Alkohol (besonders Rum, Arrak) getränkten Zuckerhutes bereitet wird, der sich auf einer Feuerzange über dem Bowlengefäß befindet.

Feuerzüge: Rauchgaskanäle, in denen die Heizgase (Rauchgase) den größten Teil ihrer Wärme abgeben.

Feuillants: (nach einem Pariser Kloster (Tagungsort)) politischer Klub der Französischen Revolution, Zentrum der Großbourgeoisie und des liberalen Adels; Hauptvertreter waren unter anderem A. P. Bamave, A. T. Lameth, M. J. Lafayette. Die Feuillants trennten sich 1791 vom Jakobinerklub und verfolgten das Ziel, die Revolution nach der Annahme der großbürgerliche Verfassung von 1791 und der Errichtung der konstitutionellen Monarchie zu beenden. Nach dem Sturz der Monarchie (10.8.1792) von den Republikanern unterdrückt.

Feuillet, Octave, 11.8.1821-29.12.1890, französischer Romancier und Dramatiker; Modeschriftsteller des Zweiten Kaiserreiches; verfasste unter anderem mondäne und romaneske Komödien.

Feuilleton: (französisch, «Blättchen») 1. unterhaltender Teil einer Zeitung, enthält unter anderem Rezensionen, Notizen über Kunst und Literatur, literarische (Erzählungen, Fortsetzungsromane unter anderem) und belehrende Beiträge; in der sozialistischen Presse zum Kulturteil entwickelt; auch der einzelne Beitrag.

2. literarisch-journalistische Kurzform, die aktuelle Probleme in oft überraschender Betrachtungsweise erhellt und das Urteil des Autors meist in einer Pointe bietet; enge Beziehung unter anderem zu Bericht, Glosse, Kurzgeschichte.

Feynman, Richard Phillips, geboren 10.5.1918, US-amerikanischer Physiker; arbeitete über Quantenelektrodynamik und Elementarteilchenphysik.

Feynman-Diagramm, Feynman-Graph: graphische Darstellung der Zerfalls- und Streuprozesse von Elementarteilchen durch Vertices, das heißt Punkte, in denen eine Wechselwirkung stattfindet, und im Allgemeinen gerichtete innere beziehungsweise äußere Linien, die 2 Vertices verbinden und virtuelle Teilchen repräsentieren beziehungsweise frei enden und reale Teilchen repräsentieren. Im abgebildeten Feynman-Diagramm bedeutet eine ausgezogene Linie mit Pfeil in beziehungsweise entgegen der Zeitrichtung ein Elektron beziehungsweise ein Positron, eine Wellenlinie bedeutet ein emittiertes oder absorbiertes Photon. Dem Feynman-Diagramm entsprechen exakte mathematische Ausdrücke der Quantenfeldtheorie.

Fiale: schlankes gotisches, spitz auslaufendes Türmchen über Strebepfeilern oder an Wimpergen.

Fiasko: (französisch italienisch) starker Misserfolg; Zusammenbruch.

Fibel: 1. Fibel (lateinisch griechisch) bebildertes Lesebuch für Schulanfänger; auch allgemeinverständliches Elementarbuch überhaupt, zum Beispiel Sportfibel, Bienenfibel.

2. Fibel: seit der Bronzezeit bekannte, aus Bronze, Eisen beziehungsweise Edelmetall gefertigte Spange oder Gewandnadel, die zum Zusammenhalten der Kleidung von Männern und Frauen sowie als Schmuck diente.

Fibonaccische Zahlenfolge: (nach Leonardo Fibonacci) Folge der Zahlen 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, ... mit der Eigenschaft, dass stets die Summe aus einer Zahl und der vorhergehenden die folgende ergibt.

Fibrillen: mikroskopisch sichtbare, feine Fäserchen unterschiedlicher Natur in Zellen; zum Beispiel Myo-Fibrillen mit kontraktilen Eigenschaften in Muskelzellen.

Fibrillieren: Aufspalten von Plastikfolien (zum Beispiel durch eindrückende Nadelwalzen) zu faser- oder netzartigen Gebilden, die zum Beispiel zu Folie Faserstoffen weiterverarbeitet werden.

Fibrin: unlösliches, quervernetztes Protein, das aus dem löslichen Fibrinogen durch die Wirkungen von Thrombin und Transglutaminase entsteht und zur schnellen Blutgerinnung und damit zum Wundverschluss beiträgt.

Fibrinolyse: Vorgang der Auflösung von Fibringerinnseln im Blutgefäßsystem, in Blutergüssen, in entzündlichen Absonderungen unter anderem durch das eiweißspaltende Blutenzym Plasmin (Fibrinolysin). Dabei entstehen ungerinnbare Fibrinspaltprodukte, die ihrerseits eine weitere Fibrinbildung hemmen. Im gesunden Organismus steht das Fibrinolysesystem im Gleichgewicht mit dem Blutgerinnungssystem und verhindert zum Beispiel die Ausbreitung örtlicher Blutstillungsgerinnsel nach Verletzungen. Krankhaft gesteigerte Fibrinolyse (Hyperfibrinolyse) kann zu bedrohlichen Blutungen führen. Die Fibrinolysetherapie, zum Beispiel mit dem Fibrinolyse-Aktivator Streptokinase, dient der Gerinnsel Auflösung bei Embolie und Thrombose.

Fibrinolytika: Stoffe, die eine Fibrinolyse bewirken, zum Beispiel Streptokinase.

Fibrom: gutartige Bindegewebegeschwulst.

Fibromatose: geschwulstartige Wucherung des Bindegewebes; bei Kaninchen virusbedingt.

Fibrose: meist entzündlich bedingte Bindegewebevermehrung, zum Beispiel Lungenfibrose.

Fibrozyten, Flügelzellen: spindelförmige, langgestreckte Bindegewebezellen mit mehreren Fortsätzen.

Fichte, Picea: Gattung immergrüner, einhäusiger Nadelhölzer (Kieferngewächse), fast ausschließlich auf der nördlichen Erdhalbkugel verbreitet; erreicht im Gebirge und zum Teil auch im Norden die Waldgrenze. Die Fichte hat vierkantige, kurzgestielte Nadeln; die hängenden Samenzapfen fallen als Ganzes ab. Wälder bildet in Nord- und Mitteleuropa die Gemeine Fichte (Rottanne, P. abies). Die Fichte ist die Wirtschaftsholzart der Mittelgebirge; es wird jedoch aus Gründen der Betriebssicherheit (vorbeugend gegen Sturm- und Insektenkalamitäten) Mischung mit anderen Holzarten angestrebt. Fichtenholz wird im Bergbau, in der Zellstoff- und Bauindustrie verwendet; die Rinde dient der Gerbstoffgewinnung. In Gärten und Parks wird häufig die anspruchslose Stechfichte (P. pungens) aus Kalifornien angepflanzt, eine Abart ist die Blaufichte mit blauer bis silberweißer Benadelung. Die sehr schlanke Omorika-Fichte (P. omorika) wächst in den Gebirgen Jugoslawiens; aus Nordamerika stammt die Sitka-Fichte (P. sitchensis), eine gegen Seewind unempfindliche Art.

Fichte, Johann Gottlieb, 19.5.1762-29.1.1814, Philosoph; Vertreter der klassischen deutschen Philosophie. Von I. Kant ausgehend, suchte Fichte unter Eliminierung des Dings an sich einen subjektiven Idealismus dialektisch zu begründen (das Ich setzt das Nicht-Ich, das Subjekt das Objekt in einer ursprünglich «Tathandlung»). Fichte entwickelte Ansätze einer geschichtlichen Subjekt-Objekt-Dialektik, wobei er nicht nur Züge der Widerspruchsdialektik überhaupt aufdeckte, sondern auch den Entwicklungsprozess der philosophischen Kategorien darzustellen suchte («Wissenschaftslehre», 1794). Erkenntnistheoretisch übte er einen großen Einfluss auf W. J. Schelling und G. W. Hegel aus. Fichte verteidigte die Französische Revolution (auch zur Zeit der Jakobinerdiktatur) und kritisierte scharf den Feudalabsolutismus. Seine Weltanschauung weist atheistische Momente auf. Sozialtheoretisch forderte er eine durch das Volk geschaffene Staatsverfassung, die allein den Frieden garantieren könne; von dieser Position trat er auch entschieden gegen die französische Fremdherrschaft auf («Reden an die deutsche Nation», 1807/08). Sein utopisches Staatsideal kommt, in der Schrift «Der geschlossene Handelsstaat» (1800) und in seinen zukunftsweisenden Gedanken über eine von Standesprivilegien freie staatliche Nationalerziehung zum Ausdruck.

Fichtennadelöl: Sammelname für ätherische Öle aus Koniferennadeln, zum Beispiel sibirisches Fichtennadelöl und Edeltannennadelöl. Die Fichtennadelöl enthalten Bornylacetat als Hauptgeruchsträger und werden in der Parfümerie, in Badezusätzen, Luft Verbesserern sowie Inhalationsmitteln verwendet.

Fichtenrüssler: Sammelbezeichnung für verschiedene kleine, braune oder schwarze Rüsselkäfer der Gattungen Pissodes und Otiorrhynchus; Käfer durch Nadelfraß, Larven durch Wurzel- oder Rindenfraß an Fichte und Kiefer schädlich.

Fichtenspargel, Ohnblatt, Monotropa hypopitys: zu den Fichtenspargelgewächsen gehörende blattgrünfreie Saprophyt Pflanze mit blassgelbem Blütenstand und Schuppenblättern; lebt in Symbiose mit Pilzen; in Nadel- und bodensauren Laubwäldern vorkommend.

Fichu: vom gekreuztes oder gebundenes Brusttuch aus Batist oder Spitze in der Frauenmode Ende des 18. Jahrhundert; heute noch in Volkstrachten.

Ficino, Marsilio, 19.10.1433-1.10.1499, italienischer Philosoph; einer der berühmtesten Vertreter des Neuplatonismus in der Renaissance. Ficino entwickelt pantheistische und dialektische Ansätze über das Verhältnis von Gott, Welt und Mensch.

Fideikommiss: («Treugut») im früheren deutschen Recht Bezeichnung für hauptsächlich aus größerem Grundbesitz bestehendes Familienvermögen, das unveräußerlich war und nach dem Tod des Besitzers an einen einzigen Erben überging; Fideikommiss diente der Erhaltung der wirtschaftlichen Grundlage der politischen Macht der Junker.

Fideismus: (lateinisch, zu «Fides») idealistische Weltanschauung, die auf religiösem Glauben beruht und ihn über Wissen und Vernunft stellt.

fidel: (dat., «treu») lustig, heiter, vergnügt.

Fides: (lateinisch) Treue; Glaube.

Fidibus: Span oder gefalteter Papierstreifen zum Anzünden, zum Beispiel der Tabakspfeife.

Fidschi: Staat (parlamentarische Monarchie) auf gleichnamiger Inselgruppe (844 Inseln, davon 106 bewohnt) im Stillen Ozean (Melanesien und Polynesien); verwaltungsmäßig in 14 Provinzen und 4 Verwaltungszentren gegliedert. Von der Bevölkerung sind 52 % Inder und 43 % Melanesier, hauptsächlich Fidschianer. Amtssprache ist Englisch. Etwa ein Drittel der Einwohner des Landes sind Analphabeten. Währung ist der Fidschi-Dollar. Die größten Inseln (Viti Levu, 10497 km2, bis 1323 m hoch; Vanua Levu, 5 534 km2, unter anderem) sind vulkanischen Ursprungs, die kleineren Koralleninseln. Unter feucht tropischen Passatklima tropischen Regenwald, im Innern der großen Inseln Savanne. Fidschi ist ein Agrarland. Britisches, australisches und neuseeländisches Kapital kontrollieren 75 % der Warenproduktion. Die aus der Kolonialzeit überkommene Wirtschaftsstruktur ist einseitig auf die Erzeugung von Zuckerrohr, Kopra, Bauholz, Bananen, Zitrusfrüchten und Ingwer für den Export ausgerichtet. Für den Eigenverbrauch werden Reis, Bataten, Yams, Taro und Maniok angebaut. In jüngerer Zeit gewannen Viehwirtschaft, Sandelholz, Fischfang sowie der Tourismus an Bedeutung. Bergbau auf Gold, ferner Silber- und Manganerze. In den letzten Jahren Ausbau der Verarbeitungsindustrie (unter anderem Zucker-, Konservenfabriken, Ölmühlen, Sägewerke, Plaste-, Holzverarbeitung, Kleineisenwaren). Fidschi ist ein bedeutender Verkehrsknoten im südlichen Stillen Ozean. Tourismus und Kapitalimport gleichen die chronisch defizitäre Handelsbilanz weitgehend aus; Ausfuhr von Zucker und Kokosprodukten (80 % des Ausfuhrwertes), Bauholz; Einfuhr von technischen Erzeugnissen, Brennstoffen, Lebensmitteln; Haupthandelspartner sind Australien, Großbritannien, Neuseeland und Japan. Die Inseln wurden durch Melanesier im 1. Jahrtausend besiedelt, 1643 von A. Tasman gesichtet, 1874 von Großbritannien annektiert; 1945/47 Aufschwung nationaler Bewegungen für antiimperialistische Politik. Nach Erlangung innerer Autonomie (1965/66) seit 1970 im Rahmen des Commonwealth of Nations unabhängiger Staat.

Fidschianer: Urbevölkerung der Fidschi, die sprachlich und kulturell eine Mittelstellung zwischen Polynesiern und Melanesiern einnehmen, anthropologisch den letzteren zuzurechnen sind; 281000.

fiduziarisches Rechtsgeschäft, (lateinisch fiducia, «Vertrauen») Treuhandgeschäft: Rechtsgeschäft, das dem 1 Treuhänder (Fiduziar) nur nach außen die Stellung eines Vollberechtigten einräumt, während er im Innenverhältnis dem Treugeber gegenüber gebunden ist; zum Beispiel Abtretung einer Forderung, um sie beitreiben zu lassen.

Fieber, Febris: Erhöhung der Körpertemperatur über 37 °C (in der Achselhöhle gemessen) beziehungsweise über 37,5 °C (im Mastdarm gemessen), meist als Abwehrreaktion des Organismus gegen Krankheitserreger ausgelöst. Häufige Ursachen sind Entzündungen, Zerfall von Geschwülsten, Thrombosen, Abtransport von Blutergüssen und abgestorbenem Gewebe, Arzneimittelüberempfindlichkeit, Hirnschädigungen mit Beteiligung des Wärmeregulationszentrums.

Fieberklee, Bitterklee, Menyanthes trifoliata: zu den Fieberkleegewächsen (Enzianartige) gehörende ausdauernde Pflanze feuchter, mooriger Standorte mit weißen, bärtigen Blütentrauben und dreizähligen Blättern (daher «Klee»), die als Magentee verwendet werden.

Fieberkurve: graphische Darstellung der täglich gemessenen Körpertemperatur über einen längeren Zeitraum.

Fiebermücken, Anopheles: weltweit verbreitete auch in Mitteleuropa heimische Stechmückengattung; Eier und Larven in stehenden Gewässern; Überträger des Erregers der menschlichen Malaria.

Fiedel: Streichinstrument des Mittelalters mit vom Schallkörper abgesetztem Hals und 2 bis 6 Saiten; Vorläufer der Violine. Nach 1920 wurde die Fiedel als Arm- und Kniefiedel für Schul- und Jugendmusik wiederbelebt.

Fiedler: 1. Arkady, 28.11.1894-7.3.1985, polnischer Schriftsteller und Naturforscher; veröffentlichte zahlreiche, in viele Sprachen übersetzte Reise- und Abenteuerromane, wie «Rio de Oro» (1950, deutsch), «Orinoko» (1957, deutsch), «Mein neues Abenteuer: Guinea» (1962, deutsch).

2. Franciszek, 12.9.1880-27.11.1956, polnischer Arbeiterführer; 1916/18 Mitglied des Hauptvorstandes der SDKPil, seit 1918 des ZK der KP Polens; 1940/44 nahm Fiedler am antifaschistischen Widerstandskampf in Frankreich teil. Seit 1945 war er Mitglied des ZK der polnischen Arbeiterpartei beziehungsweise PVAP.

Field, John, 26.7.1782-23.1.1837, irischer Pianist und Komponist; war Schüler M. Clementi und ging mit ihm 1802 nach Paris, von dort im selben Jahre nach Petersburg (Leningrad), später Moskau, wo er bis 1831 als Klavierlehrer und Virtuose wirkte und nach mehrjährigen Konzertreisen in Westeuropa, starb. Field schrieb Klavierkonzerte, Sonaten und vor allem «Nocturnes», die mit ihrer oft melancholischen Stimmung und ihrem feinen Satz stark auf Field Chopin wirkten.

Fielding, Henry, 22.4.1707-8.10.1754, englischer Schriftsteller und Dramatiker, von Beruf Jurist und Friedensrichter; bedeutendster Vertreter des klassischen realistischen Romans der englischen Aufklärung («Joseph Andrews», 1742, deutsch; «Jonathan Wild der Große», 1743, deutsch; Meisterwerk «Tom Jones», 1749, deutsch). In Essays innerhalb des Romans «Tom Jones» entwickelte Fielding die bürgerliche realistische Romanästhetik der Aufklärung. Zu Beginn seines literarischen Schaffens (1728/37) war Fielding mit satirischen Komödien (zum Beispiel «Pasquin», 1736, deutsch) hervorgetreten.

fieren: seemännisch eine gespannte Leine nachlassen, zum Beispiel um ein Boot auszusetzen, einen Segelbaum vom Winde drehen zu lassen.

Fieri: Kreisstadt im Süden Albaniens, nahe dem Fluss Semani, in der Myzeqeja-Ebene; 25000 Einwohner; Erdölraffinerie, Stickstoffdünger-, Baumwoll-, chemische Industrie; Wärmekraftwerk; in der Nähe Erdölförderung; 15 km westlich die Römerstadt Apollonia.

Fiesco, eigentlich Giovanni Luigi De Fieschi, 1524-1547 (ertrunken), genuesischer Adliger; versuchte 1547 vergeblich, gestützt auf den Papst und Frankreich, den kaisertreuen Dogen von Genua, A. Doria, zu stürzen. Drama von Schiller.

Figaro: von P.A. Beaumarchais geschaffene literarische Gestalt, welche die vorrevolutionäre Kritik an der Adelsgesellschaft verkörpert.

Figur: 1. allgemein Gestalt; bildliche Darstellung.

2. Geometrie: Menge von Punkten; auch System von Punktmengen.

3. Logik: Schlussfigur.

4. Musik: a) rhythmisch-melodisch profilierte Tongruppe mit Umspielungs-, Begleit- und Wiederholungscharakter;

b) einen Affektgehalt darstellende oder ausdeutende Tongruppe im Kontrapunktsatz des 16./18. Jahrhundert.

5. Schach.

Figuration: verzierende Auflösung eines Akkordes oder Umspielung einer Melodie durch Tonformeln in kleineren Notenwerten.

Figurine: Kostümentwurf, der Kleidung und Träger als Einheit erfasst.

Fiktion: 1. allgemein Annahme; Erdichtung; Unterstellung.

2. Philosophie: Annahme eines nicht wirklichen Falles, von etwas in der Wirklichkeit nicht Vorkommendem zu bestimmten (wissenschaftlichen) Zwecken.

3. Recht: gesetzliche Annahme des Bestehens oder Nichtbestehens eines Sachverhaltes.

Fiktionalismus: philosophische Theorie, zum Beispiel die «Als-ob»-Philosophie H. Vaihinger, die Fiktionen als Grundlage alles «wissenschaftlichem» Erkennens annimmt; sie ist zutiefst idealistisch und unwissenschaftlich.

fiktiv: erdichtet, erfunden; nur theoretisch angenommen; gedanklich konstruiert; auf einer Fiktion beruhend.

fiktive Nachfrage: Nachfrage der Warenhandlungskapitalisten, der kein tatsächliche Bedarf der Konsumenten zugrunde liegt. Sie ist vor allem das Resultat der kapitalistischen Überbesetzung der Zirkulationssphäre mit einer Vielzahl von Handelsbetrieben, deren Ziel in der Realisierung von Mehrwert durch den Kauf und Verkauf von Waren besteht.

Fil: (französisch, «Faden um Faden») Kammgarngewebe in Köperbindung mit treppenformigem beziehungsweise fischgratähnliches Muster, entstanden durch wechselnde Folge heller und dunkler Kettfaden; für Oberkleidung; Handelsbezeichnungen je nach Farbkomponenten Pfeffer und Salz beziehungsweise Zucker und Zimt.

Filarete, eigentlich Averlino, Antonio, um 1400-um 1469, italienischer Bildhauer und Baumeister. Sein bildnerisches Hauptwerk ist die Bronzerelieftür der Peterskirche in Rom. Seit 1451 als Dombaumeister in Mailand tätig; erbaute dort das Ospedale Maggiore.

Filet: 1. Lebensmitteltechnik: a) Lendenstück vom Rind oder Schwein;

b) von Hauptgeräte, Kopf, Schwanz, Eingeweiden und eventuell Haut befreite Fischhälfte.

2. Polygraphie: in der Handbuchbinderei mittels Blattgold auf Einbanddecken angebrachte Verzierung.

3. Textiltechnik: a) Spitzen auf Netzgrund für Besatz, Wäsche unter anderem;

b) durchbrochene Wirkware, Bindungsart für Kettengewirke.

Filiale: örtlich gesonderter und relativ selbständiger Betriebsteil; spezialisierte Verkaufsstelle des sozialistischen Einzelhandels, die einem entsprechend Fachhandelsbetrieb angehört.

Filigran: feines Gitterwerk aus glatten, gekörnten oder gezwirnten Gold- oder Silberdrähten, oft auf granulierter Metallunterlage aufgelötet. Filigran ohne Unterlage ist an den Kreuzungspunkten gelötet oder geknotet. Blüte während der Völkerwanderungszeit, Romanik und im 17. Jahrhundert; hauptsächlich für Schmuck verwendet.

Film: 1. Fotografie: flexibles Aufnahme- und Kopiermaterial aus durchsichtigem, schwer entflammbarem Schichtträger (Zelluloseazetat) und lichtempfindliche Schicht(en) (Emulsion). Einteilung der Film für Aufnahmen:

a) in Negativfilm (nach der Entwicklung umgekehrte Grauwerte oder etwa komplementärfarbig) und Umkehrfilm (richtige Grauwerte oder Farbtöne);

b) nach Konfektionierung in Rollfilm (aufgespulter Film mit Papierunterlage), Planfilm (einzelne Filmblätter), Kleinbildfilm (in Tageslichtpatrone), Kassettenfilm (in fest verschlossener Kassette). Für spezielle Einsatzgebiete gibt es entsprechende Filme (zum Beispiel Dokumentenfilm). Wichtigste Eigenschaften eines Films sind Empfindlichkeit, Schwärzungskurve, Körnigkeit (Korn) und Auflösungsvermögen. Siehe auch Farbfilm.

2. Film, Kinofilm: Filmtechnik - perforierter, bandförmiger Aufzeichnungsträger mit einer lichtempfindlichen Schicht zur kinematographischen Aufzeichnung von Phasenbildern und Schallereignissen. Nach gewünschter Bildqualität und sonstigen Notwendigkeiten werden Film unterschiede Breite eingesetzt. Schmalfilm sind 8 mm (einseitig perforiert) und 16 mm (ein- oder doppelseitig perforiert) breit, jedoch werden diese Breiten oft erst nach der fotochemischen Bearbeitung durch Trennung breiterer (zum Beispiel Doppel-8-mmF.) erreicht. Super-8-Film (Single-8-Film) verdrängt wegen seiner um 44 % größeren Phasenbilder (infolge verringerter Perforationslochgröße und vergrößertem abstand) den klassischen 8-mm-Film. Normalfilm ist 35 mm breit (doppelseitig perforiert). Stark zurückgegangen ist der Breitfilm von 70 mm Breite (doppelseitig perforiert). Die Phasenbilder werden mit der Bildaufnahmekamera auf fotografischem Wege aufgezeichnet, Schallereignisse erst magnetisch auf unperforiertem Magnetband oder Magnetfilm von 35 oder 17,5 mm Breite; später erfolgt die «Umzeichnung» (siehe auch Lichttonverfahren, Magnettonfilmverfahren) auf die Theater- beziehungsweise Fernseh-Sendekopie.

3. Kinematographie: auf der Basis der Filmtechnik entstandene Bildkunst. Die ersten kleinen Filmstreifen kamen 1890/97 in verschiedenen Ländern heraus. Mit dem Einsatz großer Künstler begann um 1910 mit dem Stummfilm die eigentliche Filmkunst. Es entstanden eine ausgedehnte Filmindustrie und ein großes Netz von Lichtspieltheatern; es entwickelten sich verschiedene Filmgattungen (populärwissenschaftliche Film, Spiel-, Dokumentar-, Lehr-, Animations-, Werbe Film, Wochenschau unter anderem). Im weiteren Verlauf der Entwicklung wurden Ton, Farbe und Raum in die Filmgestaltung einbezogen (Lichtton- und Magnetton-, Stereofilm, Breitbildverfahren). Bis 1914 beherrschte Frankreich den Weltmarkt (Pathé, Gaumont), dann die USA (Metro-Goldwyn-Mayer, Paramount, 20a Century Fox, Warner Brothers). 1919 verstaatlichte die UdSSR die Filmindustrie und stellte das Filmschaffen in den Dienst des Volkes; sie ermöglichte damit eine neue, fortschrittliche Filmkunst (S. Eisenstein, W. Pudowkin). Nach diesem Vorbild entwickelten nach 1945 die sozialistischen Länder ihr nationales Filmwesen. Durch seine Anschaulichkeit und Massenwirksamkeit gewann der Film eine große kulturpolitische Bedeutung. In den sozialistischen Ländern dient er der Entwicklung und Befriedigung geistig kultureller Bedürfnisse sowie der ständigen Erhöhung des kulturellen Lebensniveaus des Volkes. In kapitalistischen Ländern ist er Objekt des Profitstrebens und Mittel zur Manipulierung der Massen im Sinne imperialistischer Ideologie, wobei sich eine Reihe humanistischer, progressiver Künstler für die Produktion fortschrittlicher und gesellschaftskritischer Filme einsetzt. Siehe auch Filmproduktion.

Filmabtaster: Einrichtung in Fernsehstudios zur Übermittlung von Kinofilmen durch zeilenweise Punktlichtabtastung der Filmbilder und Umwandlung der Helligkeitswerte in elektrische Signale.

Filmarchiv, Filmothek, Kinemathek Sammlung von Filmen und filmhistorisch wichtigen Materialien zu Forschungs- und Ausbildungszwecken. Die Filmarchiv der meisten filmproduzierenden Länder sind in der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF) zusammengeschlossen.

Filmdramaturgie: 1. Wissenschaft vom Aufbau einer Filmhandlung, der Entwicklung ihres dramatischen Konflikts, der Gestaltung der Charaktere, des Dialogs u. ä. nach den Gesetzen der Filmkunst.

2. Abteilung einer Produktionsgesellschaft, die Erwerb und Bearbeitung der Filmstoffe vornimmt.

Filmklischee-Reliefklischee: Polygraphie aus Spezialfilm bestehende, für hohe Auflagen verwendbare Quellreliefdruckplatte für den Buchdruck. Siehe auch Auswaschreliefdruckplatte.

Filmklub: Arbeitsgemeinschaft von Freunden des Films, die wertvolle Filme aus dem Repertoire oder aus Archivbeständen in geschlossenen Veranstaltungen vorführt und darüber diskutiert.

Filmkunst: auf der Filmtechnik basierende Bildkunst, die in eigengesetzlicher künstlerischer Gestaltung die Mittel der anderen Künste (insbesondere darstellende Künste, Literatur, Musik, bildende Kunst) nutzt und durch den künstlerisch geschlossenen Einsatz dieser Mittel Kunstwerke hervorzubringen vermag, deren eindringliche Wirkung durch keine andere Kunst erreicht werden kann.

Filmmusik: a) eine das Filmgeschehen begleitende Musik, die entweder für den (Ton-) Film übernommen oder speziell für ihn komponiert wird; entwickelte sich durch ihre illustrierende, handlungsvertiefende und -interpretierende Funktion zu einer eigenen musikalischen Gattung;

b) unterschiedlich eigenständige Begleitmusiken der Stummfilmzeit (Schlager, Potpourris, Arrangements) oder neu geschaffene, in Kinotheken auf Grammophon gespeicherte Stücke, die die Klavierbegleitung aus der frühen Phase des Films ablösten.

Filmpositivverfahren: Verfahren zur Herstellung paus- beziehungsweise kopierfähiger Filmpositive von Originalzeichnungen. Das Positivmaterial gestattet Änderungen und Ergänzungen mittels Tuschezeichengeräten beziehungsweise spezieller Farbstifte.

Filmproduktion: vielschichtiger künstlerischer, technischer, wirtschaftlicher und organisatorischer Vorgang der Herstellung eines Films. Er gliedert sich im Wesentlichen in die Entwicklung der literarischen Grundlage, die Dreharbeiten, den Schnitt, die Endfertigung und das Kopieren. Als Hersteller des Films gilt rechtlich der Produzent oder die Filmgesellschaft, die die Urheberrechte erwirbt, die Mitarbeiter verpflichtet und die finanziellen Mittel sichert. Die Grundlage der Filmproduktion ist das Drehbuch, das vom Autor, von der Dramaturgie und vom Regisseur entwickelt wird. Der Produktionsleiter organisiert mit seinem Kollektiv alle Arbeitsvorgänge während der Drehzeit und ihrer Vorbereitung. Vor Beginn der Dreharbeiten werden nach den Entwürfen des Filmszenenbildners die Dekorationsbauten im Atelier beziehungsweise im Außengelände sowie notwendige Modellbauten ausgeführt, in den Schneiderwerkstätten werden die Kostüme nach Fitwürfen des Kostümbildners angefertigt und vom Maskenbildner die Masken entworfen. Die Organisationsgrundlage der Dreharbeit ist der Drehplan, in dem die Aufnahmen für die einzelnen Drehtage vorgeplant sind, um den Film in möglichst kurzer Zeit und mit geringen Kosten fertigzustellen. Die Organisierung der Drehtage ist Aufgabe des Aufnahmeleiters; er verhandelt mit den Institutionen bei Außenaufnahmen, verpflichtet die Kleindarsteller, sorgt für die Bereitstellung der Requisiten und so weiter. Die Dreharbeit besteht in der filmgemäßen Aufnahme der im Drehbuch beschriebenen Einstellungen. Alle Einstellungen, die in derselben Dekoration spielen, werden hintereinander aufgenommen. Die am Drehtag gewonnenen Bildnegative werden sofort kopiert und die Tonbänder auf Magnetfilm um gespielt; beide werden synchron als Muster vorgeführt, um die besten Aufnahmen auszuwählen. Nach der Dreharbeit erfolgt der Schnitt (Filmschnitt). Im Mischatelier werden die Tonstreifen mit Dialogen, Geräuschen, Musik, Kommentartexten und so weiter gemischt und davon ein Lichttonnegativ hergestellt.

Filmrecht: Urheberrecht zusammenfassende Bezeichnung für die Rechte der Urheber von Filmwerken sowie alle rechtlichen Beziehungen, die zwischen den Urhebern der literarischen und musikalischen Vorlagen sowie den Mitwirkenden am Film und dem Filmproduzenten einerseits und zwischen diesem und dem Filmvertrieb unter anderem Verbreitern des Films andererseits entstehen.

Filmschnitt, Schnitt: alle Techniken zur vorläufigen (Rohschnitt) und endgültigen (Feinschnitt) Aneinanderreihung der Einstellungen zu einem Teil- oder Gesamtfilm (Schneiden, Cuttern). Beim Rohschnitt wird Überflüssiges weggeschnitten, die Einstellungen werden nach der Drehbuchnummerierung geordnet; beim Feinschnitt werden die Übergänge zwischen den Einstellungen aufeinander abgestimmt. Es entsteht die Arbeitskopie, nach der das Original-Bildnegativ verglichen wird (Abziehen). Das Aufsuchen der zum Bild zugehörigen Tonaufzeichnung heißt Anlegen. Montage ist der Filmschnitt zur endgültigen Filmgestaltung.

Filmszenenbildner, Filmarchitekt, Filmbildner: Mitarbeiter beim Film, meist mit Hochschulausbildung (bildende Kunst oder Architektur); entwirft zusammen mit dem Regisseur Filmbauten und Dekorationen und leitet deren Ausführung.

Filmtechnik: Teilgebiet der Kinetechnik, gliedert sich in

a) Filmaufnahmetechnik, alle Mittel und Verfahren, die die zur Herstellung eines Films (mit oder ohne Spielhandlung) notwendige Umwandlung optische und akustische Signale und deren Speicherung ermöglichen;

b) Filmateliertechnik, zur Aufnahme im Filmatelier angewendete technische und sonstige Mittel;

c) Filmbearbeitungstechnik, Techniken und Technologien zur Bearbeitung der Bild- und Tonträger bis zur Theater- oder Fernsehsendekopie;

d) Filmwiedergabetechnik, alle Mittel und Verfahren zur Rückgewinnung der in den Filmen enthaltenen Informationen in optische und akustische Signale, wie die zur Vorführung im Filmtheater angewendeten Techniken (Filmtheatertechnik).

Filmtrickverfahren: Verfahren zur Lösung von Filmaufgaben, die mit gewöhnlichen Aufnahmeverfahren ohne besondere technische Hilfsmittel nicht realisierbar sind. Filmtrickverfahren werden angewendet, um das Leben der Beteiligten zu schützen oder um Zeit, Geld und Material zu sparen. Unterschieden werden unter anderem Aufnahmetricks (mittels Bildaufnahmekamera) und Kopiertricks (mittels Trickmaschine). Einfache Filmtrickverfahren sind zum Beispiel Bildfrequenzänderungen, Einblendungen, pyrotechnische Tricks. Die komplizierten Kombinationstricks erfolgen mittels Bipack-Kameras (Bildaufnahmekamera), Projektionseinrichtungen und optischen Zusätzen, meist zur Vereinigung einer (Vordergrund-) Realszene mit einer vorher aufgenommenen Hintergrundszene. Bei der Rückprojektion (Rückpro) wird die Hintergrundszene auf eine lichtdurchlässige Bildwand projiziert. Auf der dem Projektor abgewandten Seite befinden sich Atelierszene und Bildaufnahmekamera. Die Filme in Projektor und Kamera werden synchron transportiert. Bei der Aufprojektion (Aufpro) befinden sich Kamera und Projektor vor der Bildwand und die Projektion erfolgt über einen Ablenkspiegel in Richtung der optischen Achse der Kamera. Andere Kombinationstrickverfahren werden durch teildurchlässige oder teilweise ausgesparte Spiegel (Spiegeltrickverfahren) oder Linsenkombinationen vor dem Objektiv oder durch halbgeteilte Vorsatzlinsen realisiert. Bei Wandermaskenverfahren werden mittels Bipack- oder Strahlungsteilungskamera 2 Filme transportiert, von denen der eine von Phasenbild zu Phasenbild unterschiedliche Bildteile abdeckt, um entsprechend Bildteile mit denen eines anderen Films zu kombinieren. Die Kopierung mehrerer Filmbänder auf einen Hauptfilm (Mehrbandmontage) erfolgt auf einer speziellen Trickmaschine, einem Gerät mit Projektions- und Aufnahmeapparat mit gemeinsamer optischer Achse und präzisen Greiferwerken.

Filmverleih: Wirtschaftsunternehmen, das durch doppelseitigen Vertrag zwischen Verleih- und Produktionsgesellschaft einerseits und vorführenden Einrichtungen andererseits Filmkopien zur geschäftlichen Auswertung zeitweise verleiht.

Filmwissenschaft, Filmologie: Wissenschaft zur Erforschung der historischen, künstlerischen, technischen und gesellschaftlich-politischen Aspekte des Films sowie der ästhetischen, ideologischen, dramaturgischen und soziologischen Kriterien.

Filo, Gleitstoß: Fechten Stoß entlang der gegnerischen Klinge, wobei Druck auf diese ausgeübt wird, um einen Mitstoß zu verhindern.

Filou: Schelm, Schlaukopf; Betrüger, Spitzbube.

Filter: 1. Chemie: Filtrieren.

2. Filter, Frequenzfilter: Elektrotechnik/Elektronik - ein Netzwerk, das zur frequenzmäßigen Trennung von elektrischen Wechselspannungen beziehungsweise elektromagnetische oder akustische Wellen dient. Filter, die einen begrenzten Frequenzbereich übertragen, nennt man Pass, ein Tiefpaß überträgt Signale unterhalb, ein Hochpass oberhalb seiner Grenzfrequenz; ein Bandpaß (Bandfilter) überträgt, eine Bandsperre dämpft Signale zwischen unterer und oberer Grenzfrequenz. Die Filterrealisierung hängt vom Frequenzbereich und Anwendungsfall ab. Filter für elektrische Wechselspannungen stellen Vierpole dar, die Induktivitäten (L), Kapazitäten (C), Widerstände (R), Operationsverstärker, Digitalschaltkreise sowie Quarz-, Metall- oder Keramikresonatoren enthalten können. Danach unterscheidet man passive RC-, RLC-, LC-, Quarz- und mechanische Filter sowie aktive RC-Filter, die Operationsverstärker und digitale Filter, die Digitalschaltkreise enthalten. Filter für Mikrowellen werden durch metallische Leitungsstrukturen (Topfkreis, Hohlraumresonator, Streifenleitung), Filter für Laserlicht durch optische Resonatoren und Filter für Schallwellen durch akustische Wellenleiter (zum Beispiel Schalldämpfer) realisiert. Zur Klanganalyse (Zerlegung eines Klanges in seine Teiltöne) wird der Klang vorher durch ein Mikrophon in eine Wechselspannung umgewandelt.

3. Optik: Bauelement, mit dem die Intensität (Grau- oder Neutralfilter), die spektrale Zusammensetzung (Absorptions- oder Interferenzfilter) oder der Polarisationszustand (Polarisationsfilter) des Lichtes verändert wird. In der Fotografie werden Filter auch als Färb- oder Lichtfilter bezeichnet und als Aufnähme-, Kopier- und Dunkelkammerschutzfilter eingesetzt.

Filterkies: reiner Kies verschiedener Körnung für die Kiesschüttung in Rohrbrunnen, die den Eintritt von Feinsand und damit eine Versandung verhindern soll.

Filtrieren: Abscheiden von Feststoffteilchen aus Flüssigkeiten oder Gasen durch Filter zur Gewinnung des Feststoffes als Filterrückstand (Filterkuchen) oder der geklärten Flüssigkeit als Filtrat. Zur Beschleunigung wendet man oft Druck oder Vakuum an (siehe auch Vakuumfiltration). Als Filtermaterial verwendet man in Laboratorien bei Normaldruck meist Papier in Form von Rund- oder Fallenfiltern. «Harte» Filter sind feinporig, «weiche» Filter haben gröbere Poren. Techn. Filter gibt es für den kontinuierlichen und diskontinuierlichen Betrieb. Filterpressen bestehen aus tuchbespannten Filterplatten, die durch Spindeldruck zusammengepresst werden. Bei der Rahmenfilterpresse befindet sich zwischen den Filterplatten je ein Hohlraum, in dem die «Trübe» zuläuft und in dem sich auch der Filterkuchen bildet; bei der Kammerfilterpresse sammeln sich die Feststoffe in einem Hohlraum an, der durch den erhöhten Rand je zweier Filterrahmen umschlossen wird. Trommelfilter (Drehfilter) bestehen aus einer rotierenden, tuchbespannten Trommel, die in die Trübe eintaucht (Außenfilter) oder teilweise mit der Trübe gefüllt ist (Innenfilter); meist bewirkt ein Vakuum den Durchtritt des Filtrats durch das Filtertuch. Bandfilter bestehen aus einem endlosen, horizontal über Walzen umlaufenden Filz beziehungsweise Siebband und können mit Vakuum betrieben werden (Vakuumbandfilter). Das Filtrieren von Gasen beziehungsweise Luft erfolgt auch elektrostatisch; siehe auch Elektrofilter.

Filtrierer: Wassertiere, die mit Hilfe von Filtereinrichtungen, zum Beispiel Borstenkämmen oder Wimpern, im Wasser enthaltene Partikeln (Detritus, Plankton) herausseihen und damit ihren Nahrungsbedarf decken; hierzu Schwämme, Muscheln, planktonfressende Fische.

Filz: textiles Flächengebilde;

a) Walkfilz - durch Filzen und Walken von Woll- unter anderem filzfälligen Fasern beziehungsweise Tierhaaren (Haarfilz) hergestellt;

b) nachträglich gefilztes und gewalktes Gewebe mit ein- oder beidseitiger Filzdecke und aufgelegten oder angeblasenen Wollfasern.

Filzbrett: Maurerwerkzeug (Reibebrett mit aufgezogenem Filz) zum Glätten des Putzes.

Filzen: Textilveredlung Verdichten eines (Woll-) Vlieses zu einem textilen Flächengebilde (Walkfilz) durch Einwirken von Feuchte, Wärme, Druck und Bewegung.

Filzlaus, Schamlaus, Phthirus pubis: bis 1,5 mm lange Art der Tierläuse; saugt beim Menschen besonders in der Schamgegend und Achselhöhle Blut. siehe auch Läuse.

Fimbrien: fransenartige Fortsätze am Eileiter.

Fimbulwinter: «gewaltiger Winter», nach dem in der nördlichen Mythologie der Weltuntergang beginnt.

final: den Schluss bezeichnend, am Ende befindlich.

Finale: 1. allgemein Schlussteil, Abschluss.

2. Musik: a) Schlusssatz bei Sinfonie, Sonate unter anderem;

b) Schlussszene eines Opern- oder eines Operettenaktes.

3. Finale, Endkampf, Schlussrunde: Sport - letzter (entscheidender) Durchgang eines Wettkampfes nach den Vorkämpfen.

Finalität: Eigenschaft bestimmter anorganischer, organischer und gesellschaftlicher Prozesse, so zu verlaufen, als seien sie auf ein bestimmtes Ziel gerichtet beziehungsweise folgten einem bestimmten Zweck. Im anorganischen und organischen Bereich ist Finalität das Resultat von Optimierungsprozessen im Verlaufe der natürlichen Evolution. Im gesellschaftlichen Bereich setzen sich letztlich jene gesellschaftlichen Kräfte durch, deren Ziele den objektiv-realen Bedingungen am besten entsprechen.

Finalprodukt: Erzeugnis, das im Ergebnis gesellschaftliche Arbeitsteilung entstand und keiner weiteren Be- oder Verarbeitung als Produktionsmittel mehr unterliegt.

Finalproduzent: Betrieb, der Finalprodukte erzeugt, die in Kooperation mit Zulieferbetrieben entstehen. Der Finalproduzent organisiert die ökonomische-technische Zusammenarbeit aller Zulieferbetriebe auf der Grundlage von Wirtschaftsverträgen. Durch die Kombinatsbildung wurden Finalproduzent und Zulieferbetriebe zunehmend in einem Kombinat zusammengeführt.

Finalsatz: Nebensatz, der auf die Frage «wozu?» den Zweck oder die Absicht des im Hauptsatz Ausgesagten angibt; eingeleitet durch «dass», «damit», «um ... zu».

Finanz: Geldwesen; Gesamtheit der Finanzkapitalisten, Bankwelt.

Finanzdisziplin: Einhaltung der sozialistischen Gesetzlichkeit auf dem Gebiet der Finanzwirtschaft.

Finanzen: 1. Geldmittel, Geldwesen, Vermögen, Vermögenslage, Staatshaushalt u. ä.

2. die Geldbeziehungen und -fonds, die durch den sozialistischen Staat zur Erfüllung seiner Funktionen, Ziele und Aufgaben planmäßig organisiert und zur Sicherung hoher Effektivität des volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozesses und der Befriedigung der materiellen und kulturellen Bedürfnisse des Volkes ausgenutzt werden. Siehe auch Finanzsystem.

Finanzgruppe: kurz- oder längerfristige Gruppierung des Monopolkapitals in Form von Kapitalverflechtung, Aktienaustausch, Personalunion, Monopolabsprachen unter anderem; Form der Konzentration und Zentralisation politischer und ökonomischer Macht; Ausdruck und Bestandteil des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems. Zwischen der Finanzgruppe besteht meist keine scharfe Trennung; Großbanken sind in der Regel mit mehreren Finanzgruppen liiert. Im Verlauf der Internationalisierung des Monopolkapitals spielen internationale Finanzgruppen und Finanzzentren eine wachsende Rolle bei der Lenkung der Kapitalströme von Land zu Land.

Finanzhoheit: das Recht eines Staates, sein Finanzsystem selbst zu ordnen und zu regeln; im engeren Sinne das Recht zur Erhebung von Abgaben und Steuern.

Finanzierung: Ausstattung mit Geldmitteln; im sozialistischen Betrieb die Bildung, Verteilung und Verwendung gesellschaftlicher Geldfonds zur Erfüllung der betrieblichen Aufgaben.

Finanzierungsmethoden: unterschiede Methoden der Bildung, Verteilung und Verwendung von zum Finanzsystem gehörenden finanziellen Fonds. Grundmethoden sind die Haushaltsmethode (Finanzierung über Ausgaben des Staates ohne Rückzahlungspflicht), die Kreditmethode (Finanzierung durch Verwendung zeitweilig freier Mittel mit Rückzahlungspflicht und differenzierter Verzinsung), die Versicherungsmethode, die Eigenfinanzierung. Kredit-, Haushalts- und Versicherungsmethode sind Formen der Fremdfinanzierung.

Finanzkapital: das miteinander verflochtene Kapital von Bank- und Industriemonopolen sowie von Monopolen in anderen Wirtschaftszweigen; ein wesentliches ökonomisches und politisches Merkmal des Imperialismus. «Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung und Verwachsen der Banken mit der Industrie das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapital und der Inhalt dieses Begriffs».

Finanzkontrolle: Kontrolle der ökonomischen Prozesse in der Volkswirtschaft durch Ausnutzung der Kontrollfunktion der Finanzen und der Funktionen des Geldes; ist ein organischer Bestandteil der Leitung, Planung und ökonomische Stimulierung der Volkswirtschaft und eng mit der Finanzrevision und der finanzökonomischen Analyse verbunden.

Finanzkrise: Zerrüttung des Geld-, Kredit- und Finanzwesens eines kapitalistischen Staates. Die Finanzkrise entwickelte sich im Frühkapitalismus, zum Beispiel als Folge plötzlichen Fallens künstlich hochgetriebener Wertpapierkurse (Spekulationskrise). Im 19. und 20. Jahrhundert war die Finanzkrise meist Begleiterscheinung der zyklischen Wirtschaftskrise. In der Periode der allgemeinen Krise des Kapitalismus wurde sie zu einer ständigen Erscheinung. Im staatsmonopolistischen Kapitalismus entwickelte sich als Erscheinungsform der Verschärfung des Grundwiderspruchs des Kapitalismus die chronischen Inflation und die permanente Defizitwirtschaft der Staatshaushalte. Die Krise der Finanzen und Währungen imperialistischer Staaten wird zur Dauererscheinung. Siehe auch Währungskrise.

Finanzmonopol, Steuermonopol: besonders festgelegtes Recht eines bürgerlichen Staates zur Erhebung bestimmter (Verbrauchs-) Abgaben, zum Teil mit Herstellung und Vertrieb bestimmter Erzeugnisse gekoppelt, zum Beispiel Zündwarenmonopol.

Finanzökonomik: Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften, die sich mit den Finanzen befasst. Die Finanzökonomik erforscht vor allem die Wirkungsweise und die bewusste Ausnutzung der ökonomischen Gesetze und Gesetzmäßigkeiten auf dem Gebiete der Finanzen und erarbeitet die wissenschaftlichen Grundlagen für die praktische Ausnutzung der sozialistischen Finanzen.

Finanzoligarchie: im Imperialismus sich herausbildende kleine Schicht einflussreicher Repräsentanten des Finanzkapitals, die mit Hilfe des Aktien- und Kapitalbeteiligungssystems über den größten Teil des gesellschaftlichen Reichtums verfügt und ihn zur Beherrschung des Staates, der Wirtschaft und des gesamten öffentlichen Lebens ausnutzt (darunter zum Beispiel Wissenschaft, Bildung, Presse, Funk). Im Staatsmonopolistischen Kapitalismus ist die Finanzoligarchie eng verflochten mit den Spitzen des Staats- und Militärapparates (militärisch-industrieller Komplex) und entwickelt sich mit der wachsenden Rolle internationaler Monopole allmählich zu einer internationalen Finanzoligarchie.

Finanzrechnung, Finanzbuchhaltung: Sachgebiet der Rechnungsführung und Statistik des Betriebes zum wertmäßigen Nachweis der materiellen und finanziellen Mittel und ihrer Veränderungen, des Ergebnisses der wirtschaftlichen Tätigkeit, der Verwendung der erwirtschafteten und erhaltenen Mittel eines Betriebes auf Basis der Buchführung. Die Finanzrechnung umfasst die Kontenführung, Bilanz, Ergebnis- und Kontokorrentrechnung.

Finanzrecht: Gesamtheit der Rechtsnormen staatlich organisierter Geldbeziehungen. Das Finanzrecht ist als wesentliches Leitungsinstrument (Finanzpolitik) im Sozialist Staat auf die Bildung und Verwendung der staatlichen Geldfonds unter Nutzung der Verteilungs-, Stimulierungs- und Kontrollfunktionen der sozialistischen Finanzen gerichtet. Die Regelungen über den Staatshaushalt, die Finanzen der volkseigenen Wirtschaft sowie die Währungs- und Valutabeziehungen gehören zum Finanzrecht, die Regelungen über die Steuerbeziehungen dagegen zum Steuerrecht.

Findelkind: ausgesetztes Kind, dessen Abstammung nicht zu ermitteln ist.

Finger: 1. Finger Digiti: Anatomie Endabschnitte (meist 5) der Hände an den vorderen Gliedmaßen der vierfüßigen Wirbeltiere. Grundlage beim Menschen sind je 3 (beim Daumen nur) Knochen (Phalangen).

Fingerhut, Digitalis: Gattung der Braunwurzgewächse mit großen Glockenblüten; heimisch sind unter anderem der Rote Fingerhut (D. purpurea) und der gelb blühende Großblütige Fingerhut (D. grandiflora; unter Naturschutz); verschiedene Arten enthalten herzwirksame Glykoside (D. purpurea, D. lanata).

Fingerkraut, Potentilla: artenreiche Gattung der Rosengewächse, meist Kräuter; gelb, seltener weiß blühend, häufig kriechend; hierzu auf Triften, in Wäldern und Mooren die Blutwurz (Aufrechtes Fingerkraut, P. erecta) und auf Hügeln, Abhängen und Wegrändern das Frühlingsfingerkraut (P. tabernaemontani).

Fingertier, Daubentonia madagascariensis: nachtaktiver Halbaffe Madagaskars mit buschigem Schwanz; kratzt mit langfingrigen Pfoten Mark und Insekten aus Bambus- und Zuckerrohrstengeln. Siehe auch Halbaffen.

finite Ausdrücke: Näherungsausdrücke für Differentialquotienten. Ihre Verwendung in Differentialgleichungen überführt diese in finite Gleichungen, welche nach den Methoden der linearen Algebra gelöst werden. besonders bei der Behandlung von partiellen Differentialgleichungen in Form von Variationsproblemen spricht man dann von Finite-Elemente-Methoden.

Finken, Fringilla: Gattung der Finkenvögel mit dem in Europa sehr häufigen Buchfinken (Fringilla coelebs), sperlingsgroß, das Männchen unterseits rötlich mit grauem Oberkopf und mit markantem Gesang («Finkenschlag»); das Gelege besteht aus 4 bis 6 Eiern, die 12 Tage bebrütet werden, 2 Bruten im Jahr. Der in den nördlichen Waldtundren brütende Bergfinken (Fringilla montifringilla) mit weißem Bürzel ist in Mitteleuropa Wintergast.

Finkenvögel, Fringillidae: nur in Australien und Madagaskar fehlende, etwa 950 Arten umfassende Singvogelfamilie mit Kegelschnabel, vorwiegend Körnerfresser; hierzu unter anderem Gimpel, Girlitz, Kernbeißer, Kreuzschnäbel, Stieglitz, Zeisige, Kanarienvögel, Hänflinge.

Finn, legendärer Held altirischer Epen, Führer der Fian(n)a, einer kriegerischen, militärischen-demokratischen Gefolgschaft, deren Kämpfer sich Fen(n)id nannten; danach Namengebung moderner irischer Parteien, zum Beispiel Fenier.

Finne: zweites, aus der Hakenlarve entstehendes, in einem Wirbeltier lebendes Larvenstadium der Bandwürmer, eine flüssigkeitsgefüllte Blase, in die ein oder zahlreiche Bandwurmköpfe eingestülpt sind.

Finne: bewaldetes Sandsteinplateau nordwestlich von Eckartsberga im nordöstlichen Thüringer Becken; bis 359 m; nach Nordwesten Fortsetzung in Hoher Schrecke (Schrecke; bis 363 m) und Schmücke.

Finnen: Völkergruppe der finnougrische Sprachfamilie in Nordost- und Osteuropa; etwa 10 Millionen; zu den sogenannt Ostsee-Finnen gehören die Finnen im engeren Sinne (Finnland; 4,5 Millionen), Karelier, Tschuden, Esten, Liven, Ishoren und Wepsen; zu den sogenannt Wolga-Finnen zählen Mari und Mordwinen, im Kama-Petschora-Gebiet die Komi, Komi- Permjaken und Udmurten.

Finnische Seenplatte: in Mittelfinnland gelegene, im Süden durch Moränenzüge des Salpausselkä begrenzte Seenplatte mit etwa 55000 Seen, die 3 Abfluss- und Seensystemen zugeordnet sind (Kokemäenjoki, Kymijoki mit Päijänne, Vuoksi mit Saimaa); Zugang zum Finn. Meerbusen durch Saimaakanal; hügelig, zum Teil von glazialen Ablagerungen überdeckte Felsbuckel und moorige Mulden; waldreich; Holzwirtschaft; Flößerei; Wasserkraftwerke (Imatrafälle); Fremdenverkehr.

finnlandschwedische Literatur: die schwedischsprachige Literatur als Bestandteil der finnischen Nationalliteratur.

finnougrische Sprachen, mit den Nenzensprachen die Familie der uralischen Sprachen bildende Sprachgruppe. Zu den finnougrischen Sprachen zählen die finnisch-perm. Sprachen mit der ostseefinnischen Gruppe (Finnisch, Olonetzisch-Karelisch, Estnisch, Livisch, Wepsisch, Wotisch) ihr steht das vermutlich auf die Nenzensprachen zurückgehende Lappisch heute nahe mit Wolgafinnisch (Mordwinisch und Sprache der Mari) - und den pennischen Sprachen (Sprachen der Komi und Udmurten); die ugrischen Sprachen mit Ungarisch (Magyarisch) und Ob-Ugrisch (Sprachen der Mansen und Chanten). Die Zugehörigkeit der finnougrischen Sprachen zur uraltaischen Sprachfamilie konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Finnougristik, Finno-Ugristik (beide

Finnwal, Balaenoptera physalus: weltweit verbreiteter, bis 24 m langer Furchenwal mit hoher dreieckiger Rückenflosse. Siehe auch Bartenwale.

Finow: 1. Finow: linker Nebenfluss der Oder; entspringt südwestlich von Eberswalde-Finow, mündet bei Oderberg in die Alte Oder; kanalisierter Unterlauf (Finowkanal; 31,8 km), 1914 durch den Großschifffahrtsweg Berlin-Szczecin ersetzt.

2. Stadtteil von Eberswalde-Finow.

Finte: 1. allgemein Kunstgriff; Täuschung; Scheinmanöver.

2. Kampfsport, Sportspiele - Handlung, die den Gegner täuschen soll.

3. Finte, Alosa fallax: Zoologie - bis 50 cm langer, zu den Heringsartigen gehörender Fisch, der als eine der wenigen Arten der Familie zum Laichen in Flüsse aufsteigt; durch deren Verunreinigung selten geworden.

Firma: 1. im Handelsrecht Name, unter dem private Kaufleute und Unternehmen auftreten und im Handelsregister geführt werden.

2. in der UdSSR vereinigtes Industrieunternehmen mit einem Stammbetrieb.

Firmung, Firmelung: in der katholischen Kirche Sakrament zur Festigung des Glaubens; wird vom Bischof an Getauften (ab 7. Lebensjahr) einmalig vollzogen. Siehe auch Konfirmation.

Firn: (althochdeutsch firai, «alt», «vorjährig») mehrjähriger Schnee des Hochgebirges, der durch wiederholtes Auftauen und Wiedergefrieren sowie unter dem Druck sich überlagernden Neuschnees allmählich in körnigen und wasserundurchlässigen Zustand übergeht. Firn bildet die Vorstufe des Gletschereises.

Firnewein: alter, überlagerter dunkel- bis braungelber Weiß- beziehungsweise braunroter Rotwein, der sein ursprünglichen Trauben- und Lagerbukett verloren hat und bitter-herb schmeckt. Für bestimmte Dessertweine (zum Beispiel Sherry) ist eine leichte Firne typisch und beabsichtigt.

Firnis: aus trocknenden Pflanzenölen (vorwiegend Leinöl) durch Erhitzen auf etwa 150 °C und nachfolgendes Auflösen von Sikkativen hergestellter pigmentfreier Anstrichstoff; verwendet als Grundiermittel sowie als Bindemittel für Öllacke.

First: Bautechnik oberste und waagerecht verlaufende Schnittlinie von Dachflächen.

Firste, First: obere Begrenzungsfläche (Decke, Dach) eines Grubenbaues.

Firstnagel: Nagel oder Haken an der Firste eines Grubenbaues als Marke für einen Festpunkt für Vermessungsarbeiten im Bergwerk; dient zum Aufhängen eines Lotes.

Firth: in Großbritannien gebräuchliche Bezeichnung für ein ertrunkenes Trogtal; siehe auch Fjord.

Firth of Forth: Trichtermündung des mittelschottischen Flusses Forth in die Nordsee; etwa 75 km lang; von Eisenbahn- (1890; 2 466 m lang) und Straßenbrücke (1964; 2 400 m lang) überquert; Seeschiffe gelangen bis Grangemouth (Erdölraffinerie); von dort Kanal und Erdölleitung zum Firth of Clyde (Westküste); Industriestandorte am Nordufer, Hafen Leith (Edinburgh) am Südufer.

Fischadler, Pandion haliaetus: weltweit (außer Südamerika) verbreiteter Greifvögel von 55 cm.

Fischart, Johann, um 1546-1590, Schriftsteller; wandte sich in satirischen Dichtungen gegen den katholischen Klerus; übersetzte das 1. Buch von Rabelais «Gargantua» (1575); durch Verlegung der moralischen Passagen auf deutsche Schauplätze wirkte er nachhaltig auf die Entwicklung des bürgerlichen Nationalbewusstseins. Seit der 2. Auflage 1582 trug das Werk den bekannteren Titel «Geschichtklitterung».

Fischbein: hornartige, harte, aber elastische Substanz, die von den Barten (Hornlamellen) der Bartenwale geliefert wird; inzwischen in der Industrie durch Kunststoffe weitgehend verdrängt.

Fischblase: 1. Anatomie: die Schwimmblase der Fische.

2. Fischblase, Schneuß: Architektur, an die Form einer Schwimmblase der Fische erinnerndes Ornament der keltischen und besonders gotischen Kunst; 3 wirbelförmig angeordnete Fischblase ergeben einen «Dreischneuß».

Fischbrutanstalt: Einrichtung zur Erbrütung von Fischeiern.

Fischchen, Lepismatidae: Familie der Borstenschwänze; flinke, etwa 1 cm lange, einfarbige, dicht beschuppte Insekten mit unvollkommener Entwicklung; Silberfischchen oder Zuckergast (Lepisma saccharina) und Ofenfischchen (Thermobia domestica) sind wärmeliebende Hausbewohner und schädigen Papier und Textilien; weitere Arten leben im Freien.

Fische, Pisces: 1. Astronomie

a) zum Tierkreis gehörendes Sternbild beiderseits des Himmelsäquators, in dem sich gegenwärtig der Frühlingspunkt befindet;

b) 12. Tierkreiszeichen (astronomische Zeichen).

2. Zoologie: in Kopf-, Kiemen-, Rumpf- und Schwanzregion gegliederte, wasserbewohnende, wechselwarme, seit dem Silur bekannte Wirbeltiere mit knorpeligem (Knorpelfische) oder knöchernem (Knochenfische) Skelett. Zähne sind meist vorhanden; der Zahnwechsel erfolgt kontinuierlich; Gehirn und Sinnesorgane sind relativ hoch entwickelt. Zur Wahrnehmung von Druckwellen und Strömungen dient das «Seitenlinienorgan», das sich strichförmig an beiden Körperseiten vom Kopf bis zum Schwanz hinzieht. Atmungsorgane sind die gut durchbluteten Kiemen, an denen das Wasser vorbeigepresst wird, gelegentlich sind noch zusätzliche Atmungsorgane entwickelt. Die Fortbewegung und Steuerung des meist torpedoförmigen Körpers erfolgt durch die unpaaren Rücken-, Schwanz- und Afterflossen sowie die paarigen, den Extremitäten der übrigen Wirbeltiere entsprechend Brust- und Bauchflossen. Die Haut ist meist mit Schuppen bedeckt. Die Schwimmblase, die bei Knorpelfische und wenigen Knochenfische fehlt, dient dem Druckausgleich in verschiedenen Wassertiefen. Die meisten Fische stoßen ihre Eier ins Wasser aus, wo sie befruchtet werden und sich entwickeln; fast alle Knorpelfische und verschiedene Knochenfische sind lebendgebärend. Einige treiben intensive Brutpflege. Die Artenzahl der Fische wird auf mindestens 25000 geschätzt.

Fischerei: Fang von Fischen unter anderem. Wassertieren in Binnengewässern (Binnenfischerei) und im Meer (Küsten- und Hochseefischerei). Eine besondere Betriebsart ist der Walfang.

Fischerstechen: volkstümliche Schau- und Scherzturnier (Turnier = Stechen) der Fischer, das auf Kähnen ausgefochten wird, vergleichbar fastnachtliche Handwerkerturnieren.

Fischer-Tropsch-Synthese: technisches Verfahren zur katalytischen Umsetzung zwischen Wasserstoff und Kohlenmonoxid bei Normal- beziehungsweise Mitteldruck. Je nach den Arbeitsbedingungen und den eingesetzten Katalysatoren entstehen niedere, mittlere oder höhere Alkane mit unverzweigter Kohlenstoffkette. Die Fischer-Tropsch-Synthese wurde von den Chemikern Franz Fischer (1877-1947) und Hans Tropsch (1889-1935) entwickelt.

Fischer von Erlach, Johann Bernhard, 1656 (getauft 20.7.)—5.4.1723, österreichischer Baumeister; vollzog eine Synthese aus römischen Hochbarock und französische Frühklassizismus und wurde damit zum Begründer einer eigenständigen österreichischen Barockbaukunst. Seine Hauptwerke entstanden, zum Teil in enger Wechselwirkung zur umgebenden Natur, in Salzburg (Dreifaltigkeitskirche, Kollegienkirche, beide seit 1694; Ursulinenkirche seit 1699) und Wien (Karl-Borromäus-Kirche 1716/38, Schloss Schönbrunn seit 1692, Hofbibliothek 1722).

Fischfanggeräte: Fangausrüstung der Fischer. Nach den Fangprinzipien lassen sich die Gruppen Angeln, Reusen, Stell-, Wurf-, Treibnetze, Hamen, Zug- und Schleppnetze unterscheiden.

Fischkrankheiten: parasitäre und nichtparasitäre Krankheiten der Fische, zum Beispiel Furunkulose, hämorrhagische Virusseptikämie der Forelle und infektiöse Bauchwassersucht sowie Kiemennekrose des Karpfens. Die Bekämpfung der Fischkrankheiten erfolgt auf Grund von gesetzlichen Bestimmungen.

Fischzaun: Einrichtung zum Fischfang in Gebieten mit Ebbe und Flut. Der Fischzaun besteht aus senkrecht stehenden Reisig-, Rohr- oder Netzwänden und dem Strom zugewandten Reusen oder Hamen, in denen die abwandernden oder sich mit dem Wasser zurückziehenden Fische gefangen werden.

Fischzucht: gelenkte Vermehrung und Aufzucht von Fischen, insbesondere Züchter. Maßnahmen zur Herausbildung erwünschter Eigenschaften, wie schnelles Wachstum, geringe Verluste, gute Futterverwertung. Karpfen laichen auf natürliche Weise in kleinen Teichen ab; sie werden aber auch wie Forellen und pflanzenfressende Fische künstlich vermehrt. Dabei werden den Vollreifen Laichen die Geschlechtsprodukte unter vorsichtigem Drücken abgestrichen (Abstreichen) und nach der Befruchtung in besonderen Erbrütungsapparaten erbrütet.

Fissur: Anatomie Spalt, Furche, aber auch Einriß in der Haut, Schleimhaut oder am Knochen (Knochenbruch).

Fistel: abnorme, röhrenförmige Verbindung zwischen dem Körperinneren und seiner Oberfläche, die meist entzündlichen Sekrete aus dem Körper ableitet; wird zum Teil auch operativ zwischen Hohlorganen und Haut (zum Beispiel Darmfistel) angelegt (Enterostomie).

Fistelstimme: 1. unvollkommene Umstellung der kindlichen Sprechstimme zur Erwachsenenstimme.

2. die ungestützte, etwas hauchige männliche Kopfstimme; wird im Kunstgesang nicht verwendet.

Fistulographie, Fistelfüllung. Röntgendarstellung von Fisteln nach Kontrastmittelanwendung.

Fitch: 1. John Fitch, 21.1.1743-2.7.1799, US-amerikanischer Techniker (Uhrmacher); baute 1787 ein schraubengetriebenes Dampfschiff, das auf dem Delaware River eine erfolgreiche Probefahrt machte. Ein möglicher Linienverkehr scheiterte am Desinteresse der Anlieger.

2. Val L. Fitch, geboren 10.3.1923, US-amerikanischer Physiker; wies 1964 mit J. Cronin die Verletzung einer grundlegenden Symmetrie (CP-Invarianz) beim Zerfall neutraler K-Mesonen nach.

Fitelberg, Grzegorz, 18.10.1879-10.6.1953, polnischer Dirigent und Komponist; war einer der international erfolgreichsten polnische Dirigenten; gründete 1905 mit K. Szymanowski unter anderem die Gesellschaft jungpolnische Komponisten, die für eine neue nationalpolnische Musik stritt. Fitelberg schrieb 2 Sinfonien, sinfonische Dichtungen, Kammermusik unter anderem.

Fittiche: Gesamtheit der Hand- beziehungsweise Armschwingen (Schwungfedern 1. und 2. Ordnung) am Flügel der Vögel.

Fitting: Rohrleitungselement aus Temper- oder Stahlguss mit Innengewinde zum Verbinden von Rohren kleiner Durchmesser (zum Beispiel für Hauswasserleitungen) in gerader, Eck- oder T-Form.

Fischschuppenkrankheit, Ichthyosis: unterschiedlich aussehende, erbbedingte, gewöhnlich in den ersten Lebensjahren hervortretende Verhornungsstörung der menschlichen Haut mit unterschiedlich starker Schuppenbildung, herabgesetzter Talg- und Schweißabsonderung und vermindertem Haarwuchs. Die Fischschuppenkrankheit tritt auch bei Tieren, besonders beim Kalb, auf.

Fischsilage: durch Konservieren von Fischabfällen mittels Schwefel- oder Ameisensäure gewonnenes Futtermittel; vorwiegend in der Schweinemast eingesetzt.

Fischsilber: durch Mahlen gereinigter Weißfischschuppen gewonnenes Pigment für hochwertige Effektlacke, Schmuck unter anderem.

Fixator: Mittel zum Beständig machen des Duftes von Parfümen.

fixe Idee: nur schwer zu verändernde beziehungsweise zu korrigierende Gedanken und Vorstellungen, insbesondere solche, die emotional bedingt sind.

Fixfokuseinstellung: feste Entfernungseinstellung bei Boxkameras mit günstiger Schärfewiedergabe des Vordergrundes und der ferne.

Fixgerade: Geometrie bezüglich einer Abbildung eine Gerade, die als Ganzes auf sich abgebildet wird; zum Beispiel die Achse bei einer Drehung oder Spiegelung.

Fixgeschäft: Vertrag, bei dem die Leistungszeit so wesentlich ist, dass ihre Nichteinhaltung den Gläubiger ohne weiteres zum Rücktritt berechtigt oder weitergehend den Vertragszweck unerreichbar und damit die Leistung unmöglich macht.

fixieren: 1. allgemein festmachen, (schriftlich) festhalten; anstarren.

2. Fototechnik: fotografische Schichten nach dem Entwickeln lichtbeständig machen durch Herauslösen der nicht belichteten und somit auch nicht geschwärzten Silberhalogenidkristalle in einem Fixierbad (wässrige Lösung des Fixiermittels und eventuell bestimmter Zusätze).

3. Kunst: eine Kreide-; Kohle-, Bleistift- oder Pastellzeichnung mit einem durchsichtigen Fixiermittel (Fixativ) überziehen, wodurch ein Verwischen der Zeichnung verhindert wird.

4. Mikroskopie: Untersuchungsmaterial vornehmlich zur Eiweißgewinnung in einem dem Leben möglichst ähnlichen, nicht mehr veränderlichen Zustand erhalten.

5. Physiologie: beide Augen auf einen Gegenstand einstellen, so dass sein Abbild auf beide Netzhäute scharf in die Sehgrube (Fovea centralis), die Stelle des schärfsten Sehens, projiziert wird. Nur die Auslösung des Vorganges geschieht willkürlich. Zu ihm gehören koordinierte Augenbewegungen, Linsen- und Pupilleneinstellung zur richtigen Wahrnehmung.

6. Textilveredlung:

a) Textilien aus Wolle durch Einwirkung von Wärme, Feuchtigkeit oder Chemikalien formstabil machen;

b) das Haftvermögen von Farbstoff, auch Druckfarbstoff, auf Fasern durch Heißluft unter anderem erhöhen.

Fixismus: Denkrichtung der globalen Tektonik, die im Gegensatz zum Mobilismus die Auffassung vertritt, dass die Lithosphäre ganz oder in Teilen mit ihrer Unterlage verankert ist und nur vertikale Bewegungen ausführen kann (Hebungen beziehungsweise Senkungen). Eine Bewegung großer Schollen im Sinne der Plattentektonik wäre danach nicht möglich. Vertreter des Fixismus werden als Fixisten bezeichnet.

Fixpunkt: 1. Mathematik: bezüglich einer Abbildung ein Punkt beziehungsweise Argumentwert, der auf sich abgebildet wird.

2. Thermodynamik: durch Vergleich mit der thermodynamischen Temperaturskale festgelegte Temperatur von Erstarrungs-, Siede- und Umwandlungspunkten bestimmter Stoffe, dient als Fundamentalpunkt der Definition von Temperaturskalen und für praktische Messzwecke.

Fixum: etwas Festes; festes (pauschales) Einkommen.

Fizeau, Armand Hippolyte Louis, 23.9.1819-18.9.1896, französischer Physiker; führte 1849 mit Hilfe rotierender Zahnräder die erste Messung der Lichtgeschwindigkeit auf einer irdischen Messstrecke durch.

Fizz: (englisch, «sprudeln») erfrischendes Bargetränk aus verschiedenen Spirituosen, Eis, Zucker, Fruchtsaft und Sodawasser; ein Long Drink.

Fjäll, Fjeli (norwegisch), Fjeld (dänisch): Bezeichnungen für Hochflächen oberhalb der Waldgrenze in Skandinavien, die vom Eis überformt sind. Flachwellige, von einzelnen Bergen überragte Landschaft mit Heide- und Moorvegetation.

Fjärd: in das glazial geformte Festland tief eingreifender Meeresarm, der ein ehemaliges Tal ausfüllt; besonders im schwedisch-finnischen Küstengebiet weit verbreitet. Die Fjordküste ist im Gegensatz zur Fjordküste eine wellige Felsenküste mit geringen Höhenunterschieden.

Fjord: vom Meer vollständig oder teilweise erfülltes, ursprünglich von einem Talgletscher gestaltetes Trogtal an den Steilküsten ehemals vergletscherter Gebiete, zum Beispiel Norwegen, Island.

Flachbagger: durch Verbrennungsmotor angetriebene, selbstfahrende Erdbewegungsmaschinen mit Raupen- oder Reifenfahrwerk zum Abtragen von bis zu 20 cm dicken Erdstoffschichten. Zu den Flachbagger gehören Bulldozer, Straßenhobel und Schürfkübelwagen.

Flachbrustvögel, Ratites: Bezeichnung für Vögel ohne Brustbeinkamm, an dem sonst die Flugmuskulatur ansetzt; hierzu Strauß, Emu, Nandu, Kasuare und Kiwis.

Flachdichtung: Maschinenelement zum Abdichten fertigungstechnisch bedingter Spalte zwischen 2 sich nicht zueinander bewegenden Teilen (zum Beispiel Gehäuseoberteil und -unterteil) aus ölgetränktem Papier oder Spezialwerkstoffen, eventuell mit Kupfer- und Asbestzusätzen.

Fläche: räumliche Figur, für deren Punkte P eine Parameterdarstellung P(u, v) existiert; auch Gesamtheit mehrerer zusammenhängender solcher Flächenstücke. Oft wird P(u, v) als dreimal stetig differenzierbare Funktion von u, v mit dP/Bu x dP/dv =t= 0 vorausgesetzt, wodurch unter anderem die Existenz der Tangentialebene und stetiges Krümmungsverhalten in jedem Punkt der Fläche gesichert ist. Eine Fläche 2. Ordnung ist eine algebraische Fläche, die in einem kartesischen x,y, z-Koordinatensystem durch eine algebraische Gleichung 2. Grades beschreibbar ist. Siehe auch Drehfläche, Flächentheorie, Regelfläche, Zylinderfläche.

Flächeneinheit: Maßeinheit des Inhalts eines vollständig begrenzten Flächenstückes; SI-Einheit ist das Quadratmeter, Zeichen m2 (nicht qm). Für Flur- und Grundstücke ist außerdem das Hektar (ha = 10000 m2) zugelassen. Das Ar (1 a = 100 m2) ist amtlich seit 1.1.1980 ungültig. Zu den historischen Flächeneinheit (Feldmaße) gehören unter anderem Joch (etwa 3400 bis 5800 m2, in Österreich und Ungarn 5755 m2 (noch verwendet)), Feddan (4201 m2, in Ägypten noch verwendet), Morgen (meist etwa 2500 m2), Tagewerk (zwischen 2500 und 3600 m2).

Flächeninhalt: Maßzahl, die gewissen 2dimensionalen Figuren zugeordnet werden kann, invariant ist bei einer Bewegung, für Teilfiguren nicht größer ist als für die Gesamtfigur und für Quadrate mit dem Quadrat der Seitenlänge übereinstimmt. Für ebene Figuren kann der Flächeninhalt oft angenähert ermittelt werden, indem eine genügend feine Unterteilung in Quadrate ausgezählt wird.

Flächennutzungsplan: maßstäbliche Zeichnung des Bebauungsplanes mit Angaben zur Gliederung und Nutzung der Flächen; weist Flächen für Wohn- und Gesellschaftsbauten, Industrie, Verkehr, Erholung und so weiter aus.

Flächenprofil: Linie, die zur Erdmassenermittlung längs des Trassenprofils aufgetragen wird; die Ordinate stellt die Fläche des jeweiligen Querschnitts dar.

Flächensatz: mit dem 2. Keplerschen Gesetz identische, spezielle Form des Drehimpulssatzes bei Zentralbewegungen, wonach der Vektor vom Kraftzentrum zur Bahnkurve beim Durchlaufen der Bahn in gleichen Zeiten gleiche Flächen überstreicht.

Flächenspülung: eine Form der Abtragung durch Starkregen, besonders in den wechselfeuchten Tropen (Regenzeit) wirksam; bei lockerer Vegetationsdecke aber auch im humiden Klimagebiet auftretend. Siehe auch Fanglomerat.

Flächenstrahlungsheizung: Heizungsanlage, bei der die Heizrohre in Decken (Deckenheizung) oder Fußböden (Fußbodenheizung) verlegt sind, wobei die Wärmeabgabe durch Niedertemperaturstrahlung erfolgt.

Flächentheorie: Teilgebiet der Differentialgeometrie, das die geometrischen Eigenschaften von Flächen zumeist mit den Methoden der Differential- und Integralrechnung untersucht.

flächentreue Abbildung: Geometrie Abbildung, bei der alle Flächeninhalte erhalten bleiben.

Flächenwaffen: qualitativ neue Waffenart zur gezielten Bekämpfung einer ausgewählten Fläche durch Hohlladungskleinbomben, Startbahnbomben, Minen oder Multisplitterminen, die aus Flugzeugen abgeworfen oder durch Artillerie verschossen werden. Am gefährlichsten sind die Druckwellenwaffen, die explosive Aerosole, wie Benzin-Luft-Gemische, enthalten.

Flachgewebe: Gewebe, bei dem die Verkreuzungen der Kett mit den Schussfäden auf beiden Gewebeseiten an der Oberfläche liegen.

Flachhuf, Platthuf-. Formveränderung am Huf, bei der die abgeflachte dünne Sohle in einer Ebene mit dem Tragerand liegt. Der Flachhuf kommt häufig bei schweren Rassen vor und erfordert einen entsprechend Hufbeschlag.

Flachland: Teil der Erdoberfläche mit geringem Höhenunterschied und geringer Hangneigung. Nach der Höhenlage unterscheidet man Tiefland, das im Allgemeinen bis 200 m über dem Meeresspiegel gerechnet wird (zum Beispiel Mitteleuropäisches Tiefland), und Hochland (Plateau, zum Beispiel Hochland von Tibet).

Flachriemen: Maschinenelement eines Hülltriebes zur Leistungsübertragung bei großen Wellenabständen; besteht aus imprägnierten Textilgeweben (früher Leder) mit geringer Biegesteifigkeit, hoher Zugfestigkeit und gutem Haftvermögen; Anwendung bei Mühlen, Zentrifugen, Textilmaschinen.

Flachs: Faser des Leins; durch Rösten werden die Fasern im Stengel gelöst, durch Knicken, Schwingen und Hecheln mechanisch zur Spinnfaser aufbereitet.

Flachsraufe: traktorbetriebene Maschine zum Raufen (aus dem Boden reißen) von Faserlein. Die Flachsraufe besitzt ein Raufwerk aus mehreren Sektionen, in denen um Presswalzen umlaufende Raufriemenpaare die Flachsstengel einklemmen, nach hinten aufwärts führen und dabei ausraufen. Querforderbänder erfassen dann das Gut und legen es im Schwad ab.

Flachstahl: warmgewalzter Stahl für allgemeine Verwendung von 4 bis 60 mm Dicke und 12 bis 150 mm Breite; wird in Stangen und Ringen geliefert. Breitflachstahl hat 160 bis 1050 mm Breite.

Flachswelke, Flachsmüdigkeit: durch den Pilz Fusarium oxysporum verursachte Krankheit des Leins; übertragbar durch infiziertes Saatgut und verseuchten Boden. Befallene Pflanzen welken und gehen nesterweise ein; die Gefäße im Stengel bräunen sich; Bekämpfung durch weite Fruchtfolge (Zeitraum von mehreren Jahren) und Verwendung gesunden trocken gebeizten Saatgutes.

Flachwurzler: Baumarten, die auf ungünstigen (flachgründigen) Böden ihre Wurzeln nur in den obersten Bodenschichten ausbilden (typisch bei Fichten).

Flagellanten, Geißler, Geißelbrüder: religiöse Ekstatiker, vorwiegend im 13. und 14. Jahrhundert, die öffentlich Selbstgeißelung als Zeichen der Buße betrieben; vielfach Häretiker, die wegen Teilnahme an religiös verkleideten sozialen Protestbewegungen verfolgt wurden.

Flagellantismus, Flagellomanie (lateinisch + griechisch): Geißelung des Partners oder der eigenen Person zur sexuellen Befriedigung bei Sadomasochismus. Als Flagellation bezeichnet man den Vorgang des Peitschens.

Flagellaten, Mastigophora: einzellige, kernhaltige Organismen, die mittels Geißeln beweglich sind; teils blattgrünhaltig und autotroph (Geißelalgen, Euglena), teils blattgrünfrei und heterotroph (Geißeltierchen), siehe auch Urtiere.

Flagellatenpilze, Chytridiomycetes: parasitisch oder saprophytisch lebende Pilze, deren Thallus aus ein kernigen Zellen oder vielkernigen, querwandlosen Hyphen besteht. Die ungeschlechtliche Schwärmsporen oder geschlechtliche Gameten besitzen eine Geißel; hierzu der Erreger des Kartoffelkrebses, Synchytrium endobioticum.

Flagellum: zarter, fadenförmiger, aktiv beweglicher Zellfortsatz bei Protozoen, der der Fortbewegung der Zelle dient.

Flageolett: 1. kleine Blockflöte mit langem Schnabelmundstück.

2. Flageolett, Flageolettöne: hohe, flötenartig klingende Töne bei Streich- und Zupfinstrumenten. Durch nur leichtes Abgreifen der Tonhöhen werden Teilschwingungen der Saiten bewirkt, so dass nur bestimmte Obertöne erklingen können.

Flagge: international festgelegtes Hoheits-, Ehren- oder Erkennungszeichen von Staaten, Städten, Schiffen und so weiter; hat sich aus der Fahne entwickelt und ist seit dem Mittelalter nachweisbar. Im 17. Jahrhundert erfolgte die erste gesetzliche Festlegung von Staatsflagge; es bildete sich der Unterschied zwischen Kriegs- und Handelsflagge heraus. Die Flagge streichen heißt die Flagge niederholen; im Seekrieg das Zeichen bedingungsloser Ergebung.

Flaggenalphabet: Buchstabensignale durch verschiedene Stellung zweier Hand- oder Winkflaggen (weiß mit rotem Rand, 45 cm x 45 cm). Neben einem internationalen Flaggenalphabet gibt es in den Seestreitkräften der Länder nationaler Flaggenalphabet

Flaggenzeichen: Motorsport reglementierte Signalgebung durch Flaggen oder Lampen zur Sicherheit der Fahrer, der unbedingt Folge zu leisten ist; zum Beispiel bedeutet Rot: Halt, Strecke gesperrt; Gelb (stillgehalten): Gefahr, langsam fahren; Gelb (geschwenkt): unmittelbare Gefahr, zum Halt vorbereiten; Blau: Platz machen, ein anderer Fahrer will überholen; Weiß (mit oder ohne rotes Kreuz): Kranken- oder Dienstwagen auf der Strecke; Schwarzweiß kariert: Ende des Rennens.

Flaggschiff: größtes, meist repräsentativstes Schiff einer Reederei oder einer nationalen Handelsflotte; bei Kriegsschiffen dasjenige Schiff, auf dem der Verbandsführer fährt.

flagrant: (lateinisch) offenkundig.

Flair: (fle:r; französisch) feiner Instinkt; Fluidum, Atmosphäre.

Flak: Abkürzung für Fliegerabwehrkanone (Kanone).

Flakartillerie: Artillerie (Kaliber 20 bis 100 mm) für die Vernichtung von Luftzielen; Bestandteil der Truppenluftabwehr oder der Luftverteidigung; mit Fliegerabwehrkanonen, Funkmessstationen und Kommandogeräten ausgerüstet.

Flakon: (französisch germanisch) geschliffenes Glas-, Riechfläschchen.

Flamberg: Landsknecht Schwert mit «geflammter» (gewellter) Klinge, seit dem 15. Jahrhundert.

Flambieren: Gastronomie Abflammen von Speisen und Speisenkomponenten mit hochprozentigen aromatischen Spirituosen zur geschmacklichen Veredelung.

Flamboyantstil: Stilstufe der englischen und französischer Spätgotik, benannt nach den flammenartig züngelnden Maßwerkformen; siehe auch Fischblase 2.

Flame: (Bauch-) Teil der tierischen Haut.

Flamenco: Gattung andalusische volkstümliche Tänze und Gesänge dramatischen Charakters mit schnellem Wechsel von Rhythmus und Tempo. Der Flamencogesang wird vom Flamencotanz (Solo oder Einzelpaar) begleitet oder eingeleitet; Herkunft umstritten.

Fläming: eiszeitlich geformtes, überwiegend sandiges Hochgebiet zwischen Elbe und Dahme, mittlerer Teil des südlichen Landrückens; im Westen Hoher Fläming (Hagelberg, 201 m), im Osten Niederer Fläming; stark bewaldet (Kiefern).

Flamingoblume, Anthurium: Gattung der Aronstabgewächse des tropischen Amerikas; einige Arten liefern als Gewächshauspflanzen wertvolle Schnittblumen mit meist lackrotem Hochblatt. Siehe auch Aronstabgewächse.

Flamingos, Phoenicopteridae: blassröte bis rote langbeinige Vögel warmer Gebiete; mit dem hakenförmig gebogenen Seihschnabel filtrieren sie Kleinkrebse in flachen Salzseen.

Flaminius, Titus Quinctius, um 227-174 vor Christus, römischer Feldherr und Politiker; war 198 Konsul; brachte 197 bei Kynoskephalai Philipp V. von Makedonien eine Niederlage bei und schlug 195 den letzten spartanischer König Nabis.

Flamme: Lichterscheinung, welche die Verbrennung von Gasen (oder von Substanzen, die in der Hitze brennbare Gase liefern) begleitet. Die Temperatur der heißesten Flamme (Verbrennung von Dicyanoethin in Ozon) beträgt etwa 6000°C. Eine kalte Flamme entsteht zum Beispiel bei der langsamen Oxydation weißen Phosphors an der Luft. Siehe auch Flammenfärbung.

Flammenfärbung: durch Ionen bestimmter Elemente hervorgerufene typische Farbgebung einer Flamme, zum Beispiel durch Kupfer grün oder blau, Lithium karminrot, Strontium zinnoberrot, Barium gelblichgrün, Kalium blauviolett, Natrium gelb. Bei gleichzeitiger Anwesenheit von Kalium neben Natrium kann die blauviolette Kaliumflamme in der chemischen Vorprobenanalytik durch ein Kobaltglas, welches das intensiv gelbe Natriumlicht absorbiert, beobachtet werden.

Flammenwerfer: Gerät, aus dem Brandstoffe durch Druckluft beziehungsweise Pulvergase als Flammenstrahl geschossen werden, um den Gegner auf kurze Distanz zu bekämpfen. Man unterscheidet leichte Flammenwerfer (bis 90 m), schwere Flammenwerfer (bis 180 m) und Panzer-Flammenwerfer (etwa 200 m).

Flammeri: kalt angerichtete Süßspeise, aus Stärkemehl, Grieß oder Puddingpulver, Zucker, Milch und weiteren Zutaten (wie Fruchtsäfte, Gewürze) gekocht.

Flammieren: Verkleben von textilen Flächengebilden mit einer Schaumstoff-Folie, deren Oberfläche durch Vorbeiführen an Gasbrennern eine klebend wirkende Schmelzschicht erhält.

Flammpunkt: niedrigste Temperatur, bei der ein brennbarer Stoff so viele Dämpfe bildet, dass diese unter genormten Bedingungen durch eine Flamme kurzzeitig zum Aufflammen gebracht werden können.

Flammrohr: a) in bestimmten Dampferzeugern (Flammrohr Dampferzeuger) meist gewelltes weites Rohr, in dem die Feuerung untergebracht ist;

b) wellig profiliertes Rohr im kohlebeheizten Standbadeofen.

Flammschutzmittel: Chemikalien zur Beschichtung oder Tränkung brennbarer Stoffe, um deren Brennbarkeit zu mindern oder das Entflammen zu verzögern. Die Wirksamkeit der Flammschutzmittel beruht auf ihrem Gehalt an schmelzenden Salzen oder auf der Entwicklung von feuererstickenden Gasen.

Flammspritzen: Verfahren zum Aufbringen von Plastiküberzügen auf Metalloberflächen, besonders zum Auskleiden von Behältern. Plastikpulver, zum Beispiel Polyäthylen, wird beim Durchblasen durch eine Flamme erweicht und auf ein vorgewärmtes Werkstück gespritzt, wo es eine geschlossene Schicht bildet.

Flandern, niederländisch Vlaanderen, französisch Flandre: historisches Gebiet im Norden Frankreichs und im Nordwesten Belgiens, umfasst die französischen Departements Nord (5 739 km2, 2,5 Millionen Einwohner, Verwaltungszentrum Lille) und Pas-de-Calais (6639 km2, 1,4 Millionen Einwohner, Verwaltungszentrum Arras) sowie die belgische Provinzen West-Vlaanderen (3134 km2, 1,1 Millionen Einwohner, Verwaltungszentrum Brügge) und Oost-Vlaanderen (2 982 km2, 1,3 Millionen Einwohner, Verwaltungszentrum Gent); Tiefland, im Kemmel(berg) bis 156 m hoch; im Westen Dünenküste, dahinter fruchtbare Marschen (Getreide, Zuckerrüben), im Osten vorherrschend Sandböden (Kartoffel-, Gemüse-, Futterpflanzenanbau, Viehzucht); in den Städten herrschte früher Textilindustrie vor, dazu heute Maschinen- und Fahrzeugbau, Metallurgie, Lebensmittelindustrie; Seehäfen, zahlreiche Kanäle. Nach der geplanten Umwandlung Belgiens in einen Bundesstaat ist die Bildung der Region Flandern vorgesehen. Sie soll außer West- und Oost-Vlaanderen auch die Provinzen Antwerpen, Limburg und Brabant (ohne Brüssel) umfassen, in denen ebenfalls Niederländisch Amtssprache ist. Die künftige belgische Region Flandern mit Brügge als Zentrum hat bereits jetzt Befugnisse auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet. Die im Altertum von Kelten bewohnte Landschaft war seit dem 9. Jahrhundert frank. Grafschaft und fiel bei der Reichsteilung an das Westreich (870 Vertrag zu Meerssen). Flandern war im Mittelalter Zentrum der Tuchproduktion Europas; kam 1384 zum Herzogtum Burgund, fiel im 15. Jahrhundert an die Habsburger. Das Gebiet um Dunkerque und Lille ist seit dem 17. Jahrhundert Französisch, das übrige Flandern gehört seit 1830 zu Belgien. Im 1. Weltkrieg war Flandern 1915/17 wiederholt Schauplatz großer britischer Offensiven; im Herbst 1918 von den deutschen Truppen geräumt. Die langdauernden Kämpfe an der Stellungsfront gehörten zu den verlustreichsten des Krieges.

Flanell: weiches ein- oder beidseitig gerautes Gewebe in Leinwand- oder Köperbindung aus Natur- und beziehungsweise oder Chemiefasern; für Anzüge unter anderem.

Flaneur: Müßiggänger, Bummler,

Flanke: 1. allgemein Seite, Seitenfläche, Seitenlinie.

2. Gerätturnen: Beinschwungbewegung beziehungsweise Stützsprung, bei dem beide Beine geschlossen und gestreckt seitwärts über ein Turngerät geschwungen werden und eine Seite, die Flanke, des Körpers dem Gerät zugekehrt ist.

3. Sportspiele: vor allem im Fußball ein von der Seitenliniennähe aus vor das Tor gespielter Ball.

Flankonade, Flanconade: ein Filo in die gegnerische Flanke.

Flansch: 1. Bautechnik: Gurt.

2. Maschinenbau: a) bei Rohrleitungen kreisrunde, ovale oder quadratische Scheibe mit Mittelbohrung und mehreren auf einem Lochkreis liegenden Bohrungen zur Verbindung der Rohre mittels Schrauben oder ohne Mittelbohrung zum Verschluss des Rohres (Blindflansch).

b) bei Wellen runde Scheibe am Wellenende mit mehreren auf einem Teilkreis liegenden Bohrungen für Schraubenverbindungen oder Passbolzen zur Drehmoment- und Kraftleitung zur nächsten Welle.

Flaschenbaum: Bäume mit ungewöhnlich angeschwollenem wasserspeicherndem Stamm, besonders aus der Familie der Bombacaceae. Hierzu gehören der Affenbrotbaum (Adansonia digitata) und die in Trockenwäldern Südbrasiliens und Argentiniens vorkommende Gattung Chorisia.

Flaschenkürbis, Lagenaria siceraria: in Afrika beheimatetes und in vielen tropischen und subtropischen Ländern kultiviertes Kürbisgewächs, dessen grüne Früchte als Gemüse gegessen werden. Die trockenen, hartwandigen, birnen- oder zylinderförmigen, wasserundurchlässigen Früchte werden zu Gefäßen verarbeitet.

Flaschenzug: einfache Vorrichtung zum Heben einer großen Last mit einer kleineren Kraft; der Weg der Kraft ist entsprechend größer als der der Last: Kraft x Kraftweg = Last x Lastweg. Der gewöhnliche Flaschenzug besteht aus einer oder mehreren festen Rollen und derselben Anzahl loser Rollen, die in 2 Scheren oder Flaschen befestigt sind. Bei 2n Rollen herrscht Gleichgewicht, wenn die aufgewandte Kraft F gleich dem 2n-ten Teil der Gewichtskraft (Last) G ist. Beim Differentialflaschenzug läuft eine endlose Kette über 2 auf einer Achse sitzende, festverbundene Rollen mit ungleichen Radien, wobei F und G in den beiden freien Schlaufen angreifen.

Flattergras, Milium: in schattigen nährstoffreichen Laubwäldern verbreitetes, bis 1 m hohes Horstgras mit lockerer, allseitig ausgebreiteter Rispe.

Flattermarken: Polygraphie zwischen erster und letzter Seite des Buchbinderbogens im Bundsteg in bestimmter Höhe angebrachte kurze fette Linien, die zum Kollationieren dienen, da sie nach dem Zusammentragen falsch liegende oder fehlende Bogen erkennen lassen.

Flattern: auf Kreiselwirkung beruhende, durch zu weiche Federung und Bereifung oder Unwucht bei hoher Fahrgeschwindigkeit entstehende störende Schwingung der gelenkten Vorderräder eines Kraftwagens.

Flattersatz: Satzanordnung, bei der unterschiedlich lange Zeilen links gleichmäßig untereinander beginnend angeordnet sind und rechts frei auslaufen (auch umgekehrt).

Flattertiere, Fledertiere, Chiroptera: einzige zum aktiven Flug befähigte Säugetiere, die mittels einer elastischen Flughaut, die sich vom Hals über Daumen und Fingerspitzen bis zu den Fußwurzelknochen und zwischen den Hinterfüßen erstreckt, fliegen. Daumen und Zehen sind frei von der Flughaut und tragen eine scharf gebogene, spitze Kralle. Die Hinterbeine dienen beim Laufen und Klettern als Körperstütze. In der Ruhe hängen Flattertiere kopfabwärts an den Hinterbeinen und hüllen den Körper in die Flughaut ein. Sie ernähren sich von Insekten oder Früchten. Die Orientierung der vorwiegend nachtaktiven, weltweit verbreiteten Flattertiere erfolgt im Ultraschallbereich nach dem Prinzip des Echolots. Zu den Flattertieren gehören Fledermäuse und Flughunde.

Flaubert, Gustave, 12.12.1821-8.5.1880, französischer Schriftsteller; setzte in seinen Hauptwerken «Madame Bovary» (1857, deutsch) und «Erziehung der Gefühle» (1869, deutsch) die Tradition des kritischen Realismus fort. Andererseits flüchtete sich Flaubert aus Ablehnung der Banalitäten der bürgerlichen Gesellschaft jedoch auch in exotische-legendenhafte Stoffe («Salammbô», 1863, deutsch) und eine Überbetonung der künstlerischen Form, wodurch er unter anderem objektiv Tendenzen des l’art pour l’art vorwegnahm.

Flausch: dickes, weiches, wolliges Streichgarngewebe für Mäntel, meist aus Mehrlagengewebe (2 Ketten und 2 Schüsse) hergestellt.

Flaute: (französisch, zu «flau») seemännisch sehr schwacher Wind; totale Flaute ist Windstille.

Flavier: 1. altrömisches Plebejer Geschlecht.

2. römische Kaiserdynastie des 1. Jahrhundert nach Christus, der Vespasian, Titus und Domitian angehörten.

Flavine: (lateinisch flavus, «gelb») Isoalloxazin-Derivate: in der Natur weitverbreitete Gruppe von Pigmenten. Wichtigster Vertreter der Flavine ist das den Alkohol Ribitol enthaltende Riboflavin, das wie ein Nukleosid im Flavinmononukleotid (FMN) und Flavinadenindinukleotid (FAD) gebunden ist. Diese Nukleotide spielen als prosthetische Gruppen von Oxidoreduktasen eine wichtige Rolle im Stoffwechsel.

Flavinenzyme, Flavoproteine: wasserstoffübertragende Enzyme (Oxidoreduktasen), die Riboflavin Derivate (Flavinadenindinukleotid oder Flavinmononukleotid) als prosthetische Gruppe enthalten und infolgedessen gelb gefärbt sind, zum Beispiel Bernsteinsäuredehydrogenase.

Flavone: gelbe Pflanzenfarbstoffe, zum Beispiel in Blütenblättern (Himmelschlüssel, gelbe Rosen, Königskerzen) oder im Holzkörper mancher Bäume (Gelbhölzer); chemisch nahe verwandt mit den Anthozyanen in blauen, violetten und roten Blüten. Muttersubstanz der Flavone ist das in farblosen, wasserunlöslichen Nadeln der chemischen Formel C6H5-C=CH-C0-C6H4-0 kristallisierende Flavon, eine sauerstoffheterozyklische Verbindung.

Flaxman, John, 6.7.1755-7.12.1826, englischer Zeichner und Bildhauer, seine Bedeutung liegt in den Reliefentwürfen für Wedgwood-Steingut unter anderem. Der ausgewogene Linienstil seiner von der griechischen Vasenmalerei inspirierten Umrisszeichnungen war Vorbild für viele Künstler bis hin zu J. A. D. Ingres.

Flèche, eindeutschend Fleche: Fechten schnelle pfeilartige Angriffsform («Sturzangriff») aus weiter und mittlerer Mensur.

Flechsig, Paul, 29.6.1847-22.7.1929, Neurologe und Psychiater; Professor in Leipzig; machte sich um die Aufklärung wichtiger Gehirn- und Rückenmarkbahnen verdient. In allen seinen Arbeiten kommt eine materialistische Grundauffassung vom Verhältnis des Psychischen zum Physischen zum Ausdruck.

Flechte: volkstümliche Bezeichnung für verschiedene Hautkrankheiten, zum Beispiel Epidermophytie.

Flechten: Textiltechnik Vereinigung mindestens dreier Fäden o. ä. Elemente in Arbeitsrichtung fortschreitend durch Verkreuzen.

Flechten, Lichenes: in Symbiose mit Grün- oder Blaualgen lebende (meist Schlauch-) Pilze, die auf Felsen, Baumrinde, Sandböden und in der Tundra Pioniervegetation bilden. Nach der Gestalt unterscheidet man Gallert-, Krusten-, Laub- und Strauchflechten. Die Pilze vermehren sich geschlechtlich, die Algen nur durch Teilung. Einige blaualgenhaltige Flechten binden atmosphärischen Stickstoff; das Aussterben der Flechten in Ballungsgebieten zeigt Luftverschmutzung, besonders durch Schwefeldioxid, an. Nützliche Flechten sind Islandischer Moos, Lackmus-, Rentierflechten.

Flechtgewebe, Plektenchym: bei Pilzen (Pilzmyzel) und Algen vorkommendes, durch enge Verflechtung von Zellfaden entstehendes Scheingewebe. Echte Gewebe gehen aus dem Vegetationskegel hervor.

Flechtinger Höhenzug: waldreiche Hügelkette am Südrand des Ohre Tals (Drömling); bis 146 m; begrenzt im Norden das nördlichen Harzvorland; Erholungsgebiet.

Flechtwerk: Böschungsbefestigung aus geflochtenem Reisig zwischen Holzpfählen, um die Spülwirkung des Wassers (Sandausspülung) zu vermin dem.

Flecke: Ragout ähnlich zubereitetes Gericht aus Kaldaunen, besonders dem Pansen des Rindes.

Fleckenfalter, Edelfalter, Nymphalidae: Schmetterlingsfamilie mit bunt gefleckten Tagfaltern; Vorderbeine zu Putzorganen umgebildet; Raupen stark bedornt, besonders die vom Eisvogel (Limenitis populi), der an Espen lebt. Siehe auch Schmetterlinge.

Fleckentfernung: Entfernung örtlich begrenzter Verunreinigungen aus Textilien unter anderem Materialien durch chemisch oder physikalisch wirkende Mittel. Benzin, Trichloräthen, Tetrachlormethan unter anderem Fettlöser wirken physikalisch lösend; bei ihrer Anwendung ist die Unterlegung saugfähigen Materials erforderlich. Chem. Fleckentfernung erfolgt durch Entfärber. Fleckentfernungspasten adsorbieren die Verschmutzungen an Silikagel und können nach Verdunstung des Lösungsmittels leicht ausgebürstet werden.

Fleckfieber, Flecktyphus: sehr ansteckende Infektionskrankheit mit hohem Fieber, Hautausschlag, Bewusstseinsstörungen und Lähmungen; endemische Infektionsherde in Südosteuropa, Asien und Afrika; der Erreger (Rickettsia prowazekii) wird durch Kleiderläuse übertragen.

Fleckstellung: Kegelsport eine Vertiefung in der Kegelstandfläche des Vierpasses auf Asphalt-, Bohle- und Scherenbahnen, in die eine durch eine Stahlfeder am Boden des Kegels herausgedrückte Kugel passt.

fleddern: (Rotwelsch) Leichen oder wehrlose Personen ausplündern.

Fledermäuse, Microchiroptera: Unterordnung der Flattertiere mit meist kurzem Gesichtsschädel und spitzhöckerigen Backenzähnen zum Zerbeißen des Chitin Panzers von Insekten; in Europa die Hufeisennasen, in Amerika die Vampire. Alle Fledermäuse halten Winterschlaf; siehe auch Abendsegler.

Fledermausfische, Platax: zu den Barschartigen gehörende, seitlich abgeflachte und extrem hochrückige Fische tropischer Meere mit hoher Rücken- und großer Afterflosse, zum Teil kontrastreich gezeichnet.

Fleet: (niederdeutsch, zu «fließen») 1. Fleet: Fischwirtschaft: Treibnetz.

2. Fleet: Wasserbau: kleiner, schiffbarer Kanal oder Entwässerungsgraben innerhalb der Deiche.

Fleet Street: Straße in London, in der bedeutenden britischen Presseunternehmen sowie die Nachrichtenagentur Reuter ihren Sitz haben; im weiteren Sinne die britische Presse überhaupt.

Fleisch: im weiteren Sinne alle roh, zubereitet oder verarbeitet genießbaren Körperteile von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien, Krusten- und Weichtieren; im engeren Sinne die Skelettmuskulatur von Schlachttieren, Geflügel und Wild. Die Einbeziehung von Fleisch bestimmter Tierarten sowie von Binde-, Fett-, Knochen-, Nervengewebe, Schlachtabgängen (Blut, Eingeweide) sowie -abschnitten (zum Beispiel Kopf, Füße, Euter, Haut) in die gesetzliche Definition für Fleisch ist international unterschiedlich und im Rahmen von Bestimmungen zur Ermittlung der Genusstauglichkeit von Fleisch mit entsprechend Tier- und Fleischuntersuchungen geregelt. U. a. sind Merkmale, Kennzeichnung und erlaubte Verwendung, zum Teil in Verbindung mit Behandlungsvorschriften für bedingt taugliches, minderwertiges und untaugliches Fleisch, festgelegt. Schieres Fleisch (knochenfreies Muskelfleisch ohne sichtbares Fett) enthält im Durchschnitt 76 % Wasser, 21,5 % Eiweiß, einschließlich Aminosäuren und Fleischbasen (Kreatin, Kreatinin), 1,5 % Fett, sehr wenig Kohlenhydrat (Glykogen), 1 % Mineralstoffe und Vitamine (B1, B2, Niacin). Der unterschiedliche Fettgehalt beeinflusst den Wassergehalt und Energiewert.

Fleischextrakt: eingedickter wässriger Auszug frischen Fleisches. Fleischextrakt ist albumin-, leim- und fettfrei, enthält Fleischbasen (unter anderem Kreatinin), Peptide, Aminosäuren, Glykogen, organische Säuren (Milch-, Bernsteinsäure) sowie Mineralstoffe und dient zur Herstellung von Brühwürfeln, Suppen und Soßen.

Fleischfliegen, Sarcophaga: Gattung der Aasfliegen mit bis 16 mm großen graumarmorierten Arten; die fußlosen Maden leben an totem Fleisch, zum Teil auch an Exkrementen.

Fleischfresser, fleischfressende Tiere, Karnivoren, Zoophagen: Tiere, die sich vom Körpergewebe anderer Tiere, im Allgemeinen ihrer Beutetiere, ernähren, zum Beispiel Laufkäfer von Raupen, Mäusebussard von Mäusen.

Fleischleistung: Schlachtergebnis von gemästeten Haustieren; im Allgemeinen wird die Fleischleistung am Anteil fleischreicher Teilstücke beurteilt, zum Beispiel beim Schwein nach Schinken, Kotelett, Lende, Bug und Kamm, im Verhältnis zur Schlachthälfte. Die Fleischleistung ist erblich fixiert, aber durch Umweltfaktoren beeinflussbar.

Fleischuntersuchung: tierärztliche Untersuchung der Schlachttiere nach der Schlachtung (Fleischbeschau). Die Fleischuntersuchung ist gesetzlich geregelt in der Schlachttier- und Fleischuntersuchungsanordnung vom 5.11.1971 und wird seit 1.1.1972 entsprechend durchgeführt.

Fleißiges Lieschen: Bezeichnung für mehrere fortgesetzt reich blühende Zierpflanzen; zum Beispiel die Immerblühende Begonie (Begonia semperflorens) und die Zimmerbalsamine (Impatiens walleriana).

flektieren: (lateinisch) Grammatik beugen; siehe auch Flexion,

flektierende Sprachen: Sprachen, in denen die grammatische Beziehungen durch Flexionsendungen ausgedrückt werden; weitgehend flektierende Sprachen sind die slawischen und germanischen Sprachen. Siehe auch Sprachtypologie.

Fleming: 1. Sir Alexander, 6.8.1881-11.3.1955, britischer Bakteriologe; Professor in London. Fleming entdeckte 1928 die antibakterielle Wirkung von Penizillinkulturen, aus denen 1940 H. W. Florey und weitere Mitglieder der sogenannten Oxford-Forschungsgruppe das Penizillin isolierten.

2. Paul, 5.10.1609-2.4.1640, Dichter, schrieb deutsche und neulateinische politische («An Deutschland») und geistliche («In allen meinen Taten») Gedichte, Epigramme, Liebes- und Trinklieder.

Fleuron: stilisiertes Blumenornament; in Architektur, Goldschmiede- und Textilkunst im Barock und Klassizismus verwendet, in der Buchkunst besonders als Schlussvignette und Schmuckstempel auf Einbänden.

Fleurs: gegerbter Narbenspalt von Schaffellen; dünnes Leder zum Beispiel für Bucheinbände.

Fleurus: Gemeinde in Belgien, nordöstlich Charleroi. In der Schlacht bei Fleurus (26.6.1794) errangen die französischen Revolutionsarmeen einen entscheidenden Sieg über österreichische Truppen der 1. Koalition, wodurch der Bestand der Eisten Republik und der Besitz Belgiens gesichert wurden.

Fleute: in den Niederlanden (Hoorn) entwickelter 3mastiger Segelschiffstyp des 17. und 18. Jahrhundert mit fast rundem und oben stark eingezogenem Querschnitt sowie relativ geringem Tiefgang. Die Masten waren höher, die Rahen kürzer und die trapezförmigen Segel schmaler als vorher üblich. Die hohen Aufbauten entfielen; das Achterdeck stieg steil an. Durch die verbesserten Segeleigenschaften konnte die Besatzungsstärke reduziert werden.

Flexenstraße: Alpenstraße über die westlichen Lechtaler Alpen in Vorarlberg (Österreich); verbindet über den wiesenbedeckten Flexen Sattel (1773 m) das Lechtal und das Klostertal (Arlberg).

Flexibilität: in der sozialistischen Wirtschaft die Fälligkeit, auf der Grundlage des Planes und im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen und festgelegter Entscheidungsbefugnisse im Interesse hoher volkswirtschaftlicher Effektivität schnell auf neue national oder international bedingte Veränderungen der Reproduktionsbedingungen zu reagieren; erfordert hohe Risikobereitschaft und vorausschauendes Denken.

Flexion, Beugung: Grammatik nach festen Regeln vorgenommene Formveränderung der Nomina und Verben; umfasst Deklination, Konjugation und Komparation.

Flexio uteri: Haltung der Gebärmutter, Winkelverhältnis des Gebärmutterkörpers zum Gebärmutterhals. Bei Anteflexio besteht eine Neigung der Gebärmutter nach vom, bei Retroflexio eine Neigung nach hinten.

Flexoleitung: (Kunstwort) verschleißarme und wenig störanfällige Anschlussleihing für elektrische Geräte. Die aus vielen Einzeldrähten bestehenden Kupferleitungen sind mit Stecker und Kupplung verlötet und mit einem Weichgummi- oder Plastikmantel überzogen.

Flexur: 1. Anatomie: Biegung, Krümmung, besonders Bezeichnung für gekrümmte Abschnitte des Darmrohrs.

2. Geologie: S-förmige Verbiegung eines Schichtkomplexes durch Absenkung eines Schenkels, zum Beispiel im Elbtal bei Pirna.

Flieder, Syringa: Gattung strauchiger Ölbaumgewächse mit großen duftenden Blütenrispen; als Zierstrauch vor allem der Gemeine Flieder (S. vulgaris) mit herzförmigen Blättern und weißen oder rot- bis blauvioletten Blüten.

Fliege: 1. Astronomie: Sternbild.

2. Fliege, künstliche Fliege: Fischereiwesen Insektennachahmung, die als Angelköder (Fliegenangel) dient.

3. Mode: Krawatte in Schleifenform.

4. Zoologie: Fliegen.

Fliegen: jegliche Form der Fortbewegung im Raum über der Erdoberfläche. Hauptsächlich Prinzipien sind statischer Auftrieb (Ballon, Luftschiff), dynamischer Auftrieb (Starrflügel- und Rotorflugzeuge), Rückstoß ausströmender Gase (ballistische Rakete im aktiven Bahnabschnitt), ballistischer Flug (passiver Bahnabschnitt), Wirkung der Gravitationsgesetze (Raumflugkörper).

Fliegen, Brachycera: Unterordnung der Zweiflügler mit etwa 45000 Arten, für die kurze Fühler charakteristisch sind. Eiablage erfolgt meist an faulenden Stoffen, in denen auch die fußlosen Larven (Maden) leben. Die Verwandlung erfolgt in Mumienpuppen, die sich mit T-förmigem Riss öffnen (Spaltschlüpfer), oder in Tönnchenpuppen, aus denen die Fliegen durch Absprengung eines Deckels schlüpfen (Deckelschlüpfer). Viele Fliegen sind durch das Saugen von Blut oder durch den Kontakt mit Abfallstoffen ernste Gesundheitsschädlinge.

Fliegenpilz, Amanita muscaria: Blätterpilz mit rotem Hut (oft mit weißen Hüllresten), weißen Blättern und weißem Stiel mit Knolle und Manschette; besonders unter Birken und Nadelbäumen. Der Fliegenpilz enthält Ibotensäure, Muskarin unter anderem Gifte und kann tödlich wirken. Siehe auch Wulstlinge.

Fliese: dünnwandige keramische Platte; im weiteren Sinne 4- oder mehreckige Platte aus Naturstein, Keramik oder Glas; verwendet als Wand- oder Fußbodenbelag. Wandfliese oder -platten werden überwiegend aus einer weißbrennenden Steingutmasse im Format 150 mm x 150 mm hergestellt und mit einer leichtschmelzenden Glasur überzogen, die farblos oder farbig, glänzend oder matt ist. Keramische Fußbodenfliese bestehen meist aus farbigem Steinzeug, sind unglasiert oder glasiert, säurebeständig und werden einfarbig oder gemustert, glatt oder gerippt hergestellt.

Fließband: für die Fließfertigung eingesetztes Fördermittel (zum Beispiel Förderband, Rollenförderbahn), auf dem die Arbeitsgegenstände örtlich fortschreitend bearbeitet beziehungsweise montiert werden. Siehe auch Fließstraße.

Fließen: 1. Hydrologie: Bewegung einer Flüssigkeit, die in ihrem ganzen Umfang von Wandungen begrenzt oder bei freier Ausbildung ihrer Oberfläche von solchen geführt wird. Flüssigkeitsbewegungen, bei der sich alle Teilchen in nebeneinanderliegenden Schichten bewegen, werden als Gleiten oder laminares Fließen bezeichnet. Ist die Fließgeschwindigkeit kleiner als die Wellenschnelligkeit, so spricht man vom Strömen, umgekehrt vom Schießen. Strömen und Schießen zusammen werden als turbulentes Fließen bezeichnet.

2. Physik: bei mechanischer Belastung oberhalb der Fließgrenze einsetzende plastische Verformung viskoser Stoffe. Siehe auch Rheologie.

Fließerde: Lockermaterial, das durch Wassersättigung fließtaugliche Konsistenz besitzt. Siehe auch Bodenfließen.

Fließfertigung: Organisationsform der industriellen Fertigung; gekennzeichnet durch eine örtlich fortschreitende, zeitlich bestimmte, lückenlose Folge von Arbeitsgängen und damit durch einen kontinuierlichen rhythmischen Ablauf des Fertigungsprozesses. In der Bautechnik zum Beispiel ist Fließfertigung ein nach einem exakten Zyklogramm abgestimmter Transport- und Montageablauf auf Baustellen und in Plattenwerken. Siehe auch Fließband, Fließstraße.

Fließgleichgewicht, Steady-state (englisch): zeitunabhängiger Zustand, dem offene Systeme (zum Beispiel chemische oder biochemische Reaktionsketten, Zellen) zustreben; ist durch konstante Reaktionsgeschwindigkeiten und Metaboliten Konzentrationen bei konstanter Zu- und Abflussgeschwindigkeit von Substrat beziehungsweise Produkt gekennzeichnet.

Fließgrenze: 1. Bautechnik: Wassergehalt bindiger Lockergesteine beim Übergang vom flüssigen in den plastischen Zustand.

2. Festigkeitslehre: Beanspruchungs-Dehnungs-Diagramm.

Flibustier: (französisch - spanisch) Seeräuber, Freibeuter des 17. Jahrhundert, an den Küsten Mittel- und Südamerikas. Siehe auch Bukanier.

Fließpressen: sehr produktives, gut automatisierbares Verfahren der Massivumformung, insbesondere für Massenfertigung, bei dem Werkstoff durch einen Stempel aus einer Matrize verdrängt wird und dabei seinen Querschnitt ändert. Je nach Richtung des Werkstoffflusses in Bezug auf die Stempelbewegung unterscheidet man Vorwärts-, Rückwärts-, kombiniertes und Querfließpressen. Es wird bei Raumtemperatur (Kaltfließpressen), zwischen Raum- und Warmformtemperatur (Halbwarm-Fließpressen) oder bei Warmformtemperatur (Warmfließpressen) durchgeführt. Die Herstellung von Tuben aus Weichmetallen mittels Kaltfließpressen (früher Kaltspritzen genannt) ist seit etwa 1886 aus Frankreich bekannt. Heute hat das Kaltfließpressen von NE-Metallen große Bedeutung für die Verpackungs- und Elektroindustrie (Tuben, Dosen, Kondensatoren- und Elemente Becher u. ä.), das Kaltfließpressen von Stahl in der Standardteil-, Fahrzeug-, Textil- und Haushaltgeräteindustrie. Als Maschinen kommen mechanischen Pressen bis 40 MN Nennpreßkraft, für lange Teile hydraulische Pressen bis über 50 MN zum Einsatz.

Fließscheren: Verfahren zum Zerteilen strangförmiger Halbzeuge, insbesondere mit Kreisquerschnitt, bei dem der Werkstoff vor und während des Schervorganges axial mindestens bis zu seiner Streckgrenze, mitunter auf deren mehrfachen Betrag belastet wird. Als Ergebnis werden ebene, rechtwinklige Trennflächen ohne Bruchanteil erzielt. Die Anwendung betrifft bisher gut kaltumformbare NE-Metalle und deren Legierungen (Aluminium, Kupfer), zum Beispiel zur Herstellung von Ausgangsformen für das Fließpressen.

Fließstraße, Fließreihe: Fertigungseinrichtung zur Durchführung der Fließfertigung, wobei in Abhängigkeit vom technischen und organisatorischen Niveau zwischen Hand-, mechanisierter und automatisierter Fließstraße unterschieden wird. Transferstraßen bestehen aus untereinander durch Transporteinrichtungen verketteten Bearbeitungsmaschinen beziehungsweise Maschinenaufbaueinheiten (zum Beispiel Fräs- oder Bohreinheiten). Roto-Fließstraße sind dadurch gekennzeichnet, dass die Arbeitsgegenstände während des Transportes bearbeitet werden, wobei das jeweilige Werkzeug synchron mitgeführt wird; siehe auch Fließband.

Flimmerepithel: Epithelzellen, die auf ihrer freien Oberfläche Flimmerhärchen (Zilien) tragen; zum Beispiel in der Luftröhre.

Flimmerfrequenz: in der Film- und Fernsehtechnik bei der Bildwahrnehmung bemerkbare Bildwechsel- und Lichtreizfrequenz (Zahl der je Sekunde das Auge erregenden Lichtreize), die noch keine kontinuierliche Helligkeitswahrnehmung gewährleisten. Um flimmerfreie Bilder wahrzunehmen, muss die Bildwechselfrequenz größer als die Flimmerverschmelzungsfrequenz des Auges sein. Diese beträgt mindestens 16 Lichtreize/s und ist außerordentlich von der Bildwandleuchtdichte und dem Gesichtsfeld des Betrachters abhängig. Bei der Kinofilmprojektion werden deshalb 48 Bilder/s angeboten.

Flimmerverschmelzungsfrequenz: Frequenz von aufeinander folgenden kurzen Lichtreizen, bei der keine Flimmerempfindung mehr auftritt. Sie ist von der Umfeld Helligkeit abhängig. Am Tage sind es 80, in der Dunkelheit 22 bis 25 Reize je Sekunde.

Flims: Kurort im Osten der Schweiz (Kanton Graubünden), am Fuße der Glarner Alpen; 1500 Einwohner; Wintersport. Flims liegt am oberen Rand des interglazialen, heute bewaldeten Flimser Bergsturzes, der 40 km2 des Vorderrheintales bis 600 m hoch bedeckt hat und vom Rhein auf 15 km schluchtartig durchschnitten wurde.

Flinderskette: (nach einem britischen Australienforscher) bedeutendstes Gebirge Südaustraliens, das sich vom Spencer-Golf nach Norden erstreckt; bis 1128 m hoch; spärliche Vegetation, reich an Bodenschätzen (Kohle, Uran, Blei, Gold, Kupfer, Silber).

Flint: (englisch) Mineral; Quarz.

Flint: Stadt im Bundesstaat Michigan (USA); mit Vororten 510000 Einwohner; nach Detroit wichtigstes Zentrum der US-amerikanischen Automobilindustrie; ferner Lebensmittel-, Stahl-, Farbenherstellung; Flughafen.

Flinte: Jagdgewehr mit glattem Lauf für Schrotschuss und Flintenlaufgeschoß (auch als Doppelflinte oder Büchsflinte).

Flip: 1. alkoholisches beziehungsweise alkoholfreies Bargetränk mit Ei; ein schaumig gemixter Long Drink.

2. Eiskunstlauf: getippter Salchow.

FMp-Chip: Verfahren zur Herstellung von Halbleiterbauelementen für Hybridschaltungen. Das Hybridsubstrat sowie die einzelnen Bauelemente-Chips enthalten auf ihren Bondinseln punktförmige Erhöhungen, die beim Zusammenfügen verschweißt werden (Einzelchips werden mit der Substratseite nach oben auf die Hybridschaltung gebondet).

Flipflop: bistabiler Multivibrator, bestehend aus 2 Teilsystemen, die über gleichstromdurchlässige Rückkopplungsglieder verbunden sind. Dabei enthält jedes Teilsystem ein aktives (verstärkendes) Schaltelement (Transistor). Die Umschaltzeiten von einem Zustand in den anderen hängen von den Eigenschaften der Teilsysteme ab und können extrem kurz sein. Das Zusammenschalten von Flipflop gestattet die Realisierung von speichernden Baugruppen, zum Beispiel in Rechen- und Steuerwerken von Rechenautomaten.

Flitter: 1. kleinste Kupfermünze im 17. Jahrhundert (= % Pfennig), besonders in Niedersachsen und Thüringen.

2. Pailletten.

Floatglas: Flachglas höchster Qualität, das heißt geringster Oberflächenwelligkeit; hergestellt, indem das aus der Wanne austretende noch relativ niedrigviskose Glasband auf eine flüssige Zinnschicht unter Inertgasatmosphäre gebracht wird. Die Dicke beträgt 2,5 bis 10 mm. Einsatz vor allem für Thermoscheiben und als Spiegelglas.

Floating: im heutigen Währungssystem sich nach Angebot und Nachfrage auf den internationalen Devisenmärkten bildende, nach wie vor staatsmonopolistisch regulierte und manipulierte Valutakursbewegung, die sich, im Unterschied zu den starren Wechselkursen nach dem Währungsabkommen von Bretton Woods, jedoch nicht mehr an den offiziellen Goldparitäten orientiert. Demzufolge kommt es durch die täglichen Schwankungen der Valutakurse zu faktischen Ab- und Aufwertungen der Währungen. Das Floating entwickelte sich als bestimmende Form der staatsmonopolistischen Valutakursregulierung nach dem Zusammenbruch des Golddevisenstandards und der Entmachtung des US-Dollars als alleiniger Leitwährung auf dem kapitalistischen Weltmarkt (1973).

Flocke: 1. Faserflocke: Textiltechnik Fasergebilde, das sich im ungeordneten Zustand befindet und nur durch natürliche Haftung zusammen gehalten wird.

2. Tierzucht: Abzeichen.

Flocken: feine, im Inneren von Stahl auftretende Risse, die im Bruchgefüge als schneeflockenähnliche Flecken sichtbar werden. Ursache ist die Ausscheidung von gelöstem Wasserstoff, dessen Löslichkeit und Diffusionsfähigkeit im Eisen sich mit fallender Temperatur vermindert.

Flockenbast: chemisch und beziehungsweise oder mechanisch aufgeschlossene («kotonisierte») Flachs- oder Hanffasern (Kurzfasern) hoher Nassfestigkeit; meist versponnen in Mischung mit Baumwolle oder Viskosefasern.

Flockenblume, Centaurea: artenreiche Gattung der Korbblütler mit weißen, violetten oder blauen Röhrenblüten und reizbaren Staubfäden. Bekannte Arten sind die Kornblume (C. cyanus) und die Wiesen-Flockenblume (C. jacea); eine beliebte Zierpflanze ist die Berg-Flockenblume (C. montana).

Flockfasern: kurze, nicht verspinnbare, zum Beflocken von Textilien verwendete Textilfasern.

Flockung: Methode zum Entfernen von vorwiegend kolloidal verteilten anorganischen und organischen Substanzen des Roh- und Abwassers durch Zusatz von Flockungsmitteln.

Flagstad, Kjartan, geboren 7. 6.1944, norwegischer Schriftsteller; fand über symbolistische Lyrik («Wallfahrt», 1968) zu kritischen Gestaltung heutiger Gesellschaftsprobleme, vor allem in den Romanen «Das Tal Portland» (1977) und «Feuer und Flamme» (1980).

Flöhe, Siphonaptera: Insektenordnung mit rund 1000 Arten, davon etwa 70 in Mitteleuropa; 1 bis 6 mm lang, Körper seitlich abgeflacht, flügellos, Hinterbeine als Sprungbeine ausgebildet; Außenparasiten auf Vögeln und Säugetieren. Als Gesundheitsschädlinge Überträger der Pest und einiger Bandwürmer. Die Larven leben an organischen Abfallstoffen. Siehe auch Hundefloh, Menschenfloh, Rattenflöhe, Sandfloh.

Flohkrebse, Amphipoda: Ordnung höherer Krebse, etwa 3 700 Arten mit seitlich zusammengedrücktem Körper sowie Greif-, Schreit-, Schwimm- beziehungsweise Sprungbeinen, meist unter 2 cm Länge; überwiegend Meeresbewohner, Detritus- und Fleischfresser beziehungsweise Ektoparasiten bei Fischen und Walen; wichtige Fischnahrung. In Pflanzenreichen Fließgewässern ist der Bachflohkrebse (Rivulogammarus pulex), an der Ostseeküste unter angespültem Tang der Strandhüpfer (Talitrus saltator) häufig.

Flomen, Liesen, Schmer: Nieren- beziehungsweise Bauchwandfettgewebe von Schweinen; Rohstoff zur Schmalzgewinnung und Kochwurstherstellung.

Flop, Fosbury-Flop; nach einem US-amerikanischen Hochspringer): Hochsprungtechnik; der Anlauf ist während der letzten 5 Schritte kreisbogenförmig mit Körperneigung bis zu 30° nach innen (von der Latte weg), in der Anflugphase dreht sich der Springer mit dem Rücken zur Latie, erreicht die sogenannte Brückenposition über der Latte und landet mit dem Rücken auf dem Schaumgummihügel.

Flor: 1. Blütenpracht, Blumenfülle; Gedeihen, Wohlstand.

2. Flor: Spinnereivorbereitung bis zur einzelnen Faser geöffnete Faserschicht; zum Beispiel durch Kardieren oder Krempeln entstehendes dünnes Vlies, mit nur zum Teil ausgerichteten Fasern.

Flora: 1. Flora (PI. -ren): Gesamtheit aller Pflanzenarten eines bestimmten geographischen Gebietes.

2. Bestimmungsbuch für Pflanzen eines Gebietes.

Florenreiche: floristisch und vegetationskundlich-ökologische gekennzeichnete Gebiete der Erde, in denen bestimmte Familien und Gattung allein Vorkommen beziehungsweise vorherrschen oder fehlen. Man unterscheidet 6 Florenreiche.

Florenz, italienisch Firenze: Stadt in Oberitalien; Verwaltungszentrum der Region Toskana und der Provinz Florenz, am Arno; 460000 Einwohner; vielseitige Verarbeitungsindustrie, besonders Maschinenbau, chemische, Pharmazeut., polygraphische, Textil-, Glas-, Nahrungsmittelindustrie; Kunstgewerbe; Verkehrsknoten; Kulturzentrum; Universität (seit 1321), Kunstakademie; Bibliotheken, Gemäldegalerien (Uffizien, Palazzo Pitti), National-, Archäologisches Museum; meteorologisches Observatorium; Geburtsort von Dante Alighieri (1265); Altstadt stark hochwassergefährdet. Florenz gehört zu den bedeutendsten Kunststädten Italiens, besonders in der Frührenaissance von Bedeutung; Bargello (13. Jahrhundert; Nationalmuseum), Palazzo Vecchio (13./14. Jahrhundert), gotischer Dom (Kuppel von Florenz Brunelleschi) mit Kampanile (14. Jahrhundert) und romanische Baptisterium. Michele (14. Jahrhundert; mit bedeutenden Plastiken); Frührenaissancebauten von Brunelleschi sind Findelhaus, S. Lorenzo, Pazzi-Kapelle von S. Croce, S. Spirito, Palazzo Pitti; zahlreiche weitere prächtige Paläste, oft mit Rustikafassade; Medici-Kapelle (1521/34; mit Medici-Grabmälern von Michelangelo). Alte etruskische Siedlung, 59 vor Christus römische Militärkolonie (Florentina); seit Ende des 13. Jahrhundert Vorherrschaft in der Toskana; im 13./14. Jahrhundert Entwicklung frühkapitalistische Produktionsverhältnisse (Manufakturen), 1378 erste Manufakturarbeitererhebung (Ciompi); 1434/1737 (mit Unterbrechung) Herrschaft der Medici; 14./16. Jahrhundert kulturell und wirtschaftlich hohe Blüte, ein Zentrum der Renaissance; 1865/71 Hauptstadt Italiens.

Florenzonen: pflanzengeographische Räume, die, dem allgemeinen Temperaturgefälle folgend, vom Äquator bis zu den Polen Vorkommen, in denen jeweils bestimmte Pflanzen- und Tierarten siedeln; zum Beispiel Boreale Florenzone (Nadelwaldgürtel).

Flores: (lateinisch; Sing. Flos) Blüten, Blütendroge; zum Beispiel Flores Chamomillae (Kamille(nblüten)).

Flores: 1. Azoren.

2. Flores, Floris: zweitgrößte der Kleinen Sundainseln, zu Indonesien gehörend; 14250 km2, 1 Millionen Einwohner; Hauptorte Endeh und Maumere an der Küste Tiefland, im Innern gebirgiges Hochland (2400 m) mit noch tätigen Vulkanen; Feucht- und Trockenwälder; Eisenerzlagerstätten; Anbau von Reis, Mais, Zuckerrohr und Kaffee.

3. Stadt (Departements Zentrum) im Norden von Guatemala, 10000 Einwohner; in der Umgebung Ruinen der Maya-Stadt Tayasal.

Florett: leichte Stoßwaffe (110 cm lang, etwa 500 g schwer, Klingenlänge 90 cm, Glockendurchmesser 12 cm).

Florey, Sir Howard Walter, 24.9.1898-21.2.1968, britischer Pathologe; Professor in Oxford; nahm 1940 gemeinsam mit E. B. Chain und anderen Mitarbeitern der Oxford-Forschungsgruppe das Problem in Angriff, Penizillin zu isolieren, seine Struktur und therapeutische Wirksamkeit aufzuklären sowie die Möglichkeit seiner Herstellung in großen Mengen zu erforschen.

Florfliegen, Goldaugen, Chrysopidae: Familie der Netzflügler; 22 heimische Arten mit zarten, oft grünen Flügeln und goldglänzenden Augen; Larven (Blattlauslöwen) sind sehr nützliche Blattlaus-Vertilger.

Florida, Abkürzung Fla.: Bundesstaat im Südosten der USA umfasst die Halbinsel Florida (110000 km2), die Key-Inseln und einen schmalen Küstenstreifen am Golf von Mexiko; 151939 km2, 9,7 Millionen Einwohner (davon 20% Afroamerikaner); 64 Einwohner/km2; Hauptstadt Tallahassee. Florida ist ein wald-, seen- und sumpfreiches Tiefland, das aus einer flachwelligen Kalkfläche besteht. Die Westküste ist stark zerklüftet, im Osten Ausgleichsküste; im Süden Sumpfwildnis der Everglades vorherrschend. Die Südspitze setzt sich in den Key-Inseln fort. Überwiegend subtropische, im Süden tropische Klima. Florida verfügt über eine hochentwickelte kapitalistische Landwirtschaft, deren Spezialzweige der Anbau von Apfelsinen, Pampelmusen, Zuckerrohr, Tomaten und Weintrauben und die Fleischrind- und Milchviehzucht darstellen. Die Fischerei ist bedeutend, während die Industrie eine untergeordnete Rolle (Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten und der Phosphatvorkommen, holzverarbeitende, Zement-, chemische Industrie) spielt. Sehr wichtig ist der Fremdenverkehr (Zentren Miami Beach, Palm Beach, Jacksonville, Key West). Haupthäfen an der Atlantikküste sind Jacksonville, Miami, Everglades; an der Golfküste Tampa, Pensacola. An der Ostküste (Kap Canaveral) Raketenversuchsgelände. 1513 von Ponce de León entdeckt, seit Mitte des 16. Jahrhundert von Spaniern, vorübergehend (1562/86) auch von Franzosen besiedelt. 1763/83 an Großbritannien abgetreten; 1810/18 während der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsrevolution von den USA besetzt und 1819 gekauft; seit 1845 14. Bundesstaat der USA.

Floridastraße: Meeresstraße zwischen der Halbinsel Florida (USA) und Kuba sowie den nördlichen Bahamainseln; 160 km breit, über 1500 m tief; verbindet den Golf von Mexiko mit dem Atlantischen Ozean; durchströmt vom Floridastrom, der die Wurzel des Golfstromes bildet.

Florin: a) älteste englische Goldmünze (1343);

b) englische Silbermünze 1848 bis 1936 zu 2 Shilling, seit 1887 auch doppelte;

c) französischer Name des 1 Guldens.

Floris, Cornelis, um 1514-20.10.1575, niederländischer Bildhauer und Architekt; Hauptwerk ist das Rathaus zu Antwerpen. Durch seine Ornamentstichfolgen verbreitete er die dekorativen Formen des Manierismus (sogenannt Florisstil).

Floristik: Zweig der Pflanzengeographie, der sich mit der Erforschung der Flora eines Gebietes befasst.

Floskel: erstarrte, inhaltsarme Redensart.

Floß: (zu «fließen») 1. Fischereiwesen der Schwimmer an Angeln.

2. Forstnutzung für den Wassertransport untereinander verbundene Holzstämme.

Flösselhechte, Polypteridae: langgestreckte Raubfische des tropischen Afrikas, deren Rückenflosse aus 5 bis 18 kleinen «Flösseln» besteht. Flösselhechte können atmosphärische Luft atmen.

Flossen: 1. Flossen, Pinnae: zur Fortbewegung dienende, häufig breitflächige, unpaare oder paarige Organe oder Hautsäume im Wasser lebender Tiere. Bei den Fischen werden die paarigen Bauch- und Brustflossen von den unpaaren Rücken-, After- und Schwanzflossen unterschieden.

Flossenblätter, Monodactylidae: schwarmbildende Barschfische tropischer Meere mit hohem, seitlich stark zusammengedrücktem Körper; Jungfische auch in Brack- und Süßwasser; bis 21cm lang das Silberflossenblatt (Monodactylus argenteus).

Flossenfüße, Pygopodidae: auf Australien und Neuguinea beschränkte Familie der Echsen mit langgestrecktem Körper und nur winzigen, «flossenartigen» Hinterbeinstummeln; bis 75 cm lang, Augenlider fest verwachsen und durchsichtig, dadurch schlangenartiger Blick.

Flossensauger, Homalopteridae: Familie der Karpfenfische mit stark abgeflachtem und verbreitertem Körper; leben in schnellfließenden Bächen Südostasiens und können sich mittels aus paarigen Flossen und Bauch gebildeter Saugscheibe am Grund festhalten.

Flößerei: Transport von Holz in Form von Flößen; in unerschlossenen Waldgebieten von wirtschaftlicher Bedeutung.

Floßgasse: Kanal für Holzflöße zum Umfahren von Stauwerken in Gebirgsflüssen.

Flotation, (englisch, «Schwimmen») Schaumschwimmverfahren: Verfahren zur Aufbereitung sehr feinkörnig anfallender oder sehr fein gemahlener Gesteine, bei dem man die unterschiedliche Benetzbarkeit der Gemengeteile ausnutzt. Das Gut wird in Flotationszellen in Wasser aufgeschwemmt, dem Sammler (Chemikalien) beigegeben sind, welche die Oberfläche der wertvollen Minerale wasserabweisend machen. Diese Körnchen, lagern sich an der Grenzfläche Wasser/Luft Von Blasen an, die man mit Hilfe eines Rührwerkes oder durch Einblasen von Druckluft erzeugt, und steigen mit diesen zusammen an die Wasseroberfläche. Hier wird der Schaum laufend mechanisch abgestreift. Die Körnchen des tauben Gesteins werden vom Wasser benetzt und sinken zu Boden. Der entstehende Bodensatz wird von Zeit zu Zeit beseitigt. Regler, das heißt regelnde Chemikalien ermöglichen es, aus einem komplexen Gut nacheinander mehrere Minerale getrennt zu gewinnen.

Flöte: Blasinstrument, bei dessen Tonbildung die Luft gegen eine Kante geleitet und in Wirbeln gebrochen wird; dabei wird die im Innern des Schallkörpers befindliche Luftsäule zum Schwingen gebracht. Flöten der europäischen Kunstmusik sind:

a) Längsflöte (Flauto dolce; Blockflöte) und

b) Querflöte. Eine Oktave höher klingt die Piccoloflöte.

Flötenuhr: mechanisches Musikwerk, bestehend aus Spieluhr, Walze und Blasebalg für Flötenstimmen; oft als Einbau in repräsentativen Möbeln; Blütezeit 1770/1860.

Flötenvögel, Cracticidae: krähenverwandte Singvögel der australischen Region; gesellig lebt der schwarzweiße, 36 cm lange Flötenvogel (Gymnorhina tibicen) mit lauter flötender Stimme, ein Insektenfresser.

Flote-Purge-System, «auf dem Wasser Treibendes», + purge, «Reinigen»: aus Turbolöser, Entstippungs- und Sortiermaschinen bestehende Anlage zum Entfernen von Verunreinigungen aus aufgelöstem gemischtem Altpapier. Der aus dem Turbolöser teilweise abgezogene Stoff wird nach der Reinigung dem Turbolöser wieder zugeführt.

Flötner, Peter, um 1490/95-23.10.1546, Bildhauer, Zeichner, Holzschneider und Medailleur; tätig in Nürnberg; schuf die bedeutendsten Medaillen, Plaketten und Reliefs seiner Zeit. Mit seinen Ornamentholzschnitten entwickelte und verbreitete er den Formenschatz der deutschen Frührenaissance.

Flotte: 1. Schifffahrt: im weiteren Sinne Bestand eines Staates oder einer Reederei an Handelsschiffen allgemein (Handelsflotte), an Spezial- (Fischerei-, Tankschiffflotte), Kriegsschiffen unter anderem.

2. Textilveredlung: Behandlungsflüssigkeit beim Waschen, Bleichen, Färben, Appretieren. Die zum Färben verwendete Färbeflotte (Farbflotte) enthält neben Farbstoffen meist noch Netz- unter anderem Färbereihilfsmittel.

Flottenbasis: Verband der Seestreitkräfte, dem der Schutz und die rückwärtige Sicherstellung von Flotenkräften innerhalb eines bestimmten Gebietes obliegt; im weiteren Sinne Militärstützpunkt an der Küste eines anderen Staates.

Flottengesetz: Gesetz zum Ausbau der deutschen Kriegsflotte von 1898, wurde 1900, 1906, 1908 und 1912 erweitert. Das Flottengesetz verschärfte den Gegensatz zwischen dem deutschen und britischen Imperialismus und damit die internationalen Spannungen vor 1914.

Flottenverhältnis: das Verhältnis von Trockengut (in kg) zu Flotte (in 1).

Flottieren: teilweises Freiliegen einer Anzahl nicht eingebundener Fäden in einem textilen Flächengebilde zur Musterbildung.

Flöz: bergmännische Bezeichnung für wirtschaftlich nutzbare Gesteins- oder Mineralschicht (Braunkohlenflöz, Kaliflöz).

Flöz Anschnitt: das Erreichen des Flözes beim Aufschließen im Tage- und Tiefbau.

Flözstrecke: zum Abbau einer Lagerstätte vom Schacht oder von Schachtquerschlägen getriebene Strecke in Flözen.

Fluat: (Kurzwort für Fluorosilikat) farbloses Imprägniermittel aus Metallsalzen der Fluorkieselsäure für Holz, Steine und Mörtel. Zum Holzschutz gegen Pilze, Bakterien, Insekten, Mäuse und so weiter mittels Drucktauchens, zum Härten und Abdichten von Mörteln, Natur- und Kunststeinen gegen Verwitterung und Erosion als wässriger Anstrich aufgebracht.

Flucht: gerade Linie oder Ebene, in der Gebäude oder Bauteile aneinandergereiht oder begrenzt werden; siehe auch Baufluchtlinie.

Fluchtpunkt: 1. Astronomie: Sternstrom.

2. darstellende Geometrie: bei Zentralprojektion bezüglich einer Geraden Schnittpunkt des zur Geraden parallelen Sehstrahls mit der Bildebene. Parallele Geraden haben denselben Fluchtpunkt.

Fluchtstab: meist im Wechsel rot-weiß (0,5-m Abschnitte) gestrichener Holzstab von 2 m Länge mit zentrischer Spitze; dient dem Sichtbarmachen von Punkten im Gelände bei Vermessungsaufgaben.

Fluchtungsmessung: Feststellung der Lageabweichung geometrisch definierter Punkte von einer Sollgeraden. Im Maschinen-, Geräte- und Schiffbau werden mittels Fluchtungsfernrohren Zielmarken angepeilt; in Bautechnik und Bergbau auch Einsatz von Laserstrahlen.

Fluchtverdacht: aus festgestellten Tatsachen geschlossener Verdacht, dass der Beschuldigte oder Angeklagte, um sich der Strafverfolgung zu entziehen, fliehen oder sich verbergen will. Fluchtverdacht liegt ferner vor, wenn der Beschuldigte oder Angeklagte sich nicht ausweisen kann und die Feststellung seiner Identität Schwierigkeiten bereitet oder wenn er keinen festen Wohnsitz in der DDR hat.

Flugasche: feine Ascheteilchen, die bei der Verbrennung in Großfeuerungsanlagen anfallen und von Rauchgasen beim Durchströmen der Heizflächen bis zum Schornsteinaustritt mitgerissen werden; sie werden mechanisch oder durch Elektrofilter abgeschieden.

Flugbeutler, Petaurus: Beuteltiere mit Flughäuten zwischen Ellbogen und Knien sowie langem Balancier- und Steuerschwanz; sind zu Gleitflügen fähig; Urwaldbewohner Australiens.

Flugblatt: Druckschrift im Umfang von einer oder wenigen Seiten; seit Erfindung des Buchdrucks (15. Jahrhundert) gebräuchlich; politische Kampfmittel (zum Beispiel bei Wahlen), Mittel der Werbung.

Flugboot: Wasserflugzeug, dessen unterer Rumpfteil wie ein Bootsrumpf gestaltet ist. Zur Erhöhung der Stabilität sind Flugboot an den Tragflächen oft mit seitlichen, mitunter einziehbaren Stützschwimmern oder Flossenstummeln am Bootsrumpf versehen.

Flugdrachen, Draco: südostasiatische baumbewohnende Gattung der Agamen mit ausspannbaren Flughäuten längs der Körperseite, die bis 100 m weite Gleitflüge ermöglichen.

Flügel: 1. Flügel,: Anatomie, dem Fliegen dienende Bewegungsorgane verschiedener Tiere. Bei Insekten sind Flügel Ausstülpungen des chitinigen Außenskeletts, bei Vögeln umgebildete Vordergliedmaßen.

2. Botanik: Schmetterlingsblütler.

3. Musik: nach der Form des Gehäuses genannt Klavier oder Cembalo; die entsprechend ihrer Länge angeordneten Saiten laufen waagerecht auf die Klaviatur zu.

Flügelfell, Pterygium: Wucherung der Augapfel Bindehaut; auf die Hornhaut übergreifend.

Flügelfruchtbaum, Pterocarpus: Gattung baumförmiger Schmetterlingsblütler mit 60 bis 70 Arten, die durch Flügelbildungen an der Frucht gekennzeichnet sind. Verschiedene Arten des Flügelfruchtbaums liefern Farbhölzer, zum Beispiel der indischen Pterocarpus santalinus rotes Sandelholz.

Flügelmarke: nummerierte Marke aus Metall oder Plast zur Kennzeichnung des Geflügels; sie wird hinter der Sehne zwischen Ober- und Unterarm befestigt.

Flügelnuss, Pterocarya: Gattung der Walnussgewächse mit lang herabhängenden Fruchtähren und -flügeln. Einige der 10 in Ost- und Vorderasien beheimateten Arten werden auch in Mitteleuropa als Parkbäume angepflanzt.

Flügelpumpe: Pumpe, bei welcher der Kolben durch eine Klappe ersetzt ist, die um eine Achse hin- und herschwingt und gegen die Gehäusewandung abgedichtet ist; nur für kleine Wassermengen und geringen Förderdruck geeignet; Antrieb erfolgt meist von Hand.

Flügelrad: Verkehrssymbol, besonders der Eisenbahn.

Flügelrakete: unbemannter Flugkörper, der einen aerodynamischen Flug ausführen kann; besteht aus Zelle (Rumpf, Trag- und Leitwerk), Strahltriebwerk, Lenksystem und Gefechtsteil. Als Antrieb dienen Feststoffraketen-, Flüssigkeitsraketen-, Staustrahl-, Turbinenluftstrahl- oder pulsierende Luftstrahltriebwerke. Gelenkt werden Flügelrakete durch autonome, Fern-, Zielsuch- oder kombinierte Lenksysteme. Anstelle des Gefechtsteils (Kern- oder herkömmlicher Sprengstoff) können Ausrüstungen für die Aufklärung oder elektronische Gegenwirkung mitgeführt werden. Flügelrakete sind infolge der geringen Flughöhe und kleinen Reflexionsfläche schwer durch die Luftverteidigung auszumachen und abzufangen. Flügelraketen wurden erstmalig 1944 von der faschistischen deutschen Wehrmacht eingesetzt (V-I). Moderne Flügelrakete sind die boden-, see- beziehungsweise luftgestützten Cruise Missiles, die entsprechend den Brüsseler Raketenbeschlüssen der NATO seit 1983 in Westeuropa stationiert werden. Gegen die Stationierung kam es in mehreren westeuropäischen Ländern zu Protestkundgebungen und zu einem Aufschwung der Friedensbewegung.

Flügelrossfische, Pegasiformes: kleine Grundfische mit spitz ausgezogener Schnauze, unterständigem Maul, großen, horizontal liegenden Brustflossen, einem Panzer aus Knochenplatten und fehlender Schwimmblase. Sie bewohnen den Indischen und Pazifischen Ozean.

Flugfernmeldedienst: für alle Zwecke der Informationsübermittlung eingerichteter Dienst der Luftfahrt. Der feste Flugfernmeldedienst verbindet geeignete Bodenstellen miteinander und bedient sich vor allem der Fernschreibtechnik. Der bewegliche Flugfernmeldedienst verbindet Luftfahrzeuge und Bodenfunkstellen (zum Beispiel Bord-Boden- und Boden-Bord-Sprechfunk).

Flugfische, Fliegende Fische, Exocoetidae: Familie tropischer Hochseefische mit langem, schmalem Körper, die sich mit Hilfe ihrer großen, ausspannbaren Brustflossen über die Oberfläche erheben und in der Luft bis 150 m weit gleiten können. Der untere, längere Teil der Schwanzflosse dient dabei als Schlagruder zum Erreichen einer hohen Anfangsgeschwindigkeit.

Flugfrosch, Rhacophorus reinwardtii: zum Schwebflug aus Baumkronen befähigter Ruderfrosch mit großen Spannhäuten zwischen den Zehen; bewohnt Wälder Javas und Sumateras.

Flughafen: Flugplatz, der für den Luftverkehr zugelassen ist; ausgerüstet mit den erfordert, stationären und mobilen Anlagen sowie Einrichtungen zum sicheren Starten und Landen der Verkehrsflugzeuge sowie zu deren Abstellen und Wartung. Internationale Flughäfen sind mit Systemen von Start-, Lande- und Rollbahnen sowie mit Abstellflächen und Einrichtungen der Flugsicherung versehen. Die Abfertigungseinrichtungen umfassen kommerzielle, Grenz- (Pass-) und Zollabfertigung. Vor dem Abfertigungsgebäude (luftseitig) befindet sich das Vorfeld (englisch ramp), auf dem die kommerzielle und technische Abfertigung der Flugzeuge erfolgt. Für diese Zwecke sind nummerierte Stand- (Abstell-)Plätze eingerichtet. Auf verschiedenen Flughäfen sind die Abfertigungsgebäude durch sogenannte Finger verlängert, durch die der Fluggast, ohne die Ebene zu wechseln, das zum Start bereitstehende Flugzeug erreicht. Das Vorfeld ist durch Rollbahnen mit den Start- und Landebahnen verbunden. SLB sind Betonflächen und liegen immer in der Hauptwindrichtung. Wechselt auf einem Flughafen der Wind häufig nach Richtung und Stärke, sind sogenannt Querwind-SLB (Neben-SLB) vorhanden. Flughäfen der Kategorie A 1 beziehungsweise Sonderklasse haben SLB von mindestens 3000 m Länge und 60 m Breite und können Einzelradlasten von 45 t aufnehmen. Die große Ausdehnung der Flughäfen bedingt deren Anlage außerhalb der Städte, zu denen sie gehören (zum Beispiel Berlin-Schönefeld, Moskau-Scheremetjewo, Wien-Schwechat); das erfordert einen gut funktionierenden Zubringerverkehr, mit dem die Fluggäste schnell, bequem und sicher zum Flughafen beziehungsweise vom Flughafen in das Stadtzentrum gebracht werden können. Eine Abart des (Land-)Flughafen ist der Heliport, auf dem Hubschrauber starten und landen. Wasser-Flughäfen sind anstelle der Flugbetriebsfelder mit entsprechend Wasserflächen mit Verankerungsmöglichkeiten und Verbindungsstegen ausgerüstet.

Flughaut, Patagium: zwischen Kopf beziehungsweise Rumpf und Gliedmaßen beziehungsweise Schwanz oder zwischen Fingern verschiedener Tiere (zum Beispiel Flugbeutler, Fledermäuse) ausgespannte Hautfalte, die der Fortbewegung in der Luft dient.

Flughörnchen, Pteromys volans: zu den Hörnchen gehörendes Nagetier mit voll behaarter Gleithaut an den Körperseiten zwischen Armen und Beinen; beim Gleitflug dient der buschige Schwanz als Steuer; lebt nachtaktiv als Baumtier in der Waldzone Osteuropas bis -Sibiriens.

Flughühner, Pteroclidae: den Tauben nahe Verwandte kurzbeinige, langflügelige Steppen- und Wüstenbewohner, in Zentralasien das sandfarbene Steppenhuhn (Syrrhaptes paradoxus) mit verlängerten mittleren Steuerfedern, das nahrungsbedingte Wanderungen durchführt.

Flughunde, Flederhunde, Megachiroptera: Unterordnung der Flattertiere mit hundeartigem Kopf und großen, sehtüchtigen Augen; meist Fruchtfresser. Die Flugechse (Fliegende Hunde, Pteropus) leben im Indo-Australischen Raum; in Afrika der Hammerkopf (Hypsignathus monstrosus) mit mächtig aufgetriebener Schnauze.

Fluglageregelung: Stabilisierung beziehungsweise Veränderung der räumlichen Ausrichtung einer Rakete(nstufe) oder eines Raumflugkörpers während des Fluges. Sie erfolgt auf Grund von Messwerten eines Lagereferenzsystems mit Hilfe von Korrekturtriebwerken oder Druckgasdüsen.

Flugleitzentrum, Flugkontrollzentrum: Einrichtung, der die Überwachung und Leitung von Raumflugunternehmen obliegt. Das Flugleitzentrum verfügt über modernste technische Ausrüstungen und steht über ein globales Netz funktechnische Bodenstationen, Spezialschiffe und Erdsatelliten in ständiger Verbindung mit dem betreffenden Raumflugkörper. Zu den Aufgaben des Flugleitzentrums gehören die laufende Bahnverfolgung und -Vermessung, Funk- und Fernsehverbindung sowie Kommandoübermittlung Boden-Bord, Datenübermittlung Bord-Boden, Einsatz des Such- und Bergungsdienstes unter anderem.

Flugmechanik: Wissenschaft von der Bewegung eines Flugkörpers unter der Einwirkung von Schwerkraft, Luft-, Schub- und Massenkräften. Die Zahlenwerte für Auftrieb und Widerstand werden meist durch Untersuchungen im Windkanal ermittelt. Sie sind Grundlage für die Berechnung der Flugeigenschaften und -leistungen.

Flugmodell: flugfähiges, kleines, unbemanntes Fluggerät von £ 5 kg Masse und 1,5 m2 tragender Fläche; Unterscheidung nach Antriebsart (Segel- beziehungsweise Motor-Flugmodell mit Gummi- beziehungsweise Kolbenmotor) sowie in freifliegende, leinengesteuerte und ferngesteuerte Flugmodell sowie vorbildgetreue Maßstabmodelle.

Flugmodellsport: Wettbewerbe mit Flugmodellen in verschiedenen Klassen und Disziplinen mit unterschiedlichen Wettbewerbsgedanken. Wettbewerbe um die größte Flugdauer werden für freifliegende Segelflugmodelle und Flugmodelle mit Gummi- beziehungsweise Kolbenmotor ausgetragen. Leinengesteuerte Geschwindigkeitsmodelle werden an einer Steuerleine über 1 km, in Mannschaftsrennen über 10 km, leinengesteuerte Kunstflugmodelle an 2 Leinen im Kreisflug gestartet. Bei vorbildgetreuen Massstabmodellen werden Bauausführung und Flugfähigkeit, bei ferngesteuerten Flugmodellen vorgeschriebene Flugmanöver bewertet. Träger ist in der DDR die GST. Weltmeisterschaften seit 1928, Europameisterschaften seit 1961.

Flugplatz: Oberbegriff für alle Land- beziehungsweise Wasserflächen mit den darauf befindlichen Einrichtungen, die für Start und Landung von Luftfahrzeugen bestimmt und behördlich zugelassen sind. Zu den zivilen Flugplätzen zählen zum Beispiel Flughäfen.

Flugsand, Treibsand: äolisches Sediment, dessen Körner bei längerem Transport eine teilweise gute Zurundung aufweisen; die Korngrößen liegen meist zwischen 0,1 und 0,2 mm Durchmesser; bildet Flugsandfelder und Dünen.

Flugschlag, Volley: Tennis ein von der Gegenpartei kommender Ball, der, ohne den Boden berührt zu haben, aus der Luft zurückgeschlagen wird.

Flugsicherung: Gesamtheit der Einrichtungen und Verfahren zur sicheren Durchführung aller Bewegungen von Luftfahrzeugen in der Luft und auf dem Boden. Der die Flugsicherung durchführende Flugsicherungsbetriebsdienst umfasst Flugsicherungskontroll-, Fluginformations-, Flugalarm-, Flugberatungs-, Flugfernmelde- und Flugnavigationsdienst. Die Flugsicherung beginnt mit der Vorbereitung des Fluges durch Beratung, Bereitstellung von Unterlagen und Anweisungen für die Flugzeugbesatzung seitens des Flugsicherungsberatungsdienstes-, während des Fluges gewährleistet der Flugsicherungskontrolldienst eine sichere Navigation und die ständige Verbindung zwischen Luftfahrzeug und Bodenstellen; die Tätigkeit der Flugsicherung endet, nachdem das Luftfahrzeug mit Hilfe des Kontrolldienstes den Landevorgang abgeschlossen hat, ausgerollt ist und abgestellt wurde. Der Luftraum über dem größten Teil der Erdoberfläche und über den Weltmeeren ist in Fluginformationsgebiete eingeteilt, in denen Flugsicherungskontrollbezirke bestehen, die die Luftstraßen und Nahverkehrsbereiche umfassen. Alle von Verkehrsflugzeugen regelmäßig angeflogenen Flughäfen haben Flugsicherungsstellen. Auf dem jeweils größten Flughafen eines Staates befindet sich eine Flugsicherungszentrale.

Flugsport: sportlicher Gebrauch von Luftfahrzeugen sowie Fallschirmsport. Hauptdisziplinen sind Segel- und Motorflug, international auch Ballonfahrt und Drachenfliegen; wettkampfmäßig betrieben unter anderem Kunst-, Geschwindigkeits- und Langstreckenflug.

Flugstaub: in industriellen Abgasen mitgeführte feste Teilchen; Zwischenprodukt bei der Buntmetallgewinnung beziehungsweise Nebenprodukt bei der Schwefelsäureherstellung aus sulfidischen Erzen. Der wertvolle Metallgehalt des Flugstaubs und die Schädlichkeit einiger seiner Bestandteile nötigen zum Weiterverarbeiten beziehungsweise Abscheiden, zum Beispiel mittels Elektrofilters.

Flugzeitmessung, Laufzeitmessung: Verfahren der Kernphysik zur Bestimmung der extrem kurzen Lebensdauer von angeregten Kernzuständen und kurzlebigen Elementarteilchen oder der Energie vor allem ungeladener Teilchen (zum Beispiel Neutronen) mit Hilfe von Flugzeitspektrometern. Die Lebensdauer wird bei bekannter Geschwindigkeit der angeregten Kerne beziehungsweise der Elementarteilchen aus der gemessenen Flugstrecke ermittelt, welche diese vom Moment ihres Entstehens an bis zur Emission von Gammaquanten beziehungsweise ihrer Zerfallsprodukte zurückgelegt haben. Für die Energiemessung bei ungeladenen Teilchen bestimmt man die Zeit, in der diese eine bekannte Strecke durchfliegen, und erhält daraus die Energie.

Flugzeug: Luftfahrzeug, das schwerer als die von ihm verdrängte Luftmasse ist und infolge dynamischen Auftriebs fliegt. Nach der Auftriebsart unterscheidet man Starrflügel- (Gerad- und Ringflügler), Drehflügel-, Schwingen-, flügellose Flugzeug Nach dem Verwendungszweck werden unterschieden Verkehrs-, Geschäfts-, Schul-, Sport-, Arbeitsflugzeug Ferner unter; scheidet man nach der Antriebsart Kolbenmotor-, Strahl- (TL- oder ZTL-), Turboprop- (PTL-), Segel- und Gleitflugzeug; nach der Tragflächenanzahl Ein-, Anderthalb-, Doppel-, Drei- und Mehrdecker; nach der Tragflächenanordnung Tief-, Mittel-, Schulter-, Hochdecker; nach der Start- und Landeeinrichtung Land-, Wasser-, Amphibienflugzeug; nach der Abflugmasse leichte, mittelschwere und schwere Flugzeug; nach der Reichweite (oder dem Flugbereich) Kurzstrecken-, Mittelstrecken- und Langstreckenflugzeug; nach der Geschwindigkeit Unterschall- und Überschallflugzeug. Das Flugzeug besteht aus Zelle oder Flugwerk (Tragwerk, Rumpf, Fahrwerk, Leitwerk, Steuerwerk), Triebwerk und (Geräte-, Funk-, elektrische, hydraulische und pneumatische) Ausrüstung. Zum Tragwerk gehören bei Starrflügelflugzeug die Tragflächen mit Querrudern und Landehilfen beziehungsweise bei Drehflügelflugzeugen die Rotoren. Der Rumpf nimmt Besatzung, Fluggäste, Fracht, Ausrüstung sowie mitunter auch Kraftstoffbehälter auf. Für Flüge in großen Höhen ist der für Besatzung und Fluggäste bestimmte Teil des Rumpfes als Druckkabine ausgebildet. Am Rumpf oder in den Tragflächen ist das meist einziehbare Fahrwerk, am Ende des Rumpfes das Leitwerk angeordnet. Das Steuerwerk, betätigt vom Flugzeugführer, vereint Bedienelemente, wie Steuersäule (oder -knüppel) zur Betätigung des Höhen- und Querruders, Pedale zur Bedienung des Seitenruders sowie Schalter, Knöpfe und so weiter, Übertragungselemente und Hilfsmechanismen. Die für den dynamischen Auftrieb notwendige Geschwindigkeit erhält das Flugzeug dadurch, dass entweder Luftmassen mittelbar durch Luftschrauben entgegen der Flugrichtung beschleunigt werden, wobei als Antrieb ein Flugmotor dient, oder durch Rückstoß, der durch Strahlturbinen oder Raketentriebwerke erzeugt wird; siehe auch Kampfflugzeug.

Flugzeugbewaffnung; Vernichtungsmittel, die von Flugzeugen aus eingesetzt werden, sowie die Systeme, die den Gefechtseinsatz dieser Mittel sicherstellen. Hierzu gehören Maschinengewehre und Bordkanonen (einschließlich Munition), gelenkte und ungelenkte Flugzeugraketen, Bomben und Bombenkassetten, Torpedos und Minen, Anlagen und Einrichtungen für die Unterbringung der Vernichtungsmittel, für das Zielen und für die Feuerführung. Man unterscheidet Raketenbewaffnung, Kanonenbewaffnung, MG-Bewaffnung, Bombenbewaffnung, Minen- und Torpedobewaffnung sowie Spezialbewaffnung. im Allgemeinen verfügen Jagdflugzeuge über gelenkte Raketen der Klasse «Luft-Luft», ungelenkte Raketen für die Bekämpfung von Luft- und Bodenzielen sowie Schnellfeuerkanonen; Jagdbombenflugzeuge über Bomben, gelenkte und ungelenkte Raketen sowie Kanonen; Bombenflugzeuge über gelenkte Raketen der Klasse «Luft-Boden», Bomben sowie eine Verteidigungsbewaffnung aus Schnellfeuerkanonen; Hubschrauber zur Feuerunterstützung oder zur Panzerbekämpfung über Maschinengewehre, Kanonen, ungelenkte Raketen, Panzerabwehrlenkraketen und Granatwerfer.

Flugzeugträger: Überwasserkampfschiff (bis etwa 90000ts), das als Einsatzbasis für Seefliegerkräfte dient. Unter dem als Start- und Landebahn eingerichteten Oberdeck können bis etwa 100 Flugzeuge abgestellt werden. Zu unterscheiden sind Angriffsflugzeugträger für Bomben- und Jagdbombenflugzeuge, U-Boot Abwehr-Flugzeugträger für U-Boot-Abwehrflugzeuge und -hubschrauber, amphib. Hubschrauberträger zum Absetzen von Landungstruppen mit Transporthubschraubern.

Fluidextrakt, Extractum fluidum: dünnflüssiger alkoholischer Auszug aus pulverisierten getrockneten Pflanzenteilchen, der in 1 Gramm die Wirkstoffe von 1 beziehungsweise 0,5 Gramm Droge enthält, zum Beispiel Thymianfluidextrakt.

Fluidik: Zweig der Steuerungstechnik, der sich mit der Gewinnung, Verarbeitung, Übertragung und Nutzung von Signalen mittels Fluiden (Gase, Flüssigkeiten) befasst. Das Signal wird durch die Fluidkenngrößen Druck oder Massestrom gebildet. Die Fluidiktechnik unter anderem in der industriellen Automatisierungstechnik sowie in der Raketen- und Raumfahrttechnik angewendet, besonders wegen ihrer Unempfindlichkeit gegen elektrische und magnetische Felder, Strahlung, hohe Beschleunigungen, Vibrationen, extreme Temperaturen.

Fluidität: Kehrwert der dynamischen Viskosität; Zeichen q>, SI-Einheit l/(Pa • s).

Fluidum: etwas Flüssiges, Fließendes, Flüssigkeit; unwägbare und schwer benennbare Wirkung, die von einer Person oder Sache ausgeht.

Fluktuation der Arbeitskräfte: Abgang von Arbeitskräften aus Betrieben beziehungsweise Institutionen, der aus persönlichen oder disziplinär. Gründen erfolgt und betrieblich oder volkswirtschaftlich nicht notwendig wäre. Der Begriff Fluktuation der Arbeitskräfte ist dem umfassenderen Begriff der (sozialen) Mobilität untergeordnet.

Flunder-Pleuronectes flesus: meist rechtsäugiger, bis 50 cm langer Plattfisch, der bis ins Brackwasser vordringt und auch in der Ostsee häufig ist; wichtiger Speisefisch.

Fluor, (lateinisch fluere, «fließen») Symbol F: chemisches Element der Kernladungszahl 9; Halogen; Atommasse 18,9984; Wertigkeit -1; F-219,6°C; Kp -187,5 °C; in der Natur nur chemisch gebunden; Minerale sind Fluorit (Flussspat); Kryolith (Eisstein; Fluorapatit, Ca5(P04)3F (auch in Knochen und Zähnen). Freies Fluor, F2, ein schwach gelbgrünes Gas von chlor- bis ozonähnlicher Geruch, ist äußerst reaktionsfähig. Es setzt sich mit fast allen anderen Elementen (auch einigen Edelgasen) zum Teil explosionsartig zu Fluoriden um, greift Glas unter anderem Silikate an und zerstört alle organische Stoffe. Die Herstellung erfolgt durch Elektrolyse geschmolzener Fluoride. Wichtige Fluorverbindungen sind Fluorwasserstoff Flusssäure, Fluoride, Fluorcarbone und die Polyfluorcarbone. Fluor wurde erstmals 1886 von dem französischen Chemiker Henri Moissan (1852-1907) durch Elektrolyse von Kaliumfluorid in flüssigem Fluor Wasserstoff gewonnen.

Fluorbenzol, fachsprachlich Fluorobenzen: farblose, kaum wasserlösliche Flüssigkeit von benzolartigem Geruch; Formel C4H5F; Kp 85 °C; dient zur Herstellung von organisch-chemischen Produkten, insbesondere Insektiziden.

Fluoreszein: aus Resorzin und Phthalsäureanhydrid hergestellter orangefarbener Xanthenfarbstoff, dessen gelbe Lösung grün fluoresziert. Fluoreszein dient zur Herstellung von Eosin unter anderem Xanthenfarbstoffen, zum Färben von technischen Anzeigeflüssigkeiten, von Badezusätzen unter anderem.

Fluoreszenz: das Leuchten von Gasen, Dämpfen, vielen Flüssigkeiten und einigen festen Stoffen während der Bestrahlung mit Licht. Durch die Bestrahlung angeregte Elektronen gehen dabei mit geringer zeitlicher Verzögerung in den Grundzustand zurück. Viele Stoffe zeigen Fluoreszenz mit charakteristischen Wellenlängen, was bei der Fluoreszenzanalyse ausgenutzt wird. Fluoreszenz und Phosphoreszenz sind Arten der Lumineszenz.

Fluoreszenzangiographie: moderne Methode zur speziellen Darstellung kleinster Gefäße im Augeninnern; beruht auf der Eigenschaft des Fluoreszeins, Fluoreszenzlicht auszustrahlen.

Fluoreszenzmikroskopie, Lumineszenz Mikroskopie: Mikroskopie mit kurzwelligem Licht unter Ausnutzung der Fluoreszenz; die Fluoreszenzmikroskopie gestattet, Strukturen zu erkennen, die mit der üblichen Lichtmikroskopie nicht oder nur schlecht nachzuweisen sind. Bestrahlung des Präparates mit UV-Licht ruft eine Fluoreszenz mit charakteristischen Wellenlängen im sichtbaren Bereich hervor, die Strukturen leuchten in unterschiedlichen Farben.

Fluoreszenzverfahren: Herstellung von Farbauszügen mittels UV-Strahlen von Vorlagen, die mit fluoreszierenden Farben gemalt wurden.

Fluor genitalis: Ausfluss aus der Scheide oder den höher gelegenen weiblichen Geschlechtsorganen; Symptom von Genitalerkrankungen unterschiedlichster Art, wie Entzündungen, Muttermundveränderungen, gut- oder bösartige Geschwülste, hormonelle Störungen, auch psychische Ursache. Der Fluor albus (Weißfluss) ist ein kein Blut enthaltender Ausfluss.

Fluoride: chemische Verbindungen zwischen Fluor und einem anderen Element. Die Metallfluoride sind die Salze der Flusssäure. Sie sind meist wasserlöslich; schwer löslich ist zum Beispiel Kalziumfluorid, CaF2. Nichtmetallfluoride, zum Beispiel Schwefelhexafluorid, SF6, und einzelne Metallfluoride, zum Beispiel Uranhexafluorid, UF6, sind Gase oder leicht verdampfende Flüssigkeiten oder Feststoffe.

Fluorit, Flussspat: Mineral, Kalziumfluorid; Kristallsystem kubisch; Farbe blau, gelb, grün oder farblos (optisches Fluorit), Härte 4, Dichte 3,0 bis 3,2 g/cm5; Spaltbarkeit nach dem Oktaeder; entsteht hydrothermal auf Gängen, aber auch sedimentär; Vorkommen in Schönbrunn (Vogtland), Ilmenau, Wölsendorf, Großbritannien, Mexiko.

Fluorcarbone, Fluorcarbone: fluorhaltige Halogenkohlenwasserstoffe, die, wie Difluordichlormethan, als nicht brennbare Kältemittel beziehungsweise Aerosoltreibgase oder, wie Tetrafluorethen, CF2 = CF2, als Zwischenprodukte zur Herstellung wertvoller Plaste, zum Beispiel Polytetrafluoräthylen, verwendet werden.

Fluorochromierung: Behandlung von biologischem Material mit fluoreszierenden Farbstoffen (Fluorochrome), die in ultraviolettem Licht aufleuchten.

Fluorkieselsäure: eine nur in wässriger Lösung beständige, sehr starke Säure. Die Salze heißen Fluorosilikate, zum Beispiel das zum Fluoridieren von Trinkwasser dienende Natriumfluorosilikat, Na2(SiF6). Natrium-, Magnesium- unter anderem Fluorosilikate (Fluate) dienen zum Abdichten kalkhaltiger Baustoffe und Anstriche (Fluatieren), hierbei bildet sich unlösliches Kalziumfluorosilikat.

Fluorolog: Sonde der geophysikalischen Bohrlochmessung zum Bestimmen der Fluoreszenz durchteufter Schichten. Eine erhöhte Fluoreszenz weist auf Erdöl hin.

Fluorometrie: sehr empfindliche chemische Analysenmethode, die auf der natürlichen und der durch Ultraviolettbestrahlung angeregten Fluoreszenz sowie ihrer fotometrischer Intensitätsmessung beruht.

Fluorprophylaxe: Maßnahmen zur Steigerung der Zahnschmelzresistenz gegenüber kariesauslösenden Noxen durch Erhöhung des Fluoridgehaltes in äußeren Schmelzschichten infolge eines Einbaus des Spurenelementes Fluor in den Hydroxylapatit des Schmelzes. Da die Wirkung des Fluors für die Kariesminderung erwiesen ist, besteht das Ziel der Fluorprophylaxe darin, den Fluoridgehalt im Oberflächenschmelz möglichst schnell nach dem Zahndurchbruch zu heben und ihn auf erhöhtem Niveau zu halten. Langzeitige, regelmäßige und richtig dosierte Fluorzuführung ist für den Erfolg ausschlaggebend. Möglichkeiten der Fluorprophylaxe sind

a) interne Applikation: Trinkwasserfluoridierung durch dosierten Zusatz kleine V Mengen Natriumfluorosilikats (Na2SiF6) oder Natriumfluorids (NaF) zum Trinkwasser städtliche Wasserleitungen, kontrollierte Tablettengaben (zum Beispiel Fluoretten) und

b) externe Applikation: lokale Anwendung von Fluoridlösungen (zum Beispiel 2%ige Natriumfluoridlösung), -gelen oder -lacken, regelmäßige Verwendung fluorhaltiger Zahnpasten. Dauernde hohe Überdosierungen (mehr als 2 mg täglich) während der Zahnentwicklung führen zur Dentalfluorose.

Fluortest: Methode der Anthropologie und der Geochronologie, das relative Alter fossiler Knochen und Zähne zu bestimmen, wodurch auf das Alter umgebender Gesteine geschlossen werden kann. Der Fluortest beruht darauf, dass sich das im Bodenwasser befindliche Fluor mit dem im Knochen enthaltenen Kalziumphosphat verbindet, wodurch der Fluorgehalt des Knochens um so größer wird, je länger dieser im Boden gelegen hat.

Fluorwasserstoff: farbloses, giftiges, nicht brennbares, säuerlich-erstickend riechendes Gas, das an feuchter Luft weiße Nebel bildet; Formel HF, unterhalb 90°C auch (HF)2> (HF), unter anderem; Kp 19,6°C. In Wasser löst sich Fluorwasserstoff zu Flusssäure (im Handel 40%ig und 70%ig), einer auch die Haut stark ätzenden Flüssigkeit. Die Salze der Flusssäure heißen Fluoride. Fluorwasserstoff und Flusssäure ätzen Glas unter anderem Silikate; beständig sind zum Beispiel Polyäthylen und Polyvinylchlorid. Man verwendet Fluorwasserstoff und Flusssäure zur Herstellung von Fluorkarbonen, Fluoriden unter anderem Fluorverbindungen. Reizungen und Säureverätzungen der Schleimhäute, bis zu schweren Lungenentzündungen und -Ödemen mit tödl. Ausgang, sind Folgen akuter Fluorwasserstoff Vergiftungen. Knochenerkrankungen (Fluorose) können nach langzeitiger Einwirkung auftreten.

Flur: 1. Flur: Diele, Korridor, Vorraum in einem Haus.

2. Flur Feldflur: die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche (Äcker, Wiesen, Weiden), teilweise unter Einschluss der Wege, Gewässer, Waldungen unter anderem; siehe auch Feldmark.

Flurbereinigung, Grundstücksumlegung, Separation: in kapitalistischen Staaten Neuordnung der Feldflur. als Bestandteil der Vorhaben zur «Verbesserung der Agrarstruktur». Die Zusammenlegung zersplitterten landwirtschaftlichen Grundbesitzes ermöglicht den rationelleren Einsatz von Maschinen und Anwendung wissenschaftliche Erkenntnisse; führt häufig zur Ruinierung werktätiger Bauern und fördert die ökonomisch stärkeren kapitalistischen Agrarbetriebe.

Flurförderer: freizügig auf dem Boden (Flur) von Lagern, Umschlagplätzen und Fertigungsbetrieben lenkbare Fahrzeuge, wie Karren, Roller, Hubwagen, Stapler, Schlepper und Containerumschlaggeräte. Der Antrieb erfolgt meist elektrisch (Batterie, in Sonderfällen auch Netz) oder durch Verbrennungsmotor, selten von Hand. Man unterscheidet Gehlenkung durch mitgehenden und Fahrerstand oder -sitzlenkung durch mitfahrenden Bedienenden. Es gibt ferner fahrerlose Schlepper u. ä. mit mechanisches, elektrisches-induktives oder optisches Abtastgerät, das einer entsprechend Leitlinie folgt.

Flurformen: Bezeichnung für die Einteilung des Grund und Bodens ländlichen und städtlichen Gemeinden in Besitzeinheiten und Nutzungsflächen, die in einem engen Zusammenhang mit den jeweiligen Siedelformen (Ortsformen) stehen und sich mit diesen gemeinsam historisch entwickelten. Grundlage für ihre Ausprägung ist das historisch bedingte Bodennutzungssystem, das sich als verbindendes Zwischenglied aus den natürlichen und gesellschaftlichen Produktionsbedingungen ergibt Hauptformen sind Block-, Streifen-, Gewann- und Parzellenfluren. Außerdem gibt es Sonder-, Misch- und Übergangsformen. Bei den Blockfluren sind für die frühgeschichtliche Siedel- und Anbauweise Kleinblockfluren mit lockerer Anordnung der Feldblöcke um die Baulichkeiten charakteristisch. Großblockfluren entstanden meist im Zusammenhang mit einem Gut (dann auch Gutsblöcke genannt). Eine neue Qualität stellen die Großblockfluren der sozialistischen Landwirtschaft dar. Die in parallele, gereihte, kürzere oder längere Breit- oder Schmalstreifen eingeteilten Streifenfluren entstanden mit der Ausbildung der feudalen Agrarverfassung zur Sicherung der Feudalrente. Dazu zählen Wald- und Marschhufenfluren. Gewannfluren entstehen durch die Zusammenfassung schmalstreifiger Ackerparzellen zu Komplexen, den Gewannen, die wechselseitig einheitlich bebaut werden (Drei- und Mehrfelderwirtschaft). Gewannfluren entstanden auch als Planformen bei der Ansiedlung deutscher Bauern im Rahmen der Ostexpansion. Parzellenfluren sind stark unterteilte, meist nicht bäuerliche Fluren oder Flurteile, zum Beispiel in Stadtfluren, die zumeist gärtnerisch oder im individuellen Kleinanbau genutzt werden.

Flurholzanbau: Durchführung und Bewirtschaftung von Gehölzpflanzungen in der offenen Landschaft und um Bauwerke als Schutz- und Flächenpflanzung oder ausschließlich der Holzproduktion dienende Anlagen nach territorialer Abstimmung, Planung und Projektierung.

Flurkarte, Liegenschaftskarte, Katasterkarte, Gemarkungskarte: Karte großen Maßstabes (1:500 bis 1:5000), auf der Flur- und Grundstücksgrenzen, Gebäudegrundrisse und andere topographischen Objekte mit großer Genauigkeit eingezeichnet sind. Die Flurkarte ist Bestandteil des Liegenschaftskatasters. In Flurkarte können Nutzungsarten sowie Ergebnisse der Bodenschätzung enthalten sein. Sie dienen auch als Unterlage für die Schlageinteilung der sozialistischen Landwirtschaftsbetriebe.

Flurneuordnung: umfassende Umgestaltung der landwirtschaftlichen und landeskulturellen Bedingungen, die entsprechend den ökonomischen Belangen sozialistische Großflächenwirtschaft eine standortgerechte, rationelle Bodennutzung, Verbesserung des Wegenetzes, meliorative, flurschützende und wasserwirtschaftliche Maßnahmen ermöglicht.

Flurschaden: Ertragsminderung oder -ausfall land- und forstwirtschaftliche Produkte, die durch Bergbau, industrielle Abgase, Rauch, Wild, Unwetter unter anderem auf Feldern und Fluren entstanden sind. Entschädigungen für Flurschäden sind meist gesetzlich geregelt.

Flurzersplitterung: im Kapitalismus durch fortgesetzte Besitzteilung, insbesondere durch Realteilung im Erbgang, entstandene Aufsplitterung der Flur in zahlreiche kleinflächige Teilstücke. Siehe auch Flurbereinigung.

Flurzwang: Verpflichtung zur einheitlichen Feldbewirtschaftung für alle Flurstücke einer Gemeinde, da die Besitzanteile des einzelnen über die gesamte Flur verteilt waren; mit Aufhebung der alten Gewannflur fiel Anfang des 19. Jahrhundert auch der Flurzwang weg.

Fluse: a) Fadenfehler in Natur- und Chemieseide, zu Fadenbrüchen führende Anhäufung von Elementarfadenschlingen oder -enden;

b) Kammzugfehler, Gewirr verschlungener Fasern.

Fluss: in einer natürlichen Vertiefung der Landoberfläche (Flussbett) fließendes Gewässer, das einem mehr oder minder großen Gebiet zur Vorflut dient (Flusssystem). Ein nach kurzem Lauf dem Meer unmittelbar zufließender Wasserlauf wird auch als Küstenfluss bezeichnet. In der Benennung Gebirgsfluss wird die schnelle Wasser- und große, stoßweise Geschiebebewegung als wesentliches Kennzeichen eines Wasserlaufes mit starkem Gefälle zum Ausdruck gebracht. Die Bezeichnung Tieflandfluss dagegen charakterisiert das ohne nennenswertes Gefalle im trägen Lauf und vielen Windungen fließende Gewässer (mäandrierender Fluss). Die Ausbildung des Flussnetzes ist in erster Linie klimatisch bedingt und in humiden Gebieten vielgestaltiger als in den ariden. Die Flussdichte als Verhältnis der Gesamtlänge aller Wasserläufe (km) eines Gebietes zu dessen Flächengröße (km2) wird zudem noch von einer Vielzahl weiterer Geofaktoren (Relief, Durchlässigkeit der Gesteine, Bodenbedeckung unter anderem) bestimmt und ist im Gebirge meist größer als im Tiefland, ausgenommen im durchlässigen Kalkgestein mit Versinkungsstellen und Versinkungsstrecken, in denen der oberirdischen Abfluss ständig oder zeitweilig verschwindet (Flussschwinde) und als unterirdischer Wasserlauf (Höhlenfluss, Karstfluss) in Flusskimmen oder stark schüttenden Quellen erst an anderer Stelle wieder zutage tritt. Geringe Flussdichte zeigen auch die Trockengebiete. Für sie typische Erscheinungen sind Fremdlingsflüsse (zum Beispiel Nil, Amudarja). Als allochthonen Wasserläufen entstammt ihr Wasser klimatisch günstigen und niederschlagsreicheren Regionen im Oberlauf; als Dauerflüsse ist ihre Wasserführung so hoch, dass sie trotz erhöhter Verdunstung und fehlender Zuflüsse das Meer oder einen Endsee erreichen. In den Trockengebieten nur in Regenzeiten abkommende Flüsse sind unter den Bezeichnungen Creek, Fiumara, Rivier und Wadi bekannt.

Flussbarsch, Perca fluviatilis: bis 60 cm langer, dunkelgestreifter Raubfisch mit rötlichen Flossen; bewohnt Binnengewässer der nördlichen Halbkugel und dringt ins Brackwasser vor, Speisefisch.

Flussbau: Planung und Ausführung aller Baumaßnahmen zur Schiffbarmachung und Regulierung eines Flusses.

Flussdelphine, Platanistoidea: Überfamilie der Zahnwale mit 4 süßwasserbewohnenden, fischfressenden, bis 2,40 m langen Arten. Der Gangesdelfin (Platanista gangetica) ist völlig blind und gründen im Bodenschlamm; kleinster Wal ist der bis 1,50 m lange La-Plata-Delphin (Stenodelphis blainvillei).

flüssige Kristalle, kristalline Flüssigkeiten: meist organisch-chemischen Flüssigkeiten mit einer ausgeprägten und relativ beständigen Nahordnung der Moleküle. Die flüssigen Kristalle bestehen aus Schwärmen parallel angeordneter, langgestreckter Moleküle. Sie sind im Gegensatz zu normalen Flüssigkeiten optisch anisotrop (zum Beispiel doppeltbrechend), im Gegensatz zu normalen Kristallen flüssig, oft viskos. Technisch werden flüssige Kristalle insbesondere für die Anzeige von Ziffern unter anderem Zeichen in elektronischen Taschenrechnern eingesetzt.

Flüssiggas: im weiteren Sinne jedes Gas, das unter Druck verflüssigt ist und bei Druckentspannung wieder in die Gasphase übergeht. Flüssiggas im engeren Sinne ist eine Mischung von Propan und Butan, je nach Verwendungszweck auch im Gemisch mit Propen und Buten, die in Druckgefäßen bei etwa 0,8 MPa verflüssigt gelagert und transportiert wird. Flüssiggas dient als petrolchemischer Rohstoff sowie als Brenn- und Kraftstoff.

Flüssigkeit: Stoff im kondensierten Zustand, weist in kleinen Bereichen eine Struktur (Nahordnung) ähnlich wie bei Kristallen in Festkörpern auf; die Teilchen in Flüssigkeit sind aber frei beweglich (fehlende Fernordnung). Eine Flüssigkeit setzt somit einer Gestaltsänderung einen sehr kleinen, einer Volumenänderung aber einen sehr großen Widerstand entgegen. Der Existenzbereich der Flüssigkeit wird nach hohen Temperaturen hin begrenzt durch den Übergang in den gasförmigen und nach niedrigen Temperaturen hin in den festen 1 Aggregatzustand (Helium bleibt bei atmosphärischem Druck jedoch bis an den absoluten Nullpunkt flüssig). im Allgemeinen existiert von jedem Stoff nur eine flüssige Modifikation. Man unterscheidet ideale Flüssigkeit, mit vernachlässigbarer Viskosität, und reale Flüssigkeit, deren mechanisches Verhalten wesentlich durch die Viskosität bestimmt wird. Je nachdem, ob in den Flüssigkeiten eine Assoziation der Moleküle erfolgt oder nicht, unterscheidet man assoziative Flüssigkeit mit komplizierter Struktur, die makroskopisch anisotrop sind (zum Beispiel Wasser), und nichtassoziative Flüssigkeit mit einfacher Struktur (zum Beispiel verflüssigte Edelgase, flüssige Metalle).

Flüssigkeitslaser: optisch (durch Festkörperlaser) gepumpte Laser, bei denen der Raman-Effekt in flüssigen, aromatischen Verbindungen ausgenutzt wird; infolge der erzwungenen Raman-Emission hat das an den Molekülen gestreute Licht eine andere Frequenz als das einfallende.

Flüssigkeitsstandanzeiger: Überwachungseinrichtung für die Standhöhe von Flüssigkeiten in Behältern und Kesseln. Bei Dampferzeugern bezeichnet man den Flüssigkeitsstandanzeiger als Wasserstandsanzeiger oder -glas.

Flüssigkeitsstrahlapparate: Ejektoren und Injektoren, bei denen als Treibstrahl eine Flüssigkeit verwendet wird. Flüssigkeitsstrahlapparate finden Anwendung zur Förderung von Flüssigkeiten und Gasen, zum Beispiel zur Entleerung von Apparaten und Behältern.

Flüssigkristallanzeigeelement, Flüssigkristalldisplay, LCD-Anzeigeelement (LCD Abkürzung für liquid crystal diode, englisch): elektronische Einrichtung aus Flüssigkristallzellen zur Anzeige von Ziffern, Buchstaben, Zeichen unter anderem. Durch Anlegen einer Spannung an die Elektroden der Flüssigkristallzellen wird deren Lichtdurchlässigkeit verändert, wobei eine sichtbare Trübung eintritt.

Flüssigpressen: aus Ur- und Umformtechnik kombiniertes Verfahren, das Vorzüge des Gießens und Gesenkschmiedens vereinigt. Flüssiger Werkstoff wird dosiert in eine Gravur gefüllt, wo er unter hohem Druck erstarrt. Die Druckeinwirkung während der Erstarrung führt zu porenfreiem Gefüge höherer Güte als beim üblichen Gießen.

Flussjungfern, Gomphidae: Familie der Großlibellen mit 5 heimischen, meist grünen Arten; Entwicklung der räuberisch lebenden Larven im Wasser ohne Puppenruhe; Vollinsekten sind flugfähig.

Flusskrebse, Astacidae: Familie süßwasserbewohnender Zehnfußkrebse. In Löchern und Nischen des Ufers klarer Gewässer lebt der heimische Edelkrebs (Astacus astacus), der sich von Insektenlarven, Aas und Wasserpflanzen ernährt; durch die Krebspest dezimiert. Widerstandsfähiger (auch gegen Wasserverschmutzung) ist der kleinere Amerikanische Flusskrebse (Cambarus affinis), der besonders im Osten vorkommt. Fanggeräte sind Krebskörbe (Reusen aus Holzstäben) und Krebsteller (flache Netze), die mit frischem Fisch beködert werden.

Flussmeter, Fluxmeter (lateinisch + griechisch): elektrisches Messgerät zur Messung des magnetischen (Gleich-)Flusses, zum Beispiel mittels Kriechgalvanometers oder Hall-Sonde.

Flussmittel: 1. Fertigungstechnik: nichtmetallische Stoffe, die beim Löten die Oxidschicht auf Lot und Fremdwerkstoff auflösen, ihre Neubildung während des Lötprozesses verhindern und das Benetzen durch das geschmolzene Lot fördern. Flussmittel für Weichlöten sind Zink- oder Ammoniumchlorid und wässrige Lösung (Lötwasser), Kolophonium; für Hartlöten Fluoride und Borverbindungen (Borax, Borsäure) unter anderem Reste bestimmter Flussmittel müssen nach dem Löten entfernt werden, um Korrosion zu verhindern.

2. Hüttenwesen: nichtmetallische Zusätze (zum Beispiel Flussspat, Kalk) zur Charge, welche die Schlackenbildung erleichtern, die gebildete Schlacke dünnflüssiger und damit reaktionsfreudiger machen.

3. Silikattechnik: unplastische Rohstoffe, die in keramischen Massen die Brenntemperatur verringern, das Sinterintervall verbreitern und unter Umständen die Festigkeit sowie Härte des Erzeugnisses erhöhen, zum Beispiel Feldspat.

Flussmuscheln, Unio: Süßwassermuscheln mit bis 9 cm langen Schalen, Larven (Glochidien) parasitieren meist an Fischkiemen. Siehe auch Malermuschel, Muscheln.

Flusspferde, Hippopotamidae: pflanzenfressende, nichtwiederkäuende Paarhufer Afrikas mit nacktem, plumpem Körper und kurzen Beinen. Das etwa 31 schwere Fluss- oder Nilpferd (Hippopotamus amphibius) lebt gesellig in und an größeren Seen beziehungsweise Flüssen südlich der Sahara; es nimmt täglich etwa 50 kg Nahrung auf; es kann bis zu 6 Minuten tauchen. Das nur etwa 250 kg schwere Zwergflusspferde (Choeropsis liberiensis) lebt in Urwäldern Westafrikas als Einzelgänger.

Flussquantisierung: die Tatsache, dass der magnetische Fluss durch einen supraleitenden Ring gequantelt ist, das heißt, er kann nur ganzzahlige Vielfache des Flussquants oder Fluxoidquantums annehmen (h Planck-Konstante, e Elementarladung).

Flussregulierung, Flusskorrektur. Verbesserung der natürlichen Abflussverhältnisse eines Flusses durch Begradigung, Uferbefestigung, Deckwerke, Buhnen, Ausbaggerungen, Einbau von Grundschwellen und Kanalisierung zum Schutz gegen Hochwasser und zur Verbesserung des Schifffahrtsweges.

Flusssystem: Gesamtheit aller einem Einzugsgebiet als Vorflut zum Meer oder zu einem Endsee dienenden Wasserläufe; es umfasst den Hauptfluss als Hauptvorfluter und alle Zuflüsse (Nebenflüsse) 1. bis n-ter Ordnung von der Quelle bis zur Mündung, unabhängig von der Größe ihres Einzugsgebietes.

Flussverkettung: Elektrotechnik der mit einer geschlossenen Umrandungslinie, zum Beispiel einer Leiterschleife, verkettete magnetischen Fluss; bei mehreren Windungen das Produkt aus Windungszahl und (gleichem) magnetischem Fluss. Die Flussverkettung ist Ursache der Spannungsinduktion.

Flutbrücke: in die Dammauffahrt von Flussbrücken eingebauter Durchlass zur Hochwasserabführung, vielfach Teil der Brücke.

Fluten: Füllen von Tanks im Schiffskörper mit Seewasser über in der Außenhaut angebrachte Flutventile oder mittels Ballastwasserpumpen, um dem Schiff einen Mindesttiefgang beziehungsweise ausreichende Trimm- oder Stabilitätsverhältnisse zu geben. Geflutet werden im Allgemeinen Ballastwassertanks im Doppelboden sowie Trimmtanks im Vor- und Hinterschiff. Bei Feuerausbruch werden abgeschottete Räume, zum Beispiel Laderäume, geflutet.

Flutlackierverfahren: Verfahren, bei dem das zu beschichtende Gut mit Anstrichstoff überspült und danach zum Abtropfen des überschüssigen Anstrichstoffes aufgehängt wird; dient zum besseren Verlauf und schnelleren Anziehen des Anstriches in einer Atmosphäre von Lösungsmitteldampf.

Flutlicht: Ausstrahlung beziehungsweise Ausleuchten von Gebäuden, Sportplätzen unter anderem mittels Scheinwerfergruppen. Die Leuchten müssen den Lichtstrom verteilen und blendfrei sein. Flutlicht-Anlagen in Sportstätten geben unterschiedlich hohe, auf Erfahrungswerten begründete oder festgelegte Lichtstärken ab. In Stadien konzentrierte Anordnung der Lichtquellen gewöhnlich auf 4 zur Sportfläche geneigten oder auskragenden Masten.

fluvial, fluviátil: den fließenden Gewässern zugehörig; von ihnen oder unter ihrer Mitwirkung geschaffen, geprägt oder abgelagert.

Fluxgate-Magnetometer, Kernsättigungsmagnetometer: Messgerät zur Feststellung örtlicher Anomalien des Erdmagnetfelds; beruht auf Induktionswirkung (Änderung des magnetischen Flusses) in einem Ferritkern. Das Fluxgate-Magnetometer wird bei Messungen an der Erdoberfläche, in Bohrungen, Flugzeugen und Satelliten eingesetzt.

Flyer: Vorspinnmaschine zum Verfeinern und leichten Drehen der aus dem Streckwerk austretenden Faserbänder zu einem in Spulenform aufgewundenen Vorgarn.

Fly River: Fluss auf Neuguinea; 1120 km; entspringt am Südhang der Zentralkette Neuguineas, bildet im Mittellauf die Grenze zwischen Papua-Neuguinea und Indonesien (Provinz Irian Jaya), mündet mit breitem Delta in den Papuagolf; auf mehr als 600 km versumpfte Flussniederung; starke Mäanderbildung.

Flysch: (schweizerisch, zu «fließen») mächtige Folge mariner Sedimente (bis mehrere tausend Meter), vor oder während des Faltungsprozesses sedimentiert; markanter Wechsel von feinkörnigem (Mergel, Tone) mit gröberem Material (Sandstein, Grauwacke).

Fo, Dario, geboren 24.3.1926, italienischer Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter. Nach Mitarbeit im Piccolo Teatro von Mailand gründete und leitete Fo seit 1959 mehrere politisch engagierte Gruppentheater (zum Teil in unmittelbarer Zusammenarbeit mit der KP). Fo greift mit seinen volkstümlichen Farcen, unter anderem «Siebentens: Stiehl ein bisschen weniger» (1964, deutsch), «Zufälliger Tod eines Anarchisten» (1970, deutsch), «Bezahlt wird nicht!» (1974, deutsch), unmittelbar in die gesellschaftlichen und politische Auseinandersetzungen in Italien ein.

Foch, Ferdinand, 2.10.1851-20.3.1929, französisch Marschall; während des 1. Weltkrieges war er 1915/16 Oberbefehlshaber einer Heeresgruppe, 1917 Chef des Generalstabes, 1918 Oberbefehlshaber der Entente-Truppen an der Westfront. Foch leitete 1918 die Waffenstillstandsverhandlungen mit den Mittelmächten; erbitterter Feind Sowjetrusslands beziehungsweise der UdSSR.

Fock: auf Segelbooten hinterstes Vorsegel (Stagfock), auf Schiffen mit Rahtakelage unterstes Rahsegel des vordersten Mastes (Fockmast).

Fock, Wladimir Alexandrowitsch, 22.12.1898 bis 27.12.1974, sowjetischer Physiker; arbeitete auf den Gebieten Quantentheorie, Relativitätstheorie, Elektrodynamik und Wellenausbreitung sowie Elastizitätstheorie.

Föderalismus: (lateinisch foedus, «Bündnis», «Vertrag») System der Staatenverbindung, bei der die beteiligten Staaten eine bestimmte Selbständigkeit bewahren. Während der Föderalismus bürgerlichen Typs oft auf nationaler Unterdrückung und zum Teil auf zwangsweisem Zusammenschluss beruht, sind die Grundlagen des sozialistischen Föderalismus Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Nationen sowie Freiwilligkeit des Zusammenschlusses.

Föderaten: mit den Römern verbündete Stämme beziehungsweise Völker außerhalb des römischen Reiches; seit dem 4. Jahrhundert auch germanische Stämme, die innerhalb des Reiches Land erhielten und sich dafür zur Verteidigung des römischen Imperiums verpflichteten.

Foerster, Wilhelm Julius, 16.12.1832-18.1.1921, Astronom; 1865/1904 Direktor der Berliner Sternwarte; arbeitete über Planetoiden; war vielseitig tätig für wissenschaftliche Institutionen und Unternehmungen; gründete 1888 die «Urania» als öffentliche naturwissenschaftliche Schaustätte.

Foetor ex ore: schlechter Mundgeruch; entsteht durch kariöse Zähne, mangelhafte Mundpflege, Entzündung der Mundschleimhaut, der Mandeln, der Nase und ihrer Nebenhöhlen sowie nach Eingriffen in der Mundhöhle. Im Unterschied zu diesem örtlich bedingten Geruch wird der durch mundfeine Vorgänge, zum Beispiel Stoffwechselkrankheiten, verursachte Geruch der Ausatmungsluft als Halitosis bezeichnet.

Foggia: Stadt in Unteritalien, in der Region Apulien; Verwaltungszentrum der Provinz Foggia; 160000 Einwohner; chemische, Nahrungsmittel- und Papierindustrie; Agrarmessen; Theater, Bibliothek.

Fohlen: 1. Fohlen, Füllen: junges Pferd bis zum arbeitsfähigen Alter; wird vor dem Absetzen von der Mutter als Saugfohlen bezeichnet. Fell von 2 bis 3 Monate alten Fohlen 1; wird wegen seines guten Moirés meist naturfarben vorwiegend zu Pelzjacken und -mänteln verarbeitet. Fohlen ist feinhaarig und dünnledrig.

Fohlen: Geburtsvorgang beim Pferd.

Föhn: (dat. favonius, «lauer Westwind») trockener, warmer Fallwind, besonders an der Leeseite von Gebirgen. Überströmen Luftmassen ein Hindernis (Bergketten, Gebirge), so kühlen sie sich beim Aufsteigen an der Luvseite unter Wolkenbildung (Föhnmauer) und Aussegnen (Stauniederschlag) ab; beim Absinken auf der Leeseite erwärmen sie. sich stärker, als sie abgekühlt wurden; dabei erfolgt Wolkenauflösung (Föhnlücke) mit guter Fernsicht.

Föhnkrankheit, Föhnempfindlichkeit: durch Föhnwetterlagen besonders in Gebirgsgegenden ausgelöste erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigung mit erhöhter Reizbarkeit, Abgeschlagenheit, Antriebsschwäche, Verstimmung, Kopfschmerzen, Schlafstörungen.

Fohr, Carl Philipp, 26.11.1795-29.6.1818, Maler; Ausbildung in Heidelberg, Darmstadt, München und Rom, wo er sich 1816 dem Kreis der Nazarener anschloss. Fohr schuf streng gegliederte Landschaftsdarstellungen, Bildnisse von tiefleuchtender, schwerer Farbigkeit und herber Auffassung sowie Zeichnungen und Aquarelle. Mit seinem Werk prägte er entscheidend das Bild der deutschen Romantik.

Fokus: 1. Geometrie: Brennpunkt.

2. Medizin: Herd; Krankheitsherd, der durch Toxin-Streuung (Fokaltoxikose), Erregerausbreitung (Fokalinfekt) oder Antigenausbreitung (Fokalallergie) zu Herdinfektionen führen kann; bevorzugte Sitze sind Gaumenmandeln, Zahnsystem, Nasennebenhöhlen, Gallenblase und Blinddarm.

3. Optik: Brennpunkt einer zentrierten optischen Abbildung (siehe auch Kardinalelemente); allgemein Schnittpunkt konvergierender Strahlenbündel.

Fokussierung: 1. Kernphysik: Strahlführung geladener Teilchen mit Hilfe elektrischer und magnetischer Felder. Zur Fokussierung dient auch die magnetische Quadrupollinse, die aus 4 Magnetpolen zusammengesetzt ist. Eine Fokussierung ist nötig bei Beschleunigern, Massentrennern, -spektrographen und magnetischen Spektrometern. Man unterscheidet die Richtungsfokussierung (divergierende Teilchen mit gleicher Ladung und gleichem Impuls werden in einem Punkt fokussiert) und die Geschwindigkeitsfokussierung (Teilchen unterschiede Geschwindigkeit, aber gleicher Ladung und Masse werden in einem Punkt fokussiert).

2. Optik: Einstellen eines optischen Systems, so dass in einer vorgegebenen Bildebene die beste Bildgüte vorliegt. Die Fokussierung kann automatisch vorgenommen werden.

Folge: 1. Geologie: Stufe.

2. Mathematik: eindeutige Zuordnung der natürlichen Zahlen 1, 2, 3, ... zu einer Menge reeller oder komplexer Zahlen (Zahlenfolge), zu einer Menge von Punkten (Punktfolge) oder von Funktionen (Funktionenfolge). Besitzt eine Folge einen Grenzwert, so heißt sie konvergent, andernfalls divergent. Eine Folge von Zahlen oder von Elementen x„ eines metrischen Raumes heißt Fundamental- oder Cauchy-Folge, falls man zu jeder positiven Zahl e eine natürliche Zahl N finden kann, so dass für alle n, m> N der Abstand von x, zu xm kleiner als e ausfällt. Arithmetische beziehungsweise geometrische Folge sind Zahlenfolge, bei denen die Differenz beziehungsweise der Quotient zweier aufeinanderfolgender Glieder stets denselben Wert hat. Bei einer alternierenden Folge besitzen aufeinanderfolgende Glieder stets abwechselnde Vorzeichen.

Folgern, logisches: gedankliche Operation, die von Aussagen zu Aussagen führt. Ist A eine Menge von Aussagen, H eine Aussage, so heißt H eine logische Folgerung aus A, falls bei jeder zulässigen Interpretation der in A und H vorkommenden Zeichen, die alle Aussagen von A erfüllt, die Aussage H wahr wird.

Folla: Blätter, Blattdroge; zum Beispiel Folla Digitalis (Fingerhutblätter).

Foliant: im eigentlichen Sinn Buch in Folioformat (aus einmal gefalteten Bogen); im weiteren Sinne altertümliches, großformatiges Buch.

Folie: sehr dünner, flexibler, flächenhafter Werkstoff aus Metall oder Plast mit werkstoffabhängiger Färbung oder Durchsichtigkeit. Als Metallfolie bezeichnet man alle Blattmetalle. Plastfolie in Dicken bis etwa 1 mm bestehen meistens aus Zelluloseazetat oder -nitrat (Fotofilm), Polyäthylen und -propylen (Verpackungen aller Art, insbesondere für Lebensmittel), Polyvinylchlorid (Täschner Werkstoff, Wand- und Deckenbespannungen, Dekorationen, Regenbekleidung, -schirme unter anderem) oder Polyester (Magnetbänder). Ihre Herstellung erfolgt durch Gießen aus Plastiklösungen, durch Extrusionsblasen, Extrudieren oder durch Auswalzen mittels beheizter Walzwerke und Kalander, wobei durch Prägewalzen die Oberfläche strukturiert werden kann.

2. Folie: Spezialpapier zur Oberflächenbeschichtung, entweder bedruckt mit Holztextur oder Dekor beziehungsweise unifarben und mit Harz getränkt; wird unter Wärme und Druck auf Holzwerkstoffe geklebt.

3. Folie: Torheit, Tollheit, Narrheit.

Folie Faden: Faden aus einem oder mehreren, durch Schneiden einer (meist Polypropylen-, Polyäthylen- beziehungsweise Polyamid-) Folie gebildeten, auch faser- oder elementarfadenförmig aufgespalteten Streifen; ohne oder mit Drehung.

Folie Faserstoffe: aus Plastikfolien durch Fibrillieren und anschließendes Reißen, Schneiden (Folie-Fasern) und Verdrehen (Folie-Garn, Folie-Seide) hergestellte Faserstoffe; Verwendung für technische Textilien und zum Beispiel für Trägerstoffe textiler Bodenbeläge.

Folie-Lagen-Nähgewirke: textiles Flächengebilde aus Schuss-Folie-Lagen, die durch Maschen aus Nähfäden verfestigt sind, wobei zusätzlich Kettfäden und beziehungsweise oder andere Flächengebilde enthalten sein können; Einsatz als Verpackungsstoff, Beschichtungsgrund und für technische Artikel.

Folienkunstleder: im Folienziehkalander zu dünner Folie ausgewalztes Polymerisat (Weich-PVC), das ohne textilen Schichtträger als Lederersatz verwendet wird.

Folienzelt: niedrige, nicht begehbare, mit Plastfolie überzogene Einrichtung zur Pflanzenproduktion, besonders zur Verfrühung der Gemüseernte, auch als Frostschutz.

Folie-Vlies: teilweise netzartig zusammenhängende Folie-Fasern oder -elementarfäden, die aus einem faserstoffbildenden Polymer (in Folie Form) durch Recken, Vibration, Schneiden unter anderem aufgespalten und zum Vliesstoff verfestigt werden.

Foliierung: (dat. folium, «Blatt») Blattzählung in alten Büchern, vor allem Handschriften, an Stelle der erst etwa 1470 aufkommenden Paginierung (Seitenzählung).

Folkestone: Stadt im Südosten Englands (Großbritannien), am Kanal, in der Grafschaft Kent; 44000 Einwohner; Fischverarbeitung; Fischerei- und Fährhafen (Eisenbahnfähre nach Frankreich); Seebad.

Folketing: («Volksthing») seit 1855 Zweite Kammer des dänischen Reichstags, durch die Verfassung von 1953 einzige Kammer.

Folkevise: im Mittelalter in Skandinavien, auf Island und den Färöern verbreitete singbare Ballade (mit erzählenden Strophen, Kehrreim, Reihentanz); auf den Färöern bis ins 20. Jahrhundert.

Folklore: nicht an schriftliche Aufzeichnung gebundene sprachliche Volksüberlieferung, insbesondere Sagen, Märchen, Schwänke, Spruchgut, Volkslieder; im weiteren Sinne unter anderem auch Volksmusik und -tanze, bildnerisches Volksschaffen, Bräuche, Glaubensvorstellungen und Volkswissen; in der DDR seit Mitte der 70er Jahre durch die erneute Zuwendung zur alten Volksliedtradition (Bildung zahlreicher Folkloregruppen, besonders durch jüngere Musikanten) an Bedeutung zugenommen.

Folklorismus: Aneignung von Inhalten und Formen der Folklore unter Bedingungen, die sich wesentlich von den gesellschaftlichen und bildungsmäßigen Voraussetzungen unterscheiden, unter denen diese Elemente der Volkskultur entstanden sind und ursprünglich existieren. In antagonistischen Gesellschaftsformationen fällt insbesondere die Rezeption von Elementen der Volkskultur durch die herrschenden Klassen unter den Begriff des Folklorismus (zum Beispiel die bürgerliche Volksliedrezeption seit der Romantik). Eine besondere Art des Folklorismus ist die Kommerzialisierung der Folklore im Kapitalismus, wissenschaftlich fundierte Folkloreaneignung jedoch ist Bestandteil sozialistischer Kulturentwicklung.

Folkloristik: Wissenschaft von der Folklore. Siehe auch Volkskunde.

Folksong: in England und USA Bezeichnung für alte und neue Volkslieder; in Europa im Gegensatz zum traditionellen Volkslied aktuelle Lieder mit progressiven und sozialkritische-antiimperialistische Aussagen.

Folien: 1. Adolf Ludwig, 21.1.1794-26.12.1855, Schriftsteller und Verleger; entwickelte sich nach 1815 unter dem Druck der Reaktionspolitik zusammen mit seinem Bruder (F.) zu einem herausragenden Vertreter der Burschenschaftsbewegung. Er entwarf die «Grundzüge für eine künftige Reichsverfassung«, die, von seinem Bruder umgearbeitet, das bedeutendste politische Programm der Burschenschaft jener Jahre war. 1821 Emigration in die Schweiz. 1822/27 lehrte Folien deutsche Sprache und Literatur in Aarau.

2. Karl Theodor, 6.9.1796-13.1.1840 (verunglückt), Schriftsteller; Bruder von Folien 1; anerkannter Führer des radikalen Flügels der Burschenschaften, die nach dem Vorbild der Jakobiner revolutionäre Aktionen forderten. 1824/35 war er Professor für deutsche Sprache und Literatur in Cambridge (USA); Folien verlor die Professur wegen seines leidenschaftlichen Eintretens für die Befreiung der Sklaven.

Follikel: Bläschen, Säckchen, Balg; zum Beispiel Haarfollikel (Haarbalg), Lymphfollikel (Lymphozyten Ansammlung). Siehe auch Eifollikel, Graafscher Follikel.

Follikelpersistenz: Ausbleiben des Follikelsprungs (siehe auch Ovarialzyklus) bei einem reifen Follikel. Die Follikelpersistenz ist oft Ursache für das Entstehen von Zysten im Eierstock sowie unregelmäßige Blutungen und Dauerblutungen.

follikelstimulierendes Hormon, Abkürzung FSH: Proteohormon des Hypophysenvorderlappens; stimuliert bei Frauen Wachstum und Reifung der Eifollikel und die Bildung von Östrogenen, beim Mann erhöht es die Spermatogenese.

Follikulitis: Entzündung der Haarfollikel durch Infektion mit Eitererregern.

Folsäure, Pteroylglutaminsäure: Vitamin, das besonders in grünen Pflanzen, Hefen und in der Säugetierleber vorkommt. Folsäure ist als Tetrahydrofolsäure ein wichtiges Koenzym im Stoffwechsel der Ein-Kohlenstoff-Gruppen. Tagesbedarf des Menschen an Folsäure etwa 0,4 mg.

Folsom-Kultur: späte altsteinzeitliche Kulturgruppe Nordamerikas (11000/7000 vor Christus), benannt nach dem 1926 in Folsom (Neumexiko) aufgefundenen Lagerplatz von Bison-, Mammut- und Elchjägern.

Folter: Misshandlung von Menschen zur Aussageerzwingung und Abschreckung. Obwohl seit dem 18./19. Jahrhundert formell abgeschafft, wird die Folter von reaktionären Ausbeuterregimes noch immer als Mittel politischen Terrors angewandt.

Folz, Foltz, Hans, um 1450 vor 1515, Meistersinger, Wundarzt aus Worms; belebte und erneuerte den Meistergesang in Nürnberg (Einführung neuer Strophenformen, Überwindung erstarrter Schemata). Folz schrieb gelehrte, aber auch witzig-originelle Meisterlieder, Sprüche, Schwänke und derbrealistische Fastnachtsspiele.

Fonda: 1. Henry, 16.5.1905-12.8.1982, US-amerikanischer Schauspieler; spielte in Filmen unterschiedlichster Genres, wie «Der junge Mister Lincoln», «Früchte des Zorns», «Befehl des Gewissens», «Krieg und Frieden», «Der Kandidat», «Am goldenen See»; Produzent des Films «Die zwölf Geschworenen».

2. Jane, geboren 22.12.1937, US-amerikanische Filmschauspielerin; Tochter von Fonda 1; spielte unter anderem in «Sonntag in New York», «Cat Ballou», «Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss», «Ein Mann wird gejagt», «Klute», «Nora», «Der blaue Vogel», «Julia», «Coming home - Sie kehren heim», «Das China-Syndrom», «Der elektrische Reiter»; war an dem den Vietnam-Krieg verurteilenden Film «Vorstellung des Feindes» beteiligt; entwickelte eine aktive politische Tätigkeit, vor allem gegen die Rassendiskriminierung.

Fondaco del Tedeschi: («Warenlager der Deutschen») Wohn- und Lagerhaus deutscher Kaufleute an der Rialtobrücke in Venedig; Zentrum des deutschen Italienhandels; 1228 erstmals erwähnt, 1805 geschlossen.

Fondant: geschmeidig weiche, feinkristallisierte Zuckerware aus Fondantmasse, mit oder ohne Einlage.

Fonds: allgemeine ökonomische Kategorie der sozialistischen Wirtschaft, einmal im Sinne von Bestand, Vorrat an materiellen und finanziellen Mitteln und zum anderen von Gesamtheit der während einer bestimmten Zeit, zum Beispiel eines Jahres, zur Verfügung stehenden materiellen und finanziellen Mittel für die Lösung ökonomischer und sozialer Aufgaben der sozialistischen Gesellschaft. Die Fonds sind gesellschaftlicher Eigentum beziehungsweise beruhen auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln und werden in allen Bereichen und Ebenen der Volkswirtschaft (zum Beispiel Fonds der Volkswirtschaft, Fonds der Kombinate und Bereiche) planmäßig gebildet und eingesetzt. Fonds existieren in allen Sphären des Reproduktionsprozesses, in der Produktion (zum Beispiel Produktionsgrundfonds, Produktionsumlauffonds, Materialfonds), in der Distribution (zum Beispiel Lohnfonds), in der Zirkulation (zum Beispiel Kauffonds, Warenfonds) und in der Konsumtion. Hinsichtlich der Verwendung unterscheidet man Ersatzfonds, Akkumulationsfonds und Konsumtionsfonds. Weiterhin gibt es Fonds der LPG, Fonds der Volksvertretungen unter anderem Rationelle Fondsausnutzung und die Erhöhung der Fondseffektivität sind ein wichtiger Gegenstand der Leitungstätigkeit und der Führung des sozialistischen Wettbewerbs. Sie dienen der Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft und der ständigen Festigung ihrer politischen, ökonomischen und militärischen Kraft sowie ihrer ökonomischen, sozialen und geistigen Errungenschaften.

Fonds, gesellschaftliche: Fonds, die vorwiegend aus Mitteln des Staatshaushaltes gebildet und für Leistungen zur Erhöhung des materiellen und des geistig-kulturellen Lebensniveaus der Bevölkerung eingesetzt werden. Die gesellschaftlichen Fonds werden in Form unentgeltliche Leistungen als indirekte Einkommen (zum Beispiel für medizinische Betreuung, Schulbildung, Kultur) oder in Geldform als direkte Einkommen (zum Beispiel als Renten, Stipendien, Kindergeld, Sozialunterstützung) verteilt. Die planmäßige Entwicklung der gesellschaftliche Fond ist untrennbarer Bestandteil der Wirtschafts- und Sozialpolitik des sozialistischen Staates.

Fondsausnutzung: Inanspruchnahme der im Reproduktionsprozess fungierenden Fonds zur Lösung von ökonomischen und sozialen Aufgaben. Da mit dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt die vorgeschossenen Fonds im Reproduktionsprozess, besonders die Produktionsfonds, anwachsen, hat die Fondsausnutzung größte Bedeutung. Das trifft besonders für die mehrschichtige Auslastung hochproduktiver Maschinen und Anlagen zu.

Fonds der Betriebe: die den sozialistischen Betrieben zur Erfüllung ihrer Aufgaben von der Gesellschaft zur Verfügung gestellten Mittel und deren Deckungsquellen. Die rationelle Nutzung der Fonds bildet ein wichtiges Kriterium für die Effektivität des Betriebes. Die Fonds der Betriebe werden entsprechend ihrem Wesen und ihrem Inhalt untergliedert nach den Stadien des Reproduktionsprozesses oder ihres Kreislaufprozesses (Kreislauf der Fonds) in Produktions-, Zirkulation- und Sonderfonds, nach ihrem Verhalten im Kreislaufprozess in Grund- und Umlauffonds, nach ihrem stofflichen Inhalt in materielle und finanzielle Fonds. Zu den materiellen Fonds werden die Produktionsfonds und der Warenfonds gezählt. Finanzielle Fonds sind die Geldfonds. Schließlich unterteilt man die Fonds in eigene und fremde Fonds. Zu den eigenen Fonds zählen unter anderem der Grundmittel- und der Umlaufmittelfonds. Zu den fremden Fonds zählen alle den Betrieben gewährten Kredite und die Verbindlichkeiten aus Warenlieferungen und Leistungen. Die Sonderfonds sind finanzielle Fonds. Sie dienen zur Sicherung der Aufgaben des Betriebsplanes, zum Beispiel Prämienfonds, Kultur- und Sozialfonds, Fonds Wissenschaft und Technik, Reparaturfonds unter anderem.

Fondseffektivität: Wirkungsgrad der im Reproduktionsprozess eingesetzten Fonds, insbesondere der Produktions- und Zirkulationsfonds. Die Erhöhung der Fondseffektivität, das heißt das schnellere Wachstum der Produktion gegenüber dem Wachstum der zur Produktion eingesetzten Fonds, ist ein wichtiges Erfordernis der intensiv erweiterten Reproduktion. Wichtige ökonomische Kennziffern zur Berechnung der Fondseffektivität sind Fondsquote, Fondsintensität, Fondsrentabilität.

Fondsintensität: Kennziffer der Fondseffektivität; Verhältnis zwischen dem Aufwand an fungierenden Fonds und dem mit ihrer Hilfe in einem bestimmten Zeitraum (Jahr) erzielten Produktionsvolumen (Warenproduktion, Nettoprodukt, Endprodukt); reziproker Ausdruck der Kennziffer Fondsquote.

Obwohl der wissenschaftlich-technische Fortschritt zu einem Anwachsen der Produktions- und Zirkulationsfonds führt, ist damit nicht ein gesetzmäßiges Steigen der Fondsintensität verbunden. Die umfassende Intensivierung ist vielmehr auf sinkende Fondsintensität gerichtet.

Fondsquote: Kennziffer der Fondseffektivität; Verhältnis von Produktionsvolumen (Bruttoprodukt, Nettoprodukt, Warenproduktion) zu den produktiven Fonds; reziproker Ausdruck der Kennziffer Fondsintensität. Die Fondsquote drückt, volkswirtschaftlich gesehen, das pro Einheit Produktionsfonds erzielte Nationaleinkommen aus.

Fondsrentabilität: Kennziffer der Fondseffektivität auf der Ebene der Betriebe und Kombinate. Als Verhältnis von erwirtschaftetem Gewinn zu den eingesetzten. Fonds bringt die Fondsrentabilität die Höhe des Gewinns je Einheit der eingesetzten Fonds zum Ausdruck. Die Fondsrentabilität ist eine wichtige Kennziffer zur Messung der Rentabilität der Betriebe und der Kombinate.

Fonds Wissenschaft und Technik: Geldfonds der Betriebe und Kombinate zur Finanzierung wissenschaftlich-technischer Aufgaben, so unter anderem der im Plan Wissenschaft und Technik enthaltenen Aufgaben. Der Fonds Wissenschaft und Technik wird aus selbsterwirtschafteten Mitteln auf der Grundlage von staatlichen Normativen zu Lasten der Kosten gebildet.

Fondue: Speise, die mittels Fondue Geräts (Grundgestell mit Spiritusbehälter und Brenner sowie Fonduetopf und -gabeln) vom Gast selbst am Tisch zubereitet werden kann (Fleisch-, Fischwürfel gegart, in Tunke getaucht); ursprünglich schweizerisches Bergbauerngericht aus geschmolzenem Käse, Wein und Gewürzen, das warm mit Brot gegessen wird.

Fonseca, Golf von: Meeresbucht an der pazifischen Küste Mittelamerikas; im Westen zu El Salvador, im inneren Teil zu Honduras und im Südosten zu Nikaragua; 30 km breit, 50 km lang, im Mittel 10 bis 20 m tief; stark gegliederter Küstenverlauf, zahlreiche Inseln, unter anderem Meanguera, El Tigre; die wichtigsten Hafen sind La Unión (El Salvador) und Amapola (Honduras).

Font: Polygraphie dimensionsstabiler Filmstreifen, der bei verschiedenen Fotosetzmaschinen als Schriftbildträger dient. Für den Satz werden Fonts auf eine Font Trommel gespannt, die je nach Fontgröße 3 bis 6 dieser Streifen aufnimmt.

Fontaine, Pierre François Léonard, 20.9.1762-10.10.1853, französischer Architekt; gemeinsam mit C. Percier (bis 1814) trug Fontaine in Abwandlung des pompejanischen Stils auf die Innendekoration zur Entwicklung des Empires bei (Umbau- und Dekorationsarbeiten unter anderem am Louvre, in den Tuilerien, nach 1814 im Palais Royal und Versailler Schloss).

Fontainebleau, Schule von: Kunstkreis um den italienischen Maler und Dekorateur Fontainebleau Primaticcio, der seit 1532 das Schloss Fontainebleau ausgestaltete. Formen der italienischen Renaissance und des Manierismus wurden durch diese Künstler bestimmend für den höflichen Stil des 16. Jahrhundert in Frankreich. Vertreter G. B. Rosso, Niccolò dell' Abate.

Fontana: 1. Carlo, 1634-5.2.1714, italienischer Architekt; Schüler von G. L. Bemini; leitete mit seinen durch Ruhe und Einfachheit geprägten Bauten zum Frühklassizismus über.

2. Domenico, 1543-1607, italienischer Baumeister; vorwiegend in Rom tätig, seit 1585 als päpstlicher Architekt. Seine Hauptleistungen liegen auf dem Gebiet einer großzügigen Stadtplanung (Platz- und Straßenanlagen in Rom und Neapel).

3. Oskar Maurus, 13.4.1889-5.5.1969, österreichischer Schriftsteller, verfasste nach frühen, unter dem Einfluss der Neoromantik («Das Märchen der Stille», 1910) und des Expressionismus («Marc», 1916) stehenden Dramen gesellschaftskritisch-realistische Romane (unter anderem «Gefangene der Erde», 1928) und Novellen (unter anderem «Gefährlicher Sommer», 1932).

Fontane, Theodor, 30.12.1819-20.9.1898, Schriftsteller; bedeutendster deutscher kritisch-realistischer Romancier des 19. Jahrhundert; ursprünglich Apotheker, arbeitete später lange Zeit als Journalist für preußische Zeitungen; wurde seit den 40er Jahren mit Lyrik, vor allem Balladen (gesammelt 1861), danach mit den «Wanderungen durch die Mark Brandenburg» (1862/82) bekannt. Ab 1876 schuf Fontane sein episches Werk, das von einfühlsamer Naturschilderung und der Kunst des Gesprächs geprägt wird; er schildert das Leben des verfallenden märk. Adels, dessen inhumane Moral er entlarvt («Schach von Wuthenow», 1883; «Effi Briest», 1895) und zeichnet kritisch-ironisch die neureiche Bourgeoisie der Gründerjahre («Frau Jenny Treibel», 1893). Fontane, der die herrschenden Klassen mit der sittlichen Überlegenheit plebejischen Figuren konfrontiert («Irrungen und Wirrungen», 1888), erkannte auch die künftige politische Führungsrolle des «vierten Standes» («Der Stechlin», 1899). Als Theaterkritiker forderte er den Naturalismus, insbesondere G. Hauptmann; siehe auch Theodor-Fontane-Preis für Kunst und Literatur.

Fontanelle: bindegewebig verschlossene Lücke zwischen den noch unvollständig miteinander verwachsenen Anlagen der Schädelknochen neugeborener Säugetiere. Beim Menschen haben besonders in der Geburtshilfe die große Fontanelle (zwischen Stim- und Scheitelbeinanlagen) und die kleine Fontanelle (zwischen Scheitelbeinanlagen und Hinterhauptbeinanlage) Bedeutung.

Foot, Zeichen ft: anglo-amerikanische Längeneinheit; 1 ft = 12 in = 30,48 cm (Fuß).

Foraminiferen, Kämmerlinge, Foraminifera: Wurzelfüßer mit meist vielkammeriger Schale, die aus Tektin oder Kalziumkarbonat mit beziehungsweise ohne Einlagerung von Fremdkörpern besteht. Viele Arten haben einen Generationswechsel zwischen sich geschlechtlich und ungeschlechtlich fortpflanzender Generation. Foraminiferen leben vorwiegend am Boden der Flachsee, seltener in der Tiefsee oder pelagisch; rezente Arten 20 mm bis 6 cm groß. Foraminiferen sind fossil seit dem Unterkambrium nachgewiesen und wichtige Leitfossilien sowie oft gesteinsbildend (zum Beispiel Fusulinen- und Nummulitenkalk).

Förde: langgestreckte Meeresbucht, entstanden durch das Eindringen des Meeres in Zungenbecken und subglaziale Schmelzwasserrinnen im flachen glazialen Aufschüttungsrelief, unter anderem an der jütländischen Ostseeküste.

Förderbrücke, Abraumförderbrücke: Großgerät in Tagebauen; Stahlkonstruktion mit Gleis- oder Raupenfahrwerk, die den ausgekohlten Tagebau brückenähnlich überspannt und zum Abfördern des Abraumes dient. Der Abraum wird auf der Baggerseite der Förderbrücke durch meist mehrere, mit ihr durch Querförderer verbundene Eimerketten- oder Schaufelradbagger aufgenommen, auf einen Gurtbandförderer gegeben, von diesem über die Brücke geführt und auf die Haldenseite «über Kopf» in den leeren Tagebau abgeworfen.

Förderdruck: Druck des geförderten Mediums, gemessen am Druckstutzen der Pumpe beziehungsweise des Verdichters.

Fördergefäß, Skip: Bergbau mehrere Meter hoher Stahlbehälter mit rechteckigem Querschnitt und mehreren Kubikmetern Fassungsvermögen zum Fördern nutzbarer Gesteine im Schacht. Das Fördergefäß wird am Füllort aus einem Zwischenbunker gefüllt; auf der Hängebank wird das Fördergefäß automatisch durch Öffnen einer Bodenklappe oder durch Kippen in einen Bunker entleert. Führung, Befestigung und Bewegung des Fördergefäßes entsprechen der des Fördergestells. Die Förderung mit Fördergefäß ist wesentlich wirtschaftlicher als die mit Fördergestellen.

Fördergerüst: Bergbau Gerüst aus Profilstahl oder Stahlbeton über jedem Schacht, das in seinem Kopf die Seilscheiben für die Förderseile der Fördermaschine trägt. Ist diese oben im Fördergerüst aufgestellt, spricht man vom Förderturm.

Fördergestell, Förderkorb, Förderschale: Bergbau kastenförmige Stahl- oder Leichtmetallkonstruktion mit Wänden aus Drahtgeflecht oder Lochblech mit bis zu 5 Zwischenböden. Das Fördergestell, durch ein Zwischengeschirr mit einem oder mehreren Förderseilen (Mehrseilförderung) verbunden, mit einer Fangvorrichtung sowie Führungsschuhen, -Ösen oder Rollen, die an Spurlatten oder Führungsseilen im Schacht gleiten, versehen, wird von der Fördermaschine im Schacht zwischen Füllort und Hängebank auf- und abbewegt. Es dient dem Ein- und Ausfahren der Bergleute sowie dem Transport von Material und Förderwagen. Mit dem Förderwagen wird durch eine mechanische Aufschiebe Vorrichtung das Fördergestell beschickt (Wagenwechsel), da der aufgeschobene Förderwagen den im Fördergestell stehenden hinausdrückt.

Förderhöhe: in Meter Flüssigkeitssäule je kg Förderflüssigkeit umgerechneter Energiezuwachs bei Pumpen. Die manometrische Förderhöhe ist die Umrechnung auf Meter Wassersäule und kann am Manometer der Pumpe abgelesen werden. Die geodätische Förderhöhe ist der Höhenunterschied zwischen saug- und druckseitigem Flüssigkeitsspiegel.

Fördermaschine: Antriebsmaschine für Seilförderanlagen in Schächten, welche die am Förderseil hängenden Fördergestelle oder -gefaße (paarweise oder mit Gegenmasse) im Schacht auf und ab bewegt. Bei der Koepe-Förderung wird das Förderseil von einer auf der Maschinenwelle sitzenden Stahlscheibe (Treib-, Koepescheibe) mitgenommen, wobei gleichzeitig ein Gefäß auf-, das andere absteigt. Bei Trommelförderung sind 2 zylindrische oder kegelstumpfförmige Trommeln mit der Maschinenwelle gekoppelt. Für jedes Fördergestell beziehungsweise -gefäß ist ein eigenes Förderseil vorhanden. In der einen Drehrichtung der Fördermaschine wird das eine Förderseil auf getrommelt und das daran hängende Gestell hochgezogen, während das andere Seil von der anderen Trommel abläuft und dieses Gestell abwärts geht. Beim Umschalten auf die andere Drehrichtung ist der Fördervorgang umgekehrt. Bei zylindrischen Trommeln wird als Seilausgleich ein Unterseil verwendet, während bei Kegeltrommeln der Ausgleich durch die unterschiedliche Aufwickelradien der Förderseile auf den Trommeln erzielt wird. Fördermaschinen mit elektrischem Antrieb arbeiten heute bei Produktenförderung mittels Fördergefäßen vollautomatisch.

Fördermenge: Liefermenge von Pumpe oder Verdichter; Angabe erfolgt in Masse- oder Volumeneinheiten.

Förderstrom: Liefermenge von Pumpe oder Verdichter je Zeiteinheit, auch die durch den Rohrquerschnitt strömende Menge Flüssigkeit oder Gas je Zeiteinheit. Die Angabe erfolgt als Masse- oder Volumenstrom je Zeiteinheit, zum Beispiel in m3/s oder in kg/h.

Fördertechnik: Zweig der Technik, der die Entwicklung und Herstellung von Maschinen und deren Zusammenstellung zu kompletten Anlagen sowie die Gestaltung der Verfahren zur Ortsveränderung von Gütern (in bestimmten Fällen auch von Personen) innerhalb einer technischen oder organisatorischen Einheit (zum Beispiel Betrieb, Hafen, Tagebau) beinhaltet. Die Bezeichnung Fördertechnik umfasst auch die Maschinen zur Aufnahme und Abgabe der Güter sowie die Einrichtungen zur Zwischenlagerung von Schütt- und Stückgut.

Forderungen, Außenstände: Ansprüche des Gläubigers gegen den Schuldner auf Geldzahlungen auf Grund einseitig erfüllter Schuldverhältnisse (zum Beispiel Warenlieferung) oder gesetzliche Bestimmungen (zum Beispiel aus produktgebundenen Preisstützungen).

Forderungsübergang: Übergang einer Forderung vom bisherigen auf einen neuen Gläubiger. Forderungsübergang beruht auf vertragliche Abtretung oder auf Rechtsvorschriften (gesetzlicher Forderungsübergang, cessio legis), so zum Beispiel von Ersatzansprüchen eines Geschädigten auf die Versicherung, soweit diese den Schaden ersetzt.

Förderungsvertrag: Vereinbarung zwischen einem Staatsorgan oder einer staatlichen Einrichtung und einem Bürger oder eines Betriebes mit einem ehemaligen Betriebsangehörigen zur besonderen Unterstützung bei der beruflichen Entwicklung, zum Beispiel mit jungen Künstlern oder mit Studenten während des Direktstudiums. Mit Werktätigen, die in einem Arbeitsrechtsverhältnis stehen, ist ein Qualifizierungsvertrag abzuschließen.

Förderwagen, bergmännisch Hund: Bergbau kästen- oder trogförmiger, meist auf Schienen laufender Wagen zur Förderung des Haufwerkes, der Berge und des Materials. Der Inhalt der meist 2achsigen Förderwagen beträgt im Tiefbau 0,5 bis 5 m3. In Tagebauen verwendet man 4- oder 8-achsige Großraum-Förderwagen mit 60 bis 170 m3 Inhalt, die entweder Ein- oder Zweiseitenkipper beziehungsweise Bodenentleerer sind.

Forechecking: Angriffsverteidigung im Eishockey; massierte Störung des Gegners in der Angriffszone nach Scheibenverlust.

Foreign Office: seit 1782 das britische Außenministerium, seit 1968 amtlich Foreign and Commonwealth Office.

Forellen, Salmo: zur Familie der Lachsartigen gehörende, in kalten Gewässern lebende wertvolle Speisefische. Aus Nordamerika 1882 eingeführt und in Forellenteichen gezüchtet die Regenbogenforellen (S. gairdneri); heimisch in schnellen, klaren Bächen die Bachforellen (S. trutta fario), eine Form der bis 150 cm langen Forellen (S. trutta); siehe auch Fische.

forensisch: (lateinisch, zu «Forum») gerichtlich, der Aufklärung und Entscheidung von rechts Rillen dienend.

Forest: 1. Forest, Jean Kurt, 2.4.1909-2.3.1975, Komponist und Bratschist; prägte unter anderem mit «Der arme Konrad», «Die Blumen von Hiroshima» wesentlich die Opernentwicklung in der DDR; schrieb auch Bühnen-, Film-, Orchestermusik, Ballett «Frühling an der Seine», Lieder, Chansons.

2. Forest, Lee de, 26.8.1873-1.7.1961, US-amerikanischer Radiotechniker; erfand unabhängig von dem Österreicher R, von Lieben 1906 die Dreielektrodenröhre (Triode), arbeitete unter anderem auf dem Gebiet des Tonfilms.

Forkel, Johann Nikolaus, 22.2.1749-20.3.1818, Musikwissenschaftler; seine Bach-Biographie (1802) forderte wesentlich das allgemeine Interesse für J. S. Bachs Werk; mit seinen vielseitigen Arbeiten regte er die weitere Musikforschung an.

Forkeln: beim Schalenwild das Verletzen eines Nebenbuhlers oder Feindes mit dem Geweih oder Gehörn.

Forleule, Kieferneule, Panolis flammea: rotbrauner Eulenfalter; die grün-weiß gestreifte Raupe oft im Herbst in Kiefernbeständen schädlich.

Forli: Stadt in Oberitalien, in der Region Emilia Romagna, Verwaltungszentrum der Provinz Forli; südöstlich von Bologna; 110000 Einwohner; Kunstfaserproduktion («Forlion»), Maschinenbau, Elektro- und Textilindustrie; Theater, Bibliothek, Museum; Observatorium.

Form: 1. Gießereitechnik: zur Aufnahme des Gusswerkstoffes bestimmter ein- oder mehrteiliger Hohlkörper, dessen Innenkonturen der Gestalt des zu erzeugenden Gussstückes (ein oder mehrere Gussstücke) nachgebildet sind und in dem der Gusswerkstoff erstarrt. Man unterscheidet Form für mehrmaligen (Kokillen) und Form für einmaligen Gebrauch (verlorene Form). Letztere werden aus nichtmetallischen Formstoffen in Formkästen oder auch ohne Kästen als Ballen oder Schalen hergestellt. In den Formstoff wird ein Modell eingeformt und dann der Formstoff verfestigt. Danach wird das Modell von der Form getrennt. Hohlräume im Gussstück werden durch die in die Form eingelegten Kerne gebildet. Nur noch selten wird Lehm zu Form für große dickwandige Gussstücke und für Kunstguss verwendet. Für niedrigschmelzende Metalle werden in geringem Umfang auch Form aus Gips, Schiefer, Schmelzbasalt unter anderem benutzt.

2. Musik: das von Stil, Gattung und Kommunikationsinhalten abhängige Ordnungs- und Bauprinzip eines Musikstückes, wie Motiv, Thema, Satz, bis hin zu den großen Formen, wie Suite, Sinfonie, Konzert.

3. Philosophie: Inhalt und Form.

4. Sport: körperlicher Leistungszustand eines Sportlers.

Formaldehyd: (Kurzwort lateinisch Acidum formicium, «Ameisensäure», + Aldehyd) Methanal: Alkanal der Formel H-CHO. Formaldehyd ist ein farbloses, gesundheitsschädlich, stechend riechendes Gas; F -92 °C; Kp -21 °C. Es wird durch katalytische Oxydation von Methanol gewonnen und insbesondere zur Herstellung von Duroplasten verwendet. Die wässrige Lösung von Formaldehyd (Formalin) dient als Desinfektionsmittel. Formaldehyd kann bei Einatmung in hohen Konzentrationen zu starken Schleimhautreizungen der Luftwege sowie Brechreiz, Erbrechen und Bewusstlosigkeit führen.

Formalismus: 1. Kunst: spätbürgerliche, subjektivistische Kunstauffassung, die den Widerspiegelungscharakter von Kunst leugnet und ihren Inhalt abwertet. Formalismus ist nicht einfach Überbetonung der Formelemente, sondern inhaltslose Formspielerei; führt zur Zerstörung der Kunst.

2. Logik: soviel wie formalisierte Sprache, manchmal auch Kalkül.

formaliter: in aller Form.

Formanten: Gruppen von Tönen, die für die Klangfarbe von Lauten und Musikinstrumenten bestimmend sind; entstehen durch Resonanzschwingungen, zum Beispiel der Mundhöhle.

Format: Gestalt; (genormte) Größe; übertragen außergewöhnliche Bedeutung.

Formation: 1. Geologie: a) zeitliche-räumliche Gesamtheit genetisch zusammengehöriger Gesteine. Formationstypen sind unter anderem Molasse-, Flysch-, Glazial-, Vulkanformation;

b) frühere Bezeichnung für geologische Systeme.

2. Musik: gemeinsam spielende und auftretende Gruppe, hauptsächlich in Jazz- und Rockmusik; siehe auch Band 5.

3. Pflanzengeographie: von der aoristischen Zusammensetzung unabhängige Vegetationseinheit, die physiognomisch-ökologisch einheitlich ist (zum Beispiel Zwergstrauchheide, Savanne, Steppe).

Formationstanz: seit etwa 1946 gepflegte Form des modernen Gesellschaftstanzes, wobei mehrere Paare einen Gesellschafts- oder Modetanz nach einer Choreographie in völlig gleichmäßigem Bewegungsablauf ausführen, auch wettbewerbsmäßig als Turniertanz.

Formel: 1. allgemein in kürzeste Form gebrachte Begriffsbestimmung; überlieferte sprachliche Ausdrucksform.

2. Chemie: chemische Formel.

3. Physik: Kurzschrift eines physikalischen Zusammenhangs durch eine mathematische Gleichung zwischen physikalischen Größen, die durch bestimmte Symbole (Formelzeichen) dargestellt werden.

Formelfreier Rennwagen, Rennwagen «Formule Libre» (französisch): einsitziger Kraftwagen der Kategorie H, Gruppe E, der für die Teilnahme an Rennen auf der Grundlage von technischen Bestimmungen eines nationalen Automobilverbandes aufgebaut wurde.

Formel-Rennwagen: einsitziger Kraftwagen der Kategorie H, Gruppe D, mit offener Karosserie und nicht abgedeckten Rädern, der ausschließlich für Rundstreckenrennen auf der Grundlage der dafür erlassenen speziellen technischen Bestimmungen der Internationalen Automobil-Föderation konstruiert ist. Unterschieden werden Formel 1, 2 und 3.

Formelzeichen: Symbol zur abgekürzten Bezeichnung einer physikalischen Größe oder ihres Zahlenwerts. Ein Formelzeichen besteht im Allgemeinen aus einem lateinischen oder griechischen Buchstaben, zum Teil mit Zusätzen (Index). Die wichtigsten Formelzeichen sind international vereinbart und standardisiert, zum Beispiel I für Länge, m für Masse, F für Kraft, U für elektrische Spannung.

Formenlehre, Morphologie: Kristallographie Lehre von den geometrischen Formen und Kombinationsformen an Kristallen der 32 Kristallklassen. Siehe auch Kristall.

Formentera: Insel der spanischen Inselgruppe Balearen, im Mittelmeer, 96 km2, 3 500 Einwohner; bis 192 m; Kiefern- und Wacholderwälder, Getreide-, Wein- und Olivenanbau; Fischfang, Salzgärten; Badestrände.

Formfaktor: der Quotient aus Effektiv- und Mittelwert elektrischer Wechselgrößen, besonders zur Beurteilung der Kurvenform und der Welligkeit. Zeichen kt, Formfaktor.

Formgestaltung, industrielle Formgestaltung, Produktgestaltung, Industrial Design: schöpferischer Prozess der optimalen Anpassung industrieller Erzeugnisse und Erzeugnis Systeme (zum Beispiel Haushaltgeräte, Maschinen, Möbel, Kleidung, Verkehrsmittel) an die physische und psychische Gegebenheiten des Menschen zur Befriedigung kulturell-ästhetische Bedürfnisse unter besonderer Berücksichtigung arbeitswissenschaftlicher Gesichtspunkte. Formgestaltung bezieht auch Farbgebung, Oberflächengestaltung und Material- beziehungsweise Werkstoffwirkungen ein. Die Form Güte ist Bestandteil der Gesamtgüte eines Produktes; sie entsteht in engem Zusammenwirken vieler Wissenschaften, besonders der Konstruktion, Technologie, Ergonomie, Physiologie, Psychologie, Ästhetik, Ökonomie. Wachsende Bedeutung gewinnt die Gestaltung der Arbeitsumwelt und des Arbeitsplatzes. Siehe auch Amt für industrielle Formgestaltung, Erzeugnisgüte.

Formguss, Fertigguss: Gießverfahren, bei dem das (Form-) Gussstück bereits seine endgültige Gestalt (Rad, Hebel und so weiter) erhält, die eventuell nur durch spanende Bearbeitung maßhaltiger gemacht wird; auch Bezeichnung für das Gussstück selbst.

Formiate: (lateinisch) Salze und Ester der Ameisensäure.

formidabel: (französisch) furchtbar, schrecklich.

formieren: (dat.) bilden, gestalten; in bestimmter Ordnung aufstellen.

Formmaschine: Arbeitsmaschine zur Herstellung von Gießformen überwiegend aus tongebundenen Formstoffen. Moderne Formmaschine können alle Operationen bis zur gießfertigen Form selbsttätig ausführen (Formmaschinenautomaten). Einstationen-Formmaschine vollziehen alle Tätigkeiten zur Herstellung einer Formhälfte auf derselben Position; bei Mehrstationen-Formmaschine werden diese auf mehrere Positionen verteilt vorgenommen. Je nach der Methode der Formstoffverdichtung wird hauptsächlich zwischen Press-Formmaschine, Rüttel-Formmaschine, Rüttel-Press-Formmaschine, Blas-Press-Formmaschine und Sandslingern (Schleuder-Formmaschine) unterschieden.

Formmeißel: Werkzeug für die spanende Bearbeitung (meist Drehen, Hobeln und Stoßen), dessen Hauptschneide so ausgebildet ist, dass die vorgegebene (im Werkzeug gespeicherte) Form direkt auf das Werkstück übertragen werden kann. Das geschieht zum Beispiel beim Drehen durch Einstechen (Vorschubbewegung radial zur Drehachse) oder, zum Beispiel beim Gewindeschneiden (Verwendung eines Gewindeformmeißel), durch axialen Vorschub. Formmeißel haben als Radialmeißel (wie auch andere Drehmeißel) rechteckigen oder runden Querschnitt, sie können aber auch scheibenförmig als Rundformmeißel ausgebildet sein. Formmeißel dürfen beim Scharfschleifen ihre Form nicht verlieren; deshalb wird nur die Spanfläche nachgeschliffen.

Formobst: durch strengen Schnitt in bestimmten Formen gezogene Obstbäume, meist für Liebhaberanbau; siehe auch Obstbau.

Formpressen: Verfahren zur Verarbeitung von Pressmassen. Man nutzt dabei deren Eigenschaft aus, innerhalb eines bestimmten Temperaturbereiches (150 bis 170 °C) einen derart plastischen Zustand zu durchlaufen, dass bei Druckeinwirkung (bis 50 MPa) und gleichzeitiger Aushärtung eine spanlose endgültige Verformung möglich ist. Zum Formpressen werden elektrisch beheizte 2teilige Presswerkzeuge aus hochwertigem Werkzeugstahl verwendet; die Pressmasse wird als Pulver oder tablettiert eingesetzt. Siehe auch Plaste.

Formprint-Verfahren: (Kunstwort, englisch print, «Drucli») Verfahren zum Verzieren von im Extrusionsblasverfahren hergestellten Verpackungshohlkörpern. Aus einer als Bedruckstoff dienenden Plastikfolienbahn werden im Blaswerkzeug des Extruders Etiketten ausgestanzt, auf die Formoberfläche befördert und durch Aufblasen des heißen Extrusions-Schlauches mit der Hohlkörperoberfläche verbunden.

Formschluss: Übertragungs- oder Verbindungsart zweier Maschinenelemente auf Grund ihrer Form, zum Beispiel 2 ineinander kämmende Zahnräder, Schraubensicherung durch Sicherungsblech oder Splint, Kettentrieb. Siehe auch Kraftschluss.

Formstein: Mauerziegel oder Werkstein besonderer Form, zum Beispiel für Fensteranschläge, Gewölbe, Schornsteine; auch als Dekorationselement für Gesimse unter anderem.

Formstoff: Gießereitechnik speziell aufbereitete Mischung einer Grundsubstanz (meist Quarzsand) mit einem Bindemittel (Ton und Wasser, Wasserglas, Zement, Kunstharz) und eventuellen Zusätzen (zum Beispiel Kohlenstaub), die durch verschiedene Methoden plastisch zu Gießformen geformt und verfestigt wird.

Formvollholz: bei Unterdrück gedämpftes, dann gekochtes, gestauchtes und geformtes Laubholz; ergibt gebogene Holzteile.

Formvorschriften: gesetzlich vorgeschriebene Formen für bestimmte Rechtshandlungen, zum Beispiel Schriftform.

Formylgruppe: das Acyl der Ameisensäure, H-CO-.

Forschung: wissenschaftliche Tätigkeit zur Gewinnung neuen Wissens über bisher nicht beziehungsweise ungenügend bekannte Bereiche der objektiven Realität, insbesondere über gesetzmäßige Zusammenhänge in ihr. Die Forschung bedient sich bestimmter Methoden, Techniken und Verfahren (zum Beispiel Experiment, Messung, Beobachtung), die die Reproduzierbarkeit ihrer Ergebnisse garantieren müssen, schließt Theorien-, Hypothesen- und Modellbildung ein und überprüft ihre Ergebnisse in der Praxis. Je nach dem Ziel der Forschung unterscheidet man Grundlagenforschung und Anwendungsforschung.

Forschungsrakete: Rakete zur Ausführung wissenschaftlicher, technischen, technologischen unter anderem Untersuchungen.

Forschungssatellit: unbemannter künstlicher Erdsatellit, der der Untersuchung der Erde, des erdnahen kosmischen sowie des interlunaren und interplanetaren Raumes dient und der mit entsprechend Mess- und Übertragungseinrichtungen ausgerüstet ist.

Forschungsschiff: im engeren Sinne Spezialschiff, das der Meeresforschung (Strömlings-, Seegangs-, Temperatur-, Salzgehaltsmessungen, Wasserschichtung, -Zirkulation, -druck, Meeresbiologie unter anderem) und -Vermessung (Vermessungsschiff, besonders für Tiefenmessungen zum Erkunden der Oberflächenform des Meeresbodens sowie zur Erarbeitung und Ergänzung von Seekarten) dient, entsprechend ausgerüstet ist und vor allem Laboratorien zur Auswertung enthält. im weiteren Sinne zählen zu den Forschungsschiff auch die im Nordatlantik und anderswo stationierten Wetterschiffe, die Satellitenverbindungsschiffe und -steuerstationen sowie die Fischereiforschungsschiff. Letztere dienen der Erforschung bekannter und neuer Fanggebiete, des Verhaltens der Fische sowie der Verbesserung der Fangmethoden und -geräte.

Forschungsstudium: unmittelbar an den Hochschulabschluss anschließende Qualifizierung besonders leistungsfähiger Studenten zum Doktor eines Wissenschaftszweiges.

Forschung und Entwicklung: Gesamtheit der Tätigkeiten zur Gewinnung neuer wissenschaftlich-technischer Erkenntnisse sowie zur effektiven Nutzung dieser Erkenntnisse in der gesellschaftlichen Praxis, insbesondere in der Produktion. Forschung und Entwicklung dienen dem volkswirtschaftlichen Leistungswachstum auf der Grundlage des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, dem Hauptfaktor der sozialistischen Intensivierung.

Forst: aus der fränkischen Urkundensprache abgeleitete Bezeichnung für das «Draußen», das «Herrenlose»; später «Wald» mit besonderer Rechtsstellung (königlicher Wald, Bannforst); heute auch Wald schlechthin; im eigentlichen Sinn wirtschaftlich beeinflusster Wald.

Forst, Forst (Lausitz), sorbisch Barsc: Kreisstadt im Bezirk Cottbus, in der Niederlausitz, am Westufer der Neiße; 27000 Einwohner; Volltuchindustrie, Wäschereimaschinenbau; Transitbahnhof; Ingenieurschule; Rosengarten (15 ha; 40000 Rosen), Rosengartenfest; Nikolaikirche (15. Jahrhundert).

Förster: 1. Förster, Edward Morgan Förster, 1.1.1879 - 7.6.1970, englischer Schriftsteller; bekannt durch kritisch-realistische und humanistische Romane («Engel und Narren», 1905, deutsch; «Howards End», 1910, deutsch; vor allem aber durch das Meisterwerk «Auf der Suche nach Indien», 1924, deutsch), die literaturkritische Studie «Ansichten des Romans» (1927, deutsch) und die Essays «Ein zweifach Hoch der Demokratie» (1951).

2. Georg Förster, 27.11.1754-10.1.1794, Naturwissenschaftler, Schriftsteller und Politiker. Förster nahm als Begleiter seines Vaters an mehreren Forschungsreisen sowie an der Erdumsegelung von J. Cook 1772/75 teil und bereiste 1790 mit A. von Humboldt Holland, Großbritannien und das revolutionäre Frankreich. Er wurde 1793 Präsident des Mainzer Jakobinerklubs und Mitbegründer der Mainzer Republik. Nach der Niederschlagung der Republik war Förster bemüht, publizistisch für das Verständnis der Französischen Revolution zu werben. Sein literarisches Hauptwerk, «Ansichten vom Niederrhein ...» (1791/94), entstand als Ergebnis einer Reise in das revolutionäre Westeuropa.

3. Rudolf Förster, 30.10.1884-26.10.1968, österreichischer Schauspieler, spielte bis 1914 an österreichischen Bühnen, entwickelte sich in Berlin (1920/32) bei M. Reinhardt und V. Bamowsky zum großen Charakterdarsteller mit einer besonderen Sprechkultur, später auch als Filmschauspieler berühmt.

Förster-Sonde: (nach dem Erfinder) elektronisches Gerät zum Messen schwacher magnetischer Felder. Anwendung zur Messung des Erdfeldes (auch aus der Luft), in der Werkstoffprüfung und für militärische Zwecke.

Forstgesellschaft: Ersatzgesellschaft einer natürlichen Waldgesellschaft, die durch Anbau nicht standortheimischen oder durch großflächigen Reinanbau standortheimischen Baumarten entsteht.

Forstingenieurwesen: wissenschaftlich und wissenschaftlich-technischer Tätigkeitsbereiche der Forstwirtschaft; zugleich Grundstudienrichtung in der Ausbildung von Diplom-Forstingenieuren (TÜ Dresden, Sektion Forstwirtschaft in Tharandt) und Forstingenieuren (an Forstfachschulen) auf den Fachgebieten der Forstwissenschaft und -technik.

forstliche Ertragskunde, Waldertragslehre: Fachgebiet der. Forstwissenschaft; erforscht die allgemeinen Wachstumsgesetzmäßigkeiten von Einzelbaum und Waldbestand und untersucht Wachstum und Ertrag der Baumarten im Zusammenhang mit der Zeit, den natürlichen Produktionsbedingungen und den technisch-wirtschaftlichen Maßnahmen. Die Forschungsergebnisse finden unter anderem in Ertragstafeln und in Bestandspflegeempfehlungen ihren Niederschlag:

Forstregal: im Feudalsystem Recht der Landesherren, innerhalb ihrer Territorien die Forstwirtschaft in den Waldungen aller Besitzkategorien zu regeln.

Forstschädlinge: Sammelbezeichnung für alle Organismen, die an Waldbäumen Schäden beziehungsweise Krankheiten hervorrufen. Von den Wirbeltieren gehören dazu Wild und Nagetiere (Mäuse) bei zu starkem Besatz sowie einige Vogelarten. Von besonderer Bedeutung hinsichtlich der Artenzahl und des möglichen Schadens ist die Gruppe der schädigenden Forstinsekten. Dazu kommt noch eine Vielzahl pathogener Pilze.

Forstschutz: Vorbeugungs- und Abwehrmaßnahmen gegen Waldschäden aller Art. Siehe auch Bodensuche, Fangbaum, Feuerwachturm, Forstschutzmeldedienst, Waldbrand, Wildschaden.

Forstschutzmeldedienst: Verfahren zum rechtzeitigen Erkennen der Massenvermehrung von Forstschädlingen. Die staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe melden regelmäßig das Auftreten der wichtigsten Schädlinge auf Meldekarten an die Hauptstelle für Forstlichen Pflanzenschutz; dort erfolgt die Auswertung und Einleitung weiterer Maßnahmen.

Forstunkräuter: Gräser und Kräuter, die durch Massenvorkommen beziehungsweise durch üppigen Wuchs junge Forstpflanzen im Wachstum schädigen. Sie werden durch mechanische und chemische Verfahren (Hacken und Sicheln beziehungsweise Ausbringen von Herbiziden) vernichtet.

Forstwirtschaft: Zweig der Volkswirtschaft, dessen Aufgabe die Erhaltung, Pflege und Nutzung des Waldes ist. Dazu gehören Arbeiten zur Sicherung einer kontinuierlichen, maximalen Holzerzeugung, zur Nutzung anderer Waldprodukte (Harz, Rinde, Pilze, Beeren, Wildbret unter anderem) sowie zur Wahrung der landeskulturellen (besonders der klimatischen, Wasserwirtschaftlichen, hygienischen und ästhetischen) Wirkungen. Forstwirtschaft ist abhängig von den Produktionsverhältnissen sowie von den Naturbedingungen. Bei Waldüberschuss ist industrielle Holznutzung bei weitgehend natürlicher Walderneuerung möglich, bei Waldmangel ist intensive Forstwirtschaft mit vorwiegend künstlicher Walderneuerung, pflegliche Holznutzung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit (auch durch großflächige mineralischer Düngung) erforderlich.

Forstwirtschaftsgeschichte, Forstgeschichte - Fachdisziplin der Forstwissenschaft, die sich mit den Beziehungen zwischen menschlicher Gesellschaft und Wald befasst. Erste Veröffentlichungen von Stisser 1737 «Forst- und Jagdhistorie der Teutschen».

Forstwissenschaft: Gesamtheit der zur Forstwirtschaft notwendigen gesellschaftlichen, ökonomischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnisse. Die Forstwissenschaft gliedert sich in die Fachdisziplinen Standortlehre, Ertragskunde, Waldbau, Forstschutz, -nutzung, Technik und Technologie des forstlichen Produktionsprozesses, Forsteinrichtung, -Ökonomie und die Forstwirtschaftsgeschichte. Anfänge der Forstwissenschaft reichen zurück bis ins 18. Jahrhundert 1713 wurde von H. C. von Carlowitz das erste forstwissenschaftliche Buch veröffentlicht.

Forsythie, (nach einem britischen Botaniker) Goldflieder, Goldglöckchen-Strauch, Goldweide, Forsythia: strauchiges Ölbaumgewächs aus Ostasien mit gelben Blüten, die vor dem Laub erscheinen; häufig angepflanzter Zierstrauch.

Fort: stark befestigter Stützpunkt an Verkehrswegen, Hafeneinfahrten, in Grenznähe, vor Festungen; kaum noch von Bedeutung.

Fortaleza: Hauptstadt des Bundesstaates Cearä (Brasilien), an der Nordostküste; 650000 Einwohner; verarbeitende Industrie, besonders Nahrungsmittel-, Textil-, Tabak-, Lederindustrie; Krabbenfischerei; Universität; bedeutender Ausfuhrhafen für Erze und Agrarprodukte, Flughafen.

Fort-de-France: Stadt auf der Karibikinsel Martinique und deren Verwaltungszentrum; früher Fort Royal; 100000 Einwohner; Hafenindustrie, Nahrungsmittel-, Konserven-, Zucker-, Rumproduktion, Holzverarbeitung; Fremdenverkehr; internationaler Flughafen.

Fortdruck: Arbeitsgang im Auflagendruck (Druck aller in einem Herstellungsprozess zu fertigenden Exemplare von Druckprodukten zur Erfüllung eines Druckauftrages) nach Erledigung aller vorbereitenden Arbeiten. Siehe auch Andruck.

Fortis, (lateinisch, «stark») gespannter Konsonant (p,s unter anderem); siehe auch Lenis.

Fortpflanzung, Propagation (dat.), Tokogonie (griechisch): Fähigkeit der Lebewesen zur Arterhaltung. Bei der geschlechtlichen (generativen) Fortpflanzung werden Geschlechtszellen (Gameten) gebildet, die in der Regel durch paarweise Verschmelzung (Befruchtung) ein neues Lebewesen entstehen lassen (Ausnahme Parthenogenese). Ungeschlechtliche (vegetative) Fortpflanzung erfolgt bei Einzellern durch einfache Zellteilung, bei Mehrzellern durch Abschnürung einzelner Zellen (zum Beispiel Sporen) oder Zellgruppen beziehungsweise Körperteile (Knospen, Brutknospen, Ausläufer, Knollen). Siehe auch Generationswechsel.

Fortpflanzungsgemeinschaft: bisexuelles Organismenkollektiv, dessen Mitglieder mit entsprechend Geschlechtspartnern fruchtbare Nachkommen zeugen.

Fortschritt: Moment und Resultat der objektiven gesetzmäßigen Entwicklung vom Niederen zum Höheren, vom Einfachen zum Komplizierten (Prozess), die den zeitweiligen Rückschritt (Regreß) einschließt und nicht geradlinig, sondern widerspruchsvoll verläuft. Der gesellschaftliche Fortschritt besteht in der objektiv gesetzmäßigen Höherentwicklung der Gesellschaft als komplizierter Prozess der Abfolge ökonomischer Gesellschaftsformationen. Er wird in der antagonistischen Klassengesellschaft im Klassenkampf durchgesetzt und kommt in der zunehmenden Befreiung der arbeitenden Klassen und Schichten von Ausbeutung und Unterdrückung durch die herrschenden Klassen zum Ausdruck sowie in Abbau und schließlich Überwindung von sozialer und politischer Ungleichheit. Ein wichtiges Kriterium für gesellschaftlichen Fortschritt ist der Grad der Beherrschung der Natur durch die Gesellschaft. In letzter Instanz wird der gesellschaftliche Fortschritt durch die Entwicklung der Produktivkräfte und damit durch die Steigerung der Arbeitsproduktivität bestimmt. Er ist in der Gegenwart untrennbar mit Sozialismus und Kommunismus verbunden. Die von den Ideologen der aufstrebenden Bourgeoisie entwickelte und vertretene Idee des Fortschritt wird von den imperialistischen Ideologen zunehmend bezweifelt, abgelehnt oder bekämpft. Träger des gesellschaftlichen Fortschritts ist heute die Arbeiterklasse, die im Marxismus-Leninismus eine wissenschaftlich begründete Theorie des gesellschaftlichen Fortschritts besitzt.

Fortuna, (lateinisch, «Glück», «Schicksal», «Zufall») römische Göttin des Glücks, Zufalls und Gelingens, der griechischen Tyche gleichgesetzt; mit Steuerruder, Füllhorn und Rad, zum Zeichen der Unsicherheit und Wandelbarkeit des Glücks auch auf rollender Kugel dargestellt.

Fortunatus: (lateinisch, «der Glückliche») deutsches Volksbuch (erster Druck Augsburg 1509), dessen Held im Besitz eines sich stets selbst füllenden Geldbeutels und eines «Wunschhütleins» ist.

Fort Wayne: Stadt im Nordosten des Bundesstaates Indiana (USA), am Wabash-Erie-Kanal; 170000 Einwohner; Maschinenbauzentrum, Auto- und Elektroindustrie sowie Landmaschinen- und Flugzeugmotorenbau; Flughafen.

Fort Worth: Stadt im Norden des Bundesstaates Texas (USA); 390000 Einwohner; Erdöl-, Lebensmittel- und chemische Industrie, seit dem 2. Weltkrieg bedeutende Flugzeugindustrie, die sich zum wichtigsten Industriezweig entwickelte; wichtiges Getreide- und Viehhandelszentrum der Südstaaten; Verkehrsknoten; Universität.

Foscolo, Ugo, 6.2.1778—10.9.1827, italienischer Dichter, verfasste zunächst Gedichte und klassizistische Tragödien. Sein Briefroman «Die letzten Briefe des Jacopo Ortis» (1802, deutsch) und seine patriotische Verdichtung «Von den Gräbern» (1807, deutsch) weisen romantische Züge auf.

Foshan, früher Fatshan: Stadt im Südosten Chinas, in der Provinz Guangdong, im Delta des Zhu Jiang; 250000 Einwohner; Bau von Werkzeug- und Präzisionsmaschinen sowie Traktoren; Keramik, berühmte Seidenweberei.

Fossa-Cryptoprocta ferox: nachtaktive, 70 cm lange Schleichkatze mit fast körperlangem Schwanz und einziehbaren Krallen; lebt in geringen Beständen in Wäldern Madagaskars.

Foße: Kartenspiele wertloses (Einzel-) Blatt einer Farbe.

Fossilien, (lateinisch; Sing. Fossil) Versteinerungen, früher Petrefakten: Überreste, wie mumifizierte Weichteile, Knochen, Schalen unter anderem Hartteile sowie deren Abdrücke oder Ausgüsse (Steinkerne) vorzeitliche Tiere und Pflanzen einschließlich ihrer Lebensspuren. Leitfossilien kennzeichnen bestimmte Schichten und geologische Zeiträume.

Fossilisation, Fossilwerdung: alle Vorgänge, die auf den toten Körper eines vorzeitlichen Lebewesens, seine Teile oder Spuren einwirken und zur Bildung von Fossilien führen. Wird bei der Einbettung des Körpers oder danach der innere Hohlraum mit Sediment gefüllt, entsteht ein Steinkern. Die Abformung der Außenfläche eines Fossils wird als Abdruck bezeichnet. Kristallisieren mineral. Stoffe an Stelle und in Form der organischen Körperteile aus, spricht man von Versteinerung (im engeren Sinne), bei Durchtränkung mit Kieselsäure von Verkieselung.

F.-O.-S.-Verfahren, Kurzwort für Fürn-ohne-Schicht Verfahren, Filmkopie: Herstellung von Kopien in einem Positivkopierverfahren auf einer maßbeständigen, mit lichtempfindliche Kolloidschicht versehenen Plastfolie, um Duplikat und Nutzenfilme für die Offsetdruckformenherstellung zu gewinnen.

FOS-Werkstoffe: (FOS Abkürzung für Formmassen + Oxide + Silikate) durch Extrudieren hergestellte Werkstoffkombination aus einheimischen Rohstoffen sowie Thermoplasten als Bindemittel, die hohe Verschleißfestigkeit, statische und dynamische Festigkeit, Formbeständigkeit sowie gute Dämpfungseigenschaftenaufweisen; Anwendung zum Beispiel für elektrische Haushaltgeräte, Campingmöbel, Installationsbauteile; künftige Bedeutung auch in der Elektrotechnik/Elektronik, im Maschinen- und Fahrzeugbau unter anderem.

fotoakustischer Effekt: Schallabstrahlung von Festkörperoberflächen, die mit moduliertem Licht bestrahlt werden; beruht auf Temperaturschwankungen.

Fotoätzen: Herstellen von dünnen Blechteilen mit komplizierten Formen durch fotografische Kopie der Umrisse und anschließendes Ausätzen. Siehe auch Fotokopierlack.

Fotochemie: Wissensgebiet von den chemischen Wirkungen elektromagnetischen Strahlen, insbesondere des Lichts. Genügend energiereiche Strahlung führt in der Regel primär eine Spaltung chemischer Bindungen (Fotolyse) herbei. Die energiereichen Spaltstücke können, wie bei der Zündung von Chlorknallgas durch Licht, rein chemischen Reaktionen auslösen. Sie können aber auch zum Aufbau energiereicher Verbindungen dienen, wie es zum Beispiel bei der im Licht verlaufenden Assimilation des Kohlendioxids durch die chlorophyllhaltigen Pflanzen oder bei der technischen Sulfochlorierung von Paraffinkohlenwasserstoffen der Fall ist. Die wichtigsten fotografischen Prozesse beruhen auf der Spaltung von Silberverbindungen unter Abscheidung fein verteilten elementaren Silbers. Nur absorbiertes oder durch Sensibilisatoren übertragenes Licht ist fotochemisch wirksam; so erfolgt die Kohlendioxid-Assimilation durch rotes, die Zersetzung von Silbersalzen durch blaues und violettes Licht sowie durch Ultraviolettstrahlung.

Fotodiode: spezielle, ihre elektrische Eigenschaften bei Belichtung ändernde Halbleiterdiode. In einem Stromkreis ohne äußere Spannungsquelle wirkt die Fotodiode als Fotoelement; mit einer Zusatzspannung in Sperrichtung betrieben, ergibt die Fotodiode einen empfindlichen Fotowiderstand.

Fotoelektronen: beim lichtelektrischen Effekt ausgelöste beziehungsweise angeregte Elektronen; siehe auch Fotozelle, Fotowiderstand, Fotodiode.

Fotoelement, Halbleiterfotoelement, Sperrschichtfotoelement: Bauelement aus einem Halbleiterkristall (meist Silizium) mit pn-Übergang oder aus einer Halbleiterschicht (zum Beispiel Selen) und Metallplatte, das bei Bestrahlung mit Licht eine elektrische Spannung erzeugt; wird in Solarbatterien und fotoelektrischen Belichtungsmessern angewendet.

Fotoemission: Elektronenaustritt aus Festkörpern unter Lichteinwirkung; siehe auch lichtelektrischer Effekt.

fotogen: für fotografische Aufnahmen besonders gut geeignet und bildwirksam.

Fotogeologie, Aerogeologie: Auswertung von Luftaufnahmen und Satellitenbildern, um Aussagen über geologischen Strukturen und Schichtgrenzen für die geologische Kartierung und zum Aufsuchen von Lagerstätten zu gewinnen; besonders in schwer zugänglichen Gebieten eine wichtige Erkundungsmethode.

Fotografie, Lichtbildnerei: Sammelbezeichnung für alle Verfahren, ein durch Strahlung, im eigentlichen Sinn durch Licht des sichtbaren Spektralbereichs, erzeugtes reelles Bild auf lichtempfindlichen Schichten mittels Kamera festzuhalten. Die vielseitige Anwendung beruht hauptsächlich auf:

a) unübertroffener Wiedergabegenauigkeit und unübertroffenem Informationsgehalt;

b) der Aufzeichnungsmöglichkeit von Teilen des unsichtbaren Spektralbereichs des Lichts unter anderem elektromagnetische Wellen;

c) der Möglichkeit extremer Belichtungszeiten;

d) der Wiedergabe nach den Gesetzen der Perspektive;

e) der Einsatzmöglichkeit für Dokumentationszwecke;

f) einfacher Handhabung der Aufnahmeapparaturen beziehungsweise Verarbeitung der fotografischen Materialien. künstlerische Fotografie: spezielles Anwendungsgebiet der Fotografie, in dem das fotografische Bild Ergebnis eines ästhetisch-schöpferischen Prozesses ist und neben seinem dokumentarischen Gehalt subjektbezogene Aussagen über das Sujet enthält. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert wurde die klassische Fotografie an den Gestaltungs- und Formprinzipien der klassischen bildenden Künste (zum Beispiel Malerei und Graphik) gemessen. Erst in den 20er und 30er Jahren dieses Jahrhunderts erschlossen vor allem Fotografen, die sich an der Neuen Sachlichkeit orientierten, die der Fotografie gemäßem Ausdrucksmittel für die künstlerische Gestaltung. Die gesellschaftliche Wertschätzung der k. Fotografie nimmt vor allem seit den 60er Jahren ständig zu (Publikationen, Ausstellungen). Die marxistisch-leninistische Kulturtheorie räumt der k. Fotografie in Abgrenzung zu den anderen bildenden Künsten entsprechend ihren Spezifika einen eigenen Standort und Wirkungsbereich ein. Entscheidend für die Einordnung der klassischen Fotografie in die bildenden Künste sind solche Kriterien wie die Erzeugung eines künstlerischen Bildes von der Wirklichkeit, die Abhängigkeit der Bilderzeugung vom subjektiven Standpunkt des Fotografen, das Vorhandensein einer ästhetischen künstlerischen Zielstellung. Sie kommt vor allem zum Ausdruck in der Wahl des Themas, Sujets und Motivs. Neben kommerziellen, wissenschaftlich-dokumentar. und individuell-memorialen (Erinnerungsfotografie) Aspekten werden so auch künstlerische Motivationen durch die klassische Fotografie realisiert. Spezielle Anwendungsbereiche sind Porträt-, Landschafts-, Architektur-, Live-, Kriegs-, Reportage- und Werbefotografie, Fotografik, Fotomontage unter anderem.

Fotografik: 1. Verbindung von Fotografie mit graphischen und typographischen Elementen.

2. Teilbereich der künstlerischen Fotografie, in dem entweder das fotografische Bild auf grafisch wirksame Hell-Dunkel-Kontraste reduziert oder der Einsatz der Fotografie auf eine Weise erfolgt, die dem der Graphik (insbesondere der Druckgraphik) ähnelt, fotografische Registrierung:

a) Aufzeichnung von Anzeigewerten eines Messinstruments als Funktion der Zeit;

b) fotografische Aufzeichnung der Schirmbilder eines Elektronenstrahloszilloskops.

Photogrammetrie, Bildmessung: indirektes physikalisches Messverfahren zur Bestimmung von Form, Größe und Lage eines Objektes aus fotografischen Bildern. Die Photogrammetrie umfasst die Gewinnung geometrischer und semantischer Informationen durch die fotografische Aufnahme, deren Speicherung in einem Messbild, die Verarbeitung und Ausgabe als analoge oder digitale Daten. Für die terrestrische Erdbildmessung werden besondere Theodolite (Fototheodolite, Aufnahmekammern) verwendet. In der Aerophotogrammetrie oder Luftbildmessung nimmt man vom Flugzeug aus mit Aufnahmekammern Luftbilder (Messbilder) auf. Zur Auswertung von fotogrammetrischen Aufnahmen der Einbild- beziehungsweise Doppelbildmessung (zumeist Stereophotogrammmetrie) werden spezielle Auswertegeräte eingesetzt. Angewendet wird die Photogrammetrie vor allem bei der Herstellung topographischer Karten, seltener in der Ingenieurgeodäsie. Sie liefert Unterlagen für Forst-, Land- und Wasserwirtschaft, für Landesplanung, für Aufgaben der Architektur und des Bauwesens, für Altertumskunde, Kriminalistik, Maschinenbau, Medizin, für Bahnberechnung künstlicher Satelliten u. ä..

Fotokathode: dünne Metallschicht mit niedriger Austrittsarbeit auf der Glaswand von Fotozellen, Bildwandlern unter anderem, aus der bei Belichtung Elektronen austreten.

Fotokeramik: Vitrokeramik-Erzeugnisse, bei denen die für die Kristallisation erforderliche Keimbildung durch Fotoprozesse herbeigeführt wird. Fotokoagulation Lichtkoagulation.

Fotokopie: fotografische Wiedergabe von vorwiegend Schriftstücken oder Strichzeichnungen. Fotokopie werden vorzugsweise im Reflexverfahren hergestellt (Reflexkopie), je nach Arbeitsweise mit oder ohne Papiernegativ. Eine Fotokopie hat Urkundenwert.

Fotokopierlack: lichtempfindliche Lösung, die auf beliebige Materialien (zum Beispiel Metall, Glas, Plast) als dünne Schicht aufgebracht wird und nach dem Belichten durch ein Negativ (Schablone) und Entwickeln als Maske (zum Beispiel beim Atzen) dient. Je nach Reaktion auf Lichteinwirkung werden Negativfotokopierlack und Positivfotokopierlack unterschieden.

Fotodruck: (Kunstwort) Vervielfältigungsverfahren für Strichzeichnungen; Druckform ist eine gelatinebeschichtete Zinkplatte; nach Kontakt mit einem Blaupauspapiernegativ erfolgt Schichthärtung (und später Farbannahme) der druckenden Stellen.

Fotolithographie:

1. Mikroelektronik: Mikrolithographie.

2. Polygraphie: Verfahren zur Druckformenherstellung für Zink- und Offsetdruck mittels Reproduktionsfotografie und anschließender manueller Retusche.

Fotolyse: Zersetzung von Substanzen durch Licht oder andere elektromagnetische Strahlung.

fotomechanische Verfahren: Polygraphie nicht ganz exakte Sammelbezeichnung für alle auf fotochemischen Umsetzungen beruhenden Reproduktionsverfahren mit fotografischen und ätztechnischen Arbeitsgängen.

Fotometrie: (griechisch, «Lichtmessung»)

1. Chemie: Verfahren der quantitativen chemischen Analyse, das auf der Messung der Lichtabsorption in farbigen Lösungen beruht. Beim Durchstrahlen mit Licht derselben Lichtquelle ist die Differenz der Lichtabsorption in den Lösungen einer Analysenprobe und einer Blindprobe (zum Beispiel reines Lösungsmittel), die sich in Küvetten gleicher Schichtdicke befinden, der Konzentration des gesuchten Stoffes proportional. Die Messung erfolgt innerhalb eines zum Beispiel mittels Farbfilter erhaltenen engen Spektralbereiches auf fotoelektrischen Weg.

2. Physik: Vergleich der Lichtstärke einer Lichtquelle mit der Lichtstärke einer Normallichtquelle. Die entsprechend Messgeräte heißen Fotometer. Bei der subjektiven Fotometrie, die nur für sichtbares Licht anwendbar ist, werden die Beleuchtungsstärken einer Fläche, die mit dem Prüfling beleuchtet wird, und einer Fläche, die mit dem Normal beleuchtet wird, mit dem Auge verglichen. Bei der objektiven Fotometrie werden strahlungsempfindliche Bauelemente zur Messung der Beleuchtungs- oder Bestrahlungsstärke verwendet (optoelektronische Elemente, Fotoschichten unter anderem).

fotometrische Einheit, Lichteinheit: Maßeinheit einer fotometrischen (lichttechnische) Größe. Die fotometrische Einheit sind von der SI-Basiseinheit Candela für die Lichtstärke abgeleitet. Die SI-Einheiten für den Lichtstrom und die Beleuchtungsstärke heißen Lumen beziehungsweise Lux. SI-Einheit für die Leuchtdichte ist Candela je Quadratmeter (cd/m2); veraltend sind das Stilb (1 sb = 104 cd/m2) und das Apostilb. Die Lichtmenge hat die SI-Einheit Lumensekunde, die Belichtung Luxsekunde.

fotometrisches Grundgesetz: Gesetz, nach dem der Lichtstrom von einer leuchtenden Fläche auf eine beleuchtete Fläche übertragen wird. Für kleine, im Abstand r parallel gegenüberstehende Flächen Ai und A2, von denen die eine mit konstanter Leuchtdichte L strahlt, wobei 00 der Raumwinkel 1 Steradiant ist.

Fotomontage: Zusammensetzen von mehreren Fotografien oder Bildausschnitten mit Hilfe der Lichtmontage (im Kopier- beziehungsweise Vergrößerungsprozess) oder mit Hilfe der Klebemontage beziehungsweise kombiniert zu einem neuen Gesamtbild mit anderer Aussage. Die Anwendung erfolgt in der Werbung, Publizistik, politische Agitation unter anderem; als Schöpfer der politischen Fotomontage gilt J. Heartfield.

Fötor: übler Geruch, Gestank; siehe auch Foetor ex ore.

Fotorecht: zusammenfassende Bezeichnung für die Rechte der Fotografen sowie alle Rechtsbeziehungen, die sowohl in Bezug auf die urheberrechtlich geschützten künstlerischen und wissenschaftlichen als auch in Bezug auf die leistungsgeschützten Fotografien, besonders bei ihrer Verwendung, entstehen; zum Fotorecht gehört auch der Bildnisschutz.

Fotosatz, Lichtsatz: mit Fotosetzmaschinen oder -geraten hergestellter Satz, dessen Schriftzeichen fotografisch auf lichtempfindlichen Material aufgezeichnet werden. Heute teilweise Abgrenzung des Begriffs Fotosatz (bei Durchleuchtung von Matrizen) vom Begriff Lichtsatz (bei Anwendung von Kathodenstrahlröhren und digitaler Aufzeichnung der Schriftzeichen).

Fotoserie: Bezeichnung für eine Anzahl von Fotografien, die entweder im kausalen, lokalen, temporalen oder anderem Zusammenhang stehen. Es werden Fotoreihen (meist zeitlich oder lokal zusammengehörig, einzelne Phasen eines Ablaufs oder Details einer Erscheinung), Zyklen (Bilder mit kausaler Abhängigkeit), Reportagen (journalistische Form, Bilder mit unterschiedliche Wertig- und Gewichtigkeit) unterschieden. Fotoreihen und Reportagen übersteigen selten 6 bis 10 Einzelfotos; beim Zyklus hat sich eine Begrenzung nach oben nicht durchgesetzt.

Fotostrom: der bei Bestrahlung mit Licht durch ein lichtempfindliches Bauelement (Fotowiderstand, -diode, -zelle) fließende elektrische Strom.

Fotosynthese: die vielstufige, lichtabhängige, reduktive Kohlenhydratsynthese aus Kohlendioxid und Wasser, zu der die grünen Pflanzen und die Fotosynthesebakterien befähigt sind. Siehe auch Assimilation 4

Fotothek, Fotoarchiv: Sammlung von Bilddokumenten (Positive, Negative, Diapositive und so weiter) zu Wissenschaftlichen Zwecken; Archiven oder Wissenschaftlichen Bibliotheken angegliedert.

Fototransistor: spezieller, seine elektrischen Eigenschaften bei Belichtung ändernder bipolarer Transistor. Der Fototransistor ist mit einer Fotodiode mit nachgeschaltetem Verstärker vergleichbar.

Fototropismus: durch einseitige Lichteinwirkung gerichtetes Pflanzenwachstum; beim Spross in der Regel zur Lichtquelle hin (positiver Fototropismus), bei manchen Wurzeln von ihr weg (negativer Fototropismus). Die Blätter werden meist senkrecht zum Licht gestellt (transversaler Fototropismus).

Fotowiderstand: Widerstand aus halbleitendem Material auf einer isolierenden Unterlage (Glas, Keramik), der infolge des inneren lichtelektrischen Effektes bei Belichtung seine Leitfähigkeit erhöht. Die Erhöhung ist abhängig von Intensität und Wellenlänge.

Fotozeichnen: Einkleben von Kopien (auf Film) von sich wiederholenden Baugruppen, Flächensignaturen unter anderem in eine neue Originalzeichnung. Vorteile des Fotozeichnen sind Zeitgewinn und Ausschalten von Zeichenfehlern.

Fotozelle, lichtelektrische Zelle: evakuierte oder gasgefüllte Röhre mit Fotokathode und Anode; dient der Umwandlung von Lichtstrahlung in elektrische Signale; Anwendung in optoelektronischen Einrichtungen (Diaabtastung, Lichtton, Lichtschranken unter anderem). Die Fotozelle wird durch Fototransistor beziehungsweise Fotodiode abgelöst.

Foucault, Jean Bernard Léon, 18.9.1819 bis 11.2.1868, französischer Physiker, wies 1851 die Erdrotation durch Pendelversuche nach und bestimmte die Lichtgeschwindigkeit mit Hilfe eines rotierenden Spiegels; siehe auch Gyroskop, Foucaultsches.

Foucaultsches Pendel: Pendel zum Nachweis der Erdrotation. Als Folge der Coriolis Kraft dreht sich die Schwingungsebene des Foucaultschen Pendel langsam. An den Orten der geographischen Breite

Fouché, Joseph, Herzog von Otranto, 21.5.1759-25.12.1820, französischer Politiker, während der Französischen Revolution Mitglied des Konvents und dessen Kommissar in Lyon. Als «linker» Jakobiner stand er 1793/94 den Hébertisten nahe und war führend am Sturz Robespierres beteiligt; Polizeiminister zur Zeit des Direktoriums und unter Napoleon I., begründete die erste moderne Geheimpolizei mit einem weitreichenden Spitzelsystem.

Fouchet, Max-Pol, 1.5.1913-22.8.1980, französischer Schriftsteller, Kunsthistoriker und Kritiker, machte sich insbesondere um das Verständnis fremder Kulturen verdient; sein Hauptwerk ist der Roman «Das Treffen von Santa Cruz» (1976).

Fougeron, André, geboren 1.10.1913, französischer Maler, seit 1940 Mitglied der KP; Teilnahme an der Résistance. Anfänglich von P. Picasso, H. Matisse und Fougeron Léger beeinflusst, seit 1948 Übergang zu einer realistischen Gestaltungsweise, die auch seine großfigurigen Historien- und Genrebilder bestimmt, in denen er sich dem Kampf der Arbeiterklasse widmet.

Foul: Sport bewusst oder fahrlässig begangener Regelverstoß im Zweikampf mit einem Gegner. Im Basketball alle beabsichtigten Berührungen des Gegners (persönliches Foul) beziehungsweise unsportliches Verhalten gegen die Schiedsrichter (technischer Foul). Persönliches Foul ergeben Einwurf für den Gegner, ab 11. Foul je Halbzeit 2 Freiwürfe. Ein Korbwurffoul ergibt 2 Freiwürfe und nach der 3-für-2-Regel einen 3. Freiwurf, wenn der Korb nicht getroffen wird. Techn. Foul werden mit 2 Freiwürfen geahndet. Ein Spieler mit 5 Foul muss ausscheiden, kann aber ersetzt werden.

Foulard, Klotzmaschine: Maschine zum Färben oder Appretieren textiler Flächengebilde.

Fouquet, Foucquet, Jean, um 1415 bis um 1480, französischer Maler, Hauptmeister der französischen Malerei des 15. Jahrhundert, besonders als Miniaturmaler bekannt; sorgfältige Milieudarstellung, räumliche Empfinden sowie physiognomisch treffende Charakterisierung der Personen zeichnen sein Werk aus; Hauptwerke sind Madonna mit Kind und Engeln (Antwerpen), Miniaturen im Livre d’heures d’Etienne Chevalier (1458, Chantilly).

Fourcault-Verfahren: (nach einem belgischen Ingenieur) maschinelles Senkrechtziehverfahren zur Herstellung von Flachglas. Das Verfahren arbeitet unter Verwendung einer in die Schmelze eingedrückten Ziehdüse aus Feuerfestmaterial.

Fourier: 1. Charles, 7.4.1772-10.10.1837, französischer utopischer Sozialist; kritisierte, bürgerliche Illusion und Apologie entlarvend, die antagonistischen Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft: die Anarchie der freien Konkurrenz, die Uneffektivität des Privateigentums, die Ausbeutung der Werktätigen, die Unterdrückung und Verkehrung der «natürlichen» Triebe und die doppelte Moral, die Kluft zwischen Absicht und Ergebnis allen Tuns, die Verwandlung der Produktiv- in Destruktivkräfte, die Verarmung der Massen und die Zerstörung der Umwelt im Fortschritt der Zivilisation. Die Geschichte fasst Fourier als widerspruchsvollen sozialökonomischen Prozess, den Kapitalismus als eine seiner Stufen. Gegen Moralisieren und Beschränken auf politischen Mittel verfocht Fourier die Umwälzung der Produktions- und Lebensverhältnisse durch Bildung landwirtschaftlichen Manufaktur-Genossenschaften im Weltmaßstab («Phalanstères» mit bis zu 1800 Mitgliedern), in denen kollektiver Wetteifer, allseitige Entwicklung der Fähigkeiten und Bedürfnisse sowie ein Anteilhaben aller an allem Geschaffenen die Arbeit anziehend machen und individuelle und gesellschaftlichen Interessen übereinstimmen lassen.

2. Jean Baptiste Joseph, Baron de, 21.3.1768 bis 16.5.1830, französischer Mathematiker und Physiker; leistete bedeutende Beiträge zur mathematischen Behandlung der Wärmeleitung und der Schwingungen (mittels Fourier-Reihen) sowie zur Gleichungstheorie.

Fourier-Reihe, (nach J. B. J. Fourier) trigonometrische Reihe: unendliche Funktionenreihe. Unter gewissen Voraussetzungen lässt sich eine Funktion f(x), die eine Periode, insbesondere die Periode 27T, besitzt, in eine Fourier-Reihe entwickeln, das heißt durch eine Fourier-Reihe darstellen. Die Zahlen a„ und b„ heißen Fourier Koeffizienten aus f(x) berechnet werden. Die Darstellung einer Funktion durch eine Fourier-Reihe bedeutet eine Zerlegung von in barmonischen Teilschwingungen der Form a„ cos nx und b„ sin nx und wird auch harmonische Analyse oder Fourier-Analyse genannt Sie spielt eine große Rolle in der Elektrotechnik, wo man sie auf beliebige Stromstärke- oder Spannungs-Zeitfunktionen anwendet.

Fox: 1. Charles James Fox, 24.1.1749 bis 13.9.1806, britischer Politiker, begründete 1784 mit der neuen Whig Partei den modernen bürgerliche Liberalismus; als Außenminister (1782/83 und 1806) befürwortete Fox die Unabhängigkeit der britischen Kolonien in Nordamerika.

2. Ralph Winston Fox, 30.3.1900-3.1.1937 (gefallen als Politkommissar im Spanischen Freiheitskampf), englischer Schriftsteller und Journalist; verfasste unter dem Eindruck einer Reise durch die Sowjetunion den ersten sozialistisch-realistischen Roman in der englischen Literatur «Himmelsstürmer» (1928, deutsch) und begründete mit der Studie «Der Roman und das Volk» (postum 1936, deutsch) die marxistische englische Romanästhetik.

Foxtrott: (englisch, «Fuchsgang») moderner Gesellschaftstanz im Takt, kam etwa 1924 aus den USA nach Europa; als Turniertanz seit 1929 als langsamer Foxtrott oder Slowfox und als schneller Foxtrott oder Quickstep («Schnellschritt») standardisiert.

Foyer: Vor- beziehungsweise Aufenthaltsraum oder -halle in Theatern, Konzerthäusern, Hotels u. ä.

Fracastoro, Gerolamo, 1478 bis 8.8.1553, italienischer Arzt, Astronom und Dichter; entwickelte eine von der antiken Atomistik ausgehende Theorie der Infektionskrankheiten und kann als Begründer der modernen Seuchenlehre gelten.

Frachtbrief: Beförderungspapier im Güterverkehr; hat rechtlich die Bedeutung einer Urkunde über Inhalt und Tatsache des Abschlusses eines Frachtvertrages und in kommerzieller Hinsicht einer Abfertigungsunterlage (für Buchung und Abrechnung).

frachtfrei: internationale Vertragsklausel, die dem Verkäufer die Frachtkosten bis zum benannt Bestimmungsort und dem Käufer in der Regel die Transportgefahr überträgt.

Frachtkarte: Abfertigungsunterlage für die Buchung und Abrechnung von Sendungen des internationalen Eisenbahngüterverkehrs. Die Frachtkarte dient dem Nachweis der abgefertigten Sendungen, der berechneten Transportentgelte und sonstiger Beträge sowie der Abrechnung zwischen den am Transport beteiligten Bahnen.

Frachtschiff, Frachter: Wasserfahrzeug zum Gütertransport in der See- und Binnenschifffahrt. Nach der Betriebsform unterscheidet man in der Seeschifffahrt Tramp-, Linien- und Spezialschiffe. Der Anteil der für den Transport spezieller Güter eingerichteten Frachtschiff (Tank-, Erz-, Autotransport-, Container- unter anderem Schiffe) nimmt ständig zu.

Frachtvertrag: Vertrag zwischen einem Transportunternehmen (Frachtführer, bei Seefrachtvertrag Verfrachter) und einem Auftraggeber (Versender, beim Seefrachtvertrag Befrachter) über die Beförderung von Waren unter anderem Gütern (Frachtgut) gegen Entgelt (Fracht) mit der Verpflichtung zur Ablieferung an den Empfänger. Dieser erwirbt, obwohl kein Partner des Frachtvertrags, ebenfalls bestimmte Rechte gegenüber dem Frachtführer. Der Frachtvertrag ist ein Beförderungsvertrag im weiteren Sinne.

Frack: schwarzer, früher auch farbiger Herrenschoßrock mit langen, ursprünglich zurückgeschlagenen, später vom rund oder eckig abgeschnittenen Schößen.

Fragment: 1. allgemein Bruchstück; Rest.

2. Literaturwissenschaft: a) überlieferter Teil eines im Übrigen nicht überlieferten Werkes (zum Beispiel Hildebrandslied);

b) unvollendetes Werk (zum Beispiel Büchners «Woyzeck» oder T. Manns «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull»);

c) literarische (offene) Form, in der ein Autor bewusst seine Gedanken mehr oder minder bruchstückhaft mitteilt.

Fragonard, Jean Honoré, 5.4.1732 bis 22.8.1806, französischer Maler, Zeichner und Radierer; lebte seit 1761 in Paris und malte nach dem Vorbild Fragonard Bouchers in duftiger, skizzenhafter Manier galante Szenen aus der Welt des Rokokos. Das in der Zeit der Aufklärung aufkommende neue Naturgefühl widerspiegelt sich besonders in Lichtbehandlung und Frische des Kolorits seiner Landschaftsdarstellungen.

Fraktion: 1. Zusammenschluss aller von einer Partei oder Organisation nominierten Abgeordneten im Parlament.

2. parteifeindliche Gruppierung innerhalb einer revolutionären Arbeiterpartei.

Fraktionieren: stufenweise erfolgendes Trennen, zum Beispiel beim Destillieren von Flüssigkeitsgemischen oder beim Auskristallisieren von Salzen. Durch Fraktionieren wird ein Gemisch in mehrere Fraktionen zerlegt.

Fraktionszwang: von der Führung bürgerlicher Parteien auf ihre Parlamentsmitglieder zur Erwirkung einheitlicher Stimmabgabe ausgeübter Zwang.

Fraktur: 1. Medizin: Knochenbruch.

2. Polygraphie: zur Gruppe der gebrochenen Schriften gehörende Schriftgattung, deren charakteristische Merkmale die lebhaft geschwungenen Großbuchstaben mit oft als Schnörkel endenden Ausläufern («Elefantenrüssel») und die gespaltenen Oberlängen der Kleinbuchstaben sind.

Francesca, Piero della, um 1416 bis 1492 (12.10. begraben), italienischer Maler, einer der bedeutendsten Meister der toskanischen Frührenaissance; bahnbrechend sind seine plastisch gemalten Figuren in linearperspektivisch gestalteten Bildräumen. Francesca beschäftigte sich auch theoretisch mit den Gesetzen der Perspektive. Hauptwerk sind die Fresken von S. Francesco in Arezzo (1452/66) mit statuarischen Gestalten in lichtdurchfluteten Räumen.

Franceville: Stadt (Regionszentrum) im Südosten Gabuns, am oberen Ogooué; 20000 Einwohner; Handelszentrum und Mittelpunkt eines Bergbaugebietes (Manganerz in Moanda, Uranerz Förderung in Mounana); Kaffeeverarbeitung. Westlich von Franceville, bei Moanda, internationaler Flughafen.

Franche-Comté: historisches Gebiet im Osten Frankreichs, hauptsächlich im Französisch Jura; als Region Franche-Comté 16220 km2, 1,08 Millionen Einwohner; 67 Einwohner/km2; wichtigster Ort Besançon; Kfz- und Maschinenbau, feinmechanische Industrie, vor allem in Besançon und Beifort, Milchviehhaltung (Käseherstellung). ursprünglich Siedlungsgebiet der Sequaner, das im 5. Jahrhundert von den Burgunden erobert wurde; stand seit 534 unter fränkischen Herrschaft, gehörte dann zum Ende des 9. Jahrhundert entstehenden Königreich Burgund, das 1032 unter die Herrschaft der deutschen Kaiser kam. Zu dieser Zeit entwickelte sich im Norden des Königreichs Burgund als relativ selbständiger feudaler Machtkomplex die Grafschaft Burgund, die seit dem 14. Jahrhundert als «Freigrafschaft» (F.) bezeichnet wurde. 1384/1477 war die Franche-Comté dem Herzogtum Burgund angeschlossen. Nach dessen Zerfall kam sie an die Habsburger, bis sie im Ergebnis des Vertrages von Nijmegen 1679 endgültig Französisch wurde.

Francis, James Bicheno, 18. 5.1815 bis 18.9.1892, US-amerikanischer Ingenieur britischer Herkunft; führte 1847/52 hydraulische Versuche durch und baute 1849 eine Wasserradialturbine (Francis-Turbine); konstruierte wasserbauliche und hydraulische Anlagen.

Francistown: Stadt (Distriktzentrum) im Osten Botswanas, nahe der Grenze zu Simbabwe; 32000 Einwohner; Handelszentrum; internationaler Flughafen; Straßenknoten; in der Nähe Goldbergbau.

Francis-Turbine: (nach J. B. Francis) Überdruckturbine für Wasserkraftanlagen mit Fallhöhen bis etwa 450 m, deren Laufrad im Gegensatz zur Kaplanturbine feststehende Schaufeln besitzt, so dass eine der jeweiligen Beaufschlagung entsprechend Einstellung eines optimalen Wirkungsgrades nicht möglich ist.

Franck: 1. Franck, César Franck, 10.12.1822-8.11.1890, französischer Komponist und Organist belgischer Herkunft; seit 1872 Professor für Komposition am Pariser Konservatorium; schrieb kontrapunktische und harmonische kühne Oratorien, Opern, Kammer-, Orgel- und Klaviermusik, sinfonische Dichtungen («Les Eolides», 1876), 2 Sinfonien, eine vielgespielte Violinsonate in A-Dur (1886), «Variations symphoniques» für Klavier und Orchester (1885). Stilistisch sowohl mit R. Wagner und A. Bruckner wie mit J. Brahms verbunden, weist das Spätwerk bereits auf den Impressionismus deutende Neuerungen auf.

2. Hans Franck, 30.7.1879-11.4.1964, Schriftsteller; wurde besonders mit frei gestalteten biographischen Erzählungen und Romanen über Persönlichkeiten der Kulturgeschichte bekannt («Annette», 1937, um Droste-Hülshoff; «Sebastian», 1948, «Gottsucher»-Roman um S. Franck; «Marianne», 1953, Goethe-Roman).

3. James Franck, 26.8.1882-21.5.1964, US-amerikanischer Physiker deutscher Herkunft; arbeitete über Gasentladungen, Quantenphysik (Franck-Hertz-Versuch), Molekülspektren, Atomkerne.

4. Melchior Franck, um 1580-1.6.1639, Komponist; ab 1603 Hofkapellmeister in Coburg; schrieb deutsche Liedsätze, Tänze und Kirchenmusik.

5. Sebastian Franck, 20.1.1499 - Oktober 1542, Theologe, Buchdrucker, philosophischer Schriftsteller; entwickelte sich vom katholischen Priester zum Vertreter des radikalen Flügels der Reformation und zum Gegner aller bestehenden Religionsgemeinschaften; vertrat mystische, pantheistische und dialektische Auffassungen und universelle Toleranz. Franck, ein bedeutender Geschichtsphilosoph.

Francke: 1. August Hermann, 22.3.1663 bis 8.6.1727, evangelischer Theologe und Pädagoge; Vertreter des Pietismus; gründete die « Franckeschen Stiftungen» (Waisenhaus, Schulen) in Halle.

2. Meister Francke.

Franck-Hertz-Versuch: Experiment, das die gequantelte Energieaufnahme der Hüllenelektronen eines Atoms beim Elektronenstoß beweist (J. Franck und G. Hertz 1913). Die von der Kathode K in ein verdünntes Gas emittierten Elektronen werden durch eine variable Spannung U zwischen Kathode und Gitter. G beschleunigt und erreichen entsprechend ihrer Energie die gegenüber G negative Anode A (UA = 0,5 V). Der vom Galvanometer M gemessene Elektronenstrom steigt mit wachsendem U zunächst an. Erst bei der sogenannt Anregungsspannung (für Quecksilberdampf 4,9 V) nehmen die Gasatome bei Elektronenstoß Energie auf; die kinetische Energie der Elektronen genügt danach nicht mehr, um die Anode zu erreichen, der Strom nimmt daher ab.

Françoisvase: griechischer Krater (Weinmischkrug) der Mitte des 6. Jahrhundert vor Christus aus Attika mit Signatur des Töpfers Ergotimos und des Malers Klitias (jetzt Florenz, Archäologisches Museum). Das Gefäß trägt übereinander angeordnete Friese mit mythologischen Szenen in äußerst sorgfältig ausgeführter Malerei. Die Françoisvase ist benannt nach dem französischen Kupferstecher Alphonse François, der sie 1845 ausgegraben hatte.

Frane: in Mittelmeerländern übliche Bezeichnung für Schlammströme in tonreichen Gesteinen. Frane können auch am Hang durch Rutschung entstehen.

Franik-Bewegung: von dem Bergmann Franz Franik (2.10.1907-20.10.1975) begründete Form der kollektiven Aktivistenarbeit in den 50er Jahren; hatte zum Inhalt die Verpflichtung einer Brigade zu vorfristiger Planerfüllung durch kameradschaftliche Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe und Unterstützung, Erfahrungsaustausch zur systematischen Anwendung von Neuerermethoden und Qualifizierung aller Brigademitglieder, Abschluss von Brigadeverträgen zwischen Brigaden und Werkleitung. Voraussetzung der Franik-Bewegung war die Aufschlüsselung des Betriebsplans auf die Brigade und auf Monat und Tag. Die Franik-Bewegung wurde zu einem wichtigen Ausgangspunkt der sozialistischen Brigadearbeit in allen Volkswirtschaftszweigen. Die Elemente der Franik-Bewegung gingen später in höhere Formen des sozialistischen Wettbewerbs ein.

Frank: 1. Alfred Frank, 28.5.1884-12.1.1945 (ermordet), Maler und Graphiker; Studium an der Leipziger Akademie; 1919 Mitglied der KPD, Lehrer an der Marxistischen Arbeiterschule und Volkshochschule, 1928 Mitbegründer und Vorsitzender der Asso in Leipzig. Sein umfangreiches Werk umfasst eine Vielzahl von Graphiken, Aquarellen und Gemälden in einer einprägsamen, realistischen Sprache und in konsequente, gesellschaftskritische Aussage.

2. Anne Frank, 12.6.1929-März 1945 (KZ Bergen-Belsen), jüdisches Mädchen; emigrierte 1933 mit den Eltern von Frankfurt am Main nach Amsterdam; schrieb dort, mit den Angehörigen vor den deutschen Faschisten versteckt, ein erschütterndes realistisches Tagebuch, das nach Kriegsende entdeckt und veröffentlicht wurde («Das Tagebuch der Anne Frank», 1947, deutsch; dramatisiert 1955).

3. Bruno Frank, 13.6.1887-20.6.1945, Schriftsteller; emigrierte 1933; schrieb aus humanistische-antifaschistische Gesinnung Novellen und Romane («Trenck», 1926; «Cervantes», 1934; «Der Reisepass», 1937; «Die Tochter», 1943); ferner das historische-politische Schauspiel «Zwölftausend» (1927), die Erfolgskomödie «Sturm im Wasserglas» (1930) unter anderem.

4. Ilja Michailowitsch Frank, geboren 23.10.1908, sowjetischer Physiker, erklärte mit I. J. Tamm die Tscherenkow Strahlung.

5. Johann Peter Frank, 19.3.1745-24.4.1821, Internist; Professor in Pavia, Wilna, Petersburg und Wien. Frank erkannte wie kein anderer vor ihm die Abhängigkeit der Gesundheit von der sozialen Umwelt; Begründer der Umwelthygiene; Standardwerk «System einer vollständigen medizinischen Polizei» (1779/1819).

6. Leonhard Frank, 4.9.1882-18.8.1961, Schriftsteller; emigrierte 1915 und 1933; lebte seit 1950 in der BRD; gestaltete als kritisch-realistischer Erzähler humorvoll und volksverbunden die Lebensprobleme von Menschen kleinbürgerlicher Herkunft und deren Ausbruchsversuche aus der bürgerlichen Welt (Roman mit autobiographischer Tendenz «Die Räuberbande», 1914; vom Expressionismus beeinflusste Novellensammlung «Der Mensch ist gut», 1918). Die meisten der nachfolgenden Werke (die an die «Räuberbande» anknüpfenden Romane «Das Ochsenfurter Männerquartett», 1927; «Von drei Millionen drei», 1932; Novellen, wie «Im letzten Wagen», 1925; «Karl und Anna», 1927) machen sein gefühlsbetontes Bekenntnis zur Arbeiterklasse und zum Sozialismus deutlich (Bekenntnisbuch «Links, wo das Herz ist», 1952). Im Exil entstanden die Romane «Traumgefahrten» (1936) und «Mathilde» (1948). Die Tradition des Romans «Die Räuberbande» fortführend, kritisierte Frank im Roman «Die Jünger Jesu» (1949) die unmittelbare Nachkriegswirklichkeit in den Westzonen.

Frankatur: 1. Freimachung; auch die dazu verwendeten Postwertzeichen.

2. veraltete Bezeichnung für postalische Beförderungsgebühr.

Frankaturtausch: gegenseitige Zusendung freigemachter (frankierter) Briefsendungen zu Sammelzwecken.

Franken: 1. Franken (germanisch, «Freie»): aus verschiedenen westgermanischen, an Mittel- und Niederrhein ansässigen Stämmen (unter anderem Brukterer, Amsivarier, Chamaven, Chattuarier, Bataver, Tungrer, Sugambrer) und Stammessplittern zusammengewachsener, im 3. Jahrhundert erstmalig erwähnter Stammesverband; es gab 2 Hauptgruppen der Franken, und zwar die am Mittelrhein und die am Niederrhein beziehungsweise südlich der Rheinmündung siedelnden Franken Die ersteren, die Ripuarier, begründeten nach 455 ein selbständiges Reich mit dem Mittelpunkt Köln. Die letzteren, die Salier, schoben sich im 4 /5. Jahrhundert langsam nach Süden und Westen vor (fränkischer Landnahme). Nach der Mitte des 5. Jahrhundert besetzten sie, von den Römern als Föderalen anerkannt, das Land bis zur Somme mit Cambrai und Arras. Bis zum Beginn des 6. Jahrhundert behielten die einzelnen Stämme ihre eigenen Kleinkönige. Der bedeutendste unter ihnen war seit den 80er Jahren des 5. Jahrhundert Chlodwig I., König eines Teilstammes der Salier (um Toumai). Siehe auch Frankenreich.

2. Franken (nach den Volksstämmen): historisches Gebiet in den Ländern Bayern und Baden-Württemberg; Untergliederung in die bayerischen Regierungsbezirke Mittel-, Ober- und Unterfranken sowie den baden-württembergischer Regionalverband Franken Ende 8. Jahrhundert/939 Herzogtum Franken, das die Gebiete um Mainz (Rheinfranken) und Würzburg (Ostfranken) umfasste.

Frankenreich: im Verlauf der Eroberung Galliens unter Chlodwig I. (482/511) gegründetes Reich. Chlodwig und seine Nachfolger zerschlugen alle noch bestehenden Staaten auf gallischem Boden (Reich des Syagrius 486, Teile des Westgotenreiches 507, Burgund 532). Im Ergebnis der Reichsteilungen des Frankenreich im 6. Jahrhundert bildeten sich relativ homogene Teile heraus (Austrasien, Neustrien und Burgund). Um die Wende vom 7. zum 8. Jahrhundert verlagerte sich das ökonomische und politische Schwergewicht von Neustrien nach Austrasien. Mit dem Hausmeier Pippin der Ältere trat hier zu Beginn des 7. Jahrhundert das Geschlecht der Karolinger hervor. Sie stürzten schließlich (687 Pippin H.) die Hausmeier von Neustrien und nahmen 751 die Königskrone an (Pippin IH.). Die Karolinger stützten sich auf die freie Bauernschaft des Nordostens und die von Karl Martell geschaffene Schicht kleinerer, berittener Feudalherren (Lehnswesen). Seinen Höhepunkt erlebte das Frankenreich unter Karl dem Großen (768/814). Im Interesse der entstehenden Klasse der Feudalherren führten die Karolinger zahlreiche Eroberungskriege. Der Prozess der Überführung der freien Bauern in feudale Abhängigkeit machte rasche Fortschritte; großen Anteil hatte dabei auch die Kirche. Nachdem es seine historische Rolle, den Übergang zur feudalen Produktionsweise in West- und Mitteleuropa zu fördern, erfüllt hatte, verfiel das Frankenreich rasch, wozu insbesondere die starken Unterschiede in der ökonomischen Entwicklung der verschiedenen Gebiete und die ethnischer Verschiedenartigkeit der Bevölkerung beitrugen. Im Vertrag zu Verdun 843 wurde das Frankenreich unter Karls Enkel aufgeteilt. Es entstanden das westfränkische, das ostfränkische und das Mittelreich. Aus ihnen entwickelten sich danach Frankreich, Deutschland und Italien.

Frankenwald: bewaldete Hochfläche zwischen Fichtelgebirge und Thüringer Wald; bis 795 m; aus Schiefern und Grauwacken; tiefe Waldtäler, wenige Gipfel; niederschlags- und quellenreich; Holz-, Textilindustrie.

Frankfort: Hauptstadt des Bundesstaates Kentucky (USA), am Kentucky; 26000 Einwohner; Zentrum eines Tabakanbaugebietes; Produktion von Whisky und Möbeln.

Frankfurter, Philipp, zwischen 1420 und 1490, österreichischer Schwankdichter; verfasste die satirische Reimchronik «Des Pfaffen geschicht und histori vom Kalenberg» (1473), deren zum Teil deftige antiklerikale Moralkritik in der Literatur der europäischen Reformationsbewegung starken Widerhall fand.

Frankfurter Friedensvertrag: zwischen Deutschland und Frankreich in Frankfurt am Main geschlossener Vertrag vom 10.5.1871; beendete den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Frankreich musste an das Deutsche Reich das Elsaß und große Teile Lothringens abtreten und in 3 Jahren 5 Md. Goldfrancs Kriegsentschädigung zahlen; bis zur Zahlung der Summe blieben östliche Gebiete Frankreichs besetzt. Diese schweren Bedingungen hatte Bismarck durch Hilfe bei der Niederschlagung der Pariser Kommune von der französischen Großbourgeoisie erpresst. Im Ergebnis des Frankfurter Friedensvertrag entstand ein latenter Gegensatz zwischen Deutschland und Frankreich, da Frankreich dessen Revision anstrebte; für Deutschland bestand die Gefahr einer Einkreisung durch Bemühungen Frankreichs um das Bündnis mit Russland. Im Zusammenhang mit der Gründung des Deutschen Reiches leitete der Frankfurter Friedensvertrag eine neue Periode der internationalen Beziehungen ein; Deutschland entwickelte sich zu einer dominierenden kapitalistischen Macht in Europa.

Frankfurter gelehrte Anzeigen: 1772/90 erschienene literaturkritische Zeitschrift, die 1772 unter der Hauptredaktion von J. H. Merck und J. G. Schlosser geistiger Sammelpunkt des Sturm und Drang war. Eine große Zahl der Rezensionen schrieben J. W. Goethe und J. G. Herder; nach einem Prozess wegen der antiorthodoxen Haltung des Blattes gaben sie ihre Mitarbeit auf.

Frankfurter Nationalversammlung: erstes gesamtdeutsches, demokratisch gewähltes Parlament. Die Frankfurter Nationalversammlung tagte seit dem 18.5.1848 in der Paulskirche zu Frankfurt am Main, zerfiel im Mai 1849 und wurde im Juni 1849 von konterrevolutionärem Militär aufgelöst. Sie war ein Ergebnis der Märzrevolution und somit eine bedeutende demokratische Errungenschaft Den historischer Aufgaben der bürgerlich-demokratischen Revolution (Schaffung eines demokratischen Nationalstaates und Beseitigung der Adelsherrschaft) war sie jedoch nicht gewachsen. Nach monatelangen Diskussionen beschloss die Frankfurter Nationalversammlung, deren Mehrheit sich aus gemäßigten Liberalen zusammensetzte, eine Reichsverfassung, die von den Regierungen der meisten deutschen Staaten abgelehnt wurde.

Frankfurter Wachensturm: die spontane Besetzung der Haupt- und Konstablerwache in Frankfurt am Main, dem Sitz des Bundestages (Deutscher Bund), am 3.4.1833 durch revolutionäre Demokraten. Durch dieses Beispiel sollte eine bürgerlich-demokratische Revolution in Deutschland ausgelöst werden. Nach der Niederschlagung wurden neue Demagogenverfolgungen eingeleitet.

Fränkische Alb, Fränkischer Jura: Nordostteil des Schwäbisch-Fränkischen Stufenlandes, vom Ries im Südwesten nach Norden zum Main ziehend; 400 bis 600 m hohe, steil nach Westen und allmählich nach Osten abfallende karge Kalkhochflächen mit Kuppen bis 690 m, tiefe Felstäler; Plattenkalk- (Solnhofen) und Eisenerzabbau; Schafzucht; im Norden die aus Dolomit aufgebaute Felslandschaft (Karsterscheinungen) der Fränkischen Schweiz.

Fränkische Linie: generell herzynisch streichende, vor allem durch saxonische Tektonik entstandene Bruchlinie, die die Schollen des Thüringer Waldes und Thüringer Schiefergebirges, des Frankenwaldes und Fichtelgebirges von ihren Vorländern trennt.

Franklin: 1. Benjamin Franklin, 17.1.1706 bis 17.4.1790, US-amerikanischer Staatsmann und Gelehrter; nahm am Albany-Kongress (1754), am 2. Kontinentalkongress (1775/76) und an der Verfassunggebenden Versammlung (1787) teil; Mitverfasser und -Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung sowie Sklavereigegner. Franklin verhalf der Aufklärung in Amerika zum Durchbruch. Der nach ihm benannte Franklinplan (Albany-Kongress) stellt den Entwurf einer Gesamtverfassung der britischen Kolonien in Nordamerika dar, der eine Regierung aus Generalpräsidenten, legislativem «Großem Rat» und Volksvertreter-Versammlung bei Erhaltung des Kolonialstatus vorsah. Er stieß bei Kolonien und Metropole auf Ablehnung. Franklin erfand den Blitzableiter und beschäftigte sich auch mit ökonomischen Problemen.

2. Benjamin Franklin, US-amerikanischer Schriftsteller - Norris.

3. Sir John Franklin, 16.4.1786-11.6.1847, britischer Polarforscher; erforschte 1819/26 das Gebiet der kanadischen Polarmeerküste; kam bei der 1845 begonnenen Suche nach der Nordwestlichen Durchfahrt mit allen Begleitern ums Leben.

Franklinit: Mineral, Zink-Mangan-Eisen-Oxid; Kristallsystem kubisch, Farbe Eisenschwarz, Härte 6 bis 6,5, Dichte 5,0 bis 5,2 g/cm3; kommt auf metamorphen Zinkerzlagerstätten vor; benannt nach dem Fundort Franklin (New Jersey, USA).

franko: 1. allgemein frei von Gebühren.

2. Handelsrecht: internationale Vertragsklausel, die dem Verkäufer die Transportkosten und meist auch die Gefahr bis zum benannt Ort überträgt.

Franko: früher die vom Absender vorausbezahlte Beförderungsgebühr im Unterschied zum Porto.

Franko, Iwan 27.8.1856-28.5.1916, ukrainischer Schriftsteller, Literaturhistoriker und -kritiker, Übersetzer und revolutionär-demokratischer Politiker; entwickelte sich vom romantischen Dichter zum kritischen Realisten. Sein alle literarischen Gattungen umfassendes Werk widerspiegelt in enzyklopädischen Breite das Leben des ukrainischen Volkes in der Epoche des Kapitalismus: Gedichtband «Höhen und Täler» (1887), Poem «Iwan Wyschenski» (1900), Roman «Boa Constrictor» (1878), Drama «Gestohlenes Glück» (1894); übersetzte Marx und Engels sowie Werke der Weltliteratur (Shakespeare, Goethe, Schiller unter anderem).

Frankokanadier: französisch sprechende Bewohner (besonders Ost-) Kanadas; 7,1 Millionen.

Frankoline: dem Rebhuhn ähnlicher Hühnervögel der Gattungen Francolinus und Pternistes, die in Steppen- und Savannengebieten von Afrika und Südasien leben. Von Kleinasien bis Indien kommt der Halsbandfrankoline (Francolinus francolinus) vor; die 35 afrikanischen Arten sind wichtiges Jagdwild.

Fransenfinger, Acanthodactylus: im Mittelmeerraum verbreitete Gattung der Eidechsen mit kammartig verbreiterten Zehenschuppen; 10 bis 30 cm lang; in offenen, sandigen Biotopen.

Fransenflügler, Blasenfüße, Thripse, Thysanoptera: etwa 3000 Arten umfassende Insektenordnung mit unvollkommener Entwicklung; Körper flach, 0,5 bis 2 mm lang, Mundwerkzeuge stechend-saugend, Flügel befranst, zum Teil fehlend, Füße mit ausstülpbaren Haftblasen; überwiegend Pflanzensauger, einige an Zier- und Kulturpflanzen schädlich, in Gewächshäusern und Wohnräumen die Schwarze Fliege (Heliothrips haemorrhoidalis).

Fransenschildkröte, Matamata, Chelus fimbriatus: bis 40 cm lange, wasserbewohnende Schildkröte Südamerikas mit höckerigem Panzer und langen Hautfransen an Kopf und Gliedmaßen; lauert ihrer Beute am Gewässergrund auf.

Franz, Robert, 28.6.1815-24.10.1892, Komponist; war unter anderem seit 1842 Dirigent der hall. Singakademie (heute «Robert-Franz-Singakademie»); seit Mitte der 60er Jahre ertaubt; schrieb vor allem Lieder (mehr als 300), die, von R. Schumann ausgehend, sich um einen starken Eigenton bemühten und häufig volksliedhafte Züge aufweisen. Seine Bearbeitungen Bachscher und Händelscher Chorwerke sind heute überholt.

Franz, Fürsten. Frankreich: 1. Franz 12.9.1494-31.3.1547, König seit 1515 (Dynastie Valois); während seiner Herrschaft bildeten sich im Zusammenhang mit der Eroberungspolitik in Italien und den Kriegen (1521/44) gegen Kaiser Karl V. um Mailand und Burgund Frühformen des Absolutismus heraus; Förderer der Renaissance.

Österreich: 2. Franz I., 12.2.1768-2.3.1835, (erster) Kaiser von Österreich seit 1804; als Franz II. letzter Kaiser (1792/1806) des Heiligen Rom. Reiches.

Franzbranntwein: («Branntwein nach französischer Art») kampferhaltige alkoholische Lösung; wirkt durchblutungsfördernd und hautgerbend. Franzbranntwein wird als Massage- und Einreibemittel bei Muskelschmerzen oder gegen Wundliegen verwendet.

Franz Ferdinand, 18.12.1863-28.6.1914, Erzherzog von Österreich und Thronfolger; plante einen föderalistischen Umbau der Donaumonarchie, verbunden mit einigen Reformen; gehörte zur Militärpartei, die auf einen Krieg gegen Serbien oder Italien hinarbeitete. Seine Ermordung in Sarajevo war der Anlass für den Ausbruch des 1. Weltkrieges.

Franziskaner: Orden der Minderen Brüder (O.F.M., Ordo Fratrum Minorum), Angehörige des von Franz von Assisi gegründet und 1223 vom Papst bestätigten Bettelordens. Er existiert in 3 Zweigen (Franziskaner -Observanten, O.F.M.; Franziskaner-Konventualen, O.F.M. Conv.; Kapuziner, O.F.M. Cap.).

Franzium, Francium, Symbol Fr: radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 87; das beständigste Isotop ist Fr 223 (Halbwertszeit 21,8 min). Als schwerstes Alkalimetall ähnelt Franzium dem Zäsium. Franzium wurde 1939 von der Französin M. Perey entdeckt.

Franz Josef I., 18.8.1830-21.11.1916, Kaiser von Österreich seit Ende 1848; streng konservativ; ließ 1849 die ungarische Revolution vornehmlich durch zaristischen Truppen niederschlagen; seit 1867 auch König von Ungarn (kaiserliche und königliche Doppelmonarchie Österreich-Ungarn); nach 1871 Annäherung an Deutschland.

Franzos, Karl Emil, 25.10.1848-28.1.1904, österreichischer Schriftsteller; trachtete die nationale, soziale und konfessionell komplexe Gesellschaftsproblematik der unterdrückten Völker der Donaumonarchie dem deutschsprachigen Leser realistisch nahezubringen, so zum Beispiel in den Reiseskizzen «Aus Halb Asien» (1876), «Vom Don zur Donau» (1878), «Aus der großen Ebene» (1888); in der Novellensammlung «Die Juden von Barnow» (1877); in den Romanen «Ein Kampf ums Recht» (1882), «Der Pojaz« (1905). Zu seinen bleibenden Verdiensten gehören die Erfassung des Nachlasses und die erste kritische Ausgabe der Werke G. Büchners.

Franzosen: allgemeine Bezeichnung für Feuerwanzen und Weichkäfer.

Französisch: eine der aus dem Latein hervorgegangenen romanischen Sprachen; entstanden aus dem Galloromanischen und den Dialekten der im 5. Jahrhundert nach Gallien eingedrungenen Franken. Ausgangspunkt für die Entwicklung der einheitlichen Nationalsprache wurde das in der Ile-de-France gesprochene Französische, das bereits im 13. Jahrhundert normierend wirkte (siehe auch Langue d’oc). Ältestes Sprachdenkmal sind die Straßburger Eide (842).

Französische Revolution, Große Französische Revolution: bürgerliche Revolution 1789/95 in Frankreich, klassische und bedeutendste Revolution der aufsteigenden Bourgeoisie. Ihre Ursachen lagen in den sozialökonomischen und politischen Widersprüchen des ablösungsreifen Feudalsystems, die zum wachsenden Kampf des Dritten Standes (Bourgeoisie im Bündnis mit den Bauern) gegen die privilegierten Stände (Adel und hohe Geistlichkeit) führten. Sie wurde ideologisch vorbereitet durch die Aufklärung. Die alle Bereiche von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat erfassende Krise des Ancien Régime führte 1787/89 zur Herausbildung einer revolutionären Situation (drohender Staatsbankrott, ausgeprägte Agrar-, Gewerbe- und Handelskrise, außenpolitische Rückschläge, Bauernaufstände und Hungerunruhen in den Städten). Nachdem Versuche, den Zusammenbruch des Feudalabsolutismus durch Teilreformen aufzuhalten, am Widerstand der Aristokratie gescheitert waren, musste Ludwig XVI. die Generalstände einberufen. Sie traten am 5.5.1789 zusammen, der Dritte Stand erklärte sich am 17.6.1789 zur Nationalversammlung, die am 9.7.1789 in die Konstituante umgewandelt wurde. Gegen die Bestrebungen der Krone, die Feudalordnung durch Staatsstreich zu erhalten, erhob sich am 13.7.1789 das Volk von Paris, mit dessen Sturm auf die Bastille am 14.7. die Französische Revolution R begann. Danach griff die Revolution auf die Provinzstädte über (Munizipalrevolution) und auf das flache Land (Große Furcht), wo die Bauern mit der Beseitigung der Feudalordnung begannen. In der 1. Etappe der Revolution (14.7.1789/10.8.1792) war die Großbourgeoisie im Bündnis mit dem liberalen Adel (Mirabeau, Lafayette) an der Macht; Frankreich wurde konstitutionelle Monarchie. Zu den ersten Maßnahmen der Konstituante gehörten die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (26. 8.), die Nationalisierung der Kirchenländereien (2.11.), das Gesetz über die Assignaten (19.12.), die verwaltungsmäßige Neugliederung Frankreichs nach Departements (26.2.1790) und die Umwandlung der 60 Pariser Distrikte in 48 Sektionen (21.5.), die Abschaffung des Adels (19. 6.), die Verabschiedung der Zivilverfassung für den Klerus (12.7.1790) sowie die teilweise, die Masse der Bauern nicht befriedigende Abschaffung feudaler Lasten. Die Verfassung von 1791 war ihrem Inhalt nach Ausdruck der Kompromissbereitschaft der Spitzen der Bourgeoisie mit Adel und Krone: Gesetzgebung durch das auf der Grundlage des Zensuswahlrechts gewählte Parlament mit aufschiebendem königlichen Veto, keine politischen Grundrechte für die Mehrheit der Franzosen, Streik- und Koalitionsverbot für die Arbeiter. Nach dem Fluchtversuch des Königs (20./21.6.1791) nahm die republikanische Massenbewegung einen Aufschwung; sie wurde auf dem Marsfeld am 17.7.1791 im Blut erstickt. Gegen die Großbourgeoisie richtete sich die Agitation revolutionärer Klubs (Cercle social, Cordeliers, Jakobiner) und Volksgesellschaften. Zu den bedeutendsten Führern der Volksbewegung gehörten J. P. Marat, G. J. Danton und M. de Robespierre. Am 20.4.1792 begannen mit der Kriegserklärung an Österreich die Revolutionskriege gegen die europäische feudale Konterrevolution, die seit 1793 von Großbritannien unterstützt wurde. Der Sturm auf die Tuilerien (10.8.1792) und die Gefangensetzung des Königs durch die revolutionäre Kommune von Paris hatten die 2. Etappe der Revolution (10. 8.1792/2.6.1793) eröffnet. An die Macht kamen die Girondisten als Vertreter der republikanischen Handels- und Manufakturbourgeoisie. Der aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene Konvent rief die Erste Republik aus (22. 9.1792). An den Fronten errangen die Revolutionsarmeen erste Siege (20.9.1792 Rückzug der Preußen nach der Kanonade von Valmy, 6.11.1792 Sieg über die Österreicher bei Jemappes). Das politische Versagen der Girondisten bei der Organisierung des inneren und äußeren Schutzes der Revolution führte zum Bruch zwischen ihnen und den Jakobinern, zu einer militärischen Gefährdung Frankreichs im Frühjahr 1793 und zum Ausbruch eines großen royalistischen Bauernaufstandes in der Vendée. An der Spitze der weiterdrängenden Pariser Volksbewegung gegen die inkonsequente girondistische Politik und gegen die Konterrevolution standen die Enragés unter J. Roux, J. Varlet und T. Leclerc mit ihren Forderungen nach Festpreisen und revolutionärem Tenor gegen alle Feinde der Revolution. Unterstützt von den Sektionen von Paris, führte der Volksaufstand vom 31. 5. bis 2. 6.1793 zum Sturz der Gironde Herrschaft, deren führende Politiker (unter anderem J. P. Brissot) verhaftet und später hingerichtet wurden. Damit begann die 3. Etappe der Revolution (2.6.1793/27. 7.1794); in ihr wurde der Sieg der Revolution entschieden, die Bergpartei führte die Revolution auf den Höhepunkt. Die politische Macht lag in den Händen der Jakobiner; ihre Hauptbündnispartner waren die Bauernschaft und insbesondere die städtlichen Sansculotten, deren politische und soziale Interessen sie zum Teil berücksichtigten. Die Maßnahmen der Revolutionsregierung zur Rettung, Vertiefung und Vollendung der Revolution erreichten mit der Übernahme von Grundforderungen der Volksbewegung (Volksaufgebot, Systematisierung des physischen Terrors gegen Konterrevolutionäre, Schieber und Spekulanten, Einführung eines allgemeinen Maximums für Preise und Löhne) und in der Errichtung der revolutionär-demokratischen Jakobinerdiktatur (Oktober/ Dezember 1793) ihren Höhepunkt. Alle Regierungsgewalt war im Wohlfahrtsausschuss konzentriert, der sich auf den Jakobinerklub und örtlichen Revolutionskomitees sowie Volksgesellschaften stützte. Durch die Agrargesetze des Konvents vom Juni und Juli 1793 waren die Grundlagen des Feudalismus endgültig beseitigt und die Bauern an der Verteidigung der Revolution interessiert worden. Die bürgerlich-demokratische Verfassung vom 24.6.1793, die unter anderem das Recht auf Arbeit und Bildung anerkannte, musste wegen der innen- und außenpolitische Entwicklung unmittelbar nach ihrer Verkündung (10. 8.) ausgesetzt werden. Energisch bekämpfte die Jakobinerdiktatur die innere und äußere Konterrevolution. Mit der Niederwerfung des Aufstandes in der Vendée (Dezember 1793) und dem Sieg über die Österreicher bei Fleuras (26.6.1794) verlor die Jakobinerdiktatur ihre historische Funktion. Das jakobinische Zentrum um Robespierre, L. A. de Saint-Just und G. Couthon zerschlug sowohl den linken Flügel (Hébertisten) als auch den gemäßigten (Dantonisten). Es guillotinierte die Anführer beider Gruppen und isolierte sich damit von der Bourgeoisie wie von den Volksmassen. Gegen die Versuche Robespierres, der Jakobinerdiktatur eine neue Basis zu schaffen, bildete sich eine Verschwörung revolutionsmüder bürgerliche Kräfte; sie organisierte seinen Sturz am 9. Thermidor (27.7.) 1794. Mit der Hinrichtung Robespierres und seiner führenden Anhänger (28./29.7.1794) begann der Abbau der demokratischen und sozialen Errungenschaften der Revolution (4. Etappe der Revolution, 27.7.1794/3.11.1795). Dagegen erhob sich das Volk von Paris 1795 in den Aufständen vom Germinal und Prairial, die von der Nationalgarde und Militär unterdrückt wurden. Mit der Machtübernahme durch das Direktorium (3.11.1795) erfolgte die Errichtung der «reinen Bourgeois Herrschaft». Die weltgeschichtliche Bedeutung der Französischen Revolution besteht besonders darin, dass sie in Frankreich die feudalen Produktionsverhältnisse beseitigte, eine bürgerliche Gesellschaftsordnung errichtete und auf dem europäischen Kontinent die Periode des Aufstiegs und des Sieges des Kapitalismus einleitete.

Französisch-Guayana: sogenannt Überseedepartement Frankreichs, an der Nordostküste Südamerikas; grenzt im Osten und Süden an Brasilien, im Westen an Suriname; 91000 km2, 73000 Einwohner; 0,8 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Cayenne. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Afroamerikanern und Mulatten, im Inneren des Landes leben noch etwa 3000 Indianer. Französisch-Guayana umfasst den äußersten Nordostteil des nach Süden leicht ansteigenden Berglandes von Guayana; es gliedert sich in einen besiedelten Küstenstreifen und in die Mini-Zone, ein wenig erschlossenes und kaum besiedeltes tropisches Regenwaldgebiet, das 90% des Territoriums ausmacht und in dem das Klima des innertropischen Klimabereiches vorherrscht. Französisch-Guayana ist wirtschaftlich stark von Frankreich abhängig und hat ein außerordentlich hohes Handelsdefizit. Landwirtschaft wird nur an der Küste betrieben, hauptsächlich werden Zuckerrohr, Reis, Kaffee, Mais, Bananen, Maniok und Tabak angebaut. Die Industrie beschränkt sich auf Goldbergbau, Rumdestillation, Sagemühlen und Fischkonservenindustrie. Französisch-Guayana verfügt über Bauxit-, Tantalit-, Gold-, Diamantenvorkommen und große Holzvorräte, die gegenwärtig noch nicht genutzt werden. Bei Kourou befindet sich das französische Weltraumzentrum. Das Verkehrsnetz ist nur wenig ausgebaut. Für die internationalen Verkehrsverbindungen ist der Flughafen Rochambeau von Bedeutung. Kolonie (Cayenne) seit 1604; um 1664 endgültige Abwehr konkurrierender englischer und niederländischer Festsetzungsversuche. Seit 1852/54 entwickelte sich Französisch-Guayana zur Strafkolonie, zum Beispiel für die deportierten Teilnehmer der Pariser Kommune; 1945 wurden die Strafsiedlungen aufgehoben. 1946 erhielt Französisch-Guayana den Status eines Überseedepartements mit Vertretung in der französischen Nationalversammlung. Seit 1973 verstärkt sich der Kampf der progressiven Kräfte (sozialistische Partei, gegründet 1951; Guayanesische sozialistische Partei, gegründet 1956; Union des Guayanesischen Volkes, gegründet 1958) mit antiimperialistischen Zielen.

Französisch-Ozeanien: zusammenfassende Bezeichnung für die Kolonien Frankreichs in Melanesien und Polynesien (Stiller Ozean); umfasst Neukaledonien, Französisch-Polynesien sowie Wallis und Futuna; zusammen 23 315 km, 310000 Einwohner.

Französisch-Polynesien: französische Kolonie auf etwa 105 Inseln im östlichen Stillen Ozean, in Polynesien; umfasst die Gesellschafts-, Marquesas-, Tuamotu-, Gambier- und Tubuai-Inseln sowie das Atoll Clipperton; zusammen 3 997 km2, 165000 Einwohner; Verwaltungszentrum Papeete auf Tahiti; Pflanzungen von Kokospalmen und Zitrusbäumen; Zuckerrohr-, Vanille-, Kaffeeanbau; Kopra-Erzeugung; Fischfang; Perlenfischerei; Fremdenverkehr. Atolle der Tuamotu-Inseln werden als unterirdisches Kernwaffenversuchsgelände Frankreichs missbraucht.

Franz von Assisi, Franziskus, 1181/82-1226, Gründer des Ordens der Franziskaner; verkündete das Ideal der Armut und strengen Askese; seine geistliche Dichtung («Sonnengesang», um 1224, deutsch) gilt als erstes Zeugnis der italienischen Lyrik in volkstümliche Sprache; sein Leben wurde in vielen Legenden verklärt.

frappant: (französisch germanisch) auffallend; befremdend.

Fräsen: 1. Fertigungstechnik: spannendes Fertigungsverfahren mit kreisförmiger Schnitt- (Haupt-) Bewegung des mehrschneidigen Werkzeuges (Fräser) und stetiger Vorschub- (Neben-) Bewegung des Werkstücks. Man kann die zahlreichen Fräsverfahren prinzipiell unterscheiden in werkzeugabhängige Fräsverfahren (Walz- und Stirnfräsen), steuerungsabhängige Fräsverfahren, die ausschließlich durch die Maschinensteuerung bedingt sind (zum Beispiel Normalfräsen, Pendelfräsen, Sprungtischfräsen, Tauchfräsen, Rahmenfräsen, Nachformfräsen), und zweckgebundene Fräsverfahren (zum Beispiel Langfräsen und Kurzgewindefräsen, Nutfräsen, Zahnradfräsen). Beim Walzfräsen (vorzugsweise auf Maschinen mit horizontaler Arbeitsspindel) wird zwischen Gegen- und Gleichlauffräsen unterschieden. Beim Gegenlauffräsen ist die Drehrichtung des Fräsers der Vorschubrichtung gegenläufig. Beim Gleichlauffräsen sind Drehrichtung des Fräsers und Vorschubrichtung gleichgerichtet. Beide Varianten werden gleichberechtigt nebeneinander angewendet und lassen sich auf allen modernen Maschinen durchführen. Stirnfräsen erfolgt vorzugsweise auf Senkrechtfräsmaschinen, aber auch zum Beispiel auf Horizontalbohr- und Fräswerken. Wegen der höheren Produktivität wird (bei der Bearbeitung größerer Flächen) das Stirnfräsen gegenüber dem Walzfräsen bevorzugt. Auch das Feinfräsen (Endbearbeitung zur Realisierung höchster Qualitätsansprüche) wird nur durch Stirnfräsen verwirklicht.

2. Holztechnik: a) Herstellen glatter, ebener oder profilierter Flächen, Nuten unter anderem; erfolgt im Gegen- oder Gleichlaufspanen mittels rotierender Werkzeuge (Fräser, Messerkopf, Messerwelle);

b) Herstellen von Bohrungen oder Langlöchern durch Walzenfräsen beziehungsweise mittels kettenförmiger umlaufender Werkzeuge.

3. Landwirtschaft: lockernde und mischende Bodenbearbeitung mit der Bodenfräse, die über aktiv rotierende Werkzeuge verfügt; wichtige Bodenbearbeitungsmaßnahme im Gartenbau, für die allgemeine Landwirtschaft zu energieaufwendig.

Fraser: Fluss im Südwesten Kanadas, in der Provinz Britisch-Kolumbien; 1368 km; entspringt im Felsengebirge, fließt durch das Hochland von Britisch-Kolumbien, durchbricht in 180 km langem Canon das Kaskadengebirge und mündet bei Vancouver in einen Sund des Stillen Ozeans; Nebenflüsse sind links Thomson, rechts Nechako und Stuart; Flussseen und Staudämme; Elektroenergiegewinnung; Lachsfischerei.

Fräser: Werkzeug für das Fertigungsverfahren Fräsen. Man unterscheidet im Allgemeinen Walzfräser, Stirnfräser (Messerköpfe) und Fräser für Sonderzwecke (zweckgebundene Verfahren). Die Fräswerkzeuge bestehen bei kleineren Abmessungen kompakt aus Schnellarbeitsstahl. Bei größeren Werkzeugen besteht der Werkzeugkörper aus Baustahl und nur die eigentliche Schneide (Schneidplatte) ist aus Schnellarbeitsstahl beziehungsweise in zunehmendem Maß (wegen der höheren erreichbaren Produktivität) aus Hartmetall. Die Schneidplatten werden auf den Werkzeugkörper aufgelötet oder -geklemmt. Fräsköpfe werden prinzipiell mit geklemmten Hartmetallschneidplatten bestückt. Für das Feinfräsen mit Fräsköpfen kommt immer häufiger auch Schneidkeramik und als superharter Schneidstoff Bornitrid zur Anwendung.

Frasheri, Naim, 25.5.1846-20.10.1900, albanischer Lyriker, führender Vertreter der nationalen Wiedergeburt; schuf das lyrische Poem «Viehzucht und Ackerbau» (1886), die epische Dichtung «Die Geschichte Skanderbegs» (1898) und volkstümliche Gedichte («Sommerblumen», 1890).

Fräsmaschine: Werkzeugmaschine zur Bearbeitung (Fräsen 1) von prismatischen Werkstücken unterschiedlichster Abmessungen, Masse und Qualität. Es können aber auf speziellen Maschinen auch rotationssymmetrische Werkstücke bearbeitet werden (zum Beispiel Gewinde- und Zahnradbearbeitung). Die Konsolfräsmaschine dient zur Bearbeitung kleinerer und mittlere prismatische Werkstücke; ausgeführt mit senkrechter (Senkrechtfräsmaschine, meist mit schwenkbarem Spindelkopf) oder waagerechter Arbeitsspindel (Waagerechtfräsmaschine; eventuell mit schwenkbarem Tisch, dann als Universalfräsmaschine bezeichnet). Hauptbaugruppen der Konsolfräsmaschine sind der Ständer mit dem Hauptantrieb, die höhenverstellbare Konsole mit Querschieber und Tisch zur Realisierung der Vorschubbewegung sowie der Vorschubantrieb. Bettfräsmaschine in Ein- oder Zweiständerausführung dienen ausschließlich der Bearbeitung von Großteilen. Diese Maschinen sind meist mit mehreren Fräseinheiten ausgerüstet, die gleichzeitig zum Einsatz kommen können. Hauptbaugruppen sind das Maschinenbett mit dem längsbeweglichen Tisch und den Maschinenständern, an denen unmittelbar oder über einen Querbalken oder Ausleger die Fräseinheiten verstellbar und beziehungsweise oder schwenkbar angeordnet sind. Alle Fräsmaschinentypen können mit numerischer Steuerung ausgerüstet werden. besonders um die Werkzeugwechselzeiten zu verkürzen, werden Maschinen mit senkrechter Arbeitsspindel auch mit Revolverköpfen ausgerüstet. Im Zuge der weiteren Automatisierung kann auch der Werkzeugwechsel selbst automatisiert werden, wozu ein entsprechend Werkzeugspeicher (Ketten- oder Trommelspeicher) sowie eine Greifer-Einrichtung Voraussetzung sind. Wird dazu noch der Werkstücktransport automatisiert, spricht man vom Maschinensystem, in dem meist mehrere ausschließlich numerisch gesteuerte Fräsmaschine (oder auch verschiedene Werkzeugmaschinen, zum Beispiel Fräs- und Bohrmaschinen) arbeiten. Das gesamte System wird von einem zentralen Rechner gesteuert. Sondermaschinen (bei zweckgebundenem Verfahren) sind die Langgewindefräsmaschine zur Herstellung von Trapezgewindespindeln, Keilwellen unter anderem (der Aufbau dieser Maschinen ähnelt dem der Langdrehmaschinen), die Kurzgewindefräsmaschine für die Herstellung kürzerer Bolzen- und Innengewinde, die Zahnrad-Abwälzfräsmaschine für die Verzahnung von Stirnrädern, die Nuten- oder Langlochfräsmaschine sowie die Nachformfräsmaschine (Kopierfräsmaschine), besonders für die Herstellung von Raumformen (Gesenken). Fräseinheiten mit Frässpindelkopf und Vorschubeinheit können baukastenartig in Sondermaschinen und Maschinenfließstraßen eingeordnet werden.

Fraßgifte: Schädlingsbekämpfungsmittel, die mit der Nahrung aufgenommen, im Verdauungssystem (Magen, Darm) resorbiert werden und erst dann ihre Wirkung entfalten, zum Beispiel Insektizide aus der Gruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe und der organischen Phosphorverbindungen gegen beißende und saugende Insekten, Rodentizide, wie Oxycumarin und Zinkphosphid, ferner Strychnin gegen Sperlinge. Siehe auch Giftgetreide.

Frater, (lateinisch, «Bruder»): (katholische) Ordensbruder ohne Priesterweihe. Vor dem Namen oft Fra abgekürzt.

Fraternität: Brüderlichkeit, Verbrüderung; Bruderschaft.

Fraternisieren: sich verbrüdern.

Frauenarbeit: Teilnahme der Frauen am gesellschaftlichen Arbeitsprozess. Im Sozialismus ist die Frauenarbeit die ökonomische Grundlage der gesellschaftlichen Gleichberechtigung der Frau. Der Zugang zu den verschiedenen Berufen und Tätigkeiten ist den Frauen genauso gesichert wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Schwere körperliche und gesundheitsschädliche Arbeiten sind für Frauen gesetzlich verboten. In der DDR beträgt der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der Beschäftigten nahezu 50 %. In den kapitalistischen Ländern nimmt Frauenarbeit ebenfalls zu, erreicht jedoch nicht den Anteil wie in den sozialistischen Ländern. Bei gleicher Arbeit liegen die Löhne der Frauen im Durchschnitt 30 bis 50 % niedriger als die der Männer. Frauen sind bei Entlassungen meist als erste betroffen; die Arbeitslosenrate der Frauen liegt infolgedessen über dem Durchschnitt.

Frauenbewegung: organisierter Kampf der Frauen um Gleichberechtigung; entstand als Folge der kapitalistischen Industrialisierung und verfolgte wirtschaftliche, soziale und politische Ziele. In Frankreich hatte die Frauenbewegung bereits 1789 eingesetzt und führte zur Erklärung der «Rechte der Frau und Bürgerin». In den USA entwickelte sich die Frauenbewegung seit der Mitte des 19. Jahrhundert, und in Großbritannien erlangten die Frauen durch den Kampf der Frauenbewegung 1888 das Gemeindewahlrecht. In Deutschland entstand 1865 der Allgemeine Deutsche Frauenverein; 1894 wurde der Bund Deutscher Frauenvereine als organisatorische Zusammenfassung der bürgerlichen Vereine gegründet Mit Beginn des Imperialismus geriet die bürgerliche Frauenbewegung immer mehr in nationalistischen Bahnen, wodurch auch ursprünglich demokratische Positionen aufgegeben wurden. Gegen Ende des 19. Jahrhundert gewann in Deutschland die proletarische Frauenbewegung als Bestandteil der sozialistischen Bewegung immer mehr an Bedeutung. A. Bebel, C. Zetkin unter anderem hatten entscheidenden Anteil daran. 1900 entstand ein Netz weiblicher Sozialdemokratischer Vertrauenspersonen. Erst das Vereinsgesetz von 1908 gestattete den Frauen die Teilnahme an politischen Vereinen. 1910 wurde auf Initiative von C. Zetkin von der II. Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen der 8. März als alljährlich zu begehender Kampftag für die Rechte der Frau beschlossen.

Frauenfarn, Athyrium filix-femina: heimischer Waldfarn, mit etwa 1 m langen, zart gefiederten Wedeln.

Frauenhaarmoos, Widertonmoos, Polytrichum: Gattung bis 40 cm hoher Laubmoose mit schmalen Blättchen mit Assimilationslamellen; häufig in Wäldern, Mooren und Heiden.

Frauenmantel, Alchemilla: artenreiche Gattung der Rosengewächse mit kleinen gelbgrünen Blüten und rundlichen, gefalteten Blättern; vorwiegend auf Gebirgswiesen und Matten; Zierpflanze.

Frauenschuh, Cypripedium calceolus: seltene heimische Orchidee (u. N.) mit etwa 4 cm großen, pantoffelähnlichen gelben und braunroten Blüten; in lichten Laubwäldern, kalkliebend.

Frauensport: gegen erhebliche Vorurteile erst im 19. Jahrhundert durchgesetzte sportliche Betätigung der Frau. In den sozialistischen Ländern sind die Frauen gleichberechtigt in die Gestaltung von Körperkultur und Sport einbezogen; durch ihr Vorbild und das Bemühen fortschrittliche Kräfte wurden Status und Anteil der Frauen im Weltsport wesentlich erhöht.

Frauenstein: Stadt im Kreis Brand-Erbisdorf, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Osterzgebirge; 1400 Einwohner; Erholungs-, Ausflugs-, Wintersportort (655 m über dem Meeresspiegel); feinmechanische, Papierwarenindustrie; Gottfried-Silbermann-Museum; Burgruine, Schloss (16. Jahrhundert).

Frauenwald: Gemeinde im Kreis Ilmenau, Bezirk Suhl, im Thüringer Wald; 1350 Einwohner; Luftkurort (800 m über dem Meeresspiegel), Erholungs- und Wintersportplatz; Herstellung von Spezialglühlampen und Laborglas.

Frau Holle: (althochdeutsch hold, «günstig», «gnädig») im Volksglauben ein weiblicher Dämon, Anführerin einer Geisterschar, straft oder belohnt Spinnerinnen und Kinder; als Märchengestalt trägt sie etwas menschlichere Züge.

Fraunhofer, Joseph, 6.3.1787-7.6.1826, Physiker und Glastechniker, ursprünglich -schieifer; konstruierte leistungsfähige optische Instrumente, stellte Beugungsgitter her.

Fraunhofersche Linien: von J. Fraunhofer 1815 entdeckte dunkle Linien im Sonnenspektrum, die infolge Absorption in den oberen Schichten der Fotosphäre der Sonne oder in der Erdatmosphäre entstehen. Die Fraunhofer’sche Linien erlaubten den Nachweis von 57 Elementen auf der Sonne. Siehe auch Spektrum.

Fredholm, Erik Ivar, 7.4.1866-17.8.1927, schwedischer Mathematiker; erzielte auf den Gebieten partielle Differentialgleichungen und Integralgleichungen grundlegende Resultate.

Fredrich, Günter, geboren 18.4.1927, Komponist und Chorleiter; Leiter der Fachrichtung Chordirigieren der Musikhochschule Weimar (1970 Professor); schrieb Jugend- und Massenlieder (unter anderem «Im August blühn die Rosen»), Kantaten, Chöre; Mitherausgeber des «Handbuches der Chorleitung» (1981).

Freeholders: (englisch, «Freisassen») im feudalen England Eigentümer eines nicht dem Lehnsverband unterworfenen Hofes; nach Auflösung des Feudalismus freie Mittelbauern, aber auch erbberechtigte Pächter. Die reichen Freeholders bildeten bis 1832 mit Niederadel (Gentry) und Stadtpatriziat die Stände des englischen Unterhauses.

Free Jazz: um 1960 aufgekommene Spielart des Jazz ohne fest umgrenztes Formgefüge und mit einer völlig freien Verwendung des Tonmaterials unter anderem Ausdrucksmittel ohne Rücksicht auf herkömmliche Stilkriterien.

free on board, (englisch, «frei an Bord»), Abkürzung fob (fob): internationale Vertragsklausel, die dem Verkäufer die Gefahr und Transportkosten überträgt, bis die Ware die Reeling des Schiffs im Verladehafen überschritten hat, so dass der Käufer sie ab Bord übernimmt.

Freesie, (nach einem Arzt) Freesia: Schwertliliengewächs aus Südafrika mit weißen, gelben, roten oder blauen Trichterblüten in einseitswendigem Blütenstand; beliebte Zierpflanze (Schnittblume), bei uns unter Glas kultiviert.

Freesoilers: (englisch, «Freibodenmänner») abolitionistische, kleinbürgerlich-radikale Partei in den USA; entstand 1848 im Zusammenhang mit der Entdeckung von Gold in Kalifornien und der dadurch verstärkten Westwanderung; kämpfte gegen die Ausdehnung der Sklaverei auf den Westen der USA.

Fregatte: 1. mit Raketen, Universal-Schiffsartillerie (mittleres und leichtes Kaliber), U-Boot-Abwehrmitteln, Torpedos sowie Funkmessmitteln ausgerüstetes, schnelles und wendiges Kampfschiff mit einem Deplacement von 900 bis 4500 ts; gewöhnlich für den Geleit- und Vorpostendienst sowie für die U-Boot- und Luftabwehr eingesetzt. 2. im 16. und 17. Jahrhundert im Mittelmeer für Verkehrs- und Aufklärungszwecke übliches Ruderboot (Beiboot) mit Besegelung.

Fregattvögel, Fregatidae: sehr fluggewandte Ruderfüßer mit tiefgegabeltem Schwanz und 2 m Flügelspannweite; Koloniebrüter in tropischen Küstengebieten und auf Inseln; jagen oft anderen fischfressenden Vögeln die Beute ab.

Frege, Gottlob, 8.11.1848-26.7.1925, Mathematiker und Logiker; Mitbegründer der mathematischen Logik.

Freiauslösung: Vorrichtung an Leistungsschaltern, die ein Festhalten in Einschaltstellung oder ein Wiedereinschalten verhindert, solange eine Störung, zum Beispiel ein Kurzschluss, andauert.

frei Bahnstation verladen: Preisklausel, die dem Lieferer die Transportkosten bis zum Versandbahnhof und die Ladekosten und dem Besteller ab Bahnstation die folgenden Transportkosten überträgt.

Freibau: Aufstellen von Produktionsaggregaten und -ausrüstungen im Freien ohne bauliche Hülle.

Freibauern: kleine Schicht von Bauern im Feudalismus, die frei von grundherrschaftlichen Unterdrückung und Bevormundung war, eine gewisse Wohlhabenheit erlangen konnte und sich zum Teil selbst zu Gutsherren entwickelte.

freiberuflich Tätige: Berufstätige, die nicht in einem Arbeitsrechtsverhältnis stehen, aber gesellschaftlich anerkannte Arbeit leisten, besonders auf kulturellem oder pädagogischem Gebiet (zum Beispiel Schriftsteller, Musikpädagogen) sowie freipraktizierende Personen, wie Arzte, Masseure, Architekten. Nicht zu den freiberuflichen Tätig zählen im Arbeitsrechtsverhältnis stehende Personen, die auf solchen wie den oben genannt Gebieten nebenberuflich tätig sind oder ein Gewerbe mit Handels- oder Dienstleistungscharakter ausüben. Siehe auch nebenberufliche Tätigkeit.

Freibetrag: Betrag bei versteuerbaren Einkünften, Vermögen u. ä., der steuerfrei bleibt,

freibleibend: Klausel für Vertragsangebote ohne Verbindlichkeit, die international zulässig, im Geltungsbereich des 1 Vertragsgesetzes aber unwirksam ist. Das freibleibende Angebot ermöglicht es, die Annahme unverzüglich zurückzuweisen.

Freibord: das für Schiffsgröße und -art unterschiedlich vorgeschriebene Maß, um das die Bordwände bei voller Beladung noch über der Wasseroberfläche sichtbar sein müssen. Der Freibord wird an beiden Seiten mittschiffs durch eine Freibordmarke gekennzeichnet. Die neben der Freibordmarke angebrachte Lademarke gibt unter Berücksichtigung des Fahrtgebietes und der Wasserdichte die maximal zulässige Tiefladelinie an.

Freibrief: im Mittelalter urkundliche Gewährung bestimmter Freiheiten oder Vorrechte durch den Fürsten.

Freidank, gestorben um 1233, fahrender Dichter alemannische Herkunft; verfasste die volkstümliche Spruchsammlung «Bescheidenheit» (= Bescheid wissen um rechtes Verhalten), eine gereimte religiös-sittliche Lebens- und Tugendlehre mit zum Teil satirische Frontstellung gegen den Klerus; große Wirkung bis ins 16. Jahrhundert (unter anderem auf S. Brant).

Freidenker: ursprünglich Vertreter des englischen Deismus, die im Unterschied zum Christentum eine «Vernunftreligion» vertraten; seit der Aufklärung Bezeichnung für alle Gegner des Gottesglaubens und religiöser Dogmen.

freie Bildungsenthalpie: der maximal in mechanische und elektrische Energie umwandelbare Anteil der Bildungsenthalpie. Die freie Bildungsenthalpie ist ein Maß für das Bestreben der Elemente, eine gegebene chemische Verbindung einzugehen. Je stärker negativ der Zahlenwert der freien Bildungsenthalpie, desto beständiger ist die Verbindung.

Freie Bühne: progressiver Theaterverein in Berlin, 1889 nach dem Vorbild des französischen «Théâtre Libre» gegründet (Leitung O. Brahm); setzte sich für die neue sozialkritische Dramatik (H. Ibsen, G. Hauptmann unter anderem) ein; löste sich um die Jahrhundertwende auf.

freie Gewerkschaften: seit Mitte der 90er Jahre des 19. Jahrhundert übliche Bezeichnung für die sozialistische beziehungsweise unter sozialistischen Einfluss stehenden Gewerkschaftsorganisationen in Deutschland. Diese Bezeichnung unterstrich, dass die freien Gewerkschaften mit bürgerlichen Vereinen völlig gebrochen hatten und frei von bürgerl. Auffassungen und Organisationsprinzipien waren. Die Kennzeichnung der Klassenkampforganisationen der Arbeiterklasse als Gewerkschaften setzte sich seit Ende der 60er Jahre des 19. Jahrhundert in der deutschen Gewerkschaftsbewegung durch. Da zur gleichen Zeit gewerkschaftliche Organisationen verschiedener politischen ideologischen und weltanschauliche Richtungen entstanden (Arbeiterschaften lassalleanische Prägung, Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine unter anderem), wurden die sozialistische Organisationen als freie Gewerkschaften charakterisiert, was in der Folgezeit auch die klare Abgrenzung von den christlichen Gewerkschaften unter anderem bürgerliche Spalter-Organisationen bedeutete. Als Klassenorganisationen der Arbeiterklasse standen die freien Gewerkschaften allen Arbeitern und Angestellten unabhängig von deren Parteizugehörigkeit, Konfession, Geschlecht oder Qualifizierungsgrad offen. Der positive Inhalt und die revolutionären Traditionen der freien Gewerkschaften wurden vom FDGB aufgenommen und weitergeführt.

Freie KK-Büchse: Schießsport Handfeuerwaffe mit Kaliber 5,6 mm, £ 8 kg Masse und g 20 cm langer Handstütze; alle anderen Maße sind freigestellt, optische Visierung ist verboten. Disziplinen sind Dreistellungskampf 120 Schuss (3x40) in 5V4h und olympisch Match (60 Schuss liegend) in 2 h auf Zehnerscheiben, Entfernung 50 m.

freie Kletterei: Hochgebirgs-Bergsteigen, bei dem Hilfsmittel, wie Haken, Keile, Schlingen unter anderem ausschließlich zur Sicherung und nicht zur Fortbewegung benutzt werden.

Freie Künste, Arten liberales: von der Spätantike bis zum Mittelalter die zur Erziehung eines «freien Mannes» notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten Grammatik, Dialektik, Rhetorik (lateinisch Trivium, «Dreiweg») und Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie (lateinisch Quadrivium, «Vierweg»).

frei Empfangsstation: Preisklausel, die dem Lieferer die Transportkosten bis zur Empfangsstation sowie dem Besteller die Entladekosten und ab Empfangsstation die folgenden Transportkosten überträgt.

Freie Partie: Spielart im Billard-Carambolage, bei der durch Kreidestriche 4 Eckfelder als Sperrfelder auf dem Billard markiert sind (Eckenabstrich), in denen nur 2 Karambolagen nacheinander erfolgen dürfen.

Freie Pistole: Schießsport Faustfeuerwaffe (Einzelladepistole) mit offener Visierung und Kaliber g 5,6 mm, alle anderen Maße sind freigestellt. Es werden 60 Schuss in 2'/2h auf 50 m entfernte Zehnerringscheiben abgegeben.

freie Rhythmen: nicht durch ein normatives metrisches Schema bestimmte reimlose Verse, die aber bei aller Variabilität eine gewisse Regelmäßigkeit dadurch erhalten, dass der Abstand von Hebung zu Hebung bei wechselnder Silbenanzahl der Senkungen durch ausgehaltene, betonte Pausen reguliert wird. Die freien Rhythmen sind im 18. Jahrhundert von (F. G. Klopstock) und von den Dichtern des Sturm und Drang ausgebildet worden und gehören heute zu den meistgebrauchten Versen der zeitgenössischen Lyrik (zum Beispiel B. Brecht). Sie haben in der Grenzzone zwischen Vers und Prosa eine Vielfalt von Formen und Aussageweisen entwickelt, die hohe Anforderungen an das Kunstverständnis und Rezeptionsvermögen des Hörers oder Lesers stellen.

Freies Gewehr: Schießsport Handfeuerwaffe mit Kaliber S 8 mm (häufig 7,62 mm, mit Hochgeschwindigkeitspatronen 6,5 mm) und 8 kg Masse. Disziplin ist der Dreistellungskampf 120 Schuss (3 X40) in 5V4h auf Zehnerringscheiben, Schießentfernung 300 m.

freie Strecke: Gesamtheit der Eisenbahnbetriebsanlagen außerhalb der Bahnhöfe. Als Grenze zwischen der freien Strecke und den Bahnhöfen gelten die Einfahrsignale und wo diese fehlen, die Einfahrweichen zu beiden Seiten der Bahnhöfe.

Freie Waffen: Sammelbezeichnung für Freie KK-Büchse, Freies Gewehr und Freie Pistole, weil bestimmte Abmessungen, Einrichtungen unter anderem nicht festgelegt sind.

freie Weglänge: Strecke, die ein Gasmolekül zwischen 2 Stößen mit anderen Molekülen zurücklegt. Die mittlere freie Weglänge ist der Gasdruck umgekehrt proportional und vom Molekülquerschnitt, also von der Gasart, abhängig. Sie beträgt bei Normalbedingungen zum Beispiel für Chlor -27 nm, für Helium =174nm.

Freiexemplar: Exemplar einer Druckschrift, das vom Verlag an den Autor, an bestimmte gesetzlich festgelegte Bibliotheken (als Pflichtexemplar) oder als Beleg- beziehungsweise Besprechungsexemplar kostenlos abgegeben wird.

Freifallmlscher: Apparat mit rotierendem, meist zylindrischer Behälter, in dem das Mischgut umgewälzt und zum Teil im freien Fall gestürzt wird. Zur Unterstützung der Mischwirkung können Einbauten vorgenommen werden. Siehe auch Betonmischmaschine.

Freiflugbahn: Bahn(teil) von Raketen(stufen) oder Raumflugkörpern. In der Freiflugbahn fliegen diese ohne eigenen Antrieb, und es wirkt hauptsächlich die Anziehungskraft des Himmelskörpers, in dessen Wirkungssphäre der Flug verläuft.

Freigehege: gatterlose, von Schutzgräben umgebene, dem natürlichen Lebensraum der gezeigten Tiere möglichst ähnliche Anlage in Tierparks und zoologische Gärten.

Freigrenze: Steuerrecht Grenze, bis zu deren Erreichen keine Besteuerung erfolgt, bei deren Überschreiten dagegen die Besteuerung des gesamten Wertes (einschließlich des unter der Freigrenze liegenden) wirksam wird.

Freihafen, Freizone in Häfen: Hafenfreibezirk, in dem zur Erleichterung des Warenverkehrs fremdländischer Außenhandelswaren zollfrei eingeführt, gelagert und wieder ausgeführt werden dürfen; zum Teil ist auch Umpacken, Sortieren, Veredeln u. ä. erlaubt.

Freihandbibliothek: Bibliothek, die ihre Bestände (Bücher und so weiter) dem Benutzer frei zugänglich darbietet.

Freihandelstheorie: bürgerliche Theorie über die Notwendigkeit des freien Binnen- und Außenhandels, der durch keine staatlichen Maßnahmen, zum Beispiel Zölle, Steuern, Kontingente, Verbote behindert wird. Die Freihandelstheorie entstand im Prozess der Durchsetzung der Produktionsweise als Grundbestandteil der klassischen bürgerlichen politischen Ökonomie und wurde vor allem von A Smith und D. Ricardo zur umfassenden Theorie ausgearbeitet. Sie war auf die Schaffung des nationalen Marktes und des Weltmarktes gerichtet und diente zur Durchsetzung der ökonomischen Gesetze des Kapitalismus gegen den Feudalismus.

Freihandelszone: vertraglich vereinbarter handelspolitischer Zusammenschluss von Staaten zu einem Gebiet, innerhalb dessen der Außenhandel nicht durch Zölle und Kontingente beschränkt wird, beziehungsweise in dem derartige Handelsschranken schrittweise beseitigt werden. Gegenüber dritten Staaten, die der Freihandelszone nicht angehören, ist jeder Vertragspartner berechtigt, seine eigene Handels- und Zollpolitik zu betreiben; das heißt im Unterschied zur Zollunion besteht kein gemeinsamer Außentarif. Siehe auch Europäische Freihandelsassoziation.

Freiheit: das in der historisch möglichen Erkenntnis und Beherrschung der objektiven Gesetzmäßigkeiten in Natur und Gesellschaft zum Ausdruck kommende Verhältnis der Menschen zu ihrer natürlichen und gesellschaftlichen Umwelt. Freiheit wird durch das auf Einsicht in die objektiven Gesetzmäßigkeiten beruhende gesellschaftliche Handeln der Menschen verwirklicht. Sie besteht in der sich historisch entwickelnden und gesellschaftlich bedingten Fähigkeit der Menschen, mit Sachkenntnis, das heißt auf der Grundlage des Wissens um die objektiven Entwicklungsgesetze in Natur und Gesellschaft entscheiden und praktisch handeln zu können. Die Verabsolutierung der Freiheit im Sinne völliger Ungebundenheit führt zum Voluntarismus und Anarchismus, ihre Leugnung zum Fatalismus. In der Ausbeutergesellschaft trägt die Freiheit antagonistischen Klassencharakter; die Freiheit der Ausbeuterklassen schließt die Unfreiheit der werktätigen Massen ein.

Freiheit der Meere: Völkerrecht Rechtsprinzip für das offene Meer, wonach am offenen Meer die Begründung und Ausübung von Souveränitätsrechten unzulässig ist. Dieses Prinzip gestattet zum Beispiel jedem Staat die Freiheit der Schifffahrt, die Freiheit der Fischerei, die Freiheit zum Verlegen unterseeischer Kabel und Rohrleitungen sowie die Freiheit zum Überfliegen des offenen Meeres. Wesen und Inhalt der Freiheit der Meere werden von den Grundprinzipien des demokratischen Völkerrechts der Gegenwart bestimmt.

Freiheitsberaubung: rechtswidriger Entzug der persönlichen Bewegungsfreiheit eines Menschen, zum Beispiel durch vorsätzliches Einsperren; strafbar.

Freiheitsentzug: zusammenfassende Bezeichnung für alle mit Freiheitsentzug verbundenen Strafarten im Strafrecht (Freiheitsstrafe, Haftstrafe, Jugendhaft bei Jugendlichen und Strafarrest bei Militärpersonen).

Freiheitsgrade: Menge der frei wählbaren, voneinander unabhängigen Parameter eines physikalischen Systems, die dessen Zustand eindeutig bestimmen. Ein freier Massenpunkt hat zum Beispiel 3 Freiheitsgrade der Translation, ein starrer Körper hat außerdem 3 Freiheitsgrade der Rotation.

Freiherr: Angehöriger des niederen Adels im römisch-deutschen Reich. Durch kaiserliche Verfügung erfolgten später Erhebungen in den Freiherrn- beziehungsweise Reichsfreiherrnstand. Siehe auch Baron.

Freihieb: Freihauen eines jungen Baumbestandes von der beeinträchtigenden Wirkung (meistens Beschattung) eines älteren Nachbarbestandes. Im Allgemeinen erhält man dadurch einen tiefbeasteten, sturmfesten Bestandesrand.

Freikirchen: Kirchen, die aus dem Prinzip der Unabhängigkeit vom Staat, als Gegensatz zu Staatskirchen (in Deutschland Landeskirchen) entstanden; Mitglied wurde man durch Beitritt (zum Beispiel Baptisten, Methodisten).

Freikolbenmaschine, Flugkolbenmaschine: Wärmekraftmaschine (Zweitaktdieselmotor) mit 2 hintereinanderliegenden Zylindern und 2 freischwingenden, gegenläufigen Kolbensystemen, die sich ohne Triebwerk darin bewegen. Der Zylinderraum zwischen den inneren Kolben ist als Dieselmaschine ausgebildet. Beim Freikolben- oder Flugkolbenverdichter zur Drucklufterzeugung dienen die äußeren Zylinder als Verdichterräume. Ein unbelastetes Gestänge sorgt für den Gleichlauf der Kolben.

Freikörperkultur, Abkürzung FKK, Nacktkultur: der Erholung dienender Aufenthalt im Freien ohne Bekleidung.

Freikorps: 1. irreguläre Truppenteile der preußischen Armee; führten 1813 vor allem den Kleinkrieg im Hinterland der französischen Truppen. Die zum großen Teil aus Freiwilligen bestehenden Freikorps (zum Beispiel Freikorps Lützow) waren Ausdruck des Insurrektionscharakters des Befreiungskrieges. 2. 1918/19 für den Kampf gegen die revolutionären Bewegungen in Deutschland und gegen die Sowjetmacht in den baltischen Ländern gebildete reaktionäre Militärformationen; ermordeten K. Liebknecht und R Luxemburg sowie Tausende von Arbeitern. Von den etwa 400000 Mitgliedern wurden 1919 viele in die Reichswehr eingegliedert, andere bildeten nach Auflösung der Freikorps (1920) den Kern verschiedener faschistischer Terrororganisationen. Siehe auch Baltikumer.

frei Lager Empfänger: Preisklausel, die dem Lieferer die Transportkosten bis zum Lager des Empfängers und diesem die Entladekosten überträgt.

Freilauf: Kupplungsart an Fahrrädern, Kfz und Maschinen, wodurch diese unter Ausnutzung der im System gespeicherten kinetischen Energie ausrollen können.

freilaufen, sich, sich freistellen: in Tor-, Mal- und Korbspielen sich im Spielgeschehen durch Laufen so plazieren, dass der zugespielte Ball ungestört vom Gegner angenommen und weitergespielt werden kann.

Freileitung: im Freien an Isolatoren aus Hartporzellan oder Glas an (F.s-) Masten aus Stahl, Stahlbeton oder Holz aufgehängte, fast immer blanke (nicht isolierte) elektrische Leitung zur elektrischen Energie- oder Informationsübertragung. Als Leiter werden Stahl-Aluminium-Seile (sogenannt Stalu Seile) mit Stahlseele für die mechanische Festigkeit und Aluminiummantel für gute Leitfähigkeit verwendet. Zur Herabsetzung der Koronaverluste werden Hohlleiter und bei höheren Spannungen mehrere Leiterseile (Bündelleiter) montiert. Hochspannungsleitungen (Fernleitungen) bestehen aus 2 Systemen (Stromkreisen) mit je 3 Bündelleitern. Über den Leitersystemen werden 1 bis 3 Erdseile zur Abschirmung atmosphärischer Entladungen gespannt, die leitend mit den Stahlmasten und dadurch mit der Erde verbunden sind.

Freilichtmalerei, Pleinairmalerei (französisch + deutsch): Malerei in der freien Natur, die seit Beginn des 19. Jahrhundert besonders von englischen Landschaftsmalern (J. Constable, R. P. Bonington) gepflegt wurde. Bis dahin war es üblich, selbst Landschaften im Atelier zu malen und nur die Vorstudien in der Natur anzulegen. Die Freilichtmalerei strebte nach einer den natürlichen Bedingungen entsprechenden Helligkeit und wechselseitig verbundenen Farbigkeit. Die Malweise bildete eine der wichtigsten Voraussetzungen und Forderungen des Impressionismus.

Freilichtmuseum: Museum, dessen Bestände im Freien, in möglichst natürlichen Lebenszusammenhang, ausgestellt werden, entweder am ursprünglich Standort oder an neuem Standort naturgetreu wiederaufgebaut. Diese Möglichkeit der Ausstellung ist besonders für Museen mit volks- und landeskundliche Sammlungen sowie für Architektur geeignet.

Freilichttheater, Freilichtbühne: jedes Theater unter freiem Himmel, in der Neuzeit Bühnenbauten im Freien mit Einbeziehung eines Bauwerks oder der umgebenden Natur. Naturtheater (zum Beispiel Harzer Bergtheater Thale) nutzen die besonderen Naturgegebenheiten für die Eigenart der künstlerischen Darstellung.

Freimachungszwang: gesetzlich festgelegte Forderung der Post gegenüber dem Absender, die Gebühren für aufgegebene Sendungen im Voraus zu entrichten.

Freimaurerei: internationale bürgerlich-humanistischen Bewegung der Aufklärung mit pantheistischen Grundzug; als Männerbund organisiert und in örtlicher Logen gegliedert. Die Freimaurerei ist auf die Bildung einer geistigen Elite gerichtet, in der alle standesmäßigen, nationalen und rassischen Grenzen beseitigt sein sollen und von der eine Regeneration der Menschheit erwartet wird. Obwohl sie bei der Vorbereitung der bürgerlichen Revolution eine progressive Rolle spielte, versagte sie in der Revolution wegen ihres abstrakt-humanistischen Charakters. Im 19. Jahrhundert rekrutierten sich die Anhänger der Freimaurerei vorwiegend aus dem Klein- und Mittelbürgertum. Die Freimaurerei erhielt sich auch im Imperialismus; von den deutschen Faschisten wurde sie verfolgt. Nach dem 2. Weltkrieg verfiel die Freimaurerei dem Antikommunismus und wurde ein Instrument reaktionärer imperialistischer Kräfte.

Freischar: bewaffneter Freiwilligenverband, besonders in Volkskriegen; den Angehörigen einer Freischar bezeichnet man als Freischärler.

Freischarenzüge: Kriegszüge schweizerischer Demokraten 1844/45 gegen Luzern, um den konservativen, jesuitenfreundlicher Rat der Stadt zu stürzen.

Freischütz: im Volksglauben zauberkundiger Jäger, der über «freie» (treffsicher gemachte) Kugeln verfügt und unverwundbar ist. Oper von C. M. von Weber.

Freisetzungsaufwand: Umfang des Einsatzes einer bestimmten Ressource (in Mark), zum Beispiel von Grundmitteln, um eine andere Ressource, zum Beispiel Arbeitskräfte, freizusetzen. Unter den Bedingungen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts wird der Freisetzungsaufwand in der Regel auf die Freisetzung von Arbeitskräften durch den Einsatz von Produktionsfonds auf der Grundlage einer fortschrittlichen Technologie und Produktionsorganisation bezogen.

Freisetzungseffekt: relative und teilweise absolute Einsparung von Arbeitskräften als Ausdruck gestiegener Arbeitsproduktivität, die hauptsächlich durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt erzielt wird. Die relative Einsparung von Arbeitskräften ist die Hauptvoraussetzung, um Arbeitskräfte für die Aufnahme neuer Produktionen oder für die nichtproduktive Sphäre freizusetzen. Der Freisetzungseffekt wird sowohl durch den direkten Freisetzungseffekt (relative Einsparung im jeweils gegebenen Bereich) als auch durch den indirekten Freisetzungseffekt (relative Einsparung lebendiger Arbeit infolge Einsparungen vergegenständlichter Arbeit in den Folgestufen) bestimmt.

Freispruch: in Form eines Urteils erfolgende gerichtliche Entscheidung im Strafverfahren, da sich die dem Angeklagten mit der Anklage zur Last gelegten Straftaten in der Hauptverhandlung als nicht begründet erwiesen haben. Die Unschuld des Freigesprochenen darf im Urteil nicht in Zweifel gezogen werden.

Freistadt: eine durch völkerrechtlichen Vertrag für eine Stadt festgelegte internationale Rechtsstellung, die es dieser Stadt erlaubt, relativ selbständig am völkerrechtlichen Verkehr teilzunehmen, ohne mit der Rechtsstellung eines Staates identisch zu sein. Freistadtgründungen trugen zumeist politischer Kompromisscharakter.

Freistellung von der Arbeit: zeitweilige Befreiung des Werktätigen von der Pflicht zur Arbeitsleistung im gesellschaftlichen oder persönliches Interesse auf Grund einer entsprechenden gesetzlichen Regelung oder auf Antrag des Werktätigen aus familiären beziehungsweise anderen gerechtfertigten Gründen. In gesetzlich geregelten Fällen erhält der Werktätige eine Ausgleichszahlung.

Freistilschwimmen: Schwimmdisziplin mit freier Wahl der Schwimmart, praktisch ausschließlich Kraulschwimmen.

Freistoß: Fußball als Strafe für Regelverstöße ein der Gegenpartei zustehender unbehinderter Stoß des ruhenden Balles. Direkter Freistoß (nach grobem Foul- und absichtlichen Handspiel) kann unmittelbar zu einem Tor fuhren. Im Strafraum führt ein Freistoß für die Angreifer zum Strafstoß (Elfmeter), einem unbehinderten Stoß vom Strafstoßpunkt (11-m-Marke) auf das ausschließlich vom Torhüter verteidigte Tor. Bei indirektem Freistoß (wegen technischer Vergehen, zum Beispiel Abseits) kann ein Tor nur nach Berührung durch einen zweiten Spieler erzielt werden. Dem Freistoß entsprechen Freischlag (Hockey) und Freiwurf (Handball, Wasserbau unter anderem).

Freitreppe: einem Bauwerk außen vorgelegte, nicht überdachte Treppe; oft für festliche Repräsentation ausgebildet.

Freivorbau: Montagebauweise für Brücken, bei der vormontierte Konstruktionsteile mit Spezialgeräten (Derricks, Freivorbaukränen) von den Auflagern oder von Brückenpfeiler zu Brückenpfeiler ohne Lehrgerüst freitragend bis zum Zusammenschluss vorgebaut werden. Freivorbau ermöglicht Einsparung von Gerüsten und Verkürzung der Bauzeit.

freiwillige Versicherung: alle Versicherungsformen, die durch Abschluss von Verträgen zwischen dem Versicherungsnehmer und dem Versicherer zustande kommen. Die freiwillige Versicherung setzt im Gegensatz zur Pflichtversicherung die freie Willenserklärung zum Eingehen eines Versicherungsverhältnisses bei den beiden vertragschließenden Parteien voraus.

Freizeitarbeit: Strafrecht unbezahlte gemeinnützige Arbeit in der Freizeit; kann vom Gericht als Verpflichtung für auf Bewährung Verurteilte, Strafentlassene auf Bewährung und Jugendliche wegen Vergehen festgelegt werden.

Freizeitsport und Erholungssport, Breitensport, Massensport, früher Volkssport: nicht auf Höchstleistung abzielende, sondern der Gesundheitsforderung und Leistungserhaltung dienende (regelmäßige) sportliche und touristische Betätigung der Bevölkerung in Wohngebieten, Betrieben, Urlaubseinrichtungen unter anderem Siehe auch Körperkultur, Leistungssport, Sport.

Fréjus: Stadt im Süden Frankreichs, 1,5 km von der Mittelmeerküste entfernt; 20000 Einwohner; Korkindustrie; Fremdenverkehr, Seebad; zahlreiche römische Baudenkmäler; Baptisterium (5. Jahrhundert) der Kathedrale (13. Jahrhundert).

Fremdbefruchtung: Befruchtung nach Bestäubung der Narbe mit Pollen einer anderen Pflanze. Fremdbefruchter sind unter anderem Roggen, Hopfen, Rotklee, Möhre, Gurke, fast alle Apfel- und Birnensorten, alle Nadelhölzer; bei verschiedenen Pflanzen, wie Mais, Luzerne, Sonnenblume, tritt gewöhnlich Fremdbefruchtung, gelegentlich auch Selbstbefruchtung auf.

Fremdenlegion, Légion étrangère: 1831 ursprünglich aus politischen Emigranten gebildete französische Truppe, die später durch den Zustrom von Abenteurern und deklassierten Elementen zur Söldnertruppe wurde; im Kampf gegen die Unabhängigkeitsbewegungen in den Kolonien eingesetzt.

Fremdfeldbeeinflussung: ungewollte, störende Einwirkung elektrischer oder magnetischer Felder auf Einrichtungen zur Nachrichten- und Messwertübertragung, Datenverarbeitung unter anderem, zum Beispiel durch Kabel zur elektrischen Energieübertragung auf Nachrichtenkabel oder auf benachbarte elektronische Schaltungen; Vermeidung oder Reduzierung der Fremdfeldbeeinflussung ist durch räumliche Trennung, Abschirmung, Erdungsmaßnahmen unter anderem möglich.

Fremdreflex: meist dem Schutz des Organismus vor schädigender Einwirkung dienender Reflex (Schutzreflex). Die Reizempfänger (Rezeptoren) befinden sich außerhalb des Gewebes oder Organs, das auf Reizung dieser Empfänger reagiert. Z. B. ist der Hustenreflex ein Fremdreflex, die Rezeptoren liegen im Kehlkopf, die den Hustenstoß bewirkenden Muskeln jedoch im Brustkorb- und Bauchdeckenbereich.

Fremdwasser: einem Einzugsgebiet durch Überleitung zugeführtes, nicht aus den Niederschlägen des Gebietes selbst stammendes Wasser.

Fremdwort: aus einer fremden Sprache entnommenes Wort, das durch abweichende Schreibung und Aussprache, teilweise auch Flexion, noch als solches erkennbar ist (im Gegensatz zum Lehnwort), zum Beispiel Portemonnaie aus dem Französischen.

Freneau, Philip Morin, 2.1.1752 bis 18.12.1832, US-amerikanischer Dichter; wegen seines leidenschaftlichen Eintretens für die amerikanische Unabhängigkeit der «Dichter der amerikanischen Revolution» genannt; schrieb politisch-satirische Dichtung, Natur-, Grabes- und Nachtlyrik und gestaltete als erster Dichter das Leben der Indianer.

Frenektomie: Durchtrennung oder operative Entfernung der Lippenbändchen im Ober- und Unterkiefer oder des Zungenbändchens.

frenetisch: (französischgriechisch) rasend, tobend.

frequentieren: häufig besuchen, benutzen; ein- und ausgehen.

Frequenz: 1. allgemein Häufigkeit, Zulauf.

2. Physik: Quotient aus der Anzahl von Schwingungen und der dazu erforderlichen Zeit; Zeichen / oder u, SI-Einheit Hertz (Hz). Das 2rr-fache der Frequenz heißt Kreisfrequenz, Zeichen w. Siehe auch Hochfrequenz, Höchstfrequenz, Niederfrequenz.

Frequenzabstand: Frequenzdifferenz zwischen den Mittenfrequenzen benachbarter (Frequenz-) Kanäle oder zwischen den Trägerfrequenzen für unterschiedliche Modulationssignale (zum Beispiel Frequenzabstand zwischen Bild- und Tonträger beim Fernsehen).

Frequenzband, Band: 1. Informationstechnik, allgemein der Frequenzbereich, den ein Signal zur qualitätsgerechten Übertragung benötigt. Siehe auch Kanal 2.

2. Rundfunk und Fernsehen: zusammenhängender Frequenz- oder Wellenlängenbereich zur Übertragung von Rundfunk- oder Fernsehsendungen (zum Beispiel 49-m-Band im Kurzwellenbereich; Band I, III und IV für Fernsehen; Band II für UKW-Rundfunk). Jedes Frequenzband ist in Kanäle eingeteilt. Siehe auch Rundfunkwellen.

Frequenzgang: bei einem linearen Übertragungsglied Quotient der komplexen Amplituden von Ausgangs- und Eingangssignal, wenn man ein sinusförmiges Eingangssignal verwendet. Der Betrag des Frequenzgangs heißt Amplitudengang, seine Phase Phasengang. Der Frequenzgang ist abhängig von der Frequenz des Eingangssignals. Ist er für alle Frequenzen bekannt, so ist damit das Verhalten des Übertragungsgliedes (das Ausgangssignal) für beliebige (nicht sinusförmige) Eingangssignale berechenbar. Da eine große Klasse von Signalen durch ihr Spektrum beschrieben werden kann, ist der Frequenzgang von Bedeutung für die richtige Bemessung von Nachrichtenübertragungskanälen und von Steuerungssystemen. Siehe auch Grenzfrequenz.

Frequenzmessgerät: Gerät zur Messung der Frequenz von Wechselspannungen oder -strömen, meist unter Anwendung des Resonanzprinzips (Zungenfrequenzmessgerät, direkt anzeigendes Frequenzmessgerät, Resonanzwellenmesser, Schwingungszähler unter anderem).

Frequenznormal: Schwingungserzeuger (Oszillator), dessen Frequenz langzeitlich hohe Konstanz aufweist.

Frequenzstabilisierung: Elektronik Maßnahme zum Konstanthalten der Frequenz eines Oszillators durch Einsatz eines Elementes mit ausgeprägter Eigenresonanz (zum Beispiel Schwingquarz, Hohlraumresonator).

Frequenzteiler, Untersetzer: Elektronik digitale Funktionseinheit, die nach Norden eingetroffenen Eingangsimpulsen einen Ausgangsimpuls abgibt und so ein (Frequenz-) Teilerverhältnis N: 1 realisiert; Anwendung unter anderem in der digitalen Informationsverarbeitung und zur Signalaufbereitung.

Frequenzumsetzung, Frequenztransponierung: Verlagerung (Transponierung) des Frequenzbandes eines Signals in einen anderen Frequenzbereich durch Mischung mit einer Hilfsfrequenz, Modulation einer Trägerschwingung oder Demodulation einer modulierten Trägerschwingung.

Frequenzvervielfacher: Elektronik analoge Funktionseinheit, die mittels nichtlinearer Kennlinie aus einer harmonischen Eingangswechselspannung der Frequenz eine harmonischen Ausgangswechselspannung der Frequenz nf erzeugt und so einen (Frequenz-) Vervielfachungsfaktor n realisiert; Anwendung unter anderem zur analogen Signalaufbereitung.

Frescobaldi, Girolamo, 9.9.1583—1.3.1643, italienischer Organist und Komponist; bedeutungsvoll für polyphones und improvisatorisches Spiel auf Tasteninstrumenten; steigerte in seinen Toccaten, Ricercari, Capricci unter anderem Form und Ausdrucksgehalt der Musik durch Kontrapunktik und kühne Harmonik; hatte starken Einfluss auch auf deutsche Komponisten (J. J. Froberger).

Fresko: (italienisch fresco, «frisch», «kühl», germanisch) 1. Fresko: Kunst - Malerei: mit Wasserfarben auf noch feuchtem Kalkputz (italienisch «a fresco»). Da sich die Farben fest mit der Putzschicht verbinden, können sie nicht abblättern, wie bei Malerei auf die trockene Wand (italienisch «a secco»). Eine Aufhellung der Farben durch das Trocknen muss beim Malen berücksichtigt werden. An einem Tag kann stets nur das Stück frisch geputzter, noch nasser Wandfläche rasch bemalt werden (nach originalgroßem Entwurf). Schon die ägyptische, antike und frühmittelalterliche Kunst kannte das Fresko, allerdings nicht in reiner Form. Um 1300 begann in Italien mit Giotto die Entwicklung der reinen Freskomalerei. Die künstlerische Blütezeit besonders des italienischen Freskos dauerte bis ins 18. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert haben vor allem die Nazarener diese Technik wiederbelebt. Neue Bedeutung erlangte das Fresko insbesondere in der modernen mexikanischen Wandmalerei.

2. Fresko: Textiltechnik, leicht luftdurchlässiges Kammgarn- oder Streichgarngewebe in Leinwandbindung; für Sommerkleidung.

Fresnel, Augustin Jean, 10.5.1788 bis 14.7.1827, französischer Physiker und Ingenieur; lieferte bedeutende Arbeiten zur Wellentheorie des Lichtes (seit 1815) und zur Verbesserung der Wirkung von Leuchttürmen.

Fresnel-Linse: (nach A J. Fresnel) rotationssymmetrische Stufenlinse, bei der die Abbildung durch Brechung an einzelnen ringförmigen Kegelzonen erfolgt. Die Fresnel-Linse besteht aus brechenden Wirkflanken und den diese verbindenden Störflanken, die zur Schattenbildung führen. Auch Zylinderlinsen lassen sich als Fresnel-Linse herstellen. Ältere Fresnel-Linse aus Glas werden in Scheinwerfern und Signaloptiken eingesetzt, moderne Fresnel-Linse aus Plast im Gerätebau.

Fresnelsche Zonen, (nach A. J. Fresnel): ringförmige Bereiche in einer beugenden Kreisöffnung, in denen sich der Gangunterschied der Lichtwellen der Wellenlänge X um jeweils J1 ändert. Eine (Fresnelsche) Zonenplatte ist ein fokussierendes Beugungsgitter mit abwechselnd durchlässigen und undurchlässigen konzentrischen Ringen entsprechend den Fresnelschen Zonen und wirkt wie eine Linse.

Fressgitter: Holz- oder Stahlrohrgitter als Absperrung zwischen Standplatz und Futtertisch bei Rindern und Schweinen; sie können während der Fresszeiten geöffnet werden. Bei geschlossenem Fressgitter werden die Tiere gezwungen, so weit zurückzutreten, dass sie auf die hinter der Standfläche befindliche Kotplatte beziehungsweise auf den Kotrost misten.

Frettchen, Mustela putorius furo: albinotische Form des Iltisses mit weißem oder blassgelbem Fell und roten Augen. Haustier, dessen Domestikationsprozess noch nicht abgeschlossen ist; wird seit dem Altertum zum Frettieren abgerichtet.

Frettieren: Aus-dem-Bau-Treiben von Kaninchen mit Hilfe des Frettchens.

Freud, Sigmund, 6.5.1856-23.9.1939, österreichischer Psychiater und Neurologe; Professor in Wien; emigrierte 1938 nach Großbritannien. Freud ist der Begründer der Psychoanalyse, die er zunächst nur als eine besondere Behandlungsmethode von Neurosen, deren Entstehung er aus ins Unterbewusste verdrängten Konflikten im Triebleben erklärte, entwickelte. Kommt ihm zum einen das Verdienst zu, die Bedeutung unterbewusster und teilbewusster Vorgänge in der Pathogenese der Neurosen herausgearbeitet und therapeutische Lösungswege aufgezeigt zu haben, so ließ er jedoch zum anderen bei seiner Neurosekonzeption die soziale Determiniertheit der menschlichen Persönlichkeit außer Acht. Später haben Freud und seine Schüler die Psychoanalyse in eine Art Sozialpsychologie umgewandelt, die auf Universalität und Allgemeingültigkeit ihrer Methodologie für die Lösung nicht nur medizinisch-psychologische, sondern auch soziale Probleme Anspruch erhebt. Durch die Überbetonung des Sexualtriebes einerseits und die Unterschätzung des gesellschaftlich geprägten Wesens des Menschen andererseits erweisen sich die die menschliche Gesellschaft betreffenden Inhalte der Freudschen Lehre als Exponenten bürgerlicher idealistischer Ideologie.

Freudismus: auf S. Freud zurückgehende biologistische Gesellschaftstheorie, die den Menschen als ein von Trieben, besonders vom Sexualtrieb beherrschtes Wesen auffasst. Der Neo-Freudismus gelangt bis zur Rechtfertigung imperialistische Aggression und Unterdrückung als angeblich natürliche Erscheinungen menschlicher Triebbefriedigung.

Freundschaft: partnerschaftliches Verhältnis, das auf übereinstimmenden beziehungsweise sich ergänzenden komplexen Wert- und Zielvorstellungen beruht; äußert sich im Bemühen um geistigen Austausch, um Verwirklichung gemeinsamer Interessen, in gegenseitiger Unterstützung in allem, was dem Wohle des anderen dient. Freundschaft wird in Inhalt und Funktion durch Persönlichkeitstyp und Individualität der Beteiligten sowie die Art ihrer Gemeinsamkeiten geprägt. Freundschaft im weiteren Sinne kann auch zwischen Klassen und Schichten, zwischen Städten unter anderem bestehen.

Frevel: im Mittelalter kleineres Delikt, für das in der Regel nur Geldstrafen erhoben wurden.

Frey, Freyr (nordisch, «Herr»), altnordischer Gott aus dem Geschlecht der Wanen; Bruder der Freyja; Friedens- und Fruchtbarkeitsspender; wurde besonders in Uppsala verehrt.

Freyja, altnordische Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin; Schwester des Frey, durch Verschmelzung mit Frigg zur Hauptgöttin geworden; tritt in Kult und Dichtung hervor.

Freytag, Gustav, 13. 7.1816-30. 4.1895, Schriftsteller; entwickelte sich von kritisch-liberalen Anfängen im Vormärz zum literarischen Propagandisten von Geist und Moral der nationalliberalen Bourgeoisie nach 1848 (Roman «Soll und Haben», 1855); ihr Geschichtsverständnis gestaltet sein Romanzyklus «Die Ahnen» (1872/80). Seine «Bilder aus der deutschen Vergangenheit» (1859/67) sind noch weitgehend einem progressiven liberalen Denken verpflichtet.

Frieden: Zustand in den Beziehungen zwischen Völkern und Staaten, in dem die gegenseitigen Beziehungen mit nichtkriegerischen Mitteln auf der Grundlage und unter strikter Achtung des Völkerrechts geordnet werden. Inhalt und Charakter des Frieden entsprechend gegebenen, historisch bestimmten Gesellschaftsformation. Während der Krieg eine gesetzmäßige Erscheinung der antagonistischen Klassengesellschaft ist, ist der Frieden dem Sozialismus und Kommunismus wesenseigen. Er wird hier zu einer wesentlichen Seite der Politik, zum internationalistischen Prinzip der Beziehungen zwischen den Völkern und Staaten. Der Kampf um dauerhaften Frieden ist untrennbar mit dem sozialen Kampf der Arbeiterklasse verbunden; die kommunistische und Arbeiterparteien verwirklichen im praktischen Friedenskampf die Einheit aller Friedenskräfte. Auf Grund des veränderten internationalen Kräfteverhältnisses in der Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus, insbesondere dank der Existenz des sozialistischen Weltsystems mit der Sowjetunion an der Spitze und einer weltweiten Friedensbewegung besteht in der Gegenwart die reale Möglichkeit, durch den gemeinsamen Kampf aller Friedenskräfte eine gesicherte Friedensordnung in Europa und einen dauerhaften Weltfrieden zu erzwingen und den Weltkrieg aus dem Leben der Völker zu verbannen. Siehe auch friedliche Koexistenz.

Friedensvertrag: völkerrechtliche Vereinbarung zwischen den gegnerischen Parteien eines Krieges, durch die im Allgemeinen die rechtliche Beendigung des Kriegszustandes erfolgt und damit zusammenhängende Fragen geregelt werden. Der Inhalt des Friedensvertrags muss den Grundprinzipien des demokratischen Völkerrechts entsprechen. Die rechtliche Beendigung des Kriegszustandes ist jedoch auch in anderen Formen als durch Abschluss eines Friedensvertrags möglich.

Friedlosigkeit: bereits im germanischen Recht verankerte Form der Acht. Der Rechtsbrecher wurde durch Gerichtsbeschluss aus dem Rechtsverband ausgeschlossen und für vogelfrei erklärt (Friedloslegung).

Friedman, Milton, geboren 31.7.1917, US-amerikanischer bürgerlicher Ökonom; als Berater des USA Präsidenten Reagan von Einfluss auf dessen Wirtschaftspolitik (Reaganomics, Monetarsystem). Friedman räumt dem Geld die entscheidende Rolle in der ökonomischen Entwicklung ein und betrachtet die Steuerung der Geldmenge als wichtigstes ökonomisches Lenkungsmittel des Staates.

Friedrich: 1. Caspar David Friedrich, 5.9.1774-7.5.1840, Maler, 1794/98 Studium in Kopenhagen. Seit 1798 in Dresden ansässig, wo er 1816 Lehrer an der Akademie wurde. Friedrich war der bedeutendste Landschaftsmaler der deutschen Romantik. Mit seinen Werken durchbrach er die in klassizistischen Formeln erstarrte Landschaftsmalerei und verlieh ihr durch eine gefühlvolle, weitgehend natürliche Betrachtung neue Ausdrucksmöglichkeiten. Er bevorzugte die Darstellung von Herbst- und Winterlandschaften bei Morgen- und Abenddämmerung. Oft verbindet sich mit seinen Motiven ein hoher Symbolgehalt, der die Nähe zu J. G. Herders naturphilosophische Auffassung zeigt.

2. Walter Friedrich, 25.12.1883-16.10.1968, Biophysiker, fand 1912 zusammen mit M. von Laue und A. Knipping die Interferenz von Röntgenstrahlen; wandte sich später medizinischen Problemen, vor allem den physikalischen und biologischen Grundlagen der Strahlentherapie, zu und trug wesentlich zur Entwicklung der Biophysik bei. 1949/52 Rektor der Humboldt-Universität zu Berlin. Friedrich war seit 1951 Mitglied des Präsidiums des Weltfriedensrates und Präsident des Friedensrates der DDR, 1951/55 Präsident der AdW.

Friedrich, Fürsten: Deutsche Könige und römische Kaiser: 1. Friedrich I., Barbarossa (italienisch, «Rotbart»), um 1125-10.6.1190, Staufer, Herzog von Schwaben seit 1147, deutscher König seit 1152, Kaiser seit 1155. Friedrich bemühte sich anfangs mit Erfolg, ein Königsterritorium aufzubauen, wich jedoch der Konfrontation mit den Fürsten aus. Er versuchte seit 1154/55 eine Unterwerfung der oberitalienischen Städte, scheiterte aber besonders am Widerstand der Kommunen unter Führung Mailands sowie des Papsttums. 1180 gelang es Friedrich, die starke Machtstellung Heinrichs des Löwen in Deutschland zu beseitigen; er teilte dessen Herrschaftsgebiet auf. Friedrich ertrank auf dem 3. Kreuzzug im Fluss Saleph (Kleinasien). 2. Friedrich II., 26.12.1194-13.12.1250, Staufer, Sohn Heinrichs VI., König von Sizilien seit 1198, selbständige Herrschaft seit 1208, deutscher König seit 1212, Kaiser seit 1220. Friedrich überließ Deutschland weitgehend den Territorialgewalten, um freie Hand für seine imperiale Expansionspolitik zu bekommen. In Sizilien und Süditalien baute er einen straff organisierten, modernen Staat mit Beamtentum und stehendem Heer auf.

Brandenburg: 3. Friedrich I., 21.9.1371-20.9.1440, Hohenzoller; als Friedrich VI. 1398/1415 Burggraf von Nürnberg; seit 1415 Markgraf und Kurfürst von Brandenburg; unterwarf die märk. Raubritter (unter anderem die Quitzows).

Dänemark: 4. Frederik IH.

Pfalz: 5. Friedrich V., 26.8.1596-29.11.1632, 1610/20 Kurfürst; Führer der Protestant, Union; im Winter 1619/20 als Friedrich I. König von Böhmen («Winterkönig»); floh nach der Niederlage am Weißen Berg in die Niederlande.

Preußen: 6. Friedrich, 11.7.1657-25.2.1713, als Friedrich III. Kurfürst von Brandenburg seit 1688, König in Preußen seit 1701; Friedrich war prachtliebend und verschwenderisch. Friedrich erkaufte sich gegen die Zusicherung, die Habsburger im Kampf um die spanische Thronfolge durch Truppen zu unterstützen, die Zustimmung des Kaisers zur Umwandlung des Herzogtums Preußen in ein Königreich. 7. Friedrich II., Friedrich der Große, 24.1.1712-17. 8.1786, König seit 1740; begründete durch Stärkung des feudalabsolutistischen Militarismus und aggressive Außenpolitik die Großmachtstellung Preußens im 18. Jahrhundert (Schlesische Kriege, 1. Teilung Polens 1772). Von der Aufklärung beeinflusst, vertrat er die Politik des «aufgeklärten» Absolutismus im Sinne der Anpassungspolitik an den bürgerlich-kapitalistischen Fortschritt durch Manufakturgründung und innere Kolonisation sowie begrenzte Reformen, ohne am Wesen des feudalabsolutistischen Staates zu rütteln.

8. Friedrich III, 18.10.1831-15.6.1888, ältester Sohn Wilhelms I.; deutscher Kaiser und König von Preußen; galt als politisch liberal; gelangte am 9.3.1888 todkrank (Kehlkopfkrebs) auf den Thron. Während seiner 99 Tage währenden Herrschaft konnte Bismarck politische Veränderungen verhindern.

Sachsen: 9. Friedrich I., Friedrich der Streitbare, 11.4.1370 4.1.1428, Wettiner, Herzog von Sachsen-Wittenberg und Kurfürst seit 1423; erhielt 1382 bei der Teilung der Wettiner Lande unter anderem Besitz in Ostthüringen und im Vogtland. 10. Friedrich III., Friedrich der Weise, 17.1.1463-5. 5.1525, Kurfürst seit 1486, Haupt der ernestinischen Linie der Wettiner; gründete 1502 die Universität Wittenberg; beschützte M. Luther und förderte damit die Reformation.

Friedrichshagener Dichterkreis: Gruppe von Naturalisten (W. Bölsche, B. Wille, später die Brüder Hart), die sich seit 1890 im Berliner Vorort Friedrichshagen zusammenfand; bedeutsam vor allem durch ihre gemeinsame Redaktion der Zeitschrift «Freie Bühne» (1891/93).

Friedrich Wilhelm, Fürsten. Brandenburg: 1. Friedrich Wilhelm, 16.2.1620-9.5.1688, Kurfürst von Brandenburg seit 1640; legte den Grundstein für den brandenburgischen-preußischen Militärstaat; erlangte im Frieden von Oliva 1660 die Souveränität über Preußen, dessen Wirtschaft durch die Ansiedlung von etwa 20000 Hugenotten nach 1685 (Potsdamer Edikt) wesentliche Impulse erhielt.

Braunschweig: 2.Friedrich Wilhelm, 9.10.1771-16.6.1815 (gefallen), Herzog von Braunschweig-Lüneburg Oels; versuchte 1809 mit Hilfe eines Freikorps («Schwarze Schar») vergeblich, sein von Napoleon I. zum Königreich Westfalen geschlagenes Herzogtum zurückzuerobern Preußen:

3. Friedrich Wilhelm, 14.8.1688-31.5.1740, König in Preußen seit 1713 (sogenannt Soldatenkönig), schuf den in territorialen Grenzen zentralisierten, adlige Klasseninteressen wahrenden, absolutistisch regierten preußischen Militär- und Beamtenstaat. Die von 38000 auf 76000 Mann anwachsende Armee, in deren Dienst auch weitgehend das Wirtschaftsleben gestellt wurde, bildete sich zum hauptsächlichen Machtfaktor des Staates heraus.

4. Friedrich Wilhelm II., 25.9.1744-16.11.1797, König von Preußen seit 1786; beteiligte sich 1792/95 am erfolglosen Interventionskrieg der Habsburger gegen das revolutionäre Frankreich und setzte den Raub polnischer Gebiete fort (2. und 3. Teilung Polens); innenpolitisch wurde durch ein strenges Religions- und Zensuredikt (1788) die bürgerliche Aufklärung bekämpft.

5. Friedrich Wilhelm III., 3.8.1770-7.6.1840, König von Preußen seit 1797; musste sich, von Napoleon I. besiegt, 1807 dem Tilsiter Frieden unterwerfen; er ließ sich widerwillig zu Reformen und zum Befreiungskrieg drängen. 1815 brach Friedrich Wilhelm sein gegebenes Verfassungsversprechen und betrieb im Bündnis mit Metternich eine spätfeudale Restaurationspolitik.

6. Friedrich Wilhelm, 15.10.1795-2.1.1861, König von Preußen seit 1840 (seit 1858 geisteskrank, Regentschaft seines Bruders Wilhelm); Friedrich Wilhelm musste im März 1848 vor der Revolution kapitulieren; oktroyierte im Dezember 1848 eine Verfassung. 1849 lehnte er die ihm von der Frankfurter Nationalversammlung angebotene deutsche Kaiserkrone ab.

Friemeln: Richten und Runden wellen- oder rohrförmiger Profile auf einer Friemel-Maschine (beziehungsweise -walzwerk), auf der das Werkstück zwischen hyperbolischen, zueinander schräggestellten, gleichsinnig rotierenden Walzen umläuft.

Fries: reliefierter oder gemalter Ornament- oder Figurenstreifen zur Gliederung oder zum Schmuck einer Fläche, besonders in der Architektur.

Friesel, Miliaria (lateinisch) Sudamina: aus geröteten Knötchen oder Bläschen bestehender Hautausschlag, der besonders nach starkem Schwitzen (Hitze-, Schweißfriesel) und Fieber auftritt.

Friesen: westgermanischer Stamm, an der niederländischen-deutschen Nordseeküste und auf den vorgelagerten Inseln ansässig. Ihre Warften oder Terpen (künstlicher Wohnhügel über dem Flutniveau) gehen bis ins 2. Jahrhundert vor Christus zurück. Im Jahre 12 vor Christus von den Römern (Drusus) unterworfen, erlangten die Friesen trotz mehrerer Aufstände ihre Unabhängigkeit erst im 3. Jahrhundert nach Christus wieder. Im 8. Jahrhundert wurden sie nach jahrzehntelangem, von einheimischen Herzögen geführtem erbittertem Widerstand von den Franken unterworfen.

Friesen, Karl Friedrich, 25.9.1784-15. 3.1814 (gefallen), Patriot, Turnlehrer; Mitbegründer der Patriot. Turn- und Sportbewegung; seit Juni 1813 Adjutant Lützows. Neben T. Körner wurde Friesen zum Vorbild der Student. Jugend und zum Symbol des bürgerlichen Patriotismus von 1813.

Friesische Inseln: Inselkette vor der Nordseeküste, Reste einer durch Landsenkung und Sturmfluten zerstörten alten Küste, durch Watten mit dem Festland verbunden; vom IJsselmeer bis zur Emsmündung die Westfries. Inseln (Niederlande) mit Texel, Terschelling, Ameland, Vlieland und Schiermonnikoog, bis zur Wesermündung die Ostfriesischen Inseln mit Borkum, Norderney, Langeoog, Spiekeroog, Juist, Wangerooge unter anderem, vor Jütland die Nordfries. Inseln mit Sylt, Föhr, Nordstrand, Pellworm, Amrum und den Halligen sowie Römö und Fanö (Dänemark); zahlreiche Seebäder, Strandschutzbauten; Seezeichen; Fischerei, Viehzucht.

Frigg, Freia, einzige den Nord- und Südgermanen gemeinsame Göttin, Gemahlin Odins; nach ihr Benennung des Freitags.

Frigidität: Gefühlskalte der Frau, Unvermögen zur vollen geschlechtlichen Hingabe.

Frikandeau: vorderer Abschnitt der Kalbskeule, der gespickt gebraten beziehungsweise geschmort wird.

Frikativlaute, Spiranten, Reibelaute: Laute, bei deren Bildung eine Enge im Mundraum überwunden wird, zum Beispiel f, s, ch.

Friktion: (dat., «Reibung») Übertragung von Kräften (Momenten) durch Reibung infolge Kraftschlusses von einem Rad auf ein anderes (also ohne Verzahnung); zur Erhöhung der Reibung werden Räder mit Friktionswerkstoffen belegt; bei Überlastung gleiten die Berührungsflächen aufeinander (Überlastschutz; Anwendung bei Reibspindelpressen, Reibungskupplungen und -bremsen u. ä.).

Frischen: wichtigster Prozess bei der Stahlherstellung zum Entfernen von Beimengungen aus der Schmelze durch Oxydation. Der erfordert. Sauerstoff wird durch Einblasen von Luft beziehungsweise technischem reinem Sauerstoff (Windfrischen), Zugabe von Eisenoxiden (Elektrostahlverfahren) oder Eisenoxiden und oxydierenden Verbrennungsgasen (Siemens-Martin-Verfahren) eingebracht.

Frischlin, Nikodemus, 22.9.1547-29.11.1590, Philologe, Dramatiker, Dichter, Übersetzer, bedeutsam durch seine sozialkritischen und realistischen Stücke nach biblischen und historischen Stoffen sowie seine neulateinische Lyrik; richtete Angriffe gegen Adel und Geistlichkeit, wurde 1590 verhaftet und fand bei einem Fluchtversuch den Tod.

Frischluftgerät: Saug- oder Druckschlauchgerät (Atemschutzgeräte) mit Zufuhr der Atemluft von einer Frischluftstelle.

Frischpräparat, Nativpräparat: nicht vorbehandeltes (unfixiert, ungefärbt) Präparat von lebendem oder totem biologischen Material zur kurzfristigen mikroskopischen Auswertung.

Frist: Recht durch Gesetz, staatlicher Akt oder Vertrag bestimmte Zeitspanne, deren Ablauf (unter Umständen bei Nichtvornahme bestimmter Handlungen) bestimmte Rechtsfolgen auslöst. Die Frist beginnt, wenn dafür ein Ereignis (zum Beispiel Zugang einer Erklärung) maßgebend ist, am folgenden Tag. Sie endet, wenn ihr letzter Tag ein Sonnabend, Sonntag oder gesetzlicher Feiertag ist, mit Ablauf des folgenden Arbeitstages.

fristlose Entlassung: einseitige Beendigung eines auf Vertrag beruhenden Arbeitsrechtsverhältnisses durch den Betrieb ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist.

Fristversäumnis: Überschreiten einer gesetzlich festgelegten Frist im gerichtlichen Verfahren; führt zum Ausschluss der versäumten Prozesshandlung, insbesondere des Rechtsmittels. Befreiung von den Folgen der Fristversäumnis ist im Allgemeinen nur zulässig, wenn die Fristversäumnis unverschuldet beziehungsweise durch unabwendbare Ereignisse verursacht wurde.

Frisur, Haartracht. Art und Weise, das Kopfhaar zu tragen; in der Kulturgeschichte vielfach durch die soziale Stellung und die religiösen Ansichten bestimmt, seit Jahrhunderten aber vor allem der Mode unterworfen; schon im Altertum konnte es gebleicht oder gefärbt und dünnes oder fehlendes Haar durch Haarteile ergänzt oder durch Perücken ersetzt werden.

Fritfliege, Oscinella frit: schwarze, 2 bis 3 mm große Halmfliege, deren Larven im Frühjahr die Herzsprosse (Gelbherzigkeit), im Sommer die Ähren (Weißährigkeit) von Getreide und Gräsern schädigen.

Fritte: 1. durch Zusammenschmelzen von Flussmitteln mit Sand gewonnener glasartiger Grundstoff für Glasuren und Emails.

2. Vakuumfiltration.

Frittung: Papierherstellung - Schmelzen des auf der Faser kolloid verteilten Harzniederschlags bei 80 bis 105 °C in der Trockenpartie der Papiermaschine; dabei wird die Benetzbarkeit der Faserwand verringert.

Fritüre: Fettbad zum Backen und Braten.

Fritz, Joß, gestorben nach 1524, revolutionärer Bauernführer; Leibeigener aus Untergrombach bei Bruchsal, Organisator der Bundschuhbewegung von 1502, 1513 und 1517. Fritz war die bedeutendste Persönlichkeit der Volksbewegung vor der Reformation.

Fritzsche, Friedrich Wilhelm, 27.3.1825 bis 5.2.1905, Funktionär der deutschen Arbeiterbewegung, Zigarrenmacher, nahm 1848/49 an den revolutionären Kämpfen teil und trat der Arbeiterverbrüderung bei. Als Mitglied des Gewerblichen Bildungsvereins in Leipzig (seit 1861) trat Fritzsche zusammen mit J. Vahlteich für die politische und organisatorische Trennung von der liberalen Bourgeoisie ein; Mitbegründer des Allg. Deutschen Arbeitervereins. 1865 bildete Fritzsche den Allg. Deutschen Zigarrenarbeiterverband, 1869 schloss er sich der Sozialdemokrat/Arbeiterpartei an; 1877/81 war er Abgeordneter des Reichtages; 1881 Emigration nach den USA.

Fröbel: 1. Carl Ferdinand Julius, 16.7.1805 bis 6.11.1893, Politiker und Publizist; war 1848 Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und Präsident des 1. Demokratenkongresses in Frankfurt am Main; wurde zusammen mit R. Blum von einem österreichischen Standgericht zum Tode verurteilt, aber begnadigt.

2. Friedrich Wilhelm August, 21.4.1782 bis 21.6.1852, Pädagoge; Schüler und Anhänger Pestalozzis; erforschte die erziehende und bildende Wirkung des Spiels im Vorschulalter, vertrat eine bewusste Erziehung des Kleinkindes und betonte den muttersprachlichen und naturwissenschaftlichen Unterricht. Fröbel schuf dem kindlichen Betätigungstrieb der verschiedenen Altersstufen angepasste Spiel- und Beschäftigungsmittel und errichtete 1840 in Bad Blankenburg den ersten «Allg. deutschen Kindergarten».

Frobenius: 1. Ferdinand Georg, 26.10.1849 bis 3.8.1917, Mathematiker; wirkte in Berlin und Zürich; veröffentlichte grundlegende Beiträge zur Gruppentheorie, insbesondere über endliche Gruppen und ihre Darstellungen (führte den Begriff des Gruppencharakters ein).

2. Leo, 29.6.1873-9.8.1938, Völkerkundler; 1904/35 12 Reisen zur Erforschung afrikanischer Kulturen; gründete das Forschungsinstitut für Kulturmorphologie und war seit 1934 Direktor des Museums für Völkerkunde zu Frankfurt am Main.

Froberger, Johann Jakob, 1616 (19.5. getauft)-6.5.1667, Komponist, Cembalist und Organist; wirkte vor allem in Wien als Hoforganist; würde auf seinen zahlreichen Konzertreisen auch als Virtuose gefeiert und gilt als der eigentliche Schöpfer der Klaviersuite.

Frobisher, Sir Martin, um 1535 bis 22.11.1594, englischer Seefahrer und Freibeuter; entdeckte auf der Suche nach der Nordwestlichen Durchfahrt 1576 die Südostküste der nordamerikanischen Baffininsel.

Fröding, Gustaf, 22.8.1860-8.2.1911, schwedischer Dichter; schuf neuromantische Gedichte («Gitarre und Ziehharmonika», 1891) mit Naturschilderungen und humorvollen Szenen aus dem Volksleben Värmlands.

Frohwüchsigkeit: erwünschte Wachstumsfreudigkeit der Haustiere infolge hoher Zunahme pro Lebenstag; nicht mit Großwüchsigkeit oder Frühreife gleichzusetzen.

Froissart, Jean, 1337-um 1410, französischer Chronist und Dichter, neben zahlreichen lyrischen Gedichten, Balladen, Rondeaus, dem Versroman «Meliador» (über König Artus) bedeutsam durch seine «Chroniken») (4 Bände, ab 1375, teilweise deutsch), die durch die glanzvoll farbige Darstellung der Geschehnisse in Westeuropa von 1325 bis 1400 als ein wertvolles Zeugnis der feudalen Mentalität des 14. Jahrhundert gelten.

Fröhlich, Carl Wilhelm, Dezember 1759-23.5.1828, utopischer Sozialist; entwarf in seiner Schrift «Über den Menschen und seine Verhältnisse» (1792) ein durch Aufklärung und Erziehung zu erreichendes Gesellschaftsideal ohne Privateigentum. Seine Frau Dorothea Friederica Henrietta (1768-1833) schildert in ihrem utopischen Roman «Virginia oder Die Kolonie von Kentucky» (1820) eine auf Gütergemeinschaft gegründet Republik.

Frombork: Stadt in Polen (Wojewodschaft Elblig), am Wisla-Haff, nordöstlich von Elbing; 2000 Einwohner; Fischereihafen; auf einem Hügel gotische Kathedrale (Grabstätte von N. Kopernikus); Bischofspalast (16. Jahrhundert; Kopernikus-Museum).

Fronde: (französisch, «Schleuder») letzte große Erhebung französischer Feudalherren gegen die Zentralgewalt; bekanntester Führer war der Prinz von Cond6. Bei der Fronde der Parlements (hohe Gerichtshöfe, 1648/49) und bei der Fronde der Prinzen (1649/53) könnte sich der rebellierende Adel außer auf Spanien zeitweilig auf demokratische Bewegungen in Paris und auf Bauernunruhen gegen die Steuerpolitik J. Mazarins stützen. Die Niederwerfung der Fronde führte zu einer weiteren Festigung der absoluten Monarchie.

Frondienst, (althochdeutsch, «Dienst für den Herrn») Fronarbeit: im Feudalismus die zwangsweise Arbeit leibeigener und höriger Bauern (mit eigenen Produktionsinstrumenten) für den Feudalherrn in dessen Eigenwirtschaft (Fronhof) und auf dem unmittelbar vom Fronhof aus bewirtschaftetem herrschaftlichen Eigenland (Salland). Der Frondienst ist eine Form der Arbeitsrente (Grundrente).

Frondizi, Arturo, geboren 28.10.1908, argentinischer Politiker; als Führer der Intransigenten Radikal Bürgerliche Union wurde er 1958 zum ersten zivilen Präsidenten gewählt, gab das antiimperialistische Reformprogramm preis, dem er seinen Wahlsieg verdankte; 1962 gestürzt.

Fronhofverband, Villikation: häufigste Organisationsform der feudalen Grundherrschaften zwischen dem 8. und 12./13. Jahrhundert. Der Fronhofverband umfasste Fronhöfe mit unmittelbar von diesen aus bewirtschaftetem herrschaftlichen Eigenland (Salland) sowie ihnen zugeordneten bäuerlichen Hofgütern mit gegen Leistung von Feudalrente vergebenem Bauernland.

Fronleichnam: (mittelhochdeutsch, «Leib des Herrn») katholischer Feiertag am 2. Donnerstag nach Pfingsten.

Fronstreik: besonders im 17./18. Jahrhundert Form bäuerlichen Widerstandes gegen feudale Ausbeutung; durch schlechte Ausführung oder Verweigerung der Frondienste setzten sich gutsuntertänige Bauern einzeln oder als ganze Gemeinde zur Wehr; die Gutsherren gingen dagegen mit Zwangsmaßnahmen vor.

Front: 1. allgemein Vorder-, Stirnseite.

2. Meteorologie: Grenzbereich zwischen Luftmassen verschiedener Herkunft und Eigenschaften; meist Raum wetterwirksamer atmosphärischer Prozesse. Nach der Aufeinanderfolge wärmerer und kälterer Luftmassen bilden sich Warmfronten oder Kaltfronten und Okklusionen.

3. Militärwesen: a) vordere Seite der Gefechts- beziehungsweise Antreteordnung von Truppen;

b) vordere Zone der Kampfhandlungen auf einem Kriegsschauplatz im Unterschied zum Hinterland (Etappe);

c) in den Streitkräften sozialistischer Staaten Vereinigung mehrerer Armeen auf einem Kriegsschauplatz unter einem Oberbefehlshaber, in nichtsozialistischen Streitkräften als Armee- oder Heeresgruppe bezeichnet.

Frontalbetrieb: methodisch-organisatorische Verfahren des Übungsablaufs im Sportunterricht und Training, bei dem alle Teilnehmer gleichzeitig mit der gleichen Übungsaufgabe beschäftigt sind.

Frontalebene: beim Menschen parallel zur Stirn verlaufende Ebene; zerlegt den Körper in einen vorderen und einen hinteren Teil und dient der Orientierung, zum Beispiel zur Lagebestimmung von Körperteilen oder Organen.

Frontalität: eines der wichtigsten Gestaltungsprinzipien urgesellschaftliche Kunst, bei dem der menschlichen Körper weitgehend unabhängig von seiner Haltung oder Bewegung frontal, das heißt in genauer Vorderansicht dargestellt ist. Die Erkenntnis dieses Prinzips trug wesentlich zum Verständnis außereuropäische Kunst und zu deren kunsthistorischen Untersuchung bei.

Frontfixierung, Flächenfixierung: in der Konfektionsindustrie Verkleben von Einlage- und Oberstoff zu formbeständigen Kleidungsteilen.

Frontinus, Sextus Iulius, um 30-um 103 nach Christus, römischer Beamter und Schriftsteller; verfasste in seinem Amt als Verantwortlicher für die Wasserversorgung Roms «Commentarius de aquis urbis Romae» (Die Wasserleitungen der Stadt Rom) mit ausgezeichneten technischen Informationen, außerdem «Strategemata» (Kriegführung, Kriegslisten).

Frontispiz: 1. Architektur: Giebeldreieck über dem Mittelrisalit eines Gebäudes, auch über Fenstern und Türen.

2. Buchwesen: ursprünglich die durch Druckerzeichen, Vignetten u. ä. verzierte Titelseite des Buches; mit dem Aufkommen des Kupferstichs dem Titelblatt gegenübergestellter Ziertitel mit Abbildungen, Autorenbildnis und so weiter (Titelkupfer).

Frontlenker: LKW oder KOM, bei dem Motor und Fahrerhaus über, die Lenkung vor der Vorderachse liegen.

Frontstaaten: Bezeichnung der afrikanischen Staaten Angola, Botswana, Mozambique, Tansania, Sambia und Simbabwe, die an die Republik Südafrika und an das vom südafrikanischen Rassistenregime okkupierte Namibia grenzen beziehungsweise in unmittelbarer geographische Nähe liegen und die den patriotischen Kräften des südlichen Afrikas in ihrem Kampf gegen Rassismus und für nationale Unabhängigkeit moralische und materielle Unterstützung geben. Die Regierungsvertreter der Frontstaaten führen regelmäßig Beratungen durch, auf denen aktuelle Fragen des nationalen Befreiungskampfes in der Region erörtert werden.

Froschbiss, Hydrocharis: Gattung der Froschbissgewächse; einkeimblättrige Schwimmpflanze stehender Gewässer; heimisch der europäischen Froschbiss (H. morsus-ranae).

Frösche, Echte Frösche, Ranidae: Familie der Froschlurche, deren Vertreter meistens Oberkieferzähne und gut sichtbare Trommelfelle besitzen; bewohnen sumpfige und seenreiche Gebiete aller Erdteile; hierzu Teich-, Moor-, Grasfrosch unter anderem.

Froschfische, Batrachoididae: bis 40 cm lange, stark abgeflachte Grundfische wärmerer Meere mit großem Kopf; Rückenflosse oft mit Giftstacheln.

Froschkopf, Krötenkopf, Anencephalus: lebensunfähige menschliche Missbildung mit verkümmertem Schädel und fehlendem Gehirn.

Froschlaichalgen, Batrachospermum moniliforme: bis 20 cm hohe Rotalgen mit gallertig-schlüpfrigem, stielrundem, oft gabelig verzweigtem Tballus; kommen im Süßwasser, zum Beispiel in schnellfließenden Bächen und Flüssen, in Quellen, an schattigen Stellen im Uferbereich der Seen, vor. Siehe auch Rotalgen.

Froschlöffel, Alisma: Gattung einkeimblättriger Wasser- und Sumpfpflanzen der Familie Froschlöffelgewächse mit grundständigen, breiteiförmigen Blättern und weißen Blüten und reich verzweigten Blütenständen; heimisch ist der Gemeine Froschlöffel (A. plantago-aquatica).

Froschlurche, Salienta, Anura: etwa 2600 Arten umfassende Ordnung der Lurche mit verkürzter Wirbelsäule und verlängerten Hinterbeinen, 4 Fingern und meist 5 Zehen; Schwanz fehlt. Die Eier werden einzeln, als Laichklumpen oder -schnüre im Wasser abgesetzt und vom Männchen äußerlich besamt. Froschlurche entwickeln sich vorwiegend über ein kiementragendes, anfangs beinloses, geschwänztes, wasserbewohnendes Larvenstadium (Kaulquappe), das pflanzliche Nahrung aufnimmt. Erwachsene Froschlurche fressen Insekten, Spinnen, Schnecken und Würmer. Zu den Froschlurchen gehören Frösche, Kröten, Unken unter anderem

Froschtest, Krötentest: Schwangerschaftsnachweis durch Injektion von Harn einer fraglich Schwangeren unter die Rückenhaut eines männlichen Frosches oder Kröte; das Tier sondert bei positivem Ausfall nach 2 bis 4 Stunden Samenzellen ab.

Frost: Absinken der Lufttemperatur unter 0°C; durch nächtliche Ausstrahlung des Bodens entsteht Boden- oder Nachtfrost (auch Strahlungsfrost)-, bei Advektion von Kaltluft tritt Advektivfrost (im Herbst Frühfrost, im Frühjahr Spätfrost,) auf; bei Temperaturen bis -5 °C leichter Frost, bis -10 °C mäßiger Frost und unter -10 °C strenger Frost.

Frost, Robert Lee, 26.3.1874-19.1.1963, US-amerikanischer Dichter; beschäftigte sich in seiner sprachlich einfachen, ausdrucksstarken, volkstümliche Dichtung mit dem Leben neuenglischer Farmer.

Frostballen: auf Kälte reagierender durch Schuhdruck erzeugter Reizzustand am Großzehen- oder Kleinzehenballen; überwiegend Folge eines Spreizfußes.

Frostbeulen, Perniones: rundliche, gerötete, bei Erwärmung juckende und brennende Hautanschwellungen als Auswirkung eines Kälteschadens bei Durchblutungsstörungen. Frostbeulen treten besonders an Füßen und Händen auf; sie verschwinden in der warmen Jahreszeit. Bereits geringgradige, aber langdauernde Kälteeinwirkung begünstigt ihre Entstehung.

Frostboden: Boden, der dauernd (perennierend, Dauerfrostboden), jahreszeitlich langanhaltend (besonders in den mittleren Breiten) oder für kurze Zeit (tageszeitlich) gefroren ist. Durch das Gefrieren des im Boden enthaltenen Wassers kommt es infolge Volumenvergrößerung zu Druckkräften, die besonders bei häufigem Frostwechsel zu mehr oder weniger wirksamen Texturveränderungen des Lockermaterials führen. Die im Frostboden ablaufenden physikalischen Prozesse sowie -die dabei entstehenden Strukturen nennt man kryogen.

Frostkeimer: Pflanzenarten, deren Samen erst nach der Einwirkung niedriger Temperaturen keimfähig werden, zu ihnen zählen viele Waldbäume, Wildpflanzen und Unkräuter.

Frostwiderstandsfähigkeit: bei Pflanzen die Fähigkeit, Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ohne irreversible Frostschäden zu überstehen.

Frostriß: Längsriß, der durch sehr niedrige Temperaturen während des Winters im Stamm fast aller Baumarten entstehen kann; besonders betroffen werden harte Laubhölzer, zum Beispiel Eichen. Wiederholtes Verwachsen (Überwallen) und Aufreißen der Frostriß führt zur Ausbildung von Frostleisten.

Frostschäden: 1. Bautechnik: durch Kälteeinwirkung auf frostempfindlichen Baugrund (bindiges Lockergestein) verursachte Bauwerksschäden. Frosthebungen und Frostausbrüche treten vor allem an Verkehrswegen infolge der Bildung von Eislinsen auf, wobei die Grenzflächenspannungen der Eiskristalle Wasser aus dem Untergrund anziehen und die Eislinsen dabei vergrößern. Die Frostaufbrüche der Straßendecke werden vor allem dann ausgelöst, wenn die Straßen während der Zeit häufigen Frostwechsels bei überfeuchteter Packlage befahren werden. Eine Erweichung des Untergrundes erfolgt besonders in der Tauperiode. Frostschäden an Baukonstruktionen werden durch Einhaltung vorgegebener Mindestgründungstiefen, an Straßen durch Einbau von Frostschutzschichten, verhindert.

2. Landwirtschaft: durch Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes bewirkte, meist irreversible Schäden an Pflanzen.

Frostschub: allgemeine oberflächenparallel seitwärts gerichtete Bewegung von Lockermaterial unter dem Einfluss der Volumenvergrößerung gefrierenden Wassers; Teilprozess der Solifluktion und Kryoturbation.

Frostschutz: Maßnahmen zur Verhütung von Pflanzenschäden (besonders bei Gemüse und Obst) durch Spät- oder Frühfröste. Vorbeugender Frostschutz durch Auswahl geeigneter Anbaustandorte, Pflanzenarten und Sorten. Direkter Frostschutz strebt durch Räuchern, Nebeln oder Bedecken der Pflanzen die Wärmeausstrahlung des Bodens zu mindern oder durch Frostschutzberegnung die Erstarrungswärme des Wassers zu nutzen.

Frostschutzmittel: unkorrekte Bezeichnung für Gefrierschutzmittel.

Frostspanner: im Winter fliegende Spannerarten der Gattungen Operophthera und Erannis; Weibchen infolge Rückbildung der Flügel flugunfähig; Raupen an Laubbäumen schädlich. Die zur Eiablage an Obstbäumen emporlaufenden Weibchen werden mit Leimringen zurückgehalten. Siehe auch Spanner.

Frostverwitterung: Gesteinssprengung durch in Rissen und Spalten gefrierendes Wasser (Spaltenfrost); besonders wirksam bei häufigem Frostwechsel. Durch die Frostverwitterung werden Kornfraktionen bis zum Staub (>0,02 mm Durchmesser), zum Teil auch bis zum Ton gebildet.

Frottee, Frotté: Gewebe mit Kräuselzwirn in Leinwand-, Krepp- oder anderer Bindung mit rauer gekräuselter Oberfläche; für Kleider.

Frottiergewebe, Schubnoppenpolgewebe: Sammelbezeichnung für Gewebe mit auf beiden Seiten durch Polfäden gebildeten Fadenschlingen, mit gutem Frottier- und Saugvermögen; für Bade- und Handtücher, Badekleidung.

Froude, William, 28.11.1810-4.5.1879, britischer Schiffbauer; schuf um 1870 durch systematische Modellschleppversuche die Grundlagen für die Widerstandsberechnung von Schiffen.

Frucht: 1. Botanik: aus dem Fruchtknoten einer Blüte während der Samenentwicklung entstehendes Organ, das den oder die Samen enthält. Die mehrsamige Streufrucht öffnet sich bei der Reife, und die Samen fallen aus, zum Beispiel bei Balgfrucht, Hülse, Kapsel und Schote. Bei der Schließfrucht wird der einzige darin enthaltene Samen mit der Frucht verbreitet, zum Beispiel bei Nuss, Achäne, Karyopse und Steinfrucht. Die mehrsamige Spaltfrucht zerfällt bei der Reife in einsamige Teilfrüchte (Ahorn). Die Beere ist eine mehrsamige Schließfrucht, die die Samen freigibt, wenn das Fruchtfleisch zugrunde geht. Bei der Sammelfrucht treten mehrere Fruchtknoten einer Blüte unter Beteiligung der Blütenachse zu einem einheitlichen Fruchtgebilde zusammen (Erd- und Himbeere). Ein Fruchtstand entsteht aus einem Blütenstand, dessen Früchte eng miteinander verbunden sind.

2. Ontogenese: soviel wie Leibesfrucht.

Fruchtast: an einem Obstgehölz aus einem Langtrieb hervorgegangenes Teilverzweigungssystem mit Blüten und Früchten, das periodisch durch Schnitt verjüngt wird. Siehe auch Fruchtbogen, Gerüstast.

Fruchtbarer Halbmond: Gebiete, die halbkreisförmig westlich, nördlich und nordöstlich um die syrische Wüste liegen. Hier vollzog sich erstmals in der Geschichte der Menschheit der Übergang vom Sammler und Jäger zum Ackerbauern und Viehzüchter (neolithische oder agrarische Revolution).

Fruchtbarkeit, Fertilität: Biologie a) die Fähigkeit eines Lebewesens, Nachkommen zu zeugen;

b) Maßstab für die Leistungen eines Organismus bei seiner Fortpflanzung. Bei ungünstigen Entwicklungsaussichten ist die Zahl der Nachkommen sehr hoch, Tiere mit Brutpflege haben in der Regel weniger Junge.

Fruchtbarkeitskulte: Art der Magie; illusionärer Versuch, durch Kulthandlungen die Fruchtbarkeit des Bodens, des Viehs oder des Menschen hervorzurufen oder zu steigern; Urform oder Aspekt vieler Religionen.

Fruchtbarkeitsziffer: statistische Kennziffer, die allgemeine Fruchtbarkeitsziffer ist die Zahl der Geborenen auf 1000 Frauen zwischen 15 und. 45 Jahren und Jahr, die altersspezifische Fruchtbarkeitsziffer die Zahl der Geborenen eines Altersjahrgangs auf Gesamtfrauenzahl zu Beginn dieses Altersjahrgangs.

Fruchtbecher, Cupula: verholzendes Achsengebilde mit Schuppen oder Stacheln, das die Früchte der Buchengewächse ganz oder teilweise umhüllt, zum Beispiel Buchecker, Eichel.

Fruchtblase: Fruchtwasser und Frucht umgebende Eihäute.

Fruchtbogen: natürliches oder durch Schnitt und Binden erzieltes bogiges Überhängen von Obstbaumtrieben und ganzen Ästen; hemmt das Triebwachstum und fördert den Blütenknospenansatz besonders bei Apfel und Birne; siehe auch Fruchtast.

Fruchtbringende Gesellschaft, Palmenorden: erste und wichtigste Gesellschaft zur Reinigung und Pflege der deutschen Sprache; 1617 in Weimar gegründet; Mitglieder waren unter anderem M. Opitz, J. M. Moscherosch, A. Gryphius, von Logau, G. P. Harsdörffer; bestand bis 1680.

Fruchtfolge, Rotation: auf hohe und stabile Erträge gerichtete Aufeinanderfolge von Kulturpflanzen (Wechsel von Blatt- und Halmfrüchten, Fruchtwechsel) auf den einzelnen Schlägen des Ackerlandes unter Berücksichtigung der Erhaltung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit. Die Grundlage einer geregelten Fruchtfolge bilden ein festes Ackerflächenverhältnis, die zweckmäßige Einteilung des Ackerlandes in möglichst gleich große Schläge und die Führung einer Schlagkartei als wichtiges Planungshilfsmittel. Die Fruchtfolgegestaltung ist in hohem Maße von dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse abhängig. Für die industriemäßige Pflanzenproduktion mit einem hohen Anbaukonzentrationsgrad gilt es, die Fruchtfolge so zu gestalten, dass alle übrigen acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen (Bodenbearbeitung, Düngung, boden- und phytosanitäre Maßnahmen) in guter Qualität durchgeführt werden können.

Fruchtfolgekrankheiten: bei Nichteinhaltung einer geregelten Fruchtfolge auftretende Krankheiten, die durch die an Zahl stark zunehmenden bakteriellen oder pilzlichen Schaderreger hervorgerufen werden und bedeutende Ertragsausfälle zur Folge haben können, zum Beispiel Hafer-, Kartoffel- oder Rübenmüdigkeit und Fußkrankheiten des Getreides.

Fruchtgürtel: straff um Stamm oder Äste von Obstbäumen gelegte Drahtschlinge, durch die der Rückfluss der in den Blättern gebildeten Stoffe (Assimilate) verhindert und der Blütenknospenansatz angeregt werden soll.

Fruchtholz: Kurztrieb an Obstgehölzen mit wenigstens einer Blütenknospe. Bei Kernobst kann das Fruchtholz ein bis zu 30 cm langer Trieb mit endständiger Blütenknospe (Fruchtrute), ein 5 bis 15 cm langer Trieb mit dichtstehenden Knospen (Fruchtspieß) oder ein bis 5 cm langer Trieb (Fruchtspross) sein. Ein mehrjähriger, stark gestauchter Kurztrieb mit endständiger Blütenknospe ist ein Ringelspieß. Älteres verzweigtes Fruchtholz, das mit Frucht- und Ringelspießen besetzt ist, wird Quirlholz genannt. Bei Süßkirsche und Pflaume stehen die Blütenknospen rosettenartig gehäuft an Kurztrieben (Bukettspross), bei Sauerkirsche und Pfirsich außerdem locker verteilt an Langtrieben; bei Beerenobst entwickeln sich Blütenknospen überwiegend an 1- bis 3jährigen Trieben.

Fruchtholzschnitt: Schnittbehandlung bei Obstgehölzen, um bei Kernobst die Blütenknospenbildung anzuregen und bei Stein- und Beerenobst größere Einzelfrüchte zu erhalten. Siehe auch Schnitt.

Fruchtknospe: soviel wie Blütenknospe (Blütenknospenbildung).

Fruchtwasser: Flüssigkeit des Eisackes, in der die Frucht freibeweglich liegt und die sie vor Stoß und eventuell Verletzung schützt. Die Farbe ist grauweißlich klar, später durch Abschilferung der fetalen Haut etwas getrübt. Die Fruchtwassermenge beträgt am Ende der Schwangerschaft 200 bis 1000 ml.

Fruchtwechselwirtschaft: Ackerbausystem, bei dem Halmfrüchte (Getreide) und Blattfrüchte (Kartoffeln, Zuckerrüben, Futterpflanzen) abwechselnd angebaut werden.

Fructus: Früchte, Fruchtdroge; zum Beispiel Fructus Foeniculi Fenchel(früchte).

Frueauf: 1. Rueland der Ältere, um 1445-1507, Maler der Spätgotik, tätig in Passau und Salzburg; bevorzugte leuchtende, kontrastierende Farben und einen klaren Bildaufbau. Seine Hauptwerke sind 4 Passionstafeln von 1490/91 (Wien, Kunsthistorisches Museum).

2. Rueland der Jüngere, 1465/70-nach 1545, Maler; vermutlich Sohn von Frueauf 1; entwickelte poetische Elemente von Frueauf 1 weiter und gelangte zu Stimmungslandschaften, in denen Natur, Handlung und Figur miteinander verschmelzen, wurde so ein Vorläufer der Donauschule.

frugal: mäßig; einfach (in Bezug auf Speisen).

Frühausfälle: nach Inbetriebnahme einer Gruppe gleicher Bauelemente oder Geräte auftretende (Anfangs-)Ausfälle, deren Ausfallrate mit der Zeit abnimmt. Frühausfälle können durch Dauerbetrieb der Geräte und so weiter beim Hersteller zum Teil erfasst und beseitigt werden. Siehe auch Zuverlässigkeit.

Frühbeet: von niedrigen Seitenwänden umgebenes, mit einseitig geneigten (einfaches Frühbeet) oder vom First aus zweiseitig geneigten (Doppelkasten) Frühbeetfenstern abdeckbares Beet, das fest aufgestellt oder beweglich (Wanderkasten) ist. Dient im Kleingarten dem Anbau von Gemüse (besonders im Frühjahr) und Zierpflanzen sowie der Jungpflanzenzucht. Im Mistbeet (eine Form des Frühbeets) erfolgt Bodenerwärmung durch Zersetzung organischer Stoffe.

frühbürgerliche Revolution: bürgerliche Revolution am Beginn des Überganges vom Feudalismus zum Kapitalismus unter noch unausgereiften kapitalistischen Produktions- und Klassenverhältnissen, die die inneren Widersprüche des Feudalismus überlagerten und zuspitzten. Die deutsche frühbürgerliche Revolution begann mit der Reformation 1517 und erreichte im deutschen Bauernkrieg 1524/26 ihren Höhepunkt und ihr Ende. Sie eröffnete den Zyklus bürgerlicher Revolutionen in Europa.

frühchristliche Kunst, altchristliche Kunst: die Kunst der Christen bis etwa zum 7. Jahrhundert (christliche Antike). entsprechend der damaligen Ausbreitung des Christentums finden sich Zeugnisse im gesamten Mittelmeerraum sowie in Irland und Irak. Hauptgebiete sind Italien und Kleinasien. Die frühchristliche Kunst übernahm mit der Formensprache der spätantiken Kunst auch zahlreiche ihrer Motive (zum Beispiel «Guter Hirte»). Erst mit der Festigung der christlichen Ideologie und der staatlichen Anerkennung des Christentums zu Anfang des 4. Jahrhundert entwickelt die frühchristliche Kunst eigene Formen. Hauptzeugnisse in der Baukunst sind die Basilika und der Zentralbau, in der Bildkunst die Sarkophag-Plastik, das Elfenbeinrelief, die Katakombenmalerei, das Mosaik und die Buchillustration.

frühchristliche Kunst: Miniaturmalerei aus dem Itala-Bibelfragment von Quedlinburg; 4. Jahrhundert.

Frühdiagnose: frühzeitiges Erkennen einer Krankheit mit Hilfe moderner Untersuchungstechnik und Reihenuntersuchungen. Die Frühdiagnose von Geschwulstleiden, zum Beispiel Gebärmutter- und Brustdrüsenkrebs, und angeborenen oder erworbenen Stoffwechselerkrankungen, zum Beispiel Phenylketonurie, ist besonders wichtig.

Frühdruck: Druckschrift aus der ältesten Zeit des Buchdrucks, entweder Wiegendruck (bis 1500) oder Drucke bis 1530 beziehungsweise 1550 einschließend.

Frühgeburt, Frühgeborenes: nicht ausgereiftes lebendes Kind von weniger als 2500 g Geburtsgewicht. Frühgeburten sind funktionell unreif, sie sind gefährdet durch Trinkschwäche, Atemstörungen, Unterkühlung, Gelbsucht und Infektionen. Eine Frühgeburt kann in einem Inkubator aufgezogen werden.

Frühgeschichte: von der Urgesellschaft zur Klassengesellschaft überleitender Geschichtsabschnitt, in dem teilweise schon schriftlichen Quellen Vorkommen.

Frühholz: im Frühjahr bei Obstgehölzen gebildeter Holzzuwachs mit größeren Zellen im Vergleich zum Herbst.

Frühinfiltrat: häufig Ersterscheinung der Tuberkulose bei Erwachsenen; zeigt sich im Röntgenbild als rundlicher Schatten unterhalb des Schlüsselbeines. Tuberkulöse Herde des Frühinfiltrats liegen meist im Spitzenbereich der Lunge.

Frühjahr: erstes Jahresquartal, in dem Acker und Garten bestellt werden.

Frühjahrsbestellung: Arbeitsperiode der Bestellung der Sommerfrüchte (Saatbettbereitung, Aussaat und Düngung); erfordert ein besonders hohes Fachwissen der Praktiker, um mit möglichst wenig Bearbeitungsgängen den Pflanzen optimale Wachstumsbedingungen zu gewährleisten und die Winterfeuchtigkeit maximal zu nutzen.

Frühjahrsfurche: Pflügen des Ackerbodens im Frühjahr; wird grundsätzlich nur dann durchgeführt, wenn die Herbstfurche nicht möglich war oder Zwischenfrüchte letztere nicht erlaubten.

Frühjahrsmüdigkeit: mit dem Saisonwechsel vom Winter zum Frühjahr und den damit zusammenhängenden vielfältigen klimatischen Faktoren verbundenes Nachlassen der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit bei vielen Menschen. Die eigentlich Ursachen sind unklar (Vitamin-C-Mangel fraglich).

Frühling, dichterisch Lenz (althochdeutsch, «lang», eigentlich «Zeit der länger werdenden Tage»): Jahreszeit von der Tagundnachtgleiche (21. 3.) bis zur Sommersonnenwende. Der meteorologische Frühling reicht in Mitteleuropa vom 1. März bis 31. Mai. Nach den Phasen der Phänologie unterscheidet man VOT-Frühling (Beginn mit der Schneeglöckchenblüte) und Vollfrühling (von der Apfel- oder Fliederblüte bis zur Holunderblüte).

Frühreife: 1. beschleunigtes Wachstum und vorzeitige Entwicklung und Reifung der Geschlechtsmerkmale (zum Teil nur der sekundären Geschlechtsmerkmale) bei Mensch und Tier. Frühreife Tiere oder Rassen erreichen zeitiger die Geschlechtsreife und sind eher leistungsfähig als Spätreife, jedoch meist weniger langlebig. Siehe auch Spätreife.

2. frühzeitige Erntefähigkeit bei Kulturpflanzen; durch Anbaumaßnahmen und Züchtung erreichbar.

Frühzündung: gegenüber dem optimalen Zündzeitpunkt bei Verbrennungsmotoren (entgegen der Drehrichtung betrachtet) zu früh einsetzende Fremd- oder Eigenzündung des Kraftstoff-Luft-Gemisches im Brennraum des Zylinders.

Fruktose, Fructose, Fruchtzucker: ein weißer, kristallisierter, leicht wasserlösliche, sehr süß schmeckender Zucker, F102 bis 104 °C. Fruktose ist eine optisch aktive Ketohexose (Monosacharide) der Formel C6Hu06\ die in Lösung mit einer zyklischen Form im Gleichgewicht befindliche Kettenform hat die Struktur CH2OH-CO-(CH(OH))3-CH2OH. Die linksdrehende D-Form (Lävulose) findet sich frei in vielen Früchten sowie im Honig, chemisch gebunden zum Beispiel in Saccharose und im Inulin.

Frundsberg, Georg von, 24.9.1473-20.8.1528, Landsknecht Führer; kämpfte im Solde der Habsburger; gewann mit seinem Heer die Schlacht bei Pavia 1525 (Gefangennahme Franz I. von Frankreich) und beteiligte sich an der Niederwerfung des deutschen Bauernkrieges.

Frunse, Michail Wassiljewitsch, 2.2.1885 bis 31.10.1925, sowjetischer Arbeiterführer und Militär, Bolschewik seit 1904; war an der Leitung des großen Streiks in Iwanowo-Wosnessensk 1905 beteiligt; 1909/10 zweimal zum Tode verurteilt, Zwangsarbeit. Frunse nahm aktiv an der Oktoberrevolution in Moskau teil, im Bürgerkrieg befehligte er als einer der bedeutendsten Heerführer mehrere Fronten im Kampf gegen Koltschak und Wrangel. Seit 1924 war Frunse Kandidat des Politbüros des ZK der KPR(B). Als Volkskommissar für Kriegs- und Marinefragen leitete er 1924/25 eine Reorganisation der Roten Armee ein.

Frustration: Wunschverdrängung; das Erleben wirklicher oder vermeintlicher Benachteiligung, der Verhinderung einer Bedürfnisbefriedigung, der Enttäuschung einer Erwartung.

Frutolf von Michelsberg, gestorben 17.1.1103, Prior des Klosters Michelsberg bei Bamberg; verfasste eine Weltchronik, worin er die Ereignisse 1057/1101 aus eigenem Erleben schildert und Partei für Heinrich IV. nimmt.

Fry, Christopher, geboren 18.12.1907, englischer Dramatiker; schrieb in Anlehnung an T. S. Eliot und J. Anouilh biblische Versdramen («Der Hirt mit dem Karren», 1938, deutsch; «Der Erstgeborene», 1946, deutsch; «Ein Schlaf Gefangener», 1951, deutsch) und teils heitere («Ein Phoenix zuviel», 1946, deutsch; «Die Dame ist nicht fürs Feuer», 1948, deutsch), teils symbolgeladene Verskomödien («Venus im Licht», 1950, deutsch; «Das Dunkel ist Licht genug», 1954, deutsch; «Ein Hof voll Sonne», 1970, deutsch); schrieb auch Drehbücher, unter anderem zu dem Film «Die Bibel» (1963).

Fuchs: 1. soviel wie Füchschen (Sternbild).

2. Tagfalter mit rötlichen, buntgefleckten Flügeln; der Kleine Fuchs (Aglais urticae) ist als Zivilisationsfolger häufig, seine Raupe frisst an Brennesseln; der Große Fuchs (Nymphalis polychloros) ist seltener, seine Raupe lebt an Laubbäumen.

3. seit Beginn des 17. Jahrhundert in Westfalen geschlagene Kupfermünze; im Volksmund Bezeichnung für die früheren goldenen 10- und 20-Markstücke.

4. vom Dampferzeuger oder Industrieofen zum Schornstein führender Kanal für Abgase.

5. Füchse.

6. rotbraunes Pferd; Mähne und Schweif sind ebenfalls rotbraun. Siehe auch Brauner.

Füchse: Gruppe der Hunde. Der Rotfüchse (Vulpes vulpes) ist standorttreuer Einzelgänger und bewohnt Eurasien, Nordafrika und -amerika; er gräbt vielröhrige, weitverzweigte Erdbauer; die Jungtiere werden von beiden Eltern gemeinsam aufgezogen. Der Rotfüchse ist in vielen Rassen weitverbreitet. Die Farbvariationen reichen von gelb über rot und braun bis schwarz. In der Rauchwarenwirtschaft unterscheidet man nach der Qualität der Felle unedle Füchse wie die dunklen Brand- und Schwarzfüchse sowie Edelfüchse wie Silberfuchs, Platin- und Kreuzfüchse. Siehe auch Eisfuchs.

Füchsel, Georg Christian, 14.2.1722-20.6.1773, Arzt und Geologe; veröffentlichte 1761 die erste geologische Karte (von Thüringen) in Deutschland und definierte eine Reihe grundlegender geologischer Begriffe; gilt als Mitbegründer der Erdgeschichtsforschung.

Fuchsie, (nach einem Arzt und Botaniker) Fuchsia: größtenteils aus Südamerika stammende Gattung strauchiger Nachtkerzengewächse mit kräftig, meist rot gefärbten Blüten, die von Kolibris bestäubt werden; viele Zimmer- und Balkonpflanzen.

Fuchsin, (zu «Fuchsie») Rosanilin: basisches Triphenylmethanfarbstoff, dessen metallisch grün glänzende Kristalle sich mit roter Farbe in Wasser lösen; zum Färben von Papier unter anderem verwendet.

Fuchsschwanz: 1. Fuchsschwanz, Alopecurus: Gattung hoher Gräser mit zylindrische Ährenrispe. Der Wiesenfuchsschwanz (A. pratensis) ist ein wertvolles Futtergras feuchter, nährstoffreicher Wiesen.

2. Fuchsschwanz, Amarant, Amaranthus: Gattung der Amarant Gewächse mit meist unscheinbaren, in dichten Knäueln stehenden Blüten. Viele Neophyten, so auch der aus Nordamerika stammende Zurückgebogene Fuchsschwanz (A. retroflexus), der bevorzugt auf Hackfruchtäckern vorkommt.

Fuchsschwanzsäge: Holztechnik - eingriffige Handsäge mit ungespanntem, steifem Sägeblatt (evtl. ohne Rückenversteifung). Die Fuchsschwanzsägemaschine ist eine über Kurbelgetriebe angetriebene Fuchsschwanzsäge.

Fuchtel: (zu «fechten») Degen mit breiter Klinge; Sinnbild strenger Zucht.

Fucik, Julius, 23.2.1903-8.9.1943 (von der Gestapo ermordet), tschechischer Kulturpolitiker und Schriftsteller; Reportagen über die UdSSR förderten ebenso wie Literaturkritiken («Literarische Kritiken, Polemiken und Studien», 1951, deutsch) die Entwicklung des sozialistischen Realismus. Weltberühmt wurde seine «Reportage unter dem Strang geschrieben» (1945, deutsch), ein «Denkmal zum Ruhme des Lebens, geschrieben an der Schwelle des Todes» (P. Neruda). 12 Bände seiner Werke wurden postum von G. Fucikovä herausgegeben; sie enthalten unter anderem politische Studien, Schriftstellerporträts, «Reportagen aus der bourgeoisen Republik», Briefe.

Fuder: 1. Landwirtschaft: Wagenladung, Fuhre (meist bei sperrigen landwirtschaftlichen Erntegütern.

2. Metrologie: a) alte deutsche Volumeneinheit für Wein (etwa 8,6 bis 18,4 hl);

b) alte Masseeinheit für Erz und Kohle (Bergfuder, zwischen 1500 und 3000 kg).

Fuentes, Carlos, geboren 11.1.1928, mexikanischer Romancier; kritisierte die gesellschaftlichen Verhältnisse im modernen Mexiko als Verrat an den Idealen der mexikanischen Revolution («Landschaft im klaren Licht», 1958; «Der Tod des Artemio Cruz», 1962; beide deutsch). Später (zum Beispiel «Hautwechsel»), 1967, deutsch) wandte er sich einer metaphysischen Fragestellung nach dem Sinn des menschlichen Lebens zu.

Fueros: Privilegien der Provinzen, Städte und Gemeinden im mittelalterlichen Spanien. Die Fueros wurden seit dem 10. Jahrhundert vom König unter anderem Feudalherren gewährt und garantierten den Inhabern (meist in den von den Mauren zurückeroberten Gebieten) eine bisweilen recht umfangreiche Autonomie. Die Verteidigung lokaler Fueros gegen die Zentralisierungsbestrebungen der Krone führte oftmals zu Separatist Erhebungen. Die letzten Fueros (Baskenland) wurden 1876 aufgehoben.

Fugard, Athol, geboren 11.6.1932, südafrikanischer Dramatiker, Regisseur und Schauspieler; kämpft mit seinen Stücken (zum Teil in Zusammenarbeit mit J. Kani und W. Ntshona) und seiner Gruppentheaterarbeit gegen die Apartheid. Internationale Erfolge errang er mit der Theatergruppe «Serpent Players» von Port Elisabeth. Seine Stücke (unter anderem «Mit Haut und Haar», 1964; «Buschmann und Lena», 1966; «Sizwe Bansi ist tot», 1972; «Die Insel», 1973; alle deutsch) wurden weltweit bekannt.

fugato: fugiert, im Stil der Fuge.

Fugato: fugenartiger Abschnitt, zum Beispiel in Sonate, Sinfonie oder Konzert.

Fuge: 1. Fuge (zu «fügen»): Bautechnik - Lücke zwischen 2 angrenzenden Bauteilen. Die Arbeitsfuge beim Unterbrechen des Betonierens darf nur an wenig beanspruchten Stellen entstehen. Zum Verhüten von Bauschäden infolge von Längenänderungen der Werkstoffe bei Temperaturwechsel, beim Quellen und Schwinden der Baustoffe beziehungsweise zur Verhinderung von Spannungsüberlagerung bei Setzungen werden in vorgeschriebenen Abständen Raum- oder Bewegungsfuge angeordnet (Dehnungsfuge für horizontale, Setzungsfuge für vertikale Veränderungen oder Gleitfuge). Beim Mauerwerk unterscheidet man die waagerechte Lagerfuge, die senkrechte Stoßfuge und die senkrechte völlig durchgehende Schnittfuge. Bei montierten Wandkonstruktionen unterscheidet man offene und geschlossene Fuge sowie einstufige und mehrstufige Fuge. Fuge unterstützen häufig die architektonische Gliederung von Fassaden, zum Beispiel funktionslose, nur angedeutete Scheinfuge.

2. Fuge (italienisch - lateinisch fuga, «Flucht»): Musik - komplizierteste Form der kontrapunktische Musik imitierenden Stils, aus Vorformen (Ricercar, Kanon) um 1580 entwickelt. Ein kurzes prägnantes Thema tritt in den verschiedenen Stimmen führend (Dux) und nachfolgend (Comes) auf, wobei der 2. Einsatz nach der Regel in der Oberquinte oder Unterquarte erfolgt. Doppel-, Tripel-, Quadrupelfuge sind Fuge mit 2, 3 beziehungsweise 4 Themen, die meist eist jeweils für sich und später gleichzeitig durchgeführt werden. «Das Wohltemperierte Klavier» (1722 und 1744) und «Die Kunst der Fuge» (1750, unvollendet) von J. S. Bach sind Gipfelwerke der Fugenkunst.

Fügebank: bis zu 4 m langer, festliegender Hobel des Böttchers zum Abrichten der Schmalflächen von Fassbrettern. Die Holzteile werden nicht eingespannt, sondern über den Hobel geschoben.

Fügen: 1. Fertigungstechnik: Verbinden von 2 oder mehreren Werkstücken miteinander oder mit formlosem Stoff. Fügen umfasst die Gruppen Zusammenlegen (zum Beispiel Auflegen, Einhängen), Füllen (zum Beispiel mit Gas oder Pulver), An- und Einpressen (zum Beispiel Schrauben, Keilen, Nageln), Fügen durch Urformen (zum Beispiel Umgießen), Fügen durch Umformen (zum Beispiel Bördeln, Falzen, Nieten), Stoffverbinden (zum Beispiel Schweißen, Löten, Kleben) unter anderem Verfahren (zum Beispiel Nähen, Binden).

2. Holztechnik: Herstellen einer unlösbaren Breitenverbindung durch Abrichten und Verkleben von Schmalflächen, zum Beispiel von Brettern (fälschlicherweise auch nur auf die für das Fügen erforderliche Vorbereitung der Schmalfläche beschränkt).

Fugenhobel: Gerät zum Nacharbeiten der Fugenkanten in Straßendecken aus Beton, um einen ebenen und bündigen Übergang an der Fuge zu erreichen.

Fugenschneider: fahrbares Gerät zur Herstellung von Fugen in Frischbeton oder zum Einschneiden in erhärteten Beton von Straßendecken oder in Fußbodenestrich.

Fugenvergussmasse: aus Weichbitumen mit Zusätzen von Steinmehl oder Fasern bestehender Kitt zum Verschluss von Fugen in Fahrbahndecken und Montagestößen im Hochbau. Fugenvergussmasse besitzt Dauerelastizität und gutes Haftvermögen an Beton- und Stahlbauteilen.

Füger, Heinrich Friedrich, 8.12.1751-5.11.1818, österreichischer Maler; geschätzter Bildnisminiaturist und Historienmaler, Schüler von A. Oeser, leitete seit 1783 die heutige Akademie der bildenden Künste in Wien, seit 1806 die Kaiserliche Gemäldegalerie.

Fühler, Antennen: gegliederte, verschiedenartig gebaute Träger von Sinnesorganen am Kopf der Krustentiere und Insekten.

Fühmann, Franz, 15.1.1922-8. 7.1984, Schriftsteller; gestaltete zunächst die Auseinandersetzung mit faschistischer Politik und Ideologie als Grunderlebnis seiner Generation, später die Erkundung eigenen Werdens und bemühte sich um die Erschließung des literarischen Erbes; verfasste Gedichte («Die Richtung der Märchen», 1962), Erzählungen und Novellen («Kameraden», 1955; «König Ödipus», 1966), das literarische Tagebuch «Zweiundzwanzig Tage oder Die Hälfte des Lebens» (1973), Essays («Erfahrungen und Widersprüche», 1975; «Vor Feuerschlünden, Erfahrungen mit Georg Trakls Gedicht», 1982), Kinder- und Jugendbücher («Shakespeare-Märchen», 1968; «Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel», 1978) sowie Fernsehspiele und schuf Nachdichtungen.

Führerschein: Erlaubnis zum Führen eines Kfz auf öffentlichen Straßen (in Verbindung mit dem Berechtigungsschein). Voraussetzung für die Ausgabe eines Führerscheins sind erforderliches Alter, Nachweis der Kfz-Tauglichkeit, Fahrschulausbildung, bestandene Prüfungen.

Führungsgröße: eine Größe in Steuerketten und Regelkreisen, der die durch Steuerung beeinflusste Ausgangsgröße angeglichen beziehungsweise nachgeführt werden soll. Siehe auch Führungssteuerung.

Führungssteuerung, Folgeregelung: Steuerung, bei der die gesteuerte Größe einer vom Steuerungssystem unabhängigen, in ihrem zeitlichen Verlauf vorher unbekannten Führungsgröße angeglichen werden soll. Ein Beispiel ist die Zielverfolgung durch ein Radargerät.

Führungsstil: gesellschaftlich geprägte Art und Weise des Verhaltens eines Leiters (Leitungsstil) oder Lehrers (Erziehungsstil), durch das die Funktionen der Führung gegenüber den Partnern relativ konstant ausgeübt werden. Der sozialistische Leitungsstil ist demokratisch-zentralistisch. Danach ist der Leiter konsequent und kritisch, fordert die Initiative seiner Mitarbeiter, hebt das Positive hervor, berät sich mit den Mitgliedern seines Kollektivs, bezieht diese in die Entscheidungsvorbereitung ein, geht auf die Besonderheiten einzelner ein und arbeitet eng mit den im Kollektiv existierenden gesellschaftliche Organisationen (Partei, Gewerkschaft, FDJ) zusammen.

Fuji: 1. Fuji, Fujisan, Fujiyama, Fudschi, Fudschisan, Fudschijama: erloschener, ganzjährig schneebedeckter Vulkankegel mit fast rundem Krater auf der Insel Honshu (Japan), inmitten eines Naturschutzgebietes, 90 km westlich von Tokio; mit 3 776 m höchster Berg Japans; letzter Ausbruch 1707. Der Fuji ist das Wahrzeichen des Landes und der «heilige Berg» Japans.

2. Fuji: Stadt in Japan, in der Präfektur Shizuoka, im Südosten der Insel Honshu; 200000 Einwohner; Papier-, Chemie-, elektrotechnischer Industrie; Tee- und Obstbau.

Fujian, Fukien: Provinz an der Südostküste Chinas, an der Taiwanstraße; 123100 km2, 26 Millionen Einwohner; 211 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Fuzhou-, bis zu 1667 m hohes, zerklüftetes, von zahlreichen kurzen Flüssen durchzogenes Bergland mit immergrünen Wäldern; stark zergliederte Küste mit Naturhäfen und über 600 Inseln; subtropisches Monsunklima mit Taifungefahr und hohen Niederschlägen; bei reichen Bodenschätzen an Steinkohle, Eisen-, Wolfram- und Kupfererz sowie Aluminiumerden erst allmähliche industrielle Entwicklung mit neuen Industriezentren wie Sanming, Longyan (Stahl und Eisen) und Mawei (Schiffbau); bedeutende Zweige sind weiterhin Maschinenbau und Kunsthandwerk (berühmte Lackwaren); in der Landwirtschaft Anbau von Reis und Zuckerrohr, subtropische Früchte; seit 1956 vor allem durch die beiden Bahnlinien nach Xiamen und Fuzhou erschlossen.

Fuks, Ladislav, geboren 24. 9.1923, tschechischer Schriftsteller; erfasst aus der Sicht der Opfer oder Mitschuldigen die Menschenfeindlichkeit des Faschismus unter anderem in «Herr Theodor Mundstock» (1963, deutsch), «Variationen für eine dunkle Saite» (1967, deutsch), «Das Bildnis des Martin Blaskowitz» (1980, deutsch). Eine balladenhafte Gestaltung wählte er für seinen Roman «Der Hütejunge aus dem Tal» (1977, deutsch) und für ein Motiv aus J. Fuciks Kindheit, «Das Kristallpantöffelchen» (1979).

Fukui: 1. Präfektur in Japan, im mittleren Teil der Insel Honshu, am Japanische Meer; 4189 km2, 790000 Einwohner; 189 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Fukui; in wirtschaftlicher Entwicklung zurückgeblieben; besonders Textil-, Bekleidungs- und Papierindustrie, Metallverarbeitung; an der Küste Kernkraftwerke; in Ebenen Reisanbau als Monokultur.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Fukui; 230000 Einwohner; Zentrum der Kunstseidenweberei, Maschinenbau.

Fukuoka: 1. Präfektur in Japan, im Norden der Insel Kyushu, an der Straße von Tsushima; 4952 km2, 4,5 Millionen Einwohner; 908 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Fukuoka 2; ökonomisch hochentwickelt, Zentrum der japanischen Schwerindustrie; Metallurgie, chemische, Zement-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Maschinenbau; Reisanbau in den Ebenen; Tunnelverbindungen zur Insel Honshu.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Fukuoka 1; 1,1 Millionen Einwohner; Maschinenbau, elektrotechnische, Glas-, Papier-, Textil- (Brokat), Spielwaren- und Zuckerindustrie; Handels- und Fischereihafen, Endpunkt der Tokaido-Sanyo-Bahn, Flughafen; Universität.

Fukushima: 1. Präfektur in Japan, im Norden der Insel Honshu; 13 782 km2, 2 Millionen Einwohner; 145 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Fukushima 2; kleine Buntmetall-Lagerstätten; Kernkraftwerke; Landwirtschaft und Leichtindustrie (Textil-, Papier- und Zellstoffindustrie), ferner elektrotechnische und Chemieindustrie.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Fukushima 1; 250000 Einwohner; Textil-, Nahrungsmittelindustrie; Verkehrsknoten; Hochschule.

Fukuzawa, Yukichi, 12.12.1834-3.2.1901, japanischer Philosoph, Politiker und Publizist; entwickelte sich nach Auslandsstudien (unter anderem 1862 in Berlin) zum bedeutendsten Vertreter der Aufklärung in Japan. Fukuzawa trat entschieden für die Volksrechte und gegen den Feudalismus auf. Er begründete die Keio-Universität (1868) und die Jiji-Zeitung (1882).

Fulbe, Ful, Fellata: westafrikanisches Volk zwischen Senegal und Kamerun; 14 Millionen; besonders die nomadische Viehzüchtergruppen zeigen hellere Hautfarbe, die sesshaften Bauern und Städter stark negriden Einschlag; Muslime. Als Hirtennomaden drangen die Fulbe seit dem 11. Jahrhundert von Senegal aus nach Osten vor und begründeten mehrere bedeutende Staaten (Massina, Sokoto, Adamaua unter anderem).

Fulla, Ludovit, 27.2.1902-21.4.1980, slowakischer Maler; verband Ausdrucksweisen moderner Kunst mit Volkskunsttraditionen zu einer eigenwilligen, poesievollen, zum Teil ausgeprägt stilisierten und farbenreichen Darstellung des Lebens seines Volkes.

Füllen: 1. Sternbild.

2. Fohlen.

Füllen: Fügeverfahren zum Einbringen von gas- oder dampfförmigen, flüssigen, pastösen, pulvrigen oder körnigen Stoffen oder kleinen Körpern in hohle oder poröse (Tränken, Einschlämmen) Körper.

Füller: hochpigmentierter, schleifbarer Anstrichstoff zum Ausgleichen von Unebenheiten in Anstrichsystemen. Füller, die als erste Schicht aufgetragen werden, heißen Haftfüller.

Fuller-Kurve: ideale Sieblinie für die günstigste Zusammensetzung von Betonzuschlagstoffen; vom US-amerikanischen Ingenieur R. B. Füller aus Versuchen und theoretische Ableitungen ermittelt.

Füllhorn: eigentlich das Horn der Amalthea; mit Früchten gefüllt und Blumen bekränzt Symbol der Fruchtbarkeit und Fülle; siehe auch Fortuna.

Füllkörper: Betonformstein für Stahlbetonrippendecken oder als Zwischenbauteil in der Zugzone von Stahlbetonbalken-Montagedecken.

Füllort: Bergbau Erweiterung einer Förderstrecke an dem Punkt, an dem die Strecken in die Schachtförderung übergeht. Im Füllort werden auf der einen Seite des Schachtes die gefüllten Förderwagen in das Fördergestell geschoben beziehungsweise in das Fördergefäß entleert und auf der anderen Seite die leeren oder mit Versatz beziehungsweise Material beladenen Wagen abgezogen.

Füllstoffe: pulver- oder faserförmige Substanzen, die in Plaste, Kautschuk, Anstrichstoffe, Papier unter anderem eingearbeitet werden, um bestimmte Eigenschaften zu verbessern (wertverbessernde Füllstoffe) oder ökonomische Vorteile zu erzielen (Streckmittel, in Anstrichstoffen als Extender bezeichnet). Zum Beispiel bewirkt Ruß in Gummi (Autoreifen) eine wesentliche Erhöhung der Abriebfestigkeit. Bei Plasten bestimmen Art und Anteil der Füllstoffe wesentlich die Eigenschaften und den Gebrauchswert der Produkte; man verwendet hierbei Holz- und Gesteinsmehl, Zellulosefasern, Textilfasern oder -Schnitzel, Asbest- und Glasfasern (glasfaserverstärkte Plaste); siehe auch Pressmassen. Bei der Papierherstellung sind Füllstoffe dem Ganzstoff zugesetzte Hilfsrohstoffe (zum Beispiel Kaolin, Gips, Magnesit, Titanweiß), um das Papier zu beschweren, die Lücken zwischen den Fasern auszufüllen, den Weißgrad zu erhöhen, die Durchsichtigkeit zu verringern, die Bedruckbarkeit zu verbessern und die Brennbarkeit zu regeln. Im Bauwesen dienen Gesteinsmehle (vorwiegend Kalk) als Füllstoffe für Bitumen, um die Verarbeitungskonsistenz und Festigkeit zu regulieren.

Füllung, Zahnfüllung: endgültiger Verschluss der Kavität eines Zahnes und Wiederaufbau zerstörter Zahnhartsubstanzen mit plastischen Füllungswerkstoffen (Zahnzemente, Amalgame, Kunststoffe) oder mit labortechnisch hergestellter Einlagefüllung (Inlay) aus Metall (Gussfüllung) oder Keramik (Porzellan-Inlay).

fully-fashioned: (englisch, «mit voller Passform») formgerecht hergestellte Trikotage; die Schnittform wird dabei durch Zu- und Abnehmen von Maschen erreicht.

Fulton, Robert, 14.11.1765-24. 2.1815, US-amerikanischer Ingenieur; baute 1807 das erste brauchbare Dampfschiff («Clermont», 15 kW, 40 m lang). Es folgten weitere Flussdampfschiffe sowie 1815 für die Marine der Dampffregatte «Demogulus», zwischen deren 2 Schwimmkörpern ein Schaufelrad als Antrieb diente.

Fumarole: Gasaushauchung in vulkanischen Gebieten, Temperaturen 100 bis 900 °C; enthält Chlor, Schwefel, Eisen und vorwiegend Wasserdampf.

Fumarsäure: eine färb- und geruchlose, kristalline, bei 200 °C sublimierende, schwer wasserlösliche Substanz der Formel trans-HOOCCH=CH-COOH; systematische Name trans-Äthen1,2-dikarbonsäure\ die Salze und Ester heißen Fumarate. Fumarsäure wird zur Herstellung spezieller Polyester verwendet. Die cis-Form ist die Maleinsäure.

Fumingverfahren: (englisch fume, «Rauch») Verfahren zur Gewinnung wertvoller Metalle, zum Beispiel Zinn und Blei, aus Bleischlacken durch Verflüchtigung. In die schmelzflüssige Schlacke wird durch Düsen Luft und Kohlenstaub, der dabei Heiz- und Reduktionsmittel ist, eingeblasen. Der entstehende Flugstaub wird in Filtern aufgefangen und anschließend weiterverarbeitet.

Funafuti: Hauptstadt von Tuvalu, auf gleichnamiger Inselgruppe, auf dem Atoll Fongafale, im Stillen Ozean (Polynesien); 1000 Einwohner; Fischverarbeitung.

Funchal: Stadt auf der portugiesischen Insel Madeira, Verwaltungszentrum des Distrikts Funchal; 38000 Einwohner; Herstellung von Zucker, Tabakwaren, Wein, Branntwein, Flechtarbeiten und Stickereien; Hafen; starker Fremdenverkehr, Casino.

Fundament: 1. allgemeine Grundlage.

2. Bautechnik: Baukörper für Flachgründungen. Das Einzelfundament (zum Beispiel als Blockfundament) ist eine treppenartig nach oben abgesetzte Fundamentverbreiterung unter einer Stütze; Streifenfundament ein langer, zusammenhängender Grundbaukörper; Stiefelfundament (L-förmiger Querschnitt) für außermittige Belastung bei Bewegungsfugen oder Anbauten. Siehe auch Gründung.

Fundamentalpunkt: Fixpunkt zum Festlegen einer Temperaturskale, zum Beispiel benutzt die Celsiusskale den Schmelzpunkt des Eises bei 0°C und den Siedepunkt des Wassers bei 100 °C, die thermodynamische Temperaturskale den absoluten Nullpunkt (0 K) und den Tripelpunkt des Wassers (273,16 K).

Fundamentalsatz der Algebra: Aussage, nach der jede algebraische Gleichung, deren Grad n eine natürliche Zahl größer als 1 ist und deren Koeffizienten beliebige komplexe Zahlen sind, im Bereich der komplexen Zahlen wenigstens eine Lösung hat. Hieraus folgt: Eine lineare Gleichung hat eine Lösung, zum Beispiel hat 3x + 2 = 8 die Lösung Xi = 2, eine quadratische Gleichung hat höchstens 2 verschiedene Lösungen, eine kubische Gleichung hat höchstens 3 verschiedene Lösungen und so weiter.

Fundamentalsystem: System von n linear unabhängigen Lösungen einer gewöhnlichen, homogenen linearen Differentialgleichung n-ter Ordnung, aus denen man jede weitere Lösung durch Linearkombination dieser Lösungen erhält.

Fundunterschlagung: das Aneignen fremder verlorener Sachen durch den Finder; ist als Diebstahl strafbar. Siehe auch Fund.

Fundus: (lateinisch) 1. allgemein Grundstock, -bestand.

2. Bestand an Dekorationen, Kostümen, Requisiten und so weiter eines Theaters, einer Film- oder Fernsehgesellschaft; auch das dazugehörige Magazin.

Fundy-Bucht: Meeresteil des Atlant Ozeans an der Ostküste Kanadas, zwischen dem Festland (Provinz Neubraunschweig) und der Halbinsel der Provinz Neuschottland; 280 km lang, bis 100 km breit und 300 m tief; im Inneren der Bucht mit 5 bis 15 m größter Tidenhub der Erde, bei Springflut bis maximal 21 m; zahlreiche Häfen, unter anderem Saint John, St. Andrews.

fúnebre: («Begräbnis») Musik traurig, düster.

Fünen, Fyn: dänische Insel zwischen Jütland und Seeland; 2984 km2, als Amt mit umliegenden Inseln 3486 km2, 450000 Einwohner; Verwaltungszentrum Odense-, fast ebene Grundmoräne mit guten Böden, nur im Südwesten Moränenhügel (Fünensche Schweiz), gemäßigtes Klima; intensive Landwirtschaft mit Kleinbetrieben (Rinder- und Schweinehaltung; Anbau von Gerste, Weizen, Zuckerrüben, Gemüse und Obst); Fischfang; Industrie besonders in Odense konzentriert (Maschinen-, Fahrzeug- und Schiffbau, Lebensmittelindustrie); Häfen; Brücken nach Jütland, Fährverkehr, Flugplätze; Funde frühgeschichtliche Besiedlung.

Funes, Louis de, 31.7.1914-28.1.1983, französischer Schauspieler, spielte vor allem in Filmkomödien, wie «Quer durch Paris», «Das große Restaurant», «Oscar», «Balduin, das Nachtgespenst» unter anderem Balduin-Filme, «Der Winterschläfer», «Alles tanzt nach meiner Pfeife», «Die dummen Streiche der Reichen», «Brust oder Keule».

Fünfeck, Pentagon: ebene, geradlinig begrenzte Figur mit 5 Eckpunkten und 5 Seiten. Das (konvexe) regelmäßige oder reguläre Fünfeck hat gleichlange Seiten und gleichgroße Innenwinkel von je 108 °; es besitzt In- und Umkreis; von jedem seiner Eckpunkte gehen 2 Diagonalen aus, die den zugehörigen Innenwinkel dritteln; die Gesamtheit dieser Diagonalen bildet das regelmäßige Sternfünfeck (Pentagramm).

Fünfjahrplan: Plan, der für einen Zeitraum von 5 Jahren die Ziele der ökonomischen, wissenschaftlichen technischen und kulturellen Entwicklung der Gesellschaft enthält.

Fünfte Kolonne: im Untergrund tätige Spionage- und Diversionsgruppen imperialistischer Mächte zur Aggressionsvorbereitung; ursprünglich im Spanischen Freiheitskampf 1936/39 die in der Stadt Madrid gegen die Republik wühlenden falangistische Kräfte, die die 4 von außen angreifenden Kolonnen Fünfte Kolonne Franco Bahamondes unterstützten.

Fünfte Republik: als Machtinstrument des französischen Monopolkapitals 1958 (Machtübernahme C. de Gaulles) errichtetes autoritäres Regime mit undemokratischen Wahlsystem und Sondervollmachten des Präsidenten.

fungieren: (dat.) tätig sein, wirken als ...

Fungizide: (dat., «Pilztöter»)

1. Medizin: Antimykotika.

2. Landwirtschaft: Wirkstoffe zur Bekämpfung pilzliche Krankheitserreger; bei Kulturpflanzen z. B. Kupfer, Quecksilber, Schwefel, organischen Quecksilber- und Schwefelverbindungen, Dithiocarbamate, Oxathiine, Chinone, substituierte Pyrimidine, Benzimidazole und Phthalamine.

Funk: Senden und Empfangen von modulierten oder unmodulierten elektromagnetischen Hoch- beziehungsweise Höchstfrequenzschwingungen zur drahtlosen Informationsübertragung, Funkortung, Navigation, Fernlenkung unter anderem.

Funkboje: mit Funksender ausgerüsteter Schwimmkörper, der von sinkenden Schiffen aus ins Meer geworfen wird und dann selbsttätig Rettungsrufe ausstrahlt.

Funkdramatik: Sammelbegriff für die verschiedenen Formen der für den Rundfunk geschaffenen dramatischen Werke, insbesondere Hörspiel, Hörfolge, Hörbild und Feature.

Funkechobeobachtung: Verfahren der Ionosphärenphysik zur Feststellung elektrisch gut leitender Schichten; hierbei werden Reflexionen von Funkwellen untersucht. Die Funkechobeobachtung wird zuweilen auch unter Tage zur Lagerstättensuche eingesetzt.

Funkeleffekt, Funkelrauschen: spontane unregelmäßige (zufällige) Elektronenemission aus Oxidkathoden als Rauschursache; in Halbleitern wirken Oberflächeneffekte ähnlich wie der Funkeleffekt einige 104 K). Durch plötzlichen Druckanstieg im Kanal bildet sich eine Stoßwelle, die als Knall hörbar ist. Funkeleffekte entstehen auch in Flüssigkeiten und Festkörpern, an deren Oberfläche sie sich als Gleitentladung ausbreiten können und die sogenannten Lichtenbergschen Figuren erzeugen. Funkeleffekte werden in elektrischen Schaltern, als Impulslichtquellen unter anderem verwendet. Ein Funkeleffekt größten Ausmaßes ist der Blitz (Gewitter).

Funkeninduktor, Induktor: Eisenkerntransformator, in dem durch einen Unterbrecher hergestellte Gleichstromimpulse in der aus vielen Windungen bestehenden Sekundärspule hohe Wechselspannungen induzieren.

Funkenkammer: 1. Hüttenwesen: Raum über der Gicht von Kupolöfen, in dem sich vom Abgas mitgerissener Staub abscheidet.

2. Physik: eine Spurenkammer zur Registrierung hochenergetische Elementarteilchen. Ein Funkendurchschlag wird in einem starken elektrischen Feld bevorzugt dort ausgelöst, wo vorher ein ionisierendes Teilchen die Funkenkammer durchquert hat. Die sichtbaren Funken lassen sich fotografieren. Durch die Verwendung von Hochspannungsimpulsen kann man die Funkenkammer zeitlich steuern.

Funkenlegieren, Auf-Funken: Verfahren der elektroerosiven Metallbearbeitung, bei dem ein Elektrodenwerkstoff (Wolfram oder anderes Hartmetall) im Kontaktverfahren auf ein Metallstück übertragen wird und dieses verfestigt.

Funkenzähler: kernphysikalisches Messgerät. zwischen parallelen Metallplatten werden bei Spannungen dicht unterhalb der Durchschlagsspannung nur bei Durchgang von stark ionisierenden Teilchen (zum Beispiel Alphateilchen) Funkenüberschläge ausgelöst, die man fotografisch oder elektronisch registriert.

Funkle, (nach einem Naturwissenschaftler) Herzlilie, Hosta: ostasiatische Liliengewächs mit breiten, zum Teil bunten Blättern und weißen, blauen oder violetten Blütentrauben; Zierpflanze.

Funkmehrkampf: nachrichtensportlicher Mannschaftswettkampf mit Einzelwertung. Es sind Morsezeichengruppen in verschiedenen Tempi zu empfangen und zu senden, Funkbetrieb in einem Funknetz durchzuführen sowie andere wehrsportliche Disziplinen zu absolvieren.

Funkmessstation: funktechnische Einrichtung, mit der durch impulsförmige Ausstrahlung elektromagnetischen Wellen und Empfang der vom Ortungsobjekt reflektierten Sendeenergie Ziele geortet werden können (abhängig von der Konstruktion der Station ein bis 2 Koordinaten zum Ziel). Die Entfernung wird dabei anhand der Wellenlaufzeit ermittelt, die Seite und Höhe anhand der Richtung der Antenne, die einen scharfgebündelten Strahl aussendet und empfängt. Eine Funkmessstation besteht aus Hochfrequenzsender, Hochfrequenzempfänger, Anzeigeeinrichtungen und Antennensystem. Funkmessstation werden als Waffenleitstationen (zum Richten von Rohrwaffen beziehungsweise zum Leiten gelenkter Flugkörper), Funkentfernungsmesser (zum Ermitteln der Entfernung zwischen Funkmessstation und Ortungsobjekt) oder Höhenfinder (zum Ermitteln von Entfernung und Höhenwinkel zwischen Funkmessstation und Ortungsobjekt) verwendet.

Funknavigation: Bestimmen des Standorts und des Kurses von Luft- und Seefahrzeugen mit Hilfe elektromagnetischen Wellen sowie geeigneter Sende-, Empfangs- und Auswertegeräte. International gebräuchliche Funknavigationshilfen sind:

a) Funkfeuer, die bestimmte Funkzeichen (ihre Kennung) ungerichtet, gerichtet (Richtfunkfeuer) oder kreisend (Drehfunkfeuer) rhythmisch ausstrahlen;

b) Hyperbelverfahren, die eine Ortsbestimmung aus der Laufzeit- oder Phasendifferenz der von mindestens 2 Senderpaaren ausgestrahlten elektromagnetischen Wellen ermöglichen (zum Beispiel Decca-, Loran-Verfahren);

c) Entfernungsmesssysteme, bei denen aus der Laufzeit elektromagnetischen Wellen vom Sender zu einer Reflexionsstelle und zurück die Entfernung bestimmt wird (zum Beispiel DME-Verfahren);

d) Radaranlagen zur Luftraumüberwachung (zum Beispiel Shoran-Verfahren);

e) Instrumentenlandesystem

f) Landeradaranlagen für den Anflug und die Landung von Flugzeugen;

g) Dopplerradaranlagen, die durch Ausnutzung des Dopplereffekts die Geschwindigkeit über Grund sowie den Abdrift Winkel messen. Die Bestimmung des Standorts eines Land-, See-, Luft-, Raumfahrzeugs oder Himmelskörpers mit funktechnischen Mitteln bezeichnet man als Funkortung.

Funkpeilmehrkampf: nachrichtensportlicher Einzelwettkampf im 80-m-Kurzwellen- und 2-m-UKWBand. In einem festgelegten Geländeabschnitt sind mehrere Sender kleiner Leistung mit Funkpeilempfängern zu suchen.

Funkpeilung: Bestimmen der Einfallsrichtung einer elektromagnetischen Welle mit Hilfe der Richtwirkung (-Charakteristik) einer Peilantenne, vorwiegend zur Navigation, in der Raumforschung, Radioastronomie, Funküberwachung und Militärtechnik. Die einfachste Peilantenne ist die Rahmenantenne, in der die induzierte Spannung ihr Maximum erreicht, wenn die Antennenebene in Einfallsrichtung der elektromagnetischen Wellen weist, und ihr Minimum, wenn die Ebene senkrecht zur Einfallsrichtung steht. Wird die Antennenspannung über 0 (Winkel zwischen Antennenebene und Einfallsrichtung) aufgetragen, erhält man die sogenannte Antennencharakteristik, die bei der Rahmenantenne einen Doppelkreis ergibt und damit zweideutig ist; durch phasenrichtige Addition einer (ungerichteten) Hilfsantennenspannung, zum Beispiel von einer zusätzlichen Stabantenne, ergibt sich eine Kardioide (herzförmige Linie), die eine eindeutige Richtungsbestimmung durch Auswertung des Minimums der Gesamtspannung ermöglicht.

Funkspruch: mittels Telegrafie oder Telefonie drahtlos übertragene Information (insbesondere Meldung, Anweisung, Warnung oder Aufforderung zur Hilfeleistung) im Schiffs-, Flug- oder Landverkehr.

Funkstation, Funkstelle: Sende- und Empfangseinrichtung für elektromagnetische Hoch- beziehungsweise Höchstfrequenzschwingungen zur Abwicklung drahtlosen Nachrichtenverkehrs.

Funkstörungen, Funkbeeinflussung: störende Einflussnahme auf elektrische Einrichtungen durch elektromagnetische Schwingungen mit Frequenzen >10 kHz. Funkstörungen werden durch elektrische Vorgänge in der Atmosphäre, Funksender, Zündfunken, leitungsgeführte HF-Schwingungen, Schaltvorgänge im Energienetz unter anderem hervorgerufen. Siehe auch Störsignale.

Funktechnik: Verfahren und Einrichtungen zur drahtlosen Signalübertragung mittels elektromagnetischen Wellen (Rundfunk, Fernsehen, Rieht-, Verkehrs-, Schiffsfunk, Radar, Flugsicherung, Funknavigation, Telemetrie). S. a Nachrichtentechnik.

funktechnische Truppen: Spezialtruppen der Luftstreitkräfte, der Truppen der Luftverteidigung sowie der Truppenluftabwehr, denen die Bereitstellung von Funkmessangaben zur Luftlage, die Zielortung, Jäger- und Feuerleitung u. ä. Aufgaben obliegen.

Funkenentladung: kurzzeitige Gasentladung (Dauer ns bis ms), die zum Beispiel beim Entladen eines Kondensators auftritt. Der Strom fließt im hell leuchtenden Funkenkanal, der die Elektroden verbindet und aus heißem Plasma besteht. Menge, dem Definitionsbereich der Funkenentladung, zu Elementen y einer Menge, dem Wertevorrat, geschrieben y=f(x) (siehe auch Abbildung (Stichwort)); y heißt Funkenentladungswert oder abhängige Variable, x unabhängige Variable. Bei einer reellwertigen Funkenentladung einer reellen Variablen sind beide Mengen reelle Zahlen; es handelt sich um eine Funkenentladung von n Variablen, wenn x = (, ..., x„) ein Tupel von n reellen Zahlen ist. Eine Funkenentladung kann explizit in der Form y = f(x) oder implizit in der Form F(x,y) = 0 gegeben sein. Einteilung:

a) rationale Funkenentladung sind aus der unabhängigen Variablen x und Konstanten mittels der 4 Grundrechenarten zusammengesetzt. Die ganzrationalen Funkenentladung lassen sich als Polynom y = a0 + a,x + a2x2 + ... + a„x" vom Grad n, falls a„0, die gebrochen rationalen Funkenentladung als Quotient zweier Polynome darstellen. Falls m>n, heißen sie echt gebrochen, andernfalls unecht gebrochen,

b) algebraische Funkenentladung genügen einer algebraischen Gleichung P0(x) + P,(x) y + ... + P„-,(x) y1 + F„(x) y = 0, wobei die P,(x) Polynome in x sind. Insbesondere zählen hierzu alle Funkenentladung, die mittels der 4 Grundrechenarten und des Radizierens erzeugt werden,

c) transzendente Funkenentladung sind alle nichtalgebraischen Funkenentladungen wie die Winkel-Funkenentladung, die Exponential-Funkenentladung, die Logarithmus-Funkenentladung.

2. Anatomie: geordnete Arbeitsweise von Organen, Muskeln oder anderen Struktureinheiten eines Lebewesens. zwischen Gestalt beziehungsweise Struktur und Funkenentladung bestehen enge Wechselbeziehungen.

3. Mengenlehre: Abbildung.

4. organische Chemie: Atom oder Atomgruppe (funktionelle Gruppe), die das chemische Verhalten einer Verbindung weitgehend bestimmt. Alkohole und Phenole haben zum Beispiel als Funkenentladung die Hydroxylgruppe -OH. Je nach Anzahl der vorhandenen Funkenentladung im Molekül unterscheidet man mono-, bi-, tri-, tetra- und polyfunktionelle Verbindungen.

Funktionalanalysis: Teilgebiet der Analysis, das durch Verallgemeinerung der Begriffe der analytischen Geometrie entstand. Der i-dimensionale Vektorraum wird zum unendlich-dimensionalen linearen Raum verallgemeinert. Zum Beispiel bilden die Funktionen auf einem Intervall einen unendlich-dimensionalen Raum. Ein linearer Raum wird zum normierten linearen Raum, wenn man jedem seiner Elemente eine Norm zuordnen kann. Ist dieser Raum vollständig, so erhält man einen Banach-Raum. Die Verallgemeinerung des Funktionsbegriffes führt zum Operator, das heißt einer Zuordnung von Elementen eines Raumes zu Elementen eines anderen Raumes. Seit Beginn des 20. Jahrhundert hat sich die Funktionalanalysis rasch entwickelt. Sie wird vielfach in der Theorie der Differential- und Integralgleichungen, der Variationsrechnung und der theoretischen Physik, besonders der Quantentheorie, angewendet,

funktionale Grammatik: Richtung der Grammatik, die das Funktionieren der grammatischen Mittel im Kommunikationsprozess und ihre funktional bedingte Ordnung in der Gestalt des grammatischen (Teil-)Systems einer Sprache untersucht und beschreibt. Grundkategorien sind Form, Bedeutung und Funktion, wobei der Funktionsbegriff unter dem Aspekt der gesellschaftlichen Determiniertheit und Wirkung der Sprache bestimmend ist.

funktionale Musik: Musik, die den Gesetzen der Funktionstheorie entspricht.

Funktionalgleichung: Gleichung zwischen den unabhängigen und abhängigen Variablen einer Funktion, zum Beispiel die Additionstheoreme der Winkelfunktionen und der Exponentialfunktion. Auch Differential- und Integralgleichungen sind Funktionalgleichung.

Funktionalismus: Richtung der Architektur im 20. Jahrhundert, die funktionelle Vollkommenheit mit struktureller Vereinfachung zu verbinden sucht. Der Funktionalismus schuf wesentliche Voraussetzungen zur Industrialisierung des Bauens. Er fand seine besondere Ausprägung in Deutschland (Deutscher Werkbund, Bauhaus), der Sowjetunion (El Lissitzky, WCHUTEMAS) und den Niederlanden (De Stijl).

Funktionalprinzip: Prinzip des Aufbaus von Organen des Staatsapparates nach den auszuübenden Leitungsfunktionen, zum Beispiel Schaffung eines Systems von Funktionalorganen auf den Gebieten der Planung, der Finanzen, der Preise, der Arbeit und Löhne, der Materialwirtschaft, der Statistik und der Kontrolle. Siehe auch Linienprinzip, Territorialprinzip, Zweigprinzip.

Funktionenreihe: unendliche Reihe, deren Glieder Funktionen mit gemeinsamem Definitionsbereich sind, zum Beispiel eine Potenzreihe oder Fourier-Reihe. Die Entwicklung einer Funktion in eine Funktionenreihe ist ein häufig zu lösendes Problem der Analysis.

Funktionentheorie: Teilgebiet der Mathematik, in dem Funktionen betrachtet werden, bei denen sowohl die unabhängige Veränderliche z als auch die Funktionswerte /(z) komplexe Zahlen sind. Insbesondere werden solche Funktionen untersucht, die in jedem Punkt z0 eines Gebietes G differenzierbar sind. Reguläre Funktionen sind beliebig oft differenzierbar und in jedem Punkt z0 von G in eine Potenzreihe entwickelbar. Ist G einfach zusammenhängend, (z) in G regulär und C eine geschlossene Kurve (Cauchyscher Integralsatz). Für den Realteil u(x,y) und den Imaginärteil v(x,y) einer in G regulären Funktion gelten die Cauchy-Riemannschen Differentialgleichungen. Daher sind 8x dy 9x dy u(x,y) und v(x,y) Potentialfunktionen, woraus sich die Anwendungen der Funktionentheorie für die in der mathematischen Physik wichtige Potentialtheorie ergeben. Wenn /(z) in der Umgebung eines Punktes z0 mit Ausnahme von z0 regulär ist, heißt z0 isolierte Singularität; in z0 ist eine Laurent-Entwicklung möglich. Eine komplexe Funktion vermittelt durch w = f(z) eine Abbildung von Punkten der z-Ebene auf Punkte der komplexen w-Ebene.

Funktionselement: Element eines technischen Mittels, das eine bestimmte Operation (zum Beispiel Dosieren) in einem Prozess (zum Beispiel Mischprozess) erfüllen kann, unabhängig von Struktur oder Gestalt.

Funktionsgenerator: Einrichtung zur Realisierung einer Funktion in Form einer stationären Beziehung zwischen 2 den Variablen zugeordneten physikalischen Größen X und Y in einem Gelenkmechanismus oder in elektrischen Netzwerken. Moderne Formen von Funktionsgenerator sind spezielle Hybridrechner zur Erzeugung von Funktionen aus Wertetabellen. Funktionsgeneratoren werden in Integrieranlagen, in Zeichengeräten zur graphischen Darstellung von Funktionen, als Impulsgeber für Impulse vorgeschriebenen zeitlichen Verlaufes und vor allem in Analogrechnern in vielfältiger Weise angewandt. Siehe auch Rechenelement.

Funktionsleiter, Funktionsskale: Hilfsmittel in der Nomographie. Auf einer Trägerkurve werden von einem Anfangspunkt aus Punkte (Koten) im Abstand mx = ex -f(x) abgetragen und mit den Zahlenwerten für x benannt Dabei ist f(x) die darzustellende Funktion und e„ eine frei wählbare Einheitsstrecke. Skale, bei der die mit «1» bezeichnete Kote den Anfangspunkt und die Strecke zwischen «1» und «10» die Einheitsstrecke ex angibt.

Funktionspapier: Papier mit aufgedrucktem Netz für gleichzeitige geometrische Darstellung zweier Funktionen x = f(u, v), y = g(u, v) in zwei Veränderlichen, zum Beispiel x = lg u und y = log (v°) beim Doppeltlogarithmisches Funktionspapier. Die Zahlenpaare (x, y) müssen dabei den Paaren (u, v) im betrachteten Gebiet eineindeutig entsprechen. Jede Koordinatenlinie u = const. wird dann durch die Schnittpunkte mit den jeweils anderen (v = const.) zu einer Funktionsleiter der anderen Variablen. Funktionspapier sind zum Beispiel das Millimeterpapier, das Polarpapier, das einfachlogarithmische Funktionspapier und das Wahrscheinlichkeitspapier. Funktionspapier dienen zur vereinfachten Darstellung (meist als Geraden) von Funktionen, die mit anderer Achsenteilung kompliziertere Graphen ergeben.

Funktionsplan: schriftliche Festlegung der zur vereinbarten Arbeitsaufgabe des Werktätigen gehörenden Einzelaufgaben und des Verantwortungsbereichs; wird vom Betriebsleiter als Weisung in Kraft gesetzt und erforderlichenfalls geändert. Bei Funktionsplanänderung, die die Arbeitsaufgabe ändert, bedarf es eines Änderungsvertrages.

Funktionstheorie: Musik auf die Tonalität sich gründendes System der analytischen Harmonielehre, in dem alle Akkorde der Tongeschlechter Dur und Moll durch ihre «verwandtschaftlich» Beziehungen (Funktionen) zu den Hauptharmonien (-funktionen) bestimmt und diese mit Funktionssymbolen belegt werden (zum Beispiel T = f Tonika, D = Dominante, S = f Subdominante). Auf diese Hauptharmonien der jeweiligen Tonleiter lässt sich alles melodisch-harmonische Geschehen zurückfuhren. Die Funktionstheorie als Lehre von den Akkordverbindungen wurde 1893 von H. Riemann ausgebaut.

Funktor, Junktor: Zeichen für eine Verknüpfung beziehungsweise Funktion; siehe auch mathematische Zeichen.

Funkverkehr: unmittelbarer gegenseitiger Nachrichtenaustausch zwischen Funksende- und Funkempfangsstationen bei kommerziellen (nichtöffentlichen) Diensten; zum Beispiel Schiffs-, Flugsicherungs-, Polizei- und Wetterdienst-Funkverkehr mittels Funktelefonie, Funktelegrafie oder Bildfunk im Langwellen-, Mittelwellen-, Kurzwellen- oder UKW-Bereich.

Funkzeichen: mittels Funks übertragene international vereinbarte Kombinationen elektrischer Impulse beziehungsweise elektrische Impulse und Impulspausen definierter Zeitdauer. Wichtige Funkzeichen sind zum Beispiel das Morse- und das Fernschreibalphabet.

Funt: (russisch) alte russische Masseeinheit; 1 Funt = 409,512 g.

Furan: eine farblose, sehr flüchtige, chloroformartig riechende, wasserunlösliche Flüssigkeit, die bei Säurezusatz verharzt; chemische Formel CH=CH-0-CH=CH; Kp 32°C.

Furchenwale, Balaenopteridae: weltweit verbreitete Familie der Bartenwale mit den größten Vertretern der Wale. Furchenwale haben 70 bis 100 lange Kehlfurchen, die eine starke Erweiterung des Mundraumes ermöglichen, um darin riesige Mengen Wassers aufzunehmen, das die Hauptnahrung, den Krill enthält. Siehe auch Blauwal, Finnwal, Buckelwal.

Furchung, Blastogenese: erste Phase der Embryonalentwicklung, in der die befruchtete Eizelle durch mehrfache Zellteilung in Furchungszellen (Blastomeren) zerlegt wird. Man unterscheidet mehrere Furchungstypen;

a) die totale Furchung, bei dotterarmen Eiern zeigt sich eine totale äquale (gleichmäßige) Furchung oder bei Eiern mit ungleicher Dotterverteilung eine totale inäquale (ungleichmäßige) F;

b) die partielle Furchung, Eier mit starker Dotteranhäufung an einem Pol furchen sich partiell (zum Beispiel bei Fischen und Vögeln). Dabei kommt es auf der Oberfläche des Dotters zur Ausbildung einer Keimscheibe (discoidale Furchung);

c) die superfizielle Furchung (oberflächliche Furchung), bei Insekteneiern mit zentraler Dotteranhäufung rücken die Furchungskerne nach Zuordnung von Plasma an die Oberfläche des Eies.

Furfural: («Kleie») früher Furfurol: eine farblose, in verdünntem Zustand brotähnlich riechende Flüssigkeit der Formel CH=CH 0 C(CHO)=CH; Kp 162 “C. Furfural bildet sich durch Druckverkochung von Kleie, Stroh unter anderem mit verdünnter Schwefelsäure; es kann zu Furfurylalkohol reduziert und zu Brenzschleimsäure oxydiert werden.

Furfurylalkohol: farblose, giftige, wasserlösliche Flüssigkeit der Formel CH=CH 0-C(CH2OH) = CH; F -29 °C, Kp 170 °C; Reduktionsprodukt des Furfurals.

Furiant: lebhafter, taktwechselnder tschechischer Volkstanz, meist 3 Takte %- und 2 Takte %-Takt; in die Kunstmusik eingegangen bei B. Smetana, Antonín Dvorák unter anderem.

furioso: (italienisch) Musik wütend, wild.

Furmint, Gelber: vorwiegend in Ungarn angebaute edle, spätreifende Keltertraube.

Furnier: mechanisch vom Holzkörper abgetrenntes, bis 5 mm dickes und mindestens 80 mm breites Blatt; erzeugt als Sägefurnier oder als Messer-, Schäl-, Exzenterschälfurnier. Nach der Verwendung unterscheidet man Absperr-, Unter-, Gegen- und Deckfurnier.

Furnituren: Elemente und Ersatzteile für Uhrwerke und Uhrenausstattungen, die nach Bestellsystemen für die einzelnen Uhrkaliber (Typen) numerisch geordnet sind. Quarzuhren bestehen aus 35 bis 50 Elementen. Sie sind zuverlässiger als mechanische Uhren mit 90 bis 200 Furnituren.

Furor: altgermanische Kampfeswut.

Fürsorge- und Aufsichtspflicht: Rechtspflicht der Leiter, Lehrer und Erzieher in den Einrichtungen der Volksbildung, im Rahmen der ordnungsgemäßen Gewährleistung der Schulpflicht dafür zu sorgen, dass bei Schülern geistige, körperliche, moralische, und materielle Schäden vermieden und Gefahren abgewendet werden.

Fürst: (furisto, «der Erste») bei den Germanen der höchste Richter, Heerführer im Gau; im Mittelalter der Inhaber eines unmittelbaren Reichslehens, schließlich Landesherr. Seit den Karolingern bestand der sogenannt ältere Reichsfürstenstand; Erhebungen in den jüngeren Reichsfürstenstand (seit dem 12. Jahrhundert) erfolgten durch Übergabe eines Reichslehens, später durch kaiserliche Erhebungen. Bischöfe, Äbte und Prälaten wurden als Territorialherren geistlicher Fürst. Die weltlichen und geistlichen Fürsten hatten Sitz und Stimme im alten deutschen Reichstag (Fürstenbank). Durch den Reichsdeputationshauptschluss (1803) wurden die geistliche (außer Mainz) und zahlreiche weltlichen Fürstentümer aufgelöst; es blieben nur die Titel.

Fürstengräber: ur- und frühgeschichtliche Grabanlagen, die sich durch ihre Größe und Ausstattung aus der Masse der anderen herausheben und damit auch auf eine besondere gesellschaftliche Stellung der in Fürstengräber Bestatteten deuten. Fürstengräber sind für Mitteleuropa seit dem späten Neolithikum, für Nordeuropa seit der Bronzezeit nachweisbar; eine Kontinuität ist jedoch nirgends feststellbar.

Fürstentag: im Mittelalter Zusammenkunft der Reichsfürsten außerhalb des Reichstages.

Fürstentümer: reichsunmittelbare Territorien im römisch-deutschen Reich. Die geistlichen Fürstentümer gingen aus den bereits im Frankenreich vorhandenen kirchlichen Besitzungen, die weit. Fürstentümer aus den alten Stammesherzogtümern und Markgrafschaften hervor. Im Reichsdeputationshauptschluss (1803) wurden die geistlichen Fürstentümer säkularisiert, ein großer Teil der weltlichen mediatisiert, oder sie erlangten volle Souveränität (bis 1867/71 beziehungsweise 1918).

Furunkel: örtliche, von einer Haarbalgdrüse ausgehende eitrige Entzündung. Siehe auch Karbunkel.

Furunkulose: 1. Fischzucht: seuchenhafte Bakterienkrankheit lachsartiger Fische.

2. Medizin: wiederholt auftretende, über den Körper verteilte Furunkelbildungen.

Füruzan, geboren 29.10.1935, türkische Schriftstellerin; deckt in assoziativer Erzählweise, mit Montagen und inneren Monologen auf dem Hintergrund der 50jährigen Entwicklung der türkischen Republik illusionäre bürgerlichen Gesellschaftsvorstellungen und humanistische Potenzen der sozial Erniedrigten auf, so im Roman «Jahrgang 47» (1974) und in Erzählungen (dt Auswahl «Frau ohne Schleier», 1976, 1979).

Fusel: minderwertiger Branntwein mit zu hohem Gehalt an Fuselölen.

Fuselöl: giftiges Nebenprodukt der technisch alkoholischen Gärung. Fuselöl ist eine hustenreizende Flüssigkeit und besteht im Wesentlichen aus isomeren Amylalkoholen; es entsteht durch enzymatischen Abbau von Eiweißstoffen, die im Ausgangsmaterial enthalten sind. Fuselöl dient als Lösungsmittel und zur Herstellung einzelner Amylalkohole sowie deren Ester.

Fushun: Stadt im Nordosten Chinas, im Osten der Provinz Liaoning; 1,1 Millionen Einwohner; Zentrum der Kohleforderung und -Verarbeitung mit Steinkohlentagebau bis 350 m Tiefe und mit bis 130 m starken Flözen; 3 Ölraffinerien, Gewinnung von Schieferöl, Produktion von Aluminium, Kugellagern und Maschinen.

Füsilier: ursprünglich Angehöriger einer mit Flinten (fusil) bewaffneten französische Reitertruppe, später (besonders in Preußen) auch einer Infanterieeinheit, die in aufgelockerter Form kämpfte.

füsilieren: (französisch deutsch) standrechtlich erschießen.

Fusion: 1. allgemein Vereinigung, Verschmelzung.

2. Physik: soviel wie Kernfusion.

3. Physiologie: Prozess der zentralen Informationsverarbeitung, durch den die 2 etwas verschiedenen Abbildungen der Umwelt durch beide Augen in der Wahrnehmung zu einem Bild verschmelzen. Bei Ausfall der Fusion entstehen Doppelbilder, zum Beispiel unter stärkerer Alkoholwirkung. Fusion erfolgt nur innerhalb bestimmter Grenzen.

4. Wirtschaft: Vereinigung, Verschmelzung bisher juristisch selbständiger kapitalistischer Unternehmen zu einer Gesellschaft; eine Form der Zentralisation des Kapitals. Im staatsmonopolistischen Kapitalismus führt die Fusion beziehungsweise Teilfusion (auf einzelnen Produktionsgebieten) von Großunternehmen zu Monopolen internationaler Größenordnung und Struktur sowie zur weiteren Verschärfung des monopolistischen Konkurrenzkampfes.

Fuß: 1. Fuß, Pes: Anatomie unterster Abschnitt der Gliedmaßen von Landwirbeltieren, bei Zweifüßern nur der Hinterbeine oder unteren Gliedmaßen. Der Fuß besteht beim Menschen aus Fußwurzel (Tarsus), Mittelfuß (Metatarsus) und Zehen (Digiti). Die knöcherne Grundlage sind 7 Fußwurzelknochen (Tarsalia), 5 Mittelfußknochen (Metatarsalia) und je Zehe 3 Phalangen (1. Zehe nur 2 Phalangen).

2. Metrologie: alte Längeneinheit; 28 bis 31 cm; altrömisch (pes) 29,57 cm, russisch (Fut) und englisch (Foot) 30,48 cm. 1 Fuß O = 12 Zoll (") = 144 Linien.

3. Fuß, Fußtonzahl: Musik aus dem Orgelbau stammende Bezeichnung für die Tonhöhe eines Registers; wurde unter anderem auch im Cembalobau gebräuchlich. Die offene Labialpfeife für den Bezugston C ist 8 Fuß (etwa 2,40 m) lang, die Stimme erklingt in der Lage, in der sie gespielt wird. 4 Fuß klingt eine Oktave höher, 16 Fuß eine Oktave tiefer. Abgekürzte Schreibweise ist 4', 8', 16' und so weiter.

Fußball, englisch Football: meist auf einem Rasenplatz betriebenes Torspiel zweier Mannschaften von je 11 Spielern (1 Torwart, 10 Feldspieler) und mehreren Auswechselspielern, von denen in Punkt- und Pokalspielen lediglich einmal 2 Spieler eingewechselt werden können. Spielfeldmaße, der (für Männer) 396 bis 453 g schwere Lederhohlball von 68 bis 71 cm Umfang soll möglichst oft in das gegnerische Tor gestoßen werden. Die Spielzeit beträgt für Männer und Junioren 2 x 45 min. Unentschieden endende Pokal- und Entscheidungsspiele werden gegebenenfalls verlängert (Männerbereich 2 x 15 min) und bei erneutem Unentschieden mit sogenannt Torschüssen vom Strafstoßpunkt (vorerst je 1 Schuss von 5 Spielern jeder Partei) bis zur Entscheidung fortgesetzt. Der Ball darf von den Feldspielern mit allen Körperteilen außer «Hand» (=gesamter Arm) gespielt werden; für den Torwart gibt es im Strafraum keine Beschränkungen. Jeder Spieler (auch der Torwart) kann Tore erzielen. Im Torraum hat der Torwart Sonderrechte. Olymp. Sportart seit 1900, Weltmeisterschaften seit 1930, Europameisterschaften seit 1968.

Fußboden: untere Raumfläche, die die erforderlichen funktionellen (begeh-, befahrbar, gleitsicher), technisch-physikalische (abrieb-, druckfest, schall-, wärmedämmend) und gestalterische Nutzungseigenschaften durch unterschiedlichen Schichtenaufbau gewährleistet. Man unterscheidet Holzfußboden (Dielen-, Stabfußboden, Parkett), Steinfußboden (Natur- oder Kunststeinplatten, Fliesen), fugenlosen Fußboden (Estrich, Steinholz, Terrazzo).

Fußbodenbelag: Sammelbegriff für meist PVC beschichtete Pappen, Filze, Vliese oder andere textile Schichtträger, die heute anstelle von Linoleum verwendet werden.

Fußfehler: Hockey unerlaubtes Berühren des Balles mit dem Fuß; ergibt Freischlag für den Gegner.

Fußkrankheiten: Sammelbegriff für Pflanzenkrankheiten, bei denen die verschiedenen Erreger vorwiegend vom Boden aus die basalen Teile der Pflanze (Wurzel, Wurzelhals, Halm- und Stengelbasis) befallen. Als Symptome treten Fäulen, Verfärbungen, Vermorschungen und reduziertes Wurzelsystem auf. Beispiele sind die Halmbruchkrankheit des Getreides, die mit kleinen runden, dunkelgerandeten Flecken am Halmgrund beginnt und später zum Umbrechen der Halme führt; der Wurzelbrand als Krankheit der Keimlinge, die ebenfalls Umfallen, die Schwarzbeinigkeit mit schwarz verfärbtem Stängelgrund und Wurzeln.

Fußlage: Kindslage bei der Geburt, bei der ein Fuß beziehungsweise beide Füße zuerst geboren werden.

Fußleistensystem und Wandkanalsystem, Kurzwort FWK-System: industriell vorgefertigtes Elektroinstallations- (Baukasten-) System mit zusammensetz- und zusammensteckbaren Baugruppen von Installationsgeräten, -kanälen und -leitungen.

Füssli, Johann Heinrich, 6.2.1741-16.4.1825, schweizerischer Maler und Dichter; lebte seit 1779 in Großbritannien. Füssli ist ein Hauptvertreter des „Sturm und Drang“ in der bildenden Kunst. Er neigte in Stoff und Gestaltung zum Phantastischen und Gewalttätigen. In seinen Gemäldezyklen nach Werken J. Miltons und W. Shakespeares verband er klassizistische Tendenzen mit Gestaltungsmitteln Michelangelos und des Manierismus.

Fußring: nummerierter, mit Jahreszahl versehener Ring aus Metall oder Plast, der zur Kennzeichnung des Geflügels beziehungsweise der Vögel an einem Fuß befestigt wird.

Fußwurzel, Tarsus (lateinisch griechisch): Teil des Fußes; zu den Fußwurzelknochen gehören Sprung-, Fersen-, Kahn- und Würfelbein sowie 3 Keilbeine.

Fust, Johann, um 1400-1465 oder 1466, Kaufmann; finanzierte 1450 und 1452 die Druckunternehmen J. Gutenbergs, brachte 1455 dessen Druckerei an sich und begründete mit Gutenbergs Gesellen Schöffer die Offizin Fust & Schöffer.

Füst, Milän, 17.7.1888-26.7.1967, ungarischer Dichter und Ästhetiker; gehörte zum Kreis um die Zeitschrift «Nyugat». In seiner Lyrik (dt. Auswahl «Herbstdüsternisse», 1974) schuf er eine Traumwelt gegen die feindliche Umwelt. Sein bedeutendster Roman neben Lyrik und Dramen ist «Die Geschichte meiner Frau» (1942, deutsch).

Fustanella: kurzer weißer Faltenrock der südalbanischen und neugriechischen Männertracht.

Fusulinen: marine kalkschalige, spindelförmige, bis 6 cm lange Foraminiferen des Oberkarbons und Perms; wichtige Leitfossilien; zum Teil gesteinsbildend.

Futhark: Runenalphabet, benannt nach seinen ersten 6 Zeichen (f, u, b, (th), a, r, k).

Futilität: Nichtigkeit, Kleinigkeit; Seichtigkeit.

Futter: 1. Fertigungstechnik: Vorrichtung an Werkzeugmaschinen zum Spannen umlaufender Werkstücke (zum Beispiel Backenfutter) oder Werkzeuge (zum Beispiel Bohrfutter).

2. Futter, Futterstoff: Textiltechnik meist glattes Gewebe aus Chemiefasern oder -seide, Baumwolle oder Wolle zum Abfüttern von Kleidungsstücken unter anderem.

3. Tierernährung: Nahrung für Nutztiere; zusammenfassender Ausdruck für Futtermittel und deren Mischungen. Nach verschiedenen Gesichtspunkten unterscheidet man Grobfutter, Konzentrate; Erhaltungsfutter, Leistungsfutter; Grundfutter, Beifutter; Raufutter, Saftfutter.

Futteral: Schutzhülle, Überzug; kleiner Behälter.

Futterautomat: Vorratsbehälter, aus dem die Tiere ständig Futter angeboten bekommen oder über automatischen Einrichtungen zu bestimmten Zeiten die gewünschten Mengen erhalten. Siehe auch Fütterungsanlage.

Futterbau: Produktion von ausschließlich für die Tierfütterung geeigneten Pflanzen auf Ackerflächen (Feldfutterbau) oder Grünland (Wiese, Weide). Beim Feldfutterbau werden die Futterpflanzen als Haupt- (zum Beispiel Klee, Luzerne, Futterrübe), Zweit- (zum Beispiel Silomais, Grünmais, Markstammkohl) oder Zwischenfrucht (zum Beispiel Futterroggen, Gemenge, Sonnenblumen) angebaut; sie werden grün, getrocknet (und pelettiert), gedämpft oder siliert verfüttert.

Futterbereitungsanlage: zur Zubereitung vorwiegend wirtschaftseigener Futtermittel für die Fütterung großer Tierbestände eingerichtete Anlage von aufeinander abgestimmten Aufbereitungsmaschinen (Dämpfanlage, Schrotmühle, Häckselmaschine, Bröckler, Futtermuser unter anderem), Dosier-, Misch- und Fördereinrichtungen. Der Futterbereitungsanlage sind meist Silos zur Bevorratung zugeordnet.

Futtereinheit: Bezugsgröße zur vergleichenden Bewertung von Futtermitteln, zum Beispiel energetische Futtereinheit, Stärkewert, Gesamtnährstoff.

Futterhefe: industriell mittels Fermentationsverfahren hergestelltes eiweiß- und vitaminreiches Futtermittel mikrobieller Herkunft; siehe auch mikrobiologische Industrie.

Futterkalk: Gemisch von kohlen- und phosphorsaurem Kalk; mineralischer Futterzusatz zur Deckung des Kalk- und Phosphorbedarfs landwirtschaftlicher Nutztiere.

Futterleder: dünnes, schweißaufsaugendes Leder für die Innenausstattung von Schuhen.

Futtermauer: Schutzmauer gegen Witterungseinflüsse und Erosion vor standfesten Böschungen.

Futtermittel: organische und anorganische Stoffe beziehungsweise Mischungen daraus, die bei der Verfütterung an Tiere zur Deckung ihres Energie- und Nährstoffbedarfs dienen (zum Beispiel Expeller, Futterhefe, Kleie, Futterkalk, Raufutter und Trockengrüngut).

Futtermittelanalyse: Verfahren zur chemischen Bestimmung der sogenannt Rohnährstoffe in Futtermitteln.

Fütterungsanlage: aus baulichen und maschinellen Einrichtungen zur Futterannahme, -lagerung, -aufbereitung und -Verteilung bestehende Anlage zur Fütterung großer Tierbestände; Bestandteil von Tierproduktionsanlagen, zum Beispiel Rinderaufzucht und -mastanlagen, Milchviehanlagen und Schweineproduktionsanlagen mit bis zu 20000 Tierplätzen. Selbstfütterungseinrichtungen (Futterautomaten) werden besonders in Fütterungsanlagen der Geflügel- und Kleintierproduktion eingesetzt.

Futterwert: von Energiegehalt, Inhaltsstoffen (verdauliche Nährstoffe, Schadstoffe), Reinheit und Frischezustand abhängiger Maßstab zur Beurteilung von Futtermitteln.

Futur, Zukunftsform: Beugungsform des Verbs; im Deutschen Futur I (ich werde schreiben) und Futur II (ich werde geschrieben haben).

Futurismus: Richtung der spätbürgerlichen Kunst, die in Italien 1909 zuerst für die Dichtung (Manifest des Schriftstellers T. Marinetti), dann für die Malerei (C. Carrä, U. Boccioni, G. Balla, G. Severini), Plastik und Architektur proklamiert wurde. Das Prinzip, das Kunstwerk als Synthese aus Zeit, Ort, Form, Farbe und Ton zu sehen, führte infolge der Einbeziehung von Elementen des Dynamischen über die Simultanansichtigkeit des Kubismus hinaus. Der Futurismus beeinflusste das Kunstschaffen in Deutschland (besonders G. Grosz), Frankreich und Russland. Nach 1910 fand der Futurismus in die Literatur Eingang. Seine Antibürgerlichkeit und antikonventionelle, das Gefühl betonende Sprachbehandlung (Willkür in Satzbau und Wortwahl, lockere Folge von Substantiven und Infinitiven) wirkten auf einige progressive Schriftsteller (unter anderem W. Majakowski).

Futurologie, Zukunftsforschung: in der bürgerl. Ideologie verbreitete Bezeichnung für die Gesamtheit bürgerlicher Forschungen, Trendanalysen, Deutungen und Verhaltensvorschläge hinsichtlich zukünftiger natürlicher und gesellschaftlicher Lebensbedingungen der Menschheit. Die Futurologie entstand als Reaktion auf die wissenschaftliche Gesellschaftsprognose des Marxismus-Leninismus, der allein in der Lage ist, Fragen zur Zukunft der Menschheit in Übereinstimmung mit den Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung zu beantworten. Alle Vertreter der bürgerlichen Futurologie leugnen den zukunftsbestimmenden revolutionären Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus und lehren letztlich den Fortbestand der kapitalistischen Gesellschaft.

Fux, Johann Joseph, 1660-13.2.1741, österreichischer Komponist; war Organist, dann Hofkapellmeister in Wien. In seinem umfangreichen Werk (Opern, Oratorien, Kirchenmusik) verband er Tradition mit Neuerertum. Berühmt war sein kontrapunktisches Lehrbuch «Gradus ad Parnassum» (1725, deutsch).

Fuxin, Fusin: Stadt im Nordosten Chinas, im Norden der Provinz Liaoning; 330000 Einwohner; größter vollmechanisierter Steinkohlentagebau des Landes, Kraftwerk (300 MW); chemische Industrie, Metallverarbeitung, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie; Station der Bahnlinie Tianjin-Shenyang.

Fuzhou, Futschou: Stadt im Südosten Chinas, Verwaltungszentrum der Provinz Fujian, am Unterlauf des Min Jiang; 600000 Einwohner; rasche industrielle Entwicklung, besonders der metallurgische, chemische und elektronische Industrie, Produktion von Kfz, Radioausrüstungen, Lackwaren; Außenhafen Mawei (Werften); seit 1958 Bahnverbindung.

Fuzzy-Methoden: unscharfe (fuzzy) Methoden bei der Modellbildung und Steuerung von Systemen. Mit den Fuzzy-Methoden wird der Tatsache Rechnung getragen, dass bei vielen (zum Beispiel biomedizinischen) Problemen bestimmte Beobachtungen und Aussagen nur unscharf gemacht werden können.

Fylgjen: («Folgegeister») im nordgermanischen Volksglauben Schutzgeister (teils in tierischer Gestalt).