Internat in Deutschland

Es gibt verschiedene Gründe, die Eltern dazu bewegen ihre Kinder auf ein Internat zu geben. Dies kann aus Überzeugung, aus Zeitmangel, aus geographischen Umständen (Abgelegener Wohnort, lange Anreise zur Schule) geschehen oder weil die Eltern den Besonderheiten Ihres Kindes nicht gerecht werden können.

Da es verschieden Formen von Internaten gibt, ist es besonders wichtig, dass das richtige Internat ausgewählt wird. Hierbei gilt es besondere Sorgfalt walten zu lassen, damit für die Erziehung Ihres Kindes die richtigen Weichen gestellt werden. Besonders hilfreich ist in diesem Zusammenhang von den Erfahrungen anderer Eltern zu profitieren. Denn bei der Beschäftigung mit diesem Thema ergeben sich viele Fragen, wie z.B.
- Welche Kriterien sind für die Auswahl eines Internats entscheidend?
- Gibt es Beratungsstellen?
- Welche Einrichtungen sind besonders zu empfehlen und welche nicht?
- Wie finde man die richtige Einrichtung?
- Womit muss man rechnen (Best-Case / Worst-Case)?

Vor- und Nachteile vom Internat aus erziehungswissenschaftlicher Sicht


Das Internat bietet eine anspruchsvolle, wenn auch konventionelle Unterrichtung ihrer Schüler. Ihre Lehrer tun in der Regel das, was ein Regelschullehrer auch tut oder tun sollte. Die Vorteile bestehen in kleinen Klassen, vielfältigeren Methoden, der Möglichkeit, Gruppen zu bilden und zu differenzieren, im persönlicheren Verhältnis von Lehrer und Schülern. Dennoch bleibt der Unterricht (Schule) im herkömmlichen Sinn: Andere Reformschulen oder die so genannten Alternativschulen sind in der Veränderung des klassischen Lehr-Arrangements weitergegangen.

- Die individuelle Förderung im Internat

Sie ist kein leeres Versprechen der Schule; das dichte Zusammenwohnen von Lehrern und Schülern, die gute Lehrer-Schüler-Relation, die Tatsache, dass in einem Internat praktisch jeder jeden kennt, all das sind Umstände, die das spezifische Eingehen auf die Probleme des einzelnen Kindes ermöglichen. Die Lehrer oder der inzwischen fast überall vorhandene Schulpsychologe sind in der Lage, Ausfälle und Schwierigkeiten und entsprechende Fördermaßnahmen bis hin zu psychotherapeutischer Beratung bereitzustellen.

- Die Integration von Außenseitern im Internat

Außenseiterkinder finden auch in dem Internat nicht gerade ein Paradies vor, auch dort gibt es Missgunst, Hackordnung, mitunter auch einmal Rücksichtslosigkeit. Das hohe pädagogische Ethos der Internate bewirkt aber, dass solche Probleme nicht unter den Tisch gekehrt werden, dass die Pädagogen versuchen, solche Schwierigkeiten immer wieder mit allen Kindern zu thematisieren, ja, dass dieser Problembereich geradezu eines der Haupteinübungsfelder im Hinblick auf das soziale Miteinander darstellt. Häufig ist es freilich auch so, dass sozial oder körperlich behinderte Kinder im Internat von vornherein nicht auffallen, vollständig integriert sind und sich so entfalten können, dass sie auch später nicht mehr unter Auffälligkeit leiden.

- Die Persönlichkeitsbildung durch das Gemeinschaftsleben im Internat

Werde ich noch kritisieren, dass über die Wirkungen dieser Heimpädagogik keine genauen wissenschaftlichen Untersuchungen vorliegen. Dennoch darf man auf der Grundlage subjektiver Beobachtungen und Eindrücke zunächst wohl davon ausgehen, dass im Internat hier einen spezifischen erzieherischen Wert besitzen, dass die Kinder eher als in Halbtagsschulen und einem normalen Elternhaus solche Persönlichkeitsmerkmale wie Selbständigkeit, Kritikfähigkeit, Nonkonformismus, Toleranz oder auch soziale Verantwortung ausprägen werden.

- Der handwerklich praktische Bereich im Internat.

Hier bieten fast jedes Internat verschiedene anspruchsvolle Betätigungsmöglichkeiten, die weit mehr darstellen, als eine originelle Freizeitaktivität. Der Bereich der praktischen Arbeit, z. B. auch für den Internatsbetrieb, nimmt einen eigenen pädagogischen Stellenwert ein. Dem Internat geht es auch hier um eine Bildung des Menschen als Ganzem, der mithin durch intellektuelles Tun nicht von praktischem Wirken und Fähigkeiten entfremdet werden darf, der den Bezug zu den grundlegenden Arbeiten zur menschlichen Lebenserhaltung nicht verlieren darf Arbeit, Praxis und Handwerk besitzen in den Internaten einen klaren Stellenwert bezüglich des Selbstbildes, des Selbstwertgefühls und der Persönlichkeitsbildung der Schüler.

- Die Resistenz gegenüber Modeerscheinungen im Internat

Ein Punkt, auf den die Internate ebenfalls - zu Recht - stolz sind. Sie üben in dieser Hinsicht keinen blinden Konservatismus. Es ist vielmehr so, dass aus ihrer ländlichen Lage und einer gewissen, zuweilen durchscheinenden Zivilisationsfeindlichkeit ein gesundes Misstrauen gegenüber Modenbewegungen erwächst, mit der Konsequenz, nur sehr vorsichtig und zögernd auf neue Züge aufzuspringen. Die verantwortlichen Erwachsenen in den einzelnen Internaten denken über alles Neue, seien es Verlockungen für die Kinder und Jugendlichen, seien es pädagogische Ansätze, seien es soziale Erscheinungen, vom Bezugspunkt ihres stark historisch verankerten Selbstverständnisses her. Dies verhilft ihnen in vielem zu kritischen Einstellungen, zu distanzierter Betrachtung und zu einem hohen Standard der Reflexion ihrer pädagogischen Ziele und ihres pädagogischen Handelns.
Anstatt gleich ein Internat zu besuchen kann auch erst einmal Nachhilfe genommen werden. Nachhilfeschulen sind gut geeignet um Wissenslücken zu füllen und so den Kindern neue Motivation für die Schule zu geben. Nachhilfe ist auch meist kostengünstiger als ein Internat und die Schüler können in Ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Nachhilfe in Dortmund und in vielen Städten in Deutschland finden Sie in den Branchenbüchern.

Minuspunkte der Internatserziehung und der Privatschule


Kehrseite der Resistenz gegenüber Modeerscheinungen ist ein in vielen anderen Aspekten zu abgeschlossenes Verhaftet Sein im eigenen Denkansatz. Dies zeigt sich in diesem und den folgenden drei Punkten.

- Die Überbetonung des Bildungs- und Erziehungsbegriffes im Internat

So lebt die pädagogische Idee der Internate maßgeblich von einem ausgesprochen hohen pädagogischen Anspruch, dessen Einlösung jeder vernünftig und praktisch denkende Pädagoge für unrealistisch halten muss. Die Diskussionen, die in diesem Zusammenhang um Bildungs-, Erziehungs- und Elitebegriffe geführt werden, geraten entsprechend abgehoben und erhalten allein schon quantitativ ein Gewicht, das ihnen in Relation zu den sich stellenden Praxisproblemen und auch zum neueren Stand der erziehungswissenschaftlichen Diskussion nicht zukommen müsste.

- Die mangelnde wissenschaftliche Kontrolle im Internat (Privatschule)

Als sich in den 60er Jahren das pädagogische Denken in der Bundesrepublik Deutschland zu verändern begann, kamen damit auch andere und konsequentere forschungsmethodologische Gesichtspunkte ins Spiel. Die Erziehungswissenschaft wurde empirischer, sozialwissenschaftlicher ausgerichtet und bezog auch zunehmend Erkenntnisse der pädagogischen Psychologie mit ein. Die Internate tun bis heute aber wenig, um ihre Arbeit in einem neueren Sinn wissenschaftlich zu kontrollieren. Die Berichte ihrer Arbeit verbleiben auf der Ebene subjektiver Erfahrungen und Eindrücke, sind Einzelfallstudien und pflegen ansonsten eine inhaltliche Auseinandersetzung, die den Standards der geisteswissenschaftlichen Pädagogik entspricht.

- Die Überbewertung der therapeutischen bzw. sozialpädagogischen Funktion im Internat

Was die Internate über ihre spezifischen Möglichkeiten im erzieherischen und im psychosozialen Bereich mitteilen, halte ich für richtig; auch ist beachtlich, dass fast alle über einen Schulpsychologen verfügen. Dennoch halte ich die Einschätzung für überzogen, dass es Kinder gibt, denen nur das Internat helfen kann. Eltern, ob allein erziehend, im Ausland lebend oder sonst wie von besonderen Umständen betroffen, Kinder, die behindert, sozial isoliert oder psychisch beeinträchtigt sind, finden in Deutschland ein wesentlich vielfältigeres Schul-, Erziehungs- und Therapieangebot vor als noch vor 20 Jahren: andere Reformschulen, öffentliche Modelleinrichtungen, Kinder-, Jugendlichen-, Erwachsenen- oder Familientherapieangebote der verschiedenen psychotherapeutischen Schulen. Die Internate sind dabei in vielen Fällen sicher nicht die schlechteste Lösung, aber beileibe nicht die einzige. Die Entscheidung, das Familienleben eines Kindes durch ein Internat zu ersetzen, weil einzig damit eine bessere psychosoziale Betreuung gewährleistet ist, sollte besonders selbstkritisch getroffen werden und dabei jede denkbare Alternativlösung berücksichtigen.

- Der Umgang mit sozialen Zeiterscheinungen in der Privatschule - Internat

So sehr die Traditionsverbundenheit der Internate auch zu loben ist, als Kehrseite zeigt sich zuweilen doch eine gewisse Hilflosigkeit gegenüber sozialen Phänomenen, die nicht in das naturverbundene, erziehungsorientierte, gemeinschaftsfördernde und bildungsethische pädagogische Konzept integrierbar scheinen. Elektronische Datenverarbeitung, neue Medien, Videoboom, Punk, Nofuture-Stimmung sind Zeiterscheinungen, denen nicht mehr allein begegnet werden können. Abschirmung, Beispiel und Appelle an die Vernunft als pädagogische Mittel gelten heute keineswegs als erzieherischer Königsweg, wenn es darum geht, Heranwachsende von Normierungsdruck zu lösen und ihnen im Umgang mit den vielfältigen heutigen Zugriffen auf ihr Fühlen und Denken beizustehen.

-Das patriarchalische System im Internat oder der Privatschule

Jede Schule besitzt einen Leiter, der bis heute und entsprechend dem Vorbild der englischen public schools durchaus eine Art Vaterrolle im gesamten Heimbereich einnimmt. Nun muss man sicherlich nicht gleich, wie es z. B. die Waldorf-und die Alternativschulen tun, auf eine Leiterpersönlichkeit verzichten. Das Internat übernimmt jedoch die Gründervater-Mentalität bis heute ungebrochen, blenden eine Reflexion über die Funktionen und Auswirkungen eines so strukturierten Internats völlig aus und entwickeln nicht einmal ansatzweise Gedanken über Alternativmodelle.




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